Prolog bis Kapitel 5

Prolog

Frank Dekkers, der frischgebackene Captain hatte kaum Zeit gefunden seine Mannschaft an Bord der U.S.S. Scimitar kennen zu lernen, denn bereits direkt nach der Indienststellung seines Schiffes war er mit einem wichtigen Rettungseinsatz betraut worden. Die Mannschaft hatte sich trotz des neuen Schiffes bereits gut eingewöhnt und erledigte die anfallenden Aufgaben mit Fleiß und Leidenschaft.
Aber kaum war Frank mit der Scimitar wieder zurückgekommen, wartete bereits die nächste Aufgabe auf ihn und so ging es inzwischen am laufenden Band weiter. Erst vor einigen Tagen hatte er einen Konvoi mit Siedlern und Kolonisten von Ihren Planeten zurück begleitet, da das Dominion mit seinen Truppen inzwischen gefährlich nahe an diese Welten herangerückt war.
Dieser Transport verlief ausnahmsweise ohne Störungen und konnte die Sternenbasis unbeschadet erreichen, was bedauerlicher Weise nicht in allen Fällen gelang.
Im Tyra Sektor war die siebente Flotte auf das Dominion gestoßen. Von insgesamt einhundertzwölf Schiffen waren ganze vierzehn zurückgekehrt. Ganze achtundneunzig Schiffe hatte man in nur einer halben Woche verloren. Die Verluste waren herb und die Sternenflotte brauchte alles was auch nur annähernd aussah wie ein Schiff und dazu fliegen und kämpfen konnte.

Die Scimitar hatte nach ihrem erfolgreichen Start bereits einige wichtige Einsätze geflogen und war inzwischen voll in die Flotte integriert. In Zeiten wie diesen hatte man es eilig neue Schiffe in den Flottenverband zu bringen.
War Frank anfangs noch nach jedem erfolgreichen Auftrag wieder zur Heimatbasis zurückgekehrt, so ereilten ihn die neuen Aufträge nun meist schon auf dem Rückweg, in zwei Fällen sogar schon auf dem Anflug der zu erledigenden Aufgabe.
Aus dem anfangs geplanten gemeinsamen Beisammensein mit seiner Crew wurde vorerst nichts und Frank beschränkte sich darauf, beim Abendessen immer eine andere kleine Gruppe der Crew am Tisch zu haben, um sich näher kennen zu lernen.
Es erinnerte ihn an Filme, die er einmal gesehen hatte, in denen auch die Captains von großen Passagierschiffen dies taten, um verschiedenen Personen das Gefühl zu vermitteln, dass der Captain auch nur ein Mensch war und den Leuten gleichzeitig zu zeigen, wie wichtig sie andererseits für den Captain waren.
Auch wenn er im laufenden Schiffsbetrieb selten eine dieser Personen zu Gesicht bekam, so musste er sich im wahrsten Sinne des Wortes blind auf sie verlassen können.




Kapitel 1

Captain Dekkers saß in seinem Quartier und blickte hinaus ins Dock. Noch vor wenigen Monaten hatte er geglaubt diesen Tag nie erleben zu dürfen. Aber das Schicksal hatte es gut mit ihm gemeint. Nun befehligte er eines der neuesten Schiffe der Flotte, welches er noch dazu selber konzipiert hatte. Sein alter Traum war durch die tatkräftigen Hände vieler Männer und Frauen wahr geworden.
In seinem Quartier hatte er inzwischen einige Stellen gefunden, an denen er seine Schiffsmodelle in perfekter Art in Szene setzen konnte, aber inzwischen war sein Schiff in den Mittelpunkt gerückt, welches er nicht nur als kleines Modell auf einem Podest aus transparentem Aluminium besaß.
Auf seinem Schreibtisch lag eine fast unüberschaubare Menge an Padds, Zeichnungen und Berichten, die er durchzusehen hatte. All das gehörte nun zu seinen neuen Aufgaben, auch wenn diese sich ein wenig mehr ausgedehnt hatten als er es für das Amt eines Captains überhaupt für möglich gehalten hätte.

Frank hatte sich seinen Job allerdings auch nicht als so aufreibend vorgestellt, wie er sich in der Zwischenzeit tatsächlich ergeben hatte. Neben seinen Pflichten auf der Scimitar hatte er gegenüber Admiral Winters eingewilligt, die Umbauarbeiten an der Avatar, dem eigentlich ersten Schiff dieser Klasse zu überwachen.
Leider war er inzwischen viel zu selten auf der Sternenbasis um all diese Dinge wirklich genau zu prüfen und so musste er sich auf Commander Rychek verlassen den er, zu Beginn seines Dienstes als Captain, als sehr fähigen Offizier kennen gelernt hatte und den er gerne als ersten Offizier an Bord behalten hätte. Aber Rychek war ein Mann der sich mit Leib und Seele der Erstausrüstung von Schiffen verschrieben hatte.
So hatte Frank wenigstens einen kompetenten Ansprechpartner, der sich um die Belange der Avatar kümmerte.

Auf seinem Terminkalender stand heute eine weitere Begehung der Avatar, bei der eine erneute Bestandsaufnahme der Umbauten auf dem Plan stand. Heute würde sich zeigen, ob man bald mit der Fertigstellung rechnen konnte.
Frank verließ seinen Bereitschaftsraum und blickte kurz durch die Tür auf die Brücke.
Zwei Offiziere hatten Dienst und waren dafür verantwortlich, dass hier im Dock alles planmäßig verlief. Obwohl das Schiff bereits in Dienst gestellt worden war und alle Systeme ordnungsgemäß funktionierten hatte man sich dazu entschieden die Scimitar stets im Inneren der Basis zu positionieren.
Man wollte noch immer nicht allzu offensichtlich die neuen Aspekte dieser Schiffsklasse zur Schau stellen.
Wie sich gezeigt hatte, war dies der Prometheusklasse zum Verhängnis geworden, welche von romulanischen Spionen gekapert worden war und nur mit viel Glück wieder in die Hände der Föderation fiel.

Captain Dekkers machte sich auf zum nahen Turbolift und überlegte derweil, welche Fortschritte man wohl in der Zwischenzeit gemacht hatte. Grundsätzlich waren inzwischen die meisten fragwürdigen Abweichungen geklärt worden, aber es gab immer noch einzelne Bereiche, in denen sich die Spezifikationen deutlich von der Scimitar abhoben.
Frank hatte es sich zum Ziel gesetzt, dass er alle wichtigen Bereiche des Schiffes genau so gestaltet haben wollte, wie die Scimitar. Das machte es wesentlich einfacher, eine Dokumentation zu verfassen, da man sich dann auf die bereits bestehenden Daten stützen konnte.
Der Lift hielt an und Frank trat in den Flur, der zum Transporterraum führte. Er grüßte einige Offiziere, die hier unterwegs waren um ihre Pflichten zu erfüllen und bog dann ab in den Raum, dessen Türen sich bereits beim näher kommen öffneten.
Der Transporterchief Gerry Jacobian grüßte kurz und machte eine einladende Geste, die Frank auf die Transporterplattform wies. Scheinbar war sein Kommen bereits angekündigt worden.
Im bläulichen Schimmer schien innerhalb von Sekunden alles zu verschwimmen, nur um kurz darauf wieder scharf zu werden. Beim ersten Mal hatte er doch tatsächlich an eine Transporterfehlfunktion gedacht, aber inzwischen war Frank klar, dass er sich in genau dem gleichen Transporterraum befand, nur eben auf der Avatar.

Der Offizier der ihm noch eben gegenüberstand hatte sich in eine junge Frau verwandelt, die im Rang eines Fähnrichs stand und Frank freundlich anlächelte.
„Herzlichen Dank“ sagte er, während er von der Plattform stieg und zur Tür eilte.
Er begab sich auf den Weg zur Brücke und ging im Geiste noch einmal die offenen Punkte durch. Es war nicht gerade einfach diese ständigen Prüfungen abzuhalten, insbesondere, da er nach wie vor nicht im Ingenieurscorps der Sternenflotte, sondern ein Captain mit einem Schiff war. Obwohl sich sein Design in der von Ihm vorgegebenen Form bewährt hatte, schlugen ihm dennoch Misstrauen und gelegentliches Unverständnis entgegen, da er nicht wie die anderen Designer und Raumschiffarchitekten dem Ingenieurscorps der Sternenflotte angehörte.

Frank trat aus dem Turbolift gegenüber der Brücke und hörte bereits als sich die Türen öffneten die uneinsichtige und verärgerte Stimme von Captain John Devero, der sich anscheinend mit Carl Rychek auf einen Disput eingelassen hatte.

„…aber nein, das würde die Fertigstellung des Schiffes um weitere drei Monate verzögern. Das ist inakzeptabel.
Sie wissen genau, dass wir beim gegenwärtigen Verlauf des Krieges gegen das Dominion gerade dieses Schiff ganz besonders brauchen!“
Commander Rychek versuchte immer noch den Captain mit logischen Argumenten umzustimmen, aber es war ihm leider kein Erfolg gegönnt.
Der Captain war ein alter Haudegen von über sechsundfünfzig Jahren und mit einer Dienstzeit von dreiunddreißig Jahren im Dienste der Sternenflotte sah er gar nicht ein, dass er sich von einem so jungen Schnösel sagen lassen sollte, was das Beste für sein Schiff sein sollte.
Wobei er geflissentlich voraussetzte, dass dieses Schiff in Kürze unter seinem Kommando stehen würde, denn noch waren viel zu viele Umbaumaßnahmen im Gange, als dass man es in den aktiven Dienst versetzen konnte.
Und so lange das Schiff nicht offiziell in den aktiven Dienst versetzt worden war, gab es auch keinen Grund einen Captain mit der Führung zu beauftragen.
Doch das sah der etwas hagere Mann mit dem schütteren dunklen Haar überhaupt ganz anders.

