Keine zwei Stunden später hatten sich die drei Führungsoffiziere in Wiklands Raum versammelt. Roger van Dyke hatte einige Padds dabei. J.J. war die Nervosität deutlich anzumerken, denn für Sie gab es im Moment dringendere Probleme, als in einem Meeting über zurückliegende Ereignisse zu diskutieren. Andy Duke, der von seinem langen Dienst auf der Brücke schon ziemlich ermüdet war, hatte einen sehnsüchtigen Blick auf die Sitzecke geworfen, auf der er sich jetzt am liebsten hingelegt hätte. Jaqueline Jefferson fingerte ständig an dem Padd herum, welches die Aufstellung der Schäden enthielt, während Roger noch immer entschlußlos mitten im Raum stand und nicht wusste, ob er nun zu früh oder zu spät war. Die Türhälften glitten auseinander und Wikland betrat den Bereitschaftsraum. „Bitte entschuldigen Sie, ich hatte noch einige Dinge mit den Diplomaten auf unserem Schiff zu besprechen. Sie waren durch die zurückliegenden Ereignisse sehr beunruhigt.“ Obwohl alle wußten, daß damit nur eine Person gemeint sein konnte, sagte keiner etwas dazu. Wikland blickte seine Führungsoffiziere mit kritischem Blick an und umrundete seinen Schreibtisch, während die Offiziere nähertraten und Haltung annahmen. Zufrieden nahm der Captain dieses Zeichen der Disziplin zur Kenntnis und nahm in seinem Sessel Platz. „Meine Dame, meine Herren, ich erwarte selbstverständlich Ihre vollständigen und ausführlichen Berichte über die zurückliegenden Stunden. Aber angesichts der Tatsache, daß wir umgehend zur Erde zurückkehren müssen und sicherlich noch viel zu erledigen ist, sollten Sie es bei einer kurzen Information belassen. Den Rest lese ich dann als Nachtlektüre.“ Ein Blitzen in seinen Augen verriet den Anwesenden, daß diese letzte Bemerkung wohl der einzige Scherz in diesem Gespräch bleiben sollte. Damit sich die anderen Offiziere noch ein wenig entspannen konnten, entschloß sich Roger van Dyke mit seinem Bericht zu beginnen.
„Captain, die drei Teams die wir ausgesandt hatten, um die verschiedenen Aufgaben auf der Station zu erfüllen, haben allesamt Ihre Missionsziele erreicht. Das Team von Mr. Duke konnte die Gefangene Crew lokalisieren und in einem kurzen aber entschlossenen Kampf befreien. Dabei haben sich einige neue Informationen ergeben, die zu einer Ausweitung der ursprünglichen Planung geführt haben. Wie von einem der Gefangenen zu erfahren war, befanden sich auch noch zahlreiche bajoranische Personen an Bord der Station, die ebenfalls befreit wurden.“ Wikland setzte eine finstere Mine auf. „Ja Commander ich weiß. Das hat uns zwei schwer Verletzte eingebracht, die noch immer auf der Krankenstation liegen. Sie wissen, daß ich solche Extratouren nicht dulde.“ Sofort meldete sich Andy Duke zu Wort. „Das war meine Entscheidung Captain. Als Truppführer entschied ich, aufgrund der guten Kenntnisse von Lt. Ran Byrell, auch diese Leute zu retten, obwohl unser Zeitplan dafür eigentlich zu knapp war.“ Wikland blickte den zweiten Offizier an. „Sie hatten klare Befehle Lieutenant, es war eine minutiös geplante Angelegenheit. Was wäre gewesen, wenn plötzlich Verstärkung auf der Promenade eingetroffen wäre? Captain Griendling hätte mit den paar Handfeuerwaffen nicht den Hauch einer Chance gehabt. Außerdem habe ich Sie nicht nach Ihrer Meinung gefragt. Weiter Nummer Eins, ich höre...“ Roger mußte erst einmal schlucken. Das hatte er nicht erwartet. „Es konnten also wie gesagt alle Personen, deren Anwesenheit auf der Station unfreiwillig war, zur Alexandria gebeamt werden. Wie Sie schon sagten ist es dabei auch zu Verletzten in unseren Reihen gekommen, aber wir haben keine Verluste zu verzeichnen. Das Team zwei hatte die Aufgabe die technischen Bauteile der Föderation zu finden und so zu markieren, daß wir sie wieder an Bord unserer Schiffe beamen konnten. Lt. Commander Jefferson hat mit Ihrer Crew eine gute Arbeit geleistet, wir konnten sechsundneunzig Prozent der ausgebauten Teile und Föderationsgeräte wieder zurückholen. Der Rest war wohl in verschiedenen anderen Räumen untergebracht, die vom Team nicht zu erreichen waren.“ Wikland nickte bedeutungsvoll, „Zudem konnten wir über neunzig Gigaquadt an cardassianischen Informationen kopieren und alle Föderationsdaten im cardassianischen Computersystem unbrauchbar machen. Aber dieses Problem hat sich ja mittlerweile auch anderweitig erledigt.“ Damit spielte Roger van Dyke auf den aktuellen Zustand der Station an, die nun nahezu zerstört und leicht trudelnd, verlassen an der Stelle im Raum hing, die sie selbst erst vor wenigen Stunden hinter sich gelassen hatten. „Letztendlich bleibt noch die von mir geleitete Mission. Wir konnten den Hauptreaktorraum wie geplant erreichen. Leider sind auch wir auf einige Probleme gestoßen, die unseren geplanten Zeitrahmen deutlich verlängert haben. Aber wir konnten die Energieversorgung lahmlegen, so daß die Station auch unseren Runabouts beim Angriff kaum Gegenwehr entgegensetzen konnte.“
Wikland beugte sich vor und blickte nacheinander alle drei Offiziere an. Er hatte wohlwissend genau diese drei zu sich bestellt, da sie die Führungsoffiziere der Missionen gewesen waren. „Ob nun erfolgreich oder nicht, ob nun mit Glück oder mit Taktik. Fakt ist, daß Sie alle drei sich mit Ihren Teams nicht an die Anweisungen gehalten haben. Es gab eine klare Zeitvorgabe und hätten Sie diese alle eingehalten, dann wäre uns dieser ganze Ärger hier erspart geblieben und damit meine ich auch die nun noch folgenden Ausführungen von Commander Jefferson.“
Wiklands Stimme sackte in einen sonoren tiefen Ton ab, der etwas Bedrohliches an sich hatte und unverkennbar seine Unzufriedenheit verriet. „Wir hätten vielleicht etwas weniger technische Gegenstände gerettet, aber wir wären verdammt noch mal nicht in diese Falle geraten, aus der wir uns letztendlich nur mit Mühe hätten befreien können, wären da nicht die Atlantis und die Klingonen aufgetaucht.“ Damit hatte Wikland natürlich unumstritten Recht. Das einzige und letzte Mittel, um dieser Situation zu entkommen, wäre der Einsatz der Subraumtorpedos gewesen, einer bislang nur unzureichend getesteten Waffe, die Wikland nur ungern in der Nähe seines Schiffes einsetzte. Hatte er doch beim letzten Versuch die Alexandria schwer beschädigt und nur mit viel Glück einen Aufenthalt in einem Raumdock vermeiden können. „Nun Lt. Commander lassen Sie schon hören, was alles in Ihrem Schadensbericht steht.“ fuhr Wikland fort. Jaqueline Jefferson räusperte sich kurz und fing an, Seite für Seite auf Ihrem Padd durchzublättern und in Stichpunkten zu beschreiben, welche Schäden entstanden waren. Es waren eine Unmenge von Haupt-und Sub-Systemen betroffen, deren Instandsetzung bereits eingeleitet war, aber bestimmt noch einige Tage in Anspruch nehmen würde. Viel mehr machte sich J.J. Sorgen um die Hauptprobleme, die noch immer ungelöst waren. „...da wäre dann noch die U.S.S. NORTHLANDER, die im Einsatz stark beschädigt wurde. Sie ist neben den fünf unserer Shuttles und dem einen verlorenen Shuttle der YOKOHAMA am schwersten getroffen worden. Ich schätze es lohnt sich nicht mehr sie wieder aufzubauen, Captain.“ Wikland schüttelte leicht den Kopf. „Ist es möglich sie wieder herzurichten?“ wollte er wissen. „Ja Captain, aber es wird....“ Wikland fuhr der Chefingenieurin unwirsch ins Wort. „Dann tun Sie es! Weiter, was ist noch alles auf der Liste?“
J.J. war richtiggehend zusammengezuckt, als der Captain sie so unsanft unterbrochen hatte. „Wir haben zwei Generatoren der Traktoremitter verloren, die wir nur in einer Sternenbasis oder im Trockendock ersetzen können und die Außenhülle auf dem Diskussegment ist Im Bereich der Brücke stark beschädigt. Es gibt zahlreiche Mirkrofrakturen, wir haben sie mit Kraftfeldern verschlossen und die strukturelle Integrität mit einem zusätzlichen Energiepotenzial versorgt. Ich schätze es wird halten. Durch die Kämpfe haben wir zahlreiche Verletzte, insgesamt 134 Personen werden derzeit in der Krankenstation versorgt und wir haben...“ J.J. stoppte mitten im Satz. „...haben was Lt. Commander?“ fragte der Captain. „...wir haben den Verlust einer Person zu beklagen, sie befand sich in dem Quartier, welches durch die Explosion des Generators zerstört worden war.“ J.J. reichte ein Padd über den Tisch, das die persönlichen Daten der Person enthielt. Der Captain schlug die Augen nieder, als er die Information las, ausgerechnet eine Zivilistin. Eine von den Personen, die am wenigsten für die Auseinandersetzung konnte, die sich in Vertrauen auf eine sichere Reise auf diesem Schiff befanden. Natürlich war man auf einem Raumschiff nie so hundertprozentig sicher, aber als Zivilist hatte man nicht direkt die Tatsache akzeptiert, im Zuge eines Gefechts durch den Gegner oder die Folgen des Kampfes zu sterben. Daher schmerzte dieser Verlust um so mehr. Wiklands Gesichtsausdruck ließ die Offiziere ahnen, wie er die Informationen aufgenommen hatte, die ihm gerade vorgetragen wurden. Er ließ keinen Zweifel daran, daß die selbstständige Abänderung der vorher festgelegten Missionsparameter sein persönliches Mißfallen ausgelöst hatte. „Gut, wenn das alles war, dann lassen Sie mir Ihre Berichte hier, ich sehe sie mir später an. Nummer Eins, bereiten Sie alles für einen Empfang im Lookout vor. Wählen Sie ein paar Offiziere aus, die Ihnen dabei zur Hand gehen können. Ich habe die Crew der Yokohama eingeladen und auch unserer Mannschaft wird es gut tun einmal dem Streß entfliehen zu können, auch wenn die Instandsetzungsarbeiten wieder zahlreiche Zusatzschichten bedeuten. Das war alles, Sie können wegtreten.“ Die Offiziere nickten kurz, drehten sich um und gingen zur Tür. Dennoch wollte der Captain die Situation ein wenig entspannen, „Nicht daß Sie meinen ich billige Ihre Vorgehensweise...“ Wikland machte eine bedeutungsvolle Pause „... aber ich hätte an Ihrer Stelle auf der Station wahrscheinlich genauso gehandelt. Und jetzt gehen Sie wieder auf Ihre Stationen.“ sagte er und unterstrich seine Worte mit einer Geste seiner rechten Hand.
