Kapitel 6
Die Reparatur hatte nicht lange gedauert und der Chefingenieur hatte das Datenpadd mit den Sensorenlogbüchern nun dem Captain übergeben. Die Vulkanierin Shelar hatte die Daten in den Hauptspeicher übertragen und sie, der Captain, sowie der erste Offizier saßen nun im Besprechungsraum um die Daten zu sichten.
Es hatte sich sehr schnell herausgestellt, dass mindestens zwei Jem’Hadar Patrouillen an dem Planeten vorbeigekommen waren. Eine weitere war sogar auf dem Planeten gelandet und hatte dort so wie es aussah nach den Siedlern gesucht. Scheinbar hatten sie nichts gefunden, denn nach immerhin fast zwei Tagen waren sie dann wieder abgerückt. Sie hatten möglicherweise die hinterlassenen Zeichen für einen hastigen Aufbruch so interpretiert, wie es von den Siedlern gewünscht worden war.
„Wie Sie sehen können, haben die Truppen des Dominion sich in diese Richtung weiterbewegt.“
Sie schaltete auf eine Karte um, die das Gebiet in dreidimensionaler Ansicht wiedergab.
Zwischen den drei identifizierten Linien, die in geschwungenen Bahnen mehrere Planeten angeflogen hatten waren sogar auch noch andere Spuren zu erkennen. Einige Warpspuren und auch Impulsspuren, die allerdings in weiterer Entfernung entlanggingen und die aufgrund der geringen Auflösung nicht genau bestimmbar waren.
Insgesamt waren in diesem Raumsektor alleine in den letzten vier Wochen fünfzehn verschiedene Energiespuren von Schiffen vermerkt.
„Wenn ich diese Spuren auf unser Einsatzgebiet projiziere, dann folgen diese in etwa der angegebenen Linie.“ erklärte Shelar.
Eine blaue Linie zeigte den vermutlichen Verlauf der Schiffe, die sich durch verschiedene Systeme zog. Anscheinend hatten die Schiffe des Dominion auch nach einem Ort gesucht an dem sie sich verbergen konnten, oder an dem man einen guten Nachschubposten aufbauen konnten.
„Wie auch immer, die am meisten wahrscheinliche Richtung verläuft direkt in die Gebiete, die noch vor uns liegen!“ gab die Vulkanierin zu bedenken.
„Für uns bedeutet das erhöhte Wachsamkeit. Wir müssen nun auf jeden Fall damit rechnen, dass wir in diesem Sektor auf Schiffe des Dominion treffen. Hatten wir bislang nur vermutet, dass versprengte Truppen sich hier aufhalten können, so ist das nunmehr zur Gewissheit geworden.“ schlussfolgerte Frank.
„Sind Sie sicher, dass sie sich hier irgendwo sammeln?“ wollte der erste Offizier wissen,
„Es könnte schließlich auch sein, dass sie irgendwann unbemerkt die Frontlinie passieret haben.“
Shelar schüttelte den Kopf.
„Nein, bei all dem Wissen, welches wir über die Jem’Hadar inzwischen gesammelt haben, lässt sich erkennen, dass sie zwar unerbittliche Kämpfer sind, aber dass sie auch wissen, dass es kaum Sinn macht Ressourcen zu verschwenden. Die Chance, dass einzelne Schiffe die Frontlinie unbeschadet durchbrechen können ist nahezu nicht existent. Dafür ist das Netz der
Alliierten Truppen immer noch zu dicht.
Nein, ich gehe davon aus, dass sie sich sammeln. Sie werden versuchen zumindest ihre Kräfte zusammenzuziehen bevor sie einen Durchbruchversuch starten, oder bevor sie unseren Leuten tatsächlich in den Rücken fallen.“
Frank beugte sich nach vorn, stellte die Ellbogen auf die Tischplatte und ließ sein Kinn in die Hände sinken.
„Das bedeutet für uns, dass wir jeden Planeten noch intensiver absuchen müssen und uns keine Fehler erlauben dürfen. Der von den Scannern der Siedler erfasste Bereich ist nicht gerade sehr groß. Wir müssen davon ausgehen, dass sich das Dominion einen Planeten sucht, auf dem Sie ihre Schiffe reparieren oder eine Basis errichten können. Wir müssen also jeden Planeten geradezu durchkämmen. Das wird Wochen dauern.“
Resignierend ließ sich Frank zurück in die Sessellehne sinken.
„Es gibt noch eine andere Möglichkeit Captain.
Wenn wir das Scoutschiff abtrennen und in einen synchronen Orbit gehen, dann können wir den Planeten in einer Umrundung abscannen und damit erheblich an Zeit einsparen.“ erklärte Shelar.
Dieser Vorschlag war nicht von der Hand zu weisen, schließlich hatten sie ja zwei vollwertige Schiffe, die sie einsetzen konnten.
„Wenn ich es recht bedenke, sind es sogar drei Schiffe, die wir verwenden können, Die Agadem ist schließlich auch perfekt ausgestattet und wir müssten sie nicht einmal einschleusen, da sie ebenfalls über hohe Warpgeschwindigkeit verfügt.“ sagte Frank, der sich wunderte, dass ihm diese Idee nicht schon viel früher gekommen war.
„Mit dieser Vorgehensweise könnten wir unser Scanergebnis qualitativ hochwertig halten und den Aufenthalt bei einem Planeten, in Abhängigkeit von seiner Größe, durchschnittlich in einem Tag erledigen.“ konstatiere Shelar, die wie alle Vulkanier immer den Drang verspürte die Aussagen so präzise wie möglich zu gestalten.
„Gut, dann wäre das beschlossen. Fliegen wir weiter zum nächsten Planeten, dort werden wir nach diesem Vorschlag vorgehen. Mister West, arbeiten Sie ein Suchraster aus, welches für diese Vorgehensweise geeignet ist. Das wäre alles. Danke.“
Frank stand auf und verließ den Raum.
Mit wenigen Schritten war er auf der Brücke und ließ sich in seinen Stuhl sinken, den der zweite Offizier, Lieutenant Gerald Quist sofort freimachte, als der Captain durch die Tür kam.
Jonathan West war inzwischen auf dem Weg in sein Quartier.
Er hatte sich in den Kopf gesetzt heute wieder an seinem Lieblingsprojekt zu arbeiten. Der Umsetzung der neuen fortschrittlichen Konsolen auf das alte Design der Sternenflotte. Er hasste diese neue Anordnung. Da die Konsolen aber alle neu waren und somit die Abmessungen und Flächen nicht mehr zu den bisherigen passten, konnte man nicht einfach eine neue Funktionsbelegung aus dem Computer laden.
Jonathan hatte sich schon zu Beginn des Dienstes auf diesem Schiff damit auseinandersetzen müssen und er war der Ansicht, dass ihn die Neuanordnung immer noch zu viel Zeit kostete, so dass er davon überzeugt war, dass er mit der alten Anwendung wesentlich schneller und komfortabler arbeiten konnte.
Seit mehreren Stunden saß er nun an seinem Terminal und erstellte neue Funktionskontrollen für die Flugsteuerung und die Antriebsschalttafeln, als er langsam aber sicher von Müdigkeit übermannt wurde.
Auch für ihn war es ein langer Tag gewesen. Aber so kurz vor dem Ziel wollte er nicht aufstecken. Die Kontrollen wollte er auf jeden Fall heute noch fertig stellen.
Schnell belegte er die beiden noch fehlenden Schaltflächen für die Plasmakühlung und die Entlüftung der Bussardkollektoren und speicherte die Kontrollen ab.
Jetzt hatte er sein Projekt abgeschlossen alle wichtigen Kontrollen konnten nun auch mit der alten Schaltflächenanordnung geladen und bedient werden.
Er schaltete sein Computerterminal ab und begab sich zur Nachtruhe.
* * *
Zwei Tage später hatte die Scimitar das Planetensystem verlassen und war auf dem Weg zum nächsten.
Frank hatte sich vorgenommen heute endlich einmal die Agadem auszuprobieren. Bei seinem ersten Einsatz der Scimitar hatte Commander Rychek das Schiff geflogen und damit sehr effektiv einige Jem’Hadar Jäger in Schach gehalten, einen davon sogar zerstört.
Der Captain hatte Anweisung gegeben das Schiff mit der Sensorenanordnung zu bestücken, zwei Modulen, die neben der Kabine und damit vor den Triebwerken angebracht waren.
Das ganze Schiff glich ein wenig einem Runabout, auch wenn es nicht ganz so groß war.
Frank hatte sich und zwei weitere Offiziere zum Dienst eingetragen und war wieder auf den Widerstand des ersten Offiziers gestoßen, der versucht hatte ihn von diesem Vorhaben abzubringen. Aber Frank war hart geblieben.
Er hatte Alan Brownfield angewiesen das Scoutschiff zu übernehmen, während Lt. Commander West die Scimitar führen sollte.
Nun begab er sich das erste Mal an Bord der Agadem und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Arbeit, die das Ingenieurscorps der Sternenflotte geleistet hatte war auch bei diesem Schiff vorbildlich.
Alles war an seinem Platz und Frank erinnerte es daran, als er zum ersten Mal auf der Scimitar gestanden hatte.
Die beiden Offiziere Richard D. James und Wendy Allen, beides Wissenschaftler, hatten bereits ihre Plätze eingenommen und Captain Dekkers besetzte das Steuer.
Nachdem sie die Starfreigabe angefordert hatten öffnete sich die Frachtraumtüre und das Shuttle glitt unter der Scimitar hindurch in den freien Raum.
Frank konnte sich davon überzeugen, dass Commander Rychek nicht übertrieben hatte. Das Shuttle war wendig, kraftvoll und bot eine perfekte Übersicht über alle Funktionen und ebenfalls nach draußen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn es um die Erfassung von Gegnern im Nahkampf ging.
Aber heute würde er hoffentlich nur die Abtastung von Planeten durchführen und nicht die Kampfkraft dieses Schiffes beweisen müssen. Das hoffte er jedenfalls. Er wies die beiden Offiziere an die Sensoren zu aktivieren und mit dem Abtastungsprozess zu beginnen.
Nachdem die Crew von allen drei Schiffen am Abend im Besprechungsraum der Scimitar die Ergebnisse dieses Tages prüfte waren alle ziemlich resigniert.
Eigentlich hätten sie sich gut fühlen müssen, denn es waren keine Anzeichen für fremde Schiffe oder auch nur Impulsspuren, oder Warppartikel festgestellt worden. Zumindest zu diesem Zeitpunkt ging von dem Planeten keine Gefahr für die Föderation aus. Aber Frank wusste, es würde mit Sicherheit nicht so bleiben. Irgendwo mussten sich die Schiffe ja aufhalten, die man in den Daten der Farmer gefunden hatte.
Diese Situation wiederholte sich in den nächsten Tagen und Wochen und schien langsam zur Gewohnheit zu werden.
Bis sich endlich ein Erfolg einstellte.
Eine Impulsspur, die noch nicht allzu lange zerfallen war, konnte mit Hilfe der neuen Hochleistungsscanner der Scimitar ausgemacht werden und die Projektion der Flugroute deutete in das System, welches schon fast am Ende der vorgesteckten Mission stand.
Ein Planetensystem mit sieben Welten, davon zwei Gasriesen und fünf Planeten, zwei davon waren der Minchara Klasse zuzuordnen, auf Ihnen war also Humanuides Leben möglich.
Captain Dekkers saß in dem zentralen Stuhl der Brücke und wies den ersten Offizier an das Scoutschiff bereit zu machen.
Obwohl diese Anwesung eigentlich unnötig war, denn die Crew des zweiten Schiffes war seit der Ankunft im Missionsgebiet ständig in Bereitschaft gewesen.
Das Scoutschiff hätte zu jeder Zeit abdocken können, so wie es inzwischen ja auch praktiziert wurde. Aber heute sollte sich diese Vorgehensweise ändern.
Im Gegensatz zu einem normalen Planeten bestand ein Gasriese nun einmal zu dem allergrößten Teil aus verschiedenen Gasen, die sich um einen ultradichten Kern gelegt hatten. Die Gravitation dieses Kerns reichte aus um zu verhindern, dass sich die Gase im Raum verloren.
Die Gase wiederum boten allerdings ein perfektes Versteck, wenn man sich in den oberen Schichten verbarg.
Die Scanner konnten aufgrund von Interferenzen nicht weit genug durch die dichten Gase dringen und die Scimitar war als großes Schiff nicht in der Lage in die tieferen Schichten der Atmosphäre einzudringen. Daher war sie zur Untätigkeit verdammt, konnte nur den Flug des Scoutschiffes überwachen und für Sicherheit sorgen.
Captain Dekkers drehte sich zu Erin Pan um.
„Wie sieht es aus Fähnrich, bekommen wir aussagekräftige Werte?“
Die junge Trillfrau schüttelte resigniert den Kopf.
