„Captain, das Erkundungsteam ist bereit um die Gegend in der Nähe des Störfeldgenerators zu untersuchen.“ Die Stimme von van Dyke ließ den Captain in seinem Raum hochfahren, sein Blick fiel sofort auf die alte Wanduhr, die hinter seinem Schreibtisch über dem kleinen Schrank hing. Ganze zweieinhalb Stunden hatte er auf seiner Couch geschlafen und fühlte sich trotzdem nicht merklich besser. Der Schlaf saß ihm noch in den Knochen aber die Gedanken an die Vergangenheit waren nur noch als dunkle Schatten in seinem Kopf zurückgeblieben und sanken langsam wieder in die Tiefe seiner Erinnerungen zurück wo er sie vor vielen Jahren begraben hatte. „Wikland hier, ich bin in zwei Minuten bei Ihnen Nummer eins.“
Der Captain stand auf und ging die wenigen Schritte in den kleinen Sanitärbereich, der sich an seinen Bereitschaftsraum anschloss. Er schaufelte sich mit den Händen das kalte Wasser ins Gesicht und trocknete sich kurz ab. Jetzt fühlte er sich den Anforderungen des Lebens wieder gewachsen. Mit festem Schritt trat er durch die Tür auf die Brücke, wo sein Erscheinen nun nicht mehr durch die übliche Meldung des Sicherheitsoffiziers quittiert wurde. Van Dyke erhob sich von seinem Platz und kam auf Wikland zu, „Captain, Commander Robinson hat sich bei mir gemeldet und darum gebeten seine Erfahrung und seine Techniken in diese Aufgabe mit einbringen zu dürfen. Ich habe ihn daher am Briefing für die Aktion teilnehmen lassen, habe ihm aber unmissverständlich mitgeteilt, dass seine Teilnahme nur mit Ihrer Genehmigung erfolgt.“ Der Captain überlegte kurz und antwortete dann: „Nun wenn er sich freiwillig meldet, dann gibt es zwei Möglichkeiten, entweder es ist Ihm langweilig, oder er will sich vor seinem Abgang noch ein paar Lorbeeren verdienen. Meinetwegen lassen Sie ihn mitgehen, er hat auch eine Ausbildung durch den Geheimdienst erhalten. Das könnte dem Team nützlich sein.“ Van Dyke nickte und drückte seinen Kommunikator, „Commander Robinson Sie sind dabei, nehmen Sie Ihr Team und begeben Sie sich auf den Planeten. Sie kennen Ihren Auftrag. Sie sollen die Gegend um den Störfeldgenerator erkunden. Wie bereits im Briefing besprochen, haben wir keine Bewachungseinrichtungen erkennen können. Seien Sie aber trotzdem wachsam und bei den geringsten Anzeichen auf gegnerische Aktivitäten treten Sie den Rückzug an. Aber denken Sie daran Robinson, Ihr Auftrag lautet erkunden und nichts weiter!!!, ich hoffe ich habe mich klar ausgedrückt?“
Van Dyke konnte sich nicht helfen, er hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. Alle Informationen die er bislang durch Robinson erhalten hatte, oder über ihn in Erfahrung bringen konnte beunruhigten Ihn. Er wusste, dass Robinson ein eigensinniger Zeitgenosse war und er zweifelte nicht daran, dass dieser jede Gelegenheit ergreifen würde, die ihm eine Belobigung oder gar Beförderung in Aussicht stellen würde. „Robinson hier, ich habe verstanden Commander. Sie können sich auf uns verlassen, Robinson Ende.“ Damit beendete er die Kommunikation und wenige Sekunden später sah man auf dem Hauptschirm wie das Shuttle über die Alexandria hinweg glitt und dann in die Atmosphäre abtauchte.
„Transporterraum an Brücke...“ war die Stimme des Bolianers Keros über das Interkom zu hören. „Wikland hier, was gibt’s Lieutenant?“ „Captain, gemeinsam mit der Chefingenieurin und der Sensoren-Arbeitsgruppe haben wir eine Möglichkeit gefunden auch durch das Störfeld hindurch zu beamen. Das bedeutet, dass wir sowohl zum Planeten wie auch zur Station gelangen können, ohne weiterhin ständig Shuttles einsetzen zu müssen.“ Wikland blickte van Dyke zufrieden an, auch wenn er schon früher mit der Überwindung dieses Problems gerechnet hatte, so war er doch stolz darauf, dass seine Crew in der Lage war auf derartige Herausforderungen mit der gebotenen Kreativität und Motivation zu reagieren. „Informieren Sie die Station Merlin über die gefundene Lösung und bitten Sie Commander Graves die Transporter nur im Notfall einzusetzen. Wir wollen diesen Vorteil nicht vorschnell preisgeben. Richten Sie Ihre Zielerfassung auf unser Landeteam und halten Sie sie für einen Nottransport ständig erfasst.“ Sagte Wikland „Verstanden Captain, Transporterraum Ende.“ Quittierte Keros.
Das Shuttle setzte langsam am Rand eines kleinen Waldes auf. Robinson und seine Männer stiegen aus und versiegelten das Shuttle gegen fremden Zugriff. Das Team bestand nur aus drei Personen. Commander David Robinson, einem Techniker aus der Sensoren-Arbeitsgruppe sowie einem Sicherheitsoffizier. Alle waren ausgestattet mit Phasergewehren und Jaqueline Jefferson hatte die Trikorder so modifiziert, dass sie die Energiewerte des Störfeldes genau lokalisieren konnten. Von Ihrem Standort konnte die kleine Gruppe in eine Senke blicken, in deren Mitte eine kleine Baumgruppe aus Nadelgehölzen stand. Die Bäume waren dicht und hoch gewachsen wie Fichten auf der Erde, aber sie waren deutlich schmäler und hatten wesentlich mehr Äste als Ihre terranischen Ebenbilder. Zudem erinnerte die Farbe der Bäume mehr an eine saftige Wiese in den Schottischen Highlands als an eine Fichte aus den Gebirgshängen der Alpen. Den TriKorderwerten zufolge war Ihr Ziel genau in der Mitte der Baumgruppe angesiedelt. Eine perfekte Tarnung dachte Robinson bei sich, aber andererseits war die Insel völlig unbewohnt und zudem völlig uninteressant, so dass hier sicher keiner einen Sonntagsspaziergang machen würde um nebenbei nach einem Störfeldgenerator zu suchen. Da keine Anzeichen auf irgendwelche Rebellen hinwiesen setzte sich Robinson in Bewegung und die anderen folgten ihm dichtauf. Sie hatten den Weg zu der Baumgruppe nach wenigen Minuten zurückgelegt und traten durch die Stämme in eine kreisrunde Lichtung mit einem Durchmesser von knapp 20 Metern. Vor Ihnen ragte eine Mauer einen Meter hoch aus dem Boden von oben sah das Gebilde quadratisch aus und war mit Duraniumplatten verschlossen. An jeder Ecke der Mauer ragte eine kleine Erhöhung wie ein kurzer Kamin über die Duraniumplatte. Aus der Kreisrunden Öffnung an der Oberseite strömte warme Abluft in den blauen wolkenlosen Himmel. Anscheinend waren diese Kanäle mit dem Kühlsystem des Energiewandlers verbunden um eine sichere Funktion zu garantieren. Robinson stieg auf die Abdeckplatte und prüfte die Luftausläße. Sie waren mit dicken Gitterplatten versehen, aber diese waren nur aus einer hochwertigen Stahllegierung. Er richtete sein Phasergewehr auf das Gitter, stellte es auf die höchste Stufe und brannte ein Loch in das dicke Material. „Commander, was machen Sie da?“ rief ihm Jeremy Sinclair zu, der sich noch genau an die Weisungen im Briefing erinnerte. „Ich werde uns einen kleinen Vorteil verschaffen. Der Captain wird das sicher zu schätzen wissen.“ sagte Robinson und setzte sein bestes Grinsen auf. Damit griff er ganz selbstverständlich in seine Tasche, die er sich umgehängt hatte und zog ein PADD heraus. Er aktivierte es und reichte es dem Lieutenant. Auf dem PADD war eine Infrarotabtastung der Abdeckplatte zu sehen, die mit maximaler Vergrößerung der Sensorendaten zusammengestellt war. deutlich konnte man die vier Abluftöffnungen erkennen, sowie die Warmluft die durch eine leise Brise bewegt zur Seite hin wegzog. „Warum haben Sie das nicht beim Briefing gezeigt, das hätte uns die Gelegenheit gegeben dieses Ding von Bord der Alexandria zu deaktivieren.“
David Robinson machte ein erstauntes und gleichzeitig vergnügtes Gesicht, ging in die Knie und blickte Sinclair in die Augen. „Merken sie sich eins: Sie dürfen alles wissen, aber Sie müssen nicht alles sagen. Trümpfe gibt man bei keinem Spiel zu früh aus der Hand.“ Sinclair schüttelte langsam den Kopf. Robinson griff ein weiteres Mal in seine Tasche und holte eine Antimateriegranate heraus. Das runde Ding erinnerte in seiner Größe und Form an einen Baseball, war aber deutlich schwerer. Es lag gut in der Hand und man war versucht es wie einen Ball weit wegzuwerfen. Robinson schnippte die kleine Abdeckung mit dem Daumen hoch und drückte die kleinen Tasten zur Einstellung. Er stellte den Zünder auf fünf Minuten schloss die Abdeckung, öffnete seine Hand und ließ die Granate einfach durch das eingebrannte Loch in den Abluftschacht fallen. „Hopsa, wie ungeschickt von mir...“ mit diesen Worten drehte er sich zu seinen Kammeraden und sprang von der Platte auf den weichen Boden. Hinter ihm konnte man an dem Scheppern erkennen, dass die Granate einen weiten Weg in die Tiefen des Energiewandlers zurücklegte. Robinson deutete mit den Fingern voraus in Richtung des Shuttles und ging mit schnellen Schritten voran. Sie hatten gerade die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, als aus dem Wald seitlich der Senke fünf Personen hervortraten. Da alle aus Robinsons kleinem Team ihren Blick auf das nahe Shuttle gerichtet hatten, dem sie entgegeneilten bemerkten sie die Angreifer zu spät. Energiestrahlen überbrückten die wenigen hundert Meter vom Wald bis zu der kleinen Gruppe und sie wurden von den Betäubungsstrahlen erfasst. Im Fallen hörte Robinson noch einen dumpfen Schlag, der direkt von einer heftigen Detonation begleitet wurde. Der Energiewandler war in die Luft geflogen und das Störfeld sicher zusammengebrochen, dachte er bei sich bevor die Dunkelheit ihn umgab und ihm die Sinne raubte. „Captain, auf der Oberfläche hat sich in der Nähe des Landeteams eine Explosion ereignet, außerdem werden Energiewaffen eingesetzt“ rief K’Orak, der die Sensoren überwachte. „Transporterraum, wenn Sie unser Team noch erfasst haben beamen Sie sie sofort nach oben.“ gab Wikland schnell die Anweisung an Keros. „Brücke, wir haben ihr Signal. Transport wird durchgeführt.“ Die Transporterspulen heulten laut unter der plötzlichen Belastung und auf der Transporterfläche bildete sich am Boden bereits das erste blaue Schimmern der Übertragungsenergie. Allerdings blieb es auch dabei, denn auf der dunklen Bodenplatte materialisierten sich lediglich die Kommunikatoren. Von den Crewmitgliedern fehlte jede Spur. „Captain, wir konnten Sie nicht hochbeamen, wir haben nur Ihre Kommunikatoren bekommen, sonst nichts. Wir können Sie nicht mehr orten Sir, sie sind wie vom Erdboden verschluckt.“ rief Keros aufgeregt in das Interkom. Er verfluchte sich innerlich, dass er nicht einige Sekunden früher die Kontrollen bedient hatte.Der Captain ballte die rechte Hand zur Faust und ließ auf die Lehne seines Sessels niederfahren, ein dumpfer Schlag begleitete den harten Kontakt zwischen seiner Faust und der Kunststoffoberfläche in der Lehne seines Sessels. Das Bedienfeld zersplitterte mit lautem Knacken und die Kontrollen darin erloschen. Der Captain kümmerte sich nicht um die Detonation, die Ihm K’Orak gemeldet hatte. Die Crew hatte absoluten Vorrang vor allem anderen. Es war jetzt sein vorrangiges Ziel, die verlorenen Mannschaftsmitglieder wiederzufinden und wohlbehalten auf das Schiff zurückzubringen. Viele andere Kommandanten hätten den Verlust von drei Crewmitgliedern billigend hingenommen, wenn dabei wie in diesem Fall ein erheblicher Vorteil für die Föderation entstanden wäre. Für Wikland war es jedoch keine Option. Er hatte sich und seiner Crew versprochen, dass er alle Mittel einsetzen würde, um jeden Einzelnen zu retten, sofern dies im Rahmen der Mission durchsetzbar war. Das war einer der Gründe, warum seine Mannschaft alles für ihn gab und damit die Alexandria zu einem so besonderen Schiff in der Flotte machte. Der Captain drückte seinen Kommunikator erneut. „Wikland an Commander Jefferson...“ Die Stimme der jungen Chefingenieurin kam prompt aus dem Interkom „Jefferson hier...“
„Commander, drei unserer Leute sind anscheinend in einen Hinterhalt der Rebellen geraten. Unsere Bemühungen sie zurückzubeamen waren bislang erfolglos, wir haben nur die Kommunikatoren hoch geholt. Ich erwarte, dass Sie die Sicherheit der Landeteams künftig optimieren und einen sicheren Rücktransport ermöglichen, auch wenn die Ausrüstungsgegenstände von den Personen entfernt wurden.“ Jaqueline Jefferson stand sprachlos an der Konsole in ihrem Büro im Maschinenraum. Sie war völlig perplex, diese Forderung kam für sie so überraschend, dass sie nicht einmal sofort darauf antworten konnte. Selbst dem Captain musste doch klar sein, dass ohne die Kommunikatoren eine Erfassung von Personen nur unter schwierigen Umständen möglich war. Nach kurzem Zögern wagte sie es dennoch, ihren Bedenken Ausdruck zu verleihen. „...aber Captain es gibt keine Möglichkeit, außer nach den Lebenszeichen unserer Crewmitglieder zu suchen, aber alleine für die Aufstellung der Vergleichsmatrix aus früheren Transporterprotokollen und den anschließenden Scans brauchen wir eine kleine Ewigkeit. Zudem darf sich eine Person mindestens zehn Sekunden nicht von der Stelle bewegen, bis wir die gesamten Daten verglichen haben.“ Wikland blieb hart und ließ das auch in seiner Stimme mitschwingen als er zu Jefferson sagte „Dann müssen Sie sich eine Alternative überlegen. Sie sind doch sonst so gewieft im Umgang mit unlösbaren Problemen. Ich erwarte Ihren Lösungsvorschlag bis heute Abend zum Schichtwechsel. Wikland Ende.“ Der Captain stand auf und ging zum Turbolift, er musste noch einen Termin mit dem zentralen Rat wahrnehmen, der einen Besuch auf dem Planeten organisieren wollte. Wikland deutete mit seiner rechten Hand auf das zerdrückte Display an seinem Stuhl, „Lassen Sie das reparieren Nummer eins!“. Roger van Dyke sah Wikland nach, der durch die Tür in die Kabine trat und sich umwandte. Mit einer Geste seiner rechten Hand deutete er an, dass van Dyke die Brücke hatte. Dann schlossen sich die Türen mit dem üblichen Zischen.
„Lieutenant Ran, aktivieren Sie die Kommandoüberbrückung und holen Sie das Shuttle hoch, es darf den Rebellen auf gar keinen Fall in die Hände fallen.“ wandte sich van Dyke an den Bajoraner. Bereits wenige Sekunden später hob das Shuttle mit der Nummer 5 und dem etwas lächerlichen Namen Fozzy vom Boden ab und begann den Steigflug in die Umlaufbahn. Das Gefährt hatte gerade den äußeren Ring der Atmosphäre durchbrochen als Ran Byrell auffiel, dass ein kleiner Marschflugkörper das Shuttle verfolgte. Ran aktivierte den kleinen Phaseremitter des Shuttles, feuerte nach hinten und machte eine Rolle nach Backbord. Aber die kleine Rakete wurde nicht beschädigt, am hellgelben Glühen konnte Ran erkennen, dass sie mit einem effektiven Schutzschild ausgestattet war. Sie folgte der Flugbahn des Shuttles weiterhin und holte langsam auf. Er erhöhte die Geschwindigkeit des Shuttles aber der Verfolger zog sofort nach. Als nächstes versuchte er durch einen plötzlichen Schwung nach oben den Marschflugkörper ins Visier der Hauptphaser der Alexandria zu bekommen, ein gezielter Schuss ging voll ins Schwarze, konnte aber die Schilde ebenfalls nicht durchdringen. Inzwischen war das Shuttle schon bedenklich nahe an die Alexandria herangekommen und die Rakete hing noch immer wie eine lästige Fliege am Heck des kleinen Raumschiffs, aber Ran konnte es nicht riskieren auf Warp zu gehen, denn unter diesen Umständen war die Fernsteuerung nicht mehr aufrecht zu erhalten, außerdem war nicht abzusehen, was dann mit dem Sprengkopf passierte. So blieb Ihm keine andere Möglichkeit als das Shuttle in einem weiten Bogen vom Schiff wegzusteuern und auf den Einschlag zu warten. Er transferierte alle Energie in die Heckschilde und hoffte, dass das Beiboot die Detonation überstehen würde. Interessanterweise passierte erst einmal gar nichts. Nachdem die Verfolgerrakete das Shuttle eingeholt hatte klemmte sie sich an die rückwärtige Klappe und hing dort zwei lange Minuten. Plötzlich zerbarst das Shuttle in alle Einzelteile und hinterließ auf seiner Flugbahn tausende von kleinen Stücken, die der Fluggeschwindigkeit entsprechend weiterdrifteten und bald im All verschwanden. Ran Byrell trat mit seinem rechten Fuß wutentbrannt gegen seine Konsole. Er war sich so sicher, dass Shuttle sicher zurückbringen zu können.
„Sie hatten keine Chance...“ sagte van Dyke, der an der Science Station stand und die Telemetriedaten des Shuttles prüfte, „...das war ein verdammter Flugroboter, der sich an der Heckwand festgeklemmt hat. er hat ein Loch reingefräst und dann einen Sprengsatz ins Innere abgesetzt. Wir können von Glück sagen dass keiner an Bord war, sonst könnten wir jetzt Trauerlieder für unsere Kameraden singen.“
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Wikland war der Einladung des Rates nur widerwillig gefolgt, der sich für die Aufnahme seiner Würdenträger an Bord der Alexandria revanchieren wollte. Für Wikland hatten jetzt andere Probleme Vorrang. Er ließ sich von van Dyke über den aktuellen Stand informieren, aber da es noch keine neuen Ergebnisse gab, stimmte er schließlich dem Besuch auf dem Planeten zu. Avallia Sen begleitete den Captain bei seinem Rundgang durch die Innenstadt. Wikland ließ sich seine Sorgen nicht anmerken. Er spielte den souveränen Captain, der alles im Griff hat. Noch hatte die Kanzlerin nicht bemerkt, dass es unter der ruhigen Fassade Wiklands bereits stark zu brodeln begann. Es war ein strahlender Tag über Tironis der Hauptstadt von Sakras 5. Die Stadt bot einen sagenhaften Anblick. Eine Vielfalt von Gebäuden, aus verschiedenen Epochen der Kultur sowie unterschiedlichen Glaubensrichtungen standen in ruhiger Eintracht nebeneinander. Von filigranen Fachwerkhäusern bis hin zu hochmodernen Bürobauten war alles vertreten. Auf den Wegen die sich durch die Häuser schlängelten fielen Wikland nur wenige Magnetgleiter auf, die zwischen den Häusern hin und her flogen. Der Großteil des Personentransportes, so erklärte ihm Avallia, spielte sich unterhalb der Stadt im weit verzweigten Netz der Röhrenbahnen ab.
