Kapitel 10

Commander West auf der Scimitar hatte den Abflug des Captains mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Er fragte sich, warum er vorhin nur so negativ reagiert hatte, als er ihn nach der Ursache des Zwischenfalls auf dem Scoutschiff angesprochen hatte.
Wie auch immer, er war wieder allein auf diesem Schiff und sah keinen Grund, warum er nicht auch der Crew des Hauptschiffes die Arbeit erleichtern sollte.
„Maschinenraum, Hier Brücke. Ich beabsichtige die Standard Protokolle der Sternenflotte auf die Displayschaltflächen des Schiffes zu legen. Informieren Sie bitte die anderen Abteilungen über die Änderung.“ wies Lt. Commander West den Chefingenieur an.
Hier Carlton Meyers, habe verstanden Sir.“
Jonathan West wunderte sich, dass Meyers antwortete, denn er war schließlich ein Mitglied, welches für das Scoutschiff eingeteilt worden war. Aber momentan machte er sich darüber keinen Kopf. Jetzt wollte er erst einmal alles so einstellen, dass er sich hier wohlfühlte.
„Computer lade die alternativen Schaltflächenkontrollen.
Aus der Datei Alpha Omega West Eins und lege die Kontrollen auf die entsprechenden Displays.“
Aber zu seiner Überraschung reagierte der Computer nicht so, wie er es erwartet hatte.
„Befehl nicht ausführbar. Jedwede Veränderung der Originalprotokolle erfordert die Zustimmung des Captains. Alternativprotokolle werden nicht aktiviert.“

Erstmals tauchten Zweifel in Jonathan West auf die ihn vermuten ließen, dass der Captain mehr wusste als er gedacht hatte.
War er noch vor einigen Minuten überzeugt gewesen, dass ein einfacher Konstruktionsfehler zu dem Desaster auf dem Scoutschiff geführt hatte, so war er sich nun nicht mehr so sicher.
Schnell rief er die Schadensmeldungen des Scoutschiffes auf und fand dabei auch die Aufzeichnung des Antriebslogbuches.
Hier hatte jemand zwei Zeilen mit Anweisungen markiert.
Beim näheren Hinsehen bemerkte er, dass es sich um die Aktivierung von zwei wichtigen Systemen handelte, die er verändert hatte.
Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und ein eiskalter Schauer lief ihm den Rücken hinunter.
Das konnte doch nicht sein, da lag sicherlich ein Fehler vor.
Aber bei der Überprüfung der Datei Alpha Omega West Eins stellte er fest, dass hier nur der Fehler feststellbar war, den er wohl selbst gemacht hatte. Er hatte zwei Schaltflächen verwechselt. Zwei wichtige, für die Funktion des Schiffes und der Sicherheit lebensnotwendige, Schaltflächen.
Da er sich so auf die Erstellung seiner eigenen Protokolle konzentriert hatte, war ihm auch entgangen, dass er die Integration der Backup Systeme vergessen hatte. Ein weiteres schweres Versäumnis. So etwas hätte ihm bei seiner Erfahrung eigentlich nicht passieren dürfen.
Da sicherlich der Captain oder einer der Chefingenieure diese Zeilen markiert hatte, war es klar, dass der Captain über den Auslöser dieses Warpkernbruchs informiert war und deshalb die Kontrollen gesperrt hatte.
Er fühlte wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete und ihm schlecht wurde. Benommen ließ er sich in den Sessel zurücksinken.
„Brücke an Maschinenraum. Anweisung zur Umstellung widerrufen. West Ende.“

Frank war entsetzt. Er hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit.
Es war eigentlich nicht zu glauben, aber er hatte mit eigenen Augen gesehen was die meisten Offiziere der Sternenflotte nur vom Hörensagen kannten.
Einen neuen Kampfkreuzer des Dominion, der von vier kleineren Jem’Hadar Kampfschiffen begleitet wurde.
In den Logbüchern der Sternenflotte hatte er einige wenige Informationen darüber finden können. Der Kreuzer war mehr als 1200 Meter lang, ungefähr 970 Meter breit und hatte eine geschätzte Masse von sicherlich guten 8 Millionen Tonnen.
Ein schweres Gefährt mit einer unglaublichen Kampfkraft.

Er musste nun entscheiden was er tun wollte und er musste es schnell tun. Denn sicherlich hatte das Dominion inzwischen ebenfalls eine deutliche Vorstellung von dem was hier in den Wolken vor sich ging.
„Lieutenant Shelar, Sie hatten Recht, es sind nur fünf Schiffe des Dominion. Sie hatten nur vergessen mir zu sagen dass es sich bei einem von Ihnen um einen neuen großen Kampfkreuzer des Dominion handelt.“
Für einen Moment herrschte Ruhe, aber dann kam die ruhige und wohl gewählte Stimme der Vulkanierin aus der Audioanlage.
„Wenn das so ist, dann hätte ich einen Vorschlag Captain. Er wird sich für Sie sicher nicht besonders logisch anhören, ist aber die beste Option, die wir haben…“

Frank hatte sich den Vorschlag von Shelar angehört, er war waghalsig, aber er schien einer gewissen Logik tatsächlich nicht zu entbehren. Es war ein wenig wie der Kampf David gegen Goliath und trotzdem war es ihre beste Chance.
„Lieutenant Brownfield, bringen Sie uns direkt von hinten über das Schiff des Dominons. Wenn wir da sind feuern Sie auf meinen Befehl mit allen Phasern und einer Salve Photonentorpedos.
Das wird sie zwar nicht kratzen, aber vielleicht Ihre Aufmerksamkeit auf uns richten.“
Sofort setzte sich das Schiff in Bewegung und flog in einer eleganten Kurve nach unten.
Als das Scoutschiff die Wolkendecke durchstieß, sah Frank das fremde Schiff zum ersten Mal in seiner vollen Größe. Shelar hatte Anweisung gegeben so dicht wie möglich darüber hinweg zu fliegen und so hatte Frank fast das Gefühl, als würde er den Kreuzer rammen. Beim ersten Überflug passierte gar nichts. Frank gab den Feuerbefehl und als die Torpedos auf dem Schiff einschlugen stellte er mit Erstaunen fest, dass es scheinbar keine Schilde aufgebaut hatte, denn die Explosivgeschosse schlugen große Löcher in die Außenhaut.
Aber das Schiff machte keine Anstalten einer Verfolgung.
Erst als Captain Dekkers eine Schleife fliegen ließ und erneut über das Schiff kam zuckten ihm die Energiewaffen entgegen. Obwohl das Scoutschiff in der Atmosphäre besser navigieren konnte, spürte er den Einschlag eines Phasertreffers sehr überdeutlich.
„Eddie, was ist da los?“ wollte der Captain wissen und ahnte schon, dass ihm die Antwort nicht gefallen würde.
„Unsere Schilde sind wirkungslos, wahrscheinlich können wir sie aufgrund der Ionisierten Wolken nicht aufbauen. Sie sind ausgefahren, aber die könnten nicht mal einen Wattebausch aufhalten.“

„Dann sollten wir besser versuchen uns nicht mehr treffen zu lassen.“
Alan Brownfield flog ein hartes Wendemanöver und der Captain begriff, dass er nun einige Verfolger haben würde. Es brachte nichts mehr hier unten zu bleiben, er musste zurück zur Brücke.
Es waren keine zwei Minuten vergangen bis die beiden Männer wieder ihre Plätze in der Zentrale eingenommen hatten.
Der Offizier an der Conn steuerte einen Kurs der immer tiefer in die Atmosphäre führte. Normalerweise war das kein Problem, denn dafür war der Scout ja gebaut worden, aber der ultradichte Kern würde eine so starke Anziehungskraft ausüben, dass man hier nicht mehr weg kam, wenn man dem Kern zu nahe kommen würde.
„Statusberichte!“ rief der Captain, als er sich in seinen Stuhl setzte.
„Alle Schiffe des Dominion folgen uns, momentan sind wir außer Waffenreichweite, aber die kleinen Kampfschiffe kommen langsam auf. Sie sind zwar nicht für den Atmosphärenflug gedacht, aber das scheint sie nicht zu stören.“
Frank nickte Alan Bernard zu, der ihn über die taktische Situation informiert hatte.
„Mr. Brownfield. Ändern Sie langsam den Kurs, so dass wir direkt auf den Kern zufliegen. Shelar, geben Sie mir Bescheid, wenn wir die kritische Grenze erreichen.“ Damit meinte Frank den typischen Punkt, an dem eine Rückkehr nicht mehr möglich wäre.
Sofort änderte der Lieutenant den Kurs. Es dauerte einen Moment, bis die anderen Schiffe folgten. Besonders der Kreuzer, der nun weiter versuchte das Föderationsschiff mit den Hauptgeschützen zu treffen.
Aber inzwischen hatte das Scoutschiff die tieferen Atmosphärenschichten erreicht, in denen keine Ionisierenden Partikel mehr vorhanden waren, daher reagierten die Schilde glücklicherweise wieder normal. Mehrere Treffer konnte das kleine Scoutschiff problemlos überstehen aber nun rückte auch der Jem’Hadar Kreuzer immer näher. Es musste ihm wichtig sein, dass die Scimitar keine Nachricht an die Flotte würde schicken können. Noch konnte das wesentlich kleinere und wendigere Schiff den schwerfälligen Kreuzer ausmanövrieren. Aber wenn Sie nun noch einen vollen Treffer aus den Hauptgeschützen erhalten würden, dann wäre auch von dem Scoutschiff nicht mehr viel übrig. Der Kreuzer des Dominion rückte näher und näher.
„Lieutenant Shelar?“
Die fragenden Augen des Captains sagten alles.
„Noch fünftausend Meter bis zum Abfangen.“ Antwortete die Vulkanierin.
Auf der Brücke herrschte gebanntes und konzentriertes Schweigen. Jeder ging seiner Aufgabe nach.
Der Chefingenieur war inzwischen in den Maschinenraum verschwunden um im Bedarfsfall die Maschinenkontrolle zu überwachen.
„Noch dreitausend Meter bis zum kritischen Punkt.
Die Schiffe des Dominion holten weiter auf, sie waren nur noch wenige hundert Meter hinter dem Scoutschiff der Scimitar. Genau so hatte es Shelar kalkuliert. Sie hatte mit der Verbissenheit der Jem’Hadar gerechnet, um jeden Preis den Feind zerstören zu wollen, der dieses Versteck ausfindig gemacht hatte. Interessanterweise beteiligte sich auch der große Kreuzer intensiv an der Verfolgung, obwohl ihnen klar sein musste, dass die Gesetze der Schwerkraft auch für sie gelten mussten und der Kreuzer ganz sicher nicht für den Atmosphärenflug gedacht war.
„Noch Eintausend Meter!“ rief Shelar und nun musste Frank den Befehl zum Abfangen geben, sonst würden sie auf dem Kern zerschellen.
Aber Frank tat nichts.
„Kritische Höhe erreicht!“
Der Bildschirm flackerte und zeigte ab und an einige Bilder der Außenkamera. Hier, tief unten in der Atmosphäre schienen die Störungen zu verschwinden.
Ganz langsam fing das ganze Schiff an zu vibrieren, ein Zeichen, dass die Schwerkraft inzwischen erheblich an ihm zerrte.
„Kritische Höhe um fünfhundert Meter überschritten.“
Hörte Frank und die Stimme der Vulkanierin schien sich merkwürdig verändert zu haben.
„Lieutenant Brownfield. Setzten sie einen Parabelkurs in Richtung
Scimitar, geben sie volle Kraft, alles was drin ist!
Commander Williams, wir brauchen so viel Schub wie möglich, Damit wir sicher sein können, dass wir hier wirklich wieder wegkommen. Trägheitsdämpfer auf Maximum!“