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Roger van Dyke eilte durch den Flur auf Deck sieben. Der Captain hatte ihn erneut zu einer internen Besprechung in sein Quartier bestellt. Roger war schon fast klar worum es gehen würde, denn weder die einzelnen Außenmissionen, noch der Kampf waren so verlaufen, wie es geplant war und wie es der Captain von einer professionellen Crew hätte erwarten dürfen. Die wenigen Meter zwischen seinem eigenen und dem Quartier des Captains hatte er in wenigen Sekunden zurückgelegt und stand nun vor der Türe zu Wiklands Raum. Der Türsensor ließ das gewohnte Signal ertönen, daß eine Person Einlaß begehrte und Wikland quittierte es mit einem kräftigen „Herein!“. Die Türen öffneten sich und Roger van Dyke trat ein. „Guten Abend Nummer Eins, nehmen Sie Platz.“ sagte Wikland und wies auf seine Sitzecke. Der erste Offizier setzte sich in den Sessel gegenüber der Fenster und wartete, bis sich der Captain auf dem Sofa niedergelassen hatte. „Nun Captain, Sie haben es dringend gemacht. Hier bin ich, was gibt es?“ fragte van Dyke, in der Erwartung, nun den vollen Zorn des Captains über die mehr oder weniger mißlungenen Aktivitäten zu ernten. Wikland zögerte eine ganze Weile und nahm zunächst einen kräftigen Zug aus dem Glas mit seinem Lieblings-Erfrischungsgetränk, bevor er begann. Unendlich langsam setzte er das Glas wieder auf den Tisch und ließ sich in das Sofa zurücksinken. „Nummer Eins, Ich habe mir Ihren ausführlichen Bericht zu Gemüte geführt und es sind für mich immer noch einige Fragen offen. Sie haben in den letzten Wochen viele Male in Ihre Trickkiste gegriffen und mir ist aufgefallen, daß die wenigsten dieser Sachen in den taktischen Büchern der Sternenflotte genannt sind...“ Das war es also. Er hatte es wieder einmal übertrieben mit seinen Fähigkeiten und den besonderen Problemlösungen. Nun, der Captain hatte Recht, wenn er sich diesbezüglich ärgerte. Immerhin hatte er ihm ja schon zu Beginn seiner Dienstzeit auf der Alexandriazu verstehen gegeben, daß er derlei Scherze nicht mochte. „Captain, ich verstehe Ihre Verärgerung. Die Missionen hätten besser laufen müssen, dann hätte die Zeit gereicht für...“ versuchte Roger van Dyke einen Vorstoß. „Nichts verstehen Sie!“ fuhr ihm Wikland in barschem Ton dazwischen. „Es geht nicht um die Missionen und wie sie abgelaufen sind. Sie haben Ihr Ziel erreicht, daß alleine zählt. Das Risiko war uns bewußt. Und nichts ist bis ins letzte Detail planbar. Man muß sich an der Situation orientieren und das haben alle Teams hervorragend gemacht.“ Wikland nahm erneut sein Glas auf und genehmigte sich einen weiteren Schluck. „Hier geht es um etwas ganz anderes. Ich habe mein Schiff, meine Crew und das Leben von vielen Menschen einem Mann anvertraut, von dem ich nicht mehr weiß, als seinen Namen, seinen Rang und einen zu neunzig Prozent erfundenen Lebenslauf. Ich habe Ihnen schon bei Ihrem Dienstantritt gesagt, daß ich Geheimnisse nicht schätze. Manchmal sind sie notwendig, aber nicht hier, nicht unter meinem Kommando und nicht auf meinem Schiff. Ich möchte die Wahrheit hören Commander und zwar jetzt sofort. Auf der Stelle!“ Wiklands Stimme hatte einen vorwurfsvollen und bestimmenden Tonfall angenommen. Roger war überrascht. Mit diesem Thema hatte er zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht gerechnet. Er konnte sich gar nicht vorstellen, wie der Captain darauf gekommen war. Wikland griff neben sich und warf drei Padds auf den Tisch, die die persönlichen Daten von Roger van Dyke enthielten. „Hier, lesen Sie Commander. Sieht richtig gut aus. Ich muß sagen, es hat mich sehr beeindruckt. Ein gradliniger Offizier, bescheiden, hat viele Belobigungen erhalten, diese aber nie raushängen lassen. Unauffällig und trotzdem erfolgreich. Alles paßt zu einer hervorragenden Karriere. Bis auf diesen tragischen Unfall, den Sie damals hatten. Es ist schon erstaunlich, daß unsere Ärzte, die in der Lage sind Menschen mit Kortikalstimulatoren dem Tode zu entreißen, es nicht schaffen jemanden aus dem Koma zu holen.“ Der fordernde Ton von Wikland ließ Roger van Dyke ahnen wohin dies alles führen sollte. Aber er konnte und wollte es nicht zulassen.
„Und was soll das heißen Captain?“ fragte Roger mit bewußt gespielter Unschuld. Wiklands Faust schlug hart auf den Glastisch auf, so daß die Gläser fast umfielen. „Ich will verdammt noch mal wissen, was damals passiert ist und nicht diesen Schwachsinn hier lesen. Den können Sie einem Frischling unterschieben, aber nicht mir. Sie nehmen doch nicht im Ernst an, daß ich all das glaube, was dort geschrieben steht?“ Roger van Dyke zuckte mit den Schultern. „Es ist der offizielle Bericht des medizinischen Stabes von Doktor Walter Bennings. Er ist verifiziert und beruht auf den Tatsachen.“ erwiderte Roger mit gelassener Mine. „Ach Ja? Dr. Walter Bennings ja? Etwa der Dr. Walter Bennings, der zur selben Zeit mehrere Männer nach einem Unfall auf dem Mars intensiv betreut hat? Jetzt ist es aber genug...“ brauste Wikland auf. „...Sie wissen genauso gut wie ich, daß es sich dabei um eine Fälschung handelt. Soll ich Ihnen etwa die Beweise auf den Tisch legen, daß direkt nach Ihrem tragischen Unfall ein Geheimprojekt von der Sternenflotte gestartet wurde? Ich erwarte von Ihnen, daß Sie mir Aufschluß über Ihre Teilnahme daran geben. Das ist mein Recht als Captain!“ hielt Wikland seinem ersten Offizier vor. Je mehr sich Wikland über diese unliebsame Sache erregte, um so ruhiger wurde van Dyke. Er war darauf trainiert, Fragen, die diesen Teil seines Lebens betrafen, abzublocken. „Tut mir leid Captain, das kann ich nicht. Bei allem Respekt, und jetzt sage ich schon mehr als ich darf, diese Information unterliegt strengster Geheimhaltung. Die von höchster Stelle der Sternenflotte verhängten Schweigepflichten sind Teil des Treueides und der Dienstanweisung. Ein Verstoß, auch im Rahmen einer privaten Unterhaltung, hätte weitreichende Folgen, das wissen Sie als Captain genausogut wie ich.“ Wikland sprang auf. Die Unzufriedenheit hielt ihn nicht mehr auf dem Sofa. „Quatsch, Geheimhaltung. Hier geht es um Vertrauen. Vertrauen zwischen Ihnen und mir. Ich will mir sicher sein, wem ich mein Leben in die Hände gebe, wenn es hart auf hart kommt. Also raus mit der Sprache...“ Roger erhob sich ebenfalls aus seinem Sessel und trat vor die Fenster. „Gut Captain, dann erzählen Sie mir doch einmal ein wenig über die Sicherheitseinrichtungen im Sternenflotten-Hauptquartier und die verschiedenen Kommandoanweisungen zur Omega Direktive, oder der Sicherheitsabteilung von Starfleet. Sie haben doch dort Ihre Laufbahn begonnen, nicht wahr?“ Wikland fuhr herum, „Sie wissen genau, daß das nicht geht, da gibt es klare...“ Der Captain stoppte mitten im Satz. Erst jetzt war ihm klar geworden, daß für van Dyke das Gleiche galt, wie für ihn als Captain. Es gab Informationen und Projekte, die geheimgehalten werden mußten. Die Omega Direktive war eine der hochrangigsten Anweisungen, die nur den Captains der Sternenflotte und der Admiralität bekannt und zugänglich war. Allein die Tatsache, daß Roger van Dyke davon Kenntnis hatte gab ihm zu denken. „Captain, ich habe es zu Beginn meines Dienstes gesagt und ich wiederhole es auch heute. Meine volle Loyalität gehört dem Schiff, auf dem ich diene, der Crew und meinem Captain. Seien Sie versichert, daß ich mein Wissen nur zum Wohle dieses Schiffes einsetzen werde. Vielleicht werden Sie eines Tages die Hintergründe erfahren, aber bis dahin müssen Sie sich damit zufriedengeben, daß Sie zwar den Nutzen haben, aber nicht das Wissen. Und glauben Sie mir, es ist kein Spaß, dieses Wissen zu besitzen und es nicht teilen zu können.“ Wikland hatte sich wieder ein wenig beruhigt. Ihm war deutlich geworden, daß sie alle den Regeln der Sternenflotte unterlagen. Sein Atem ging wieder gleichmäßiger und in einem ruhigen, fast väterlichem Ton sagte er zu Roger van Dyke, „Ich kann es nun mal nicht ertragen, wenn hinter meinem Rücken Geheimnisse gehütet werden und ich dastehe wie ein Idiot. Zudem haben die Ereignisse der letzten Tage deutlich an meinem Sicherheitsgefühl gekratzt.“ Roger van Dyke nickte verständnisvoll. „Das verstehe ich Captain. Das geht uns allen so. Ich bin auch der Ansicht, wir sollten unsere Sicherheitsbestimmungen wieder verschärfen, auch wenn ich weiterhin die Notwendigkeit eines militärischen Stils ablehne.“ Ein Lächeln zeigte sich auf Wiklands Gesicht. „Gut Nummer Eins, dann lassen Sie es uns angehen, wir sehen uns nachher auf dem Empfang.“ Dies bedeutete, daß die Unterhaltung beendet war. Roger drehte sich um und ging zur Tür. Als sich die Türhälften öffneten sagte Wikland: „Ach Commander, nicht daß ich es vergesse...“ Roger stoppte und drehte sich um, „...das war gute Arbeit, auch wenn wir ein paar blaue Flecke abbekommen haben.“ Roger lächelte. „Danke Captain!“ Nach diesen Worten trat er in den Flur hinaus und die Türe schloß sich hinter ihm.
