„Captain, ich halte das für keine gute Entscheidung!“
Peter Brown versuchte bereits seit einer halben Stunde energisch den Captain umzustimmen, aber Rick Sanders war nicht bereit auch nur einen Millimeter von seiner vorgefassten Meinung abzuweichen.
„Commander, ich respektiere Ihre Meinung, aber was hätten wir denn tun sollen? Alle diese Menschen auf den Planeten zurückbeamen? Das hätte uns alle dringend benötigten Energiereserven gekostet. Notlanden vielleicht, mit all den Personen an Bord? Das wäre keine Alternative gewesen. Die Leute hätten doch auf dem Planeten auch nicht die geringste Chance gehabt. Sie haben doch gesehen, was dort passiert ist, als wir ihn umflogen haben oder? Das Dominion wird wiederkommen und zwar sehr bald!“
Der erste Offizier musste sich wohl oder übel dem Captain geschlagen geben. Sie hatten auch aus dem letzten Transportschiff noch viele Menschen retten können. Insgesamt befanden sich jetzt 8.432 Personen an Bord der Golden Gate. Hauptsächlich waren es Kolonisten. Von mehr als 1.000 Sternenflottenoffizieren an Bord der Schiffe hatten weniger als 200 überlebt. Diejenigen, die nicht oder nur leicht verletzt waren halfen dabei das Schiff so gut wie möglich zusammenzuhalten.
Aber die unerwartete Flut an Menschen brachte auch viele neue Probleme mit sich. In allen Quartieren, im Hangardeck und den Frachträumen saßen und standen dichtgedrängt die Geretteten. Ein weiteres Problem war die Lebenserhaltung, die nicht in der Lage war solche Mengen von Personen mit Frischluft zu versorgen, das Temperaturniveau stieg stetig weiter, auch wenn man aus dem Frachtraum die zusätzlichen und eigentlich für eventuelle Außenmissionen gedachten Luftumwandler aufgestellt hatte.
Es war ein Glück, dass die Hauptenergie wieder funktionierte, was größtenteils auf das Talent des Chefingenieurs ‚Spike’ zurückzuführen war und überhaupt war es nur dem Hobby eines Offiziers zu verdanken, dass sie alle noch lebten. Einem Offizier, der leider nicht mehr an Bord dieses Schiffes diente, an den Rick aber sehr gerne und mit großem Respekt zurückdachte.
Es war eine vertrackte Situation gewesen, als sie feststellten, wie viele Personen sich noch auf dem letzten beschädigten Schiff befanden. Die Kapazitätsgrenze zur Aufnahme von Personen war bereits zu diesem Zeitpunkt um ein Vielfaches überschritten, aber Rick war nicht bereit auch nur einen einzelnen zurückzulassen. Nachdem man alle Personen an Bord geholt hatte wurden zunächst die Shuttlebesatzungen gewechselt, mit frischen Ladungen für Materie und Antimaterie versorgt und wieder hinausgeschickt. Danach wurde der Shuttlehangar verschlossen und zusätzliche Kraftfelder errichtet. Die beiden Shuttlehangars boten den meisten Platz für die vielen Personen aber auch jede andere Ecke wurde ausgenutzt. In den Quartieren, in denen Betten zur Verfügung standen wurden Kranke und Verletzte versorgt, in den anderen Räumen hatte es sich die Crew im Wechsel der Wachen auf einfachen Isomatten für Außeneinsätze bequem gemacht, so gut es ging.
Die Fluchtkapseln hatten sie alle aus dem Shuttlehangar in den Weltraum befördert, sollte tatsächlich jemand zur Rettung kommen, würde man diesen Hinweis verstehen.
Nachdem alles vorbereitet war, setzten sich die Shuttles wie ein Ring um die Golden Gate und aktivierten die Traktorstrahlen.
Nur durch die vielen und dafür nicht allzu starken Energiestrahlen war es überhaupt noch möglich, das Schiff zu ziehen, denn ein einzelner hochenergetischer Strahl hätte das inzwischen fragile Schiff wahrscheinlich zerbrechen lassen. Rick hatte gemeinsam mit seinem Wissenschaftsoffizier und dem Chefingenieur ein Programm ausgetüftelt, welches die Beschleunigung in allen Shuttles steuerte und somit eine gleichmäßige Bewegung garantierte. Langsam begannen die Shuttles damit ihre kostbare Fracht zu ziehen und beschleunigten erst zaghaft, dann nach Anweisungen der Brücke deutlich mehr.
Nach annähernd zwölf Stunden hatten sie endlich Warp zwei erreicht, eine ebenso gefährliche wie auch angeblich unmögliche Aktion. Dennoch funktionierte es. Rick hoffte nur, es würde lange genug funktionieren um aus dem Wirkungsbereich des Dominion zu entkommen.
Der Captain saß in seinem Stuhl auf der Brücke und schaute auf den Schirm. Es war eine ungewohnte Situation sich in dieser Weise schleppen zu lassen, aber er hatte keine Wahl, er musste zumindest die nächste Sternenbasis erreichen. Die Sternenbasis 491, eine Pilzstation, von der er auch gestartet war. Er wusste, es würde lange dauern, bis er dort ankam und er hoffte, die Replikatoren würden bis dahin noch ausreichend Speisen und Getränke ausspucken um die vielen Leute auf dem Schiff zu versorgen.
Noch immer war keine Subraum-Kommunikation möglich. Man hatte zwar notdürftig die Schaltkreise zusammengeflickt, aber es reichte gerade einmal um mit den Shuttles zu kommunizieren. Rick ärgerte sich, dass die Shuttles ebenfalls so veraltet waren, dass sie noch über keinen Subraumfunk verfügten, Die kleinen Fighter waren zwar neueren Datums, aber sie waren als Begleitschiffe und für den Nahbereich konzipiert und hatten diese Technik ebenfalls nicht an Bord.
Sie waren Blind, Taub und Stumm, hatten nur noch Sensoren, die mit geringer Auflösung arbeiteten. Man würde ein herankommendes Schiff nur identifizieren können, wenn man aus dem Fenster schaute. Die Liste der beschädigten Bauteile und der Hüllendefekte war lang.
Im Prinzip wunderte sich der junge Kommandant, dass das Schiff dennoch nicht auseinanderbrach. Tapfer trotzte es immer noch den Gefahren des Alls.
Rick erinnerte sich noch gut an den Tag, an dem er zum Captain ernannt wurde. In seiner überschwenglichen Freude hatte er mit einem tollen und großen Schiff gerechnet, hatte sich vorgestellt als Chef auf der Brücke den zentralen Stuhl zu besetzen und überlegte, wer ihn aus seinen Akademietagen um diesen Rang und das Kommando beneiden würde. Aber dann, als er das Schiff sah, welches einmal ein Schulschiff war und inzwischen längst im Flottenmuseum als Anschauungsobjekt für die Erstsemester diente, war er zutiefst enttäuscht. Erst langsam gewöhnte er sich an den Gedanken mit einem etwas aufpolierten Schiff wieder auf Fahrt zu gehen. Aber dann änderte sich seine Meinung langsam. Wo immer er auf einem Meeting oder einem Empfang gefragt wurde und sein Schiff und die dazugehörige Klasse nannte, schlugen ihm Sympathie und Anerkennung entgegen. Anfangs war ihm das unerklärlich, aber mit der Zeit kam er dahinter.
