Kapitel 10
Die Alexandria hatte bereits den größten Teil des Randgebietes durchquert und näherte sich weiter mit Warp 9 ihrem Bestimmungsort.
Roger van Dyke hatte das Brückenkommando, während Captain Wikland in seinem Bereitschaftsraum die Berichte der vergangenen Schichten prüfte. Obwohl dies zu den Pflichten des ersten Offiziers zählte, war Wikland nicht davon abzubringen, sich sein eigenes Bild über die Vorgänge auf dem Schiff und die Leistungen seiner Crew zu machen.
Carah Pehl drehte sich an Ihrer Station zu van Dyke um, „Commander, ich erhalte ein starkes Kommunikationssignal das durch einen richtungsgebundenen Emitter direkt auf unser Schiff gerichtet ist.“
Van Dyke wandte sich an K’Orak,
„Können Sie feststellen, ob dieses Signal von einem Schiff oder einem Planeten abgestrahlt wird, und von welchen Koordinaten es gesendet wird?“
„Es stammt von einem Schiff in unserer Flugbahn, dass direkten Kurs auf uns hält und eine Rendezvousposition in ungefähr 5 Minuten erreichen wird.“ antwortete K’Orak nach einem kurzen Blick auf seine Konsolen.
Van Dyke berührte seinen Kommunikator.
„Captain Wikland, wir werden von einem fremden Schiff kontaktiert, bitte kommen Sie auf die Brücke“
Noch im selben Moment öffnete sich die Tür im hinteren Bereich und Captain Wikland trat auf die Brücke „Captain auf der Brücke!“ rief der Wachposten während dieser bereits auf dem Weg zu seinem Sessel war und der Brückencrew die Anweisung gab „Alarmstufe gelb, alle Mann auf Ihre Posten, voller Stopp.“.
Er baute sich vor seinem Stuhl auf, zog seine Uniform glatt und gab dann Lieutenant Carah Pehl durch ein Kopfnicken die Bestätigung den Ruf auf den Hauptschirm zu legen.
Im Hintergrund leuchteten die eingelassenen Leuchtbänder in den Wandpanels in gelber Farbe und einem gleichmäßigen Rhythmus auf, während die Hauptbeleuchtung der Brücke abgedunkelt wurde.
Auf dem Schirm erschienen 3 Personen, die an einem Tisch saßen, der allem Anschein nach in einem Besprechungsraum zu stehen schien. Die Wände im Hintergrund waren mit einem grauen Stoff bespannt und es waren weder technische Einrichtungen noch weitere Möbel zu erkennen.
Die Personen waren humanoide Wesen, die gegenüber den Menschen ungewöhnlich groß gewachsen waren, auch wenn kein direkter Vergleich möglich war. Sie verfügten über 4 Arme und zwei Beine, wobei die Arme untereinander angebracht waren und das untere Paar deutlich kürzer war als das obere. Die Kopfform erinnerte stark an ein auf einen Luftballon projiziertes menschliches Gesicht. Alle Merkmale wie Nase, Augen, Ohren und Mund waren vorhanden, es ließen sich jedoch keine Konturen ausmachen, die bei den Menschen den individuellen Charakter eines Kopfes und Gesichtes klar herausstellten.
Das Mittlere der Wesen übernahm das Wort und nach einigen Sekunden, in denen nur die Lippenbewegungen zu sehen waren kamen die ersten Worte aus dem Universalübersetzer.
„Wir sind Repräsentanten der Welten von Daleria, mit welchem Recht und Ziel sind Sie in den von uns verwalteten Raum eingedrungen?“
Captain Wikland straffte sich kurz und begann dann
„Mein Name ist Jan Erik Wikland, Captain des Raumschiffes U.S.S. Alexandria der Föderation der vereinten Planeten.“
Er machte ein kurze Pause, da er vermutete, dass auch sein Gegenüber erst einige Sekunden für die Sprachanpassung benötigte.
„Wir waren uns nicht bewusst, dass Sie diesen Sektor inmitten dieser Sternenhaufen und Pulsare als Ihr Territorium beanspruchen. Wir sind auf dem Weg um unserem Außenposten am anderen Ende dieses Sektors einen Besuch abzustatten und hatten erstmals diese kürzere Route gewählt.“
Wikland fühlte sich unwohl, er hasste diese Art von Erstkontakt, in der jedes Mal eine Art Entschuldigung angeführt werden musste und meist auch noch diplomatische Schachzüge durchzuführen waren um weiterreisen zu können.
„Ihre Rasse und Ihr Sternensystem sind uns bislang unbekannt, würden Sie bitte erklären wie wir Sie nennen dürfen und woher Sie kommen?“ versuchte er den Ball zurückzuspielen.
Für den Moment funktionierte diese Taktik und die Aliens auf dem Bildschirm gaben seiner Meinung nach ein wenig zu bereitwillig Auskunft über die gestellten Fragen.
„Wir kommen vom Sternensystem Daleria, dass aus einer Doppelsonne und 12 Planeten besteht. Unsere Rasse nennt sich Dalerianer. Mein Name ist Karthofeen und ich bin der Alvat der Sigortaan dem Patrouillenschiff dieses Sektors, Sie können meine Position mit der Ihren vergleichen. An meiner Seite...“, er deutete nach rechts, „...sehen Sie Trelluut, den Astovar unseres Schiffes, sowie Palatiin unseren Vestral“, damit deutete er auf seinen linken Nebenmann. Sowohl die Titel als auch die Namen klangen sehr ungewohnt und ließen keine schnelle Analyse zu, welchen Wissensgebieten Sie zuzuordnen waren.
Mit einem leichten fordernden Unterton fuhr Karthofeen fort,
„Leider war Ihre Antwort auf unsere Frage nicht ausreichend um Ihnen die Weiterreise zu gewähren. Sie müssen sich erneut gegenüber uns erklären. Mit welchem Recht und Ziel sind Sie in den von uns verwalteten Raum eingedrungen? Zu dieser Frage erwarten wir eine detaillierte Information. Um Ihnen genügend Zeit für die Vorbereitung Ihrer Äußerung zu geben gewähren wir Ihnen eine angemessene Beratungsfrist. Wir melden uns in einer Periode wieder und erwarten Ihre Antwort“, damit war die Verbindung unterbrochen und der Schirm der auf die Außenansicht schaltete, stellte bildfüllend das inzwischen eingetroffene Schiff der Dalerianer dar.
„Lieutenant Alisha, nehmen sie die Vergrößerung auf 1:1 zurück“ wies Wikland die Bolianerin an der OPS an.
„Captain, das ist der eingestellte Standardmodus. Das Schiff ist zur Zeit ca. 2000 Meter von uns entfernt. Sein Volumen entspricht dem achtfachen unserer Größe“, kam die Antwort umgehend zurück.
Obwohl Wikland als nordischer Recke so schnell nicht aus der Ruhe zu bringen war musste er sich nach dieser Nachricht erst einmal setzen.
„Captain, kann es sein, dass Sie meine Dienste benötigen ? Ich fühle die Präsenz von anderen Wesen.“
Kam die Stimme von Tara Inana Anu’U der Aliencontacterin mit einem unverkennbaren Maß an Überheblichkeit über die Kom-Anlage. Genau das hatte ihm gerade jetzt noch gefehlt. Eine Diskussion mit Tara Anu’U. Wikland verzog sein Gesicht bevor er sich dazu aufraffte seinen Kommunikator zu berühren und zu antworten.
„Wikland hier, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Aber die Universalübersetzer haben für die ersten Wortwechsel ausgereicht und nach einer ersten Beurteilung unserer Lage werde ich entscheiden, ob wir Sie im vorliegenden Fall benötigen. Einstweilen vielen Dank für Ihre freundliche Bereitschaft zu helfen. Wikland ende.“
Der Captain respektierte die Sonderbotschafterin Tara Inana Anu’U, aber er konnte ihre oft überhebliche Art nicht leiden.
Sie war sehr von sich eingenommen und ließ die Terraner häufig spüren, dass sie aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten von einer höher entwickelten Kultur stammte. Ein weiterer Punkt war, dass Sie als einzige Person mit dem Klingonen K’Orak ein wirklich gutes Verhältnis pflegte, der dem Captain der größte Dorn im Auge war. Er folgte zwar seinen Befehlen, ließ aber keinen Zweifel daran, dass er sich nur ungern unterordnete und somit seine Ehre nicht durch sofortige Zweikämpfe verteidigen konnte.
Wikland richtete sich an seine Brückencrew
„Ich möchte alle verfügbaren Informationen über diese Rasse, Ihr Schiff, die technologische Stufe auf der sie stehen und Vorschläge zur Lösung dieses Problems. Lassen Sie Tara Inana an der Besprechung teilnehmen. Sie soll sich die Aufzeichnung unseres ersten Gespräches ansehen und mir Ihre Einschätzung geben. Wir treffen uns in 15 Minuten im Besprechungsraum.“ Damit stand er auf und verschwand in seinem Bereitschaftsraum, begleitet von der Meldung des Wachoffiziers „Captain verläßt die Brücke“.* * *
In dem Moment in dem Wikland den Bereitschaftsraum betreten hatte meldete sich Carah Pehl über die Audioanlage.
„Captain, wir erhalten einen Notruf von Starfleet auf der Prioritätsfrequenz.“
„Stellen Sie durch!“ antwortete Wikland und im selben Moment erschien Commander Nicolai Graves auf dem Wandschirm. „Hier spricht die Wissenschaftsstation Merlin der Föderation im Orbit um Sakras 5. Wir sind in einen Konflikt mit der heimischen Bevölkerung und einer Rebellengruppe verwickelt worden. Die Rebellen haben unsere Station angegriffen, da sich zur Zeit einige Repräsentanten von Sakras 5 bei uns befinden. Des weiteren wurde der Kontakt zu unserem Forschungszentrum auf dem Zentralplaneten sowie unserer Beobachtungsstation auf einem der Monde unterbrochen.
Wir benötigen dringend Hilfe, unsere Station ist nur mit normalen Schilden ausgestattet und kann eventuellen weiteren Angriffen nicht auf Dauer widerstehen. Ich wiederhole, wir benötigen dringend Hilfe....“
Die Bilddarstellung verzerrte sich bis zur Unkenntlichkeit und endete dann abrupt. Der Captain drehte sich zu Lieutenant Alisha um, die sofort begriff, dass der Captain nun Informationen zur Station Merlin benötigte. Schnell rief sie über die im Tisch eingelassene Computerbedienfläche die entsprechenden Informationen ab und gab sie weiter,
„Die Station Merlin liegt im Sektor 331, nicht weit von unserer derzeitigen Position entfernt. Allerdings würden wir bei einer Hilfestellung unser derzeitiges Ziel nicht mehr in der vorgesehenen Zeit erreichen. Die Station wurde vor zirka vier Jahren im Orbit um Sakras 5 errichtet. Sie dient dem Studium der sakranianischen Kultur und dem Technologieaustausch auf niedrigem Niveau. Auf der Station sind 459 Starfleet Angehörige und 67 Zivilisten untergebracht. Der Zusammenbruch des Kom-Signals deutet darauf hin, dass ein Störsignal zur Zerstreuung der Trägerwelle eingesetzt wurde.“ Erklärte Alisha
„Können wir davon ausgehen, dass andere Schiffe den Ruf ebenfalls erhalten haben und zu Hilfe kommen können?“ fragte Wikland in die Runde.
„Das ist nicht anzunehmen...“ ergriff Lt. Commander Sermin der vulkanische Wissenschaftsoffizier das Wort,
„Die Alexandria ist zur Zeit das nächste Schiff. Diese Subraumübertragung benötigte eine Zeit von 17,548 Minuten um uns zu erreichen, dass bedeutet es werden 2,352 Stunden vergehen, bis sie die nächstgelegene Sternenbasis erreicht. Bezieht man alle Fakten, auch die Unterbrechung des Sendesignals mit in die Berechnung mit ein, ist davon auszugehen, dass jedwede andere Hilfsaktion zu spät eintreffen würde. Basierend auf den aktuellen Einsatzplänen könnte höchstens die U.S.S. Exeter den Notruf empfangen, doch selbst Sie würde bei maximaler Geschwindigkeit über 10 Tage brauchen um diesen Sektor zu erreichen.“Die Gleichgültigkeit, mit der Sermin seine Ausführungen artikulierte ließ einen kalten Schauer über den Rücken von Jan Erik Wikland laufen. Diese Vulkanier erweckten immer wieder den Anschein als sei ihnen alles um Sie herum egal, als gäbe es nichts Erstrebenswertes oder schützenswertes neben der Logik. Nicht einmal der mögliche Verlust von vielen Menschenleben erzeugte eine feststellbare Reaktion.
Während seines Vortrages war das Gesicht von Sermin ohne jede Bewegung oder Veränderung geblieben. Man hatte wirklich manchmal das Gefühl mit einem Roboter zu kommunizieren. Und selbst dieser Vergleich war schon eine Diskriminierung, seitdem Starfleet den Androiden Data offiziell auf der U.S.S. Enterprise als 2. Offizier eingesetzt, und als selbstständige Lebensform anerkannt hatte.
„Das bedeutet, dass wir eine Entscheidung treffen müssen, entweder unseren Auftrag durchzuführen oder Rettungsmaßnahmen einzuleiten. Allerdings besteht auch unser derzeitiger Auftrag in einer Hilfestellung für die Sternenbasis in Sektor 325. Es ist schon schwer genug, dass wir an zwei Orten gleichzeitig sein sollten, aber dazu müssen wir noch Diskussionen mit den Dalerianern führen über den Durchflug durch Ihren Sektor.“
Wikland machte ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter, diese diplomatischen Pflichten waren Ihm ein Greuel. Er war ein Mann der Tat, der einen ehrlichen Kampf irgendwelchem Geschwafel vorzog.