Ein großer Fluss teilte die durch viele Generationen gewachsene Stadt fast genau in der Mitte, bevor er seinen Weg zum nahen Ozean fortsetzte. Die rote Wasseroberfläche schimmerte unwirklich im hellen Licht des Tages und ließ keinen Vergleich mit gewohnten Bildern zu. Sie überquerten eine lange Brücke, welche den Fluss in einem Bogen überspannte. Auf halbem Weg traten Sie an das Geländer, von wo man einen herrlichen Ausblick auf den Fluss wie auch auf das nahe Bergmassiv hatte. Sie blieben einige Minuten stehen und genossen die warme Nachmittagssonne. Die Sonnenstrahlen zauberten einen goldenen Glanz in die Haare von Avallia Sen und Ihre Augen spiegelten die rote Wasseroberfläche des Flusses wider, welche die Sonne reflektierte. Die Brücke, welche die beiden Stadtteile miteinander verband mündete in einem großen Park, dessen grüne Wiesen und schönen Bäume zum Verweilen einluden. Kleine verschlungene Pfade führten durch die Pflanzenwelt bis hinunter an das Ufer des Flusses, dessen Wellen ungeduldig an die Uferbefestigung drangen. Die Kanzlerin und Wikland schritten, wie schon im Arboretum, schweigend über die Pfade, vorbei an den schönen Blumen, die zu dieser Jahreszeit in voller Blüte standen. Die langen Stengel erinnerten an Sonnenblumen aber die Blüten waren unbeschreiblich. Ihre rosa und orangefarbene Tönung und die sanften großen Blätter waren von einer solchen Herrlichkeit, dass man alles um sich herum vergessen konnte. Langsam gingen sie weiter bis zum Fluss. Eine wunderschöne sicherlich in Handarbeit gefertigte hölzerne Brücke verband den großen Park mit einer Insel, die im Fluss lag wie ein vor Anker gegangener Ozeanriese. Mehrere märchenhafte Gebäude in auffallenden Farben und faszinierenden runden Formen waren darauf errichtet worden und von hoch gewachsenen Bäumen umsäumt. Wenn der Wind günstig stand, so wie heute, konnte man das Stimmengewirr von jungen Sakranianern vernehmen, welches von der Insel herüber schallte. Eine Schar von Vögeln erhob sich aus einer Baumgruppe und strebte den kleinen Wolken am sonnigen Himmel entgegen als der plötzliche Knall einer gewaltigen Detonation die Idylle des Parks mit einem mal zerriss. Weitere Explosionen folgten und Steine hagelten aus der Luft auf den Fluss und den Park hernieder. Ein riesiger Rauchpilz bildete sich über dem Fluss und überall auf der Insel sah man durch die Rauchschwaden die Mauern der Gebäude einstürzen. Von der bildschönen Insel die noch eben inmitten des Stroms im Licht der Mittagssonne gestrahlt hatte waren innerhalb von Sekunden nur noch verbrannte Erde und klägliche Mauerreste zurückgeblieben. An einigen Stellen loderten Flammen auf, die auch die letzten Reste der Gebäude verschlangen. Verstummt waren mit einem Male die Stimmen, die allmorgendlich zum Park hinüberdrangen. Wikland stürzte auf die kleine Brücke zu und hatte sie mit wenigen Schritten überquert. Sie war von Steinen und Mauerresten übersät und an dem großen Portal auf der Uferseite der Insel hatte sich ein großes Metallschild auf einer Seite aus seiner Verankerung gelöst und schwang traurig hin und her. Die Inschrift war vor lauter Russschwärze kaum noch erkennbar. Auf Wiklands Trikorder erschien die Übersetzung der sakranianischen Buchstaben. - Vereinigte Lern- und Kleinkinder-Betreuungsstätte von Tironis - Noch bevor die Wut in ihm hoch kochte hatte er bereits seinen Kommunikator gedrückt. „Wikland an Alexandria, hier wurde ein Anschlag verübt, beamen Sie sofort das gesamte medizinische Hilfsteam sowie das Rescue & Recovery Team hier herunter. Die Krankenstation soll sich auf eine große Anzahl Verletzter einstellen.“ Avallia Sen, war dem Captain nur langsam gefolgt. Sie war vom Schock total gelähmt. Ihre Hände krampften sich zusammen und die Knöchel ihrer Hand wurden durch die mangelnde Durchblutung schneeweiß. Bereits nach wenigen Sekunden erschienen im blauen Schimmern der Transporterenergie die ersten Mediziner, begleitet von Darian Wells dem Chefarzt. Sie hasteten hinüber zu den Ruinen und suchten mit den Tricordern nach Überlebenden, die in der Mischung aus Feuer, Staub und beißendem Rauch für das bloße Auge nicht erkennbar waren. * * * Carah Pehl wandte sich an den Captain, der gerade auf der Brücke materialisiert hatte. „Captain, wir erhalten einen Ruf vom Planeten. Es ist der Führer des Widerstandsgruppe ‘Energie der Freiheit’. Er bezeichnet sich als Holat Samas und sagt er habe unsere Leute gefangengenommen!“ Wikland der direkt vom Planeten kam, stand noch der Haß und die Wut im Gesicht geschrieben. Hätte man ihm ein Schwert in die Hand gedrückt so wäre er in alter Wickingermanier laut schreiend und waffenschwingend gegen die verhaßten Feinde ins Feld gezogen. So musste er sich damit begnügen sein Schiff in Bereitschaft zu versetzen und abzuwarten, da er bislang noch keine Information hatte, wo sich die Rebellen verborgen hatten.
„Legen Sie den Ruf auf den Schirm!“ An der Härte seiner Stimme konnte man seinen gegenwärtigen Gemütszustand ohne Mühe erkennen. Der Hauptschirm wechselte und das grobe Gesicht von Holat Samas füllte fast das ganze Format. Seine Wangenknochen standen hervor und seine Gesichtshaut machte einen wettergegerbten Eindruck. Die schwarzen langen Haare hingen unordentlich um seinen Kopf und seine Zähne zeigten ein nur mäßiges weiß. Wikland erkannte den Mann wieder. Es war derjenige, der auf der Brücke des gegnerischen Schiffes gestanden und Ihn gewarnt hatte. „Hallo Captain Wikland, ich entbiete Ihnen meinen Gruß. Wie Sie sehen, haben wir Ihren ersten Offizier und seine Gehilfen verhaftet, die unseren Störsender sabotiert haben.“ Damit deutete er hinter sich, wo die Mitglieder der Alexandria unter der Bewachung von mehreren bewaffneten Personen in Schach gehalten wurden. Wikland und van Dyke wechselten einige fragende Blicke, wie kam der Sakranianer auf den ersten Offizier ? Dann ging ihnen ein Licht auf, sicherlich hatte Robinson dem Rebellenführer eingeredet, er sei der erste Offizier des Föderationsschiffes und so glaubte man nun, man habe einen besonderen Pfand in der Hand. „Die Sabotage war eine sehr unkluge Handlung Captain. Wie Sie an unserer kleinen Vergeltungsmaßnahme erkennen konnten haben wir dies den Bewohnern von Tironis umgehend klar gemacht. Diese Warnung an den zentralen Rat haben Sie zu verantworten Wikland. Sie haben sich in unsere Angelegenheiten eingemischt und sind zu weit gegangen. Wir haben jetzt ein Zeichen gesetzt. Ich hätte Ihre Fähigkeiten allerdings weit höher eingeschätzt. Sicherlich interessiert es Sie auch, was jetzt mit Ihren Leuten passiert. Das ist ganz einfach, wir werden sie hinrichten, wenn Sie nicht innerhalb von zwei Stunden den Sektor um Sakras 5 verlassen. Und um Ihre Entschlusskraft noch ein wenig zu fördern kann ich Ihnen schon verraten, dass unsere nächste Aktion den zentralen Rat auf dem Planeten ein für allemal ruhig stellen wird. danach werden wir uns um Sie kümmern, Ihr einsames Schiff werden wir schnell ausschalten.“
Wiklands Hass kochte immer höher. Er hätte am liebsten die Phaser auf Ziel eingestellt und höchstpersönlich den Auslöser betätigt, aber er musste an sein Schiff und vor allem an die Crewmitglieder auf dem Planeten denken. „Dafür, dass Ihre Repräsentanten bei der Regierungsführung einmal übergangen wurden haben Sie einen sehr blutigen und verabscheuungswürdigen Weg eingeschlagen. Kleine Kinder und schwangere Frauen qualvoll zu Tode zu bringen ist kein politischer Protest, dass ist Völkermord!“ Wikland atmete heftig, er war richtig in Fahrt gekommen und machte seinem Ärger Luft, „Wir werden Ihre Basis finden Samas, und unsere Leute befreien, und wenn es das letzte ist was ich tue, ich werde Sie zur Strecke bringen. Und das ist keine Drohung Samas, das ist ein Versprechen!“ Das Gesicht von Holat Samas verzog sich zu einem bizarren Lächeln „Das wird Ihnen nicht gelingen Captain, ich finde Sie überschätzen Ihre Möglichkeiten um ein Vielfaches. Es gab bislang nur einen, der herausgefunden hat wo wir zu finden sind und der ist jetzt tot. Was die schwangere Frau angeht, sie war eine Hure, sie hat sich mit einem der Wissenschaftler der Föderation eingelassen und diesen Abschaum wollen wir auf unserem Planeten nicht mehr haben. Sie hat Ihren Tod verdient. Es nützt Ihnen auch nichts in unserer Provinz nach Anhängern meiner Bewegung zu suchen. Wir haben alle, auch unsere Familien in Sicherheit gebracht. Und selbst wenn Sie mit Ihren leistungsfähigen Sensoren die ganze Planetenoberfläche absuchen, Sie werden uns nicht rechtzeitig finden. Ihre Zeit läuft Captain, ich an Ihrer Stelle würde jetzt nicht mehr herumtrödeln.“ Damit brach die Verbindung ab und der Captain fluchte laut vor sich hin, so dass die gesamte Brückencrew zusammenfuhr.
Die Unruhe und die aufgewühlten Gefühle ließen Wikland nicht einmal die Ruhe finden um sich auf seinen Platz zu setzen. Er wanderte von Station zu Station, ging in seinen Bereitschaftsraum, war aber nach zwei Minuten schon wieder auf der Brücke und kam schließlich zu van Dyke an die Konsole der Wissenschafts-Station, wo der erste Offizier gerade den Energiebedarf der Sonde berechnete, die sie im Raum der Dalerianer zurückgelassen hatten. Vorausgesetzt, dass der Schwindel nicht längst aufgeflogen war, hatte die Sonde noch für zirka eine Woche Energie, bevor das Hologitter und damit auch die Simulation zusammenbrach.
„Wenn ich die Worte dieses Halunken richtig interpretiere Nummer Eins, dann will er einen Großangriff auf den Hauptsitz des zentralen Rates in Tironis durchführen. Das wird er sicher nicht mit einem Rollkommando zu Fuß tun. Seine Schiffe müssen irgendwo in der Nähe sein. Commander, ich will wissen wo sich diese Rebellen versteckt halten und wo ihre Flotte ist, und verdammt, ich will es jetzt wissen!“ Mit fordernder Stimme hatte er van Dyke angefahren, der sich daraufhin langsam zum Captain umdrehte und ihn einige Sekunden lang ruhig anblickte, was Wikland nur noch weiter auf die Palme brachte. „Captain, wir haben schon alle möglichen Prüfungen gemacht. ich habe nach dem Ausfall des Störgitters einen neuen Scan des Planeten angeordnet. Dabei ist uns aufgefallen, dass unsere Sensoren nun viel genauere Daten liefern. Das bedeutet, dass das Energiefeld auch die Sensoren beeinträchtigt hat und alle vorher gewonnenen Daten unbrauchbar sind. Der Planet und insbesondere die Insel mit dem Energiefeldemitter ist durchzogen von unterirdischen Gängen und Höhlen, deren Vorhandensein uns zuvor nicht aufgefallen ist. Wir erstellen gerade ein genaues Raster, an dem wir zu erkennen hoffen, wo sich die Rebellen verbergen. Eines hat mich allerdings stutzig gemacht: Holat Samas hat erwähnt, dass es jemandem gelungen sei seinen Standort zu bestimmen und das derjenige jetzt tot ist. Im gleichen Atemzug hat er die schwangere Frau auf der Mondstation erwähnt. Das könnte darauf hindeuten, dass möglicherweise dort der Schlüssel liegt, der uns hilft das Tor zum Unbekannten aufzustoßen. Ich werde mir noch einmal alle Daten ansehen und Sie dann Informieren. Geben Sie mir etwas Zeit.“ Wikland antwortete mit einer Stimme die keinen Widerspruch duldete, „Genau das ist es, was wir nicht haben Commander, wir sind im Zugzwang!“ Roger van Dyke nickte kurz mit dem Kopf und drückte seinen Kommunikator „Lt. Commander Mor und Lt. Commander Lock, bitte melden Sie sich auf der Brücke, wir müssen einige besondere Scans durchführen.“
„Hier Lock, verstanden Commander ich bin auf dem Weg.“ kam die Antwort aus dem Intercom und wenige Sekunden kam auch die Bestätigung von Corbal Mor dem Trill, der als Verantwortlicher der Science Workgroup für die Ausstattung und den Einsatz der unbemannten Sonden verantwortlich war. Bereits nach wenigen Minuten standen sie mit dem ersten Offizier an der zweiten Wissenschafts-Station im hinteren Teil der Brücke. Roger van Dyke schilderte die Situation. „Der Captain erwartet, dass wir den Stützpunkt der Rebellen sowie deren Flotte umgehend aufspüren. Er ist fest entschlossen sowohl unsere Crewmitglieder zu retten, wie auch diesem wahnsinnigen und sinnlosen Morden Einhalt zu gebieten. Lock, machen Sie einen Multi-Sensorenscan dieses Sektors einschließlich des Mondes und suchen Sie mit allen Möglichkeiten nach Spuren, die auf den Verbleib der gegnerischen Flotte hinweisen. Lt. Commander Mor, wählen Sie eine geeignete Sonde aus und lassen Sie eine Tiefenabtastung des gesamten Planeten machen, damit wir feststellen können, wo sich diese Rebellen verkriechen. Ich brauche sicher nicht zu erwähnen, dass der Captain sehr ungeduldig ist, man hat uns eine Frist von nur zwei Stunden zur Entscheidung gegeben und Captain Wikland ist nicht bereit klein beizugeben, er will Resultate. Also, gehen wir’s an“
Corbal Mor hatte noch immer nicht vergessen, dass ihn der erste Offizier vor wenigen Tagen zurechtgewiesen hatte, daher ging er nur widerwillig an die gestellte Aufgabe. Natürlich ließ er sich das nicht anmerken, er wollte nicht schon wieder riskieren durch diesen Neuling gedemütigt zu werden. Er rief die Sondenbestückung der Alexandria auf und gab missmutig die Missionsparameter ein. der Computer schlug eine Sonde der Klasse vier vor und präsentierte drei verschiedene Ausrüstungsvarianten. Mor nahm noch einige kleine Umbestückungen vor, die er als günstiger erachtete und übergab dann dem Computer den Bereitstellungsauftrag. Er konnte sich darauf verlassen, dass die Mitarbeiter seines Teams die Sonde innerhalb weniger Minuten vorbereiten würden. Bereits nach kurzer Zeit verließ die Sonde den vorderen Launcher des Schiffs und schoss dem Planeten entgegen. Sie würde ihn 60 mal umkreisen und dabei einen vollständigen Scan bis in eine Tiefe von 1200 Metern durchführen.
Van Dyke sah nachdenklich auf den Chronometer. Der reguläre Schichtwechsel sollte in einer knappen Stunde erfolgen und noch hatten Sie keine Ergebnisse erzielt. „Brücke an Lt. Commander Jefferson...“ Kontaktierte Roger die Chefingenieurin. „Jefferson hier...“ kam die genervte Stimme von J.J. aus dem Audiosystem, und van Dyke wusste schon genau wie es um die gegenwärtige Aufgabe der Chefingenieurin stand, ohne dass er seine Frage formuliert hatte. Dennoch sprach er sie aus: „Wie kommen Sie voran mit der Transportererfassung unserer Crewmitglieder?“
„Fällt Ihnen keine andere Frage ein, wie zum Beispiel ‘Würden Sie heute abend gerne mit mir Essen gehen?’ darauf würde mir eine Antwort wenigsten leicht fallen...“ J.J. verstand es sich auch in den schwierigsten Situationen immer noch mit Humor und einer gewissen Portion Ironie über Wasser zu halten. Van Dyke und Lock blickten sich an und der erste Offizier verzog sein Gesicht zu einem Schmunzeln. „Einverstanden, ich hole Sie um 21:00 Uhr ab. Nachdem das geklärt wäre, wie sieht’s aus ?“ J.J. musste erst einmal schlucken, mit dieser Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Sie überlegte kurz ob sie das alles nur als Scherz abtun sollte, konzentrierte sich dann aber auf die dienstlichen Pflichten. „Commander, die Aufgabe, die uns der Captain gestellt hat ist nicht gerade leicht. Wir haben bis jetzt noch keinen verlässlichen Weg gefunden, um die Position unserer Crewmitglieder eindeutig zu bestimmen, geschweige denn eine präzise Erfassung zu ermöglichen. Wir haben alle Möglichkeiten versucht um eine Kalibrierung der Transporter auf die Personen oder Ihre Kleidung zu ermöglichen, aber nichts lässt auch nur eine annähernd sichere Ortsbestimmung zu. Die Sensoren haben zwar die Möglichkeit, die Skelettstrukturen oder biologische Besonderheiten soweit herauszufiltern und zu trennen, dass wir sie in die Transportererfassung einspeisen könnten, aber eine Zielsuche mit den Hochleistungsscannern würde Tage dauern. Wir suchen weiter, aber ich glaube, ich werde den Captain das erste Mal auf dieser Reise enttäuschen müssen.“ Roger van Dyke wusste, dass weitere Appelle jetzt keinen Sinn hatten. Er hatte sich schon häufig in solchen Situationen befunden. Hier kam es darauf an, den richtigen Ton zu finden um ein niedergeschlagenes Crewmitglied zu motivieren. „Sie schaffen das schon, konzentrieren Sie sich noch mal auf die Dinge, die Sie noch nicht versucht haben und auch auf solche Sachen, die Sie als ganz selbstverständlich ansehen. Sowie die Abtastungswerte unserer Sonde eingespeichert sind können Sie darauf zugreifen. Viel Glück.“ Damit trennte van Dyke die Verbindung und wandte sich zu Lock um, der in der Zwischenzeit seinen Multiscan abgeschlossen hatte. Der Benzite atmete tief ein und aus dem künstlichen Beatmungsgerät drang eine kleine Wolke Chlorgas um Die Atemluft seinen Bedürfnissen anzupassen.
