Die U.S.S. Golden Gate war Teil eines Verbands aus 10 Schiffen und unterwegs um die Kolonie auf Peranos 4 zu evakuieren. Der Planet lag zu Nahe an der, sich mittlerweile über weite Teile des Alpha Quadranten ausdehnenden, Frontlinie mit dem Dominion. Noch glaubte man hier zwar recht sicher zu sein, die Flottenverbände versuchten das Dominion zurückzudrängen, aber es sah zur Zeit nicht danach aus, als ob man diese Position noch lange würde halten können. Zudem war der Planet Peranos 4 speziell für das Dominion von wichtigem strategischen Wert, auch wenn es hier kaum eine Infrastruktur gab oder gar wichtige Bodenschätze. Aber hier auf diesem Planeten, war für das Dominion der perfekte Ort um Nachschublinien und Truppen zu etablieren, die man brauchte um seinen weiteren Siegeszug in diesem Quadranten vorzubereiten. Früher oder später würden Sie hier einfallen und deshalb hatte die Flotte beschlossen in einer gezielten Aktion, alle Kolonisten, sowie den kleinen Außenposten zu evakuieren.
Neben fünf Schiffen, die in der Lage waren große Mengen an Personen zu transportieren, dafür aber nur über geringe Bewaffnung verfügten, hatte man auch fünf Schiffe bereitgestellt, die den Konvoi vor Übergriffen schützen sollten. Allerdings waren dies nicht große und kräftestrotzende Schiffe, sondern vielmehr eine Ansammlung verschiedener Schiffe, die einzeln kaum eine Gefahr für einen so starken Gegner wie das Dominion war. Aber schließlich war das ja auch kein Kampfeinsatz. Denn sonst hätte sich Rick Sanders, der Captain der Golden Gate auch nicht freiwillig dazu bereit erklärt, diese Mission zu begleiten. Zwar waren Schiffe der Miranda Klasse wie das Seine noch immer im aktiven Dienst, aber sein Schiff war praktisch aus einem Museum reaktiviert worden und es gehörte zu den Nachschublieferanten, denen nur in wenigen Punkten Aufrüstung gewährt worden war. Insgesamt würden mindestens fünf dieser Konvois notwendig sein um die gesamte Kolonie zu evakuieren, denn auch mit den großen Transportschiffen konnte man unmöglich alle Kolonisten auf einmal vom Planeten holen.
Mit Warpgeschwindigkeit glitt der Verband durch den Weltraum seinem Ziel entgegen. Rick wandte sich an den Offizier der OPS. „Wie weit noch Lieutenant Kyler?“ Der junge Mann las schnell einige Daten am Display ab und gab dann Antwort. „Wir können in knapp fünf Minuten unter Warp gehen, Sir!“ Rick schaute zufrieden auf seinen Chronometer. Man hatte die Kolonie informiert dass sie kommen würden, aber sie waren ganze zwei Tage zu früh dran, denn im ursprüngliche Plan war noch ein weiteres Schiff mit weitaus geringerer Reisegeschwindigkeit vorgesehen gewesen. Aber Pläne änderten sich schnell, besonders in Zeiten wie diesen. So kam es, dass man während des gesamten Fluges immerhin Warp sechs aufrecht erhalten konnte, was eine Verkürzung der Flugzeit mit sich brachte.
„Hier spricht Captain O’Hara von der U.S.S. Jerusalem. Wir treten gleich in den Orbit ein. Die Kolonie haben wir über unsere verfrühte Ankunft informiert. Sobald wir im Orbit sind, werden wir die Schilde senken und beginnen alle Personen herauf zu beamen, die sich auf der Oberfläche befinden. Später wird ein Außenteam die Föderationsanlagen auf dem Planeten eliminieren. Ich erwarte Professionalität, Schnelligkeit und Wachsamkeit. O’Hara Ende!“ Captain O’Hara war der leitende Kommandant dieses Einsatzes auf einem Schiff der Excelsior Klasse. Dazu kam ein Schiff der Intrepid Klasse, die Yellostone, zwei Schiffe der Nova Klasse, Mississippi und Colorado, sowie die Golden Gate, die mit Ihren mehr als vierzig Jahren zum ältesten Schiff dieser Flotte zählte. Die Flotte ging in diesem Moment unter Warp und vor Ihnen tauchte das Sonnensystem auf, in dem Peranos 4 lag. Da es sich um den äußersten Planeten handelte, war der Anflug relativ einfach.
„Lt. Kyler, irgendwelche Anzeichen von fremden Schiffen?“ wollte Rick aus reiner Vorsicht wissen. Der junge Mann an der OPS prüfte seine Anzeigen. „Negativ Sir, keine Anzeichen!“ Rick vertraute dem jungen Mann, der sich bislang immer als zuverlässig erwiesen hatte und trotzdem schien ihm hier etwas nicht ganz geheuer zu sein. Warum hatten sie beim Eintreffen nicht eine Nachricht erhalten? Warum meldete sich niemand um sie zu begrüßen? Auch wenn man nur mit dem Führungsschiff kommunizierte, wäre immerhin von dort eine Nachricht gekommen. „Mr. Kyler, halten Sie die Augen offen, schließen Sie sich mit den Kollegen der Sensoren und der Wissenschaftsgruppe kurz, ich will alles wissen, was ungewöhnlich ist!“ der junge Mann antwortete mit einem kurzen „Aye Sir!“ und wandte sich sofort wieder seinen Kontrollen zu. „Captain, die anderen Schiffe haben Ihre Schutzschilde gesenkt und werden nun die Kolonisten und das Sternenflottenpersonal hochbeamen.“ meldete der Kommunikationsoffizier. „Nummer eins, gehen Sie auf roten Alarm, sehen Sie zu, dass wir unser Evakuierungspotenzial so schnell wie möglich erreichen und dann wieder hoch mit den Schilden. Ich will volle Waffenbereitschaft, damit uns keiner überrumpeln kann, ich habe hier ein ganz mieses Gefühl!“
Die Rettungsaktion schien dennoch recht gut anzulaufen, während immer mehr Leute auf die Schiffe gebeamt wurden, schien sich rund um den Planeten nichts zu ereignen. Unruhig saß Rick Sanders in seinem Sessel, bis sich plötzlich ein Lieutenant aus dem Transporterraum meldete. „Captain, hier ist ein Mann, der behauptet, das Dominion sei bereits vor drei Tagen in Tregor City eingefallen, er habe sich noch schnell aus der Stadt aufs Land gerettet und dann in einem Bergdorf versteckt.“ Ricks Augen öffneten sich ganz plötzlich als er die erschreckende Nachricht erhielt, Normalerweise gab er nicht viel auf das Gerede verwirrter Kolonisten, die meist Ihren neu gefundenen „Heimatplaneten“ nicht verlassen wollten. Aber genau so etwas hatte er sich fast schon gedacht. „Mr. Kyler!“ rief der Captain. Der junge Lieutenant an der OPS hatte die Durchsage ebenfalls gehört und ließ die Finger über die Konsole huschen. „Die Hauptstadt liegt derzeit auf der dem Planeten abgewandten Seite, aber es kann eigentlich nicht möglich sein, denn es sind keinerlei Warpspuren zu erkennen, ich habe den Bereich bereits mehrmals gescannt, Sir! Vielleicht kann die Jerusalem was dazu sagen, sie liegen nahe der Hauptstadt!“ Rick überlegte nur eine Sekunde. „Und was ist mit Impulstriebwerken? Die hinterlassen doch auch Plasmaspuren, oder?“ Die Zeit bis zur Antwort schien eine Ewigkeit zu dauern, aber dann kam die ernüchternde Bestätigung. „Sir, es wird Ihnen nicht gefallen, aber es gibt mindestens vierzig verschiedene Impulsspuren!“ Er hatte es gleich gerochen, Rick hatte eine Nase dafür, „Informieren Sie die Flotte, es ist ein Hinterhalt!“ Sofort war Lieutenant Perkins dabei die Frequenzen zu öffnen, aber sie bekam keine Verbindung. „Captain, alle Kanäle sind tot, ich bekomme nicht eine Nachricht gesendet!“ Es war offensichtlich, dass der Funkverkehr absichtlich gestört wurde. „Nummer Eins, wie weit ist die Evakuierung?“ Peter Brown, der neue erste Offizier stürzte zu einer Konsole und rief die Daten ab. „Wir haben gerade mal 235 Personen an Bord geholt, Sir!“ Rick drehte sich in seinem Sessel zur rechten Seite um „Lt. Perkins?“ allein sein fragender Blick schien auszureichen. „Noch immer keine Antwort von der Flotte oder einer anderen Basis, Sir!