„Wir sollten Kurs setzten und diesen Rebellen die Köpfe abschlagen und diese den Kopacks zum Fraß vorwerfen, gegen ein solches Schiff wie die Alexandria können kleine Gruppen ohnehin nichts ausrichten.“ platzte es aus K’Orak hervor.
Als klingonischer Krieger hasste er das Austauschprogramm der Flotten wie die Pest. Diese Föderationsschiffe waren doch ohnehin nur auf Kaffeefahrten unterwegs und wenn sich ein Konflikt entwickelte waren Sie meist bemüht, diesen ohne Kampf und nur durch Wortgefechte zu beenden. Eine nach K’Oraks Meinung verweichlichte und unehrenhafte Einstellung.
„Nein Mr. K’Orak, wir haben einen Auftrag erhalten und ich werde Ihn ausführen. Pflichterfüllung ist eines der obersten Gebote Starfleets und dies ist nicht verhandelbar, ist das klar ?“
Wikland sah dem Klingonen fest in die Augen, bis dieser mit einem leichten Senken des Kopfes zu verstehen gab, dass er den Standpunkt des Captains akzeptierte. Daraufhin erfolgte zunächst keine weitere Wortmeldung und es war nur das leise Brummen des Warpantriebs zu vernehmen, der die internen Systeme des Schiffes mit Energie versorgte.
„Captain, ich empfehle das wir uns mit unserem Zielpunkt in Verbindung setzen und die aktuellen Gegebenheiten abfragen, dann können wir uns entscheiden, welcher Situation wir den Vorrang geben“ unterbrach van Dyke die Stille im Raum.
„Das ist ein akzeptabler Vorschlag, Lieutenant Carah stellen Sie eine Verbindung mit Captain Wenninger von Sternenbasis Sagittarius her, wir möchten die Lage erörtern.“ sagte Wikland und fast im selben Moment erschien das Föderationslogo auf dem Wandschirm, das andeutete, dass eine Kommunikationsverbindung zur Station aufgebaut wurde.
Nach wenigen Sekunden erschien das entspannte Gesicht von Carl Wenninger auf dem Schirm das nicht das Gefühl vermittelte, dass dringende Hilfe von Seiten der Sternenflotte benötigt wurde. Es hatte eher den Anschein als ob sich der Captain gerade dazu entschlossen habe eine Urlaubsreise anzutreten und sich völlig entspannt auf das bevorstehende Ereignis freute. Obwohl Wikland durch dieses Verhalten etwas verwirrt war, zögerte er keinen Moment mit seinen Fragen.
„Hier spricht Captain Jan Erik Wikland von der U.S.S. Alexandria, Captain wir wurden von Starbase 491 losgeschickt, um in Ihrem Sektor durch unsere Präsenz die Gemüter ein wenig abzukühlen. Allerdings sind wir auf unserer etwas kürzeren Route durch die Kugelsternhaufen durch eine fremde Rasse aufgehalten worden, mit der ein Erstkontakt durchgeführt werden muss. Zudem haben wir einen Notruf der Station Merlin aufgefangen, die durch rivalisierende Gruppen in einen Bürgerkrieg hineingezogen wurde. Wir sind das einzige Schiff in Reichweite, möchten uns allerdings zunächst über Ihre Situation erkundigen bevor wir eine Rettungsmission einleiten.“ Erklärte Wikland.
„Hallo Captain Wikland, schön von Ihnen zu hören. Wir haben bereits vor 3 Tagen die Nachricht erhalten, dass Sie unterwegs sind...“ Die Stimme von Carl Wenninger klang wie die Unterhaltung einiger distinguierter britischer Gentleman, die sich an einem Sonntag nachmittag in Ihrem Herrenclub über das ausnahmsweise schöne Wetter unterhielten.
„...vor zwei Wochen hatten wir einige Turbulenzen in unserem Sektor. Sie wissen schon die Romulaner können manchmal sehr nervig sein. Bedauerlicherweise kam es auf unserer Station zu einem kurzzeitigen Ausfall der Energiewandler für die Signalabschirmung der Kommunikationskanäle, so dass die Romulaner alle an uns gerichteten Nachrichten problemlos mithören konnten. Unglücklicherweise kam gerade in dieser Zeit die Nachricht über die Entsendung eines Schiffes der Galaxy bzw. Nebula Klasse in unseren Sektor. Seit dieser Zeit haben sich alle romulanischen Schiffe aus unerfindlichen Gründen wieder hinter die vereinbarten Grenzen zurückgezogen und klopfen höflich bei uns an, bevor Sie wegen geschäftlicher Dinge in den Sektor einfliegen oder Ihn auf dem Weg zu den Quantalus Kolonien durchqueren.“
Captain Wenninger lehnte sich in seinem Stuhl zurück und nahm ein PADD von seinem Schreibtisch auf.
„Tja, eine kleine technische Panne zum rechten Zeitpunkt bewirkt manchmal mehr als komplexe Verhandlungen oder offene Drohungen.“ bestätigte Wikland,
„Vergessen Sie nicht den diensthabenden Offizier für die Vernachlässigung seiner Pflichten zu tadeln.“ fügte er hinzu und zeigte ein feines Lächeln auf seinen Lippen.
„Das werde ich bestimmt nicht vergessen, für diese Idee werde ich Ihm wohl eine Beförderung androhen müssen, er hat diese Kreativität schon wiederholt unter Beweis gestellt.“
Ein leises Lachen ging durch den Raum und auch der Vulkanier Sermin konnte es nicht unterlassen eine Augenbraue zu heben, ein deutliches Zeichen dafür, dass er auf eine weitere Verhaltensweise der Menschen gestoßen war, die den Regeln der Logik widersprach.
„Nun aber mal ernsthaft Captain Wikland...“
Wenninger schaute auf sein PADD und richtete dann seinen Blick wieder auf die Kommunikationseinrichtung.
„Bei uns ist im Moment alles in bester Ordnung und ich bin mir sicher, dass die Situation auch noch eine Woche oder zwei halten sollte, um aber unsere romulanischen Freunde nicht zu enttäuschen sollten Sie oder einer Ihrer Kollegen noch mal hier vorbeischauen und mit dem verantwortlichen Zenturion des angrenzenden romulanischen Sektors ein paar Takte reden, sonst werden derartige Spielchen in der Zukunft nicht mehr glaubwürdig sein.“
Wikland atmete auf und nahm eine bequemere Haltung in seinem Sessel ein.
„Ich verstehe Captain Wenninger, wir werden die U.S.S. Exeter bitten Sie zu besuchen, sofern Starfleet zustimmt. Sie könnte in 7 Tagen bei Ihnen sein. Das versetzt uns in die Lage bei Sternenbasis Merlin in die Geschehnisse einzugreifen, …wenn wir unsere Freunde da draußen für unseren Abflug gewinnen können“ ergänzte Wikland
„Dann viel Glück und lassen Sie von sich hören, wer uns in Kürze besuchen wird, Wenninger ende.“
Mit diesem Gruß verschwand die Bildkommunikation vom Schirm und das Sternenflotten Symbol erschien wieder auf dem Wanddisplay.
„Lieutenant Carah, wir werden unseren Kurs ändern und Starbase Merlin unterstützen, sobald wir diesen Erstkontakt hinter uns haben. Informieren Sie das Hauptquartier über unsere derzeitige Situation sowie über unser Gespräch mit Captain Wenninger. Teilen Sie mit, dass wir die Übertragung unseres Auftrages an die U.S.S. Exeter empfehlen und verlangen Sie eine Bestätigung“ sagte Wikland und wirkte dabei schon etwas freundlicher als noch vor wenigen Minuten.
„Aye Sir, wird sofort erledigt. Aufgrund der Entfernung werden wir auf die Antwort der Sternenflotte jedoch mindestens sechs Stunden warten müssen.“ Gab die Bajoranerin zurück
„Das ist kein Problem, da wir ohnehin noch auf den erneuten Kontakt mit den Dalerianern warten müssen.“ erwiderte Wikland und wandte sich zum Tisch, an dem seine Führungsoffiziere und Tara Inana Anu’U Platz genommen hatten.
„Nun meine Damen und Herren, Ich höre...“ sagte Wikland und ließ sich nach hinten in seinen Sessel sinken. Damit K’Orak nicht wieder durch unangemessene klingonische Verhaltensweisen auffiel interpretierte Sermin die Sensorwerte des fremden Schiffes. Auf dem Wanddisplay erschien ein dreidimensionales Bild der Sigortaan dem Patroullienschiff der Dalerianer.
„Das Volumen des Schiffes entspricht dem 9,23 fachen der Alexandria und die Masse ist im Vergleich mit der unseren um den Faktor 8,01 höher. Die Antriebsenergieform ist unbekannt, ebenso die Energieform der Waffensysteme. Das Energiepotential ist jedoch unglaublich hoch. Das Schiff ist in der Lage innerhalb von 0,34 Sekunden sowohl den Antrieb als auch die Waffensysteme vollständig zu laden. Die hierbei für die Waffen bereitgestellte Energiemenge übersteigt den gesamten Energieausstoß der Alexandria. Ein Kampf wäre aus strategischen Gründen unratsam.
Bedauerlicherweise muss ich darauf hinweisen, dass auch eine Flucht wenig Aussicht auf Erfolg verspricht, da die Höchstgeschwindigkeit des fremden Schiffes aufgrund der Energiewerte höher einzuschätzen ist als die unsere.“
Wie immer waren die Ausführungen des Vulkaniers geprägt von emotionslosen Fakten, und klaren logischen Schlüssen. Eine Eigenschaft die Wikland in Berichten und Personalakten schätzte, die Ihm jedoch bei der Einschätzung von realen und möglicherweise brisanten Situationen zu nüchtern waren.
„Welche Informationen liegen uns über diese Rasse bereits vor? Wurde Sie bereits in Föderationsdaten erwähnt?“ wollte Wikland wissen. Es musste einfach einen Weg geben, sich schnell aus dieser Situation zu befreien, um der Raumstation Merlin die dringend benötigte Hilfe zu gewähren.
„Uns liegen einige Berichte von Handeltreibenden vor, die den Dalerianern bereits begegnet sind. Sie berichten von friedlichen wenn auch anstrengenden Verhandlungen mit diesem Volk. Hervorgehoben wird Ihre Freundlichkeit, die Geduld sowie gute Manieren. Sie erheben nie das Wort solange der andere Gesprächspartner die Rede führt. Aufzeichnungen der Handelsschiffe weisen darauf hin, dass während der Kommunikation keinerlei Aktivitäten auf den Schiffen der Dalerianer stattfanden, da anscheinend die ganze Besatzung an der Kommunikation teilnimmt, auch wenn meist nur zwei oder drei Gesprächspartner bei den Komverbindungen zugegen sind.“
Roger van Dyke hatte diese Informationen nur mit Mühe aus der Datenbank zusammensuchen können, da für diese Spezies noch keine Suchkriterien angelegt worden waren und er nach den wenigen Informationen und den Rangbezeichnungen in der Volltextsuche alle Dateien durchforsten musste.
„Diese Informationen sind nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass wir unsere Reise umgehend fortsetzen müssen um unsere Rettungsmission noch erfolgreich durchführen zu können.
Tara Inana, wie beurteilen Sie die Fremden angesichts der ersten Worte die wir miteinander geführt haben?“ hiermit richtete sich Captain Wikland an seine Aliencontacterin, die als eine der wenigen in Starfleet den Sonderstatus eines Botschafters innehatte und helfen sollte, den ersten und meist wichtigen Kontakt mit fremden Rassen zu erleichtern.
„Nun Captain, da Sie es vorgezogen haben mich über das Erstgespräch nicht rechtzeitig zu informieren und mir lediglich die Aufzeichnung der spärlichen Kommunikation gestatteten, bin ich nicht in der Lage eine Wertung abzugeben. Wie Sie wissen kann ich meine Fähigkeiten lediglich dann einsetzen, wenn ich mich simultan mit der Situation auf die jeweiligen Gesprächspartner focussieren kann.“
Tara Inana ließ den Captain ihre Verärgerung über diesen Umstand deutlich spüren. Sie hatte nicht viel Lust ihm jetzt entgegenzukommen, zumal Sie tatsächlich der Aufzeichnung nicht viel entnehmen konnte.
Wikland störte dieser Tiefschlag nicht sonderlich, er hatte ohnehin nur wenig Kontakt mit Ihr. Sie führte ein zurückgezogenes Leben, nahm selten an offiziellen Anlässen teil und auf den zwanglosen Treffen, die von Zeit zu Zeit im Lookout stattfanden hatte sie sich noch nie sehen lassen. Sie zog es vor alleine in Ihrem Quartier zu bleiben, oder einige gemeinsame Stunden mit K’Orak zu verbringen, den einzigen Humanoiden den Sie in Ihrer Nähe duldete.
„Gut, Sie bleiben bitte im Besprechungsraum, wir rechnen bald mit der nächsten Meldung der Dalerianer, die uns eine Periode Ihrer Zeitrechnung für weitere Überlegungen gewährt haben. Ich bin in meinem Bereitschaftsraum und werde überlegen, welche Aussage ich treffen werde.“ und an seine Offiziere gerichtet fuhr er fort:
„Ich möchte, dass sie alle Stationen auf maximalen und unerwarteten Einsatz vorbereiten. Mr. K’Orak, das Schiff der Dalerianer soll ständig gescannt werden, ich möchte Informationen über die technischen Einrichtungen und die Lebensformen, die Anzahl der Besatzung und eventuelle Schwächen, die uns zum Vorteil gereichen.
Alarmstufe Gelb bleibt bestehen bis wir die Absichten der Dalerianer klar bewerten können, Danke.“
Wikland stand auf und gab damit zu verstehen, dass die Besprechung beendet war.
