Kapitel 19
„Status Fähnrich Miyaoka?“
Wikland schaute den kleinen Japaner an, der gerade an der Navigationskonsole Dienst hatte.
„Fünf Minuten bei gegenwärtiger Geschwindigkeit Sir!“
Die Zeit wurde verdammt knapp. Obwohl sie die Fluggeschwindigkeit erhöht hatten war es ihnen nicht ganz gelungen die Zeitdifferenz aufzuholen. Selbst bei optimaler Leistung würde die Energie der Sonde, deren Bild noch immer stabil war, in zwei Minuten versagen. Wikland hatte es gegen den Rat seiner Führungsoffiziere vermieden die Notenergie in den Antrieb zu leiten, da er beim Eintreffen nicht hilflos im Raum hängen wollte, wenn der Antrieb eine Abkühlphase benötigte.
So näherte sich die Alexandria der Position an der sie die Sonde zurückgelassen hatten und auch das Schiff der Dalerianer hing noch immer wie eine große dunkle Gewitterwolke über der Holoprojektion.
Den Abtastern zufolge hatte sich weder die Sigortaan noch die Sonde von ihrem Platz bewegt.
„Nummer eins, wie wollen Sie die Annäherung an die Sonde durchführen? Wir müssen ja den genauen Platz wieder einnehmen und unseren Anflug können wir nicht tarnen.“
Roger van Dyke, der an der hinteren Konsolenwand stand, drehte sich zu Wikland, der ihn angesprochen hatte.
„Sir, ich habe den Kurs so programmiert, dass wir von hinten auf die Sonde zufliegen und genau auf die Position kommen die wir verlassen haben. Um die sichtbare Anflugphase so kurz wie möglich zu halten werden wir die maximale Energie Auf die Trägheitsdämpfer geben und drei Sekunden vor unserem Zielpunkt unter Warp gehen. Dann werden wir mit einem Energiestoß aus dem Hauptdeflektor einen millimetergenauen Stopp vornehmen. Das Ganze wird durch unseren Navigationscomputer automatisch gesteuert, da die Einstellungen zu komplex sind um sie manuell durchzuführen. Unsere einzige Sorge ist, dass die Projektion vorher zusammenbrechen wird. Wir müssen also wachsam sein um eventuelle Notmaßnahmen direkt einleiten zu können.“
Wikland nickte kurz.
„Verstanden, na dann los!“
Auf der Konsole der Wissenschaftsstation war die Projektion der Sonde zu sehen und das Videosignal welches übertragen wurde. Daneben wurde die Restzeit angezeigt, die nach der Berechnung des Energieverbrauches noch für die Projektion zur Verfügung stand. Es waren nur noch wenige Sekunden. Während sich die Alexandria dem Zielpunkt näherte zählte die Uhr auf null und der Computer meldete:
„Die Energie für die Projektion der U.S.S. Alexandria ist aufgebraucht. Die Simulation wird beendet.“
Erstaunlicherweise waren das Bildsignal und auch die Energiewerte der Projektion noch immer vorhanden. Was bedeutete, dass noch eine gewisse Restenergiemenge vorhanden war. Van Dyke übergab die Kontrolle des Schiffs an den Navigationscomputer und aktivierte das Unterprogramm.
Die Alexandria ging wenige Sekunden danach unter Warp und im selben Augenblick verschwanden alle Anzeigen der Sonde von den Bildschirmen. Die Holoprojektion blinkte noch einmal kurz auf und erlosch dann. Einzig ein kleiner Metallkörper von zwei Metern Länge schwebte unter der Sigortaan und war nur noch ein energieloses Stück Technik.
Zwei Sekunden später wurde sie von dem Föderationsschiff überdeckt und war nicht mehr zu sehen.
Wikland wartete einen Augenblick um die Situation zu bewerten, aber es geschah nichts. Das Schiff der Dalerianer veränderte weder seine Position noch waren ansteigende Energiewerte zu messen. Wikland schaute sich um und gab dann Roger van Dyke und Andy Duke ein Zeichen ihm in seinen Raum zu folgen.
Nachdem sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, fragte er seine beiden Führungsoffiziere:
„Wie beurteilen Sie die Situation meine Herren? und wie würden Sie weiter vorgehen?“
Andy Duke blickte den Captain an und sagte:
„Nun, als Sicherheitschef muss ich Ihnen dringend empfehlen, Alarmstufe Rot auszurufen und das Schiff in höchste Bereitschaft zu versetzen. Wir wissen nicht, wie die Dalerianer reagieren werden. Es ist möglich, dass sie unseren Schwindel bemerkt haben und jetzt die vorher angedrohten Vergeltungsmaßnahmen zur Anwendung kommen.“
Roger van Dyke blickte aus dem Fenster und konnte einen Teil des Rumpfes erkennen, der einen Eindruck von der imposanten Größe des fremden Schiffes vermittelte.
„Captain, bei aller nötigen Vorsicht gehört auch zu so einem wunderschönen Bluff die nötige Selbstüberzeugung und Selbstsicherheit. Ich bin der Ansicht, dass wir unser Spiel ruhig weiterführen sollten, wenn Sie beim Pokern ein schlechtes Blatt in der Hand haben erzählen Sie es ja auch niemandem. Tun wir einfach so, als wären wir nie weg gewesen, egal was die Dalerianer sagen, wer kann uns das Gegenteil beweisen, schließlich sind wir doch hier, oder?“
Wikland wägte die Vorschläge ab, er dachte an seine Entscheidung bei Sakras 5, für die er sich sicherlich noch an anderer Stelle verantworten musste. Für den Moment wollte er sich lieber auf die Urteilskraft seines Stabes verlassen.
Irgendwie widerstrebte es ihm, das Schiff schon wieder in Gefechtsbereitschaft zu versetzen, andererseits durfte man sich seinem Schicksal auch nicht schutzlos ergeben.
„In Ordnung, Commander van Dyke ich denke Ihr Vorschlag hat seine Vorzüge, aber ich will auch die Crew und das Schiff so wenig wie möglich gefährden. Ein wenig Wachsamkeit kann nie schaden. Gehen Sie auf Alarmstufe gelb. Wenn sich in 15 Minuten noch keiner gemeldet hat, ergreifen wir das Wort. Das ist alles, vielen Dank meine Herren.“
Van Dyke und Duke verließen den Bereitschaftsraum nur Wikland blieb am Fester stehen und blickte hinaus auf die Sigortaan. Er überlegte, welcher Teufel Ihn geritten hatte, dass er sich noch einmal hierher begeben hatte. Eigentlich hätte er direkt zur Sternenbasis fliegen und den nächsten Auftrag ausführen können. Aber er war nun mal aus einem anderen Holz geschnitzt.
Er hasste es, angefangene Dinge liegen zu lassen oder ganz beiseite zu legen. Er war sich seiner Pflicht als Sternenflottenoffizier bewusst. Natürlich erwartete man von Ihm, dass er über seinen Flug durch diesen Sektor einen Bericht abgeben würde, und man baute darauf, dass dieser kürzere Weg auch künftig von anderen Versorgungsschiffen genutzt werden konnte.
Das war aber nur dann möglich, wenn er seine Aufgabe hier zu Ende brachte. Zudem gab es für einen gestandenen nordischen Mann keine Herausforderung, der er sich nicht stellen würde. Er war sich sicher, dass er einen Ausweg aus dieser Situation finden würde, auch wenn die Verständigung mit den Dalerianern sehr mühselig werden würde.
Er beschloss, sich noch einmal die Aufzeichnung der ersten Gespräche anzusehen um sich auf die kommende Aufgabe vorzubereiten. Auch die Videoprojektion der Sonde ließ er in kurzen Sätzen über den Schirm gehen, um zu sehen, welche Informationen die Dalerianer erhalten hatten.
* * *
Eine halbe Stunde war seit der Ankunft der Alexandria vergangen und nichts hatte sich ereignet. Der Captain hatte alle Informationen noch einmal gründlich gesichtet und war bereit den nächsten Schritt zu tun.
Er drehte sich zur Kommunikationskonsole um und gab die Anweisung eine Verbindung zur Sigortaan herzustellen. Es dauerte einige Sekunden, dann erschienen das bereits gewohnte Bild auf dem Hauptschirm, welches den Raum mit dem großen Tisch zeigte. Auf den Stühlen saßen zwei Dalerianer, Karthofeen und ein anderer, der Ihnen noch nicht vorgestellt worden war. Ihre Gesichter sahen übernächtigt aus aber im Gegensatz zu den menschlichen Zügen, die meist nach einer durchzechten Nacht deutlichen Veränderungen unterlagen waren außer einer blassen Farbe und einigen Flecken an der Stirn keine Zeichen im Gesicht zu erkennen. Die restliche Körperhaltung deutete jedoch auf eine totale Erschöpfung hin.
„Ich grüße Sie Karthofeen Alvat der Sigortaan. Ich hoffe die von uns abgegebene Erklärung konnte Ihnen den Sinn unserer Reise und die friedliche Absicht unserer Föderation in angemessener Art und Weise verdeutlichen, wozu ich bemerken möchte, dass dies nur ein kleiner Teil unserer Informationen ist, den wir Ihnen zu geben bereit sind.“ Sagte Wikland.
Der Dalerianer hob den Kopf ein wenig und antwortete:
„Wir haben Ihre Informationen sorgfältig aufgenommen und bewertet, aber bitte gewähren Sie uns eine angemessene Ruhephase, wir melden uns bei Ihnen. Bitte halten Sie Ihre Position.“
Damit verschwand das Bild vom Hauptschirm und die Sigortaan füllte wieder die ganze Wand aus.
„Was war denn das?“ wollte van Dyke wissen. Er schüttelte den Kopf und blickte Wikland verwirrt an.
„Keine Ahnung Nummer eins, aber wie auch immer, sie sehen ziemlich mitgenommen aus. Man könnte fast meinen, sie hätten seit Tagen nicht mehr geschlafen. Behalten Sie Position und auch Alarmstufe gelb bei. Wir warten ab was passiert. Halten Sie mich über den Status auf dem Laufenden, auch was die Reparaturen an unseren Shuttles und Runabouts betrifft.“ Damit ging er in den Bereitschaftsraum.
Bis zum Schichtende ereignete sich nichts mehr und auch Wikland hatte an diesem Tag keinen Sinn mehr für weitere Studien, er Übergab die Brücke an Lt. Commander Stephanie Hawkins, die häufig in der Deltaschicht arbeitete. Die kleine und sportliche Person strahlte ein gewisses Etwas aus, welches den Captain häufig an seine verstorbene Frau erinnerte. Vielleicht war es auch nur die ähnliche Frisur, oder eine ganz bestimmte Körperhaltung. Er wusste es nicht. Er schüttelte den Kopf, als könne er sich so von diesen unliebsamen Gedanken befreien und ging mit schnellen Schritten zum Turbolift. Bevor er eintrat sagte er:
„Denken Sie daran mich zu wecken, wenn sich etwas tut. Auch wenn es bedeutet, dass Sie mich aus dem Schlaf reißen müssen. Ich verspreche, dass Sie nicht mehr als ein Bein und einen Arm verlieren.“
Ihr leichtes Lächeln, welches er noch wahrnehmen konnte bevor sich die Tür des Turboliftes schloss empfand er als angenehm erfrischend.
Als das Türsignal ertönte rief J.J. bedenkenlos herein, obwohl sie nur in einen Bademantel gehüllt vor dem Spiegel stand und sich die Haare mit einem Tuch trocken rubbelte. Wenn Sie schon nur Ultraschallduschen hatten, so war wenigstens die Möglichkeit gegeben in einem kleinen Becken die Haare mit Wasser zu reinigen und die entsprechenden Pflegestoffe aufzubringen. Sie stand noch immer mit dem Rücken zur Tür und hatte nicht bemerkt, dass Roger van Dyke inzwischen eingetreten war. Erst als das leichte Zischen erkennen ließ, dass sich die Tür wieder geschlossen hatte, fuhr sie herum.
„Commander, was machen Sie denn hier?“ rief sie erstaunt und versuchte schnell ihre Haare zu ordnen die in alle Himmelsrichtungen abstanden.
Van Dyke blickte an sich herunter, und suchte demonstrativ nach den nicht vorhandenen Rangabzeichen an seiner Freizeitkleidung „Welcher Commander?“ fragte er und blickte Jefferson dabei mit einem freimütigen Lächeln an. Gleichzeitig nahm er seine rechte Hand hinter dem Rücken hervor und hielt ihr eine langstielige rote Rose entgegen, die er dem botanischen Offizier im Arboretum für eine kleine Reparatur der automatischen Bewässerungsanlage abgerungen hatte.
„Abendessen, schon vergessen? Sie bestimmen das Essen, ich Zeit und Ort.“ sagte er mit einem fragenden Blick.
Jaqueline freute sich sehr über die Rose, sie nahm eine dünne hohe Vase aus einer der Schubladen und füllte sie mit Wasser, steckte die Rose hinein und platzierte sie auf dem niedrigen Couchtisch.
„Oh Gott, ich hätte nie gedacht, dass Sie diesen Scherz wirklich ernst nehmen!“ sagte sie, drehte sich zu van Dyke und verschränkte die Arme vor der Brust.
Van Dyke griff mit der rechten Hand an die Verstrebung der Schiffskonstruktion, die hier auf Deck sieben wie eine Dachschräge langsam bis zum Boden lief.
„Nun, normalerweise pflege ich auch nicht meine Scherze in die Tat umzusetzen, aber ich dachte mir wir beide haben uns einen ruhigen Abend in der Bar verdient, und wieso sollen wir ihn denn jeder für sich alleine verbringen. Ich gebe zu, ich hätte gerne etwas Gesellschaft und Sie sind meine erste Wahl. Einverstanden?“
Jefferson druckste zunächst etwas verlegen herum aber entschied sich dann doch mitzugehen.
„Ja, na klar, wieso eigentlich nicht. Treffen wir uns im Lookout in zehn Minuten, ich bin zwar schon ein bisschen verrückt, aber nicht so verrückt, dass ich in diesem Aufzug durchs Schiff stolziere.“
Dabei wies sie mit Ihrer rechten Hand auf den blauen Bademantel aus glitzerndem glatten Stoff, der bis zum Boden reichte.