Viele der heutigen Captains hatten die Golden Gate noch als ihr altes Schulschiff in Erinnerung, auf dem Sie ihre ersten Erfahrungen im Weltraum sammelten, damals als es noch aktiv war. Sie nahmen dankend die Gelegenheit wahr, Ihre Erinnerungen an die Akademiezeit durch einen Rundgang auf der Golden Gate aufzufrischen. Immer wieder hörte Rick, es sei ein gutes Schiff, ein robustes und gleichzeitig gutmütiges Schiff, das von vielen Unterschätzt würde. Nun hatte er es tatsächlich am eigenen Leib erlebt, was dieses Schiff auszuhalten in der Lage war.
Die Worte „Captain, wir haben einige Probleme.“ rissen ihn unsanft aus seinen Erinnerungen.
Peter Brown stand neben seinem Captainsstuhl und schaute ihn an.
„Ja Commander?“ kam es von Rick etwas zögerlich. Er schien sich nur ungern von diesen Gedanken lösen zu wollen.
„Zwei unserer Shuttles haben Energieverluste. Wenn wir sie bei Warp aus dem Traktorstrahl lösen, könnte das unser Schiff zerreißen. Wenn wir verlangsamen und stoppen, geben wir möglichen Verfolgern die Möglichkeit uns vielleicht doch noch zu überraschen. Andererseits, wenn wir erst einmal unter Warp gegangen sind, ist es vielleicht möglich, dass wir das beim nächsten Versuch nicht mehr schaffen!“
Rick raufte sich die feuerroten und kurzen Haare. Das hatte ihm noch gefehlt. Gerade jetzt, wo man die Situation stabilisiert hatte. Aber alles fieberhafte Nachdenken nützte nichts, es blieb keine andere Option. Wenn die beiden Shuttles ganz ausfielen, dann würde es womöglich tatsächlich passieren, dass das Schiff zerbrach. Dieses Risiko konnte und wollte er nicht eingehen.
„Commander Brown, befehlen Sie den Shuttles zu verlangsamen, am besten auf ein viertel Impuls, dann sollen alle gleichzeitig den Traktorstrahl abschalten.“
Der erste Offizier nickte dankbar, schien aber nicht gehen zu wollen. Auch gab er noch keinen Befehl an die Shuttles.
„Ist noch etwas?“ wollte Rick wissen und suchte den Blick des Commanders, dessen Augen auch die Müdigkeit und erheblichen Strapazen widerspiegelten, die er bei seinem morgendlichen Blick in den Spiegel bei sich entdeckt hatte.
„Ja, Captain. Wir haben massive Probleme mit den ganzen Menschen hier an Bord. Sie sind inzwischen fast zwei Tage hier an Bord und trampeln sich im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig auf die Füße. Sie haben nicht oder nur kaum geschlafen, wie wir. Alle sind reizbar und lassen Ihren Unmut an den Offizieren aus, die inzwischen auch unter extremen Stress stehen. Die Krankenstation ist überfordert. Selbst von den Kolonisten haben nur wenige medizinische Grundkenntnisse. Die Lebenserhaltung wird mit der Dauerbelastung nicht fertig, wir mussten schon mehrere Spulen austauschen und vier unserer Hochleistungstransistoren haben bereits den Geist aufgegeben. Lange halten wir das nicht mehr durch!“
Commander Brown hatte seine Stimme gesenkt, damit nicht alle auf der Brücke die Unterhaltung mitbekamen, aber sie wussten ohnehin, wie es um das Schiff, die Mannschaft und die Geretteten stand es war eine ausweglose Situation und so langsam schienen viele in Hysterie verfallen zu sein, nachdem sie begriffen hatten, was eigentlich passiert war.
„In Ordnung, verstehe. Versuchen Sie so viele Leute wie möglich zu beschäftigen. Geben Sie ihnen eine Aufgabe, auch wenn sie stupide, unsinnig und wenig attraktiv erscheinen mag. Machen Sie es wichtig. Sie müssen das Gefühl haben, dass Sie gebraucht werden. Arbeiten Sie einen Plan aus, der jedem mindestens sechs Stunden Schlaf garantiert, vor allem der aktiven Besatzung. Ich weiß auch, dass wir hier fast auf verlorenem Posten sitzen, wenn uns nicht irgendjemand findet. Aber wir müssen das Beste daraus machen Commander. Geben Sie entsprechenden Anweisungen. Danke Mr. Brown.“
Rick wusste, dass auch der erste Offizier sich das erste Kommando auf diesem für ihn neuen Schiff etwas anders vorgestellt hatte. Die Türe des Turbolifts öffnete sich und der Chefingenieur und zwei weitere Männer der Technik, sowie ein Wissenschaftsoffizier kamen herein. Rick wusste, dass es jetzt darauf ankam das alles funktionierte. Jeder verdrängte einen Brückenoffizier von seinem Stuhl und war damit beschäftigt zahlreiche Eingaben über die Displaytasten einzugeben.
„An alle Shuttlebesatzungen: Hier spricht der Chefingenieur, Wir werden unter Warp gehen. Versuchen Sie nicht, die automatische Flugkontrolle auszuschalten.“
Das war eine Vorsichtsmaßnahme, damit nicht ein übereifriger Pilot plötzlich gegensteuern würde. Bei dem zerbrechlichen Zustand des Schiffes konnte das verheerende Folgen haben.
Der Captain und Commander Brown beobachteten, wie die Warpstreifen auf dem Bildschirm immer Kürzer wurden, bis sie völlig verschwunden waren. Die Traktorstrahlen wurden gelöst und das Schiff trieb nun, von der Beschleunigung noch weitergetrieben, unter Lichtgeschwindigkeit weiter. Auf dem Bildschirm war diese Vorwärtsbewegung freilich nicht mehr feststellbar, auch wenn sie bei weitem noch das überstieg, was aus einem Shuttlepod oder einer Transportfähre herauszuholen war.
Sie hatten diesen kritischen Punkt überwunden, eine weitere gefährliche Situation überstanden. Rick schaute sich um. Spike, dem Chefingenieur und seinen beiden Technikern stand der Schweiß auf der Stirn, aber sie lächelten.
* * *
Captain Frank Dekkers hatte in der Zwischenzeit den Planeten scannen lassen. Obwohl der Vulkanier bereits den als sicher geltenden Verdacht geäußert hatte, basierend auf den Fragmenten der Übertragung von der Jerusalem, dass das Dominion diesen Angriff ausgeführt hatte, kamen erst jetzt die endgültigen Beweise dafür. Die Energierestspuren der Waffeneinsätze stimmten mit denen der Jem’Hadar überein und auf dem Planeten hatte man alle größeren Städte bombardiert und dem Erdboden gleich gemacht. Dort schien keiner Überlebt zu haben. Der ganze Planet war wie leergefegt.