„Nein Sir, es ist leider so, wie wir es befürchtet hatten, die Scanner reichen gerade einmal in die oberen Schichten der Atmosphäre, nicht tiefer als zweihundert Meter. Alles was darunter liegt ist nicht erkennbar.“
Der Captain ließ einen leisen Fluch hören, von dem man nicht wusste ob er nun darüber verärgert war, dass es so eingetreten war wie man befürchtet hatte, oder darüber, dass er sich bei der Abtastung des Planeten nur auf das Scoutschiff verlassen musste.
„Lieutenant Shelar, irgendwelche Anzeichen oder Spuren von den Schiffen?“
Zu Verwunderung des Captains antwortete die Vulkanierin:
„Ja Captain. Wir haben mehr als drei Spuren identifizieren können, die dieses System angeflogen sind. Die Spuren enden hier, das bedeutet, dass sie hier in die tiefere Atmosphäre abgestiegen sein müssen.“
Frank der die Nachricht von Shelar wie immer emotionslos präsentiert bekam nickte langsam mit dem Kopf.
„Endlich mal eine gute Nachricht, warum mehr als drei Spuren, können Sie das bitte erklären?“
Die Vulkanierin richtete sich auf und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.“
„Drei der Spuren konnten wir anhand der Warpsignatur eindeutig den Jem’Hadar zuordnen, aber wir haben noch zwei weitere gefunden die nicht zuordnungsfähig sind, sie sind schwach und kaum vorhanden, es könnte sich auch um Echos der Hauptspuren handeln, aber da sind wir uns nicht sicher.“
Frank wusste was das zu bedeuten hatte, man hatte es unter Umständen mit mehr Gegnern zu tun als nur mit drei. Er hatte ja auch schon beim ersten Einsatz der Scimitar feststellen müssen, dass sich das Dominion gerne in Formationen bewegte, die nicht sofort Aufschluss über die Kampfstärke zuließen.
„Wie auch immer Mister West, besetzen Sie das Scoutschiff und scannen Sie den Planeten. Denken Sie daran, dass Sie nicht zu tief in die Atmosphäre eintauchen, sonst wird das eine Fahrt ohne Wiederkehr.“
Der junge Offizier hatte verstanden. Er begab sich in den Flur neben der Brücke und durchschritt das Doppelschott, schon war er auf der Brücke des Scoutschiffes. Jetzt hatte er endlich auch die Gelegenheit seine selbst programmierten Schaltoberflächen im direkten Einsatz zu testen.
Der erste Offizier setzte sich in den zentralen Stuhl und gab seine Anweisungen:
„Lieutenant York, laden sie die Datei Alpha Omega West Eins und legen Sie die Kontrollen auf die entsprechenden Displays. Informieren Sie die anderen Abteilungen über die Änderung.“
Auf den meisten Stationen veränderte das die Aufteilung der Sensorflächen, so dass sie dem alten von der Sternenflotte gewohnten Design entsprachen. Jeder wusste sofort wie er nun vorzugehen hatte.
„Während die Andorianerin die Anweisung des leitenden Offiziers umsetzte, gab dieser weitere Anweisungen:
„Fähnrich Miller, lösen Sie die Andockklammern und heben Sie vom Hauptschiff ab, nur Manövriertriebwerke bitte!
Setzen Sie dann einen Kurs zum Planeten und gehen Sie in ein Suchraster Delta sieben.“
Die Anweisung wurde umgehend umgesetzt und schon hörte Jonathan West, wie sich die Verriegelungen öffneten und das Scoutschiff frei im Raum schwebte mit kaum messbarer Geschwindigkeit entfernten sie sich vom Hauptschiff, dann setzten die Impulstriebwerke ein und brachten das Scoutschiff schnell zum nahen Planeten.
In dem Moment in dem sie in die dichtere Atmosphäre eintauchten wurde der Flug sehr unruhig. Jonathan befahl die Geschwindigkeit herabzusetzen und mehr Energie in die Trägheitsdämpfer zu leiten, damit sich das Schiff stabilisierte. Die Funkverbindung zur Scimitar wurde stark gestört und je tiefer sie in die Atmosphäre eintauchten umso schlechter war die Verständigung. Nachdem sie bis auf
viertausend Meter in die Atmosphäre abgesunken waren, riss die Verbindung vollständig ab. Auch ein zugeschalteter Verstärker brachte da keine Abhilfe.
Auf dem teilweise gestörten Bildschirm waren nur dichte Wolkenformationen zu erkennen, die sich nur durch ihre jeweils anderen Farben unterschieden.
Aber selbst nach zehn Stunden intensiver Suche, gab es noch immer kein Ergebnis. Weder eine Energiesignatur, noch Anzeichen eines Schiffskörpers waren zu erkennen.
Jonathan West überlegte bereits, ob die Schiffe vielleicht auf den Kern gestürzt waren, aber auch eine vollständige Abtastung in diese Richtung erwies sich als ergebnislos.
So trat der erste Offizier unverrichteter Dinge wieder den Rückflug an. Langsam stieg das Scoutschiff wieder aus der Atmosphäre auf und erreichte bald die äußeren Gasschichten.
Sofort informierte der Lt. Comander den Captain, dass die Suche ergebnislos abgebrochen werden musste, was auf Unverständnis stieß. Obwohl die Energiespuren hier aufhörten, war auf diesem Planeten nichts zu finden. Es musste also eine andere Erklärung dafür geben.
„Mr. West, kommen Sie zurück, wir werden die Daten überprüfen und schauen ob wir etwas übersehen haben. Dekkers Ende!“ erklärte der Captain und navigierte die Scimitar in eine günstige Position für das Andockmanöver.
Langsam schwebte das Scoutschiff von hinten über die Scimitar und senkte sich dann mit den Manöverdüsen ab, so wie es die Crew in den letzten Wochen und Monaten immer wieder geübt und durchgeführt hatte. Inzwischen war alles nur noch reine Routine.
Das Schiff setzte mit einem sanften Ruck auf dem Hauptrumpf auf und die Verriegelungsklammern rasteten ein.
Aber in dem Moment, in dem das Einklappen der Warpgondeln erfolgen sollte, ertönte stattdessen ein überaus durchdringlicher Alarmton den keiner auf diesem Schiff hören wollte.
Es war der Hinweis, dass das Scoutschiff kurz vor einem Warpkernbruch stand und das wurde nun jedem auf dem Schiff bewusst, als der Computer mit mechanischer und anteilnahmsloser Stimme verkündete:
„Warpkernbruch steht bevor. Versagen der Eindämmung in Acht Minuten!“
Jonathan West war entsetzt, er wusste nicht wohin er zuerst sehen sollte, oder welche Anweisung er der Crew geben sollte.
Doch dann wählte er instinktiv die richtige Verbindung, als er auf seinen Kommunikator tippte.
„Lt. Meyers, was ist da los?“ wollte Jonathan von dem Chefingenieur des Scoutschiffes wissen, der scheinbar gerade alle Hände voll zutun hatte.
„Ich weiß es auch nicht Sir, wir wollten gerade die Warpgondeln absenken und sichern, als der Alarm losging. Die Kerntemperatur steigt rapide, aber wir haben keine Erklärung dafür. Wir stehen direkt vor einem Warpkernbruch!“
Noch während der Chefingenieur seinen Bericht abgab stand Frank Dekkers bereits auf der Brücke des Scoutschiffes.
„Was ist da schief gegangen, warum hat das Ersatzsystem nicht reagiert, es ist mit allen Kontrollen gekoppelt. Ein solcher Fehler könnte nicht einmal passieren wenn das Schiff schwer beschädigt wäre.“
Der erste Offizier zuckte mit den Schultern Ihm fiel dazu keine Erklärung ein, er hatte alles genau so gemacht, wie er es schon viele Male gemeinsam mit der Crew geübt hatte.
Noch immer schrillte der Alarm durchs Schiff und wurde weiter begleitet von der Stimme des Computers:
„Warpkernbruch steht bevor. Versagen der Eindämmung in sieben Minuten dreißig Sekunden!“
Frank Dekkers wusste, dass es um Sekunden ging.
„Los alle Mann runter vom Schiff, ich brauche zwei Freiwillige die das Steuer übernehmen. Mr. West, Sie übernehmen die Brücke der Scimitar und schaffen einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum Scoutschiff.“
Der Captain tippte auf seinen Kommunikator.
„Eddie, ich brauche Sie im Maschinenraum des Scoutschiffes, wir müssen sehen, ob wir das Problem noch lösen können!“ erklärte er dem Chefingenieur.
Aber mit der Antwort, die er bekam hatte er nicht gerechnet.
Denn aus dem Audiosystem erklang ein Stimmengewirr unterlegt vom Zischen verschiedener austretender Gase.
Jemand rief etwas über ein Plasmaleck und im Hintergrund war das schnelle Laufen von mehreren Fußpaaren zu hören. Dann endlich meldete sich der Chefingenieur:
„Aye Sir, ich bin schon hier oben, aber momentan haben wir noch nicht die Ursache gefunden, es wird besser sein, wenn wir abkoppeln, damit es nicht das Hauptschiff mit zerreist.“
Frank Dekkers wusste genau was es bedeutete hier auf dem Schiff zu bleiben und auch Eddie schien es zu wissen, trotzdem hatte er genau die gleiche Einstellung wie Frank, auch wenn der Captain noch eine weitere Motivation hatte. Er wollte weder das eine, noch das andere Schiff verlieren.
Als sich Frank Dekkers umdrehte sah er dass alle Offiziere und auch die Fähnriche die Brücke nicht verlassen hatten, nur Lt. Commander West hatte dem Befehl folge geleistet und war aufs Hauptschiff gewechselt. Eine kurze Durchsage versicherte ihm dass inzwischen alle nicht benötigten Personen von Bord gegangen waren.
„Na los dann weg hier!“ rief der Captain.
„Versuchen Sie mit dem Impulssystem so weit wie möglich wegzukommen vom Hauptschiff, ich sehe mich im Maschinenraum um, hoffentlich können wir die Katastrophe noch verhindern.“
Genau in dem Moment in dem Frank den Turbolift erreichte um zum Maschinenraum zu gelangen konnte er hören, wie die Computerstimme die Zeit bis zum Kernbruch mit nur noch sechs Minuten angab.
Kapitel 7
Rick Sanders hatte es tatsächlich geschafft einen Warpkern der Stufe 4 zu ergattern. Die Ancoridge, eines der letzten Schiffe der Constellation Klasse, die damals umgerüstet wurden, hatte diesen hochwertigen Antrieb in ihrem Schiff eingebaut.
Ebenso schwere bis mittelschwere Phaser und Pulsphaser, die man für die Golden Gate adaptieren konnte.
Rick hatte vor zwei Tagen angeordnet, dass seine Mannschaft in jeder freien Minute am Schiff arbeiten sollte, ihnen allen hatte er den Deal mit dem Admiral erklärt und sie hatten sich einverstanden erklärt alles für ihr Schiff zu tun, allen Voran der Chefingenieur Spike, der es als seine Bestimmung ansah, die Golden Gate wieder flott zu bekommen.
Admiral Theo Parker hatte ja zugestimmt Captain Sanders und seine Leute wieder in den aktiven Dienst zu versetzen, wenn er ein Schiff hatte. Damit hatte der Captain zumindest die Versicherung, dass die Crew zusammenbleiben würde. Aber es war eigentlich aussichtslos, bei dem Mangel an freien Schiffen wieder ein neues Kommando zu erhalten. Das war sowohl Rick Sanders, als auch den Offizieren der Crew nach einigen Wochen klar geworden. Aber inzwischen hatte sich das Blatt gewendet.
Rick saß mit seinen Führungsoffizieren im Casino, er wollte sich und seine Crew sehen lassen, damit der Admiral, wenn er Berichte erhielt nicht noch einmal Grund hatte sich zu beklagen oder ganz gezielt nachzufragen.
Es war besser, wenn der Admiral erst einmal seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes richtete und nicht wusste was er hier trieb.
Peter Brown setzte sein Glas ab und schaute den Captain fragend an.
„Der Antrieb wird ein richtiges Problem werden.
Wir konnten zwar die Phaserzellen und die Pulsphaser ersetzen, was auch keine leichte Aufgabe war, aber der Antrieb der Stufe 4 ist ein besonders harter Brocken. Nicht nur, das wir ihn in einer Nacht und Nebel Aktion zu unserem Schiff bringen mussten. Er ist leider auch nicht vollständig kompatibel mit den Einrichtungen. Wir müssen zwei Decks nach unten durchbrechen, sonst passt das Ding gar nicht hinein, ganz zu schweigen von der Abstimmung und der Verlegung von neuen Hochleistungsleitungen.“
„Ich weiß, ich weiß…“sagte Rick und rutschte in seinem Stuhl in wenig tiefer. Er raufte sich seine feuerroten Haare und schüttelte langsam den Kopf.
„Ich weiß auch nicht, wie wir das hinbekommen sollen. Wenn wir die Dockarbeiter fragen, dann steht mir der Admiral morgen früh schon auf der Matte. Mir wäre es aber lieber wenn er erst dann davon erfährt, wenn wir Abflugbereit sind. Dann ist er an sein Wort gebunden und kann nicht intervenieren.“
Lieutenent Lisa Perkins schüttelte ebenfalls den Kopf.
