Ein ehrgeiziger Traum
Die U.S.S. GOLDEN GATE durchflog mit Warpgeschwindigkeit das All auf dem Weg zu ihrem nächsten Einsatzort. Erneut war eine Schicht abgeleistet und der Erste Offizier war abgespannt vom Dienst auf dem Weg zu seinem Quartier. Die Türhälften fuhren auseinander und gaben den dahinterliegenden Raum frei. Der 1,92 Meter große und breitschultrige Mann trat in das gemütlich eingerichtete Quartier und gab dem Computer den Befehl das Licht auf eine Helligkeit von 60 Prozent anzuheben. Die Leuchten in der Wand und der Decke flammten auf. Einzelne Punktstrahler waren auf die filigran gearbeiteten Modelle von Raumschiffen gerichtet, die der Offizier im Laufe der Zeit in nächtelanger Arbeit zusammengebaut hatte. Commander Frank Dekkers fuhr sich mit seiner rechten Hand durch das kurze mittelblonde Haar, welches schon in frühen Jahren zu Geheimratsecken neigte. Aber anstatt diese durch längere Haare zu kaschieren, hatte er bewusst einen kurzen Haarschnitt gewählt. Er war ohnehin kein Freund von Eitelkeit. Langsam trat er vor das Fenster und genoss für ein paar Minuten schweigend die Aussicht auf die Sterne, die ihm mit Warp fünf entgegenflogen. Er konnte deutlich fühlen, wie speziell bei diesem Anblick die ganze Anspannung des Tages von ihm abfiel.
Das Schicksal hatte es in den letzten Jahren gut mit ihm gemeint, auch wenn sich sein eigentlicher Traum bislang nicht erfüllt hatte. Bereits kurz nach seinem erfolgreichen Abgang von der Sternenflotte war es zu dem verheerenden Vernichtungsschlag bei Wolf 359 gekommen, bei dem ein Borg Schiff eine Flotte von über 40 Schiffen zerstört hatte. Frank, damals noch im Rang eines Fähnrichs war bei den ersten Schiffen, die das Schlachtfeld erreichten und neben der Enterprise versuchten eventuelle Verletzte zu bergen. Erst nach einigen Tagen fanden sie einige verstreute Fluchtkapseln mit Überlebenden. Bis dahin hatte er noch immer seinen Traum verfolgt, ein ‚Genialer Ingenieur’ zu werden, wie sein Freund Kenny Steiner immer scherzhaft gesagt hatte. Aber das Leben ist manchmal ungerecht, wie Frank erfahren musste. Auch wenn die Karriere, die er nun mehr oder weniger gezwungener Maßen eingeschlagen hatte schnell und erfolgreich verlaufen war. Die Flotte brauchte damals möglichst schnell neue Schiffe und vor allem fähige Offiziere, denn die plötzlichen Verluste waren selbst in einer so großen Organisation wie der Föderation nicht unmittelbar wieder auszugleichen. So wurde zunächst ein ehemaliges Schulschiff der Miranda Klasse welches bereits ausgemustert war und im Flottenmuseum stand, wieder in Dienst gestellt und Frank kletterte schnell vom einfachen Fähnrich bis zum Commander. Doch es dauerte lang, bis Neue bereits in Auftrag gegebene Schiffe aus den Schiffswerften der Föderation vom Stapel liefen. Zudem waren es nach wie vor noch die Schiffe, mit denen man sich bislang, alles in allem, sicher gefühlt hatte und die in den kleineren Scharmützeln mit Klingonen, Romulanern und anderen feindlichen Rassen bestehen konnten. Aber nun war alles anders geworden. Ein einzelnes Schiff der Borg hatte so viele Schiffe aufgerieben wie es in mehreren Schlachten gegen hunderte von Gegnern zusammengezählt nicht vorgekommen war. Neue und bessere Schiffe mit entsprechendem Potential und stärkeren Waffen, mit besseren und weitaus breiteren Anwendungsmöglichkeiten waren gefragt.
Als der amtierende erste Offizier und der Captain dieses Schiffes abberufen wurde erhielt Frank zu seiner Überraschung diesen Posten und diente nun zusammen mit dem ebenfalls frisch beförderten Captain Rick Sanders, der vor einigen Jahren gemeinsam mit ihm als junger Lieutenant an Bord dieses Schiffes gekommen war und einen ebenso rasanten Aufstieg genommen hatte wie er. Inzwischen verband die beiden Männer eine langjährige und untrennbare Freundschaft und sie hatten sich in ruhigen Minuten die sie nicht mit der Crew teilten ihren jugendlichen Übermut erhalten, von Dingen zu träumen, die sie in ihrem Leben einmal erreichen wollten.
Frank wandte sich vom Panorama der Fenster ab und setzte sich an die kleine Arbeitskonsole, die in seinem Quartier stand. Er aktivierte das Display und der Bildschirm füllte sich mit Leben. Ein langgezogenes blaues Sechseck prangte auf einem Sternenhintergrund und darauf zu sehen waren als Schatten die zwei Hälften eines Schiffes, die der Länge nach geteilt waren. Darüber stand in großen goldenen Buchstaben Projekt Avatar. Es war eine eigene Entwicklung, die er in einer langen Nacht mit seinem Captain zusammengestellt hatte. Alles hatte ganz harmlos begonnen, bei einigen Starkbieren und der Frage, was man nun mit der immer noch stark dezimierten Flotte tun sollte. Aber die Schiffstypen, die derzeit in den Flottenwerften der Erde, auf dem Mars und auf Antares erstellt wurden waren immer noch die „Alten“ und kaum modifizierten Raumschiffe, die von der Föderation schon seit langem produziert wurden. Nur wenige neue Projekte hatte die Sternenflotte in den offiziellen Berichten bestätigt, darunter die Akira Klasse, die Steamrunner Klasse und die Norway Klasse. Auch die Intrepid Klasse schien den beiden zu dieser Zeit kaum die Richtige Antwort auf die wachsende Bedrohung zu sein, denn sie war relativ klein und bot trotz einiger Neuerungen doch nur wenig wirkliche Innovation. Frank erinnerte sich noch gut, er hatte sich richtig hineingesteigert, „Wenn die Sternenflotte wirklich einmal Mumm in den Knochen hätte, dann würden sie einmal ein Schiff bauen, das in der Lage wäre mulitfunktionale Missionen zu bewältigen und endlich einmal auf die Captains ihrer Schiffe zu hören, damit dieses veraltete Design ins Museum kommt, wo es auch hingehört!“ hatte er damals trotzig und als frischgebackener erster Offizier zu Rick seinem Captain erklärt. Und genau das war es was er tun wollte, er war ein Vollblutingenieur, bereit ein Schiff zu bauen, das so fortschrittlich war, dass man es wahrscheinlich schon auf dem Reißbrett abwiegeln würde mit der Begründung es wäre nicht realisierbar. In den höchsten Tönen schwärmte er von einem trennbaren Schiff, mit gleichwertiger Ausstattung welches auf beiden Teilen einen Warpantrieb besaß, das im zusammengefügten Modus wie ein einzelnes Schiff wirkte und in seiner getrennten Form dennoch eigenständig war. Es war damals ein langer Abend gewesen und Frank wusste nicht mehr, wer zum Schluss mehr rigelianisches Starkbier getrunken hatte, er oder Rick, der mit leicht schwankendem Gang und inzwischen undeutlicher, weil angetrunkener, Stimme sagte: „Nun Commander..., dann gebe ich Ihnen hiermit den Befehl... so ein Schiff... zu entwerfen! Schließlich sind sie ja Ingenieur... mit hervorragenden Kenntnissen in Technik... und Design.“ und unterstrich seine stockenden Ausführungen mit einer weit ausladenden Geste seiner rechten Hand, wobei er das Bier nur mit Mühe im Glas halten konnte.