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Das Lookout war bereits überfüllt mit Gästen beider Schiffe, als Roger van Dyke durch die Türen trat. Jaqueline Jefferson, die sich an der Theke gerade einen Longdrink abgeholt hatte, bahnte sich einen Weg durch die vielen Leute und winkte dem Commander zu. Roger sah vor lauter Personen gar nicht die halbrunde Sitzecke, in der sich die Senioroffiziere der Alexandria immer niederzulassen pflegten. Überhaupt fiel ihm auf, daß er auf dieser Reise nur wenige Male im Lookout gewesen war, im Gegensatz zu seinem ersten Einsatz auf dem Schiff. Mit Mühe hatte Roger sich ebenfalls zunächst an die Bar und dann zur Sitzecke durchgezwängt. Obwohl die Ingenieure derzeit alle Hände voll zu tun hatten und die Delta Schicht die Schiffsführung übernommen hatte, waren viele Offiziere der Alexandriagekommen und nahezu die gesamte Crew der Yokohama, abgesehen, von den wenigen, die sich noch immer in der Krankenstation von den Strapazen der Gefangenschaft erholten. Endlich war Roger van Dyke zum Tisch der Offiziere vorgedrungen und blickte auf eine vollbesetzte Sitzecke. „Haben Sie noch ein Eckchen für mich?“ fragte er höflich und setzte sein Glas auf dem Tisch ab. Jaqueline Jefferson, Jadzia Lansu, Corbal Mor und Andy Duke saßen gemeinsam mit Sermin und dem ersten Offizier der Yokohama Emanuel Rodriguez auf dem Sitzelement, während sich Peter Masters, ein alter Bekannter von J.J., und der Benzite Karlak auf den beiden Sesseln am Tisch niedergelassen hatten. Roger wurde von allen freundlich begrüßt. Alle rückten ein wenig zusammen und so konnte sich der erste Offizier auf die Kante setzen. Zwar nicht bequem, aber es reichte. „Schön, daß Sie sich zu uns gesellen Commander.“ rief Rodriguez in das Gewirr von Stimmen und der einsetzenden Musik zu van Dyke hinüber und hob sein Glas. „Auf das Wohl der Alexandria Crew, die uns aus unserer mißlichen Lage befreit hat.“ Damit hielt er sein Glas über den Tisch und die anderen Offiziere prosteten ihm zu. Kaum hatten die Offiziere Ihre Gläser abgesetzt, senkte sich die Lautstärke des Stimmengewirrs und die Musik, die eben gerade eingesetzt hatte, verstummte. Der Grund hierfür war auch leicht erkennbar. Captain Wikland hatte das Lookout betreten und trug eine Holzkiste, die sicherlich ein etwas höheres Gewicht aufwies, denn die angespannten Muskeln seiner Oberarme waren durch die Uniform sehr gut zu erkennen. Mit einem geschickten Schwung wuchtete Wikland die Kiste auf den Tresen. Die Besucher waren alle ein wenig zurückgetreten und zusammengerückt, damit der Captain ein wenig Raum hatte. Mit Spannung erwartete man nun seine Ansprache und vor allem die Auflösung der Frage, was es mit der Kiste auf sich hatte, wobei einige Mannschaftsmitglieder der Alexandria bereits einen gewissen Verdacht hegten. Der Captain hatte wieder einmal seinen Blick im Laderaum 27 schweifen lassen, in dem er die konfiszierten Gegenstände aufbewahrte, die bei einigen gewitzten Crewmitgliedern vorsorglich sichergestellt worden waren, um Problemen vorzubeugen. Aber Wikland gelang es auch diesmal wieder die Anwesenden zu verblüffen. „Werte Gäste, liebe Crewmitglieder. Normalerweise besteht kein Grund zum Feiern, denn in den zurückliegenden Tagen und Stunden haben sich viele von uns in einer Situation wiedergefunden, die wenig erbaulich war. Das reicht von der Gefangennahme über Zwangsarbeit und hinterhältige Angriffe, bis hin zu lebensgefährlichen Außenmissionen und dem Risiko verletzt oder getötet zu werden. Leider hat sich dieses Schicksal auf unserem Schiff im Laufe der Mission für eine Person erfüllt, was mich ziemlich traurig stimmt. Allerdings muß unser Blick auch nach vorne gerichtet bleiben und man sollte die Strapazen der zurückliegenden schweren Zeit wenigstens für ein paar Stunden vergessen können. Deshalb habe ich diesen Empfang hier organisieren lassen, auch um meinem Kollegen, Captain Ed Griendling, sein Schiff, die U.S.S. Yokohama wieder übergeben zu können. Damit das Ganze nicht so trocken wird habe ich hier eine Kiste mit romulanischem Ale, keine Ahnung wo sie her ist, sie stand im Laderaum 27 in einer Ecke. Damit Sie sich hier nicht gegenseitig auf die Füße treten, haben wir zusätzlich im Holodeck acht die Simulation eines Billardclubs und auf Holodeck elf die eines Tanzcafes aktiviert. Keine Sorge, die Getränke und das Buffet sind auch in diesen Räumen echt. Das Lookout ist leider ein wenig beengt für eine Feier dieser Größe. Auch in den Holodecks steht jeweils eine solche Kiste. Also genießen Sie den Abend und seien Sie vorsichtig mit dem Ale, es ist wirklich sehr intensiv.“ Mit diesen Worten eröffnete der Captain offiziell die Party. Mit wenigen Schritten war er in der Menge verschwunden, die sich nun schnell auflöste. Je nach Vorliebe verteilten sich die Anwesenden auf die Holodecks oder verblieben im Lookout. Schon nach wenigen Minuten war die Bar wieder soweit geleert, daß man sich angenehm unterhalten konnte. „Commander, das waren beeindruckende Manöver, die Sie da während dem Kampf geflogen sind. Sowas lernt man nicht auf der Akademie. Wie sind Sie denn auf diese ausgefallenen Techniken gekommen?“ fragte der erste Offizier der YOKOHAMA. Roger lächelte kurz. „Nun Commander Rodriguez, das ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Dazu müssen Sie erst einmal wissen, daß unser Captain überhaupt nicht viel von solchen Scherzen hält. Er ist ein Militärstratege der alten Schule und bevorzugt ein gradliniges Vorgehen. Bedauerlicherweise sind die Gegner dieser Zeit weitaus flexibler und gewitzter, als es zur Zeit unserer Väter war. Ich bin, sagen wir mal, ein kreativer Mensch. Ich denke voraus, versetze mich in die Lage meiner Gegner und versuche auch deren nächsten und übernächsten Schritt vorauszusehen. Es ist so ein bißchen wie beim Schachspielen. Im Prinzip haben wir alle die gleichen Waffen und Technik, es kommt nur darauf an, wie man sie einsetzt. Zudem bin ich davon ausgegangen, daß wenn die Cardassianer ein Föderationsschiff übernommen haben, sie auch die taktischen Datenbanken eingesehen haben. Dann kennen Sie alle möglichen Ausweichmanöver und können sich rechtzeitig darauf einstellen oder uns an unseren Schwachpunkten angreifen. Diesen Nachteil kann man nur vermeiden, wenn man Taktiken anwendet, die der Gegenüber nicht in den vorhandenen Informationen findet.“
Rodriguez lehnte sich zurück. „Verstehe. Aber was mir immer noch ein Rätsel ist, wie sind Sie denn auf die Yokohama gekommen, die hatten doch bestimmt die Schilde oben und haben Sie bestimmt nicht freiwillig willkommengeheißen?“ J.J. lachte laut auf. „Nein Commander, daß wäre ihnen im Tiefschlaf sicher schwer gefallen. Unsere werte Nummer eins hier, hat einen ziemlich alten Hasen aus dem Hut gezaubert, an den seit Menschengedenken keiner mehr gedacht hat. Er hat alles mit der Fernsteuerung gemacht.“ Rodriguez war nun noch mehr verwirrt als vorher, erst als Jaqueline Jefferson anfing die ganze Geschichte zu erzählen, wechselte sein skeptischer Blick zu einem breiten Grinsen.
Nachdem sich Captain Wikland den Teller an dem reichhaltigen Buffet gefüllt hatte nahm er an dem kleinen Tisch Platz, an den sich sein Kollege, der Captain der U.S.S. Yokohama gesetzt hatte. „Hallo Captain Wikland, das waren wirklich passende Worte, die Sie vorhin gefunden haben.“ begrüßte Ihn Ed Griendling am Tisch. „Nun, ich wünschte der Anlaß wäre ein schönerer gewesen. Die ganze Party hier ist für mich mehr ein Motivationszwang als eine entspannende Feier.“ Griendling nickte zustimmend. „Ich verstehe Sie nur zu gut Captain. Auch ich mache mir große Sorgen.“ Wikland, der mit der Gabel wahllos auf dem Teller herumstocherte, suchte nach den richtigen Worten. Nachdem er sich endlich für einen der Happen entschieden, ihn aufgespießt und zum Mund geführt hatte, fiel ihm wohl die passende Formulierung ein und er ließ die Gabel wieder sinken. „Es ist nicht so, daß wir nicht schon mal eine Party geschmissen hätten, wie man so schön sagt, aber da war die Krise bereits überstanden. Der Sieg errungen und man konnte beruhigt in die Zukunft blicken. Aber jetzt...“
Wikland machte einen erneuten Anlauf und schaffte es diesmal wenigstens, diesen einen Happen zu essen, bevor er seine Ausführungen fortsetzte. „... Jetzt weiß ich nicht einmal mehr, wem ich noch vertrauen kann. Wie können die Cardassianer es schaffen, ganze Schiffe zu kapern, die Technik zu stehlen und es nach einfachen Verlusten aussehen zu lassen. Selbst die dümmste Flottenführung muß doch irgendwann einmal hinter dieses abgekartete Spiel kommen. Ich kann einfach nicht verstehen, wie das alles funktionieren soll.“ Ed Griendling legte seine Gabel nieder. „Sind Sie denn so sehr davon überzeugt, daß es in der Föderation wirklich Helfershelfer gibt, die diese ganze Sache unterstützen?“ Der Captain der Alexandria setzte ein mißmutiges Gesicht auf. „Das muß ich wohl. Das alles war doch generalstabsmäßig geplant. Als man uns angegriffen hat, wußte man genau, wann wir an welchem Punkt anzutreffen waren. Man hatte detaillierte Informationen zu neuester Technik, die nur in diesem Schiff zur Anwendung kommt und kannte anscheinend auch noch unseren Dienstplan. Zu viele Zufälle, wenn Sie mich fragen. Was mir Magenschmerzen bereitet ist die Frage, wo wir diese undichte Stelle zu suchen haben. Wenn Sie sich in den oberen Ebenen der Hierarchie befindet, wird es schwer sein für uns, dies aufzudecken.“ Ed Griendling nahm sein Glas auf und trank einen Schluck. „Dazu werden Sie stichhaltige und vor allem gute Beweise bringen müssen, Wikland.“ Der Captain der Alexandria ließ den Kopf langsam sinken. „Ich weiß, und wehe ich finde nicht die wahren Schuldigen, dann endet die nächste Mission für mich und meine Crew wohl im Nirwana, denn dann wird sie nichts und niemand mehr stoppen können.“
Roger van Dyke erhob sich von der kleinen Ecke, die er am Tisch der Senioroffiziere eingenommen hatte und schickte sich an das Lookout zu verlassen. Er wollte sich auf den beiden Holodecks umsehen. „Darf ich Sie begleiten?“ kam die Stimme von Commander Rodriguez von hinten. Roger van Dyke drehte sich um und blickte in das lächelnde Gesicht des ersten Offiziers der Yokohama. „Na klar, auch Lust auf eine Partie Poolbillard?“ fragte van Dyke. „Klar, warum nicht. Ich hatte schon lange keine Gelegenheit mehr, ein schönes Spiel zu machen.“ Mit diesen Worten folgte er Roger in den Flur, auf dem viele Personen zwischen den Holodecks und dem Lookout hin und her wanderten. Als die beiden das Holodeck elf betraten, standen Sie in einem geräumigen Billardsalon, dessen Sitzgelegenheiten fast alle vollständig belegt waren. Aus der Audioanlage ertönte die leise Musik eines Klavierstückes. Der Raum an sich war relativ dunkel, lediglich über den Billardtischen war durch die Hängelampen ein entsprechender Lichtkegel entstanden. Roger und Rodriguez wählten einen der Pooltische aus, bauten die Kugeln auf und griffen nach einem Que. Roger ließ dem Offizier der Yokohama den Vortritt und so führte dieser den ersten Stoß aus, der ihm auch sogleich mit einer guten Verteilung der Kugeln und dem Versenken der ersten Kugel eine gute Ausgangsposition verschaffte. „Ihr Captain scheint große Stücke auf Sie zu halten.“ sagte Emanuel Rodriguez. Roger van Dyke schaute etwas verlegen aus seiner Uniform. Es war ihm immer noch peinlich, wenn er für seine Leistungen an anderer Stelle gelobt wurde. Er betrachtete seinen Dienst und die dabei gefundenen und umgesetzten Lösungen als normale Sache. Er sah keinen Grund, etwas besonderes daraus zu machen. „Captain Wikland ist ein Mann der alten Schule. Er ist geradlinig und kann mit den teilweise abstrakten Ideen nichts anfangen, die ich gelegentlich verwende, um mit den Problemen fertig zu werden, die sich so im Alltag ergeben.