„Pah, meinst Du denn, dass der sich daran halten wird? Der wird nichts Besseres zu tun haben als Dir in den Rücken zu fallen!“
erklärte sie enttäuscht. Scheinbar hatte sie in der Vergangenheit schon einmal recht schlechte Erfahrungen mit einem Admiral gemacht.
„Nein, so schätze ich ihn nicht ein, er ist auch zu mir gekommen, um mir mitzuteilen, dass wir nur noch zwei Monate haben um entweder ein neues Schiff zu übernehmen oder selbst wieder auf die Beine zu kommen.
Über ein neues Schiff mache ich mir keine Hoffnungen, dafür gibt es viel zu viele Anwärter. Andererseits glaubt der Admiral sicher nicht, dass wir die Golden Gate wieder flott bekommen, das ist unser Vorteil.
Er lässt uns in Ruhe solange wir uns nicht selbst verraten.
Ich habe mit einem bekannten Kollegen einen Tausch ausgehandelt, wir bekommen die Teile für unseren Rumpf.
Dafür habe ich ihm Teile für eine Nova Klasse versprochen, die bei ihm gestrandet ist. Ich musste ihm allerdings das Versprechen abnehmen nichts zu erzählen, denn ich möchte auch nicht, dass unser alter erster Offizier hier plötzlich auf der Matte steht. Auch er braucht das erst zu wissen, wenn wir wirklich auslaufen.
Aber jetzt zurück zu unserem Problem, seid ihr sicher, dass wir das nicht hinkriegen? Dann sind wir nämlich aufgeschmissen.“
Einhelliges Nicken war die Antwort. Nur Spike konnte es nicht über sich bringen seinen Kopf zu bewegen. Dieses Eingeständnis würde zu sehr an seiner Ingenieursehre nagen. Aber auch ohne seine Zustimmung wusste Rick, dass es vorbei war, würden sie nicht diese Chance nutzen.
Resigniert saßen die Offiziere am Tisch und schauten wehmütig zu ihrem Schiff hinunter, welches tief unten im Dock hing und immer noch einen eher jämmerlichen Eindruck machte.
So bemerkten sie den anderen Offizier erst, als er fragte ob er sich zu ihnen gesellen dürfe und im selben Moment schon auf einem der Stühle saß.
„Entschuldigen sie, ich habe gerade nebenan gesessen und unfreiwillig ihre Unterhaltung mit angehört. Wie sie gerade sagten haben Sie Probleme einen Ersatzantrieb in Ihr Schiff einzupassen.
Rick Sanders, der für einen Moment einem melancholischen Gedanken nachhing, nickte mit dem Kopf.
„Stimmt, Sie wissen ja wie das ist. Hilf Dir selbst, dann hilft dir Gott. Nur der hat sich bislang nicht sehen lassen.“
Der Offizier mit dem kurz gestutzten Vollbart lächelte.
„Nun ja, ich bin auch nicht der Allmächtige, aber vielleicht kann ich etwas tun was sie voranbringt. Ich könnte Ihnen vielleicht eine Lösung bereitstellen, die Ihr Problem bewältigen kann.
Das was sie brauchen ist nicht nur jemand der Ahnung von Technik hat, sondern Sie brauchen jemanden, der Wunder vollbringen kann.“
Rick hob sein Glas an und trank es in einem Zug aus.
„Das ist richtig, aber auch der legendäre Montgomery Scott von der alten Enterprise ist mittlerweile nicht mehr verfügbar und wer sonst sollte so ein Wunder vollbringen können, denn auch meine Ingenieure sind schließlich keine Anfänger!“
Bei diesen Worten richtete sich Spike gleich wieder ein wenig auf. Dieses Lob tat ihm gut, auch wenn er scheinbar mit dieser Aufgabe hoffnungslos überfordert war.
„Nun, ich denke ich habe das weibliche Gegenstück zu Scottys Erfahrung gefunden und sie scheint die gleichen Gene zu besitzen. Was aber noch viel besser ist, sie ist jung und hat den Tatendrang mit der Muttermilch eingesogen.“
Rick Sanders schien inzwischen Gefallen an der Vorstellung zu finden, dass er Hilfe erhalten sollte, aber er war noch immer misstrauisch.
„Und wo liegt der Haken bei dieser Sache?“ wollte er wissen.
„Kein Haken, nur eine kleine Bedingung…“ antwortete der Offizier.
„Ach na klar, ich hab’s doch gewusst!“ bemerkte Christoph Kyler und wollte ansetzen zu einer Triade über die Vorgesetzten die häufig irgendwelche Bedingungen stellten.
„Nur ruhig, hören wir doch erst einmal was er zu sagen hat.“ beschwichtigte Commander Brown den jungen Lieutenant.
„Nun, legen sie los, wir alle sind gespannt!“
Der Offizier setzte ein wissendes Lächeln auf.
„Ich möchte dabei sein, wenn Admiral Parker erfährt, dass Ihr Schiff wieder ausläuft. Den Gesichtsausdruck möchte ich auf keinen Fall verpassen!“
Ein kurzes allgemeines Lachen war zu hören, verstummte aber schnell wieder.
„Ja, das kann ich mir gut vorstellen, aber wie soll ich das anstellen?“ fragte Rick.
„Nun, das überlasse ich Ihnen. Ich bin sicher, Sie lassen sich etwas Schönes einfallen. Wie sieht es aus, sind wir im Geschäft?“
Rick Sanders zögerte eine Sekunde. Aber dann ging er auf die Sache ein. Er hatte in den letzten Wochen und Monaten so manchen Handel gemacht und fühlte sich inzwischen wie ein Großhändler in der Rabak Vereinigung der Handelsplaneten, die im ganzen Alpha Quadranten bekannt für ihre Geschäfte waren. Sie waren schlimmer wie alle Ferengis zusammen.
„OK, wir sind im Geschäft, sagen Sie ihrem Wunderkind es soll sich bei mir melden. Ich bin Captain Sanders und unser Schiff ist die Golden Gate dort unten…“ wobei er nach unten in den Dockbereich auf ein Schiff der Miranda Klasse deutete.
„Gut, ich werde es weitergeben, Sie werden sicherlich schon morgen kontaktiert. Ich bin sicher Sie werden begeistert sein.“
Damit erhob sich der Offizier und verließ die Bar.
Sogleich fing eine hitzige Diskussion an, in der es darum ging, ob es eine gute Idee gewesen war sich von einem Außenstehenden helfen zu lassen. Erst in diesem Moment wurde der Crew klar, dass man weder den Namen des Offiziers kannte, noch das Schiff auf dem er diente.
Das hatten die Offiziere in ihrem Bemühen um eine Lösung völlig vergessen.
Rick betete nur, dass es nicht gerade ein Offizier gewesen war, der dem Admiral unterstellt war und dem er nun seine ganzen Pläne so mir nichts, dir nichts preisgegeben hatte.
Kapitel 8
Die Alexandria, ein Schiff der Nebula Klasse unter Captain Wikland war einer der Technologieträger der Sternenflotte. Aber inzwischen war es nötig geworden, dass auch sie ihre Fähigkeiten einsetzte um im Krieg gegen das Dominion einen Vorteil für die Flotte schon regelrecht zu erzwingen, denn es lief alles andere als gut für die Föderation und die Alliierten.
Die Crew der Alexandria hatte eine Zwangspause verordnet bekommen. Obwohl man im letzten Gefecht gut mitgehalten hatte und nur geringe Schäden einstecken musste, wollte man das Schiff zunächst aufrüsten um die Kampfkraft zu erhöhen.
Da die Mannschaft durch die letzten Einsätze sehr mitgenommen war hatte man auf Urlaub bestanden, den jeder begeistert aufnahm, außer einer jungen Frau.
Jaqueline Jefferson, die Chefingenieurin, die von allen nur J.J. gerufen wurde. Sie brauchte immer einen gewissen Kick, der nichts mehr mit den normalen Herausforderungen zu tun hatte. Es musste schon etwas besonderes sein.
Der erste Offizier, Roger van Dyke, durchschritt die Tür zur Offiziersmesse und sah, dass lediglich eine Person an den verwaisten Tischen saß um das Mittagsmahl zu sich zu nehmen. Es sah nicht so aus, als würde der Commander das Essen genießen, vielmehr stocherte Jaqueline Jefferson lustlos auf ihrem Teller herum und schien irgendwie frustriert zu sein.
„Hallo Commander…“ begrüßte sie Roger van Dyke, der erste Offizier der Alexandria.
„…na, nicht gerade das, was Sie einen erfüllten Tag nennen, oder?“ scherzte Roger und setzte sich zu Jaqueline an den Tisch.
J.J. die noch immer nach unten sah und mit ihren Augen die Spitzen ihrer Gabel fixierte, die in dem inzwischen bereits abgekühlten Gericht steckten, seufzte auf.
„Naja, ich habe wohl eine etwas andere Auffassung von Entspannung wie all die anderen hier auf dem Schiff. Ich würde viel lieber an einem knackigen Rätsel arbeiten, bei dem man versucht wie man einen Elefanten durch ein Nadelöhr bekommt. Wenn ich schon nicht nach Risa fliegen kann.“ gestand sie ehrlich.
Ihr war es zuwider wenn sie zuviel Freizeit hatte und nicht ihrem Hobby nachgehen konnte und das war eindeutig an den Maschinen der Schiffe herumzuhantieren. In dieser Hinsicht war sie nicht wählerisch. Sie hatte bereits viele Dinge wieder hinbekommen, sogar einen alten T-164 Deltawing wieder flott gemacht, der Jahrelang in irgendeinem alten Hangar eingestaubt war.
„Haben Sie denn nichts besseres zu tun J.J.?“ wollte Roger wissen, der sich immer um seine Crew bemühte und von vielen die kleinen und großen Sorgen und Nöte kannte.
„Schön wär’s, aber nicht einmal Admiral Theo Parker, der mir noch einen Gefallen schuldet will mir eine Aufgabe geben. Er sagt, ich hätte Freizeit und da könnte er nichts machen. Es wäre allerhöchste Order. Und nun sitze ich hier, starre auf mein Essen und langweile mich zu Tode!“
Roger musste Lachen. Es war einfach zu grotesk. Kaum war die Order herausgegangen, dass es Urlaub geben würde, hatten alle fluchtartig das Schiff in Richtung Sternenbasis und Freizeiteinrichtungen verlassen, nur die Chefingenieurin saß hier und wusste nichts mit sich anzufangen. Natürlich wäre es besser auf irgendeinem Vergnügungsplaneten wie Risa zu sein, aber so lange würde die Alexandria nun auch wieder nicht im Dock liegen.
„Nun, wenn es Ihnen Spass machen würde, den besagten Elefanten durch ein Nadelöhr zu bringen, warum bauen Sie dann nicht einen Warpantrieb der Klasse 4 in ein Schiff der Miranda Klasse ein?
Ich bin gespannt, ob das Ihren Vorstellungen nach einer besonderen Herausforderung entspricht?“
Jaqueline Jefferson wäre fast die Gabel aus der Hand gefallen.
Ein Warpantrieb der Klasse 4 gehörte eigentlich in ein Schiff der Constellation Klasse aber keinesfalls in eines der Miranda Klasse. Einen solchen Umbau würde kein Sternenflotteningenieur befürworten. Aber wie auch immer, letztendlich war die Energiematrix seit vielen Jahren die gleiche geblieben und mit etwas Glück sollte es auch möglich sein den Antrieb in einem Schiff der Miranda Klasse unterzubringen. Aber es wäre ein Kunststück diesen Antrieb in einem solchen Schiff wirklich zum Laufen zu bringen.
J.J. der eben die Gabel aus der Hand gefallen war blickte zu Roger auf.
„Sehr witzig, wer sollte so etwas genehmigen. Bei der Materialknappheit braucht man die Teile sicherlich irgendwo anders, als in einem so alten Schiff, oder…“
Sie ließ den Satz unvollendet und schaute in die Augen des ersten Offiziers, der ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt hatte und den Kopf ein wenig zur Seite legte.
Plötzlich war Jaqueline Jefferson hellwach, als hätte sie eine ganze Kanne Raktojino getrunken.
„Stimmt das? Wenn ja, wo ist das Schiff… liegt es hier… in dieser Basis?
Bei wem kann ich mich melden…?“
Roger konnte nicht anders, er musste einfach lachen. Der schnelle Umschwung in Jaquelines Stimmung war für ihn eine der schönsten Belohnungen an diesem Tag.
Schließlich hatte er gestern Abend mehr als sechs Stunden bis tief in die Nacht im Kasino der Sternenbasis gesessen und sich umgehört, wer denn eine besonders knifflige technische Aufgabe zu lösen hatte und war dann auf Rick Sanders und seine Crew gestoßen, die unbedingt ihr altes Schiff wieder flott machen wollten.
„Wenn Sie aus dem Fenster schauen, dann sehen Sie ein ziemlich lädiertes Schiff der Miranda Klasse ganz unten im Dock.
Es ist die U.S.S. Golden Gate.