Viel zu lange hatte man ihn seiner Meinung nach an einen Schreibtisch abgeschoben, nachdem sein letztes Schiff trotz aller Erfahrung als Captain in einem harten Gefecht gegen die Jem’Hadar so stark beschädigt worden war, dass die Crew es mit den Rettungsbooten verlassen musste.
Immerhin konnte er sich zugute halten, dass sein Schiff länger als alle anderen den Angriffen widerstanden hatte und dass er mehr durch Glück als durch reines Können nicht ein einziges Crewmitglied in dieser Schlacht verloren hatte, auch wenn es einige Schwerverletzte gegeben hatte, von denen immerhin fünf noch viele Wochen auf der Intensivstation lagen.
Aber er hatte immerhin verhindert, dass das Dominion in dem Sektor, der ihm zugeteilt worden war, durchbrechen konnte.
Nach der Rettung und der Rückkehr zur Sternenbasis musste Captain Devero allerdings feststellen, dass kein Schiff zur Verfügung stand um den Kampf erneut aufzunehmen.
Daher versetzte man ihn zur Sternenbasis auf Antares, wo er die Nachschubwege koordinierte und Tag um Tag auf ein neues Kommando wartete.

Seit fast einem halben Jahr war er nun hier stationiert und hatte Admiral Winters so lange in den Ohren gelegen, bis dieser endlich nachgegeben hatte und ihm zusagte, die Avatar werde sein nächstes Schiff, wenn die Umbauarbeiten abgeschlossen seien.
Die klaren Anweisungen, die von der Admiralität ausgegeben worden waren, schienen ihn jedoch nicht sonderlich zu beeindrucken. Die Tatsache, dass Frank dieses Schiff entworfen hatte, war für ihn zudem mehr eine unbedeutende Tatsache als eine zu würdigende Leistung.

„Aber meine Herren, vielleicht sollten wir erst einmal die noch offenen Fragen klären, dann können wir uns immer noch über die Realisierung unterhalten.“ versuchte Frank die beiden aus ihrer starrsinnigen Position zu befreien, in der sie sich scheinbar festgefahren hatten, als er durch die offenstehende Tür auf die Brücke trat.
Für einen Moment herrschte Schweigen. Man hätte es auch als Ruhe vor dem Sturm bezeichnen können, denn Frank sah dem erfahrenen Captain deutlich an, dass ihn diese Diskussion an den Rand eines Wutausbruches gebracht hatte.
Aber soviel er sich auch wand und drehte, der Admiral hatte alle Umbauarbeiten der Avatar unter die Obhut von Captain Frank Dekkers und Commander Carl Rychek gestellt.

„Womit fangen wir an?“ wollte Frank wissen.
„Am besten fangen wir im Hangar an, dann können wir uns das eben diskutierte Problem gleich aus der Nähe ansehen.“ meinte Carl Rychek.
Captain Devero nickte missmutig und sie machten sich sofort auf den Weg zum Turbolift. Keiner sprach ein Wort und man konnte deutlich die Spannung zwischen den drei Männern erkennen, die sehr unterschiedliche Ansichten hatten.

Die Tür des Turboliftes öffnete sich und es waren nur noch wenige Meter bis zum Hangardeck.
Der Flur war zur Zeit menschenleer, da sich die Arbeitscrew bereits zur Ruhe begeben hatte.
Sie betraten den Haupthangar und Commander Rychek zeigte nach oben.
„Wie sie sicher erkennen können ist die Decke noch nicht umgebaut. Das Scoutschiff verfügt bereits über einen beweglichen Boden, der das Durchladen erlaubt. Auch die Hebevorrichtung ist bereits im Boden vorhanden.“
Dabei wies er auf den Boden, auf dem ein großes Rechteck mit gelber Farbe angebracht war, was den Rand markierte.
„Aber die Decke hier im Hauptschiff ist immer noch die Alte.
Sie besteht aus den aufsprengbaren Decksplatten was angesichts der gewünschten Funktionsweise keinen Sinn macht.“ gab Commander Rychek zu bedenken.
„Das ist doch kleinkarierter Firlefanz.“ rief Captain Devero lautstark und seine Stimme brach sich an den Wänden der kahlen Halle, die natürlich noch nicht über Shuttles verfügte.
„Wir können die Shuttles auch durch die Haupttore tauschen, wenn es unbedingt erforderlich sein sollte.“
Frank Dekkers winkte ab.
„Das können Sie nicht. Das Tor für die zweite Shuttlerampe ist nur dann zugänglich, wenn das Schiff getrennt ist.“

Sofort hatte Captain Devero wieder einen neuen Angriffspunkt.
„Na sehen Sie, welche Fehler Sie da bei der Konstruktion gemacht haben? Das ergibt doch gar keinen Sinn.“ wetterte der alte Haudegen und versuchte erneut das Design von Frank in Frage zu stellen.
„Doch, gibt es Captain.“ mischte sich nun Carl Rychek ein.
„Es verhindert nämlich, dass eine weitere im normalen Flugbetrieb nicht notwendige Schwachstelle für den Gegner exponiert wird. Shuttletore können konstruktiv nicht so stabil sein wie die Außenhaut des Schiffes, welche eine besondere Verstrebung und Verzahnung der Decksplatten aufweist. Deshalb ist es von Vorteil, wenn im angedockten Modus dieses Tor im Schiffsinneren liegt. Ich würde den Umbau mit ungefähr einer Woche veranschlagen. Den Test und die Programmierung der Steuerelektronik nicht mitgerechnet.“
Captain Devero knurrte vor sich hin. Er schien damit überhaupt nicht zufrieden zu sein und einige unverständliche Worte verließen seinen Mund, ohne dass Frank Dekkers und Carl Rychek sie verstehen konnten.
Devero wusste, dass er nur einen kleinen Handlungsspielraum besaß, der es ihm gestattete, diverse Details zu ändern oder Raumausstattungen anders als geplant einzurichten, solange es dem Grundkonzept entsprach.
Er suchte die ganze Zeit nach einem Fehler oder einer Ungenauigkeit in den Befehlen, der es ihm gestatten würde, dieser Bevormundung zu entkommen, aber bislang hatte er noch nichts entdecken können.

Die Männer verließen den Hauptshuttlehangar und nahmen Kurs auf den Hauptmaschinenraum, der auf Deck 17 gelegen war.
Hier waren nach Franks Angaben nur noch kleinere und unwesentliche Dinge zu ändern.
Nachdem viele der Bauteile, Konsolen und Leitungen nicht funktioniert hatten, war man nach der Entscheidung zum Umbau recht schnell übereingekommen, die Bauteile so zu produzieren, wie es in Franks Schiff, der Scimitar bereits funktionierte. Da es sich zum größten Teil um Bauteile handelte, die sich mit einem der großen Industrie-Replikatoren anfertigen ließen, hatte sich die Produktion auf wenige Tage beschränkt.
Der Einbau allerdings war nicht so einfach. Hierfür benötigte man immer noch reichlich Personal und da es sich um ein ganzes Schiff handelte und nicht nur um ein paar kleinere Reparaturen, hatte sich das Ganze sehr in die Länge gezogen.

Die kleine Gruppe von Männern war diskutierend und gestikulierend über allgemeine Themen inzwischen im Hauptmaschinenraum angekommen.
Hier waren die Arbeiten noch am wenigsten fortgeschritten, da man an den Subsystemen angefangen hatte und sich nun langsam zum Herz der Anlage vorarbeitete.
„Die Konsolen sind immer noch nicht eingetroffen. Sie sollten schon vor mehr als einer Woche installiert werden. Ich dachte dieser Punkt wäre längstens erledigt.“ bemerkte Commander Rychek, der mit einem ärgerlichen Blick auf sein Padd feststellte, dass die Order als nicht benötigt storniert worden war.
Wie nicht anders zu erwarten, war Captain Devero der Unterzeichner und schien mit dieser Entscheidung durchaus glücklich zu sein.
„Die Verkabelung sollte in maximal drei Tagen fertig gestellt sein. Dann dürfte das Schiff ohne weiteres Einsatzbereit sein.“ erklärte John Devero.
Der Captain sog die Luft geräuschvoll ein und schaute die beiden jüngeren Männer fragend an.
„Ist sonst noch etwas?“ fragte er belanglos und wandte sich um, damit man zum nächsten Punkt übergehen konnte.
„Captain, bei allem Respekt. Das Raumflottenkommando möchte dieses Schiff so umbauen, dass es der Scimitar entspricht, wie es ja auch grundsätzlich vorgesehen war.
Es ist absolut nicht akzeptabel, dass nicht dementsprechend vorgegangen wird. Auf der Brücke, und an vielen anderen Stellen im Schiff sind die neuen Konsolen bereits installiert. Gerade hier im Herzstück der Energieversorgung muss sich diese Umrüstung ebenfalls fortsetzen.“ versuchte Frank Dekkers den Captain erneut umzust
mmen.

„Papperlapapp. Was soll dieses ständige Gemäkel an den Konsolen, der Hangardecke und all den bisherigen Bauteilen hier. Das Schiff ist auch mit dieser Bestückung überaus gut Ausgestattet. Dreifache Redundanz, das hat kein anderes Schiff der Flotte.“
Rychek hatte bereits lange begriffen, dass der Captain ein alter und verbitterter Knochen war, der möglicherweise das Gefühl hatte viel zu lange auf dem Abstellgleis gestanden zu haben, daher veränderte er seine Taktik.

„Sie haben vermutlich Recht, wen kümmert es schon wie ein Schiff entwickelt worden ist. Als Captain weiß man schließlich am besten womit die Mannschaft zurechtkommt und abgesehen davon, wann hat jemals etwas Neues auf Anhieb so funktioniert, dass man ohne Vorbehalte sagen konnte es wäre wirklich gut gewesen.“
Rychek versuchte es mit inverser Logik und gezielter Provokation. Vielleicht hatte er ja damit Erfolg.
Er zwinkerte Frank Dekkers zu, der sofort wusste welches Spiel sie mit dem Captain treiben wollten. Mit einer kleinen Geste seiner rechten Hand gab er zu verstehen, dass er verstanden hatte.
„Ja, am besten lassen wir das. Wir sollten zum nächsten Punkt kommen.“ sagte Frank unvermittelt und steckte sein Padd in die Tasche.