Kapitel 11
Es waren genau 2,7 Stunden vergangen, als die Dalerianer die Alexandria erneut kontaktierten. Die Brückencrew war damit beschäftigt zusätzliche Informationen zu ermitteln, K’Orak hatte alle möglichen Sensorscans durchgeführt um die Mannschaftsstärke sowie die Struktur des Schiffes möglichst genau zu analysieren. Der Vulkanier Sermin checkte nochmals den Antrieb sowie die Waffen und die Energiesignaturen der Sigortaan um eventuelle Schwachpunkte herauszufiltern. Roger van Dyke übernahm die Aufsicht auf der Brücke und der Captain hatte sich in den letzten zwei Stunden in seinen Bereitschaftsraum zurückgezogen um über die bestmögliche Antwort zu entscheiden.
Auf dem Hauptschirm erschien das bereits bekannte Bild mit den drei Repräsentanten der Dalerianer und Roger van Dyke tastete an seinen Kommunikator
„Captain, unsere neuen Bekannten haben wieder Kontakt zu uns hergestellt, bitte kommen Sie auf die Brücke.“
Im selben Moment öffnete sich die Tür des Bereitschaftsraumes mit einem leisen Zischen und der Captain betrat die Brücke begleitet von den üblichen Meldungen des Sicherheitspersonals.
Karthofeen, der Alvat des anderen Schiffes hatte bislang noch nicht die Stimme erhoben, da auf der Brücke der Alexandria noch einige kurze Wortwechsel zwischen den Wissenschaftsoffizieren stattfanden. Nachdem völlige Stille eingetreten war und sich alle auf die Kommunikation konzentrierten begann Karthofeen indem er die bereits bekannte Frage noch einmal wiederholte.
„Captain Wikland, Warum sind Sie mit Ihrem Schiff in unser Hoheitsgebiet eingedrungen, bitte erklären Sie Ihr Vorgehen.“
Der Captain straffte sich und hob an seine Erklärung zu formulieren.
„Zunächst möchte ich Ihnen nochmals versichern, dass wir nur friedliche Absichten verfolgen. Die Menschen und alle anderen Mitglieder der Föderation haben in den vergangenen Jahren versucht die Weiten des Alls zu erforschen und sind dabei auf viele Lebensformen gestoßen, welche die gleichen Interessen und Ideale teilen, wie wir Menschen.
Zusammen haben wir eine Gemeinschaft gebildet und an vielen Stellen im All in unseren eigenen Hoheitsgebieten Stationen, Niederlassungen, Siedlungen und Beobachtungsposten erbaut. Eine dieser Stationen ist in Not und wir haben den kürzesten Weg gewählt um ihr zu helfen. Hierbei wussten wir nicht, dass dieser Bereich des Alls von Ihnen beansprucht wird.“
Wikland hatte sichergestellt, dass so viele fremdrassige Crewmitglieder auf der Brücke Dienst hatten wie nur möglich.
So deutete er während seiner Rede auf K’Orak den Klingonen, Lieutenant Alisha die Bolianerin, Sermin den vulkanischen Wissenschaftsoffizier, selbst Lt. Commander Corbal Mor den Trill und Lock den Benziten aus der Wissenschaftsgruppe hatte er für die umfangreichen Sensorscans auf die Brücke beordert und nun wurde der eigentliche Grund dieser Auswahl klar. Da die Mitglieder dieser Völker ganz besonders unterschiedliche äußere Merkmale besaßen war es leicht die Vielfalt der Rassen und die friedliche Koexistenz zu demonstrieren, auch wenn das letztere nicht in allen Fällen leicht zu erhalten war.
„Wir hoffen, dass Sie unsere Beweggründe verstehen und akzeptieren und bitten Sie um die Erlaubnis Ihr Gebiet durchqueren zu dürfen. Desweiteren möchten wir gerne in einen intensiveren Kontakt mit Ihrem Volk eintreten, nachdem wir unsere derzeitige Aufgabe erfüllt haben. Sofern Sie unserer Bitte nicht entsprechen können oder wollen, sind wir bereit auf gleicher Route Ihr Gebiet zu verlassen wie wir es erreicht haben. Nachdem Sie uns die Ausdehnung Ihres Hoheitsgebietes übermittelt haben werden wir uns bemühen es zu umfliegen und eine weitere Verletzung Ihrer Anspruchszone vermeiden. Ich möchte Sie gerne auf unser Schiff einladen...“ fuhr Wikland fort, in der Hoffnung man könne sich zunächst ein wenig besser kennenlernen und wichtige Informationen über die neue Rasse erfahren.
„...wir könnten dann die offenen Fragen gemeinsam und in angenehmerer Atmosphäre besprechen.“
Nachdem der Captain geendet hatte, trat für einige Sekunden völlige Stille ein, bevor sich Karthofeen mit seinen beiden Kollegen Trelluut und Palatiin zu beraten schien, wobei zum Teil einige Bewegungen der Köpfe und Gesten der Arme zu sehen waren, die nach menschlichem Ermessen entweder Unverständnis oder Ablehnung zu signalisieren schienen.
Viele der Gesten schienen Teil einer Zeichensprache zu sein, die mit Zisch- und Schnarrlauten ergänzt wurden. Der Universalübersetzer blieb stumm, eine solche Verständigung war er nicht in der Lage zu interpretieren.
Nach einer Weile wandte sich Karthofeen wieder dem Captain zu und antwortete.
„Ihre Erklärung ist immer noch unzureichend, Sie konnten uns keinen ausreichenden Grund nennen, warum Sie in unser Gebiet eingedrungen sind. Wir können Ihnen daher nicht gestatten Ihre Reise fortzusetzen. Sie werden Ihre Position halten und warten bis wir unsere abschließende Bewertung getroffen haben, ob Sie für unser Volk eine Gefahr darstellen oder nicht. Sofern Sie den Versuch machen, uns anzugreifen oder sich zurückzuziehen werden wir nicht zögern entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Sollten Sie Ihren Ausführungen noch etwas hinzufügen wollen, können Sie uns jederzeit kontaktieren. Erwarten Sie unsere Entscheidung in 2 Perioden.“
Damit verschwand die Bilddarstellung und die Ansicht des Raumschiffes erschien wieder auf dem Schirm.
„Verdammt,...“ entfuhr es Wikland,
„...genau das wollte ich vermeiden. Hören die uns überhaupt zu?“
Der Captain ballte die rechte Hand zur Faust und man konnte regelrecht sehen wie er innerlich mit seinem nordischen Temperament kämpfte und nur mit Mühe gelang es Ihm seine Ruhe zu wahren. Mit langen Schritten war er auf dem Weg zum Besprechungsraum und bedeutete mit einer Geste des linken Armes, dass ihm seine Führungsoffiziere folgen sollten.
Nachdem alle Platz genommen hatten richtete er sich als erstes an Tara Inana Anu’U um Ihren Eindruck von den Dalerianern zu erfahren.
„Bitte erklären Sie uns, was Sie während unserer Unterhaltung über die neue Rasse erfahren konnten“ übergab Wikland das Wort an Sie.
Tara machte zunächst eine schöpferische Pause, richtete ihr schwarzes Kleid an dem mehrere silberne Stoffteile drapiert waren und nahm eine bequemere Position ein. Erst als sie sicher war, dass sie die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden hatte, begann Sie mit Ihren Ausführungen.
„Während Ihrer Erklärung habe ich feststellen können, dass die fremden Wesen sehr verwirrt waren, die Informationen waren nicht ausreichend, um ihnen ein umfassendes Bild unserer Lebensformen und unserer Absichten zu vermitteln...“ Der Captain blickte sie verständnislos an,
„Aber ich habe doch bewusst die anderen Rassen angesprochen und unsere Situation nochmals klar erläutert.“ erwiderte er und ließ seine rechte Hand auf dem Tisch wieder eine leichte Faust bilden.„...das schon, aber die von Ihnen gewählten Worte und Ausführungen klingen nach der Übersetzung in die Sprache der Dalerianer nur noch wie Abkürzungen wie UFP für United Federation of Planets, oder TDF für Trägheitsdämpfungsfeld. Sie konnten den Sinn Ihrer Mitteilung nicht erfassen. Die Sprache der Dalerianer ist weitaus umfangreicher und weitschweifender als die unsere. Sie benutzen sehr komplexe Laute und Kombinationen mit Gesten um ganze Erzählungen zu artikulieren, die vom Universalübersetzer für uns in kurze klar verständliche Worte übersetzt werden, möglicherweise ist das Sprachkonvertierungsprogramm aber nicht in der Lage aussagekräftige dalerianische Sätze zu bilden.“
Der Captain schaute zu Sermin, K’Orak und den anderen Wissenschaftsoffizieren hinüber und fragte
„Können wir eine Änderung am Übersetzer vornehmen, die eine korrektere und verständlichere Kommunikation ermöglicht?“
„Das ist leider nicht möglich...“ antwortete der Vulkanier
„... dazu müssten Sie zusätzlich einige der Gesten benutzen, deren Bedeutung uns nicht bekannt ist. Die einzige Möglichkeit, die uns offensteht - wie soll ich es beschreiben - ist eine mit vielen farbigen Metaphern ausgeschmückte Rede, wie sie von den Politikern der alten Regierungen auf der Erde häufig gehalten wurde. Wenn ich mich richtig erinnere, wurden dort teils stundenlange Monologe geführt, deren Inhalt unter logischen Gesichtspunkten mit nur wenigen Worten effizient hätten beschrieben werden können.“
„Welche anderen Option haben wir?“ wollte Wikland wissen. Er konnte und wollte einfach nicht glauben, dass die Situation keine anderen Lösungswege gestattete. Selbst eine militärische Lösung wäre ihm recht gewesen, wenn er nur etwas hätte tun können, bei dem er seine taktischen Fähigkeiten mehr einsetzen konnte.
K’Orak, der die ganze Zeit geschwiegen hatte aktivierte das Wanddisplay und die Eckdaten der Sensorenauswertungen erschienen auf dem Schirm. Er stand auf, ging zum Display und mit einer grimmigen Mine interpretierte er die wenig erfreulichen Daten.
„Ihr Schiff ist deutlich schneller als das unsere, die Energie für die Strahlungswaffen übersteigt wie bereits vermutet unsere gesamte Energiekapazität, andere Waffensysteme sind auch jetzt noch nicht feststellbar, aber mit Sicherheit vorhanden. Ein Traktorstrahlsystem haben wir nicht gefunden, Vorhandensein von diversen Alternativsystemen ist allerdings sehr wahrscheinlich. Die Schiffshülle und die Schilde bieten keine Angriffsmöglichkeiten, die uns einen markanten Vorteil verschaffen könnten. Selbst bei maximalem Waffen- und Energieeinsatz könnten wir aller Voraussicht nach keine wichtigen Systeme an diesem Schiff außer Kraft setzen.
Die Wirkung unserer Surapht- und Quantentorpedos auf die Schilde und die Energieform des fremden Schiffes sind nicht bestimmbar. Es ist jedoch davon auszugehen, dass bei dieser Energiemenge weder die Subraumverzerrung zur Energieneutralisierung genutzt werden kann noch die Subraumtransportmethode von Sprengkörpern durch die Schilde funktioniert. Ein weiteres Problem ist, dass wir die Quelle für diese immense Energie auf dem fremden Schiff nicht lokalisieren können.
Einziger Schwachpunkt ist die interstellare Sensorenleistung, die im Gegensatz zu unserem Schiff klar unterlegen ist. Die Dalerianer arbeiten hauptsächlich mit visuellen Systemen um Vorgänge außerhalb des Schiffes wahrnehmen zu können. Sowohl bei einem Kampf als auch bei einem Rückzug würden wir auf jeden Fall unterliegen.“ schloß K’Orak seine Ausführungen, blieb aber für eventuelle weitere Fragen am Wanddisplay stehen.
Roger van Dyke beugte sich vor und fuhr sich mit der rechten Hand durch seinen Bart.
„Das heißt, wir können Sie nicht überzeugen, können nicht kämpfen und nicht entkommen.“ fasste er die enttäuschenden Ergebnisse in klare kurze Worte.
„K’Orak, konnten Sie feststellen, was die Crew während der Unterhaltung von Captain Wikland und Karthofeen gemacht hat?“ van Dyke suchte nach einem Schlupfloch und war gerade dabei seine Fühler auszustrecken um das Terrain auszuloten.
K’Orak schaltete die Darstellung des Bildschirms auf ein Zeitdiagramm um, auf dem einige Linien untereinander zu sehen waren.
„Dieser Analyse ist zu entnehmen, dass während der Kommunikation lediglich die energieerzeugenden Systeme durch Signaturänderungen darauf hinweisen, dass sie durch Personal bedient, umgestellt oder aktiviert worden sind. Alle anderen Systeme wie Sensoren, Waffen oder Defensivsysteme wurden nicht verändert.“ erklärte der Klingone, wobei er auf die einzelnen Diagrammlinien deutete und zusätzliche Informationen über die Mannschaftsstärke in der Zentrale des gegnerischen Schiffes gab.
„Das heißt, wir könnten eventuell während eines Gespräches einen Überraschungsangriff durchführen?“ fragte Jefferson, die bislang gespannt zugehört hatte und in ihrer Eigenschaft als Ingenieur die Energiewerte des fremden Schiffes mit Ungläubigkeit vom Display abgelesen hatte.