Sie hat es schwer erwischt, aber ich bin sicher, mit dieser Crew wird das Schiff bald wieder durch den Raum schippern.
Hier haben Sie die Angaben zum Schiff, die ich aus dem Computer abgerufen habe. Melden Sie sich bei Captain Rick Sanders, er wird Ihnen sagen was er braucht.
Sie haben doch schon Erfahrung wie das geht, denken Sie an die Yokohama, die Sie auch wieder hinbekommen haben.
Wenn mich einer fragt, dann sind Sie dabei Ihrem Hobby zu frönen, mehr muss ich ja nicht sagen, alle werden dann zufrieden sein. Aber lassen Sie sich nicht erwischen.“
* * *
Captain John Devero war sichtlich zufrieden. Er hatte sich inzwischen im Quartier des Captains auf der Avatar eingelebt und bereits seine persönlichen Gegenstände aufs Schiff bringen lassen. Seine Golfschläger, die er grundsätzlich griffbereit hielt, wie auch die Reitausrüstung, die er auch im Holodeck verwenden konnte, hatte er an entsprechenden Stellen in seinem Quartier untergebracht. Lediglich die Aussicht entsprach nicht seinen Vorstellungen. Nicht das die Fenster in irgendeiner Weise zu klein gewesen wären oder dass diese nicht in Flugrichtung zeigten, wie es bei den allermeisten Captainsquartieren der Fall war.
Nein, der Grund für seinen Missmut war, dass er sich mit seinem Schiff immer noch im Dock befand und er nicht den freien Raum sehen konnte, so wie er das seit vielen Jahren gewohnt war. Er fühlte sich eingesperrt, so als würde er in einem Schiff in der Flasche wohnen.
Es lag ihm nicht, eine so statische Position einzunehmen, viel lieber wollte er mit seinem Schiff durch den Raum gleiten, so wie er das immer getan hatte.
In seinem Quartier prüfte er gerade die Unterlagen, die ihm vom Ingenieurcorps der Sternenflotte und den Dockarbeitern vorgelegt worden waren. Er hatte sehr genaue Vorstellungen darüber ausgegeben, wie der Wortlaut beschrieben sein musste, damit er sein Ziel, die schnellstmögliche Indienststellung, umgehend erreichen konnte. Schließlich war er nicht umsonst schon seit achtzehn Jahren Captain von mittlerweile vier verschiedenen Schiffen gewesen, die zugegebenermaßen niemals aus Altersgründen außer Dienst gestellt werden mussten.
Aber diese Grünschnäbel, die ihm das Leben schwer machen wollten, die hatte es immer gegeben und er hatte seine eigene Art um mit Ihnen fertig zu werden.
Besonders dieser junge Captain, der das Schiff angeblich entworfen hatte, was sich Devero überhaupt nicht vorstellen konnte, war ihm ein Dorn im Auge.
Überall und immer wieder bestand er auf Dingen, die man in der Sternenflotte bislang ganz anders gehandhabt hatte. Diese bisherige Einstellung konnte einfach nicht falsch sein, wenn sie so viele Jahre problemlos funktioniert hatte. All dieser neumodische Kram, all die Anweisungen und Anforderungen, mit denen er Mühe hatte sie zu umgehen. Es war einfach an der Zeit, dass dieses Schiff endlich auslief und sich mit seiner geballten Feuerkraft und den hervorragenden Schilden an den Kämpfen in vorderster Front beweisen konnte.
Er überspielte die Berichte des Ingenieurcorps in den Hauptcomputer, sowie ein Datenpadd und sah mit Freude, dass nur noch wenige Dinge zu erledigen waren, bevor er mit dem Admiral über die Indienststellung reden konnte.
Er war gerade von seinem Terminal aufgestanden um sich ein Getränk am Replikator zu holen, als das Türsignal erklang.
„Herein“ rief er mit fester Stimme. Ihm war klar wer ihn um diese Uhrzeit noch besuchen würde.
Commander Rychek betrat den Raum und grüßte den Captain.
„Ich bin gekommen um den aktuellen Lagebericht durchzusehen. Sie wissen ja, dass wir darauf achten müssen, dass dieses Mal bei der Ausrüstung alles Glatt geht. Schließlich will sich die Sternenflotte nicht noch einmal ein solches Desaster erlauben, wie es sich bei diesem Schiff bei der Erstausrüstung ereignet hat.“
Captain Devero, der sich inzwischen einen Fruchtsaft repliziert hatte kam mit seinem Glas auf Commander Rychek zu und bot ihm einen Platz auf dem Sofa an.
„Selbstverständlich Commander, das ist natürlich auch mein Anliegen. Ich habe dem Admiral bei unserem letzten Treffen auch noch einmal versichert dass wir auf keinen Fall auslaufen werden bevor hier nicht alles an seinem Platz ist und einwandfrei funktioniert.“
Er schob dem Commander, der sich inzwischen gesetzt hatte, das vorbereitete Datenpadd über den Tisch auf dem die durchgeführten Umrüstarbeiten genannt und die allesamt vollständig und den Spezifikationen entsprechend erledigt waren.
Obwohl Carl Rychek dem Frieden nicht traute, so stand es hier auf diesem Padd, welches zweifelsfrei mit einer Originalsignatur des Ingenieurcorps der Sternenflotte versehen war. Eine Fälschung war sicherlich ausgeschlossen.
Dennoch prüfte der Commander jeden einzelnen Posten und verglich ihn mit den Angaben die er und Frank Dekkers als noch zu erledigende Punkte festgelegt hatten. Offensichtlich gab es nicht die geringste Abweichung.
„Das ist beruhigend zu wissen, schließlich möchten wir alle Vorteile dieser Schiffsbauweise erhalten und nutzen können. Ich bin mir sicher Sie werden da der gleichen Meinung sein, denn nur wenn wir wirklich alle Vorteile anwenden können, die uns diese Schiffsklasse bietet, können wir auch sicher sein, dass sie zu einem wertvollen Trumpf bei schwierigen Einsätzen werden kann.“
Captain Devero nickte zustimmend.
„Natürlich.
Sehen Sie, noch vor einigen Wochen, als Sie mit Captain Dekkers hier waren um die Fortschritte zu prüfen und zu dokumentieren, dachte ich, es sei nicht wirklich von Nöten, das ganze Schiff umzukrempeln. Aber nachdem ich gesehen habe, wie schnell das Ingenieurscorps mit diesen Umrüstungen vorankam, habe ich mir keine Sorgen mehr gemacht.
Ich bin sicher dass die noch anstehenden Aufgaben sicherlich schnell erfüllt sind und das Schiff dann auslaufen wird. Solange kann ich auch noch warten. Zudem ist meine Crew ja auch noch nicht ganz vollständig und ohne die geht es ja nun wirklich nicht“ erklärte Captain Devero dem Commander lächelnd, während er ihn höflich aber bestimmt aus dem Quartier hinauskomplimentierte.
Als sich die Türe hinter Rychek wieder geschlossen hatte klatschte Captain Devero in die Hände. Er hatte es scheinbar wirklich geschafft. Der Commander hatte sich durch den Bericht und die aufgezeigten Angaben einlullen lassen und selbst die Aussage über die Crew hatte er geschluckt, obwohl diese nicht einmal gelogen war, denn die restlichen zwanzig Crewmitglieder die noch fehlten hatte der Captain absichtlich noch auf der Basis gelassen mit der Begründung dass die Quartiere noch nicht vollständig vorbereitet seien, was natürlich völliger Blödsinn war. Sie konnten also nur den Dienst noch nicht antreten und daher fehlten sie auch noch auf der Crewliste. Tatsache war aber, dass die Crew bereits seit zwei Wochen auf der Sternenbasis wartete um aufs Schiff kommen zu können.
* * *
Jaqueline Jefferson stand in einer außergewöhnlich extravaganten Kleidung, die einer Botschafterin gerecht werden würde vor dem Büro auf Ebene achtundsiebzig und legte sich gerade die richtigen Worte zurecht, die sie sagen wollte, als ihr im Gang ein Mann entgegen kam, bei dem man schon von weitem seine feuerroten Haare erkennen konnte.
Jaqueline drückte gerade den Türsensor, als der Mann sie erreichte und direkt zu ihr trat. Scheinbar wollte auch er den gleichen Raum betreten.
Rick Sanders schaute die junge Frau an, die mit ihren langen blonden offenen Haaren, dem eng geschnittenen sehr exklusiven Kleid und ihrer tollen Figur fast so aussah, als wolle sie an einer Schönheitskonkurrenz zur Miss Universum teilnehmen.
Er entsperrte die Tür und fragte:
„Kann ich Ihnen helfen? Sie haben sicherlich den falschen Gang genommen. Hier ist lediglich eine Materialvergabestelle.“
Ebenso freundlich wie bestimmt schob er sich an ihr vorbei und betrat den Raum.
Er war nicht schlecht erstaunt als die junge Frau ihm folgte und nun mitten im Raum stand.
Während Rick den Schreibtisch umrundete und in seinem Sessel platz nahm, kam Jaqueline Jefferson auf den Punkt.
„Nun, wenn ich das Schild an diesem Büro richtig gelesen habe, dann sollte sich hier Captain Rick Sanders aufhalten und mit dem möchte ich gerne reden. Es geht um eine wichtige Angelegenheit, die er erledigt wissen will.“
Bereits als er sie eben vor der Türe hatte stehen sehen, flammte in Ricks Kopf der Gedanke auf, dass hier möglicherweise etwas nicht in Ordnung war.
Irgendjemand hatte diese wunderhübsche Frau zu ihm zitiert.
Rick würde sie gegenüber seinem Freund Frank sicherlich als wahre Granate bezeichnen. Nie im Leben wäre er auf die Idee gekommen, dass diese Frau vielleicht eine ganz andere Absicht haben könne als ihn zu verwirren und möglicherweise seinen gut gehüteten Plan bezüglich der Golden Gate bei nächst bester Gelegenheit Admiral Parker unter die Nase zu reiben.
Aber er wollte sich nichts anmerken lassen. Also ging er zunächst auf das Spiel ein.
„Nun, dann haben Sie ihn ja gefunden. Ich wüsste nur nicht wie mir die Ehre zuteil wird, dass ich eine so entzückende junge Frau in diesem bescheidenen Büro empfangen darf.“
Jetzt wurde es J.J. aber langsam zu bunt, sie konnte verstehen, dass er sicherlich vorsichtig sein wollte um sein Vorhaben nicht so leicht und jedem offensichtlich zu zeigen. Aber sie hatte sich nicht in diesen Aufzug gezwängt und mindestens dreißig Minuten dafür aufgewandt um aus sich eine betörende Schönheit zu machen, nur damit niemand bemerkte, dass es sich um die Chefingenieurin der Alexandria handelte, die nach der Instandsetzung des Deltawing Jägers hier auf der Station bekannt war wie ein bunter Hund.
„Hören Sie Captain, mir gefällt das genauso wenig wie Ihnen, könnten wir bitte zur Sache kommen. Unser erster Offizier, Commander van Dyke hat mir erklärt, Sie wollten einen zeitgemäßen Antrieb in Ihr Schiff integrieren und hätten Schwierigkeit das zu lösen. Sie sagten, sie brauchen ein Wunder. Also, hier bin ich, wo kann ich jetzt anfangen?“
Rick war völlig geplättet. An Selbstvertrauen fehlte es der jungen Frau auf keinen Fall. Mit offenem Mund saß er da und starrte sie einfach nur an. Mindestens zwei Minuten, so seine Einschätzung, war er völlig unfähig etwas zu tun, bis er endlich aufsprang und um den Tisch herumlief.
„Entschuldigung, aber Ihr ähhh…Commander hat vergessen mir zu sagen, dass Sie… na ja, Sie sehen aus wie…“
„Jaja, ich weiß schon wie ich aussehe und ich möchte auch so schnell wie möglich wieder raus aus diesen Klamotten. Also, wo ist Ihr Schiff?“
Rick deutete auf die Tür und ging an J.J. vorbei in den Gang und zum nächsten Turbolift.
Nachdem sie die Kabine betreten hatten und der Lift sich in Bewegung gesetzt hatte, aktivierte er seinen Kommunikator.
„Commander Brown, kommen Sie bitte sofort zum Andockring 16. Es eilt!“
Die Antwort erfolgte umgehend.
„Bin unterwegs Captain!“ erklärte der erste Offizier, der scheinbar noch auf einem anderen Schiff war um die Umrüstung zu überwachen.
Rick konnte es nicht vermeiden die junge Frau immer wieder mit seinen Augen zu taxieren. Sie sah umwerfend aus. Es war kaum vorzustellen, dass diese schlanke und hoch gewachsene Frau, die seiner Meinung nach einen Modeljob hätte erfüllen können, durch Jeffreysröhren kroch, sich unter eine Konsole legte und mit ihren schönen und filigranen Händen so teilweise schwere und unhandliche Werkzeuge wie einen Warpgeneratorstabilisator verwendete.