„Ja, Sir... wird erledigt!“ erwiderte Frank mit noch deutlich festerer Stimme als sein Captain und beide lachten Minutenlang über den ihrer Meinung nach gelungenen Gag, der einem guten Sketch im Offizierscasino zur Ehre gereicht hätte. Zunächst hatte Frank diesen Gedanken verdrängt, tat ihn als Bierlaune ab. Aber seine Ausbildungsehre ließ ihm keine Ruhe und so setzte er sich nach Dienstschluss immer häufiger an den Computer entwarf Risszeichnungen, stellte Bauteile und Komponenten zusammen, erstellte einen Designvorschlag und einen detaillierten Decksplan bis hin zu den Materialbedarfsanforderungen und schließlich kam der Tag, an dem er seinem Freund und Captain den Plan eines kompletten und schlagkräftigen Großraumschiffes präsentierte.
Rick saß im Sessel seines Bereitschaftsraumes, was auch besser war. Mit seiner 1,65 Meter großen Erscheinung war er mehr als einen Kopf kleiner als Frank, was im Sitzen wesentlich weniger auffiel. Der Captain war sichtlich beeindruckt. Er hatte die ganze Sache mittlerweile schon längst vergessen. Immerhin waren inzwischen mehr als sechs Monate vergangen und er konnte sich nur noch dunkel an diesen Abend erinnern, an dem er und Frank so in Erinnerungen und Träumen versunken waren, dass sie ihrer Phantasie freien Lauf gelassen hatten. Aber nun lag der Plan auf dem Tisch und Rick Sanders konnte nicht umhin etwas zu tun. Es fehlten ihm noch immer die Worte, er wusste nicht wie er beginnen oder was er überhaupt sagen sollte. Er hätte nie im Traum daran gedacht, dass sich sein Freund und Erster Offizier diese Unterhaltung nach einigen Bieren so zu Herzen genommen hatte und sich all diese Arbeit gemacht hatte. Aber letztendlich war es ihm schon klar wieso es so gekommen war. Der erste Offizier, damals in der Akademie ein hervorragender Ingenieur, hatte sich bald als Hauptfach die Raumschiffarchitektur herausgesucht und dies mit besonderer Ausdauer und Lerneifer bis zu seinem Abschluss der Akademiezeit mit den besten Prüfergebnissen beendet. Aber dann kam Wolf 359, viele Anwärter wurden im Schnellverfahren durch die Akademie geschleust um die fehlenden Offiziere zu ersetzen. Frank hatte nur noch mit den Auswirkungen zu kämpfen. Seine Ausbildung war wie die des Captains wesentlich solider gewesen und so wurde er gegen seinen Willen auf ein Schiff abkommandiert. Eine Planstelle bei den Flottenwerften war nicht zu bekommen und die Sternenflotte benutzte alle Offiziersabgänger um die herben Verluste auszugleichen.
Vor Rick Sanders lagen mehrere Padds mit Konstruktionszeichnungen, Lageplänen Aufbauten und modifizierten Elementen, die nur darauf warteten einer sinnvollen Bestimmung zugeführt zu werden. Erst nach mehreren Minuten fand er die Worte um Frank zu antworten. „Ich wusste nicht, dass Du diese Sache so ernst genommen hast.“ Begann er und nahm das Padd zur Hand auf dem die Abbildungen der Außenansicht zu sehen waren. Langsam blätterte er durch die verschiedenen Dateien. „Es ist wirklich revolutionär mein Freund. Du verstehst eine Menge von Raumschiffarchitektur. Naja, war ja damals an der Akademie auch dein Hauptfach. Aber inzwischen hast Du doch auch hier eine ganz ansehnliche Karriere hingelegt. Schau uns an, wir sind noch so jung und haben schon ein eigenes Kommando. Du als Commander und erster Offizier, ich als Captain. Es ging schneller als ich... als wir erwartet hatten, nicht wahr? Ich kann mich noch erinnern, als wir hier auf dieses Schiff kamen, Du als Fähnrich und ich als frisch gebackener Lieutenant junior Grade. Waren das noch Zeiten.“ für einen Augenblick schien der Captain in der Vergangenheit zu schwelgen und Frank schaute ihn mit gemischten Gefühlen an. „Ja, aber Du weißt ganz genau, warum das so war: Der Angriff der Borg, die stark dezimierte Flotte, keine Schiffe, keine Offiziere. Nur deshalb haben wir so schnell den Aufstieg geschafft und ehrlich gesagt waren wir nicht bereit für diese Verantwortung... und sind es vielleicht auch heute noch nicht.“ fügte er leise hinzu. Rick antwortete nicht. Sein Schweigen schien stilles Einverständnis zu bedeuten. Frank wandte sich zum Fenster um und blickte hinaus. Die Sterne, die sich im schnellen Flug zu Warpstreifen verzerrten flogen draußen vorbei und er stellte seinen Freund und Captain vor eine schwere Entscheidung und Aufgabe. „Nun, wie auch immer. Ich habe dieses Schiff konstruiert, ich habe all mein Herzblut hineingelegt und bin der Ansicht, dass es das ist, was unsere Flotte jetzt braucht. Ich habe monatelang an diesem Entwurf gearbeitet und möchte, dass wir etwas sinnvolles damit anfangen. Aber ich stecke hier fest auf diesem alten längst ausgemusterten Pott, der durch die Leere des Raums fliegt und kann nicht einmal einen Tag Urlaub nehmen um den Entwurf an das Planungsbüro der Sternenflotte zu übermitteln, weil wir so weit entfernt sind, dass ich selbst mit einem schnellen Schiff Wochen brauchen würde um hinzukommen. Selbst allen Urlaub mitgerechnet den ich noch in diesem und nächsten Jahr nehmen könnte, würde nicht ausreichen um das zu verwirklichen.“ sagte er enttäuscht. Rick war aufgestanden und um den Tisch herumgegangen. Er wusste was er jetzt tun musste und wollte seinen alten Freund weder enttäuschen, noch im Stich lassen. „Ich weiß, und ich kann gut nachvollziehen, wie Dir zumute sein muss, aber ich kann Dir dabei momentan nicht helfen. Alles was ich tun kann ist, es über die offiziellen Kanäle zu versuchen, vielleicht hilft es Dir ja ein wenig. Aber mehr... mehr kann auch ich leider nicht tun. Ich kann nicht einfach unseren Auftrag ändern und zur nächsten Sternenbasis fliegen um Deinen Traum wahr werden zu lassen, so verlockend es auch für Dich oder mich sein könnte.“ Das war eine ehrliche Antwort, es war das wenigste, was er für seinen Freund tun konnte. Er wollte es nicht beschönigen, die Chancen standen sicherlich nicht gut, denn wer würde schon den Entwurf eines Konstrukteurs aufgreifen, der in den Tiefen des Alls herumschipperte und der nicht greifbar war, wenn es zu Problemen kam. Frank nickte mit dem Kopf und sammelte die Padds auf dem Schreibtisch wieder ein. „Lass sie liegen, ich verspreche Dir, dass ich sie mit der nächsten Subraumnachricht mit einer Empfehlung an die Flotte schicke.“ sagte Rick während er wieder zu seinem Sessel zurückkehrte.
Der Captain hatte Wort gehalten und den Entwurf an das Planungsbüro weitergeleitet. Und tatsächlich empfing die U.S.S. GOLDEN GATE nach wenigen Wochen mehrere Subraumnachrichten, in denen weitere Informationen zu diesem Projekt angefordert wurden. Mit Feuereifer machte sich der erste Offizier daran all die Fragen zu beantworten, auch wenn es bisweilen seinen Dienst ein wenig beeinträchtigte, weil er entweder nach einer langen Nacht zu spät auf der Brücke erschien, oder weil er plötzlich die Lösung für Probleme fand, die ihm die Ingenieure des Planungsbüros aufgezeigt hatten, und er schnell die Brücke verließ um die Lösung niederzuschreiben und per Subraumnachricht zu übertragen.
