Kapitel 20

Einträchtig flogen die drei Schiffe mit halber Impulsgeschwindigkeit in Richtung Sternenbasis. Der Traktorstrahl war am Morgen gelöst worden und so bewegte sich auch die Okinawa wieder aus eigener Kraft.
Frank Dekkers las gerade den Bericht den sein erster Offizier ihm vor Dienstbeginn übergeben hatte. Er begann mit den Worten

„Bericht zur Diensteinteilung und Empfehlung für die anstehenden Aufgaben. Jonathan West.“
Auf die Nennung des Dienstgrades hatte der erste Offizier allerdings verzichtet, obwohl es rein zur Vollständigkeit dazugehörte.

In diesen Aufzeichnungen fand der Captain nicht nur eine Aufstellung der Mannschaft für das Scoutschiff, sowie die jeweiligen Backuppersonen, die bei Ausfall von Offizieren einspringen sollten, sondern auch einen vollständigen Vorschlag für die Besetzung der Okinawa.

Zudem empfahl der erste Offizier acht Piloten der Shuttleabteilung mit einer Kurzbeschreibung der Akademie für eine besondere Aufgabe abzustellen.
Jonathan West hatte sie bereits für ein Trockentraining an Bord der Okinawa bringen lassen, da sie bislang mit den neuen kleinen Fightern der Tyr Klasse noch keine Erfahrung hatten.
Obwohl die Jäger nicht aus der Flottenwerft stammten waren sie zum Geheimtipp der Schiffsbesatzungen geworden, vielleicht auch deswegen, weil die ersten Prototypen von einer Schiffsbesatzung zusammengestellt und gebaut worden waren.
Seit vier Jahren hatten sie sich im Prinzip gegen den Willen der Flotte zu einem Allround-Talent entwickelt, was die Flottenwerft zwar missbilligte, aber in Ermangelung von etwas besserem doch zähneknirschend tolerierte. Möglicherweise lag es daran, dass sich in den Werften damals keiner die Mühe gemacht hatte, nach den Wünschen und Bedürfnissen zu fragen, welche die Piloten für ein solches Schiff hatten.
Der Jäger war verhältnismäßig klein, schnell, wendig und nur mit einer Person besetzt. Er eignete sich hervorragend für kurze Aufklärungsmissionen, war schneller als jedes Shuttle und die beste Wahl wenn man nicht mit großem Gepäck reisen musste.
Zudem hatten sie einige beeindruckende Extras an Bord, die keines der Flottenschiffe bieten konnte.
Das Beste aber war, sie waren die heißesten Jäger die man in der Flotte finden konnte. Die defensive Feuerkraft war beeindruckend. Hinter vorgehaltener Hand war jeder begierig darauf einmal ein solches Exemplar unter seinem Allerwertesten zu wissen, denn es ging das Gerücht um, dass man diesen Vogel doch tatsächlich wie ein altes Flugzeug auch manuell steuern könnte.

Während Frank den Bericht durchlas meldete sich der Chefingenieur der Scimitar, der gerade auf der Okinawa die letzten Handgriffe machte um sicherzustellen, dass man bald wieder mit Warpgeschwindigkeit fliegen könnte.
„Captain, ich wollte Sie Informieren, dass wir in einer halben Stunde so weit sein werden, dass wir den Hauptantrieb wieder in Betrieb nehmen können.
Ich bin mir zwar meiner Arbeit sicher, aber ich würde trotzdem vorschlagen, dass wir einen kurzen Test mit der Überbrückung durchführen sollten, nur für alle Fälle.“
Captain Dekkers war zufrieden.
„Gute Arbeit Eddie. Ich bin sehr zufrieden mit Ihnen. Ist Lieutenant Rivera mit seinem Team inzwischen mit seinen Aufgaben fertig?“
Für einen kurzen Augenblick herrschte Schweigen in der Verbindung. Dann kam die Stimme des Chefingenieurs wieder. Sie schien jedoch eigenartig verändert, so als würde ihm ein Klos im Hals stecken.
„Lieutenant Rivera hat seine Aufgaben inzwischen abgeschlossen. Ursprünglich wollte er die Leute in der Shuttlerampe aufbahren, aber Commander West informierte ihn, dass er die benötigte. Also haben wir sie in vier verschiedenen Frachträumen untergebracht. Das haben sie nicht verdient…“
Der Captain wusste was er meinte, aber im Moment war es wichtiger dass man alle Optionen wahren konnte, die Opfer mussten für den Moment zurückstehen.
„Commander, sie werden eine ehrenvolle Beisetzung erhalten, wenn die Zeit und die Möglichkeit besteht. Vergessen Sie bitte nicht, auch an Bord der Scimitar haben wir noch die weiteren Crewmitglieder der anderen Schiffe.
Schließen Sie Ihre Aufgaben ab und überlassen Sie die restlichen Arbeiten dem Team, welches für die Okinawa eingeteilt ist.“
Auf einem anderen Kanal meldete sich Shelar, die wie fast immer auf der Brücke stand.
„Captain, sechs Schiffe kommen in den Sensorbereich und halten fast direkten Kurs auf uns.“
Frank Dekkers war durch die Nachricht plötzlich fast erschrocken, obwohl er sie bereits längst erwartet hatte.
„Wie lange bis zum Abfangen?“ wollte er wissen.
„Noch haben Sie uns nicht entdeckt, mir scheint Ihre Sensoren reichen nicht so weit, denn sie haben noch eine gewisse Abweichung zu unserem Kurs, aber wenn sie uns erst einmal geortet haben, dann sind sie sicher in spätestens fünfzehn Minuten da.“
Eddie, der die Konversation durch den Komkanal mitgehört hatte schaltete sich ein.
„Zu kurz Captain, das schaffen wir nicht und selbst wenn es möglich wäre, dann könnten wir den Warpantrieb nicht mehr testen.“

„Verstehe Commander. Kommen sie rüber es wird Zeit.
Shelar, Informieren Sie die Avatar und die Okinawa. Aber keine Aktion, bevor ich nicht den Befehl dazu gebe.“
Nur Sekunden später war Frank Dekkers auf dem Weg zur Brücke.
„Alles auf die Stationen, Alarmstufe Rot!“ war der Befehl des Captains zu hören, als er durch die Tür schritt.
Die roten Leuchtbänder, die zwischen den Konsolen in die Wand eingelassen waren blinkten auf und die Brücke wurde abgedunkelt um die Konzentration zu erhöhen.
„Status“ rief Frank, als er sich in den zentralen Stuhl sinken ließ.
„Die Schiffe haben uns inzwischen geortet und Ihren Kurs angepasst. Sie werden in spätestens 12 Minuten und 32 Sekunden hier sein.
Frank überlegte, wie die Schiffe vorgehen würden, wenn sie hier eintreffen würden. Eines der Schiffe der Föderation kannten sie bereits. Sicherlich wollten sie ergründen, welche Schäden sie diesem Schiff zugefügt haben und würden die Suchstrahlen zunächst auf die Okinawa richten.
Das gäbe Ihnen die Gelegenheit entsprechend zu reagieren.
„Eine Verbindung zu Captain Devero, schnell!“
Nilan ließ sofort ihre geschickten Hände über die Konsole gleiten und öffnete einen Kanal. Captain Devero begrüßte Frank mit einem vernichtenden Blick.
„Nun haben Sie ja, was Sie haben wollten Captain. Na dann mal viel Spass!“
Aber Frank ließ sich von dieser Eröffnung nicht beeindrucken.
„Captain Devero, wir haben die Okinawa wieder Flott gemacht. Der Warpantrieb ist noch nicht getestet, aber sie ist ansonsten voll Flugtauglich. Ich gehe davon aus, dass die ankommenden Schiffe großes Interesse an der Okinawa haben, weil sie wissen wollen, welche Schäden darauf entstanden sind. Daher wird ihr größtes Interesse sicher darin bestehen, die Okinawa genau zu scannen.
Das könnte für uns von Vorteil sein, ich möchte gerne, dass Sie mit Ihrem Schiff folgendes machen…“

Die sechs gegnerischen Schiffe waren inzwischen bis auf wenige hundert Kilometer an die drei Schiffe der Föderation herangekommen. Die leitende Wissenschaftlerin hatte inzwischen festgestellt dass es sich tatsächlich um Schiffe der Breen handelte. Das war ein leichter Nachteil, denn über die Breen war nicht allzu viel bekannt. Weder genau Daten zu den Waffen, noch zu den Defensiveinrichtungen galten als gesichert. Auch die Schiffsklassen waren bislang nicht im Verzeichnis der Sternenflotte aufgetaucht.
Shelar war es nur durch die Identifizierung der Antriebssignatur möglich überhaupt festzustellen woher die fremden Schiffe kamen. Aber die Antriebsenergie dieser Schiffe wurde nach einem ganz anderen Prinzip erzeugt, als man es von der Sternenflotte, den Klingonen und den Romulanern kannte.
Langsam kamen die Schiffe von hinten auf und fünf davon hatten sich zu einer V Formation zusammengestellt, wobei das sechste Schiff mittig dahinter flog. Es war kaum zu übersehen, dass es eine besondere Rolle spielte. Allein die andere Bauklasse, die den anderen Schiffen nicht im Entferntesten ähnelte führte schon zu diesem Schluss.
Frank hatte die Kanäle und Grußfrequenzen öffnen lassen und sendete kontinuierlich eine Botschaft, die den Breen zu verstehen gab, dass man sie im Föderationsraum willkommen hieße, was aber gleichzeitig auch bedeutete, dass sie hier eigentlich nichts zu suchen hatten, sollten sie Ihre Anwesendheit nicht erklären wollen.
Auf eine Antwort wartete er allerdings vergeblich, die Breen hatten anscheinend kein Interesse an einer Konversation.
Die kleine Flotte hatte die Position der Scimitar inzwischen erreicht und überflog die drei Sternenflottenschiffe in geringem Abstand.
Wie Frank es vermutet hatte, richteten sie ihr Hauptaugenmerk auf die Okinawa und so blieb es ihnen scheinbar unbemerkt, dass die Schiffe der Avatar Klasse die Frachthangartüren öffneten um jeweils ein kleines Schiff auszusetzen. Außerdem traf man bereits weitere Vorbereitungen um sich im Falle eines Kampfes wirkungsvoll verteidigen zu können.

Die Schiffe der Breen wendeten und lösten ihre Formation auf um sich neu zu gruppieren. Nun war das Schiff welches im Hintergrund geblieben war zum Führungsschiff geworden. Seine bizarre Form konnte vielleicht auch daran liegen, dass die Ausstattung einen enormen Platzbedarf hatte und im Weltraum spielten aerodynamische oder symmetrische Erwägungen nun einmal keine Rolle.
Nach der Einschätzung der Breen schienen die drei Schiffe der Föderation kaum eine Bedrohung zu sein, denn sie hatten es nicht gerade eilig damit ihre Reihen zu schließen. Erst kurz bevor ein neuer Überflug bevorstand hatten sie ihre letztendliche Position gewählt. Aber dann ging alles ganz schnell.
Mit allem was sie hatten feuerten sie auf die drei Schiffe, lediglich das Führungsschiff hielt sich zurück. Frank glaubte zu wissen warum. Man benötigte alle Energie an Bord um die neue Waffe einzusetzen. Die Zerstörung der Föderationsschiffe hatte enorme Energiesignaturen hinterlassen. Ein Zeichen dafür, dass man möglicherweise einen langen Ladevorgang hatte.
Frank fragte sich wie es um die Defensivkraft bestellt war.

Auch die Jem’Hadar hatten extrem kräftige Waffen aber nur wenig was sie zum eigenen Schutz einsetzen konnten.

Die Einschläge des Waffenfeuers wirkten merkwürdig dumpf und nicht so extrem wie es normalerweise zu spüren war.
Dieser erste Trick hatte also gewirkt. Frank hatte veranlasst, dass sowohl das Hauptschiff, wie auch das Scoutschiff seine Schilde vollständig aufbaute, so dass eine Art von Doppelschild entstand, der wesentlich schwerer zu durchbrechen war.
Jetzt war allerdings der Augenblick der Wahrheit gekommen. Die Schiffe der Avatar Klasse koppelten beide das Scoutschiff ab und ließen die Agadem und die Acordia, das Captainsshuttle der jeweiligen Schiffe in der Kampfkonfiguration unter der Untertassensektion hervorkommen. Da die Schiffe der Breen zunächst eine Schleife fliegen mussten, hatten die Föderationsschiffe genug Zeit um sich zu positionieren.

Für Frank war es keine leichte Aufgabe gewesen eine Mannschaft für die Okinawa auszuwählen. Immerhin hatte auch er nur wenige wirkliche Senioroffiziere an Bord, die annähernd die Befähigung hatten tatsächlich ein Schiff zu leiten. Aber es blieb ihm nichts anderes übrig. Während Lt. Commander West das Scoutschiff flog, musste er Lieutenant Brownfield die Leitung der Okinawa anvertrauen. Er hatte zwar die Anweisung, sich nach Möglichkeit so gut es ging aus eventuellen Kämpfen herauszuhalten, aber auch Alan Brownfield hatte noch einen kleinen Trumpf im Ärmel, den er zu gegebener Zeit einsetzen würde.

Mit dieser Entwicklung hatten die Angreifer allerdings nicht gerechnet, war man sich doch sicher gewesen, dass die Föderationsschiffe in der Unterzahl und somit hoffnungslos unterlegen waren.
Auch bei dem Angriff vor wenigen Tagen hatte man nicht ein Schiff verloren aus dem einfachen Grunde, weil man mit seinem Waffenpotential so deutlich überlegen war. In dieser Situation war es nun aber nicht mehr ganz so einfach, denn es waren deutlich mehr Ziele, die Schiffe waren alle voll einsatzfähig und das Schiff mit der Hauptwaffe musste geschützt werden, da es nur über geringe Schilde verfügte. Das hieß also, dass man mit vier, mindestens aber mit drei Schiffen das ausgewählte Ziel angreifen musste, was bedeutete, dass die restlichen Kampfschiffe den Angriffen der anderen Föderationsschiffe ausgesetzt waren.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Breen entschieden hatten, welches Schiff sie zuerst angreifen wollten.
Frank hatte mit Captain Devero abgesprochen, dass man erst eingreifen wolle, wenn sich keine Möglichkeit für eine friedliche Lösung ergeben würde.
Aber nachdem keine Kontaktaufnahme möglich und auch bereits ein erster Angriff erfolgt war, schienen die Fronten geklärt zu sein.
Die Schiffe der Breen setzten Kurs auf die Avatar und begannen schon recht früh Ihren Waffeneinsatz.
Captain Devero antwortete mit einem gekonnten Ausweichmanöver, tauchte nach unten weg und konnte auf seinem taktischen Schirm sehen, wie sich die restlichen beiden Schiffe der Breen bemühten gegen die Scimitar und die Okinawa anzugehen.
Frank Dekkers hatte alle Hände voll zu tun. Nicht nur die Treffer, die er direkt abbekam, machten ihm zu schaffen. Er bemühte sich zusätzlich auch noch darum, dass die Okinawa nicht sofort wieder in Schwierigkeiten kam. Immerhin waren zwar die erfahrensten seiner Offiziere an Bord, aber wie viel Erfahrung konnte man mitbringen, wenn man erst seit gerade einmal zwei Jahren in der Flotte diente und nicht auf ein eingespieltes Team zurückgreifen konnte.
Es war eine Sache, als zweiter Offizier auf der Brücke des Scoutschiffes zu stehen und einfache Missionen durchzuführen.
Aber alleinverantwortlich ein Schiff der Akira Klasse zu führen war schon eine ganz andere Aufgabe. Auch wenn man hier Schutz bieten musste, so fand Captain Dekkers, dass es immer noch die bessere Alternative war, als das Schiff einfach aufzugeben.
Ein weiterer Treffer schlug nahe der Brücke ein und ließ für einen Moment das Licht auf der Scimitar flackern.
„Schilde auf fünfundsiebzig Prozent gefallen. Wenn das so weitergeht, dann verlieren wir den Steuerbordbugschild.“
rief Gerald Quist dem Captain zu, während die Scimitar gerade eine harte Wende durchführte um den Verfolger abzuschütteln.
Die Agadem saß dem Breen Schiff im Genick, aber der junge Lieutenant, der sie mit drei seiner Kollegen flog, war nicht halb so geschickt, wie es Commander Rychek bereits einmal gezeigt hatte. Immerhin konnte man erkennen, dass er sich Mühe gab und dem Gegner stark zusetzte. Gerade nach einem Überflug verließ eine Reihe Mikrotorpedos die Agadem und schlug in die Heckschilde des Breenschiffes ein.
Frank Dekkers versuchte sofort ebenfalls einen Treffer zu landen.
„Mr. Quist, feuern sie nach eigenem Ermessen auf alles, was nicht zu uns gehört. Wenn Sie die Gelegenheit haben, dann unterstützen Sie auch die Agadem!“ rief er dem taktischen Offizier noch einmal zu, der nun eine Reihe Quantentorpedos durch den vorderen Torpedowerfer in Richtung der Breen entließ.