“ Rick musste schnell entscheiden, was er nun tun wollte und für Ihn und sein Schiff gab es nur eine Rettung wenn es ernst werden würde. So schnell wie möglich mit den bisher an Bord gebeamten dieses System zu verlassen. Es wäre keine Feigheit, es wäre der Versuch, wenigstens diese Leben die auf seinem Schiff waren zu retten. Er wusste, sollte das Dominion dahinterstecken, die Jem’Hadar würden keine Gefangenen machen. Sie würden einfach alles zerstören „Schilde hoch. Lt. Perkins, setzen Sie eine Sonde ab mit einer Nachricht, was hier passiert ist und fügen Sie an, dass es wahrscheinlich ein Hinterhalt sein könnte. Lt. Kyler, Wendemanöver. Alles was wir außer den Schilden noch haben in den Antrieb und weg hier!“ rief er über die Brücke. „Captain, wir können Die Leute nicht einfach zurücklassen, wir würden gegen unseren Befehl verstoßen, auch wenn wir keine Verbindung zur Flotte bekommen, wir können diesen Auftrag nicht einfach ignorieren und uns ohne jeden Beweis einer Gefahr aus dem Staub machen!“ rief der erste Offizier. „Commander Brown, Sie überschätzen vielleicht unsere Möglichkeiten, aber vielleicht ist Ihnen das ja auch Beweis genug!“ entgegnete Rick dem Commander und deutete auf den Hauptschirm, auf dem sich mindestens fünfzehn Jem’Hadar Kampfschiffe schnell näherten, und über ihn hinwegflogen, geradewegs in Richtung der Flotte. Rick war gar nicht erst in der Lage einen Feuerbefehl zu erteilen, denn schon spürte er das heftige Rucken und hörte das dumpfe Krachen mehrerer Einschläge von Energiewaffen. In das allgemeine Erschrecken über diesen plötzlichen Angriff vermischte sich das Aufschreien von Offizieren, deren Konsolen explodierten, oder die von herabstürzenden Teilen der Deckenkonstruktion getroffen wurden. Befehle hallten über die Brücke und jeder der noch stehen oder sich an eine Konsole klammern konnte versuchte sein möglichstes um seine Station betriebsbereit zu halten. „Phaser und Photonentorpedos ausgefallen, Schilde runter auf fünf Prozent“ rief eine verzweifelte Stimme, gefolgt von anderen Katastrophenmeldungen wie „Hüllenbruch auf Deck fünf, Sektion siebzehn und Deck drei Sektion vier!“ Erneute heftige und donnernde Einschläge rissen die frei stehenden von den Füßen und auch diejenigen, die einen Sitzplatz hatten mussten sich an allem festklammern, was sie finden konnten um nicht weggerissen zu werden. Berstendes Metall war zu hören, als wenn jemand mit einem großen Greifarm einfach ein Stück aus dem Rumpf herausbrechen würde. Weitere Rufe und Befehle waren auf der Brücke zu hören, bis schließlich abrupt das Licht ausging und Ruhe eintrat. In die gespenstige Stille schnitt die feste Stimme des Captains. „Statusberichte!“ einige Sekunden war nur das piepen vereinzelter Kontrollen zu hören.„Warpenergie ausgefallen, Schilde zusammengebrochen, Lebenserhaltung auf Minimun, multiple Hüllenbrüche, werden mit Notkraftfeldern gehalten.“ kam eine weibliche Stimme von vorne links. „Sofort alles in diesen Sektionen evakuieren und Notfallschotten schließen, dann die Kraftfelder abschalten, wir brauchen jede Energie, die jetzt noch übrig ist. Funktioniert der Bildschirm noch?“ Jemand schien in der Dunkelheit nach vorn zu stolpern und versuchte einige Kontrollen zu aktivieren. „Verdammter Mist!“ fluchete jemand. Dann leuchtete eine Taschenlampe auf, die direkt die feuerroten kurzen Haare des Captains anstrahlte, es musste wohl der erste Offizier sein, der sich nach vorne tastete, als plötzlich einige lose Kabel in der Deckenverkabelung aufblitzen, die anscheinend einen Kurzschluß mit anderen energieführenden Leitungen erzeugten. Dann setzte die Notbeleuchtung ein. Erst jetzt wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung richtig deutlich. Der Hauptschirm begann wieder zu flimmern. Nach einigen Sekunden, in denen nur Schnee und Störungen auf dem Bildschirm zu sehen waren, kam ein Bild, leicht verwaschen, durch immer noch anhaltende Verzerrungen aber dennoch erkennbar. Die Jäger der Jem’Hadar schienen sich voll auf die anderen Schiffe zu konzentrieren und beharkten Sie mit allem was Sie zu bieten hatten. Unter dem Beschuss von vier feindlichen Jem’Hadar Schiffen konnte auch die U.S.S. Jerusamlem nicht lange standhalten. Sie feuerte mit allem was an Torpedos und Phasern noch zur Verfügung stand, aber durch den Überraschungsangriff hatte sie bereits viel zu schwere Schäden erlitten, wahrscheinlich hatte sie nicht einmal die Schilde aufbauen können. Nur so war das erschreckende Maß an Zerstörung noch zu erklären. Große Bereiche der Untertassensektion fehlten, eine Warpgondel war einfach abgetrennt worden und ein weiterer Treffer hatte den gesamten Impulsantrieb völlig zerstört. Sie war nicht nur Wehrlos, sie hatte auch keine Chance zu entkommen. Von der Colorado und der Mississippi waren inzwischen ohnehin nur noch Trümmer zu erkennen, sie hatten nicht einmal diesen ersten Angriff überstehen können. Drei der Transportschiffe für Kolonisten waren zerstört und trieben im Raum und von der Yellowstone, die zwar noch manövrierfähig war, war ebenfalls nicht mehr viel Gegenwehr zu erwarten. Das Bild des Schreckens schien jeden zu lähmen, der auf den Schirm sah. Captain Rick Sanders kannte dieses Bild des Grauens. Vor vielen Jahren, als er noch ein Lieutenant war, hatte er es schon einmal gesehen. Bei Wolf 359 wurden nahezu 40 Schiffe durch einen Borg Kubus fast vollständig zerstört. „Captain ein Teil der Sensoren funktioniert wieder, die Jerusalem hat nur noch Notenergie, und die beiden verbliebenen Transportschiffe haben kaum noch Energie für die Lebenserhaltung.“
Das Ganze spielte sich allerdings nicht in der direkten Nähe der Golden Gate ab, abscheinend war es ihnen tatsächlich gelungen bereits einen kleinen Abstand zwischen sich und die Flotte zu bringen. Langsam ließen die Kämpfe nach, es gab ja auch kaum noch etwas, das man hätte angreifen können. In Captain Rick Sanders keimte ein schlimmer Verdacht auf. Er drückte seinen Kommunikator, in der Hoffnung dass das interne Kommunikationsnetz noch nicht vollständig zusammengebrochen war. „Spike, kannst Du mich hören, ich brauche Deine Hilfe. Kannst Du noch einmal einige Energiereserven mobilisieren?“ Es rauschte und knackte in der Verbindung, bis endlich eine mit viel Rauschen und einigen Verzerrungen durchsetzte Stimme ertönte: „Das wird nicht einfach sein, hier unten ist fast alles im Eimer, wir haben momentan nicht mal genug Energie für die Notkraftfelder!“ erklärte Spike, ein Spitzname, den Rick seinem guten Freund und Chefingenieur schon vor Jahren gegeben hatte. So wie es aussah, musste man wohl nicht mehr viel auf Rangbezeichnungen geben. „Wie lange hält es unser Schiff noch aus, wenn wir uns einschränken?“ fragte Rick. „Solange uns nicht die Energie für die magnetischen Eindämmungsfelder zusammenbricht wird’s schon noch eine halbe Stunde gehen, aber wenn wir dann die Lebenserhaltung nicht wieder in Gang setzen können, wird’s ernst!“
Der Golden Gate ging es nicht viel besser wie den anderen Schiffen. Sie hatte mehrere schwere Treffer erhalten. Während sich die Jem’Hadar zu sammeln begannen, beschossen Sie noch einmal jedes Schiff, auf dem sich noch Leben oder Energie regte. Dann plötzlich, als hätten sie einen anderen Befehl erhalten, verschwanden sie mit mehreren Lichtblitzen in der Warpgeschwindigkeit. Auch die restlichen Schiffe des Dominion stiegen nun vom Planeten auf und flogen mitten durch das Trümmerfeld hindurch zum selben Punkt, an dem die anderen Schiffe in dem Warpblitz verschwunden waren. Möglicherweise musste man bei einem anderen Angriff erneute Schlachten schlagen. Rick fragte sich kurz, warum man das vorher nicht bemerkt hatte, aber er verwarf den Gedanken wieder, schließlich galt es hier viel wichtigere Dinge zu bewältigen.