Der Lift war zum Stillstand gekommen und die Türen öffneten sich. Während Jaqueline Jefferson aus der Kabine trat sah sie einen Mann, der ihr entgegeneilte.
Es war Commander Peter Brown.
Damit er seinen Captain und die Ingenieurin zur Golden Gate bringen konnte hatte er bereits ein Shuttlepod organisiert, mit dem man die kurze Entfernung zum Schiff überbrücken wollte.
Rick Sanders und J.J. trafen den Commander auf halbem Weg des Ganges.
„Darf ich vorstellen, das ist Commander Peter Brown meine erster Offizier und das ist…“ erst in diesem Moment erkannte Captain Sanders, dass er einen groben Fehler gemacht hatte und J.J. gar nicht nach ihrem Namen gefragt hatte. Sie hatte ihn mit ihrem Aussehen einfach völlig verwirrt.
„…das ist die junge Ingenieurin auf die Commander van Dyke so große Stücke hält. Ich hoffe dass Sie uns einen Weg zeigen kann, wie wir diesen Antrieb ans Laufen bekommen.“
Commander Brown war von J.J. ebenfalls überwältigt aber er hatte so seine Zweifel, dass Sie als Frau die Richtige sein würde um dem Schiff weiterzuhelfen.
Er streckte ihr die Hand entgegen, nahm die Ihre und war von dem kräftigen Händedruck nicht minder überrascht wie von ihrem Aussehen.
„Nun wollen wir gehen ähh…“ auch er kam in die gleiche Verlegenheit wie sein Captain, dass er ihren Namen nicht wusste.
„Jefferson, Commander Jaqueline Jefferson.“ klärte sie nun endlich die beiden Männer auf, die etwas peinlich berührt zu Boden blickten.
„Nun denn Commander Jefferson, hier entlang bitte.“ bemerkte der erste Offizier und wies in Richtung Shuttlepod.
Nachdem sie eingestiegen waren und abgelegt hatten war es nur noch ein kurzer Weg. Man hätte sie sicherlich auch beamen können aber Peter Brown wollte der jungen Frau Gelegenheit geben genau zu beurteilen auf was sie sich einließ.
Die Golden Gate sah noch immer sehr mitgenommen aus. Besonders der vordere Teil des Backbordrumpfes, bei dem ein großer Teil der Untertassensektion durch den Beschuss von den Jem’Hadar Jägern regelrecht durchlöchert war sah schlimm aus.
„Und Sie sind sicher, dass Sie das wieder hinbekommen?“ fragte J.J. den Captain, der nur zuversichtlich nickte.
„Wenn Sie genau hinsehen werden Sie erkennen, dass die Decksplatten bereits gelöst sind. Wir werden fast ein komplettes Viertel der Untertassensektion inklusive des Rahmens austauschen.“ Erklärte Commander Brown der Chefingenieurin.
Das Shuttlepod drehte sich um und dockte rückwärts an der Golden Gate an. Das kurze Zischen des Druckausgleichs war zu hören und dann öffneten sich die Türen.
J.J. ging gleich zielstrebig in Richtung Maschinenraum und Captain Sanders und Commander Brown hatten Mühe ihr zu folgen.
Trotz des von Außen so desolaten Zustandes des Schiffes schien es von innen wie frisch aus der Werft zu kommen.
J.J. drehte sich um und schaute die beiden Offiziere fragend an wobei sie eine umfassende Bewegung machte.
„Wie haben Sie das alles so originalgetreu hinbekommen?“ wollte sie erstaunt wissen.
„Von außen sieht es fast so aus, als wäre es Schrottreif.“
Rick Sanders und Peter Brown lächelten sich an.
„Naja, der Schein trügt. Wir haben hier wirklich jede freie Minute reingesteckt. Und so lange niemand den Äußeren Zustand anzweifelt haben wir innen leichtes Spiel.“
„Das sieht man.“ bestätigte Jaqueline und ging weiter den Flur entlang zum Hauptmaschinenraum.
Laute Rufe von vielen Männern und Frauen hallten ihr schon von weitem entgegen und als sie im zentralen Energieerzeugenden Raum ankam wusste sie auch warum.
Der Chefingenieur der Golden Gate war gerade damit beschäftigt mit vielen Crewmitgliedern den großen Warpantrieb in den dafür vorgesehenen, erweiterten Freiraum einzupassen.
„Noch ein wenig nach links und dann langsam runter…“ wies er die Crew an. Dann senkte sich der Antrieb in die Halterung woraufhin einige Männer sofort damit begannen das große Bauteil zu fixieren.
Spike der von seinem Captain gehört hatte, dass er bedeutende Hilfe erhalten würde konnte schon aus dem Augenwinkel sehen, dass weitere Personen den Maschinenraum betreten hatten.
Er drehte sich um und stand nun direkt vor J.J.
Spike, der mindestens einen Kopf kleiner war als Commander Jefferson konnte nicht anders als er die junge Frau sah, die in Ihrer Aufmachung in einem Maschinenraum so fehl am Platze war wie man es nur sein konnte.
Er musste lauthals loslachen und deutete zudem mit seiner rechten Hand auf J.J.
„Was denn, Sie soll dieser Wunderingenieur sein der uns hilft.
Ich dachte wir bekommen einen Spezialisten der uns mit dem Antrieb helfen kann. Ich weiß ja nicht was Ihr der Dame erklärt habt, aber wir wollen keine Schönheitskonkurrenz gewinnen.“
Genau das war es was J.J. eigentlich gerne vermieden hätte. Denn auch wenn es unter Offizieren der Sternenflotte weder Neid noch Hohn gab, so wusste sie, dass sie in Ihrem engen Kleid wirklich falsch gekleidet war.
„Nun, mir ist klar, dass ich so nicht arbeiten kann, aber sicher haben Sie doch noch eine Uniform in der Größe L und einen Platz an dem ich mich umziehen kann.
Aber vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen.
Ich bin Jaqueline Jefferson von der U.S.S. Alexandria, ich weiß auch nicht, warum mich jeder Mann anstarrt wie einen Ölgötzen. Ich weiß dass ich eine Frau bin, aber nun ist es Gut. Wollen wir endlich anfangen?“
Mit einem Mal verschwand das Lachen von Spikes Lippen und ein ungläubiger Ausdruck machte sich in seinem Gesicht breit.
„Sie sind Jaqueline Jefferson?
Der Commander Jefferson, der den Deltawing 164 wieder zum Laufen gebracht hat?
Der Commander Jefferson der auch die Yokohama wieder flott gemacht hat?“
Jaqueline nickte.
„Nennen Sie mich einfach J.J. das geht besser.“
Spike drehte sich um und pfiff nach hinten in den Raum.“
„Ronny, repliziere eine Uniform für Technik Größe L, Rang Commander, und sag den Jungens sie sollen sofort mein Büro frei machen. Der Commander möchte sich umkleiden!
Sehr erfreut Ihre Bekanntschaft zu machen. Sie können mich Spike nennen, das sagt jeder hier an Bord auf was anderes reagiere ich schon fast nicht mehr.“ erklärte er und reichte J.J. seine Hand.
J.J. war inzwischen im Kontrollraum des Maschinenraums verschwunden um sich umzuziehen.
Captain Sanders und der erste Offizier konnten den Chefingenieur nicht verstehen. Eben noch hatte er eine überaus negative Einstellung gehabt und nun wollte er die junge Frau auf Händen tragen.
Spike schaute in die fragenden Gesichter der beiden Führungsoffiziere, dies ich gerade ein Bild von dem neuen Antrieb machten, der nun wenigstens schon einmal an seinem Platz war.
„Was denn? Kennt Ihr etwa Commander Jefferson nicht?
Sie hat es geschafft einen der ersten Deltawings wieder flott zu machen, wenn sie das schaffen kann, dann ist das hier ein Spaziergang für sie.“
Rick zuckte mit den Schultern.
„Na wenn Du das sagst Spike!“
„Ein Spaziergang sicherlich nicht, das werden Sie gleich feststellen, aber immerhin nicht unmöglich.“ erklärte J.J. die inzwischen wieder zurückgekommen war und eine Ingenieursuniform trug. Ihre langen Haare hatte sie zu einem Zopf zusammengebunden und kaum noch etwas erinnerte an die exklusiv gekleidete Frau die sie eben noch gewesen war.
„Jetzt verstehen Sie sicher meinen Aufzug. Wenn ich mich in meiner Uniform auf der Station bewege, dann kennt mich jeder und dann wäre ich sicherlich nicht so unbehelligt zu Ihnen gekommen und wir wollen doch unser kleines Geheimnis nicht jedem auf die Nase binden.“
Captain Sanders hatte noch vor einer halben Stunde geglaubt, dass selbst die Hilfe durch einen brillianten Ingenieur nicht helfen würde um sein Schiff wieder flott zu bekommen, aber nun war er ganz anderer Ansicht.
„Nun denn, ich wünsche viel Erfolg dabei, den Antrieb wieder in Gang zu setzen. Haltet mich bitte auf dem Laufenden. Bis dann!“ Damit drehte er sich um und verließ den Maschinenraum gefolgt von Commander Brown, der ebenfalls noch andere Pflichten zu erledigen hatte.
„So, dann wollen wir uns das Baby mal ansehen. Sieht ja aus wie frisch aus dem Laden.
Aber die Plasmaverteiler werden nicht dazu passen. Außerdem brauchen wir für diesen Antrieb eine ganz andere Steuerkonsole.
Nicht zu vergessen, dass die zusätzliche Leistung wahrscheinlich nicht durch die jetzt unterdimensionierten Plasmaleitungen fließen muss.“
Spike, der neben J.J. stand ließ ein breites Grinsen sehen.
„Ich denke mal das ist für jemanden der es geschafft hat ein Schiff der Nebula Klasse mit nur einer Gondel auf mehr als Warp sechs zu beschleunigen, keine überaus hohe Herausforderung.“
Jaqueline Jefferson musste lachen.
„Nun ganz alleine habe ich all diese Dinge auch nicht gemacht, aber wir werden es gemeinsam mit Ihnen schon hinbekommen.“
Damit griff sie ein Padd und skizzierte für Spike die Schaltung und die Flussdiagramme, die für den Umbau notwendig waren.
Kapitel 9
Frank schien es ewig zu dauern während der Turbolift ihn zum Maschinenraum auf Deck zwei brachte.
Als sich die Türen öffneten war erneut die Stimme des Computers zu hören, die nur noch fünfeinhalb Minuten Zeit verkündete.
Er war erleichtert sowohl den Chefingenieur Eddie Williams, als auch den leitenden Ingenieur des Scoutschiffes zu sehen, die beiden die Kontrollen des Warpantriebs überprüften.
Mehrere Plasmaleitungen waren gebrochen aber inzwischen durch Notkraftfelder gesichert, doch diese würden nicht ewig halten, vor allem nicht wenn Sie die Temperatursteigerung nicht in den Griff bekommen würden. Denn so wie der Energiepegel abfiel heizte sich das Plasma immer weiter auf, bis es schließlich zum Kernbruch führen würde.
Frank stürzte zur Konsole und war zunächst einmal völlig verwirrt.
„Was ist denn das?“ wollte er von Carlton Meyers wissen
„Das ist doch nicht das Konsolendesign, welches ich entworfen hatte!“
Lieutenant Meyers schüttelte den Kopf:
„Nein Sir, Commander West hatte uns angewiesen auf dieses ältere Design umzustellen. Es ist eigentlich kein Problem, denn wir kennen diese Anordnungen ja auch wie im Schlaf, schließlich haben wir jahrelang mit diesem Design auf anderen Schiffen gelebt.
Ein Bedienungsfehler ist da ziemlich unwahrscheinlich. Aber wir finden auch keine andere Ursache.“
Der Captain nickte und schaute auf die Hauptkonsole, welche den Warpkern als Schaubild darstellte. In der Mitte des Warpkerns war ein rot leuchtender Fleck zu sehen der sich langsam ausbreitete.
Dieses rote Leuchten zeigte, an welchen Stellen sich das Plasma bereits unkontrolliert entzündet hatte. Wenn es weiter wandern würde und den Materie- und Antimaterieverteiler erreichen würde, die jeweils an den Gegenüberliegenden Enden des langen Warpreaktors lagen, dann würde es eine Kettenreaktion geben und es würde vom Scoutschiff nichts übrig bleiben was größer wie ein Staubkorn wäre.
Der Chefingenieur Lt. Commander Williams und Lieutenant Meyers versuchten in der Zwischenzeit die Entlüftungen der Plasmakühlung von Hand zu öffnen. Ein nicht ungefährliches Unterfangen, denn hierfür war eigentlich keine manuelle Vorgehensweise vorgesehen. Da es sich um heißes Plasma handelte, war es nahezu unmöglich mechanische Bauteile einzusetzen, die diese Temperatur und Strömungsgeschwindigkeit aushielten.
Aber die beiden Ingenieure wollten so schnell nicht aufgeben. Schließlich hingen sie an ihrem Leben und nicht zuletzt wussten sie, dass der Captain neben der Maschinencrew nicht der einzige war, der sich noch auf dem Schiff befand. Fieberhaft überlegten sie, schalteten die Schaubilder und Baupläne durch um eine Möglichkeit zu finden die manuelle Öffnung der Ventile zu erreichen.