Captain Devero hatte deutlich größere Schwierigkeiten. Obwohl er seinen hinteren Torpedowerfer fast schon im Dauerfeuer beließ, konnte er kaum einen wirklich guten Treffer erzielen. Mehr Glück hatten da schon die Acordia und das Scoutschiff, die immer wieder von der Seite die Gruppe der Schiffe angegriffen hatte.
Es war eine mühselige Aufgabe, aber man konnte die Breen nicht so einfach treffen. Sie wechselten Ihre Position und Richtung ständig um ihr wichtigstes Schiff zu schützen und ließen keine Chance ungenutzt um Ihrerseits Treffer an den Föderationsschiffen zu platzieren. So konnte man nicht direkt an einem Gegner dranbleiben um ihn wirklich kampfunfähig zu machen. Man setzte mal hier einen Treffer, mal dort und beim nächsten Waffeneinsatz schon wieder an einer ganz anderen Stelle.

Das Führungsschiff der Breen schien seine Hauptwaffe nun vorzubereiten. Es blieb nicht mehr hinter der Avatar, sondern zog gemeinsam mit den anderen Schiffen die Schutz bieten sollten eine Schleife um von der Seite anzugreifen.
Der lange andauernde Energieausstoß traf die Avatar nur für einen Moment lang, dann hatte Captain Devero schon sein Schiff nach unten gerissen um es aus dem Waffenfeuer zu bringen.
Auf der Brücke explodierten einige ODN Leitungen, die hinter den Konsolen lagen. Funken sprühten und einige Leitungen die in der Decke verlegt waren platzten einfach auseinander. Teile der Deckenverkleidung brachen herunter und verfehlten nur knapp den Fähnrich, der die Kommunikationssysteme betreute.
„Lieutenant Simmons, Notsysteme!“ rief der Captain seinem Offizier an der OPS zu, während er gleich wieder eine Wende anordnete.
Dann endlich konnten die Acordia und das Scoutschiff der Avatar den ersten Erfolg verbuchen. Eines der Breen Schiffe an das sie sich geheftet hatten schien nach dem penetranten Beschuss manövrierunfähig zu sein, denn es flog einfach nur noch langsam geradeaus und verließ schon nach wenigen Sekunden den Bereich, in dem die Föderationsschiffe mit den Breen um die Oberhand rangen.
Aber anscheinend hatten auch die Angreifer inzwischen erkannt, dass es nicht unbedingt zwingend notwendig war, beim Führungsschiff zu bleiben, denn während dieses sich mit nur noch einem Begleitschiff an die Scimitar heftete, änderte eines der Kampfschiffe seinen Kurs um die Okinawa anzugreifen
Mit gemischten Gefühlen sah Frank Dekkers, dass er durch das Führungsschiff der Breen immer weiter von der Okinawa abgetrieben wurde, so dass er keine Deckung mehr bieten konnte.
Jetzt musste Lieutenant Alan Brownfield die richtige Entscheidung treffen.

„Fähnrich Miller, es wird Zeit. Geben Sie unserer Überraschung Stratfreigabe.“ rief der junge Lieutenant auf der Brücke der Okinawa. Sofort war auf dem Hauptschirm zu sehen, wie acht kleine Jäger am vorderen Ende der Untertassensektion das Schiff verließen und sofort in Richtung des Angreifers abbogen. Wie ein Schwarm von Hornissen umkreisten sie das Schiff der Breen, welches mit den Hauptwaffen nicht in der Lage war auch nur einen dieser schnellen Jäger anzukratzen. Für einen Moment waren die Breen auf diesem Kampfschiff so verwirrt, dass sie einen Augenblick lang nicht auf die Okinawa achteten.
Die Zeit reichte allerdings für Alan Brownfield, um kurz abzutauchen und hinter dem Angreifer wieder hochzusteigen.
Ein guter und gezielter Treffer mit allem was der Kreuzer der Akira Klasse zu bieten hatte reichte aus um das Heck so sehr zu beschädigen, dass der Antrieb ausfiel. Kaum hatten die Fighter der Tyr Klasse das angeschlagene Schiff verlassen, explodierte es in einem gleißenden Feuerball.
„Gut so, prima gemacht, wenn das so gut klappt, dann sollten wir den anderen auch zur Hand gehen!“ rief Lt. Brownfield in die Kommunikationsanlage, um den Piloten neue Anweisungen zu geben.
„Aber konzentrieren Sie sich immer nur auf ein Schiff und achten Sie auf Ihren Nebenmann!“
Eine mehrstimmige Bestätigung war zu hören und die Okinawa drehte um sich an ein anderes der Kampfschiffe zu heften, dass immer noch die Scimitar verfolgte und inzwischen bereits dreimal seine Hauptwaffe eingesetzt hatte, ohne aber nur einmal das Schiff der Sternenflotte treffen zu können, der Steuermann machte seine Sache gut.
Plötzlich tauchte das Schiff der Akira Klasse hinter den Breen auf und eröffnete sofort das Feuer.
Hauptphaser, Pulsphaser, Photonentorpedos und Quantentorpedos stürmten dem Kampfschiff der Breen von links hinten entgegen und schlugen auf den Schilden ein. Schon waren die kleinen Jäger zur Stelle um die geschwächten Schilde zu perforieren und mit Mikrotorpedos und Phasern so lange auf das Schiff einzuwirken, bis es unter dem kontinuierlichen Beschuss langsam seine Manövrierfähigkeit verlor.
Die Okinawa hatte das Kampfschiff so weit aufgehalten, dass die Scimitar mit einer harten Wende auch in Schussposition war und dann brachten die beiden Föderationsschiffe es zu Ende.
Das Schiff der Breen zerbrach einfach in zwei Teile die durch die kinetische Energie einfach noch weiterdrifteten.
Als sich die Scimitar und die Okinawa nach einer Schleife wieder trafen, stellten sie fest, dass das Hauptschiff der Breen nun wieder auf die Avatar zusteuerte. Während die beiden anderen Kreuzer das Scoutschiff der
Scimitar beharkten.
Die Shuttles und Jäger hingen wie so oft dicht an den fremden Schiffen, damit man sie mit den Hauptgeschützen nicht erreichen konnte und versuchten Ihrerseits mit vollem Waffeneinsatz die Schilde zu durchbrechen.

Johnathan West hatte auf dem Scoutschiff der Scimitar alle Hände voll zu tun. Gleich zwei dieser Breen Kreuzer hatten es nun auf ihn abgesehen. Aber der erste Offizier hatte sich gut vorbereitet. Am Vorabend hatte sich noch spät Abends die taktische Datenbank zu Gemüte geführt und das zahlte sich jetzt aus. Nicht ein Manöver was er bislang zweimal ausgeführt hatte. Jedes Mal nutze er eine andere Variation des Ausweichmanövers aus um dem Gegner keine Gelegenheit zu geben, sich in irgendeiner Form auf die Fluglage einzustellen.
Mit einem geschickten Looping über die Hochachse hatte er es geschafft, den unter ihm fliegenden Kreuzer, der gerade noch auf sein Heck zielte, so zu überraschen, dass er sich plötzlich in der besten Angriffsposition befand, nämlich knapp hinter ihm und direkt über dessen Brücke.
Während er die entsprechenden Kommandos an seine Crew weitergab, tippte er auf seiner Konsole am Captainsstuhl weitere Hinweise ein, da er auf einem der kleineren Monitore ständig die Manöver der Okinawa verfolgte.
„Captain, die Sensoren und die automatische Navigation konnten wir bei diesem Überflug untauglich machen. Es wird sie einiges an Energie und Personal kosten, wenn sie weiterhin so beweglich und offensiv bleiben wollen.“ meldete Shiva York, die Andorianerin von ihrer Station.
„Gut gemacht, es wird Zeit, dass wir unsere Fähigkeiten voll ausspielen. Lassen Sie uns einen weiteren Angriff fliegen.
Lieutenant Bernard, bereiten Sie eine volle Salve aller Waffensysteme vor, wenn wir das nächste Mal in Schussposition kommen, will ich mit allem was wir zur Verfügung haben reingehen!“
„Aye Sir, mit allem was wir haben!“ bestätigte der Lieutenant.

Die Avatar hatte gerade für einen kurzen Moment das Scoutschiff angedockt um einige Torpedos nachzuladen, als sich die Vulkanierin bei Captain Dekkers meldete. Auf Ihren Sensoren konnte sie sehen, dass sie ein neues Problem hatten.
„Captain, die Energie auf dem Führungsschiff der Breen steigt wieder an. Sie werden Ihre Waffe gleich abfeuern.“ rief Shelar dem Captain zu. Ein Blick auf den taktischen Monitor reichte dem Captain um die Situation zu erfassen.
„Devero, drehen Sie ab, die sitzen Ihnen im Genick!“ brüllte Frank in die Kommunikationsverbindung, aber er erhielt keine Antwort.
Die Avatar flog weiterhin direkt vor dem Angreifer her und schien auch keine Torpedos mehr im hinteren Schacht zu haben, um sich zur Wehr zu setzen. Lediglich der hintere Hauptphaser zuckte noch einmal kurz auf.
Dann wurde alles überblendet vom Einsatz der Hauptwaffe der Breen.
Als hätte man die Kraft von fünfzig Gewittern in einem einzigen Blitz gebündelt, zuckte ein gleißendes Licht auf die Avatar zu und verwandelte das Schiff in einen blitzenden Ball, dessen Energie nach nirgendwo abfließen konnte. Für mehr als zehn Sekunden dauerte der Beschuss an und Frank konnte nichts tun außer seinem Steuermann zu befehlen einen Kurs zu setzen, der möglichst schnell zur Avatar führte.

Kapitel 21

Admiral Theo Parker hatte einen langen Arbeitstag hinter sich, bei dem er fast überall auf der Sternenbasis 491 war, nur nicht in seinem eigenen Büro. Verschiedene Aufgaben, von Besprechungen bis hin zu Schiffsprüfungen die er abzunehmen hatte. Darunter einige Schiffe, die gerade aus dem Raumdock in die Pilzstation überführt worden waren um die letzten Feinheiten zu richten, bevor sie ihren ersten Captain erwarteten.
Recht müde ging er durch den langen Flur zu seinem Büro. Er war eigentlich viel zu fertig um noch etwas arbeiten zu können, aber er wollte zumindest noch prüfen was für den nächsten Tag anstand.
Seine Erschöpfung war in seinen Gesichtszügen deutlich abzulesen und nachdem er sein Büro erreicht hatte, schloss er die Tür und ließ sich einfach in seinen Stuhl sinken. Er stopfte sich eine Pfeife und entzündete sie. Paffte ein paar Mal den blauen Dunst heraus und schmeckte das Aroma auf der Zunge.
Auf dem Tischdisplay blinkten mehrere Nachrichten, die nachhaltig seine Aufmerksamkeit forderten.
Er öffnete die Nachricht von Captain Rick Sanders, der eine Textnachricht abgestellt hatte und ihn mit wenigen Worten aber dennoch herzlich zu einer Abschiedsparty einlud.
Theo Parkers blick fiel auf den Kalender. War es tatsächlich schon soweit, dass die Crew des Captains auf andere Schiffe versetzt wurde. Er hatte seinem Kollegen und Stationsleiter Admiral Wilbur Jameson mitgeteilt, dass sich Rick Sanders nichts sehnlicher wünschte als sein Schiff wieder im Dienst zu sehen. Aber die Kommission für die Prüfung der Schäden hatte abgelehnt mit der Begründung, dass an dem Schiff der Miranda Klasse zu umfangreiche Schäden entstanden seien.