Die Jem’Hadar flogen vorbei an den Trümmern der anderen Schiffe, der nahezu vollständig zerstörten Jerusalem und Yellowstone, sowie den auseinandergebrochenen Transportschiffen. Kurz bevor Sie ihren Warpsprung einleiteten, überflogen Sie die ebenfalls schwer beschädigte Golden Gate, auf der keine Biozeichen und nur noch wenige Anzeichen von Energie zu erkennen waren. Trotzdem feuerten sie noch mehrere Pulsphaserschüsse auf das schwer angeschlagene Schiff, welches durch die Wucht der Einschläge in eine unnatürliche Drehung versetzt wurde. Die Eindämmung der Antimateriekammern drohte zu kollabieren. Die in Kürze zu erwartende gewaltige Explosion würde alles auslöschen, was zwischen dem Schiff und dem Planeten lag und sogar keine Beweise zurücklassen. Hilflos trudelte die Golden Gate im All. Sie schien nur noch ein Haufen Schrott mit zahllosen Leichen zu sein, ebenso, wie die anderen Schiffe. * * *
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„Fliegen Sie uns raus!“ hatte der Captain gesagt und Sanchez war bereits damit beschäftigt den Befehl in die Tat umzusetzen. Er hatte den Code für das Öffnen der Raumtore aktiviert und die beiden Hälften der riesigen Türen glitten auseinander. Langsam nahm die Scimitar Fahrt auf und steuerte auf das nun größer werdende Loch in der Pilzstation zu. Schon nach wenigen Minuten war das Schiff in den freien Raum gelangt und konnte mit der Rettungsmission beginnen. Der Warpantrieb hatte inzwischen, durch die vielen geschickten Hände im Maschinenraum, die volle Antriebsleistung erreicht und Emilio Sanchez wartete nur noch auf den Befehl des Captains. „Lieutenant, setzen Sie Kurs zwei fünf drei komma vier sechs. Warp sechs, volle Beschleunigung!“ Während sich auf dem Bildschirm die Sterne zu Warpstreifen veränderten trat plötzlich ein Mann neben Frank Dekkers Stuhl, der scheinbar nicht die geringste Empfindung aufbrachte für das was soeben geschehen war.
„Captain, ich kann dem Admiral nur zustimmen, Ihre Mission ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Weder Sie, noch Ihre Mannschaft haben ausreichend Erfahrung mit diesem Schiffstyp, Ihre Crew ist gerade einmal einen Tag an Bord, keiner kennt sich aus oder weiß mit Bestimmtheit, wen er ansprechen muss. Es wird nicht funktionieren! Ich halte Ihre Entscheidung für sehr fragwürdig und Sie wird sicher nicht dazu führen, dass Sie sich, Ihr Schiff und Ihre Vorgesetzten mit Ruhm bekleckern, wie eine irdische Redensart lautet. Ich werde es in meinem Missionsbericht vermerken und ausdrücklich auf Ihre Fehlentscheidung hinweisen.“ Das alles spulte er in einem ton- und emotionslosen Redeschwall herunter, der obwohl ihn der Vulkanier ruhig und leise vortrug, von jedem auf der Brücke verstanden wurde. Die Reaktion der Brückenmannschaft strafte den Vulkanier jedoch lügen. Denn nicht ein Besatzungsmitglied drehte sich zum Captain um und brachte ähnliche Einwande, sondern alle behielten den Blick auf Ihre Aufgaben gerichtet.
Frank hatte schon darauf gewartet, wann der erste Seitenhieb des Vulkaniers wohl erfolgen würde, so früh hatte er ihn allerdings nicht erwartet. „Mr. Kelor...“ es war ihm ein innerliches Fest, dass er ihn nicht mit seinem Rang ansprechen musste, „...es steht Ihnen selbstverständlich frei, jedwede Anmerkung über die Funktionalität dieses Schiffes zu machen und in Ihren persönlichen Logbüchern zu vermerken, aber Admiral Winters hat nicht erwähnt, dass es Ihre Aufgabe sei, meine Entscheidungen, oder die Entscheidungen meiner Crew zu bewerten. Ich werde darauf drängen, dass jedweder Eintrag dieser Art aus dem Bericht entfernt wird. Auf diesem Schiff habe ich das Kommando, ich treffe die Entscheidungen. Wenn Ihnen das nicht behagt, kann ich Sie gerne mit einem Shuttle zur Sternenbasis zurückbringen lassen. Sie können das dem Admiral ja dann gerne erklären.“ Der Vulkanier verzog keine Mine und trat wieder einige Schritte zurück in den oberen und hinteren Teil der Brücke. Die Scimitar war auf dem Weg nach Peranos 4. Es würde eine ganze Weile dauern, bis sie dort eintreffen würden. Aber am besten war es, wenn man sich schon jetzt darum kümmerte, wie man die Rettungsaktion koordinieren wollte. Zudem gab es noch einige ungeklärte Fragen, denen man sich nun widmen sollte. Nun, nachdem alles erst einmal lief, war es für Frank an der Zeit eine erste Besprechung durchzuführen. „Lt. Commander West, ich erwarte die Führungsoffiziere, sowohl vom Hauptschiff, als auch diejenigen, die das Scoutschiff führen sollen, in fünf Minuten im Konferenzraum. Sie haben die Brücke, ich bin bis dahin in meinem Raum!“ Der erste Offizier bestätigte die Anweisung mit einem kurzen „Aye Sir!“ und nachdem der Captain sich erhoben hatte ließ sich Jonathan West in den zentralen Stuhl gleiten. Frank verschwand durch die Tür in den Flur, um seinen Bereitschaftsraum zu erreichen.