„Nein Lt. Commander...“ antwortete Sermin,
„...zunächst einmal ist das nicht der Stil der Sternenflotte und würde wenn überhaupt dann nur im äußersten Notfall in Erwägung gezogen. Des Weiteren sind die Systeme selbstverständlich nicht deaktiviert, sondern lediglich in einem Automatikmodus, der eine manuelle Kontrolle oder Energieregulierung überflüssig macht. Wie K’Orak bereits erklärt hat, können wir gegen das hohe Energieniveau der Sigortaan nicht ankommen, egal auf welchem Weg wir es versuchen.“
Roger van Dyke blickte gespannt auf die dargestellten Daten der Sensorenabtastung und man konnte förmlich sehen, wie seine grauen Zellen angestrengt arbeiteten. Während er sich immer intensiver mit den vorliegenden Informationen auseinandersetzte verblasste die Unterhaltung, die um ihn herum mit angeheizten Gemütern geführt wurde und mehrmals das für und wider einer taktischen Lösung dieses Konfliktes beleuchtete. Vor seinem geistigen Auge erschienen markante Werte und Fakten über die Dalerianer und reihten sich zu einem Bild aneinander.
Erst als die energische Stimme des Captains wieder den Raum durchschnitt kehrten seine Sinne in die Wirklichkeit zurück und konzentrierten sich auf Wikland.
„Ich erwarte aktive Vorschläge zur Lösung dieser Situation meine Damen und Herren. Sie haben dafür vier Stunden Zeit. Die Dalerianer werden sich in ungefähr fünfeinhalb Stunden wieder bei uns melden. Lassen Sie mir Ihre Ideen zukommen, ich entscheide dann über die Durchführung.“
Wikland erhob sich durchschritt den Raum und nachdem sich die Tür vor ihm geöffnet hatte ging er zielstrebig auf seinen Sessel auf der Brücke zu und setzte sich. Während die Brückenmannschaft wieder auf die Normalbesetzung reduziert wurde verließ auch Tara den Kommandobereich und nahm den Turbolift um in ihr Quartier zu gelangen. Roger van Dyke ging auf Wikland zu.
„Captain, ich möchte gerne meine Variante für die Behandlung dieser Situation in aller Ruhe ausarbeiten und bitte darum mich in mein Quartier zurückziehen zu dürfen. Ich möchte zunächst noch einmal alle vorliegenden Daten vergleichen.“
Wikland nickte zustimmend mit dem Kopf und Roger van Dyke verließ die Brücke gemeinsam mit den Wissenschaftlern Corbal Mor und Lock, die zur Zeit nicht mehr benötigt wurden.
Roger van Dyke nahm zuerst einmal ein Duschbad, damit er die Anspannung der letzten Stunden aus seinem Körper vertreiben konnte. Nachdem er sich einen leichten Freizeitanzug übergestreift hatte nahm er an seinem Terminal Platz, und gab dem Schiffscomputer seine Anweisungen.
„Computer, aktiviere Audiosystem und beginne mit dem Playback von >Waiting for Cousteau< von Jean Michel Jarre, Lautstärke 15 Prozent. Stelle alle Daten über die Dalerianer zusammen, die aus früheren Kontakten sowie unseren aktuellen Gesprächen und den Sensorenscans vorliegen“.
Kurz darauf erklang eine leise entspannende Musik, die mit flächigen Klängen einen guten Kontrast zu der nun geforderten hohen Konzentration bot. Es war das Lieblingsstück von van Dyke, welches er immer dann auswählte, wenn er schwierige Aufgaben genau analysieren wollte.
Auf dem Computerdisplay erschienen die Dateinamen mit kurzen Inhaltsangaben und füllten mehrere Seiten an Text. Roger sichtete eine Datei nach der anderen und erzeugte Querverweise zu einer Tabelle in der er alle Fakten zusammentrug, die sich negativ für die Alexandria darstellten. Eine weitere Tabelle enthielt alle Informationen, die sich eventuell positiv für eine Strategie verwerten ließen.
Aus seinen eigenen Datenblättern fügte er die nach seiner Meinung wichtigen Positiveigenschaften der Alexandria sowie die verfügbaren Technologien an Bord hinzu. Schon nach wenigen Minuten fiel die Gewichtung deutlich zu Gunsten der Dalerianer aus und nur wenige Details verblieben, die nutzbar waren.
Van Dyke erinnerte sich an die Frage von Jaqueline Jefferson, ob man nicht einen Überraschungsangriff während eines Gespräches starten sollte, was natürlich nach Sichtung der gegnerischen Defensiv- und Offensivtechnologie aussichtslos erschien. Dennoch war er sich sicher, dass hier der Weg zum Erfolg zu liegen schien. Bereits seine Überlegungen im Besprechungsraum hatten ihn zu dem Ergebnis geführt, dass lediglich ein Griff in die Trickkiste einen entsprechenden Erfolg versprach, allerdings hatte der Captain ihm bei seinem Dienstantritt auch unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er eine solche Art von Problemlösungen überhaupt nicht schätzte.
Roger van Dyke ließ noch einmal die derzeitige Situation Revue passieren. Sie mussten einem Notruf der Sternenflotte folgen, der Ihre baldmöglichste Weiterreise erforderte. Die Dalerianer waren aber wenn überhaupt, dann nur durch aufwendige ausschweifende Gespräche zu überzeugen. Dazu müsste man Zeit haben, ein Luxus den man sich nicht leisten konnte. „Computer, Lichtniveau auf 75 Prozent erhöhen.“ Ordnete Roger an.
Er hatte inzwischen mehr als zwei Stunden auf seine Auswertung geblickt, ohne dass ihm eine halbwegs angemessene Idee eingefallen war. Roger stand auf und ging zu den Fenstern seines Quartiers, durch das transparente Aluminium war der riesige Rumpf des fremden Schiffes zu erkennen, dessen Außenteile in schiefergrauer Farbe im Licht der nahen Sonnen glänzten. „Verdammt, man müsste einfach an zwei Orten gleichzeitig sein können. Das monotone Geschwafel was notwendig ist um unsere Ideale, Beweggründe und Absichten zu vermitteln, könnte sogar ein Taschenrechner erledigen“ sagte er zu sich selbst. Er schaute auf den Tisch über dem die runde Schirmlampe hing und nahm einen Apfel aus der Schale mit Früchten, die in der Mitte des Tisches stand und biss kräftig hinein.In der Wölbung der Fenster spiegelte sich die Obstschale und zeichnete sich als Geisterbild vor dem Rumpf der SIGORTAAN ab.
„Das ist es...“ Mit einem Ruck drehte er sich um und ging zum Terminal zurück. Er legte den Apfel zur Seite und betätigte mit geübten Bewegungen die Bedienfelder seines Computers. Schemata von verschiedenen Sonden, technischen Ausrüstungen, Materialbeständen, Energieeinheiten und Informationen über technisches Personal flimmerten über das Display. Wenige Minuten später hatte er eine komplette Zusammenstellung aller benötigten Mittel sowie einen Zeitplan und eine Personenliste für seine Lösung zusammengestellt. Er war davon überzeugt, dass der Captain nur schwer von diesem Plan zu überzeugen war. Aber er war sich sicher, dass es die einzig realisierbare Lösung war.
„Herein!“ sagte Wikland, als das Türsignal ertönte. Die Tür des Bereitschaftsraumes öffnete sich und Roger van Dyke trat ein. Ihm schlug ein kaltes Klima entgegen und er fühlte sich zurückversetzt in seine Kindheit in der er einige Tage an der Nordküste von Zentraleuropa verbracht hatte, es fröstelte ihn aber er ließ sich nichts anmerken.
Wikland saß in der Couch und vor Ihm auf dem Tisch lagen einige PADD’s die bereits von anderen Mannschaftsmitgliedern abgegeben worden waren, allem Anschein nach nicht mit begeisterungsfähigen Vorschlägen versehen, denn die Gesichtszüge des Captains erinnerten an einen Eisberg im Nordatlantik.
„Nun Nummer eins, haben Sie etwas brauchbares aus den wenigen positiven Punkten herausfiltern können, was uns vorwärts bringt?“ richtete er sich an van Dyke, der vor ihm stand und bedeutete mit einer Handbewegung, dass er Platz nehmen solle.
„Wenn ich mir die genialen Einfälle meiner Crew ansehe, kann ich kaum glauben, dass wir immer wieder heil nach Hause zurückkehren. Die Vorschläge gehen von Entern des gegnerischen Schiffes über einen umfassenden Präventivschlag mit allen Mitteln, eine völlig unerwartete Idee unseres klingonischen Austauschoffiziers, bis hin zur Aufgabe des Schiffes. Ein anderer Vorschlag befasst sich mit einem taktisch gut geplanten Angriff mit anschließendem Rückzug von Ran Byrell. Recht interessant ausgearbeitet, aber aufgrund der unzureichenden Daten über die Defensivwaffen des Gegners wenig Erfolg versprechend. Ein Offizier der Sensoren Workgroup ist sogar der Ansicht, die Selbstzerstörung des Schiffes sei der einzig richtige Weg. Ich muss sagen von dieser Erkenntnis bin ich weit entfernt.“
Wikland atmete tief durch und legte das PADD beiseite, von welchem er gerade die Zusammenstellung der Vorschläge vorgelesen hatte, und lehnte sich nach hinten in die Couch.
„Wie sieht es mit Ihnen aus, was können Sie mir bieten?“
Roger van Dyke zog seine Uniform glatt und begann mit seinen Erläuterungen
„Captain, zunächst möchte ich Ihnen versichern, dass ich mir Ihre Worte gut gemerkt habe, die Sie mir zu Beginn meines Dienstes hier an Bord gesagt haben. Ich weiß dass Sie eine Abneigung gegenüber theoretischen Lösungen haben, die aus der Trickkiste stammen. Ich bin mir bewusst, dass Ihnen dieser Vorschlag absurd vorkommen wird, bitte Sie aber dennoch Ihn wohlwollend zu überdenken. Er erfordert meiner Meinung nach nur ein minimales Risiko und gibt uns Gelegenheit sowohl diese Situation, als auch unsere Rettungsmission zeitgleich erfolgreich abzuschließen.“
Wikland taxierte seinen ersten Offizier mit ernstem Blick, bevor er langsam antwortete.
„Nun wenn uns dieser Plan eine echte Chance bietet bin ich gerne bereit ihn mir anzuhören Commander. Ich habe zwar meine Prinzipien, aber ich bin nicht uneinsichtig. Übrigens habe ich inzwischen aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass Ihre gelegentlichen, sagen wir mal kreativen Ideen bislang immer zum Erfolg geführt haben. Lassen Sie hören was Sie haben.“
Roger van Dyke holte etwas aus um seine Absichten besser zu erläutern und dem Captain noch einmal die zentralen Punkte für das Gelingen dieses Planes vor Augen zu führen.
„Aus unseren Sensorenabtastungen wissen wir, dass die Mannschaftsstärke auf der Sigortaan 753 Individuen beträgt. Wir wissen, dass sie sich bei einer Kommunikation fast alle auf das Gespräch konzentrieren und eventuelle Veränderungen im Raum hauptsächlich durch visuelle Kontrolle registrieren, da ihre Scanner nur eine Minimuminformation liefern. Des Weiteren sind sie dafür bekannt, dass sie nie eine Rede unterbrechen, solange ein Gesprächspartner das Wort führt.
Diese Fakten werden wir uns zunutze machen um hier zu verschwinden und gleichzeitig die Dalerianer darüber aufzuklären, was unsere grundsätzlichen Ziele sind.“
Wikland blickte van Dyke ungläubig und gleichzeitig ernst an. Trotz seiner langjährigen Praxis im Umgang mit Menschen und fremden Rassen konnte er nicht einschätzen ob ihn sein erster Offizier verschaukeln wollte oder einen ernsthaften Vorschlag unterbreitete. Zumindest ließen die Stimme und die Emotionen im Vortag seines Ersten erkennen, dass dieser es wohl vollkommen ernst meine. Wikland ließ sich seine Skepsis nicht anmerken und versuchte seiner Frage einen interessierten und unbefangenen Klang zu verleihen als er sich an van Dyke wandte
„Und wie wollen Sie das anstellen, wenn ich mir die Frage erlauben darf?
Die schießen uns in Stücke oder jagen uns bis zum Rand des Universums wenn Sie unser Verschwinden bemerken.“
„Genau das ist der Punkt“ erwiderte van Dyke.
„Hier kommt meine Idee ins Spiel. Nach meinen Informationen ist es möglich eine Sonde der Klasse 10 mit einer Phaserenergiezelle einem starken externen Holoemitter sowie einer phasenparallelen Energieantenne zu versehen.
Wir würden eine soweit modifizierte Sonde aussetzen, die ein holographisches Bild unseres Schiffes erzeugt, das seine Position hält.“
Wikland nahm einen Schluck aus seinem Glas mit Fruchtsaft, dass er sich gerade eingeschenkt hatte, und hielt die Karaffe mit dem Saft über van Dyke’s Glas, der kurz nickte woraufhin Wikland das Glas bis zur Hälfte füllte.
„Commander, mir ist nicht bekannt, dass eine Sonde, sei sie auch mit einer Phaserenergiezelle ausgestattet, eine solche Energiemenge erzeugen kann um ein Hologramm in der Größe der Alexandria zu manifestieren. Ich glaube da greifen Sie, wie man so schön sagt, nach den Sternen.“
Roger van Dyke hatte diese Reaktion vorhergesehen und wandte sich an den Computer:
„Computer, zeige Hologrammschema van Dyke zwei und ergänze um die Animationen der taktischen Darstellung“
Über dem Tisch entstand eine dreidimensionale Lichtprojektion, welche die Position der Alexandria und der Sigortaan in entsprechendem Maßstab zeigte. Im Verlauf der Simulation wurde von der Alexandria eine Sonde abgesetzt und erzeugte ein positionsgleiches Abbild des Schiffes, dann beschleunigte das Föderationsschiff und zurück blieb die Sonde, die als kleiner gelber Punkt angezeigt wurde sowie ein durchsichtiges Abbild der Alexandria.