Frank schüttelte den Kopf über diese unnötige Gewalt. Was hätten die Kolonisten schon gegen eine Division der Jem’Hadar ausrichten können? Sie hatten nicht einmal genug Waffen um einen größeren Angriffstrupp zusammenstellen zu können. Überall ein Bild des Schreckens und der Zerstörung. Der Planet war mit mehreren hunderttausend Männern und Frauen besiedelt. Es hätte mehr als fünf Konvois gebraucht um ihn zu evakuieren. Und nun war niemand mehr übrig.
Frank überlegte angestrengt, während das Schiff mit Impuls zu den Koordinaten flog, an denen sich die Fluchtkapseln befanden.
War die kleine Flotte direkt in einen Hinterhalt geraten, oder hatte das Dominion das Ganze nur hervorragend ausgenutzt. Die Schiffe der Föderation waren mit guten Schilden versehen. Eine solche Zerstörung war untypisch, auch für das Dominion. Hatten Sie gar keine Schilde aufbauen können, oder hatten die Jem’Hadar gewartet, bis die Kolonisten hochgebeamt worden waren, um dann anzugreifen, wenn die Schiffe am verwundbarsten waren, mit heruntergelassenen Schilden? Wenn ja, warum fand man dann in den Schiffen keine Leichen? Wer hatte sie alle herausgeholt und wo waren sie?
Alles Fragen, auf die Frank eine Antwort suchte.
„Captain, wir haben die Fluchtkapseln erreicht.!“ Riss ihn Fähnrich Karen Walters aus seinen Überlegungen, die heute für die OPS eingeteilt war.
„Auf den Schirm!“ befahl er und staunte nicht schlecht als eine große Anzahl von Fluchtkapseln unterschiedlicher Bauart zu sehen war. Schnell hatten die Offiziere die entsprechenden Informationen bereit.
„Captain, es sind Fluchtkapseln von verschiedenen Schiffen, der Jerusalem, der Yellowstone, der Mississippi und der Colorado. Auch vier Fluchtkapseln der Großtransportschiffe haben wir gefunden,... leider keine der Golden Gate!“
erklärte Fähnrich Walters dem Captain, wobei sie eine kurze Pause machte, bevor sie den letzten Satz aussprach.
„Nun, dass muss nicht notwendigerweise heißen, dass sie zerstört oder vom Feind gekapert wurde nicht wahr? Gibt es hier noch Spuren von anderen Schiffen? Sie sagten etwas von einer Warpspur?“ wandte sich Frank an die Vulkanierin Shelar, die vor wenigen Minuten durch die Steuerbordseitige Tür auf die Brücke getreten war.
„Ja, das ist korrekt Captain. Nicht weit von hier beginnen einige Warpspuren, allerdings ist nicht festzustellen wer sie erzeugt hat. Sie sind bereits so zerfallen, dass eine sichere Zuordnung nicht mehr möglich ist. Tatsache ist allerdings, dass sie nicht von der Golden Gate stammen. Es ist sehr merkwürdig. Es scheint sich um mehrere Spuren zu handeln, die alle auf der gleichen Ebene liegen und einen breiten Korridor bilden. So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Franks Kopf schien bereits wieder Theorien, Fakten und Mutmaßungen zu verarbeiten.
„Sagten Sie nicht vorhin, dass es in dem Trümmerfeld nur so von Impulsspuren gewimmelt hat?“ wollte er nur noch einmal zur Bestätigung wissen.
„Ja, auch das ist korrekt. Aber ich weise darauf hin, dass dies normal ist. Eine Flotte, die in einen Kampf verwickelt wird, wird sich immer mit Impulsgeschwindigkeit bewegen, denn sie wird Manöver ausführen um dem Gegner zu entkommen oder die geringste Angriffsfläche zu bieten.“ Frank nickte mit dem Kopf.
„Könnte es auch sein, dass diese Spuren, sagen wir einmal, von Shuttles erzeugt wurden, die nach Überlebenden gesucht haben?“ Frank klammerte sich dabei an ein Versprechen, dass ihm sein ehemaliger Kommandant einmal gegeben hatte. Damals hatte er gesagt:
„Wenn ich jemals in die Situation komme, dass jemand nicht wieder vom Außenteam zurückkommt oder auf andere Weise verschwindet, dann werde ich nicht eher ruhen bis ich ihn wohlbehalten wieder zurückhabe oder seine sterblichen Überreste gefunden habe.“
Die Vulkanierin nickte kurz, „Die Möglichkeit besteht selbstverständlich, aber sie ist sehr gering.“
Langsam wurde dem Captain einiges klar und er setzte das Puzzle Stein für Stein zusammen. Er wusste wo die möglichen Überlebenden abgeblieben waren, er wusste, wo die Golden Gate abgeblieben war, er hoffte... nein er wusste, dass Rick Sanders noch am Leben war.
„Lt. Sanchez, setzen Sie Kurs und folgen Sie der Warpspur mit Warp sechs. Ich möchte sobald wie möglich denjenigen erreichen, der diese Warpsignatur hinterlassen hat.“
Der Lieutenant an der Conn bestätigte den Befehl und schon waren auf dem Bildschirm die zu Streifen verzerrten Sternpunkte zu sehen.
Kaum hatte Frank diesen Befehl erteilt hörte er ein Räuspern hinter sich und kontrollierte Schritte, die auf ihn zu kamen. Schnell drehte er sich um und sah den Vulkanier Kelor auf sich zukommen.
Er wusste nur zu gut was das zu bedeuten hatte, daher kam er ihm zuvor.
„Mr. Kelor, kann ich Sie bitte in meinem Raum sprechen, Commander West, Sie bitte auch. Lt. Quist, Sie haben die Brücke!“ wandte er sich an den taktischen Offizier, der sofort aufsprang um die Führung zu übernehmen. Er bedeutete den beiden Anderen mitzukommen. Beide folgten Sie dem Captain, als er durch die linke Türe trat und in den nahegelegenen Bereitschaftsraum trat.
Er ließ dem Vulkanier nicht eine Sekunde Zeit seine sicherlich ausgefeilten Triaden vorzutragen sondern fing sofort damit an, seine Meinung darzulegen. Eigentlich war es weniger eine Meinung, als mehr eine Feststellung, aber er konnte und wollte es nicht zulassen, dass dieser sogenannte „Beobachter“ sich ständig in den Betriebsablauf seines Schiffes einmischte.