Theo Parker überlegte. Er könnte sich ein wenig frisch machen und dem Captain wenigstens diese letzte Ehre erweisen, wenn er schon für lange Zeit an den Schreibtisch gefesselt sein würde.
Er deaktivierte das Display und machte sich auf den Weg. Er hatte in Captain Sanders Nachricht gelesen, dass er sich für diesen besonderen Anlass die Aussichtslounge hatte reservieren lassen, in der man die allerbeste Aussicht auf die Schiffe im Dock hatte.
Eine Stunde später erschien Admiral Parker in der Aussichtslounge der Sternenbasis 491.
Captain Sanders kam auf ihn zu und begrüßte ihn.
„Schön dass Sie kommen konnten Admiral. Es bedeutet mir viel, dass Sie diesen Moment mit uns teilen wollen.“ erklärte Rick und schüttelte seinem derzeitigen Vorgesetzten die Hand. Gleichzeitig wies er dem Admiral den Weg an die Fensterfront, wo sich einige Crewmitglieder in den Sesseln niedergelassen hatten.
„Nun, ich kann Ihnen diese Bitte schlecht abschlagen, wenn ich daran denke, was Sie in den letzten Monaten alles mitmachen mussten.“ Theo Parker gab seine Bestellung bei den Bediensteten der Aussichtslounge auf, die sofort loseilte um das gewünschte Getränk zu holen.
Gemeinsam mit Rick Sanders nahm der Admiral Platz und konnte sich nun auf dem Tisch auch eine weitere Pfeife vorbereiten. Während Captain Sanders ihm erklärte, dass sich die Mühe auf jeden Fall gelohnt habe und er froh war diesen Job ausfüllen zu können.
„Jetzt übertreiben Sie aber Captain. Ich kenne niemanden, nicht einen Captain, der sich an einem Schreibtisch wohl fühlen würde. Das wird bei Ihnen sicherlich nicht anders sein. Das können Sie mir nicht erzählen und wenn, würde ich es Ihnen sicherlich nicht glauben.“
Rick Sanders musste lächeln und setzte sein Glas ab.
„Natürlich Admiral. So ist das auch nicht gemeint. Da bin ich der gleichen Ansicht wie Sie, es ist schließlich ein hartes Los für einen Captain, wenn er sich selbst auf dem Trockendock wieder findet.“

Rick Sanders und Theo Parker unterhielten sich eine ganze Weile und so lernte Rick Sanders auch, dass der Admiral vor einigen Jahren selbst noch ein Captain war. Aber wie er sagte war er seinen Vorgesetzten einmal zu viel aufgefallen. Man bemerkte, dass er ‚Ein äußerst glückliches Händchen für die technischen Dinge habe’, wie er sich ausdrückte und machte ihn zum technischen Leiter der Sternenbasis.
Während die Unterhaltung mit kleinen Anekdoten hin und her ging ließ Admiral Parker seine Blicke schweifen und entdeckte zwei Personen, die zwar nur in einer Ecke saßen und sich angeregt zu unterhalten schienen, die aber auf keinen Fall zu dieser Crew gehörten.
„Sagen Sie Captain, was tun Commander van Dyke und Commander Jefferson eigentlich hier? Soweit ich weiß zählen sie nicht zu Ihrer Crew.“
Rick nickte höflich, während Theo Parker einen weiteren Zug an seiner Pfeife nahm.
„Das stimmt Admiral. Ich habe sie eingeladen, weil sie mir einen Gefallen getan haben und ich wollte mich mit dieser Party dafür revanchieren.“ gab Rick Sanders zur Antwort.
„Soso, einen Gefallen. Lassen Sie mich überlegen, welchen Gefallen könnte Ihnen der erste Offizier und der Chefingenieur der Alexandria Ihnen wohl erweisen?“
Aber bevor der Admiral weiter darüber nachdenken kann ertönte aus Ricks Kommunikator ein leises Zirpen.
„Captain, wir wären dann soweit!“ war die Stimme von Spike, dem Chefingenieur zu hören.
„Na dann hoch mit Ihr, Sie hat lange genug auf der faulen Haut gelegen!“ rief Captain Sanders so dass fast alle zu den Fenstern strömten um in den Hangar zu sehen. Dem Admiral schwante plötzlich Böses. Ihm wurde mit einem Mal klar, dass er nicht hier war um der Crew den verdienten Abschied zu gewähren, sondern diese Party wohl einen ganz anderen Anlass hatte.
Der Captain stand auf und nahm sein Glas mit, während der Admiral ihm folgte.
Rick drehte sich zu seiner Mannschaft die am Fenster vor ihm stand und nun konnte Theo Parker auch erkennen, dass sich Roger van Dyke und Jaqueline Jefferson in die erste Reihe gemogelt hatten.
Rick Sanders hob sein Glas an und sagte:
„Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich und für meine Mannschaft.
Nach Monaten der Ungewissheit, der harten Arbeit, nach vielen Entbehrungen und langen Nächten haben wir es endlich geschafft. Mit gemeinsamer Anstrengung haben wir es erreicht unserem Schiff wieder Leben einzuhauchen…“
Aus den Fenstern konnte man sehen, wie sich die Golden Gate im Dock erhob und nun direkt auf die Fenster zu schwebte.
Die Warpgondeln leuchteten blau und auch die Bussard Kollektoren hatten das übliche rote Glühen.
„…sie ist auferstanden wie der Phönix aus der Asche um uns weiter zu begleiten in all den Gefahren, denen wir möglicherweise noch begegnen werden. Sie war unser Schiff, sie ist es auch Heute noch und wird es immer bleiben!“
In diesem Moment schwebte das Schiff der Miranda Klasse direkt vor ihnen und man konnte die Brücke direkt vor sich sehen.
Die Scheinwerfer leuchteten wie aufs Stichwort auf und strahlten den neu erstellten Schriftzug U.S.S. GOLDEN GATE auf der Untertassensektion an.“
Sofort brandete tosender Applaus auf und Admiral Theo Parker, der die Situation so falsch eingeschätzt hatte stand etwas verwirrt und mit recht ungläubiger Mine neben Captain Sanders.
„Nehmen Sie es bitte nicht krumm, aber es war Absicht Sie in diese Falle tappen zu lassen. Das war ich den Beiden dort drüben schuldig.“ erklärte der Captain, während er auf Roger van Dyke und Jaqueline Jefferson deutete.
Theo Parkers Gesichtsausdruck wechselte in eine gespielt säuerliche Mine als er auf J.J. und van Dyke zutrat.
„Das hätte ich wissen müssen, dass Sie Ihre Befehle nicht ernst nehmen. Sie hatten absolute Anweisung sich zu entspannen!“ schimpfte der Admiral mit erhobenem Zeigefinger gegenüber Commander Jefferson.
Sie trat nahe zu ihm und flüsterte ihm ins Ohr:
„Ich habe mich seit langer Zeit nicht so wohl gefühlt, wie bei der Arbeit an diesem Schiff, außer vielleicht, als ich von Ihnen die Chance erhielt den Deltawing T164 wieder flott zu machen. So was nenne ich Entspannung“
Der Admiral lachte und reichte Roger van Dyke die Hand, den er auch bereits seit mehr als sechs Jahren persönlich kannte.
„Admiral, legen Sie sich niemals mit einem Captain an, der ein waidwundes Schiff hat, es ist wie ein Tier, es könnte immer noch beißen!“ sagte Roger scherzeshalber zum Admiral und zwinkerte ihm zu.
„Das werde ich mir wohl merken müssen.“ Erwiderte Theo Parker und zog erneut an seiner Pfeife.
Nun gesellte sich auch Rick Sanders zu der kleinen Gruppe.
„Wie haben Sie es eigentlich geschafft dieses Schiff wieder Flott zu machen und wie bitte in aller Welt kommen Sie auf die Idee, dass Sie mit Ihrer Crew einen neuen Auftrag bekommen werden?“
fragte Admiral Parker.
„…bekommen haben Admiral. Die Endung muss heißen: bekommen haben!
Nachdem die Golden Gate wieder fit für den Einsatz war, habe ich bei Admiral Wilbur Jameson vorgesprochen und ihm erklärt, dass ich ein weiteres Schiff bereitstellen könne, verbunden mit der Bitte uns wieder in den aktiven Dienst zu versetzen.
Ich habe dem Admiral erklärt, dass ich mein Schiff nie aufgegeben habe und so lange daran gearbeitet habe, bis es wieder einsatzfähig war. Natürlich hätte Admiral Jameson auch einfach das Schiff für andere dringend notwendige Aufgaben einsetzen können. Aber er hatte Respekt vor den Leistungen meiner Crew und vor dem Einsatz den sie in all den Monaten gebracht hat. Daher wurden wir alle wieder auf die aktive Liste gesetzt. Hier ist unser erster Auftrag!“ erklärte Rick Sanders und hielt dem Admiral ein Padd entgegen.
Auf dem Datenspeicher waren die fertig gestellten Einbauten, die abgeschlossenen Tests, sowie die neue Konfiguration zu erkennen. Die Golden Gate war stärker und besser als je zuvor. Zweifache Schildgeneratoren mit ohnehin der doppelten Leistung, weil aus anderen Schiffen stammend. Höhere Phaserausbaustufen und Torpedowerfer mit schnellerer Nachladezeit. Außerdem einen Quantentorpedowerfer. Woher auch immer der stammte. Der Admiral wollte es gar nicht erst wissen.
Das Highlight aber war der Warpantrieb der Stufe vier, den nur einer in dieses Schiff einbauen und lauffähig hatte machen können. Jaqueline Jefferson.
Der Admiral hatte nicht damit gerechnet, dass Rick und seine Mannschaft das Schiff wirklich wieder flott bekommen würden.
Aber nun musste Theo Parker sein Versprechen einlösen und Rick ziehen lassen. Er hatte es ohnehin schon erreicht durch die Freigabe des Stationskommandanten.

„Sie werden sich wohl jemanden anderen suchen müssen, der meine Stelle einnimmt.“
Theo Parker musste zugeben, dass er diesen Captain und seine Crew deutlich unterschätzt hatte. Nicht jeder war so zielstrebig und so direkt darauf konzentriert ein gewisses Ziel zu erreichen.
„Nun Captain, dann haben wir ja heute richtig was zu feiern. Am besten wir stoßen mit einem richtig guten Drink erst einmal auf die neue Mission an!“ erklärte der Admiral und ging mit der gesamten Gruppe zur Theke um eine Bestellung für eine Lokalrunde loszuwerden.

Kapitel 22

Nach dem Beschuss durch das Breen Schiff hing die Avatar energielos im Raum. Das Scoutschiff wollte gerade abkoppeln als der Beschuss anfing, aber es wurde von dem Waffeneinsatz überrascht. Man hatte zwar die Andockklammern gelöst, aber es war Ihnen nicht mehr gelungen zu entkommen.
Langsam drifteten Scout und Hauptschiff der Avatar weiter auseinander, hilflos den gegnerischen Kräften ausgesetzt.
Frank Dekkers, der sich bereits in günstiger Position hinter dem Führungsschiff der Breen befand nutzte seine Chance.
Mit einem geschickten Manöver bezog er dicht unterhalb und knapp hinter dem Breen Schiff Position.
Dann ließ er seine Waffen sprechen. Sofort ließ er eine Reihe von Quatentorpedos nach der anderen auf das Schiff los, begleitet, vor Pulsphaserstößen und mehrerer Phaserstrahlen aus den Hauptphaserbänken.
Dieser massive Angriff schien Wirkung zu zeigen, denn schon wurde das Schiff langsamer. Shelar konnte feststellen, dass Waffen, Antrieb und Schilde bereits außer Funktion waren, so dass sie von diesem Schiff für die nächste Zeit keine Angriffe zu erwarten hatten.
„Dekkers an Okinawa, kommen Sie für einen Moment alleine klar? Ich bräuchte auch dringend die Hilfe unseres Scoutschiffes.“
Alan Brownfield öffnete den Kanal. Auf der Brücke waren hektische Rufe und gelegentlich der Einschlag von Waffenfeuer auf die Schilde zu hören. Im Hintergrund rief einer der Offiziere:
„Schilde auf neununddreißig Prozent, wir müssen unsere rechte Seite schützen!“ dann war endlich die Stimme des Leitenden Offiziers zu hören.
„Brownfield hier, Captain. Wir können Sie schon eine Weile lang beschäftigen, aber lassen Sie uns nicht zu lange hängen!“
Frank nickte zufrieden.
„Dekkers an Scoutschiff, Mr. West, wir brauchen Ihre Hilfe. Fliegen sie sofort zur Avatar und koppeln Sie mit dem Scout an. Sie müssen die Avatar wenigstens wieder bewegen, damit Sie nicht zu einem so leichten Ziel wird. Ich werde versuchen das andere Scoutschiff bei uns anzukoppeln um es mitzunehmen. Versuchen Sie eine Energieübertragung!“
Jonathan West bestätigte die Anweisung und ließ von dem Schiff der Breen ab um auf die Avatar zuzusteuern. Er hatte den kürzeren Weg und das einfachere Manöver auszuführen, während Frank versuchen musste das andere Scoutschiff von unten anzufliegen.
Doch noch bevor Frank seine Position erreicht hatte meldete sich Jonathan West.
„Captain, es gibt ein Problem. Wir können nicht ankoppeln. Die Andockklammern scheinen eine völlig andere Position zu haben!“
Frank Dekkers war geschockt.
„Was? Das kann doch nicht sein.“ rief er.
Die Scimitar hatte inzwischen ebenfalls die Position des anderen Scouts erreicht und Shelar bestätigte, dass der erste Offizier Recht hatte, denn der Scout der Avatar passte logischerweise ebenfalls nicht auf die Scimitar.
Frank war ratlos, wie konnte man jetzt helfen? Ohne Energie war es kaum möglich irgendeine Aktion durchzuführen.
Scimitar an Avatar, können Sie mich empfangen? Wie sieht es bei Ihnen aus?“ versuchte Frank wenigstens eine Kommunikationsverbindung aufzubauen.

Währenddessen konnte er auf dem Bildschirm sehen, wie sich die Okinawa verbissen gegen die beiden verbliebenen Schiffe der Breen zur Wehr setzte. Immer wieder flogen die kleinen Fighter in mehreren Wellen die Kampfschiffe an und verteilten ihr Waffenfeuer auf den Schilden und den ungeschützten Bereichen der Schiffe an denen bereits die Schilde ausgefallen waren.
Aber auch die Brenn gaben nicht auf. Sie versuchten jede nur erdenkliche Gegenmaßnahme und Captain Dekkers musste mit ansehen, wie einer der Fighter einen Volltreffer aus einem der Breenphaser erhielt. Das Schiff ging in Feuer auf und Captain Dekkers meinte ein kurzes blaues Aufglühen im Cockpit gesehen zu haben, was nur bedeuten konnte, dass einer der Sauerstofftanks hochgegangen war. Einem weiteren Fighter erging es nicht anders.

Frank wusste, dass es Zeit wurde etwas zu tun. Aber er konnte auch nicht die Schiffe der Avatar vor weiteren Angriffen schützen. Zudem wusste er nicht was innerhalb der Schiffe passiert war und ob man auf den Schiffen nicht dringend Hilfe brauchen würde.
Chris Kester hatte seine Nachricht weiter gesendet aber er hatte keine Antwort erhalten.
Doch dann meldete sich noch einmal völlig unerwartet Jonathan West.
„Captain, wir haben die Hülle magnetisiert, so dass wir im wahrsten Sinne des Wortes wenigstens an der Avatar kleben wie die Fliege an der Scheibe. Aber so war es uns wenigstens möglich, die Energieleitungen zu koppeln. Wir können zwar nicht fliegen, aber wenigstens die Notenergie fließt aufs andere Schiff. Vielleicht versuchen Sie das auch. Die Energieleitungen sind jedenfalls an der richtigen Position und haben die gleiche Belegung wie unsere. Wir werden jetzt versuchen noch einige andere Optionen wahrzunehmen. West Ende!“
Das war wirklich eine gute Idee. Sofort war Walter Mees dabei die notwendigen Einstellungen durchzuführen und der Benzite Corval verschwand im Turbolift um die manuelle Überbrückung durchzuführen, sollte die Automatik unter diesen widrigen Umständen nicht funktionieren.