“ erwiderte van Dyke. Er setzte seinen Que an, visierte die weiße Kugel an und stieß zu. Langsam rollte die glänzende Kugel über das grüne Tuch, um am anderen Ende des Tisches der gelben Kugel einen kleinen Hauch zu geben, der dazu führte, daß diese in einer der Ecktaschen verschwand. Roger umrundete den Tisch für den nächsten Stoß. „Nun stellen Sie mal Ihr Licht nicht unter den Scheffel, Commander. Wikland ist ein guter Captain, er respektiert Sie und rechnet Ihnen diese Leistungen hoch an. Er hat sich gegenüber meinem Captain sehr positiv über Sie geäußert. Auch wenn er es anscheinend noch immer nicht ganz verwunden hat, daß man Sie ohne seine Einwilligung hier aufs Schiff geholt hat.“ Roger mußte unwillkürlich lächeln, als er an die Situation zurückdachte. Seine Versetzung und den ersten Tag an Bord dieses Schiffes. „Sagen Sie Commander, würden Sie mir verraten, wie Sie auf dieses sehr interessante Manöver mit der Polaronladung gekommen sind?“ fragte Rodriguez, der gerade vergeblich versucht hatte, eine seiner Kugeln in eine der Mitteltaschen zu spielen. Roger van Dyke der am Zug war, konnte dadurch erfolgreich zwei weitere seiner Kugeln spielen und lag nun klar im Vorteil. „Ich beschäftige mich sehr oft mit den verfügbaren Systemen, den wissenschaftlichen Ergebnissen und den neuen Technologien. Sehen Sie es als mein Steckenpferd an, diese Dinge zu analysieren und darüber nachzudenken, wie man selbst so negative Nebenwirkungen, wie die der Polaronladungen, noch nutzbringend einsetzen kann. Manchmal kommen dabei solche Sachen heraus. Ich habe in dieser Beziehung mehr als 48 Ergebnisse gefunden, die uns bei einer Kampftaktik helfen können. Das geht von alten Tricks der früheren Strategen auf der Erde bis hin zu den abstrakten Denkmustern der Askari. Ich überdenke die Strategien immer wieder neu und dabei kommen überraschende Lösungen heraus, Manche schon lange vergessen, andere noch nie versucht, aber Letztenendes immer hilfreich. Mein primäres Ziel ist es dabei, mit einem Minimum an Aufwand und Gewalt, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“ Der Commander der Yokohama hatte aufmerksam zugehört. Er hatte schon einiges von Captain Wikland erfahren, als dieser sich mit Ed Griendling und ihm unterhalten hatte. Aber es war ihm nicht gelungen zu ergründen, woher Roger van Dyke all diese Ideen und Winkelzüge nahm, die er während des Angriffs der Cardassianer angewendet hatte. Auch die Antwort des Commanders warf, nach seiner Meinung, viel mehr neue Fragen auf, als daß sie über die bisherigen Aufschluß gegeben hätten. „Sie sind am Zug!“ klang die Stimme von Roger van Dyke zu Rodriguez herüber und riß ihn aus seinen Gedanken. Er blickte auf den Tisch und wählte eine Kugel für seinen nächsten Stoß aus. Es würde schwierig sein, den Anschluß zu halten. Van Dyke war ein versierter Pool Spieler.
Im Holodeck acht hallten fetzige Rock’n’Roll Melodien durch eine große Halle. Rund um die große Tanzfläche mit Naturholzbelag waren zahlreiche Stühle und Tische aufgestellt, an denen sich die Besucher niedergelassen hatten. Man hatte sich wirklich Mühe gegeben bei der Aufgabe, ein altes Tanzcafe wieder auferstehen zu lassen. Die Simulation war stimmig und paßte zu der schwungvollen Musik, die zum Tanzen animierte. Viele der Offiziere der Yokohama hatten sich hier niedergelassen. Die Holodecks waren für Sie ein besonderer Reiz, da die Schiffe der Miranda Klasse nicht über diesen Luxus verfügten. Drei Paare legten gerade auf der Tanzfläche eine echt heiße Sohle aufs Parkett, als ein kurzer Signalton aus Jaqueline Jeffersons Kommunikator die Musik störte und ihren Schwung stoppte. „Maschinenraum an Commander Jefferson. Wir haben hier ein ernsthaftes Problem und möchten, daß Sie sich das einmal ansehen.“ J.J. ließ die Hand von Ran Byrell los, der sie bislang temporeich über die Tanzfläche geführt hatte. „Jefferson hier, das kann sich doch sicherlich auch einer der anderen Ingenieure ansehen.“ bestätigte J.J. den Kontakt. „Es tut mir leid, daß ich Sie in Ihrer sicherlich wohlverdienten Freizeit störe, aber ich glaube, das sollten Sie lieber persönlich machen.“ kam erneut die Stimme des Lieutenants aus dem Maschinenraum.
Jaquelines Blick verfinsterte sich. Da hatte man schon einmal nach dieser anstrengenden Zeit die Gelegenheit sich ein wenig zu entspannen und dann so etwas. Mißmutig tastete sie auf Ihren Kommunikator. „Jefferson an Maschinenraum, ich bin unterwegs.“ Langsam trottete sie von der Tanzfläche und drehte sich zu dem bajoranischen Kollegen um. „Warten Sie hier auf mich, ich bin noch nicht mit Ihnen fertig. Ich komme wieder und dann will ich hier noch mal richtig was erleben.“ Sie zwinkerte Ran Byrell zu und verließ das Holodeck.
Wenige Minuten später bog sie vom Flur aus in den Hauptmaschinenraum ein und ging zum Diagnosetisch, an dem sich der leitende Offizier der Deltaschicht bereits in die Anzeigen vertieft hatte. „Sehen Sie sich das hier an, das sieht nicht gut aus.“ sagte er zur Chefingenieurin, als sie neben ihn trat. Jaqueline blickte auf den Monitor, der die Daten anzeigte. Eine Auswertung gab Aufschluß über eine ganze Reihe beunruhigender Fakten. „Ich habe bereits eine Simulation erstellt mit den Daten dieser Analyse. Wenn wir nichts unternehmen, wird sich dies hier ereignen und wir können nichts dagegen unternehmen.“ Er startete ein Programm, welches die Alexandria zeigte und die Auswirkungen der festgestellten Probleme. „Oh mein Gott, so ein Mist. Sie hatten Recht, es war richtig mich zu rufen.“ Sie griff nach einem großen Padd und lud die Daten der Analyse, wie auch die Simulation herunter. „Sie sollten den Captain informieren Commander.“ schlug der Lieutenant vor, der sie gerufen hatte. „Das werde ich auch tun, nachdem ich einen Vorschlag für die Behebung dieses Problems erarbeitet habe. Verstärken Sie den Energiefluß und fahren Sie alle 10 Minuten eine Diagnose. Rufen Sie mich, sobald sich etwas verändert.“
Jaqueline Jefferson fluchte leise in sich hinein. Sie hätte es wissen müssen. Sie hätte gleich Einspruch erheben sollen, als es um die Reparaturverteilung ging. Aber sie war ja wie immer von sich und den Fähigkeiten ihres Teams so unwahrscheinlich überzeugt gewesen, daß sie diesen Punkt einfach unter -es wird schon halten, bis wir es reparieren können- abgelegt hatte. Die Notfallmaßnahmen hatten ja auch die dringenden Probleme abgedeckt. Aber genau das war der Punkt. Sie waren nur überdeckt, kaschiert, verschoben, beschönigt und nicht gelöst.
Im Lookout hatte sich eine ganz unterschiedliche Gesellschaft zusammengefunden. Während Ymoota mit einigen anderen Crewmitgliedern eine spontane Band gebildet hatte und mit Ihrer Boriin, einer bajoranischen Percussion, dazu beitrug eine rhythmische Atmosphäre für die Bewegungssüchtigen zu schaffen, und gleichzeitig die Geräuschkulisse nicht allzu sehr anzuheben, hatten sich andere Crewmitglieder zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen. Einige unterhielten sich angeregt über die vergangenen Missionen und tauschten Erfahrungen mit den Leuten der Yokohama aus. Vier Offiziere hatten anscheinend einen Wettbewerb gestartet, wer das meiste romulanische Ale vertrug, es sah nach einem baldigen Ende dieses Spezialevents aus, da die motorischen Fähigkeiten der Kandidaten rapide abnahmen. An einem der Tische hatte sich eine Pokerrunde gebildet und einige der Offiziere standen einfach nur mit ihrem Glas in der Hand vor den Fenstern und genossen die Atmosphäre und den Ausblick. Captain Wikland saß noch immer zusammen mit Ed Griendling an dem kleinen Tisch, der nur für zwei Personen Platz bot, und unterhielt sich über Fragen der inneren Sicherheit. Wikland hatte eine sehr radikale Einstellung, die Ed Griendling nicht in allen Punkten teilen konnte und wollte. Intensiv diskutierten Sie die Problematik und beleuchteten die verschiedenen Facetten. Die Band machte eine Pause und Ymoota legte ihre Boriin zur Seite. Sie kam herüber und ließ sich nahe den beiden Captains direkt an der Wand einfach auf dem Boden nieder. Sie griff nach ihrem Glas, das neben ihrem Instrument auf dem Boden stand, als ein Paar Stiefel in ihrem Gesichtsfeld auftauchten, die zur Uniform der Chefingenieurin gehörten. Jaqueline Jefferson trat an den Tisch und grüßte die beiden Captains, indem Sie kurz Haltung annahm. „Ah, eine wunderbare Gelegenheit...“ freute sich Wikland, „...Captain Griendling, darf ich Ihnen den Ingenieur vorstellen, der Ihr Schiff wieder zusammengeflickt hat. Lt. Commander Jefferson meine Chefingenieurin, eine sehr fähige junge Frau.“ Ed Griendling erhob sich von seinem Stuhl und reichte Jefferson freudig die Hand „Meine Hochachtung junge Frau, Sie haben wahre Wunder vollbracht. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, auf ein anderes Schiff zu wechseln?“ lächelte er. „Hey, hey, werben Sie mir nicht meine Crew ab, sonst laß ich Ihr Schiff in den Urzustand versetzen.“ drohte Wikland, der den kleinen Seitenhieb natürlich bemerkt hatte und das Spiel mitmachte. „Leider habe ich nicht die Zeit und die Stimmung auf dieses sehr verlockende Angebot einzusteigen...“ entgegnete J.J. „...wir haben leider ein sehr ernstes Problem Captain und es ist mir noch keine halbwegs sinnvolle Lösung eingefallen, um es zu beheben.“ Damit reichte sie Wikland das vorbereitete Padd mit den Informationen der Analysen. Sofort versteinerte sich die Mine des Captains und wurde ernst. „Was ist los, können wir etwas für Sie tun?“ fragte Griendling mehr rhetorisch als offiziell, als er das sorgenvolle Gesicht von Wikland vor sich sah. „Ich schätze nicht. Wenn das stimmt was hier steht, und ich vertraue meinen Ingenieuren, dann haben wir ein absolutes Problem. Der Einschlag eines der kleinen cardassianischen Fighters auf der Untertassensektion hat so wie es scheint größeren Schaden angerichtet, als es zunächst vermuten ließ. Wir hatten einige Mikrofrakturen und leichte Hüllenbrüche. Nichts was man nicht mit ein paar Kraftfeldern und dem verstärken der Strukturellen Integrität wieder auf die Reihe bringen könnte. Allerdings hat sich die Situation nun geändert. Die Frakturen haben sich ausgebreitet und dazu geführt, daß sich die Decksplatten lösen können. Das heißt nicht jetzt, während des Fluges, sondern wenn wir wieder unter Warp gehen. Die Trägheitsdämpfer werden die Platten nicht halten können, wenn sie sich lösen. Das bedeutet, wenn wir sie nicht reparieren, dann fliegt uns die halbe Außenbeplankung davon, weil die Gitterstruktur dann aufgebrochen wird. Das dabei entstehende Loch kann kein noch so großes Kraftfeld verschließen. Habe ich recht Lt. Commander?“
Wikland blickte in das ratlose Gesicht von Jaqueline Jefferson. „Das trifft leider den Kern der Sache Captain. Die einzige Möglichkeit das zu lösen wäre im Trockendock, oder...“ J.J. brach den Satz ab, sie wusste, dass es lächerlich war. „...oder was?“ forschte Ed Griendling nach, der noch nicht das teilweise spontane und gelegentlich auch etwas ironische Naturell des Lieutenants kannte. J.J. sträubte sich eigentlich den Satz zu beenden, es war ohnehin eine rein absurde Idee. „...oder wir müßten bei der jetzigen Geschwindigkeit von Warp sechs eine Workbee ausschleusen, die neue Decksplatten anbringt und mit der Struktur verbindet. Im Normalfall eine Sache von wenigen Stunden, aber Sie werden keinen finden, der verrückt genug ist um bei Warp sechs in so eine Kiste zu steigen und in Ermangelung jeglicher Bewegungsfreiheit und ohne Netz und doppelten Boden die Reparatur durchführt.“ führte die Chefingenieurin aus, wohlwissend, daß der Captain sie für die fehlerhafte Diagnose der Schadensumfänge sicherlich noch zur Verantwortung ziehen würde.