„Mr. Kelor, ich bin sicher, Sie haben wieder einen besonders wichtigen Einwand den ich unbedingt berücksichtigen muss. Ich bin gerne bereit mir Ihre Ausführungen anzuhören, aber bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich es vorziehe derartige Beratungen hier in meinem Bereitschaftsraum oder dem Besprechungsraum abzuhalten, wo sie nicht ständig die gesamt Führungscrew mit anhören muss.“
Der Vulkanier kam emotionslos und wortgewandt gleich zur Sache:
„In der Tat Captain, ich verlange, dass Sie auf der Stelle die unnötige Suche nach möglicherweise Überlebenden einstellen. Sie werden auf der Sternenbasis zurückerwartet und nicht nur dass. Ich darf Sie nachdrücklich noch einmal an die Fertigstellung der Testflüge erinnern. Wie Sie gesehen haben, gibt es hier nichts mehr, was noch von Wert wäre oder was eine Rettungsoperation rechtfertigen würde.“
Frank musste sich einen bissigen Kommentar verkneifen, obwohl er ihm bereits auf der Zunge lag. Aber es kam noch schlimmer.
„Ja Captain, ich sehe das ebenfalls so. Es bringt sicher nichts, wenn wir versuchen dieser Warpspur zu folgen, es könnte sich dabei auch um eine Falle handeln, die uns in die gleiche Situation bringt wie die Schiffe, die wir eben gesehen haben.“ Fiel Frank sein erster Offizier in den Rücken.
„Ich werde nicht damit hinter den Berg halten, dass ich Ihr Vorgehen missbillige!“ sagte Kelor „Ich werde der Sternenflotte Bericht erstatten und dann werden Sie erfahren, wie man die Sache an oberster Stelle sieht.“ Ergänzte der Vulkanier noch. Dabei blieb er ebenso Ausdruckslos wie auch seine Stimme keinerlei Veränderung aufwies, ein typisch vulkanisches Statement eben. Er hielt es auch nicht für nötig den Captain darüber zu informieren, dass er bereits am Vorabend einen entsprechenden Bericht abgesetzt hatte.
„Nun gut Mr. Kelor, dann können Sie mir gerne Ihre Einschätzung schildern, ich werde sie meinem Bericht hinzufügen, denn ich habe ohnehin vor, einen entsprechenden Bericht zunächst an unsere Basis und dann an das Flottenhauptquartier zu schicken. Man muss baldmöglichst wissen, was hier passiert ist.“
Diese Information löste plötzliches Unbehagen bei Lt. Cmdr. West aus. Anscheinend befürchtete er, dass er vom Captain für das bisherige Verhalten eine Rüge erhalten würde.
Aber Frank hatte andere Dinge im Kopf.
„Die Analyse der wenigen Wrackteile der Golden Gate lässt den Schluß zu, dass sie übel zugerichtet ist. Einige wenige Teile haben wir gefunden, die nötig sind um wichtige Schiffsfunktionen aufrecht zu erhalten. Impulsantriebsspule, Teile der Warpgondelverkleidung und andere sonstige Bauteile sind aus dem Schiffsrumpf regelrecht herausgetrennt worden. Auch ein Bereich der Untertassensektion, was bedeutet, dass der Rumpf gebrochen ist! Ich werde diese Leute nicht hier draußen zurücklassen, ohne Hoffnung auf eine Rettung. Ich werde weiterfliegen, auch ohne Ihre Zustimmung!“der Lt. Cmdr. versuchte den Captain umzustimmen,
„Captain, denken Sie an unser Schiff und unsere Crew. Alle Leute hier sind neu an Bord, kaum einer hat Erfahrung mit den neu angeordneten Systemen. Da schlummert ein ungeahntes Gefahrenpotential!“ ein sicherlich überflüssiger Hinweis, den Frank auch sofort mit einem fragwürdigen Blick quittierte.
„Nun, Sie müssen wissen, was Sie tun Captain. Sie scheinen meinen erfahrenen Rat nicht annehmen zu wollen. Das ist selbstverständlich Ihr Recht. Aber sollten meine Berichte zu einer Ablösung Ihres Kommandos führen, dann wundern Sie sich bitte nicht! Ich habe es nicht nötig zu Drohen, aber Sie sollten sich gut überlegen was Sie tun. Ich habe zahlreiche Freunde und viele davon sitzen in wichtigen Gremien.“
Der erste Offizier nickte scheinbar zustimmend mit dem Kopf, „Captain, ich empfehle den Vorschlag von Mr. Kelor anzunehmen. Überlegen Sie doch einmal. Wie weit könnte ein so stark beschädigtes Schiff denn überhaupt kommen? Es besteht sicher keine Chance mehr, möglicherweise führen die Warpspuren nur ins Nichts!“
Frank hatte diese Diskussion satt. Warum nur waren alle bemüht ihn an der Ausübung dieser ehrenhaften Pflicht zu hindern? Sie verschwendeten nur Zeit. Zeit, die vielleicht knapp war, wenn es darum ging Menschen zu retten.
„Lt. Cmdr. West...“
Frank sprach den ersten Offizier mit seinem tatsächlichen Rang an, obwohl es gängige Praxis auf Raumschiffen war, dass man zu einem Lt. Cmdr. einfach Commander sagte, ähnlich wie man den diensthabenden Offizier auf der Brücke als Captain ansprach, gleich welchen Rang er hatte. Er wollte ihm damit zeigen, dass er sich sein Vertrauen erst noch verdienen musste.
„...Denken Sie an die Worte, die ich zu meiner Amtseinführung zur Crew gesagt habe. ‚Seien Sie gut zu Ihrem Schiff, dann ist es auch gut zu Ihnen’. Ein Captain verliert nie den Glauben an sein Schiff. Ich kenne den Captain der Golden Gate schon sehr lange und er ist der Letzte der aufgibt. Er ist nicht nur ein guter Captain sondern auch ein hervorragender Taktiker. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass die Golden Gate dieses Massaker überlebt hat, welches man hier angerichtet hat.“ Das schien die beiden Männer vor ihm zunächst einmal wortlos zu machen, denn einige Sekunden schauten Sie den Captain fragend an.
„Ich muss mich nur vor meinem Admiral und meinen Kameraden verantworten, und ich weigere mich einfach davon auszugehen, dass sie tot sind. Das ist alles meine Herren und jetzt lassen Sie uns auf die Brücke gehen und unseren Auftrag zu Ende bringen!“
* * *
Der Captain der Golden Gate strich sich durch die roten Haare. Man hatte das Schiff zwar erfolgreich gestoppt, aber nun hatte man ein großes Problem. Ehrlich gesagt, man hatte einen ganzen Haufen Probleme und es war schwer ihnen noch eine Reihenfolge nach Priorität zu geben, denn sie waren alle wichtig, dringend und Eilbedürftig.
Es war bedauerlicherweise genau so gekommen wie man es befürchtet hatte. Es war beim besten Willen nicht möglich den Anschleppversuch aufs Neue durchzuführen. Immer wieder versagten die Triebwerke irgend eines Shuttles und der Versuch musste abgebrochen werden. Die Triebwerke waren einfach durch die hohe Belastung überbeansprucht.
