Captain Dekkers stand schon wieder früh auf der Brücke der Scimitar und ohne ein Wort zu sagen hatte sich Lieutenant Commander Jacobian aus dem zentralen Stuhl erhoben und war an seine Maschinenkontrollkonsole gegangen. Frank hatte eine unruhige Nacht hinter sich gebracht. Irgendetwas sagte ihm, dass der nächste Tag einer derjenigen werden würde, die er gerne vergessen möchte, noch bevor dieser überhaupt richtig begonnen hatte. Neben dem Captain hatte auch die Wissenschaftsoffizierin bereits ihren Platz auf der Brücke eingenommen und prüfte die Anzeigen an ihrem Platz. In wenigen Minuten würde man aus dem Warptransfer gehen und an der Position angelangt sein, an der die vermissten Schiffe den Kampfverband verlassen hatten. „Lieutenant Shelar, wie sieht es aus?“ wollte Frank wissen. Er war sich sicher, dass diese kurze Frage ausreichen würde um eine aufschlussreiche Antwort von der Vulkanierin zu erhalten. „Die Schiffe der Flotte sind in Bereitschaft. Es finden derzeit keine Kämpfe statt. Alles scheint ruhig zu sein. Die Frontlinie ist recht stabil, keine größeren Gebietsgewinne oder -Verluste. Auf der gegnerischen Seite befindet sich eine große Anzahl von Schiffen, die meisten Jem’Hadar und Dominiontreue Truppen, aber auch Cardassianische Schiffe der Galor Klasse. Eines der Schiffe lässt sich nicht klassifizieren. Möglicherweise ein neues Schiff, welches wir noch nicht kennen. Die Fronten trennt ein mehrere hundert Kilometer breiter Korridor. Wir fliegen jetzt in den Sektor ein, in dem unsere Schiffe gestartet sind.“ erklärte Shelar. Damit war Frank fürs Erste gut informiert. „Fähnrich, gehen Sie unter Warp und rufen Sie das nächste Schiff, welches in unserer Reichweite liegt.“ wies der Captain Karen Walters an, die an der OPS saß und diesen Kommunikationsbefehl gerade selbst mit erledigte, während der Steuermann die Antriebsleistung zurücknahm. Frank konnte sehen wie die Striche, die auf dem Bildschirm zu sehen waren sehr schnell zu Punkten wurden, als sie unter Warp fielen. „Captain, ich habe eine Verbindung zur U.S.S. Malinche hergestellt.“ kam es von der OPS. „Gut, auf den Schirm damit!“ Auf dem Hauptschirm war die geräumige Brücke eines Schiffes der Excelsior Klasse zu sehen und der Mann der im Zentrum dieses Kommandobereiches stand war kein Unbekannter für Frank Dekkers. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet ihn hier draußen und auf diesem Schiff wieder zu sehen. „Hier ist die Malinche, ich grüße Dich Frank. Ein schönes Schiff, ein wahres Prachtstück. Da kann ich gut verstehen, dass Du diesen Job gegen den des ersten Offiziers bei meinem Bruder eingetauscht hast.“ Frank war immer noch ein wenig überrascht den älteren Bruder seines besten Freundes Captain Sanders vor sich zu sehen. „Und hier ist die U.S.S. Scimitar. Naja, ich bin nicht minder überrascht Dich hier zu sehen. Das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben war bestimmt vor zwei Jahren.“ Captain Sanders trat einige Schritte vor und lächelte. “Mehr als zwei Jahre, ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ihr beide von eurem Schiff geschwärmt habt, welches ihr theoretisch zusammengestellt habt. So schnell können also Träume wahr werden?“ Frank nickte. Für einen kurzen Moment übermannte ihn die Erinnerung an vergangene Zeiten, aber dann dachte er wieder an seinen Auftrag. „Ich würde gerne wissen was hier passiert ist, bevor die vermissten Schiffe den Heimweg angetreten haben. Vielleicht gibt uns das einen Hinweis wo sie abgeblieben sind.“ Captain Sanders ging zurück und setzte sich in seinen Stuhl. „Ich weiß nicht, wir wurden in einen Kampf verwickelt und hatten alle Hände voll zu tun. Wir erhielten schwere Treffer an unseren Schilden und hätten fast die Hauptenergie verloren. Aber dann brachen Sie ihren Angriff plötzlich ab. Keines unserer Schiffe wurde zerstört, aber die Budapest, die Wolga und die Kopenhagen wurden schwer beschädigt. Eines macht mich allerdings nachdenklich. Die Jem’Hadar kennen normalerweise kein Erbarmen. Sie greifen so lange an bis sie wirklich alle Ziele vernichtet haben. Es ist nicht ihre Art, Schiffe nur zu beschädigen und dann wieder zu verschwinden.“ Frank überlegte kurz, „Vielleicht haben sie nur andere Befehle bekommen um an einer anderen Frontlinie zu kämpfen.“ Captain Sanders winkte ab. „Nein, nein. Die Anzahl der Schiffe hat sich nicht wesentlich verändert und bei den Informationen über das Dominion hat sich auch nichts Besonderes getan. Es muss irgendeinen anderen Grund haben.
Nachdem wir uns wieder gesammelt hatten und Bestandsaufnahme machten, mussten wir feststellen, dass wir drei unserer Schiffe nicht mehr mit Kämpfen belasten konnten. Wir informierten die Flotte und stellten die U.S.S. Okinawa ab um die Schiffe nach Hause zu begeleiten. Wir hatten noch eine ganze Weile lang Kontakt, sie informierten uns noch, dass sie ihren Warpreaktor repariert hatten und bald mit Warpgeschwindigkeit zur Basis zurückkehren wollten. Das war das Letzte, was wir von Ihnen gehört haben. Ich sende Ihnen die Daten zu, von wo sie uns noch kontaktierten, das wird helfen einen Kurs zu berechnen.“ Franks Kopf war bereits damit beschäftigt mögliche Schlüsse zu ziehen, aber es fiel ihm schwer seine Gedankengänge zu ordnen. „Vielen Dank für die Information, das war sehr aufschlussreich. Wir werden die Schiffe finden. Das versprechen wir. Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der Verteidigung unserer Grenzen, auch wenn sich diese jeden Tag ändern werden, bis die eine oder die andere Seite gewinnt. Wir gehen auf direkten Verfolgungskurs und werden uns in regelmäßigen Abständen melden. Dekkers Ende!“ Captain Sanders nickte und nach dem Abschalten der Kommunikation war wieder der Blick voraus zu sehen.
„Steuermann, setzen Sie einen Kurs, welcher dem der vermissten Schiffe folgt, Warp zwei. Beschleunigen. Lieutenant Shelar, ich möchte regelmäßige Informationen über die Ergebnisse der Sensorensuche erhalten. Setzen Sie alles an Langstreckensensoren ein was wir haben, aber lassen Sie auch einen Suchstrahl nach hinten gerichtet, ich möchte keine Überraschungen erleben. Mr. Jacobian, Sie haben wieder die Brücke. Ich bin in meinem Raum!“ Frank sah noch, wie auf dem Bildschirm die Warpstreifen erschienen und stand dann auf. Er verließ die Brücke und war schnell durch die seitliche Tür im Flur verschwunden.
Der erste Offizier, Jonathan West hatte den Captain nur um wenige Sekunden verpasst. Er kam genau von der gegenüberliegenden Seite auf die Brücke, immerhin ebenfalls einige Minuten bevor seine Schicht beginnen sollte. Für einen kurzen Moment übernahm er das Kommando, aber schon nach wenigen Minuten entschied er sich anders. Er wollte nun zunächst mit dem Captain sprechen. Die Tatsache, dass er möglicherweise erneut seine Koffer packen musste, nagte schwer an ihm. Immerhin hatte er noch nicht einmal ein halbes Jahr auf diesem Schiff Dienst getan, was sich in keiner Akte gut las. „Lieutenant Quist, können Sie bitte für einen Moment übernehmen, ich muss zum Captain.“ erklärte der erste Offizier. Der taktische Offizier, der an der seitlichen Kontrolle saß nickte. Jonathan stand auf und hatte schon nach wenigen Schritten den Raum des Captains erreicht. Er konnte das Türsignal hören, das den Captain informierte, dass eine Person Einlass wünschte und hörte ein deutliches „Herein!“ Jonathan trat ein und ging zum Schreibtisch des Captains. Frank Dekkers saß in seinem Stuhl und blickte auf seinen Sichtschirm. „Sir, ich glaube, Sie möchten mich sprechen.“ Das war natürlich ein völlig bescheuerter Einstieg in ein so wichtiges Gespräch. Aber der erste Offizier war so von seinen eigenen Gedanken beherrscht, dass ihm dies gar nicht auffiel. Der Captain reagierte zunächst ganz gelassen und desinteressiert. Er las nebenbei die Berichte der Deltaschicht, die gerade zu Ende gegangen war und schaute nur kurz zu Jonathan auf. „Was macht Sie da so sicher?“ fragte Frank und versuchte seiner Stimme einen gelangweilten Charakter zu verleihen. „Nun Sir, Sie haben mit mir noch nicht über den Vorfall auf dem Scout Schiff gesprochen und ich denke, dass da sicherlich Erklärungsbedarf besteht.“ Der Captain schaute weiter auf die Berichte und las fast eine ganze Seite, bevor er auf diese Konversation weiter einging. „Nun Mr. West, da glauben und denken Sie genau richtig. Aber ich habe ehrlich gesagt keine Lust mehr mich mit diesem Thema zu befassen. Ich habe bereits die nötigen Schritte eingeleitet und das sollte genügen. Es besteht also keine Veranlassung, diese Sache über Gebühr zu strapazieren.“ Der erste Offizier spürte wie sich seine Kehle zuschnürte, er hatte den Captain am vergangenen Abend genau so eingeschätzt. Jetzt würde er ihm sicher sagen dass er bei der nächsten Gelegenheit von Bord gehen müsse. Jonathan wusste dass er etwas tun musste, aber er wusste nicht was. Konnte er den Captain davon überzeugen, dass er diese Sache nicht absichtlich gemacht hatte, würde es etwas bringen wenn er sich bei ihm entschuldigte oder sollte er ihm vielleicht zuvorkommen und einfach sein Patent abgeben. Er wusste es nicht. Dann endlich kamen ihm wenigstens einige Worte in den Sinn, die er versuchte zu einem richtigen Satz zusammenzustellen.