„In Ordnung, ich halte uns einen schönen Tisch frei. In zehn Minuten also. Bis dann.“
Damit verließ er das Quartier und Jefferson wandte sich wieder dem Spiegel zu wobei sie einen Schreck bekam. Wie? so hatte sie vor van Dyke gestanden? Ihre Haare sahen aus wie die zottige Mähne eines Langhaarhundes nach der Wäsche mit einem Gartenschlauch. Wie sollte Sie das in der kurzen Zeit nur geregelt bekommen.
Van Dyke hatte einen Platz in der Ecke direkt vor den Fenstern gewählt.
Auf dem Tisch standen eine Kerze und zwei Gläser mit einem leicht bläulichen Getränk. Die Bar war an diesem Abend nicht sehr stark besucht. Das mochte auch daran liegen, dass immer noch einige Sonderschichten in den Shuttleabteilungen mit der Reparatur beschäftigt waren, oder an der Aufführung des Theaterstückes für das einige der Crewmitglieder in ihrer spärlichen Freizeit geübt hatten.
Als Jaqueline Jefferson den Raum betrat stand er höflich auf und rückte ihr den Stuhl zurecht.
„Oh, ein Kavalier der alten Schule, was?“
Van Dyke lächelte, „Nun, man tut was man kann.“
Sie nahmen beide einen Schluck des orionischen Weins und blickten durch die Fenster in den Weltraum. Die Sigortaan schwebte über Ihnen und so konnten sie in die Tiefe des Weltalls schauen, als stünden sie am Rand einer Klippe.
„Ich fand es übrigens sehr nett, dass Sie mir wiederholt mit einem kleinen Tip auf die Sprünge geholfen haben Commander, dass war bislang nicht im Fahrpreis mit inbegriffen. Die meisten Führungsoffiziere scheren sich einen feuchten Kehricht um den Lösungsweg. Sie wollen nur die Resultate, und das am besten Blitzschnell.“ erklärte Jaqueline Jefferson.
„Nun, dann will ich auch jetzt nicht mit Vorschlägen geizen. Wie wäre es wenn Sie einfach den Commander mal weglassen, den höre ich im Dienst oft genug. Sagen Sie einfach Roger, das reicht.“
Jaqueline Jefferson lächelte.
„Okay, aber nur unter der Bedingung das Sie mich J.J. nennen. Das ist ein Vorrecht, dass nur meinen Freunden zusteht.“ und damit reichte sie ihm die Hand über den Tisch. Er nahm die Hand und drückte sie mit einem freundschaftlich festen Druck. „Ich freue mich, dass ich mich zu den Privilegierten zählen darf!“ spielte er mit künstlich aufgesetzter ernster Mine. Damit hob er sein Glas und nahm einen Schluck.
„OK, was essen wir heute? ich bin gespannt auf Ihre Auswahl.“ J.J. drückte einige Anweisungen in das PADD das auf dem Tisch lag und gab es dem Crewman, der für die Bedienung verantwortlich war.
„Lassen Sie sich überraschen, es wird Ihnen sicher gefallen.“ antwortete sie lächelnd.
„Sagen Sie mal Roger, Sie lassen nicht gerne den Führungsoffizier heraushängen oder? Ich habe eher das Gefühl, dass Sie ständig versuchen sich mit Ihren Kollegen auf die gleiche Stufe zu stellen.“
Van Dyke wurde ein wenig verlegen.
„Nun ja, ich kann natürlich auch den harten Kerl spielen, aber es entspricht nicht meinem Naturell. Sicher, wenn es darauf ankommt, kann nur eiserne Disziplin und eine klare und präzise Führung den Erfolg garantieren. Aber sind wir doch mal ehrlich, dass Letzte was wir brauchen wenn wir ein Problem haben ist ein ungeduldiger quengelnder Vorgesetzter, der uns alle paar Minuten auf die Nerven geht, wann wir denn endlich fertig sind.
Ich habe für mich recht früh erkannt, dass man viel mehr erreicht, wenn man sich auf gleicher Ebene trifft und Erfahrungen austauscht oder neue Ideen in eine verfahrene Situation einbringt. Ein Unbeteiligter hat oft einen anderen Blickwinkel und sieht die Lösung ohne große Anstrengungen. Ich habe mir angewöhnt, wenn ich irgendwie festhänge, frage ich einfach jemand anderen und meist kommt mit der anderen Sichtweise schnell ein Lösungsweg.“
J.J. nickte verständig.
„Sie meinen sowas wie das Fass mit dem Wasser? oder die offensichtlichen Dinge, die man als selbstverständlich ansieht ja?“ Roger musste lachen und nickte langsam.
„Ja genau, das Wasser. Ein blödes Beispiel nicht wahr, aber mir ist auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen. Aber wir reden immer nur von der Arbeit, was machen Sie eigentlich in Ihrer Freizeit J.J.?“
Bevor Jaqueline antworten konnte brachte der Crewman die Suppe, die sehr gut duftete.
Eine rigelianische Wurzelcremesuppe, die mit feinen Gemüsestreifen versehen, und liebevoll mit kleinen Kräuterstückchen verziert war. Sie war heiß und dampfte appetitlich.
Während sie langsam Ihre Suppe löffelten erzählte J.J. ein wenig über Ihre Interessen:
„Nun ich mag’s gern wenn ein bisschen was los ist, ich gehe oft zu den kleinen Partys, die von meinen Freunden veranstaltet werden und wenn sich die Gelegenheit bietet, gehe ich mit Vorliebe ins Theater, was auch der Grund dafür ist, dass ich Sie spätestens in zwei Stunden verlasse, denn meinen Platz bei der Aufführung würde ich für nichts auf der Welt aufgeben.
Im Übrigen liebe ich Tiere ganz besonders und im speziellen Pferde. Aber mein liebstes Hobby ist immer noch die Fliegerei. Ich bin Pilotin mit Leib und Seele. Irgendwann will ich mal eins dieser alten Fluggeräte steuern, die noch ohne Navigationscomputer geflogen wurden, einfach mit den Händen am Steuer reißen und zack, rum um die Kurve, das wär’s mal. Leider stehen diese Dinger alle unter Denkmalschutz oder hängen im Museum an der Decke. Bis jetzt habe ich noch keins gefunden mit dem ich mal eine Runde hätte drehen können.“
Sie schenkte van Dyke ein erfrischendes Lächeln und legte den Löffel in den leeren Teller. Dann ließ sie sich in Ihren Stuhl zurücksinken und blickte ihn unverbindlich an.
„So, nun sind Sie an der Reihe“ Sagte sie verschränkte Ihre Arme und streckte die Füße aus.
„Oh, da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich treibe ein wenig Sport und bin vernarrt in Automobile, die Fortbewegungsmittel des späten zwanzigsten Jahrhunderts. Ich habe sogar mal an einer Rennserie teilgenommen und einige Pokale Zuhause im Schrank stehen. Wenn ich mich entspannen will höre ich meine Lieblingsmusik, die auch aus dieser Zeitperiode stammt, der neue Kram verursacht bei mir immer nervöse Magenkrämpfe...“
J.J. musste lachen, denn ihr ging es ähnlich. Auch sie hatte einen Hang zur alten Musik, zu der sie auch gerne tanzte.
Inzwischen war der Hauptgang eingetroffen und beide machten sich daran das virgonische Huhn zu zerlegen. Es war ein Wunder, dass der Replikator hier eine so gute Qualität erzeugen konnte, wo doch das Essen in der Offizierskantine bei weitem nicht den gleichen Geschmack erreichte. Alle Zutaten machten den Eindruck als seien sie frisch geerntet und direkt zubereitet.
„Sagen Sie J.J., wie kommt es, dass das Essen hier einen so natürlichen Duft und markanten Geschmack hat. Hat hier unser Wunderkind Carter den Replikator eingestellt?“
J.J. musste erst einmal schlucken, denn sie hatte gerade kräftig von dem Hähnchen abgebissen.
„Nein, ganz bestimmt nicht, und ich würde Ihnen auch nicht raten dieses Menü an einem anderen Tag erneut zu bestellen. Sie werden bestimmt enttäuscht sein. Wissen Sie, auch meine Fähigkeiten sind dann und wann zu unchristlichen Zeiten an den unmöglichsten Orten gefragt, und inzwischen ist die Liste der Gefallen die man mir schuldet ungefähr so lang wie die vulkanische Ritualerklärung zum Fal-tor-pan. Nein, Roger, was Sie da gerade genussvoll zu sich nehmen war gestern noch in der Erde und morgen früh beim Appell in der Tierfarm wird dieses arme Huhn ebenfalls auf der Mannschaftsliste fehlen.“
Roger van Dyke lächelte, während sie das Gericht mit Genuss verzehrten. Er hatte recht behalten, es war eine gute Idee gewesen mit J.J. einen gemeinsamen Abend zu verbringen er hatte in ihr einen ersten Freund auf diesem Schiff gefunden.
* * *
Es waren mehr als zwölf Stunden vergangen, als sich Carah Pehl von der Kom-Station meldete:
„Captain, ich erhalte einen Ruf von der Sigortaan.“
Wikland blickte von seinem Logbucheintrag auf und legte das PADD zur Seite. Er hatte viel Zeit des vergangenen Abends investiert, um sich an die Sprachgewohnheiten der Dalerianer zu gewöhnen und sich die Worte für ein langes und hartes Verhandlungsgespräch zurechtgelegt.
„Gut, auf den Schirm damit.“ erwiderte er und richtete sich in seinem Sessel ein wenig auf. Auf dem Bildschirm erschienen die vertrauten Gesichter, die ihnen seit dem ersten Kontakt bekannt waren. Sie sahen frisch und erholt aus und hatten wieder deutlich mehr Farbe.
Wikland wollte den Dalerianer gerade begrüßen, aber Karthofeen kam ihm zuvor.
„Ich grüße Sie Captain Wikland.
Bevor Sie sich die Mühe machen, unsere Kommunikationsgewohnheiten zu adaptiern möchten wir Sie wissen lassen, dass wir aus Ihren Ausführungen gelernt haben, wie sich Ihre Rasse untereinander verständigt. Auch wenn diese verkürzte Ausdrucksform nur wenig Informationen vermittelt, so waren wir doch in der Lage Ihre Intensionen für das Eindringen in unser Gebiet zu verstehen und haben unseren Sprachübersetzer entsprechend neu konfiguriert. Es ist sicherlich einfacher für Sie, wenn Sie Ihre Angaben ohne große Veränderungen an Sprache und Gestik vortragen können.
Bitte entschuldigen Sie, dass wir Sie so lange warten ließen, aber Ihr Vortrag war doch sehr lang und interessant. Sie müssen wissen, dass es bei unserer Spezies üblich ist, dass alle an der Kommunikation teilnehmen und man einen Redner nicht durch Fragen oder eigene Wünsche unterbricht. Insofern hatten wir eine lange Konzentrationsphase hinter uns und waren nach dem etwas abrupten Ende Ihrer Rede sehr erschöpft. Wir sind überdies sehr verwundert, dass Ihre Spezies auch bei einer so langwierigen Erklärung keine Regenerationspause benötigt. “
Wikland war sichtlich überrascht. Der plötzliche Sinneswandel kam selbst für ihn völlig unerwartet.
„Nun, ich freue mich, dass Sie soviel Verständnis für uns aufbringen und es ist mir eine Ehre, dass mein Vortrag über die Föderation eine Klärung herbeigeführt hat.“
Karthofeen blickte seine beiden Crewmitglieder an und wandte sich dann wieder dem Captain zu.
„Wir sind erstaunt, dass Ihre Gemeinschaft diesen Sektor nicht schon viel früher bereist hat. Einige Individuen unserer Rasse hatten schon Kontakt zu Ihrem Volk. Meist waren es Reisende, die sich in den Randregionen aufhielten. Unglücklicherweise kam es durch die ungenügende Kommunikation häufig zu Missverständnissen, die nicht selten mit dem Tod der jeweiligen Personen endete.“
Wikland nickte mit dem Kopf und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass die Dalerianer mit ihrem plötzlichen Verhaltenswechsel sein ganzes Konzept über den Haufen geworfen hatten. Jetzt musste er zusehen, wie er sich geschickt aus dieser Situation befreien konnte.
„Alvat Karthofeen, die Föderation hat diesen Sektor bislang noch nicht erforscht, da unser Gebiet im angrenzenden Sektor an ein benachbartes Hoheitsgebiet, das Romulanische Imperium, grenzt. Durch die kleinen Konflikte und die Reibereien zwischen den Völkergruppen ist dort besondere Vorsicht von Nöten. Dieses Gebiet hier ist durchsetzt von vielen Pulsaren, Sternenhaufen und Clustern, so dass es schwer zu kartographieren ist. Selbst mehrere Schiffe würden aufgrund der Komplexität hierfür mehr als zwei Jahre brauchen. Wir möchten jedoch zunächst gerne erste Kontakte mit Ihrem Volk aufnehmen und wenn es sich für beide Seiten als nützlich erweist diesen Teil des Universums eventuell unter Ihrer Mithilfe katalogisieren.“
Auf dem konturlosen Gesicht von Palatiin zeichnete sich so etwas wie ein Lächeln ab.
„Nun Captain, die Informationen Ihres wirklich sehr langen Vortrages haben auch uns neugierig auf Ihre Rasse und im besonderen auf Ihre Föderation gemacht. Wir haben Ihre Prinzipien genau studiert und können Ihnen voller Freude mitteilen, dass der Kontakt mit unserem Volk nicht mehr nach Ihrer obersten Direktive erfolgen muss. Wir haben inzwischen einen Entwicklungsstand erreicht, der eher geeignet ist, dass wir eine solche Einschränkung eingehen müssen. Wir sehen jedoch auch die Tatsache, dass sich aus einer gegenseitigen Akzeptanz Vorteile für beide Kulturen ergeben können, welche die Entwicklung der einzelnen Völker positiv beeinflussen kann. Ich bin sicher, Sie möchten die Verantwortungsbereiche meiner Berater kennenlernen, denn mit den Titeln, die wir Ihnen Anfangs nannten, konnte Ihr Übersetzungscomputer wahrscheinlich nichts anfangen. Das hier...“ er deutete auf Trelluut, der sich leicht verneigte
„...ist unser Astovar, was auf Ihrem Schiff der Stellung als erster Offizier entspricht, außerdem ist er Botschafter des dalerianischen Volkes für den Kontakt mit fremden Rassen. Mein Berater rechts von mir...“ dabei wies er auf Palatiin, der ebenfalls eine kurze Verbeugung andeutete,
„...ist der Vestral unseres Schiffes. In Ihrer Gemeinschaft würde man es als Kulturwissenschaftler bezeichnen. Gemeinsam haben wir Ihre Angaben mit großem Interesse verfolgt.“
Wikland blickte sich auf der Brücke um, alle Offiziere widmeten Ihre Aufmerksamkeit den Kontrollen, lediglich Roger van Dyke und Andy Duke, verfolgten das Gespräch auf dem Hauptschirm.