„Selbstverständlich wird unser Schiff lediglich als Lichtreflektion bestehen und als Sicherheit werden wir die Sensoren der Sogortaan mit genau den Daten füttern, die Sie anzeigen sollen. Durch die Antenne können wir sowohl die Energiesignatur unseres Schiffes simulieren, als auch eine holographisch erzeugte Bildkommunikation aufbauen, die mittels einer Darstellung von Ihnen und einigen Brückenoffizieren einen Vortrag auf den Schirm der Dalerianer projiziert. Wir könnten zum Beispiel die Prinzipien der Föderation und die Interpretationen der obersten Direktiven der Sternenflotte in der Fassung von Edgar P. Belter verlesen, alles in allem vier Wochen ununterbrochenen Vortrages. Das dürfte selbst für die Dalerianer ausführlich genug sein, und wenn Sie tatsächlich keinen beim reden unterbrechen, gibt uns das genug Zeit um unsere Aufgabe zu erledigen und wieder unbemerkt zurückzukehren.“
„Was macht Sie so sicher, dass Karthofeen und seine Leute nichts bemerken werden?“ Wikland wollte wissen, ob diese verrückte Idee tatsächlich durchdacht war und keine Lücken aufwies, die ihnen zum Verhängnis werden konnten.
„Das läßt sich anhand der uns vorliegenden Sensorenwerte recht genau bestimmen. Die Technik der Dalerianer ist im Bezug auf Sensorik weit geringer entwickelt als die unsere. Sie sind in der Lage unser Schiff zu scannen, erhalten allerdings nur wenig aussagekräftige Daten. Die hierfür notwendigen Energiesignaturen, Lebenszeichen und Bewegungsdaten können wir leicht durch ein dreidimensionales Energiegitter simulieren. Auf den Bildschirmen wird unser Schiff aussehen wie vorher und auch die optischen Systeme stellen uns genau so dar wie wenn jemand aus dem Fenster sieht. Solange keiner aussteigt und versucht unser Schiff anzufassen wird keiner die Täuschung bemerken.
Einziger Risikofaktor ist, dass wir aus dem Stand auf mindestens Warp 2 beschleunigen müssen. In diesem Moment erscheint durch unseren Abflug ein elektronisches Echo auf Ihren Schirmen. Wenn aber zu diesem Zeitpunkt bereits die Holosimulation der Vorlesung läuft, könnte Ihnen dieser Umstand aufgrund der gemeinsamen Konzentration auf die Unterhaltung entgehen. Wenn Sie nach einiger Zeit tatsächlich ungeduldig werden und den Schwindel entdecken, haben wir schon einen sicheren Vorsprung, der nicht mehr vor dem Föderationsgebiet von Ihnen aufgeholt werden kann.“
Wikland schaute auf die Simulation die in regelmäßigen Abständen vom Rechner wiederholt wurde und nahm einen weiteren Schluck Fruchtsaft.
Dann stand er auf ging zum Fenster und blickte hinaus in die Sterne.
Nach einer endlos wirkenden Weile fragte er van Dyke ohne seinen Blick vom Sternenpanorama abzuwenden:
„Wie sicher sind Sie, dass dieser Plan funktionieren wird, wenn ich Ihnen meine Zustimmung dafür geben würde?“
Van Dyke hatte sich auf der Sitzgruppe zum Captain umgedreht und erhob sich langsam. Er trat hinter den Captain und blickte mit Ihm in die Unendlichkeit.
„Wie sicher sind Sie, dass alle taktischen Manöver der Sternenflotte im tatsächlichen Kampfeinsatz funktionieren?“ stellte er eine rhetorische Gegenfrage und fügte nach einer kurzen Pause hinzu
„Wir beide wissen doch nur zu genau, dass es hier draußen keine Garantien gibt. Wir treffen unsere Entscheidungen orientiert an Fakten, Computerdaten, logischen Erwägungen oder Empfehlungen anderer Personen. Aber letztendlich kommt die Entscheidung von unserem Herzen und aus dem Bauch, der uns verrät ob wir dabei ein gutes oder ein schlechtes Gefühl haben, nicht wahr ?“Für einige Sekunden blickten beide stumm nach draußen bevor Wikland mit leiser Stimme antwortete.
„Da haben Sie recht Nummer eins, und es wird uns weiß Gott nicht leicht gemacht diese Entscheidungen zu treffen.“
Der Captain drehte sich zum Tisch über dem noch immer die Simulation lief.
„Wie lange brauchen Sie um die Vorbereitungen zu treffen?“
Van Dyke zog ein PADD aus der Tasche, aktivierte es und reichte es dem Captain.
„Wie ich sehe haben Sie bereits festgelegt, wer Ihnen bei dieser besonderen Modifizierung zur Hand gehen soll, ich muss sagen Sie haben sich hervorragend vorbereitet und auch bei der Personalwahl eine glückliche Hand bewiesen. Selbst die benötigten Materialien haben Sie bereits lokalisiert und bereitlegen lassen, sind Sie sich so sicher, dass ich den Plan genehmigen werde?“ wollte Wikland wissen.
„Das nicht Captain, aber wie Sie bereits richtig erkannt haben ist gute Vorbereitung bei zeitkritischen Problemen ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Bei Ihrer Zustimmung benötigen wir nicht mehr als 40 Minuten um die Sonde entsprechend umzubauen.“
Roger van Dyke war zufrieden mit seiner Arbeit. Er hatte einen seiner Meinung nach guten Vorschlag ausgearbeitet und alle nötigen und im Voraus planbaren Vorarbeiten bereits erledigt. Selbst wenn der Captain einer anderen Lösung den Vorrang geben sollte, so hatte er doch das erste Mal den Eindruck, dass der Captain seine Bemühungen anerkannte. Ein erster Schritt in die angestrebte Richtung.
„Vielen Dank Commander, ich werde mir noch einmal alle Vorschläge ansehen und meine enge Auswahl mit Ihnen und Andy Duke besprechen. Danach treffe ich meine Entscheidung. Bleiben Sie auf der Brücke, ich werde Sie in wenigen Minuten kontaktieren.“
Roger van Dyke sah dem Captain deutlich an, dass er an der bevorstehenden Entscheidung schwer zu tragen hatte. Er machte sich seinen Job nicht leicht. Sicherlich würde er jetzt über die Folgen der einzelnen Lösungen für die Crew und die Zivilisten nachdenken und abwägen, wo das geringste Risiko lag. Er war auf die Entscheidung des Captains sehr gespannt. Er verabschiedete sich und als die Tür zur Brücke aufglitt hatte sich Wikland bereits wieder gesetzt und sortierte die PADD’s, die auf dem Tisch lagen.
* * *Es dauerte tatsächlich nicht lange, bereits nach wenigen Minuten meldete sich Captain Wikland und Roger van Dyke und Andy Duke betraten den Bereitschaftsraum. Der Captain saß noch immer in der Sitzgruppe und hatte die PADD’S zu einem großen und einem kleinen Stapel ordentlich zurechtgelegt.
„Um sicherzugehen habe ich nochmals Rücksprache mit Tara Inana Anu’U genommen, die mir bestätigte, dass die Dalerianer auch nicht durch telepathischen Kontakt von unseren friedlichen Absichten zu überzeugen sind. Tara Anu’U konnte keine Verbindung herstellen um auf diesem Wege eine zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit aufzubauen.“
Er nahm die drei PADD’s vom Tisch und richtete sich auf.
„Ich habe mich für drei grundverschiedene Lösungen entschlossen und ich kann Ihnen versichern, dass es mir nicht behagt, dass keiner dieser Vorschläge von mir selbst stammt. Dies macht mich vielleicht aber auch etwas objektiver in dieser besonderen Situation.
Möglichkeit Nummer eins: Wir bleiben hier, und versuchen die Dalerianer durch umfangreiche Erklärungen von unseren Prinzipien zu überzeugen und einen friedlichen Abschluss für diese Krise zu finden. Wir bitten die Sternenflotte ein anderes Schiff zur Station Merlin zu schicken welches hoffentlich noch rechtzeitig ankommt.
Möglichkeit Nummer zwei: Wir ziehen uns zurück unter Anwendung aller nötigen Technologien, auch auf die Gefahr hin, dass wir nicht entkommen können und die Folgen hinnehmen müssen.
Möglichkeit Nummer drei: Wir verwenden den Vorschlag von Mr. van Dyke und versuchen eine Täuschung, um uns zurückzuziehen, helfen der Station Merlin und entscheiden dann ob wir wieder hierher fliegen.“
Andy Duke, der die Vorschläge kurz überflogen hatte sagte zum Captain
„Sir, bei allem nötigen Respekt, inzwischen sind annähernd vier Stunden vergangen, die Entscheidung zu bleiben hätten wir wenn überhaupt, dann direkt nach unserer Besprechung treffen sollen. Der Plan mit dem direkten Rückzug stellt allerdings ein nicht unerhebliches Risiko dar, wenn man davon ausgeht, dass es die Dalerianer mit ihren Drohungen ernst meinen.“
Roger van Dyke war klar, dass er nun am Zug war und der Captain gespannt auf seine Reaktion wartete. Mit fester Stimme wandte er sich an den Captain.
„Sir, ich empfehle meinen eigenen Vorschlag. Nicht weil er von mir kommt, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass wir durch die Täuschung einen Vorteil erhalten und das Risiko, soweit überhaupt kalkulierbar, minimieren. Wir sollten jeden Pluspunkt mitnehmen, der sich uns bietet. Im übrigen stimme ich mit Lieutenant Commander Duke überein, alle anderen Optionen hätten wir weitaus früher wahrnehmen müssen.“
„Ich bin erfreut, dass Sie sich beide so entschieden haben, aus Ihnen werden doch noch einmal gute und erfahrene Raumschiff Captains...“ versuchte er die Anspannung ein wenig aufzulockern.
„Ich hatte mich auch schon für diesen Weg entschieden. Commander, benachrichtigen Sie die ausgewählten Leute und fangen Sie sofort an. Informieren Sie mich, wenn Sie soweit sind, dass wir starten können. ich bin in meinem Quartier.“
Kapitel 12
Roger van Dyke tippte auf seinen Kommunikator.
„Lt. Commander Jefferson und Lt. Commander Sermin bitte kommen Sie auf Deck fünf im Modul, ich möchte gemeinsam mit Ihnen eine Sonde modifizieren. Bitte benachrichtigen Sie Corbal Mor und Maxine Dent, der Eingriff ist etwas ungewöhnlich und ich möchte von jedem Fachgebiet einen Spezialisten dabeihaben. Wir treffen uns in 5 Minuten.“
„Verstanden Commander, wir sind auf dem Weg“ kam die Antwort von Jaqueline Jefferson und Sermin, die sich anscheinend gerade im LOOKOUT aufhielten, denn im Hintergrund waren angeregte Unterhaltungen wahrzunehmen.
Nun würde es sich zeigen, ob die Zusammenarbeit tatsächlich so gut funktionieren konnte wie es sich van Dyke wünschte. Als er im Sonden-Wartungsraum des Moduls eintraf, waren Jefferson und Sermin bereits anwesend und kurz darauf traten die anderen aus dem Turbolift. Corbal Mor der Trill wirkte etwas schläfrig, er war wohl schon zu Bett gegangen und durch die Nachricht aus dem Schlaf gerissen worden.
Roger van Dyke aktivierte das Wanddisplay um den Plan und die weitere Vorgehensweise zu erläutern.
„Zunächst möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich einige von Ihnen aus der verdienten Freizeit hierher zitiert habe, aber für die folgende Aktion benötige ich Ihre Erfahrung und Ihre geschickten Fähigkeiten beim Umgang mit den einzelnen Komponenten.
Der Captain hat sich gemeinsam mit Lt. Commander Duke und mir für die folgende Vorgehensweise entschieden.“
Er erklärte die Einzelheiten der geänderten Sondenausstattung und den gewünschten Effekt. Nachdem er seine Ausführungen beendet hatte ging ein Raunen durch die kleine Gruppe und Jaqueline Jefferson wagte den Vorstoß, den van Dyke bereits erwartet hatte.
„Bei allem gebührenden Respekt Sir, das wird nicht funktionieren, Sie können ein Hologramm nicht im freien Raum projizieren. Die Materiedichte ist nicht zu realisieren, im Übrigen werden wir Probleme mit der Phaserenergieeinheit bekommen. Wie sollen wir da einen langsamen gleichmäßigen Energiefluss erzeugen, diese Dinger sind auf schnelle Ladung und plötzliche Energieabgabe ausgelegt.“
Jaqueline Jefferson stand mit einem skeptischen Gesicht vor dem ersten Offizier und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Der neben ihr stehende Corbal Mor senkte den Kopf und murmelte etwas in vulkanisch vor sich hin, das van Dyke geflissentlich überhörte. Er wollte jetzt nicht kritisieren oder den Vorgesetzten raushängen lassen, er war auf die schnelle und perfekte Mitarbeit dieser Leute angewiesen. Solche kleinen Spitzfindigkeiten konnte man auch noch später erörtern.
In den wenigen Tagen, die van Dyke an Bord verbracht hatte, war es bislang nur zu wenigen Kontakten per Kommunikationssystem mit der Crew gekommen. Die meisten Senior Offiziere hatten ihn wenn überhaupt dann nur kurz gesehen, da sich die Dienstzeiten meist überschnitten hatten. Selbst bei den Reparaturarbeiten auf der Station waren Sie ihm mit der natürlichen Distanz begegnet, die man einem neuen Vorgesetzten entgegenbringt. Sie alle respektierten seinen Rang, aber es bestand noch immer eine gewisse Reserviertheit gegenüber seiner Persönlichkeit.
„Vor einigen Tagen waren wir auch noch alle davon überzeugt, dass ein Schiff mit nur einer Warpgondel nicht schneller als Warp 4 fliegen kann, aber heute wissen wir es besser.“ antwortete van Dyke gelassen und damit ging dieser Punkt ganz klar an ihn.