Die Rückmeldung des Chefingenieurs ging in dem lauten Aufschlag eines Torpedotreffers unter und nun begann das ganze Schiff zu zittern, als wenn es Auseinanderbrechen würde, denn der Offizier an der Steuerkonsole hatte das Schiff in einem engen Bogen nach oben gerissen und die enormen Schwerkräfte zerrten mit aller Macht daran um es gegen seinen Steuerbefehl auf den Kern hinunter zu ziehen.
Nur langsam gewannen sie an Höhe, während sie auf dem Bildschirm sahen, dass einer der kleinen Jem’Hadar Jäger an ihnen vorbei in Richtung Kern gezogen wurde. Für ihn gab es keine Rettung mehr.
Nur wenige Sekunden später kam die Bestätigung von Shelar, dass auch der große Kreuzer und die weiteren Jäger keine Chance mehr hatten den Aufstieg noch zu schaffen. Frank und seine Offiziere konnten sehen, wie der große Kreuzer neben Ihnen versuchte der Anziehungskraft zu widerstehen, es aber letztendlich nicht schaffte und nach Überlastung der Maschinen scheinbar wie ein Stein zu Boden stürzte. Die Jäger folgten ihm fast gleichzeitig.

Aber noch war es für die Crew der Scimitar nicht geschafft. Die Maschinen heulten laut auf und das ganze Schiff erzitterte unter der ungewöhnlich hohen Belastung.
Als hätten sie derzeit noch nicht genug Probleme rief die junge Trill Frau plötzlich entsetzt:
„Captain, zwei weitere Jem’Hadar Jäger haben sich an unser Heck geheftet!“
Frank Dekkers wusste, dass diese Schlacht noch nicht geschlagen war, aber damit hatte er nicht gerechnet.

„Was denn, wo kommen die denn plötzlich her? Wir hatten die doch vorhin gar nicht gesehen und auf den Sensoren waren sie auch nicht zu orten.“ Wollte Frank wissen.
„Wahrscheinlich hat sie der Kreuzer kurz vor seiner Zerstörung ausgeschleust. Wenn sie eine ähnliche Taktik wie wir verfolgt haben und auf einer Parabel fliegen, dann könnten sie es auch schaffen, vorausgesetzt wir schaffen es überhaupt!“ erwiderte Erin Pan.
Immer weiter stieg das Scoutschiff und hatte inzwischen wieder die Wolkenschichten erreicht. Die Wirkung der Gravitation hatte ein wenig nachgelassen aber der Steigflug kostete trotzdem alle Reserven. Die Belastung für die Maschinen war ungeheuer.
„Captain, wenn wir nicht bald unsere Leistung drosseln, dann fliegt hier alles auseinander.“ kam es von Eddie, der im Maschinenraum die Impulsmaschinen an der obersten Belastungsgrenze hielt und versuchte die Notabschaltung noch ein paar weitere Punkte nach oben zu verschieben.
Frank verzog das Gesicht.
„Das können wir nicht, uns hängen noch zwei Jem’Hadar im Nacken. Hier haben wir kaum eine Chance gegen sie zu kämpfen, weil weder die Sensoren funktionieren, noch eine genaue Zielerfassung möglich ist. Wir müssen erst raus aus der Atmosphäre. Halten Sie unsere Maschinen noch für einen Moment am Laufen.“

Aber nicht nur das Schiff der Sternenflotte schien Probleme mit dem Antrieb zu haben auch die Jem’Hadar hatten ihre Schiffe beim Aufstieg sicherlich überlastet um dem Schwerkraftfeld des Planeten zu entkommen.
Frank tippte auf seinen Kommunikator und öffnete einen Kanal zur Scimitar. Rauschen und Knacken durchsetzte die Funkverbindung und nur leise und kaum verständlich meldete sich der erste Offizier:
„West hier. Captain, wir verfolgen Ihren Steigflug, aber wir haben mehrere Echos auf den Sensoren.“
Frank war versucht lauter zu sprechen, damit der Commander auf dem Hauptschiff seine Mitteilung auch wirklich hören konnte.
„Mr. West, gehen Sie in Abflugposition, so dass wir sofort starten können, wenn wir angedockt haben. Sie sehen auf Ihren Sensoren keine Echos, wir haben Gesellschaft und sie scheint nicht sehr freundlich zu sein.
Machen Sie alles für einen Notstart bereit!“

Langsam stieg das Föderationsschiff aus den Wolken der oberen Stratosphäre und konnte nun schon das Hauptschiff sehen.
Sowohl die Sensoren, als auch der Hauptbildschirm funktionierten in dieser Höhe wieder deutlich besser.
Commander West hatte die Anweisungen sofort umgesetzt und sich so positioniert, dass er bereits in günstiger Abflugposition war.
Das Scoutschiff erreichte gerade eine Position knapp einhundert Meter über dem Hauptrumpf um anzudocken als die Jem’Hadar aus den Wolken hervorstießen.
Mit allem was sie an Waffen hatten feuerten sie auf die Scimitar und schon nach wenigen Treffern war das Hauptschiff Energielos. Scheinbar wirkte sich die Schwächung der Schilde sogar bis in diesen hohen Orbit aus.

Frank hatte sofort erkannt was passiert war, denn schlagartig war die gesamt Kommunikation mir dem Hauptschiff zusammengebrochen. Nicht nur die Andocksysteme gaben keine Rückmeldung mehr, sondern es kam auch kein Signal mehr zur Scimitar durch.
„Mr. Brownfield Andocken, schnell! Verwenden Sie die Notenergieüberbrückung des Scoutschiffes um die Andockklammern im Hauptschiff zu aktivieren.
Eddie, machen Sie den Warpantrieb bereit und fahren sie die Gondeln hoch. Sowie wir am Hauptschiff hängen will ich auf Warp gehen.“
Gab Frank seine Anweisungen.
„Aye Sir, geht klar. Hauptsache die Impulsmaschinen bekommen ein wenig Ruhe.“

Die Jem’Hadar hatten inzwischen den höheren Orbit erreicht und machten sich erneut bereit zu feuern. Anscheinend hatten sie auch erhebliche Energiemengen verbraucht, denn normalerweise war die Nachladezeit besonders bei Jem’Hadar Schiffen bei weitem nicht so lange.
„Lieutenant Brownfield. Sowie de Andockklammern fest sind auf Maximum Warp beschleunigen. Blick nach achtern, ich will sehen was da von hinten kommt.“

Der Offizier nickte, auch wenn er sicher war, dass dieses Verfahren sicherlich nicht im Handbuch stand. Aber wie auch immer, dieses Schiff hatte alleine Heute schon viel mehr geleistet als es das Handbuch je hätte beschreiben können.
Kaum zwei Sekunden nachdem die Andockklammern eingerastet waren sah Frank wie sich die Sterne auf dem Hauptschirm zu Strichen verzerrten.
„Die Jem’Hadar sind ebenfalls auf Warp gegangen und kommen schnell auf!“
gab die Vulkanierin zu bedenken. Es war natürlich nicht so einfach mit dem Scoutschiff das Hauptschiff zu schleppen und Frank hatte sicher nicht daran gedacht, diese Vorgehensweise einmal auszuprobieren. Aber das Warpfeld reichte aus um das gesamte Schiff einzuschließen.
„Mr. Brownfield, wir müssen schneller werden!
Brücke an Maschinenraum, tut mir leid Eddie wenn ich das Ihren Maschinen zumuten muss, aber Sie müssen alles geben was Sie haben, es reicht leider noch nicht.“
Der Captain konnte hören wie die Maschinen über ihre Leistungsgrenze hinaus belastet wurden und warf einen Blick zu seiner Wissenschaftsoffizierin.
„Sie versuchen noch weiter aufzukommen, aber ihr Reaktor beginnt zu fluktuieren. Wenn sie nicht bald ihre Leistung drosseln, dann wird der Antrieb explodieren.“

Shelar hatte des Satz noch nicht richtig ausgesprochen, da war auf dem Hauptschirm zu sehen, dass eines der Verfolgerschiffe in einem gleißenden Feuerball zerbarst. Das andere wurde durch die Wucht der Explosion regelrecht zerrissen, selbst im Warptransfer konnte man auf der Scimitar und dem Scoutschiff die Druckwelle spüren.