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Das alles war vor mehr als zwei Jahren geschehen. Irgendwann war der Kontakt mit dem Planungsbüro abgebrochen und auch auf Nachfrage von Frank war keine Rückmeldung mehr gekommen. Er fühlte sich mies, verraten und verkauft und hatte einen gehörigen Zorn auf die sogenannten Bürohengste, die seine Arbeit scheinbar nicht zu würdigen wussten. Vor einem knappen Jahr hatte die Sternenflotte dann offiziell bekannt gegeben, dass sie an einem Projekt mit dem Namen Prometheus arbeitete, ein Schiff, welches die Fähigkeit hatte sich in drei verschiedene Teile zu Splitten und mit einem Multivektor-Angriffsmodus ausgestattet sein sollte. Enttäuscht hatte Frank zur Kenntnis genommen, dass sein Vorschlag damit wohl verworfen worden war und man anderen Plänen den Vorzug gegeben hatte. Inzwischen bereute er es fast, dass er sich die Mühe gemacht hatte, all diese Energie in ein solches Projekt gesteckt zu haben und schalt sich einen Narren, dass er geglaubt hatte, er hätte tatsächlich eine Chance darauf, dass ausgerechnet der Vorschlag eines ersten Offiziers, der mit einem reaktivierten alten Schulschiff durch die weiten des Alls flog, erwählt worden war.
Er schaute auf den Bildschirm mit dem Entwicklungs-Logo seiner Avatar-Klasse und drückte ein wenig wehmütig die Aktivierungstaste um seinen Logbucheintrag aufzuzeichnen. Er wollte gerade ansetzen seine persönlichen Aufzeichnungen zu beginnen, als sein Kommunikator zirpte. „Dekkers hier!“ sagte er klar und deutlich und wartete, wer sich melden würde. „Hi, hier ist Rick.“ Der Captain saß wohl alleine immer noch in seinem Bereitschaftsraum, denn im Beisein der Crew hielten sie immer noch den gebührenden dienstlichen Abstand bei der Ansprache aufrecht. „Was gibt es, ich bin müde und will eigentlich nur noch meine Logbucheintragungen machen und danach ins Bett.“ sagte er ehrlich, denn er war so ausgelaugt, dass er auch keine Lust mehr auf einen Abend im Offizierskasino hatte. „Nun, ich habe eine neue Anweisung erhalten, die Dich möglicherweise interessieren wird. Ich wollte es Dir gleich mitteilen, sie ist gerade erst eingetroffen.“ Etwas lustlos erwiderte Frank die Worte des Captains. „Hat das nicht Zeit bis morgen, ich bin so erschlagen, dass ich schon fast im Stehen einschlafe.“ Der Captain machte eine kurze Pause, dann sagte er mit einem leicht provokativen Unterton in der Stimme, „Nun ja, wenn ich schon wegen Dir eine Kursänderung vornehmen muss, dann kann ich wohl von Dir erwarten, dass Du dich auch dafür interessierst, oder?“ Frank war sicher das dies wieder einmal einer dieser Scherze war, die sich der Captain gelegentlich mit ihm erlaubte, aber das beschwingte Lachen, welches solche Gelegenheiten immer begleitete und an dem Frank erkennen konnte, dass der Captain damit einen Scherz machte, fehlte. Einen Augenblick herrschte Stille und Frank überlegte, ob er nun tatsächlich noch einmal zur Brücke gehen sollte oder nicht. „Ich könnte es Dir ja auch befehlen... aber...“ erklärte Rick und wartete auf eine Antwort. Frank riss sich zusammen, „Nein, ist schon gut. Ich bin auf dem Weg.“ Er deaktivierte seinen Kommunikator und verließ sein Quartier. Ohne übermäßige Eile folgte er dem Flur zum Turbolift und trat ein. „Brücke!“ wies er den Computer an und spürte wie sich der Lift sanft in Bewegung setzte. Schon nach wenigen Sekunden betrat er das Nervenzentrum des Schiffs und durchquerte die Brücke um zum Bereitschaftsraum zu gelangen. Wenigstens hatte man bei der Wiederindienststellung daran gedacht, das Brückenmodul gegen ein zeitgemäßeres auszutauschen, so dass es dem etwas älteren Schiff wenigstens hier nicht an Bequemlichkeit und Funktionalität mangelte. Ohne zu zögern trat Frank ein und sah seinen Captain am Fenster stehen und in die tiefe schwärze starren, die sich dahinter verbarg. „Hi Rick....“ sagte er nachdem er eingetreten war „...was ist so wichtig, dass es nicht bis morgen warten kann?“ fragte er seinen Freund und Captain. Ohne seinen Blick vom Fester abzuwenden erwiderte dieser „Sag Du es mir...“ und Frank spürte erstmals eine gewisse Reserviertheit in seiner Stimme. „Ich? Wieso ich, was habe ich denn damit zu tun?“ Nur langsam drehte sich der Captain zu ihm um und schaute ihn lange und fragend an. „Nun ich habe Neuigkeiten für Dich, du hast es geschafft. Endlich kannst Du deinen so heißgeliebten Posten im Planungsbüro der Flotte bekommen. Meinen Glückwunsch.!“ sagte er steif und legte ein Padd auf den Schreibtisch, welches er die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte. Der erste Offizier war sprachlos. „Aber... aber ich habe damit wirklich nichts zu tun. Du weißt genau, dass die ganze Sache vor mehr als zwei Jahren eingeschlafen ist. Ich habe nie wieder etwas davon gehört und inzwischen habe ich mich damit abgefunden, dass dieser Traum nie Wirklichkeit werden wird. Ich habe das längst abgehakt. Ich bin zufrieden mit meiner Position und mit meinem Leben. Ich habe jede Menge Freunde hier auf diesem Schiff und es verlangt mich nicht nach einem anderen Kommando.“ Rick setzte sich nun in seinen Stuhl und wippte langsam hin und her. „Frank, Du verstehst mich falsch. Das ist keine Bitte oder ein Vorschlag. Es ist ein Befehl!“ der erste Offizier musste schlucken. Ihm war ganz plötzlich ziemlich mulmig zumute und er wartete gespannt aber auch mit Unbehagen auf das, was nun kommen würde. „Anscheinend hat es einigen Bürohengsten gefallen, mir meinen fähigen ersten Offizier wegzunehmen. Die Anforderung, Dich betreffend war klar und eindeutig. Man hat mich nicht gebeten Dich freizustellen. Nein, man hat es mir befohlen!“ Frank konnte sehen, dass sich der Captain richtig darüber ärgerte. „Wir werden in ungefähr einer Woche auf Antares sein, wo Du deine neue Dienststelle antreten wirst. Wie auch immer... meinen Glückwunsch.“ Franks Gesichtsausdruck war wie versteinert. Wie um alles in der Welt kam man gerade jetzt darauf, ihn anzufordern? Das Projekt, welches er vorgeschlagen hatte war abgelehnt worden und fähige Ingenieure, die sich in Raumschiffarchitektur auskannten gab es wie Sand am Meer. Jetzt, wo er sich mit seinem Schicksal abgefunden hatte auf diesem alten Schiff die Weiten des Alls zu durchqueren, jetzt wo es seine zweite Heimat geworden war. Jetzt plötzlich sollte es anders werden und alles sollte sich ändern? Es fiel ihm schwer das zu glauben. „War das alles?“ fragte Frank knapp. Der Captain ließ seine flache Hand auf die Schreibtischplatte fallen, was einen klatschenden Laut erzeugte und stand auf. „Ja, ich wollte es Dir nur gleich sagen, ich dachte Du freust Dich darüber. Immerhin eine neue Chance, deine Träume zu verwirklichen.“ Erwiderte er. „Ja, Danke!“ gab Frank beklommen und mit einem Kloß im Hals zurück und verließ den Bereitschaftsraum.Als sich die Türen geschlossen hatten atmete Rick erleichtert aus und lächelte. Das war für Ihn eine schwere Angelegenheit gewesen. Seit vielen Jahren, ja fast seit sie sich das erste Mal begegnet waren, hatte er seinen guten Freund niemals belogen. Er trat erneut vor das Fenster und starrte in den Raum hinaus. Nun ja, er hatte ihn nicht wirklich belogen aber er hatte ihm zumindest nicht alles erzählt. Aber er rechtfertigte es mit dem Vorrecht des Captains, dass er nur soviel erzählen musste, wie es für die kommende Mission notwendig war zu wissen. Auch wenn es sich hierbei nicht gerade um eine Mission handelte, sondern mit Sicherheit um einen Abschied. Das war das Einzige was er wirklich aufs höchste bedauerte. Er würde einen guten Freund verlieren, wahrscheinlich seinen besten Freund, der ihm in den letzten Jahren treu und hilfreich zur Seite gestanden hatte. Die nächsten Tage verliefen ruhig und Rick hatte das Gefühl einen Fehler gemacht zu haben. Er hätte Frank reinen Wein einschenken sollen, aber das Flottenkommando hatte ihm auch untersagt zu viele Informationen weiterzugeben. Normalerweise scherte er sich ein Dreck darum. Wenn er seinem ersten Offizier nicht trauen konnte, wem dann? Außerdem ließ sich manche Last besser auf zwei Schultern tragen, als auf einer allein. Anscheinend wollte sich aber Frank genauso wenig mit der neuen Situation abfinden wie er, denn Sie redeten kaum miteinander. Sogar ihre gemeinsame Bowlingrunde die sie im Frachtdeck fünf eingerichtet hatten ließ er aus und so waren nur der Captain und zwei weiterte Brückenoffiziere anwesend und es wollte nicht so recht Stimmung aufkommen.