Der Scan hatte nur die ohnehin üblichen Daten geliefert. An der Stelle, an der die Rebellenflotte nach dem Angriff verschwunden war, zeigten sich Reste von Sauerstoff, Wasserstoff und Plamsarückstände. Eine natürliche Zusammensetzung, wenn man sich vor Augen hielt, dass eine Menge angeschlagener Schiffe sich dort versammelt hatte und gemeinsam mit dem Kampfverband verschwunden waren. „Commander...“ begann Lock seinen Bericht, „...außer den Angaben wohin Sie verschwunden sind, können wir keine weiteren Daten finden. Der Kurs führt weg von diesem System und die Richtung die sie eingeschlagen haben geht in die Tiefen des Alls. Kein Sternensystem, Planet, Mond oder ähnliches, auf dem Sie eine Basis haben könnten. Auch der Mond Arlat 4 bringt außer einigen Sauerstoff- und Wasserstoffverbindungen keine weiteren Ergebnisse. Wir können keine Energiewerte oder Aktivitäten feststellen. Auch der Tiefenscan liefert nichts weiter als Mineralwerte und totes Gestein. Keine Lebenszeichen oder Hinweise auf einen Landeplatz.“
Van Dyke blickte verbittert auf die im Wanddisplay angezeigten Werte. „Dieser Rebellenführer hat eine klare Drohung ausgesprochen, dass macht keinen Sinn wenn er nicht seine Streitmacht in nächster Nähe hat. sie müssen hier sein. Auch seine Bemerkungen über die Mitglieder der Mondstation und dieser Überfall. Warum hat man nicht auch die Bodenstation auf dem Planeten überfallen und alle getötet. Das muss einen Grund haben.“ Van Dyke dachte angestrengt nach. Er versuchte die gesamte Geschichte aus der Perspektive der Rebellen zu sehen. Sein Blick der alles durchdrang verriet, dass hinter seiner Stirn die grauen Zellen in tiefer Konzentration nach Zusammenhängen suchten, eine Gabe, die das menschliche Gehirn den künstlichen Intelligenzen auch heute noch voraushatte.
„Haben Sie es schon mit einer Echitron Abtastung des Mondes versucht?“ fragte van Dyke schließlich, der noch immer starr auf das Bedienpanel starrte, ohne seinen Kopf zu heben. „Nein Sir,...“ erwiderte Lock, „...dieses alte Verfahren wird schon seit vielen Jahren nicht mehr zur Sensorenabtastung verwendet. Es liefert so gut wie keine Daten außer einer 3D Matrix und ist daher für die Schiffsführung gänzlich ungeeignet.“
„Aber nicht für die taktischen Aufgaben...“ entgegnete van Dyke „...Computer, Durchführung eines Echitron Scans des Mondes Arlat 4 und Projektion der 3D Matrix durch den Holoemitter im Besprechungsraum.“ Lock schüttelte seinen Kopf und entließ einen Chlorschwall aus seinen Lungen, als er hinter van Dyke in den Besprechungsraum trat, der direkt nebenan lag. Er sah keinen Sinn in dieser Abtastung, die außer einer Oberflächendarstellung keinerlei Meßwerte lieferte. Über dem Tisch begann sich langsam die dreidimensionale Darstellung des Mondes aufzubauen, die alle Feinheiten seiner Oberfläche darstellte. Nach wenigen Minuten war die obere Halbkugel fertiggestellt und sogar die Struktur der Mondstation war in aller Deutlichkeit erkennbar. Als der Aufbau vollendet war wies van Dyke den Computer an, die Darstellung zu rotieren und das dreidimensionale Modell begann langsam sich im Uhrzeigersinn zu drehen. Als die Rückseite des Mondes langsam nach vorne drehte triumphierte van Dyke innerlich. An Lock gerichtet deutete er mit seiner rechten Hand auf einige feine Punkte, die außerhalb der Mondoberfläche zu liegen schienen. Der Benzite hielt sie zunächst für eine fehlerhafte Darstellung der Abtastungsergebnisse, aber bevor er etwas sagen konnte klärte Ihn van Dyke mit freudiger Stimme auf. „Hier haben wir unsere Rebellenflotte Lt. Commander. Computer, Ausschnitt X-fünf, Y-sieben vergrößert darstellen und Objekte nach Anzahl und Volumengröße sortiert auflisten.“ Die weibliche Stimme des Computers antwortete umgehend. „Es handelt sich um 48 Objekte, 5 große mit einem Volumen von über 5000 m³, 16 mittlere Objekte mit mehr als 750 m³ und 27 kleine Objekte mit weniger als 50m³.“
Lt. Commander Lock stand verblüfft vor dem Hologramm, das in seiner eintönigen hellblauen Schattierung sogar die Form der fremden Schiffe deutlich nachzeichnete. Es bestand kein Zweifel, dass es sich um Raumfahrzeuge handelte, und wer sonst außer den Rebellen hätte Grund dazu mit seiner Flotte hinter dem Mond toter Mann zu spielen. „Wie sind Sie darauf gekommen, dass Sie mit diesem alten Sensorenprogramm dieses Ergebnis bekommen?“ entfuhr es dem noch immer erstaunten Benziten. „Ein großer Mann der Sternenflotte hat einmal gesagt - Es ist wichtig, dass Sie wissen wie etwas auf einem Raumschiff funktioniert- und damit hat er noch heute recht. Es ist nicht immer nur das was man zur Verfügung hat, sondern vielmehr, was man daraus macht.“ Roger van Dyke blickte zufrieden auf das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen. „Es ist eigentlich ganz einfach. Diese Technik hat einen uralten Verwandten in der Seefahrt der Erde. Damals wurde mit einem Schallwellen-Sonar die Tiefe sowie die Oberfläche der Meeresböden abgetastet und auch Hindernisse wie gegnerische Unterseeboote aufgespürt. Die abgesendeten Schallwellen wurden von fester Materie reflektiert und aus dem Echo konnte man die Entfernung errechnen. Die auf den frühen Schiffen der Sternenflotte eingesetzte Echitron-Technik war eine Weiterentwicklung dieser Abtastung. Die Energiestrahlen wurden nicht nur von der Oberfläche reflektiert sondern durchdrangen alle Objekte und konnten somit die komplette Form abbilden. Ein Vorteil der bei den heutigen Hochleistungsscannern verloren gegangen ist, da hier die Hauptanwendung auf der Oberflächenanalyse liegt.“
„Jetzt brauchen wir nur noch den Stützpunkt der Rebellen auf dem Planeten auszumachen und wir sind wieder voll im Spiel“ sagte van Dyke mit hoffnungsvoller Stimme und deaktivierte die Ergebnisse der Sensorenabtastung. „Irgend etwas sagt mir, dass auf der Mondstation noch einige Antworten zu finden sind, wir müssen nur danach suchen.“ Van Dyke und Lock nahmen am Tisch Platz und sichteten nacheinander die Daten, die das Rescue-Team von der Mondstation mitgebracht hatte. Viel war nicht übrig geblieben, denn die Separatisten hatten alle Datenbänke gelöscht und die meisten technischen Geräte zerstört. Die Auswertung der spärlichen Informationen war sehr ermüdend und führte zu keinem richtigen Hinweis. Sie hatten lediglich feststellen können, dass die schwangere Frau wohl die Lebensgefährtin des leitenden Wissenschaftlers war, die ihn auf der Station am Wochenende besucht hatte.Van Dyke war sich so sicher hier eine Spur zu finden, dass er jede Winzigkeit fünfmal und mehr umdrehte auf der Suche nach einer Abweichung. Letztendlich resignierte er und gab dem Benziten Lock zu verstehen, dass er als Abschluss noch die Aufzeichnungen der Missionskamera durchsehen wollte, nur um nichts zu vergessen. Der Computer stellte die Videoaufzeichnung sofort zur Verfügung. Die Kamera war am Stirnband eines Sicherheitsoffiziers befestigt und zeigte die Bilder aus der bedrückenden Ich-Perspektive. Die Station war tatsächlich total verwüstet und man konnte die Bemerkungen der Teammitglieder hören, als sie die getöteten Sternenflotten Angehörigen fanden. Obwohl der Offizier mit der Kamera in jedem Raum war, und sogar daran gedacht hatte einen Rundumschwenk aufzuzeichnen konnten van Dyke und Lock nichts Greifbares erkennen. Schließlich stieg der Offizier die Metalltreppe zum Teleskop hinauf, auf dem der Stationskommandant tot im Stuhl saß. „Er hat eine tiefe Schnittwunde, die sehr stark geblutet hat, er ist allerdings nicht hier angegriffen worden, die Blutspur beginnt bereits unten an der Konsole, wo er schon viel Blut verloren hat.“ stellte Jadzia Lansu gerade fest und hielt ihren Tricorder nochmals auf die Leiche. Der Offizier mit der Kamera stand auf der anderen Seite und blickte auf den Kommandanten herab. Seine Hand lag auf der manuellen Nachführung des Teleskops und darunter blinkte kurz eine Digitalanzeige auf als ein aufgeregter Ruf von unten erklang und sich alle auf dem Teleskopschemel nach unten umwandten. „Halt. Computer beginne neu bei Zeitindex 114,789.4“ rief Lock, der meinte etwas Wichtiges erkannt zu haben. Gleichzeitig aktivierte er wieder sein Beatmungsgerät und der Chlorgeruch breitete sich im Besprechungsraum aus. „Commander haben Sie das gesehen?“ fragte er van Dyke. „Was meinen Sie Lock?“ Van Dyke der durch den langen Dienst und die hohe Konzentration ziemlich erschöpft war hatte keine Ahnung was der Benzite gesehen hatte. „Ich hatte gleich das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Sehen Sie die Hand des Stationskommandanten auf der Teleskopnachführung? Er hat es manuell in diese Position gebracht.“ Van Dyke sah die Wiederholung der Szene und verstand was Lock ihm sagen wollte. Wieso hatte sich ein sterbender Mann unter quälenden Schmerzen und mit letzter Kraft die Treppe zum Teleskop hinaufgeschleppt und nicht zu seiner misshandelten Lebensgefährtin, von der er wissen musste, dass auch sie im Sterben lag. Es gab nur eine logische Erklärung dafür - er wollte einen Hinweis auf seine Mörder und Peiniger geben. Aber was wollte er ihnen zeigen? Das Teleskop zeigte nach Angaben der Trikorderwerte in den freien Raum. „Commander, die Einstellung des Teleskops und die Angaben zum Datum, Wochentag und der Uhrzeit, das muss es sein!“ Van Dyke hörte die Worte des Benziten wie aus weiter Ferne an sein Ohr dringen. Er riss sich zusammen und versuchte wieder einen etwas agileren Eindruck abzugeben. „Computer, verwende das Datum, Tag und Uhrzeit sowie die relative Position des Mondes und die Neigungswinkel des Teleskops und lege ein Bild der Außenkamera auf den Wandschirm.“ Das kurze Piepsen des Computers bestätigte die Verarbeitung der erteilten Anweisungen und kurz darauf erschien ein weitläufiges Waldgebiet, welches in einer Hügellandschaft lag, unweit des großen Binnenmeeres, aber abgewandt von den Städten in Richtung der kargen Bergregionen. Der dichte Baumbestand zeugte von einer intakten und unberührten Natur. Keine Straßen oder Pfade waren erkennbar. „Computer, vergrößern!“ ordnete van Dyke an und sofort wurde die Bildschirmmitte herangezoomt. Leicht konnte man jetzt schon einzelne Baumgruppen erkennen. Es gab Stellen mit Mischwald und Regionen in denen sich nur Nadelhölzer fanden. Eine weitere Vergrößerung ließ jetzt sogar einzelne Bäume erkennen und man konnte sehen, wie sie sich langsam im Wind bewegten. Aber es waren keine Anzeichen für irgendwelche Technik zu erkennen. „Sackgasse!, So nennt man das doch auf der Erde, wenn ein Weg nicht weiterführt nicht wahr?“ sagte der Benzite als er feststellte, das außer den Bäumen nichts Nennenswertes zu erkennen war. Langsam ließ Lock sein PADD sinken, auf dem er seine Notizen festgehalten hatte. „Nein, so schnell gebe ich nicht auf...“ sagte van Dyke, der sein physisches Tief langsam wieder überwunden hatte. Einige Minuten lang betrachtete er die Darstellung und dann hatte er einen Anhaltspunkt gefunden. „Computer, überprüfe Bewegungsmuster in der Zone C3 bis H8 auf Wiederholung.“ Mit einem kurzen Blinken wurde ein Raster auf dem Display sichtbar, welches die benannten Zonen hervorhob und es war zu erkennen, dass die Berechnungen durchgeführt wurden. Dann kam die Antwort die van Dyke erwartet hatte und seine Laune besserte sich schlagartig.
* * * Die Sonde war zurückgekehrt und die Auswertung der Abtastung hatte eine Vielfalt von einzelnen Datenstrukturen ergeben, die jetzt noch zu einem vollständigen Bild zusammengesetzt werden mussten. Lediglich den Standort der Splittergruppe konnte man immer noch nicht bestimmen. Die gesamten Aufzeichnungen waren zu Lt. Commander Jeffersons Terminal weitergeleitet worden und gemeinsam mit Jan van Holt saß Sie vor dem großen Wanddisplay in ihrem Büro im Maschinenraum. Der Computer hatte über 167 Energiesignaturen erkannt und isoliert. „Computer, Erzeuge eine Simulation des Planeten und positioniere alle Energiesignaturen der Klasse A.“ Sakras 5 erschien als dreidimensionale Darstellung auf dem Schirm und die Energiewerte leuchteten als kleine gelbe Punkte an verschiedenen Stellen auf. „Computer, füge alle Signale der Klasse B hinzu.“ gab J.J. dem Hauptcomputer weitere Anweisungen. Begleitet von dem kurzen Aktivierungston erschienen nacheinander kleine grüne Punkte über den gesamten Planeten verstreut. Auch das Hinzufügen der schwächeren Energie-Klassen führte zu keiner direkten Ansammlung oder markanten Überdeckung. Jefferson gab auf, mit dieser Idee kam Sie nicht weiter. Sie überlegte, ob eine andere Sichtweise vielleicht mehr Erfolg versprechen würde. Während sie auf das Display blickte ging sie im Gedanken die vielen verschiedenen Arten der Darstellung durch und hatte sich nach langem hin und her für eine neue Variante entschieden. „Computer, alle Energiesignaturen in Wellenform auf dem Display darstellen.“ Die Anzeige verwandelte sich in eine total überlagerte Abbildung aller Frequenz- und Wellensignale, die durch unterschiedliche Farben hervorgehoben waren. „So ein Mist, das ist so viel, dass man gar nichts mehr erkennen kann“ sagte J.J. resignierend. „Dabei ist das nur noch das verwertbare Material, den ganzen Müll und die Überlagerungen aus unseren Energiesignaturen habe ich schon alle herausgefiltert.“ bemerkte Jan van Holt, der neben Jaqueline stand und ebenfalls auf die verwirrenden Linien blickte, die auf der Anzeige zu sehen waren. „Das kann ich mir gut vorstellen, wenn wir noch all die üblichen Überlagerungen und Standardsignale dabei hätten, dann würden wir wahrscheinlich...“ sie hielt plötzlich inne. Ihr fielen die Worte von van Dyke wieder ein, der geraten hatte, dass sie sich auch auf solche Sachen, konzentrieren sollte, die sie als ganz selbstverständlich hinnahm. „Jan, können wir diesen Prozess auch invertieren, so dass wir nur noch unsere eigenen Signale sehen?“ Van Holt blickte sie verständnislos an, „Was soll das für einen Sinn machen, wir würden nichts als unsere eigenen Abstrahlungen sehen.“ J.J. drehte sich zu Ihrem Terminal um, „Tun sie’s, mal sehen was wir finden. Das ist unsere einzige Chance.“ Das Chaos, welches auf dem Display erschien unterschied sich in nichts von dem vorherigen Bild. Tausende von Energiesignaturen waren mit unterschiedlichen Wellenlängen abgebildet. „Entfernen Sie alle Energiewerte, die mit dem Antrieb, den Schirmen und der Lebenserhaltung zusammenhängen. Ebenso alle Emissionen aus der Krankenstation und den Freizeiteinrichtungen.“ das Bild lichtete sich zusehends und nachdem die Kommunikation und auch die Energiewandler der Shuttlebereitschaft ausgefiltert waren blieben nur noch die Interferenzen, die von der Station Merlin erzeugt wurden, und der eigene Transporter übrig. „Computer entferne nacheinander die verbleibenden Interferenzen und alle restlichen von der Alexandria abgestrahlten Energiesignaturen.“ J.J. schloß nacheinander alle bekannten Quellen aus. Normalerweise sollte das Display jetzt leer sein, aber ein gewisses Grundrauschen war immer noch leicht zu erkennen. das Signal entsprach jedoch keiner bekannten Wellenform. „Computer, identifiziere die verbleibende Energieanzeige.“ wies Jaqueline den Computer an. „Negativ, die verbleibenden Werte stammen nicht aus einer Energiequelle.“ war die prompte Reaktion. „Computer, identifiziere die Quelle dieser Signale.“ Aus dem Audiosystem erklang das gewohnte Piepsen gefolgt von der Antwort: „Die Auswertung der Sondenperimeter ergibt, dass die Signale zu 99,7518 Prozent eindeutig von Bord der Alexandria stammen.“ Die Antwort erstaunte sowohl Jaqueline Jefferson als auch Jan van Holt. „Computer, wenn dies keine Energiewerte sind und wir bereits alle Signaturen von diesem Schiff in der Darstellung ausgeschlossen haben, was ist es dann?“ Die Stimme des Computers die wie gewohnt weich und frei von jeder Emotion war, antwortete als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. „Es ist das Echo der Transpondersignale, die jedes Crewmitglied zur Identifikation benötigt, um nicht durch den Eindringlingstransporter in die Arrestzelle gebeamt zu werden.“ Die Transponder, die jedes Crewmitglied in die Haut eingesetzt bekam, das war es also was hier als Hintergrundrauschen auf dem Schirm übrig blieb. Die normalste Sache der Welt, hätte man nicht die Aufgabe verlorengegangene Kollegen zu suchen. „Computer, Vergleiche die Transponderechos mit den anwesenden Crewmitgliedern auf dem Schiff und lösche jede Übereinstimmung.“ Jan van Holt wurde ungeduldig. „Was soll das J.J. das bringt uns auch nicht weiter...“ aber Jefferson war nicht in der Stimmung die Einwände ihres Kollegen zu registrieren. Nach und nach verschwanden die nadelartigen Ausschläge der Amplituden vom Display, bis nur noch drei Striche übrigblieben, die in Abständen von wenigen Sekunden aufblinkten.„Computer, stimmen die verbleibenden Muster mit den vermissten Crewmitgliedern überein?“ „Positiv.“ war die prompte Antwort des Computers. Jaqueline sah endlich Licht am Ende des Tunnels. „Computer, ist es möglich diese Signale auf dem Planeten zu orten und deren Position für einen Transport zu bestimmen.“wollte die Chefingenieurin wissen. „Bestätigt, Die gegenwärtige Umlaufbahn ist jedoch zu groß um eine präzise Lokalisierung zu erzielen.“ Nur noch ein Schritt bis zum Erfolg, dachte sich Jefferson. Ihr Blut geriet in Wallung als sie die alles entscheidende Frage an den Rechner richtete und innerlich flehte sie auf die erhoffte Antwort. „Computer, würde die Position der Station Merlin ausreichen, um dies zu tun?“ Der Computer verarbeitete die Frage und bis zur Antwort dauerte es zwar nur den Bruchteil einer Sekunde aber ihr kam es wie eine Ewigkeit vor. „Bestätigt, die Umlaufbahn der Station Merlin reicht aus um eine genaue Erfassung zu gewährleisten.“
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Die Türe öffnete sich vor Jaqueline Jefferson und sie trat mit leichtem Schritt in den Konferenzraum, in dem der Captain mit den Vertretern des zentralen Rates über die weitere Vorgehensweise diskutierte.