„Lieutenant, nehmen sie die Leistung zurück und lassen Sie uns zum Planeten zurückkehren. Ich möchte nachsehen ob wir auch wirklich keine Überraschung mehr zu erwarten haben.“
Gab Frank dem Lieutenant an der Steuerkonsole den Befehl, den dieser sofort umsetzte. Er reduzierte die Warpgeschwindigkeit und setzte einen Rückkehrkurs der das Schiff zurück zum Planeten brachte.
Es dauerte mehr als fünf Minuten, bis die Kommunikation mit dem Hauptschiff wieder hergestellt werden konnte. Nicht einmal die kleinen Kommunikatoren die jeder am Körper trug waren in der Lage ein Signal in das Hauptschiff zu transferieren, obwohl die Personen auf der anderen Seite eigentlich nur wenige Meter entfernt waren.

Nachdem diese endlos lange Zeit der Ungewissheit verstrichen war meldete sich endlich der erste Offizier.
Scimitar ruft das Scoutschiff, können Sie uns hören?“
Noch einmal entstand ein hohes Rauschen und ein lautes Knacken, dann endlich waren die Nebengeräusche verschwunden.
„Hier spricht Captain Dekkers. Wie sieht es auf dem Hauptschiff aus Mr. West?“ fragte der Captain besorgt, denn er ahnte nichts gutes.

„Wir haben es recht gut überstanden, keiner wurde verletzt, aber zwei der Hauptenergiekupplungen sind in Rauch aufgegangen. Das hat die gesamte Energieversorgung zum Erliegen gebracht.
Wir konnten für eine Weile nicht einmal die Notaggregate in Gang setzen. Keine Ahnung, warum die uns so hart treffen konnten. Normalerweise halten die Schilde so etwas ohne Probleme durch.“
Frank winkte ab, auch wenn das der Commander nicht sehen konnte.
Die Ionisierenden Partikel der Wolken haben einen neutralisierenden Charakter auf alle Schilde. Auch wir konnten die Schilde zwar aufbauen, aber sie waren praktisch wirkungslos. Man konnte es aber aus unserer Sicht nicht messen.“
In diesem Moment gingen die Doppelschotten auf und zwei Offiziere des Hauptschiffes traten auf die Brücke des Scoutschiffes.
Der erste Offizier und der Chefingenieur des Scoutschiffes Carlton Meyers.
„Captain, wir haben den Planeten wieder erreicht.“ Meldete Alan Brownfield von der Steuerkonsole.
„Gut, gehen Sie in einen hohen Orbit. Ich möchte, dass alles noch einmal gescannt wird. Commander Williams soll die Gondeln wieder absenken. Wir werden hier bleiben, bis wir alle Reparaturen erledigt haben. Ich möchte, dass Sie in fünfzehn Minuten zur Nachbesprechung in den Konferenzraum kommen.
Bringen Sie alle Ergebnisse mit und auch die Schadensberichte, die dann noch aktuell sind. Das ist erst einmal alles. Vielen Dank.“
Damit verließ Captain Dekkers die Brücke des Scoutschiffes und ging zielstrebig auf seinen Bereitschaftsraum zu.
Sein erster Offizier folgte ihm, aber wenige Meter vor der Tür zum Raum des Captains verließ ihn der Mut. Er war noch nicht bereit mit dem Captain zu sprechen. Zudem hielt er es momentan auch nicht für eine gute Idee ihn zu stören, denn Frank Dekkers schien sehr zielstrebig auf seinen Raum zuzugehen als ob er eine wichtige Sache im Kopf hätte, die keinen Aufschub duldete.

Der Konferenzraum neben der Brücke war bis auf den letzten Platz mit den Führungsoffizieren belegt. Die Oberfläche des Gasriesen schimmerte blau und tauchte den Raum in ein unwirkliches Licht. Man kam sich vor als sein man mitten im Ozean knapp unter der Wasseroberfläche und über einem der Blaue Himmel des Pazifik.
Frank Dekkers betrat den Raum und setzte sich ans Kopfende.
„Nun, dann wollen wir mal. Zunächst der Bericht unseres Wissenschaftsoffiziers. Wie sieht es mit unseren ungebetenen Gästen aus?“
Shelar stand auf und aktivierte das Wanddisplay auf dem das Video einer Sonde zu sehen war, die man in Richtung des Planeten gesendet hatte.
„Wir können in den Atmosphärenschichten keine Energieanzeigen, Metallfragmente oder Massewerte mehr registrieren. Wie sie sehen, sind die Schiffe des Dominion auf dem Planetenkern zerschellt, wie es unsere Absicht war!“
Aus Shelars Mund hörte sich das an, als wäre es eine einfache Übungsmission gewesen, die man routinemäßig mit einem guten Ergebnis abgeschlossen hatte.
Kurz bevor die Sonde auf dem Kern zerschellte waren die Überreste der Schiffe zu sehen, die sie zum besseren Verständnis in eine starke Zeitlupe versetzt hatte.
Denn je näher man dem Kern kam, umso schneller wurde man angezogen.
Die Überreste waren regelrecht platt gedrückt und es war klar, dass keiner diesen Aufprall hatte überleben können.
Ein Raunen ging durch die Frauen und Männer, die zum Teil sogar erschrocken waren als sie sahen, was da auf der Kernoberfläche zu Boden gegangen war.
„Captain, Entschuldigung, wenn ich da eine Zwischenfrage habe, aber diese Frage beschäftigt mich schon die ganze Zeit.“
Meldete sich nun Fähnrich Regon der die Kommunikation auf dem Scoutschiff überwacht hatte.
„Warum konnten wir es überhaupt schaffen wieder aus der Atmosphäre aufzusteigen, während die Jem’Hadar nun da unten liegen. Die Schiffe des Dominion sind schließlich sogar kleiner als wir.“
Diese Frage schien nicht nur sie zu beschäftigen, denn einige andere nickten ebenfalls.
Captain Dekkers machte eine Geste zu Shelar die bedeutete, dass sie dieses Phänomen erklären sollte.

„Nun, diese Frage ist recht einfach zu beantworten und zu verstehen.
Der sehr dichte Kern des Planeten bildet eine starke gravimetrische Kraft, ähnlich die eines schwarzen Lochs.
Will man dieser Kraft entkommen, dann muss man eine entsprechende Gegenkraft aufwenden.
Diese muss jedoch im Verhältnis zur Masse stehen.
Im freien Raum spielt dieses physikalische Gesetz kaum eine Rolle, ebenso wie die Form eines Schiffes.
In einer dichten Atmosphäre und unter Schwerkrafteinwirkung jedoch schon.
Der Jem’Hadar Kreuzer hatte eine sehr große Masse, aber nur einen gewöhnlichen Antrieb. Das Verhältnis zwischen Maschinenleistung und Gewicht beträgt 1:43.
Bei einem Jäger des Dominion ist das Verhältnis 1:8.
Aber das Scoutschiff der Scimitar unterschreitet sogar diesen Wert. Mit einem Verhältnis von 1:5 sind wir nicht nur wendiger, sondern auch so leicht gebaut, im Verhältnis zu unserem Antrieb, dass wir viel dichter an den Kern fliegen konnten als die Anderen.
Zu dem Zeitpunkt, an dem wir den Aufstieg einleiteten, war es für die Schiffe des Dominion bereits zu spät um umzukehren.
Die nachfolgenden Schiffe konnten uns zwar folgen, mussten ihren Antrieb aber so stark überlasten um wieder aufzusteigen, dass er schließlich explodierte.
Das war auch der Grund, warum der Captain das Schiff ankoppelte und sofort auf Warp ging.
Er wusste, dass die Maschinen sich nicht erholen durften und aus der Erfahrung in der Ionisierten Wolkenschicht wussten wir, dass die Jem’Hadar unser Schiff sofort angreifen würden. Hätten wir gestoppt, oder wären wir ohne das Hauptschiff weitergeflogen, dann hätte sich sicherlich einer der Jäger um die Scimitar bemüht und wir wären jetzt nicht hier!“
Frank nickte dankend und leitete zum nächsten Punkt über.
„Das ist Korrekt. Machen wir weiter. Doktor, haben wir Verluste?“
Der Arzt Dr. Knox schüttelte den Kopf.
„Gott sei Dank nicht, nur ein paar blaue Flecken und ein paar Hautabschürfungen, weil jemand der Meinung war inmitten der Wolken eine harte Wende durchführen zu müssen!“ dabei schaute er Alan Brownfield ein wenig finster an, obwohl er wusste, dass ohne dieses Manöver die Besatzung des Scoutschiffes verloren gewesen wäre.
Der Captain nickte dem Chefingenieur zu der den Bericht für das gesamte Schiff abgab.
„Wir sind noch einmal glimpflich davon gekommen. Da unsere Schilde kaum existent waren hat die Energieentladung der Jem’Hadar nur die Zentra- und Nebenenergiekpplung des Hauptschiffes gebraten und das Kom-System mit einer Überlastung umgepolt. Deshalb war die gesamte Kommunikation ausgefallen. Wir sind bereits an der Arbeit, aber es wird noch eine gute Stunde dauern, bis wir alle Systeme wieder anfahren können.“
Frank wollte es nicht versäumen, seine Crew für die erbrachte Leistung zu loben.
„Sie haben heute alle gute Arbeit geleistet. Ich denke mal wir können stolz auf unser Schiff und auch auf unsere Leistung sein.
Ich werde unseren Bericht an die Sternenflotte weiterleiten. Sowie alle Reparaturen erledigt sind werden wir die restlichen Planeten und Systeme prüfen. Danke, das ist alles, Wegtreten.