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Der Tag an dem sie Antares IV erreichten war angefüllt mit Glückwünschen und kleinen Geschenken. Jetzt hatte Frank erst recht das Gefühl seine gewohnte Umgebung für immer verlassen zu müssen, um in ein unbekanntes Schicksal überzuwechseln. Nahezu jeder Kollege von der Kommandoebene bis hinunter zu den Fähnrichen respektierte ihn, wünschte ihm Glück und übergab kleine Geschenke, die ihn an die Zeit an Bord erinnern sollten. Alle kamen, alle bis auf einen. Der Captain, Rick Sanders hatte es geschickt vermieden ihn zu treffen. Jedes mal, wenn er sich irgendwo im Schiff auf seiner letzten Tour durch die U.S.S. GOLDEN GATE befand, war der Captain gerade am anderen Ende des Schiffes und auf unerklärliche Weise nicht erreichbar. Frank hatte seine persönlichen Sachen bereits gepackt und sie waren mit dem Lastentransfer zu der großen pilzförmigen Station gebracht worden, in der sein neues Zuhause sein sollte. Ganz plötzlich fühlte er sich ziemlich mies. Er sollte nicht wieder das gewohnte und sonore Brummen des Warpantriebes hören, die vorbeifliegenden Sterne sehen, wie sie mit Warpgeschwindigkeit an den Fenstern vorbeizogen und das Schiff, welches in teilweise noch unbekannte Regionen vorstieß, in denen es noch Entdeckungen zu machen gab. Frank nahm die kleine Tragetasche auf und trat aus seinem Quartier. Langsam ging er den Flur entlang in Richtung Shuttlehangar zwei und überlegte, warum sein Freund und Captain es den ganzen Tag vermieden hatte ihm zu begegnen. Aufgrund der Schutzschilde die um die Werftanlagen von Antares IV errichtet worden waren, war es nicht möglich direkt auf die Station zu beamen, und ein Andocken war nicht vorgesehen, da es weder um die Aufnahme von Proviant, Material oder einen längeren Halt ging. Daher sollte er mit einem Shuttle zur Station gebracht werden. Als er in den Hangar kam, war es völlig ruhig. Ein Shuttle vom Typ sechs stand bereit um ihn zur Station zu bringen ansonsten war der Hangar völlig leer. Er hatte insgeheim eigentlich erwartet, dass sein alter Freund ihn wenigstens noch verabschieden würde, aber wie es schien, war dies nicht der Fall.
So schritt er schweren Herzens zum Shuttle, trat auf die große Laderampe und setzte sich auf die Bank, die im hinteren Bereich des Shuttles lag. „Bringen Sie mich rüber!“ rief er dem Pilot enttäuscht zu, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Der sofort abhob und aus dem Hangar flog. In einem großen Bogen steuerte er auf den Planeten zu und durch das Frontfenster konnte Frank mit einem flüchtigen Blick sehen, wie die Werftanlagen von Antares in das Blickfeld rückten. „Da ist sie, die Prometheus. Ein wirklich beeindruckendes Schiff nicht wahr!“ sagte der Pilot. Moment mal, diese Stimme kam Frank sehr bekannt vor, das war doch... Mit einem Satz war er vorne am Sitz des Piloten. Rick Sanders saß entspannt im Stuhl und bediente sie Sensorflächen um den Flug zu steuern. Er tippe den Zugangscode ein, um die Schutzschilde zu durchfliegen und steuerte weiter auf den Planeten zu, wo die Prometheus im Orbit in mitten eines großen Gitters hing. Ihr langgestreckter flacher Rumpf mit den vier filigranen und langen Warptriebwerken wirkte von hier oben irgendwie zerbrechlich. „Ist doch ein schönes Schiff, oder?“ fragte der Captain, der immer noch ungläubig von Frank anstarrt wurde. „Was... wie... Warum bist Du hier?“ Rick lachte laut auf. „Na hör mal, ich werde doch meinem Freund und ersten Offizier die letzte Ehre geben dürfen, wenn er von Bord geht um seine neue Stelle anzutreten. Schließlich hast Du es nicht anders verdient. Das geschieht dir Recht kann ich dir nur sagen. Wer sich in die Höhle des Löwen wagt, darf sich nicht wundern, wenn er ihn dann dort auch tatsächlich antrifft!“ Wirklich sehr witzig und sehr sinnbildlich dachte sich Frank, ich muss eine neue Stelle annehmen, von der ich nicht mal weiß um was es hier geht und er macht wieder einen seiner Witze. Die Prometheus wurde größer und größer und schließlich glitten sie an dem schlanken Schiff entlang, welches aus der Nähe betrachtet mit seiner Größe und sehr kantigen Form durchaus beeindruckte. Wenige Minuten später dockte er in einer kleinen Shuttlerampe an und sie standen auf um das Shuttle zu verlassen. Im Hangar wartete bereits ein Admiral, den beide bisher nicht kannten und der nun mit freundlicher Mine auf sie zuging. „Ich freue mich sie zu sehen Captain Sanders. Hallo Mr. Dekkers. Es ist mir eine Ehre Sie endlich einmal persönlich zu treffen. Ich habe schon viel von Ihnen gehört. Mein Name ist Peter Winters, und ich Arbeite seit mehr als fünfzehn Jahren hier im Planungsbüro der Sternenflotte auf Antares. Darf ich Sie zu einem kleinen Umtrunk einladen, ich bin sicher, Sie haben ein wenig Zeit um den Beginn dieser neuen Ära entsprechend zu würdigen!“ Rick legte den Kopf ein wenig zur Seite, und verzog kurz das Gesicht. „Admiral, ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber mein Zeitplan ist nicht gerade so großzügig bemessen. Ich würde es genießen, aber einerseits mag ich keine langgezogenen Abschiedsrituale und andererseits müssen wir bereits in zwei Tagen auf einer Kolonie im Rempak System sein um Medizinische Güter aufzunehmen, die von der Flotte dringend benötigt werden um eine Epidemie in den Griff zu bekommen und wie Sie wissen, ist unser Schiff nicht so Leistungsfähig. Ich bitte mich also hier und jetzt zu entschuldigen.“ Der Admiral lächelte milde. Er wusste genau was es bedeutete mit einem so „alten“ Schiff unterwegs sein zu müssen und trotzdem den Takt und Anstand zu haben, angesichts all dieser neuen und schnellen Schiffe, die hier im Dock lagen nicht aus der Ruhe und ins schwärmen zu kommen. „Selbstverständlich Captain, ich verstehe das. Also dann, Guten Flug!“ sagte er und drückte Rick Sanders die Hand. „OK, dann mach’s mal gut mein Freund...“ wandte sich Rick an Frank, „...besuch uns mal, wenn Du Zeit findest... ach und noch was... flieg uns nicht über den Haufen, es gibt nämlich auch Schiffe, die nicht so schnell und wendig sind wie Deines!“ Frank musste spontan lachen über diesen scherzhaft gemeinten Spruch, den natürlich nur er verstand, obwohl er auch im Gesicht des Admirals ein freundliches und anerkennendes Lächeln fand, welches aber sicher nur ein höflicher Zug von Peter Winters war. „Ja...“ gab Frank mit einem Lächeln zurück, „...Ich werde mich bemühen aufzupassen.“ Damit streckte er die Hand aus und gab seinem Freund eine kräftigen Händedruck. „Pass auf Dich auf altes Haus und mach mir keine Schande!“ Rick lächelte. „Wird schon schiefgehen. Tschau!“ damit wandte er sich um und ging zurück zum Shuttle, wo sich der neue erste Offizier Peter Brown eingefunden hatte, der nun an Bord der GOLDEN GATE kommen sollte. Frank schaute wehmütig dem Shuttle hinterher, wie es den Hangar verließ und in der Unendlichkeit des Alls immer kleiner wurde, bis es aus seinem Blickfeld verschwand. „Nun, aber Sie haben doch sicherlich nichts gegen einen kleinen Willkommenstrunk oder?“ Frank drehte sich zu Admiral Winters um und schaute ihn unverwandt an. „Nein natürlich nicht, aber ich würde es begrüßen, wenn ich erfahren dürfte um was es eigentlich geht. Mein Captain sagte mir, ich wäre hierher abkommandiert, daher gehe ich davon aus, dass man meine Dienste benötigt. Auch wenn es dem Flottenkommando erst recht spät aufgefallen ist, dass ich eine Ausbildung genossen habe, die mich für einen solchen Auftrag qualifiziert.“
