Als Wikland am nächsten Morgen auf der Brücke erschien umspielte ein feines Lächeln seine Lippen. Er begrüßte van Dyke, seinen ersten Offizier, als wäre er einer seiner besten Freunde, den er jahrelang nicht gesehen hatte. Für die Crew bedeutete das, daß der Captain sehr gut geschlafen haben mußte. „Nun Nummer Eins, gibt es etwas Neues?“ fragte er in einem unverkennbar humorvollen Ton, der die ganze Situation noch mehr verzerrte, als sie es ohnehin schon war. Noch vor einem Tag war Wikland knurrig und reizbar wie ein hungriger Wolf gewesen. Roger van Dyke stand auf und machte den Platz des Captains frei. „Nein Captain, bislang noch nichts. Wir hatten eine kurze Kommunikation mit den Diensthabenden auf der Lakota, aber dort scheint noch alles zu schlafen. Haben Sie schon neue Befehle erhalten Captain?“ Wikland nahm auf seinem Stuhl in der Mitte der Brücke Platz und schlug die Beine übereinander. „Nein Nummer eins, aber ich erwarte jeden Moment eine Nachricht von der Sternenflotte. Ich schätze, nach dem Ergebnis von Gestern gibt es keine Einwände mehr, die uns von etwas wichtigeren Aufträgen abhalten sollten. Ich habe von Admiral Satie noch gestern Abend erfahren, daß die Angelegenheit abgeschlossen ist.“ Beinahe hätten die beiden jungen Lieutenants an der Conn und der OPS einen Freudenschrei ausgestoßen, konnten sich aber noch in letzter Sekunde zurückhalten. Carah Pehl, welche die Kom-Station überwachte schaltete die Hauptfrequenzen der Föderation durch, da zurzeit kein anderer Subraumfunkverkehr feststellbar war. Sie war immer bestens informiert. Gemäß einer alten Sternenflottentradition hatte sie über den drahtlosen Multikom in ihrem linken Ohr stets den Kontakt zum Rest des Universums. Es war ein bißchen so, als lege man sein Ohr an eine Wand und lauschte, was auf der anderen Seite so passierte. So konnte Carah viele Informationen aufschnappen, die meist erst viel später durch offizielle Meldungen der Sternenflotte bestätigt wurden. Zurzeit verdichtete sich das Gerücht, daß ein Föderationsschiff vermißt wurde. Erst vor wenigen Wochen hatte man einen kurzen Notruf von zwei Ferengifrachtern aufgefangen, die dann spurlos verschwunden waren. An der letzten bekannten Position hatte man aber weder Wrackteile noch andere Spuren gefunden. Eines der Displays auf der Kontrolleinheit von Carah Pehl blinkte kurz auf. „Captain, ein Ruf vom Hauptquartier der Sternenflotte.“ Wikland drehte sich um, „Na also, wer sagts denn. Danke Lieutenant, ich nehme ihn in meinem Raum entgegen.“ Damit stand er auf und war mit schnellen Schritten auf die obere Ebene gelangt um in seinen Bereitschaftsraum zu gehen. Im Vorbeigehen blickte er van Dyke vielsagend an und wies mit seiner rechten Hand auf den gerade freigewordenen Captains Sessel. Kurz darauf schloß sich die Tür hinter Wikland. Der Captain eilte zu seinem Schreibtisch und betätigte den Sensor seines Tischdisplays. Auf dem Bildschirm erschien das entspannte Gesicht seines Onkels, der gerade zufrieden an einer dicken Zigarre paffte. „Nun, das ist ja noch einmal glimpflich für Dich ausgegangen mein Lieber, nicht wahr?“ Wikland setzte sich und erwiderte ruhig, „Es stand allerdings auf Messers Schneide. Ich hätte genauso gut vor dem Militärgericht enden können. Aber Gott sei Dank hatte die Kanzlerin von Sakras 5 ein paar passende Worte für die Kommission parat, die einige zum Nachdenken angeregt haben. Was zu dem für mich positiven Ergebnis geführt hat.“ Der Onkel setzte die Zigarre ab und stieß einen Ring aus dickem Rauch in den Raum. „Jaaa...., davon habe ich auch schon gehört. Es heißt, ihr seid euch nähergekommen. Man hat euch auf dem Weg zum Arboretum in der Lakota gesehen. Du wirst dich doch nicht etwa verliebt haben, oder?“ Wiklands Gesicht wurde plötzlich wieder ernst, „Ach, jetzt hör aber auf. Du weißt ganz genau, daß ich Anka nie vergessen werde. Schon gar nicht wegen diesem Halunken, der sie auf dem Gewissen hat.“ Langsam und unwillkürlich formte die linke Hand Wiklands bei diesen Worten eine Faust. „Aber wo wir gerade dabei sind, ich habe hier irgendwo eine Datei von diesem Typen. Ja, Du hast richtig gehört, ich kenne seinen Namen, er heißt Peter Fennigan und ist in einem der europäischen Distrikte unterwegs gewesen.“
Wikland drückte auf die Sensorfläche seines Tischcomputers und überspielte die Datei, die ihm sein ehemaliger erster Offizier David Robinson beim Abschied überlassen hatte. Sie enthielt ein Foto, sowie den Decknamen des Mannes, der damals in Wiklands Wohnung eingebrochen war und seine Frau Anka lebensgefährlich verletzt hatte. Durch den starken Blutverlust verlor die hochschwangere Frau zuerst ihre beiden Kinder durch eine Sturzgeburt und verstarb nur wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus. Das alles war zuviel für Wikland gewesen, der daraufhin tagelang ziellos durch die Gegend geirrt war. Dem Alkohol verfallen, wurde er von Sicherheitskräften festgenommen und seinem Onkel übergeben, der bereits damals ein hochrangiger Admiral der Sternenflotte war. Dieser hatte seinen Neffen kurzerhand in die Sicherheits Ausbildung der Sternenflotte gesteckt und anschließend an die Akademie für Führungskräfte geschickt. Wikland fixierte seinen Onkel mit entschlossenem Blick. „Ich will, daß Du Deine Kontakte spielen läßt und Dich nach diesem Typen umsiehst. Ich will Ihn in die Finger kriegen und zwar bald. Du hast weitreichende Möglichkeiten und sicher keine Probleme, hier und da nach Informationen zu forschen.“
Der Admiral hätte fast seine Zigarre verschluckt. Er schlug mit beiden Händen auf den Tisch und polterte los. „Wie? Du bist gerade dem Henker aus der Schlinge geschlüpft und fragst mich ob ich illegal in die geheimen Archive der Sternenflotte eindringe um Hinweise für den Verbleib dieses Kerls zu suchen? Bist Du noch ganz bei Trost?“ Die Stimme des Onkels hatte bereits wieder eine Lautstärke erreicht, die jedes Trommelfell einer harten Belastungsprobe unterzog. Er kochte vor Wut und ließ sich seinen Zorn auch deutlich anmerken. Das nordische Temperament schien nicht nur in Wikland einen leichten Weg an die Oberfläche zu finden. Beschwichtigend hob Jan Erik die Hand um seinen Onkel wieder zu beruhigen. „Du sollst Ihn nicht in den Akten der Sternenflotte suchen, sondern nachschauen wo dieser Name am häufigsten auftaucht. Er muß ja irgendwann mal einkaufen, eine Fähre benutzen oder eine Zugangsberechtigung beantragen. Du weißt schon was ich meine. Eine ganz legale Sache. Mein Gott, das ist genauso gut als wenn ich das Komverzeichnis aufrufe und abfrage, welche Standardfrequenz mein Nachbar benutzt.“
Der Admiral nahm wieder Platz und brannte die Zigarre neu an, die bei seinem Wutausbruch erloschen war. Er nickte langsam mit dem Kopf und stieß eine kleine Rauchwolke aus. „Na gut, ich werde sehen was ich tun kann, aber nicht daß Du auf dumme Gedanken kommst. Der Kerl gehört, wenn überhaupt, vor ein ordentliches Gericht und nicht in deine unbarmherzigen Finger.“ Wikland war zufrieden. „Schön, ich will Ihn ja auch gar nicht sofort umbringen. Er soll schön langsam zugrunde gehen. Der hat sowieso keinen schnellen Tod verdient.“ Der Blick des Admirals sagte alles, da kam es ihm recht, daß Jan Erik das Thema wechselte.
Der Captain erkundigte sich nach der Familie und konnte erfahren, daß alles in bester Ordnung war. Seine beiden Geschwister, die sein privates Anwesen in Schweden bewirtschafteten, hatten dem Admiral aufgetragen, Jan Erik liebe Grüße und die besten Wünsche zu übermitteln, da sie über keinen Sternenflottenkanal verfügten und normale Nachrichten eine kleine Ewigkeit brauchten, bis sie ein Schiff in den Tiefen des Raums erreichten. Der Captain hatte sich richtiggehend ins Gespräch vertieft und alle Zeit vergessen, als die Stimme von Carah Pehl durch das Audiosystem ertönte. „Captain, eine Nachricht von der Einsatzleitung der Sternenflotte.“ Wikland brauchte einige Sekunden um sich zu konzentrieren. Er verabschiedete seinen Onkel und ließ dann sofort die Verbindung herstellen. Auf dem Display erschien das Gesicht von Admiral Carter Wellington, einem alten und guten Freund von Wikland. „Hallo Jan Erik, schön dich zu sehen. Wie es scheint bist Du wieder einmal durch die Maschen deiner Jäger geschlüpft. Die frohe Kunde hat sich hier schnell verbreitet. Das Oberkommando hat daher beschlossen, Dir und Deinem Schiff auf Empfehlung des Untersuchungsausschusses einen neuen Auftrag zu erteilen. Es ist zwar nicht gleich wieder die Rettung aller zivilisierten Welten davon abhängig, aber es ist dennoch eine wichtige Angelegenheit. Wir vermissen eines unserer Schiffe. Es hat schon seit mehreren Tagen weder auf unsere Rufe geantwortet, noch die standardisierten Berichte übermittelt. Der Stab macht sich Sorgen, daß etwas passiert sein könnte. Du sollst Dir den Sektor 381 näher ansehen und das Schiff finden. Es handelt sich um die U.S.S. Yokohama, ein Schiff der modifizierten Miranda Klasse. Du kennst ja diese Dinger, die hatten schon öfter mal Probleme mit der Subraumkommunikation. Es muß also nichts bedeuten. Die Daten über die letzte Mission haben wir bereits überspielt und Ihr solltet sobald als möglich aufbrechen.“ Wikland betätigte einige Schaltflächen auf seinem Schreibtisch und die Missionsdaten der Yokohama erschienen auf dem Wanddisplay, welches gegenüber des Schreibtisches über dem kleinen Schrank in der Verblendung eingelassen war. „Sieht nach einer einfachen und kurzen Sache aus, das haben wir in wenigen Tagen hinter uns. Ihr könnt schon mal was interessanteres aussuchen, wir werden bald wieder anklopfen.“ sagte Wikland und zog an seiner Uniform.