Kapitel 11

Die Chefingenieurin der Alexandria war inzwischen schon fast zwei Wochen an Bord der Golden Gate und versuchte mit dem Chefingenieur Spike den verbesserten Warpantrieb eines Schiffes der Constellation Klasse in das einer Miranda Klasse einzupassen. Die reinen Einbauarbeiten waren innerhalb von ganzen zwei Tagen erledigt gewesen und J.J. hatte den größten Respekt vor der Mannschaft, die alles tat nur um dieses alte Schiff wieder flott zu bekommen.
Sie hatte von der Mannschaft eines der Botschafterquartiere zugewiesen bekommen, aber sie war kam dazu gekommen es zu benutzen.
Das war eine wahre Schande, denn der Ausblick war wirklich sehenswert. Sie blickte direkt in den Hauptdeflektor eines Galaxy Klasse Schiffes. Das andere Schiff war weniger als fünfzig Meter entfernt.
Rick Sanders hatte dem Dockmeister einen Gefallen abgerungen. Naja, eigentlich hatte er ihn bei einem Pokerspiel dermaßen abgezockt, dass der Dockmeister froh war seine Spielschulden auf diese ungewöhnliche Weise abtragen zu können. Captain Sanders hatte den Liegeplatz so vorgeschlagen, dass das riesige Diskussegment der Galaxy Klasse die Golden Gate vollständig abdeckte. So war es Ihnen gelungen, dass man weder vom Casino der Sternenbasis aus, noch von der Aussichtslounge mitbekommen konnte, dass an dem Schiff der Miranda Klasse ein großes Stück des Untertassensegmentes ausgewechselt worden war.

Gemeinsam mit Spike hatte J.J. inzwischen fast jede Schraube, jedes Ventil und jeden magnetischen Verschluss überprüft, aber der Warpkern war einfach nicht in Gang zu setzen. Sie hatten wirklich alles versucht. Dazu kam, dass der Antrieb fast wie neu war. Eine größere Beschädigung war daher eigentlich ausgeschlossen.
Neben einigen neuen Konsolen, die mit der notwendigen Technik zur Steuerung versehen waren, hatten sie sich die genaue Prozedur zum Anfahren des Antriebs in einem solchen Schiff der Constellation Klasse vorgenommen. Aber obwohl sie sich Schritt für Schritt und auf die Kommastelle genau an alle Werte gehalten hatten, war es ihnen nicht gelungen dieses Wunderwerk der Technik zum Laufen zu bringen.
Jaqueline Jefferson war enttäuscht. Sie hatte bislang niemals aufgegeben, aber an dieser Sache schien sie sich einfach die Zähne auszubeißen. Spike musste sie mehrmals beruhigen, wenn sie nahe daran war auszurasten.
Was Sie aber am allermeisten ärgerte, war die Tatsache, dass inzwischen die Austauscharbeiten an der Untertassensektion nahezu abgeschlossen waren.
In Kürze wäre das gesamte Schiff einsatzfähig, wenn der Antrieb endlich mitspielen würde.

J.J. hatte den Morgen mit einer Schalldusche begonnen und war dann in die Offiziersmesse gegangen um sich ein Frühstück zu gönnen.
An den Tischen saßen einige Offiziere, die heute dienstfrei hatten und unterhielten sich. Als sie J.J. sahen grüßten sie freundlich und sprachen ihr Mut zu. Sie alle waren sich so absolut sicher, dass sie es schaffen würde, nur sie selbst war es inzwischen nicht mehr.
Diese Tatsache hatte sie natürlich Spike zu verdanken, denn er hatte anscheinend jedem auf dem Schiff erzählt, welche besonderen Leistungen sie in den letzten Jahren vollbracht hatte.
Ein wenig missmutig bestellte sie einen Raktajino.
Sie legte ein Padd auf den Tisch und während sie die Seiten durchklickte nahm sie ab und zu einen Schluck des klingonischen Kaffees.
Aber in dem Moment, in dem sie ihre Tasse mit einem deutlichen Schlag auf die Tischplatte setzte fuhren plötzlich alle herum.
„Ja, das muss es sein. Wie konnte ich das nur übersehen.“ rief sie und sprang auf. Mit wenigen Schritten war sie aus der Messe verschwunden und auf dem Weg zum Maschinenraum.
Schnell ging sie zielstrebig zur Wand die rund um den Warpkern verlief und nahm die Leiter um an das obere Ende zu gelangen, wo der Brennstoffaufbereiter für die Materiezuführung angebracht war.
Sie nahm einen Phasenkoppler zur Hand und fing damit an den Flussregulator neu zu kalibrieren.
Sie war schon eine ganze Weile mit dieser Arbeit beschäftigt, als der Chefingenieur der Golden Gate auftauchte.
„Hey J.J. alles Klar soweit?
Ich habe in der Messe gehört, dass Du sehr spontan aus dem Raum gerannt bist, Du hast nicht mal Deinen Kaffee ausgetrunken.“
J.J. hatte eigentlich nicht die Absicht, sich jetzt, wo sie endlich das Problem gefunden hatte, ablenken zu lassen.
„Spike, nimm Dir einen Phasenkoppler und stelle den Antimaterieflussregulator auf einen Wert von 1,4273 ein.“
Aber Spike, der bezüglich des Antriebs ebenfalls mit seiner Weisheit am Ende, war wollte die Euphorie der jungen Frau nicht teilen.
„J.J. Das hat doch keinen Sinn. Ich habe schon mit Captain Sanders gesprochen. Er versucht einen Warpkern zu finden, der in unser Schiff passt. Es wird sicherlich eine Weile dauern, aber wir werden schon etwas finden!“ versuchte er die Ingenieurin der Alexandria von ihrem Vorhaben abzubringen.
„Na toll, und weißt Du auch schon auf welches Schiff DU kommen wirst?
Laut Captain Sanders haben wir höchstens noch eine Woche Zeit, bevor diese Crew hier in alle Winde zerstreut wird, dann interessiert sich auch keiner mehr für dieses Museumsstück.
Ist es nicht so? Das ist doch hier auf dem Schiff ein offenes Geheimnis, oder?“
Spike war überrascht. Er hatte nicht damit gerechnet, dass J.J. sich so dafür einsetzen würde, dieses Schiff wieder flott zu machen. Schließlich konnte es ihr egal sein, ob die Golden Gate jemals wieder würde fliegen können.
„Aber Commander, so kenne ich sie ja gar nicht…“ sagte der Ingenieur scherzhaft, aber J.J. konterte sofort:
„Ach jetzt komm’ mir nicht so. Als wenn Du an meiner Stelle nicht genau dasselbe tun würdest. So was ist doch ein Schandfleck auf der weißen Weste der Ingenieursehre. Das hängt einem doch ewig nach.
Als ich die Yokohama wieder klar gemacht habe stellte sich heraus, dass unser Captain damals auf ihr geflogen ist. Es war das erste Mal, das er auf einer Mission die Conn besetzen durfte.
Meinst Du, er hätte zugelassen dass ich aufgebe? Niemals!
Und jetzt setze gefälligst Deinen Hintern nach unten in Bewegung und stelle diesen Flussregulator ein.“
Spike konnte dieser Frau nicht widersprechen. Sie hatte Recht, auch wenn er nicht wusste was das bringen sollte. Er stieg nach unten öffnete die Hauptverkleidung und begann die entsprechenden Änderungen vorzunehmen.
Nach annähernd fünfzehn Minuten war die recht komplexe Einstellung vollständig durchgeführt und beide standen an der Hauptkonsole um ihre Arbeit zu überprüfen.
„Wenn ich mich nicht geirrt habe, dann werden wir jetzt gleich die Früchte unserer Arbeit genießen können. Wir sind ja wirklich so bescheuert gewesen.“ sagte J.J.
Aber Spike war noch immer skeptisch. J.J. war allerdings voll in ihrem Element.
„Ich öffne die Hauptventile für Materie und Antimaterie.
Jetzt heizen wir den Fusionsvorbrenner an.“
Das leise Strömungsgeräusch von Materie und Antimaterie war zu hören, welches zu den Düsenköpfen strömte.
„OK, und jetzt öffnen wir die Flussregulatoren.“
Die junge Ingenieurin tippte einige Sequenzen in die Konsolen ein und prüfte dabei die Werte, die von den Überwachungsinstrumenten ausgegeben wurden.
Spike war im Gegensatz zu J.J. nicht so aufgeregt. In den letzten vier Tagen hatten sie diese Prozedur bestimmt mehr als zwei Dutzend Mal durchgeführt und nie war es auch nur zu einem einzigen Erfolg gekommen. Nicht ein mal ein kleiner Achtungserfolg war entstanden. Der Antrieb blieb einfach Tot.