Der Admiral der inzwischen mit Frank den Hangar verlassen hatte und über einen der langen Flure schritt schien für einen Moment verwirrt zu sein. „Man hat Sie bislang noch nicht über ihr neues Einsatzgebiet informiert?“ fragte er erstaunt. „Nein, mein Captain sagte mir nur, dass auch er es nicht wisse, und wir sind alte Freunde wie Sie gesehen haben, er würde mich nie belügen, da bin ich mir sicher.“ Der Admiral blieb an einer Wandkonsole stehen und tippte einige Informationen in das Display ein. „Nun wenn das so ist, dann werden wir den Begrüßungstrunk doch gleich dort einnehmen, wo künftig ihr neuer Arbeitsplatz sein wird. Allerdings muss ich Ihnen leider sagen...“ Winters setzte eine strenge Miene auf, „...dass sie sich von Ihrem derzeitigen Rang verabschieden müssen. Wir haben hier auf der Station jede Menge fähige Offiziere, auch in dem Team in dem Sie künftig Arbeiten werden, gibt es einen hervorragenden Commander. Aber nur einer kann die Führung übernehmen...“ Frank schaute zu Boden. Damit hatte er nicht gerechnet. Eine Zurückstufung würde sowohl seinem Ego, wie auch seinem Ansehen nicht gut tun. Er verwünschte insgeheim schon dem Tag, an dem er sich damit abgefunden hatte, seine Stellung auf der GOLDEN GATE ohne Widerstand aufgegeben zu haben. Er hätte doch Protest einlegen sollen und es darauf ankommen lassen, sich mit dem Planstellenbüro anzulegen. Langsam ging er neben dem Admiral her auf den Turbolift zu, der ihn zu seiner neuen Arbeitsstelle bringen sollte. Beide traten in den Turbolift. „Deck sechsundzwanzig“ wies der Admiral den Computer an und der Lift setzte sich in Bewegung. „Sie haben sicherlich die Prometheus gesehen, als sie hier eingetroffen sind, nicht wahr?“ versuchte der Admiral die ins stocken geratene Unterhaltung wieder in Gang zu bringen. „Ja, das habe ich. Ein schönes Schiff.“ sagte Frank trocken, innerlich enttäuscht darüber, dass er wusste, dass dafür sein Projekt hatte sterben müssen. Aber das wollte er Admiral Winters nicht auftischen. Es war aus und vorbei. Der Admiral wollte sicher nichts über verpasste Chancen, unerfüllte Träume und nicht genutzte Gelegenheiten hören. „Ich habe Ihre Akte gelesen und mir ist Ihre Arbeit sehr gut bekannt, deshalb haben wir Sie hierher berufen, denn es sind bei diesem zugegebenermaßen sehr ehrgeizigen Projekt leider noch einige Fragen offengeblieben, bei denen Sie uns sicherlich hilfreich zur Hand gehen können.“ erklärte der Admiral. Frank schwoll so langsam der Kamm. Nicht genug, dass man sein Projekt abgesägt hatte und ihn degradieren wollte. Nein, jetzt schien man ihn auch noch als denjenigen missbrauchen zu wollen, der die sicherlich bestehenden Fehler am Prometheus Projekt ausbügeln sollte. Es war genug, ihm platzte die Hutschnur. „Admiral, bei allem Respekt. Wenn Sie mich nur hierher geholt haben um für Sie die Kastanien aus dem Feuer zu holen, für die Fehler, die Andere begangen haben, dann haben Sie den falschen Mann rekrutiert. Sie mögen es vielleicht nicht wissen, aber auch ich habe ein entsprechendes Projekt vorgestellt, das mit der Prometheus leicht hätte mithalten können, aber man hat es nach kurzer Prüfung einfach verworfen und ich habe nie wieder etwas davon gehört. Ich bin mir sicher, es wäre dem Prometheus Projekt sicher ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen gewesen.“ Frank hatte sich richtig in Rage geredet und er hatte den Verdacht, dass er eine Spur zu weit gegangen war, aber all die Informationen, die er in der letzten halben Stunde erhalten hatte, zu sehen, wie die Prometheus auslauffertig im Dock auf ihren Abflug wartete, während sein Projekt nie über das Reißbrett hinausgekommen war. Die vermutliche Zurückstufung seines Ranges und nun auch noch die Unverfrorenheit ihn als Lückenbüßer einzusetzen, das ging über sein Verständnis. Aber anstatt sich brüskiert zu fühlen lächelte der Admiral. „Ich sehe, wir haben die richtige Wahl getroffen. Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein ist wichtig für Ihre kommende Aufgabe. Ich kenne Ihre Arbeiten genau und ich bin durchaus beeindruckt. Aber Sie haben etwas sehr wichtiges übersehen junger Mann!“ Der Turbolift hielt an und als Frank in den kurzen Flur trat, sah er, dass er sich nicht auf einer Ebene mit Büroräumen befand, sondern an einer Luftschleuse zum Trockendock, welches sich üblicherweise im Inneren der Pilzstation befand. Durch die Fester war allerdings nichts zu sehen außer Dunkelheit. „Kommen Sie, ich möchte Sie Ihren Kollegen vorstellen.“ Frank kam zur Luftschleuse und betrat das kleine Shuttlepod, das angedockt war. Langsam setzte sich das kleine Schiff in Bewegung und schien ferngesteuert durch die Dunkelheit zu gleiten. Der Commander strengte sich an durch das große Fenster einen Blick zu erhaschen, aber durch die Beleuchtung in der Kabine, schien es außen nur noch dunkler zu sein. Sie flogen nicht lange, als Frank endlich etwas sehen konnte, ein Schatten, der sich kaum merklich vom Hintergrund abhob und eine Wand, die nun im Licht der schwachen Scheinwerfer auftauchte. Zwei rote Streifen mit der allgemein gültigen Signalisation „United Federation of Planets“ und eine NX Nummer, deren Zahlen und Name aber im Dunkel lagen, so dass er sie nicht erkennen konnte. Die Fähre drehte sich und dockte an. Hart schnappten die Verriegelungen ein, ein Zeichen dafür, dass es sich um ein sehr neues Schiff handeln musste, welches frisch aus der Werft kam, denn bei der alten Miranda-Klasse, waren diese Klammern bereits so abgenutzt, dass sie weich und ohne die harten Schläge einrasteten. Admiral Winters wies dem jungen Offizier den Weg nach rechts. Er folgte dem Admiral. Alles roch neu und unverbraucht. Einige Offiziere, meist Techniker huschten durch den Flur um letzte Hand an die verschiedenen Systeme anzulegen. Irgendwie kam Frank das alles sehr vertraut vor, obwohl er sich sicher war, dass er ein solches Schiff noch nie von Innen gesehen hatte. „Wissen Sie...