Auf dem Plan stand lediglich noch eine wichtige Position. Die Verankerung des Scoutschiffes. Die Andockklammern waren weder an der richtigen Position eingezeichnet, noch entsprachen sie in Art und Form dem Muster der Scimitar.
Hier waren die Ingenieure der Avatar am weitesten von den Plänen abgewichen. Frank wollte unter allen Umständen dieses Manko abstellen und er wusste auch genau warum.
Aber Captain Devero war viel zu erfahren, als dass er diese Masche mit der plötzlichen Provokation von Carl Rychek nicht durchschauen würde. Auf dem Weg durch die Flure kam er daher direkt zum Thema:
„Meine Herren, mit dieser Art von fragwürdigen Tricks können Sie bei mir nicht landen. Solche Nummern habe ich schon durchschaut, da haben Sie noch in den Windeln gelegen. Also lassen Sie uns zum Abschluss kommen.“

Sie kehrten zurück auf die Brücke und riefen auf dem großen Sichtschirm die Pläne für die Andockklammern auf. Wie Frank es in den Unterlagen befürchtet hatte, waren die Positionen nicht mit seinem Schiff identisch.
„Captain, ich weiß, dass Sie diese Dinge nicht für wichtig halten, aber muss Ihnen eindringlich raten, speziell diesen Punkt ganz besonders ernst zu nehmen. Es ist einer der Dreh und Angelpunkte, der dieses Schiff so flexibel und überaus schlagkräftig macht.“
Captain Devero nickte langsam und schaute auf das Schaubild.
„Eine solche Umbauarbeit ist nicht so einfach zu erledigen. Hierfür sind Arbeiten außerhalb des Schiffes notwendig und das ist selbst unter besten Bedingungen ein langwieriger Prozess, wenn nicht genügend Arbeiter zur Verfügung stehen.“ erklärte er Frank Dekkers und Carl Rychek.
„Aber ich kann Ihnen versichern, ich werde erst dann bei Admiral Winters für die Indienststellung vorsprechen, wenn alles einwandfrei funktioniert.“ Er unterstrich diese Aussage mit einem Lächeln und nickte noch einmal der Darstellung zu, die noch immer auf dem Monitor zu sehen war.
Da ihm Frank gegenüberstand, konnte dieser nicht sehen, dass Captain Devero gerade in diesem Moment die Anforderung neuer Teile auf seinem Padd stornierte. Ohne zu zögern widerrief er die Anweisungen, die Captain Dekkers gerade eben vorgegeben hatte. Er würde das Schiff nach seinem Gutdünken fertig stellen lassen. Man würde schon noch erkennen, dass dieser ganze Aufwand nicht nötig war.

Frank Dekkers ahnte von alldem nichts, er war momentan erleichtert. Devero war zunächst ein harter Befürworter der ursprünglichen Pläne für die Avatar gewesen, wohl aus dem Grund, weil er so schnell wie möglich wieder ein Schiff befehligen wollte. Jeder Captain fühlte sich nur dann wohl, wenn er in die Weiten des Alls hinausfliegen konnte. So würde es bestimmt auch Franks altem Kollegen, Captain Rick Sanders im Moment gehen.

Aber immerhin hatte Captain Devero ja letztendlich Vernunft angenommen und eingelenkt. Frank Dekkers und Carl Rychek verabschiedeten sich von John Devero und begaben sich zum Transporterraum um wieder ihren eigenen Aufgaben nachzugehen. Während sie auf die Transporterplattform stiegen musste Frank erneut an seinen alten Freund denken, der inzwischen auf der Sternenbasis 491 stationiert war.


Kapitel 2

Frank Dekkers, der Captain der Scimitar hatte in den letzten Wochen und Monaten nur wenig von seinem Freund und ehemaligen Captain Rick Sanders gehört.
Seit den Ereignissen, bei denen die Golden Gate praktisch zu einem wirtschaftlichen Totalschaden abgestempelt worden war, hatte man Rick Sanders zunächst einem Projektteam zugeteilt, welches ein zusammen gewürfelter Haufen von zwar fähigen, aber derzeit, wenn man so wollte, arbeitslosen Crewmitgliedern war, die zumeist aus der ehemaligen Besatzung der Golden Gate bestand.

Man hatte auf die Schnelle eine neue und dringend benötigte Stelle geschaffen, die allein dazu gedacht war, havarierte Schiffe zu prüfen und zu bewerten, ob man beim Abwracken noch Teile einer Wiederverwendung zuführen konnte. Aber viel war erschreckender weise nicht mehr zu gebrauchen von dem was nach den Kämpfen noch zurückkam.
Captain Rick Sanders hatte es jedoch geschafft, seine Crew beisammen zu halten denn auch für diese Aufgabe benötigte man fähiges Personal und es sollte natürlich auch mit den verschiedenen Schiffssystemen vertraut sein.
Auch wenn dies nicht gerade eine Aufgabe für eine Schiffsbesatzung war, so hatte Rick es geschickt verstanden, seine Crew auf sich einzuschwören, auf ein gemeinsames Ziel, welches sie zu erreichen versuchten.

Als Leiter dieser Einsatzgruppe hatte er alle Hände voll zu tun und obwohl die nur gelegentlichen Kommunikationen zwischen ihm und Frank von Herzlichkeit, Respekt und vielen neugierigen Fragen begleitet waren, hatte es Rick geschickt und bewusst vermieden, irgendwelche Informationen über sein altes Schiff preiszugeben.
Alles was Frank auf Umwegen und über Commander Rychek herausfinden konnte, war, dass die Kommission bei der Begutachtung, das Schiff regelrecht beerdigt hatte, nachdem feststand, dass zu viele Komponenten des bereits schon einmal ausgemusterten und später wieder reaktivierten Schiffes nicht mehr reparabel waren und es keinen Sinn mehr machte, dies wieder herzustellen.
Die Kapazität für die Erstellung neuer Bauteile wurde vollständig für die aktuellen und Neueren im Kampf beschädigten Schiffe benötigt.
Trotz allem hatte Rick gefasst auf die Tatsache reagiert, dass er wohl eine geraume Zeit in dieser neuen Position verbringen musste, bevor neue Schiffe fertig gestellt wurden, für die man das Kommando übernehmen konnte.

Obwohl Rick nun auf einer Sternenbasis arbeitete, schien er nur wenig seiner Freizeit zu genießen. Die Tage waren eigentlich zu kurz um die ganze Arbeit zu erledigen, gerade jetzt wo der Krieg mit dem Dominion immer heftiger tobte.
Vielleicht war das auch der Grund, warum Rick sich bei den Gelegenheiten der gemeinsamen Kommunikation nie beklagte, denn er sah fast täglich Schiffe, die ein ähnliches Schicksal erlitten hatten wie sein Schiff der Miranda Klasse.
Aber noch war Rick Sanders nicht bereit sein Schiff aufzugeben. Er glaubte an sein Schiff und daran, dass man nur etwas Glück benötigte um ihm wieder Leben einzuhauchen. Freilich war das ein Wunschdenken und das wusste er auch. Aber er klammerte sich an die Vorstellung, dass er dieses Schiff, seine Heimat, wieder beleben könnte, wenn er sich nur anstrengen würde und fest daran glaubte.

Peter Brown, der erste Offizier der Golden Gate kam in das Büro von Rick Sanders und legte einige Padds auf den Tisch.
„Die Brandenburg und die Dallas. Ein Frachter der Miranda Klasse und ein Schiff der Soujuz Klasse, beide nicht mehr reparabel. Aber ich habe endlich das gefunden was wir am nötigsten brauchen!“
Voller Stolz hielt er das in seiner Hand verbliebene Padd hoch und richtete die Displayfläche so aus, dass Rick sie sehen konnte.
„Nein, das glaube ich nicht…“ rief Rick dem ersten Offizier zu, „…das kann doch nicht wahr sein oder?“

Commander Brown lachte leise.
„Glauben Sie es ruhig. Eines ist sicher: Heute Abend wird keiner von unseren Leuten im Casino der Sternenbasis sitzen. Das garantiere ich.“
Rick Sanders konnte es immer noch nicht glauben. Aber er hatte tatsächlich einen wichtigen und bis dahin fast für unmöglich geglaubten Schritt erreicht.
Mit dem Chef der technischen Abteilung der Sternenbasis 491 Admiral Theo Parker hatte er sich damals auf einen Deal und eine Wette eingelassen.
Da die Basis durch die ständig ankommenden und abfliegenden Schiffe, die vielen zurückgekehrten Schiffe und geretteten Offiziere hoffnungslos überfüllt war, hatte er dem Admiral den Handel abgerungen die Golden Gate zumindest soweit wieder instand setzen zu dürfen, dass sie wieder als Quartier zu benutzen war. Sie lag an einem abgelegenen Punkt der Basis innerhalb des großen Raumdocks an dem sie weder groß auffiel, noch irgendjemanden Interessierte.
Aber das sollte sich in den nächsten Tagen wohl grundlegend ändern. Soviel war sicher.