„Na dann wünsche ich euch gutes Gelingen und denk daran, daß Du nicht wieder über die Stränge schlägst. Du bist zwar wieder sauber, aber man hat immer noch ein Auge auf dich. Vergiß das nicht.“ Wikland hob die rechte Hand, „Ich gelobe es!“ witzelte er und verabschiedete seinen alten Freund. Er beendete die Übertragung und konzentrierte sich dann auf die Daten der Yokohama, die vor drei Wochen vom Marsorbit aus ihre Reise angetreten hatte, um auf dem Planeten Harbat Wissenschaftler und Geologen abzusetzen. Die Föderation hatte beschlossen zu prüfen, ob diese Welt geeignet war um Bodenschätze abzubauen und außerdem als ein Föderationsaußenposten zu fungieren, lag sie doch am Rande der von der Föderation besiedelten Welten in einer äußerst günstigen Position. Wikland trat auf die Brücke und konnte sofort die Spannung spüren, die in der Luft lag. Die eindeutige Klassifizierung der Nachricht auf dem Prioritätskanal konnte nur eines bedeuten: ein neuer Auftrag. Soviel hatte sich die Brückencrew schon selbst zusammengereimt. Aber anstatt sich in seinen Stuhl zu setzen und den Befehl zum Abflug zu geben marschierte der Captain schnurstracks auf den Turbolift zu und ließ eine total verblüffte Brückenbesatzung hinter sich zurück. Er gab seinen Zielort an und der Turbolift brauchte nur Sekunden um das Deck elf zu erreichen, auf dem die Botschafterquartiere untergebracht waren. Wikland kam vorbei am Raum von Tara Anu’U und betätigte an der nächsten Tür den Signalgeber. Die Tür öffnete sich langsam und ein breites Lächeln empfing ihn. „Ich wußte gar nicht, daß ein Raumschiffcaptain soviel Freizeit hat. Schön, daß Sie schon wieder hier sind.“ Wikland sah Avallia Sen mit einem bedauernden Blick an. „Es ist leider kein sehr erfreulicher Anlaß. Die Föderation hat uns einen neuen Auftrag erteilt und wir müssen schnellstmöglich aufbrechen. Sie werden wohl umgehend auf die Lakota beamen müssen, die Sie nach Hause bringen wird.“
Avallia baute sich direkt vor dem Captain auf und blickte ihm in die Augen. „Das wird nicht nötig sein. Ich habe bei Erek Kanor und der Föderation beantragt, eine Studie über die Aufgaben der Sternenflotte zu erstellen. Man hat mich offiziell zur Botschafterin unserer Kultur ernannt und mir die Wahl gelassen, auf welchem Schiff ich meine Studien beginnen will. Sie wissen ja, wir haben den Beitritt zur Föderation beantragt und wollen uns ein recht umfangreiches Bild machen, bevor wir die Verhandlungen abschließen. Da ich mich hier schon sehr heimisch fühle, und zudem den Captain dieses Schiffes recht gut kenne, habe ich entschieden auf der Alexandria zu bleiben. Ich bitte hiermit offiziell um Erlaubnis an Bord kommen zu dürfen Captain.“ erklärte sie fröhlich, wobei Sie in die letzten Worte eine gehörige Portion Humor und Ironie packte, so daß der Captain ein ungewolltes kurzes Schmunzeln nicht verhindern konnte.
Er hatte sich aber sofort wieder in der Gewalt. „Ihre guten Vorsätze in allen Ehren Kanzlerin, aber die bevorstehende Mission kann eine nicht unerhebliche Gefahr beinhalten und ich möchte Sie gerne aus allen Schwierigkeiten heraushalten...“ erklärte der Captain und ergänzte das Ganze nach einer kleinen Pause „...vor allem auf Grund unserer Freundschaft.“ Avallia Sen strich ihre langen Haare über die Schultern nach hinten. und stemmte dann ihre Hände in die Hüften. „Mein lieber Captain, kommen Sie mir nicht mit dem ‘Das ist zu gefährlich für Sie’ Geschwafel. Wo sollte ich mich denn sicherer fühlen als in der Nähe von Freunden? Auf diesem Schiff befinden sich zurzeit alleine fünf Botschafter fremder Kulturen, die verschiedene Projekte betreuen, oder Ihnen als Berater zur Seite stehen. Auch diese Leute vertrauen Ihnen ihr Leben an, genau wie ich das jetzt tue. Ich habe gesehen wie Sie handeln und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wie Ihre Spezies so schön sagt, wenn dabei etwas schief geht. Sie werden mich so schnell nicht loswerden. Versuchen Sie doch bei der Sternenflotte einen Antrag zu stellen und mich von Bord zu schicken. Mal sehen was passiert.“ Wikland war etwas ungehalten. Er mochte es nicht, wenn etwas hinter seinem Rücken beschlossen wurde und vor allem, wenn Leute auf seinem Schiff einquartiert wurden, ohne ihn vorher davon zu unterrichten. Etwas Ähnliches war erst kürzlich passiert, als man Ihm den neuen ersten Offizier einfach so aufs Schiff geschickt hatte. Eine eigenmächtige Aktion seiner ehemaligen Nummer eins, David Robinson, der seinen Nachfolger einfach selbst ausgesucht hatte. Der Captain ließ sich jedoch nichts anmerken. Höflich antwortete er der neuernannten Botschafterin und Ex-Kanzlerin von SAKRAS 5. „Wie Sie wünschen Botschafterin...“ sagte Wikland schroff, wobei er das Wort ‚Botschafterin‘ besonders betonte, „...ich beuge mich der Hierarchie. Selbstverständlich können Sie bleiben. Wenn Sie etwas brauchen, oder einen anderen Wunsch haben, lassen Sie es mich wissen. Erlaubnis an Bord zu kommen erteilt.“
Er deutete eine kurze Verneigung an, machte auf dem Absatz kehrt und verschwand in Richtung Turbolift. Avallia Sen schaute ihm mit gemischten Gefühlen hinterher. Das hatte sie eigentlich nicht beabsichtigt. Vor allem nach dem überaus harmonischen Abend, den sie zusammen verbracht hatten, war sie der Ansicht, daß Wikland sich über ihr Bleiben freuen würde. Das alles verwirrte sie sehr und sie mußte erkennen, daß sie die menschlichen Verhaltensformen lange nicht so gut kannte, wie sie es eingeschätzt hatte. Kurz nachdem Avallia Sen in Ihren Raum zurückgekehrt war, ging Sie zum Fenster, von wo aus die Lakota zu sehen war. Es kam Bewegung ins Schiff, der Sternenkreuzer der modifizierten Excelsior Klasse verschwand nach links aus dem Blickfeld und dann nahm die Alexandria Fahrt auf. Nur wenige Sekunden verstrichen, bis man aus den Fenstern das Vorbeiziehen der Warpsterne sehen konnte, ein Zeichen dafür, daß man die Warpbarriere durchbrochen hatte.