Frank suchte inzwischen auf dem Hauptdisplay und überlegte angestrengt, was zu einer solchen Reaktion führen konnte.
Eigentlich waren alle Systeme mit einer doppelten Redundanz gesichert, so dass so etwas gar nicht erst passieren sollte. Aber es war geschehen und Frank zermarterte sich das Gehirn nach einer Lösung. Schweiß trat ihm auf die Stirn und die geistige Anstrengung war ihm regelrecht anzusehen.
In all dem Lärm, den Rufen der Mannschaft, dem Alarmton und der ständigen und unerbittlichen Computerdurchsage über den unvermeidlichen Ausgang dieser Angelegenheit war es schwer sich zu konzentrieren.
„Warpkernbruch steht bevor. Versagen der Eindämmung in zwei Minuten!“
Lt. Commander West war sich keiner Schuld bewusst. Er war der Ansicht, dass es sich hier um einen Konstruktionsfehler handeln musste der einfach übersehen worden war und hoffte, dass der Captain mit den verbliebenen Crewmitgliedern möglichst schnell das Scouschiff verlassen würde, bevor es wirklich zu spät sein würde. Er hatte inzwischen einen kurzen Warpsprung gemacht und die Schilde auf volle Leistung bringen lassen um dem unausweichlichen Ende des Scoutschiffes zu entgehen, welches sich mit einer heftigen Druckwelle sicherlich schnell bis zur Scimitar ausbreiten würde.
Auf der Brücke herrschte eine sehr gedrückte Stimmung. Einige der Brückenoffiziere hatten Freunde oder Zimmergenossen, die sich noch an Bord des Scoutschiffes befanden.
Daher herrschte auf der Brücke der Scimitar absolute Stille. Nur das Piepen der Kontrollen war zu hören und die leisen Anweisungen oder Antworten die zum Betrieb nötig waren.
Keiner wusste so recht, wann das Unausweichliche geschehen würde, denn nachdem sich das Scoutschiff von der Scimitar getrennt hatte wurde die Durchsage unterbrochen. Es wäre durchaus möglich dass es schon längst passiert war und lediglich die Druckwelle noch entsprechende Zeit benötigte um das Schiff zu erreichen.
Jonathan West saß im zentralen Stuhl und wartete auf den Moment, an dem er den Aufschlag der Druckwelle spüren würde.
„Verdammt noch mal, das kann nicht sein, Lieutenant, was genau haben Sie gemacht, als das Schiff angedockt wurde. Bitte Punkt für Punkt. Schnell, die Zeit drängt!!!“ machte der Captain einen letzten verzweifelten Versuch auf den Fehler zu kommen in der Hoffnung ihm würde noch genug Zeit bleiben diesen zu korrigieren.
Der Ingenieur der für das Scoutschiff verantwortlich war antwortete sofort. Er steckte in einer Konsole und versuchte mit dem Spulenspanner eine Umleitung der Reserveenergie zu erreichen. Sein Kopf kam kurz unter der Konsole hervor.
„Wir haben wie immer den Andockvorgang überwacht und nachdem die Verriegelungen eingerastet waren haben wir die Plasmakühlung aktiviert und wollten die Gondeln einfahren, aber das sind Schritte die voneinander abhängen. Wenn die Plasmakühlung nicht funktioniert kann man die Gondeln nicht absenken. Ich schwöre, wir haben nichts anderes aktiviert oder abgeschaltet.“
Franks Kopf arbeitete auf Hochtouren.
„Warpkernbruch steht bevor. Versagen der Eindämmung in einer Minute!“
Der Captain schaute auf das Display. Die Plasmakühlung war deaktiviert und ließ sich auch durch mehrfaches Drücken der entsprechenden Taste nicht vom Gegenteil überzeugen.
Dann endlich fiel ihm etwas auf.
„Lieutenant, wer hat die Entlüftung der Bussardkollektoren geöffnet?“
Carlton Meyers schüttelte mit dem Kopf.
„Ich wüsste nicht wer das gemacht hat, aber es macht keinen Sinn. So etwas würde niemals zu einer solchen Reaktion führen.“
Frank blieb nur eine Chance, an die er sich klammerte wie der Strohhalm der einen vor dem Ertrinken rettet.
„Warpkernbruch steht bevor. Versagen der Eindämmung in dreißig Sekunden!“
Mit der flachen Hand schlug Frank auf die Sensorfläche, welche die Entlüftung der Bussardkollektoren öffnete. Es war eine widersinnige Tat, denn die Entlüftung war bereits aktiviert.
Frank schloss die Augen und hoffte, dass das Schicksal es gut mit ihm meinte.
Ein plötzliches lautes Zischen war zu hören. Ein kurzer Moment ohrenbetäubenden Lärms, dann war es vorbei.
„Plasmakühlung aktiviert, Kernüberhitzung wird abgebaut. Eindämmung normal.“ erklärte die Computerstimme und alle auf dem Maschinendeck entspannten sich.
Frank setzte sich einfach auf den Boden und lehnte sich an die Hauptkonsole.
Jetzt wusste er wo der Fehler gelegen hatte.
Er tippte seinen Kommunikator an und rief die Brücke.
„Mr. Brownfield, kontaktieren Sie die Scimitar, sie soll sich sofort mit uns treffen. Dekkers Ende!“
Langsam rappelte sich Frank wieder auf und kam auf die Füße. Die Anspannung die er eben ertragen musste hatte ihn völlig entkräftet.
„Eddie, ich möchte, dass Sie ein vollständiges Backup der Kontrollen machen, damit wir den Fehler finden können.
Dann machen Sie einen Reset und laden die Originalkonfigurationen. Können Sie in etwa abschätzen wie lange die Reparatur dauern wird?“
Eddie, der weiter hinten an den Konsolen stand und den Druck im Warpkern kontrollierte drehte sich um.
„Wenn wir die Verluste überwunden haben, dann werden wir das sofort angehen, aber ich schätze mal, bis heute Abend ist alles wieder in Ordnung, wenn nach dem Reboot alles korrekt läuft.“
Der Captain dachte er hätte sich verhört, denn bislang hatte er weder eine Schadensmeldung angefordert noch erhalten. Es war ihm klar, dass diese Aktion möglicherweise Opfer gefordert haben könnte, aber er hatte noch gar nicht die Gelegenheit gehabt zu fragen.
„Gab es denn Verluste?“ fragte Frank besorgt.
„Ja Captain, meine Nerven!“ erklärte Eddie trocken.
Während Frank zu den beiden Chefingenieuren trat konnten sie hören, wie die Andockklammern des Schiffes einrasteten.
„OK Eddie, Mr. Meyers, das war wirklich gute Arbeit. Geben Sie mir Bescheid, wenn Sie hier fertig sind und nehmen Sie sich eine Freischicht, Sie können es sicher gebrauchen nach all der Aufregung. Danke!“
Das meinte Frank völlig ernst. Er war die erste wirklich kritische Situation, die er gemeinsam mit seinem Schiff und der Crew erlebt hatte und es hatte wirklich am seidenen Faden gehangen. Aber sie hatten es geschafft das Schiff zu retten. Es war überstanden.
Langsam ging er zum Turbolift, und ließ sich auf die Brücke bringen. Dort lief er vorbei an der Kommandozentrale des Scoutschiffes und trat kurz auf die Hauptbrücke der Scimitar.
„Nummer Eins, setzen Sie Kurs auf den nächsten Gasriesen. Fliegen Sie mit vollem Impuls und tasten Sie die gesamte Gegend auf dem Weg dorthin ab. Irgendwo müssen sie sich schließlich verstecken. Ich bin in meinem Raum.“
Damit drehte er sich um und wollte gerade wieder durch die Tür gehen, als Lt. Commander West ihn fragte:
„Captain, wie konnten Sie eigentlich…?“
aber Frank unterbrach ihn mitten im Wort und winkte ab.
„Nicht jetzt Mr. West, nicht jetzt.“
Mit wenigen Schritten war er aus der Tür und in seinem Raum verschwunden.
Der erste Offizier gab die notwendigen Anweisungen und das Schiff setzte sich wieder in Bewegung.
Langsam glitt es durch das Sternensystem, seinem nächsten Ziel entgegen. Viel hatten sie bisher nicht erreicht. Obwohl die Sternenflotte dringend auf Antworten wartete, hatte Frank es abgelehnt Nachrichten an die Flotte zu senden.
Auch bei dieser Gelegenheit hatte sich Commander West mit ihm in den Haaren gelegen. Er war der Ansicht, dass die Flotte unbedingt wissen müsse, dass man bisher noch keinen Erfolg mit der Suche gehabt hatte und stellte nebenbei die ganze Mission in Frage.
Aber Captain Dekkers war da ganz anderer Ansicht. Es machte keinen Sinn einen Bericht abzugeben, in dem man nichts zu sagen hatte außer einigen vagen Vermutungen. Mehr war es schließlich nicht, was sie bisher zusammengetragen hatten.
Aber Frank wusste, dass man sicherlich auf das Eintreffen von Schiffen der Sternenflotte warten würde und deren Funkverkehr abhören würde.
Wenn es tatsächlich zutraf, dass Schiffe des Dominion hinter den feindlichen Linien existierten, dann wäre es sicher ein leichtes, ein einzelnes Schiff anzugreifen, es in Schutt und Asche zu legen und wieder zu verschwinden. Diese Schlag zu und Hau ab Taktik hatte er bereits in einigen Flottenberichten wieder gefunden, die er sich immer noch regelmäßig durchlas.
Er hatte daher absolute Funkstille angeordnet und für die notwendige Kommunikation zwischen Schiff und Scout hatte er einen rollierenden Code entwickelt, der zwischen cardassianischer Technik und Vortafrequenzen mit verschiedenen Verschlüsselungen wechselte.
Im Zweifelsfalle würde man daher sein Schiff nicht für eines der Föderation halten.
Dennoch konnte der erste Offizier diesen Sachverhalt nicht verstehen. Erst als ihm Frank erklärte, dass bei einem Erkennen der Scimitar und dem darauf folgenden Angriff der Jem’Hadar sicherlich eine eventuelle Sammelstelle sofort verlegt werden würde und sie somit keine Chance mehr haben würden die Aufgabe in einer annähernd angemessenen Zeit zu erfüllen, konnte er sich vorstellen worauf der Captain hinauswollte.
Shelar saß gemeinsam mit Erin Pan an der Wissenschaftsstation und überprüfte die Eingangswerte der Sensoren. Immer wieder einmal tauchten auf den Auswertungen Fragmente von Warp- und Impulsspuren auf, die direkt auf ihrem Weg lagen oder zumindest in die gleiche Richtung zeigten. Gemeinsam mit diesen Fragmenten extrapolierte Shelar einen Kurs der letztendlich direkt zu dem zweiten Gasriesen führte.
Die Chancen hier etwas zu finden waren somit weit größer als alle bisher gefundenen Hinweise. Aber nicht nur in diesem Sternensystem gab es die Möglichkeit sich zu verstecken.
Auch auf den Planeten der H-Klasse, die zwei Sternensysteme weiter lagen wäre ein idealer Ort um sich zu verbergen.
Shelar lud die Daten in ein Padd und drehte sich um zur Tür.
„Ich werde dem Captain die Ergebnisse erläutern.“ sagte sie in bestimmender Weise zu Commander West, während sie durch die Tür in den Flur ging.
„Er ist immer gerne gut vorbereitet und inzwischen dürfte es als gesichert gelten, dass die Flugroute zu diesem Planeten führt.“
Frank hatte sich im Bereitschaftsraum für eine Weile aufs Sofa gelegt um seinen Kreislauf wieder auf normalen Level zu bekommen. Er war einfach nur fertig. Die extreme Anspannung während der wenigen Minuten, die er an dem Problem des Warpkernbruchs arbeitete, hatten sehr an seinen Kräften gezehrt.
Inzwischen waren mehrere Nachrichten eingegangen, die durch einen kurzen Signalton angekündigt worden waren und die Liste auf seinem Tischcomputer füllte sich mit Berichten.
Das alles hatte er mehr in seinem Unterbewusstsein wahrgenommen. Er war in eine Art Halbschlaf verfallen und nahm trotzdem alles um sich herum wahr.
So schreckte er auch auf als das Türsignal ertönte.
Er raffte sich langsam auf, ordnete seine Uniform und rief „Herein!“
Dann ging er zu seinem Sessel und setzte sich hinter den Schreibtisch.
Shelar trat ein, begleitet von dem üblichen Zischen der Türen und stellte sich direkt vor den Tisch.
Frank wusste, dass er sie nicht aufzufordern brauchte sich zu setzen. Einer alten Vulkanischen Tradition entsprechend zog es dieses Volk vor in nahezu allen Situationen zu stehen.
„Lieutenant, was liegt an?“ fragte er noch ein wenig benommen durch den Halbschlaf, der nicht annähernd so entspannend gewesen war wie eine wirkliche Ruhephase.