“ sagte der Admiral, „...auch wenn wir nicht allem und jedem unseren offiziellen Segen geben, heißt das nicht, dass wir es endgültig ablehnen. Die Sternenflotte hat gerne mehrere Eisen im Feuer und Sie sollten wissen, nicht immer ist das was man nach außen hin präsentiert der Weisheit letzter oder bester Schluss. Ich weiß Sie würden es nicht gerade sehr ansprechend finden eventuelle Fehler an der Prometheus Klasse zu lokalisieren und zu beheben und um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich würde mich genauso fühlen wie Sie, wenn ich in dieser Situation wäre und ein Schiff der Avatar-Klasse entworfen hätte.“ Frank durchfuhr es wie en Stromschlag. Genau, jetzt dämmerte ihm einiges. Die ganze Zeit hatte er sich gefragt warum ihm dieser Ort so bekannt vorgekommen war, er war schon einmal dort gewesen. Nicht im realen Leben, aber in seiner Phantasie. Sie stiegen in den Turbolift und der Admiral gab den Befehl „Hauptbrücke“ sofort setzte sich der Lift in Bewegung. Frank überlegte fieberhaft, das konnte nicht sein. Es musste ein Traum sein. Wahrscheinlich hatte er einen Albtraum und würde gleich schweißgebadet in seinem Quartier auf der GOLDEN GATE erwachen. Die ganze Sache schien ihm jetzt doch reichlich wirr und unglaubwürdig. Aber als sich die Türen öffneten und er durch die geöffnete seitliche Tür des Flures auf die Brücke sah, verschlug es ihm die Sprache. Die geräumige Brücke sah noch viel besser aus, als seine Simulation, die er mit einem Holoprogramm erzeugt hatte um die Vorzüge seines Designs hervorzuheben. Alles war da. Von den neu angeordneten Stationen über den großen Wandschirm, bis hin zu den einzelnen Displays, die in einer neuen Konfiguration mit farbigen Lichtreflexen erstrahlten. Frank der gerade erst aus dem Lift getreten war traute sich nicht einen Schritt zu machen, aus Angst sein Traum könnte zerplatzen wie eine Seifenblase. „Nun, ich kann mir vorstellen, dass Sie das momentan überwältigen wird, aber Sie sollten sich an die Arbeit machen, schließlich erwarten wir Resultate. Es wird Sie vielleicht überraschen, aber ich habe zwei Barren goldgepresstes Latinum darauf gesetzt, dass Ihr Schiff die Tests mit einem besseren Ergebnis abschließt als die Prometheus Klasse. Also enttäuschen Sie mich nicht.“ erklärte er dem immer noch erstaunten Commander, wobei er den letzten Satz nur flüsterte um nicht Gefahr zu laufen, dass es die anderen umstehenden Offiziere mitbekamen. „Ach ja, da wäre noch etwas. Commander, bitte...“ rief er einem Mann zu, der am rechten Ende des Wandschirms stand. Sofort stellte er die Arbeiten ein und verschwand durch die Tür seitlich vom Captainsstuhl. Nach nur zwei Minuten tauchte er wieder auf mit einem Tablett und drei Gläsern echtem Sekt, dessen Bläschen fein vom Grundes des Glases aufstiegen und an der Oberfläche perlten.
Der Admiral griff in die Tasche seiner langen Jacke und holte einen einzelnen Rankpin heraus. „Meinen Glückwunsch Captain Dekkers. Bis hierhin war das eine hervorragende Leistung und Sie haben sich diesen Rang ehrlich verdient. Nun zeigen Sie uns, was dieses Schiff alles zu Leisten imstande ist.“ Er steckte den Pin an Franks Kragen und trat wieder ein Schritt zurück. Dann nahm er sein Glas zur Hand und stieß mit Frank und dem Commander an, der ebenfalls geblieben war um ihn zu begrüßen. „Das hier ist Commander Carl Rychek. Er hat den Zusammenbau und die Konfiguration überwacht. Ich bin sicher, Sie werden zufrieden sein. Selbstverständlich können Sie sich Ihre Crew selbst zusammenstellen, aber für die ersten Testflüge und bis Ihre Wunschcrew hier eintrifft, sofern diese Personen verfügbar sind, wird er Ihr erster Offizier sein. Die restliche Mannschaft können sie dann im Laufe des Tages kennen lernen. Ich werde mich jetzt verabschieden und Sie Ihren neuen Pflichten überlassen. Auf einen Erfolgreichen Start!“ sagte er und hob das Glas um mit den Frank und Cmdr. Rychek anzustoßen. Die drei Männer leerten Ihre Gläser zügig und mit einem Lächeln stellte der Admiral sein Glas auf das Tablett und verließ die Brücke durch die offene Tür zum Turbolift.
Frank konnte es noch immer nicht glauben. Mit offenem Mund blickte er sich um und sah die Kontrollen, Konsolen, die Stühle und die Wände. Alles schien so wie er es in seinem Vorschlag ausgearbeitet hatte. Dann fiel ihm etwas ein. Abrupt drehte er sich um und ging durch den rechten Ausgang von der Brücke, sein neuer erster Offizier folgte ihm. Er durchquerte den kurzen Flur und das doppelte Schott mit Luftschleuse öffnete sich mit einem deutlichen Zischen. Nur wenige Meter weiter bog er wieder rechts ab und tatsächlich, da war sie, die zweite Brücke des Sekundärschiffes. „Beeindruckend nicht wahr?“ sagte der Mann hinter ihm. Frank drehte sich um und sah seinen ersten Offizier an. „Es ist alles genau so konstruiert worden, wie Sie es geplant haben, bis ins kleinste Detail und ich muss sagen, ich habe großen Respekt vor Ihrer Leistung. Ich konnte es kaum glauben als ich erfuhr dass Sie noch so jung sind, wenn ich mir anmaßen darf das zu sagen. Ich kann mir eben nur schwer vorstellen, wie Sie all diese Erfahrungen sammeln konnten, Sie müssen schon mehrere Schiffe konstruiert haben, warum wurde nur dieses bislang verwirklicht?“ Frank musste Lächeln, „Ich glaube das ist zuviel der Ehre, da muss ich Sie enttäuschen. Das hier ist das erste und einzige Projekt, welches ich entwickelt habe, mal abgesehen von den Konstruktionsarbeiten an der Akademie, die man immer so als Diplomarbeit abgeben muss.“ Das Erstaunen schien Rychek ins Gesicht geschrieben zu sein. Aber Frank hatte plötzlich einen ganz anderen Einfall, den er dringend in die Tat umsetzen wollte. „Wie weit sind die Arbeiten denn gediehen, wenn ich mal so fragen darf Mr. Rychek?“ Der Commander lächelte. „Nun Sir, wir sind klar zum Auslaufen und ich möchte mit Stolz betonen, dass wir das bereits heute früh seit sieben Uhr dreißig sind. Aus verlässlicher Quelle habe ich erfahren, dass die Prometheus noch mindestens drei Wochen benötigen wird um überhaupt aus dem Konstruktionsdock zu kommen, Sir.“ Frank lächelte in sich hinein. Das schien eine gute Crew zu sein. Er würde sicherlich einige davon in seine Stammcrew aufnehmen. „Nun, dann haben wir ja noch ein wenig Zeit, vielleicht sollten wir das Schiff erst mal inspizieren. Haben wir schon ein Shuttle an Bord?“ Der erste Offizier verzog das Gesicht zu einer bedauernden Grimasse. Tut mir leid Sir, aber die Shuttles werden erst morgen früh zu uns überführt, aber wir haben natürlich eine Fähre angedockt. Ich nehme an, sie wollen das Schiff von Außen inspizieren?“ Frank konnte sich ein weiteres Lächeln nicht verkneifen. „Tut das nicht jeder Captain, der ein neues Schiff erhält?“ Auch Rychek musste lachen. „Selbstverständlich Sir, und das ist auch gute Tradition. Sie werden sehen, sie ist eine perfekte und elegante Lady!“* * *