|
Die Alexandria war nun schon seit acht Stunden unterwegs ins Zielgebiet und die Aufgaben auf der Brücke liefen wie gewohnt mit Präzision und Effizienz ab. Die Lakota hatte noch beste Grüße übermittelt und dann den Rückweg zum Erdsektor angetreten. Carah Pehl, die noch immer die Kommunikationsstation überwachte, hatte auf allen Frequenzen versucht, die Yokohama zu kontaktieren, aber auch Ihre Rufe blieben, wie die der Sternenflotte, unbeantwortet. Es schien, als wäre das Schiff vom All verschluckt worden. Maxine Dent, hatte gerade einen Langreichweiten-Scan beendet, ohne greifbare Resultate erzielt zu haben. Sie wußte allerdings, daß Sie noch mindestens zwei Tage weiterfliegen mußten, bevor selbst der modifizierte Scanner überhaupt in der Lage sein konnte, ein Schiff ohne Kommunikation nur anhand seiner Energiesignatur zu orten. Roger van Dyke saß neben dem Captain und studierte eine Antwort der Sternenflotte, die er auf sein Gesuch zur Umbenennung der Shuttles erhalten hatte. Mit einem anhaltenden Kopfschütteln quittierte er die Ausführungen der Verantwortlichen, die seinen Antrag abschlägig beschieden hatten und gab dann die Begründung zum Besten. „Das Amt für Materialbeschaffung und Schiffsregistrierung hat sich die Freiheit genommen, unseren Antrag abzulehnen. Es argumentiert mit folgender Begründung: >>Die vergebenen Schiffsnamen für die Shuttles der Alexandria basieren auf hochgeschätzten kulturellen Werten und Persönlichkeiten, die in der Entwicklung der Erde einen hohen Stellenwert eingenommen haben.<< Das kann ja wohl nur ein schlechter Scherz sein. Wer zum Teufel sind Piggy oder Kermit?“
Roger van Dyke drückte auf die Konsole und die Nachricht wurde wieder durch die Statusanzeigen der einzelnen Abteilungen ersetzt. „Enttäuscht Nummer eins?“ fragte Wikland. Van Dyke blickte den Captain mißmutig an. „Geben Sie es zu Captain, das haben Sie gewußt. Es gibt doch für diese spezielle Aufgabe gar keine Lösung. Diese Bürokraten zu überzeugen käme einem galaktischen Wunder gleich, habe ich recht?“
Wikland hatte es sich in seinem Sessel richtig bequem gemacht und blickte gelassen auf den Hauptschirm, der den gewohnten Anblick bei Warpgeschwindigkeit bot. „Nummer eins, Sie sind doch ein cleverer und fähiger Offizier. Wenn jemand etwas von Ihnen will, dann sind Sie sicher bereit zu helfen oder das Gewünschte zu tun, aber letztendlich stellen Sie sich doch auch die Frage: ‘Was habe ich davon?’ nicht wahr? Also bieten Sie den Leuten auf dem Amt einen Vorteil, den Sie auf gar keinen Fall ignorieren können. Dann wird sich die Sache schon zum Guten wenden.“
Van Dyke, der die Worte des Captains aufmerksam verfolgt hatte fragte: „Haben Sie dabei an etwas Bestimmtes gedacht Captain?“ und wartete gespannt auf die Reaktion von Wikland. „Oh, nein. Ich wollte Ihnen nur eine Tür aufstoßen. Was Sie schließlich daraus machen ist ganz allein Ihre Sache. Ich habe hierfür keine konkreten Vorschläge. Fragen Sie Ihre Kollegen, vielleicht kommt Ihnen dabei eine gute Idee.“
Während die Alexandria sich dem Sektor 381 immer mehr näherte liefen auf den Holodecks und im Maschinenraum bereits die ersten Vorbereitungen für eine großangelegte Hilfsaktion. Die medizinischen Teams übten den Rettungseinsatz mit der Bergung von Verletzten aus havarierten oder im Kampf beschädigten Schiffen, während sich die Sicherheitsteams auf den anderen Holodecks in taktischen Kampf- und Suchroutinen übte. Der Maschinenraum prüfte inwieweit technische Hilfsmittel für notwendige Reparaturen vorhanden und ob die großen industriellen Replikatoren für größere Mengen von benötigten Materialien einsatzbereit waren. Die einzige Erleichterung, die man sich bei unbekannten Missionsparametern schaffen konnte, war eine perfekte Vorbereitung auf alle möglichen und unmöglichen Dinge. Die letzten Computerdiagnosen konnte J.J. schon am frühen Nachmittag beenden und dem Captain den Abschlußbericht vorlegen. Wikland, der Lt. Commander Jefferson in seinem Bereitschaftsraum empfing, war zufrieden mit der Arbeit der technischen Abteilung. Die Crew im Maschinenraum hatte sich hervorragend entwickelt und er fühlte sich erneut bestätigt in seiner Entscheidung, die Kontrolle dieses Teams in die Hände der jungen Frau gelegt zu haben. „Schön Commander...“ sagte Wikland und reichte das Padd mit dem Abschlußbericht wieder an J.J. zurück. „...dann sind wir ja für alle Eventualitäten gerüstet. Wollen wir hoffen, daß kein ernster Grund zum Verlust des Kontaktes geführt hat. Wenn wir diese Angelegenheit schnell und erfolgreich hinter uns bringen, sollten wir bald wieder eine angemessene Aufgabe für dieses stolze Schiff bekommen. Diese Kaffeefahrten habe ich so richtig satt, wir sind doch kein Ausflugsdampfer.“ J.J. nickte zustimmend. „Da haben Sie Recht Sir. Nachdem wir alles überholt, geputzt und dreifach kontrolliert hatten, befürchteten wir schon, daß uns die Arbeit ausgeht, aber die neue Situation hat auch gezeigt, wie schnell sich die Crew auf unerwartete Aufgaben einstellen kann.“
„Genau das ist es, was ich von meiner Mannschaft erwarte Commander, machen Sie weiter so.“ entgegnete Wikland. Jaqueline Jefferson freute sich über das Lob des Captains während sie sich wieder auf den Weg in den Maschinenraum begab. Auch wenn Wikland bei seiner Mannschaft als ein strenger Chef bekannt war, so ließ er dennoch keine Möglichkeit ungenutzt, um seine Crew zu motivieren. Er wußte, daß eine kleine Anerkennung, oder sogar ein offizielles Lob, die Leistung der Crewmitglieder auf einem hohen Niveau hielt. Diejenigen, die er belobigt hatte, fanden Bestätigung für ihren Einsatz und die anderen waren mit vollem Eifer bei der Arbeit, weil sie wußten, daß auch Ihnen bei besonderen Leistungen eine Anerkennung des Captains gewiß war. Besonders beliebt und berüchtigt waren in dieser Hinsicht die ausgefallenen Ideen des Captains, der sich fast nach jeder Mission ein oder mehrere Crewmitglieder heraussuchte und ihre besonderen Leistungen in einer ungewöhnlichen Art und Weise honorierte. Roger van Dyke hatte sich nach dem Dienst schon eine ganze Weile in seinem Quartier aufgehalten und über den Vorschlag des Captains nachgedacht, den er bezüglich der Shuttleumbenennung gemacht hatte. Einen Vorteil für die Verantwortlichen der Schiffsregistrierung anzubieten. Das waren doch allesamt Schreibtischtäter, die höchstens den Rang eines Lieutenant Senior Grade hatten und die Eingaben mit den Vorschriften der Sternenflotte verglichen. Der Name wurde dann in der Registrierung vermerkt und an die Design Sektion weitergeleitet, die für die Signalisation der Schiffe verantwortlich zeichneten. Wie sollte man diesen Leuten einen Vorteil anbieten. Noch dazu über diese Entfernung? Roger schaltete sein Computerdisplay ab. Seine Augen waren schon müde geworden und er beschloß sich noch ein wenig zu entspannen. Er suchte eine leichte Hose und ein weites Hemd in seinem Schrank und schlüpfte schnell hinein. Wenige Minuten später betrat er die Bar Lookout, die auf Deck neun am vorderen Ende der Untertassensektion lag. Auf der kleinen halbrunden Sitzecke, die den Senioroffizieren vorbehalten war, saßen Jadzia Lansu, J.J. und Keros, die sich bei einem Glas Syntehol angeregt unterhielten. Van Dyke war mit wenigen Schritten an der Theke und bestellte sich einen Longdrink. Er setzte sich auf einen der Hocker und drehte sich um, so daß er den Raum beobachten konnte. Dabei stützte er seine Ellbogen nach hinten auf der Thekenkante ab und ließ sich ein wenig zusammensinken. Am linken Ende der Theke saß Ymoota Aalia und neben Ihr hatte sich Thomas Riseman der junge Fähnrich aus der Shuttleabteilung niedergelassen. Wahrscheinlich startete er einen erneuten Versuch Ymoota für sich zu begeistern. Van Dyke hatte bereits in der Vergangenheit festgestellt, daß Ymoota sehr zurückhaltend war und meist unauffällig im Hintergrund blieb. Eine Eigenschaft, die sie, wie er feststellte, mit ihm teilte. Ymoota reagierte zudem meist sehr abweisend auf Angeber und andere Personen, die sich in irgendeiner Weise über die Maßen profilieren wollten. Sie war allerdings auch nicht auf den Mund gefallen und es hatte schon einige heftige Diskussionen mit Crewmitgliedern gegeben, die letztendlich mit einem klaren Sieg nach Punkten zugunsten von Ymoota endeten. Trotz der bestehenden Gemeinsamkeiten hatte van Dyke bislang noch nicht die richtige Ebene gefunden, um das Vertrauen der jungen Bajoranerin zu gewinnen. Er hatte das Gefühl, daß sie ihm in irgendeiner Weise mißtraute. Er fragte sich, ob es überhaupt möglich war, das Vertrauen einer Person zu gewinnen, welche jahrelang im Widerstand gegen alles und jeden gekämpft hatte. Wie es schien machte der junge Fähnrich ebenfalls keine großen Fortschritte. Ymoota sagte etwas zu ihm, das van Dyke aufgrund des allgemeinen Geräuschpegels nicht verstehen konnte. Daraufhin verabschiedete sich Riseman höflich und ging die drei Stufen zu dem oberen Bereich hinauf, wo noch andere Kollegen aus seiner Abteilung ihren Abend verbrachten. Mit einem resignierenden Achselzucken ließ er sich an ihrem Tisch nieder. Van Dyke sah gerade noch wie Ymoota einen Audio-Analysator in ihrer Tasche verstaute, bevor sie ihren Platz verließ und auf den kleinen Tisch zusteuerte, an dem Ran Byrell saß.
J.J., die ihre Schicht mit diversen Routineaufgaben hinter sich gebracht hatte, fühlte sich in Anbetracht der kommenden Suche nach der Yokohama schon wieder viel besser. Der Captain hatte zu Beginn der Delta Schicht angeordnet, das Schiff in erhöhte Bereitschaft zu versetzen, was für die Mitglieder der technischen Abteilung zahlreiche Zusatzaufgaben mit sich brachte. Nach einer Prüfung mußte die Stand-by-Bereitschaft der Ersatzaggregate hergestellt werden, Phaserenergiezellen wurden vorsorglich gegen Neue ausgetauscht und die Torpedos wurden für einen möglichen Einsatz zu den Abschußrampen umgelagert. Die logistische Arbeit, die hinter all diesen Tätigkeiten verborgen war, konnte zwar vom Schiffscomputer vorgenommen werden, allerdings war die Crew deutlich effektiver, wenn diese Tätigkeiten durch die Mannschaft selbst organisiert wurden.