Der Wissenschaftsoffizier kam zum Stuhl des Captains und versuchte seine Neuigkeiten so gut wie möglich zu verkaufen,
„Captain, ich habe eine gut und eine weniger Gute Nachricht, welche möchten Sie zuerst hören?“
Rick musste kurz Lächeln, die Crew konnte sogar noch Scherze machen. Eine Eigenschaft die ihm heute völlig abging. Aber wahrscheinlich war dies nur der Versuch ihn ein wenig aufzuheitern, denn ein richtiges Schmunzeln wollte auch dem Lieutenant nicht gelingen.
„Nun, schlechte Nachrichten hatte ich heute im Überfluss. Ich nehme die Gute Nachricht und heben Sie die schlechte für eine Zeitpunkt auf, an dem ich bessere Laune habe, so etwa in drei bis vier Jahren!“ konterte er, in der Hoffnung diese Meldung richtig quittiert zu haben.
„Einer unserer Langstreckensensoren arbeitet wieder, wie es der Zufall will ist es einer der nach hinten gerichteten Sensoren, den wir wieder aktivieren konnten. Da es aber bislang nur einer ist, den wir klarmachen konnten, ist die Auflösung sehr begrenzt. Aber wie auch immer Captain, ein Schiff kommt schnell von Achtern auf. Es wird uns in weniger als einer halben Stunde erreicht haben.“
Rick war erschöpft, genervt und völlig übermüdet. Er benötigte einige Sekunden um sich zu sammeln. Dann fragte er tonlos:
„Haben wir eine Identifikation? Ist schon erkennbar, was es ist, ein Jem’Hadar oder ein anderes Schiff, vielleicht eines von der Sternenflotte?“
Der Lieutenant schüttelte den Kopf, „Nein Sir, wir bekommen noch keinen Kontakt. Unser Subraumfunk ist immer noch ohne Funktion.“
Captain Sanders nickte resignierend mit dem Kopf,
„Gut, lassen Sie Commander Brown in meinen Raum kommen, er soll sich beeilen.“
Damit stand Rick auf und begab sich zu seinem Bereitschaftsraum.
Abgespannt ließ er sich in seinen Schreibtischstuhl fallen. Er hatte schon wieder viel zu lange auf der Brücke gesessen. Aber er wollte seine Crew natürlich auch nicht bei den schweren Aufgaben allein lassen. Er wusste, allein seine Anwesendheit gab den Leuten Auftrieb und ein Gefühl der Stärke und Sicherheit.
Das Türsignal ertönte. Rick raffte sich zu einer aufrechteren Sitzposition auf und rief
„Herein!“
Commander Peter Brown betrat den Raum. Auch er sah ziemlich fertig aus. Die sonst ordentlich liegenden Haare waren zerzaust, als wäre er gerade durch einen Sturm gelaufen.
Ein Lächeln flog über Ricks Gesicht, als er ihn ansah.
„Stürmisch da draußen?“ fragte er den ersten Offizier, der nicht wusste, was diese Bemerkung sollte, Rick nickte mit dem Kopf nach oben und schaute seine Haare an. Jetzt hatte auch der Commander begriffen.
„Oh, nein, wir haben gerade ein weiteres Belüftungssystem aufgestellt. Tut mir leid!“ erwiderte dieser und versuchte mit der Hand seine Haare ein wenig zu glätten, aber das total zerzauste schwarze Haar, wollte sich nicht bändigen lassen.
„Schon gut...“ sagte Rick und bemühte sich, seiner Stimme wieder mehr Kraft zu verleihen.
„Wir haben ein neues Problem. Ein Schiff kommt von Achtern auf, ziemlich schnell. Es wird bald bei uns sein. Zwar konnte Lt. Lendos einen der hinteren Sensoren wieder in Betrieb nehmen, und nur deshalb wissen wir überhaupt davon, aber wir sind immer noch taub und in gewisser Weise blind. Was, wenn es eine Jem’Hadar Patrouille ist?“
Peter Brown trat zu dem Stuhl vor dem Schreibtisch und setzte sich. Ein kurzes und leises aufstöhnen zeigte dem Captain, dass er diese Gelegenheit genoss. Wahrscheinlich hatte er die letzten Stunden nur stehend, liegend oder in einer Jeffreys Röhre kriechend verbracht.
„Vielleicht ist es aber auch ein Schiff der Sternenflotte, wer weiß?“
Rick Sanders schüttelte energisch den Kopf.
„Nein, das glaube ich nicht. Wenn die Sternenflotte unsere Nachricht erhalten hätte, dann wäre eine gesamte Staffel an Schiffen hierher unterwegs, schließlich wussten sie ja, welche Aufgabe wir hatten. Niemals würden sie mit nur einem Schiff hierher kommen. Das wäre unverantwortlich, nach dem, was hier passiert ist. Ich gehe leider vielmehr davon aus, dass es ein Jem’Hadar Kampfschiff sein wird. Sie haben die Trümmer gefunden und festgestellt, dass wir den Orbit verlassen haben. Die Warpspur der Shuttles ist auch für deren Sensoren immer noch wie eine Leuchtspur im All zu sehen. Ich schätze wir müssen uns auf einen weiteren Angriff vorbereiten. Was ist noch an Waffen verfügbar?“
Peter Brown blickte zu Boden.
„Wir haben alles mögliche versucht, aber bei dem ersten Angriff wurden eine Menge Systeme irreparabel beschädigt. Mit etwas Glück bekommen wir noch eine Torpedorampe klar und vielleicht einen der vorderen Hauptphaser, der hat die wenigsten Beschädigungen, da ist nur eine Spule durchgebrannt. Die nehmen wir von der hinteren Phaserbank, an der alles andere nicht mehr funktioniert. Das Ganze wird aber nicht lange halten, denn die hintere Spule bringt nur fünfzig Prozent der Leistung beim Einbau in die vorderen Emitter. Sie ist nicht ganz kompatibel.“ Rick wusste, dass sein Schiff in einem katastrophalen Zustand war, deshalb wollte er gar nicht erst versuchen einen Befehl zu erteilen.
„Wie lange wird das Dauern?“
Peter Browns Gesicht hellte sich ein wenig auf, als er einen Blick auf seinen Chronometer warf.
„Nun, wenn alles glatt gelaufen ist, dann dürfte das so in spätestens fünf Minuten der Fall sein.“ Jetzt konnte der Commander ein leichtes Grinsen nicht mehr verbergen. Rick war erst gar nicht aufgefallen, dass der Commander nicht von einer zukünftigen Aufgabe sprach, sondern eher in der Gegenwart. Erst als sich die Mundwinkel des ersten Offiziers zu einem breiten Grinsen verzogen wusste er, dass er diese Aufgabe bereits längst in Auftrag gegeben hatte.