„Ich mache es!“ kam plötzlich die Stimme von Ymoota Aalia von hinten. Wikland und J.J. drehten sich um und sahen die Bajoranerin direkt hinter sich stehen. „Tut mir leid, ich habe Ihre Unterhaltung mitbekommen, war ja auch nicht allzu schwer.“ Wikland blickte Ymoota prüfend an. „Lieutenant uns ist nicht nach Scherzen zumute.“ wollte er sie rügen, aber Ymoota konterte. „Das ist es mir auch nicht Captain. Aber wenn ich die Wahl habe, etwas zu tun, oder darauf zu warten, daß uns die Einzelteile unseres Schiffes um die Ohren fliegen, dann will ich lieber Hand anlegen und was für unser Schiff tun. Also, wann geht’s los?“ Jaqueline Jefferson war total geplättet. Ein solches Wagnis würde nicht einmal sie eingehen. „Wissen Sie überhaupt was Sie da sagen Lieutenant? Mit einer Workbee bei Warp sechs auszuschleusen ist kein Kinderspiel. Das Teil hat keinen Antrieb, keine umfassende Lebenserhaltung, keine Rettungsaggregate. Wenn wir Sie verlieren, brauchen wir Wochen um Sie wiederzufinden.“ Ymoota ließ sich nicht beirren. „Dann dürfen Sie mich nicht verlieren. Und wenn doch, werde ich einen Transponder mitnehmen, dann bin ich leicht zu finden. Der Druckanzug und die Systemversorgung sichert ein Überleben für mindestens fünfzehn Stunden. Und dann ist ja da noch die Yokohama, die kann ja schließlich stoppen und wenden. Zu Not lassen Sie sich was einfallen und seilen Sie mich an oder sonstwas. Aber machen Sie hin bevor ich’s mir anders überlege, die Zeit ist ja wohl sicherlich ziemlich knapp. Oder?“ Ymoota hatte sich extra ein wenig provokativ geäußert um weitere Diskussionen abzublocken.
„In Ordnung Lieutenant, wenn Sie sich dafür freiwillig melden, ist uns eine Sorge genommen: Bereiten Sie alles vor Commander Jefferson. Halten Sie mich auf dem Laufenden.“ J.J. stand für einen Moment wie versteinert da, hatte sich aber sofort wieder gefangen „Aber Captain, das war doch kein ernstgemeinter Vorschlag...“ protestierte sie. Wikland blickte noch einmal auf und der Ausdruck in seinen Augen war eindeutig „Jetzt ist es einer. Informieren Sie auch Commander van Dyke. Das ist alles Commander.“ Ymoota hatte bereits ihre Sachen zusammengesucht und machte sich auf den Weg in ihr Quartier. „Ich bin in wenigen Minuten im Maschinenraum, dann besprechen wir alles nötige.“ sagte sie zu J.J. und schon war sie verschwunden. Ymoota war wieder einmal froh darüber, daß sie auf dieser Feier dem realen Alkohol und im Besonderen dem romulanischen Ale nicht zugesprochen hatte, sonst wäre ein solches Unterfangen sicherlich nicht denkbar oder ausführbar gewesen. Für Ymoota stellte es aber überhaupt kein Problem dar. Sie war ihr Leben lang mit dem Risiko auf Du und Du. Schon oft hatte sie in ihrer Zeit bei der Widerstandsgruppe allein auf engstem Raum und gleichzeitig in größter Gefahr agiert. Sie war daran gewöhnt sich in einer Situation wiederzufinden, die klare Grenzen hatte und in der ein Überleben nur möglich war, wenn man die engen Toleranzen nicht überschritt.
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Roger van Dyke stand gemeinsam mit der Chefingenieurin an der Wissenschaftskonsole im Maschinenraum. Beide starrten auf die Simulation, die auf dem Schirm ablief und anzeigte, welche Platten der Außenhülle ersetzt werden mußten. Obwohl es nicht zum Standardprozedere gehörte, hatte die Alexandria einen entsprechenden Vorrat solcher Hüllenplatten an Bord. Die beiden Offiziere mutmaßten, daß sie den Grund dafür wohl in Captain Wiklands Perfektionismus suchen konnten. Der Captain hatte schon wiederholt gezeigt, daß insbesondere er alles dafür tat, auf jede noch so unwahrscheinliche Situation bestmöglichst vorbereitet zu sein. Das Material war also schon mal kein Problem mehr, damit hatten sie eine Sorge weniger. Das ließ die Liste der zu bewältigenden Aufgaben allerdings nicht wesentlich kürzer werden. Mit der Aufrüstung einer solchen Workbee mittels Container und Spezialwerkzeug hatte J.J. den stellvertretenden Chefingenieur Lieutenant Otumbwe beauftragt. Eine reine Verteilung der Arbeit. So konnte Sie sich mit Commander van Dyke um den Aufwand und den Ablaufplan kümmern. „Die Workbee hat einfach zu wenig Saft. Sie wird wahrscheinlich schon beim Ausschleusen aus dem Hangar einfach wegdriften. Ich hab es ja geahnt.“ sagte Jaqueline Jefferson mit einem Anflug von Resignation. „Sie wird sich mit dem Ding nicht mal lange genug halten können, um die beschädigten Decksplatten herauszulösen, geschweige denn neue zu installieren.“ Roger van Dyke tippte auf der Sensorfläche einige Anweisungen ein. „Immer der Reihe nach Commander. Jetzt legen wir erst mal fest, welche der Platten ausgetauscht werden müssen. Bestimmen Sie alle Bauteile, die eine direkte Mirkrofraktur oder einen Bruch aufweisen und markieren Sie die benachbarten Unbeschädigten.“
J.J. aktivierte die zweite Bedienfläche und lud die Daten der Abtastung. Der beschädigte Ausschnitt der Außenhülle tauchte auf dem Schirm auf und wurde von einem Raster überlagert, welches die einzelnen Platten abgrenzte. Dann färbten sich die Platten langsam. Acht rote, vierundzwanzig gelbe, fünf orange und zweiundvierzig grüne Rechtecke füllten nun den Schirm aus. „Rot und gelb muß raus, Orange nicht unbedingt, und grün ist OK.“ Erklärte die Chefingenieurin. „Wow, das ist eine ganze Menge. Wie lange schätzen Sie für den Austausch?“ wollte Roger wissen. „Nun, der Einschlag ist ziemlich kompakt. Wenn man die Umstände berücksichtigt und einen kleinen Puffer für unvorhergesehene Dinge einberechnet, wird selbst ein geübter Techniker dafür mindetens fünf Stunden brauchen. Eine lange Zeit in diesem kleinen Ding.“ Roger betrachtete die Grafik ausgiebig. Es war ihm klar, man mußte jetzt eine Entscheidung treffen und von ihr hing es ab, ob die Gefahr später auch wirklich behoben war. „Ich würde vorschlagen daß Sie auch die grünen Platten einbeziehen, die an jeweils zwei gelbe stoßen. Das reduziert das Restrisiko erheblich. Man weiß nie, was bis zum Austausch noch alles passiert.“ sagte Roger und blickte Jaqueline Jefferson fragend an. „Gute Idee. Das sind nicht so viele und wir sind danach wohl wirklich auf der sicheren Seite. Bleibt noch die Frage der Sicherung der Workbee. Wir können kein Shuttle nehmen, wir können kein Runabout nehmen. Alles zu langsam und dazu nicht mit dem nötigen Equipment ausgerüstet. Das sagt sich so einfach -Seilt mich doch einfach an- wenn es denn so einfach wäre.“ kommentierte Jaquelin Jefferson die Worte von Ymoota. Roger van Dyke rief noch einmal die Gesamtansicht des Schiffes auf und überlegte, wie man die Workbee am besten sichern konnte. „Wie wäre es mit einer Magneteinheit?“ warf er ein. J.J. schüttelte den Kopf „Nein, zu unbeweglich, sie müßte ständig mit der Hülle verbunden sein, und das würde die Arbeit behindern. Nein, uns muß etwas Besseres einfallen.“
Roger drehte das dreidimensionale Modell des Schiffes vorsichtig und behielt immer den Punkt im Auge, an dem der Einsatz stattfinden mußte. Obwohl er direkt neben der Brücke auf Deck zwei lag, war er nur schwer zugänglich. Der einzige Platz, von dem man eine gute Übersicht hatte, war vom vorderen Ende des Modulsegments, auf dem die Torpedoabschussrampen untergebracht waren. „Ich glaube ich hab da eine Idee.“ Sagte er zu J.J. „Was halten Sie davon, wenn wir den oberen Traktorstrahlemitter modifizieren. Er könnte die Workbee erfassen und durch geschickte Steuerung soviel Gegenschub ausüben, daß die Workbee an ihrem Platz bleibt. Sie könnte sich praktisch am Traktorstrahl anlehnen wie an einer unsichtbaren Wand und könnte sich trotzdem frei bewegen.“ Jaqueline Jefferson musterte den Commander mit einem skeptischen Blick. „Das ist ja fast noch abenteuerlicher als meine blödsinnige Idee mit der Workbee.“ stellte sie fest. „Möglicherweise, aber es könnte klappen. Und was viel wichtiger ist, es ist die einzige Idee, die überhaupt den Hauch einer Chance bietet. Lassen Sie es uns probieren. Ich informiere Lt. Otumbwe über die benötigten Materialien, damit er die Workbee beladen kann. Wir sehen uns in zehn Minuten im Kontrollraum im Modulsegment.“ erwiderte Roger. J.J. nickte. Sie war froh, daß sie wenigstens einen kleinen Strohhalm gefunden hatte, an den sie sich klammern konnte. Ymoota hatte sich inzwischen sorgfältig auf ihre Aufgabe vorbereitet. Obwohl Sie noch gerne im Lookout geblieben wäre um mit ihren Kollegen weiter zu musizieren, hatte sie alle ihre Sachen mitgenommen und in ihrem Quartier noch eine Weile Ruhe gesucht. Sie hatte sich die Dateien der Workbee heruntergeladen, dem Arbeitsgerät, das ohnehin kaum größer als eine Person war. Aber es war das ideale Werkzeug, wenn an der Außenhülle Arbeiten vorzunehmen waren. Sie wollte sichergehen, daß sie sich alle Funktionen, alle Handgriffe und, nicht zuletzt, alle Rettungseinrichtungen richtig und vollständig eingeprägt hatte. Schließlich war bei dieser Mission kein Platz für Fehler. Nun stand die Aufgabe kurz bevor und die Bajoranerin machte sich im Ausrüstungsraum bereit für ihren Einsatz. Ymoota hatte bereits den engen Druckanzug angelegt, wobei ihr langer Zopf ein wenig Probleme bereitete. Der Fähnrich, der ihr beim Aufsetzen und verschließen des Helmes scherzhaft vorgeschlagen hatte, den Zopf doch einfach abzuschneiden, hätte sicherlich kurz darauf leblos am Boden gelegen, hätten die Blicke der Bajoranerin in diesem Moment töten können.