Der Konferenzraum der neben der Brücke auf der rechten Seite des Schiffes lag, war ein heller und funktioneller Raum. An dem großen Tisch aus edlem Holz bot er reichlich Platz für acht Personen. Zwei große Fenster erlaubten den atemberaubenden Blick auf die Sterne in Flugrichtung, die sich zur Zeit bei Warp sechs schon zu Warpstreifen verzerrten. Auch an der seitlichen Wand, der rechten Außenwand waren drei große Fenster eingelassen, die einen zusätzlichen Ausblick boten, so dass man sich fast wie in einem Wintergarten vorkam und meinte die Sterne anfassen zu können. Der Raum füllte sich innerhalb weniger Minuten mit Leben, als die Offiziere von überall aus dem Schiff in den Raum drängten, der für diese Gelegenheit sogar zu klein schien. Frank Dekkers betrat den Ort der Besprechung als letzter. Ihm war der Platz an der Stirnseite freigehalten worden. „Captain betritt den Raum!“ rief der Erste Offizier und sofort nahmen alle Haltung an. „Schon gut, Nummer eins, dass muß nicht sein, wenn wir das bei jeder Gelegenheit durcherxerzieren, kommen wir nicht zum Wesentlichen. Setzen Sie sich bitte meine Damen und Herren!“ Die Senioroffiziere konnten sich auf einem der restlichen sieben Sitzplätze niederlassen, der Rest trat etwas zurück und verfolgte die nun kommenden Minuten im Stehen. Frank hatte sich diesen Moment eigentlich ganz anders vorgestellt. Er hatte zwar alle Offiziere persönlich an Bord willkommen geheißen, aber er hatte bisher nur wenige Worte mit ihnen gewechselt. Eigentlich wollte er am Abend ein gemütliches Beisammensein organisieren, bei dem sich jeder beschnuppern und kennenlernen konnte. Das fiel ja nun angesichts der Katastrophe aus. Sicherlich hatte keiner Lust nach dieser Hiobsbotschaft einen vergnüglichen Abend zu verbringen. Dennoch beschloss er zunächst einige Worte an die Mannschaft zu richten. „Meine Damen, meine Herren, sicherlich haben Sie sich den ersten Tag an Bord unseres Schiffes anders vorgestellt, ich muss sagen ich auch! Aber leider hat uns das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir sind Offiziere der Sternenflotte und ich bin sicher Sie stimmen mir zu, wenn ich sage: Wenn das Leben unserer Föderationskollegen in Gefahr ist, sind wir verpflichtet zu helfen.“ Ein einstimmiges Nicken aller Anwesenden zeigte ihm, dass er den richtigen Ton getroffen hatte. „Ich weiß, dass es nicht einfach sein wird, weil man kaum jemanden von der neu zusammengestellten Mannschaft kennt. Aber aus Ihrer Crewliste wissen Sie, wer Ihr direkter Ansprechpartner und Vorgesetzter ist, oder wer zu Ihrer Gruppe gehört. Und denken Sie bitte daran, dass wir alle das gleiche Los teilen, auch ich bin in der gleichen Situation. Bitte machen Sie Ihren Teammitgliedern klar, dass es wichtig ist, dass jeder hier auf dem Schiff sein Bestes gibt, Viel weniger erwarte ich auch nicht, weder von Ihnen noch von mir. Wir sind hier zusammengekommen um diesen ersten Auftrag zu koordinieren. Am besten wir fangen damit an, was wir wissen!“
Frank schaute in die Runde und prägte sich noch einmal die Gesichter ein, dabei versuchte er sich an die Aufgaben und einige persönliche Details zu erinnern, die er in den Akten gelesen hatte. Neben dem ersten Offizier saß Lt. Cmdr. Edward L. Williams, der Chefingenieur. Er war ein untersetzter leicht rundlicher Mann mit lichtem Haar, dessen Uniform nicht so recht passen wollte, aber das war im Moment die nebensächlichste Angelegenheit überhaupt. Auf dem nächsten Stuhl saß Lt. Gerald Quist, zweiter Offizier und verantwortlich für die taktischen Aufgaben. Ein hochgewachsener schlacksiger Skandinavier der selbst im Sitzen alle überragte. Seine glatten blonden Haare konnten seine Herkunft nicht verhehlen. Lt. Nilan, die blauhäutige und sehr attraktive Bolianerin hatte das Aufgabengebiet der OPS und Kommunikation unter sich, auch wenn momentan andere auf der Brücke ihren Dienst versahen. Frank freute sich, dass die Vulkanierin Shelar zugestimmt hatte auf sein Schiff zu wechseln. Er kannte sie bereits aus seiner Akademiezeit und vielleicht konnte sie ihm als alten Kameraden einen Tipp geben, wie er besser mit Kelor zurechtkommen konnte. Robert D. Knox, der leitende Schiffsarzt war einige Jahre älter als Frank, und schien die Ruhe selbst zu sein. Die braunen kurzen Haare und sein säuberlich gestutzter Vollbart ließen Ihn wie der gute Onkel von Nebenan erscheinen. Lt. Miguel Rivera, der kleine aber drahtige Spanier würde nun Dreh und Angelpunkt der Mission werden, denn ihm unterstand der Einsatz des Rescue & Recovey Teams, welches sich aus Ärzten, Technikern und Sicherheitspersonal zusammensetzte. Damit waren die wesentlichen Offiziere des Hauptschiffes beisammen. Franks Blick wanderte weiter nach rechts. Hier kamen nun die Crewmitglieder die für das Scoutschiff eingeteilt waren.. Im Trennungsfall würde Lt. Cmdr. West das Scoutschiff befehligen müssen. Neben Lt. Alan Brownfield, dem zweiten Offizier des Scoutschiffes, saß Lt. Carlton Meyers, der Chefingenieur des Scoutschiffes. Die beiden machten einen sehr jungen und etwas nervösen Eindruck, was angesichts der Situation durchaus verständlich war. Ebenfalls anwesend waren Lt. Alan Bernard als taktischer Offizier und die Ärztin Florence Keegan, die Assistentin des Doktors, die im Scoutschiff nach einer Abtrennung die medizinische Leitung übernehmen sollte. Frank hätte sich gewünscht, dass auch noch einige andere wichtige Offiziere dabei sein sollten, aber er sah ein, dass es auch so schwer genug sein würde, alle auf eine Richtung einzuschwören.
Ihm schien es, als habe er eine Ewigkeit damit verbracht sie alle anzusehen und die dazu passenden Daten in seinem Kopf abzurufen, dabei hatte es sich nur um wenige Sekunden gehandelt. Jeder Offizier erwiderte den Blick des Kommandanten mit Respekt und voller Tatendrang.