„Sie sind ja ein ganz schönes Schlitzohr!“ lachte jetzt auch Rick, der sich freute, dass sein neuer erster Offizier nahezu die gleiche Gabe hatte, wie sein Freund, der nun ein eigenes Raumschiff kommandierte. ‚Ja,...’ dachte er sich, ‚...wenn Frank Bescheid gewusst hätte, er wäre bestimmt mit seiner Scimitar zu Hilfe gekommen. Er hätte wahrscheinlich alle Befehle der Raumflotte ignoriert nur um ihm zu helfen. Aber er hatte nun eine andere Aufgabe und war sicherlich in einem ganz anderen Sektor unterwegs, wusste nicht was hier vorging und in welcher Bedrängnis Sie sich befanden.“
„Commander, wir wenden das Schiff. Die Shuttles sollen sich hinter und unter dem Rumpf halten, wir können Sie ja nicht in die Landebucht lassen. Hoffen wir, dass es kein Jem’Hadar Schiff ist. Am besten wir legen noch ein paar Stoßgebete ein. Lassen Sie die bis jetzt funktionierenden Waffen klar machen. Sowie wir in Reichweite sind, werden wir alles abfeuern was wir haben. Das scheint unsere einzige Chance zu sein.“
Der Commander schaute den Captain mit einer Mischung aus Hoffnung und Skepsis an und fragte: „Werden wir es schaffen, Sir?“
Rick lehnte sich in seinem Sessel zurück.„Genau die gleiche Frage wollte ich Ihnen auch gerade stellen Commander!“
* * *
Frank hatte sich nach dem Gespräch im Bereitschaftsraum wieder in den Kommandosessel gesetzt und blickte auf den Bildschirm voraus. Das Sternenpanorama flog ihm entgegen und er fragte sich, ob er seinen alten Freund noch einmal lebend wiedersehen würde. Es mochte wohl sein, dass das Schiff und einige Personen überlebt hatten, aber sicherlich hatte es auch schwere Verluste gegeben. Fähnrich Kester, der die Kommunikationsstation übernommen hatte, riss ihn aus seinen Gedanken.
„Captain, ich orte mit den Langstreckensensoren ein Schiff voraus.... es ist die Golden Gate, Sir!“
Dem Captain fiel ein Stein vom Herzen. Er drehte sich zu Kelor um, aber der Vulkanier verzog keine Mine. Er schaute nur weiter unbeteiligt geradeaus, als hätte ihm jemand das Wetter von gestern vorgelesen, dass er ohnehin kannte.
„Fähnrich Kester, stellen Sie eine Verbindung her!“ wies Frank den Kommunikationsoffizier an und konnte hören wie das Piepen der Tastenrückneldung und der Computerkonsole erfolgte. Es dauerte kaum eine Minute, aber Frank kam es vor wie eine Ewigkeit, bis er endlich wieder eine Meldung des Fähnrichs erhielt, aber es war nicht diejenige, die er sich gewünscht hatte.
„Captain, ich kann keine Verbindung zur Golden Gate erhalten, alle Kommunikationskanäle sind tot, auch der Notkanal!“ Frank schaute nach vorne,
„Fähnrich Walters?“
Die junge Frau reagierte sofort. Sie wusste bereits, was der Captain wissen wollte.
„Die Golden Gate ist gerade unter Warp gefallen, wir holen jetzt schnell auf!“
Nun war es an der Zeit, dass alle Ihren Platz besetzten, Frank hoffte, dass jeder seine Aufgabe genau kannte. „Lt. Cmdr. West, geben Sie der Crew Bescheid, dass es gleich losgeht. Alle sollen sich bereithalten. Ich hoffe wir kommen noch rechtzeitig!“ Der junge Mann tippte seinen Kommunikator an und gab die entsprechenden Anweisungen an die verschiedenen Stationen.
„Captain, wenn ich Sie einen Augenblick sprechen dürfte?“ Mit diesen Worten trat Cmdr. Rychek neben den Captainsstuhl.
„Aber sicher Mr. Rychek, für Sie habe ich immer ein offenes Ohr.“ erwiderte Frank, „Worum geht es denn?“ fragte er den Commander und bedauerte erneut, dass sein erster Offizier noch nicht dieses Format erreicht hatte. Leise antwortete Rychek:
„Ich frage mich gerade, was die Leute auf der Golden Gate machen. Wenn es keine Kommunikation gibt, könnte das gesamte Subraumfunknetz ausgefallen sein, Sie sehen uns vielleicht kommen, aber sie wissen nicht wer wir sind. Wir sollten eine andere Möglichkeit der Kommunikation erwägen.“ Der Captain horchte auf. Das war logisch. Die Golden Gate könnte die Scimitar für einen feindlichen Aufklärer halten und versuchen Gegenmaßnahmen zu ergreifen, zur Not vielleicht sogar die Selbstzerstörung, wenn man keine andere Option mehr sah.“ Dem Captain lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. Aber sicher, warum hatte er nicht daran gedacht?
„Haben Sie einen Vorschlag Mr. Rychek?“
Dieser nickte langsam, „Ich habe mal von einer solchen Idee gehört, es gibt ja noch andere Möglichkeiten zum Beispiel Lichtsignale, die wären aber in unserem Fall auch nicht anwendbar, denn wenn wir nahe genug sind um das zu machen, ist es vielleicht schon zu spät, aber ich hätte da noch eine andere Idee...“
* * *
„Wie weit noch?“ wollte Captain Sanders wissen, der nun auf der Brücke der Golden Gate hin und her wanderte wie ein Tiger im Käfig.“ Der Offizier an der OPS gab umgehend Antwort.
„Wenn Sie uns nicht über den Haufen fliegen wollen, müssten Sie spätestens in vier Minuten unter Warp gehen. Sir!“
Rick schlug mit der rechten Faust in die linke offene Hand. Sie hatten wiederholt versucht weitere Sensoren zu aktivieren, aber bis auf das näherkommende Signal, war nichts weiteres zu erkennen. Er wusste immer noch nicht, wer da auf ihn zu kam.
„Nummer eins?“ fragte er den Commander.
„Alles was wir noch zu bieten haben ist vorbereitet, wir warten nur auf Ihr Zeichen!“
Plötzlich erfüllte ein leichtes, aber dennoch deutlich spürbares kurzes Vibrieren die gesamte Brücke. Dieses Vibrieren wiederholte sich einige Male. Dann setzte ein unterschiedliches Vibrieren mit längeren und kürzeren Phasen ein. Die Brückenbesatzung dachte schon an einen ersten Beschuß, aber Rick erinnerte es an irgend etwas, er kam nur im ersten Moment noch nicht darauf an was. Dann hörte es auf. Eine kurze Pause entstand, bevor es von neuem begann. Drei mal kurz, drei mal lang, drei mal kurz. Rick überlegte und dann kam ihm die Erleuchtung: Morsecode! SOS, Schiff in Not!
„Schnell etwas zum Schreiben!“ rief er und sofort wurde ihm ein Padd gereicht.
Nun schrieb Rick mit und mit jeder Sequenz, die das Schiff zum Vibrieren brachte, schrieb er einen weiteren Buchstaben auf das Padd. Gespannt blickten ihn alle an, warum er diese Vibrationen als Botschaft interpretierte.
„Captain, wir sind in Waffenreichweite, jetzt oder nie!“ brachte Commander Brown hervor, die Anspannung war ihm deutlich anzusehen. Wie Rick nun feststellte, waren es nur vier Worte, die sich immer wiederholten,.