„Nun Alvat Karthofeen...“ begann Wikland
„...vielen Dank für diesen ersten Einblick in die Struktur und Handlungsweise Ihrer Crew. Ich bin sicher, dass wir einen Konsens bezüglich unseres Weiterfluges ausarbeiten können, nun da wir die jeweils andere Seite ein wenig besser kennen gelernt haben. Ich möchte Sie daher einladen, uns hier auf der Alexandria zu besuchen, damit wir weitere Einzelheiten besprechen können. Wir verfügen über die Technik eines ‘Ort zu Ort Transfers’ und könnten Sie ohne weitere Umstände an Bord holen.“ Schlug Wikland vor
Karthofeen beugte sich vor und kam der Kamera etwas näher. Auch bei dieser Perspektive waren auf seinem Gesicht keinerlei Konturen erkennbar.
„Das wird leider nicht möglich sein Captain, wir sind bedauerlicher Weise nicht für das Überleben außerhalb unserer Umweltbedingungen angepaßt. Die Anpassung ist ein langer Prozess, der nicht umkehrbar ist, und dem sich nur wenige unseres Volkes unterzogen haben um die Weiten außerhalb unseres Planeten zu erforschen. Es wäre mit Ihrer Technik nicht möglich ein für uns passendes Umfeld zu schaffen und Ihre Techniker haben ohnehin sicher wichtigere Aufgaben zu erledigen. Was Ihren Wunsch angeht, die Reise fortzusetzen so sind wir aufgrund der nunmehr vorliegenden Informationen geneigt, Ihrer Bitte zu entsprechen. Wir möchten jedoch zuvor noch einige Fragen mit Ihnen klären. Wir werden eine Liste übermitteln, die Sie dann in aller Ruhe bearbeiten können.“
Sermin, der an der Wissenschaftsstation stand nickte dem Captain zu, als die Daten im Schiffscomputer auftauchten und transferierte sie direkt zum Tischterminal im Bereitschaftsraum.
„Wir danken Ihnen Alvat Karthofeen, ich werde mich so bald wie möglich bei Ihnen melden.“ sagte Wikland. Die Dalerianer senkten Ihre Köpfe zu einer kurzen Verbeugung, danach wurde die Verbindung getrennt.
„Anscheinend sind sie tatsächlich auf unseren Bluff hereingefallen. Ich hatte schon befürchtet, dass Sie unsere Abwesenheit bemerkt hätten und uns jetzt mit Ihren übermächtigen Waffen und den enormen Energiereserven bis ans Ende des Universums jagen.“ bemerkte der Captain. Er stand von seinem Stuhl auf und ging zum Bereitschaftsraum.
„Nummer eins, Sie haben die Brücke. Behalten Sie Alarmstufe gelb bei, man weiß nie ob die es sich noch mal anders überlegen.“
Die Beantwortung der Fragen gestaltete sich weniger schwer, als es sich Wikland vorgestellt hatte, sie betrafen hauptsächlich kulturelle Themen, die mit den Mitgliedswelten der Föderation zusammenhingen. Nur zwei Fragen beschäftigten sich ganz am Rande mit Technik, und hier auch nur im Rahmen der medizinischen Anwendung. Die wichtigste Frage die Wikland auf der Liste fand war diejenige, ob sich die Föderation einen dauerhaften Kontakt mit der dalerianischen Kultur vorstellen könne.
Die Antwort hierauf war für Wikland die einfachste von allen. Nachdem er alle Antworten zusammengestellt hatte wies er Carah Pehl an, eine Verbindung zum Schiff der Dalerianer herzustellen und die Übertragung in seinen Raum zu legen. Auf dem Wanddisplay erschien Karthofeen und blickte Wikland interessiert an. In einem langen und offenen Gespräch informierte Wikland den Captain des anderen Schiffes nochmals über alle Hintergründe und die Bereitschaft der Föderation mit neuen Welten in Kontakt zu treten.
Karthofeen, der nun alleine an dem großen Tisch saß blickte Wikland an, eine Emotion war auf dem glatten Kopf nicht erkennbar. Auch die vier Hände, die auf dem Tisch lagen, zeigten keinerlei Regung als der Dalerianer mit seinem Erfahrungsaustausch zum Ende gekommen war und sich für die übertragenen Antworten bedankte.
„Wir haben beschlossen Ihnen den Weiterflug zu gewähren Captain Wikland. Bitte richten Sie Ihrer Föderation aus, dass wir gerne bereit sind eine Delegation Ihrer Gemeinschaft zu begrüßen und unsere Beziehungen zu vertiefen. Als Zeichen unserer Offenheit möchten wir Ihnen ein kleines Geschenk machen. Wir werden Ihnen die astronomischen Daten dieses Raumsektors übertragen, so dass Sie keine Erkundungsmission abstellen müssen und Ihre Schiffe einen sicheren Weg zu uns finden können. Über die Frage, inwieweit Ihre Handels- und Versorgungsschiffe unseren Raum durchfliegen dürfen werden wir nach Verhandlung mit den Repräsentanten Ihrer Föderation entscheiden.
Übrigens, Ich hoffe, Sie konnten Ihre Probleme auf Sakras 5 zufriedenstellend lösen und bedenken Sie künftig, dass nicht nur die abtastbare Technik etwas über die Fähigkeit des Gegenüber verrät. Manche Dinge bleiben auch dem besten Sensor verborgen. Gute Reise Captain, ich hoffe wir werden uns bald wiedersehen.“
Wikland ließ sich nach hinten in den Stuhl fallen und musste sich erst einmal sammeln, während das Bild von Karthofeen vom Display verschwand. Sie hatten es also die ganze Zeit gewusst, und dennoch hatten Sie nichts unternommen um gegen die Alexandria und ihre Crew vorzugehen. Durch sein Fenster konnte er sehen, wie die Sigortaan langsam wendete und dann beschleunigte, bereits nach wenigen Sekunden war sie trotz ihrer Größe zu einem winzigen Punkt zusammengeschmolzen und ein kleiner Blitz im Dunkel des Alls verriet den Moment in dem die Beschleunigung die Lichtbarriere durchbrochen hatte.
Kapitel 20
„Wikland an Brücke, setzen Sie Kurs auf Starbase 491, Warp 8.“
Roger van Dyke der auf der Brücke das Kommando führte meldete sich,
„Kurs liegt an Captain, Reisegeschwindigkeit Warp 8. Wie ist es mit den Dalerianern gelaufen, wir haben gesehen, dass Sie abgeflogen sind. Können wir davon ausgehen, dass wir unseren Flug problemlos fortsetzen dürfen?“
Die leicht gereizte Stimme Wiklands kam aus dem Audiosystem. „Ja Nummer Eins, und wir dürfen auch davon ausgehen, dass sie viel schlauer sind als wir alle dachten. Wir haben sie ganz schön unterschätzt. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal einer unbekannten Spezies gegenüberstehen. Es gibt Dinge, die selbst unserer hochentwickelten Technik verborgen bleiben. Wikland Ende.“
Damit konzentrierte sich der Captain wieder auf die vor ihm liegende Information, die ihm Admiral Parker, der zuständige Leiter der Materialbeschaffung und Wartungscrews von Starbase 491, zugeleitet hatte. Die Anforderungen lauteten auf das Abstellen eines vertrauensvollen technisch versierten Offiziers zum Lösen von Problem an Fusionsreaktoren.
Wikland blätterte die Akten seiner Crew durch und separierte drei Kandidaten, die er für fähig hielt diese Aufgabe durchzuführen.
Wikland wollte gerade seinen Kommunikator drücken, als das Türsignal ertönte.
„Herein!“ sagte er unwirsch und blickte entnervt auf die noch immer unerledigte Aufgabe vor sich. Er hatte Admiral Parker versprochen zu helfen und fühlte sich zudem durch den Einbau der neuen Warpgondel geradezu moralisch verpflichtet, auch etwas für die Starbase zu tun.
Nachdem der Captain von seinem Tisch aufschaute erkannte er van Dyke, der vor ihm stand.
„Was gibt es Commander?“ erkundigte er sich bei seinem ersten Offizier.
„Nun Captain, ich wollte ihnen mitteilen, dass die Instandsetzungsarbeiten an Bord abgeschlossen sind, und wir wieder über alle Systeme und Shuttles verfügen können mit der Ihnen bekannten Ausnahme natürlich.“
Der Captain wusste, um welche Ausnahme es sich handelte, er hatte gerade seinen Bericht zu diesem unglücklichen Vorfall abgeschlossen. Das einzig gute daran war, dass er die Bezeichnung für das Ersatzshuttle selbst aussuchen konnte und somit wenigstens einer dieser aberwitzigen Namen von seiner Materialbestandsliste verschwand.
„Wissen Sie was, Nummer eins, Sie sollten sich in Fragen der Flottendiplomatie üben. Mir kommt da gerade eine gute Übungsaufgabe in den Sinn. Wie wäre es, wenn Sie sich bemühen, das Amt für Materialbeschaffung und Schiffsregistrierung davon zu überzeugen, dass unsere Shuttles einen angemessenen Namen tragen können und nicht dieses alberne Zeugs, was mir schon seit der Schiffsübername im Magen liegt?“
Van Dyke blickte Wikland fragend an. „Nun Sir, ich....“
Wikland nickte zufrieden bevor der erster Offizier seinen Satz beenden konnte.
„Sehr gut, dass nenne ich Einsatzbereitschaft. Sie werden sehen, dass es eine dankbare Aufgabe ist, bei der sogar so erfahrene Leute wie Sie noch etwas lernen können.“
Wikland war aufgestanden und hatte van Dyke mit der rechten Hand auf die Schulter geklopft. Ein Vertrauensbeweis, den er nur wenigen seiner Besatzungsmitglieder gegenüber zeigte.
„So, da das jetzt geklärt ist möchte ich noch etwas anderes loswerden...“ sagte Wikland und senkte seine Stimme fast zu einem Flüstern
„...ich bin Ihnen dankbar, dass Sie die Situation auf Sakras 5 auf eine so ‘diplomatische’ Weise gelöst haben. Ich habe Ihnen angesehen, dass Sie nahe daran waren mich zu kritisieren, eventuell sogar von meinem Kommando abzulösen. Aber Sie haben es vorgezogen, mit einer anderen Taktik meinen Gegner auszuschalten, so dass ich keinen weiteren Anlass hatte meinen Feldzug fortzusetzen. Jeder andere hätte diese Gelegenheit genutzt sich zu profilieren und das Kommando an sich zu reißen.“
Van Dyke setzte sich neben Wikland der auf der Sitzecke Platz genommen hatte.
„Captain, uns ist nicht damit geholfen, dass wir uns wie die Klingonen gegenseitig den Rang streitig machen. Unser gemeinsames Ziel muss es immer sein, die laufende Mission so gut wie möglich zu beenden, mit einem Minimum an Schaden und Aufwand.
Ich freue mich, dass Sie mich und meine etwas ungewöhnlichen Ideen inzwischen akzeptieren und Sie dürfen davon ausgehen, dass ich mich auch Ihnen widersetze, wenn es keine anderen Optionen gibt. Aber wie Sie sehen, bin ich eher daran interessiert meine derzeitige Aufgabe auszufüllen, anstatt nach den nächst höheren Sternen zu greifen. Sie können sich auf mich verlassen Captain, auch weiterhin.“
Wikland nickte und reichte van Dyke das PADD mit den Informationen von Admiral Parker. Erstaunt klickte der Commander die Angaben und Anforderungen durch und sah den Captain mit einem ehrlichen Lächeln an.
„Ich fühle mich geehrt Captain, dass Sie gerade mich für eine solche Aufgabe vorschlagen, aber ich glaube es gibt da eine noch bessere Wahl. Ich bin überzeugt, dass Lt. Commander Jefferson gerade diese Aufgabe mit der größtmöglichen Effizienz und Liebe bewältigen wird. Sie sollten Sie für die gesamte benötigte Zeit einteilen. Auch wenn Sie nicht gerade begeistert sein wird, dass Sie arbeiten muss, während alle anderen Frei machen, so glaube ich doch, dass Sie Ihnen dankbar sein wird.“
Wikland blickte van Dyke verwundert an. Wie konnte er nach so kurzer Zeit an Bord gerade in diesem Punkt so sicher sein. Wikland beschloss sich darüber nicht weiter den Kopf zu zerbrechen. Er notierte Jaqueline Jefferson für volle vierzehn Tage für den Dienstplan der Sternenbasis 491 und ergänzte das ganze mit einer Woche Sonderurlaub, wohlgemerkt ohne es dem betroffenen Crewmitglied überhaupt mitzuteilen.
Roger van Dyke war bereits aufgestanden und auf dem Weg zur Tür als er sich noch einmal umdrehte
„Ach ja, da fällt mir ein Sir, David Robinson hat mich um die Erlaubnis gefragt im Lookout eine Abschiedsparty feiern zu dürfen. Er wollte sich gebührend von der Crew verabschieden. Normalerweise bin ich der Meinung man sollte das mit den Partys nicht Überhand nehmen lassen, aber in Anbetracht der Ereignisse der letzten Tage bin ich der Ansicht, die Crew könnte ein wenig Abwechslung vertragen. Vielleicht machen wir eine ganz offizielle Angelegenheit daraus, um unsere Erfolge ein wenig zu feiern.“
Wikland überlegte wann er das letzte Mal mit seiner Crew so richtig gefeiert hatte und musste lange zurückdenken, die Feierlichkeiten auf Sakras 5 einmal außer Acht gelassen.