„Ich habe mich mit Lt. Commander Carter von der Phaser Workgroup unterhalten, er hat mir versichert, dass die gewünschte Energiematrix problemlos erzeugt werden kann.“
Van Dyke trat nach links und bedeutete den anderen ihm zu folgen, die Sonde war bereits von einer Wartungscrew auf einem Arbeitstisch fixiert und geöffnet worden. Die angeforderten Teile lagen bereit und mussten nun entsprechend eingebaut und verbunden werden.
„Lt. Commander Jefferson, ich möchte, dass Sie sich mit der Energiezelle beschäftigen. Damit Sie nicht bei Null anfangen müssen habe ich einen hübschen Liebesbrief von Mr. Carter für Sie, der leider mit einer Infektion auf der Krankenstation liegt und den Dr. Wells nicht diensttauglich schreiben konnte.“
Jaqueline drückte den Sensorbereich des PADD’s und zu ihrer großen Überraschung erschienen auf dem Display detaillierte Verbindungsanweisungen für die Phaserenergieeinheit und das Stromnetz der Sonde. Als zentrales Verbindungsteil war eine EDC-Kupplung eingezeichnet, ein Bauteil welches zur Zeit noch in der Forschungsabteilung auf seine unterschiedlichen Verwendungsmöglichkeiten untersucht wurde.
„Lt. Commander Mor,“ wandte sich Roger an den Trill.
„Setzen Sie sich mit K’Orak auf der Brücke in Verbindung. Wir benötigen einen bioneuralen Scan aller Lebensformen auf diesem Schiff mit einer aktiven Matrix. Ich denke 5 Sekunden Aufzeichnung sollten reichen, wir werden daraus eine Schleife fertigen, die endlos läuft und die Lebenszeichen der Mannschaft simuliert.“ Der Vulkanier Sermin stand ruhig neben van Dyke und fragte ihn dann,
„Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie meine Kenntnisse über das Medizinisch Holographische Notfallprogramm benötigen um die korrekte Darstellung des Schiffs außerhalb eines Holodecks zu erzeugen?“
Van Dyke nickte kurz mit dem Kopf,
„Wie ich im Logbuch gesehen habe, haben Sie sich bereits wiederholt mit dieser Technologie auseinandergesetzt um die Einsatzdauer und die persönlichen Eigenschaften des MHN zu verbessern.“
Sermin der Vulkanier zog die linke Augenbraue hoch und blickte auf das Datendisplay an der Wand, welches noch immer die taktische Simulation des Plans wiedergab.
„Dieser Lösungsansatz ist eine bemerkenswerte Alternative, darf ich fragen wie Sie auf die Idee mit den Holoemittern gekommen sind?“
Roger van Dyke war überrascht, er hatte keinem gesagt, dass dieser Vorschlag von Ihm kam dennoch antwortete er Sermin mit einem Anflug von Humor
„Das erzähle ich Ihnen lieber bei einem Drink in unserer Bar wenn das alles hinter uns liegt, sonst werfen Sie mich aus der nächsten Luftschleuse, bevor wir mit der Arbeit fertig sind“
Wie zu erwarten konnte Sermin auch diese Antwort nicht sofort richtig einordnen. Die Angewohnheit Auskünfte, Meinungen oder Informationen mit Humor, Sarkasmus oder Ironie wiederzugeben war nach seiner vulkanischen Einschätzung ineffektiv und sorgte für Ablenkung vom eigentlichen Thema. Er wandte sich dem Diagnosetisch zu und begann mit der Anpassung des Holoemitters für die kommende Aufgabe.
Maxine Dent, die stellvertretende Leiterin der Science Workgroup hatte bislang schweigend dabeigestanden und wandte sich nun an van Dyke.
„Lassen Sie’s uns angehen Commander“ sagte sie, mit wenigen Schritten war sie am Computerterminal, steckte die bereitliegende Speichereinheit in den Übertragungsport und wies den Computer an die Konstruktionsdaten der Schiffshülle als dreidimensionale Daten zu übertragen. Im Anschluss daran kopierte van Dyke sein Holoprogramm ‘Brückensimulation’ sowie die Daten der Sternenflotte, die von der Holosimulation des Captains verlesen werden sollte auf das Speichermodul.
Jefferson hatte gerade die Energieeinheit mit der neuen EDC-Kupplung verbunden und prüfte den Energiefluss mit ihrem Tricorder. Corbal Mor trat neben Sie und fragte leise:
„Was glauben Sie Jaqueline, wird das funktionieren?“ Jefferson drehte sich zu ihm und bedeutete mit einem kurzen Schulterzucken und einer leicht gerümpften Nase, dass sie sich auch nicht ganz sicher war.
Obwohl die Einheit gut zu funktionieren schien war der Neutrinofluß immer noch gewissen Schwankungen unterworfen.
„Commander van Dyke...“ rief sie zur Konsole hinüber und Roger kam zum Wartungstisch, auf dem die Sonde lag.
„...der Neutrinofluß lässt sich nicht vollständig beruhigen, es treten immer noch in unregelmäßigen Abständen Schwankungen und Pulsfrequenzen auf.“
Van Dyke blickte auf die abgelesenen Trikorderwerte und nahm einen Verteronpolarisator zur Hand.
„Das liegt an der Ladung der Phaserzelle, die Wartungscrew kannte den Verwendungszweck dieser Einheit nicht.“
Langsam bewegte er den Polarisator über der Energieeinheit hin und her, bis die Induktionskurve auf dem Trikorderdisplay unter die Schwellgrenze sank.
„Das müsste genügen...“ sagte er mit einem Lächeln und drückte Jefferson den Tricorder wieder in die Hand.
„...wir sind gleich mit den Datenübertragungen fertig und werden dann das Speicherelement einsetzen können. Lt. Commander Sermin hat den Holoemitter an die Bedürfnisse angepasst, bitte helfen Sie Ihm beim Verbinden mit der Energieleitung.“
Der Rest der Arbeit war reine Routine, nachdem alle Bauteile in der Sonde untergebracht waren führten Maxine Dent und Sermin noch eine Simulation durch. Zumindest die am Computer angezeigten Werte bestätigten die einwandfreie Funktion.
Die Sonde wurde durch die Transportöffnung zum unteren Auslassschacht weiterbefördert und van Dyke richtete sich an die Anwesenden:
„Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung und hoffe für uns alle, dass uns diese Lösung den gewünschten Erfolg bringt. Lt. Commander Jefferson, bitte veranlassen Sie, das die Crew im Maschinenraum den Warpantrieb ganz langsam auf volle Leistung hochfährt, die brauchen wir für unseren Blitzstart. Wir wollen den dalerianischen Freunden unsere Absichten nicht allzu offensichtlich zeigen, gute Nacht.“
Jaqueline Jefferson und die anderen gingen zum Turbolift und Roger van Dyke blieb allein zurück. Er deaktivierte das Wanddisplay und sicherte die Computerzugänge, die sie für die Programmierung genutzt hatten.
Den Rest überließ er der Wartungscrew, die in wenigen Minuten hier wieder Ihren Dienst antreten würde.
Wenige Minuten später stand van Dyke wieder auf der Brücke und löste Andy Duke ab, der in der Zwischenzeit das Kommando hatte.
„Captain, wir sind soweit, die Sonde ist bereit und der Antrieb wird auf einen Notstart vorbereitet. In ca. 10 Minuten können wir mit unserer Show beginnen.“ sagte van Dyke, nachdem er seinen Kommunikator angetippt hatte.
„In Ordnung Nummer eins, ich bin gleich bei Ihnen. Machen Sie weiter mit Ihren Vorbereitungen.“ antwortete Wikland und beendete die Kommunikation.
„Mr. Ramirez, berechnen Sie einen Kurs zur Sternenbasis Merlin, der uns auf dem kürzesten Weg aus dem Gebiet der Dalerianer herausbringt. Commander K’Orak, setzen Sie die Sonde unter dem Schiff aus, die in Abwurfschacht vier liegt. Kein Antrieb und keine Steuerdüsen aktivieren. Sie bleibt tot bis der Captain hier ist.“
K’Orak nickte mit dem Kopf und aktivierte den Abwurfschacht über sein Display. Die Sonde wurde über einen Greifer ins Freie befördert und dort losgelassen, jeder Bewegungs- oder Gravitationseinfluß hätte ein Abdriften und somit ein Verschieben der Bilddarstellung beim Aktivieren mit sich gebracht.
Der Captain betrat die Brücke schon nach wenigen Minuten. „Lieutenant Carah, öffnen Sie eine Kom-Verbindung zur Sigortaan, ich möchte mit Karthofeen sprechen. Commander van Dyke aktivieren Sie Ihr Wunderwerk auf mein Zeichen.“
Van Dyke nickte dem Captain zu und aktivierte das Datenterminal vor seinem Platz.
„Verbindung steht Captain“ antwortete die Bajoranerin und drehte sich nach vorne zum Hauptschirm auf dem das Gesicht von Karthofeen erschien, der diesmal alleine am großen Tisch saß.
„Karthofeen, ich bin untröstlich, dass unsere Ausführungen noch immer unzureichend sind und Sie sich daher kein vollständiges Bild über unsere ehrlich gemeinten friedlichen Absichten machen können. Ich habe daher beschlossen, eine ausführliche Erklärung abzugeben, die alle Hintergründe genau erläutern und jedwede weitere Frage überflüssig machen wird.“
Der Dalerianer wartete einen Augenblick um sicher zu sein, dass Wikland seinen Satz beendet hatte und sagte dann
„Wir werden Ihre Ausführungen gerne entgegennehmen Captain, Trelluut und Palatiin werden gleich hier sein und gemeinsam mit mir hören was Sie zu sagen haben.“
Wikland hob die rechte Hand und sagte
„Ich danke für Ihr Verständnis Karthofeen, lassen Sie mich wie folgt beginnen...“ im selben Moment wurde der Hauptschirm geteilt und die Linke Hälfte zeigte die Brücke der Alexandria auf der Captain Wikland in der Holosimulation begann die Prinzipien der Föderation zu zitieren, während auf der rechten Seite die Dalerianer zu sehen waren, die gespannt zuhörten.
Wikland und die Brückencrew schauten gespannt auf den Hauptschirm, und das Schauspiel, das sich darauf abspielte. Es sah so aus als schienen die Dalerianer tatsächlich nicht zu bemerken, dass sie eine Aufzeichnung sahen bzw. so etwas ähnliches.
„Sehr gut Commander...“ wandte sich Wikland an van Dyke, „...kommen wir zu Schritt Nummer zwei. Commander Jefferson, wie weit sind Sie mit der Notstartsequenz?“
„Jederzeit bereit Captain, sagen Sie nur wann.“ kam die Stimme von J.J. aus dem Maschinenraum.
„Wir müssen den Start und das Hologramm synchronisieren, Captain...“ gab van Dyke zu bedenken.
„...sonst empfangen die Dalerianer ein doppeltes Signal“.
„Verstehe, können Sie die Aktivierung der Sonde mit dem Einsatz des Warpantriebs koppeln?“
„Aye Sir, gekoppelt mit dem Warpsprung“ erwiderte van Dyke.
„Ramirez, Notstart auf Warp 2, nach dem Beschleunigen gehen Sie auf Warp 9.6, und los“ rief Wikland, Die Alexandria wurde von einem holographischen Bild überdeckt, dass maßstabsgetreu das Schiff wiedergab und im selben Moment schoss die Alexandria davon.
Minute um Minute verstrich und die Spannung auf der Brücke wuchs ins Unermessliche. An allen Dingen die man berührte konnte man die feine Vibration erfühlen, die durch die volle Belastung des Warpantriebs erzeugt wurde. Man meinte fast keiner traue sich zu atmen. Überall auf der Brücke war nur das leise Piepen der Computer-kontrollierten Systeme wahrzunehmen und das unterschwellige Brummen des Antriebs. Die Nerven aller waren bis aufs Letzte gespannt und jeder konzentrierte sich auf seine Aufgabe.
„K’Orak, Sensorenabtastung, was machen die Dalerianer?“ richtete sich Wikland nach wenigen Minuten an den Klingonen.
„Den Werten zufolge haben Sie Ihre Position noch nicht verlassen. Das Schiff ist nach wie vor in Defensivhaltung. Waffen und Antrieb sind abgeschaltet, keine weiteren Aktivitäten Captain“
Wikland nickte zufrieden und blickte kurz zu van Dyke der auf seinem Terminal die Sondensignale kontrollierte.
„Wie lange noch bis zum Verlassen des Raumes der Dalerianer K’Orak?“
Der Captain war sich noch nicht sicher, ob die Gefahr gebannt war.
„In zwei Stunden verlassen wir deren Raum, wenn wir uns an den Sternenkarten der Föderation orientieren...“ und damit die Information vollständig war fügte er hinzu.
„...die Station Merlin erreichen wir bei Warp 9.6 in ungefähr 12 Stunden, Sir“
„Das gibt uns Zeit für eine erholende Runde Schlaf, nicht wahr? Nummer eins, informieren Sie die Delta Schicht, sie soll die Brücke und den Maschinenraum etwas früher übernehmen, wenn wir bei Merlin ankommen müssen wir alle wieder in Form sein. Alarmstufe Gelb ist aufgehoben. Erholen Sie sich gut, morgen wird ein ebenso anstrengender Tag“ damit erhob sich Wikland und verschwand in sein Quartier.Wenige Minuten später saß Maxine Dent im Sessel des Captains und auch die anderen Stationen waren übernommen worden.