Van Dyke hatte neben dem Captain Platz genommen und bedeutete Jefferson, dass sie sich zu Ihm setzen sollte. Timor Ballat, der Vizepräsident stand auf und zog seine Robe straff. „Captain, ich weiß, dass wir viel verlangen, aber Sie können sich sicherlich vorstellen, dass die Bewohner von Sakras 5 diesem Terror nichts entgegenzusetzen haben. Wollen Sie uns ernsthaft mitteilen, dass Sie nicht bereit sind uns in dieser Angelegenheit zu unterstützen?“ Wikland blickte den Sakranianer streng an und erwiderte dann: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie gerne ich diesen Banditen persönlich den Garaus machen möchte, aber auch wir haben Vorschriften, die nicht nur aus Willkür aufgestellt wurden. Eine große Gemeinschaft von verschiedenen Völkern hat diese Regeln erstellt um jeder Spezies die freie und uneingeschränkte Entwicklung ihrer eigenen Kultur zu ermöglichen. Das oberste Gebot ist die Nichteinmischung.“
Simas die Regierungsrätin rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her, ihre langen Haare hatte sie zu einem Zopf gebunden und mit einer Schleife aus goldenem Stoff fixiert. „Captain Wikland, wie Sie wissen haben wir bereits den offiziellen Antrag an Ihre Föderation geschickt mit der Bitte um Aufnahme und Hilfestellung. Wir erwarten, mit Verlaub, ein wenig mehr Kooperation und Handlungsbereitschaft.“ Wiklands Stimme die noch immer ruhig und distanziert war kühlte merklich ab. „...und wie Sie wissen, hat die Föderation noch nicht über Ihren Beitritt entschieden.“ Damit war für ihn dieser Punkt erst einmal erledigt. Mit ernstem Gesicht wandte er sich an die Chefingenieurin um zu erfahren, ob der Rücktransport seiner Crewmitglieder gewährleistet war. „Nun Lt. Commander, wie werden Sie unsere Crewmitglieder wieder zurückholen?“ Jaqueline Jefferson stand auf und aktivierte den Sichtschirm. „Nachdem wir auf konventionellem Wege nicht weitergekommen sind haben wir uns den ungewöhnlichen Dingen gewidmet und sind bei einer ganz selbstverständlichen Sache gelandet.“ Sie bedachte van Dyke mit einem süffisanten Lächeln und fuhr dann fort. „Die Transponder, die jedes Crewmitglied an Bord identifiziert senden ein Echo ab, welches zweifelsfrei jede Person identifiziert. Dieses, wenn auch schwache Signal lässt sich überall bestimmen und erfassen. Das heißt, wir haben unter Mithilfe der Station Merlin unsere gefangengenommenen Kollegen gefunden und sind bereit sie hochzubeamen. Zunächst auf die Station und dann zur Alexandria.“ Wikland blickte zufrieden auf die Berichte die ihm van Dyke gereicht hatte. „Weisen Sie Keros an, diese zusätzliche Erfassungsmethode in die Standardroutine jedes Transporters zu integrieren. Ich möchte nicht noch einmal meine Leute wegen fehlender Kommunikatoren auf einem Planeten verlieren.“ Während J.J. zu ihrem Stuhl zurückging erhob sich van Dyke und ging mit schnellen Schritten zum Wanddisplay. Er aktivierte die 3D Holomatrix des Mondes und das Bild baute sich über dem Konferenztisch auf. Er hatte den Computer so programmiert, dass die außenliegenden Punkte in einer leuchtend orangen Farbe erschienen und sich somit vor dem hellblauen Mond deutlich abzeichneten. „Wie Sie unschwer erkennen können, haben sich die Rebellen hinter dem Mond im Schatten unserer Scanner und abgewandt von der Planetenseite dichtgedrängt versteckt. Es handelt sich im ganzen um 48 Objekte, 5 Großraumer 16 Frachter und Kreuzer und 27 kleine Kampfflieger. Wie die Auswertung der Formen ergeben haben, handelt es sich um einen bunt zusammengewürfelten Haufen von Schiffen, die aus allen möglichen Teilen des Quadranten zusammengesucht wurden. Vom bajoranischen Angriffsjäger bis zum orionischen Frachter ist alles dabei. Die Feuerkraft würde wahrscheinlich ausreichen um einen ganzen Planeten mitsamt der Station Merlin auf Dauer in Schach zu halten, wenn man es geschickt anstellt.“
„Da haben Sie’s...“ rief Rikor Bast, der Berater des zentralen Rates, und sprang von seinem Stuhl auf, „...die werden unser ganzes Volk unterjochen.“ Wikland drehte sich zu Bast hinüber und zog seine Stirn in Falten. Der harte Blick seiner Augen traf den Sakranianer, der schon nach wenigen Sekunden dem eisigen Blick nicht mehr standhalten konnte und sich widerwillig auf seinen Stuhl setzte. Van Dyke schaltete die Darstellung des Mondes ab und legte das Panorama des Binnenmeeres auf den Schirm. „Damit hat er vielleicht nicht ganz unrecht Captain...“ Wikland bemerkte, wie sein Blutdruck anstieg. Jetzt wollte auch noch sein erster Offizier für diese Leute in die Bresche springen. Er hatte sich alle Mühe gegeben seinen eigenen starken Drang nach Vergeltung zu unterdrücken aber alle anderen schienen eine Einmischung zu akzeptieren. „...wir konnten den wahrscheinlichen Aufenthaltsort der Rebellen ausfindig machen. Hier in diesem Waldgebiet haben sie eine große Basis errichtet, die extrem gut abgeschirmt ist.“ Er vergrößerte den Ausschnitt und es zeigte sich die gleiche Ansicht, die van Dyke nur eine halbe Stunde zuvor so intensiv betrachtet hatte. „Das ist ein ganz gewöhnlicher Wald, wie soll dort eine Basis der Untergrundbewegung sein, keine Straßen, keine Landeplattformen keine Energieanzeigen nur unberührte Natur.“ sagte Erek Kanor. „Genau das ist es, was jeder denken soll...“ quittierte van Dyke die Eingabe des Präsidenten, mit der er selbstverständlich gerechnet hatte. „...aber wenn Sie genau hinsehen meine Damen und Herren, werden Sie erkennen, dass in dem mittleren Bereich der Darstellung die Bäume vom Wind in vertikaler Richtung bewegt werden, während alle anderen sich horizontal bewegen. Das lässt darauf schließen, dass dieses Gebiet hier in der Mitte, mittels einer holographischen Matrix gegen fremde Blicke geschützt wurde. Eine geradezu perfekte Tarnung. Fast perfekt jedenfalls.“
„Sind Sie sicher, dass sich dort die Kommandobasis der Rebellen befindet Commander?“ Wikland, der die Ausführungen aufmerksam verfolgt hatte wollte wissen wie genau man den Standort identifiziert hatte. „Dieser Bereich ist sehr groß und weitläufig Captain, ich bin mir sicher, dass sich hier ein ganzes Dorf, wenn nicht eine Großgemeinde verbergen ließe. Sagte Holat Samas nicht, dass seine Anhänger und deren Familien in Sicherheit seien und wir keinen Zugriff auf sie haben würden? Ich glaube er hat sich leider geirrt.“ Die Mitglieder des zentralen Rates blickten sich freudig an. Sie sahen einen Hoffnungsschimmer, diese Rebellen mit Hilfe der Föderation zur Aufgabe zu zwingen und das geregelte Leben auf Sakras 5 wieder herzustellen. Aber ihre euphorischen Gedanken wurden schnell zunichte gemacht. „Captain, der Regierungspalast meldet sich.“ kam die Stimme von Carah Pehl aus dem Audiosystem. Die Bajoranerin klang besorgt und eine gewisse Dringlichkeit in ihrer Stimme verriet Wikland, dass es keine guten Neuigkeiten waren, die nun folgen sollten. „Stellen Sie durch!“ Alle blickten auf den Wandschirm, auf dem das Gesicht des ersten Sekretärs erschien. „Eure Exzellenzen, wir haben soeben ein Ultimatum von der Untergrundbewegung ‘Energie der Freiheit’ erhalten. Wenn wir nicht innerhalb von einer Stunde die Regierungsgeschäfte niederlegen, wollen die Rebellen den gesamten zentralen Rat vernichten.“ Wie zur Bestätigung verwandelte ein greller Blitz den Wandschirm in gleißendes weiß und man hörte im Hintergrund direkt darauf das Geräusch einer Detonation. Das Gesicht des Sekretärs verschwand für kurze Zeit vom Bildschirm, als er zurückkam hatte er vor Schrecken geweitete Augen, Zorn und Ernüchterung standen Ihm ins Gesicht geschrieben. Einige Tränen rollten ungewollt seine Wangen hinunter und er musste mehrmals schlucken, bevor er überhaupt fähig war weitere Worte zu artikulieren. „Die Rebellen haben die große Stadtklinik mit einer energetischen Bombe dem Erdboden gleichgemacht. keine Vorwarnung oder ähnliches. Das Ultimatum ist noch nicht einmal abgelaufen, wir hatten nicht einmal Gelegenheit unsere eventuelle Zustimmung zu geben.“
„Jetzt reicht es...“ Wikland sprang auf und stürmte durch die Tür auf die Brücke. Doch bevor er in der Lage war irgendwelche Anweisungen zu geben wurde das Bild des Sekretärs, welches von Carah blitzschnell auf den Hauptschirm gelegt worden war, vom Gesicht Holat Samas überlagert, der die gleiche Frequenz zur Nachrichtenübermittlung gewählt hatte. „Nun Captain, ich hoffe Sie haben unsere Nachricht erhalten. Ihre Zeit ist abgelaufen. Verschwinden Sie, oder wir werden Sie ebenfalls vernichten.“ Wikland bemerkte, dass es immer schwieriger wurde, den Zorn in seinem Körper unter Kontrolle zu halten. „Nicht ohne meine Crewmitglieder. Ich verlange die sofortige Freilassung meiner Männer, oder Sie werden mit den Konsequenzen leben müssen. Und glauben Sie mir eins, Samas, auch ich kann unerbittlich sein. Das Ergebnis dürfte Ihnen sehr schlecht bekommen.“ Der Führer der Separatisten setzte ein gehässiges Grinsen auf.„Sie haben hier gar keine Forderungen zu stellen Captain, wenn Sie nicht sofort verschwinden werden wir die Gefangenen umgehend hinrichten. Und sagen Sie Ihren Freunden von der Starbase sie sollen sich raushalten. Das hier geht nur uns etwas an. Ihre Crewmitglieder können Sie höchstens im Austausch gegen die Führer der unrechtmäßigen Regierung bekommen.“ Wikland drehte sich um zu den Repräsentanten von Sakras 5 und sah die betroffenen Gesichter. „Das steht auf gar keinen Fall zur Diskussion, Sie stehen unter direktem Schutz der Föderation.“ Antwortete er wobei er seinen Blick fest auf den Bildschirm richtete. „Wie Sie wollen, das was jetzt passiert ist allein Ihre Schuld.“ Damit verschwand der Rebellenführer vom Bildschirm und der etwas verwirrte Sekretär der Regierung war wieder zu sehen. Weitere Detonationen waren von draußen zu hören und Wikland wurde klar, dass man mit den Rebellen nicht verhandeln konnte.
„Eure Exzellenzen,...“ Wikland blickte die Mitglieder des zentralen Rates an, „... Sie können gerne an Bord unseres Schiffes bleiben, wir werden Ihnen maximalen Schutz gewähren, aber Sie haben recht, diesen Handlungen muss Einhalt geboten werden.“ Das Angebot des Captains wurde angesichts der drohenden Gefahr gerne angenommen. Alle Sakranianer außer Avallia Sen standen beieinander und redeten unentwegt über die soeben gesehenen Bilder. Avallia sah Wikland in die Augen und fragte ihn dann: „Was werden Sie jetzt tun Captain, werden Sie uns helfen?“ Wikland wandte sich seiner Crew zu und überlegte kurz. Dann hatte er sich entschieden. „Lieutenant setzen Sie einen Kurs auf eins sieben vier komma zwei sieben null und beschleunigen Sie auf Warp zwei. Wir verlassen diesen Sektor.“ sagte der Captain und ließ sich auf seinem Stuhl nieder. „Aye, Sir“ kam die Antwort von der Conn. Wikland erkannte an der Stimme, dass Ramirez diesen Befehl nur widerwillig ausführte, hieß es doch, die Crewmitglieder in der Gewalt der selbsternannten Freiheitskämpfer zu belassen. „Folgen Sie diesem Kurs für zwei Minuten, und dann ändern Sie ihn so, dass wir von jetzt an in zirka sieben Minuten auf der Rückseite des Mondes Arlat 4 unter Warp gehen können, Wir greifen diese Kindermörder an!“
Die Alexandria zog einen weiten Bogen durchs All und Captain Wikland nutzte die Zeit, sein Schiff gefechtsbereit zu machen. Er befahl Alarmstufe rot und die Leuchtbänder in der Wand flammten sofort in entsprechend rotem Licht auf. Alle Offiziere und Mannschaftsmitglieder hasteten zu ihren Stationen, während der akustische Alarm aufheulte, begleitet von der Standardmeldung des Computers. Die zusätzlichen Sicherheitsleute erschienen auf der Brücke und die Regierungsmitglieder des Planeten wurden in sichere Quartiere in der Schiffsmitte eskortiert. Die letzte Feldübung hatte gezeigt, dass bei einer Notsituation alle notwendigen Schritte in weniger als fünf Minuten durchgeführt werden konnten. So dass die volle Kampfbereitschaft schon nach kurzer Zeit zur Verfügung stand. „Wikland an Shuttlehangar, rüsten Sie die Northlander um, wir brauchen den Spezialschild um unsere Runabouts zu schützen. Außerdem sollen sich die Piloten für die Shuttles bereithalten, wir werden möglicherweise Flankenschutz benötigen. Taktik, bereiten Sie sich auf einen schnellen Angriff vor. Ich möchte, dass so viele Angreifer wie möglich in kürzester Zeit unschädlich gemacht werden. Keine Kompromisse, wenn Sie Gelegenheit zum Schuss bekommen verwenden Sie das höchste Energieniveau um sicherzustellen, dass von diesem Schiff keine Gefahr mehr ausgeht..“ Die Gesichtszüge des Captains zeigten eine wilde Entschlossenheit, und van Dyke der seinen Platz neben dem Captain eingenommen hatte, lief ein eisiger Schauer den Rücken hinunter. Wikland aktivierte seinen Kommunikator. „Commander Jefferson, können Sie den Transport unserer Crewmitglieder auf mein Kommando hin durch die Station Merlin durchführen lassen?“ Wikland wusste das es möglich war, er wollte nur eine Bestätigung. „Das ist kein Problem Captain, ich habe die notwendigen Protokolle bereits an Commander Graves übermittelt. Sagen Sie mir nur wann.“Antwortete J.J. „Danke Commander, ich melde mich wieder, Wikland Ende.“
„Captain, noch zwei Minuten bis zum Erreichen des Mondes Arlat 4, Die Abtastung zeigt, dass die Flotte sich bereitmacht um abzufliegen.“ Meldete K’Orak von der Sensorenstation. Wikland zögerte keine Sekunde. „Wikland an Shuttlehangar. Runabouts ausschleusen, Muster Wikland Alpha vier, die erste Gruppe von Shuttles soll sich bereithalten um zu starten sowie wir unter Warp gegangen sind.“ Wies der Captain denChef des Hangardecks an. „Erledigt Captain, die Runabouts sind schon auf dem Weg.“ meldete Andy Duke, der die Kontrollen der Shuttlerampe an seiner Station überwachte. „Dann los...“ sagte Wikland. „...Ramirez, gehen sie unter Warp und halten Sie sich bereit für das erste Angriffsmanöver. Lieutenant Ran Sie haben Feuererlaubnis, setzen Sie alles außer Gefecht was erreichbar ist. Achtung Piloten der Runabouts. Nutzen Sie jede Gelegenheit zum Feuern und machen Sie keine Kompromisse.“ Die Warpstreifen auf dem Hauptschirm wurden kürzer und der Mond Arlat 4 tauchte sehr nahe vor Ihnen auf. Einige Schiffe der Rebellenflotte hatten bereits Fahrt aufgenommen und glitten langsam im Schutz des Mondes in Richtung Sakras 5. Alles deutete darauf hin, dass Holat Samas tatsächlich einen großen Angriff plante. „Commander Jefferson, beamen Sie jetzt!“ rief Wikland worauf von J.J. die prompte Antwort aus dem Maschinenraum kam „Verstanden Sir, Transport wird durchgeführt.“ Die Alexandria und die Runabouts hielten weiterhin auf den Mond zu und gingen auf Gefechtsgeschwindigkeit. Fünf kleine Kampfflieger lösten sich aus dem Verband der Rebellen und nahmen Kurs auf die Schiffe der Sternenflotte. Drei der Runabouts nahmen eine Position an der Spitze eines gleichschenkligen Dreiecks ein, während die Northlander den Mittelpunkt im Dreieck einnahm und mit Ihrem Spezialschild die anderen Schiffe einschloss. Die kleinen Jäger waren kaum in Waffenreichweite, als das erste Runabout bereits das Feuer eröffnete. Ein kräftiger Phaserstrahl traf das kleine vironische Kampfschiff das mit seiner ballähnlichen Form und seiner unebenen Oberfläche eher an eine Tauchkugel als an ein Raumschiff erinnerte. Der Strahl folgte dem Schiff, bis es die Runabouts überflogen hatte. Das kleine Schiff wurde heftig durchgeschüttelt und an dem dunklen energetischen Glühen konnte man erkennen, dass seine Schilde nur noch mit niedriger Energie gespeist wurden. Ihm folgten zwei bajoranische Fighter, die sich durch ihre Wendigkeit auszeichneten und mit viel Geschick gesteuert wurden. Sie waren mit den Phasern der Runabouts nur schwer zu erfassen und trugen nur geringfügige Schäden bei Ihrem ersten Angriff davon. Der Phaserbeschuss der auf die Runabouts der Alexandria gerichtet war wurde von dem zusätzlichen Abwehrschirm der Northlander erfolgreich absorbiert. Inzwischen hatte der Kampfverband den Angriff der Alexandria bewertet und anscheinend als unwichtig befunden, denn nur zwei der Großraumschiffe und einige wenige Kreuzer scherten mit zusätzlichen Einmannjägern in Richtung der Angreifer aus.