„Captain, ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht…“ aber er zögerte einen Augenblick zu lange um den Satz fortzuführen, deshalb schnitt ihm der Captain das Wort ab. „Falsch Mr. West! Sie haben einen fatalen Fehler gemacht! Es hätte nicht viel gefehlt und Sie hätten die gesamte Mannschaft, sich selbst und das Schiff über mehr als fünfhundert Quadratkilometer des Alls verteilt.“ Aber seine Stimme klang weder verärgert noch wütend, sie war nur sehr leise und Jonathan lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Er fühlte sich momentan nicht besonders wohl in seiner Haut. „Mr. West, Sie haben nicht nur einen Fehler gemacht. Um es genauer zu sagen, Sie haben in der letzten Zeit, seit Sie an Bord sind genau einhundertzweiundsiebzig Fehler gemacht. Die mit Abstand schlimmsten waren diejenigen, dass Sie eigenmächtig die Kontrollen geändert haben. Sie haben sich über die Befehlskette hinweggesetzt, Sie haben vergessen, die Notfallprotokolle einzubinden und was viel schlimmer ist, Sie haben Ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Deshalb wollten Sie auch den gleichen Fehler ein weiteres Mal begehen. Es zählt zu den Aufgaben des ersten Offizieres, sich immer ein genaues Bild der Lage zu machen, damit er den Captain unterstützen kann und immer genau weiß, was auf dem Schiff passiert. Auch der Bericht der Deltaschicht trägt noch nicht Ihre Signatur, dabei wäre es Ihre Pflicht gewesen Ihn sofort bei Dienstantritt durchzusehen, oder wissen Sie auch ohne den Bericht, was in der letzten Stunde passiert ist? Sie sind mein ausführender Offizier. Das heißt aber auch, dass Sie nicht alleine bestimmen können, was Sie hier an Bord machen. Sie müssen Ihre Vorschläge, wenn Sie welche haben Ihrem kommandierenden Offizier, also mir unterbreiten, der dann entscheidet wie verfahren wird. Soweit sollten Sie eigentlich die Regeln und die Hierarchie der Flotte kennen.“ Nur langsam fand Jonathan West zu seiner Sprache zurück.
„Captain, ich wollte sicherlich keinem Schaden, im Gegenteil, ich wollte es der Mannschaft erleichtern mit den neuen gewöhnungsbedürftigen Kontrollen umzugehen.“ Frank erhob sich aus seinem Sessel und ging einige Schritte auf und ab. „Das mag schon sein Mr. West. Aber Sie müssen sich davon überzeugen, dass das, was Sie in Ihrem stillen Kämmerchen zusammengestrickt haben, auch wirklich unter allen Eventualitäten funktioniert. Ansonsten kann das böse Folgen haben. Welche, haben Sie ja gesehen.“
Der erste Offizier ließ seinen Kopf sinken. „Ich gehe mal davon aus, dass ich mit einem entsprechenden Verweis und einer gleich lautenden Bewertung freigestellt werde, wenn wir wieder auf der Basis ankommen.“ Frank, der immer noch die wenigen Schritte auf und ab lief, die innerhalb des Bereitschaftsraums möglich waren, blieb stehen und schaute den jungen Offizier verwundert an. „Wie kommen Sie darauf? Sie glauben doch nicht etwa, dass ich Sie so einfach gehen lasse? Sie können gerne mein Schiff verlassen, aber erst wenn Sie gelernt haben, wie sich eine richtige Nummer Eins verhält. Wenn es sein muss, dann werde ich Ihnen das so lange einpauken bis Sie es nachts im Schlaf auswendig aufsagen können. Ich denke, damit ist alles gesagt, Sie können wegtreten!“ Jonathan machte auf dem Absatz kehrt und verließ den Bereitschaftsraum. Frank kehrte zu seinem Sessel zurück und ließ sich hineinfallen. Es war eine enorme Anstrengung gewesen und es hatte ihn erhebliche Kraft gekostet nicht emotionell zu reagieren. Shelar hatte ihm am Abend vorher diesen Tipp gegeben, sich praktisch wie ein Vulkanier zu verhalten. Sein ganzes Innerstes sträubte sich, aber er hatte es durchgehalten. Ansonsten wäre es sicher eine sehr hitzige Diskussion geworden, auch wenn er als Captain sicherlich alle Rechte auf seiner Seite hatte. Bislang hatte er noch keine Konsequenzen gezogen, auch wenn es ihm schwer gefallen war. Die Aussage, dass er die nötigen Schritte eingeleitet habe, bezog sich lediglich auf die Problemlösung, aber nicht auf den ersten Offizier. Aber es schien ihm in dieser Situation angebracht diese zweideutige Bemerkung zu machen, die der Offizier logischerweise falsch auffassen musste. Es war ihm wichtig, dass der junge Mann endlich selbst aufwachte. Ihn wachzurütteln schien immer nur für eine ganz kurze Zeit zu funktionieren.
Kapitel 16
Mehr als sechs Stunden war die Scimitar nun bereits mit Warpgeschwindigkeit unterwegs gewesen und bislang hatte man keine Anzeichen der vermissten Schiffe finden können. Allen Cartwright hatte Erin Pan an der Wissenschaftskonsole abgelöst, aber Shelar die Vulkanierin saß noch immer an ihrem Platz, denn Sie schien nie müde zu werden. Das sonore Brummen des Warpantriebs und die immer gleichen piependen Geräusche der Brücke wirkten fast einschläfernd aber gleichzeitig hielt die hohe Konzentration jedermann wach. Es war schwer immer wieder und wieder die gleichen Scans ablaufen zu lassen und immer wieder dasselbe Ergebnis zu erhalten. Jedermann auf der Brücke hoffte, dass man die Schiffe und deren Crews wohlbehalten wieder finden würde. „Captain, ich erhalte eine Anzeige von Duranium und anderen Metallen, die bei der Sternenflotte verwendet werden, Eineinhalb Lichtjahre und fünf Grad steuerbord voraus.“ informierte Shelar den Captain. „Steuermann, gleichen Sie den Kurs an und gehen Sie an den genannten Koordinaten unter Warp. Dann voller Stopp. Sind es unsere Schiffe?“ wollte Frank wissen und drehte sich zu der Vulkanierin um. Die Frau mit den typisch spitzen Ohren, die wie jeder Vulkanier nicht in der Lage war menschliche Empfindungen nachzuvollziehen antwortete so präzise und unverblümt wie es ihrer Natur entsprach. Nachdem Sie sich noch einmal auf ihrem Display vergewissert hatte antwortete sie: „Ja, es waren unsere Schiffe!“ Im selben Moment fiel die Scimitar unter Warp und stoppte. Keine Sekunde zu spät, denn sie befanden sich am Rande eines lang gestreckten Trümmerfeldes bei dem man nur noch an wenigen Teilen ausmachen konnte, dass sie einmal ein Teil eines Föderationsschiffes gewesen waren. Der Anblick versetzte der gesamten Brückencrew einen Schock. Bislang hatte man immer noch damit gerechnet, dass man die Schiffe zumindest unzerstört und mit lebender Besatzung auffinden würde. Der Captain gab dem Steuermann ein Zeichen und dieser glitt mit der Scimitar ganz langsam durch die Trümmer. „Lieutenant…?“ war alles was Frank über die Lippen brachte. Es dauerte eine ganze Weile, bis Shelar die Ergebnisse zusammengestellt hatte. Der Captain hatte den Eindruck es würde ewig dauern. Aber dann endlich fing die Vulkanierin an zu berichten. „Es handelt sich bei den Trümmern eindeutig um die Budapest, die Kopenhagen und die Wolga. Die Schiffe zeigen Restenergiemengen von Jem’Hadar Schiffen. Aber diese sind nicht der Grund für die massive Zerstörung. Es liegt kein Warpkernbruch vor. Sie sind eindeutig von einer externen Kraft zerstört worden. Anhand der verschiedenen Energiemuster würde ich sagen, dass es mindestens sechs verschiedene Schiffe waren. Sie wurden einem hochenergetischen Strahl ausgesetzt. Um es mit Ihren Worten zu sagen, sie wurden förmlich vom Blitz getroffen.“ Frank, der das Bild der Zerstörung auf dem Monitor verfolgte wusste, dass seine Frage töricht klang, aber er musste sie einfach stellen. „Irgendwelche Lebenszeichen, Überlebende, Fluchtkapseln…?“ Shelar schüttelte langsam den Kopf. „Nein Sir, nicht einer der dieses Massaker überlebt hätte.“ Frank Dekkers nickte traurig mit dem Kopf. „Wenn auf den Sensoren nichts zu sehen ist würde ich gerne die Shuttles ausschwärmen lassen und die Gefallenen einsammeln. Sie haben eine anständige Bestattung verdient.“ Die Wissenschaftlerin gab zu verstehen dass Sie verstanden hatte und Jonathan West, der die ganze Zeit ruhig auf seinem Platz gesessen hatte gab die notwendigen Anweisungen an die Shuttlebesatzungen heraus. Der Shuttlehangar am Heck öffnete sich und insgesamt sechzehn Shuttles verließen das Flugdeck. Frank konnte am Hauptschirm mitverfolgen, wie an vielen Stellen des Trümmerfeldes ein kurzes blaues Aufglühen zu sehen war, wenn ein weiterer Leichnam gefunden wurde. Die ganze Prozedur dauerte mehr vier Stunden, währenddessen hatte Shelar einige Teile des Computerkerns der Kopenhagen gefunden und an Bord gebeamt. Sie versuchte aus den Überresten gemeinsam mit den Technikern das Logbuch oder andere Daten wieder herzustellen die eventuell Aufschluss darüber geben konnten, was hier passiert war.