Kapitel 3

Frank hatte gerade erst wieder die Brücke der Scimitar erreicht, als eine Nachricht vom Planungsstab eintraf.
„Captain Dekkers, Sie sollen sich bitte bei Admiral Winters melden, es geht um einen neuen Auftrag!“ meldete Lieutenant Nilan, welche die Nachricht entgegengenommen hatte.
„Es scheint besonders wichtig zu sein, Sie sollen umgehend kommen.“
Frank schien über diese Nachricht nicht gerade glücklich zu sein. Er hatte gedacht, dass ihm wenigstens noch zwei weitere Tage blieben um die Aufgaben am Schwesterschiff zu überwachen.
„Sagen Sie dem Admiral, dass ich mich sofort aufmache. Ich werde in wenigen Minuten bei ihm sein.“ gab Frank zurück.
Ein wenig enttäuscht drehte er sich um und verließ den Kommandostand wieder, um sich erneut auf den Weg zum Transporterraum zu machen.
Der diensthabende Lieutenant sah ihn kurz an.
„Viel los heute, oder?“
Frank wirkte ein wenig geistesabwesend.
„Das kann man wohl sagen. Zur Kommandoebene der Sternenbasis.“
Transporterchief Gerry Jacobian nickte kurz und machte die notwendigen Einstellungen. Innerhalb weniger Sekunden materialisierte sich Frank im Verwaltungstrakt der Sternenbasis und trat in den langen Flur, an dessen Ende das Büro von Admiral Winters lag.
Die Tür wurde ihm von einem Bediensteten geöffnet, man wartete wohl bereits auf ihn.
Als Frank eintrat kam Admiral Peter Winters auf ihn zu und schüttelte ihm die Hand. Am Besprechungstisch saßen mehrere Personen, die Frank nur teilweise kannte. Darunter zwei andere Admirals und Captains, sowie drei Männer im Range eines Commanders, die ihm bislang unbekannt waren.
Peter Winters ging jedoch mit Frank direkt zum großen Wandschirm, der auf der anderen Seite des großräumigen Büros lag.
„Captain, wir haben besorgniserregende Nachrichten von unseren Beobachtern erhalten.“
Er aktivierte eine Karte des Frontverlaufs, und wies mit seinen Fingern auf ein schmales blau eingefärbtes Band, welches sich durch den ganzen Sektor schlängelte. Davor lag ein breiteres Stück normalen Raums, welches an eine dicke Rote Linie grenzte, auf der viele Abzeichen der Sternenflotte zu sehen waren, was einzelne Schiffe oder Flottenverbände darstellte.
„Dies hier ist der aktuelle Frontverlauf, der nebenbei bemerkt momentan nicht sehr positiv für uns aussieht. Uns erreichen immer wieder Berichte, dass einzelne Schiffe des Dominion gelegentlich den Frontverlauf durchbrechen und es nicht sichergestellt ist, dass sie zerstört oder zurückgedrängt wurden.
Direkt hinter der Frontlinie sind unsere Schiffe sehr stark präsent, so dass ein Schiff des Dominions auffallen würde. Aber in diesem schmalen Bereich…“ Peter Winters deutete auf das blau eingefärbte Band.
„..hier besteht der Verdacht, dass sich einzelne versprengte Schiffe des Dominion aufhalten könnten.
Es wäre eine logische Maßnahme, wenn sie sich hinter unseren Linien einrichten und ihre Kräfte zusammenziehen, dann
önnten sie uns in den Rücken fallen. Eine Situation, die wir uns zum jetzigen Zeitpunkt auf gar keinen Fall leisten können.“
Frank nickte, schaute das Wanddisplay an und drehte sich dann kurz zu den anderen Männern um die am Tisch sitzen geblieben waren und rege miteinander diskutierten.
„Ist dass die Meinung der Experten?
Das ist doch eher eine Aufgabe für eines unserer Patrouillenschiffe. Ich sehe nicht, wie da die Scimitar ein besonderer Vorteil sein könnte. Da gibt es bestimmt wichtigere Aufgaben um sie einzusetzen.“
Admiral Winters lächelte und sah Frank leicht belustigt an.
„Nun, das liegt doch wohl auf der Hand.
Wir haben in diesem Sektor neben einigen ungastlichen Planeten zwei Gasriesen, die überprüft werden müssen, und im Falle eines Falles sind Sie immerhin nicht alleine!“
Damit spielte der Admiral auf das besondere Design der Scimitar an, die zusätzlich zum Hauptschiff ein voll integriertes Scoutschiff besaß, welches eigenständig handlungsfähig und ebenfalls stark bewaffnet war.
„Zudem muss ich zugeben, dass ich dieses Schiff ungern an vorderster Front einsetzen würde, auch wenn es von der Kampfkraft her mindestens zwei, wenn nicht drei andere Schiffe ersetzen könnte.
Aber erstens möchten wir diesen Trumpf erst dann ausspielen, wenn es wirklich unabdingbar ist und zweitens möchte ich keinen guten, wenn auch zugegebener Maßen jungen Captain verlieren.“
Frank fühlte sich ein wenig geschmeichelt, auch wenn er es sich nicht gerne eingestehen wollte.
Nachdenklich blickte er erneut auf die Karte und sah dann den Admiral an.
„Wie sieht es mit den Welten aus, die im Bereich dieses Gürtels liegen?“ fragte Frank und deutete dabei auf den blauen Bereich.

Admiral Winters räusperte sich ein wenig, diese Frage schien ihm, warum auch immer, unangenehm zu sein.
„Die meisten Planeten sind unbewohnbar. Aber es gibt einige Planeten, hier, dort, in diesem Gebiet und hier in diesem System.“ erklärte er, während er mit seiner rechten Hand auf die entsprechenden Systeme deutete.
„Allerdings gibt es wie immer einige Siedler, die sich standhaft weigern Ihre neu gefundene Heimat zu verlassen!“
Der Admiral machte ein leicht schmerzverzerrtes Gesicht, denn das war genau der wunde Punkt, den er sehr ungern preisgegeben hatte. Aber Frank hatte es verdient, dass man mit offenen Karten spielte.
„Gibt es die nicht immer?“ fragte Frank und versuchte den Admiral mit einem Lächeln wieder aus seiner negativen Schwingung zu befreien. Es war ihm klar, dass ein eventuelles Evakuierungskommando ebenfalls unter die Zuständigkeit des Admirals gefallen war und er sicherlich in Erklärungsnot geraten war, warum einige Menschen im Angesicht der Gefahr trotzdem entschieden hatten ihre neue Heimat nicht wieder zu verlassen.

Admiral Winters nickte dankbar.
„Wann können Sie aufbrechen Captain?“
Frank zögerte keine Sekunde mit seiner Antwort.
„Sofort Admiral, aber da ist noch eine Kleinigkeit, um die ich Sie Bitten möchte…“

Schon als Frank Dekkers das Büro des Admirals verließ, drückte er seinen Kommunikator.
„Dekkers an Lieutenant Commander West, bereiten Sie alles für einen schnellen Start vor. Wir haben einen neuen Auftrag erhalten.“
Kaum hatte er seinen Wunsch durchgegeben, meldete sich auch schon der erste Offizier.
„West hier. Verstanden Captain, wir werden alles Notwendige in die Wege leiten.“
Frank war zufrieden, er hasste es wenn er Zeit verlieren würde, auch wenn bis zu seinem Eintreffen auf der Brücke der Scimitar sicherlich nur Minuten vergehen würden, so konnte doch auch diese kurze Zeit bereits genutzt werden. Wer weiß, vielleicht kam es ja einmal genau auf diese kurze Zeitspanne an. Man konnte nie wissen.

Als Frank im Transporterraum drei materialisierte sah er gerade noch wie vier seiner Offiziere durch die Tür in den Flur eilten, unmissverständlich waren sie gerade erst von der Station zurückgekehrt.
Er blickte den Transporterchef an und Lieutenant Jacobian nickte ihm zu.
„Sie sind der Letzte Sir. Es sind alle an Bord. Commander West hat bereits die entsprechenden Befehle erteilt es kann sofort losgehen.“
Frank sah den Offizier dankbar an und war mit schnellen Schritten im Flur verschwunden. Nur wenige Sekunden später trat er aus dem Turbolift und ging die wenigen Schritte bis zur Brücke.
Als sich die Türen vor ihm öffneten sah er auf dem Bildschirm, dass sich das Schiff bereits mit den Manöverdüsen in Bewegung gesetzt hatte und nun hörte er auch wie der Antrieb hoch lief, der in Kürze die Energie für die Warpgeschwindigkeit bereitstellen würde.
„Sir, alle Systeme sind einsatzbereit, die Mannschaft hat die zweite Brücke besetzt, möchten Sie Übernehmen?“
Frank vermied es den jungen Mann mit seinem Rang anzureden. Auf der ersten Mission hatte er sich zwar am Schluss recht gut geschlagen, aber es hatte Rückschläge in seinem Verhalten gegeben, da er immer noch sehr stark auf einer Beförderung zum Commander beharrte, ohne dieser Stellung wirklich gerecht zu werden. Der Captain hatte immer noch vorbehalte, was den neuen ersten Offizier anbetraf.

„Nein, machen Sie weiter. Fliegen Sie uns raus und gehen Sie in der Nähe von Antares vier in einen Warteorbit. Ich bin in meinem Raum.“ Mit diesen Worten verließ er die Brücke und Lt. Commander West konzentrierte sich wieder voll auf das Flugmanöver. Die Scimitar machte gerade einen engen Schwenk und schwebte nun vor den großen Hangartoren, bereit in das kalte und dunkle All hinaus zu gleiten.
In seinem Raum konnte Frank sehen wie die Scimitar durch die Raumtore stieß und sich anschickte mit Impulsgeschwindigkeit den Planeten Antares vier anzusteuern.
Er musste sich zunächst einmal sammeln und die Informationen zusammenstellen, die ihm der Admiral mitgegeben hatte. Es war sicherlich eine nicht zu unterschätzende Aufgabe den Bereich abzusuchen. Daher war es bestimmt Sinnvoll mit den Planeten anzufangen, die ein kalkulierbares Risiko darstellten dass sich dort Dominiontruppen verstecken würden. Um nicht wahllos wie in einem Wespennest herumzustochern versucht Frank die Route so gradlinig wie möglich zu halten und dennoch alle Planeten und Kolonien in dem schmalen Band abzudecken.

Es dauerte fast zwei Stunden bis er wieder auf die Brücke kam und den ersten Offizier anwies die Führungsoffiziere in den Besprechungsraum zu beordern, damit er die Lage und die Aufgabe erörtern konnte.
Der Besprechungsraum, der nur durch einen Flur von der Brücke getrennt war, besaß ein eigenständiges und klares Design.
Neben den insgesamt fünf Fenstern, die den Blick in den freien Raum gestatteten besaß er als beherrschendes Objekt einen Holztisch mit einer feinen Maserung und einer auf Hochglanz polierten rotbraunen Oberfläche.
Jeweils vor den einzelnen Sitzplätzen war in den Tisch ein kleines Display eingelassen, über welches man Anweisungen in den Computer eintippen und Daten abrufen konnte.
Inzwischen hatten sich alle Leitenden Offiziere eingefunden und warteten gespannt auf die Ausführungen des Captains, der sehr ruhig und schon fast ein wenig zu diszipliniert in seinem Stuhl saß. Nachdem Ruhe eingekehrt war begann er.
„Die Sternenflotte hat uns eine wichtige Aufgabe übertragen. Ich bin mir sicher, dass dieser Auftrag wohl der bisher wichtigste für uns und vielleicht auch für das Überleben unserer Flotte in diesem Sektor ist.“
Ein Raunen ging durch den Raum und einige Offiziere sahen sich fast ein wenig erschrocken an. Ihnen schien plötzlich klar zu werden dass es jetzt an die Front ging, oder zumindest in einen frontnahen Bereich, in dem mit Kämpfen zu rechnen war.