„Lieutenant Ran, nehmen Sie die Rebellen unter Beschuss. Wikland an Shuttlehangar eins. Die erste Gruppe der Shuttles soll starten und den Runabouts Flankenschutz geben, wir werden versuchen die Großraumschiffe und den restlichen Kampfverband auszuschalten.“ Der Captain gab seine Anweisungen mit der geübten Präzision eines Kommandanten. Es gab keine Unklarheiten und seine Befehle wurden umgehend ausgeführt. Auf dem Hauptschirm konnte man erkennen, wie die Shuttles zu den Runabouts stießen und die rechte und linke Seite der Formation absicherten. „Ramirez, bringen Sie uns in Position zu den Großraumschiffen, aber so, dass wir den restlichen Verband nicht aus den Augen verlieren.“ Die Bestätigung des jungen Lieutenants an der Conn wurde von einem abrupten Richtungswechsel begleitet, der die Alexandria direkt in den Kurs der Rebellen brachte. Ran Byrell hatte eines seiner neuen Kampfprogramme in die Standardauswahl der Waffenkontrolle geladen und tippte nun eine Folge von Anweisungen in die Sensorschaltfläche. Die beiden Großraumer bildeten gemeinsam mit den Kreuzern eine kompakte Formation, die sich mit langsamer Geschwindigkeit näherte. Offensichtlich wollte man Zeit für den Rest der Flotte gewinnen, damit diese ihren sicherlich tödlichen Auftrag auf der Planetenoberfläche durchführen konnte. Aber der junge Lieutenant an der taktischen Station hatte vorgesorgt. Er suchte sich für seinen ersten Angriff einen leichten Kreuzer aus, der unterhalb der beiden Großraumer flog. Eine kurze Reihe von drei Photonen Torpedos verließ die Alexandria und gleichzeitig feuerte er mit den Phasern auf die Schilde der großen Kampfschiffe. Die Torpedos schlugen direkt auf dem Kreuzer ein und mit einer gewaltigen Explosion zerbarst das Schiff in viele Teile. Ein von Ran Byrell sorgfältig gewählter Schuss, denn die nun umherfliegenden Trümmer und die Druckwelle belasteten und schwächten die Schilde an der Unterseite der beiden Hauptschiffe. Noch bevor die Explosion verklungen war schoss die nächste Reihe von Torpedos auf die Schiffe zu und schlug genau auf den geschwächten Schilden ein. Die Abschirmung brach zusammen und die folgenden Phaserstöße rissen bereits einige Löcher in die Außenhaut der Rebellenschiffe. Auf dem rechten Schiff schienen die Schäden besonders heftig zu sein, denn im hinteren Bereich konnte man ein Plasmaleck erkennen und kurz darauf versagte auch bei diesem Raumer die strukturelle Integrität. Er brach auseinander noch bevor sich Fluchtkapseln lösen konnten und die begleitenden Jäger konnten der Gefahr durch Trümmer nicht mehr ausweichen. Vier von Ihnen wurden an Antrieb und Steuerung so stark beschädigt, dass sie zurückfielen und nicht mehr ins Geschehen eingreifen konnten. Inzwischen war die Alexandria so nahe, dass sie fast über den noch verbliebenen Schiffen schwebte. Die von dem verbliebenen Verband abgefeuerten Torpedos und Phaserschüsse schlugen hart an den Schilden des Föderationsschiffes ein, konnten jedoch keine wesentlichen Schäden hervorrufen. Die Runabouts und Shuttles hatten inzwischen bereits viele der kleinen Jäger ausgeschaltet und griffen nun ebenfalls den restlichen Verband an, der nunmehr nur noch aus einem stark angeschlagenen Hauptschiff und zwei Kreuzern bestand, die mehr damit beschäftigt waren Ihre eigenen Schilde zu schützen, als dem großen Schiff Deckung und Beistand zu geben. „Wikland an die Piloten der Runabouts, Erledigen Sie hier den Rest, wir werden die Hauptflotte dieser Halunken stellen.“ Der Captain blickte auf den Schirm auf dem die Flotte der Rebellengruppe zu sehen war, die inzwischen den Mond umkreist hatte und einige Schiffe auf den Atmosphärenflug zum Planeten vorbereitete. „Verstanden Captain...“ War die Stimme des Piloten zu hören, der die Northlander in der Mitte der Runabouts befehligte. „...wir erledigen das für Sie. Viel Glück und gute Jagd.“
Damit löste sich die Formation auf und gemeinsam flogen sie nach einem abwechselnden Muster aus verschiedenen Richtungen über die verbliebenen Schiffe und feuerten Ihre Phaser ab. Die unerwartete kräftige Phaserentladung eines Kreuzers traf das Shuttle Piggy welches schwer getroffen außer Kontrolle geriet und davon trudelte. Das war dann aber auch der letzte Erfolg der Rebellenflotte denn Sekundenbruchteile später brachten zwei Mikrotorpedos aus der Amazonas die Lichter auf dem Kreuzer zum Erlöschen. Obwohl die Schiffe der Rebellen bereits schwer beschädigt waren dachten Sie nicht im Traum daran ihre Gegenwehr einzustellen. Immer wieder feuerten Sie mit Ihren schwächer werdenden Energiewaffen auf die kleinen Föderationsschiffe, die wie ein Bienenschwarm um die Kreuzer kreisten.
Die Alexandria hatte den Hauptverband schnell eingeholt. Allein und ohne Unterstützung durch die Runabouts würde sich nun zeigen, ob die Entscheidung zum Angriff nicht doch ein wenig überheblich gewesen war. Der Captain saß in seinem Stuhl und schaute mit energischem Blick auf den Hauptschirm, auf dem die Rebellenflotte zu sehen war. Ein bunt gemischter Haufen von Schiffen, wie es die Abtastung hatte erkennen lassen. Er hatte durch seine Anweisungen keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass er diese Aktion selbst befehligen wollte. Alle Offiziere akzeptierten diese Einstellung, nur van Dyke machte sich innerlich seine eigenen Gedanken zu dieser Vorgehensweise. Sie entsprach überhaupt nicht den Regeln und Direktiven der Sternenflotte und man konnte auch bei großzügiger Auslegung diesen Angriff nicht rechtfertigen. Van Dyke hatte viel mehr den Eindruck, dass der Captain sich in dieser Situation von blindem Hass leiten ließ. Der Hauptverband war deutlich größer und auch die Schiffe waren in deutlich besserem Zustand, als es bei den ersten der Fall gewesen war. Ein fataler Fehler, der Samas dem Rebellenführer hier unterlaufen war. Denn einen potentiellen Gegner durch die zweite Garde stoppen zu wollen war eine taktisch unkluge Entscheidung. Aber das lag wohl eher an der mangelnden Ausbildung und der fehlenden Kampferfahrung, die bei den Sakranianern aus den bekannten Gründen nicht vorhanden war.
„Captain, das sind eine Menge Schiffe. Das wird uns schwer zu schaffen machen.“ Bemerkte Andy Duke, der gerade festgestellt hatte, dass insgesamt noch 31 Schiffe in dem Verband flogen und darunter noch drei Großraumer und einige schwerbewaffnete Kreuzer waren. „Das ist mir schon klar Lieutenant, aber ich bin mir auch sicher, dass so ein Haufen zusammengeschusterter Technik mit Sicherheit schwerer zu handhaben ist als unser Schiff, das einen harmonischen Aufbau hat und ein homogenes System bildet. Außerdem wird die Schnelligkeit unser Verbündeter sein.“ Wikland drehte sich zu Ran Byrell, der an seiner Konsole stand und bereit war alle Möglichkeiten der Waffensysteme einzusetzen. Für van Dyke wirkte er wie ein kleiner Junge, der an einer Schießbude stand und auf Plastikrosen zielte. Ein Bild, welches er aus einem Holodeckroman kannte, der auf einem Jahrmarkt des späten zwanzigsten Jahrhunderts spielte. „Lieutenant“ begann Wikland mit ernster Mine. „Wir werden die Rebellenflotte mit Kampfgeschwindigkeit passieren und Sie haben nur kurz die Gelegenheit zu feuern. Wählen Sie Ihre Ziele sorgfältig aus. Ich akzeptiere lieber zwei Volltreffer als fünf Streifschüsse.“ „Ich werde mein Möglichstes tun, Sir.“ antwortete Ran und straffte seinen Körper. Die Anspannung in ihm war zu einem angenehmen ständigen Kribbeln geworden, welches ihn immer wieder aufs Neue faszinierte und ihn zu Höchstleistungen brachte. Nicht umsonst hatte er bei seiner letzten Schieß- und Trefferübung im Sternenflotten Ausbildungszentrum den Lehrgang mit Auszeichnung bestanden und den Phaser Range 13 erhalten was ihn dazu berechtigte vom Silvesterknaller bis zur planetaren Novabombe alles zu benutzen was man zum Schießen oder Sprengen verwenden konnte.
Der Captain nickte zufrieden und richtete sich an Ramirez, der bereits auf weitere Anweisungen wartete. „Ramirez, verwenden Sie das Angriffsmuster Starfleet Alpha Tango und variieren Sie die Angriffsschleifen in dreidimensionaler Hinsicht, Sie wissen ich mag’s gerne von allen Seiten. Besonders dann, wenn der Gegner nur zweidimensional denkt.“ „Aye aye, Sir.“ kam die Anwort vom Steuerpult und sofort beschleunigte die Alexandria ein wenig und flog den Kampfverband von hinten an. in angemessenem Abstand flog die Alexandria über die Schiffe, die sofort ihre Waffen in Richtung des Föderationsschiffes sprechen ließen. Mehrere Einschläge von kleinen energetischen Torpedos und reichlich Phaserfeuer belastete die vorderen Schilde und schüttelte die gesamte Crew kräftig durch. Während das Schiff der Nebula Klasse die bunten Reihen der Rebellen überflog konzentrierten sich seine Phaserentladungen auf die kleinen Angriffs und Einmannjäger, die ausscherten um dem Verband Deckung zu geben. zwei von Ihnen zerbarsten sofort, drei weitere erlitten Schäden an den Maschinensektionen und wurden langsam. Für sie war der Kampf schon jetzt vorbei. Die Alexandria kam zur Spitze der Flotte an der die drei Großraumer flogen. Zwei lange Torpedoreihen huschten auf die Plasmaauslasskanäle der Schiffe zu und explodierten auf den Schilden ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Das Gesicht von Wikland verzog sich zu einer unzufriedenen Grimasse aber im selben Moment hörte er die Stimme von Ran Byrell aus dem Hintergrund der sich an Ramirez wandte „Ramirez, führen Sie uns beim nächsten Angriff vom oberhalb rückwärtigen Bereich an diese Schiffe heran. Da kann man jetzt mit Keksen werfen und dann sind die Maschinen aus.“ Das Föderationsschiff flog einen eleganten Bogen nach oben und zog eine enge Schleife. Beim zweiten Anflug setzte Ran Byrell alle Phaser ein und zielte auf die gleichen Stellen. An einem Raumer erlosch der Antrieb völlig und auf dem zweiten versagte das Steuerbordtriebwerk.
Inzwischen hatte sich der Kampfverband der Rebellen auf den Angreifer eingestellt und zog nun seinerseits Kreise um das Schiff der Sternenflotte. Immer wieder erschütterten die Einschläge von Phasern und kleinen Energiebomben den Rumpf des Schiffes, bis plötzlich ein gewaltiger Ruck durch die Alexandria fuhr. Die Lichter auf der Brücke flackerten und zwei der Deckenleuchten gingen aus. „Was war das?“ fragte Wikland. Im Halbdunkel der Brücke war hastige Betriebsamkeit zu erkennen. „Das Captain, war ein Föderationstorpedo mit einer doppelten Ladung Materie/Antimaterie.“ Entgegnete van Dyke, der sich sofort an die wissenschaftliche Station begeben hatte um den dort diensthabenden Offizier zu unterstützen. Abgefeuert wurde er von diesem kleinen korellischen Frachter am rechten Rand. „Die vorderen Schilde sind runter auf 70 Prozent Captain. Ich hoffe die haben nicht noch mehr von der Sorte.“ kam die besorgte Stimme von Alisha die an der OPS saß und die Werte der Schiffsintegrität ablas. „Verdammt, wie kommen die an Föderationstechnologie?“ schnaubte Wikland und seine Augen glühten vor Zorn. Es war also wie immer im Leben, wenn nur jemand die richtige Summe zahlte, oder einen schon lange gehegten Wunsch erfüllen konnte, dann waren auch Mitglieder der Föderation bereit ihre Gemeinschaft zu schwächen, ja sogar zu verraten indem sie das Waffenpotential und die Technik dafür an andere weitergaben. „Commander, ich will, dass Sie sich mit einer alternativen Angriffstaktik befassen. Eventuell müssen wir einen Trumpf aus dem Ärmel ziehen, wenn es hier allzu eng wird. Von mir aus greifen Sie in Ihrer Trickkiste bis auf den Boden, aber wir brauchen etwas effektives. Ich will, dass keiner von denen übrigbleibt!. Habe ich mich klar ausgedrückt?“ Van Dyke blickte den Captain zwei lange Sekunden an und sagte dann: „Selbstverständlich, Sir. Ich werde Ihnen meine Vorschläge so schnell wie möglich vorstellen.“ Damit wandte er sich ab und ging in den Besprechungsraum. Ihm war klar, was Wikland damit meinte, allerdings hatte er ohnehin nur auf die Gelegenheit gewartet in diesem Spiel einige seiner eigenen Karten aus dem Ärmel zu ziehen. Nun hieß es den richtigen Weg zu finden um den Captain zu stoppen und dabei noch nebenbei die Alexandria und die Bewohner des Planeten zu retten. Selbstverständlich auf eine Weise, die keinen Zweifel an der Integrität des Captains aufkommen lassen würde. Eine ganz besondere Herausforderung wie van Dyke sie bislang nur selten erlebt hatte. Er war ganz allein im Besprechungsraum. Durch die Fenster konnte er den hinteren Bereich des Schiffes sehen und die vielen Angriffsflieger, die in immer neuen Anläufen versuchten die Alexandria zu überfliegen und ihre Treffer zu landen. Meist wischten Sie plötzlich und unerwartet in unnatürlichen Flugbahnen über, neben oder unter dem Schiff vorbei. Das lag daran, dass man durch das Trägheitsdämpfungsfeld die Kurswechsel nicht körperlich fühlte und lediglich an der ungewöhnlichen Flugbahn der anderen Schiffe sah, dass die Alexandria wieder einen Haken geschlagen hatte.
Während van Dyke die Daten über die Rebellen und den Mond studierte, konnte er sehen wie aus dem hinteren Hangar der Alexandria eine Gruppe von fünf Shuttles zum Flankenschutz abflog. Der Captain, der sich unverkennbar in diesen Angriff hineingesteigert hatte suchte nach einer völlig anders gearteten Ausweichtaktik. So jedenfalls hatte es van Dyke aufgefasst, aber was wollte Wikland damit erreichen?Er wusste, dass er einen Weg finden musste um diese Kämpfe zu beenden, der Captain hatte sich in den Kampf verbissen und war entschlossen in dieser Sache nicht nachzugeben. Van Dyke hatte den Captain so verstanden als wolle er keine Gefangenen machen, und schon gar nicht mit diesen Leuten verhandeln. Sicherlich, vornehmliches Ziel musste es nun sein, die Rebellen zu stoppen und die geordneten Verhältnisse auf dem Planeten wieder herzustellen. Im Gedanken ging van Dyke eine Reihe von Ideen durch und prüfte sie auf ihre Durchführbarkeit und Wirkung. Alle Angriffsideen scheiterten daran, dass die Schlagkraft und die gesamte Kapazität der Alexandria in diesem Kampf bereits gebunden war. Mehrere heftige Schläge die das ganze Schiff durchschüttelten rissen Ihn aus seiner Konzentration. Von der Brücke war ein Alarmsignal zu hören, das auf einen Hüllenbruch schließen ließ. Aus dem Fenster blickend erkannte er den Grund dafür, einige Wrackteile trudelten nach hinten und schlugen dabei noch kurz gegen die Außenwand des Modulsegments. Gott sei dank richteten Sie außer ein paar Beulen keine weiteren Schäden oder Hüllenbrüche an. Anscheinend war einer der Kampfflieger auf dem Rumpf aufgeschlagen. Es war nicht zu erkennen ob dies nach dem Beschuss oder durch einen Rammversuch geschehen war, aber es verdeutlichte van Dyke, dass die Zeit knapp wurde und er sich mit seiner Lösung beeilen musste. Den Anführer zu lokalisieren und auszuschalten würde zu lange dauern. Bestimmt würde ein anderer seinen Platz einnehmen und den Terror in gleichem oder stärkerem Maße weiterführen. Man brauchte etwas, was am besten alle Rebellen betraf und das man um jeden Preis schützen oder nicht verlieren wollte. Van Dyke rief sich die Worte von Holat Samas wieder ins Gedächtnis. Er aktivierte das Wanddisplay und ließ die Aufzeichnung des Gespräches mit Wikland noch einmal ablaufen. Das war der Schlüssel, genau, die Familien der Rebellen. In dem Waldstück, welches mit einer Holomatrix versehen war, musste sich das Versteck der Angehörigen der Rebellen befinden. Ein guter Vorstoß und die Belagerung mit entsprechend ausgestatteten und kampferfahrenen Offizieren sollte ihm genügen. Ein Blick auf die Bestands- und Einsatzliste der Shuttles ließ seine Euphorie jedoch schnell wieder sinken. Gerade mal drei Shuttles des Typs 6 und zwei Shuttles des Typs 7 waren verfügbar, keine ausreichende Anzahl um ein Gebiet so groß wie eine Kleinstadt zu bedrohen und in Schach zu halten. Ein kurzer Signalton des Computers ertönte und erinnerte van Dyke an die Berechnung des Energieverbrauchs der Holosonde, die er alle 12 Stunden durchführte um sicherzugehen, dass man nicht zu spät in den Raum der Dalerianer zurückkehrte. Dabei kam ihm die rettende Idee, eigentlich brauchte er nicht mehr als ein bis zwei Shuttles. Er tippte an seinen Kommunikator „Van Dyke an Lieutenant Mor, Lt. Commander Dent und Lt. Commander Jefferson. Erinnern sie sich noch an das Baby, dem wir neulich Geburtshilfe gegeben haben ? ich benötige noch fünf weitere davon für einen ähnlichen Zweck. Bitte bereiten Sie die nötigen Umbauten vor. Ich werde in Kürze zu Ihnen stoßen und das Programm erstellen. Wir müssen uns beeilen denn unser Überleben könnte eventuell davon abhängen, aber mit unserer Erfahrung auf diesem Sektor denke ich, sollten wir es problemlos schaffen.“erkärte er kurz sein Vorhaben. „Hier Jefferson, verstanden Commander wir bereiten Ihre Kinder im Maschinenraum vor, ich kann hier nämlich zur Zeit nicht weg. Maschinenraum Ende.“ Im Hintergrund waren Stimmengewirr und laute Rufe zu hören, die van Dyke signalisierten, dass dort ernsthafte Probleme zu lösen waren. Auch die Meldungen der anderen Offiziere kamen prompt und so machte sich van Dyke daran seine Lösung auf ein PADD zu übertragen und eilte auf die Brücke. Dort herrschte ein erschreckendes Szenario. Noch immer war die Beleuchtung mehr schemenhaft als ausreichend. Einige der Deckenplatten hatten sich anscheinend beim Zusammenstoß mit dem kleinen Jäger gelöst und waren aus ihren Verankerungen gebrochen. Zwei Konsolen der Wissenschaftsstation waren total ausgefallen und an den Rändern zur Vertäfelung waren deutliche Brandspuren erkennbar. Auf dem Hauptschirm war gerade freier Himmel zu sehen, dann mit einer langsamen Wende kam die Rebellenflotte wieder in Sicht. Fast alle Schiffe hatten inzwischen mittelschwere Schäden davongetragen, aber mindestens zehn waren noch kampffähig und formierten sich für einen weiteren Angriffsflug auf die Alexandria. Von den kleinen Jägern waren nur noch zwei verblieben und auch die Kreuzer waren nur noch sieben. Das letzte Großraumschiff machte trotz der häufigen Angriffe der Alexandria immer noch einen fast unbeschädigten Eindruck und führte auch das kleine Kontingent der Gegner an.