Ymoota saß nun bereits seit über zwanzig Minuten im Cockpit der Workbee, und wartete darauf zu starten. Aber Roger van Dyke hatte sie darüber informiert, daß ihr ‘Halteseil’ noch nicht einsatzbereit sei. Durch die geöffneten Tore des Haupthangars auf Deck vier konnte die junge Frau hinausblicken und sah, wie die Sterne, die durch die Warpgeschwindigkeit zu Strichen verzerrt wurden, hinter dem Schiff verschwanden. Langsam und zäh verging Sekunde um Sekunde. Ymoota versuchte sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Abgesehen von der Tatsache, daß dieser Ausflug nicht in die Kategorie der Urlaubsfahrten fiel, gab es nur zwei Dinge die wichtig waren: Die Decksplatten schnell und korrekt zu ersetzen und zu überleben. „Lieutenant, Sie können starten. Wenn Sie den Hangar verlassen, werden wir Sie mit dem Traktorstrahl erfassen, den wir eigens auf diese Mission angepaßt haben. Sie können wie gewohnt navigieren, wir sorgen dafür, daß Sie nicht abdriften.“ kam endlich die Stimme des ersten Offiziers aus den kleinen Lautsprechern in ihrem Helm. Ymoota hatte schon befürchtet, es würde nie losgehen. „Aye Sir. Ich mache mich auf den Weg. Wünschen Sie mir viel Erfolg.“
Schnell legte sie die entsprechenden Schalter um und begann mit der Startsequenz. Wenige Sekunden später durchstieß das Arbeitsgerät das Kraftfeld, welches wie eine durchsichtige Wand dafür sorgte, daß der Hangar gegen den Weltraum abgeschottet war. Sofort wurde das kleine Schiff von dem bläulichen Schimmer des Traktorstrahls erfaßt und Ymoota ließ die Workbee aufsteigen. Sie schwebte über den Hangar und drehte das Arbeitsgerät, so daß es nun in Richtung Brücke zeigte. Dann aktivierte Sie die Reaktionsdüsen und schwebte nach vorne. Es kam ihr alles noch ein wenig wacklig vor, ein Zeichen dafür, daß die Kräfte, die bei Warpgeschwindigkeit entstanden nicht so einfach zu kompensieren waren. „OK, ich habe die beschädigten Platten erreicht. Sieht ziemlich übel aus hier. Ich aktiviere jetzt die Werkzeuge und werde anfangen die Platten herauszulösen.“ meldete sich Ymoota über die Kommunikationsfrequenz. „Lassen Sie es ruhig angehen Lieutenant, und nicht mehr als vier Platten auf einmal lösen. Wir wissen nicht wie sich die Hüllenstruktur verhält, wenn so viele Platten gleichzeitig entfernt werden. Das hat bisher noch keiner bei Warp sechs versucht.“ antwortete Roger van Dyke, der im Kontrollraum des Modulsegmentes stand und die Steuerung des Traktorstrahls überwachte. „Wow, eine Premiere. Ich fühle mich geehrt!“ witzelte Ymoota und aktivierte das Schneidwerkzeug. Das gleißend weiße Licht des Brenners war deutlich auf dem Überwachungsschirm zu sehen, als Ymoota anfing, die erste Platte aus dem Verbund der Außenhülle zu lösen. Roger van Dyke hatte alle Hände voll zu tun, das kleine Gefährt zu stabilisieren. Auch wenn der Traktorstrahl kräftig genug war, das vergleichsweise geringe Gewicht der Workbee zu halten, so war es doch eine sehr difizile Angelegenheit, dabei die zentimetergenaue Position gegen die Trägheit des nur mit Steuerdüsen angetriebenen Gefährts beizubehalten. Ymoota konzentrierte sich voll auf ihren Job und vertraute darauf, daß alles andere funktionierte. Geschickt manövrierte sie die Workbee hin und her, fuhr die Verbindungsnähte ab um die Platten mit dem Trennschweißer voneinander zu lösen. Bald hatte sie die Ersten der großen Platten herausgeschnitten und löste mit dem Greifarm und dem entsprechenden Werkzeug die Verankerung zum Schiffsrumpf. An einigen Stellen der schwer beschädigten Außenhaut war dies nicht nötig, da sich die Platten so verformt hatten, daß sie sich bereits vom Rumpf abhoben. Ymoota entfernte die Platten und manövrierte sie mit dem Greifarm schwungvoll nach rechts, bevor Sie sie losließ. Sofort konnte sie erkennen, wie die einzelne Decksplatte, die unter Schwerkraftbedingungen mindestens vierhundert Kilogramm wiegen mußte, nach hinten trieb. Ein imposanter Anblick, der die junge Bajoranerin daran erinnerte, daß sie nur die Aufmerksamkeit ihrer Kollegen davon abhielt dieses Schicksal zu teilen. Schnell gewann das defekte Decksstück an Geschwindigkeit. Überquerte das Diskussegment in Richtung Heck verschwand hinter dem Schiff schnell in der Dunkelheit des Alls. So verfuhr Ymoota mit drei weiteren der Platten. Dann lenkte sie ihr Arbeitsschiff über die Stelle, an der man nun den Gitterrahmen erkennen konnte.
„Der Rahmen ist nicht verformt, den Propheten sei Dank!“ rief sie in das Mikrofon, welches in ihrem Helm eingebaut war. „Sehr gut Lieutenant, dann setzen Sie jetzt die neuen Teile ein.“ gab Roger ihr zu verstehen. „Geht in Ordnung Commander.“ Gleichzeitig öffnete sich am Container der Workbee ein Rolltor, das den Zugang zu den Bauteilen ermöglichte. Ymoota steuerte den Greifarm nach hinten und kontrollierte auf dem Display vor sich, wo sich der Greifer befand. Eine kleine Kamera am Greifarm war das Auge, welches Ymoota die nötigen Bilder lieferte. Vorsichtig, aber dennoch zügig, bewegte die Frau das große Teil an seinen Platz. Die Verankerung war innerhalb von wenigen Minuten geschehen und es folgte die nächste Platte. Roger van Dyke atmete auf. Die variable Anpassung des Traktorstrahls war zwar nicht gerade einfach, der Automatik hatte er die Masse der Workbee eingegeben und das ließ den Strahl auch den entsprechenden Gegendruck erzeugen. Die vielen Bewegungen des Arbeitsgeräts glich Roger durch ständige manuelle Anpassungen aus, die er am Display vornahm. Obwohl es eine gewagte Sache war, lief es bisher ganz gut. Zu gut, wie sich schnell herausstellte.