Die Okinawa hielt sich gut. Mit einer geschickten Wende hatte sich Alan Brownfield hinter die Breen gebracht und die verbliebenen Fighter und die beiden Shuttles der Campaign Klasse zu sich gerufen. Er wollte versuchen es zu Ende bringen.
Gemeinsam koordinierten sie ihren Anflug und als sie in Waffenreichweite waren feuerten sie aus allen Rohren um das Breen Schiff aufzuhalten, welches gerade Kurs auf die Scimitar gesetzt hatte. Zahlreiche Phaserstrahlen zuckten dem Schiff hinterher und schon nach wenigen Sekunden waren die Schilde endlich so mürbe geworden, dass es für den Kreuzer keine Rettung mehr gab. Ohne einen Feuerball ins All zu entlassen zerbrach das Schiff und die weitereilenden Trümmer verfehlten die Scimitar nur knapp.
Das Schiff der Akira Klasse überflog das Föderationsschiff mit ihren Begleitern und drehte auf das letzte Schiff der Breen zu.
Diese feuerten ein weiteres Mal verzweifelt auf alles was Ihnen entgegenkam, aber das einzige was sie trafen war ein weiterer Fighter der heftig herumgerissen wurde, kurz trudelte und dann wie von Geisterhand das Schiff der Akira Klasse ansteuerte um im Hangar zu verschwinden.
„OK, Jetzt oder nie!“ rief Alan Brownfield in die Komverbindung, als sie endlich in Waffenreichweite waren.
Ein letztes Mal feuerten die Schiffe der Föderation mit allem was an Waffen zur Verfügung stand. Diesem massiven Kampfeswillen hatte das inzwischen angeschlagene Breen Schiff nichts mehr entgegenzusetzen.
In dem Moment, in dem die Okinawa darüber hinweg glitt zerbrachen beide Warpgondeln und der Antrieb explodierte, wobei er das halbe Schiff mitriss.
Dann war es vorbei. Lediglich das reglose Führungsschiff der Breen hing noch im Raum und wurde schnell umringt von der Okinawa, den restlichen Fightern und den Shuttles, so dass bei der geringsten Regung das Feuer eröffnet werden konnte.

Auf der Brücke der Avatar war es dunkel geworden. Das Licht, der Hauptschirm, die Monitore der einzelnen Stationen, einfach alles war ausgefallen. Lediglich die Notbeleuchtung spendete ein fahles Licht.
In der Zentrale, welche die Leitstelle für das ganze Schiff darstellte, sah es aus als wäre eine Bombe explodiert.
Leitungen hingen aus der Decke herab, Teile der Deckenverkleidung lagen auf dem Boden. Aus zwei der Konsolen stieg immer noch Rauch auf. Sie waren nicht mehr zu gebrauchen. Der Geruch von verschmorter Elektrik hing in der Luft und Rauchschwaden behinderten die Sicht.
Captain Devero, der gerade eben noch während des letzten Beschusses durch die Breen ein Ausweich- und Fluchtmanöver befohlen hatte, saß in seinem Stuhl und wollte wissen was noch funktionierte.
„Statusberichte von allen Abteilungen!!!“ rief er seinem ersten Offizier zu, der sofort die entsprechenden Anfragen zu den notwendigen Stellen durchgeben wollte. Allerdings, weder die Kommunikationsanlage, noch die Kommunikatoren waren in der Lage eine Verbindung aufzubauen.
„Captain, keine Statusberichte! Die Kommunikationsanlage ist tot. Wir kommen weder in den Maschinenraum durch, noch zu einer der anderen Stationen. Aber Fakt ist, dass wir driften. Kein Antrieb. Das Scoutschiff hat sich vom Hauptschiff gelöst, ich kann nicht sagen wie es bei Ihnen aussieht. Wir sind zur Zeit ein leichtes Opfer.“
Captain Devero nickte stumm.
„Lassen Sie das reparieren. Wir müssen unbedingt unseren Status kennen. Momentan wissen wir nicht einmal was da draußen vor sich geht, das ist ein riesiger taktischer Nachteil. Jemand muss sich sofort um die Technik kümmern, wenn wir keinen Kontakt ins Schiff bekommen, dann müssen wir den technischen Status wenigstens über unsere Displays ablesen können. Sorgen Sie dafür!“ wies er den ersten Offizier an, der sich sofort dieser Sache annahm.

Zusammen mit zwei Technikern machte dieser sich daran die Konsole der Kommunikation der Wissenschaft und der Taktik zu öffnen um wenigstens eine der Stationen schnell wieder in Gang zu setzen.
Glücklicherweise schien der Beschuss aufgehört zu haben, denn die elektrischen Entladung die eben noch bis in die Brücke schlugen hatten teilweise sogar Blitze an der Decke auftreten lassen.
Nach zäh vergehenden Minuten konnte endlich einer der Lieutenants die erste Erfolgsmeldung weitergeben.
„Taktische Station wieder betriebsbereit. Phaser ausgefallen, Schilde nicht existent, Pulsphaser durchgebrannt, Torpedowerfer defekt, Schächte vorn und hinten leer.“
Das war in Mitten eines Kampfes in gewisser Weise ein Todesurteil. Denn ohne Verteidigung war es ein Leichtes geentert, oder einfacher noch, sofort zerstört zu werden.
Captain Devero wunderte sich, warum das eigentlich noch nicht längst passiert war und fraß seinen Ärger in sich hinein. Aber er verschwendete keinen Gedanken daran, dass ein derart harter Beschuss, den die Avatar noch relativ unbeschadet überstanden hatte, bei den anderen Schiffen bereits zum völligen Kollaps der strukturellen Integrität geführt hatte.
Er sah sich in seiner Auffassung bestätigt, dass dieses Schiff, dieses Design eine völlige Fehlentwicklung gewesen war. Seiner Meinung nach waren die üblichen Schiffe der Flotte wesentlich widerstandsfähiger. Schließlich hatte die
Okinawa als Schiff der Akira Klasse ebenfalls einen solchen Angriff überstanden.
Hätte sich John Devero die Mühe gemacht den Bericht zu lesen, den er auf der Scimitar so überaus abwertend einfach auf den Tisch geworfen hatte, dann hätte er sicherlich erkennen können, dass die Okinawa nicht einmal ein Zehntel von dem abbekommen hatte, was die Avatar eben über sich ergehen lassen musste.

„Sensoren wieder in Betrieb!“ meldete einer der Fähnriche, der an der Wissenschaftsstation gerade wieder die Abdeckplatte einsetzte, während der zuständige Offizier die Kontrollen bediente.
„Die Scimitar und ihr Scoutschiff sind auf dem Weg hierher, es sieht aus, als versuchen Sie bei uns anzudocken. Wahrscheinlich um uns über die außen liegenden Anschlüsse wieder mit Energie zu versorgen.
Die Okinawa, die Jäger und die beiden Shuttles kümmern sich derzeit um die verbliebenen Breen Schiffe. Es sieht so aus als versuchen sie die Gegner zumindest davon abzuhalten uns anzugreifen. Das Führungsschiff der Breen scheint energielos zu sein.“
In Captain Deveros Kopf überschlugen sich die Gedanken. Er suchte nach irgendeiner Möglichkeit, wie er sich aus dieser vertrackten Zwangslage befreien konnte und genau jetzt sollte sich das Schicksal der Avatar entscheiden.
Denn genau in diesem Moment war zu hören, dass sich scheinbar jemand am Rumpf des Schiffes zu schaffen machte.
Mechanische Geräusche waren zu hören und John Devero konnte nur hoffen, dass alle auf dem Schiff auf Draht waren, denn sollte es zu einem Enterversuch kommen, so konnte er nichts und niemanden koordinieren, da es immer noch keine Kommunikation gab.
Sein Blick fiel auf den ersten Offizier und die beiden Techniker, die fieberhaft versuchten mit den wenigen Bordmitteln, die sie auf der Brücke hatten, wenigstens die Konsolen wieder zum Laufen zu bringen.
Ein statisches Geräusch war zu hören und ein Prasseln kam aus den Lautsprechern, bis daraus endlich eine Stimme wurde, die jeder verstehen konnte.
„Das Scoutschiff der Scimitar ruft die Avatar. Können Sie mich hören? Ihre Andockklammern passen nicht zu unserem Schiff, aber wir können einen Energietransfer vornehmen. Das sollte Ihnen für eine Weile ausreichen. Bitte Antworten Sie!“
War die Stimme von Jonathan West zu hören, der scheinbar gerade versucht hatte mit dem anderen Scoutschiff auf der Avatar anzukoppeln.
Genau in diesem Moment bedauerte Captain Devero, dass er die Einhaltung der ursprünglichen Pläne so einfach verworfen hatte. Was hätte man nicht alles machen können, wenn in dieser Situation das Scoutschiff problemlos hätte angekoppelt werden können.
Aber dieser Gedankengang hielt nur für einen Moment an.
Denn als die Notstromversorgung durch den Energietransfer wieder sichergestellt war, kam Captain Devero eine ganz besondere Idee.
„Nummer Eins, ich möchte, dass sie versuchen unser Scoutschiff und das Shuttle zu rufen. Ich hoffe Sie hatten nicht so große Schäden wie wir.
Nehmen Sie eine der Frequenzen, die wir für unsere eigene Kommunikation festgelegt haben. Niemand braucht davon etwas mitzubekommen. Ich möchte, dass Sie das folgende tun…“

Lieutenant Alan Brownfield, stand auf der Brücke der Okinawa und sah auf den Bildschirm, auf dem Formatfüllend das Schiff der Breen zu sehen war, umringt von den Shuttles und Fightern, sowie dem Schiff der Akira Klasse.
Sie machten keinerlei Anstalten zu fliehen, zu kämpfen oder sich zu ergeben. Sie taten einfach nichts.
Den Sensoren zufolge waren mindestens zweihundertsechsundfünfzig Mann an Bord, aber es war nicht zu erkennen, ob sie alle am Leben waren, denn soweit man wusste lebten die Breen auf einem sehr unwirtlichen Planeten mit extremer Kälte und keiner wusste, ob die Breen auch an Bord ihrer Schiffe die Kühlanzüge trugen, ohne die sie noch niemals angetroffen worden waren.
„Captain, eine Nachricht von der Avatar auf einem niederfrequenten Band kommt herein, nur Audio!“
Alan Brownfield nickte der jungen Frau zu, die an der Kommunikationskonsole saß. Es knisterte und prasselte ein wenig. So eine schlechte Verbindung hatte selbst der junge Mann noch nicht miterlebt.
„Hier spricht die Avatar, können Sie mich hören?“ Die Stimme war leise und von vielen Störungen begleitet, aber es war eindeutig die von Captain John Devero.
„Lieutenant Alan Brownfield von der Okinawa. Ich kann Sie verstehen. Was können wir für Sie tun Captain?“
John Devero hatte darauf gehofft, dass er einen jungen Offizier antreffen würde.
„Nun, unser Schiff ist durch den Angriff der Breen extrem stark beschädigt worden. Es macht eigentlich keinen Sinn mehr hier noch mehr Energie hineinzustecken. Wir werden das Schiff aufgeben müssen.
Captain Dekkers hat daher entschieden, dass meine Mannschaft auf die Okinawa wechseln soll. Das Scoutschiff der Scimitar ist gerade dabei uns genügend Energie zu verschaffen, damit wir uns zu Ihnen hinüber beamen können. Wir werden also in Kürze bei Ihnen sein.
Informieren Sie Ihre Leute, dass Sie die Transporterräume besetzen, wir wollen kein Risiko eingehen dass es zu Komplikationen kommt. Devero, Ende!“
Alan Brownfield schüttelte kurz den Kopf, er konnte nicht verstehen, dass man die Avatar bereits beim ersten Einsatz so schwer beschädigt haben konnte, dass man sie aufgeben musste. Aber Captain Dekkers und Captain Devero würden schon ihre Gründe haben. Vielleicht war die Lebenserhaltung nicht mehr gewährleistet, oder sonst irgendwelche unabsehbare Gefahren würden vorliegen. Außerdem fiel ihm die Beschädigung ein, die an der Okinawa gerade erst in mühevoller Kleinarbeit behoben worden war. Wie auch immer. Alan Brownfield wies seine Kollegen an die Transporterräume zu besetzen, damit der Transport schnell und problemlos vonstatten gehen könnte. Man wusste schließlich nicht, was sonst noch auf einen wartete.

Es dauerte keine zwei Minuten, da stand Captain Devero auf der Brücke der Okinawa. Mit festen Schritten ging er auf den Stuhl in der Mitte zu und gab Alan Brownfield ein Zeichen.
„Gute Arbeit Lieutenant. Sie und Ihre Mannschaft können jetzt gehen. Wir übernehmen das jetzt.“
Hinter Devero kam eine gesamte Brückenbesatzung hereinmarschiert und verteilte sich auf die Stationen.
Nur widerwillig stand Alan Brownfield aus seinem Stuhl auf.
„Captain, ich möchte das erst mit meinem Vorgesetzten abklären. So war das nicht vereinbart. Wir haben natürlich nichts dagegen Sie an Bord aufzunehmen. Aber das Kommando wurde mir übertragen und zwar solange wie es meine Vorgesetzten, Captain Dekkers oder Commander West für nötig befinden.“
Jetzt wurde Captain Devero langsam ungeduldig, was sich sowohl in seiner Wortwahl als auch in seinen Handlungen widerspiegelte.
„Hören Sie mal, Sie Rotzlöffel. Nur weil man Ihnen temporär das Kommando für ein Schiff dieser Größenordnung anvertraut hat, meinen Sie wohl, Sie hätten hier etwas zu sagen, oder wie?
Sie haben wohl meinen Rang vergessen Lieutenant!
Wenn ich Ihnen sage, Sie können gehen, dann ist es auch an der Zeit aus diesem Stuhl aufzustehen.
Captain Dekkers erwartet Sie umgehend an Bord der Scimitar. Was meinen Sie überhaupt warum wir überhaupt gekommen sind? Schließlich wollen wir alle wohlbehalten nach Hause kommen.“
Captain Deveros Stimme klang nun deutlich verärgert. Er ließ sich im zentralen Stuhl nieder und gab bereits die ersten Anweisungen an seine Brückencrew. Dann wandte er sich an seinen ersten Offizier. Leise wies er ihn an:
„Sorgen Sie dafür dass sie möglichst gleichzeitig das Schiff verlassen, achten Sie auch darauf, dass Sie wirklich alle hinüber beamen, fragen Sie nach wie viele sich an Bord befunden haben und zählen Sie notfalls nach. Ich will von dieser Mannschaft keinen mehr an Bord haben wenn wir los fliegen.“
Der erste Offizier nickte und begleitete die Brückenmannschaft der Scimitar zum Transporterraum. Währenddessen wies er die anderen Offiziere, die noch im Schiff unterwegs waren ebenfalls an sich im Transporterraum zu melden, damit sie auf die Scimitar zurückkehren konnten.
Während der erste Offizier die Kollegen der Scimitar begleitete hatte Captain Devero bereits Kontakt mit seinen Ingenieuren aufgenommen.
„Machen Sie den Antrieb klar, wir fliegen ab, sobald alle an Bord sind. Ich brauche die volle Antriebsleistung, stellen Sie das sicher!“ erklärte er dem Chefingenieur, der gerade eben erst im Maschinenraum der Akira Klasse angekommen war.
Von dem jungen Lieutenant an der OPS wollte er wissen:
„Wie sieht es aus, sind alle Leute unserer Mannschaft an Bord?“
Der junge Mann schaute auf seine Kontrollen und konnte sehen, dass gerade die letzten Personen vom Scoutschiff der Avatar herüber gebeamt worden waren. Der Transport, der die kleine Crew der Acordia, dem Shuttle der Avatar, an Bord bringen sollte war gerade im Gange.