„Stop Nummer Eins! Befehlen Sie umgehend alle Waffen zu deaktivieren! Schnell!“
Der erste Offizier war natürlich sichtlich verwirrt, aber er leistete dem Befehl folge. Rick Sanders legte das Padd auf die taktische Konsole, von wo es Peter Brown aufnahm.
Die vier Worte lauteten einfach und nüchtern: „Golden Gate, hier Scimitar!“
Noch während der Captain sich zu seinem Stuhl begab, materialisierten direkt vor dem Hauptbildschirm drei Personen. Frank Dekkers, Captain der Scimitar, Lt. Cmdr. Jonathan West und Commander Carl Rychek.
Rick stürzte förmlich seinem ehemaligen ersten Offizier entgegen um ihm die Hand zu geben, aber bei diesem stürmischen Entgegenkommen wurde es dann doch eine herzliche Umarmung.
„Es ist schön dich gesund wiederzusehen!“ sagte Frank. Der ganze Stress und die Ungewissheit, ob man Sie rechtzeitig finden würde fielen nun vom Captain der Golden Gate ab. Frank war ebenso gerührt, dass er seinen Kameraden und alten Freund tatsächlich unversehrt aufgefunden hatte. Es dauerte einen guten Augenblick lang, bevor sie sich wieder voneinander lösten und sich gegenseitig noch einmal freundschaftlich auf die Schulter klopften.
„Darf ich Vorstellen, Commander Carl Rychek, der mich bei den Einmessflügen begleitet hat und Lt. Cmdr. Jonathan West, mein erster Offizier!“ stellte Frank seine beiden Begleiter vor.
Rick verzog etwas das Gesicht, als er hörte dass der erste Offizier ein Lt. Commander war, aber er wollte die Frage zu einem anderen Zeitpunkt von Frank beantwortet haben.
„Seit mehr als zwei Tagen schleppen wir uns hier wie ein Waidwunder Tiger durchs All, immer in der Angst uns könnte doch noch ein Jem’Hadar Jäger aufbringen und endgültig fertigmachen. Wir haben seit dieser Zeit kaum noch geschlafen.“ gestand Rick den Eingetroffenen und genau so sah er auch aus.
„Am besten werden wir Euch jetzt erst mal eine Pause gönnen. Meine Crew wird für ein paar Stunden übernehmen, damit Ihr einmal alle richtig ausschlafen könnt.“ Frank tippte auf seinen Kommunikator und gab entsprechende Anweisungen. Das Team für Rescue & Recovery war ebenfalls inzwischen an Bord gebeamt worden und unterstützte die Ärzte, sowie die Techniker. Insgesamt sollten mehr als einhundert Personen an Bord gebracht werden um die Führung des Schiffes zu übernehmen, sowie Instandsetzungen vorzunehmen.
„Wie viele Leute habt Ihr eigentlich an Bord genommen, wir haben einige Rettungskapseln gefunden?“ wollte Frank wissen, aber Rick wiegelte mit der rechten Hand ab,
„Das willst Du gar nicht wissen, das sag ich Dir!“ entgegnete er, doch Frank ließ nicht locker.
„Wieviele hast Du aus diesem Inferno herausgeholt? Wir haben nichts und niemanden gefunden kaum etwas, das größer als ein Hand oder ein Fuß gewesen wäre!“
Rick atmete noch einmal tief durch, dann gab er langsam und leise Antwort,
„8.432 konnten wir lebend bergen, zirka 1.200 Leichen haben wir noch gefunden. Sie liegen im Frachtraum aufeinandergestapelt wie Vieh, aber ich konnte einfach keinen zurücklassen, verstehst Du das?“ Franks Augen hatten sich geweitet, als er die Zahl gehört hatte, schließlich hatte die Miranda Klasse gerade mal ein Evakuierungslimit von fünfhundert Personen, und er kannte dieses Schiff nur zu gut. Schließlich hatte er lange Jahre darauf gedient.
„Du hast mit Deiner Crew fast achttausendsiebenhundert Personen hier an Bord? Das schaffen die Umweltsysteme doch gar nicht?“ Rick nickte zustimmend, sein Gesicht zeigte eine besorgte Mine.
„Deshalb haben wir auch noch alle Atmosphärenumwandler aufgestellt, die wir finden konnten. Aber das System ist trotzdem völlig überlastet.“
Für Rick völlig überraschend schlug Frank nun einen Ton an, der keine Widerrede duldete.
„Wir werden auf unserem Schiff Platz machen und so viele Leute aufnehmen, wie es geht, damit sich Eure Lage entspannt. Das werden wir gleich in Angriff nehmen, wenn wir auf dem Schiff sind, aber jetzt beamen wir erst einmal rüber zur Scimitar und Du und Deine Führungscrew nehmen eine Mütze voll Schlaf. Das ist ein Befehl, dem Du dich nicht wiedersetzen kannst.“
„Das will ich auch gar nicht.“ sagte Rick Sanders matt. Er hatte ohnehin kein Gefühl mehr für die aktuelle Tageszeit, auch wenn es im All so etwas nicht gab. Auf Raumschiffen wurde ein solcher Rhythmus immer noch simuliert um die Anpassung ein wenig leichter zu machen, aber er wusste nicht, wann er in den letzten Tagen einmal für längere Zeit geschlafen hatte.
Die Ersatzcrew war inzwischen eingetroffen und Frank nahm Kontakt mit seinem Schiff auf, um sie alle auf die Scimitar zu transportieren.
Es war bereits später Abend, als in Franks Bereitschaftsraum das Türsignal ertönte.
„Herein“ rief er und nachdem sich die Türen geöffnet hatten betrat Captain Sanders den Raum. Abgesehen vom Morgen hatte er seinen ehemaligen Captain schon annähernd einen Monat nicht mehr gesehen.
„Ein wirklich schönes Schiff muss ich sagen!“ bemerkte er Frank gegenüber.„Ich habe hervorragend geschlafen und fühle mich inzwischen wieder voller Tatendrang.“
Der Captain der Scimitar lächelte milde. Er wusste ganze genau, dass man solche Strapazen über mehrere Tage hinweg nicht so einfach wegstecken konnte. Aber sein ehemaliger Vorgesetzter schien immer noch den starken Mann markieren zu wollen.
„Rick, Du hast schon mal besser gelogen. Ich weiß, Du hast mal eine richtige Mütze voll Schlaf bekommen, aber fit bist Du sicher noch nicht. Wie wäre es, wenn ich Dir erst einmal das Schiff zeige? Wir könnten uns dabei darüber unterhalten, wie Du es überhaupt geschafft hast diesem Inferno zu entkommen!“ erwiderte Frank und stand aus seinem Sessel auf.