„So Spike, willst Du noch schnell eine Wette abschließen? Dann musst Du das jetzt tun, denn ich werde jetzt die Plasmazündung initiieren, sowie die Kammer eine Sättigung von 45 Prozent aufweist, geht es los.“
J.J. hatte die Plasmakühlung angefahren und die Energieleitungen zu den Warpgondeln geöffnet. Noch war der Gläserne Zylinder des Warpkerns mit seiner Milchglasoberfläche dunkel, Aber so hoffte Commander Jefferson, das würde sich bald ändern.
Mit einem Druck auf die Displayfläche startete sie die Zündsequenz.
In dem Warpkern schoss ein gleißender Blitz von Oben nach unten und entzündete das Plasmagemisch.
Innerhalb von Sekunden setzte das typische sonore Brummen eines rund laufenden Antriebs ein und in dem langen Reaktionszylinder wirbelte das brennende Plasma in allen Regenbogenfarben umher.
J.J. stemmte zufrieden die Hände in die Hüften und lächelte..
Im selben Moment flammten alle Beleuchtungen mit voller Energie auf. Die mobilen Generatoren reichten gerade einmal aus um die Notstromversorgung zu gewährleisten, aber nun, da der Hauptreaktor am Netz war konnte die Golden Gate wieder den vollen Betrieb aufnehmen.
Es war nicht nötig den Erfolg dieser Aktion bekannt zu machen. Jeder auf dem Schiff wusste, dass mit dem Aufleuchten der Lampen der Hauptreaktor wieder betriebsbereit war.
„So, das wäre geschafft. Am besten Du lässt alle Systeme neu kalibrieren, das wird sicherlich ein paar Tage dauern, aber Du kannst dann wenigstens sicher sein, dass die Leitungen halten und es keine Überspannungen gibt.“
Damit drehte sich die junge Frau um und wollte gehen. Aber der Chefingenieur wollte sie so schnell nicht gehen lassen.
„Moment, Moment. So kommst Du mir jetzt nicht davon. Ich will auf der Stelle wissen, warum ich einen so geringen und dazu noch so krummen Wert einstellen musste. Das entspricht überhaupt nicht den Vorgaben für diesen Antrieb. Das Ding schafft ja damit nicht mal Warp zwei!“
J.J. musste lachen.
„Irrtum, Dein Kahn wird sogar noch schneller werden, mit diesem Antrieb wirst Du sicher um mehr als 0,5 Warpfaktoren schneller sein.
Aber tröste Dich, mir ist auch erst heute Morgen ein Licht aufgegangen.“
Doch Spike wollte nun auch nicht lockerlassen und versuchte den Commander weiter zu löchern.
„Na komm schon, was habe ich übersehen? Du kannst mich doch nicht einfach so hier stehen lassen.“
Jaqueline Jefferson, die schon im gehen war hielt kurz an und drehte sich um.
„Doch, kann ich.
Die meisten Ingenieure sind doch alle gleich, Ihr könnt gerade mal bis zwei zählen, weil ihr nicht mehr Warpgondeln habt, vielleicht noch bis drei, wenn man den Antrieb mitzählt.
Aber es soll einige wenige geben, die sogar bis vier zählen können!“
Damit verschwand Jaqueline Jefferson aus dem Maschinenraum und Spike drehte sich ein wenig verärgert zum Antrieb um, der wie ein junges Kätzchen schnurrte.
Das war ja wirklich sehr witzig, einen Kollegen zu beleidigen, der in den letzten Tagen so eng mit ihr zusammengearbeitet hatte. Er überlegte sich ernsthaft, ob er sie nicht falsch eingeschätzt hatte.
Als wenn er nicht bis vier zählen konnte.
Bis auch ihm schließlich die Erleuchtung kam.
Er schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. Mein Gott, darauf hätte er auch selbst kommen können. Sie alle hatten wieder einmal den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.

Ein Schiff der Constellation Klasse hatte vier Warpgondeln, es war nur logisch, dass hierfür ein viel höherer Wert für die Regulatoren eingestellt werden musste, der natürlich bei nur zwei Gondeln viel zu stark mit Materie und Antimaterie angereichert war. Deshalb hatten sie bei ihren Versuchen nie eine Plasmazündung in Gang setzen können.
Aber nun lief der Antrieb und es stand einer erneuten Indienststellung der Golden Gate bald nichts mehr im Wege.

Kapitel 12

Commander Carl Rychek war ein sehr beschäftigter Mann, der seinen Job in der Antares Flottenwerft noch richtig ernst nahm. Er versuchte all seine Aufgabengebiete mit der nötigen Ruhe, aber auch so flott wie möglich zu erledigen.
Leider war durch den Krieg mit dem Dominion die Prioritätsreihenfolge sehr durcheinander geraten.
Immer mehr Schiffe benötigten nicht nur eine Wartung im Dock, sondern aufwendige Reparaturen.
Konnte er noch vor einem Jahr jedem Job seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken, so war er heute mehr damit beschäftigt seine ganzen ‚Baustellen’ überhaupt zu besuchen und mehr oder weniger nur noch die Abnahme durchzuführen. Selbst dazu kam er fast nicht mehr.
Gerade gestern hatte er ein weiteres Schiff freigegeben, welches schon bald in die Flotte integriert werden sollte.
Die U.S.S. Aviator, ein Schiff der Akira Klasse war gerade in der Werft fertig gestellt worden und sollte in Kürze an einen Captain übergeben werden.
Es war kein Wunder, dass er kaum noch dazu kam einmal auszuspannen oder sich mit seinen Freunden zu treffen. Der letzte Kontakt war eine Nachricht von Captain Rick Sanders gewesen, mit dem er einige Bauteile getauscht hatte, um ein Schiff der Nova Klasse wieder aufbereiten zu können.

Als Commander Rychek an diesem Abend wieder einmal abgespannt an seinen Schreibtisch kam, stellte er fest, dass an seinem Terminal mehr als zwanzig neue Nachrichten eingegangen waren. Darunter auch eine von John Devero, dem Captain der Avatar, der ihn noch an diesem Abend sprechen wollte.
Rychek blickte auf seinen Chronographen. Mit etwas Mühe würde er es wohl noch schaffen. Dann hätte er wenigstens dieses leidige Thema endlich hinter sich. Schließlich hatte er Frank Dekkers versprochen sich auch um diese Angelegenheit zu kümmern, auch wenn es nicht direkt zu seinen Hauptaufgaben zählte.
Aber erst wollte er sich ein erfrischendes Duschbad gönnen, denn so verschwitzt wollte er beim Captain nicht auftauchen.
Er sichtete noch schnell die anderen Anfragen. Sie waren alle nicht so entscheidend, dass es nicht auch bis morgen warten konnte.
Carl Rychek schaltete den Monitor ab und begab sich in sein Quartier, damit er rechtzeitig noch auf die Avatar kommen würde.

Es war genau eine Minute vor 22:00 Uhr als Commander Rychek vor die Tür des Captainsquartiers auf der Avatar trat. John Devero gestattete den Zugang und so trat der Commander in den Raum des Captains.
„Commander, ich bin sehr erfreut, dass Sie kommen konnten. Ich denke wir haben einen besonderen Anlass zu feiern.“ kam Captain Devero auf ihn zu und wies auf das Sofa, damit der Offizier wusste, dass er sich setzen sollte.
„Wie darf ich das verstehen Captain?“ fragte Rychek während er Platz nahm.
„Nun, gestern Abend wurden die Arbeiten an der Avatar endlich abgeschlossen und nun steht einer Indienststellung wirklich nichts mehr im Wege. Hier, sehen Sie sich die Berichte und Beurteilungen an. Es ist alles so, wie Sie und Captain Dekkers es vorgesehen haben.“
Commander Rychek nahm das Padd entgegen und sah sich die Aufstellung der umgeänderten Bauteile an.
Hinter jedem Punkt stand eine Eintragung, dass die Maßnahmen den vorgegebenen Angaben entsprachen.
Sie waren geprüft und bestätigt.
Obwohl sich der Offizier nicht vorstellen konnte, wie es Captain Devero geschafft haben sollte, all diese Dinge in so kurzer Zeit erledigen zu lassen.
Rychek erinnerte sich daran, dass Frank Dekkers einige Dinge als besonders wichtig angesehen hatte.
„Captain, ich würde mir gerne die geänderten Andockklammern ansehen. Ich denke mal das wäre doch sicher möglich oder?“
Captain Devero setzte ein schmales Lächeln auf.
„Aber Commander, Sie werden mir doch sicherlich vertrauen, wenn ich Ihnen sage, dass alle Arbeiten so durchgeführt wurden wie sie vorgesehen waren. Die Crew des Scoutschiffes hat gerade Landgang, denn noch sind wir nicht offiziell im Dienst, Sie verstehen sicherlich, so dass ich Ihnen dieses Detail jetzt nicht auf der Stelle demonstrieren kann.
Aber wenn Sie mir Ihre Bestätigung geben, dann könnte ich Ihnen nach der Aktivierung durch Admiral Winters gerne alles zeigen.
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich sehr daran interessiert bin wieder mit einem Schiff unterwegs zu sein. Ich denke mal, da sind wir Captains alle gleich.
Wenn Sie also bitte Ihre Bestätigung unter den Bericht setzen könnten, dann wäre ich Ihnen sehr verbunden. Es würde mir sehr viel bedeuten, wenn ich dieses Kapitel endlich abschließen könnte.“
Carl Rychek war sich ein wenig unsicher. Ehrlich gesagt, hatte er nicht nur geringe Bedenken. Er erinnerte sich noch lebhaft an die Diskussionen die er und Frank mit dem Captain gehabt hatten, nur weil ihm alles nicht schnell genug ging.
Aber die Informationen die in dem Padd gespeichert waren stimmten auf den Punkt, alles war da, auch die Umstellung der Hangardecke, wie auch der Austausch der Andockklammern des Scoutschiffes, waren mit allen notwendigen Prüfnummern und Dienstsiegeln versehen. Es schien wirklich alles in Ordnung zu sein.
Commander Rychek blieb keine andere Wahl als es zu akzeptieren. Er gab seine Kennung ein und vervollständigte seine Prüfung mit dem persönlichen Autorisationscode.
Dann gab er dem Captain das Padd zurück.
„Na dann wünsche ich Ihnen viel Glück. Bitte geben Sie mir morgen früh bei Dienstbeginn Bescheid. Ich möchte auf jeden Fall noch die Hangardecke und die Andockklammern sehen. Das war dem Konstrukteur sehr wichtig. Ich denke, es ist das Geringste was ich tun kann, wenn er nicht auf der Basis ist um es selbst zu erledigen.“

Carl Rychek hatte ein flaues Gefühl in der Magengegend. Irgendwie fühlte er sich überfahren. Aber er konnte sich den Angaben nicht verweigern. Alles war soweit korrekt ausgefüllt, wie auch immer John Devero es gemacht haben wollte.
Den Champagner den der Captain für diesen Anlass extra gekühlt hatte, lehnte der Commander allerdings ab und entschuldigte sich mit knappen Worten über einen arbeitsreichen Tag und dass er bereits am frühen Morgen wieder fit für seine neuen Aufgaben sein musste. Damit verließ er das Quartier und auch die Avatar mit gemischten Gefühlen.