„Die Strategen der Sternenflotte sind sich sicher, dass in diesem Bereich…“ auf dem Wandschirm war die Grafik zu sehen, die Admiral Winters in seinem Büro gezeigt hatte.
„…womöglich mit versprengten Jem’Hadar oder Dominionschiffen zu rechnen ist. Das Dumme daran ist, dass dies nicht die Frontlinie ist, sie verläuft viel weiter vorne an der dicken roten Linie. Dort sind zwar reichlich Schiffe stationiert, aber man möchte diese Verteidigungslinie jetzt nicht schwächen, indem man einzelne Schiffe abzieht um auf die Suche nach Jem’Hadar, Dominionschiffen oder anderen Gegnern zu gehen.
Die Planeten wurden soweit bekannt bereits geräumt, es sollte sich dort also nichts und niemand befinden.
Wir haben den Auftrag diesen Bereich abzusuchen und Mitteilung an die Flotte zu senden. Es wird nicht von uns erwartet, dass wir hier oder an der Frontlinie direkt an Kampfeinsätzen teilnehmen.“
Frank schien ein fast gemeinschaftliches Aufatmen wahrzunehmen, auch wenn nichts davon zu hören war. Aber die Tatsache, dass sich einige Personen aufrichteten und sich die Gesichtszüge entspannten schien dafür ein klares Zeichen zu sein.

„Das soll natürlich nicht heißen, dass uns so etwas nicht auch hier blühen kann. Wenn wir nicht vorsichtig vorgehen, oder uns fremde Schiffe überraschen, sind wir auf uns alleine gestellt. Sofortige Hilfe können wir weder von der Frontlinie, noch von der Sternenbasis erwarten.“

Alan Brownfield, der als zweiter Offizier für das Scoutschiff eingeteilt war meldete sich zu Wort.
„Captain, bei allem Respekt, aber sind wir nicht ein wenig unterlegen, wenn wir tatsächlich auf Schiffe der Jem’Hadar treffen sollten?
Ich meine, auch bei allem Optimismus, sollte es tatsächlich zutreffen dass versprengte Truppen des Dominion hinter unseren Linien operieren und sich vielleicht sogar zu einem Verband zusammenschließen, dann sind wir Ihnen möglicherweise deutlich unterlegen, oder?“
Der Offizier sprach offen aus, was scheinbar viele im Raum dachten, wobei aber keiner der Anwesenden den Mut aufbrachte diese Frage wirklich zu stellen.

Captain Dekkers wartete einen Augenblick mit seiner Erwiderung, bevor er langsam begann diese Frage zu beantworten.
„Sie haben Recht Lieutenant. Es ist sicherlich keine Mission die zu unterschätzen ist, aber wir haben nicht vor uns überraschen zu lassen. Wir werden versuchen mit unseren Sensoren die Planeten aus großer Reichweite zu scannen, um der Gefahr von Kampfhandlungen möglichst aus dem Weg zu gehen. Es lässt sich natürlich nicht mit Gewissheit sagen, dass uns nichts passiert, aber ich habe nicht die Absicht, das Leben unserer Crew oder unseres Schiffes aufs Spiel zu setzen, nur um einen glorreichen Sieg zu erringen und eine Medaille oder Ehrung einzuheimsen. Wir sind schließlich keine Klingonen.
Wir müssen wachsam sein und auch bleiben. Ich halte es daher für eine gute Idee, wenn wir die Wachzeiten auf zwei Stunden beschränken, damit alle frisch und ausgeruht sind, wenn sie den Dienst beginnen. Sobald wir unser Einsatzgebiet erreichen, sollten Sie den Dienstplan entsprechend umstellen Mr. West.“

Diese besondere Dienstplangestaltung war ungewöhnlich, würde allerdings Sinn machen, damit man vor Überraschungen weitestgehend sicher sein konnte. Jeder wusste, dass es im Laufe des Tages einmal Situationen gab, in denen man nicht so aufmerksam war und daher vielleicht eine kleine Nachlässigkeit in einer brenzligen Situation großen Schaden bewirken konnte.

„Fähnrich Walters, wie lange ist die Flugdauer bei maximaler Warpgeschwindigkeit, bis wir unser Einsatzgebiet erreichen?“ wollte Captain
ekkers wissen.
Die junge Frau hatte sich gut vorbereitet. Sie tippte auf dem im Tisch eingelassenen Display einige Angaben ein und las die entsprechenden Werte ab.
„Bei Maximaler Warpgeschwindigkeit werden wir in zwei Tagen acht Stunden und zweiunddreißig Minuten dort sein.“

Frank nickte zufrieden.
„Gut, das sollte uns genügend Zeit geben um alles vorzubereiten. Wir wollen schließlich, dass alles funktioniert, nicht wahr.
Lt. Rivera, bereiten Sie ihr Team auf Einsätze vor, es gibt vermutlich noch den ein oder anderen Siedler, der sich uns anschließen möchte, jetzt wo er festgestellt hat, dass er einsam und auf verlorenem Posten dasteht.
Lt. Shelar, bitte checken Sie ob es eine Möglichkeit gibt, die Sensorenreichweite und Auflösung zu verbessern, ich möchte uns so weit wie möglich von potentiellen Gefahren fernhalten, aber dennoch nah genug sein, um vollständige und aussagekräftige Werte zu erhalten.
Eddie, sehen Sie zu, dass unser Antrieb perfekt funktioniert und legen sie für eventuelle Notfälle die gängigsten Teile bereit, damit wir nicht wertvolle Zeit verlieren.
Dr. Knox, es wäre auch gut wenn Sie sich für mögliche Notfälle bereitmachen. Ich weiß, das klingt jetzt für alle ein wenig blöde, denn jeder weiß was er zu tun hat aber gute Vorbereitung kann in kritischen Situationen oft hilfreich sein und manchmal ist es hilfreich, wenn man daran erinnert wird.
Das war’s erst einmal. Danke!“

Frank stand auf und mit ihm erhoben sich auch die Offiziere, die nun leise miteinander tuschelnd aus dem Raum gingen.
Der Captain schaltete das Wanddisplay ab und als er sich abwendete um ebenfalls den Raum zu verlassen, sah er dass Shelar die Vulkanierin noch immer an ihrem Platz saß.

Die Frau machte den Eindruck als warte sie auf etwas.
Frank kannte sie schon von der gemeinsamen Akademiezeit, aber nach dem Abschluss waren sie auf verschiedene Posten versetzt worden und keiner hatte je wieder etwas voneinander gehört.
Vom Aussehen her hätte sie Frank in sein Alter eingestuft, aber er wusste, dass Vulkanier einer ganz anderen Alterungsstufe unterlagen, so dass Shelar ohne Probleme fast doppelt so alt sein konnte wie er und damit einen sicherlich größeren Erfahrungsschatz abdeckte als er.
„Bist Du wirklich der Ansicht, dass alles so glatt laufen wird, wie Du es der Mannschaft hier geschildert hast? Es ist doch wohl sehr einfältig zu glauben, dass wir hier ungeschoren davonkommen oder?“
Es war interessant und erfrischend zugleich, dass sich die Beziehung zwischen Ihnen seit der Akademie scheinbar gar nicht verändert hatte. Selbst die offene Art der Verständigung, die einem Menschen alle Ehre machte und so völlig unvulkanisch war, sowie die Tatsache dass sie ihn tatsächlich duzte, wenn keine andere Person im Raum war, ließen Frank glauben, dass er einen Vertrauten gefunden hatte, mit dem er schwierige Probleme bereden konnte.

„Nein, natürlich nicht!“ räumte er ein,
„Aber Du weißt ja auch, dass es die Aufgabe eines Captains beinhaltet, immer und überall Optimismus zu verbreiten, auch wenn die Situation nicht gerade sehr gut für uns steht.
Alleine schon die Tatsache, dass wir hinter unseren Linien keine Absicherung haben macht mir schon Sorgen, aber schlimmer ist noch, dass unsere Schiffe vom Dominion immer weiter dezimiert werden, was noch größere Lücken in die Frontlinie, die Nachschubwege und die Überwachung reißt.
Wenn nicht bald etwas wirklich einschneidend Positives für uns passiert, sehe ich wirklich schwarz für den Alphaquadranten.“

Shelar nickte und stand auf.
„Wenn Du meinen Rat suchst, kannst Du jederzeit zu mir kommen.“ sagte sie zu Frank und ging auf die Tür zu.
„Davon werde ich gerne Gebrauch machen.“ antwortete Frank und ging gemeinsam mit der Vulkanierin durch die Tür um zur Brücke zu gelangen.
Innerlich freute er sich, endlich eine Seele gefunden zu haben, mit der er sich austauschen konnte, auch wenn sie als Vulkanierin sicherlich nicht geeignet war jedes emotionale Problem zu besprechen. Aber zumindest hatte er jemanden gefunden, der gemeinsam mit ihm an Problemen arbeiten konnte, die er nicht allen offen legen wollte und dem es nichts ausmachte von Zeit zu Zeit den Rang vor der Tür zu lassen und nur als Freund da zu sein.


Kapitel 4

Admiral Theo Parker wartete bereits im Büro von Captain Rick Sanders, als dieser am Morgen recht spät zum Dienst erschien. Es war bereits 10:30 Uhr, und Rick machte einen verschlafenen Eindruck. Umso mehr war er Erstaunt darüber, den Admiral in seinem kleinen Büro vorzufinden.
Es war wirklich ein kleiner Raum, aber er hatte immerhin mehrere Fenster, durch die man in den Dockbereich sehen konnte.
„Guten Morgen Captain Sanders, schwere Nacht gehabt?“ fragte der Admiral ruhig und kaute auf seiner Pfeife herum.
Er zog kurz den würzigen Tabak ein und schmeckte das milde Aroma auf seiner Zunge, bevor er eine kleine Dunstwolke in den Raum entließ. Rick war sich nicht sicher warum der Admiral bei Ihm erschienen war, gewöhnlicher Weise ließ er Rick in sein eigenes Büro kommen um den Rapport zu empfangen.
Vielleicht hatte es aber auch damit zu tun, dass er gestern mehrere Bauteile für sein Schiff die Golden Gate abgezweigt hatte. Unter anderem einen Warpreaktor der Stufe vier und zwei Pulsphaserkanonen, die sich gestern Abend nur widerwillig in die viel zu engen Röhren einsetzen ließen, die für die übliche Bewaffnung vorgesehen war.

„Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches in meiner bescheidenen Hütte?“ fragte er flapsig und ließ sich unbedacht der Tatsache, dass ein Admiral vor ihm stand in den Sessel sinken.
Theo Parker paffte erneut an seiner Pfeife, drehte sich dann langsam um und blickte ins Trockendock.
„Hören Sie Mr. Sanders…“ sagte er in einem versöhnlichen Ton. „…ich will Ihnen nichts vormachen, wir brauchen Sie hier an dieser Stelle. Sie leisten hervorragende Arbeit.
In den letzten Monaten konnten wir aus 52 havarieren Schiffen allein durch Entnahme und Wiedereinbau immerhin 14 Schiffe wieder voll flugtauglich machen. Ich weiß, dass Sie, auch wenn Sie eher noch zur jungen Garde gehören, bereits ein kampferprobter alter Haudegen sind. Ich schätze Ihren Einsatz, aber Sie werden sich vielleicht für längere Zeit von Ihrem Wunsch verabschieden müssen, wieder da hinaus zu kommen.“
Er deutete mit seiner Pfeife auf die großen Hangartore, die sich gerade öffneten und ein weiteres waidwundes Schiff in das Trockendock einfliegen ließen. Es war ein schwer beschädigtes Schiff der Intrepid Klasse. Rick überschlug im Gedanken kurz was er für diese Klasse auf Lager hatte und kam schnell zu dem Schluss, dass man hier sicherlich würde helfen können.
„Admiral bei allem Respekt, ich hoffe unser Handel steht noch? Denn nur so kann ich meine Leute bei Laune halten. Ich weiß, Sie würden sie gerne versetzen und damit andere Verluste auf verschiedenen Schiffen ausgleichen, aber Sie haben mir ein Versprechen gegeben, ich hoffe nicht, dass ich Sie daran erinnern muss, oder?“

Admiral Parker lächelte milde. Er hatte es Rick in die Hand versprochen, dass er ihn in den aktiven Dienst versetzen würde, sobald ein Schiff frei werden würde, oder ein Neues vom Stapel laufen würde. Er hatte auch zugelassen dass er Rick das gleiche Zugeständnis machte, wenn die Golden Gate wieder aus eigener Kraft flugfähig war.
Aber er wusste, dass dieses Schiff nach Aussagen aller Spezialisten und Gutachter nie wieder fliegen würde.
Das einzige Entgegenkommen welches er zeigte, war, dass Rick die Dockarbeiter soweit einspannen durfte, dass man das Schiff der Miranda Klasse wenigstens weiter als Quartiere nutzen konnte und somit nicht noch mehr dringend benötigten Platz auf der Basis belegen würde.
Der Aufwand hierfür war verschwindend gering und es war angesichts des Mangels an Quartieren auf der Basis ein Leichtes gewesen den Stationsleiter Admiral Wilbur Jameson davon zu überzeugen.
In gewisser Weise bedauerte Theo Parker die Entscheidung, dass die Golden Gate nie wieder fliegen würde, denn auch er hatte damals als sie noch als Schulschiff diente, seine ersten Erfahrungen in der Sternenflotte mit diesem Schiff gesammelt und war als Kadett häufig damit auf Übungsmissionen unterwegs gewesen.

„Ich weiß, ich weiß. Ich habe es Ihnen versprochen und dazu stehe ich auch, aber verschwenden Sie nicht allzu viel Zeit mit diesem Gedanken. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Arbeiten und entspannen Sie sich auch gelegentlich. Ich habe vom Dockmeister gehört, dass Sie häufig noch bis tief in die Nacht an Ihrem Platz sitzen und unter uns gesagt, es ist auch aufgefallen, dass Ihre Crew nur selten im Casino der Sternenbasis zu sehen ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie Ihre Mannschaft zusammenhalten wollen. Aber das kann nicht für immer so weitergehen.
So leid es mir tut Mr. Sanders, aber wenn Sie bis in zwei Monaten kein neues Kommando erhalten, dann sehe ich schwarz für Sie und Ihre Crew. Dann wird Sie Admiral Jameson mit Sicherheit auf die Transferliste setzen lassen und dann sind Ihre Leute in null Komma nichts auf anderen Schiffen stationiert.
Mir ist Klar, dass Sie darauf nicht viel Einfluss haben, aber so ist es nun mal. Dann kann auch ich Ihnen nicht mehr weiterhelfen. Das wollte ich Ihnen nur sagen, denn ich halte es nur für fair, wenn Sie wissen was gespielt wird.“
Rick musste erst einmal schlucken. Er wusste, dass damit die Unterhaltung beendet war und stand aus seinem Sessel auf. Langsam umrundete er den Schreibtisch und kam auf den Admiral zu.
„Ich weiß das zu schätzen Admiral. Ich werde versuchen, was in meiner Macht steht, um meine Crew vor diesem Schicksal zu bewahren.“

Admiral Parker lächelte erneut. Er wusste genau was es für diesen eigentlich noch jungen Captain bedeuten musste hier an einen Schreibtisch gefesselt zu sein und möglicherweise miterleben zu müssen, wie seine Crew in alle Himmelrichtungen verstreut wurde.
Er nahm die Pfeife aus dem Mund, nickte kurz und verschwand durch die sich öffnenden Türen.
Rick setzte sich wieder in seinen Sessel. Er drückte seinen Kommunikator und stellte eine Verbindung zu seinem ersten Offizier her, der sich sofort meldete.
„Commander, ich habe schlechte Neuigkeiten.
Admiral Parker gibt uns maximal noch zwei Monate, bevor wir alle auf der Transferliste landen werden. Das heißt wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln.“
Für einen Moment herrschte eine atemlose Stille. Dann kam erneut die Stimme des ersten Offizieres, der langsam und sehr leise sprach, weil er scheinbar nicht allein war.
„Captain, das ist nahezu unmöglich. Selbst wenn wir rund um die Uhr arbeiten würden, könnten wir sie nicht fertig stellen, dafür fehlen uns zu viele Teile der Außenhaut und der Rahmenstruktur, die unbedingt ersetzt werden müssen.
I
h brauche Ihnen sicherlich nicht die lange Liste vorzulesen, die in dem Gutachten steht, oder?“

„Jaja, ich weiß schon, aber…“ Captain Sanders ließ den Satz unvollendet.
„Tun Sie ihr bestes. Ich weiß, dass unsere Mannschaft voll hinter uns steht. Keiner will sich auf einem anderen Schiff wieder finden und in ein ungewisses Schicksal verbannt werden. Ich melde mich bei Ihnen, wenn ich etwas Neues in Erfahrung bringen kann.“
Rick war sich voll bewusst, was sein erster Offizier ihm gesagt hatte. Er raufte sich seine feuerroten Haare und überlegte, wie er diese Herausforderung meistern konnte, aber momentan fiel ihm nicht das Geringste ein.
Lustlos nahm er sich die Berichte vor, die er regelmäßig erhielt und die darüber Aufschluss gaben, welche Schiffe durch einen Kampfeinsatz beschädigt worden waren und was an entsprechenden Teilen auf den Anforderungslisten stand.
Die Liste der beschädigten Schiffe war lang und entsprechend groß war die Anforderungsliste. Mit all den Teilen konnte man sicherlich nahezu zehn Schiffe komplett zusammenbauen, wenn alles aneinanderpassen würde.

Rick hatte schon die nächsten zwei Seiten überflogen als ihm eine Anforderung auffiel und er auf eine Idee kam. Er überlegte kurz ob es wirklich so einfach sein konnte wie er sich das vorstellte, aber dann war er sich sicher.
Schnell blätterte er in seinem Padd zwei Seiten zurück und sah sich die Materialanforderung der Sternenflottenwerft Antares noch einmal genauer an.
Ein Commander sicherlich irgendein alter Knochen, der scheinbar eine ähnliche Position wie er betreute, benötigte dringend einige Teile für ein schwer beschädigtes Schiff der Nova Klasse.
Auch wenn er nicht alles im Kopf hatte, so war er sich doch sicher, dass er hier helfen konnte und dass er im Tausch einige Teile der abzuwrackenden Soyuz Klasse ergattern konnte, die dort auf der Verschrottungsliste stand. Dabei war es ein fast neues Schiff welches lediglich durch einen unglücklichen Fehler der Crew mit Barion Partikeln verstrahlt worden war. Aber auch dafür gab es eine Lösung.
Mit wenigen Handgriffen hatte er eine Leitung zur Sternenbasis Antares hergestellt und auf dem Schirm tauchte das Büro eines Commanders auf. Es dauerte einen Moment, bis er von seinen Papieren aufsah, da er gerade einige Pläne hochhielt, in die er sich vertieft hatte. An der Wand hinter ihm waren die Blaupausen eines neuen Schiffes zu erkennen, auf denen in großen Buchstaben U.S.S. Avatar stand.
Erst jetzt ließ der Commander den Plan sinken und schaute auf das Tischdisplay. Die darauf zu sehenden roten Haare waren unverkennbar.

„Hallo Rick, wie läuft es denn bei Dir?
Das ist ja mal eine nette Überraschung was von Dir zu hören.“
Captain Sanders konnte es kaum fassen dass ihm ein Mann gegenübersaß den er schon lange kannte. Er beugte sich vor und hielt das Padd hoch.
„Ich glaube, ich könnte etwas für Eure U.S.S. Rhode Island tun. Aber ich bräuchte da auch einige Sachen, die Ihr scheinbar bereitstellen könnt.“
Carl Rychek freute sich seinen guten alten Freund wieder einmal zu sehen. Es war schon Monate her, dass sie sich überraschend auf der U.S.S. Scimitar getroffen hatten und wieder einmal die alten Zeiten hatten aufleben lassen.
„Lass hören, wenn ich kann werde ich gerne helfen!“ gab Rychek zurück und wartete gespannt darauf, was Rick Sanders benötigte.