Normalerweise war dies nicht die empfohlene Prozedur, wenn ein Schiff der Sternenflotte auf eine Suchmission entsandt wurde, aber Captain Wikland war ein vorsichtiger Offizier. Er war gerne bestens vorbereitet und liebte es nicht, unangenehme Überraschungen zu erleben. Natürlich konnte er damit nicht den Zufall oder das Unvorhersehbare abwenden, aber er war für die meisten Eventualitäten gerüstet und konnte somit schneller auf neue oder ungewöhnliche Situationen reagieren. Im Lookout konnte man wie immer den faszinierenden Blick durch die Fenster auf die entgegenfliegenden Sterne genießen. Keros der Bolianer nippte an seinem Glas und lehnte sich dann zurück. „Kennt Ihr jemanden auf der Yokohama?“ fragte er in die Runde. Jadzia nickte kurz „Ja, einen Lieutenant im Maschinenraum. Mit dem war ich zusammen auf der Akademie, Peter Masters heißt er. Ich habe ihn vor zwei Jahren zum letzten Mal gesehen.“ Die anderen schüttelten alle den Kopf. „Na ja, war ja nur eine Frage“ erwiderte Keros. „Ich hatte auch kaum damit gerechnet. Die Yokohama ist eigentlich schon ein ziemlich alter Pott. Die meisten meines Jahrganges sind auf neuere Schiffe versetzt worden. Ich habe die Schiffe der modifizierten Miranda Klasse nur im Ausbildungszentrum der Sternenflotte gesehen.“
J.J. beugte sich vor, stützte die Ellbogen auf den Tisch und legte ihr Kinn auf die Handballen. „Auf so einem Schiff könnte ich täglich eine 36 Stunden Schicht schieben und es würde trotzdem nicht alles funktionieren. Die meisten Schiffe dieses Typs haben Probleme mit den Energieverteilern, daran hat auch die Modernisierung nicht viel geändert. Gott sei Dank hatte ich das Glück auf die Trieste und später auf die Repulse versetzt zu werden, so daß mir dieses Schicksal erspart blieb. Ich glaube die Yokohama schippert irgendwo vor uns her und ein gestreßter Chefingenieur, angetrieben von seinem verärgerten Captain, versucht verzweifelt, die Kommunikation wieder in Gang zu setzen.“ Den letzten Satz betonte sie in humoristischer Weise, so daß ein Schmunzeln auf den Gesichtern Ihrer Kameraden erschien. Schließlich war auf der Alexandria alles zum Besten gestellt. Van Dyke, der die Unterhaltung vom Tresen aus verfolgen konnte gesellte sich zu den Offizieren am Tisch und grüßte freundlich. „Alles im Lot?“ erkundigte er sich und blickte die anderen in Erwartung einer positiven Antwort an. „Bei uns schon...“ sagte Jadzia, „...aber bei Ihnen sieht das anscheinend anders aus. Sind das Sorgen- oder Denkerfalten auf Ihrer Stirn?“ Van Dyke mußte unwillkürlich lachen. „O.k., O.k. Sie haben mich erwischt. Ich bin mit der erfüllenden Aufgabe betraut, im zentralen Amt für Schiffsregistrierung neue Namen für unsere Shuttles zu beantragen, habe aber bislang nur abschlägige Antworten erhalten.“ Ein spontaner Applaus der am Tisch sitzenden Crewmitglieder, begleitet von lautem Gejohle, verwirrte van Dyke zusätzlich. „Endlich mal einer der sich um diesen Mißstand kümmert. Diese Namen, über die lacht schon die ganze Flotte, auch wenn die Alexandria auf der anderen Seite einen recht guten Ruf genießt. Und, wie wollen Sie jetzt weiter vorgehen?“ verlangte Keros zu wissen.
Roger nahm einen Schluck aus seinem Glas, setzte es ab und drehte es dann auf dem kleinen Untersetzer im Kreis. „Das weiß ich noch nicht. Der Captain hat mir empfohlen, den Entscheidungsträgern etwas Interessantes anzubieten, so daß sie einen Vorteil für sich selbst sehen. Aber eine Schiffsführung auf der Alexandria scheint ja nicht gerade das zu sein, was hier Erfolg versprechen würde.“ witzelte er. „Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was ich Ihnen bieten könnte. Und außerdem ist die Auswahl von neuen Namen auch nicht gerade viel einfacher.“ Roger nahm einen weiteren Schluck von seinem Longdrink. „Das mag vielleicht für Sie gelten, aber für mich gäbe es Tausende von Möglichkeiten. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, daß die Schiffe der Föderation alle nach Personen, Orten, Flüssen oder kulturell wichtigen Dingen der Erde benannt wurden?“ entgegnete Jadzia. „Ja, das hat man mir sogar schriftlich gegeben!“ lächelte er, im Rückblick auf die ihm zugesandte Antwort. Van Dyke überlegte, aber auch bei intensivem Nachdenken fiel ihm derzeit kein Schiffsname ein, der von einer der Kulturen stammte, die zu der Föderation zählten. Und das waren immerhin weit mehr als hundert. „Meinen Sie nicht, die Besatzungsmitglieder anderer Föderationswelten würden sich mehr mit dem Schiff und der Sternenflotte identifizieren, wenn auch Bezeichnungen aus ihrer Welt verwendet würden?“ ergänzte Keros. Van Dyke sah Licht am Ende des Tunnels. „Das ist gar kein so schlechter Gedanke. Wissen Sie was, sprechen Sie doch mal Ihre Teamkollegen an und sammeln Sie Vorschläge. Sie wissen ja, für unsere Shuttles benötigen wir schon mindestens vierzig Namen zur Auswahl.“ Ein einstimmiges Nicken der am Tisch Sitzenden wurde gefolgt von einer heftigen Diskussion, die das für und wider der verschiedenen spontanen Eingebungen beleuchtete. Nach einer Weile verabschiedete sich Roger van Dyke kurz und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier. Er fühlte sich jetzt deutlich besser als noch vor einer Stunde. Mit frischer Energie setzte er sich an sein Terminal und verfaßte einen neuen Antrag für die Sternenflotte. Diesmal würden Sie nicht nein sagen können!
|
Admiral Thomas Henry saß hinter seinem Schreibtisch im Hauptquartier der Sternenflotte und las zum vierten Mal den Bericht der internen Ermittlungsbehörde, die bei Raumunfällen, spurlosem Verschwinden von Schiffen oder anderen Unglücksfällen die Recherche übernahm und in vielen Fällen eine Klärung herbeiführen konnte. Wenn diese auch meist zu spät kam, um den Opfern zu helfen, oder ein Schicksal abzuwenden, so waren die Ergebnisse doch stets eine wichtige Informationsquelle für kommende Operationen der Sternenflotte. Die Resultate der vorliegenden Überprüfung waren jedoch weitaus beunruhigender, als die bisher zusammengetragenen Informationen. Das Türsignal ertönte und Admiral Henry rief: „Nur herein, wer immer da draußen friert!“ Die Türen glitten auseinander und ein großer blonder Mann trat ein, dessen Haare an den Seiten schon deutlich silberne Spuren trugen. „Hallo Sven, Dich habe ich aber lange nicht gesehen. Was machst Du so?“ rief Admiral Henry seinem alten Freund und Kameraden Sven Jorgensen freudig zu, der genau wie er eine solide Karriere bei der Sternenflotte hinter sich gebracht hatte. „Danke alles läuft bestens Thomas, uns geht’s gut. Und bei Dir?“ erwiderte der hochgewachsene Mann mit seinem leicht nordischen Akzent, den er nie versuchte zu unterdrücken.