„Das ist eine gute Idee Nummer eins, man sollte den Kontakt zur Crew niemals abreißen lassen. Das ist auch der Grund, warum ich die Dienstplanung und Beurteilungen immer selbst überwache. Bereiten Sie alles vor, wir machen mal so richtig einen drauf.“
* * *Das Tischdisplay zeigte 20:00 Uhr an, als Roger van Dyke sein Quartier verließ. Er hatte seinen Dienst auf der Brücke vor einer knappen Stunde beendet und an die Delta Schicht übergeben, die heute ausschließlich aus Crewmitgliedern bestand, die einen Eintrag wegen mangelnder Disziplin in der Wikland’schen Gedächtnisakte hatten. Der Captain hatte sich seine Erfahrungen mit der Crew gemerkt und war in der Umsetzung von disziplinarischen Maßnahmen ebenso hart, wie er bei eventuellen Belobigungen zuvorkommend sein konnte. So kam es, dass auch Sermin der Vulkanier und einige Senior Offiziere heute auf der Brücke Dienst schieben mussten.
Roger van Dyke betrat den Turbolift, in dem bereits Fähnrich Carlisle und Crewman Wolters standen. Er grüßte kurz und gab dann sein Ziel an. Auf Deck neun hörte er bereits die laute Musik und die Unterhaltungen der Crew als er die Kabine des Lifts verließ. Auf dem Flur hatten sich schon einige Grüppchen zusammengefunden, die der Musik und dem Gewimmel entgehen wollten. Sie standen da, mit einem Glas in der Hand und fachsimpelten über das Leben, das Weltall, die letzte Mission und wie sie ihre Freizeit an Bord der Station verbringen wollten.
Roger betrat die Bar durch den Backbordeingang. Eine Welle von Musik, Rufen und ein Durcheinander von Gesprächen schlug ihm entgegen. Der Raum war in der knappen Zeit zwischen Dienst und Party liebevoll und perfekt geschmückt worden und vermittelte den Eindruck eines richtigen Partyraumes. Roger van Dyke konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Professionalität sicherlich durch eine Reihe zurückliegender Anlässe entstanden war.
J.J., die an dem Tisch der Senioroffiziere saß, hatte ihn zuerst gesehen. Sie sprang auf und rief zu ihm herüber.
„Roger, hierher, wir haben einen Platz für Sie freigehalten.!“
Van Dyke ging auf die Sitzgruppe zu, an der bereits Andy Duke, David Robinson, Alisha, Jadzia Lansu, Jan van Holt und J.J. Platz genommen hatten. Er setzte sich auf einen freien Stuhl an den Tisch und bekam von van Holt gleich ein Glas mit Syntehol in die Hand gedrückt. Ein gemeinschaftliches Anstoßen erfolgte und führte fast dazu, dass Roger den Inhalt seines Glases über den Tisch verteilt hätte.
Jadzia, die ihr Temperament wieder nur schwer zügeln konnte, wäre fast wieder mit der Tür in Haus gefallen, konnte sich jedoch noch rechtzeitig zusammenreißen.
„Commander, J.J. hat uns gerade erzählt, dass Sie über ungeahnte Fähigkeiten verfügen, die dazu führen, dass Sie immer zur passenden Gelegenheit eine Lösung für unangenehme Probleme haben.“
Alle am Tisch sitzenden blickten van Dyke fragend an und waren auf seine Antwort gespannt.
„Nun, ganz so euphorisch würde ich es nicht darstellen wollen...“ Begann er und stellte sein leeres Glas auf den Tisch.
„...eigentlich habe ich gar nichts gemacht. Ich habe lediglich ein wenig Fachsimpelei betrieben und dabei das Problem einfach von einer anderen Seite beleuchtet. Mag sein, dass dadurch dann die Lösung ein wenig leichter gefallen ist.“
Roger war sich seiner Fähigkeiten wohl bewusst. Er liebte es jedoch nicht so sehr im Rampenlicht zu stehen und versuchte daher gleich wieder den Bogen zu einem anderen Thema zu schlagen.
„Wie kommt es eigentlich, dass ich immer nur Sie an diesem Tisch sitzen sehe?“ fragte er in die Runde.
Ein allgemeines Lachen war die Antwort, die Roger zunächst völlig verwirrte. Jadzia nahm ein wenig Haltung an und sagte mit gespielter Autorität und tiefer Stimme: „Dieser Tisch ist den Senioroffizieren vorbehalten, die sich im Dienst um Schiff und Crew verdient gemacht haben!“
Was wiederum einen weiteren Lacher am gesamten Tisch auslöste.
„...was nach der zurückliegenden Mission bedeutet, dass auch Sie sich künftig hier niederlassen dürfen!“ fügte sie hinzu woraufhin alle ihr Glas erhoben und van Dyke zuprosteten.
„Ich fühle mich geehrt.“ antwortete er lächelnd, füllte aus der Karaffe noch etwas Synthehol in sein Glas und stieß mit an.
Die Tatsache, dass Captain Wikland den Raum betreten hatte, erzeugte kein großes Interesse bei den Anwesenden.
Lediglich das Fass, welches auf einer Antigrav Einheit hinter Wikland ins Lookout gezogen wurde sorgte für Beachtung. Das Fass trug außer einer medizinischen Kennung keinerlei Signalisation und selbst ein Blinder hätte feststellen können, dass der Inhalt nicht mit dem Etikett übereinstimmen konnte.
Das Fass wurde unter dem Grölen der Menge auf den Tresen gewuchtet und ein Absperrhahn mit einem Hammer durch eine kleine Öffnung getrieben. Bislang war noch nichts ausgetreten und van Dyke schaute interessiert hinüber zur Bar. Einige hatten sich schon große Gläser organisiert und bildeten eine Reihe die sich anschickte sich am Fass zu bedienen.
Der Captain stellte sich nun vor das Fass und schnell trat Ruhe im Lookout ein.
„Meine lieben Crewmitglieder, eine lange Mission mit einer harten Schlacht liegt hinter uns. Wie schon so oft hat uns das Leben einen Strich durch die sorgfältig geplanten Aufgaben gemacht, die uns die Sternenflotte auferlegt hat.
Zudem hatten wir uns damit auseinanderzusetzen, dass ein neuer Mann in unserer Mitte wichtige Aufgaben übernommen hat. Ich bin stolz darauf sagen zu können, dass die Crew der Alexandria alle Situationen mit Bravour gemeistert hat, und dass sich unser neuer erster Offizier gut ins Mannschaftsbild eingepasst hat.
So wie wir Roger van Dyke auf diese Weise in unserem Team willkommen heißen wollen, so heißt es auch Abschied nehmen von einem verdienten Mitglied der Crew, welches die letzten zwei Jahre gemeinsam mit uns die Geschicke des Schiffs und der Crew gelenkt hat. David Alexander Robinson wird uns in Kürze verlassen und auf ein anderes Schiff wechseln. Wir alle wünschen Ihm viel Glück und dass ihm alle Götter des Universums wohlgesonnen sein mögen.
Damit diese Feier nicht allzu trocken wird habe ich aus Laderaum 27 eine Kleinigkeit mitgebracht, welche ich, die Genehmigung des ehemaligen Besitzers vorausgesetzt, der Crew spendieren will. Ein Fass irisches Starkbier, garantiert nicht repliziert.“
Tosender Beifall brandete durch den Raum und gleichzeitig erhob sich auch wieder das Stimmengewirr.
Roger van Dyke blickte kritisch in die Runde.
„Laderaum 27? Die Alexandria hat doch nur 25 Frachträume. Das steht jedenfalls in den Schiffsunterlagen.“ David Robinson lächelte wissend.
„So ist es Commander, deshalb heißt es ja auch Laderaum 27. Das ist eine Metapher für die illegalen Kleinigkeiten, die immer wieder auf dem Schiff auftauchen. Dieses Fass hat der Captain vor anderthalb Jahren einem irischen Crewman abgenommen, der Stein und Bein schwor, der Inhalt dieses Fasses sei ein medizinisches Heilbad, welches er regelmäßig nehmen müsse um allergische Hautreaktionen zu vermeiden. Captain Wikland ist aber auf diesen Schwindel nicht reingefallen, genauso wie auf die anderen tausend Ausreden, die schon für alle möglichen Gegenstände angebracht wurden. Ich möchte nur mal gerne wissen, wo er das Zeug all die Jahre gelagert hat, so dass es bis heute keiner gefunden hat.“
Die ersten kamen bereits mit gefüllten Gläsern an ihnen vorbei, in denen sich ein dunkles Getränk bedeckt mit einer weißen Schaumkrone befand. Das Aroma ließ unverkennbar auf das Vorhandensein von echtem Alkohol schließen und Roger konnte sich jetzt lebhaft vorstellen, warum es der Captain bis heute unter Verschluss gehalten hatte.
Nachdem das Bier im Lookout die Runde gemacht hatte wurde die Stimmung immer besser. Einige der Offiziere tanzten ausgelassen zur lauten Musik, die aus dem Audiosystem kam. J.J. hatte persönlich dafür Sorge getragen, dass einige heiße Rock & Roll Stücke auf der Musikliste standen. Obwohl sie dem Bier nicht so intensiv zugesprochen hatte wie einige andere, war sie voll bei der Sache. Sie legte mit Ran Byrell einen flotten Tanz aufs Parkett, so dass alle einen Schritt zurücktraten um dem Paar ein wenig mehr Platz zu schaffen.
Durch den Applaus und unablässige Zurufe genötigt legten sie noch eine zweite Runde nach, was zur Begeisterung der Crew und zu ersten Nachahmungsversuchen führte.
Nach zwei Stunden hatte im Lookout auch der Letzte mindestens dreimal den Platz gewechselt und es gab bereits jetzt keinen Tisch mehr, an dem nicht mindestens ein Crewmitglied saß, welches von dem irischen Starkbier leichte Ausfallserscheinungen hatte. Einzige Ausnahme war der Captain, dem man nicht ansah, dass er bereits das fünfte Glas hinter die Binde gekippt hatte. Das lag aber wohl eher an seiner Konstitution, die der eines arvellianischen Bullen glich, als an der fälschlichen Annahme, er würde sich regelmäßig dem Alkohol hingeben.
Roger van Dyke ging mit seinem Glas entlang der Fenster und sah Andy Duke, der sich gerade auf einer der drei Stufen zum unteren Bereich niedergelassen hatte und auf die Bar schaute.
Er setzte sich zu ihm und hielt Andy das Glas zum Anstoßen hin.
„Hallo, genießen Sie die Party auch so intensiv wie ich?“
Andy schaute auf und prostete Roger zu.
„Ich bevorzuge eigentlich die etwas ruhigere Gangart. Wie ich sehe sind sie ja auch nicht einer der ausgelassenen Wilden, oder?“
Van Dyke lachte.
„Nein, wirklich nicht. Da haben Sie absolut recht. Ich versuche sowohl im Dienst als auch in der Freizeit immer den goldenen Mittelweg einzuhalten. Ich will zwar meinen Spaß haben, aber es sollte niemals so ausarten wie bei den Zweien dort drüben.“ er deutete auf zwei Offiziere der technischen Abteilung, welche dem Starkbier offensichtlich zu sehr den Vorzug gegeben hatten und sich nun schon nicht mehr selbst auf den Beinen halten konnten. Sie zogen sich an der Wandung eines großen Pflanzentopfes hoch und hangelten sich zur nächsten Sitzgelegenheit.
Andy lächelte dünn.
„Das ist mir im Laufe der letzten Tage ganz besonders an Ihnen aufgefallen. Wissen Sie, eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass es bei einem Wechsel in der Führungscrew zu viel mehr Reibereien und Unruhe unter der Crew kommen würde. Aber dann habe ich festgestellt, dass Sie einen entscheidenden Vorteil gegenüber David Robinson haben; Sie arbeiten mit der Crew, nicht nur für sich selbst.
Deshalb habe ich auch nicht viel auf das dumme Gerede von Corbal Mor gegeben, der nach dieser kleinen Zurechtweisung von Ihnen überall herumerzählt hat, Sie seien ein ignoranter Großkotz.“
Roger musste bei dieser Bemerkung unvermittelt lachen. Er deutete mit der rechten Hand auf Corbal, der gerade an der Bar stand und sich ein weiteres Bier zapfte.
„Genau so habe ich mir seine Reaktion vorgestellt, nur nicht ganz so ausgefeilt in der Titulierung. Aber auch er wird noch lernen, dass man nicht von sich auf andere schließen soll.“
Andy stand auf und blickte auf Roger van Dyke nieder, der immer noch auf der Stufe saß.
„Willkommen im Team!“ sagte Andy und reichte Roger die Hand. Ein kräftiger Händedruck bildete den Anfang einer neuen Freundschaft zwischen den beiden, wie sich schnell herausstellen sollte.
Die Party dauerte bis lange in die Nacht. Es wurde getanzt gelacht und nach dem Schichtwechsel tauchte auch Sermin auf, der nun ebenfalls noch einen kleinen Teil der Party miterleben konnte. Roger hatte sich wieder am Tisch der Auserwählten niedergelassen und fachsimpelte mit den Kollegen über die Sensorenabtastungen und die Modifikation des Antriebes, wobei er die Fähigkeiten von J.J. und ihrem Team deutlich hervorhob. Er gab einige kleine Geschichten aus seiner Jugend zum Besten und hörte gespannt zu, wenn die Anderen von Ihren Erlebnissen auf der Alexandria erzählten.
Nach einer Weile fiel van Dyke auf, dass Sermin der Vulkanier die ganze Zeit ruhig am Tisch gesessen hatte. Auch beim Zuprosten und Lachen hatte er sich im Hintergrund gehalten, da er diese menschlichen Handlungsweisen nicht nachvollziehen konnte. Als sich jedoch Ihre Blicke trafen schien sich der Vulkanier an etwas zu erinnern.
„Commander, als wir seinerzeit die Sonde für die Holoprojektion der Alexandria vorbereitet hatten, sagten Sie, Sie würden den Ursprung Ihrer Idee bei nächster Gelegenheit bei einem Drink näher erläutern. Obwohl ich diese Vorgehensweise äußerst irritierend finde, glaube ich, dass die jetzige Situation Ihrer Beschreibung für die geeigneten Umstände am nähesten kommt. Ich würde es begrüßen, wenn Sie nun Ihre Hintergründe erklären könnten.“
„Unser Vulkanier, hat er nicht den Charme einer Duraniumpresse?“ witzelte Jadzia was zu einem spontanen Lacher führte und Sermin lediglich einen verstörten Gesichtsausdruck abverlangte. Er war sich nicht bewusst einen Scherz nach menschlicher Definition gemacht zu haben.