* * *Die Alexandria schoß mit Warp 9.6 durch den Raum und ließ das Gebiet der Kugelsternhaufen und Sternencluster schnell hinter sich. Der Captain und auch die anderen Crewmitglieder der Brückenbesatzung hatten sich in den Quartieren gleich zur Ruhe begeben. Lediglich van Dyke stand am Fenster schaute auf die Warpsterne die ihm entgegen flogen, er konnte keine Ruhe finden. In seiner rechten Hand hielt er eine Tasse Raktageno und vor ihm auf dem Tisch lagen einige PADD’s, die taktische Angriffs- und Verteidigungssimulationen der Sternenflotte zeigten. Er wusste, dass die Situation der sie nun entgegenstürmten mit Sicherheit nicht leichter zu bewältigen war, als das Problem welches sie gerade mühevoll hinter sich gelassen hatten. Wobei es keine richtige Lösung sondern nur ein gut erwirkter Aufschub war. Das war Roger vollkommen klar. Er war sich sicher, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen war.
Im Hintergrund erklang leise Musik, die mit tragenden und flächigen Sounds und dem eingebundenen Meeresrauschen eine beruhigende Wirkung verströmte. Noch lange stand er vor seinem Fenster, blickte hinaus ins All und überlegte was bei der Station Merlin wohl auf sie warten mochte.
Noch vor Anbruch der Tagesschicht war der Captain wieder auf der Brücke. Er hatte sich von K’Orak die Auswertungen der Langstreckensensoren geben lassen und studierte die Angaben.
Die Abtastung deutete auf einige kleine Schiffe verschiedener Bauart hin, die in angemessenem Abstand zur Station eine Gruppe gebildet hatten und von wo aus immer wieder zwei oder drei Schiffe in einzelnen Wellen auf die Station zuflogen und sich kurz darauf wieder zurückzogen.
Die Alexandria hatte noch ungefähr zwei Stunden mit Warp 9.6 vor sich, bevor sie den Sektor der Station erreichen konnte.
„Lieutenant Commander Carter, beschleunigen Sie auf Warp 9.85, ich will schneller dort sein.“ Wies der Captain den gerade wieder von der Krankenstation entlassenen Ingenieur an.
Edison Carter nahm die Korrektur vor und berichtete dem Captain wie sich die Flugzeit verändern würde.
Wikland war zufrieden und ließ seinen Blick über die Brücke schweifen. Von der Alpha Schicht war bislang noch keiner erschienen, es waren allerdings auch noch gut eineinhalb Stunden bis zur Übernahme.
In diesem Moment glitt die Tür des Turbolifts auf und Roger van Dyke trat auf die Brücke. Er sah den Captain und ging auf ihn zu. Mit einem freundlichen Lächeln setzte er sich auf seinen Platz, der von Lt. Commander John Newton freigemacht wurde.
„Guten Morgen Captain, hatten Sie eine angenehme Nacht?“
Wikland blickte auf
„Leider nicht, ich bin immer etwas unruhig, wenn ich im Voraus weiß, das militärische Konflikte auf mich warten. Eigentlich sollte so ein alter Haudegen wie ich das ja gewohnt sein aber es ist dennoch immer wieder eine gewisse Anspannung. Und wie haben Sie geschlafen?“ wollte Wikland wissen.
„Mir geht es ähnlich, da wir wohl mit einer militärischen Auseinandersetzung rechnen müssen habe ich die Zeit genutzt mich nochmals mit den taktischen Gegebenheiten bei der Station Merlin zu befassen. Obwohl ich dann sehr müde war bin ich doch schon wieder früh aufgewacht. Ich denke, bevor ich diese Zeit durch herumsitzen vergeude, kann ich mich auch hier auf die kommenden Aufgaben vorbereiten.“
Wikland nickte zustimmend und nahm zufrieden zur Kenntnis, dass er nicht alleine war mit seiner Unrast. Er deutete auf die Wissenschafts-Station und van Dyke folgte dem Captain zum Display. Der Computerbildschirm, der in der Wand eingelassen war zeigte die Analysen der Sensorenabtastungen.
„Da ist ja richtig was los nicht wahr? Sieht aus wie Angriffsflüge, wenn man die Wellen von Schiffen und die Flugbahnen so sieht. Oder könnte es sich dabei lediglich um Drohgebärden handeln?“ meinte van Dyke und wechselte von der Animation der Sensordarstellung auf die tabellarische Übersicht der Werte. Wikland drehte sich nach vorn und blickte auf den Hauptschirm.
„Nein, unsere Langstreckensensoren können derzeit nur die Bewegungsdaten analysieren, inwieweit hier Offensivwaffen zum Einsatz kommen lässt sich erst feststellen wenn wir näher dran sind, es sieht aber sehr nach Angriff aus. Bislang waren unsere Versuche eine Kommunikation mit der Station herzustellen nicht erfolgreich. Alle Signale sowohl zur- als auch von der Station werden durch ein starkes Störenergiegitter zerstreut.“
Wikland und van Dyke standen eine lange Zeit vor der Science Station und der Captain erklärte die bevorzugten Taktiken der Alexandria Crew.
Er rief einige Aufzeichnungen zurückliegender Gefechte und Sternenflottendateien ab und informierte den ersten Offizier wie er im Fall von Aggressionen vorgehen würde. Van Dyke nahm die Ausführungen des Captains mit hoher Konzentration entgegen.
Roger van Dyke senkte seine Stimme, so dass er sicher sein konnte, dass keiner die nun folgende Unterhaltung verstehen konnte.
„Captain ich möchte eine sehr persönliche Frage an Sie richten. Bei allem schuldigen Respekt, halten Sie es wirklich für notwendig, dass die Wachoffiziere Ihr Betreten und Verlassen der Brücke mit einer Meldung quittieren?
Ich weiß, Ich bin neu hier und sollte mich mit meinen Vorschlägen erst einmal hinten anstellen, aber ich denke doch diese Ehrenbezeugung, die noch aus der Zeit der christlichen Seefahrt stammt entspricht nicht mehr den Umgangsformen der heutigen Zeit. Wir alle kennen Ihre Fähigkeiten und Ihren Rang, an der Professionalität der Crew ändert sich nichts wenn jemand ‘Captain auf der Brücke‘ ruft. Im Gegenteil, ich denke eher, dass es zu Ablenkungen führt.“
Roger van Dyke rechnete mit einer Zurechtweisung und wurde von Wiklands Antwort völlig überrascht.
„Nummer Eins...“ begann der Captain mit leiser Stimme und stützte sich mit seiner linken Hand lässig auf der Arbeitsfläche der Wissenschaftsstation ab.
„...ich schätze Ihre Offenheit. Auch wenn Sie für Ihre Frage nicht gerade den passendsten Zeitpunkt ausgewählt haben, so rechne ich es Ihnen doch hoch an, dass Sie sich mit den Gegebenheiten an Bord auseinandersetzen und sich mit Ihren Vorschlägen an mich wenden. Auch wenn es in diesem Fall bedeutet, dem Captain eines seiner Vorrechte streitig zu machen. Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie mir in irgendeiner Situation widersprechen müssten oder einen anderen Standpunkt haben, lassen Sie es mich wissen.
Was diese Meldungen betrifft, weisen Sie die Sicherheitscrew an, sie künftig wegzulassen, ich weiß auch so dass ich auf der Brücke bin, ich brauche keinen der mich darauf hinweist.“ den letzten Satz unterstrich er mit einem ehrlichen Lächeln und nickte van Dyke noch einmal kurz zu.
Dann kam Wikland mit großen Schritten zurück zu seinem Sessel und nahm Platz.
„Commander...“ richtete er sich an seinen ersten Offizier, der noch im hinteren Bereich der Brücke am Computer stand.
„...bereiten Sie das Schiff auf einen Kampf vor. Wenn es losgeht möchte ich dass alles funktioniert und dass die Crew auf Draht ist.“
„In Ordnung Sir!“ antwortete van Dyke ging zum Turbolift und drückte seinen Kommunikator.
„An alle Führungsoffiziere, kommen Sie zum Briefing in den Schulungsraum auf Deck vier. Van Dyke Ende.“
Er betrat den Turbolift und wenige Sekunden später öffnete sich die Tür mit einem leisen Zischen auf Deck vier. Er eilte den Gang hinunter und traf auf Corbal Mor den Trill, der aus einem Seitengang zu Ihm stieß.
„Übrigens Lt. Commander...“ richtete er sich an den Trill, während sie weiter den Flur entlangschritten,
„...ich schätze es nicht, wenn man meine Anweisungen oder die Befehle des Captains in Frage stellt. Ihre Bemerkung im Wartungsraum beim Umbau der Sonde war nicht angebracht...“
Dem Trill lief ein kalter Schauer über den Rücken. Er hatte nicht erwartet, dass van Dyke seine abfällige Bemerkung im Sondenraum bemerkt hatte, die er vor sich hin gemurmelt hatte. „...außerdem müssen Sie nicht noch andere Offiziere verunsichern indem Sie negative Fragen stellen und Schwarzmalerei betreiben. Wenn Sie sich einer Sache nicht sicher sind steht es Ihnen frei weitere Informationen zu erfragen, oder Ihre Bedenken zu äußern. Aber so etwas wie im Wartungsraum möchte ich nicht wieder erleben. Ist das klar?“ Der Trill senkte den Kopf, zog eine Grimasse und preßte ein
„Ja, Commander“ hervor.
Corbal Mor wertete diese Unterhaltung als Maßregelung, denen er sich ungern beugte. Sein Symbiont war bereits mit acht verschiedenen Wirtskörpern verbunden und Corbal war der Ansicht, dass seine Meinung den höchsten Stellenwert hatte, zumindest wenn es um seine Handlungen ging. Seine Stellung als Lt. Commander hatte er der langjährigen Erfahrung seines Symbionten zu verdanken, der schon seit mehr als 78 Jahren in der Sensoren und Sondentechnik gearbeitet hatte.
Inzwischen hatten sie die Tür zum Schulungsraum erreicht und traten ein. Einige Führungsoffiziere waren schon anwesend, standen in der Ecke am Computerterminal und unterhielten sich leise.
Nach einigen Minuten waren auch die Letzten eingetroffen und van Dyke bedeutete der Gruppe sich zu setzen.
„Der Captain hat mich beauftragt Sie über die aktuelle Situation aufzuklären und auf unsere Rettungsmission vorzubereiten.“
Er aktivierte eine Informationstafel, die den Grundriss der Station Merlin zeigte und erläuterte die bereits gewonnenen Daten.
Bei der Sternenbasis handelte es sich um eine Station vom Typ vier, eine stark verkleinerte Ausgabe der pilzförmigen Stationen. Sie besaß nur einen kleinen Shuttlehangar und hatte insgesamt 68 Decks.
„Wir müssen davon ausgehen, dass wir die Station mit militärischen Mitteln gegen die Aggressoren verteidigen müssen. Ich weiß, dass Sie erst vor kurzer Zeit einen Kampfeinsatz mitgemacht haben...“ erklärte Roger
„Wir machen doch dauernd irgendwelche Kampfeinsätze mit, dass ist doch nichts neues für uns!“ kam eine Stimme aus den hinteren Reihen, und ein zustimmendes Gelächter ging durch die Gruppe.
„...nun, schön das Sie so begeistert und erfahren sind, dann wird es Ihnen ja sicherlich nichts ausmachen, eines der Kampfrunabouts zu steuern Mr. Sinclair. Sie sind hiermit für die Amazonas eingeteilt.“ erwiderte van Dyke. Damit war schlagartig Ruhe eingekehrt bis auf den etwas vorlauten Offizier, der sich gerade ereifern wollte gegen die Entscheidung zu protestieren, aber von seinen Nachbarn mit schnellen Griffen wieder auf seinen Stuhl zurückgezogen wurde.
Van Dyke informierte über die zu erwartende Gegnerstärke und über die bereits mit dem Captain erörterte Taktik. Als die Gruppe nach einer halben Stunden den Schulungsraum verließ, blieben nur van Dyke und Corbal Mor zurück, der an der Tür wartete.
„Und, welche Strafe haben Sie sich für mich ausgedacht?“ fragte er schnippisch als van Dyke an Ihm vorbeigehen wollte.
„Lt. Commander, der Vorfall ist für mich erledigt, es wird auch keinen Eintrag in Ihre Akte geben. Ich habe Ihnen meine Einstellung dazu bereits mitgeteilt, wobei ich es tunlichst unterlassen habe dies in Anwesenheit anderer zu tun. Ich erwarte nur, dass Sie sich künftig korrekt verhalten. Das was eben da drinnen passiert ist hat sich der junge Mann selbst zuzuschreiben. Es wird Ihm eine Lehre sein und die nächsten Einweisungen sicherlich deutlich ruhiger machen.“
Damit wandte sich van Dyke ab und ließ Corbal Mor alleine in der Tür stehend zurück.
„Captain, wir haben die Energiesignaturen der Angreifer identifiziert, sie halten die Station Merlin unter Beschuss, die Schilde der Station sind runter auf 30 Prozent und im unteren Sektor werden sie bald völlig ausfallen.“ kam die Stimme von Alisha der Bolianerin, welche die aktuellen Daten an der OPS abrief.
„Wie lange noch bis zur Ankunft?“
K’Orak schaute auf seine Anzeigen.
„Sechs Minuten Captain.“
Wikland blickte zu van Dyke an seiner Rechten.
„Commander“ sagte er mit einem fordernden Unterton in der Stimme und van Dyke begriff, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war. Er übernahm die Leitung der Aktion.
„Ramirez, verzögern Sie auf Warp 2. Alarmstufe Rot, Schilde hoch, Phaser und Torpedoabschussrampen klar zum Gefecht, alles auf die Kampfstationen...“
Schlagartig war die Brücke erfasst von fieberhafter Geschäftigkeit. Der Turbolift öffnete sich und zusätzliche Sicherheitsleute mit Phasergewehren nahmen Ihre Plätze auf der Brücke ein. Ein medizinischer Offizier sowie zwei weitere Crewmitglieder zur Verstärkung der taktischen- und der Sicherheitsstation folgten Ihnen und platzierten sich an den rückwärtigen Computerterminals. Das Licht dunkelte ab und die roten Leuchtbänder in der Wand flammten auf während gleichzeitig der akustische Alarm erklang.