Van Dyke drückte dem Captain das PADD in die Hand, er wusste, dass sich Wikland eine weitere Angriffstatik erhofft hatte, aber van Dyke wollte der Vernichtungswut Wiklands einen Riegel vorschieben. Daher nahm er Ihm gleich den Wind aus den Segeln und sagte zu ihm: „Es tut mir leid Captain, aber das ist die einzige Alternative, die ich Ihnen mit den derzeitigen Mitteln anbieten kann. Ich bin aber davon überzeugt, dass sie funktionieren wird.“ Wikland blickte stumm auf die Anzeige des PADDs, welche ihm die vorgesehene Planung zeigte. „Und wer soll das durchführen Nummer eins? Dazu brauchen Sie einen erfahrenen Mann mit einer gesunden Portion Selbstmordbereitschaft.“ Van Dyke straffte sich und erwiderte: „Nun Sir, ich dachte, das ich das selbst in die Hand nehme. Sie kommen hier ja sicherlich ohne mich aus.“ Wikland sah den Commander kurz und prüfend mit seinen stahlblauen Augen an. „In Ordnung Commander, melden Sie sich, wenn Sie soweit sind, wir werden dann unseren Kurs entsprechend verändern. Viel Glück Nummer eins.“ Damit entließ er van Dyke von der Brücke, der kurz darauf den einzigen aktiven Turbolift betrat, denn der Zweite wurde bei Rotalarm grundsätzlich automatisch deaktiviert um zu verhindern, dass eventuelle Eindringlinge die Brücke entern könnten. Während van Dyke mit dem Turbolift zum Shuttlehangar unterwegs war, dachte er über die Worte nach, die er dem Captain gesagt hatte. Er war durchaus nicht der Meinung, dass Wikland zur Zeit alles im Griff hatte. Dieser Angriff glich eher einem Rachfeldzug, als einer für Sternenflotten Maßstäbe diplomatischen Vorgehensweise. Aber anstatt sich mit dem Captain auf einen Streit einzulassen, hatte er einen anderen Weg gewählt um diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Der Turbolift hielt auf Deck vier und van Dyke eilte durch den Korridor zum Hauptshuttlehangar. Als sich die Tür zu der großen Halle leise zischend öffnete empfing Ihn Fähnrich Riseman mit aufgeregt herumfuchtelnden Armen, die van Dyke bedeuteten zurückzubleiben. Kurz darauf schoss eines der Shuttles durch das geöffnete Haupttor in den Hangar, schlitterte mit heftigem Funkensprühen quer durch die Halle, wobei es laute kreischende Geräusche erzeugte. Erst kurz vor der Wand wurde es durch ein quer gespanntes Polymernetz aufgefangen und zum Stillstand gebracht. Mehrere Brandspuren an den Seiten deuteten unmissverständlich daraufhin, dass es wiederholt ins Kreuzfeuer der Gegner geraten war. Während die Antriebsspulen noch unter großer Hitze Dampf ausstießen öffnete sich die hintere Luke und die beiden jungen Offiziere Hagman und Simmons stolperten aus dem Shuttle, dichter Rauch quoll aus dem Innenraum des kleinen Gefährts. „Mann, die haben uns ganz schön in die Zange genommen. Der letzte Treffer hat uns glatt die Leitungen zum Antrieb durchschmoren lassen. Gott sei dank hat die strukturelle Integrität gehalten. Auch die Schildenergie war noch bei gut 70 Prozent, aber ohne Antrieb wenn man sich nicht weg bewegen kann ist man diesen Kerlen hilflos ausgesetzt.“ Simmons wischte sich mit dem Ärmel über das rauchgeschwärzte und verschwitzte Gesicht. „Und wie habt Ihr das Ding wieder in Gang gekriegt?“ wollte Fähnrich Riseman wissen. „Haben wir gar nicht...“ sagte Hagman der untersetzte und braunhaarige Bursche, der nach seinem Aussehen zu urteilen einem Bergvolk aus den Anden entstammen konnte, „...ich habe einfach den Druck aus den hinteren Zusatzsauerstofftanks abgelassen um Geschwindigkeit zu machen, fürs Lenken haben wir die kleinen Manöverdüsen benutzt. Nur zum Bremsen gab’s halt nichts. Sorry, dass wir Deinen schönen Boden verkratzt haben. Da wirst Du jetzt erst mal Bohnern müssen, und das, bevor der Alte die nächste Inspektion macht.“ Die kleine Gruppe lachte kurz auf. Ein Zeichen dafür, dass die Crew auch mit solch brisanten Situationen umzugehen wusste und die ständig präsente Gefahr zu verdrängen vermochte.
Van Dyke ging ans Überwachungspult, an dem Lieutenant Otumbwe Dienst hatte. Er hatte ebenfalls alle Hände voll zu tun und aktivierte gerade den Lastenlift, der ein weiteres Shuttle aus dem unteren Lagerraum in den Haupthangar beförderte. Der Lärm in der Halle zwang van Dyke lauter zu sprechen, wobei er sich bemühte, dass es nicht in Schreien ausartete. „Lieutenant, wo ist das Shuttle, welches ich vorhin angefordert habe?“ fragte er den hochgewasenen afrikanischen Mann, der nur kurz aufblickte und gleich wieder seine Kontrollen überprüfte. „Das kommt gleich mit dem Lastenlift hoch Sir, wir mussten hier kurzfristig ein wenig Platz schaffen, wie Sie sicherlich bemerkt haben.“ „Gut, was schätzen Sie wieviele Personen in ein Shuttle des Typs 7 hineinpassen, wenn man Sie eng stellt.?“ Otumbwe sah van Dyke verwirrt an. „Normalerweise ist das Shuttle für sechs Personen und zwei Flugbegleiter ausgelegt Sir.“ Van Dyke blickte dem Lieutenant entnervt in die Augen. Ihm lief die Zeit davon. „Ja, das ist mir auch klar. Meinen Sie man kann für einen kurzen Moment 25 bis 30 Personen in voller Kampfmontur inklusive Phasergewehren hineinquetschen?“ Er schaute den stellvertretenden Chefingenieur an und wartete auf eine Antwort. „Nun das müsste man versuchen Sir.“ kam es zögernd. Otumbwe war es noch immer nicht klar, warum und wofür der Commander eine so große Anzahl von Leuten in ein so kleines Shuttle zwängen wollte.„Lieutenant besorgen Sie sich 30 bis 35 Leute, die vollständige Marschausrüstung tragen und geben Sie jedem ein Phasergewehr des Typs drei geladen und auf höchste Energiestufe eingestellt in die Hand. Es sollen so viele wie möglich in das Shuttle gehen und sie sollen die Finger vom Abzug lassen. Wenn es soweit ist sagen Sie mir Bescheid, ich bin an der zweiten Computerkonsole dort drüben. Das ist alles.“ Otumbwe nickte und tippte sofort auf seinen Kommunikator. Er gab eine Reihe von Anweisungen und bemühte sich die Dringlichkeit der Aufgabe durch einen sehr militärischen Tonfall inklusive aller dafür üblichen Mataphern zu verdeutlichen. Die Hebevorrichtung nahm derweil das Shuttle George von der Liftplattform und setzte es millimetergenau auf die Vorbereitungsfläche. Zwei Crewmitglieder der Technik machten sich sofort daran die Einsatzbereitschaft herzustellen. Van Dyke aktivierte die Konstruktionspläne des Shuttles um daraus die Daten für eine Holoprojektion zu generieren. Nachdem er alle Details übertragen hatte rief Otumbwe zu ihm herüber, dass die gewünschten Crewmitglieder bereitstünden. Van Dyke drehte sich um und sah mehr als dreißig Personen mit voller Marschausrüstung und Phasergewehren am Rand der riesigen Shuttlehalle stehen. Er trat auf Sie zu und erklärte seine Wünsche: „Also meine Damen und Herren, ich benötige eine Sensoraufzeichnung von Personen, die mit voller Montur in diesem Shuttle sitzen. Dabei ist es nicht wichtig, dass Sie sich wohl fühlen, oder ob Sie sich bewegen können. Es sollen einfach nur so viele wie möglich sein. Haben Sie mich verstanden?“ Ein Raunen ging durch die Menge und einige der Fähnriche und Mannschaftsmitglieder flüsterten untereinander, aber es gab keine Wortmeldung. „Gut dann achten Sie bitte darauf, dass keiner den Finger am Abzug hat, Löcher in der Kabine sind das letzte was ich brauche. Bitte mit Disziplin und Ruhe. Die Abtastung die ich vornehme wird ungefähr 5 Minuten dauern. Solange müssen Sie sich ruhig verhalten. Und jetzt los.“ Nacheinander bestiegen die Personen das kleine Schiff und van Dyke zählte sorgfältig mit. Nachdem bereits 27 Mann dichtgedrängt im Shuttle standen versuchte Van Dyke noch weitere Leute unterzubringen, aber auch mit aufrücken und Pressen waren maximal 31 Personen unterzubringen. Van Dyke startete den Multiscan und zeichnete die Lebenszeichen aller Personen, sowie alle Energiesignaturen der mitgeführten Ausrüstung auf. Als die Aufzeichnung abgeschlossen war entließ er die Leute langsam aus dem engen Verlies, und schickte sie wieder dahin zurück, wo Lieutenant Otumbwe sie vorher abgezogen hatte, wo auch immer das war.
„Lieutenant, lassen Sie die Standard-Phaserstrahler gegen die neuen Hochleistungs-Pulsphaser austauschen und verbinden Sie diese mit der Sekundären Hauptleitung. Wir bereiten noch eine zusätzliche Energiezelle für dieses Shuttle vor. Ich will in zehn Minuten starten. Also, die Zeit drängt.“ Während van Dyke die letzten Worte sprach, war er schon dabei den Hangar zu verlassen und in den Maschinenraum zu gelangen. Dort herrschte hektische Aktivität. Jan van Holt und J.J. kamen gerade mit einer defekten EPS-Leitung aus der Jeffreys-Röhre gekrochen und van Holt eilte in einen Nebenraum um Ersatz zu holen. Mit einem jungen Fähnrich verschwand er gleich darauf wieder in der Röhre. Jaqueline Jefferson kam auf van Dyke zu und wischte sich mit der Hand über die Stirn. Ihre blonden Haare waren ein wenig durcheinander und sie sah ziemlich abgekämpft aus. „Hallo Commander...“ rief sie, „...Sie wollten doch schon vor einer Stunde hier sein um mich zum Essen abzuholen.“ versuchte sie einen Scherz zu machen, aber in der Mischung aus blinkenden Kontrollampen, akustischen Signalen und den Stimmen der Crewmitglieder, die sich Informationen und Anweisungen zuriefen ging die Pointe verloren und sie senkte verzweifelt den Kopf. „Ihre Babys stehen hier drüben, die Datenleitung steckt schon drin, Sie brauchen nur noch Ihr Programm zu übertragen. Sie hatten Recht, beim zweiten Mal geht alles viel schneller. Außerdem hatte ich heute unseren ‘Gott der Elektronik’ Mr. Carter zur Verfügung, der die Anpassung der Energiewerte vorgenommen hat.“ Erklärte J.J.
„Sehr gut Commander. Was glauben Sie, wie lange könnte man mit der Kapazität dieser Zelle die Simulation von zehn Shuttles des Typ 7 erzeugen?“ fragte van Dyke und Ihm war klar, dass er damit eine Frage stellte, die ohnehin keiner auch nur annähernd beantworten konnte, nicht einmal er selbst. „Nun ja, Ausgehend davon, dass ein Shuttle wesentlich kleiner ist als unser Schiff, und berücksichtigt man dann wiederum die etwas höhere Detailtreue, dann müssten zirka zwanzig Stunden pro Zelle möglich sein. Sie dürfen allerdings nicht vergessen, dass das Antriebsaggregat ebenfalls Energie verbraucht. Je mehr Sie damit rumfliegen, desto kürzer wird es.“
Van Dyke war zufrieden, das sollte genügen um seinen Plan durchzuführen. Er übertrug die Daten die er im Shuttlehangar erstellt hatte direkt in die fertigen Sonden, entfernte die Übertragungskabel und schloss nacheinander alle Abdeckungen. „O.K. Commander. Lassen Sie sie zur Abschußvorrichtung im Modul bringen, ich sage auf der Brücke Bescheid, damit unser Kurs angepasst wird. Übertragen Sie mir die Steuercodes für alle fünf Sonden auf das Shuttle George, mit dem werde ich gleich starten.“ Dann tippte er auf seinen Kommunikator und stellte eine Kom-Verbindung zur Brücke her. „Captain, ich bin soweit in drei Minuten sind hier alle Vorbereitungen getroffen und wir können loslegen.“
„Verstanden Mr. van Dyke, Brücke Ende...“ antwortete der Captain und gleichzeitig wandte er sich an Ramirez, der an seiner Station saß und versuchte die Fluglage der Alexandria unter Kontrolle zu halten. „...Ramirez, überfliegen Sie die Gruppe beim nächsten Anflug so, dass wir über den Pol des Mondes fliegen können und dahinter eine schnelle Wende schlagen können.“ „Aye Sir, eine Wende hinter dem Mond.“ wiederholte Ramirez die Anweisung. Sofort schwenkte die Alexandria wieder auf die Rebellenschiffe zu und überflog sie in Richtung Arlat 4. Die Alexandria glitt über die Polkappe des Mondes, die aus gefrorenem Wasserstoff und CO² bestand und tauchte kurz weg. Schon wenige Sekunden später tauchte sie in Höhe des Äquators wieder auf und nahm den Großraumer wieder unter Beschuss. Die Phaser schlugen auf dessen Schilden ein und ließen das große Schiff erzittern. Keinem war aufgefallen, dass die Alexandria im Schutz des Mondes ein Shuttle und fünf Sonden abgesetzt hatte, die sich in diesem Moment auf wundersame Weise ebenfalls in mehrere Shuttles verwandelten und sich langsam in Richtung Planetenoberfläche in Bewegung setzten.
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Van Dyke aktivierte den Navigationscomputer und wählte die Daten der speziellen Waldregion aus. Durch ein parameträres Programm hatte er die Sonden auf unterschiedliche Abstände und Flugbahnen programmiert so dass es Aussah, als ob ein ganzer Schwarm von Shuttles auf den Planeten zusteuerte. Er beschleunigte und gleichzeitig zogen die anderen Shuttles mit. Bereits nach wenigen Minuten hatte er eine Position oberhalb der Waldregion erreicht. Er ließ die Shuttlesimulationen ausschwärmen, so dass sie einen großen Kreis über dem Waldgebiet bildeten. Diese Position hielt er für annähernd zwei Minuten. Er wollte den Leuten die Möglichkeit geben seinen Köder zu schlucken und hoffte inständig, dass er sich in seiner Beurteilung nicht getäuscht hatte. Das holographische Feld über der Siedlung war vollkommen intakt und es war nichts zu erkennen, dass auf eine Abwehrstation oder ähnliche Defensivwaffen hindeutete. Er aktivierte sein Kommunikationssystem und stellte eine Kreuzverbindung mit der Alexandria und der Frequenz her, die Holat Samas der Anführer der Separatisten kürzlich benutzt hatte. Das Gesicht des Rebellenführers erschien auf dem Schirm. Deutlich war zu erkennen, dass er sich dieses Mal nicht auf einem seiner Schiffe befand. Die Energierelais im Hintergrund waren stationäre Geräte für den planetaren Einsatz und standen wahrscheinlich in einem Bunker oder irgend einer anderen unterirdischen Einrichtung, da die Wände an vielen Stellen aus massivem Gestein bestanden und mit Energiewaffen in den Fels getrieben worden waren. Der Anführer lächelte und fragte mit einem sarkastischen Unterton: „Na Ihr Föderationsschwächlinge, wollt Ihr euch endlich ergeben. Ich habe mir schon gedacht, dass Ihr noch um Gnade winseln werdet. Auch wenn Ihr eure Leute durch diesen miesen Trick wieder in Sicherheit gebracht habt, so haben wir doch die effektiveren Argumente. Ihr könnt uns nicht besiegen.“ Van Dyke blickte fest auf den kleinen Kontrollschirm vor sich. „Da wäre ich mir an Ihrer Stelle nicht ganz so sicher Samas. Es steht nicht allzu gut für Ihre Flotte hier oben, aber das wissen Sie sicher selbst am besten. Ich erwarte, dass Sie Ihre Schiffe anweisen die Kampfhandlungen sofort einzustellen und dann werden Sie und alle Ihre Gefolgsleute aus Ihren Verstecken kommen und sich den Sicherheitskräften von Tironis und der Föderation stellen. Sie haben fünf Minuten Zeit.“ Holat Samas lachte lauthals auf und die Menge seiner Anhänger die sich hinter ihm versammelt hatte lachte ebenfalls mit. „Wie? Sie wollen mir Befehle erteilen? Ich glaube Sie verkennen die Situation sie Föderations...was immer sie sind.“ Höhnte der Widerstandskämpfer.