Frank Dekkers hatte schon seit einigen Minuten die Energieverbindung zum Scout der Avatar hergestellt, aber weder ein Sprechkontakt, noch eine Audionachricht war bislang entstanden.
Frank hatte versucht sowohl die Avatar, als auch das angedockte Scoutschiff auf allen möglichen Frequenzen zu rufen, aber keiner hatte geantwortet. Zwar konnte die Wissenschaftsoffizieren Shelar feststellen, dass die Personen auf dem Schiff noch über Lebenssignale verfügten, aber keiner wusste, wie lange das noch anhalten würde. Ohne Energie für die Lebenserhaltung konnte sich das schnell ändern. Auch von einem Versuch ein Schadensteam an Bord zu beamen riet ihm die Wissenschaftlerin ab. Zu viele Interferenzen und magnetische Spannungen hatten sich in dem Scoutschiff aufgebaut, so dass es ungewiss war, ob überhaupt jemand auf der anderen Seite ankommen würde.

„Captain, ich registriere Transportertätigkeit. Die Crew des Scoutschiffes wird weggebeamt.“
Frank war überrascht. Damit hatte er nicht gerechnet. Eher damit, dass die Crew die Lebenserhaltung wieder in Gang setzen würde.
„Weggebeamt? Wohin werden sie gebeamt, zur Avatar? Ich dachte dass diese Option nicht in Frage kommen würde?“
Shelar schüttelte den Kopf.
„Nein Captain, zur Okinawa. Die Tatsache, dass wir nicht dorthin Beamen können muss nicht zwangsweise heißen, dass es für die
Avatar und ihr Scoutschiff ebenfalls der Fall sein muss. Schließlich liegen die Transporteremitter an der Außenhülle der Schiffe, während wir einen Punkt innerhalb der Hülle fokussieren müssen. Ich registriere außerdem einen Funkkontakt zwischen der Avatar und dem Scoutschiff auf einem niedrigen verschlüsselten FM Band.
Auch die Avatar beamt ihre Mannschaft zur Okinawa. Es könnte sein, dass beide Schiffe nicht mehr in der Lage sind ihre Lebenserhaltung aufrecht zu erhalten!“
Frank überlegte einen Moment, aber dann schüttelte er den Kopf.
„Nein, diese Art von Schäden hatten wir an dem Schiff der Akira Klasse auch nicht, es war nur das Trägheitsdämpfungsfeld.
Da stimmt was nicht. Da ist irgendetwas faul.“

Shelar kannte diese Floskel schon. Sie hatte sie schon oft von Menschen gehört. Es waren nicht nachvollziehbare Ahnungen oder Empfindungen, die einem Menschen das Gefühl gaben, dass diese Situation nicht mit den anderen Dingen in Einklang stand die sonst passierten. Menschen sagten dann immer sie würden so etwas im Bauch fühlen, dass etwas nicht stimmt, obwohl der Körper des Menschen kein Organ saß, dass auch nur annähernd eine derartige Verbindung zum Hirn besaß.
Im Ergebnis war es etwas Ähnliches wie das Nachempfinden logischer Schlüsse, aber diese Ahnungen hatten nichts mit Fakten zu tun und konnten oft auch sehr trügerisch sein.

Das Gefühl in Frank Dekkers Bauch bewahrheitete sich genau in dem Moment, in dem Lt. Alan Brownfield auf die Brücke der Scimitar trat und sich neben dem Captain aufbaute.
„Entschuldigen Sie Sir, aber haben Sie tatsächlich mit Captain Devero entschieden, die Okinawa an die Crew der Avatar zu übergeben?“
Captain Dekkers fuhr aus seinem Stuhl auf.
„Was?“ rief er, aber genau in dem Moment meldete Fähnrich Kester, dass eine Nachricht eingehen würde. Verärgert drehte sich Frank zum Bildschirm um. Er sah die Brücke der Okinawa in deren Mitte Captain Devero stand und ihn ansah.
„Captain, welch ein Glück, dass Sie gerade eben noch die Energieübertragung auf unser Schiff eingeleitet haben. Ohne diesen überaus wohlwollenden Zug wäre es uns sicher nicht gelungen den Transportvorgang einzuleiten. Aber wir können Ihnen versichern, dass wir uns mittlerweile alle gesund und Munter auf der Okinawa befinden. Ich werde dieses Schiff selbstverständlich persönlich bis zur Sternenbasis begleiten und die restlichen Reparaturen haben wir bis dahin sicherlich auch erledigt.“
Frank war außer sich vor Zorn. Nur mit Mühe konnte er sich beherrschen.
„Captain Devero. Es entspricht nicht den Gepflogenheiten der Sternenflotte, ein Schiff einfach zu annektieren. Wie Sie Admiral Winters bestimmt informiert hat, bin ich der Leiter dieser Mission und ich bestimme, was hier passiert.
Ich habe mir noch kein Bild gemacht von den Schäden auf der Avatar, aber ich bin sicher, dass sie mit ein wenig Aufwand wieder flott gemacht werden kann.
Außerdem haben wir hier noch ein Problem mit dem wir fertig werden müssen, das wissen sie genau!“
Aber Captain Devero konterte sofort.
„Falsch Captain. SIE haben ein Problem. Ich habe meine Pflichten erfüllt. Das Schiff der Flotte wurde geborgen und wird von mir zurückgeführt. Damit ist mein Auftrag abgeschlossen. Ich werde jetzt zur Basis zurückkehren. Die Avatar ist nur noch Schrott, nichts funktioniert mehr auf Ihr. Es ist eben eine völlige Fehlkonstruktion. Das habe ich von Anfang an gewusst. Ich habe einen entsprechenden Eintrag ins Logbuch gemacht, in dem ich alle Schäden aufgelistet habe. Ich bin sicher, dass Admiral Winters mir zustimmen wird. Das Schiff war nicht mehr sicher!“
Aber jetzt mischte sich auch der Chefingenieur ein, der ungefragt einfach zu Devero sagte:
„Sie haben gar keine Ahnung was eigentlich an der Okinawa defekt war. Wir haben zwar die offensichtlichen Schäden behoben und hoffen auch das behoben zu haben, weshalb das Trägheitsdämpfungsfeld ausgefallen ist. Aber wir wissen es nicht mit Bestimmtheit. Wir konnten es durch den Angriff noch nicht testen, aber ich bin der Ansicht, dass es unbedingt notwendig ist um sicherzugehen. Wenn Sie jetzt auf Warp gehen, dann gefährden Sie nicht nur sich, sondern auch Ihre ganze Crew.“
Captain Devero zeigte ein selbstgefälliges Lächeln.
„Das lassen Sie mal meine Sorge sein. Schließlich habe ich eine langjährige Erfahrung und weiß wie ich Gefahren einzuschätzen habe. Ich wünsche Ihnen viel Glück meine Herren. Devero Ende!“
Damit verschwand das Bild der Brücke und Frank konnte auf seinem Bildschirm sehen wie die Gondeln der Okinawa aufleuchteten, als die Energie für den Warpantrieb bereitgestellt wurde. Das Schiff der Akira Klasse machte einen leichten Schwenk und schoss dann davon, verschwand in einem Blitz in der Dunkelheit.
„Ich hoffe nur, Sie haben alles gefunden und behoben was an der Okinawa beschädigt war, wir brauchen nicht noch mehr unschuldige Opfer!“ sagte Frank Dekkers zu seinem Chefingenieur.
„Nun ja, zumindest bei der Schuldfrage wären dann die Breen nicht mehr allein Captain!!!“ sagte Eddie Williams sarkastisch.
„Das will ich überhört haben Lieutenant Commander.“ erwiderte Frank Dekkers, obwohl er genau das gleiche dachte.
„OK, wir haben viel zu tun. Packen wir es an. Was bleibt uns sonst zu tun übrig.“ erklärte der Captain.

Die Scimitar und das Scoutschiff veränderten zunächst ihre Position so, dass sie das Schiff der Breen wieder in Schach halten konnten. Aber scheinbar war es für die Breen noch nicht möglich gewesen in der kurzen Zeit in der die Okinawa abgeflogen war einen Fluchtversuch zu starten. Anscheinend hatte man das Schiff deutlich stärker getroffen als gedacht.
„Lieutenant Brownfield, lassen Sie die Jäger und die Shuttles hereinkommen und schicken Sie je ein Schadensteam zur Avatar und dem Scoutschiff. Ich will wissen, ob da wirklich alles so beschädigt ist, dass man es nicht mehr verwenden kann.
Lassen Sie sich die Überbrückungscodes geben und öffnen Sie die Shuttlehangars. Ich möchte derzeit nicht beamen und ich traue dem Transporter noch nicht. Es ist schon genug gestorben worden in den letzten Tagen!“
Der junge Lieutenant nickte mit dem Kopf.
„Verstanden Sir, wird sofort erledigt.“
Keine drei Minuten später verließen zwei Shuttles das Schiff und nahmen Kurs auf die havarierten Schiffe der Sternenflotte, die verlassen und dunkel im Raum hingen. Wie von Geisterhand öffneten sich die Shuttlehangars und die Shuttles glitten hinein. Nachdem sich die Türen geschlossen hatten wusste der Captain, dass den Teams auf den Schiffen eine schwere Aufgabe bevorstehen würde.

Frank wusste, dass diese Vorgehensweise gefährlich war. Eines der Breen Schiffe hätte einen Notruf senden oder Verstärkung anfordern können. Aber Frank war der Ansicht, dass es besser war zu versuchen die Schiffe wieder Flott zu machen, anstatt wie Captain Devero einfach zu verschwinden. Zudem blieb ihm auch noch die Aufgabe überlassen, das Schiff der Breen per Traktorstrahl zur Basis zu schleppen, wollte man etwas über diese neue und verheerende Waffe erfahren.
Eine Entercrew auf das gegnerische Schiff zu schicken hatte Frank bereits als zu riskant ausgeschlossen. Zwar wäre auch eine solche Vorgehensweise denkbar, aber seine Leute waren in dieser Hinsicht nicht ausgebildet und allgemein zu unerfahren, als dass er sie auf eine derartige Himmelfahrtsmission geschickt hätte.
Auf dem Bildschirm erschien das Gesicht von Lieutenant Walter Mees, der auf der Brücke des Scoutschiffes stand.
Die Schäden die im Hintergrund erkennbar waren zeigten deutlich dass de Waffe der Breen nicht zu unterschätzen war.
„Captain, wir konnten die Hauptenergie wieder herstellen und sind derzeit dabei die wichtigsten Systeme wieder in Gang zu setzen. Es wird allerdings eine ganze Weile dauern. Vielleicht lassen Sie uns noch ein paar Leute zur Verstärkung herüberkommen.
Aber bitte per Shuttle. Wir haben nämlich feststellen können, dass die Schiffshülle derart magnetisiert und polarisiert ist dass jeder Beamstrahl ins Nirwana abgeleitet würde. Wenn es auf der Avatar genauso aussieht könnten die ebenfalls Hilfe gebrauchen.“
Captain Dekkers lief ein kalter Schauer den Rücken herunter er hatte schon vorhin mit dem Gedanken gespielt ein Team an Bord des Scoutschiffes zu schicken. Nicht auszudenken was passiert wäre. Sie wären wahrscheinlich gar nicht angekommen und er hätte es vielleicht nie erfahren was passiert war.
„Gute Arbeit Lieutenant Mees. Machen Sie weiter, ich schicke Verstärkung. Glauben Sie, dass man das Schiff wieder hinbekommt.?“
Walter Mees lächelte den Captain an.
„Na sonst hätte ich sicherlich keine Verstärkung angefordert, sondern wäre gleich verschwunden. Aber die Schäden sahen nur auf den ersten Blick so dramatisch aus. Für jemanden der sich mit dieser Schiffsklasse auskennt ist es kein Problem zu beurteilen, was defekt und was in Ordnung ist. Aber man muss es auch wissen wollen, wenn Sie verstehen was ich meine, Sir!“
Frank war schon klar was der Lieutenant meinte. Er nickte mit dem Kopf. Und antwortete:
„Danke Lieutenant, ich werde sofort das Nötige veranlassen.“

Währenddessen hatte sich Lt. Alan Brownfield darum gekümmert, dass die kleinen Jäger endlich einen Landeplatz fanden. Sie saßen inzwischen schon stundenlang in ihren engen Cockpits. Auch wenn inzwischen die Kämpfe längst abgeklungen waren, so wurde doch das ein oder andere menschliche Bedürfnis inzwischen äußerst dringlich.
Aber zuerst musste der Lieutenant dafür sorgen, dass genügend Platz im Hangar war, denn auf Flieger dieser Größe, die sogar kleine Tragflächen besaßen war man nicht eingestellt. Da war es schon einfacher die Agadem einfach in dem vorderen Hangar zu platzieren. Die Acordia musste zunächst erst einmal geborgen werden, denn Captain Devero hatte auch nicht vergessen die drei Mannschaftsmitglieder dieses Schiffes aus ihren Cockpits zu beamen. Man konnte fast auf die Idee kommen dass man hier nichts und niemanden zurücklassen wollte, außer vielleicht die Scimitar und das beschädigte Breen Schiff.
Nachdem endlich alle Piloten wieder festen Boden unter den Füßen hatten, ging sofort die Unterhaltung weiter, die sie scheinbar schon über Cockpitfunk geführt hatten. Sie schwärmten in den höchsten Tönen von den kleinen aber schnellen Kampfschiffen, von denen sie überzeugt waren, dass wenn sie diese nicht zum Einsatz gebracht hätten, es weitaus schlechter für die Schiffe der Föderation ausgegangen wäre.
Lieutenant Brownfield lächelte nur, als die jungen Piloten an ihm vorbeieilten und konnte den jungen Männern und Frauen in dieser Beziehung nur Recht geben.
Nach mehr als fünf Stunden meldete Commander West endlich, dass die Avatar bald wieder einsatzbereit sein würde. Das war wenigstens EINE gute Nachricht. Schließlich hatte man fast alle Techniker hinübergeschickt um die Reparaturen zu beschleunigen.
Aber Frank Dekkers musste auch eine überaus schlechte Nachricht entgegennehmen. Fähnrich Kester hatte ihn informiert, dass das Breen Schiff, welches er möglichst bald ins Schlepp nehmen wollte, seine Kommunikation wieder repariert hatte und eine starke Nachricht in Richtung des Breen Territoriums sendete. Je nachdem wer den Funkspruch auffangen würde, war er zwischen zwanzig Minuten und einer halben Stunde hier.
Wenig Zeit um sich auf die Dinge vorbereiten zu können, die noch dringend zu erledigen waren.
„Dekkers an Lieutenant Mees.“
Der Techniker antwortete umgehend, allerdings war es nur eine Audioverbindung, wer wusste schon wo sich der Lieutenant gerade befand? Wahrscheinlich in irgendeiner Jeffreysröhre.
„Walter Mees hier, was gibt es Captain?“
Frank Dekkers hielt nicht hinter dem Berg mit seinen Informationen.
„Lieutenant, wir werden bald Besuch bekommen. Die Breen haben einen Notruf gesendet. Wie sieht es aus mit dem Scoutschiff? Können Sie an die Avatar ankoppeln?“
Für einen Moment konnte Frank einige Stimmen im Hintergrund hören, die angeregt diskutierten, aber Frank konnte nicht folgen, da sie alle durcheinander sprachen. Dann meldete sich der Lieutenant wieder beim Captain.
„Tut mir Leid Captain wir sind noch nicht so weit. Einige Sachen funktionieren schon wieder aber das Andocksystem zählt leider nicht dazu. Wenn Sie das Hauptschiff von unten kommen lassen, dann können wir es vielleicht manuell ankoppeln. Das bedeutet zwar eine Menge Schweiß, weil wir die hydraulischen Systempumpen mit der Hand bedienen müssen und es wird ewig dauern, aber es wird funktionieren.“
Frank wusste, dass es ein Spiel auf Zeit war. Entweder sie würden rechtzeitig hier wegkommen, oder sie müssten sich erneut auf Kämpfe einstellen. Diesmal würden Sie sicherlich nicht entkommen, dafür würden die Breen schon sorgen.
„In Ordnung, fangen Sie an. Ich werde die Avatar zu Ihnen beordern. Koordinieren Sie die nötigen Aufgaben mit unserem ersten Offizier. Dekkers Ende!“
Captain Dekkers wusste, dass er sich inzwischen auf den ersten Offizier verlassen konnte, zumindest was diese Aufgaben betraf.
Er musste sich einen genauen Ablauf überlegen, mit dem er in der Lage war nicht nur die Föderationsschiffe heil nach Hause zu bringen, sondern auch das Schiff der Breen mitzunehmen da die Zeit drängte.
„Fähnrich Walters, bringen Sie uns in eine Position über dem Breen Schiff und lasen sie es mit dem Traktorstrahl ankoppeln. Lieutenant Quist. Sowie sich etwas auf dem Schiff an Energie regt, will ich, das ausgeschaltet haben, ist das klar?“
Ein doppeltes „Aye, Sir“ war die Antwort und Frank konnte auf dem Bildschirm erkennen, wie sich die Scimitar mit Manövriertriebwerken bewegte um die kurze Entfernung zu dem Schiff der Breen zu überbrücken.
Es gab einen kurzen Ruck, dann meldete Gerald Quist, dass der Traktorstrahl etabliert sei. Das Schiff war angekoppelt an die Scimitar und bereit abzufliegen.
Frank Dekkers schaute auf die Uhr. Achtzehn Minuten waren vergangen seit er die Meldung erhalten hatte, dass die Breen ein Notsignal abgesetzt hatten. Er gab sich nicht dem irrealen Gedanken hin, dass niemand zur Hilfe kommen würde. Auch die Breen hatten ihren Stolz und wenn es nur ein Schiff wäre was kommen würde, aber sie würden jemanden schicken.
Wie er innerhalb der nächsten zwei Minuten erfuhr war es nicht nur ein Schiff, sondern insgesamt drei. Das waren zwar nicht so viele wie beim ersten Angriff aber unter der Voraussetzung, dass die Avatar noch Kampfunfähig war und nebenbei keine Torpedos mehr besaß, sie zudem noch ein fremdes Schiff im Schlepp hatten, waren dies keine Voraussetzungen unter denen es sich zu Kämpfen lohnte. Klingonen würden da vielleicht anders denken, sinnierte Frank kurz, aber sie waren Mitglieder der Föderation und hatten einen Auftrag zu erledigen. Die Uhr tickte unerbittlich nach unten und die drei Schiffe der Breen kamen unaufhaltsam näher. Es waren nur noch wenige Minuten, die sie vom Eintreffen trennte.