Kapitel 13

Captain Devero stand in seiner Dienstuniform im Vorzimmer von Admiral Peter Winters und wartete darauf eingelassen zu werden.
Von der nüchternen Ausstattung der Sternenflotte war hier in diesen Büros nichts zu bemerken. Es hatte zwar alles einen effizienten Touch, aber die persönliche Note von Admiral Winters Geschmack war nicht zu übersehen.
So hingen bereits hier in diesem Vorraum zwei geschmackvolle Gemälde, die stilmäßig zu der Einrichtung passten und durch eine große Sitzecke abgerundet wurden. Aus der Audioanlage säuselte leise Musik, wie Captain Devero erkannte, einige klassische Stücke von Beethoven und Brahms.
Es war gar nicht so einfach gewesen und es hatte einige Gefälligkeiten erfordert, über Nacht eine Dringlichkeitsanfrage mit einer entsprechenden Priorität einzureichen und John Devero wollte lieber nicht wissen, über welche verschlungenen Pfade diese Nachricht in die Tagesbesuchsliste des Admirals gefunden hatte. Aber die Tatsache, dass der Captain bereits um Acht Uhr Morgens im Vorzimmer aufgetaucht war, schien den Assistenten des Admiral davon zu überzeugen, dass es dem Captain sehr erst war mit seinem Termin.

Endlich öffnete sich die Tür und Captain Devero wurde vom Assistenten in das Büro des Admirals geschickt.
Peter Winters, der gerade noch am Schreibtisch gesessen hatte stand auf und kam auf seinen Gast zu. Er hatte definitiv nicht mit diesem Besuch gerechnet, soviel war sicher.
„Captain Devero, welche Überraschung. Gibt es irgendwelche Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung für die Avatar?“ wollte der Admiral wissen. Eine andere Ursache konnte dieser Besuch sicherlich nicht haben. Er wies dem Captain den Weg zu der Sitzgruppe des Büros und ließ sich selbst in einen Sessel gleiten, während sich Captain Devero ihm gegenüber setzte.

„Nein Admiral, Gott sei Dank nicht. Im Gegenteil, ich habe hervorragende Nachrichten, die Sie sicherlich gerne hören werden.“
Peter Winters war gespannt. Man hatte ihm schon oft gute Nachrichten versprochen, aber in der letzten Zeit waren die wirklich Guten ziemlich selten geworden. Es wäre schön wenn sich dieses Bild wieder einmal gerade rücken ließe.
Captain Devero rückte ein wenig vor in seinem Sessel und setzte ein gewinnendes Lächeln auf.
„Hier habe ich den Abschlussbericht über die Avatar. Sie ist vollständig umgebaut. Alle Anweisungen wurden entsprechend den Vorgaben der Flotte eingehalten.
Die ausführenden Ingenieure und auch Commander Rychek haben unterzeichnet. Das würde für mich und meine Crew bedeuten, dass Sie uns nun in den aktiven Dienst versetzen und wir wieder ein vollwertiger Teil der Flotte werden können.“
entgegnete der Captain und behielt ein merkwürdig anhaltendes aber leicht gequältes Lächeln auf seinen Lippen zurück, während er dem Admiral seinen Bericht entgegenhielt.

Peter Winters zog eine Augenbraue hoch. So schnell hatte er nicht damit gerechnet, dass die Arbeiten abgeschlossen werden konnten. Aber auf dem Padd, das ihm der Captain gereicht hatte gab es keinen Punkt, der dieser Bitte widersprechen würde.
Langsam und konzentriert ging er Punkt für Punkt und Seite für Seite durch. Alles passte zueinander. Keine der Eintragungen fiel aus dem Rahmen. Es schien in Ordnung zu sein.
Doch der Admiral hatte Frank Dekkers dem Konstrukteur vor seiner Abreise versprochen, dass er ein Auge auf die Avatar haben würde. Daher stand er auf und drehte in seinem Büro eine Runde. So konnte er immer am besten Nachdenken.
Durch das Fenster konnte er sehen wie gerade ein neues Schiff das Konstruktionsdock verließ.
Ein weiteres neues Schiff, welches hoffentlich bald zur Verstärkung der Flotte in den Kampf gegen das Dominion eingreifen würde. Es war einer der neuen Technologieträger, die man inzwischen gerne in etwas älteren Schiffen unterbrachte, um sie nicht zu interessant für die Gegner der Föderation zu machen. Mit Unbehagen dachte er an das Desaster, welches der Prometheus widerfahren war.
Das Schiff der Akira Klasse wurde nun von zwei kleinen Dockschiffen geschleppt und in den Bauch der Station gezogen. Admiral Winters konnte den Namen des Schiffes im Vorbeiflug erkennen, es war die U.S.S. Aviator.
Aber dann besann sich Peter Winters wieder auf sein Gespräch und drehte sich zum Captain um, der genau in diesem Moment zu einem neuen Anlauf ansetzte.
Mit einer süßsäuerlichen Mine beharrte er darauf das neue Schiff in Dienst zu stellen.

„Admiral, Sie haben sicherlich gesehen, dass alle Systeme so arbeiten, wie sie für dieses Projekt von der Sternenflotte vorgesehen waren. Aus meinen Unterlagen geht zweifelsfrei hervor, dass die vollständige Einsatzbereitschaft und die umfassende Prüfung aller Systeme durch eine Diagnose der Ebene Eins bestätigt wurde.“ erklärte er, wobei er tunlichst verschwieg, dass das, was die Sternenflotte als Standard vorgesehen hatte nicht mit dem übereinstimmte, was laut Frank Dekkers in das Schiff eingebaut werden sollte.
Aber der Admiral konnte auch dem Druck nicht widerstehen, der von Seiten der Sternenflotte auf ihn ausgeübt wurde, so bald als möglich neue Schiffe in die Flotte einzubinden. Dennoch wollte er sicher gehen und sich selbst überzeugen, dass alles seine Ordnung hatte.

„Ich beglückwünsche Sie zu dieser Arbeit Captain. Es zeigt mir, dass wir den richtigen Mann für diese Aufgabe ausgesucht haben.
Selbstverständlich braucht die Flotte dringend neue Schiffe und im Besonderen ein so schlagkräftiges Schiff wie die Avatar.
Ich werde gleich morgen eine Begehung mit meinem Stab vereinbaren. Die Meisten hatten noch keine Gelegenheit dieses beeindruckende Schiff zu sehen. Auch ich hatte bislang kaum die Möglichkeit mir das ganze Schiff anzusehen. Besonders gespannt bin ich auf das Scoutschiff und das Kopplungsmanöver. Davon habe ich ja schon vieles gehört. Ich bin davon überzeugt, dass es Ihnen eine Ehre sein wird, meinem Stab und mir alles zu zeigen.
Danach sprechen wir dann über einen Auftrag für Sie. Ich bin sicher es wird sich etwas Adäquates finden lassen.“

Captain Deveros Gesichtsausdruck machte den Eindruck als würde er schlagartig vereisen. Keine Regung schien sich nun mehr in seiner Mine abzuzeichnen. Er hatte scheinbar nicht damit gerechnet, dass der Admiral das Schiff noch einmal selbst inspizieren wollte. Zudem hatte er nicht die geringste Ahnung wie der Admiral so plötzlich auf diese Idee gekommen war. Er nahm kaum an, dass Commander Rychek dem Admiral einen solchen Floh ins Ohr gesetzt haben könnte.
Anscheinend vertraute Peter Winters ihm nicht völlig. Auch wenn das seinen guten Grund hatte, so konnte er natürlich diese Begehung nicht so einfach umgehen.
Er würde sich etwas einfallen lassen müssen damit es so aussah, als hätte er wirklich alle Arbeiten so ausführen lassen wie es dieser junge Schnösel von Captain vorgesehen hatte. Aber wenn das erledigt war, würde er einen Auftrag erhalten und müsste diesen Unsympathen nicht mehr auf sein Schiff lassen.

„Selbstverständlich Admiral, es wird mir eine Ehre sein, Sie auf meinem Schiff zu empfangen. Gerne werde ich Ihnen alles zeigen. Schließlich weiß ich, das es davon abhängt wann ich in den aktiven Dienst zurückkehren darf!“

Captain Devero verabschiedete sich und begab sich auf sein Schiff. Er hatte noch einige Dinge zu erledigen. Die schwierigste Aufgabe war es sicherlich die Pläne im Stationscomputer und den Dateien des Admirals so aussehen zu lassen wie diejenigen, die er gerade in einem Padd an den Admiral übergeben hatte.
Die Änderungen waren sicher nicht essentiell, aber wenn man sich näher damit beschäftigte und ein wenig an der Oberfläche kratzen würde, dann würde man sicherlich die Unterschiede feststellen. Das durfte auf keinen Fall geschehen.
Er fragte sich, ob er diesen großen Gefallen ebenfalls noch einfordern könnte. In letzter Zeit hatte er schon sehr viele dieser „Guthaben“ eingefordert und es waren nicht mehr viele übrig, die er noch ansprechen konnte.
Aber Captain Fascari war ihm noch eine große Gefälligkeit schuldig. Er beschloss sich gleich heute noch darum zu kümmern. Man wusste nie, wann Captain Fascari die Station mit einem Auftrag wieder verlassen würde und dann wäre diese Chance nicht mehr wahrzunehmen. Die Begehung des Schiffes würde bestimmt kein Problem werden. Schließlich gab es ja kein Schiff mit man es hätte vergleichen können. In dieser Hinsicht hatte er sicherlich ein leichtes Spiel.

Kapitel 14

Captain Frank Dekkers hatte mit der Scimitar inzwischen die restlichen Sternensysteme abgesucht.
Wie sich herausstellte, waren auch hier einige Antriebsspuren zu erkennen, die aber ebenfalls direkt zu dem Gasriesen führten von dem sie gerade gekommen waren.
Es lief alles nach Plan und der Captain sichtete gerade den Bericht des letzten Planeten, den sie soeben überprüft hatten.
Es hatten sich nach dem Zwischenfall keine weiteren Auffälligkeiten mehr gezeigt und so war man recht froh, dass man diese Aufgabe mit gutem Gewissen und vor allem einem erfolgreichen Ergebnis abschließen konnte.
Frank Dekkers stellte alle Informationen zusammen und übertrug sie per Subraumfunk an die Sternenbasis. Er hatte inzwischen gelernt, dass es in Zeiten wie diesen nicht gerade sehr effizient war, nach erledigter Aufgabe gleich wieder den Weg zur heimatlichen Sternenbasis einzuschlagen. Zudem gab es für ein gut ausgestattetes Schiff wie die Scimitar keinen Grund immer wieder einen entsprechenden Stopp auf der Antares Sternenflottenwerft einzulegen, außer vielleicht um die Umrüstung am Schwesterschiff, der Avatar zu überwachen.
Aber Frank war sich sicher, dass Commander Carl Rychek diese Aufgabe ebenso gut durchführen konnte.