Thomas Henry machte ein sorgenvolles Gesicht. „Ich habe gerade die Resultate unserer Nachforschungen über das Verschwinden zweier Ferengi Frachter von Admiral Hayes erhalten. Es waren zwar sehr alte Schiffe, aber sie sind ohne eine Spur verschwunden. Die Suchmannschaften konnten an der letzten bekannten Position nicht den geringsten Hinweis auf ihren Verbleib finden. Alle Strahlungswerte waren natürlich schon vollständig zerfallen, als das Erkundungsteam eintraf, aber es wurden auch keine Trümmerteile oder Notbojen vorgefunden. Du kannst Dir sicher das Gezeter vorstellen, das die Ferengi veranstaltet haben, weil zwei Ihrer Schiffe in unserem Raum verloren gegangen sind. Das Erste was wir von Ihnen zu hören bekamen, waren Ihre Ersatzforderungen für die verlorene Ladung, die sich angeblich aus hochtechnischen neuwertigen Geräten zusammensetzte. Es ist übrigens der gleiche Sektor, in dem auch die U.S.S. Yosemite verloren gegangen ist.“
Admiral Jorgensen lachte leise. Er kannte die Methoden der Ferengi nur zu genau. Jedesmal, wenn er mit ihnen zu tun gehabt hatte, waren unsäglich lange Diskussionen und Verhandlungen an der Tagesordnung gewesen. Die meist schnell unterbreiteten Forderungen der Ferengi reduzierten sich dann im Rahmen der Recherche und Verhandlungen meist auf ein Viertel des zunächst geforderten Betrages. Jorgensen klopfte seinem Freund kollegial auf die Schulter. „Nun sag schon, kann ich Dir dabei irgendwie helfen?“Admiral Henry blickte seinen Freund eine ganze Weile an bevor er mit seiner Erklärung fortfuhr. „Du weißt leider noch nicht alles mein Freund. Diesem Bericht zufolge sind einige der Teile aufgetaucht, die von den Ferengi als verloren gemeldet wurden. Unsere Hochleistungsscanner haben bei einer Explosion auf einem kleinen Mond eine Tyridiumkaskade aufgezeichnet. Nicht weit davon wurde ein kleines Handelsschiff beschossen. Die Brandspuren weisen eindeutig eine Energiesignatur der Sternenflotte auf. Auf einem Planeten im angrenzenden System wurden mehrere Tonnen Metall- und Polymerverbindungen zum Verkauf angeboten, die mit einer hochverdichteten Molekularstruktur versehen waren, wie sie nur in den Schiffshüllen von Sternenflottenschiffen vorkommt. Irgendjemand besorgt sich Föderationstechnik und handelt damit. Der Bericht enthält mehr als einhundertzwanzig solcher Beispiele.“
Admiral Jorgensen blickte seinen Kollegen prüfend an, der diese Sache anscheinend sehr ernst nahm. „Du glaubst also, daß diese Vorgänge eine gemeinsame Ursache haben und uns von dort Gefahr droht?“ fragte Jorgensen, und ging zum Wanddisplay. „Wo sagtest Du hat man diese Informationen zusammengetragen?“ Auch Thomas Henry war herüber gekommen und drückte einige Sensorfelder auf dem Bediendisplay der Anzeigetafel. Der Ausschnitt eines Raumsektors erschien und viele kleine Symbole kennzeichneten die Orte, die im Bericht mit Fakten verknüpft waren. „Ich weiß noch nicht genau, was es zu bedeuten hat, aber irgendwo gibt es meiner Meinung nach einen Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen. Ich hab da so einen Riecher dafür.“ sagte Thomas Henry und machte eine umfassende Handbewegung, die den ganzen Sektor mit den Markierungen einschloß. „Was ist, wenn die Ferengi mit Ihren Schiffen einfach auf und davon geschippert sind, ihren Plunder verkauft haben und dann nachher nur vorgegeben haben Ihre Schiffe seien verschollen, um den Verkaufserlös zweimal einzustreichen?“ gab Jorgensen zu bedenken. „Daran habe ich auch zuerst gedacht. Dagegen spricht jedoch, daß wir genau zu dem Zeitpunkt des Verschwindens dieser Schiffe noch einen Notruf aufgefangen haben. Außerdem, kannst Du mir mal verraten, wo die Ferengi mehrere Tonnen Hüllenmaterial und Polymerverbindungen der Sternenflotte herbekommen haben sollen?“
Admiral Jorgensen nickte zustimmend. „Da muß ich Dir recht geben. Das Beste ist, wenn ich auch in meiner Abteilung einmal nachhöre, ob einige Fakten hierzu passen. Ich halte Dich auf dem Laufenden. Ach ja, weshalb ich überhaupt gekommen bin: hast Du Lust auf einen gemütlichen Abend bei uns Zuhause? Ich würde mit Dir und Andrea gerne wieder mal ein Schwätzchen halten, so wie in alten Zeiten. Und Inger würde sich sicher auch sehr freuen, Euch wiederzusehen.“ Admiral Henry überlegte nicht lange. „Gut, einverstanden. Wir kommen gerne.“ sagte er und schlug in die Hand seines Freundes ein, die dieser Ihm in Erwartung der Zustimmung entgegengestreckt hatte.
Die Frühschicht hatte schon begonnen, als Fähnrich Thomas Riseman aus seinem Quartier hastete und den Flur hinunter lief. Sein Uniformoberteil saß noch nicht richtig und nachdem er es zurechtgezogen hatte, fummelte er noch immer an dem einen Pin des Kragens herum, der so unglücklich angebracht war, daß er ihn am Hals kratzte. Als er sah, daß sich der Turbolift öffnete, legte er noch einen Schritt zu und erreichte die Tür gerade noch, bevor sie sich schloß. Die Kollegen, die herausgetreten waren, hatten den Lift leer hinterlassen und Thomas Riseman atmete tief durch. Er war zwar nur drei Minuten zu spät, aber er wußte, wie sehr der Captain und damit auch sein vorgesetzter Offizier Unpünktlichkeit haßten. Er lehnte sich an die hintere Wand und gab seinen Zielort ein „Deck vier, Sektion achtzehn.“ Der Lift setzte sich in Bewegung, nur um schon an der nächsten Sektion wieder anzuhalten. Die Türen öffneten sich, aber niemand war zu sehen. Kurz darauf setzte sich der Turbolift wieder in Bewegung, nur um im nächsten Sektor wieder zu stoppen. Fähnrich Riseman war schon der Verzweiflung nahe, als am fünften Stop tatsächlich ein Crewmitglied vor der Tür stand, um zuzusteigen. Die junge Dame aus der biomedizinischen Abteilung grüßte freundlich und wandte sich an den Computer. „Deck zwölf, Sektion sechsundzwanzig.“ Mit einem leichten Schub setzte sich der Turbolift in Bewegung und Thomas Riseman dankte den Göttern, daß kein weiterer Halt mehr erfolgte. Er trat an die Tür, doch als diese sich öffnete, war nicht der Eingang zum Shuttlehangar auf Deck vier zu sehen, sondern die großen verlockenden Schilder des Freizeitbereiches Nummer fünf. Riseman verstand die Welt nicht mehr. Nicht sein Ziel, das zuerst eingegeben wurde, war angesteuert worden, sondern das seiner Kollegin, die fröhlich und unbekümmert den Lift verließ und durch die erste erreichbare Tür verschwand. Der Lift setzte sich wieder in Bewegung und das gleiche, nervige Spiel begann von neuem. An jeder Sektion stoppte der Lift und öffnete die Türen. Jetzt hatte Riseman endgültig genug. Er tippte auf seinen Kommunikator. „Riseman an Technik, ich sitze in Turbolift sechs fest und komme nicht rechtzeitig zum Dienst. Die Kabine hält an jeder Sektion und öffnet die Türen, ob jemand da ist oder nicht.“ „Ich kann keine Fehlfunktion erkennen Fähnrich.“ war die Stimme von Jan van Holt zu hören, der im Maschinenraum schnell die Kontrollen abgerufen hatte. „Alle Turbolifte funktionieren einwandfrei. Vielleicht sollten Sie ihre Zieleingabe noch einmal bestätigen.“ ergänzte er und wartete auf Risemans Antwort. „Das habe ich schon dreimal getan, aber es ändert sich nichts. Komischerweise reagiert der Lift auf die Anweisung anderer Crewmitglieder sofort und fährt ohne Stop direkt zum Zielpunkt.“ Jan van Holt lächelte vor sich hin: „Fähnrich, wenn Sie zu spät aufstehen, sollten Sie sich eine bessere Ausrede einfallen lassen. Ich glaube nicht, daß Ihnen Lieutenant Otumbwe diese Horrorgeschichte abnimmt. Maschinenraum Ende.“ Thomas Riseman sah auf die Uhr, die im Wandpanel eingelassen war. Demnach hatte er schon über zwölf Minuten Verspätung. Ein weiteres Crewmitglied stieg an der nächsten Sektion ein und Thomas Riseman kam die rettende Idee. „Dürfte ich Sie um einen Gefallen bitten, Sir?“ fragte er den Lieutenant, der gerade den Lift betreten hatte. „Ich habe anscheinend ein Problem mit der Stimmidentifikation, der Computer will meinen Zielort nicht akzeptieren. Wenn Sie so freundlich wären und Deck Vier, Sektion achtzehn wählen würden, wäre ich Ihnen sehr verbunden.“ Sein Gegenüber schaute Ihn ungläubig an, kam aber seinem Wunsch nach. Bereits nach wenigen Sekunden öffnete sich der Turbolift auf Deck vier gegenüber dem Haupteingang der Shuttlerampe und während Thomas Riseman den Lift verließ, hörte er die Stimme von Ymoota Aalia, die mit einem beschwingten Lachen aus der Kommunikationsanlage kam. „Manche Wege sind länger als man glaubt, einen schönen Tag noch Fähnrich Riseman.“ Jetzt wurde Ihm manches klar. Das war wieder einer von diesen Scherzen, die sich Ymoota von Zeit zu Zeit mit Ihren Kollegen erlaubte und diesmal war er wohl an der Reihe. Obwohl sie meist sehr unnahbar war und schon viele Kollegen, genau wie er, vergeblich versucht hatten, eine dauerhafte Freundschaft aufzubauen, blieb sie immer auf Distanz. Dennoch war sie eine lustige Frohnatur, die gerne Ihren Schabernack mit den Kollegen trieb. Nachdem er gestern wieder versucht hatte bei ihr zu landen, mußte sie ihn wohl als das nächste Opfer auserkoren haben. Er konnte sich schon lebhaft ausmalen, was er von Lieutenant Otumbwe zu hören bekommen würde, für seinen mittlerweile um 15 Minuten verspäteten Dienstantritt. Er zog seine Uniform straff und ging auf die Tür zum Hangar zu, die sich wenige Sekunden später wieder hinter ihm schloß.