„Schon gut,...“ sagte Roger, „...ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen. Aber hängen Sie mich nicht, wenn Sie es dann endlich wissen.
Eines meiner Hobbys ist das Anschauen von alten Filmen. Insbesondere Filme, die damals produziert wurden um eine ferne Zukunft darzustellen, die wir in vielen Punkten inzwischen weit überholt haben. In einer dieser Serien wollte der Captain eines Raumschiffes seine Position gegen den ausdrücklichen Befehl der Leitstelle verlassen, was jedoch bemerkt worden wäre. Er hat daraufhin ein Shuttle ausgeschleust und damit ein Energiefeld erzeugt, welches in Größe und Frequenz dem seines Schiffes entsprach, und welches er liebevoll ‘Laurin’ nannte.
Ich habe diese Idee einfach abgewandelt und auf die heutige Technik adaptiert. Das ist alles.“ Gab Roger zu verstehen.
„Ich würde mir gerne die Testreihen mit den entsprechenden Forschungsergebnissen ansehen, die Sie bis zur Perfektion dieser Täuschungstechnik durchgeführt haben“ erwiderte Sermin. „Oh, die gibt es nicht, es war das erste Mal, dass ich so etwas probiert habe. Und es hat erstaunlich gut funktioniert nicht wahr?“ erklärte der erste Offizier.
Andy Duke hätte fast in sein Glas gebissen,
„Wie, Sie haben das vorher noch nicht einmal probiert? Sie haben die Fiktion eines Filmes benutzt um eine Täuschung zu erzeugen, es zusammengebaut und das erste Mal gleich eingesetzt?“
Roger van Dyke blickte gelassen in die Runde,
„Was wollen Sie denn, es hat doch funktioniert, oder?“ zuerst herrschte kurze Zeit eisiges Schweigen und dann schlug David Robinson mit der Faust auf den Tisch.
„So ein abgebrühter Hund hat diesem Schiff noch gefehlt. Prost!“ die anderen nickten zustimmend und hoben ihre Drinks an. Ein mehrfaches Klirren der aneinanderschlagenden Gläser erklang und nach wenigen Sekunden standen alle geleert auf dem Tisch.
Roger van Dyke wurde von J.J. und David Robinson von einem Grüppchen zum anderen geschleppt, so dass er bis zum frühen Morgen die Hobbys, Lieblingsgerichte, Familienangehörigen und weitere Dinge von allen Junior- und Senioroffizieren kannte. Im Lookout war es währenddessen ruhiger geworden, leise Musik säuselte aus der Audioanlage und nur noch wenige hatten solange ausgehalten. Roger war inzwischen reichlich müde, saß am Fenster und blickte in den Weltraum, wo ihm die Sterne entgegenflogen.
David Robinson ging von Tisch zu Tisch und nahm sich überall die Zeit ein wenig mit den Leuten zu plaudern. Bei den meisten erzeugte sein Auftauchen ein lautes ‘Halllooo’, nach und nach verabschiedete er sich von seinen bisherigen Kameraden und wünschte allen eine gute Zeit.
David kam die drei Stufen zu van Dyke herauf und zog sich einen Stuhl zurecht.
„Na, wie geht’s? Haben Sie sich jetzt ein wenig mit der Crew akklimatisiert?“ wollte ervon Roger wissen.
„Sie meinen, jetzt, nachdem ich weiß, dass man auf Regalet keine Katzen findet, weil Sie von den großen Ratten gefressen werden, oder dass man seine Schwiegermutter anstatt seiner Braut mit auf die Hochzeitsreise mitnimmt um zu beweisen, dass man als Mann in der Lage ist, die Frischvermählte angemessen zu versorgen?“
Robinson musste lachen, er erinnerte sich an die lebhaft erzählten Geschichten, welche die Crewmitglieder im Laufe des Abends zum Besten gegeben hatten.
„Wie ist eigentlich Ihr persönliches Gespräch mit Captain Wikland verlaufen?“ wollte van Dyke wissen.
„Ooch, eigentlich recht zivilisiert, wenn man von der etwas temperamentvollen Begrüßung einmal absieht. Wissen Sie, der Captain und ich wir kennen uns schon lange. Wir duzen uns sogar, wenn wir unter uns sind. Er hat mir gewaltig die Leviten gelesen und ehrlich gesagt hatte er ja auch völlig recht damit. Ich weiß selbst nicht wie ich auf die Idee gekommen bin dieses Störfeld sprengen zu wollen, ohne Näheres darüber zu wissen. Die Zerstörung der Energiezentrale hätte die ganze Insel zerreißen können. Wie dem auch sei, Er hat mir kräftig einen eingeschenkt und mir dann seine Beurteilung in die Hand gedrückt.
Können Sie sich vorstellen, dass er den Vorfall nicht mit einer Silbe erwähnt hat? Eine Eintragung hätte mir meinen ganzen weiteren Weg versauen können und ich hätte es ihm nicht einmal verübeln können.
Er hat es als missionsspezifische Option im Logbuch vermerkt, die vom verantwortlichen Offizier vor Ort getroffen werden konnte.“
Roger van Dyke nickte mit dem Kopf.
„Ich bin sicher, unser Captain ist ein aufrechter Kerl. Er verdient es, dass man ehrlich zu ihm ist und voll hinter ihm und seinen Befehlen steht. Ich weiß, er kann ein strenger Kommandant sein, aber er ist bei der Abwägung seiner Maßnahmen bislang immer fair gewesen. Soweit ich das in der kurzen Zeit an Bord überhaupt beurteilen kann. Lediglich sein nordisches Temperament scheint manchmal mit ihm durchzugehen und wenn ich an den Kampf bei Arlat 4 denke, ich glaube er hätte nicht Halt gemacht, wenn nicht die Rebellen aufgegeben hätten.“
David Robinson blickte ihn grinsend an,
„Das haben Sie geschickt eingefädelt Roger, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen. Ein ganz hervorragender Schachzug, der den Captain trotzdem gut aussehen ließ.“
Van Dyke prostete David Robinson zu. „Ok,Ok, Sie haben mich durchschaut. Zumindest was diesen Punkt betrifft. Ich glaube aber, jetzt sollten wir langsam Schluss mit dem Feiern machen, sonst müssen wir wieder in den unbequemen Stühlen auf der Brücke schlafen!“
Beide lachten herzlich, tranken ihr Glas aus und gingen langsam zum Ausgang. Sie weckten noch die letzten Crewmitglieder, die müde und vom Starkbier leicht desorientiert in den Sitzen hingen und machten sich auf den Weg zu Ihren Quartieren.
* * *Die Tagesschicht hatte in einigen Bereichen des Schiffes mit Verspätung begonnen, da einige Crewmitglieder anscheinend das Wecksignal überhört hatten.
Roger van Dyke war gleich zu Beginn seines Dienstes in die Stellarkarthographie gegangen und hatte sich gemeinsam mit Captain Wikland die übertragenen Daten der Dalerianer angesehen. Neben allen Sternhaufen, Pulsaren und Protosternen waren selbst die feinsten Details mit aufgenommen. Sogar kleine Asteroidentrümmer der Größe 16, was in Größe und Masse einem Hühnerei entsprach, waren mit Flugrichtung und Geschwindigkeit angegeben und man konnte Ihre Position unter Zugrundelegung des Sternendatums genau bestimmen.
Einige Standardflugrouten, die den meisten gefährlichen Bereichen aus dem Weg gingen waren bereits eingezeichnet. Ebenso alle Welten, die von den Dalerianern bislang besiedelt worden waren, oder mit denen sie Handel betrieben.
„Das ist eine ganz außergewöhnliche Datei Nummer eins, nicht wahr?“
Wikland stütze sich auf das hüfthohe Geländer welches als Handlauf mit einem edlen Echtholzrahmen versehen war. Roger van Dyke blickte sich im Raum um. Die dreidimensionale Darstellung, die durch die Holomatrix erzeugt wurde erweckte den Eindruck, dass man sich tatsächlich mitten im All befinden würde. Viele Einzelheiten schwebten an ihnen vorbei, wobei die Abbildungsgenauigkeit im Gegensatz zur Sternenflotten Dateninformation überwältigend war. Dort wo Kleinobjekte in Föderationsunterlagen mit einem kleinen Symbol dargestellt wurden, welches Masse, Dichte und Größe angab, war in den Informationen der Dalerianer das entsprechende Objekt realitätsnah abgebildet. wenn man es mit dem Pointer antippte, erschien eine ganze Reihe von Angaben, die normalerweise nur nach intensiver Prüfung mittels Detailscannern zu erlangen waren.
Roger wandte sich zu Wikland
„Es ist erstaunlich, was dieses Volk an Informationen über diesen Sektor zusammengetragen hat. Wenn man die Technik des Schiffes berücksichtigt, dann könnte man meinen, Sie müssten einen Asteroiden mit einem Maßband ausmessen um nur seinen Durchmesser errechnen zu können.“
Wikland atmete tief ein und entließ die Luft schnaufend aus seinen Lungen.
„Ich bin fest davon überzeugt Nummer eins, dass man uns nur das hat sehen lassen, was man uns wirklich zeigen wollte. Diese Spezies hat mit Sicherheit noch viele Geheimnisse preiszugeben, von denen die Föderation bislang noch keine Ahnung hat. Und was diese angebliche Schwäche betrifft, so haben Sie ja inzwischen sicherlich mitbekommen, dass man unseren Bluff ohne jede Mühe durchschaut hat. Gott sei dank hatten sie nicht die Absicht uns zu schaden, denn sonst wäre es möglicherweise doch noch zu einem anderen, weniger erfreulichen Ende gekommen.“
Roger van Dyke nickte langsam.
„Captain, wir erhalten einen Ruf von einem Föderationsschiff.“ kam die Stimme von Carah Pehl aus dem Interkom.
„Wir sind auf dem Weg!“ erwiderte Roger van Dyke und ging gemeinsam mit Wikland zum Ausgang.
„Legen Sie es auf den Schirm Lieutenant!“ rief der Captain zur Kommunikationsstation hinüber, während er auf seinem Stuhl Platz nahm.
Auf dem Hauptschirm erschien die Brücke der U.S.S. California, dem Flaggschiff der fünften Flotte. Captain Mary Stevens stand in ihrer eng anliegenden perfekt sitzenden Sternenflotten Uniform in der Mitte der Brücke und blickte in die Übertragungskamera. Neben Ihr stand Admiral Henry Blackwood, der Chef des Starfleet Intelligence mit einem Lächeln, das mehr verbarg, als es preisgab.
„Captain Wikland, schön Sie zu sehen...“ begann Mary Stevens, „...bitte ändern Sie Ihren Kurs auf zwei - vier - sieben komma eins - fünf - neun. Wir sollen etwas bei Ihnen abholen und, was immer es auch Wichtiges ist, eine kleine Kiste persönlich auf Ihr Schiff überstellen. Wenn Sie nach der Kursänderung die Geschwindigkeit beibehalten, werden sich unsere Wege in ungefähr 20 Minuten kreuzen.“
Wikland schaute zu van Dyke, der rechts von Ihm saß und unschuldig die Hände hob, beide wussten genau, wem sie dieses Treffen zu verdanken hatten. Es war die typische Handschrift von David Robinson, der irgendeine Gelegenheit genutzt hatte um eine Nachricht an die Sternenflotte abzusetzen. Wie man unschwer erkennen konnte hatte er sich als Adressaten seinen alten Freund Admiral Henry Blackwood ausgesucht, der aufgrund seiner Position ohne Mühe ein Schiff für diese spezielle Aufgabe besorgen konnte.
Es war eine gemeine Verschwendung in Wiklands Augen. Robinson hätte genauso gut von der Sternenbasis mit dem nächsten Versorgungsschiff zur Erde reisen können. Aber nein, es musste sogar ein Schiff der Galaxy 2 Klasse sein, von dem seines Wissens nach bislang erst zwei Stück fertig gestellt worden waren. Es graute ihm bei dem Gedanken, welcher Sektor des Alpha-Quadranten nun auf das Potential des schweren Kreuzers verzichten musste.
Wikland blickte wieder auf den Schirm und überlegte wie er antworten konnte. Die blonden Haare von Mary Stevens zeigten bereits erste graue Strähnen, die darauf hindeuteten, dass man im Alter von 53 Jahren nicht mehr zu der jungen Garde gehörte. Die streng nach hinten gebundene Frisur verströmte einen Hauch von Autorität und Unnahbarkeit. Wikland konnte sich nicht entscheiden, wie er sie anreden sollte, obwohl er sie schon öfter bei offiziellen Anlässen getroffen hatte und sich noch gut an die Zeit erinnern konnte, als sie noch nicht den Rang eines Captain begleitete und auf der U.S.S. Crazy Horse stationiert war.„Ich grüße Sie Admiral Blackwood, hallo Captain Stevens. Es ist uns eine Ehre, dass sich das Flaggschiff der fünften Flotte die Mühe macht einen Commander abzuholen und wir die Gelegenheit haben werden eines unserer neuen Schiffe zu treffen, welches gerade erst aus der Werft gekommen ist.“
Henry Blackwood hatte die Anspielung sofort erkannt und konterte geschickt.
„Nun, wie Sie wissen Captain, unterziehen wir jedes neue Schiff einer genauen Prüfung, bevor es den ersten Einsatz erhält. Es war eine gute Gelegenheit, die technischen Einrichtungen und die taktischen Manöver noch einmal zu testen.
Wir werden direkt nach unserem Treffen auf die New Hope treffen und dann in einer wichtigen Angelegenheit zu den Randgebieten der Föderation aufbrechen. Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, dass es sich um einen streng geheimen Einsatz handelt, den ich selbst leiten werde.“
Wikland versuchte all seine Überzeugungskraft in einen freundlicheren Gesichtsausdruck zu legen und erwiderte dann:
„Selbstverständlich Admiral. Wenn wir den Redezvouspunkt erreicht haben werden erwarten wir Sie auf der Alexandria.“
Captain Mary Stevens trat einen Schritt vor.
„Wir freuen uns schon darauf Sie zu sehen Captain Wikland. California Ende.“
Damit verschwand das Bild und die Warpsterne füllten wieder den ganzen Bildschirm aus.
„Sagen Sie David Robinson er soll sich fertigmachen für den Transfer zur California, je eher wir ihn vom Schiff bekommen umso besser für uns. So langsam gehen mir seine Eskapaden auf den Zeiger.“ Stellte Wikland fest.