Der Besprechungsraum neben der Brücke war mit den leitenden Offizieren besetzt. Alle waren still und bedrückt. Keiner hatte erwartet dass die Schiffe ohne Ausnahme derart zerstört worden waren. Zudem waren die meisten auch gemeinsam mit den anderen Shuttlebesatzungen geflogen und hatten die Kameraden zurückgeholt. Wie sich herausstellte waren dies nicht nur Offiziere und Crewmitglieder der Sternenflotte, sondern auch Freunde, Verwandte und einige Bekannte, mit denen einige der Mannschaft der Scimitar in der Akademie die Schulbank gedrückt hatten. Man war enttäuscht, verletzt und gefrustet, dass man nicht eher gekommen war, obwohl es offensichtlich war, dass diese Katastrophe sich bereits vor mehr als einer Woche abgespielt haben musste. Praktisch kurz nachdem man den Warpantrieb wieder in Gang setzen konnte, so wie Captain Sanders es beschrieben hatte. Die Türen des Raumes glitten mit einem zischenden Laut auf und Frank Dekkers, Shelar und der erste Offizier traten ein. Der Captain ließ sich in einem Stuhl am Kopfende nieder. Auch er schien sehr bedrückt durch die vorgefundene Situation zu sein.
„Wie es scheint, hatten wir dieses Mal mit unserer Mission nicht so viel Glück. Es ist sehr bedauerlich, dass wir hier sowohl gute Mannschaften, als auch wertvolle Schiffe verloren haben. Lieutenant Shelar, würden Sie uns bitte auf den neuesten Stand bringen!“ Die Vulkanierin aktivierte das Display und begann mit ihren Ausführungen. Auf dem Schirm erschienen verschiedene Bauteile, die kaum noch als Teile eines Flottenschiffes zu erkennen waren, während Sie ihre Ergebnisse vortrug. „Wir haben verschiedene Bauteile an Bord gebeamt um zu prüfen, wodurch diese Schiffe zerstört wurden. Mit einem Tiefenscan konnten wir einige interessante Werte erlangen. Dabei konnten wir folgende Feststellung treffen: Die vorgefundenen Energiesignaturen entsprechen keinem der Föderation bekannten Schiff. Weder die Jem’Hadar oder die Cardassianer, noch die Föderation oder die Romulaner haben derartige Waffenenergiesignaturen. Auch keine andere Rasse, die uns bekannt ist wäre in der Lage eine derartige hochenergetische Waffe zu konstruieren. Aber wir kennen den Angreifer und auch die Waffe selbst. Zwar ist es uns nicht gelungen einen Teil des Computerlogbuches zu restaurieren, aber der Hauptschirm wurde während des Angriffs mitgeloggt.“
Auf dem Bildschirm war zu sehen, wie sich plötzlich ein Schiff näherte, welches direkt auf die Kopenhagen zusteuerte und sofort zu feuern begann. Interessanterweise sahen die Energetischen Entladungen tatsächlich aus, als würde ein Blitz auf das Föderationsschiff abgeschossen. Der Energiestrahl war gezackt und verlief nicht in einem geraden Strich, so wie man es von einem Lichtstrahl oder vielleicht einem Phaser erwarten würde. Shelar fror das Bild ein und drehte sich zu den Anwesenden um. „Schiff, Bauart und Waffensystem sind uns unbekannt. Sie können aufgrund der Bauform niemandem zugeordnet werden. Sensorenwerte aus denen wir die Zusammensetzung und Metalle erkennen könnten sind verloren gegangen. Es scheint eine vollkommene Neuentwicklung zu sein.“ Diese Einschätzung war zunächst einmal alles was man aus den Trümmern analysieren und sich zusammenreimen konnte. Nicht viel, aber immerhin etwas. Man hatte ein Feindbild und mit einem Feindbild war es immer einfacher etwas zu tun, als wenn man nur eine dunkle Bedrohung hatte, eine nicht greifbare Situation, die man bekämpfen sollte.
„Aber was macht das dann alles für einen Sinn, es ist doch totaler Schwachsinn, einige schon schwer beschädigte Schiffe hinter den Linie Kaputtzuschießen, wenn sie ohnehin nur noch auf dem Weg zum Dock sind. Sie haben keinen Kampfauftrag, sie sind wehrlose Ziele, die niemand Angreifen würde.“ wollte Miguel Rivera wissen, der bei diesem Massaker alleine fünf Freunde aus seiner Akademiezeit verloren hatte. „Deshalb sind wir hier, wir müssen herausfinden, was genau passiert ist um nach Möglichkeit weitere Vorfälle dieser Art zu verhindern.“ Erklärte der Captain. „Interessant ist, dass keines der Wrackteile von der Okinawa stammt. Sie wurde entweder gekapert, ist weitergeflogen oder hat die Angreifer verfolgt. Wobei dann zu klären wäre, warum man von ihr nichts mehr gehört hat.“ gab die Vulkanierin zu bedenken.
„Das heißt, dass die Okinawa vielleicht noch nicht zerstört wurde, oder dass Sie vielleicht inzwischen bereits zur Basis zurückgekehrt ist?“ meldete sich nun auch Chefingenieur Williams zu Wort, der darauf hoffte, dass es Peter Buchannon der Chefingenieur der Okinawa möglicherweise mit seinen Leuten doch noch bis zur Sternenbasis geschafft hatte. „Unwahrscheinlich!“ zerstörte die Vulkanierin mit einem einzigen Wort diesen Traum. „Wäre das so, dann hätte man uns sicherlich informiert. Nein, das Schiff ist noch da draußen und wir sollten nun keine Zeit mehr verlieren um es zu suchen.“ Captain Dekkers konnte nur zustimmend nicken. Es gab ohnehin keinen Grund mehr hier zu bleiben, jetzt wo auch die Verstorbenen geborgen waren. „In Ordnung. Wir nehmen den ursprünglichen Kurs wieder auf, vielleicht können wir ja eine Warp- oder Impulsspur finden, die uns verrät wohin sie geflogen sind. Dann sehen wir weiter. In der Zwischenzeit können wir einen ersten Bericht an die Flotte und an die Malinche abgeben, der sie darüber informiert was geschehen ist. Das war’s, gehen Sie wieder auf Ihre Stationen.“ Frank Dekkers stand auf und verließ den Raum um auf die Brücke zu gehen. Auch in seinem Kopf drehte sich alles um den Hergang dieser Niederlage. Wie Lieutenant Rivera schon richtig bemerkte keiner würde auf ein wehrloses Schiff feuern. Keiner würde sich mitten im Föderationsraum an einem so gemeinen Überfall beteiligen und dazu kam, dass man alle bekannten und befreundeten Völker aufgrund deren Waffensignaturen ausschließen konnte. Nun Gut, vielleicht nicht alle, aber diejenigen Völker, die da aus dem Rahmen fielen, waren viel zu klein um eine derartige Leistung zu erbringen. Man redete hier immerhin über die Neuentwicklung eines Schlachtschiffes mit gewaltigem Zerstörungspotential. Selbst bei aller Geheimhaltung wäre eine solche Waffe nicht vollständig unentdeckt geblieben. Nicht einmal die Ferengis, die wohl in fast jeder Waffenlieferung die Finger drin hatten, konnten eine derartige Vernichtungswaffe anbieten.
Die Scimitar glitt mit Warp zwei durchs All und hatte fast alle Sensoren auf Langstreckenabtastung eingestellt. Man war gerade erst zwei Stunden unterwegs, aber Frank hatte das Gefühl man würde schon Tagelang durchs All fliegen. Der erste Offizier kam auf die Brücke und informierte Frank darüber, dass man alle Personen identifiziert habe, die man gefunden hatte und übergab dem Captain eine Liste. Wie er im Vergleich mit den Original Besatzungen der Sternenflotte sehen konnte, hatte man nicht alle finden können. Dreihundertachtundneunzig Personen hatte man in einen großen Lagerraum aufgebahrt um sie der Flotte übergeben zu können. Es war ein schweres Stück Arbeit allein diese große Anzahl an Torpedohüllen bereitzustellen, in denen man die Personen üblicherweise beisetzte. Frank nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, dass sich Lt. Commander West heute vorbildlich verhalten hatte, aber das würde sich sicherlich gleich ändern, denn er sah, wie West seine Gedanken sammelte um eine Frage loszuwerden.
„Captain, dürfte ich um Erlaubnis bitten, eine Nachricht an die Sternenbasis zu senden, ich möchte einige private Dinge klären.“ Frank überlegte kurz ob sich hinter dieser Frage nicht vielleicht wieder irgendein Unsinn verbergen könnte, aber dann hatte er sich entschieden. Schließlich hatte der Offizier fast schon zu höflich gefragt für eine Sache die eigentlich selbstverständlich war. Aber anscheinend war er nun lieber zu vorsichtig, als sich noch einmal so tief ins Fettnäpfchen zu setzen. „Erlaubnis gewährt Mr. West.“ stimmte der Captain zu. Er wollte zwar noch einiges Wort darüber verlieren, aber eine Nachricht der Wissenschaftsoffizierin hielt ihn davon ab. „Captain, wir haben die U.S.S. Okinawa lokalisiert. Sie fliegt mit einem viertel Impuls voraus.“ gab Shelar dem Captain die Information weiter, die Sie auf den Kontrollen ablas. „Lieutenant Sanchez gehen Sie unter Warp und passen Sie unsere Geschwindigkeit an. Auf den Schirm mit maximaler Vergrößerung. Fähnrich Kester, versuchen Sie eine Kommunikationsverbindung“ wies Frank seine Crew an.