Lt. Nilan betätigte einige Tasten des auf dem im Tisch eingelassenen Display und nach kurzer Zeit des Rauschens waren die Stimmen und Schreie vieler Menschen zu hören, Befehlsrufe hallten durch den Raum, die aber so verstümmelt und zerhackt waren, dass man sie unmöglich deuten konnte. Dann schien jemand zu sprechen. Seine Stimme schien von Panik verzerrt zu sein und es waren nur wenige Worte zu verstehen, aber es reichte um einen Eindruck der Situation widerzuspiegeln, in der man sich scheinbar befand: „...werden angegriffen... scheinbar... Hinterhalt... Dominion.... wissen nicht wie... Schilde ...Prozent... Keine Energie... ...Antrieb beschädigt...“ es rauschte und knackte, immer wieder war das Krachen zu hören, wenn neue Phasersalven oder Torpedos das Schiff trafen. Dann brach die Verbindung ab. An diesem Punkt setzte Shelars ruhige vulkanische Stimme ein, die emotionslos verkündete: „Bei den Aufnahmen handelt es sich um Fragmente der Kommunikation der U.S.S. Jerusalem. Wie eindeutig aus der Analyse hervorging sind die Störungen keineswegs auf einen Defekt am Schiff zurückzuführen, sondern auf eine Funkblockade, Es ist reines Glück, dass die Übertragung überhaupt durchgekommen ist.“ Frank versuchte gefasst zu bleiben. Wenn schon die Jerusalem als Schiff der Excelsiorklasse kaum eine Chance gegen die Angreifer hatte, was war dann mit seinem guten Freund Rick an Bord der Golden Gate geschehen? „Lt. Nilan...“ wandte er sich an die Bolianmerin, „Wann ist die Übertragung eingetroffen und wie lange...“ er brauchte nicht weiter zu sprechen, die junge Frau schien bereits alle Fakten zu kennen. „Die Übertragung ist vor nicht ganz einer halben Stunde von der Sternenbasis empfangen worden. Anscheinend hat uns der Admiral umgehend informiert als es passiert ist. Basierend auf Subraum-Geschwindigkeit hat Sie ungefähr 5 Stunden gebraucht um die Station zu erreichen. Wenn sich dort noch jemand befindet...“ sie machte eine kurze Pause, „... werden wir bei Maximum Warp zirka sechsunddreißig Stunden benötigen um dort hin zu kommen.“ „Zu spät, verdammt!“ ließ Frank entnervt verlauten und ließ seine Faust leicht auf die Tischplatte schlagen „Zu spät!“ Einige Sekunden herrschte betroffenes Schweigen. Allen war klar, dass es nach fast zwei Tagen kaum noch eine Chance gab, dass jemand dieses Desaster überlebt hatte, wenn tatsächlich ein solch harter Kampf stattgefunden hatte, wie es aufgrund der Übertragung den Anschein hatte. Der Captain holte gerade Luft um erste Anweisungen zu geben, als Lt. Rivera das Wort ergriff. „Captain, ich mag vielleicht noch nicht so viele Jahre im Dienst sein, aber ich war schon bei vielen Einsätzen dabei. Wir haben bisher immer noch jemanden retten können, auch wenn es manchmal nur eine Person war und die Rettung teilweise noch später kam als wir jetzt!“ Es war klar, er wollte allen Beteiligten Mut machen, ein lobenswerter Zug, aber keiner wollte so recht an ein Wunder glauben, selbst wenn niemand das zugegeben hätte.
„Nun Mr. Rivera, Ihr Wort in Gottes Ohr! Als erstes werden wir zusehen, dass wir so schnell wie möglich an den Ort des Geschehens kommen. Lt. Nilan, geben Sie Anweisung auf maximale Warpgeschwindigkeit zu gehen und sie bis zur Leistungsgrenze und Maximalzeit auszunutzen, Lt. Rivera, ich möchte, dass Sie einen Plan erstellen, der verschiedene Szenarien abdeckt, damit sich Ihr Team auf jedwede Möglichkeit einstellen kann. Lt. Shelar, lassen Sie die Sensoren mit maximaler Kapazität und maximalem Radius voraus suchen, damit wir wenn möglich nähere Informationen bekommen. Wie ist der Status der Krankenstation Dr. Knox?“ Der Arzt der nun angesprochen wurde räusperte sich kurz, dann gab er dem Captain Antwort: „Die Krankenstation ist mit allen notwendigen Dingen ausgestattet, aber ich gebe zu bedenken, dass die Krankenstation nicht auf größere Patientenandränge ausgelegt ist, vor allem wenn es sich um Intensivpatienten handelt, was leider zu befürchten ist.“ Der Captain blickte den Arzt einige Sekunden lang schweigend an, dann antwortete er, „Auch wenn das so ist, dann wollen wir doch hoffen, dass wir wenigstens so gut wie möglich helfen können.“
Während der Arzt seine Ausführungen gemacht hatte, war das Schiff auf hohe Warpgeschwindigkeit gegangen. Die Sterne verzogen sich zu noch länglicheren Strichen, auch wenn die Beschleunigung durch die hervorragenden Trägheitsdämpfer nicht zu spüren war. Mit einem dankbaren Blick honorierte Frank die sofortige Umsetzung der jungen Bolianerin, die genau wie alle anderen im Raum wusste, dass es auf jede Sekunde ankam. „Mr. West, ich möchte, dass die Brücke des Scoutschiffes ab sofort ständig besetzt bleibt, so dass wir im Ernstfall innerhalb weniger Sekunden die Trennung einleiten können. Lt. Meyers...“ der junge Mann und Chefingenieur für das Scoutschiff horchte auf und straffte sich, als sein Name fiel, „...bereiten sie alles vor, dass wir die volle Leistung des Warpkerns umgehend nutzen können. Nehmen Sie sich weiteres Personal wenn Sie es brauchen, stimmen Sie sich mit Lt. Cmdr. West ab. Das ist vorerst alles. Wenn es neue Erkenntnisse gibt informiere ich Sie. Denken Sie daran, dass wir alle unser Bestes geben müssen. Ich danke Ihnen.“ Die Offiziere waren bereits aufgestanden, da hörte Frank erneut die Stimme des Vulkaniers, der eigentlich gar nicht hier sein sollte und fragte sich, wie er es geschafft hatte sich in diese Runde einzuschleichen. Er musste hinter den Offizieren oder in seinem Rücken gestanden haben, denn sonst hätte er ihn sicherlich gesehen. „Captain, ich gebe zu bedenken, dass noch nicht alle Tests mit diesem Schiff abgeschlossen wurden. Es birgt ein unkalkulierbares Risiko, wenn Sie jetzt den Antrieb ohne abschließenden Systemtest auf volle Leistung bringen. Sie wissen, ich werde...“ Frank fiel dem Vulkanier sehr unhöflich ins Wort, aber das war ihm egal. In seiner Stimme lag eine unverborgene Schärfe, „Nun, was das betrifft Mr. Kelor, ich kenne dieses Schiff und ich weiß was es zu leisten vermag. Schließlich habe ich die Konstruktionspläne selbst erstellt und die Belastungsberechnungen vorgenommen. Ich vertraue den Erbauern dieses Schiffes und traue ihnen durchaus zu, dass sie ihre Arbeit korrekt und fehlerfrei gemacht haben. Damit ist die Sache für mich erledigt. Schreiben Sie in Ihren Bericht was sie wollen!