Kapitel 23

Für Frank war es das bange Warten auf die erlösende Meldung, dass der Antrieb bereit und das Scoutschiff der Avatar verankert war.
Shelar zählte langsam die Entfernung der Breen Schiffe rückwärts, während Captain Dekkers momentan nichts weiter tun konnte als in seinem Stuhl zu sitzen und zu warten. Die Minuten zogen sich zäh wie ein Kaugummi und Frank hatte das Gefühl jede Sekunde würde in extremer Zeitlupe vergehen.
„Dekkers an Scoutschiff, docken Sie an. Wir werden, so hoffe ich bald los fliegen können. Auch die Avatar wird gerade angekoppelt.“
Der Erste Offizier bestätigte.
„West hier, verstanden Captain. Wir kommen zurück!“
Das Scoutschiff, welches immer noch in Bereitschaft war um eventuell gemeinsam mit der Scimitar das Schiff mit der Breen Waffe in Schach zu halten, beschleunigte leicht und zog einen engen Bogen um sich auf das Hauptschiff zu setzen.
Captain Dekkers konnte hören wie die Pumpen anliefen um die Verriegelungen auszufahren und wie sich das Schiff mit einem dumpfen Geräusch auf die Scimitar setzte.
Das Zischen des Druckausgleiches war zu hören und dann ging die Tür zur Brücke auf und der erste Offizier trat ein.
„Captain, das Scoutschiff ist angekoppelt und gesichert. Haben Sie weitere Befehle für mich?“
Frank Dekkers schüttelte den Kopf und wies auf den verwaisten Stuhl des ersten Offiziers.
Jonathan West kam die wenigen Meter zu seinem Stuhl herüber und setzte sich.
„Noch drei Minuten bis uns die Schiffe der Breen erreicht haben.“ Sagte Shelar emotionslos. Für Frank war die Spannung schon jetzt unerträglich. Er wusste, dass er mit dem Ankoppeln des Scoutschiffes einen wichtigen Vorteil vergeben hatte, wenn es tatsächlich zum Kampf kommen würde. Aber er wollte das Schiff komplett haben, wenn er auf Warpgeschwindigkeit ging. Das hatte seinen guten Grund.
„Commander Williams, wie weit, wir haben nur noch etwas mehr als eine Minute!“ rief Frank in die Kommunikationsverbindung, nachdem er sein Emblem an der Brust angetippt hatte.
„Wenn Sie wollen, können wir schon auf Impulsgeschwindigkeit gehen, aber der Warpantrieb wird noch eine Weile dauern.“
Der Captain wurde ein wenig ungeduldig und versuchte den Chefingenieur, der sich auf der Avatar befand, die Lage klar zu machen.
„Eddie, wir haben keine ‚Weile’ mehr entweder jetzt oder nie!“
Währenddessen konnte Frank sehen wie die Avatar, die rechts von ihnen lag beschleunigte. Frank wies Emilio Sanchez an.
„Lieutenant, gehen Sie auf Verfolgungskurs. Shelar, alle Sensoren nach hinten ausrichten.“
Die Scimitar beschleunigte ebenfalls auf volle Impulsgeschwindigkeit und gemeinsam glitten die Schiffe der Sternenbasis entgegen.
„Ich kann nur hoffen, dass sich der erste Offizier der Okinawa nicht geirrt hat und dass die Breen Schiffe tatsächlich nur Warp sechs schaffen, sonst werden wir in Kürze ein Problem haben.
Fähnrich Walters, dehnen Sie die Schilde über das Schiff der Breen aus, damit bei der Beschleunigung nicht der Traktorstrahl durch die hohen Scherkräfte abreißt.“
Shelar beobachtete die näher kommenden Schiffe.
„Captain, es reicht nicht aus, wir müssen so bald wie möglich auf Warp gehen, sie werden in dreiunddreißig Sekunden hier sein.“
Sofort baute Captain Dekkers wieder eine Verbindung zur Avatar auf.
„Eddie, es brennt uns unter den Nägeln. Wenn wir nicht sofort auf Warp gehen können, sind wir verloren.“
Wie durch eine lange Röhre kam die verzerrte Stimme des Ingenieurs der dem Captain antwortete.
„Ich kann nichts versprechen, aber wir werden es versuchen gleich, einen Moment noch...“ dann brach die Verbindung ab.
Chris Kester schüttelte den Kopf, der Kontakt war nicht mehr aufzubauen.
„Unsere Funksignale werden gestört Captain!“
„Sie sind in zehn Sekunden in Waffenreichweite.“ meldete sich Shelar.
Frank zählte im Gedanken herunter, als er bei drei war verschwand die Avatar plötzlich mit einem Blitz im Warptransfer.
„Mister Sanchez, Hinterher, aber denken Sie an unser Anhängsel!“
Sofort war auf dem Schiff das Verzerren der Sterne zu sehen, die zu Strichen wurden, die beständig immer länger wurden und schneller auf einen zuzukommen schienen.
„Warp sieben Captain!“ meldete Lieutenant Sanchez.
„Lieutenant Shelar, unsere Verfolger?“
Die Wissenschaftsoffizierin prüfte ihre Kontrollen.
„Derzeit reicht die Energie noch aus die Geschwindigkeit aufrecht zu erhalten.“
Es war ein zähes Ringen um den Vorteil und die schnellere Antriebsleistung. Die Schiffe der Föderation hatten einen kleinen Vorteil, denn die Geschwindigkeit war um ein paar Prozentpunkte schneller, aber auch die Angreifer versuchten alles um den flüchtenden Schiffen wieder so nahe zu kommen, damit sie ihre Waffen einsetzen konnten.
„Können wir schneller fliegen?“ fragte Captain Dekkers den jungen Lieutenant an der Conn.
„Sanchez tippte auf seinem Display einige Werte ein.
Aye Captain, ein wenig geht noch, aber ich weiß nicht ob die Avatar mithalten kann.“

„Steigern sie die Geschwindigkeit um den Faktor null Komma eins pro Minute, wir werden sehen, ob die Avatar mithält. Shelar, geben Sie mir ständig die Geschwindigkeit der Avatar an.“
Die Offiziere waren etwas verwundert über den Befehl des Captains, dennoch führten sie ihn aus.
Shelar begann die Geschwindigkeitsangabe wiederzugeben.
Scimitar Warp Sieben Komma Eins… Avatar Sieben Komma Null…
Scimitar Sieben Komma Zwei… Avatar Sieben Komma Null…
Scimitar Sieben Komma Drei… Avatar Sieben Komma Null.“
Im Warptransfer multiplizierte sich die Geschwindigkeit recht schnell. Bereits ein Faktor von null Komma eins machte auf kurze Zeit eine entsprechend lange Strecke aus. Die Avatar fiel zurück, war aber immer noch genauso schnell wie die Verfolger.
„…Scimitar Warp Sieben Komma Fünf… Avatar Sieben Komma Eins…
Sieben Komma Zwei… Warp Sieben Komma Drei… Warp Sieben Komma Sechs!“

Langsam vergrößerte sich der Abstand zu den Verfolgern.
„Captain, ich empfange Funkverkehr zwischen den Breen Schiffen.“
Frank sah mit fragendem Blick zu seinem taktischen Offizier.
„Ich registriere auch einen Energieanstieg im Reaktor des geschleppten Schiffes. Ich kann das nicht unterbinden. Wenn ich auf die Kommunikationsemitter feuere, fliegen wir alle gleich mit in die Luft!“
Frank reagierte sofort, ihm blieb nur eine Wahl, auch wenn er diese nur höchst ungern traf.
„Fähnrich Walters, Traktorstrahl lösen, sofort!“
Mit einem einfachen Schlag der flachen Hand auf die Konsole, hatte die junge Frau die Verbindung gelöst.
Die Zeit reichte gerade noch aus, damit die Scimitar und die Avatar der Explosion entkommen konnten. Mit einem gigantischen Blitz und einer gewaltigen Druckwelle hatten die Breen einen Warpkernbruch provoziert. Und all das nur um diese besondere Waffe nicht in die Hände der Föderation fallen zu lassen.
Im selben Moment meldete Shelar, dass die Breen die Verfolgung abgebrochen hatten. Die Schiffe der Föderation eilten der Sternenbasis entgegen, die sie in spätestens zwei Tagen erreichen sollten, wenn sie die Geschwindigkeit beibehalten konnten.

Kapitel 24

Mehrere Stunden waren sie problemlos in Richtung Sternenbasis 491 unterwegs gewesen.
Im Moment schien keine direkte Gefahr mehr zu bestehen. Frank Dekkers erhob sich daher aus seinem Stuhl.
„Nummer Eins, bitte übernehmen Sie. Ich bin in meinem Raum und werde die Berichte lesen, die Sie angefertigt haben. Ich will mich über den Status informieren und auf den aktuellen Stand bringen.“
Jonathan West kannte dieses Vorgehen. Schon oft hatte er beobachtet, dass der Captain selbst wenn er auf der Brücke war noch ein Padd bei sich hatte und verschiedene Berichte las. Teilweise sogar Informationen, die überhaupt nichts mit der Scimitar zu tun hatten, sondern aus Computerlogbüchern anderer Schiffe stammten.

Nachdem Frank Dekkers sich im Bereitschaftsraum in seinen Stuhl gesetzt hatte, las er die Eintragungen durch, die sein erster Offizier über die Vorgänge des vergangenen Tages verfasst hatte.
Wie in den letzten Berichten, begann der Text mit den üblichen Einleitung:
„Bericht über den Status der befehligten Schiffe, Meldung der Verluste und Verletzten sowie Empfehlung für die anstehenden Aufgaben. Jonathan West.“
Dem Captain fiel erneut auf, dass der erste Offizier seinen eigenen Rang und seine Position in den ganzen Berichten bislang nicht mehr erwähnt hatte. Auch war ihm unklar, warum sich Lt. Commander West in den letzten Tagen so sehr verändert hatte.
Er war nicht so vermessen zu denken, dass diese Wandlung auf sein kurzes Gespräch mit dem Offizier zurückzuführen war, welches er vor nicht allzu langer Zeit mit ihm hatte. Dennoch nahm er es mit Wohlwollen zur Kenntnis. Was auch immer passiert war, er hatte scheinbar endlich den richtigen Weg gefunden.

Frank Dekkers staunte nicht schlecht über die Angaben in diesem Bericht. Der Status der Avatar war in nur einer Nacht von fünfundzwanzig ausgefallenen Systemen auf nur noch sieben Defekte zusammengeschrumpft.
Auch die Informationen zur Okinawa waren für ihn neu. So stand auf der Verlustliste eine große fette Null, obwohl Frank das vermeintliche Verbrennen eines Fighterpiloten mit eigenen Augen zu sehen geglaubt hatte.
In Wirklichkeit, so erfuhr er nun, war es eine Notbeamvorrichtung, die den Piloten unversehrt zur Okinawa zurückgebracht hatte. Einem zweiten Piloten war diese besondere Rettung ebenfalls zuteil geworden.
Lediglich der dritte Pilot, dessen Jäger sich so plötzlich in die Okinawa zurückgezogen hatte, wurde derzeit noch auf der Krankenstation behandelt. Die starken G-Kräfte hatten Ihn bewusstlos gemacht und das hatte die ständige physische Überwachung erkannt. Das Schiff wurde daher per Autopilot sofort zur Okinawa zurückgeführt. Eine clevere Vorrichtung.
Jetzt wusste Frank auch, warum diese Jäger in der Flotte so begehrt waren.
Nach vielen weiteren Informationen zu den einzelnen Schiffen und deren technischem Status hatte der erste Offizier einen Absatz gemacht und im Anschluss eine Empfehlung ausgesprochen.
Er ließ den Captain wissen, dass sich Lieutenant Brownfield in der Kampfsituation auf der Okinawa bestens bewährt habe und dass er die gesamte für die Okinawa abgestellte Crew für eine Belobigung vorschlagen würde, aus Gründen der Motivation der Truppe. Damit schloss er seinen Bericht.
Frank schaute von dem Padd auf und tippte seinen Kommunikator an.
„Lieutenant Brownfield, kommen Sie bitte in meinen Raum!“ rief er den Offizier zu sich, der auch bereits nach wenigen Sekunden vor der Tür stand und vom Captain eingelassen wurde. Der junge Mann trat vor bis zum Schreibtisch des Captains und straffte sich dann.
„Mr. Brownfield, wie ich dem Bericht meines ersten Offiziers entnehmen kann, haben Sie und ihre Crew sich bei der Führung der Okinawa gut bewährt.“ begann der Captain und lehnte sich in seinem Sessel zurück.
„Nun Sir, Ihr Urteil freut mich, aber ich habe das sicherlich nicht verdient. Schließlich habe ich den Fehler gemacht und das Schiff einfach an Captain Devero übergeben.“
Frank musste für einen Moment lächeln.
„Nun vergessen wir das einmal für eine Weile. Captain Devero kann ein sehr überzeugender Mann sein und in seinem Alter ist er eine Respektsperson, der man sich nicht traut zu widersprechen. Das gilt jedenfalls für die Meisten.
Aber Sie haben sich im Einsatz gegen die Breen richtig gut geschlagen, da brauchen Sie ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen.“
Alan Brownfield räusperte sich.
„Ähm Sir, ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich das alleine erreicht hätte, Sir. Nicht nur die Crew hat mir geholfen.“
Jetzt war Frank ein wenig aus der Fassung geraten. Eben noch hatte er gelesen, dass der erste Offizier diesen Mann uneingeschränkt gelobt hatte und nun das?