„Mein Name ist Roger van Dyke und ich bin Commander der Sternenflotte zur Zeit tätig als erster Offizier auf der U.S.S. Alexandria, Sie hatten mir leider keine Gelegenheit gegeben mich vorzustellen. Um nun Klarzustellen wer sich hier im Irrtum befindet möchte ich Sie bitten Ihre Scanner einmal auf Ihr sorgfältig getarntes Tal zu richten, in dem Sie Ihre Familien und Freunde untergebracht haben. Ja, wir haben es gefunden und es war gar nicht so schwer wie Sie uns glauben machen wollten.“ Das Gelächter um Samas verstummte abrupt. Mit einer schnellen Handbewegung bedeutete er einem seiner Leute diese Nachricht zu verifizieren. Er sah plötzlich verstört und gar nicht mehr so selbstsicher aus. In seinen Augen konnte man die aufkommende Sorge und die Wut erkennen, die sich in seinem Körper breit machte. Als der Mann am Sensorplatz Holat Samas zunickte fuhr van Dyke fort.„So, nachdem Sie sich jetzt von der Richtigkeit meiner Angaben überzeugt haben erwarte ich dass Sie Ihre Befehle geben, oder ich werde mit diesen über 1500 Mann in Ihrem kleinen Paradies landen und jeden und alles über den Haufen schießen, was uns vor die Phaser läuft.“ „Das können Sie nicht tun...“ brüllte Holat Samas in die Kom-Verbindung. Er stützte sich auf dem Pult auf und kam mit seinem Gesicht bedenklich nahe an die Kamera „...das sind alles unschuldige Personen ohne Waffen und völlig Schutzlos.“ Van Dyke konnte die Ignoranz des Rebellen kaum fassen. „Das waren die Kinder der Stadtschule und die Kranken in der Klinik von Tironis auch, aber das hat Sie ja überhaupt nicht interessiert. Sie haben nicht einmal Ihr eigenes Ultimatum eingehalten. Wissen Sie was, Sie haben Recht. Wieso soll ich überhaupt noch warten, bringen wir’s doch lieber gleich hinter uns.“ Damit tippte er auf die Steuerkonsole und langsam glitten die Shuttles immer tiefer in die Atmosphäre. Jetzt kam es darauf an, dass der Rebellenführer schnell nachgab, sonst würde sein Schwindel bald auffliegen, in der dichteren Atmosphäre waren die Sonden nicht mehr richtungsstabil und nur noch schwer unter Kontrolle zu halten. Die Rebellen hatten die Audio Übertragung stummgeschaltet. Van Dyke sah, wie die Helfer von Samas wild an den Konsolen und den anderen technischen Einrichtungen hantierten. Samas sprach mit einem seiner Leute und es sah nach einem heftigen Wortgefecht aus. Die beiden liefen ständig hin und her, und der Rebellenführer machte mehrfach abweisende Handbewegungen und deutete dann auf den Übertragungsschirm, wobei er heftig auf seinen Gefolgsmann einredete. Schließlich schüttelte er den Kopf, kam wieder ans Pult und öffnete den Audiokanal. „Warten Sie! Welche Garantien können Sie uns geben, dass keinem meiner Leute oder unserer Familien ein Haar gekrümmt wird ?“ sprach Samas in immer noch forderndem Ton in die Kom-Verbindung. Van Dyke setzte sein bestes Pokerface auf und antwortete: „In diesem Spiel gibt es keine Garantien. Diese Regel haben Sie selbst aufgestellt. Aber wenn es Sie beruhigt, die Sternenflotte ist normalerweise nicht daran interessiert Konflikte auf militärische Art zu lösen. Diesen Angriff hier haben Sie sich selbst zuzuschreiben. Grundsätzlich versuchen wir solche Probleme auf diplomatischem Wege in den Griff zu bekommen. Wir versichern Ihnen, dass wir eine diplomatische Delegation abstellen, die zwischen Ihrer Gruppe und der aktuellen Regierung, rechtmäßig oder nicht, vermittelt. Die Regierung von Sakras 5 hat uns einen Einblick in die letzten Dekaden Ihres Planeten gewährt und wir konnten feststellen, dass keinerlei Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung zu erkennen war. Sie und Ihre Leute werden sich allerdings den geltenden Gesetzen auf Ihrem Planeten unterwerfen müssen, auf diese Entscheidungfindung haben wir dann keinen Einfluss. Ich kann Ihnen nur raten hier und jetzt einen Schlussstrich zu ziehen und endlich wieder für eine friedliche Zukunft zu arbeiten. Und eines weiß ich aus Erfahrung. Miteinander geht es viel leichter als gegeneinander.“
Für einige Minuten war noch immer der ratlose Gesichtsausdruck von Holat Samas auf dem Bild zu sehen. Dann hatte er sich entschieden. Auf der Kom-Verbindung waren einige Anweisungen in alt Sakranianisch zu hören, die an die Schiffe der Flotte und die äußeren Sammelstellen der Untergrundbewegung gerichtet waren. „Commander van Dyke, Wikland hier. Der Rebellenverband hat die Kampfhandlungen eingestellt.“ Van Dyke atmete tief durch, das war knapp. Er stabilisierte die Sonden erneut und versetzte sie dabei in langsamen Flug, so dass Sie über dem Gebiet kreisten. „Captain weisen Sie die Station Merlin an, dass Sie alle verfügbaren Sicherheitsleute sowie die Sicherheitskräfte aus Tironis zu den entsprechenden Koordinaten beamt, die Holat Samas durchgibt. Ich schlage vor, dass alle Mitglieder der Untergrundbewegung in Gewahrsam genommen und entwaffnet werden. Danach sollten alle zunächst einmal in das Waldgebiet transportiert werden. Wir können Sie dort zusammen mit Ihren Familien und Bekannten mit einem Sicherheitsfeld der Stufe 4 festsetzen.“
Der Captain nickte und van Dyke konnte den kämpferischen Ausdruck in seinen Augen noch immer deutlich wahrnehmen. Er war sich sicher, der Captain hätte bis zum bitteren Ende gekämpft und die Rebellenflotte mit Sicherheit bis aufs letzte Schiff vernichtet. Er schaltete auf eine sichere Verbindung zur Alexandria um und setzte seine Unterhaltung fort: „Captain, wenn Sie die Shuttles und Runabouts eingeschleust haben sollten Sie dafür sorgen, dass Sie eine Ablösung mit möglichst vielen Schiffen hierher beordern, damit ich den geordneten Rückzug antreten kann, ohne dass unser kleiner Schwindel auffällt.“ Der Captain richtete sich in seinem Stuhl auf und erwiderte dann „In Ordnung Nummer eins, sobald wir soweit sind lassen wir die Ablösung starten, bis dahin viel Glück, Wikland Ende.“ Damit brach die Verbindung ab und van Dyke war wieder allein. Er richtete seine Scanner und Bildabtaster auf den Mond und betrachtete den angerichteten Schaden. Überall waren Trümmerteile zu sehen viele der Raumschiffe hingen in grotesken Winkeln im All. die Kreuzer und Großraumschiffe zeigten überall Brände die auf austretendes Gas zurückzuführen waren. lediglich zwei Schiffe verließen den Kampfschauplatz mit langsamer Geschwindigkeit und ließen die Alexandria im Trümmerfeld zurück.
* * * Holat Samas und seine Gefolgsleute waren direkt nach ihrer Festnahme auf die Alexandria gebracht worden und es hatten unter der Leitung von Captain Wikland und Commander Nicolai Graves Gespräche zwischen den Rebellen und dem zentralen Rat stattgefunden. Da beide Parteien sehr voneinander eingenommen waren hatte es einiger Geduld bedurft die jeweiligen Forderungen zu sondieren und eine klare Linie in die Gespräche zu bringen. Nach einem Verhandlungmarathon von 21 Stunden konnte dann endlich eine für alle Seiten akzeptable Lösung erarbeitet werden. Man beschloss dieses Ergebnis schon am nächsten Tag auf Sakras 5 bekannt zu geben um weiteren Unruhen vorzubeugen.
Das Parlamentsgebäude in Tironis war zwar von den Angriffen verschont geblieben, aber es lagen überall in den Gängen und Büroräumen Verletzte auf notdürftig hergerichteten Tragen und wurden ärztlich versorgt. Wikland und van Dyke folgten den Mitgliedern des zentralen Rates in den großen Sitzungssaal, in dem die Politiker sich zusammengefunden hatten. Auch Commander Nicolai Graves mit seinem Stab war von der Raumstation Merlin heruntergebeamt und hatte die drei Crewmitglieder der Alexandria gleich mitgebracht, die während des Kampfes aus den verborgenen Höhlen der Separatisten gerettet worden waren. David Robinson schaute dem Captain ins Gesicht und hatte dabei einen gleichgültigen Ausdruck in seinen Augen. Er hatte ohnehin entschieden die Alexandria zu verlassen, und eine eventuelle negative Beurteilung von Wikland störte ihn nicht sonderlich. Sein Leben hatte ihm schon weitaus schwerere Situationen aufgegeben.
Nachdem Erek Kanor und Timor Ballat das Podium als letzte betreten hatten trat Stille ein. Erek Kanor stand auf und trat in den Kreis, der auf dem Podium von einem Deckenscheinwerfer gebildet wurde und richtete sich an die Anwesenden. „Liebe Freunde, durch die Hilfe der Föderation sind wir jetzt wieder in der glücklichen Situation, dass wir unsere alltäglichen Pflichten wahrnehmen können ohne um uns oder unsere Kinder zu fürchten. Man hat für uns gekämpft und uns den Frieden zurückgegeben. Ein wahrlich großes Geschenk, welches es zu bewahren gilt. Auch wenn es für einige von uns bedeutet, dass in manchen Situationen das Beharren auf dem eigenen Standpunkt und das zugesicherte Recht nicht im Vordergrund stehen dürfen. Unser Dank gilt Captain Jan Erik Wikland und seiner tapferen Crew und unsere Gedanken sind bei jenen, welche diesen Tag nicht mehr erleben durften und nun hoffentlich an einem besseren Ort weilen...“
Wikland, der sich bei solchen Anlässen immer unwohl fühlte blickte sich um. Links neben Ihm saßen Avallia Sen und Simas die beiden Frauen des Rates, die in den letzten Tagen auf der Alexandria gelebt hatten. Van Dyke, der rechts von ihm Platz genommen hatte verfolgte gespannt den Vortrag des Präsidenten, der in ausschweifenden Worten die Handlungen der vergangenen Tage Revue passieren ließ und dabei staunende Gesichter erzeugte. Plötzlich öffnete sich eine Tür und der Anführer der Rebellen Holat Samas wurde begleitet durch zwei Sicherheitskräfte der Stadtpolizei hereingeführt. Er sah überraschend sauber aus und machte nicht mehr den verwahrlosten Eindruck, den man von den ersten Begegnungen kannte. Ein wesentlicher Grund hierfür war das perfekt sitzende Gewand des zentralen Rates, in dem er wie ein waschechter Politiker aussah. Ein Raunen ging durch die Menge und einige der Delegierten unterhielten sich leise hinter vorgehaltener Hand. Samas betrat das Podium und ihm wurde bedeutet neben Erek Kanor stehenzubleiben. Dieser war in seinen Beschreibungen an einem wichtigen Punkt angekommen und machte eine kurze Pause. Dann ergriff er erneut das Wort.
„Nach eingehenden Beratungen haben wir beschlossen, Holat Samas als vollwertiges Mitglied in den derzeitigen zentralen Rat aufzunehmen. Gemeinsam mit mir wird er die Menschen unseres Planeten führen. Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen um allen Sympathisanten der Rebellen zu verdeutlichen, dass Ihre Wünsche in der derzeitigen Regierung eine ebensostarke Stimme haben, wie die Wünsche aller anderen Regierungsformen. Wir verbinden damit die gemeinsame Hoffnung, dass eine solche Situation auf unserer Welt nie wieder entstehen möge.“
Nachdem der Präsident geendet hatte, herrschte im Raum eine unheimliche Stille. Anscheinend wusste keiner so genau ob er sich über den gefundenen Kompromiss freuen oder ihn verteufeln sollte. Dann trat Holat Samas in den Lichtkreis und richtete sich an die Zuhörer:
„Unser Ziel war anfangs klar umrissen. Die Nichtbeachtung unserer Interessen und die klare Weigerung des Rates den bestehenden Entschluss nicht rückgängig zu machen führte in unserem Staatssytem zu großer Unzufriedenheit. Die Proteste und friedlichen Aktionen zeigten keine Wirkung und so fanden sich mit der Zeit immer mehr Leute zusammen, die unsere berechtigten Wünsche auf andere Weise durchsetzen wollten. Wir haben nie in Frage gestellt, ob das was wir tun unrechtmäßig ist, wir haben immer nur die Vorgehensweise der Anderen verurteilt. Mit der Zeit wurden unsere Aktionen immer härter, um das gewünschte Aufsehen zu erregen. zum Schluss hat keiner mehr nach Menschenleben oder verloren gegangenen Werten unserer Kultur gefragt. Hätte die Sternenflotte uns nicht zu einem Kompromiss gezwungen, wir hätten womöglich noch die nächsten 40 Jahre weitergemacht. Wir hatten niemals in Erwägung gezogen mit dem zentralen Rat zu verhandeln, und doch mussten beide Seiten von der Föderation lernen, dass das Wohl von vielen mehr wiegt als die Wünsche oder Ängste von wenigen oder eines Einzelnen. Unter Vermittlung unserer Gäste haben wir den von Erek Kanor beschriebenen Beschluss gefasst und ich versichere an dieser Stelle, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde um die Wünsche unseres Volkes, gleich aus welchem Rechtsstaatlichen System sie kommen mögen, zu verwirklichen. Ich appelliere an dieser Stelle auch an meine treuen Gefolgsleute diese Entscheidung anzuerkennen und bin gerne bereit jede Stimme zu hören die ein berechtigtes Anliegen vorträgt. Danke.“ Damit trat Samas wieder zurück und der Präsident betrat wieder den Lichtkreis um die Details dieses Abkommens näher zu erläutern.
Es dauerte annähernd eine Stunde bis der Präsident seine Ausführungen beendet hatte und die anderen Mitglieder des Rates ihren Kommentar abgegeben hatten. Avallia Sen hatte sich leidenschaftlich für die künftige Zusammenarbeit stark gemacht und sich ebenfalls mit einem vielsagenden Blick bei der Föderation und im Besonderen bei Captain Wikland bedankt. Nun war es an der Zeit für den Captain einige Worte an die Delegierten zu richten.
Er verließ seinen Platz am Rand des Podiums und trat in den hellen Lichtkreis. Obwohl das von oben kommende Licht sehr hell war strahlte es zu seiner Überraschung gar keine Wärme aus. Wikland räusperte sich kurz, er hatte lange überlegt was er den Mitgliedern des Parlaments sagen wollte und hatte sich dann doch für ein nur kurzes Statement entschieden.
„Eure Exzellenzen, werte Mitglieder des Rates und Abgeordnete. Die Föderation ist seit einigen Jahren ein stiller Begleiter und aufmerksamer Beobachter Ihrer Welt. Mit Anerkennung haben wir den Fortschritt Ihrer Rasse und die Entwicklung Ihrer Kultur zur Kenntnis genommen und haben mit Besorgnis die Auswirkungen dieses Konfliktes in Ihrer Welt verfolgt. Umso mehr freuen wir uns, dass es, wenn auch unter großen Opfern auf allen Seiten, nunmehr zu einem Frieden gekommen ist, der seinen Wert sicher bald unter Beweis stellen wird. Wir sind gerne bereit Ihre Bitte um Aufnahme in die Föderation unserer Regierung und dem Föderationsrat erneut zu unterbreiten. Wir kamen um unseren Freunden und den Angehörigen unserer Gemeinschaft in einer Notlage zu helfen und sahen uns aufgrund der aktuellen Geschehnisse auf Sakras 5 veranlasst, entgegen unseren eindeutigen Befehlen zur Nichteinmischung für eine Seite Partei zu ergreifen um größeren Schaden abzuwenden. Wenn wir, die wir an Ihrer Seite die Krise mit durchlebt haben nun wieder unseren Weg aufnehmen und die uns auferlegten Aufgaben durchführen, so ist dies kein Abschied für immer. Auf Sakras 5 haben wir einen Ort gefunden, den wir in unserer Kultur als Paradies bezeichnen und wir versprechen, wenn immer es unser Weg und unsere Zeit zulassen Sie hier zu besuchen. In der Zwischenzeit werden unsere Kollegen von der Station Merlin den Kontakt zu Ihnen intensivieren und Sie bei Ihren Gesprächen mit der Föderation unterstützen.“
Nachdem der Captain geendet hatte brandete Applaus in der großen Halle auf, der allen Beteiligten gleichermaßen galt. Die Menge erhob sich von ihren Plätzen und alle drängten nach vorne zum Podium und umringten die Würdenträger. Holat Samas wurde noch immer mit Skepsis und offenem Misstrauen bedacht und man konnte Ihm ansehen, dass er in seiner neuen Rolle als Mitglied des Rates seine Emotionen nur schwer unter Kontrolle halten konnte. Seine Augen strahlten noch immer diesen Kampfeswillen aus und bei jedem zweifelnden Wort das von den Delegierten an ihn gerichtet wurde blitzten sie kurz auf und verrieten den starken Willen und die Energie, die Samas zum Führer der Untergrundbewegung werden ließen.
Die Kathedrale der Vereinigung war der einzige Raum, der die vielen hundert Ehrengäste aufnehmen konnte, die zum Galadinner gekommen waren. Sie war im inneren liebevoll geschmückt und an einer Seite nahe dem Altar war eine Tafel aufgestellt, welche die Namen all derer enthielt die im Verlauf der Krise der letzten Tage ihr Leben gelassen hatten. Ganz im Stil des gefundenen Kompromisses hatte man die Namen aller Verstorbenen, gleich von wo sie kamen, alphabetisch aufgelistet und so standen die Namen der Rebellen mitten zwischen den Kindern und Kranken, die in Tironis umgekommen waren. Die Feierlichkeiten dauerten bis tief in die Nacht. Alle Crewmitglieder die von der Alexandria teilnahmen, wurden von den Bewohnern von Sakras 5 wie Helden verehrt und gefeiert. Selbst van Dyke konnte sich nicht vor dem Ansturm der vielen Gratulanten retten und den Angehörigen der Sternenflotte war diese Art von Verehrung schon viel zuviel, war es doch in der Föderation üblich, sich bei aller Leistung die erbracht wurde stets im Hintergrund zu halten und gerade bei anderen Völkern nicht die Überlegenheit zur Schau zu stellen. Van Dyke, der sich bei solchen Gelegenheiten eher in eine ruhige Ecke zurückzog und den ganzen Trubel mit etwas Abstand betrachtete fühlte sich erdrückt. Den ganzen Tag musste er schon Hände schütteln, Schulterklopfen und einige sakranianische Dankesrituale über sich ergehen lassen. Er sehnte sich nur noch nach seinem Quartier um seinem ausgelaugten Körper ein wenig Ruhe zu gönnen. Aber sein hilfesuchender Blick zu Wikland wurde mit einem kurzen Kopfschütteln quittiert, was bedeutete, dass auch er bis zum Ende bleiben musste. Erst am frühen Morgen, als die Dämmerung den neuen Tag bereits ankündigte kamen die letzten Feierlichkeiten zum Ende. Müde und leicht derangiert verließen die einheimischen Gäste die Kathedrale und machten sich auf den Weg zu Ihren Unterkünften. Wikland, van Dyke und zwanzig weitere Mitglieder der Alexandria traten ins Freie und atmeten die frische Morgenluft ein. Nach einigen Minuten sammelten sie sich, aktivierten die Kommunikationsverbindung mit dem Schiff und in einem leichten hellblauen Glühen, welches sich immer mehr verstärkte lösten sich die Körper auf und verschwanden. Das Summen verklang und zurück blieb ein Planet, der einen neuen Anfang gemacht hatte.
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Die Alexandria hatte im Laufe des Gefechts einige Beschädigungen erlitten, die meisten Schrammen hatten sich jedoch in den Shuttles und Runabouts verewigt. Der Captain hatte entschieden, dass zunächst die wichtigsten Instandsetzungen am Schiff durchgeführt werden sollten, damit in eventuellen schwierigen Situationen die volle Einsatzfähigkeit der Alexandria gewährleistet war. Die Beschädigungen auf der Brücke waren bereits am Morgen behoben worden und im Maschinenraum waren noch die Sekundärsysteme zu reparieren. Lt. Commander Jefferson hatte mit ihrem Stab die halbe Nacht durchgearbeitet und auch der Delta-Schicht eine umfassende Beschäftigung mit eng gestecktem Zeitrahmen hinterlassen. So waren bis zu ihrem Dienstbeginn am Morgen alle Aufgaben erledigt worden und alle Hauptsysteme wieder online. Die Reparatur der Energieverteilergitter, die bei einer Überlastung der Schildmodulierung durchgebrannt waren hatte die meiste Zeit in Anspruch genommen. Aber auch die doppelte Redundanz der Systeme war kein Grund ohne Reparaturen zu starten. Der Captain hatte noch einmal die Botschafter und die Würdenträger von Sakras 5 empfangen und hatte sich persönlich von ihnen verabschiedet, jedoch nicht ohne vorher die positive Nachricht zu überbringen, dass die Sternenflotte das Beitrittsgesuch erhalten und wohlwollend beurteilt hatte. Nach dem offiziellen Teil waren die Mitglieder des Rates auf den Planeten zurückgebeamt.