Roger van Dyke nickte kurz und drückte seinen Kommunikator. „Commander Robinson, bitte halten Sie sich bereit für den Transfer zur California. Melden Sie sich in Transporterraum drei. Vergessen Sie Ihre persönlichen Habseligkeiten nicht. Wir machen keine Nachsendungen.“
„Hier Robinson, verstanden. Machen Sie’s gut Roger, vielleicht trifft man sich ja mal wieder. Sie wissen doch das Universum ist nicht größer als eine Schneekugel. Robinson Ende.!“
Roger van Dyke musste unweigerlich lachen. Der Vergleich mit der Schneekugel, die man schütteln konnte und dann den Flocken beim Hinabsinken zusehen konnte war treffend. Die unendlichen Weiten des Alls, Entfernungen, die man nur mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit überbrücken konnte, und wen traf man auf der abgelegensten Raumstation der Föderation?
Den kleinen rothaarigen Peter aus der Nachbarschaft, mit dem er früher in eines der alten Kinos gegangen war um sich die Filme auf der großen Leinwand anzusehen.
Er schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder auf seine Aufgaben auf der Brücke. Ramirez, der an der Conn saß hatte bereits mit dem Zielanflug begonnen.
Schon vor einigen Minuten war die Position der California auf den taktischen Kontrollen erschienen und er konnte erkennen, dass die beiden Punkte der Föderationsschiffe immer weiter aufeinander zusteuerten. In diesem Moment ging Ramirez unter Warp und führte einige Kurskorrekturen durch.
Die California hatte bereits eine Halteposition eingenommen und schwebte majestätisch zwischen den Sternen. Die Alexandria nahm eine Position direkt gegenüber ein und hätten die Brücken der Föderationsschiffe statt der großen Bildschirme echte Fenster, dann könnten sich die beiden Captains jetzt wahrscheinlich gegenseitig zuwinken.
Captain Wikland gab Carah Pehl ein Zeichen, die Verbindung mit der California wieder herzustellen. Auf dem Schirm erschien das Gesicht von Captain Stevens. Sie hatte es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht und schenkte Wikland ein feines Lächeln.
„Captain, wir würden Sie und Admiral Blackwood gerne zu einem stilvollen Essen im kleinen Kreis auf der Alexandria begrüßen. Wenn Sie nichts dagegen haben, können Sie in 30 Minuten zu uns herüberbeamen.“ eröffnete Captain Wikland der Kommandantin des anderen Föderationsschiffes.
„Vielen Dank Captain Wikland, diese Einladung nehmen wir gerne an. Nur das mit dem Beamen wird leider nicht klappen. Bereiten Sie Ihren Shuttlehangar für uns vor, wir kommen mit einem Shuttle zu Ihnen.“
Wikland blickte van Dyke verstört an. Was hatte das denn nun zu bedeuten? Bei dieser Entfernung war ein Standortwechsel mit dem Transporter die sicherste Sache der Welt.
Er wandte sich wieder zum Hauptschirm um und fragte:
„Dürfte ich fragen warum? Sollen wir einen offiziellen Empfang für den Admiral vorbereiten?“ Mary Stevens schüttelte den Kopf
„Um Gottes Willen bloß kein Protokoll, wir sind doch hier unter uns. Sorgen Sie nur dafür, dass ein gewisser Roger van Dyke zur Stelle ist, den Rest erklären wir Ihnen später.“
Wikland nickte zustimmend und verabschiedete sich höflich. Danach sprach er mit van Dyke einige Einzelheiten zum Essen durch. Er wollte es so ungezwungen wie möglich machen, jedoch ohne eines der Kasinos oder die Bar zu nutzen. Man einigte sich schließlich auf das Quartier des Captains, welches auch den meisten Platz für diesen Anlass bot. Wikland dachte mit Schaudern daran, dass er dazu die Temperatur in seinem Quartier an ein lebensfähiges Maß für Humanuide erhöhen musste. Mit Unbehagen stellte er sich die Nacht in dem völlig überheizten Raum vor.
* * *David Robinson packte seine restlichen Habseligkeiten in die Tasche und hängte sie sich über die Schulter. Das Quartier, welches er in den letzten Wochen bewohnt hatte war nur unwesentlich kleiner, als das des ersten Offiziers.
Es war eigentlich für hochrangige Gäste gedacht, die sich gelegentlich auf dem Schiff befanden. David hatte keine Hemmungen gehabt, sich dieses lauschige Plätzchen selbst zuzuweisen. Er hatte sogar die Frechheit besessen, den Raum durch die Wartungscrew seinen persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben anpassen zu lassen. Die Anweisungen hierfür hatte er in der allgemeinen Wartungsliste untergebracht, wo sie so schnell keiner finden würde. Er blickte noch einmal auf den neuen Tisch mit dem grünten Spannbezug und der Lampe, die darüber hing. Ja, die Pokerspiele in diesem Raum hatten auch ihren Reiz gehabt. David trat vor das Tischterminal und aktivierte es. „Computer, übertrage die Datei 5674-4 an die gewählte Zieladresse. Kopiere alle Daten und Dateien, die einen persönlichen Vermerk von David Robinson besitzen auf die Isolineare Speicherplatte und lösche danach diese Dateien im Hauptrechner.“
Es dauerte einige Sekunden, dann meldete sich die Computerstimme der Alexandria:
„Anweisung ausgeführt, Datei verschickt, Datenfiles kopiert und im Hauptrechner gelöscht.“
Zufrieden blickte David auf das Display und schaltete es ab.
Er verließ den Raum und ging mit ruhigen Schritten in Richtung Turbolift um in den Transporterraum zu kommen. Keros der Transporterchef erwartete ihn schon. Er schüttelte David freundschaftlich die Hand
„Passen Sie auf sich auf, Sie wissen doch, da draußen ist es gefährlich.“ sagte der Bolianer und zwinkerte David zu.
„Ach, Sie wissen doch, was auch immer passiert ich bin wie eine Katze. Egal wohin oder wie weit man mich wirft, ich falle immer wieder auf die Füße.“ lächelte Robinson und stieg auf die Plattform zu den Kisten mit seinen persönlichen Sachen.
„Richten Sie den anderen meine besten Grüße aus, und halten Sie sich bei der nächsten Party vom Bier fern.“ grinste er bevor Keros die Kontrollen betätigte und sich David Robinson im einem bläulichen Schimmern auflöste.
* * *
Es war genau 21:00 Uhr als das Shuttle der California mit Admiral Blackwood und Captain Stevens in Shuttlerampe 3 aufsetzte. Captain Wikland hatte wohlweislich die hintere Shuttlerampe für dieses Manöver gewählt, da die Hauptshuttlerampe durch den Modulaufsatz der Nebula Klasse nicht so einfach erreichbar war wie die der Galaxy Klasse.
Einige Sicherheitsoffiziere, welche Andy Duke selbst ausgewählt hatte, begleiteten die Gäste unauffällig zu Wiklands Quartier, obwohl hier an Bord mit Sicherheit keine Zwischenfälle zu erwarten waren. Bereits nach wenigen Minuten waren Sie am Raum des Captains angekommen und das Türsignal ertönte.
Wikland ging zur Tür und wies den Computer an zu öffnen. Als die Türhälften mit leisem Zischen auseinander glitten stand ihm das Erstaunen ins Gesicht geschrieben. Captain Stevens hatte die abweisende Bemerkung mit dem Protokoll bewusst gemacht und entsprechend ausgelegt. Anstatt die übliche Sternenflottenuniform hatte Sie ein langes blaues Kleid mit einem silbernen Umhang gewählt was ihre Unnahbarkeit noch weiter verstärkte.
Auch Admiral Blackwood hatte sich für Zivilkleidung entschieden und schaute Wikland beim Eintreten kurz von oben nach unten an.
„Hatten Sie nicht etwas von ‘Stilvoll’ erwähnt Captain?“ bemerkte er leise im Vorübergehen. In der linken Hand hielt er eine Standard Transportkiste der Föderation, die mit Sicherheitshinweisen gespickt war. Wikland stellte seine beiden Brückenoffiziere, Roger van Dyke und Andy Duke vor und machte sie mit dem Admiral und Captain Stevens bekannt.
Nachdem sie Platz genommen hatten und die üblichen Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht waren ließ Wikland den Crewman mit dem Essen kommen. Er hatte sich aus dem hydroponischen Garten einige Gemüsearten und Kartoffeln zubereiten lassen und auch eine Lukullische Spezialität von Sakras 5 war unter den Speisen, die auf dem großen Tisch plaziert wurden. Eine Tarkkeule im Teigmantel sowie einige kleine Happen gerösteten Geflügels rundeten die Auswahl der Gerichte ab.
Natürlich wollte Admiral Blackwood die zurückliegende Mission in allen Einzelheiten berichtet haben und Captain Wikland, Roger van Dyke und Andy Duke wechselten sich bei der Erzählung der Ereignisse ab.
Der Admiral nahm die Berichte mit Interesse entgegen. Lediglich die Vorgehensweise von Wikland verursachte das ein oder andere Augenzucken. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er der Beschreibung der technischen Lösungen, die im Laufe dieser Mission eingesetzt wurden und er erkundigte sich wiederholt nach Einzelheiten zu der holographischen Darstellung und der Optimierung der Warpantriebs-Leistung.
In der anschließenden Unterhaltung ließ der Admiral dann durchblicken, dass die Sternenflotte vor drei Jahren ein geheimes Programm mit hochintelligenten Personen durchführen wollte, welches speziell auf die Lösung von Konfliktsituationen abgestimmt war. Mit Bedauern betonte er, dass er nicht über nähere Informationen zu diesem speziellen Projekt verfüge, da es durch eine andere Dienststelle betreut worden sei. Eigentlich frage er sich noch heute, ob es dieses Programm jemals gegeben habe, oder ob es nur ein Gerücht sei, welches man gezielt aufgebracht habe um ihn als Chef des Geheimdienstes der Sternenflotte zu ärgern.
„Captain Stevens, Sie hatten mir doch versprochen, zu erklären, warum Sie mit dem Shuttle zu uns gekommen sind. Haben Sie eine Abneigung dagegen sich atomisieren zu lassen?“ wandte sich Wikland an die einzige Frau am Tisch. Mary Stevens lachte leise und stellte ihr Glas auf den Tisch.
„Nein, ganz gewiss nicht. Stellen Sie sich vor Captain, wir waren gerade von unserem ersten Testflug zurückgekehrt und hatten an der McKinley Raumstation angedockt um die Systemdaten auszulesen und sie mit den Konstruktionsspezifikationen zu vergleichen. Nachdem Admiral Blackwood an Bord gekommen war und wir den Abflug hierher vorbereiteten, erhielten wir die Nachricht, dass ein Versorgungsschiff von der Erde noch wichtige Güter zu uns bringen sollte.
Wir waren schon spät dran und fragten ob man es nicht einfach zu uns heraufbeamen könnte, aber man erklärte uns, der Inhalt sei so sensibel, dass ein Transport auf diese Weise die Molekularstruktur vollkommen verändern würde. Also warteten wir auf das Shuttle, welches uns diesen Standardcontainer brachte.
Alles was wir in Erfahrung bringen konnten war, dass es auf Anweisung von ganz oben an einen Commander Roger van Dyke zu übergeben sei und dass es sich um eine Ehrensache handeln würde.“
Alle in der Runde blickten Roger fragend an, der einen unschuldigen und nichtsahnenden Gesichtsausdruck aufsetzte.
„Schauen Sie mich nicht so an, ich weiß auch nicht was drin ist.“ sagte er.
Captain Stevens hob die kleine Kiste auf den inzwischen abgeräumten Tisch und übergab Roger van Dyke eine Speicherkarte für ein PADD. Roger griff auf den kleinen Schrank neben sich und nahm eines der gelöschten PADD’s des Captains zur Hand. Er fügte die Speicherkarte ein und decodierte den Inhalt mit seinem persönlichen Zugriffscode. Auf dem PADD erschien ein kurzer Text den er kurz überflog und dann laut vorlas.
„Hallo Commander van Dyke, wie es sich gehört habe ich mein Möglichstes getan um meine Wettschulden bei Ihnen angemessen einzulösen. Ich gebe zu, ich hatte ein wenig Hilfe dabei, speziell was den Transportweg betrifft. Ich habe die Fracht so deklarieren lassen, dass sie nicht durch den Transporter gejagt wird und somit die ursprüngliche Position aller Atome erhalten bleibt. Ich hoffe, dass Sie sich über das Exponat freuen.
Gezeichnet
Nicolai Graves, Commander Starbase Merlin.“
Roger van Dyke öffnete den Container und holte eine Kiste aus feinem Wurzelholz heraus. Der Deckel war mit kleinen Messingscharnieren befestigt und mit einem kleinen Schnappschloss auf der Vorderseite versehen. Roger öffnete den Deckel und damit ließen sich auch die Seitenteile nach außen wegklappen. Vor ihm stand eine mechanische Schalteinheit. Hauptbauteil war ein Übertragungsgestänge, welches mit einer gefrästen Aluminiumplatte abgedeckt war. die Platte hatte mehrere Langlöcher, die miteinander verbunden waren. Aus der Platte ragte ein 15 Zentimeter langer und geneigter Chromstab nach oben, der mit einer schwarzen Kunststoffkugel abgeschlossen war, die im Durchmesser einem Golfball ähnelte. auf der Kugel waren mehrere arabische Zahlen zu erkennen, die mit Strichen verbunden waren. Das Muster war identisch mit der Fräsung in der Platte. Auf der Aluminiumplatte war in der linken unteren Ecke ein sich aufbäumendes Pferd eingraviert. Das ganze Gebilde war auf einem Holzfuß montiert, der eine kleine silberne Plakette trug. Die Aufschrift lautete „ZFA1230000MA00001, F-40, Enzo Ferrari“.
„Und was ist das jetzt?“ wollte Captain Stevens wissen. Roger blickte voller Stolz auf das vor ihm stehende Bauteil.