Ymoota hatte gerade eine weitere der stark beschädigten Platten mit dem Schneidbrenner herausgelöst und die Verankerung entfernt. Mit dem Greifer packte sie die Duraniumplatte, die jedoch nicht nachgeben wollte. Ymoota verstärkte den Zug auf den Greifarm, aber es tat sich nichts. Schnell warf sie noch einen prüfenden Blick durch das seitliche Fenster. Der Schnitt an der Kante war vollständig und sauber ausgeführt. Normalerweise sollte sich das Bauteil lösen lassen, aber es war irgendwie verklemmt. Ymoota schloß ihre Hände fester um die Multifunktionshebel der Steuerung, mit denen Sie die Lage des Schiffes und die Funktionen des Greifarms kontrollierten. Sie erhöhte den Druck an der Greifzange noch weiter und begann dann durch Schub in den Steuerdüsen mit einer Schaukelbewegung der Workbee. „Was machen Sie da?“ wollte van Dyke wissen. „Diese Platte hat sich irgendwie verklemmt, ich muß sie losbekommen.“ kam die postwendende Antwort aus dem kleinen gelben Schiff, welches sich jetzt, von den Steuerdüsen getrieben, wie ein Fisch wand, der in den Angelhaken geschnappt hatte. „Langsam, nicht zu wild, wir haben Zeit. Ich kann sonst ihre Bewegungen nicht kompensieren!“ rief van Dyke in den Kommunikationskanal. Aber es war bereits zu spät. Mit einem Ruck löste sich das Bauteil vom Schiffsrumpf und kam mitsamt dem Greifarm auf Ymoota zu. Die junge Frau konnte gar nicht mehr reagieren. Hart schlug die schwere Platte an die linke Seite der Workbee und versetzte dem kleinen Schiff durch seine erhebliche Masse einen schweren Stoß. Sofort bildeten sich in der linken Seitenscheibe kleine Risse im transparenten Aluminium. Ymoota blickte besorgt auf die Anzeichen der Lebenserhaltung Noch war kein Absinken des Kabinendrucks zu erkennen. Aber wenn Sie gedacht hatte, daß dies schon alles war hatte sie sich getäuscht. Die plötzliche Lageänderung und der Schub der Manövrierdüsen, der natürlich beim Abreißen des Bauteiles nun zusätzlich gegen den Traktorstrahl drückte war zuviel für das sensible Gebilde aus Licht und Energie, das die Workbee an ihrem Platz halten sollte. Roger van Dyke konnte die abrupte Bewegung nicht ausgleichen und im selben Moment fiel die automatische Kompensation durch die zu starke Druckveränderung ebenfalls aus. Der Traktorstrahl erlosch und das kleine gelbe Schiff driftete taumelnd um die Längsachse über den Rumpf nach hinten. Zweimal schlug die Workbee auf die Außenhaut der Alexandria und Ymoota hörte das kreischende Geräusch als die Metalle der beiden Hüllen aneinander rieben. Dies ging einher mit weiteren Rissen in der Seitenscheibe und kleine Löcher bildeten sich an den Stellen, an denen sich die Risse trafen. Langsam zählte der Druckmesser den Luftdruck in der Kabine nach unten, Sie war nun von Ihrem Raumanzug abhängig. Schnell prüfte sie die Anzeigen, nur für 15 Minuten stand ihr Luft zur Verfügung. Das kleine Schiff glitt über die Kante des Haupthangars nach hinten und Ymoota sah den Verbindungssteg zwischen Rumpf und Modulsegment wie eine Felswand auf sich zukommen. Ihr war klar, daß das kleine Schiff daran zerschellen würde und sie fragte sich, ob es wenigstens so zerbrechen würde, daß Sie sich vielleicht mit intaktem Druckanzug aus den Trümmern würde retten könnte. Aber die Chancen dafür standen wohl nicht gerade gut. Sie überlegte, was Sie denn tun würde, käme sie eventuell tatsächlich aus den Trümmern heraus. Viele Gedanken schossen ihr durch den Kopf, aus ihrem Leben, Bilder aus gefährlichen Momenten, denen Sie entkommen war und nicht zuletzt, noch einmal die Erinnerung an den Tod ihrer Schwester. Ymoota wischte die Bilder beiseite und beschloß, nicht kampflos aufzugeben. Sie versuchte ihr kleines Schiff mit den Steuerdüsen zu stabilisieren. Als Sie sich auf dieses waghalsige Unternehmen einließ, hatte sie wohl die Möglichkeit in Erwägung gezogen, tatsächlich abzudriften, und möglicherweise stundenlang auf Rettung zu warten, aber nicht, daß sie am eigenen Schiff zerschellen würde. Die Wand des Verbindungstrakts kam wie in Zeitlupe immer näher und Ymoota konnte nichts dagegen tun. Auch die Steuerdüsen waren machtlos gegen die Trägheitswirkung von antriebsloser Masse unter Warpgeschwindigkeit. Sie schloß die Augen und wartete auf den Einschlag. Wie aus weiter Ferne hörte sie die Stimme von Roger van Dyke, der etwas rief, einen kurzen Befehl, aber sie konnte nicht verstehen was. Dann war Ruhe und Sekundenbruchteile später erfolgte der Aufschlag. Hart prallte das kleine Schiff gegen die Bordwand, wurde durchgeschüttelt und Ymoota schlug mit dem Kopf gegen das Seitenfenster, aber nichts weiter passierte. Auch der Aufprall war merkwürdigerweise sanfter ausgefallen, als es noch eben ausgesehen hatte. Sie öffnete die Augen und sah sich und die Workbee in ein fahles blaues Licht getaucht. Ihre Augen folgten dem blauen Licht und schon im nächsten Moment bewegte sie sich mitsamt dem Arbeitsgerät darauf zu. Immer heller wurde das Licht in der Mitte und Ymoota glaubte zu träumen, aber dann erkannte sie, daß es nicht eine sondern zwei Lichtquellen waren und eigentlich kein Licht, sondern zwei gebündelte Traktorstrahlen, die von den beiden Runabouts ausgingen, die nebeneinander in der Hauptshuttlerampe standen und die havarierte Workbee zurück in den Hangar zogen. Als sich der Deckel der Workbee öffnete und Ymoota ausstieg bemerkte sie wie ihre Knie weich wurden. Eine zweite Workbee dieses Typs war einsatzbereit gemacht worden. „Sie sollten eine Pause machen Lieutenant.“ hörte Ymoota die Stimme von Roger van Dyke. „Nichts da, hängen Sie den Container um und dann mache ich gleich weiter, sonst überlege ich mir wirklich noch, ob ich wieder in dieses Ding einsteige.“ erwiderte die Bajoranerin und lief hinüber zu dem anderen Einsatzfahrzeug.
Schon wenige Minuten später war sie wieder über der Schadensstelle auf Deck zwei. Noch weitere vier Stunden benötigte sie, bis alle Decksplatten freigeschnitten, entriegelt und durch Neue ersetzt worden waren. Diesmal nahm sich Ymoota in Acht und riskierte keine gewagten Manöver mehr, nur um ihren Willen durchzusetzen. Das schlußendliche Abfahren und verschweißen der Nahtkanten war ein Spaziergang im Gegensatz zum vorangegangenen Austausch der Platten. Es war schon fast wieder Morgen nach Erdstandardzeit, als sich das Team nach getaner Arbeit im Haupthangar traf. Allen war die Übermüdung deutlich anzusehen. Auch Roger van Dyke und J.J., die bis zum Schluß geblieben war, konnten nachfühlen, daß diese Aufgabe an ihren Kräften gezehrt hatte. „Roger van Dyke an Brücke. Wir haben die Mission abgeschlossen. Die Decksplatten sind ersetzt und versiegelt. Sie können die zusätzlichen Felder der Strukturellen Integrität wieder abschalten und gegebenenfalls unter Warp gehen, sollte das erforderlich sein. Informieren Sie den Captain, und lassen Sie ihn wissen, daß wir morgen früh erst einmal ausschlafen werden.“ Ein Lachen füllte den ansonsten leeren Haupthangar. „Geht in Ordnung Commander, angenehme Nachtruhe. Brücke Ende!“ Ymoota boxte Roger van Dyke freundschaftlich gegen den Arm. „Hey das war eine geniale Idee mit den Runabouts.“ Roger blickte sie ernst an. „Es war die einzige zusätzliche Sicherung die mir eingefallen ist und Sie können von Glück sagen daß sie funktioniert hat. Es hätte auch böse für Sie enden können.“ Die junge Frau senkte ihren Kopf „Ich weiß, ich war wohl etwas zu optimistisch.“ Roger nickte kurz. „Ja, aber Sie waren auch sehr mutig, und das ist ihnen hoch anzurechnen. So und jetzt ab in die Koje. Morgen ist auch noch ein langer Tag. Aber wir schlafen uns aus, soviel ist sicher.“ Die kleine Gruppe setzte sich zum Ausgang in Bewegung und Ymoota lachte, „Ja, schön wär’s, meine Schicht fängt um sieben Uhr schon wieder an.“ J.J. lachte auf. „Irrtum, Ihre Schicht wurde gestrichen, dafür hat Commander van Dyke bereits vor Beginn ihrer Aufgabe gesorgt. Wir brauchen ausgeschlafene Offiziere an den Konsolen und keine übernächtigten, wir haben morgen früh wirklich frei!“
Damit traten Sie durch das große Tor in den Flur und machten sich auf zu ihren Quartieren. Neben den wenigen Offizieren der Deltaschicht kamen noch immer vereinzelte Spätheimkehrer von der Party im Lookout zurück, die den Weg ins Quartier suchten. Teilweise schwer angeschlagen durch den zu üppigen Genuß des romulanischen Ales, was Roger van Dyke wieder daran erinnerte, daß es doch von Vorteil war, wenn man sich vom realen Alkohol fernhielt. In gewisser Weise bedauerte er es, daß er sich nicht noch weiter mit Commander Rodriguez von der Yokohama hatte unterhalten können. Die Information von J.J. über den aktuellen Schiffszustand hatte ihn ziemlich abrupt aus einem sehr angenehmen Erfahrungsaustausch gerissen. Aber jetzt war er einfach nur noch müde.
Es war bereits Mittagszeit, als sich der Turbolift öffnete und Roger van Dyke die Brücke betrat. Andy Duke, der an seinem Platz saß lächelte ihn an und gab somit einen ersten Hinweis über die Stimmung auf der Brücke. Es schien alles in Ordnung zu sein. Roger ging an die hintere Wissenschaftsstation und aktivierte das Display. „Sie brauchen es nicht zu kontrollieren Commander. Das haben wir bereits viermal in den letzten acht Stunden getan und es ist noch alles in Ordnung!“ drang die Stimme von Captain Wikland zu ihm herüber, der gerade aus seinem Bereitschaftsraum gekommen war. Roger fuhr herum und blickte den Captain an. „Ausgeschlafen?“ kam die fragende Stimme von Wikland, die allerdings zusätzlich von einem breiten Lächeln untermalt wurde. „Nun ja, sagen wir einmal, ich bin ziemlich spät zu Bett gegangen und ich brauche nun mal meinen Schönheitsschlaf.“ erwiderte Roger van Dyke belustigt. „Na wenn das so ist Commander, dann sollten Sie noch ein paar Stunden dranhängen. Sie sehen fürchterlich aus!“ konterte der Captain. Die Tatsache, daß Wikland bereits wieder zu Scherzen aufgelegt war, zeigte ihm, daß die durchgeführte Aktion wohl zu dem gewünschten Ergebnis geführt hatte. Sein Blick fiel auf den Hauptschirm, der das entgegenfliegende Sternenpanorama zeigte und querab voraus die Yokohama. „Captain Griendling hat sie vor vier Stunden wieder übernommen. Wir haben einen kleinen Stop gemacht und die Mannschaften ausgetauscht. Es hat keinerlei Probleme gegeben. Ihr Team hat gute Arbeit geleistet. Auch wenn es zwischenzeitlich, wie ich erfahren habe durchaus gefährliche Situationen gab.“ Roger nickte und senkte den Kopf. „Ja, wir hatten einige Probleme. Es hat wohl nicht so perfekt geklappt, wie wir es uns gewünscht hatten.“ Wikland trat neben van Dyke. „Nun, ich bin zufrieden. Ihr Team hat viel gewagt, und wäre da nicht der Mut eines jungen Lieutenants gewesen, wer hätte sagen können, was beim Verlassen der Warpgeschwindigkeit alles hätte passieren können. Sie haben Ihre Pflicht erfüllt. Sie haben das getan, was für das Schiff, seine Crew und alle anderen an Bord das Richtige war...“ Ein anerkennender Blick aus Wiklands Augen traf den ersten Offizier. „...und Sie haben eine verdammt gute Party verpaßt.