Die Scimitar verließ den Warptransfer und holte langsam auf. Das Schiff der Akira Klasse schien unbeschädigt zu sein, trotzdem war sie nur mit einem viertel Impuls unterwegs. Die Vulkanierin betätigte die Kontrollen ihrer Konsole und schüttelte mehrmals langsam den Kopf. Anscheinend schien sie den angezeigten Werten nicht vertrauen zu wollen. Aber es schien sich kein anderer Wert bestätigen zu lassen. „Captain, kann ich Sie bitte in Ihrem Raum sprechen, es ist wichtig!“ erklärte Shelar knapp und tippte einige Befehlssequenzen in ihre Konsole bevor sie ihren Platz verließ. Frank Dekkers schien überrascht, gerade jetzt wo man das Schiff unversehrt gefunden hatte, dachte er dass man wenigstens noch einen Achtungserfolg haben würde, wenn schon die Crews der anderen Schiffe als verloren gelten mussten. Der Captain nickte Shelar zu und sah Jonathan West an „Übernehmen Sie bitte kurz, ich bin gleich wieder da.“ Frank Dekkers folgte der Vulkanierin zu seinem Bereitschaftsraum. Als sich die Türe hinter Ihnen geschlossen hatte aktivierte Shelar das Wanddisplay und rief die Daten ab, die sie eben an diese Konsole weitergeleitet hatte. Die Aufstellung der Angaben war nahezu überdeutlich, aber das schlimmste war die in blinkender roter Fettschrift aufleuchtende Angabe: ‚SP07 OMEGA ALPHA’. Niedergeschlagen ließ er sich auf das Sofa sinken. Das war eine schlechte Nachricht. Sie passte zu den gesamten Vorkommnissen des Tages und ließ nur einen Schluss zu.
„Computer zeige den Überbrückungscode für die U.S.S. Okinawa an. Autorisation Dekkers Eins Alpha Eins Delta!“ Einige Verarbeitungstöne waren zu hören, dann erschien auf dem Tischdisplay eine mehrstellige Buchstaben und Zahlenkombination. Frank stand auf und ging langsam zu seinem Schreibtisch. Er aktivierte seine Konsole stellte eine Verbindung zur Okinawa her und tippte die Codesequenz ein um Zugang zu den Brückenkontrollsystemen zu erhalten. Durch das Fenster konnte er sehen, dass die Scimitar das Schiff gerade eingeholt hatte und knapp hinter ihm blieb. Auf dem Schirm erschien nun eine Auswahl an Befehlssequenzen und Frank wählte die Schilde aus, die er mit einem Druck auf die entsprechende Sensorfläche herunterließ. Frank tippte auf seinen Kommunikator. „Lieutenant Rivera, bitte melden Sie sich in meinem Bereitschaftsraum. Dekkers Ende.“ Es dauerte nur zwei Minuten bis das Türsignal ertönte und Frank den jungen Mann einließ.
„Lieutenant, sagt Ihnen der Code ‚SP07 Omega Alpha’ etwas fragte der Captain, der seine Hände hinter dem Rücken verschränkt hatte, genau wie es auch Shelar gerade tat. „Aye Sir, der Code wurde von der Sternenflotte eingeführt um zu vermeiden dass ein Schiff mit einer durch den Feind übernommenen, verletzter, oder bewusstloser Crew den Warptransfer nicht verlassen kann. Wird nicht innerhalb von einer vorgegebenen Zeitspanne die aktuelle Geschwindigkeit durch den Steuermann oder einen anderen Brückenoffizier bestätigt, dann fällt das Schiff unter Warp und fliegt bei maximaler Schildleistung, aber nur mit einem Viertel Impuls weiter um eine Rettungsoperation zu ermöglichen. Eine Kurskorrektur ist dann nicht mehr möglich. Änderungen werden automatisch vorgenommen, sollte das Schiff einem Planetensystem zu nahe kommen.“ Frank nickte für die fast wortgetreue Wiedergabe dieser Flottenregel. Erst jetzt sah Lt. Rivera aus dem Fenster und erkannte die Okinawa direkt voraus. „Oh nein, bitte nicht!“ sagte der Lieutenant. „Ich fürchte leider doch. Wie Sie auf diesen Daten sehen, können wir auf dem Schiff zwar überall organische Materie orten, aber nicht ein einziges Lebenszeichen. Entweder wurden alle umgebracht, oder die Crew ist aus einem anderen Grund verstorben. Momentan wissen wir noch nicht was passiert ist, aber wir müssen auf alles gefasst sein.“ Erklärte die Vulkanierin und wies dabei auf das Wanddisplay.
„Ich weiß, Sie sind für solche Einsätze ausgebildet und trainiert. Sie haben auch auf diesem Schiff schon ihre Professionalität bewiesen, aber wir wissen nicht, was uns dort drüben erwartet. Wir werden hinüber beamen aber ich möchte fürs erste das Team klein halten. Damit meine ich Sie, zwei Ihrer Männer, sowie die gleiche Anzahl an Sicherheitsoffizieren. Ich werde Sie begleiten. Suchen Sie sich Leute aus, die nicht schlapp machen, ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache. Wir treffen uns in fünf Minuten im Transporterraum drei. Das ist alles.“ Während der junge Lieutenant sich umdrehte und den Raum verließ kam Shelar nun auf den Captain zu. „Captain, ich möchte ebenfalls dabei sein. Ich kann eine große Hilfe sein, wenn es darum geht genau zu ergründen was dort passiert ist. Zudem empfehle ich zusätzliche Sicherheitsprotokolle.“ Dieser Tatsache konnte sich Frank nicht entziehen. Wenn es darum ging logische Schlüsse zu ziehen, dann war an einem Vulkanier einfach nicht vorbeizukommen. Frank nickte und tippte sich erneut auf die Brust um den Kommunikator zu aktivieren. „Mr. West, wir werden mit einem kleinen Team auf die Okinawa beamen. Halten Sie hier die Stellung und informieren Sie uns, sollte etwas Ungewöhnliches passieren. Dekkers Ende!“
Kapitel 17
Captain Devero lief nun schon seit mehr als zwei Stunden langsam auf der Brücke der Avatar auf und ab und wartete darauf seinen Auftrag zu erhalten. Admiral Winters hatte ihm zugesagt, dass er, wenn alles so weit in Ordnung war sein Schiff in Dienst stellen würde. Das war vor fast genau drei Stunden gewesen. Aber obwohl es sicherlich hunderte von dringlichen Aufträgen gab, saß er immer noch hier auf der Antares Flottenwerft inmitten des Dockbereiches fest. Es musste doch einfach sein, eine Aufgabe für ihn zu finden. In den letzten Tagen hatte er intensiv mit seiner Crew trainiert. Alle Handgriffe saßen, jeder wusste wo sein Platz war und wo man ihn ihm Notfall brauchen würde. All diese Kleinigkeiten hatte er inzwischen erledigt, nur damit man ihn nicht abwimmeln konnte mit der fadenscheinigen Ausrede, seine Crew sei noch nicht bereit mit dem neuen Schiff auf eine anspruchsvolle Mission zu gehen. Er hatte genug von diesem Leben auf der Sternenbasis, er wollte wieder hinaus in das kalte All, wo ihn keiner gängelte, sich über ihn hinwegsetzte oder ihm Vorschriften machte. Schon gar keiner von der Sorte wie dieser junge Captain, der glaubte, nur weil er ein neues Design für die Flotte entwickelt hatte, sei er nun etwas Besonderes. Er hatte schließlich nicht alle Schwierigkeiten überwunden um nun doch nicht zum Zuge zu kommen. Es hatte lange gedauert Captain Fascari davon zu überzeugen, dass er seinen Gefallen auf diese Weise von ihm einfordern wollte. Aber er hatte letzten Endes zugestimmt. Er war auch der Einzige der einen Tellariten an Bord hatte, der das nötige Geschick besaß diese Aufgabe zu bewältigen ohne Spuren zu hinterlassen. Schließlich hatte auch die Sternenflotte Sicherheitsprotokolle, die man nicht so einfach umgehen konnte. Aber ein geschickter Programmierer konnte es fertig bringen, beim standardmäßigen Sichern der Daten einfach eine falsche Datei abzustellen.
Und tatsächlich, beim Besuch des Admirals mit seinem Stab hatte heute morgen alles perfekt funktioniert, obwohl Captain Devero gesehen hatte, dass Admiral Winters fast jede Angabe mit denen seines Padds verglich, ohne jedoch eine einzige Abweichung feststellen zu können. Der anschließende Test des Kopplungsmanövers war reine Routine und ließ nicht den Hauch einer Unsicherheit erkennen. Bevor der Admiral das Schiff verließ hatte ihn Captain Devero noch einmal höflich an ihr Gespräch erinnert, bei dem er zugesichert hatte das Schiff in Dienst zu stellen, sofern alles in Ordnung war.