„Das ist die original Schaltkulisse des ersten Ferrari F-40, der Enzo Ferraris persönliches Exemplar war. Sie wurde bei dem Sportwagen benutzt um von Hand die verschiedenen Antriebsübersetzungen zu wählen. Von diesem Wagen wurden insgesamt nur 400 Stück gebaut. Dieses spezielle Bauteil ist mit Sicherheit eines der am schwersten zu besorgenden Originalunikate, die es auf der Erde gibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Commander Graves dafür sehr tief in die Tasche greifen musste um das Teil und diesen besonderen Transport zu organisieren. Es wird einen Ehrenplatz in meinem Quartier bekommen, soviel ist sicher.“
Natürlich wollten alle Anwesenden wissen warum Roger van Dyke sich mit diesen alten Maschinen, die inzwischen längst aus dem Verkehr gezogen worden waren, so gut auskannte und so kam es, dass er noch einige Begebenheiten aus seiner Zeit erzählte bevor er zur Sternenflotte gekommen war. Seine Teilnahme an der Rennmeisterschaft, den Titelgewinn und seine allgemeine Vorliebe zu diesen Fortbewegungsmitteln.
„Captain, die Deltaschicht hat die Brücke übernommen, es ist alles in bester Ordnung.“ Unterbrach die Stimme von Darian Wells die Unterhaltung.
„Wikland hier, verstanden. ich wünsche Ihnen eine ruhige Nacht. Bereiten Sie alles für unseren Weiterflug vor. Unser Ziel ist ja bekannt. Wikland Ende.“
„Nun, dann wollen wir Sie auch nicht übermäßig aufhalten Captain.“ sagte Admiral Blackwood und erhob sich von seinem Platz.
„Commander Robinson ist ja bereits kurz nach Ihrer Ankunft zu uns an Bord gebeamt, so dass uns hier nur noch Ihre freundliche Gastfreundschaft hält, die wir bereits weidlich ausgenutzt haben.“
Wikland geleitete seine Gäste aus seinem Quartier und wollte sie zur Shuttlerampe begleiten. Da fiel ihm noch eine wichtige Sache ein. Er ließ die anderen ein paar Schritte vorausgehen und drückte seinen Kommunikator.
„Computer, Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Quartier des Captains auf die vorgewählten Standardwerte anpassen. Beschleunigter Modus.“
Die Antwort kam lediglich aus dem kleinen Lautsprecher an seinem Kommunikator.
„Bestätigt, Anweisung wird ausgeführt.“ dann eilte er den anderen nach und hatte sie noch vor dem Turbolift wieder unauffällig eingeholt.
In der Shuttlerampe verabschiedete er den Admiral und Captain Stevens mit einigen warmen Worten und versprach sich bald wieder einmal zu melden.
Völliger Blödsinn dachte er bei sich, wenn jeder hier stille Post spielt, dann sind die ohnehin überlasteten Subraumkanäle bald gar nicht mehr zu gebrauchen. Dennoch lächelte er bis die beiden in das Shuttle eingestiegen waren und den Hangar verlassen hatten. Zufrieden drehte er sich zu seinen Offizieren um und verabschiedete sich zur Nachtruhe.
* * *
Als der Captain in seinen Raum zurückkehrte atmete er die kühle und frische Luft tief ein. Die gewohnt niedrige Zimmertemperatur weckte seine müden Lebensgeister wieder. Obwohl ohnehin nur noch wenig Zeit bis zum Beginn der Tagesschicht verblieb, beschloss er vor der kurzen Nachtruhe noch ein Duschbad zu nehmen und verschwand im Badezimmer, welches direkt an seine Schlafkabine angrenzte. Erst als er mit nassen Haaren und mit einem dünnen Morgenmantel bekleidet in seinen Raum zurückkam fiel ihm auf, dass sein Tischterminal aktiviert war und der Eingang einer Nachricht durch das gleichmäßige Blinken der Statusleiste angezeigt wurde.
Wikland setzte sich an seinen Schreibtisch und betätigte das Zugriffsterminal.
„Nachricht für Jan Erik Wikland - Vertraulich“ erschien auf dem Display und die Stimme des Schiffscomputers forderte ihn auf seinen Autorisationscode einzugeben.
Nachdem Wikland seine Kennziffern genannt hatte leuchtete auf dem Schirm eine Krankenakte auf, die mit dem Bild eines Mannes versehen war, dem er nie zuvor in seinem Leben begegnet war und den er auch nicht aus den Akten der Sternenflotte kannte. Es war der Krankenbericht einer Klinik in der einige Schnittverletzungen behandelt worden waren. Der Name des zirka 37 jährigen Mannes lautete auf Brendan P. Kehoe. Eine weitere Eintragung identifizierte Ihn allerdings als Peter Fennigan.
Den Angaben zufolge hatte sich der hagere Mann mit den kurzen braunen Haaren beim ungeschickten Umgang mit Werkzeugen bei der Reparatur seines Gleiters verletzt und war im Krankenhaus mit der Bitte um ärztliche Versorgung vorstellig geworden. Die weiteren Angaben enthielten Hinweise über Behandlungsmethoden und Nachuntersuchungen. Das alles ergab für Wikland keinen Sinn. Er las den Krankenbericht und die Entlassungsbestätigungen und lehnte sich dann kopfschüttelnd zurück.
„Computer, von wem wurde diese Datei übermittelt?“
Der Schiffscomputer antwortete umgehend.
„Die Datei wurde übermittelt von Commander David Alexander Robinson und ist versehen mit einer visuellen Nachricht!“
Wikland verzog verärgert das Gesicht, immer diese Versteckspiele. Eine Eigenart, die ihn an Robinson immer wieder gestört hatte.
„Computer, Nachricht abspielen!“
Das Krankenblatt auf dem Bildschirm wurde ersetzt durch das Gesicht von David Robinson, der mit einem süffisanten Lächeln in die Aufzeichnungskamera blickte.
„Hallo Captain Wikland, ich bedaure sehr, dass unsere Zusammenarbeit bereits nach einer so kurzen Zeit beendet ist. Ich stehe tief in Ihrer Schuld. Obwohl ich mich durch die Zerstörung des Störsenders Ihrer und Commander van Dyke’s Anweisungen direkt widersetzt habe, haben Sie alles unternommen um mich aus den Fängen der Separatisten zu befreien. Das hätte ich, und da bin ich ganz ehrlich, unter den gegebenen Umständen nicht erwartet.
Ich habe mich daher entschlossen meine Kenntnisse und Befugnisse im medizinischen Bereich ein wenig zu nutzen und für Sie diese Datei ausfindig gemacht. Ich hoffe Sie werden sie als nützlich erachten. Sie müssen sich allerdings 20 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzen. Übrigens habe ich eine weitere medizinische Dateneintragung gefunden, die Sie sicherlich auch interessieren wird.
Ich habe Sie den medizinischen Daten Ihres neuen ersten Offiziers Roger van Dyke zugeordnet. Sie erkennen Sie leicht wenn Sie nach Querverweisen über sein Koma suchen.
So Captain, damit möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Ich bin mir allerdings sicher, dass wir uns schon bald wieder begegnen werden, denn bei meiner neuen Tätigkeit werde ich sicher viel herumkommen und auch bald wieder in Ihrem Blickfeld auftauchen. Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute, und dass Sie immer wieder wohlbehalten die heimatliche Basis erreichen.“ Damit beendete der Computer die Wiedergabe der Nachricht und auf dem Display erschien wieder das Krankenblatt. Lange betrachtete der Captain die Darstellung der Daten auf dem Display und überlegte ob ihn dieser Mann an jemanden aus seiner Vergangenheit erinnerte. Das Gesicht und auch der Name passte zu keinem seiner früheren Freunde, und doch, irgendetwas an ihm kam Wikland unheimlich vertraut vor. Wieder und wieder las er die Angaben über Verletzungen und persönliche Daten und konnte trotzdem keinen Bezug auf sein früheres Leben finden. Er wollte gerade das Display abschalten, als ihm auf dem Bild des Mannes ein blinkender Gegenstand auffiel. Wikland rieb sich die müden Augen, das konnte doch nicht sein...
Mit einem Satz war er aufgesprungen und zu seinem Bett hinübergeeilt. Mit dem digitalen Fotodisplay kam er an seinen Schreibtisch zurück. Er drückte den Sensor und die Bilder von Ihm und seiner jungen Frau wechselten auf der Darstellungsfläche. Bei einem Bild seiner Frau Anka stoppte er. Um ihren Hals hing ein silbernes Kettchen mit einem Anhänger, der einen stilisierten Wasserfall darstellte. Die glitzernden Wasserperlen die in der Gischt aufblitzten waren durch kleine Juwelen dargestellt. Wikland wusste, dass es hiervon nur ein einziges Exemplar gab. Ein alter Freund der Familie, ein Goldschmied hatte diese Arbeit nach dem Ebenbild des Wasserfalls angefertigt, der auf dem Grundstück der Wiklands in einen kleinen See stürzte.
Dieses Kettchen hatte er seiner späteren Frau Anka zur Verlobung geschenkt und es gab nur eine Erklärung, wie es in den Besitz dieses Mannes gelangt sein konnte. Er war der Mörder seiner jungen Familie.
Die Bemerkung über Roger van Dyke, die David Robinson so ungemein wichtig angekündigt hatte, erregte ebenfalls das Interesse des Captains. Er hatte noch immer das Gefühl, dass in der Vergangenheit seines ersten Offiziers einige Lücken bestanden, die mit den vorliegenden Informationen zwar abgedeckt waren, der Captain glaubte jedoch, dass es genau das war.
Nur eine Abdeckung. Die wirklichen Geschehnisse wichen nach seiner Meinung deutlich von den beschriebenen Fakten ab. Für so etwas hatte er einen Riecher. Die Eintragungen in der Akte waren viel zu glatt, alles passte aneinander. Zudem die besondere und spezielle Akte, die er bereits studiert hatte. Kein normaler Sternenflottenoffizier hatte eine Sonderakte, wenn er nicht an irgendwelchen besonderen Situationen oder Projekten beteiligt gewesen war. Auch die bisherigen Erfolge des Commanders konnten bei allem Respekt für seine Leistungen kein Grund für solche geheimen Unterlagen sein.
Er gab dem Computer die Anweisung die Akte seines ersten Offiziers zu öffnen und das Konterfei von Roger van Dyke erschien auf der rechten Bildschirmhälfte. Links davon erschienen die persönlichen Daten und der Hinweis auf seine derzeitige Position und Dienststelle.
„Computer suche nach Querverweisen zum Koma, welches in der Krankenakte von Roger van Dyke vermerkt ist. Vollständige Suche nach allen Schlagwörtern.“
Der Bestätigungston ertönte und der Schiffscomputer antwortete: „Suche nach Querverweisen zum Koma von Roger van Dyke, bitte warten............Suche abgeschlossen, 34 Querverweise gefunden. Davon eine Datei mit besonderer Markierung durch Commander David Alexander Robinson.“
Wikland nickte zufrieden.
„Sehr gut. Computer, die markierte Datei zuerst aufrufen.“
Die Informationen, die nun auf dem Display erschienen gaben Auskunft über die Arbeit von Dr. Walter Bennings, dem Komaarzt, von dem Wikland in van Dykes Akte gelesen hatte.
Er betreute eine Gruppe von Arbeitern, die auf dem Mars durch die Druckwelle bei einer Explosion in ihren Schutzanzügen ins Koma gefallen waren. Der Arzt hatte sie über zwei Jahre lang intensiv betreut und konnte alle bis auf einen wieder ins Leben zurückholen. Der technische Defekt in den Schutzanzügen, der zur Umkehr der Sauerstoffversorgung geführt hatte, wurde durch eine Modernisierung der Anzüge behoben.
In der Mitte des Berichtes war der Behandlungszeitraum von David Robinson besonders markiert worden. Die Datei trug die persönliche Codierung von Walter Bennings und war von der Sicherheitsabteilung als normaler Bericht klassifiziert.
Wikland schaltete auf die Akte von Roger van Dyke um und erkannte sofort die Übereinstimmung. Es war nahezu ausgeschlossen, dass der Arzt bei all seinem Können Patienten auf dem Mars und gleichzeitig auf der Erde intensiv und persönlich betreuen konnte. Er konnte also eine dieser Aufgaben nicht erfüllt haben.
„Computer alle Informationen anzeigen, die mit der Verletzung und Behandlung der Patienten auf dem Mars zu tun hatten.“
Der Bildschirm zeigte nacheinander Videoaufnahmen der geborstenen Atmosphärengeneratoren und der Behandlung der Patienten an. Eine Datei enthielt eine Art Logbuch, in dem die wöchentlichen Fortschritte von Dr. Bennings selbst wiedergegeben wurden. Damit stand fest, dass die Akte in van Dykes Daten eine Fälschung war. Aber wenn es so sein sollte, was sollte damit verborgen werden?
Wikland erinnerte sich an die Bemerkung von Henry Blackwood, welche dieser beim Essen gemacht hatte.
„Computer, welche geheimen Projekte wurden von der Föderation im Zeitraum des Komas von Roger van Dyke durchgeführt?“
Der Computer ließ einen kurzen Signalton hören und meldete dann:
„Diese Information steht nur dem Geheimdienst der Sternenflotte mit Sicherheitscode Tango, Victor Lima zur Verfügung.“
Wikland schlug verärgert mit der Faust auf den Tisch, das hätte er sich denken können, wenn nicht einmal Henry Blackwood an verschiedene Informationen herankam. Er musste es also wieder einmal durch die Hintertür versuchen. Mal sehen, wie clever die Künstliche Intelligenz beim Aufspüren von Zusammenhängen war,
„Computer, deckt sich der Beginn eines der Geheimprojekte der Föderation annähernd mit dem Datum an dem das Koma von Roger van Dyke begann?“
Während Wikland auf die Antwort wartete überlegte er, ob der Computer seinen Plan durchschauen würde, aber bereits Sekundenbruchteile später kam die Rückmeldung des Computers:
„Positiv, die Sternenflotte hat ein Projekt gestartet, welches zehn Tage nach dem Unfall des Commanders offiziell in den Akten erwähnt ist.“
Der Captain atmete auf, die Technik war wieder einmal auf eine einfache Frage hereingefallen. Die direkte Frage nach einer Geheiminformation wurde abgeblockt. Der Vergleich von Datumsangaben hingegen schien der Computer für eine ganz normale Sache zu halten und hatte keine Hemmungen in den geheimsten Akten der Sternenflotte nach Übereinstimmung zu suchen. Ein Fehler, dessen Korrektur Wikland seiner Chefingenieurin bei passender Gelegenheit zur Aufgabe machen würde. Für heute jedoch war sein Wissensdurst erst einmal gestillt.