“ lächelte der Captain. Dem Commander blieb nichts anderes übrig, als Wikland zuzustimmen. Er drehte sich um und ging zu seinem Platz. Auch Wikland übernahm wieder den zentralen Stuhl, der bislang noch nicht belegt war. Beide blickten nach vorne und sahen auf dem Hauptschirm die Yokohama knapp voraus. „Wissen Sie, was mich am allermeisten stört Nummer Eins. Es ist die Ungewißheit und die Machtlosigkeit, einerseits diese Mission erfüllt zu haben und der gefährlichen Situation entkommen zu sein, aber andererseits noch immer nicht genau zu wissen, wer auf Seiten der Föderation hinter diesen feigen und überaus verachtungswürdigen Aktionen steckt. Ich habe mich lange mit Captain Griendling darüber unterhalten. Er ist nicht davon überzeugt, daß Mitglieder der Föderation in diese Geschichte verwickelt sind, aber für mich gibt es in dieser Hinsicht keinen Zweifel.“ Roger van Dyke strich sich durch den frisch gestutzen Vollbart. „Es scheint ein sehr gut organisiertes Netzwerk zu sein. Eine solche Aktion plant kein einzelner Mann. Das ist stabsmäßig aufgezogen. Aber selbst wenn der cardassianische Geheimdienst noch so gut ist, die wechselnden Wachpläne, die genaue Route eines Schiffes, die Zeit bis zum Eintreffen an einem bestimmten Punkt, das kann einfach keiner vorhersehen.“ gab der erste Offizier zu bedenken. „Vielleicht haben wir einen Verräter hier an Bord. Haben Sie schon diese Möglichkeit in Betracht gezogen Captain?“ kam die Stimme von K’Orak, der inzwischen wieder die Wissenschaftsstation übernommen hatte und seinen üblichen Aufgaben nachging. „Ja Commander, haben wir. Aber wir haben keinen Hinweis darauf gefunden, daß jemand an Bord dieses Schiffes mit den Cardassianern oder den Söldnern Kontakt aufgenommen hat. Von der Yokohama wissen wir, daß Sie ihre Kommunikation mit einem cardassianischem Protokoll übertragen. Unsere Hauptdatenbank hat keinerlei Hinweise auf eine solche Übertragung gezeigt. Auch wurden keine Eintragungen gelöscht.“ Wikland verschwieg dabei geflissentlich, daß er natürlich auch einen besonderen Speicher der Kommunikationskonsole hatte prüfen lassen, nachdem er durch Lieutenant Carah Pehl von dieser Möglichkeit erfahren hatte. Aber es hatten sich keinerlei Hinweise ergeben, die auf einen Verrat hier an Bord der Alexandria hindeuteten. Glücklicherweise. „Sie sind ein P’Tagh Captain, wenn Sie wirklich glauben, ein Verräter hätte eine direkte Kommunikation vom Schiff geführt. Haben Sie auch die Kommunikationsspeicher der Shuttles und Runabouts prüfen lassen? Und wieviele Einrichtungen gibt es sonst noch auf dem Schiff, die eine unabhängige Kommunikation gestatten?“ Die Stimme des Klingonen war leise und in gewisser Weise warnend geworden und traf bei Wikland punktgenau an der Stelle, die einen weißen Fleck in den zusammengetragenen Ergebnissen darstellte. Der Blick des Captains reichte aus um Andy Duke zu vermitteln, was er dachte. Natürlich hatte Andy alle Speicher prüfen lassen, aber die Shuttles und Runabouts, an die hatte niemand gedacht. Es wäre ein leichtes gewesen für eine Person des Serviceteams, einen Techniker oder einen der Wissenschaftler, die jeweils die Ausstattung der missionsspezifischen Bauteile überwachten, hier ein Shuttle zu betreten und eine Verbindung aufzubauen. Andy hatte schnell ein Team von Technikern beauftragt und angewiesen, die betroffenen Bauteile Carah Pehl vorzulegen, die eine entsprechende Prüfung vornehmen sollte. Ein weiteres Team sollte die möglichen technischen Einrichtungen prüfen, welche man als Transmitter verwenden konnte. Aber Wikland wollte nicht so lange warten, bis von den einzelnen Stellen entsprechende Meldungen kamen, er entschloß sich eine andere verfügbare Quelle anzuzapfen. „Nummer Eins, Sie haben die Brücke. Ich bin gleich zurück.“
Wenige Minuten später öffnete sich die Tür zum Zellenblock A und Wikland trat in den Sicherheitsbereich. Von den drei Zellen in diesem Block war nur eine belegt. Ein Kraftfeld sicherte die Öffnung und zwei Sicherheitsleute hatten links und rechts neben der Zelle Posten bezogen und verließen nun den Raum, als der Captain ihnen mit der rechten Hand ein Zeichen gab, daß er mit dem Gefangenen alleine sein wollte. Wikland trat bis an den Rand der Zelle und blickte auf den Mann mit den schwarzen Haaren, der am Boden saß, mit dem Rücken an der Schlafpritsche lehnte und seinen Blick starr auf den Boden gerichtet hatte. Nicht einmal das Öffnen der Türe und das Eintreten von Wikland hatten ihn aufsehen lassen. „Imasov, stehen Sie auf!“ befahl der Captain, was jedoch nur dazu führte, daß der Gefangene seinen Kopf leicht anhob und ihn mit leeren Augen anblickte.
„Stehen Sie gefälligst auf wenn ich mit Ihnen rede. Sie sind hier auf meinem Schiff, ich erwarte Respekt von Ihnen. Sie werden mir jetzt Auskunft geben. Ich erwarte eine umfassende Information und zwar plötzlich. Sie können sich aussuchen in welchem Aggregatzustand Sie auf der Sternenbasis ankommen möchten, lebend, tot, am Stück oder als Asche. Ich erwarte präzise Antworten auf meine Fragen und zwar umgehend.“ Die Erregung in Wiklands Stimme war unverkennbar. Langsam kam Imasov nach oben. Er war sich nicht sicher, ob er sich durch Kooperation einen Vorteil verschaffen konnte, andererseits sah es so aus, als ob eine ablehnende Haltung mit immensen Nachteilen verbunden sei. Dennoch hatte er das Gefühl, der Captain würde bluffen. „Ich kenne die Statuten der Sternenflotte Captain, ich weiß daß Sie mir nichts anhaben können. Und Sie werden es tunlichst sein lassen, ein Disziplinarverfahren zu riskieren, nur weil Sie einem Gefangenen ein paar Worte entlocken wollen. Es gibt nichts was ich ihnen zu sagen hätte Captain.“ sagte er gelassen und drehte sich demonstrativ zur Wand um. „Oh, ich kann ihrem Gedächtnis gerne etwas auf die Sprünge helfen. Kürzlich hat man mich erst vor einen Untersuchungsausschuß zitiert, der sich über meine mangelnde Integrität und Disziplin empört hat. Man warf mir vor mit ungewöhnlicher Härte gegen Rebellen vorgegangen zu sein. Vielleicht wird es Zeit, daß ich dieses fehlgeleitete Klischee endlich einmal bediene.“ erwiderte Wikland aufbrausend, deaktivierte das Kraftfeld und trat in die Zelle ein.
Mit einem kräftigen Griff packte er den ungepflegten Mann am Kragen, riß ihn herum und drückte ihn an die Wand. Mit seiner großen rechten Hand schnappte er sich die Jacke und drückte sie vorne soweit mit der Faust zusammen, daß dem Händler fast die Luft wegblieb. Er spürte wie ihm der Boden unter den Füßen verloren ging, als Wikland ihn an der Wand immer höher schob. „Ich...ich...weiß doch...gar nicht...kenne nur zwei...immer nur...“
Der Captain hielt den Mann noch eine Weile fest, um ihn noch weiter einzuschüchtern. Dann ließ er ihn langsam mit den Füßen wieder auf den Boden, jedoch ohne seinen festen Griff zu lockern oder seinen wütenden und fordernden Gesichtsausdruck zu ändern. „Reden Sie, und zwar schnell!“ Imasovs Kopf irrte hin und her, er überlegte, welche Geschichte er dem Captain auftischen konnte um sich geschickt aus der Affäre zu ziehen, aber der eiskalte Blick und die Entschlossenheit, mit der Wikland ihn an die Wand drückte, signalisierte ihm, daß es wohl besser sei, zu reden. „Also gut, also gut. Lassen Sie mich los!“ lenkte er ein, was jedoch bei Wikland keine Veränderung herbeiführte. „Erst wenn ich gehört habe, was ich wissen will. Wer ist Ihr Kontaktmann in der Sternenflotte? Und versuchen Sie ja nicht mich reinzulegen, ich habe Mittel und Wege es zu überprüfen und glauben Sie mir, es ist nur zu Ihrem Vorteil, wenn Ihre Angaben der Wahrheit entsprechen.“ Imasov zappelte in Wiklands Griff. „Ist ja schon gut. Ich erzähle es ja. Ich bin ein Händler und kein Verbrecher....Vor einiger Zeit kontaktierte mich ein Kunde mit dem Wunsch um neueste technische Einrichtung, um seine Stellung auf den von ihm verwalteten Planeten zu ordnen. Ich habe daraufhin meine Kontakte zu den Ferengi spielen lassen, die immer wieder mal interessante Posten zum Verkauf feilbieten. Unglücklicherweise sind sie sehr habgierig, was dazu führte, daß mein Kunde eine andere Art der Beschaffung anregte, die einen deutlich besseren Preis gewährleistete.“ Wikland drückte den Mann noch einmal kräftig gegen die Wand „Ja einen besseren Preis für die Cardassianer und eine fette Provision für Sie. Das ist ja wohl kein Geheimnis. Die Namen Imasov. Jetzt!“ Der Händler wand sich wie eine Schlange im Griff des Captains. „Ich kenne keine Namen...“ antwortete Imasov vorwurfsvoll. „...mein Kontaktmann ist ein Admiral. Ich weiß nicht wer er ist, das ist die Wahrheit. Wenn ich etwas brauche, dann kontaktiere ich ihn über eine bestimmte Frequenz und er antwortet dann. Er bestimmt den Termin, an dem er Kontakt aufnimmt. Er informiert mich über das Kaufobjekt, die Route und die Zeit, wann es welchen Punkt erreicht. Wenn verfügbar, erhalten wir auch interne Informationen über das Schiff, so wie bei Ihnen. Wir hatten so ziemlich alles was wir brauchten, es wäre eigentlich ein Leichtes gewesen Ihr Schiff zu übernehmen, es ist mir bis heute noch schleierhaft, warum es nicht funktioniert hat.“ Wiklands schlimmste Befürchtung hatte sich bewahrheitet. Ein Admiral war der Verbindungsmann. Eine Verschwörung, Schwarzgeschäfte, Technologiehandel und Betrug in den höchsten Befehlsebenen der Sternenflotte. Eine Situation, die er nur schwer beweisen können würde. Hier brauchte er nicht nur stichhaltige Beweise, sondern auch eine clevere Idee, um den Beteiligten das Handwerk zu legen. Wikland hatte seinen Griff inzwischen etwas gelockert. „Ich kann Ihnen sagen, warum es nicht funktioniert hat. Sie haben sich mit Mir angelegt und das war Ihr Fehler! Weiter, wie erfolgt die Abwicklung?“ Imasov hatte seinen Widerstand inzwischen nahezu aufgegeben und versuchte für sich zu retten, was zu retten war. „Normalerweise werden die Anteile auf einem Handelsposten am Rande der Föderation in Form von goldgepresstem Latinum bereitgestellt. In seltenen Fällen sind dort auch die entsprechenden Zugaben deponiert. Es fällt sicher kaum auf, wenn sich die Admirals dort aufhalten und Ihre Anteile abholen. Sie lassen es wie Routinebesuche aussehen. Wissen Sie eigentlich, daß Sie mich um das Geschäft meines Lebens gebracht haben? Für Ihr Schiff, das den Cardassianern ziemlich wertvoll erscheint, hatten sie mir und den Admirals jeweils einen Landsitz auf Risa als Zugabe versprochen. Das wäre meine Gelegenheit gewesen diese Regenkugel von einem Planeten Narkimo ein für allemal zu verlassen...“ Wiklands Gesicht wechselte abrupt in ein süffisantes Lächeln. „Ich weiß gar nicht was sie wollen Imasov, dieser Wunsch hat sich doch erfüllt. Sie werden diesen Planeten nie wiedersehen müssen. Und jetzt höre ich die anderen Einzelheiten. Wieviele Personen gehören dieser „Handelsgilde“ denn an? und welcher Föderationsaußenposten ist das? Raus damit!“ Wikland war fest entschlossen alle Informationen aus Imasov herauszupressen, und wenn es Stunden dauern würde.
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