Aber der Admiral ließ sich Zeit. Zuviel Zeit nach Meinung von Captain Devero. „Captain, eine Nachricht von Admiral Winters!“ meldete die junge Frau an der Kommunikationskonsole. „Verdammt, das wird aber auch Zeit!“ wetterte der Captain, trat vor den zentralen Stuhl und nickte dem Fähnrich zu. Auf dem Bildschirm verschwand der Blick in das Dock und Admiral Winters Büro war zu sehen. Der Admiral stand vor seinem Schreibtisch. „Captain, vielen Dank noch einmal für Die Mühe, die sie sich bei unserem Rundgang und mit der anschließenden Bewirtung gemacht haben, das wäre nicht nötig gewesen. Nun, nachdem ich mir Ihr Schiff angesehen habe und es den Erwartungen entspricht, Sie alle Tests abgeschlossen und sogar die Crew eingewiesen haben bleibt mir wohl nichts anderes mehr übrig, als Sie mit diesem neuen Schiff wieder in den aktiven Dienst zu versetzen. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass Sie ein wenig zu viel des Guten getan haben um uns davon zu überzeugen, dass wir Sie und Ihre Crew wieder da hinaus schicken. Aber das scheint wohl bei allen Captains gleich zu sein, sie scheinen sich auf einer Basis einfach nicht wohl zu fühlen.
Wir haben eine kleine Flotte im Kareyas Sektor verloren. Eines unserer Schiffe ist bereits dahin unterwegs, aber ich möchte die Avatar auch gerne dort wissen. Das Waffenpotential und die Möglichkeit zwei unabhängig arbeitende Schiffe zu bilden, könnte durchaus nützlich sein bei diesem Auftrag. Ich übertrage Ihnen die Daten der vermissten Schiffe. Die Leitung der Operation wird das Schiff übernehmen, welches bereits vor Ort ist. Viel Erfolg Captain!“ Damit war die Übertragung beendet. Captain Devero wollte zwar noch wissen, welches Schiff er denn nun treffen sollte und wer die Leitung über diese Operation haben würde aber er wollte den Admiral deswegen auch nicht noch einmal erneut kontaktieren. Es würde sich schon zeigen und er mit seiner Kommandoerfahrung könnte seine Qualitäten dann sicher ausspielen.
„Lieutenant Singer, informieren Sie den Dockmeister er soll die Raumtore öffnen und dann raus mit dem Schiff. Sowie die Tore offen sind ein viertel Impuls voraus. Wir setzen Kurs auf den Kareyas Sektor!“
Kapitel 18
Insgesamt acht Personen materialisierten sich in Schutzanzügen auf der Brücke der Okinawa. Es war stockdunkel und das erste was sie taten war die Scheinwerfer am Helm zu aktivieren. Frank Dekkers hörte wie sich einer der Sicherheitsleute in seinen Helm übergab. Noch war im Scheinwerferlicht nicht viel zu erkennen, aber es reichte um einen besonders gruseligen Anblick zu bieten. Von den Stühlen auf der Brücke stand nur noch derjenige der Conn, alle anderen waren herausgerissen und lagen an der hinteren Wand der Brücke, zusammen mit den zerschmetterten Körpern der Brückencrew. Shelar prüfte mit einem Trikorder die Atmosphäre und gab dann Entwarnung. Alle öffneten den Helm und Miguel Rivera ging zu der zunächst stehenden Konsole und schaltete das Licht auf der Brücke ein. Der Anblick war grauenerregend. Kein Horrorfilm konnte diesem Szenario das Wasser reichen. Nicht einer der Körper, die an der hinteren Wand lagen war noch in seinem ursprünglichen Zustand. Es sah fast so aus, als habe man die Männer und Frauen mit einer übergroßen Faust regelrecht zerquetscht. Überall waren Blut und Innereien verspritzt, hatten sich zu einem unkenntlichen Brei vermischt. Das Team stand für einige Minuten nur schreckensbleich auf der Brücke und starrte den großen roten Fleck an der hinteren Wand an. Nur langsam erwachten sie aus ihrer Lethargie. Es war ein Glück, dass das Umweltsystem noch intakt war, denn sicherlich waren die Leichen oder das was noch von ihnen übrig war schon im fortgeschrittenen Stadium der Verwesung. Aber durch die Luftreinigungsanlage hing nur ein leicht süßlicher Geruch in der Luft. Shelar war inzwischen an die Wissenschaftskonsole getreten und suchte nach dem Computerlogbuch. Das Schiff schien tatsächlich unbeschädigt zu sein und so konnte Sie das gesuchte File recht schnell lokalisieren und aufrufen. Auf dem Hauptschirm erschien der Kahle Kopf von Captain Werantas. Seine weiche, einfühlsame und ruhige Stimme passte irgendwie nicht zu dem was er berichtete und wie es nun hier aussah.
„Computerlogbuch der Okinawa, Nachtrag. Die angreifenden Schiffe haben sich direkt auf die Wolga, die Kopenhagen und die Budapest gestürzt. Eines der fremden Schiffe hat die Wolga mit einer hochenergetischen Waffe beschossen. Aber unsere Schiffe waren noch nicht so stark beschädigt, dass sie keine Waffen mehr hätten abfeuern können. Sie und wir haben gekämpft und die Angreifer zurückgedrängt. Als wir sicher sein konnten, dass wir sie gestoppt hatten, sind wir dann alle auf Warp gegangen. Aber ich konnte unsere Schiffe im Warptransfer nicht ausmachen. Also habe ich allen Schiffen den vollen Stopp befohlen. Als wir unter Warp gingen waren die Fremden plötzlich wieder da, aber von unseren Schiffen war nichts mehr zu sehen. Ich muss davon ausgehen, dass sie unsere Schiffe aufgebracht und zerstört haben. Ich hatte noch keine Zeit um eines unserer Schiffe zu suchen. Unsere Rufe blieben bislang unbeantwortet.
Jetzt waren wir dran. Während vier der kleineren Schiffe die Okninawa umkreisten wie einen Bienenkorb, hat eines der anderen Schiffe wieder diesen hochenergetischen Strahl auf uns abgefeuert. Es hat ganz schön an unserem Schiff gerissen, aber scheinbar hat es nur einige Leitungen erwischt. Unsere Schilde halten wahrscheinlich mehr aus, als man allgemein hin annimmt. Unser Wissenschaftsoffizier hat die Schiffe anhand ihrer Antriebssignatur als Breen eingestuft. Das könnte möglich sein, denn ein solches Design habe ich noch nie gesehen. Zunächst hatten wir in Erwägung gezogen sie anzugreifen, aber gegen fünf Schiffe hätten wir sicherlich nicht bestehen können. Doch Lt. Karasses konnte mir glaubhaft versichern, dass ihr Antrieb nur für Warp sechs gut genug ist. Wir werden daher auf Warp acht beschleunigen und hoffen damit Erst einmal aus ihrer Reichweite zu kommen. Unser Chefingenieur hat einen Weg gefunden unsere Antriebssignatur zu verbergen, so dass man uns nicht folgen kann. Danach werden wir uns noch einmal um unsere anderen Schiffe kümmern, in der Hoffnung, dass vielleicht nur wieder der Antrieb versagt hat. Captain Werantas, Eintrag Ende“
Shelar schaltete die Aufzeichnung ab. Alle sahen betroffen noch für eine Minute auf den bereits erloschenen Schirm und fanden keine Worte. Dann endlich ergriff der Captain das Wort und wandte sich an die Wissenschaftlerin. „Lieutenant, überspielen Sie die kompletten Logbücher und auch das Systemlogbuch auf unser Schiff, wir müssen unbedingt herausfinden, warum es zu dieser Katastrophe gekommen ist.“
Die Frage was passiert war musste keiner stellen, zu deutlich sah man die Auswirkungen, vor denen man in der Sternenflottenausbildung immer gewarnt hatte und die inzwischen zum Glück nur noch in sehr seltenen Fällen wirklich auftraten. Eines der wichtigsten Lebenserhaltungssysteme hatte versagt. Obwohl es weder für die Aufbereitung der Atemluft, der Stabilisierung der Temperatur oder der Nahrungssynthesizer waren und somit nicht einmal tatsächlich zu den Lebenserhaltungssystemen zählte, so war doch das Trägheitsdämpfungsfeld eines der wichtigsten elementarsten Dinge, welches man auf einem Sternenflottenschiff mit Warpantrieb benötigte. Bei Aktivierung des Warpantriebes wurde ein Raumschiff schlagartig auf hohe Überlichtgeschwindigkeit beschleunigt. Für das Schiff als solches war dies kein Problem, wohl aber für die Personen, die logischerweise nicht mit dem Schiff verbunden waren. Die gnadenlose Beschleunigung führte dazu, dass es jeden von den Füßen riss. Mehr noch, die Beschleunigung war so stark, dass man praktisch von seinem eigenen Körpergewicht regelrecht zerquetscht wurde.
Die Crew war genau in dem Moment gestorben als sie auf Warp gegangen waren. Dabei war es unerheblich ob man den Faktor eins oder den Faktor acht gewählt hatte, da der Menschliche Körper nicht einmal den Aufprall aus einer Geschwindigkeit von fünfzig Kilometern pro Stunde überleben würde. Das Trägheitsdämpfungsfeld verhinderte diesen Effekt. Mehr noch, die vielen Subsysteme und Unterprogramme, die Hilfsstabilisatoren und Notsysteme hätten bei einem Ausfall den Warpantrieb gar nicht erst in Betrieb genommen. Insofern war dieser Zwischenfall immer noch ein besonderes Rätsel, ein Rätsel, welches man möglichst schnell lösen musste, wollte man nicht Gefahr laufen selbst in diese Situation zu kommen.