“ Frank war in diesem Moment richtig sauer. Es galt eine Notsituation zu meistern, jeder gab sich die größte Mühe alles dafür zu tun, seinen Dienst mit Professionalität zu tun und dieser Vulkanier konnte nichts anderes als zu kritisieren. Wenn dieser Mann so weitermachen würde, dann wäre er geneigt ihn aus der nächsten Luftschleuse zu werfen. Aber das musste jetzt erst einmal warten. Während der Captain auf die Brücke trat, versuchte er sich zu beruhigen und zu konzentrieren, denn ein Flug mit hoher Warpgeschwindigkeit hatte auch seine Tücken. Er setzte sich in den zentralen Stuhl und seine Gedanken eilten bereits voraus, dem Ziel entgegen, der Hoffnung entgegen, der Hoffnung, dass man noch Überlebende finden würde. Er ertappte sich bei dem Wunsch, dass selbst wenn es nur einen Überlebenden geben würde, es sein alter Freund Rick Sanders sein sollte. * * * Es war dunkel. Ein Geruch von Brand, schmorenden Elektroteilen und beißender chemischer Rauch hing in der kaum atembaren Luft. Alles schmerzte und Rick konnte sich kaum noch auf seinem Stuhl halten. Er realisierte, dass die Trägheitsdämpfer scheinbar nicht funktionierten und die Gravitation sich verlagert hatte. Leise rief er in die Dunkelheit: „Mr. Brown...?“ aber er erhielt keine Antwort. Erneut versuchte er irgend jemanden auf der Brücke zu erreichen, irgend ein Lebenszeichen zu bekommen. Captain Sanders war sich nicht einmal sicher ob er selbst noch lebte, oder ob das bereits das sagenumwobene Fegefeuer war, in dem er sich nun befand. „Lt. Kyler, Lt. Perkins? Ist da noch jemand?” erst jetzt bemerkte er, dass ihm der Rauch und die beißenden Dämpfe den Atem nahmen und er nicht lauter rufen konnte, obwohl er es versuchte. Dann hörte Rick ein Husten und dass jemand sich bewegte. Eine Taschenlampe flammte auf und durchschnitt den dichten Rauch und Nebel der Brücke mit ihrem weißen Strahl. „Captain?“ kam die ebenfalls sehr mitgenommene Stimme des ersten Offiziers. „Hier!“ gab Rick flüsternd zurück. „Wie lange.....?“ es dauerte einen Moment. Der Lichtkegel der Taschenlampe fuhr durch den Raum, bis er an einer Konsole angekommen war. Der Commander wischte mit der Hand über das Display, auf dem zahlreiche Trümmer lagen und versuchte die Konsole in Gang zu setzen. Aber es schien nichts zu funktionieren. Das Atmen fiel ihm ebenfalls schwer und immer wieder musste er aufgrund des dichten Rauchs husten. Rick sah den Lichtkegel und die Taschenlampe zur Hauptkonsole wandern. Eine Verkleidung wurde abgerissen und fiel klappernd zu Boden. Einige Sekunden waren nur vorsichtige Arbeitsgeräusche zu hören, dann ging die Notbeleuchtung an und zeigte die ramponierte Einrichtung. Die Brücke war ein Trümmerhaufen. Inzwischen hatte der erste Offizier einige Kontrollen in Gang gesetzt, unter anderem das Lebenserhaltungssystem, was scheinbar jetzt wieder funktionierte. „Zweiundvierzig Minuten Captain, seit der Aktivierung unseres Programms!“ Auch Rick Sanders musste kurz husten, obwohl der Rauch nun langsam abzog und Frischluft durch die Systeme kam. „Ich glaube wir können damit aufhören, wir haben seit geraumer Zeit keine weiteren Treffer erhalten. Versuchen Sie die passiven Sensoren wieder zu reaktivieren, mal sehen, was da draußen noch ist. Und versuchen Sie unseren Schirm wieder in Gang zu setzen!“ Der Commander nickte stumm und machte sich an die Arbeit. Der Schirm, der vorhin wieder kurzzeitig funktioniert hatte war nun erneut Dunkel und Energielos. Schon nach kurzer Zeit meldete Peter Brown: „Keine Anzeichen von feindlichen Schiffen mehr zu erkennen.... aber auch keine Energieanzeichen, die von unseren anderen Schiffen kommen könnten!“ Der Captain stand auf und trat nach vorne zu den beiden Crewmitgliedern der Conn und OPS, die reglos über den Konsolen hingen. Er tippte sie an und zog sie dann nach hinten in die Lehne des Stuhles. Sie waren ohnmächtig, aber sie schienen noch zu leben. Rick tippte den Kommunikator an „Captain an Krankenstation!“ rief er, aber nichts regte sich. „Captain an alle Stationen Bericht!“ In der Zwischenzeit hatte Commander Brown den Bildschirm wieder hochgefahren. In Ermangelung eines anderen funktionierenden Displays legte er die Protokollmeldungen auf den Hauptschirm. Zumindest war der Ruf des Captains anscheinend zu allen durchgedrungen. Die Meldungen der einzelnen Abteilungen, die nun nacheinander hereinkamen sahen jedoch alles andere als gut aus. Überall im Schiff waren wichtige Systeme ausgefallen und einige Crewmitglieder hatten den Tod gefunden, andere waren leicht bis schwer verletzt. Aber eines war zumindest beruhigend in mitten der Katastrophe, das Energieerzeugende System war intakt. Jetzt wurde Rick klar, warum die Miranda Klasse doch ein so gutes Schiff war. Sie war robust. Selbst wenn man schwere Schäden erlitt, war es immer noch möglich zumindest die Lebenserhaltung und die Versorgung mit Nahrungsmitteln aufrecht zu erhalten, auch wenn der Antrieb nicht mehr zu gebrauchen war, wie Rick inzwischen auf dem Schirm lesen musste. „Krankenstation, Lt. Kalmar hier. Sie hatten gerufen?“ kam endlich die Stimme des Beziten aus dem Lazarett. „Sanders hier, ich brauche einen Sanitäter, einige der Brückenoffiziere sind bewusstlos, ich hoffe ihnen fehlt nicht noch mehr.“ Der Offizier am anderen Ende der Leitung stöhnte kurz auf, weniger vor Schmerzen, als vielmehr durch die wohl unerwartete Flut an Einsätzen. „Wir schicken jemanden hoch. Es kann sein, dass es etwas dauert, wir müssen erst nachsehen, ob der Turbolift zur Brücke funktioniert.“ Der Captain sah noch einmal zu den Bewusstlosen hinüber. „Machen Sie so schnell sie können Mr. Kalmar. Was ist mit Dr. Richardson?“ Eine Pause entstand in der in Rick eine Befürchtung aufkeimte, die dann bedauerlicherweise auch bestätigt wurde als der Lieutenant stockend antwortete, „Tut mir leid Sir... Er hat es nicht geschafft!“ Der Captain hatte es sich schon fast gedacht, als der Lieutenant eine so bedeutsame Pause gemacht hatte. Er schluckte trocken und versuchte die Fassung zu bewahren. „In Ordnung, tun Sie was in Ihrer Macht steht um die Verletzten zu versorgen, wir versuchen erst einmal unsere Lage zu stabilisieren.“ Rick nickte bedauernd vor sich hin, es würde zumindest Hilfe aus der Krankenstation kommen. Er hoffte nur, dass sie nicht zu spät kam. Ob Hilfe auch noch von draußen kam, wagte er zu bezweifeln. Er glaubte nicht daran, dass jemand einen Funkspruch hatte absetzen können und selbst wenn, dann war er bestimmt ungehört verhallt. An die Sonde, deren Absetzung er veranlasst hatte dachte er in diesem Moment gar nicht mehr.