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Der Captain und sein erster Offizier hatten schnell das Dockingport erreicht. Es war erstaunlich wie schnell sich Frank zurechtfand. Es schien als habe er nie auf einem anderen Schiff gedient, so genau fand er den kürzesten Weg zum Shuttlepod. Beide stiegen ein und Rychek übernahm das Steuer. Er aktivierte die kleine Fähre und deutete an, dass Frank sich auf einen Stuhl setzen sollte, aber erwollte lieber stehen bleiben. Inzwischen waren im Trockendock auch wieder die Lichter angegangen. Das war es wohl auch was der Admiral bei seinem kurzen Zwischenstopp im Flur nach Franks Eintreffen an der Konsole gemacht hatte, nachdem er wusste, dass Frank überhaupt keine Ahnung davon hatte, warum er überhaupt hier war. Die Fähre legte ab und er konnte das ausklinken der Andockklammern hören. Sein Herz schlug höher und seine Kehle wurde trocken. Noch konnte er nichts sehen, denn die Fähre war rückwärts angekoppelt, so dass er nur ins Trockendock blickte. Aber dann setzte sich das Shuttlepod langsam in Bewegung und fuhr nach vorne zum Bug. Links neben sich sah er die hellgraue Außenhülle, die im Licht der Scheinwerfer matt glänzte. Sie fuhren vorbei an der seitlichen Sensorenphalanx , bis sie sich direkt vor dem Bug befanden. Dann hob sich die kleine Fähre langsam an und stieg über die Untertassensektion auf. Franks Herz drohte zu zerspringen als Frank die Beschriftung leise und voller Erfurcht vorlas: „NX-59474 U.S.S. SCIMITAR.“ Vier Scheinwerfer beleuchteten von oben und von den Seiten den Schriftzug, der in großen schwarzen Buchstaben auf der Hülle prangte. Weiter stieg die Fähre nach oben, bis zum höchsten Punkt, einem langgezogenen Buckel, der den liegenden Warpkern des Scoutschiffes beherbergte. Langsam drehte die Fähre dann zur Seite, sank ein wenig und fuhr unter den querverlaufenden Auslegern welche die Warpgondeln des Scoutschiffes trugen hindurch. Frank konnte sehen, wie beeindruckend groß dieses Schiff doch in der Realität wirkte. Weiter ging die Fahrt nach unten, schwang unter der Hauptwarpgondel hindurch ganz nach Außen auf die Backbordseite, um dann wieder aufzusteigen und erneut den Schriftzug der Signalisation und den Namen des Schiffes zu sehen. Danach schwebten sie weiter zum Heck des Schiffes. Hier konnte man sehr schön die geschwungene Form des Schiffes und der Warpgondeln sehen. Eine Workbee brachte weitere Frachtcontainer heran. Der Shuttlehangar öffnete sich und das kleine Schiff glitt hinein. Frank wusste, dass die beiden Shuttlehangars direkt übereinander lagen. „Sind sie so wie...“ weiter kam er nicht, denn Rychek hatte bereits heftig genickt. „Ja genau so wie sie es in den Plänen beschrieben haben. Hat die Ingenieure ein ganz schönes Stück Arbeit gekostet und zum Grübeln gebracht, denn eigentlich haben sie solche Tore bislang immer nur zum Aufsprengen für Notfälle eingesetzt. Aber dieses neue Konzept war wirklich eine Herausforderung.“ sagte er belustigt. Erneut sank das Shuttlepod ab und fuhr nun unter dem langgestreckten Rumpf mit seiner geschwungenen Form entlang. Frank war einfach überwältigt. Hätte man ihm vorher bereits einen Tipp gegeben, dann wäre er vielleicht gefasster gewesen, aber so, blieb ihm nichts anderes übrig als das Schiff zu bewundern. Nein nicht das Schiff. Sein Schiff. Es war sein Werk, seine Entwicklung. Langsam näherten sie sich wieder der Andockschleuse und als Frank hörte, dass die Halteklammern einschnappten, da wusste er, dieses Schiff würde er nie wieder hergeben.
Nur wenige Minuten später stand Frank wieder auf der Brücke der Scimitar und schaute sich um. Rechts an der Wand prangte die Widmungsplakette. Er ging darauf zu und las Sie. Das Datum der Indienststellung stimmte mit dem heutigen Tag überein. Sie musste erst kurz vor seinem Eintreffen angebracht worden sein. Langsam ging er hinüber in die Mitte des Raumes zu dem zentralen Stuhl. Mit einem mulmigen Gefühl stand er davor und legte seine linke Hand auf den weichen Lederbezug der Kopfstütze, als er die Stimme von Carl Rychek vernahm. „Nur zu Captain. Das ist Ihr Platz und es ist Ihr Schiff.“ Frank sah sich um. Der erste Offizier stand in der Tür zur Brücke, die er fast völlig ausfüllte. „Ehrlich gesagt, mir brennt es unter den Nägeln, ich würde zu gerne einen kleinen Probeflug machen.“ gab Frank ihm zur Antwort. Rychek trat nun auf die Brücke. „Nun ja, Sie kennen ja sicherlich die Bestimmungen der Flotte, kein Schiff darf ohne vollständige Bestückung mit Shuttles seinen Flug antreten, für den Fall, dass etwas schief geht. Es muss gewährleistet sein, dass alle Crewmitglieder, ohne Ausnahme gerettet werden können. Und nur mit den Rettungsbooten allein würde dies nicht möglich sein, obwohl derzeit lediglich eine Rumpfcrew an Bord ist, die wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte aller Rettungsboote besetzen könnte. Vorschriften und Regeln eben. Sie kennen das doch, sie müssen nicht logisch sein...“ führte Rychek aus und der Captain vollendete den Satz „... sie müssen nur befolgt werden!!!“ Sie lachten gemeinsam im Gedanken an den immer wiederkehrenden Grundsatz, den sie auf der Akademie eingetrichtert bekommen hatten. „Am besten sie gehen auf Ihr Quartier Captain, ich habe bereits veranlasst, dass die Shuttles gleich zu Beginn der Dockarbeiterschicht zu uns gebracht werden. Ich hatte schon geahnt, dass Sie es kaum erwarten können es zu erleben, wie sie sich anfühlt.“ Ein Lächeln huschte über Franks Gesicht. „Ja, Sie haben recht. Es war ein ereignisreicher Tag. Ich bin zwar viel zu aufgedreht um zu schlafen, aber es wird das Beste sein, wenn ich endlich zur Ruhe komme.“ Damit verließ er gemeinsam mit seinem ersten Offizier die Brücke und verschwand im Turbolift. Ohne Probleme fand er das Quartier des Captains, welches sehr geschmackvoll eingerichtet war. Auch hier schien es als habe man sich bis ins Detail an seine Vorschläge gehalten. Er gönnte sich ein Duschbad und schlüpfte in bequemere Kleidung. Zuerst dachte er daran noch einen Streifzug durchs Schiff zu machen, aber dann besann er sich eines Besseren und packte seine Sachen aus, die einer der Crewmens aufs Quartier gebracht hatte.