„Lieutenant Rivera, ich möchte, dass Sie dieses Schiff wieder so weit Klar machen, dass es einer weiteren Verwendung der Flotte zugeführt werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass dies eine besonders unangenehme Bürde ist. Aber auch ich habe meine Befehle und die lauten nun mal, dass ich jedes Schiff, sofern es noch zu gebrauchen ist zur Sternenbasis zur Reparatur bringen muss. Glauben Sie, dass Sie das schaffen werden?“ Frank machte dabei eine umfassende Handbewegung, die andeuten sollte, dass die gesamte Brücke und natürlich auch der Rest des Schiffes gemeint war. Der junge Lieutenant nickte stumm. „Nehmen Sie sich so viele Männer wie sie brauchen, ich denke mal, dieser Anblick ist nichts für Frauen. Erklären Sie die Situation in Einzelgesprächen und nur denjenigen, denen Sie zutrauen so einen Job zu übernehmen. Verpflichten Sie jeden zu Stillschweigen. Es ist schon hart genug für die Leute. Wenn Sie die wichtigen Räume erledigt haben, schicken wir ein Technikerteam hierher, das den Antrieb prüft und wieder flott macht.“ Langsam fand Miguel Rivera wieder zu seiner Stimme. „Aye Sir. Es wird schon gehen. Mit den entsprechenden Geräten werden wir recht schnell wieder alles sauber bekommen, auch wenn die Unordnung erst einmal warten muss!“ Damit meinte er natürlich all die anderen losen Gegenstände die sich überall im Schiff befanden. Auch ihnen wurde die extreme Beschleunigung zum Schicksal, man würde sie daher alle an der Wand finden die zum Heck des Schiffes zeigte. Aber dann schob er gleich noch eine Bitte hinterher. „Wir werden einige mobile Transportverstärker benötigen, die auf molekularer Ebene die DNS identifizieren können, wenn Sie wissen was ich meine.“ Captain Dekkers wusste genau was damit gemeint war. Um die einzelnen Leichen zu trennen, was augenscheinlich kaum noch möglich war, konnte man die mobilen Verstärker dafür verwenden, dass nur all das beamte, was zu einer bestimmten DNS gehörte. So hatte man für jeden Sarg etwas, auch wenn dass was man darin aufbewahrte nicht mehr an einen Menschen erinnern würde.
Während der Lieutenant des Rescue & Recovery Teams zusammen mit einigen Ärzten und speziell ausgewählten Personen an die Arbeit gingen um die Okinawa wieder flott zu machen, hatten sich Frank Dekkers, sein erster Offizier und die Leiterin der Wissenschaftsabteilung Shelar in den Besprechungsraum zurückgezogen um zu analysieren, was dieses Unglück tatsächlich verursacht hatte. Man hatte noch einige weitere Eintragungen aus dem Logbuch des Captains angesehen, die teilweise sogar bis zu dem Kampf an der Frontlinie zurückgingen. Aber man hatte immer noch keinen wirklichen Ansatzpunkt, bis Shelar die Sensorenwerte und die Systemlogbücher auswertete. „Captain, ich gehe davon aus, dass wir die Ursache und auch die Motivation eingrenzen können.“ Erklärte die Vulkanierin. Der Captain sah vom Logbuch des Chefingenieurs auf, in dem er Verschiedene Angaben zur Antriebsenergie und –Verteilung prüfte. „Was haben Sie?“ wollte er wissen. Er war ein wenig erschöpft, das konzentrierte Suchen nach einer Antwort, die hier irgendwo verborgen sein musste ermüdete einen sehr stark. „Ich schätze mal meine Theorie wird Ihnen nicht gefallen, aber es scheint mir die einzig logische Alternative zu sein.“ Der erste Offizier und Captain Dekkers schauten auf und Shelar begann zu erklären:
„Captain Sanders erklärte uns, dass es die Jem’Hadar entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten nur darauf angelegt hatten einige unserer Schiffe zu beschädigen, aber nicht zu zerstören. Man wollte also, dass die Schiffe so stark beschädigt sind, dass eine Reparatur nur in einem Raumdock erfolgen konnte. Bei den Logbucheintragungen von Captains Werantas ist mir aufgefallen, dass man sich bei den Gefechten nur auf neue Schiffe konzentriert hat. Die Norway Klasse, Steamrunner und Sabre Klasse. Dazu als Schutz auch noch eines der leistungsfähigsten Schiffe, eines der Akira Klasse.
Sie werden das nicht gerne hören, aber es war eine Falle. Eine gut durchdachte und perfide Falle. Es darf wohl als gesichert gelten, dass die Breen mit dem Dominion sympathisieren. Ihr Einflussgebiet liegt nahe an der Grenze zur Föderation, bislang gab es keinen besonderen Grund, diese Grenze so stark abzusichern. Eine perfekte Gelegenheit eine neue Waffe an unseren aktuellsten Schiffen zu testen, ohne die Gefahr einer Niederlage zu riskieren. Sie wollten nicht unsere Schiffe verfolgen um eventuell die Operationsbasis auszukundschaften oder womöglich zu zerstören. Unsere Schiffe dienten den Breen als Versuchsobjekte und sie haben sie so lange mit ihrer neuen Waffe beschossen, bis sie letzten Endes auseinander gebrochen sind, deshalb auch das hohe Niveau an Strahlung welches wir an den Bauteilen gemessen haben. Das hat aber bei der Akira Klasse mit intakten Schilden und nicht beschädigter Struktureller Integrität nicht vollständig funktioniert. Aber den Sensorenwerten zufolge ist es bei der Aktivierung des Warpantriebs zu einem Kaskadenfeedback im System der Trägheitsdämpfer gekommen, was das System kollabieren ließ, ohne die Sicherheitsprotokolle auszulösen. Das Schiff ist mit hoher Warpgeschwindigkeit für die Dauer, von dreißig Minuten und zweiundzwanzig Sekunden los geflogen. Da es kaum einen Sinn gemacht hätte die Verfolgung mit unterlegenem Antrieb aufzunehmen, heben sich die Breen zurückgezogen. Die Sensoren zeigen, dass beim Auftreffen der Waffe an der Okinawa stark wechselnde magnetische Felder erzeugt wurden, welche zunächst die Schilde durchdringen und letztendlich die Struktur des Schiffes regelrecht zerreißen können. Ich vermute, die Waffe ist noch nicht vollständig ausgereift. Das Kaskadenfeedback war sicherlich nur eine ungewollter Nebeneffekt!“
Jonathan West sprang von seinem Stuhl auf und seine Stimme überschlug sich fast als er der Vulkanierin entgegenrief: „Ein ungewollter Nebeneffekt? Ich bitte Sie. Da drüben sind fünfhundertundzwölf Männer und Frauen ums Leben gekommen, einige davon habe ich persönlich gekannt und Sie sagen uns, dass war nur ein ungewollter Nebeneffekt?“ Der Captain hatte die Ausführungen seiner Wissenschaftsoffizierin genau verfolgt. Es machte Sinn was sie vortrug, auch wenn es bisweilen etwas herzlos war, was bei Vulkaniern allerdings nicht sehr verwunderlich war. „Jonathan bitte, setzten Sie sich wieder hin. Ich bin mir sicher sie hat es nicht so gemeint. Sie wollte uns nur die Fakten präsentieren. Sie wissen doch, Vulkanier neigen dazu alles rein pragmatisch zu sehen. Mit Gefühlen und Emotionen können sie nicht viel anfangen. Das sollten Sie wissen, Sie sind lange genug in der Flotte.“ Da hatte der Captain Recht. Normalerweise war alles was die Vulkanier taten, sagten und vorschlugen immer nur von reiner Logik geprägt. Aber in diesem Fall, wo es um Bekannte, Freunde und Kameraden ging, da war die Haut recht dünn geworden, die einen normalerweise davor schützte allzu viel Anteil an diesen Dingen zu nehmen. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Breen ihr Werk vollenden wollen, denn sie können es sich nicht leisten, dass die Föderation das Wissen über diese Waffe zu früh erhält. Es ist anzunehmen, dass sie das Schiff suchen werden und früher oder später hier auftauchen werden.“ erklärte Shelar dem Captain. „Na dann hoffentlich besser später, wenn wir die Okinawa wieder klar gemacht haben und unsere Verstärkung kommt. Dann haben wir wenigstens eine gewisse Chance.“ sagte Frank ein wenig resigniert, in der Aussicht auch noch in einen Kampf verwickelt zu werden.
Aus der Audioanlage war die Stimme vom Leiter des Rescue Teams, Lieutenant Rivera zu hören. „Captain, wir können den Antrieb der Okinawa jetzt abschalten. Die Reparaturen sind so weit fortgeschritten, dass der Warpreaktor zumindest vom Maschinenraum aus wieder bedient werden kann. Allerdings würde ich vorerst davon abraten ihn für den Antrieb zu verwenden, bevor wir nicht sicher sein können, dass das Trägheitsdämpfungsfeld wieder voll funktionsfähig ist. Es wäre nett, wenn Sie uns mit dem Traktorstrahl ins Schlepp nehmen würden, damit wir nicht verloren gehen.“ Der Captain nickte dem ersten Offizier zu der sofort aufstand um auf die Brücke zu eilen und die entsprechenden Anweisungen zu geben.