Kapitel 5

Die Scimitar durchflog den Raum mit nahezu maximaler Warpgeschwindigkeit. Frank hatte sich für eine geringfügig langsamere Geschwindigkeit entschieden um zu vermeiden, dass man bei Ankunft im Zielsektor überrumpelt werden konnte, wenn der Antrieb aufgrund der hohen Belastung eine Abkühlphase benötigte.
Dennoch ertönte das Computersignal bereits um 5:30 Uhr, also fast eine ganze Stunde vor seinem üblichen Start in den Morgen.
„Dekkers hier!“ sagte er, als er den Aktivierungsknopf drückte und versuchte sich Mühe zu geben, dass es nicht all zu verschlafen klang.
„Captain, wir erreichen in einer halben Stunde unsere Zielkoordinaten, ich dachte sie wollen auf der Brücke sein, wenn wir da sind.“ erklärte Nilan die Bolianerin die zu dieser Zeit an der OPS saß.
„Danke Lieutenant, ich komme gleich. Am besten informieren Sie auch Lt. Commander West, damit wir uns abstimmen können. Ab wann gilt der neue Dienstplan?“
Frank wusste, dass der Plan in Kraft treten sollte, wenn der Einsatz anfing.
„Er wird genau um 6:00 Uhr früh in Kraft treten, so dass ich dann wahrscheinlich auch abgelöst werde.“
Als Frank auf die Brücke trat, war Nilan bereits abgelöst worden und Frank sah auf dem Hauptbildschirm, wie sich das erste Planetensystem mit Impulsgeschwindigkeit näherte.
„Lt. Commander West, stellen Sie sicher, dass die Sensoren auf voller Auflösung arbeiten. Ich möchte, dass wir auf jedem Planeten einmal die gesamte nördliche, wie auch südliche Hemisphäre abtasten. Ich will mir nachher nicht nachsagen lassen, wir wären schluderig gewesen.
Halten sie für alle Fälle aber eine Sensorenpaarung bereit, um den gesamten Sektor zu scannen, wir wollen schließlich auch vor Überraschungen sicher sein.“
Der erste Offizier nickte,
„Aye Sir. Ich werde sofort die entsprechenden Anweisungen geben.“ erklärte er und tippte die Angaben sofort an seiner Station in die Konsole. Dann machte er noch eine Runde um die Brücke und verschwand dann auf die Brücke des Scoutschiffes um dort nach dem Rechten zu sehen.

Frank hatte gehofft, dass man nicht sofort auf feindliche Schiffe stoßen würde, aber dass man inzwischen mehr als drei Tage auf der Suche war ohne auch nur den Hauch eines Ergebnisses zu erhalten. Damit hatte er nicht gerechnet. Immerhin konnte er im Laufe dieser Tage insgesamt achtundvierzig Siedler dazu überreden, sich doch noch evakuieren zu lassen. Er hatte ausreichend Raum um noch mehr Leute unterzubringen. Es würde sich Zeigen ob er diesen benötigen würde.
Inzwischen hatten sie in dem recht dicht liegenden Planetengürtel insgesamt einundzwanzig Planeten überprüft und dabei nicht einen einzigen Hinweis auf Schiffe oder Aktivitäten von Gegnern gefunden. Sicher war er froh, dass er nicht in Kämpfe verwickelt worden war, aber bislang hatte er auch noch kein Ergebnis, welches für die Flotte von Nutzen war.
Es war ihm klar, dass sein Auftrag in gewisser Hinsicht auch von einem Zeitfaktor abhängig war. Denn auch wenn versprengte Gruppen von Jem’Hadar oder anderen Dominiontreuen Flottenverbänden hinter den Linien mit Beschädigungen zu kämpfen hatten, so hätten sie irgendwann ihre Schäden sicherlich überwunden und würden ihre Kräfte wieder sammeln, damit sie an einer neuralgischen Stelle einen wirkungsvollen Schlag gegen die Sternenflotte führen konnten.

Frank hatte erwartet, dass er wenigstens eine Spur finden würde, der er folgen konnte, damit sie ihn zu einem Schiff, einem kleinen Verband oder wenigstens einem Planeten führen würde, der dem Dominion als Unterschlupf dienen könnte.
Aber nichts dergleichen trat ein.
Frank rutsche unruhig auf seinem Stuhl hin und her und überlegte, ob er die Taktik, das Suchmuster oder die ganze Vorgehensweise überdenken sollte, als plötzlich die Stimme von Fähnrich Kester zu ihm herüber drang, während sie den Planeten Regolon 3 abtasteten.
„Captain, auf dem Planeten sind mehrere Humanuide Lebensformen auszumachen. Sie leben in einem Gebiet am Rande der Felslandschaft, die sich über weite Teile des nördlichen Kontinents erstreckt. Allerdings lassen sich neben den Behausungen keinerlei technische Einrichtungen ausmachen.“
Frank wurde jäh aus seinen Überlegungen gerissen.
„Gibt es Aufzeichnungen zu diesem Planeten?“ wollte er wissen.
Der junge Mann an der Kommunikationskonsole hatte sofort die Datenbank der Sternenflotte abgefragt und antwortete prompt.

„Die Föderation hat eine Agrarkolonie auf diesem Planeten etabliert. Seit vierzehn Jahren leben hier mehr als fünfhundertachtzig Farmer mit Ihren entsprechenden Familien, die bereits einen guten Ertrag aus den landwirtschaftlichen Anbauten erbringen. Insgesamt waren das mehr als dreitausend Personen.
Allerdings wurden alle Kolonisten vor mehr als drei Monaten bis auf den letzten Mann abgeholt. Es dürfte sich also keiner mehr auf dem Planeten befinden. Ich Orte aber immer noch vierunddreißig Personen.“
Frank schaute auf den Hauptschirm auf dem man die Planetenoberfläche vorbeiziehen sehen konnte.
„Das heißt, entweder haben sich nicht wirklich alle Siedler evakuieren lassen, oder es haben sich ein paar Gauner diesen Planeten und die Einrichtung unter den Nagel gerissen.
Können Sie feststellen ob es sich um Menschen handelt?“
Fähnrich Kester prüfte erneut die Angaben.
„Mit ziemlicher Sicherheit handelt es sich um Menschen und teilweise sogar um bajoranische Lebenszeichen.“

Frank tippte auf seinen Kommunikator.
„Lt. Commander West. Wir haben auf dem Planeten einige Leute gefunden. Übernehmen Sie das Schiff, ich werde mit einem Team runter auf den Planeten gehen um zu sehen, wer sich dort unten breit gemacht hat. Vielleicht sind wir ja auf ein paar störrische Siedler getroffen, die ihr Land nicht verlassen wollen.“
Aus dem Audiosystem kam die Stimme des ersten Offiziers.
„Captain, das halte ich für keine gute Idee. Wenn es sich tatsächlich um Siedler handelt, haben wir keine Zeit zu diskutieren über deren Abzug vom Planeten, wenn es sich um Fremde handeln sollte, die sich diesen Planeten zu Nutze machen wollen, ist vielleicht ein kleines Sicherheitsteam nicht ausreichend.“

Captain Dekkers hatte sich aber schon entschieden.
„Danke für Ihre Fürsorge, aber ich denke, wir werden dort unten schon klar kommen. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten. Sagen Sie Lieutenant Seymour, dass ich fünf Männer wünsche. Sie sollen sich umgehend im Transporterraum drei einfinden. Dekkers, Ende.“
Der Captain übergab die Aufsicht auf der Brücke vorübergehend an den zweiten Offizier und machte sich auf den Weg in den Transporterraum.
Schon nach weniger als zwei Minuten öffnete sich die Tür zum Transporterraum drei für ihn und er sah, dass die Männer des Sicherheitsteams bereits anwesend waren. Auch Sicherheitschef Mike Seymour hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen Einsatz selbst zu begleiten.
Der Captain nickte dem Lieutenant zu und trat ohne Umschweife auf die Transporterplattform.
Gerry Jacobian wünschte dem Außenteam viel Glück und bediente die Kontrollen, worauf sich die sechs Männer in einem blauen Glühen schnell auflösten.

Die Gruppe materialisierte sich in einem weiten Tal, zu desse
Seiten sich hohe Felsformationen auftürmten. Dazwischen hatte sich eine weite fruchtbare Ebene entwickelt, die von vielen kleinen Gebirgsbächen in ein ertragreiches Land verwandelt wurde. Frank konnte sich gut vorstellen, dass man diesen Ort nicht gern verlassen wollte.
Lieutenant Dennis Franjo zückte einen Trikorder und schwenkte ihn von einer Seite zur anderen. Dann deutete er mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf einen kleinen Wald, der etwa zwei Kilometer entfernt war.
„Die Lebenszeichen scheinen in diesem Bereich zu liegen.“ erklärte er und ging voraus in Richtung der Baumgruppe.
Das Gelände war flach und übersichtlich, würde jemand aus dem Wald kommen, dann würde man es sicherlich bemerken.
Aber sie erreichten den Waldrand ohne dass auch nur eine Person erschien. Dafür schienen nun die Trikorderwerte ganz plötzlich zu versagen. Keine Lebensformen waren mehr zu erkennen und die gesamte Region schien ohne Leben.
Nicht einmal Vögel oder Kleintiere konnte Lt. Franjo ausmachen, als er auf das Gerät sah. Ein Abgleich mit anderen Trikordern brachte ebenfalls keine Änderung. Das Gerät schien nicht defekt zu sein.
„Captain, ich erhalte keine Anzeigen mehr. Das ist völlig unmöglich. Ich habe den Trikorder mit Mr. Fitzgerald abgeglichen.
Aber auch auf allen anderen Geräten haben wir keine Anzeige mehr.“ Dabei zeigte er dem Captain das Display seines Trikorders.
Frank Dekkers versuchte seinen Sicherheitsoffizier zu beruhigen.
„Schon in Ordnung Lieutenant, ich glaube, ich weiß schon was da vorgeht. Kommen Sie weiter.“
Langsam schritt die kleine Gruppe voran und blieb dicht beieinander. Nach etwa fünfhundert Metern erreichten sie eine weite Lichtung in der ein kleines Dorf stand. Alles schien verlassen zu sein.
Langsam ging Captain Dekkers auf den zentralen Dorfplatz zu und machte dort halt. Die sechs Männer gingen zum Brunnen und schöpften sich aus einem Krug ein wenig Wasser um sich zu erfrischen.
„Hallo… ist da jemand? Bitte kommen Sie heraus, wir wissen, dass Sie hier sind!“ rief Frank, aber nichts geschah.
„Was wollen Sie damit bezwecken Sir?“ fragte Lt. Seymour leise.
Frank hatte die Arme vor der Brust verschränkt und schien sich auf eine längere Pause einzustellen.
„Nun Mr. Seymour, wie in aller Welt verschwinden mehr als dreißig Personen von der Bildfläche, ohne eine Spur zu hinterlassen? Wie kommt es, dass wir plötzlich nicht mal mehr einen Sandfuchs oder einen Vogel auf unseren Geräten haben?
Das kann doch nur eines bedeuten, man hat Probleme mit dem Dämpfungsfeld gehabt. Nur deshalb haben wir überhaupt etwas geortet.“
Inzwischen waren mehr als vierzig Minuten vergangen und Frank machte einen neuen Versuch.