„Wie darf ich das verstehen Mr. Brownfield?“
fragte der Captain interessiert. Auf die Antwort war er jetzt wirklich gespannt.
„Sir, unser erster Offizier Mr. West hat mich gründlich in die Führung der Akira Klasse eingewiesen, bevor ich auf diesem Schiff die Führung übernommen habe. Er hat sich dafür fast eine ganze Nacht um die Ohren geschlagen. Zudem hat er während der Kämpfe in ständigem Nachrichtenkontakt mit mir gestanden, wie er das gemacht hat bei all seinen anderen Aufgaben weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich ohne seine Hilfe diese Aufgabe bei weitem nicht so gut hätte erledigen können.“
Captain Dekkers nickte langsam mit dem Kopf.
„Nun, wie auch immer, Sie haben gute Arbeit geleistet und unser erster Offizier hat Sie und Ihre Kollegen für eine Belobigung vorgeschlagen. Ich bin geneigt diesen Wunsch zu erfüllen und denke, diese Motivation können wir alle recht gut gebrauchen. Wenn Sie wollen, können Sie das Ihren Kollegen, die auf der Okinawa gedient haben auch schon mal unter dem Mantel der Verschwiegenheit erzählen, dann ist die Vorfreude länger.
Vielen Dank, Sie können dann wegtreten.“

Alan Brownfield hatte den Raum des Captains verlassen und Frank Dekkers arbeitete an seinem Bericht, den er an Admiral Winters senden wollte.
Es war eine Gratwanderung die richtige Formulierung zu finden mit der er das Verhalten von Captain Devero neutral und emotionslos beschreiben konnte. Wiederholt musste er einige Passagen löschen und neu beginnen, da er immer wieder einmal in Polemik verfiel.
Aber letztendlich hatte er es geschafft und war nach dem Durchlesen zufrieden mit seiner Wortwahl.
Jetzt blieb ihm noch eine weitere Aufgabe zu erledigen.
Er stand erst einmal auf und sah zum Fenster hinaus.
Die Sterne flogen ihm inzwischen mit Warp acht entgegen und die Avatar lag inzwischen längsseits voraus und hielt die gleiche Geschwindigkeit.
In den letzten Tagen war viel passiert, sie hatten gesehen, welche verheerenden Folgen der Krieg mit dem Dominion haben konnte, sie waren vom Jäger zum gejagten geworden und hatten sich nur mit Mühe behaupten können.
Frank fragte sich, ob er seinen ersten Offizier nicht vielleicht doch falsch eingeschätzt hatte. In den letzten zwei Tagen schien er wie ausgewechselt zu sein. Entweder hatte er sich inzwischen wirklich gefangen, oder jemand hatte ihm einmal gehörig ins Gewissen geredet.
Schließlich hatte er in den vergangenen Missionen schon öfter gute Leistung gezeigt, war aber störrisch wie ein Esel immer wieder auf die alte Grundeinstellung zurückgefallen, in der er auf seiner Beförderung zum Commander bestand.
Es war weniger die Tatsache, dass er es nicht verdienen würde, oder nicht qualifiziert gewesen wäre. Es war eher sein Starrsinn gepaart mit einigen Unarten, wie zum Beispiel die völlig überflüssige Aktion mit der ungefragten Umstellungen der Konsolen.
Wie auch immer, Captain Dekkers wollte auch nicht, dass er von seinen Crewmitgliedern nicht akzeptiert werden würde. Inzwischen war mehr als ein halbes Jahr vergangen und selbst ihm war diese Situation inzwischen unangenehm. Er beschloss einen letzten Versuch zu machen, dafür war ihm gerade eine gute Idee gekommen.
Frank tippte an seine Brust und aktivierte den Kommunikator.
„Mr. West, ich habe eine Frage zu ihrem Bericht, können Sie bitte kurz in meinen Raum kommen?“
Fast ohne Verzögerung kam die Bestätigung aus der Audioanlage.
„West hier, ich bin auf dem Weg Captain.“
Frank drehte sich um, ging zum Replikator und orderte zwei Gläser mit Fruchtsaft. Noch während sich die Getränke materialisierten hörte er das Türsignal.
„Herein“ rief Frank und der erste Offizier trat ein.
Der Captain wies auf die Sitzecke und stellte die beiden Gläser mit Fruchtsaft auf den niedrigen Tisch.
„Ich habe Ihren Bericht gelesen, vielen Dank er war sehr informativ.
Sie haben Recht, die Crew hat in den letzten Tagen hervorragende Arbeit geleistet und damit meine ich jeden hier an Bord, Sie eingeschlossen. Ich habe mir überlegt Ihrer Empfehlung zu folgen und einige Belobigungen auszusprechen.
Ich habe gerade mit Lieutenant Brownfield gesprochen, der mir sagte, dass er unerwartete Hilfe hatte. Davon stand nichts in Ihrem Bericht“
Johnathan West hob das Glas vom Tisch und nahm einen Schluck Fruchtsaft.
„Nun Captain, ich denke nicht, dass so etwas in den Bericht gehört. Es war nicht nötig das zu erwähnen. Ein gutes Missionsbriefing ist selbstverständlich und wird vom ausführenden Offizier erwartet. Es zählt zu meinen Aufgaben, deshalb habe ich versucht so viele Informationen wie möglich weiterzugeben.“
Frank nickte dem ersten Offizier zu.
„Jaja, das weiß ich schon, aber ist es denn auch notwendig das auch noch während der laufenden Mission ständig im Auge zu behalten?“
West ließ sich davon nicht beeindrucken.
„Captain, Sie tragen Verantwortung für das ganze Schiff, ich habe die Mitglieder für die Okinawa ausgesucht und bin logischerweise in einer ebensolchen Verpflichtung. Wir alle müssen unsere Pflichten erfüllen, manche werden dabei ins kalte Wasser geworfen und es hat noch keinem geschadet wenn man ihm zumindest zeigt wie er schwimmen muss.“
Frank Dekkers nickte.
„Das stimmt. Ich habe überlegt, ob wir nicht noch mehr tun können als nur eine einfache Belobigung auszusprechen. Der Lieutenant hat sich wirklich gut bewährt. Er hat seine Aufgabe sehr ernst genommen und sie mit Bravour erfüllt, auch wenn er von Captain Devero ein wenig überfahren wurde.
Aber Fehler können schließlich jedem einmal passieren. Davon geht die Welt nicht unter. Man muss sich nur dazu bekennen.
Ich hatte die Idee ihn neben der Belobigung vielleicht zum Lieutenant Commander zu befördern. Wir haben schließlich sehr viele Jungoffiziere hier an Bord und es gibt kaum Führungsoffiziere die einen Rang höher stehen. Und wer will schon immer nur Teamführer sein ohne sich im Rang von den anderen zu Unterscheiden?“
So, jetzt hatte Frank seine Falle aufgestellt und war gespannt, was nun passieren würde. Solche Gelegenheiten hatte Jonathan West bislang immer wieder genutzt um den Captain auf seine vermeintliche Rangproblematik hinzuweisen.
Aber dieses Mal wurde der Captain überrascht.
„Eine gute Idee Captain. Ich bin sicher dass Lieutenant Brownfield die Befähigung hat, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Haben Sie schon entschieden wann Sie die Zeremonie vornehmen wollen?“
Der erste Offizier schien endlich die Abgeklärtheit zu besitzen, die ein Commander brauchte um sich in solchen Situationen nicht provozieren zu lassen.
„Ja, wo Sie es gerade ansprechen, ich hatte mir gedacht, dass wir die Crews der drei zerstörten Schiffe in einer kleinen Zeremonie ehren wollen, vielleicht im Shuttlehangar, so dass wir gleichzeitig auch diese Sache im familiären Kreis durchführen können. Ich dachte daran, die Crew der Okinawa, die Piloten der Jäger zu belobigen und im Anschluss den Lieutenant zu befördern.“
Jonathan West nickte zustimmen.
„Ich denke, der Crew wird ein besinnlicher Moment gut tun denn einige von ihnen hatten Freunde unter den Verstorbenen. Schade nur, dass wir nicht auch für die Crew der Okinawa sprechen können. Ein solcher positiver Abschluss wird sicherlich allen gefallen. Wenn Sie nichts dagegen haben würde ich gerne anfangen die Vorbereitungen zu treffen.“

„In Ordnung Mr. West. Geben Sie mir Bescheid, wenn alles bereit ist, ich möchte dann auch die Crew der Avatar zu uns holen.“
Jonathan West nickte dem Captain zu und erhob sich. Mit zügigen Schritten war er durch die Türen verschwunden.
Er würde sich wohl bei dieser Aktion noch ganz schön wundern, dachte sich Frank im Gedanken daran was er noch vorhatte.

Der Rest des Tages verlief mit Routineaufgaben. Die Avatar meldete ein System nach dem anderen Betriebsbereit, bis alle Instandsetzungen erledigt waren. Obwohl das Schiff im Kampf recht schwer beschädigt worden war, hatte es die Crew innerhalb von nicht ganz drei Tragen geschafft, fast alles wieder zum Laufen zu bringen. Es war also nicht im entferntesten so, dass Captain Devero mit seiner Aussage auch nur annähernd Recht gehabt hätte.
Chefingenieur Edward Williams kam auf die Brücke um sich zurückzumelden.
„Captain, wir haben die Systeme der Avatar so weit in Stand gesetzt. Jetzt sind noch die Innenarchitekten gefragt. Aber aufgrund der Modularbauweise sollte es nicht länger als zwei Tage dauern um die Schäden zu beseitigen.

Aber mit Verlaub gesagt, die andere Crew waren ganz schöne Dilletanten…“
Er vermied es absichtlich Captain Devero zu erwähnen, denn er war der Ansicht, dass er dieses Schiff viel zu schnell aufgegeben hatte.
„…die haben nach dem Energieausfall doch tatsächlich den durchgebrannten magnetischen Flusskonverter verkehrt herum eingebaut. So was lernt man doch im ersten Jahr an der Sternenflottenakademie. Wenn wir das nicht rechtzeitig festgestellt hätten, dann hätte die Notenergie keine halbe Stunde gehalten und was dann mit der Eindämmung für die Antimaterie passiert wäre, möchte ich mir lieber nicht vorstellen.“
Frank Dekkers durchzuckte es kurz, aber er ließ sich nichts anmerken. Der Chefingenieur musste nicht wissen, dass der Captain den bestimmten Verdacht hatte, dass diese Vorgehensweise möglicherweise kein Versehen war.

„Das war gute Arbeit Eddie, Sie sollten sich frisch machen und ein wenig ausruhen. Eine neue Uniform könnte auch nicht schaden.“ erklärte Frank und lächelte den Ingenieur an, der erst jetzt an sich heruntersah und feststellte, dass die Uniform bei dem ständigen Einsatz in Jeffreysröhren, Tunneln, Konsolen und den engen Zwischenräumen unter den Decken extrem gelitten hatte. Er lief ein wenig rot an als ihm bewusst wurde, dass er so gar nicht erst seinem Captain hätte unter die Augen treten dürfen. Aber Frank lächelte weiter und erklärte dem Techniker:
„Nun machen Sie schon dass Sie wegkommen, wir haben noch etwas vor und bis dahin sollten sie fertig sein. Das gilt übrigens auch für den Rest Ihrer Mannschaft.“

Der Chefingenieur verschwand von der Brücke und Frank wandte sich an die junge Bolianerin, die zur Zeit Dienst an der OPS hatte.
„Lieutenant Nilan, lassen Sie einen vollen Stopp beider Schiffe ausführen. Wir sind nicht mehr weit von der Sternenbasis entfernt und uns bleibt noch eine wichtige Sache zu tun.
Wenn die Schiffe gestoppt haben, dann möchte ich dass alle Offiziere für einen kurzen Moment auf die Scimitar kommen. Sie sollen sich bereithalten, wir informieren sie dann noch genauer. Das ist erst einmal alles.“
Als wäre es ein per Gedankenübertragung transportiertes Stichwort gewesen, meldete sich der erste Offizier beim Captain.
„Captain, wir sind fertig mit den Vorbereitungen, wenn Sie wollen, können Sie in den Shuttlehangar kommen, wir sind soweit.“
Frank stand aus seinem Sessel auf und übergab seinem taktischen Offizier das Kommando.
Er verließ die Brücke und eilte zum Turbolift. Innerhalb weniger Sekunden stand er im Shuttlehangar der Scimitar und fand sich direkt vor einer großen Anzahl von Torpedohüllen wieder. Sie waren in drei Reihen übereinander aufgestellt und man konnte so gut wie nichts sehen.
„Captain? Hier oben im Scoutschiff!“ rief der erste Offizier
Erst jetzt schaute Frank nach oben und sah, dass die Durchladeluken geöffnet waren. Schnell hatte er sie seitliche Leiter erreicht und kletterte nach oben, durchstieg die Doppelschotten und kam im Shuttlehangar des Scoutschiffes durch die Bodenöffnung nach oben.
Er wusste nicht wie es der erste Offizier gemacht hatte, aber es war eine geniale Idee. Im Shuttlehangar des Hauptschiffes waren in den Torpedohüllen die ganzen Verstorbenen aufgebahrt, alle die man noch hatte finden können standen hier im Hangar. An den Shuttletoren stand einer der Fighter, alle anderen Shuttles hatte Jonathan West verschwinden lassen. So ergab sich im Scoutschiff bei der geöffneten Durchladeluke die Möglichkeit oben zu stehen und wie von einer Galerie herunter zu blicken. Über jedem Sarg lag eine Fahne der Föderation es war ein beklemmender Anblick.
Frank trat an den Rand der Bodenplatte und sah hinab.
„Ich wollte, dass alle hier sind, es ist zwar etwas beengt, aber wir haben keinen im Laderaum gelassen.“ sagte Jonathan West leise.
„Hervorragende Lösung. Alle Offiziere bis auf die Diensthabenden sollen in fünfzehn Minuten hier sein. Sorgen Sie dafür, dass diejenigen, die eine Belobigung erhalten in der Nähe stehen, damit sie sich nicht durch die Menge kämpfen müssen.“
Der erste Offizier nickte und ging gemeinsam mit dem Captain noch einmal kurz zur Brücke um die nötigen Anweisungen umzusetzen.