Es war ein harter Tag gewesen und Jonathan West hatte sich schwer zurückgenommen. Nicht nur weil er ständig darauf achten musste, das er sich keinen weiteren Lapsus leisten wollte, sondern auch um dem Captain nicht ständig in die Parade zu fahren. Er sah viele Dinge anders als der Captain, aber bei seinen bisherigen Versuchen ihm seine Meinung klar zu machen hatte er immer das Gefühl als wenn er wie ein Kind oder ein unreifer Erwachsener behandelt werden würde. Heute hatte er sich vorgenommen, jemanden zu kontaktieren, den er respektierte, auch wenn er ihn nur kurz kennen gelernt hatte. Aber er war der Meinung dass er eher von ihm eine ehrliche Einschätzung erhalten würde, als vom Captain. Während aus dem Nebenquartier zu seiner rechten nicht ein Laut zu hören war, wahrscheinlich weil die Vulkanierin wieder einmal meditierte, konnte er von links deutliche Jazzmusik hören, die vom Quartier des Doktors zu kommen schien. Diese Art von Musik machte ihn irgendwie nervös aber er versuchte es zu unterdrücken und wandte sich seiner Nachricht zu, die er allerdings nur als Text verfasste. Er begann damit einige einleitende Worte zu schreiben und schilderte dann was in der letzten Zeit vorgefallen war. Es war nicht zu übersehen, dass er eine deutliche Portion Ironie und Sarkasmus in seine Zeilen einfließen ließ aber er wollte auch seinen Ärger und seinen Unmut darüber zum Ausdruck bringen, dass man ihn nun schon seit Monaten am ausgestreckten Arm verhungern ließ. Zwar schien es der Mannschaft egal zu sein, welchen Rang er begeleitete, aber er sah sich in seinen Rechten als erster Offizier beschnitten, weil man ihn nicht in den Rang eines Commanders versetzte. So füllten sich die Zeilen und zum Schluss blieb nur noch die Bitte, ihm doch einen Rat zu geben, wie er sich nun verhalten solle, damit ihn der Captain endlich akzeptieren würde. Er schloss die Nachricht ab und stellte sie in den Speicherbereich ab, der bei der nächsten Kommunikation mit der Sternenbasis automatisch mit übertragen wurde. Er wusste, dass Captain Dekkers immer spät abends seinen Bericht zusammenstellen und dann an die Basis absenden würde. So würde Commander Rychek sicher schon morgen früh seine Botschaft erhalten. Mit etwas Glück konnte er dann vielleicht schon morgen Abend mit einer Antwort rechnen.
Kapitel 19
Der Captain hatte dem Schiff die volle Antriebsleistung abgefordert. Obwohl diese immerhin deutlich mehr als Warp 9,75 betrug, war er dennoch nicht damit zufrieden. Es war bereits 4:30 Uhr am Morgen und er hatte sich vorgenommen sein Ziel möglichst bald zu erreichen. Der Maschinenraum musste damit klarkommen, dass der Captain eben die Entscheidung darüber hatte, wie schnell man flog. Es war bis auf die Brücke zu hören und nicht nur das, man konnte es auch fühlen, dass die Aggregate einer extrem hohen Belastung unterlagen, die schon weit hinter der Schmerzgrenze lag. Feine aber harte Vibrationen, die dem Pulsieren des Antriebs entsprachen waren allgegenwärtig. Mehrmals schon hatte der Chefingenieur die Brücke informiert, dass man diese hohe Geschwindigkeit nicht mehr lange würde aufrechterhalten können, aber der Captain hatte eine Reduzierung der Antriebsleistung wiederholt abgelehnt.
„Sir, ich empfange zwei Schiffe voraus, das Schiff der Akira Klasse ist eines davon.“ Captain John Devero der entspannt in seinem Stuhl auf der Brücke saß, gab sofort die entsprechenden Kommandos. „Lieutenant, gehen Sie so unter Warp, dass wir möglichst nah rankommen. Fähnrich, eine Kommunikation mit dem Führungsschiff.“ In seiner Überheblichkeit hatte er gar nicht daran gedacht zu fragen, wer denn das andere Schiff sei, er konnte sich auch nicht vorstellen, dass es für ihn überhaupt von Interesse gewesen wäre. Umso mehr war er überrascht zu sehen, dass die Brücke des anderen Schiffes, die nun auf dem Bildschirm erschien, scheinbar ein Ebenbild seiner Brücke war.
„Hier ist die U.S.S. Scimitar, willkommen im Kareyas Sektor. Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie die Verstärkung sind, die man uns angekündigt hat?“ war die Stimme einer Vulkanierin zu hören, die vor dem zentralen Stuhl stand und die Arme hinter dem Rücken verschränkt hatte. Captain Devero war für einen Moment völlig sprachlos, aber dann überwältigte ihn ein unbändiger Zorn auf Admiral Winters und seinen Auftrag. Es war klar, dass der Admiral ihm speziell diesen Auftrag erteilt hatte. Er hätte ihm Hunderte, ach was, Tausende eiliger und wichtigerer Dinge befehlen können, aber nun kam er wieder genau dahin, wo er am allerwenigsten sein wollte, nämlich in die Nähe dieses aufgeblasenen Widerlings, der sich etwas auf seine Leistungen einbildete. John Devero wollte gerade fragen ob denn nicht auch ein hochrangigerer Offizier verfügbar war. Ohne Zweifel wäre es ihm ein Fest gewesen diesen jungen Schnösel aus dem Bett zu schrecken, aber nicht einmal dieses Vergnügen war ihm gegönnt. Denn Frank Dekkers betrat die Brücke der Scimitar.
„Guten Morgen Captain Devero. Wie ich sehe, haben Sie ihr neues Schiff bereits erhalten. Ich bin erstaunt, dass Sie die Avatar doch so schnell fertig stellen konnten. Es sind gerade einmal ein paar Wochen vergangen. Wir hatten die Fertigstellung zu einem viel späteren Zeitpunkt veranschlagt.“ Devero machte eine abfällige Handbewegung, deren Sinn Frank verborgen blieb. „Nun, meine Leute sind vielleicht in der Lage anfallende Aufgaben etwas schneller zu erledigen wie Andere. Das liegt vielleicht auch an der Motivation und daran wie sie geführt werden. Aber nun zu unserem Auftrag. Ich hörte von Admiral Winters, dass es vier Schiffe seien, die zur Sternenbasis aufgebrochen sind, haben Sie vielleicht einige davon verloren?“ Ließ Captain Devero seinem Sarkasmus freien lauf. „Nun aus Ihrem Mund klingt das, als hätte ich einige meiner Spielsachen auf dem Nachhauseweg verloren. Aber seien Sie versichert, es ist weitaus schlimmer. Gehen Sie längsseits, wir erörtern das in Kürze. Lassen Sie Ihr Schiff in volle Bereitschaft bringen, die Sensoren sollen nach weiteren Schiffen scannen, größtmögliche Reichweite. Ich bin um 08:00 Uhr bei Ihnen.“ Obwohl es Captain Devero nicht in den Kram passte, dass Frank Dekkers Ihn erst um Acht Uhr informieren wollte, war es ihm wichtig zu kontern. „Nein, nein, machen Sie sich keine Mühe. Ich werde kommen. Pünktlich um Acht Uhr stehe ich in Ihrem Besprechungsraum.“ Der Captain der Avatar wollte es auf jeden Fall vermeiden, dass dieser Mann noch einmal auf sein Schiff kam. Dieser Offizier könnte etwas aufdecken, dass er mühevoll unter den Teppich gekehrt hatte. Frank nickte dem Captain auf dem Schwesterschiff zu. „In Ordnung, dann bis später!“ Damit verschwand die Bildkommunikation und Captain Devero nutze die Gelegenheit um sich auch noch für ein paar Stunden aufs Ohr zu legen. Er übergab das Kommando an seinen ersten Offizier und verließ die Brücke.
Die Scimitar und die Avatar flogen einträchtig neben einander her, während die Okinawa noch immer mit dem Traktorstrahl gezogen wurde. Auch trotz großer Anstrengungen war es dem Team um Chefingenieur Edward Williams noch nicht gelungen den Fehler im System einzugrenzen, so dass man sichergehen konnte, dass sich ein ähnliches Szenario nicht noch einmal ereignen konnte. Es war von existentieller Bedeutung genau herauszufinden, wie dieses Kaskadenfeedback entstanden war, denn nachdem Eddie vom Captain über die Sachlage aufgeklärt worden war, hielt er es für durchaus möglich, dass die Breen bereits auf der Suche nach der Okinawa waren. Schließlich wäre es ein unentschuldbarer Fehler, wenn man nicht alle Informationen über diese neue Waffe geheim halten würde, bis man sie voll ausgereift zum ersten Mal einsetzen würde. Unter diesen Umständen würde man beim ersten Angriff das maximale Schadenspotential erwarten können. Genau das war der Grund, warum der Chefingenieur und seine Leute so fieberhaft an den Systemen der Akira Klasse arbeiteten.
„Sie wollen mir also wirklich erzählen, dass die Breen, von denen wir bislang so gut wie nichts gehört haben, sich auf die Seite des Dominion gestellt haben? Was macht Sie da so sicher? Etwa diese nichts sagenden Eintragungen im Tagebuch des Deltaners? Nicht einmal der Geheimdienst der Sternenflotte hat etwas ähnliches Verlauten lassen!“ antwortete Captain Devero schroff, nachdem er den Bericht von Frank Dekkers gehört und die dazugehörenden Aufzeichnungen gesehen hatte. „Captain, sie können sich diesen Fakten nicht verschließen. Die Beschädigungen der drei Schiffe, die Situation auf der Okinawa sowie die Tatsache, dass man sich nur die neuesten Schiffe ausgesucht hat. Das sind klare Beweise.“ erklärte Shelar die Leiterin der Wissenschaftsgruppe emotionslos. „Beweise? Annahmen vielleicht, Vermutungen bestenfalls. Aber Sie können wohl kaum von Fakten sprechen. Ich sehe diese ganze Sache viel einfacher. Wer weiß was das für ein Schiff war und ob dieser Energetische Strahl überhaupt eine solche verheerende Wirkung haben könnte. Vielleicht waren es nur Piraten, Plünderer die sich an Föderationseigentum vergreifen wollten? Was weiß ich denn.“ wetterte der altgediente Captain. Schon oft hatten sich die Dinge in seiner langen Dienstzeit auf den Schiffen der Föderation als banale Sachen herausgestellt. „Und wenn schon, die sind bestimmt schon über alle Berge. Wir sollten zusehen, dass wir dieses Schiff da draußen wieder Flott bekommen und dann machen, dass wir nach Hause kommen.“ ergänzte Captain Devero. Captain Dekkers konnte seinen Kollegen nicht verstehen, schließlich lagen alle Informationen klar auf der Hand.