Es dauerte viele Stunden schweißtreibender Arbeit, aber dann war es tatsächlich geschafft. Auf der Brücke hatte man die gröbsten Trümmer entsorgt, die Hauptenergie war inzwischen wieder online und auch der Hauptschirm zeigte wieder den üblichen Blick voraus. Von den Angreifern war natürlich inzwischen keine Spur mehr zu entdecken. In den Trümmern, die überall umherflogen, war nicht ein einziges Teil eines Dominionschiffs zu lokalisieren. Rick machte sich dennoch nicht nur Sorgen um sein eigenes Schicksal. Als er die Zerstörung auf dem Schirm sah, da wünschte er sich, und das nicht zum erstenmal, dass er ein Schiff befehligt hätte, welches wie das von seinem Freund Frank Dekkers war. Sicherlich hätte er damit eine wesentlich bessere Chance gehabt. Noch immer war er zwar optimistisch und voller Hoffnung, aber tief in seinem Inneren machte er sich wenig vor, was sich und seine Leute betraf. In gewisser Weise war er auch Realist, die Sternenflotte hatte wahrscheinlich alle schon fast abgeschrieben. Wenn hier nicht bald Hilfe kommen würde, dann wäre es kaum möglich wenigstens die noch an Bord verbliebenen Leben zu retten. Obwohl, er eigentlich ein zäher Bursche war, solange es eine klitzekleine Chance gab, wollte er sich nicht geschlagen geben. Während er sich das Chaos auf dem Schirm ansah, fragte er sich, ob vielleicht auf den zerstörten Schiffen noch jemand überlebt hatte. „Nummer eins!“ rief er und sofort stand Peter Brown neben Ihm. „Können wir da draußen irgendwelche Lebenszeichen registrieren?“ Der Commander schüttelte bedauernd den Kopf. „Unsere aktiven Sensoren sind immer noch nicht einsatzfähig, die Kommunikation, Empfang und Senden ist noch nicht wieder hergestellt...“ Er deutete mit dem Kopf in Richtung Bildschirm, „...glauben Sie tatsächlich dass da draußen noch jemand lebt?“ Frank schaute auf den Monitor auf dem die vielen Trümmer und zerstörten Raumschiffe zu sehen waren. „Wir dürfen zumindest die Möglichkeit nicht außer Acht lassen. Commander! Wie sieht es im Shuttlehangar aus?“ Im ersten Moment war der Commander etwas verwirrt, aber dann hatte er das Ansinnen des Captains verstanden. „Unsere beiden Shuttlehangars sind betriebsbereit. Wir hatten verdammtes Glück. Außer ein paar Kratzern ist nichts passiert!“Rick schöpfte ein wenig Hoffnung. „Lassen Sie jeden Offizier oder Fähnrich der gesund ist und fliegen kann in ein Shuttle steigen und ausschwärmen. Sie sollen mit den aktiven Sensoren der Shuttles nach Lebenszeichen scannen. Wenn man jemanden findet wird er hierher gebracht. Ich will dass diese Leute da draußen eine Chance haben... wenn es da draußen noch jemanden gibt.“ Commander Brown setzte eine sorgenvolle Mine auf. „Captain, Sie wissen schon, dass wir denen Schutzlos ausgeliefert sind, wenn sie zurückkommen sollten, oder?“ Rick sah den Commander fragend an, „Commander, wenn das Dominion tatsächlich zurückkommt, was meinen Sie, ob wir dann in einem Shuttle oder auf der Golden Gate sicherer wären?“ Der Commander nickte nur resignierend und drehte sich zur Schalttafel, um die Befehle an den Shuttlehangar zu geben. Er wusste genau, dass die Golden Gate in diesem Zustand eigentlich nur noch ein Wrack war.
Nach und nach verließen achtzehn unterschiedliche Personenshuttles die Golden Gate um auszuschwärmen und nach Überlebenden zu suchen. Es dauerte mehr als zwei Stunden, bis auch die beiden Frachtshuttles so konfiguriert worden waren, dass ihre Transporter Menschen und andere Lebewesen sicher transportieren konnten, dann wurden auch Sie zur Unterstützung hinausgeschickt. Die anderen Piloten, die nicht in den Shuttles saßen waren aber ebenfalls mit den leichten und schwereren Kampfschiffen gestartet um zumindest bei der Suche zu helfen. Das erste Shuttle erreichte die schwer beschädigte Jerusalem bereits nach wenigen Minuten. Im Innern des Schiffes schien es tatsächlich noch Leben zu geben, teils in abgeschotteten Bereichen, oder in normalen oder Fluchtshuttles, die allerdings nicht starten konnten, da der Shuttlehangar einige schwere Treffer erlitten hatte und die Hangardecke eingebrochen war. Unablässig pendelten die Shuttles zu den Schiffswracks, fingen Fluchtkapseln mit den Traktorstrahlen ein und brachten Sie an Bord der Golden Gate. Das Schiff der Miranda Klasse selbst, hatte inzwischen wenigstens die Steuerdüsen wieder in Gang setzen können und so war es Ihnen gelungen, den Abstand zwischen Ihnen und den zerstörten Schiffen deutlich zu verkürzen. Sie lagen nun dich an der Jerusalem und während alle vier Workbees damit beschäftigt waren vorsichtig die eingebrochene Hangardecke zu zerlegen um die darunter vergrabenen Shuttles freizubekommen, machte eine neue Meldung zusätzlichen Mut. In zwei der Evakuierungsraumern schienen noch eine Großzahl von Personen zu leben. Langsam getrieben, nur von den Steuerungsdüsen machte sich die Golden Gate auf den Weg. So große Personenzahlen konnten die Shuttles niemals bewältigen. Rick Sanders fühlte sich etwas besser. Er hatte eine Aufgabe, die Lebensrettung hieß und in der er vollkommen aufging. Vergessen waren vorerst die Zweifel und die Angst, wie man später zurückkommen würde. Sie hatten das Raumschiff nach einer Viertelstunde erreicht und waren längsseits gegangen. Die Antriebsaggregate waren zerstört und vom Rumpf getrennt worden nur deshalb hatte es wahrscheinlich keine Explosion gegeben. Innerhalb des Schiffes war allerdings nicht mehr viel intakt. Auch das Lebenserhaltungssystem war bereits ausgefallen. Die Leute mussten schnellstens hier weg. Alle Transporterräume waren ständig im Einsatz und mehrmals musste der Chefingenieur den Captain informieren, dass man etwas langsamer treten sollte, wollte man nicht das eigene Schiff erneut gefährden. Commander Brown trat mit einem Padd zum Captainsstuhl. „Captain, wir haben unser Evakuierungslimit inzwischen um mehr als 800 Prozent überschritten. Die Leute stapeln sich schon im Gang, wenn ich das mal so sagen darf. Wir brauchen dringend mehr Platz für unsere eigenen Leute, wenn wir auch weiterhin unserer Arbeit nachgehen wollen!“ Rick wusste was das bedeutete, normalerweise konnte die Mirandaklasse gerade einmal fünfhundert Personen aufnehmen, jetzt waren es bereits knapp 4500. Er überlegte einen Moment. „Commander, lassen Sie alle Frachträume und Shuttlehangar eins freimachen. Die Leute sollen sich dorthin begeben. Wenn nötig werfen Sie die aufgefangenen Fluchtkapseln wieder hinaus, wir können Sie ohnehin nicht verwenden. Aber ich möchte, dass jeder Mann und jede Frau die noch atmen können, und auch jeder Tote aus diesem Trümmerfeld geborgen wird. Besonders die Verstorbenen haben eine ordentliche Bestattung verdient.“ Brown nickte mit dem Kopf, während die Lautsprecheranlage ein lautes Knirschen und Zirpen von sich gab. Dann auf einmal hörte man die Stimme von Fähnrich Walker, „Golden Gate, hier Shuttle 5. Wir haben noch weitere Eingeschlossene auf der Jerusalem entdeckt. Außerdem hat Lt. Kinley eben bestätigt, dass auch auf dem zweiten Transportschiff noch zahlreiche Personen überlebt haben!“ Ein verhaltener Jubel hob auf der Brücke an, dann war wieder Rick Sanders Stimme zu hören; „Verstanden, wir werden unsere Position ändern, damit wir die Leute an Bord holen können!“