„Wir haben festgestellt, dass die Warpspuren und die Impulsspuren zu dem zweiten Gasriesen führen. Es gibt allerdings interessante Aspekte in dieser Angelegenheit.
So haben fast alle Spuren unterschiedliche Zerfallsraten, Energiedichten und Antriebsmuster.
Im Klartext heißt das, sie sind zu unterschiedlichen Zeiten zu diesem Punkt geflogen, wahrscheinlich weil man sie hierher beordert hat.“
Frank lehnte sich in die Lehne des Sessels zurück, während er einen flüchtigen Blick auf die immer größer werdende Liste auf seinem Bildschirm warf.
„Das bedeutet also, dass wir auf jeden Fall eine Sammelstelle gefunden haben.“ gab Frank zurück und blickte Shelar fragend an.
„Die Frage ist nur warum.
Jetzt könnte ich Deine reine und klare Logik gebrauchen um herauszufinden ob und was dahinter steckt.
Schließlich setzen sich die Truppen des Dominion auch einer Gefahr aus entdeckt zu werden. Was also ist so wichtig, dass sie vielleicht sogar mit einem beschädigten Schiff nach einem Kampf hierher kommen.“
Frank verwendete in dieser Situation ebenfalls die persönliche Anrede um Shelar zu zeigen, dass er auf Ihr Urteil als Freund wert legte und nicht nur die dienstliche Expertise erfahren wollte, obwohl er sich nicht sicher war ob es bei den Vulkaniern diesen Unterschied überhaupt gab.
Überraschenderweise zog die Vulkanierin den Stuhl zurück der vor dem Tisch stand und setzte sich.
„Nun, auch ich habe mir diese Frage schon gestellt. Für mich bleibt da eigentlich nur eine Möglichkeit offen, nämlich, dass man sich sammeln will um einen Gegenschlag zu planen.
Sieh Dir das Gebiet hier doch einmal genauer an…“
Der Captain aktivierte den Wandschirm und lud den aktuellen Frontverlauf der zu diesem Sektor passte.
Auf dem Ausschnitt waren zwei Sternensysteme zu sehen, dahinter schloss sich ein Bereich von zwei Lichtjahren Leere an.
Daran grenzte die umkämpfte Frontlinie auf der einige Symbole von Föderationsschiffen abgebildet waren. Nichts deutete auf einen besonderen Grund hin, der es Wert wäre hier einen Angriffsversuch zu starten.
In die Darstellung eingearbeitet waren alle Kursdaten sowie die Energiesignaturfragmente und deren Zuordnung zu den fraglichen Schiffen, die bereits den Planeten der Siedler passiert hatten.
Frank stand auf und ging zum Display.
„Das macht alles keinen Sinn, denn wenn sie sich aus ihrem Versteck wagen und einen Angriff planen, werden sie nicht weit kommen, selbst wenn sie von Seiten des Dominion Hilfe erwarten können. Ihnen müsste doch klar sein, dass die Sternenflotte diesen Bereich gut abgedeckt hat. An dieser Stelle haben auch keine Kämpfe stattgefunden die es ermöglicht hätten, dass irgendwelche Schiffe hier hätten durchschlüpfen können. Es muss einen anderen Grund geben. Wo wollen sie hin und was haben sie vor?“ erklärte Frank und schüttelte den Kopf, während er ein wenig Gedankenabwesend auf die Abbildung starrte.
Shelar war inzwischen auch wieder von dem Stuhl aufgestanden und hatte sich neben Frank gestellt.
Für einen Augenblick schien die Vulkanierin angestrengt nachzudenken, dann plötzlich schien sie einen Einfall zu haben und wandte sich an Frank:
„Vielleicht haben wir uns die falsche Frage gestellt…“
Jetzt war der Captain verwirrt,
„Wie meinst Du das, die falsche Frage?“
Shelar tippte an dem Wandschirm die Vergrößerung der Skala ein und das Sternensystem schrumpfte zu kleinen Punkten, wobei sich der Bereich des sichtbaren Bildes nun über die vierfache Anzahl an Sektoren erstreckte.
„Computer, berechne auf Basis der gefundenen Warp- und Impulssignaturen eine inverse Kursmatrix!“
Auf dem Schirm war zu sehen, wie die bisher gefundene Linie, die zum Gasriesen führte, sich nach hinten in den Raum ausweitete.
„Die Frage die wir nicht außer Acht lassen sollten ist:
Wo kommen sie her und was haben sie dort gemacht.
„Computer, liegen im Bereich dieser Kursdaten andere bewohnte Welten?“
Einige Verarbeitungstöne waren zu hören, dann kam die Antwort:
„Entlang der berechneten Kursdaten liegen nur wenige kleine Welten die über eine Atmosphäre der Minchara Klasse verfügen.
Die Fortführung dieses Kurses streift den Raumsektor der Breen Heimatwelt.“
Sowohl der Captain als auch die Vulkanierin waren für einen Moment nicht in der Lage etwas zu sagen zu sehr hatte die Aussage des Computers sie überrascht.
Es war allseits bekannt, dass die Breen nicht gerade die Freunde der Föderation waren, aber bislang hatte die Heimatwelt mit den angeschlossenen Kolonien noch keinen Streit vom Zaun gebrochen. Allerdings konnte sich das durch die Mitwirkung des Dominion recht schnell ändern.
Plötzlich machte all das wieder Sinn. Man würde vielleicht gemeinsam mit den Breen versuchen die Föderation in die Zange zu nehmen, wenn auch Dominion Truppen von der andern Seite anrücken würden.
„Gut, ich denke wir wissen nun, was auf uns zukommen kann. Sowohl die eine, wie auch die andere Möglichkeit haben wir beleuchtet. Wir haben natürlich keinen festen Beweis, aber es ist beides eine Option mit der wir rechnen müssen. Geh wieder auf Deine Station, ich werde mir noch die Berichte ansehen, dann komme ich wieder auf die Brücke.“ erklärte Frank und als Shelar an der Tür zum Bereitschaftsraum angekommen war sagte Frank:
„Shelar, vielen Dank!“
Die Vulkanierin nickte kurz und verließ den Raum durch die sich öffnenden Türen.
Der Captain setzte sich wieder in seinen Sessel und öffnete nun die Berichte der Schadenscrew.
Am Scoutschiff war einiger Schaden entstanden, aber die Mitarbeiter des Maschinenraums hatten ihr bestes gegeben um alles wieder schnellstmöglich instand zu setzen. Zwar waren einige Reparaturen nur Übergangslösungen, aber das Scoutschiff war wieder voll einsatzfähig. Ein Vorteil auf den Frank auf gar keinen Fall verzichten wollte.
Besonderes Interesse schenkte er dem Bericht des Chefingenieurs, der die Probleme durch auslesen des Antriebslogbuches noch einmal transparent gemacht hatte. Frank war sich nicht sicher ob es Eddie auch aufgefallen war, aber er sah nun seine Vermutungen bestätigt.
Die Auflistung gab an, dass kurz nach dem Andocken die Entlüftungen der Bussardkollektoren unnötigerweise geöffnet worden waren. Eine Aktivierung der Plasmakühlung war nicht festzustellen. Die Schwellenwerte der Plasmatemperatur wurden daraufhin schnell überschritten, so dass der Alarm ausgelöst wurde.
Erst mit seinem Auslösen der falschen Sensorfläche kurz vor dem Warpkernbruch wurde die richtige Aktion durchgeführt.
Die Kontrolle des Backups, welches der Chefingenieur auf Anweisungen des Captains gemacht hatte, bestätigte genau das.
Aus diesem Grund hatten auch die Notsysteme nicht reagiert, weil die Konfiguration der Panels eigenständig, und nicht mehr mit den Originalsystemen verknüpft war.
Frank Dekkers wusste wem er das zu verdanken hatte und am liebsten hätte er den Offizier jetzt unter Arrest gestellt.
Aber er wusste, dass dies kaum einen Unterschied machen würde. Eine disziplinarische Maßnahme würde keine Wirkung zeigen. Er musste es mit einer anderen Taktik versuchen.
„Captain, wir erreichen den Gasriesen, kommen Sie bitte auf die Brücke!“ war die Stimme von Lt. Commander West aus der Audioanlage zu hören.
„Bin auf dem Weg, Dekkers Ende!“ erklärte Frank, schaltete den Bildschirm ab und begab sich auf die Brücke.
Jonathan West machte den zentralen Stuhl frei und der Captain ließ sich hineingleiten.
Das Bild auf dem Hauptschirm zeigte einen großen bläulichen Planeten, der verschiedene Nuancen von tiefem Blau bis hin zu einem zarten Hellblau aufwies. Die Ausmaße waren gewaltig, es konnte Wochen dauern bis man ihn abgesucht hatte.
„Lieutenant Shelar, wie sieht es mit Spuren aus, können wir feststellen, wo sich eventuelle Schiffe aufhalten?“
Die Vulkanierin wusste, dass der Captain alle Informationen haben wollte, welche für die weitere Vorgehensweise wichtig waren.
„Captain, die Warp und Impulsspuren sind durch die Atmosphäre des Planeten bereits fast vollständig absorbiert worden. Zudem gibt es ähnlich wie bei dem anderen Gasriesen starke Interferenzen, die unsere Sensoren beeinträchtigen. Wir erhalten kein klares Bild. Ich werde versuchen die Auflösung unserer Scanner weiter zu verbessern.
Eines ist jedoch von Vorteil, wenn wir Schwierigkeiten haben sie zu finden, wird es Ihnen nicht anders ergehen.“
Der Captain nickte und schaute wieder auf den Hauptschirm.
„Fähnrich Pan, was können Sie mir zu dem Planeten sagen?“ wandte er sich nun an die junge Trillfrau, die neben Shelar an der zweiten Wissenschaftsstation stand.
„Es ist ein Gasriese der Größenklasse zehn. In den oberen Wolkenschichten haben sich ionisierende Gase gesammelt, das stört nicht nur die Sensoren, sondern auch die Bildsysteme. Wenn wir da hineinfliegen, sind wir nahezu blind.
Der Planet besitzt einen ultradichten Kern mit einem Durchmesser von ungefähr elftausend Kilometern.“
Der Captain stand auf und machte einen Rundgang auf der Brücke um sich zu sammeln, als sich Lt. Shelar wieder mit neuen Ergebnissen meldete.
„Captain, wir haben ein Abtastungssignal in einer der unteren Wolkenschichten festgestellt. Es könnte sich um fünf bis sieben Schiffe handeln. Leider immer noch keine klare Anzeige, die Sensorenergebnisse sind zu ungenau. Es handelt sich definitiv um Schiffe. Metallanzeigen, Massewerte, Energiesignaturen. Aber alles schwankt viel zu sehr, als dass man genaue Formen oder Energiewerte erkennen könnte, Bauart unbestimmt. Aber alle scheinen sehr dicht beieinander zu liegen, was die genaue Bestimmung noch weiter erschwert .Um eine bessere Abtastung zu bekommen müssten wir näher sein. Viel näher.“
Wie immer war Shelars Gesichtsausdruck geprägt von jeglicher Emotionslosigkeit, eine Eigenschaft, die selbst ihre Kollegen der Sternenflottenakademie damals nicht ändern konnten.
„Irgendwelche Vorschläge zur Vorgehensweise?“
wollte Frank wissen.
„Wenn wir Ihnen ein paar Warnschüsse vor den Bug schießen, werden wir sicher Ihre Aufmerksamkeit erregen. Vielleicht kommen sie dann raus?
Oder wir könnten mit der Scimitar hineinfliegen und sie aufspüren, dann wäre es vielleicht nicht schwer sie mit unserer geballten Feuerkraft unschädlich zu machen.“ bemerkte Lieutenant Gerald Quist der taktische Offizier.
„Das wäre möglich, aber wir wissen nicht ob wir sie alle heraus locken können. Außerdem ist die Scimitar nicht für den Atmosphärenflug geeignet. Zudem haben wir es hier mit einem Planeten zu tun, der einen ultradichten Kern besitzt, das bedeutet also erheblich höhere Gravitationskräfte, die natürlich bei unserer Gesamtmasse auch von Nachteil sein können. Weitere Vorschläge?“
Einhelliges Schweigen flutete die Brücke, nur das Piepen der Kontrollen war zu hören und das sonore Brummen des Antriebs.
Frank schaute auf den Hauptschirm und sah den sich langsam unter ihnen drehenden Planeten, wobei man ohnehin nur die oberen Wolkenschichten sehen konnte.
„Wer weiß, wenn sie so dicht beieinander liegen, dann sind sie vielleicht doch beschädigt, möglicherweise schwerer als wir glauben. Weshalb sollten sie sich denn sonst in den tieferen Wolkenschichten verstecken. Es ist schließlich nicht ihre Art sich zu verbergen. Jem’Hadar sind zum Kampf geboren.“
Frank sah seinen Sicherheitschef an,
„Das ist ein guter Punkt Mister Seymour, aber ich würde darauf keine Wette abschließen.“
Der Captain hatte sich entschieden. Es machte keinen Sinn großartigen Mutmaßungen nachzuhängen. Er musste Handeln.