Der Captain hatte für alle Systeme auf dem Schiff eine Ebene drei Diagnose angeordnet. Nicht dass er auf die Systeme seines selbst erstellten Schiffes nicht vertraute, sondern eher, dass bereits der nächste Auftrag wieder die volle Einsatzbereitschaft, Flexibilität und nicht zuletzt die umfassende Kampfkraft erforderlich machen könnte. Auch das hatte er gelernt, selbst wenn es ohnehin eine Grundregel der Sternenflotte gab, welche ein derartiges Vorgehen unerlässlich machte.
Die Crew des Maschinenraums hatte sich mit besonderer Sorgfalt um die Systeme gekümmert, die bei dem Zusammentreffen mit den Jem’Hadar beschädigt worden waren und konnte bereits nach wenigen Stunden wieder melden, dass alles wie neu sei.
Frank Dekkers vermerkte in seinem Computerlogbuch, dass sich die Crew in dieser Situation vorbildlich verhalten hatte.

Noch hatte er nichts zu seinem ersten Offizier geschrieben, der alle durch seine Eigenmächtigkeit nicht nur einmal in eine schwierige Situation gebracht hatte, von der nicht nur das Leben der Crew sondern auch das ganze Schiff abhing.
Er hatte in seinem Datenfile auch den Nachweis, dass Jonathan West die Dateien über den fast Wirklichkeit gewordenen Warpkernbruch bereits gelesen hatte und dass er kurz davor versucht hatte seine selbst erstellten Protokolle erneut zu aktivieren, was sicherlich mit einem ähnlichen Desaster geendet hätte.
Der Captain konnte sich also denken, dass Mr. West sich darüber im Klaren war, was passiert war und vor allem warum es passiert war. Nun wollte er sehen, ob der neue Erste Offizier es wirklich Wert war, einen führenden Posten zu übernehmen.

Seinen Bericht an die Sternenflotte hatte er inzwischen vor mehr als einem Tag abgesandt und er rechnete stündlich mit einer neuen Anweisung. Die Dienstschichten waren inzwischen wieder auf einen normalen Dreischichtmodus umgestellt worden und so saß Fähnrich Chris Kester an der Kommunikationskonsole, als ein Prioritätsruf der Flotte auf der Scimitar einging.
„Captain, eine Nachricht von der Flotte, es ist Admiral Winters!“
meldete der junge Mann.
„Auf den Schirm!“ gab der Captain zurück und auf dem Hauptschirm der Brücke war der bildfüllende Oberkörper von Admiral Peter Winters zu sehen. Ein kleiner Hinweistext am unteren Rand wies darauf hin, dass dies lediglich eine Videobotschaft war und keine Kommunikationsverbindung.

„Captain, ich freue mich zu hören, dass Sie Ihren Auftrag so umfassend und erfolgreich abschließen konnten. Ich habe auf Ihren Eintrag hin nachgefasst, was Ihre Vermutung über die Breen betrifft. Man hält es im Geheimdienst der Sternenflotte für möglich, dass tatsächlich etwas dran ist an dieser Theorie.
Wir werden dieser Sache nachgehen.
Aber momentan haben wir ganz andere Probleme.
Nach einer Auseinandersetzung im Kareyas Sektor hat unsere Flotte eine schwer umkämpftes Planetensystem gerade noch halten können. Entsprechende Verstärkung ist unterwegs um die Verluste auszugleichen. Drei Schiffe erhielten den Befehl die nächste Sternenbasis anzulaufen, sind aber scheinbar auf dem Weg dorthin verschwunden.
Die Kopenhagen, die Budapest und die Wolga haben sich seit mehr als einer Woche nicht mehr gemeldet. Alle drei Schiffe sind zwar noch flugfähig, haben aber teils schwere Beschädigungen erlitten. Lediglich die U.S.S. Okinawa, ein Schiff der Akira Klasse wurde zum Schutz abgestellt, aber auch von ihr haben wir nichts mehr gehört.
Captain Werantas ist an sich ein zuverlässiger Mann, er würde es auf keinen Fall versäumen uns zu informieren, auch wenn nur die Möglichkeit einer Verspätung bestehen würde.
Wir müssen wohl unsere Grenzen noch besser abschotten. Möglicherweise sind in viel mehr Sektoren Schiffe des Dominion hinter unseren Linien unterwegs.
Sie sind diesem Sektor am Nächsten und haben den Auftrag zu prüfen was da vor sich geht. Wir überspielen gerade die Angaben in ihren Hauptcomputer.
Da wir mit weiteren Übergriffen rechnen, wollen wir Sie aber nicht ohne Verstärkung lassen. Wir werden ein weiteres Schiff entsenden, welches Sie im Operationsgebiet treffen wird. Es wird aber einige Zeit dauern.
Sie sollten umgehend starten, vielleicht hängt das Leben der Crews am seidenen Faden. Wir wissen es nicht. Aber wir können derzeit auf kein Schiff verzichten, daher auch dieser überaus wichtige Auftrag. Viel Glück Captain.“
Auf dem Bildschirm erschien das Logo der Sternenflotte und zeigte damit das Ende der Nachricht an.

Frank Dekkers musste nach dieser Nachricht erst einmal durchatmen. Es war also scheinbar noch viel schlimmer als der Admiral angenommen hatte. Waren die Welten der Föderation, die dicht hinter der Frontlinie lagen bereits weitläufig infiltriert von den Wechselbälgern und deren Jem’Hadar Truppen?
Frank wusste es nicht. Er wusste momentan überhaupt nichts mehr.
„Lieutenant Shelar. Sind die Daten der Schiffe bereits übertragen worden?“ Die Vulkanierin nickte.
„Gut, dann auf den Schirm damit, mal sehen was wir da haben. Ich will zumindest wissen, wonach wir suchen.“

Auf dem Hauptschirm erschien das Dossier der Sternenflotte über die U.S.S. Budapest. Ein mittlerer Kreuzer der Norway Klasse.
An Bord waren Einhundertzweiundneunzig Offiziere und Mannschaftsmitglieder. Das Schiff war kaum mehr als ein Jahr im Dienst. Auf dem Display scollten die Crewdaten und die bisherigen Einsätze durch.
Als Nächstes war die U.S.S. Kopenhagen zu sehen.
Ein leichter Kreuzer der Sabre Klasse, die mit einer Mannschaft von vierzig Personen ein eher kompaktes Schiff war und damit recht flexibel einsetzbar. Die Wege der Kommandokette waren kurz und effektiv.
Bei der U.S.S. Wolga handelte es sich um einen schweren Kreuzer der Steamrunner Klasse, der eine Mannschaft von immerhin zweihundertdreizehn Männern und Frauen aufwies.
Wie all die anderen Schiffe zählte auch die Wolga zum selben Kampfverband und war als letztem Einsatzort dem ständig wechselnden Frontverlauf im Kareyas Sektor gefolgt.
Wenn all diese Schiffe so herbe Schäden erlitten hatten, dann konnte sich Frank ausmalen was in den letzten Tagen an dieser Frontlinie passiert sein musste. Es waren immerhin die neuesten Schiffe, welche die Flotte in den letzten Jahren aufgelegt hatte. Waffen und Schilde waren auf dem neuesten Stand.
Der Captain gab die Anweisung den Bildschirm wieder auf die Außenansicht umzuschalten.
Zur U.S.S. Okinawa brauchte sich Frank keine Daten anzusehen. Er kannte das Schiff der Akira Klasse. Ein schwerer Kreuzer der fast so lang war wie sein Schiff und eine Besatzung von annähernd fünfhundert Personen hatte.
Er kannte Captain Werantas. Ein Mann mit kahlem Kopf und charismatischer Ausstrahlung, was aber für einen Deltaner absolut üblich war.
Der Admiral hatte Recht, dieser Mann würde die Flotte niemals über einen Auftrag im Unklaren lassen. Was allerdings gleichbedeutend war mit der Tatsache, dass all diesen Schiffen etwas zugestoßen sein musste, was zumindest ihre Kommunikationsfähigkeit so stark einschränkte, dass man seit mehreren Tagen nichts mehr von ihnen gehört hatte.

„Lieutenant Sanchez, setzen Sie Kurs auf den Kareyas Sektor, wir werden den Kurs dieser Schiffe nachvollziehen. Wir fliegen mit Warp 9!“
Sofort huschten die Finger des jungen Mannes über die Konsole und tippten die notwendigen Koordinaten ein.
„Kurs und Geschwindigkeit liegen an Captain.“ meldete der junge Mann von der Conn.
„In Ordnung, beschleunigen Sie.“ gab Frank zurück und sofort war auf dem Bildschirm zu sehen, wie sich die Sterne zu langen Streifen verzerrten.

„Lieutenant Shelar, wie sieht der aktuelle Frontverlauf aus?“
Die Vulkanierin tippte einige Angaben in die Konsole und der Hauptschirm wurde von einer taktischen Karte überlagert die mehrere Sektoren umfasste. Am unteren Bildrand war die Frontlinie zu erkennen. Mehrere Symbole der Sternenflotte waren darauf abgebildet.
Im rechten Bereich war zu sehen, aus welchem Bereich sie kamen und eine vorgezeichnete dünne Linie zeigte den Kurs bis knapp hinter die feindlichen Linien, praktisch die Position, von der die Flotte die letzte Information der vermissten Schiffe erhalten hatten.
Es war noch sehr nahe an der Frontlinie und Frank überlegte ob dort tatsächlich Schiffe der Jem’Hadar hinter den Linien der Föderation operierten, denn eigentlich war die Präsenz der Sternenflotte in diesem Sektor viel zu stark, als dass sie hindurch schlüpfen konnten.
Links an die gezeigten Sektoren knüpfte dann das Imperium der Breen an, die sich derzeit noch aus den Kämpfen heraushielten. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis sie sich für die eine oder andere Seite entscheiden würden.