Wikland hatte sich für einen kurzen Augenblick der Ruhe in das Arboretum zurückgezogen, saß im abgeschwächten Licht der Pflanzenleuchten vor dem kleinen Teich und blickte gedankenverloren auf den Wasserfall, der mit seinem ständigen Plätschern eine beruhigende Wirkung ausstrahlte und alles um einen herum vergessen ließ. Wikland hörte das Öffnen der Tür und blickte in Richtung des Eingangs. Von der kleinen Bank auf der er Platz genommen hatte konnte er nicht sehen wer eingetreten war, er vernahm jedoch das Geräusch von leichten langsamen Schritten, die sich näherten. Avallia Sen, die Kanzlerin der südlichen Hemisphäre kam zwischen den Blumen und Büschen um die Ecke und blieb dann vor Wikland stehen. Der Captain stand auf und schaute sie eine ganze Weile schweigend an. In den wenigen Tagen die sie zusammen auf dem Schiff verbracht hatten, hatte sie eine unerklärliche Kraft immer wieder zueinandergeführt und beide fühlten, dass sie den anderen auch ohne viele Worte verstehen konnten. Es war so, als ob beide auf ein und derselben Ebene existierten, die einen direkten Zugang zum Innersten des anderen öffnete. Es war kein Gedankenlesen oder eine vergleichbare Fähigkeit, von denen sie keine besaßen, es war etwas viel stärkeres was sie aneinander band. „Warum sind Sie noch einmal gekommen Kanzlerin?“ Fragte Wikland, und bewunderte ihr schönes Gewand, welches aus einer blausilbernen Faser bestand. Ihre Schultern trugen einen tiefblauen Umhang, der vorne nicht verschlossen war und der bis zum Boden reichte. Auf der rechten Seite trug sie eine silberne Brosche, welche die Form Ihres Landes nachzeichnete. Das Land war von einem Kreis umgeben in dem mehrere verschiedene Köpfe abgebildet waren. Es war das Symbol der neuen Regierung und beinhaltete die Aussage, dass jedes Land und Regierungssystem nur ein Teil des Ganzen war und daneben auch viele andere Meinungen tolerieren musste, die ebenfalls Teil dieses Ganzen waren. Sie blickte zu Wikland auf und antwortete: „Ich war mir sicher, dass ich mit der offiziellen Verabschiedung alle meine diplomatischen Pflichten beendet hatte. Jedoch wurde mir bewusst, dass meine persönlichen Wünsche bislang noch nicht vollständig erfüllt waren. Ich fühle deutlich, dass uns in den letzten Tagen mehr verbunden hat als nur die Aufgabe die politischen Differenzen auf unserem Planeten beizulegen. Um es mit wenigen Worten präzise zu beschreiben, ich fühle mich in Ihrer Nähe wohl und ich würde gerne mehr Zeit mit Ihnen verbringen. Auch wenn das bedeuten mag, dass ich meinen Planeten verlassen müsste um bei Ihnen zu bleiben.“
Wikland sah in ihre fragenden Augen, die nun auf seine Antwort warteten. „Kanzlerin, ich teile diese Empfindungen mit Ihnen. Auch ich fühle mich in Ihrer Gesellschaft deutlich wohler und ich habe zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl, dass mich etwas sehr stark mit einem anderen Menschen verbindet. Ich möchte Sie nicht abweisen, im Gegenteil, aber Ihr Platz ist momentan an der Seite Ihres Volkes und im zentralen Rat, der nun eine wichtige und gleichermaßen schwierige Aufgabe zu lösen hat. Zudem kann ich Sie auf unserem Schiff nur als Zivilist unterbringen und es bedarf der Genehmigung von Starfleet, eine Person dauerhaft auf einem Raumschiff zu stationieren. Ich bin sicher, dass Sie das verstehen werden, und Sie dürfen nicht vergessen, dass wir versprochen haben Ihren Planeten sobald als möglich wieder zu besuchen. Ich habe nun einen persönlichen Grund, dieses Versprechen zu halten und ich werde es nicht brechen.“ Obwohl es nicht die Antwort war, die sich Avallia Sen gewünscht hatte, spielte ein erfrischendes Lächeln über ihre Lippen und sie nahm Wiklands Hand in die ihre. „Ich wünsche Ihnen allzeit gute Reise und ich werde mein Bestes tun um die Situation auf SAKRAS 5 zu stabilisieren. Vergessen Sie Ihr Versprechen nicht, ich warte auf Sie. Wenn Sie nicht kommen, dann werde ich losziehen um Sie zu suchen.“ Sie schenkte dem Captain ein letztes Lächeln und wandte sich langsam um. mit langsamen leichten Schritten verließ sie das Arboretum und Wikland stand alleine von dem glitzernden Wasserfall. Wikland war es kaum anzusehen, dass seine Gefühlswelt Purzelbäume schlug. Am liebsten hätte er die junge Frau in den Arm genommen und stürmisch geküsst. Aber neben der Etikette, die es ihm gebot einen angemessenen Abstand zu wahren, gab es noch einen weiteren Grund, der den Captain daran hinderte allzu offen auf die junge und hübsche Sakranianerin zuzugehen. Seine verstorbene Frau. * * * Inzwischen stand die Tagesschicht bereits wieder kurz vor der Übergabe an die Deltaschicht, die das Schiff für den Abflug vorbereiten sollte. Commander Darian Wells betrat die Brücke und nahm im Stuhl des Captains Platz. Die Stationen wurden übergeben und die entsprechenden Eintragungen ins Brückenlogbuch vorgenommen. Sven Carlson, der junge dänische Fähnrich übernahm die OPS und Harumi Miyaoka, der drahtige Japaner löste Edison Carter an der Conn ab. Die Kommunikationskonsole war voll in bajoranischer Hand. Ymoota Aalia übernahm die Station von Carah Pehl und ging sofort die Protokolle durch um die aktuelle Kommunikation sicherzustellen. Die Station arbeitete fehlerfrei. Kein Wunder, hatte der Wartungstrupp doch vor wenigen Stunden erst eine komplette Übertragungseinheit installiert. Wie gewohnt ging der Kommandowechsel schnell, professionell und ruhig von statten. Das einzige Geräusch das neben den Kontrollsignalen der einzelnen Stationsschirme und dem Quittungston des Computers zu hören war, war das leise Klimpern des bajoranischen Ohrschmucks, eine der wenigen Ausnahmen, die Wikland in Bezug auf die Kleidungsordnung an Bord seines Schiffes zuließ.
Die Tür des Besprechungsraumes öffnete sich und Wikland, van Dyke und Andy Duke betraten die Brücke. An Wells gewandt erklärte der Captain: „Commander, wir haben beschlossen, in den Raum der Dalerianer zurückzufliegen und dort zu versuchen unseren Erstkontakt erfolgreich abzuschließen, sofern unser kleiner Schwindel noch nicht aufgefallen ist. Setzen Sie Kurs auf die Position der Sonde die wir zurückgelassen haben und bringen Sie uns so schnell als möglich dort hin, die Zeit wird knapp. Benachrichtigen Sie David Alexander Robinson, er soll sich in fünf Minuten bei mir melden, ich bin in meinem Raum.“ Wikland nickte van Dyke und Andy Duke zu, die in den Turbolift traten und ging mit großen Schritten zum Bereitschaftsraum, kurz darauf schloss sich die Tür hinter ihm und die Brückencrew war bereit, den Dienst und somit auch den Flug aufzunehmen. Mit einigen freundlichen Worten verabschiedete sich die alte Schicht und damit lag es nun an Darien Wells dem Schiffsarzt, die Alexandria zu führen.
David Alexander Robinson hatte gerade den Beschluss gefasst ins Lookout zu gehen, als ihn die Nachricht erreichte, sich auf der Brücke beim Captain zu melden. Ihm war sofort klar, worum es ging und er machte sich missmutig auf den Weg. Im Turbolift überlegte er kurz, wie er sich am besten aus dieser Situation herauslavieren könnte. Allerdings fiel ihm auf die Schnelle keine auch nur annähernd glaubwürdige Erklärung ein. Der Turbolift stoppe und er betrat die Brücke. Darian Wells deutete mit seinem rechten Daumen auf die Tür des Bereitschaftsraums und verzog sein Gesicht zu einer zornigen Grimasse. David lächelte kurz und ging mit entspanntem Gang hinter den Konsolen vorbei zur Tür. Als das Türsignal ertönte war die feste Stimme von Jan Erik Wikland zu hören, die Robinson zum Eintreten aufforderte. Die Türhälften glitten auseinander und schlossen sich direkt hinter ihm wieder. Normalerweise war das spätestens der Punkt, an dem sich alle auf der Brücke wieder ihren jeweiligen Aufgaben widmeten. Zumindest in ähnlichen Situationen, wie sie im Laufe eines Tages mehr als 20 mal vorkamen. Heute war jedoch alles anders. „Was, bei allen Göttern des Nordens, hast Du dir dabei gedacht David? Hast Du dir mal überlegt, was denen noch hätte einfallen können? Ich hätte dich von den Kerlen massakrieren lassen sollen und glaub’ mir das wäre noch das Beste gewesen was dir an diesem Tag passiert wäre!“ Alle Köpfe flogen herum und blickten auf die geschlossene Tür zum Bereitschaftsraum. Das war eindeutig die Stimme von Captain Wikland, die in dieser Lautstärke sogar durch die Schallisolierung schlug. Ein unverkennbares Zeichen dafür, dass der Captain über die Handlungsweise seines engen Mitarbeiters sehr ungehalten war. Allerdings war es in der ganzen Zeit seit die Alexandria das Raumdock verlassen hatte noch nie zu einem solch lauten Gespräch gekommen. Der Captain war zwar manchmal etwas aufbrausend, hatte sich aber bei der Konversation mit seiner Crew immer fest unter Kontrolle. Obwohl Wikland und David Alexander Robinson keine festen Freunde waren hatte sich im Laufe der Dienstzeit eine Vertrauensbasis gebildet, und wenn sie unter sich waren hatten sie auf die Dienstgrade und die förmliche Anrede verzichtet. Um so schlimmer bewertete Wikland das Verhalten seines ehemaligen Führungsoffiziers, der ihn in den letzten Tagen gleich mehrfach enttäuscht hatte. Darien Wells und die Brückencrew mussten unfreiwillig annähernd zehn Minuten lang mit anhören wie der Captain seinem Ärger Luft machte und Robinson eine Standpauke hielt. Erst danach wurde Wiklands Stimme leiser und war auf der Brücke nicht mehr wahrzunehmen.
* * * Die Alexandria flog mit hoher Warpgeschwindigkeit in Richtung des dalerianischen Sektors und hatte noch gute sechzehn Stunden Ihrer Reise vor sich. Van Dyke stand an der Wissenschaftsstation und prüfte die Energiewerte der zurückgelassenen Sonde mit sorgenvollem Blick. Die Anzeigen verrieten ihm, dass sie sich bei den Sakranianern ein wenig zu lange aufgehalten hatten. Nach seinen Berechnungen würde die Holoprojektion spätestens in vierzehn Stunden zusammenbrechen und dann würde der ganze Schwindel auffliegen. Er wagte nicht daran zu denken, was die Dalerianer mit Ihnen machen könnten, sollten sie bemerken, dass sich die Alexandria entgegen deren eindeutiger Anweisung von ihrer Position entfernt hatte. Er ging zu K’Orak und verglich seine Ergebnisse noch einmal mit den Auswertungen des Klingonen. Er drückte seinen Kommunikator „Van Dyke an Maschinenraum, Commander Jefferson wie ist der Status unseres Warpantriebs?“ „Brücke, hier Jefferson. Der Warpantrieb hat volle Leistung und wird für die Aufrechterhaltung der maximalen Höchstgeschwindigkeit zur Zeit auf einem Energieniveau von 97% gehalten.“ Van Dyke drückte die Sensorfläche seines PADD’s und checkte einige Anmerkungen seiner persönlichen Notizen, dann richtete er sich wieder an Jefferson: „Commander, gibt es eine Möglichkeit den Antrieb noch höher zu belasten? wir werden uns um zirka zwei Stunden verspäten wenn wir diese Geschwindigkeit beibehalten.“ Jefferson warf einen kritischen und fragenden Blick zu van Holt, der nur kurz mit den Schultern zuckte. Dann drehte sie sich um und prüfte noch einmal die Antriebskontrollen. „Wenn Sie es niemandem erzählen, dann verrate ich Ihnen, dass ich sogar noch Warp 0,03 mehr aus diesem Antrieb holen kann, ohne mir ernsthafte Sorgen machen zu müssen. Allerdings bräuchten wir mehr als das Doppelte um die von Ihnen genannte Zeitdifferenz ab jetzt zu kompensieren und das ist deutlich mehr als ich mit meiner Methode leisten kann. Geben Sie mir eine Viertelstunde, ich melde mich bei Ihnen. Maschinenraum Ende.“ Van Dyke trat nach vorne und setzte sich neben Wikland der den Kommandoplatz übernommen hatte. Der Captain sah ihn an und beruhigte ihn. „Keine Sorge Commander, Sie ist ein guter Ingenieur. Sie wird das in den Griff bekommen.“ Van Dyke nickte kurz und blickte nach vorn wo die Sterne mit Warp 9,74 lange Striche erzeugten und den typischen Ausblick zeigten.
J.J. stand vor der Maschinenkontrolle und ließ eine Computersimulation ablaufen. Ein kurzer Signalton meldete den Abschluß der Berechnungen und die Computerstimme meldete in der üblichen tonlosen Art: „Die zur Verfügung gestellte Energiemenge reicht nicht aus, um die vorgegebenen Geschwindigkeitsparameter zu erzeugen!“ Jaqueline Jefferson tippte eine neue Sequenz in die Bedieneinheit und startete die Simulation erneut. Aber das Ergebnis war das gleiche wie noch eben zuvor. Es war einfach nicht möglich die erzeugte Energiemenge zu 99 Prozent auszunutzen. Das absolute Limit lag bei 98,2 Prozent und der Rest war Verlustleistung. Selbst dieses hohe Niveau konnte die Alexandria nur für maximal 22 Minuten aufrecht erhalten. Um Zeit gutzumachen musste Sie aber länger als eine Stunde mit Warp 9,922 der absoluten Spitzengeschwindigkeit des Schiffes Reisen. Wütend schlug sie mit der flachen Hand auf den Diagnosetisch. Sie war jetzt schon über eine halbe Stunde am experimentieren. Dabei hatte Sie der Brücke versprochen dass sie diese Frage schnell klären wollte. Während sie sich resignierend in ihrem Büro in den Stuhl fallen ließ, öffnete sich die Tür des Turboliftes und van Dyke kam in den Maschinenraum. Er bog um die Ecke und steckte seinen Kopf in das Büro. „Na, kommen Sie voran oder sollen wir aussteigen und schieben?“ J.J. hob den Kopf und schaute van Dyke verdrossen an, der ihren Blick mit einem freundlichen Lächeln erwiderte. „Ich dachte ich sehe mal nach ihnen und überzeuge mich davon, dass es Ihnen nicht langweilig wird.“ versuchte er Jefferson aufzumuntern. Sie schob ein PADD über den Tisch und sagte: „Schauen Sie sich den Energiebedarf an. Selbst wenn wir die Energiemenge schaffen würden, müssten wir den Antrieb nach spätestens 46,3 Minuten zum Abkühlen abschalten. Die einzige Möglichkeit ist eine kleine Steigerung, die wir kontinuierlich beibehalten können. Dafür müssten wir aber die Effizienz des Antriebs verbessern. Nur so können wir sicherstellen, dass die Warpspulen genug Energie erhalten.“ Van Dyke betrachtete die Aufgabenstellung und die vom Computer erzeugten Simulationsergebnisse. „Wenn ich Sie richtig verstehe, und die hier aufgeführten Ergebnisse richtig sind, dann ist Ihr einziges Problem, die Tatsache, dass Sie die im Warpkern erzeugte Energie nicht in der erforderlichen Menge und Zeit zu den Warpspulen bekommen, richtig?“ Jefferson war in dieser Situation nicht zum Scherzen aufgelegt. „Haarscharf erkannt. Es ist ja auch ein Kinderspiel mal eben 110 Prozent Energie zu erzeugen, damit man in der Warpgondel die Reaktionen erhöhen kann. Schließlich ist das ja nur eine Lappalie, die jede Energieberechnung seit Isaak Persson auf den Kopf stellt und die Gesetze der Physik aus den Angeln hebt.“ erwiderte sie trotzig und setzte eine Schmollmine auf. Sie fühlte sich in ihrer Ingenieursehre stark getroffen denn sie hatte alles versucht um hier eine Verbesserung zu erreichen. Van Dyke ließ den Kopf kurz sinken. „OK, ich hätte es etwas diplomatischer ausdrücken können. Aber Tatsache ist doch, dass wir eigentlich nur ein Problem zu lösen haben. Es muss mehr Energie in die Warpspulen. Wenn uns das gelingt, dann muss der Antrieb gar nicht rekalibriert werden um diese 1,5 Prozent Mehrleistung zu bringen, nicht wahr ?“ Jefferson hob den Kopf. „Das ist richtig, aber wie wollen Sie das machen. Haben Sie dafür auch eine Idee?“wollte J.J. wissen „Nur wenn ich eine zweite Chance für unser ausgefallenes Abendessen bekomme!“ Diesmal musste J.J. doch lachen. Das war wirklich eine Ungeheuerlichkeit. Aber sie wusste, dass es nur eine Fangfrage war um sie aus der Reserve zu locken. „OK. Sie bestimmen Tag und Uhrzeit, ich das Essen. Und jetzt raus mit der Sprache.“ Van Dyke der noch immer an der offenen Tür stand trat in den kleinen Raum und stützte sich mit den Händen auf den Arbeitstisch. „Nun, stellen Sie sich vor, Sie haben einen Wasserhahn an einem Fass voller Wasser, und wenn Sie den Hahn aufdrehen kommt das Wasser raus. Wenn das Wasser normal rausläuft ist das Fass in zehn Minuten leer. Wie können Sie erreichen das es in fünf Minuten leer ist?“ J.J. wollte zunächst über diesen lächerlichen Vergleich laut lachen und dann losschimpfen, dass van Dyke ihre wertvolle Zeit verschwende. Aber sie erinnerte sich daran, dass seine Überlegungen Ihr bisher immer weitergeholfen hatten. „Das ist ganz einfach, ich gebe einen gesteuerten Überdruck auf das Fass und damit läuft das Wasser doppelt so schnell ab.“
„Ja, aber für den Druck brauchen Sie Energie, und das haben sie ja mit der Energieerhöhung versucht!“ erwiderte van Dyke. „Genau das ist ja das Dilemma, aber tun Sie bloß nicht so als ob Sie das nicht wüssten.“ wetterte Jaqueline. „Eben, deshalb bin ich ja hier. Sie haben nur aufs falsche Pferd gesetzt. Sie erreichen nämlich das gleiche Ergebnis, wenn sie den Durchflußquerschnitt des Wasserhahns verdoppeln, und das alles ohne Mehrenergie!“ konterte van Dyke.
J.J. hielt inne. Von dieser Seite hatte sie das Problem noch gar nicht betrachtet. Aber dann ging sie gleich zum Gegenangriff über. „Wir können aber den Querschnitt der Hauptleitung nicht verändern Mister Oberschlau!“ Van Dyke überhörte die Bemerkung geflissentlich. „Das nicht, aber wir könnten die Resonanzleitungen, die Wartungskabel, den Diagnosestrang und sogar die Abschirmung so anklemmen, dass sie in Richtung Warpspule gehen.“ Jefferson blickte auf die Anzeige auf Ihrem PADD, welches Ihr van Dyke mit den entsprechenden Änderungen in die Hand gedrückt hatte. „Dann dürfte aber keiner mehr eine solche Leitung berühren, der würde sofort geschmort.“erwiderte sie. „Naja, dann stellen Sie eben Schilder auf ‘Frisch gestrichen’ oder so. Andererseits, wenn wir nicht am Ziel sind bevor unser Schwindel auffliegt werden wir vielleicht sowieso alle geschmort. Also was hält uns davon ab alles zu riskieren?“ sagte Van Dyke leicht belustigt um auf ihre Sorge eine humoristische Antwort zu geben.
Jaqueline Jefferson drückte ihren Kommunikator und beorderte die besten Leute Ihres Teams in den Hauptmaschinenraum. Wenige Minuten später hatte sie Ihre Anweisungen gegeben und die Mannschaft machte sich daran die Änderungen vorzunehmen. Nachdem alle Leitungen entsprechend gepolt waren ging die Alexandria kurz unter Warp, damit die Leitungen an den Energiekoppler angeschlossen werden konnten. Nachdem der Antrieb wieder aktiviert wurde beschleunigte das Schiff wieder, und hätte die Navigationsstation ein altes analoges Anzeigeinstrument, dann wäre der Zeiger mit leichtem Zittern bei 9,84 auf der Skala stehengeblieben. Der Antrieb funktionierte zufriedenstellend und auch die Temperatur im Warpkern blieb stabil, so dass keine Abkühlphase notwendig war.
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