Auch auf der Brücke hatte die Alpha Schicht wieder den Dienst übernommen. Der Flug war in der Delta Schicht ohne besondere Vorkommnisse fortgesetzt worden und die Alexandria befand sich nicht mehr weit vom Zielgebiet entfernt. Wikland hatte seinen Platz in der Mitte der Brücke an diesem Tag schon sehr früh eingenommen. Lt. Commander Maxine Dent wertete gerade die Ergebnisse der Langreichweitenscanner aus. Sie hatte der Delta Schicht am Abend noch die Anweisung hinterlassen, ständig in Richtung Zielbereich zu scannen und jede Stunde einen 360 Grad Scan zur Sicherheit zu machen. Mit einem Padd kam sie herüber zum Captain. „Sir, wir haben erste Messungen von Warppartikeln festgestellt. Das gesuchte Schiff hat noch vor kurzer Zeit den vor uns liegenden Sektor passiert. Die Partikelspur ist zwar schon fast vollständig zerfallen, aber wir konnten herausfinden, daß sie diesen Koordinaten folgt.“ Mit diesen Worten hielt sie Wikland ihre Ergebnisse entgegen. Wikland schaute auf und sah den zufriedenen Blick der jungen Frau, die froh war, endlich erste Resultate liefern zu können. „Endlich ein paar Anhaltspunkte, nicht wahr Commander?“ sagte Wikland und warf einen Blick auf die Angaben, die im Padd gespeichert waren. „Legt man die Daten für die Yokohama zu Grunde, dann ist das aber nicht der ursprüngliche Kurs. Entweder ist etwas dazwischengekommen, oder die machen eine Besichtigungstour.“ witzelte der Captain und sorgte damit für ein allgemeines Schmunzeln auf der Brücke. „Ramirez, ändern Sie den Kurs auf drei vier zwei Komma drei fünf acht.“ Der junge Lieutenant ließ sofort seine Finger über die Konsole gleiten um die Kursdaten zu verändern. „Kurs liegt an Sir. In dieser Richtung liegt allerdings ein Asteroidenfeld, welches wir umfliegen sollten. Es hat eine zu große Dichte um schnell hindurch zu fliegen.“
Der Captain setzte sich auf und zog seine Uniform zurecht. „Dann werden wir eben etwas langsamer durchfliegen Lieutenant, aber wir folgen dieser Partikelspur. Sie ist momentan der einzige Hinweis den wir haben, also legen Sie los.“ Ramirez nickte und drehte sich wieder zu seiner Konsole um. Seine rechte Hand betätigte die Sensorenfläche und auf dem Schirm war zu sehen, wie die Sterne zur Seite abdrifteten, weil die Alexandria dem neuen Kurs folgte. Die Crew spürte von alledem nichts, denn das Trägheitsdämpfungsfeld des Schiffes egalisierte Fliehkräfte ebenso wie Schub- und Bremskräfte. Andernfalls wäre eine Beschleunigung auf Überlichtgeschwindigkeiten für den menschlichen Organismus tödlich gewesen.
Schon nach einer Stunde hatte die Alexandria den Rand des Asteroidenfeldes erreicht. Glücklicherweise war es ein sehr ruhiges Feld mit fast statischem Aufbau. Nur wenige kleine Brocken drehten sich langsam und trudelten mit mäßiger Geschwindigkeit durch das Feld. Der Captain wußte, daß er sich auch in dieser Situation auf seine Crew verlassen konnte. „Lieutenant Ran, machen sie die Phaser klar. Wenn uns einer dieser Brocken stört, möchte ich, daß Sie dieses Problem schnell und vollständig lösen.“ Ran Byrell, der trotz seiner jungen Jahre bereits im Besitz des Phaser Range 13 war, machte sofort die notwendigen Einstellungen. Seine Ausbildung erlaubte es Ihm, so ziemlich jede Waffe der Föderation bis hin zum Level 13 zu bedienen, was letztendlich auf sein Geschick im Umgang mit diversen Waffensystemen zurückzuführen war, welches er schon von Kindheit an immer wieder bewiesen hatte. Ran suchte eine geeignete Feuertaktik aus seiner Datei und entschied sich für eine Mischung aus Hauptphaserbank und den in Erprobung befindlichen Pulslasern, die in Kürze in allen neuen Schiffen zum Einsatz kommen sollten. Ramirez verzögerte die Alexandria bis fast zum Stillstand und suchte nach einer geeigneten Lücke um in das Feld einzufliegen. Natürlich durfte man nicht zu schnell vordringen, denn der Hauptdeflektor schützte das Schiff durch sein starkes Kraftfeld, um einen Zusammenstoß mit Fremdpartikeln zu vermeiden. Der Energiestrahl, der vom Hauptdeflektor ausgestrahlt wurde verdrängte alle Objekte vor dem Schiff, ähnlich wie der Bug eines Ozeanriesen die Wasserverdrängung vornimmt. Dieser Effekt könnte jedoch bislang stationäre Asteroiden in Bewegung versetzen und mit anderen kollidieren lassen, was letztendlich zu einer unberechenbaren Kettenreaktion führen würde.
„Ramirez, nehmen Sie die Schilde runter und den Hauptdeflektor auf 25 Prozent zurück, wir wollen so wenig Wind wie möglich machen. Alarmstufe gelb, alle Mann auf ihre Posten.“ ordnete Wikland an. „Aye Sir!“ erwiderte der junge Mann am Steuerpult und betätigte einige Felder auf seinem Arbeitsdiplay, während die Leuchtbänder in den Wänden mit gelben Blinkintervallen die erhöhte Alarmbereitschaft des Schiffes signalisierten. Langsam tauchte die Alexandria in das Feld ein. Wikland wagte mit diesem direkten Kurs deutlich mehr, als andere Sternenflottencaptains. Dieser Flug war ein eigentlich unnötiges und vermeidbares Risiko für das Schiff und die darauf befindliche Crew. Aber Captain Wikland hatte in seiner Zeit bei der Sternenflotte seine Erfahrungen gemacht. Das Risiko bei einem Einsatz war grundsätzlich abhängig von den Fähigkeiten und dem Zusammenspiel der Mannschaft. Und diese Faktoren waren auf der Alexandria in geradezu perfekter Weise vorhanden. Wikland wußte, daß seine Crew sich dieser Herausforderung stellen würde. Außerdem führte die Partikelspur der Yokohama direkt durch dieses Feld und er war nicht bereit, die einzige derzeit greifbare Information über den Verbleib des anderen Schiffes aus den Augen zu lassen.Auf der Brücke war eine unheimliche Ruhe eingetreten und dennoch konnte man die Anspannung der Crew ganz deutlich spüren. Die Arbeit war geprägt von kurzen Informationen, die Ramirez an der Steuerkonsole mit Maxine Dent an der Sensorenstation und Ran Byrell austauschte. Langsam schob sich das Schiff zwischen den Asteroiden vorwärts, mit viel Geschick und gelegentlich abenteuerlich anmutenden Fluglagen wurden die Hindernisse elegant umflogen. Manchmal kam die Alexandria einem der größeren Brocken ziemlich nahe, dann wieder wurde das Schiff seitlich gekippt um einzelnen Asteroiden auszuweichen. Ran Byrell, der gerade die Zielerfassung für einen Asteroiden in der Flugbahn abgeschlossen hatte, betätigte den Sensor und gab den Phaserstoß frei. Der Pulslaser schickte vier helle Blitze in Richtung des Felsbrockens und in einer gewaltigen Explosion zerbarst das Gestein in viele kleine Trümmer. Ein Streufeuer der oberen Phaserbank pulverisierte die auseinanderfliegenden Reste bis auf wenige Teile, die zur Seite abdrifteten. „Mann, das war ziemlich dicht“ rief Ramirez von der Conn herüber. „Ach was...“ entgegnete Ran Byrell, „...ich hätte gut noch zwei Sekunden warten können. Das war doch ein Spaziergang.“ Für weitere Unterhaltungen war allerdings keine Zeit, denn schon war die nächste Kurskorrektur nötig, um weiteren Felsstücken auszuweichen. Captain Wikland saß aufmerksam auf seinem Platz und beobachtete das Geschehen mit voller Konzentration. Er sah keine Notwendigkeit, selbst in die Flugbewegungen einzugreifen, alles lief zu seiner Zufriedenheit. Die Alexandria hatte gerade einige der größeren Brocken passiert, als sich Jaqueline Jefferson auf der Brücke meldete. Ihre Stimme , die über das Audiosystem kam, klang ein wenig verfremdet, aber möglicherweise war es auch nur die Anspannung, die diesen Eindruck vermittelte, dachte Wikland. „Maschinenraum an Brücke. Captain, ich messe hier im Schiff eine eindeutige asynchrone Phasenvarianz. Haben wir innerhalb dieses Asteroidenhaufens irgendeine Anomalie durchquert?“Wikland blickte zu Maxine Dent, die sofort mit dem Kopf schüttelte.„Keine Anzeigen für irgendwelche Anomalien Captain. Alles in bester Ordnung.“ Wie zur Bestätigung blendete Sie die Daten der letzten Sensorenmessung am unteren Rand des Hauptschirmes ein. „Commander, wir haben hier oben nichts dergleichen feststellen können. Checken Sie weiter was die Ursache dafür sein kann und informieren Sie mich, Wikland Ende.“ Der Captain wollte sich momentan auf die Fluglage des Schiffes konzentrieren, denn vor der Alexandria tauchten drei große Gesteinsbrocken mit erheblichem Durchmesser auf, die sich langsam in unterschiedliche Richtungen bewegten. Die Simulation zeigte zwar, wohin diese Felsen driften würden, aber die Alexandria war schließlich kein kleines Schiff. Mit Ihren 318 Metern Breite benötigte sie schon ein etwas größeres Loch in dem Gewirr von Asteroiden. Einer der großen Brocken war relativ ungefährlich, denn er verließ gerade den Bereich, den die Alexandria für die weitere Fahrt anvisierte, aber die beiden anderen Kolosse mit Ihren über 200 Metern Breite waren deutlich im Weg. Einer davon kam sogar direkt auf das Schiff zu. „Lieutenant Ran, können Sie diese Hindernisse aus dem Weg räumen?“ erkundigte sich Wikland bei seinem taktischen Offizier. „Das sollte kein Problem für uns sein Sir. Ich muß nur den richtigen Zeitpunkt abpassen, sonst könnten die Trümmerteile unser Schiff treffen.“ Wikland nickte. „Machen Sie es so genau wie möglich.“
Ran Byrell war klar, was der Captain nun von ihm erwartete. Er suchte das passende Schußmuster aus der Datenbank und lud die Phaserzellen. Die weißen Blitze der Pulslaser schossen vom Schiff davon und schlugen auf dem ersten Asteroiden ein, was ihn in drei Teile zerbersten ließ. Eines davon trudelte zur Seite und war somit keine Gefahr mehr, aber die beiden anderen waren lediglich in Rotation geraten und lagen noch immer mitten im Kurs. Ran aktualisierte die Zielerfassung und feuerte erneut. Mittels eines gezielten Schusses an den Rand des einen Brockens konnte er die vorhandene Rotation des Felsens nutzen, um ihm auch eine gewisse Fluchtgeschwindigkeit zu geben. Einen weiteren Schub verabreichte er diesem steinernen Monster durch einen umgekehrten Traktorstrahl, den er aus dem unteren Emitter abstrahlte. Der Fels drehte nach rechts aus dem Gesichtsfeld und war nicht mehr gefährlich. Den letzten Rest des ehemals großen Asteroiden behandelte er ähnlich und als die Alexandria die nächste Neigung nach links hinter sich gebracht hatte, war sie auch an dem feinen Staub vorbeigezogen, der von diesem Asteroidenstück übriggeblieben war. „Einer hin, Einer im Sinn!“ witzelte Byrell und machte sich für den nächsten Einsatz bereit. Noch immer war die Situation sehr beklemmend. Auf dem großen Hauptschirm hinterließen die Asteroiden einen furchteinflößenden Eindruck, zumal einige dieser Teile größer waren als die Alexandria selbst. Ran hatte sich aufgrund der Sensorenwerte wieder eine geeignete Taktik ausgewählt, um den letzten großen Felsen aus dem Weg zu räumen. „Wenn ich einen gezielten Treffer in der Mitte plazieren kann, könnten wir Ihn in zwei Hälften sprengen und auseinander drängen. Das sollte ausreichend sein, um durchzukommen.“
Wikland sah auf den Hauptschirm, auf dem der Felsen immer näher kam. Er nahm auf dem Schirm schon mehr als die Hälfte der Fläche ein und wirkte wie eine gewaltige Lawine, die auf einen zu rast. Dieses Mal hatte der Bajoraner eine gänzlich andere Taktik gewählt. Er feuerte mit einem permanenten Phaserstrahl auf die Mitte des Asteroiden und nach drei Sekunden schickte er eine Salve des Pulslasers hinterher. Der Brocken brach in der Mitte auseinander und gab den Weg frei.