Kapitel 25

Der Shuttlehangar des Scoutschiffes war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wie auf einer Galerie standen die Offiziere rund um die Öffnung, durch die normalerweise die Shuttles zwischen dem Haupt- und dem Scoutschiff getauscht wurden.
Die Beleuchtung war auf zwanzig Prozent gesenkt worden, die im Hauptshuttlehangar auf fünfzig Prozent. Ein Scheinwerfer war so eingerichtet worden, dass er den Captain und einen kleinen Bereich um ihn herum in etwas helleres Licht tauchte.
Langsam ließ das Getuschel nach und erstarb als der Captain zwei Schritte nach vorne trat.

„Wir haben uns heute hier versammelt um von unseren Kameraden Abschied zu nehmen, von unseren Freunden und Bekannten und Familienmitgliedern. Dies gilt in gleicher Weise auch für die Crew der Okinawa, die leider nicht an Bord dieses Schiffes ist, an die wir aber ebenso denken, wie an diejenigen, auf die wir nun hinabblicken.
Es soll keine offizielle Trauerfeier werden, die sicherlich noch folgen wird. Aber wir wollen diesen Frauen und Männern Respekt zollen, die wie wir ein gemeinsames Ziel verfolgen, nämlich unsere Föderation, den Zusammenschluss unserer Völker, vor der Übernahme durch das Dominion zu bewahren.
Wir alle haben uns dazu bekannt, diesem Ziel zu dienen, in Friedenszeiten wie auch bei Auseinandersetzungen.
Dieser Moment soll uns daran erinnern, dass wir nicht allein sind in unserem Bemühen, in unserem Streben, in unserem Kampf!
Gedenken wir nun unseren gefallenen Kameraden in stiller Trauer.“
Für drei Minuten war nichts zu hören außer das gleichmäßige und allgegenwärtige Brummen des Warpantriebs, während die Offiziere ihre Köpfe senkten und in Andacht verweilten.
In der Zwischenzeit wurden die Ladeluken wieder geschlossen und die Beleuchtung wieder auf ein höheres Niveau angehoben.
Als sich die Köpfe wieder erhoben hatten fuhr Frank fort.

„Aber in diesen schwierigen Zeiten kann es auch vorkommen dass manche Menschen über sich selbst hinauswachsen und mehr leisten als man erwarten darf.
Ich möchte daher bitten, dass die Crew vortritt, die abgestellt war um die Okinawa wieder Fit zu machen.
Mehr als dreißig Männer und Frauen, angeführt von Alan Brownfield traten vor.
„Aufgrund hervorragender Leistungen bei der Herstellung der Dienstbereitschaft der Okinawa, sowie für besonderen Einsatz bei der Verteidigung gegen die Angriffe der Breen, erhalten Sie alle eine besondere Belobigung mit einem Eintrag in Ihre Dienstakten.

Ich bitte nun ebenfalls vorzutreten:
Toni Mancari, Peter Lewis, Karen Singer, Mark Peters, Melinda Waggner, Harry Monroe, Steve Kolbert und Sinovet.

Es gehört viel Mut dazu, sich in einen kleinen Jäger zu setzen, den man nur vom Hörensagen kennt und gegen einen Feind anzutreten über den man so gut wie nichts weiß.
Diese Entschlossenheit werde ich ebenfalls auf die gleiche Weise honorieren. Wie ich von Lieutenant Mancari gehört habe, möchte er neben dem üblichen Dienst als Shuttlepilot auch weiter mit seinen Kollegen für ähnliche Gelegenheiten bereitstehen.
Wir werden also drei weitere von diesen Jägern benötigen, damit jeder ein eigenes Fluggerät hat.
Ich werde mich persönlich dafür einsetzen.

Als Captain steht mir weiterhin das Recht zu, meine Offiziere bei besonderen Leistungen zu befördern.
Lieutenant Brownfield, würden Sie bitte noch einmal vortreten?“
Der junge Offizier war etwas verwirrt, hatte ihn der Captain doch gerade eben erst belobigt.
„Mister Alan Brownfield, hiermit befördere ich Sie, auch auf Empfehlung meines ersten Offiziers, zum Lieutenant Commander. Meinen Glückwunsch“ erklärte Frank Dekkers und holte einen schwarzen Pin mit goldenem Rand aus der Tasche, den er dem gerade beförderten Offizier an den Kragen steckte.
Dann gab er ihm die Hand, trat einen Schritt zurück und überließ den frischgebackenen Lieutenant Commander seinen Kameraden, die ihn mit einem spontanen Applaus eindeckten, bis der Captain mit beiden Händen zur Ruhe mahnte.
„Nun gut, aber wenn ich das Recht betrachte habe ich mir damit ein Problem geschaffen, denn die Ranghierarchie der Kommandoebene hat nun einen beachtlichen Knick bekommen, ich denke, dass sollte ich schleunigst beheben, bevor es mir Probleme bereiten kann.
Lieutenant Commander West, bitte treten Sie vor.“
Der erste Offizier war so in Gedanken, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass er vom Captain angesprochen wurde.
„Commander West!“ rief Frank.
Erst jetzt erwachte er aus den Gedanken, denen er gerade nachhing und die sich um die Kameraden der Okinawa drehten, die er auf der Akademie kennen gelernt hatte. Einer davon war sein Quartierspartner gewesen.
„Würden Sie bitte vortreten?“
Jonathan West kam langsam auf den Captain zu und blieb kurz vor ihm stehen.
„Mister West, hiermit befördere ich Sie zum Commander!“
erklärte Frank laut und deutlich und holte einen goldenen Pin aus seiner Tasche, den er gegen den Schwarzgoldenen tauschte den Jonathan am Kragen trug.
„Meinen Glückwunsch, Sie haben es sich verdient!“ sagte der Captain und schüttelte dem etwas verdutzten ersten Offizier die Hand.
„Lassen Sie die Leute wegtreten. Sie sollen wieder Ihre Stationen besetzen und dann sollten wir uns auf den Heimweg machen. Es ist ja nicht mehr allzu weit. Wir sollten in wenigen Stunden die Basis erreichen.“

Kapitel 26

Frank Dekkers saß in seinem Bereitschaftsraum und blickte aus dem Fenster. In wenigen Minuten sollte die Sternenbasis 491 vor Ihnen auftauchen, die er auf Anweisung von Admiral Winters anfliegen sollte. Dort sollte die Avatar die letzten Instandsetzungen erhalten und einen neuen Captain bekommen, hoffentlich einen besseren, der das Schiff mehr würdigen würde, als es Captain Devero getan hatte.
Auch wenn die Avatar einige Startschwierigkeiten erlebt hatte, so hatte sie doch dieses Schicksal nicht verdient.
Frank Dekkers hatte sich vorgenommen, dass er noch einmal mit Admiral Winters über diesen Vorfall sprechen wollte. Er war sich noch nicht sicher ob er seine Vermutung dem Admiral unterbreiten wollte, aber es gab ja auch noch eine andere Möglichkeit. Wenn er alle Fakten in seinem Abschlussbericht nennen würde, dann könnte der Admiral sich seine eigene Meinung über den Vorfall mit dem Flusskonverter und der Notenergie für das Eindämmungsfeld bilden.
Shelar meldete sich über die Audioanlage.
„Captain, wir erreichen den äußeren Verteidigungsperimeter der Sternenbasis. Es wird Zeit, dass wir uns melden, wenn wir keine Eskorte haben wollen!“
Frank wusste, das seit dem eskalieren des Dominionkrieges jedes Schiff, welches in die Nähe einer Sternenbasis flog und keine Identifizierungsnachricht sendete, umgehend von einem taktischen Geschwader abgefangen wurde.
„Ich bin sofort bei Ihnen!“ erklärte er und erhob sich aus seinem Schreibtischsessel.

Kurz darauf stand er auf der Brücke und wies die Bolianerin an, eine Kommunikationsverbindung zur Sternenbasis herzustellen.
Interessanterweise meldete sich nicht wie gewohnt die Leitstelle, die für gewöhnlich ankommende Schiffe begrüßte und eine Parkposition zuwies, sondern auf dem Bildschirm erschien ein Mann mit leicht grauem Haaransatz der gerade genüsslich an seiner Pfeife zog.
„Guten Tag Captain Dekkers, meine Name ist Theo Parker. Schön Sie wohlbehalten zurück zu wissen. Ich bin gespannt auf Ihren Bericht. Die Okinawa ist bereits vor zwei Tagen hier eingetroffen, und Captain Devero erklärte uns, dass sein Schiff durch die Breen unreparabel beschädigt worden sei, so dass man es aufgeben musste. Ich bin daher sehr erstaunt zu sehen, dass es scheinbar doch nicht so schwer getroffen wurde. Auch wenn ich über diese Tatsache bereits durch meinen Kollegen Admiral Winters informiert wurde.“
Frank Dekkers gab sich Mühe seine Gesichtszüge zu bewahren.
„Admiral, dieses Thema möchte ich gerne zu einem anderen Zeitpunkt mit Ihnen besprechen. Mir wurde aufgetragen, die Avatar hier abzugeben. Ich wäre froh, wenn ich sie bald übergeben könnte, damit ich meine Leute wieder an Bord holen kann. Zudem haben wir eine große Anzahl von Verstorbenen aus den Trümmern geborgen. Ich bin sicher, dass man hier für eine entsprechende Beisetzung sorgen wird. Soweit ich weiß kamen alle drei Schiffe von dieser Sternenbasis.“
Theo Parker nickte langsam.
„Ja, das stimmt, leider. Es ist bedauerlicherweise in letzter Zeit eine häufige und traurige Pflicht, die wir da zu erfüllen haben.
Aber ich muss sagen ich freue mich andererseits schon darauf Sie und Ihr schiff bei uns begrüßen zu dürfen. Ich habe schon viel von Ihnen und der Scimitar gehört. Es muss ein beeindruckendes Schiff sein, wenn es gegen diesen immensen Angriff widerstehen konnte.“
Frank war etwas erstaunt über die Kenntnisse des Admirals, aber dann wurde ihm klar, dass ja sein ehemaliger Vorgesetzter Captain Rick Sanders auf der Station diente und er sicherlich auch bei dem Admiral das ein oder andere Wort über die Scimitar verloren hatte.
„Nun, ich freue mich schon darauf Ihr Schiff zu sehen und würde gerne ein wenig mit Ihnen fachsimpeln. Als Techniker ist man ja immer gerne auf dem neuesten Stand.“ erklärte Admiral Parker.
Frank Dekkers zeigte ein schmales Lächeln.
„Na, da hat wohl einer geplaudert, wenn ich mich nicht irre. Es wird mir eine Freude und eine Ehre sein Admiral, Ihnen alles zu zeigen.“ gab Captain Dekkers zurück.
„Gut, dann sehen wir uns später. Parker, Ende!“
damit verschwand die Bildkommunikation und es war wieder der Blick voraus in den Weltraum zu sehen.

Die Scimitar war inzwischen bei der Sternenbasis angekommen und konnte sehen wie sich die Raumtore öffneten. Captain Dekkers hatte allerdings weder eine Parkposition zugewiesen bekommen, noch hatte er eine Anweisung erhalten ins Dock einzufliegen. Daher gab er den Befehl langsam voraus zu gleiten, bis er eine Nachricht erhalten würde.
Er sollte Recht behalten, denn kaum hatten sich die Raumtore vollständig geöffnet, kam ein Schiff der Miranda Klasse aus dem Bauch der Station und glitt langsam unter Ihnen hinweg in den freien Raum.
Frank Dekkers konnte die großen Buchstaben des Schiffsnamens lesen und doch nicht glauben.
In frischer Farbe erstrahlten unter der Beleuchtung die Benennung U.S.S. Golden Gate, welche in gebogener Schrift auf der Untertassensektion prangte.
„Captain, eine Nachricht kommt herein!“ rief Nilan.
Aber Frank war so fasziniert von dem Anblick des Schiffes, wie es langsam unter der Scimitar vorbeizog, dass er nur eine Handbewegung zustande brachte, die bedeuten sollte, dass Nilan die Kommunikationsverbindung auf den Schirm zu legen.

Auf dem Hauptschirm war Captain Rick Sanders zu sehen, der inmitten seiner Brückencrew vor dem zentralen Stuhl stand und ganz breit grinste.
„Hallo altes Haus, wie wäre es mit einer Runde um den Block auf meinem fast neuen Schiff?“
Frank war vollkommen sprachlos. Es dauerte eine ganze Weile bis er die Worte wieder fand.
„Wie… wie hast Du das geschafft, ich habe gehört die Golden Gate wäre, mit Verlaub gesagt, nur noch ein Trümmerhaufen?“
Rick konnte weder sein Grinsen, noch seinen Stolz verbergen.

„Nun, das war sie auch, zumindest direkt nach ihrer Rückkehr. Aber wie ich sehe, hast Du die Avatar ja auch nicht aufgegeben und sie ist nicht einmal Dein Schiff.
Mein Schiff hat immer alles dafür getan, damit meine Crew und ich heil und gesund nach Hause kommen, es hat uns beschützt vor den Gefahren die uns begegnet sind.
Nun hat mein Schiff mich gebraucht und es war an der Zeit, dass ich ihm helfe. Ich kann doch nicht zulassen, dass diese Bürokraten entscheiden ob mein Schiff leben oder sterben soll.
Wenn es and er Zeit ist, wird es wieder einen würdigen Platz im Flottenmuseum einnehmen.“ erklärte Rick und strich sich durch seine feuerroten Haare.
„Ich freue mich jedenfalls zu sehen, dass Du wieder mit Deinem Schiff und einem Auftrag unterwegs bist. Das war bestimmt nicht einfach den Fängen der Admirals zu entgehen und wieder ein Kommando zu bekommen.“

Rick hatte inzwischen alle Offiziere wieder auf ihre Stationen geschickt und sie machten sich bereit den Kurs aufzunehmen.
„Nein, das war es ganz sicher nicht. Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, wenn es auch nur ein ganz verschlungener Pfad ist. Hauptsache er führt zum Ziel.
Nun denn, ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder, schließlich bin ich ja jetzt auch wieder mobil und dem Stationsdienst noch mal von der Schippe gesprungen.
Ich wünsche Dir und Deiner Scimitar viel Glück und allzeit guten Flug. Ich hoffe Ihr beide werdet auch ein so harmonisches Paar wie wir zwei!“ sagte Rick Sanders und legte dabei seine rechte Hand auf die Lehne seines Captainsstuhls.

„Das sind wir schon längst geworden!“ antwortete Frank.
„Ich wünsche Dir auch viel Glück und dass ihr immer wieder wohlbehalten zuhause ankommen werdet, wo auch immer das sein wird. Bis dann!“ ergänzte er und beendete die Kommunikation.
Während die beiden Schiffe der Avatar Klasse langsam durch die geöffneten Raumtore in das Dock schwebte, nahm die Golden Gate Kurs auf die Wesalan Sonne, die sich gerade anschickte hinter dem dritten Planeten unterzugehen. Das Schiff steuerte neuen Aufgaben und neuen Gefahren entgegen, die man zu bestehen hatte.
Es beschleunigte auf vollen Impuls und kurz darauf konnte man das Aufblitzen sehen, welches verriet, dass man in den Warptransfer gewechselt hatte.

Nach oben

counter gratis