„Captain, ich möchte, dass Sie mit der Avatar in Bereitschaft bleiben und gehen Sie auf Alarmstufe gelb. Wenn es zutreffen sollte, was wir ‚vermuten’ dann sollten wir auf alle Fälle gerüstet sein. Lassen Sie das Scoutschiff besetzen, dann können wir im Ernstfall aus unseren zwei Schiffen eine kleine Flotte machen und haben wenigstens den Überraschungseffekt auf unserer Seite. Ihr Captains Shuttle im vorderen Frachtraum ist ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Trumpf. Wir sollten auch ihn nicht vergessen. Wenn wir wirklich angegriffen werden sollten, dann müssen wir alle Kräfte mobilisieren die wir haben.“ meinte Frank Dekkers.
„Wenn es denen wirklich nur darum geht, die Okinawa auszulöschen, dann sollten wir Sie ihnen vielleicht einfach überlassen, es wäre nur ein kleines Opfer für die Sternenflotte, denn wenn sie wirklich so stark sind, wie Sie das annehmen, dann könnte unsere Präsenz hier zu noch viel mehr Opfern führen. Zu unnötigen Opfern, möchte ich betonen. Vorausgesetzt, das was Sie hier Präsentiert haben würde überhaupt stimmen. Wir sollten möglichst schnell von hier verschwinden und das Schiff einfach aufgeben.“ Versuchte Captain Devero nun eine andere Taktik. Er wechselte seine Meinung so schnell wie eine Fahne ihre Richtung im Wind.
„Nein, wir werden bleiben. Ich lasse mir die Möglichkeit nicht entgehen die Okinawa wieder zur Basis zurückzubringen. Ist es Ihnen vielleicht auch schon mal in den Sinn gekommen, dass dieses Schiff vielleicht ein Prototyp ist, dass man, wenn wir ihn eventuell zerstören können, eine ganze Weile brauchen wird um einen neuen zu Bauen? Dass wir in der Zwischenzeit versuchen können unsere Schiffe mit Gegenmaßnahmen auszustatten? Vielleicht bedenken Sie auch mal diesen Nutzen für die gesamte Flotte anstatt nur in so kleinen Dimensionen zu denken. Außerdem habe ich eine Mannschaft an Bord der Okinawa die den Warpantrieb wieder funktionsfähig machen wird. Wenn das der Fall ist, können wir uns gerne mit Warpgeschwindigkeit wieder in Richtung Heimat auf den Weg machen.“ Frank war ein wenig gefrustet, dass Captain Devero dem Urteil und der Bewertung seiner Crew nicht vertrauen wollte. Nein, er war nicht gefrustet, er war sauer.
„Hören Sie junger Mann. Ich empfehle Ihnen dringend Ihre Umgangsweise zu überdenken. Sie haben hier kein Greenhorn sitzen, ich habe längere Zeit als Captain gedient, als Sie überhaupt in der Flotte sind. Also erzählen Sie mir nicht was ich zu tun oder zu lassen habe.“ sagte John Devero und gab sich keine Mühe seinen ärgerlichen Unterton zu verbergen. Er stand auf und warf das Padd abfällig auf den Tisch, so als wären die darauf gespeicherten Informationen es nicht wert überhaupt beachtet zu werden. Mit wenigen Schritten hatte er den Raum verlassen. Er kannte ja den schnellsten Weg zum Turbolift und wusste wo man den nächsten Transporterraum finden würde. Captain Dekkers schüttelte den Kopf. Er war sich sicher, dass sie die Gefahrenlage richtig eingeschätzt hatten. Dass John Devero so uneinsichtig sein würde, damit hatte er nicht gerechnet.
„Captain, dürfte ich einen Vorschlag machen?“ fragte Jonathan West, der ebenfalls der Besprechung beigewohnt hatte, sich aber die ganze Zeit im Hintergrund gehalten hatte. Frank machte eine winkende Handbewegung die bedeuten sollte, dass er sprechen könne. „Sie hatten vorhin den Wunsch geäußert möglichst gut vorbereitet zu sein. Auf der Okinawa sind nicht nur Shuttles stationiert. Es gibt dort auch acht Verteidigungsjäger und wir haben einige Piloten, die in der Sternenflotte eine Staffel geflogen sind. Es sind keine wirklichen Kampfpiloten, sie kommen schließlich direkt von der Akademie aber sie sind es gewohnt als Gruppe aufeinander Acht zu geben. Vielleicht wäre es ein Gespräch wert.“ Frank war überrascht woher kam plötzlich dieses Interesse? Bislang hatte der erste Offizier noch nie mit solchen Vorschlägen geglänzt. Aber in der momentanen Situation war alles was ihnen zum Vorteil gereichte nützlich. „In Ordnung Nummer Eins, veranlassen Sie das Nötige, aber denken Sie daran, dass wir auch einen guten Mann für die Agadem und nicht zuletzt auch Männer für die Okinawa brauchen.“
„Aye Sir. Ich werde mich sofort darum kümmern!“ antwortete Jonathan West und eilte auf die Brücke um diese Aufgaben sofort persönlich in die Hand zu nehmen.
Es hatte mehr als einen Tag gedauert den Auslöser des Kaskadenfeedbacks in dem Schiff der Akira Klasse ausfindig zu machen. Aber letztendlich hatte die Suche der Ingenieure und Wissenschaftler zum Erfolg geführt. Gleich drei Systeme hatten durch den überaus starken Energiestrahl des Gegners Schaden genommen. Zwei Systeme, die eigentlich als Zwischenpuffer ausgelegt waren hatten sich bei dem plötzlichen Energiebeschuss des Schiffes wie ein Kondensator aufgeladen. Beim Aktivieren des Warpantriebs hatten sie sich schlagartig entladen und dabei das Tragheitsdämpfungsfeld lahm gelegt. Obwohl die Offiziere nach wie vor von dem tragischen Tod Ihrer Kameraden geschockt waren, schien es sie ein wenig zu erleichtern, dass sie endlich die Ursache gefunden hatten. Die beschädigten Systeme waren inzwischen bereits ausgetauscht und es stand der Verwendung des Warpantriebs nichts mehr im Wege.
Jonathan West hatte am Abend eine Videobotschaft erhalten, die nur von einem stammen konnte. Carl Rychek. Der erste Offizier hatte es sich an seiner Computerkonsole gemütlich gemacht und war gespannt, wie der Offizier auf seine Mitteilung reagieren würde. „Computer, Nachricht von Commander Rychek abspielen.“ Aus der Audioanlage ertönten einige Verarbeitungstöne, dann war auf dem Schirm die Nachricht zu sehen. Der Commander saß in seinem Quartier und hatte die Kamera eingeschaltet, während er auf einem Padd die Nachricht des jungen Offiziers duchlas. Mit einem freundlichen Lächeln schaute er auf und legte das Padd ab. „Wissen Sie Jonathan, Sie haben ein Problem. Sie sind wie verbissen hinter diesem Titel her. Commander, Nummer Eins, Ausführender Offizier. Ich kann Ihnen nur eines sagen. Namen, Titel, Auszeichnungen. Das ist alles Schall und Rauch, wenn Sie verstehen was ich meine. Sie sind nicht von Bestand. Wichtig allein ist Ihre Leistung. Respekt von der Mannschaft, oder vom Captain, den bekommen Sie nicht einfach so, oder durch ein oder zwei Glanzparaden. So etwas erhält man durch gute anhaltende Leistung, da kann man sich auch mal einen Fehler erlauben. So etwas passiert, das zeigt, dass man noch ein Mensch ist. Eben ein unvollkommenes Wesen. Aber Sie müssen sich auf Ihre Erfahrungen stützen, auf das was sie gelernt haben. Jonathan, Sie sind doch kein Dummkopf. Ich weiß was Sie drauf haben und seien Sie sich sicher, Captain Dekkers weiß das auch. Er hat es mir selbst gesagt. Aber Sie wollen mit dem Kopf durch die Wand. So funktioniert das nicht. Wenn Sie Respekt vom Captain erwarten, dann müssen Sie sich auch seinen Respekt verdienen. Es ist wie ich es Ihnen schon damals auf der ersten Mission gesagt habe. Tun Sie das, was der Captain von einem guten ersten Offizier erwarten darf. Seien Sie ihm immer einen Schritt voraus. Vielleicht fragen Sie ihn auch einmal, was er damals gemacht hat, um in seinem Posten sattelfest zu werden. Beziehen Sie ihn ein, fragen Sie nach seinen Hobbies, ergründen Sie seine Gewohnheiten und versuchen Sie das Bindeglied zwischen Ihm und der Crew zu werden. Dann wird alles wie von Alleine gehen. Vergessen Sie ihren Ärger über den Rang. Stellen Sie sich einfach vor, sie wären längst Commander und achten Sie nicht mehr darauf wie man sie anspricht. Ich wünsche Ihnen alles Gute und drücke Ihnen die Daumen, Commander! Rychek Ende.“ Jonathan war ein wenig enttäuscht. Commander Rychek hatte ihm nichts anderes erzählt, als der Captain, wenn auch mit anderen Worten. Dennoch hielt er diese Worte für glaubhafter als die seines Captains. „Computer, deaktiviere das Terminal.“ wies er den Hauptrechner an und begab sich dann zur Nachtruhe. Er lag noch lange wach und überlegte, was Rychek gesagt hatte und welche Schlüsse er daraus für sich ziehen konnte. Die ganze Sache beschäftigte ihn so stark, dass er in einen unruhigen Schlaf sank, aus dem er immer wieder für kurze Zeit erwachte.