Er beschloss, van Dyke von seiner Entdeckung erst einmal nichts zu verraten, er wollte erst noch mehr Informationen zusammentragen. Aber dann würde er ihn sich vornehmen. Er konnte es nicht leiden, wenn seine Mannschaft Geheimnisse vor ihm hatte. Für den Captain war es wichtig, alle Hintergründe zu kennen, damit er im Zweifelsfalle entsprechend entscheiden konnte.
Kapitel 21
Lt. Commander Jefferson hatte im Maschinenraum alle Aggregate überprüft und war dann auf die Brücke gegangen um die neuen und modifizierten Steuerprotokolle in die technische Station der Brückenkontrolle zu integrieren. Sie drehte sich gerade in dem Moment von der Ingenieurskonsole zum Hauptschirm, als die Alexandria auf die Sternenbasis 491 zusteuerte und sah beim Anflug auf den Andockring gerade noch den Traktorstrahl, der einen T-164 Deltawing Jäger in den Schutzhangar zog.
„Haben Sie das gesehen Captain, das war ein T-164, von den alten Erdstreitkräften...“ sagte van Dyke zu Wikland
„...ein richtiges Stück Föderationsgeschichte“.
Es musste ein originalgetreuer Nachbau, eine Replika sein, denn es gab keine Schiffe dieser Bauart mehr, die im ersten Verteidigungskrieg der noch jungen Föderation eingesetzt worden waren.
Ein wendiger und gut bewaffneter Einmann-Jäger mit enormer Feuerkraft und hoher Beschleunigung. Nahezu jeder Pilot der Sternenflotte träumte davon ein solches Schiff einmal aus der Nähe zu sehen.
Jefferson hatte schon beim letzten Besuch der Station davon gehört, dass ein Schiff aus dem späten 21. Jahrhundert auf der Station erwartet wurde, da es in Kürze zum Smithsonian Institute of Technologie überführt werden sollte.
„Captain...“ ohne weiter darüber nachzudenken gab Sie ihrem Wunsch nach
„...ich bitte um Freistellung vom Dienst und die Erlaubnis zur Station hinüberzubeamen, ich möchte mir dieses Schiff gerne aus der Nähe ansehen.“ Wandte sie sich an den Captain.
„Tut mir leid Lt. Commander...“ erwiderte Wikland
„...aber diesen Wunsch kann ich Ihnen nicht erfüllen, ich habe Admiral Parker versprochen, dass Sie ihm bei einer technischen Überprüfung auf der Station für 2 Wochen behilflich sind, und ich halte meine Versprechen.“
In Jefferson kochte es.
„...aber Captain, Sie selbst haben gesagt, ich hätte mir einen ausgedehnten Freigang verdient, und die Gelegenheit den Nachbau eines T-164 aus der Nähe zu sehen wird wahrscheinlich nie wiederkommen, wenn er erst einmal im Smithsonian Institute in der Halle hängt...“
Der Captain verlieh seiner Stimme etwas mehr Gewicht
„Sie werden meinen Befehl befolgen und sich in 30 Minuten bei Admiral Parker vom technischen Dienst der Raumstation melden und ich erwarte, dass Sie die Ihnen gestellte Aufgabe mit der gleichen Präzision und Hingabe erfüllen, wie Sie Ihren Dienst hier an Bord erledigen, ist das klar ?“
Obwohl sich in J.J’s. Magen alles zusammenkrampfte antwortete Sie mit einem deutlichen: „Ja, Sir!“ und verließ die Brücke, um sich für den Transfer vorzubereiten.
Sie konnte die Reaktion des Captains nicht verstehen, er war mit ihrer Leistung nach dem Kampf gegen die Argosianer und der vergangenen Mission doch so zufrieden gewesen und jetzt verlangte er von ihr, dass sie weitere zwei Wochen Dienst schieben sollte, noch dazu wo jetzt alle anderen nach Schichtende auf die Sternenbasis gehen konnten. Sie fluchte leise in sich hinein. Diese Art von offensichtlichen Ungerechtigkeiten brachte sie immer wieder auf die Palme.
Es waren genau 24 Minuten vergangen, als sie in Transporterraum 7 der Station materialisierte. Obwohl sie früh dran war, war der Admiral bereits anwesend und wartete mit einem dünnen Lächeln auf den Lippen.
In seiner linken Hand hielt er seine Pfeife die leichte Rauchfäden von sich gab.
„Hallo Lt. Commander, ich freue mich, dass Captain Wikland Sie für diese spezielle Angelegenheit von technischen, wie soll ich sagen, vorsintflutlichen Reparaturen abstellen konnte.“ Jefferson verstand gar nichts mehr.
„Wenn Sie mir bitte folgen wollen, wir müssen runter auf Deck 24. Ich habe mir sagen lassen, Sie kennen sich mit der Konfiguration von Kernfusionstriebwerken der ersten Generation aus und sind in der Lage diese in Gang zu setzen.“
Sie betraten den Turbolift und er übergab ihr einen Sicherheitsausweis der Stufe Gelb, was bedeutete, dass es in einen Hochsicherheitsteil der Station ging, der nur der Führungsebene und wenigen hochrangigen Sicherheitsoffizieren zugänglich war.
„Das schon, es ist eines meiner vielen Hobbys, aber die Station wird doch durch eine Materie/Antimaterie-Standardeinheit versorgt.
Welche Simulation wollen Sie denn in Ihrem Labor aufbauen? Diese Technik ist schon total veraltet und es gibt meines Wissens nach keine Gründe, die eine erneute Verwendung dieser Technologie rechtfertigen könnten.“ entgegnete die junge Frau.
„Oh, es handelt sich nicht um die Station...“ sagte Admiral Parker und machte dabei mit der Pfeife in der linken Hand einen großen Kreis. Sie verließen den Turbolift, durchschritten eine Luftschleuse und standen vor einer Tür mit Codesystem, die von zwei Sicherheitsoffizieren bewacht wurde. Er nahm einen genüsslichen Zug aus seiner Pfeife, bei dem er Jefferson lange anblickte, stopfte dann den Tabak nach und deutete dann mit der Pfeife auf die geschlossene Tür.
„...Es geht vielmehr um die Wiederbelebung eines Mythos...“ und im gleichen Augenblick öffnete sich das Tor und gab den Blick auf den
T-164 Deltawing frei, der im Hangar stand.
„Sie sollen den Antrieb dieses Babys wieder Flott machen...“
J.J. war wie gelähmt vor Erstaunen. Mit so etwas hatte sie überhaupt nicht gerechnet. Mit langsamen Schritten durchquerte sie die Halle.
Der Deltawing glänzte, und mit seiner frischen Lackierung sah er aus wie gerade aus der Werft gekommen. Das Schiff war eine Mischung aus einem Flugzeug und einem Raketenbauteil, wie es früher für Marschflugkörper verwendet wurde.
Die kurzen Stummelflügel mit den nach oben gerichteten Flügelenden machten es Atmosphärentauglich. Hinter den Flügeln schloss sich der Triebwerksblock an, der aus zwei Haupttriebwerken und einigen Steuerdüsen bestand. Die Steuerdüsen waren das Geheimnis der Wendigkeit dieses Jägers. Selbst bei maximaler Beschleunigung konnte man durch Zünden dieser Düsen waghalsige Manöver fliegen.
Jefferson hatte das kleine Schiff in einem weiten Bogen umrundet und stand nun direkt vor der Pilotenkanzel. Sogar das Angriffssymbol, ein Falke mit ausgebreiteten Schwingen und ausgefahrenen Krallen die nach der Beute schnappen, glänzte in frischen Farben an der Bugspitze.
Es war eine Hommage an die Kampfpiloten der ersten Weltkriege auf der Erde, die Ihren Kampffliegern diese Symbole gaben und meist einen besonderen Rufnamen trugen, der sie und Ihr Schiff identifizierte.
Jaqueline ging am Fahrwerk vorbei und betrat den Jäger, der nur wenig Platz im Cockpit bot, durch die rückwärtige untere Einstiegsluke. Die für heutigen Standard spärlichen Instrumente trugen das typische Design des späten 21. Jahrhunderts.
Die Besonderheit dieses Schiffes aber war der Steuerknüppel, der dem Piloten wie bei den alten Flugmaschinen der Erde die Möglichkeit gab das Schiff direkt mit den Händen zu steuern.
Das musste ein phantastisches Gefühl sein, wenn das Schiff den eigenen Bewegungen direkt folgte, ohne irgendwelche Computerunterstützung.
Es war eine gute Arbeit, von der modernen Technik war überhaupt nichts zu sehen und Jefferson fragte sich, ob man die wahrscheinlich im verborgenen angebrachten, modernen Displaykontrollsysteme mit den überall hervorstehenden Kipp- und Druckschaltern verbunden hatte.
Soweit sie sich erinnerte, entsprachen alle Bedienpanels den Abbildungen und Zeichnungen, die sie aus alten Büchern und den Dateien der Sternenflotte kannte.
Alles war vorhanden, bis hin zur letzten kleinen Schraube. Obwohl das Äußere des Jägers mit der frischen Farbe aussah, als komme er gerade aus der Fabrik, so hatte man im Cockpit eher den Eindruck als habe man schon einige Schlachten mit Ihm geschlagen. Bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, dass einige der Schalter schon deutliche Abnutzungserscheinen zeigten, teilweise abgegriffen waren und an manchen Stellen die Beschriftung der Schalter und Knöpfe unvollständig war. Gerade so, als habe man die Schalter beim Systemcheck vor dem Take-off mehrere hunderte Male gedrückt.
Ihr Blick fiel dann auf eine auffällige Plakette neben dem Steuerpult. Sie trug das Falkensymbol, welches auch am Bug auflackiert war, eine Risszeichnung des alten Sternenflotten Symbols und in der Mitte prangte eine Gravur mit der Aufschrift:San Francisco Fleet Yard
In Dienst gestellt 5. März 2189
Seriennummer: 1034-Delta
Pilot : Wild Falcon
Mit dem ihr eigenen Temperament und einem unverkennbaren entrüsteten Unterton wandte sie sich an den Admiral, der entspannt in der Einstiegsluke stand, sich mit der rechten Hand am oberen Lukenrand abstützte einen weiteren Zug aus seiner Pfeife nahm und das Aroma des Tabaks auf der Zunge schmeckte.
„Finden Sie es als Mitglied der Sternenflotte bei einem solchen legendären Schiffstyp nicht ein wenig anmaßend und geschmacklos für diesen nachgebauten Jäger auch noch das markante Original-Serienschild zu kopieren?“
„Wer sagt denn, dass das ein Nachbau ist?“ entgegnete der Admiral mit ruhiger Stimme und einem verschmitzten Lächeln „Wir haben ihn bei Verhandlungen mit den Vorisi auf Derian III gefunden. Ein alter Pilot hatte ihn sich damals als Kriegsbeute unter den Nagel gerissen und er wurde zufällig in seiner Lagerhalle entdeckt. Seine Nachfahren hatten keine Verwendung dafür und waren gerne bereit den Jäger an die Vertreter der Sternenflotte abzugeben“
Augenblicklich zog Jefferson ihre Hände vom lederbezogenen Pilotensitz weg, so als hätte sie gerade verbotener Weise eine Heiligenfigur berührt. Sie stand in einem Original Deltawing, das würde ihr ohnehin keine Menschenseele glauben, soviel war sicher.
„Captain Wikland hat erwähnt, dass Sie neben Ihren technischen Fähigkeiten eine hervorragende Pilotin sind und er hat uns empfohlen Sie auch mit den Testflügen für diesen Jäger zu betrauen. Wir wollen ihn in voll funktionsfähigem Zustand an das Institut übergeben. Wenn Sie das alles innerhalb von 3 Tagen schaffen, können Sie sogar die Überführung zur Erde übernehmen, da Sie von Captain Wikland für ganze zwei Wochen abgestellt sind.“
Die junge Frau kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, soviel Glück auf einmal konnte sie gar nicht fassen.
„Darauf können Sie Gift nehmen, Admiral“ lachte Jefferson und machte sich gleich an die Arbeit.
„Ich gebe mein Bestes. Morgen abend wird er wieder fliegen, und zwar aus eigener Kraft!“
Erst in diesem Moment wurde ihr richtig bewusst, dass diese Aufgabe eigentlich kein Dienst, sondern ein besonderes Dankeschön des Captains war, für den ungewöhnlich hohen Einsatz der letzten Wochen.
Während sie am Terminal des Hangars stand fiel ihr das geflügelte Wort der Alexandria Crew ein.
„Jeden Tüchtigen erwischt es Irgendwann einmal!“
Sie war dem Captain auf den Leim gegangen und hatte nichts gemerkt.
Lächelnd griff sie nach der Zugangskarte und rief damit die Baupläne des Antriebsaggregates des T-164 Jägers am Terminal auf.* * *
An Bord der Alexandria war Ruhe eingekehrt, das Schiff umkreiste in einem engen Orbit die Station und machte einen fast schlafenden Eindruck. Nachdem der Captain den Standarddienstplan aufgehoben hatte, waren nicht viele an Bord zurückgeblieben. Lediglich in den Decks mit den Quartieren waren noch einige, meist Zivilisten, zu sehen die von den zurückliegenden Vorfällen nur wenig mitbekommen hatten und Ihrem normalen Tagesablauf nachgingen.
Die restlichen Decks der Alexandria waren wie leergefegt, lediglich Holodeck zwei und fünf waren belegt und einige Bordwachen waren in den Decks und auf der Brücke im Dienst. Der Rest der Mannschaft war auf die Station hinübergebeamt um einige Einkäufe zu tätigen und in den Freizeiteinrichtungen zu entspannen.
Im Gang auf Deck sieben war trotz der exzellenten Schalldämmung der Nebula Klasse der leise Wohlklang eines Steinway Flügels wahrzunehmen. Jeder der diese Musik hörte, wusste genau, dass sie nicht vom Audiosystem des Schiffes stammte, welches in der Lage war jede Musikrichtung und jedes Instrument akustisch perfekt zu reproduzieren.
Ein großer blonder Mann saß zufrieden vor dem Flügel in seinem kühlen Quartier und schmunzelte, während er sein Lieblingsstück auf dem antiken Musikinstrument spielte.
Ende der Aufzeichnung