„Computer, Audio aus.“ gab van Dyke weitere Anweisungen,
„Shuttlehangar eins, starten Sie die Kampfrunabouts nach Muster Wikland Alpha drei.“
„Hier Shuttlehangar eins, Runabouts ausgeschleust.“ Kam die Rückmeldung kurz darauf.
„Piloten bestätigen Muster Wikland Alpha drei“ rief Carah Pehl von der Kommunikationsstation.
Von diesem Moment ging alles Schlag auf Schlag. Alle Flugdaten wurden nochmals geprüft und geringfügige Kurskorrekturen vorgenommen. Die Alexandria steuerte mitten auf die Angriffsformation zu, die in ständigen Wellen auf die Station Merlin zustürmten. Auf den Bildschirmen der Science Stationen wurden ständig die aktualisierten Sensorenwerte angezeigt und die aktivierten Abwehrsysteme zeigten durch nervös blinkende Leuchtfelder auf den Bediendisplays Ihre Bereitschaft.
„Ramirez, gehen Sie unter Warp. Nachricht an die Runabouts, Sie sollen die Zielerfassung auf die Schiffe einstellen, welche die Station aktiv angreifen, und nach eigenem Ermessen feuern. Lieutenant Ran, das gilt auch für Sie“ schloss van Dyke seine Befehle.
„Anweisungen bestätigt.“ rief Carah von der Kom-Station und im selben Moment verschwanden die Warpsterne auf dem Schirm und man sah die Station Merlin die von circa 30 Kampffliegern umgeben war. Ramirez hatte die Verzögerung so geschickt programmiert, dass die Alexandria in einer günstigen Position zwei Kilometer vor und fünf Kilometer unterhalb der Station auftauchte. Damit war das Überraschungsmoment auf der Seite der Sternenflotte. Der Kampf über Ihnen tobte bereits in voller Stärke. Jedes Mal wenn ein Angriffsjäger seine Phasersalven gegen die Station geschleudert hatte, drehte er ab und der Nächste rückte nach. Die Jäger zogen sich kurz zurück, formierten sich neu und flogen in immer wiederkehrenden Wellen auf die Station zu.
Die Runabouts und die Alexandria machten einen Schwung nach oben und stießen auf die Angreifer zu. Erste Phaserstrahlen zuckten von der oberen und unteren Phalanx des Föderationsschiffes sowie der Runabouts und trafen die Angreifer, deren Schilde bei derartig starkem Beschuss schnell nachgaben. Sie brachen verwirrt Ihre Angriffe ab und drehten bei um sich neu zu formieren. Ran Byrell hatte die Zielerfassung mit den Kurzstreckensensoren gekoppelt und ließ nun aus den Torpedoabschussrampen der Moduleinheit eine Salve nach der anderen auf die einzelnen Schiffe los. Der erste Torpedo traf einen kleinen Jäger und riss ihm das Heck weg. Das Schiff kam ins Trudeln und krachte in einen alten Erzfrachter, der sichtbar umgebaut und mit mehreren Geschützen ausgestattet war. An der Einschlagstelle entwich ein riesiger Feuerball ins kalte All . Anscheinend war der Antrieb oder ein Treibstofftank getroffen worden. Teile der Außenhülle platzten weg und man konnte sehen, dass auch dieses Schiff keine Chance mehr hatte.
Zwei weitere Torpedos trafen die ineinander steckenden Schiffe und rissen sie in tausend kleine Fetzen, die in alle Richtungen zerstreut wurden.
„Ramirez, bringen Sie uns zwischen die Station und die Angreifer“ rief van Dyke dem jungen Mann an der Conn zu.
„Aye Commander, wir drehen bei.“ erwiderte Ramirez und die Alexandria glitt in einem eleganten Bogen zwischen die Fronten. Die Angreifer stellten sofort ihre Taktik um und nahmen das Föderationsschiff unter Beschuss.
Phaserstrahlen zuckten aus den Emitterringen des Diskussegments und des Moduls und legten den Antrieb und die Waffenphalanx einiger Schiffe lahm. Die Alexandria bot zwar ein neues Ziel, aber dennoch ließen die Gegner nicht von der Station ab.
Zwei kleinere Jäger kamen auf die Alexandria zu und feuerten Phaser und Mini-Torpedos ab. Auf der Brücke konnte man einen deutlichen Ruck spüren, als die Geschosse auf die Schilde trafen.
„Vordere Schilde bei 95 Prozent und halten!“ rief der Sicherheitsoffizier, der die Defensiveinrichtung auf dem Computer überwachte.
Ran Byrell fühlte sich in seinem Element und konnte endlich wieder einmal all seine sorgfältig geplanten Angriffssequenzen anwenden, die er sich im Laufe der Zeit angeeignet hatte. An der taktischen Station ließ er seine Finger über die Sensorflächen der Abschusskontrolle schweben.
Das Display mit den ausgewählten Zielprogrammen zeigte mehrere Möglichkeiten und Ran handelte Instinktiv. Sein Zeigefinger senkte sich auf eine Eintragung die neben der bürokratischen Bezeichnung ‘Ran Byrell Gamma 4’ mit dem klangvollen Namen „Zifferblatt“ versehen war.
Im selben Moment in dem die Jäger über die Alexandria hinwegflogen zuckten die Phaserstrahlen aus der oberen Phalanx den kleinen Schiffen entgegen. Ran Byrell hatte die Strahlen nicht gebündelt, da bei einer solchen Geschwindigkeit eine genaue Erfassung nicht möglich war. Statt dessen wurde jetzt die Bedeutung des zusätzlichen Namens klar. Als hätte man von jedem Sekundenpunkt einer Uhr einen Scheinwerfer nach oben gerichtet, so hatte Ran Byrell ganz plötzlich Phaserstrahlen senkrecht über dem Schiff aufsteigen lassen. Selbst für die wendigen Einmann-Jäger war ein Ausweichen auf solch kurze Distanz nicht mehr möglich und beim durchfliegen der Strahlen wurden sie zerschnitten wie Papierflieger.
Die Trümmer flogen bedingt durch die kinetische Energie weiter und verschwanden bald hinter der Alexandria in den Weiten des Raums.
Die Runabouts konzentrierten Ihr Feuer derweil auf die anderen Schiffe, die noch immer nicht die Angriffe auf die Station eingestellt hatten.
Die Amazonas verfolgte einen der Jäger, der gerade seine Torpedos abschießen wollte und Lieutenant Sinclair manövrierte das Runabout so geschickt hinter den Feind, dass ein gut plazierter Micro-Torpedo den Antrieb zerfetzte. Das Schiff trieb steuerungslos weiter, blieb aber von einer totalen Zerstörung verschont.
„Schilde der Station sind runter auf 10 Prozent, die halten nicht mehr lange durch.“ stellte Alisha die Bolianerin in diesem Moment fest und ihre Stimme überschlug sich fast vor Erregung.
„Gut, machen wir dem ein Ende“ sagte van Dyke,
„Lieutenant Ran, eine volle Salve mit einer Sequenz von drei Sekunden auf die beiden Großraumer, die von den Jägern immer als Wendepunkt angeflogen werden.“
Sekundenbruchteile später verließen zwei Torpedoreihen die Alexandria. Der erste Torpedo schlug kurz darauf mit Wucht auf die Schilde der Großraumer und die nachfolgenden schwächten die Schutzmechanismen ständig weiter, so dass der letzte Torpedo die Schilde durchdrang und voll im vorderen Bereich des einen Schiffes einschlug.
Von den über dreißig Angreifern waren bis zu diesem Zeitpunkt nur noch sieben intakte Schiffe verblieben die sich nun schnell zurückzogen. Der Rest war zerstört oder manövrierunfähig. Der unbeschädigte Großraumer aktivierte einen Traktorbeam und zog die lädierten Schiffe in den rettenden Hangar.
„Feuer einstellen“ befahl Wikland und stand auf.
„Lieutenant Carah, stellen Sie eine Verbindung zu diesem Raumschiff her“ Er stellte sich vor seinen Stuhl und stützte die Hände in die Hüften.
Auf dem Hauptschirm erschien eine verzerrte Bilddarstellung und es war eine von Rauch durchsetzte Brücke zu sehen. Im Hintergrund waren einige Besatzungsmitglieder damit beschäftigt auflodernde Flammen niederzukämpfen. Viele hatten leichte Verletzungen an Kopf und Armen davongetragen und Ihre Kleidung war zerrissen. Überall lagen Trümmerteile herum und es waren die Rufe von weiteren Verletzten, möglicherweise eingeklemmten Personen zu hören. Es musste sich um das Schiff handeln, dass den Torpedotreffer eingesteckt hatte.
„Hier spricht Jan Erik Wikland vom Föderationsraumschiff U.S.S. Alexandria. Wir fordern Sie auf sich zu ergeben. Sie haben ohne provoziert worden zu sein eine Station angegriffen die der Vereinten Föderation der Planeten angehört und sich unter dem Schutz der Sternenflotte befindet.“In dem Rauch auf der Brücke des gegnerischen Schiffes tauchte das Gesicht eines Mannes auf, das blutverschmiert und verschwitzt war.
„Sie wissen doch gar nicht um was es geht, hier steht der Fortbestand unserer Rasse auf dem Spiel und die Spinner auf der Station haben dieser Terrorregierung Schutz gewährt. Sie sind genauso Schuld an den Verbrechen, die an unserem Volk begangen werden wie die Repräsentanten der Regierung die sich auf der Station verkriechen. Wir kommen wieder, und dann werden wir unser Volk endgültig von diesen Verbrechern befreien. Wenn es nötig ist, werden wir auch Sie überwältigen.“
Die Verbindung wurde unterbrochen und im selben Moment verschwanden die Schiffe der Angreifer mit einem Blitz in der Warpgeschwindigkeit.
„Captain sie ziehen sich zurück, sollen wir sie verfolgen?“ das war die Stimme von Lt. Sinclair, der die Amazonas in einem weiten Bogen um die Station gesteuert hatte und gerade in richtiger Position war um zu Beschleunigen.
„Negativ Amazonas, kommen Sie zurück zur Alexandria wir müssen zunächst nach der Station sehen. Lt. Ramirez, schwenken Sie in einen Standardorbit ein.“
Der Blick von Wikland fixierte den Hauptschirm, auf dem die Schrecken des Gefechtes ihre grausamen Spuren hinterlassen hatten. Trümmerteile verschiedener Schiffe schwebten durch den Raum, manche davon glühten noch immer. Einige Bedienkonsolen die aus den Brücken- oder Maschinensteuerungen stammten trudelten durch den Raum und die heraushängenden Enden der Kabelverbindungen sprühten gelegentlich einige Funken, eine Folge der Restenergie, die langsam zum Erliegen kam. Ein leerer Raumanzug schwebte vorbei, und der Captain überlegte, ob seine Entscheidung richtig war, sofort und ohne Warnung anzugreifen.
„Schadensberichte!“ wandte sich Roger van Dyke an Carah Pehl, die sofort die Anweisung weitergab und bereits nach wenigen Sekunden die ersten Anzeigen von Ihrem Display ablas.
„Alle Decks an Bord der Alexandria klar, keine Verletzten. Die Rio Oro meldet den Ausfall eines Schildgenerators und in der Phasersteuerung ist durch die Rückkopplung der Tangentialkompensatoren eine Energiekupplung durchgebrannt. Das Team repariert bereits und wird dann auf den Reserve-Schildgenerator umschalten.“
Roger van Dyke drehte sich zu Andy Duke
„Lt. Commander, die Runabouts sollen in einem Umkreis von 5000 Kilometern um die Station Patrouille fliegen. Fünf weitere Shuttles sollen den näheren Umkreis absichern. Gehen sie auf Alarmstufe Gelb.“ Sofort wechselten die Leuchtbänder der Brücke auf ein gelbes Licht und der Herzschlag der Crewmitglieder normalisierte sich langsam wieder.
„Lt. Carah, stellen Sie eine Verbindung zu Commander Nicolai Graves her.“
Die Bajoranerin nickte kurz, während Sie Ihre Station bediente. „Tut mir Leid Commander, das Störfeld ist wieder aktiv, anscheinend wurde es nur kurz während des Angriffs abgeschaltet. Ich kann keine Verbindung herstellen.“
„Danke...“ sagte van Dyke und drückte seinen Kommunikator „...Lt. Keros, ist es möglich zur Station hinüberzubeamen?“
„Geht leider nicht Commander, das Störfeld beeinträchtigt auch die Transporterstrahlen, es ist sehr effektiv. Wir arbeiten aber schon an einer Überbrückung. Vielleicht können wir das Problem umgehen, wenn wir den Transporter auf eine andere Frequenz umstellen können.“ kam die Stimme des Transporterchefs aus dem Interkom.
„In Ordnung...“ erwiderte van Dyke,
„...machen Sie weiter und melden Sie sich, wenn Sie soweit sind.“ Dann wandte er sich um zu Wikland.
„Captain, es sieht so aus als müssten wir das Shuttle benutzen.“
Wikland stand noch immer vor dem Hauptschirm und schaute auf die vielen zerstörten Schiffe, die hilflos und in grotesken Positionen im All hingen.
„Ist schon gut Nummer eins, kommen Sie mit. Mr. Duke, Sie haben die Brücke, lassen Sie die Tiefenscanner ständig nach den Angreifern suchen und benachrichtigen Sie uns, wenn sich etwas tut. Die medizinische Crew soll zusammen mit der Sicherheit die einzelnen Schiffe anfliegen und nach Überlebenden suchen. Lassen Sie die Gefangenen zur Sicherheitsabteilung der Station bringen.“ Kurz darauf waren beide im Turbolift verschwunden und auf dem Weg zum Shuttlehangar.