„Ran, Achtung!“ rief Maxine Dent, aber auch der taktische Offizier hatte die neue Gefahr bereits erkannt. Direkt hinter den beiden abdriftenden Hälften war ein weiterer Asteroid aufgetaucht, der vorher nicht zu sehen war. Er hatte einen Durchmesser von über 80 Metern und kam nun wie eine Kanonenkugel auf die Alexandria zu. Ran Byrell hatte die Hand schon am Display und drei Photonentorpedos rasten auf die Kugel zu, die nur noch wenige hundert Meter vom Schiff entfernt war. Die Torpedos trafen den Asteroiden genau in der Mitte und zerrissen ihn in viele kleine Teile. Allerdings traf die Wucht der Detonation im gleichen Augenblick auch die Alexandria, denn die Torpedos waren nur unweit des Schiffes explodiert. Die gesamte Brückenbesatzung wurde stark durchgeschüttelt und der medizinische Offizier konnte sich nicht auf seinem Stuhl halten. Er wurde auf den Gang geschleudert und hielt sich am Fuß einer Konsole fest, um nicht noch weiter wegzurutschen. „Ich schätze Ihre Präzision Mr. Ran, aber das nächste Mal würde ich es vorziehen, wenn es etwas weniger lebhaft zuginge.“ bemerkte Wikland und nahm wieder eine etwas entspanntere Position in seinem Sitz ein. „Aye Sir, aber dieser Felsen war anscheinend nicht mit den Sensoren zu erfassen, sonst hätten wir natürlich eine etwas andere Route gewählt.“ erklärte Maxine Dent, von Ihrer Konsole aus, während Sie weiterhin die Multiphasenabtastung des Asteroidenfeldes in Flugrichtung beobachtete. Roger van Dyke stand von seinem Platz auf und kam herüber zur Konsole, an der Lt. Commander Dent die Sensoren auswertete. Er tippte einige Anweisungen in das Bedienerdisplay und über der Konsole wurde eine dreidimensionale Darstellung des Feldes vor der Alexandria erzeugt. Es handelte sich zwar lediglich um die Abbildung der einzelnen Asteroiden, aber dafür waren auch diejenigen erkennbar, die bei direkter Sicht vom Schiff aus durch andere verdeckt wurden. „Dieser Echitron-Scan sollte Ihnen helfen, ein wenig vorausschauender zu planen. Es ist zwar eine ganz alte Technik, aber in solchen Situationen ist sie der hypermodernen Sensorencharakteristik doch überlegen.“ Maxine Dent nickte mit dem Kopf und betrachtete das dreidimensionale Bild. Die Darstellung war in der Tat nicht sehr detailliert, aber man konnte wertvolle Erkenntnisse für die weitere Flugroute daraus gewinnen. Die junge Frau tippte sofort einige Informationen in den Computer, die Lieutenant Ramirez dazu veranlaßten geringe Änderungen an Richtung und Geschwindigkeit vorzunehmen. Die Alexandria hatte bereits mehr als drei Viertel des Asteroidenfeldes durchquert, als sich Jaqueline Jefferson wieder aus dem Maschinenraum meldete. „Captain, ich habe gerade eine Ebene eins Diagnose der Sensorik abgeschlossen. Es liegt definitiv keine Fehlfunktion der internen Sensoren vor. Ich messe noch immer eindeutig eine asynchrone Phasenvarianz innerhalb des Schiffes. Wenn wir keine Anomalie durchquert haben und nicht mit einem hochenergetisch geladenem Felsen kollidiert sind, mache ich mir ehrlich gesagt ernsthafte Sorgen. Diese asynchrone Phasenvarianz war vor kurzem noch unmittelbar in der Nähe von Shuttlehangar 3 zu messen, aber jetzt haben wir sie im oberen Teil des Schiffes zwischen Deck vier und Deck sieben lokalisiert.“
„Ich schicke ein Sicherheitsteam dorthin Commander.“ antwortete Andy Duke, der zweite Offizier und Sicherheitschef, der neben dem Captain saß. Er teilte die Besorgnis von Jefferson, man konnte nie vorsichtig genug sein. Er tippte auf seinen Kommunikator. „Duke an Lieutenant Sinclair, nehmen Sie sich zwei Gruppen und prüfen Sie die Sicherheit zwischen Deck vier und Deck sieben. Wir haben dort ungewöhnliche Sensorabtastungen registriert. Die Koordinaten erhalten Sie von Lt. Commander Jefferson. Teilen Sie in jedes Team einen Wissenschaftsoffizier ein, damit die Interpretation der gescannten Werte zuverlässig erfolgt. Erstatten Sie Bericht, sobald Sie erste Ergebnisse haben. Duke Ende.“ Damit schloß Andy seine Anweisungen an das Sicherheitsteam.
„Halten Sie uns weiter auf dem aktuellen Stand Commander Jefferson. Brücke Ende.“ fügte Wikland an und konzentrierte sich wieder auf den Kurs der Alexandria. Nur noch wenige Asteroiden lagen in Flugrichtung vor Ihnen, so daß der Rest des Weges nicht allzu schwierig werden sollte.Ganze zwanzig Minuten waren vergangen und die Sicherheitsteams hatten sich der Phasenvarianz bis auf wenige Meter genähert. Unter dem Kontrollraum des Computerkerns zwei auf Deck fünf hatte sich die Anomalie nahe der Energieversorgung feststellen lassen. Diesen Bereich konnte man nur durch Jeffriesröhren erreichen, was den Zugang deutlich verlangsamte. Lieutenant Sinclair verfluchte diesen Tag, denn erst gestern hatte er seine Schicht mit Lieutenant Kressman getauscht, der eine Verabredung mit seiner Freundin hatte. Diese hatte durch Umrüstungsarbeiten im Biolabor fünf ganz unerwartet eine Freischicht bekommen. Normalerweise hätte sich Sinclair heute noch im Freizeitbereich herumtreiben, oder eines der Holodecks zur Entspannung nutzen können. Aber nein, er mußte ja den Gentlemen spielen und seinem Freund und Kollegen ein Liebesabenteuer ermöglichen. Mit einer gewissen Portion Neid dachte er an das, was Kressman jetzt wohl mit seiner Freundin anstellte, während er hier auf Knien durch die Jeffriesröhre robbte. Sinclair tippte an seinen Kommunikator und fragte bei Mark Watson nach, der in der gegenüberliegenden Jeffriesröhre unterwegs war. Beide würden sich gleich im Kontrollraum treffen. Bei Watson schien alles in Ordnung zu sein, abgesehen davon, daß der Offizier der Wissenschaftsabteilung, der sich hinter Watson durch die Jeffriesröhre schob, lauthals am lamentieren war. Sinclair grinste vor sich hin. Warum sollte man den Leuten von der Wissenschaftsabteilung nicht auch einmal ein wenig Spaß und Abenteuer gönnen? Die waren doch sonst auch immer neidisch auf die Sicherheitsleute, die oft auf Außenmissionen unterwegs waren und die gelegentlich die Vorteile von reichhaltigen Büfetts genießen konnten, während der Rest der Mannschaft brav an Bord bleiben mußte. Sinclair schüttelte den Kopf, als wolle er die Gedanken vertreiben, um sich wieder auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Langsam schob er sich weiter vorwärts, es waren nur noch wenige Meter bis zur Luke.Die Alexandria hatte gerade das Asteroidenfeld verlassen und folgte den Energiepartikeln der Yokohama mit geringer Impulsgeschwindigkeit. „Captain, die Energiepartikel enden kurz vor uns. Es ist wie eine Sackgasse, die Spur führt einfach nicht weiter. Entweder hat die Yokohama den Antrieb abgeschaltet, oder sie wurde zerstört. Aber für beides gibt es keine schlüssigen Anhaltspunkte.“ erklärte Maxine Dent.