Er wusste, die Flotte würde hier nicht eingreifen, dafür war die Frontlinie immer noch viel zu weit entfernt und Admiral Winters hatte klar gemacht, dass Frank nicht mit sofortiger Unterstützung rechnen konnte. Aber er hatte auch nicht gesagt dass er die Schiffe angreifen sollte. Captain Dekkers wusste eigentlich viel zu wenig über die Schiffe die sich dort unten versteckt hatten und das bereitete ihm Kopfschmerzen.
Aber es war unmöglich aus diesem hohen Orbit bessere Daten zu erhalten. Würde man näher bis zur Atmosphärischen Schicht sinken, dann wäre das Risiko größer vom Gegner entdeckt zu werden und er wollte auf alle Fälle diesen einen Vorteil des Überraschungsmomentes nicht ungenutzt lassen.
„Lieutenant Shelar, bestimmen sie die Position der Schiffe so genau wie möglich, ich möchte sie nach Möglichkeit richtig kalt erwischen. Wir gehen mit dem Scout rein, dann haben wir immer noch einen Trumpf in der Hand. Wir werden sie herauslocken und können bei der Gelegenheit genau sehen mit wie vielen wir es überhaupt zu tun haben. Dann werden wir versuchen sie auszumanövrieren und wenn wir in guter Schussposition sind werden wir sie Kampfunfähig machen. Das Kommando über das Scoutschiff übernehme ich, Lt. Commander West übernimmt das Hauptschiff und gibt uns Deckung.
Bereiten sie alles vor. Ich bin in meinem Raum, ich habe noch etwas zu klären.“
Frank wollte nicht starten ohne sich noch einmal zu vergewissern, dass auf dem Scoutschiff wirklich alles in Ordnung war. Nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das von mehr als siebzig Crewmitgliedern stand auf dem Spiel, das war Grund genug.
Aber er wollte dies nicht vor versammelter Mannschaft tun, derartige Dinge erledigte man lieber allein um die anderen nicht unnötig zu verunsichern.
Schließlich war die Situation die sie vor kurzem erlebt hatten nicht gerade eine Lappalie gewesen. Ein Kernbruch, auch wenn er abgewendet werden konnte, war so ziemlich das schlimmste Szenario, welches einem Föderationsschiff widerfahren konnte. Es war daher nur verständlich, dass er sich Sorgen machte.
Captain Dekkers tippte auf seinen Kommunikator.
„Commander Williams, ich habe ihren Bericht gelesen. Ich möchte aber gerne auch das wissen was nicht in dem Bericht steht.
Wir haben eine wirklich schwierige Aufgabe vor uns. Wird das Scoutschiff wirklich voll einsatzfähig sein?“
Eddie schien schon mit dieser Frage gerechnet zu haben, denn er antwortete sofort.
„Williams hier. Captain, wir haben alle Systeme neu gestartet und inzwischen ist die dritte Ebene Eins Diagnose abgeschlossen worden. Bei keinem dieser Tests gab es Abweichungen. Glauben Sie mir, ich würde meinem Captain niemals ein Schiff an die Hand geben, das nicht vollständig in Ordnung ist.
Gut, wir hatten einige Brüche in den kleineren Plasmaleitungen, aber die konnten wir in der Zwischenzeit ersetzen. Sie können sich also voll auf das Scoutschiff verlassen Sir!“
Frank nickte zufrieden, auch wenn Eddie das nicht sehen konnte.
„Gut, ich habe beschlossen dieses Mal selbst das Kommando zu führen. Es ist für die Sternenflotte mehr als wichtig und ich möchte, dass alles klappt. Schließlich haben wir uns nicht lange Wochen mit der Abtastung von verschiedenen Planeten herumgeschlagen um nun wo wir gefunden haben was wir suchen
den Schwanz einzuziehen und bei der Flotte um Hilfe zu betteln.“ Erklärte er.
„Verstanden Sir. Williams Ende!“
Der Captain hatte noch eine weitere Aufgabe zu erledigen die er schnell in sein Datenterminal eintippte. Er wollte sichergehen, dass sich ein ähnliches Problem wie auf dem Scoutschiff nicht noch einmal ereignen konnte. Schnell gab er die entsprechenden Anweisungen in den Hauptcomputer ein und versah sie mit seinem persönlichen Prioritätscode. Dann schaltete er das Terminal ab und begab sich zur Brücke.
„Lieutenant Shelar, Fähnrich Pan sie kommen mit mir.
Mr. West, Sie werden wie bereit besprochen das Kommando auf der Scimitar übernehmen. Behalten Sie diesen Orbit bei und handeln Sie nur auf meine Anweisungen. Ich werde zunächst sehen wie viele Schiffe sich in diesen Wolkenbändern verstecken. Wenn wir sie erfolgreich aufscheuchen können, dann werden wir sie in die Zange nehmen, sofern wir sie nicht schon dort unten unschädlich machen können.
Ich hoffe Sie haben alles verstanden.“
Der Captain wusste genau, dass sich seine Nummer Eins nicht darüber freute, dass er selbst diese Mission führen wollte, aber es war ihm klar, dass West diesen Befehl nicht einfach ignorieren und sich darüber hinwegsetzen konnte.
„Ja Sir, alles Klar. Ich habe verstanden.“
Frank nickte und gab Shelar und Fähnrich Pan ein Zeichen dass er gehen wollte.
Gemeinsam verließen sie die Brücke und traten durch die Doppelschotten auf das Scoutschiff. Direkt hinter den Schotten bogen sie auf die Brücke des Sekundärschiffes ab und besetzten die Positionen.
Die Brücke auf dem Scoutschiff wurde mit neun Personen besetzt, alle wichtigen Stationen waren vorhanden. Eine überaus große Besatzung für ein so kleines Schiff. Aber es hatte sich bewährt. Auch das kleine aber schlagkräftige Schiff der Föderation, die Defiant, hatte damals eine entsprechend große Crew auf der Brücke. Neben den Offizieren für die Con und OPS, die mit der Flugsteuerung beauftragt waren, gab es Raum und einen festen Platz für einen Offizier der Wissenschaft, der Taktik und der Sicherheit, wie auch für die Maschinen und die Kommunikation. Ein weiterer Platz war für verschiedene Aufgaben vorgesehen. Normalerweise gab es einen zusätzlichen Kommandooffizier, der im Prinzip die Funktion des ersten Offiziers ausübte. Heute war der zusätzliche Platz jedoch von Fähnrich Pan eingenommen worden. Frank wollte zwei Wissenschaftsoffiziere an seiner Seite wissen, denn es war sicherlich kein Spaziergang was sich in den Wolkenbändern abspielen würde. Allein die Tatsache, dass die Sensoren nur mit begrenzter Reichweite funktionierten ließ Frank erahnen dass man mit zahlreichen Problemen zu rechnen hatte.
„Scoutschiff an Scimitar, wir legen ab. Warten Sie am vereinbarten Treffpunkt und bereiten Sie sich auf alles vor. Dekkers, Ende!“ gab Frank an den ersten Offizier weiter, dann nickte er Patti Miller an der OPS zu die sofort die Kontrollen der Andockklammern bediente.
Das metallische Geräusch der Entriegelung war zu hören und nach einem kleinen Schub der Kontrolldüsen schwebte das Scoutschiff über der Scimitar.
Alan Brownfield überwachte das Steuer und gerade als der Captain den Befehl gab in einen tieferen Orbit zu gehen kam der leitende Chefingenieur auf die Brücke und nahm seinen Platz an den Kontrollen ein.
Frank staunte nicht schlecht, denn eigentlich sollte hier Carlton Meyers sitzen, aber stattdessen sah er in die dunkelbraunen Augen von Edward L. Williams.
„Was machen Sie denn hier?“ fragte der Captain völlig überrascht.
Eddi grinste frech und antwortete:
„Nun, ich dachte mir, ich sollte mir das nicht entgehen lassen, deshalb habe ich mit meinem Kollegen getauscht.
Schließlich lasse ich meine Patienten nicht im Stich.
Jeder Arzt kann Ihnen bestätigen, dass man sie nach überstandener Operation mindestens eine Nacht lang zur Beobachtung dabehält.“
Frank konnte nicht anders, er musste lächeln.
„In Ordnung, ich freue mich Sie hier zu haben und hoffe, dass der Patient keinen Anlass zur Sorge gibt.
Mr. Brownfield bitte fliegen Sie mit einem viertel Impuls in die tieferen Schichten der Atmosphäre. Folgen Sie weiter der Bahn, die Lieutenant Shelar vorgegeben hat.“
Die Vulkanierin hatte einen Anflugvektor zusammengestellt, der die bestmögliche Annäherung bei maximaler Sicherheit gewährleisten sollte. So waren sie fast auf der gegenüberliegenden Planetenseite direkt über die dichten Wolkenbänder gesunken und näherten sich nun der Position der fremden Schiffe.
„Wir tauchen jetzt in die Atmosphäre ein, es wird Störungen der Sensoren und der Kommunikation geben.“ erklärte Lt. Shelar.
Aber diese Feststellung wäre nicht nötig gewesen, denn kaum hatten sie die ersten Wolkenschichten durchdrungen, war auf den taktischen Sensoren so gut wie nichts mehr zu erkennen, auch der Sichtschirm, der wie immer den Blick voraus zeigte wirkte zusehends verwaschener je tiefer man sank.
Heftiges Rütteln der verschieden dichten Luftschichten, sowie starke Böen schüttelten die Crew heftig durch.
Nachdem sie zweitausend Meter tief in der Atmosphäre waren fiel der Bildschirm fast völlig aus. Eine Sensorenerfassung war kaum noch gewährleistet. Man konnte sich nur darauf verlassen, dass die Koordinaten, die Shelar ermittelt hatte noch halbwegs stimmten. Andernfalls würden sie blind und taub wie in einer riesigen Waschküche herumstochern.
„Eddie, versuchen sie den Bildschirm wieder in Gang zu bekommen.“ wies Frank den Chefingenieur an, obwohl er wusste, dass es sicherlich nicht an der Hardware lag. Vielmehr führte die Ionisierte Wolkendecke zum Ausfall all dieser Systeme. Das war nicht neu. In dieser Hinsicht hatten die Schiffe der Sternenflotte schon immer eine Schwäche, die man bis heute nicht überwunden hatte.
„Captain, wir haben einen Sensorenkontakt.“ kam es von Shelar die umgehend die Sensorenphalanx neu kalibrierte um bessere Ergebnisse zu erzielen.
„Alarmstufe Rot, Schilde hoch.
Auf den Schirm damit..! ach ja, das bringt ja nichts.
Wie sieht es aus, was können Sie erkennen?“ wollte Frank wissen.
„Ich orte vier feindliche Schiffe, aber die Ergebnisse passen nicht zu meiner früheren Abtastung, entweder einige Schiffe bilden eine große Einheit oder wir haben ein anderes Ziel gefunden. Aber die Koordinaten sind korrekt.“ gab Erin Pan zurück.
„Na gut scheuchen wir sie auf, aber ich würde schon gerne sehen was wir da jagen.“ entgegnete der Captain.
„Wie wäre es mit den Bullaugen des vorderen Phaserstandes ?“
meldete sich der Chefingenieur zu Wort.
„Den Hauptschirm können wir vorerst vergessen. Aber die Fenster dürften uns nicht im Stich lassen.“
Die Idee war so genial wie einfach. Natürlich gab es außerhalb genug Licht und auch die Wolken waren nicht so undurchdringlich, es gab mehrere Schichten, aber wenn man sich auf einer Höhe hielt, dann war es sicherlich möglich einige Hundert Meter, vielleicht auch ein paar Kilometer voraus etwas auszumachen.
„Kommen Sie mit, wir gehen auf Deck acht und schauen raus.“
Schnell waren der Captain und der Chefingenieur über einen Zugang der Jeffreysröhre zwei Decks tiefer gestiegen und standen nun im vorderen Phaserkontrollraum.
Hier gab es nicht viel Platz, aber eine Kontrollkonsole und zwei Bullaugen mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern gestatteten die Sicht nach vorn und man konnte es sogar als Leitstand verwenden, wenn die anderen Systeme der Brücke ausgefallen waren.
Der Captain und der Chefingenieur blickten durch das transparente Aluminium und sahen farbige Wolkenschwaden voraus.
„Lieutenant Brownfield, wie weit noch?“
Der Offizier meldete sich umgehend.
„Nach den Anzeigen unseres Wissenschaftsoffiziers nur noch wenige hundert Meter.“ kam es aus der Audioanlage.
Langsam sank das Schiff durch die Wolkendecke nach unten. Dann konnte Frank etwas erkennen, aber was er sah jagte ihm einen gehörigen Schrecken ein.
„Alle Maschinen Stopp. Steigen Sie sofort um einhundert Meter in die Wolkendecke und halten Sie diese Position.“ rief er in das Intercom und sofort kamen die Wolken zum Stillstand, die noch eben über ihnen vorbeigezogen waren.