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Frank saß in seinem Bereitschaftsraum, er war müde und abgespannt. Viel zu lange hatte er den Flug der Scimitar auf der Hauptbrücke überwacht. Es mochten wohl 18 Stunden gewesen sein, die seit dem Start vergangen waren. Während der ganzen Zeit hatten Sie versucht, eine Funkverbindung zu einem der Schiffe herzustellen, die diesem Konvoi angehörten, aber es gab keine Antwort. Vor wenigen Minuten hatten sie eine Logbuchsonde gefunden, oder besser gesagt, die Reste, die davon übriggeblieben waren. All das war kein gutes Zeichen. Er hatte die Ellbogen auf die Schreibtischplatte aufgestellt und ließ den Kopf resigniert in seine Hände sinken. Er hatte immer weniger Hoffnung, noch jemanden am Zielpunkt lebend vorzufinden. Das Türsignal ertönte. „Herein!“ rief Frank und sein erster Offizier Jonathan West trat ein. „Captain, ich habe die Crew mehrere Übungen auf der Brücke des Scoutschiffes machen lassen. Ich bin nicht überzeugt, dass sie jetzt schon in der Lage sind so eine schwere Aufgabe zu meistern.“ Frank, der sich beim Eintreten in die Lehne hatte zurücksinken lassen sah man die Erschöpfung regelrecht an. Sein Gesicht war fahl und von Übermüdung gekennzeichnet, aber der erste Offizier schien dies überhaupt nicht zu bemerken. Statt dessen erklärte er dem Captain weiter, was für eine fehlerhafte Entscheidung es sei, eine eventuelle Trennung des Schiffes vorzunehmen, bis Frank plötzlich seine flache Hand auf den Tisch fallen ließ. „Lt. Commander, fühlen Sie sich dazu in der Lage ein Schiff zu führen, Ja oder Nein? Sind Sie sich ich im Klaren darüber, dass wir auf einem Rettungseinsatz sind, der von großer Tragweite ist, Ja, Oder Nein? Wissen Sie, dass die möglichen Überlebenden auf uns und unsere Professionalität zählen, Ja oder nein?“ Der junge Mann, der vor dem Schreibtisch des Captains stand schien das Ganze nicht zu begreifen, „Ja, aber...“ begann er stockend. „Kein aber, Lt. Commander. Motivieren Sie unsere Crew, weisen Sie darauf hin, dass es eine wichtige Bewährungsprobe ist, erzählen Sie irgendetwas, was die Leute daran glauben lässt, dass wir das mit Bestimmtheit schaffen, auch wenn es kein Spaziergang werden wird. Unsere Crew muss überzeugt sein und hinter Ihnen und mir stehen, sonst können wir wirklich gleich einpacken. Zudem sitzt mir noch dieser Aufpasser, dieser Vulkanier Kelor im Nacken, der nur darauf wartet, dass mir, Ihnen oder unserer Crew ein Fehler unterläuft. Es ist auch für mich nicht leicht, also sehen Sie zu, dass Sie die Leute auf sich auf mich und auf das Schiff einschwören, nur so haben wir eine Chance.“ Jonathan West nickte stumm, er wollte dem Captain nicht erzählen, dass er mit Ihm gar nicht übereinstimmte. Seiner Meinung nach war er hochnäsig, intolerant und verlangte Unmögliches von Ihm und dem Rest der Crew. Langsam verließ er den Raum und noch bevor die Tür sich öffnete, war Frank in seine vorherige Körperhaltung verfallen und hatte den Kopf wieder in seinen Händen vergraben.
„Captain, Sie sind übermüdet! Sie sind nicht in der Lage, dieses Schiff weiter zu führen. Sie brauchen dringend Schlaf!“ Dieser Vulkanier Kelor hatte ihm jetzt gerade noch gefehlt. Seine ständigen destruktiven Kommentare, seine zynischen und sarkastischen Anwandlungen... Aber halt, etwas stimmte nicht, diese Stimme klang weder zynisch, noch sarkastisch, sie klang.... besorgt. Frank hob langsam seinen Kopf aus den Händen und sah vor sich Commander Rychek. „Commander, was…. was tun sie denn hier!“ brachte der Captain voller Überraschung heraus. Das Gesicht des Commanders schien eine beruhigende Wirkung auszustrahlen. „Nun, ich hatte leider keine Gelegenheit mehr von Bord zu gehen. Also habe ich mich erst einmal in mein Quartier zurückgezogen. Ich bin ausgeruht und frisch wie ein junger Tag. Ich löse Sie ab und bitte keine Widerrede. Sie müssen schließlich fit sein, wenn unser Schiff den Zielpunkt erreicht. Wenn sich etwas ereignet, werde ich Sie schon informieren, versprochen. Und jetzt ab mit Ihnen in Ihre Kajüte, oder muss ich Sie erst vom Arzt für Dienstunfähig erklären lassen?“ Dem letzten Satz verlieh er einen humoristischen Unterton und setzte ein freundliches Lächeln obendrauf. Frank lächelte dankbar zurück. Mit Ihm am Steuer würde er selbst in dieser Situation einige Stunden Ruhe finden können. Er war sich sicher dass Rychek nicht wusste wie dankbar er ihm war, aber er würde es ihm bei Gelegenheit sicher einmal erzählen.
Es war Früh am Morgen nach Erdstandardzeit und noch weniger als zwei Stunden bis zum Zielpunkt, als Frank wieder auf der Brücke erschien. Er hatte trotz der vielen unbeantworteten Fragen und der sich überschlagenden Ereignisse geschlafen, wie ein Murmeltier. Er war sich vollkommen sicher, dass dies auf die beruhigenden Worte und die Kompetenz von Commander Rychek zurückzuführen war, der ihn sogar hatte wecken müssen. Höflich und rücksichtsvoll wie er war, hatte er dies von seinem Bereitschaftsraum aus getan um es nicht der ganzen Brückenmannschaft zu verraten, dass der Captain mindestens drei Stunden seiner üblichen Wache verschlafen hatte.Als Frank durch die Tür trat, stand Rychek auf und fragte: „Und Captain, haben Sie auf Ihrem üblichen Rundgang durch das Schiff alles in bester Ordnung vorgefunden?“ Frank war erstaunt über den Einfallsreichtum und ging auf das Spiel ein, „Danke Commander, alles soweit in Ordnung. Wenn es dabei bleibt, kann ich mir diese Überprüfung demnächst ersparen!“ antwortete er, während er in die Mitte der Brücke trat. Erst jetzt sah er, dass ihn auf der anderen Seite der Brücke neben der Wandkonsole der Vulkanier Kelor, sein „Aufpasser“, mit den Blicken verfolgte. Nachdem er sich zum Hauptschirm gewandt hatte zwinkerte er Rychek zu, so dass es der Vulkanier nicht sehen konnte und der Commander nickte ihm unmerklich zu. Jonathan West, der ebenfalls schon auf der Brücke stand hatte sich schon am Abend gewundert, dass plötzlich der Commander wieder im Captainsstuhl saß, während der eingeteilte Offizier für diesen Dienst auf einem Platz neben dem Captain saß und Sensorenwerte prüfte. West trat zu Rychek und flüsterte ihm ins Ohr, „Warum haben Sie das gemacht Commander, der Captain hat sicherlich nicht einen dreistündigen Rundgang gemacht. Das war eine glatte Lüge!“ Der Commander setzte einen unschuldigen Blick auf und schaute den jungen ersten Offizier an. „Aber Natürlich hat er das gemacht Mr. West, und genau so werde ich es im Logbuch vermerken. Sie müssen noch viel lernen wenn Sie ein guter erster Offizier werden wollen junger Mann. Über Vertrauen, Loyalität und Anstand. Was ist los, haben Sie keine Arbeit? Wir sind bald da. Legen Sie los mit Ihren Vorbereitungen!“ Dabei machte er eine winkende Geste, so als wolle er eine lästige Fliege vor seinem Gesicht verjagen. Jonathan West wandte sich ab und steuerte in Richtung Flur, während er das Doppelschott zur Brücke des Scoutschiffes durchschritt, konnte er vom Lieutenant an der OPS noch hören, „Captain, unsere Langreichweitenscanner registrieren erste Wrackteile!“ Frank fühlte sich ausgeruht und voll konzentriert. „Lt. Rivera, bereiten Sie ihr Team vor, es wird bald losgehen. Sehen Sie sich die Ergebnisse der Langreichweitensensoren an!“ gab er den Hinweis an das Rettungsteam, obwohl er der Meinung war, dass dies zu den Aufgaben von Lt. Cmdr. West gehörte, der gerade die Brücke verlassen hatte.
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