„Keine Kommunikation Captain, es ist nicht einmal ein Subraumkanal geöffnet, in dieser Region wird derzeit nichts genutzt.“ ergänzte Carah Pehl die Ausführungen der Wissenschaftsoffizierin. Wikland befahl einen vollen Stop und die Alexandria kam kurz darauf langsam zum Stillstand. Die Brückencrew atmete auf. Die Anspannung, die durch die hohe Konzentration beim Durchflug des Asteroidenfeldes entstanden war ebbte ab. Der Blick nach vorn zeigte keine Planetensysteme. Nur der in der Ferne leuchtende Wengora Nebel schien das einzig vertraute Stück Himmel zu sein, welches man überhaupt zuordnen konnte. „Gibt es Anzeichen für andere Energieformen in der Umgebung? Machen Sie einen vollständigen Scan. Ich will wissen, was hier passiert ist und das möglichst schnell.“ richtete sich Wikland an Lt. Commander Dent, die sich daraufhin sofort mit der Einstellung der Sensoren beschäftigte.
Die Audioanlage gab einen kurzen Ton von sich und Lieutenant Sinclair vom Sicherheitsteam meldete sich auf der Brücke. „Captain, wir haben die asynchrone Phasenvarianz lokalisiert. Sie befindet sich unter dem Computerkern zwei auf Deck fünf. Wir sind durch die Jeffriesröhren bis an diesen Bereich heran und wollen jetzt die Luken öffnen. Das Strahlungsniveau ist normal, es scheint diesbezüglich keine Gefahr zu bestehen.“ Wikland blickte kurz zu Andy Duke, der mit einer zustimmenden Geste sein Einverständnis signalisierte und auch Roger van Dyke nickte mit dem Kopf. „OK Mr. Sinclair, gehen Sie rein.“ ordnete der Captain an. „Aye Sir.“ erwiderte der junge Lieutenant. Lt. Sinclair öffnete die Luke der Röhre, gleichzeitig mit Mark Watson, der auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes in der Jeffriesröhre lag. Was die beiden sahen, oder besser gesagt nicht sahen war zwar schwer zu beschreiben, aber es gab dafür nur eine Erklärung. Lieutenant Sinclair griff nach seinem Phaser, aktivierte ihn und zielte auf die Stelle im Raum, an der die Luft wie in der Wüste unter großer Hitze flirrte und alles dahinter liegende verschwommen wiedergab. Er feuerte, aber sein Energiestrahl traf nur die Konsole der Energieverteiler. Die Luftirritationen waren verschwunden.„Captain, wir haben ein Problem. Anscheinend ist jemand mit einer Tarnvorrichtung auf unser Schiff gelangt. Wir konnten Ihn leider nicht ausschalten, er hat sich von hier wegtransportiert. Können Sie den neuen Aufenthaltsort lokalisieren?“ meldete Sinclair. Wikland schaute zu Maxine Dent, die sofort die internen Sensoren auf die Phasenvarianz ausrichtete. „Deck sechzehn, Sektion einundzwanzig.“ rief sie dem Captain zu. Andy Duke hatte bereits einen Aufruf an alles verfügbare Sicherheitspersonal in den Zentralcomputer eingegeben. Eine Gruppe von Sicherheitsleuten war aus der auf dem selben Deck befindlichen Sicherheitsabteilung losgerannt um den Eindringling abzufangen. „Captain, ein kleines Schiff löst sich aus dem Asteroidenfeld und beschleunigt schnell. Es kommt auf uns zu.“ berichtete Lt. Commander Dent von Ihrer Station aus. „Wie konnten wir die übersehen. Verdammt, solche Überraschungen liebe ich überhaupt nicht. Schilde hoch, Alarmstufe rot. Berechnen Sie einen Abfangkurs.“ polterte Wikland los und seine Stirn legte sich schlagartig in tiefe Falten. „Captain, ein nicht autorisierter Transport durch den Spezialtransporter wird von Deck sechzehn gemeldet.“ sagte van Dyke, der die Kontrollen an seinem Platz ablas. In diesem Moment schoß ein kleines Schiff an der Alexandria vorbei und verschwand mit einem kleinen Blitz im Warptransfer.„Folgen Sie der Warpsignatur dieses Shuttles, das ist zunächst unser bester Anhaltspunkt. Irgendwie habe ich den Verdacht, daß die uns ein paar Fragen beantworten können. Maximum Warp.“ Damit drehte sich Wikland um und verließ die Brücke in Richtung Bereitschaftsraum. „Rufen Sie mich, wenn sich etwas Neues ergibt.“ sagte er im Vorbeigehen zu van Dyke und kurz darauf schloß sich die Tür hinter Wikland. Die Alexandria zog einen leichten Bogen nach links und beschleunigte auf Warp. Aber selbst mit maximaler Geschwindigkeit vermochte sie nicht, den Abstand zu dem kleinen Schiff deutlich zu verkürzen. So hetzte das Föderationsschiff mit aller Kraft dem unbekannten Schiff hinterher, in der Hoffnung, Antworten auf die vielen Fragen zu erhalten, die sich in den letzten Stunden ergeben hatten. Wikland saß in seinem Bereitschaftsraum und nahm einen großen Schluck von dem Softdrink, den er sich soeben repliziert hatte. Er fragte sich ob er nicht doch besser das Kommando im Asteroidenfeld hätte übernehmen sollen, schüttelte aber diesen Gedanken schnell wieder ab. Diesen Eindringling, der mittels einer Tarnvorrichtung das Schiff betreten hatte, hätte man auf diese Weise auch nicht eher identifiziert, soviel war klar. Bei diesem Gedanken flammte eine Frage in seinem Kopf auf, die er nicht verdrängen konnte. Der Captain tastete nach seinem Kommunikator und tippte ihn an.„Wikland an Commander Jefferson....“ Der Bestätigungston wurde gefolgt von der schläfrigen Stimme von Jaqueline Jefferson, die anscheinend schon zu Bett gegangen war. Ein Blick auf das Display verriet Wikland, daß er hier schon seit mehr als drei Stunden gesessen und gegrübelt hatte. „Jefferson hier, was liegt an Captain?“ Wikland versuchte trotz seiner drängenden Frage zunächst ein wenig Freundlichkeit zu verbreiten. „Es tut mir leid Commander, wenn ich Sie in ihrer wohlverdienten Ruhe störe, aber wieso hat eigentlich der Eindringlingstransporter diesen ungebetenen Gast nicht lokalisiert und wie gewohnt in die Arrestzelle gebeamt?“ J.J. hatte sich inzwischen ein wenig aufgerappelt und sich im Bett aufgesetzt. Mit einer eleganten Bewegung schob sie den Träger ihres Schlafgewandes wieder auf die Schulter, so daß ihr Dekolleté wieder von dem dünnen Stoff verhüllt wurde. Es war zwar nur eine akustische Verbindung, aber es war der natürliche Reflex der Frauen, die sie derartige Handgriffe bei der freizügigen Mode immer wieder ganz automatisch durchführen ließ. „Nun Captain, dafür gibt es zwei gute Gründe. Erstens, konnte unser interner Scanner durch die Asynchrone Phasenvarianz den Eindringling selbst nicht als Person erkennen und zweitens war er durch das Kraftfeld vor unserer Transportertechnologie geschützt. Sie wissen doch, daß der Transporter nur mit Phasenparallelen Materiepartikeln arbeiten kann. Wird ein Objekt aus der Phase verschoben, entspricht es nicht mehr unserer Definition von Materie oder Energie. Es kann Schilde, Wände oder jegliche Materie durchdringen ohne Spuren zu hinterlassen. Es wird durch nichts behindert.“ Wikland rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her und trommelte mit seinen Fingern auf seinem Schreibtisch herum. „Wenn das so ist, dann können wir nicht sicher sein, ob er nicht irgendwelche Systeme beeinflußt hat nicht wahr?“ Jaqueline Jefferson ließ ihren Kopf sinken und ihre langen aschblonden Haare fielen nach vorne. „Mit allem nötigen Respekt Captain, wir haben selbstverständlich alle Systeme überprüft und entsprechende Diagnosen gefahren. Es ist alles in bester Ordnung, und die Orte an denen die Phasenvarianz aufgetreten ist, haben wir sogar durch ein Technikerteam auf eventuelle Beschädigungen oder Manipulationen checken lassen. Es ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen.“ Wikland ließ sich in seinen Stuhl zurücksinken. „Warum habe ich dann nur so ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend?“ J.J. wußte darauf auch keine Antwort. Ihr war natürlich klar, daß dies eher eine rhetorische Frage war. Dennoch versuchte Sie darauf zu reagieren. „Vielleicht ist die Anspannung der letzten Stunden daran schuld. Der Flug durch das Asteroidenfeld war schließlich kein Spaziergang und auch die Tatsache, daß unser Sicherheitssystem das Eindringen eines Fremden nicht verhindern konnte, ist nicht gerade Balsam für die Nerven.“ Wikland ließ seine rechte Hand sinken, mit der er sich gerade durch die Haare gefahren war. Mit einem etwas entspannteren Ton sagte er, „Womöglich haben Sie recht Commander, das war ein anstrengender Tag und ich möchte Sie jetzt auch nicht länger von Ihrer Nachtruhe abhalten. Wir können uns morgen noch mal über dieses Thema Gedanken machen, gute Nacht. Wikland Ende.“ Damit beendete er die Kommunikation und nahm sich die Berichte der Hauptabteilungen vor, die im Laufe des Tages alle auf seinem Schreibtisch eingegangen waren.
|