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Schon früh am nächsten Morgen war Frank Dekkers wieder auf den Beinen. Als er die Türe zur Brücke durchschritt, war die Übernahme der Shuttles bereits fast vollständig abgeschlossen. Lediglich das Captains Shuttle musste noch untergebracht werden, was eine etwas heikle Angelegenheit war, da es im Hilfsshuttlehangar, im vorderen Teil des Schiffes untergebracht war. Aber all dies bekam Frank nicht mit. Carl Rychek, der mit einem breiten Grinsen diesen Vorgang überwachte gab dem Captain auch keinen Anlass nachzufragen, was er denn dort gerade machte. „Guten Morgen Captain!“ begrüßte ihn sein erster Offizier. „Alles klar einen erfolgreichen Start hinzulegen?“ Ein ruhiges Lächeln unterstrich seinen freundlichen Ton. Dekkers ging zum Kommandostuhl und setzte sich. „Naja, die erste Nacht in einem neuen Bett ist immer grausam, abgesehen davon das mein Traum so mir nichts dir nichts in Erfüllung gegangen ist. Wie sieht es aus, werden wir dazu kommen eine Runde um den Block zu drehen?“ Carl Rychek prüfte noch schnell einige Angaben auf seinem Padd und hakte einige Punkte ab. „Na ich hoffe mal wir werden es weiter schaffen als nur um den Block. Die Ehre ist ganz auf Ihrer Seite.“ sagte er scherzhaft und wies damit auf die noch verwaiste Com-Station. Frank wusste was er damit meinte. Auch er hatte davon gehört, es aber bisher noch nie miterleben dürfen und Heute, heute sollte er es nicht nur miterleben, sondern er durfte es sogar selbst tun. Die Freigabe anzufordern und den Befehl zum ersten Auslaufen eines nagelneuen Schiffes zu erteilen. Der Captain ging gemäßigten Schrittes zur Com-Station. Am liebsten hätte er die wenigen Meter im Sprint hingelegt nur um einige Sekunden früher auslaufen zu können, aber er musste sich seiner neuen Pflichten bewusst werden und ebenso wie sein alter Kumpel Rick wollte er bei diesen offiziellen Anweisungen einen integeren Eindruck hinterlassen. Endlich hatte er das Pult erreicht. Er setzte sich und öffnete einen Kanal. „Scimitar an Stationskontrolle. Erbitte Genehmigung zum ersten Auslaufen.“ Es gab eine kurze Störung in der Verbindung, aber dann tönte eine Stimme aus dem Audio System, die Ihm bekannt vorkam. Es war Admiral Winters. „Captain Dekkers, Sie haben Genehmigung das Raumdock zu verlassen.“ Frank freute sich wie ein kleines Kind, das mit seinem langersehnten Lieblingsspielzeug spielen durfte. „Vielen Dank Admiral, haben Sie Anweisungen für eine bestimme Flugroute, Sir?“ eine Weile herrschte Stille, es waren höchstens zwei Sekunden, aber sie kamen Frank wie eine Ewigkeit vor. „Nein Captain, heute gehört sie ganz allein Ihnen. Führen Sie sie aus, zeigen Sie ihr die Welt da draußen, sie wird noch früh genug den Ernst des Universums kennen lernen. Viel Glück und guten Flug!“Frank atmete auf, es war geschafft. Jetzt endlich würde er seinen Traum in Erfüllung gehen lassen. Erst als ein vehementes Klatschen einsetzte drehte er sich um und sah die vollständige Brückencrew, die sich im hinteren Bereich der Brücke versammelt hatte und lauten Beifall spendete. „Nun Gut meine Herren, gehen wir’s an.“ sagte er, während die Crew ihre Plätze einnahm. Er war froh, dass er sich am Abend noch die Gesichter und Namen der aktuellen Brückencrew eingeprägt hatte. „Fähnrich Kester, weisen Sie die Stationskontrolle an, die Tore zu öffnen. Lt. Sanchez, bringen Sie uns hier raus, ein viertel Impuls.“ Auf dem Hauptschirm war zu sehen, wie das Schiff elegant mit einer leichten Neigung herumschwang und auf die Tore zusteuerte, die sich langsam öffneten. Ungeduldig schien das Schiff mit einer leichten Vibration darauf zu warten in den freien Raum zu gelangen. Dann endlich waren die Tore vollständig geöffnet, keine Sekunde zu früh, denn schon schob sich der mehr als zweihundertachtundsechzig Meter breite Rumpf der Untertassensektion durch die breiten Tore. Dann endlich glitten sie durch die dicken Wandungen der Station und erreichten das freie All. „Sanchez erhöhen Sie auf volle Impulsgeschwindigkeit.“ Der Lieutenant bestätigte den Befehl mit einem kurzen „Aye Sir!“ und ließ seine Finger über die schalterlosen Kontaktflächen gleiten. Alles wartete gespannt auf den Einsatz der Warptriebwerke. Der erste Offizier hatte sich erst gestern Abend davon überzeugt, dass alles perfekt lief. „Warpantrieb bereit Sir!“ rief Sanchez, und gerade in diesem Moment ging Frank ein Licht auf. Was hatte Rick zum Abschied zu ihm gesagt? Wer sich in die Höhle des Löwen begibt darf sich nicht wundern wenn er dort einen Trifft? Und Besuch uns mal, aber flieg uns nicht über den Haufen? Er hatte es gewusst dieser verdammte Kerl hatte es die ganze Zeit gewusst und kein Sterbenswort gesagt. „Fähnrich Kester, Haben wir bereits Zugriff auf die Datenbank der Sternenflotte?“ Der junge Fähnrich drehte sich eifrig um „Aye Sir, wir haben vollen Zugriff auf die Datenbank, welche Information soll ich für Sie abrufen?“ Ein klein wenig erinnerte er Frank daran, wie er selbst einmal als junger frischgebackener Fähnrich den ersten Dienst auf der Brücke eines Raumschiffes geleistet hatte und wie er bewundernd zu dem Captain aufgeschaut hatte, der die Zügel fest in der Hand hielt und seine Anweisungen präzise und nachvollziehbar an die Crew gab. „Stellen Sie die Position der U.S.S. Golden Gate fest. Lt. Sanchez, berechnen sie einen Kurs zum Abfangen...“ Captain Dekkers lehnte sich in seinen Stuhl zurück „...dem werd ich’s zeigen, diesem verdammten Teufelskerl!“ fügte er leise hinzu. „Kurs gesetzt Captain, wie schnell fliegen wir?“ fragte Sanchez. Eine kleine gespannte Sekunde herrschte Ruhe, nichts als das Piepen der Konsolen und das leise Rascheln der Uniformen bei ihren Bewegungen waren zu hören. Dann antwortete Frank, „Fangen sie langsam an, damit sie sich daran gewöhnen kann und dann... alles was sie drauf hat. Lassen Sie sie Fliegen, sie braucht Auslauf.“ Erneut brandete kurzer Beifall auf, auch wenn Frank es bisher noch nicht wusste, auch das schien gute alte Tradition zu sein, ein neues Schiff bei seinem ersten Auslaufen freundlich aber bestimmt die Sporen zu geben, fast so wie bei einem Pferd, auch wenn dieser Vergleich etwas hinkte. Emilio Sanchez hielt die Hand über seinem Pult und erst da merkte der Captain, dass noch ein wichtiger Befehl fehlte. „Lieutenant, legen sie los!“ sagte er und im selben Moment konnte er sehen, wie sich die Sterne zu Streifen zogen und das Schiff in die Warpgeschwindigkeit überging. Das sonore Brummen des Antriebs erhöhte sich nur minimal mit der Steigerung der Geschwindigkeit. Die Ingenieure des Konstruktionsteams hatten wirklich ganze Arbeit geleistet.
Der Abstand zur Golden Gate verringerte sich schnell. Das war kein Wunder denn die Scimitar war ein wesentlich leistungsfähigeres und schnelleres Schiff. Während des ersten Fluges waren die Wissenschaftler und Ingenieure noch damit beschäftigt die Messwerte zu überprüfen, aber Captain Dekkers sah nicht eine Mine, die auf Schwierigkeiten hingedeutet hätte. Er schaute im Maschinenraum vorbei, inspizierte die kombinierte Shuttlerampe und begab sich dann zum Maschinendeck des Scoutschiffes, das ebenfalls bereits voll betriebsfähig war. Während der ganzen Zeit war Commander Rychek sein ständiger Begleiter. „Commander, Ich möchte gerne wissen, ob wir auch eine Abtrennung vornehmen können.“ Der erste Offizier tat erstaunt „Aber Sir, selbstverständlich können wir, dafür sind wir doch ausgelaufen oder?“ Frank lächelte. „Gut, dann möchte ich, dass Sie folgendes übernehmen...“
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