„Nun kommen Sie schon heraus, Sie haben Probleme mit Ihrem Dämpfungsfeld. Wir können Ihnen helfen und es reparieren. Dann dürfte es auch nicht noch einmal zu solchen Störungen kommen.“
Noch immer herrschte absolute Stille, aber dann sahen sich die Männer der Scimitar plötzlich von mehr als dreißig Personen umringt.
Einer der Männer trat vor und wandte sich an Frank.
„Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf?“
Frank war inzwischen ein wenig ungeduldig geworden, aber er versuchte ruhig zu bleiben.
„Mein Name ist Captain Frank Dekkers von der Föderation. Mein Schiff die Scimitar ist in der Umlaufbahn des Planeten auf Ihre Lebenszeichen gestoßen. Ursprünglich sollten hier bereits alle Kolonisten evakuiert sein.“ erklärte er.
„Pha, die Föderation. Die mischen sich doch überall ein!“ rief einer der Gruppe dem Anführer zu, aber der hob nur die Hand um damit anzudeuten dass er ruhig sein sollte.
Er wollte zunächst einmal den Grund dieser Visite wissen.
„Mein Name ist Eran Tebran. Sind Sie gekommen um uns gewaltsam von hier fortzubringen? Ich kann Ihnen auch jetzt sagen, dass wir nicht gehen werden. Wir haben dieses gute Land gefunden und es mit der Kraft unserer Hände und im Schweiße unseres Angesichts fruchtbar gemacht. Dies ist unsere Heimat und wir werden uns nicht vertreiben lassen.“
Frank schien genau zu wissen was er nun sagen musste, denn von seiner Antwort hing es ab, ob die Siedler ihn akzeptieren würden oder nicht. Er wollte nebenbei einige Informationen erhalten, die sie ohne Zweifel hatten und an denen er sehr interessiert war.
Als Frank nun anfing dem Farmer zu antworten glaubten die Sicherheitsleute ihren Ohren nicht zu trauen.
„Nein, wir sind nicht gekommen um Sie abzuholen. Wir scannen derzeit jeden Planeten in diesem Gebiet ab um festzustellen, ob es hier Aktivitäten des Dominion gibt. Die Frontlinie erstreckt sich nicht weit von hier. Ich würde gerne wissen, ob Sie etwas bemerkt haben, das würde mir meine Aufgabe sehr erleichtern.“ erklärte der Captain, wobei sich die Männer des Sicherheitspersonals immer noch wunderten, dass der Captain so bereitwillig Auskunft gab.
„Woher wollen Sie denn wissen, dass wir so etwas bemerkt hätten?“ fragte Tebran gereizt.
Frank setzte ein gewitztes Lächeln auf und setzte sich auf eine Bank neben dem Brunnen.
„Nun wissen Sie Tebran, wer ein Gerät hat um ein Dämpfungsfeld dieser Größe zu erzeugen, der weiß auch genau warum und wann er es einsetzen muss. Zum Beispiel wenn ein Schiff in den Orbit einfliegt oder es nahe am Planeten vorbeifliegt.
Denn dieses Feld verschlingt Unmengen von Energie und das lässt man nicht einfach durchlaufen. Ich denke, wenn ich mich hier umsehe, dann ist Energie recht kostbar für Sie.“
Inzwischen hatte sich auch Tebran auf die Bank gesetzt und schaute den Captain mit unergründlicher Miene an.
„Sie haben das gut erkannt. Leider gibt es nicht viele Offiziere der Sternenflotte, die so denken wie Sie. Die meisten wollten uns von hier fort haben, obwohl wir vorgesorgt haben.
Das Dämpfungsfeld ist nur ein Teil unserer Absicherung. Nicht weit von hier in einer Höhle haben wir ein klingonisches Shuttle stehen, es verfügt nicht nur über genügend Platz für alle von uns, sondern hat auch eine Tarnvorrichtung, damit wir unbemerkt entkommen können.
Sollte also wirklich jemand kommen, der uns gefährlich werden könnte, dann sind wir in Null Komma Nichts von hier verschwunden.
Aber solange werden wir hier bleiben und unsere Felder bestellen.
„Dann bleibt mir nichts zu tun übrig, als Ihnen viel Glück zu wünschen. Aber sollten sie daran interessiert sein, dass das auch alles problemlos funktioniert, dann würde ich gerne einige Erfahrungen mit Ihnen austauschen. Meine Ingenieure könnten Ihren Dämpfungsfeldgenerator so einstellen, dass nicht alles Leben ignoriert wird. Auch andere würden stutzig werden, wenn sie auf ihren Scannern nicht einmal die Vögel erkennen, die Ihnen über die Köpfe fliegen.“
Tebran verzog das Gesicht zu einer nachdenklichen Mine und stützte das Kinn in seine linke Hand.
„Nun, das hört sich nicht schlecht an. Was verlangen Sie als Gegenleistung?“

Frank wartete einen Augenblick mit seiner Antwort.
„Ich möchte eine Kopie Ihrer Sensorenlogbücher um zu sehen wer hier vorbeigekommen ist, ob jemand auf diesem Planeten war, oder in welche Richtung er weitergeflogen ist. Das alles könnte uns helfen nicht nur diesen Planeten sicherer zu machen, sondern auch das ganze System und die Nachbarsysteme.“

Tebran schaute zu seinen Kollegen auf, einige schienen ihr stilles Einverständnis zu zeigen, andere schüttelten langsam mit dem Kopf. Er wusste, dass er mit seiner Entscheidung sehr wohl Unruhe in die bisherige Harmonie der Gruppe bringen würde.
Aber er war sich auch über ihre Probleme bewusst.
Würden die Schiffe wiederkommen, die vor nicht all zu langer Zeit auf dem Planeten gelandet waren und die allem Anschein nach nicht sehr freundlich gesonnen waren, dann könnte es sein, dass sie dieses Mal nicht so glimpflich davonkommen würden.
Zwar hatten die Sensoren sie rechtzeitig gewarnt, als das Schiff in die Umlaufbahn eingetreten war und auch das Dämpfungsfeld hatte zu diesem Zeitpunkt noch funktioniert. Aber nun waren einige Schäden entstanden, die eigentlich mehr auf das Alter des Generators und der Hardware zurückzuführen waren, als auf irgendwelche Fehler, die bei der Bedienung entstanden sein konnten.
Tatsache war, dass man die Hilfe wirklich gebrauchen konnte. Tebran war sich nur noch nicht sicher, ob man dem Offizier trauen konnte, der ihm diese wirklich gute Offerte angeboten hatte.
Aber der Führer der kleinen Farmergruppe wusste auch, dass eine ähnliche Situation oder Hilfestellung so schnell nicht wieder kommen würde, daher willigte er ein.

„Gut, ich nehme Ihr Angebot an. Die Sensorenlogbücher gegen eine Instandsetzung unserer Technik!
Aber ich warne Sie, keine faulen Tricks, sonst werden Sie sehen wie ungemütlich wir werden können.“ erklärte der Mann, der jetzt aufstand und Frank seine Hand hinhielt.
Frank nahm die Hand und sagte:
„Versprochen, wir haben ohnehin andere Probleme als auf sie einzureden, damit Sie den Planeten verlassen. Letztendlich ist es Ihre eigene Entscheidung. Wir können Ihnen nur anbieten, Sie mitzunehmen. Wenn Sie das ablehnen, haben wir unsere Schuldigkeit getan.“

Tebran nickte und gab seinen Männern ein Zeichen den Weg frei zu machen. Frank tippte auf seinen Kommunikator:
„Scimitar, hier Captain Dekkers…“
Sofort meldete sich die Brückenbesatzung
„Hier ist Lt. Commander West. Hatten Sie Erfolg Captain?“
Frank kam gleich zur Sache:
„Wir haben uns mit den Bewohnern arrangiert. Schicken Sie Commander Williams hier herunter, es gibt einige Dinge zu reparieren. Er soll sich direkt zu meinen Koordinaten beamen, den Rest erzähle ich Ihnen später. Dekkers Ende.“
Damit tippte er auf den Kommunikator und im selben Moment materialisierte sich der Chefingenieur neben der Gruppe der Offiziere und schaute den Captain fragend an.
„Eddie, ich möchte, dass Sie sich um einen defekten Dämpfungsfeld Generator kümmern. Tebran wird Ihnen alles erklären. Bevor Sie die Siedlung dann verlassen, wird Ihnen Tebran noch die Aufzeichnungen der Sensorenlogbücher überlassen. Das ist alles.“
Eddie nickte und verschwand gemeinsam mit den Sicherheitsleuten und ein paar Männern der Farmer zwischen den Häusern.
Frank verabschiedete sich von Tebran, der so wie es schien inzwischen eine bessere Meinung von den Angehörigen der Sternenflotte hatte. Zumindest hatte er jemanden kennen gelernt, der nicht immer und unter allen Umständen darauf bestand die Befehle der Flotte Wort für Wort zu befolgen.
Während Tebran sich umdrehte um den Anderen zu folgen verschwand der Captain der Scimitar im blauen Glühen des Transporterstrahls.


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