„In Ordnung, wie lange werden wir brauchen bis wir am Bestimmungsort sind?“
Shelar las den Wert auf ihrem Display ab.
„Bei gegenwärtiger Geschwindigkeit sollten wir spätestens in Acht Stunden am Zielpunkt eintreffen.“ war die knappe Antwort. Sie verzichtete darauf, den geringen Anteil an Minuten und Sekunden zu nennen, auf den Menschen bei dieser Art der Kommunikation meist keinen Wert legten.
„Dann empfehle ich allen sich jetzt einige Stunden aufs Ohr zu legen. In ein paar Minuten ist Schichtwechsel und wir sollten ausgeruht sein, wenn wir dort ankommen.“ erklärte Frank, der für diese Empfehlung nur ein einfaches Nicken der Brückencrew erntete.

Der Captain hatte sich direkt nach der Ablösung in seinen Raum begeben. Er wusste, dass das was auch immer am nächsten Tag auf sie zukommen sollte, mit Sicherheit eine weitere Bewährungsprobe für die Crew werden würde.
Er befürchtete durchaus das Schlimmste. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass so etwas passiert war. Frank beschäftigte sich mit diesen Dingen immer wieder einmal, in dem er sich die Logbücher von anderen Schiffen zur Hand nahm und versuchte daraus zu lernen.
Er hatte sich schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden, damals zu Dienstbeginn als Fähnrich. Er kannte die Schrecken, die sich hinter verschollenen Schiffen verbargen, die meist zerstört waren und konnte sich vorstellen welches Leid dieser Krieg verursachte. Er hatte all das schon einmal erlebt, damals bei Wolf 359.

Während der Captain sich in seinen Raum zurückgezogen hatte, waren einige Offiziere doch noch ins Starlight Casino gegangen um den Tag bei einem Drink ausklingen zu lassen.
Neben Gerald Quist und Nilan saßen auch Miguel Rivera und der Chefingenieur Eddie noch auf den Hockern an der Bar und sahen sich das Sternenpanorama an, welches Ihnen entgegen flog.
Auch Jonathan West hatte noch keine Lust sich in sein Quartier zurückzuziehen. Ihn schien eine Sache zu beschäftigen, die er nur schwer aus seinem Kopf verbannen konnte. Den ganzen Tag hatte er auf dem Scoutschiff die Aufsicht geführt, aber weniger um dort die Bereitschaft aufrecht zu erhalten, als vielmehr um dem Captain aus dem Weg zu gehen. Obwohl er sich sicher war, dass der Captain seine Anweisungen bezüglich der Schaltflächenanordnung inzwischen kannte und sich auch zusammenreimen konnte, dass dieser Fehler zu der Beinahekatastrophe geführt hatte, die sich auf dem Scoutschiff ereignete, hatte er ihn nicht zu sich gerufen.
Er fragte sich warum.
Sicher würde er ihn ohne Angabe von Gründen einfach versetzen. Diese Vorgehensweise war ihm schließlich nicht neu.
Er setzte sich an den Tresen, neben den Chefingenieur und bestellte ein Rootbier.

„Hoffentlich haben wir auch weiterhin so viel Glück wie bisher Commander.“ Sagte Eddie und hob sein Glas um dem ersten Offizier zuzuprosten.
„Wie meinen Sie das?“ wollte Jonathan West wissen, der vermutete, dass der Chefingenieur sicher genau über die Ereignisse auf dem Scoutschiff bescheid wusste.
„Nun, wir konnten die Jem’Hadar bei dem Gasriesen mit dem Scout abhängen und hatten auch noch das Glück, dass dieses Schiff mit angedocktem Hauptschiff auf Warp gehen kann.
Das war schon eine ganz schön heiße Nummer.
Ich hätte nie im Traum daran gedacht, dass so etwas wirklich geht und mir ist in meiner Ingenieurslaubahn schon so ziemlich alles untergekommen.“
Gerald Quist beugte sich ein wenig vor und sagte:
„Ich glaube kaum, dass der Captain wusste, dass ein solches Manöver wirklich funktioniert. Aber in der Situation hieß es wohl entweder Alle retten oder alles verlieren.“

„Der Captain wäre ein schlechter Captain, wenn er nicht versuchen würde auch das Hauptschiff aus der Gefahrenzone zu bringen. Sonst hätten sich die Jem’Hadar sicherlich auf unser Schiff gestürzt und uns in Schutt und Asche geschossen.“ gab Nilan die Bolianerin zurück, während sie an Ihrem Drink nippte.
„Wir können wirklich von Glück sagen, dass wir nicht so einen alten Knochen als Captain haben, wie den zum Beispiel, der jetzt unser Schwesterschiff übernehmen wird.“ erklärte sie weiter.
„Wie kommst Du denn darauf?“ wollte Lieutenant Rivera wissen, der sich nun auch an der Unterhaltung beteiligte.
„Ich habe eine Schwester, die gemeinsam mit ihm gedient hat. Er ist ein alter bösartiger Knochen. Er ist nicht gerade sehr zimperlich im Umgang mit seiner Crew. Es interessiert ihn nicht was die Leute denken oder ob sie sich unter seiner Führung wohl fühlen.
Meine Schwester hat gesagt, dass er bereits das dritte Schiff zu Bruch geflogen hat, in der Zeit in der sie in seiner Crew war.
Er ist zwar immer als Gewinner aus seinen Kämpfen hervorgegangen, aber sie meinte, es wäre auch gegangen ohne so hart mit dem Schiff umzugehen.“
Lieutenant Rivera hob sein Glas an und prostete den Kollegen zu.
„Das wird unseren Captain nicht gerade erfreuen, wo er doch das Schiffsdesign selbst erstellt hat. So einen Captain hat auch die Avatar nicht verdient.“
Lieutenant Quist und Nilan konnten dem nur zustimmen.
„Kommt, lasst uns ans Fenster gehen!“ sagte Nilan, nahm ihren Drink mit und ging mit Gerald Quist und Miguel Rivera nach vorne an die Fenster, wo sie sich zu Karen Walters, Dennis Franjo und Erin Pan setzten.

Nun waren nur noch Jonathan West und Edward Williams der Chefingenieur auf den Hockern an der Bar.
Aber als der Ingenieur plötzlich das Thema des Warpkernbruchs anschnitt schien Commander West das Blut in den Adern zu gefrieren.
„Haben Sie eigentlich schon mit dem Captain über den Zwischenfall auf dem Scoutschiff gesprochen Commander?“
West zuckte unmerklich zusammen.
„Nein Chief, ich hatte noch keine Gelegenheit.“ Log der erste Offizier.
„Wie kommen Sie darauf?“
Eddie drehte sein Glas auf dem Untersetzer und Jonathan wusste nicht genau was der Chefingenieur damit sagen wollte.
„Verstehen sie mich nicht falsch Sir, aber Sie sollten mit Captain Dekkers über geeignete Maßnahmen sprechen, dass so etwas nicht mehr vorkommen kann.
Ich weiß, dass es vielen Crewmitgliedern schwer gefallen ist sich an das neue Design zu gewöhnen, aber wir sind Profis, wir werden mit jeder Situation fertig.

Wissen Sie, ich war stolz, dass ich auf dieses Schiff kommen konnte und einer der Ersten war, die mit diesem nagelneuen Schiff, dieser neuen Einrichtung und den neuen Kontrollen arbeiten durfte. Das was wir heute bedienen wird in ein paar Jahren der neue Standard der Flotte sein, davon bin ich überzeugt.
Wir sollten nicht den alten Dingen nachhängen, sondern uns den Neuerungen öffnen, sie akzeptieren und auch verwenden.“

Jonathan West war ein wenig verwirrt. Wollte man ihn nun zum Narren halten, oder konnte es tatsächlich sein, dass der Ingenieur nicht die Zusammenhänge erkannte? Gerade der Chefingenieur der den Bericht erstellt hatte, musste doch wahrscheinlich wissen, dass der erste Offizier dafür verantwortlich war.
Auf die Idee, dass ihm Edward Williams ihm etwas durch die Blum sagen wollte, kam er erst gar nicht.
„Aber Chief, der Befehl zur Umstellung auf diese anderen Schaltflächen…“
„Ich weiß Commander…“ unterbrach ihn der Chefingenieur jetzt, da er erkannte, dass West es mit versteckten Hinweisen nicht verstehen konnte.
„…der Befehl stammte von Ihnen und das Standarddesign der Sternenflotte haben Sie in mühevoller Kleinarbeit auf unsere Konsolen angepasst.
Es steht mir nicht zu Ihre Befehle in Frage zu stellen, zumal Sie diesen nicht an mich gerichtet haben. Aber ich möchte nicht, dass sich so etwas noch einmal wiederholt.
Vielleicht haben wir beim nächsten Mal nicht mehr so viel Glück.“ Damit stand Eddie auf und verließ das Casino.

Jonathan West spürte, wie sich ein Klos in seinem Hals bildete und das Blut in seinen Kopf schoss.
So deutlich hatte er es gar nicht wissen wollen. Aber zumindest war der Offizier ehrlich gewesen und hatte ihm seine persönliche Meinung mitgeteilt.
Eddie wusste wohl noch nicht, dass er diesen Befehl ein weiteres Mal gegeben hatte und es nur der Weitsicht des Captains zu verdanken war, dass der Computer ihn nicht ausführen wollte.
Er kam wohl nicht umhin mit dem Captain zu sprechen.
Ein Blick auf die Uhr sagte ihm allerdings, dass er den Captain heute sicherlich nicht mehr stören sollte.

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