Gemeinsam gingen sie die wenigen Schritte zur Brücke, auf der bereits die zweite Schicht übernommen hatte. Der Captain der Golden Gate war sichtlich beeindruckt. Alles schien so anders auszusehen als dass was er in den Plänen gesehen hatte und dennoch schien es ihm merkwürdig vertraut. Er schob es auf die Tatsache, dass zwischen dem neuen Design und dem der Golden Gate mehrere Jahrzehnte lagen, die natürlich viele Veränderungen mit sich gebracht hatten.
Sie durchquerten gerade die Brücke des Scoutschiffes und Frank konnte einfach nicht mehr warten mit seiner Frage.
„Wie hast Du es denn nun geschafft, als einziges Schiff nicht zerstört zu werden.?“ platzte es aus ihm heraus und Rick sah, dass sein Freund voller Ungeduld auf die Antwort wartete.
Ein Lächeln breitete sich kurzzeitig auf seinem Gesicht aus, bevor er begann die letzten Tage Revue passieren zu lassen.
„Als wir ankamen war eigentlich alles ruhig. Wir positionierten uns im Orbit und begannen mit dem hochbeamen der Personen, bis sich plötzlich ein Offizier meldete und von einem Kolonisten erzählte, der Dominion Truppen auf dem Planeten gesehen hatte. Das alarmierte uns natürlich. Wir wollten die Flotte warnen, aber es war scheinbar schon zu spät, wir bekamen keine Verbindung mehr.
Du kennst ja unser Schiff, es hätte keinen Kampf überlebt, also entschloss ich mich mit den bisher heraufgebeamten Kolonisten das Weite zu suchen. Die Jem’Hadar feuerten als erstes auf uns, wir waren in Ihrem Anflugwinkel das erste Schiff, welches sie erreichten. Wir erlitten schwere Treffer, die Energie fiel aus, eigentlich fiel alles aus.
Aber ich hatte vorgesorgt. Nachdem Du nicht mehr da warst habe ich angefangen die Logbücher und Berichte zu lesen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Ich habe in einem der Logbücher, schon lange vor dem Einsatz etwas über das van Dyke Manöver erfahren. Ein Commander Roger van Dyke hat es auf der U.S.S. Alexandria einmal in einer Krisensituation angewandt. Es war in der Kürze der Zeit nicht möglich alle Dinge zu realisieren, die er damals beschrieben hat, aber wir haben das Wesentliche geschafft. Aus den Berichten über das Dominion weiß ich, dass sie so gut wie keine Gefangenen machen. Also habe ich mit der letzten Energie die wir noch in den Batterien hatten ein invertierendes Kraftfeld erzeugt.
Die Jem’Hadar haben uns überflogen und waren der Ansicht dass keiner mehr lebt, weil wir unsere Lebenszeichen maskiert haben.
Zudem haben wir beim Überflug ein kurzes Absacken der Eindämmungsfelder simuliert, die sie wahrscheinlich glauben ließ, es würde ein Warpkernbruch bevorstehen. Als sie dann weg waren haben wir erst einmal unser Schiff zusammengeflickt und dann mit den Shuttles all diejenigen rausgeholt, die wir in den Wracks noch lebend finden konnten und diejenigen, die es leider nicht mehr geschafft haben. Danach haben wir mit unseren Shuttles die Golden Gate ins Schlepp genommen und versucht uns zur Basis zu retten. Aber irgendwann haben zwei der Shuttles schlapp gemacht und nun kommen wir nicht mehr in Gang. Den Rest kennst Du.“
Sie waren inzwischen im Maschinenraum angekommen und Rick staunte nicht schlecht als er den hypermodernen Warpantrieb sah, der in diesem Schiff erstmals zum Einsatz kam.
„Ich habe mich ab und zu bei dem Gedanken erwischt, dass ich gehofft habe, Du würdest mir zu Hilfe eilen.“ gestand Rick Sanders, während sie sich nun auf den Weg zur Shuttlerampe machten.
„Aber wo wir gerade schon dabei sind, wie hast Du eigentlich diese Morsecodes zu unserem Schiff gebracht? wollte Rick von Frank Dekkers wissen.
„Nun, das habe ich einer Idee von Commander Rychek zu verdanken, nachdem wir festgestellt hatten, dass keine Kommunikation über den Subraum mit Euch möglich war mussten wir uns etwas anderes Überlegen. Wir hatten ehrlich gesagt schon den Verdacht, dass Ihr ein Euch folgendes Schiff fast zwangsweise für diejenigen halten musstet, welche die Flotte bei Peranos 4 überfallen haben. Wir haben einen Impuls durch den Hauptdeflektor geschickt, der in der Lage war, beim Auftreffen auf Metall Schwingungen zu erzeugen. Eigentlich waren wir uns nicht ganz sicher ob es funktionieren würde, aber uns blieb keine andere Wahl!“
Rick nickte langsam mit dem Kopf.
„Weißt Du, bei jedem anderen Captain oder Schiffsnamen hätte ich trotzdem das Feuer eröffnet, weil ich es für eine Falle gehalten hätte.“
Frank grinste breit, „Na da bin ich aber froh, dass Du mich nicht über den Haufen geschossen hast. Es hat sich also doch gelohnt, Dir so lange die Treue zu halten.“ frotzelte er.
„Oh, das hat überhaupt nichts mit Dir zu tun. Selbst das Dominion konnte noch nicht wissen, dass die Scimitar bereits im Einsatz ist und welchen Auftrag sie gerade ausführt. Zudem wäre es schwer gewesen, die Verbindung zwischen Dir und mir nachzuvollziehen.“
Erklärte Captain Sanders dem etwas verblüfften Freund, der eigentlich davon überzeugt war, dass Rick es an der gemeinsamen Freundschaft festgemacht hätte.
„Wie hast Du eigentlich erfahren, was hier los war?“ wollte Rick wissen.
Frank seufzte kurz auf,
„Wir haben eine zerstückelte Nachricht von der Jerusalem erhalten und wie das immer so ist, wir waren das einzige Schiff in Reichweite. Alle anderen waren unterwegs, zu weit weg oder bereits in Kämpfe mit dem Dominion verwickelt. Also sind wir gestartet. Kannst Du dir vorstellen, dass der Alarm gerade in dem Moment aufgetreten ist, als ich meine Antrittsrede vor der versammelten Mannschaft gehalten habe?“
Rick Sanders verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen.
„Kann ich mir gerade lebhaft vorstellen. Eine Neue Crew, die sich mit den Systemen nicht auskennt und dann gleich ein Notfall. Das ist hart!“
Frank Dekkers machte eine ausholende Bewegung und hob dann den Zeigefinger, wie ein alter Lehrer.
„Jaaaa, aber das ist noch nicht alles, Mein neuer erster Offizier hat überhaupt keine Ahnung von diesem Job und obendrein muss ich mich mit einem Aufpasser rumschlagen, einem Vulkanier. Mehr brauche ich Dir dazu ja wohl nicht zu sagen.“ Rick wiegelte mit der Hand ab.
„Nein, bestimmt nicht.“ Gab er lachend zurück, während sie auf die große Tür zum Shuttlehangar zuliefen.
Die Tür öffnete sich und gemeinsam betraten sie die weite Halle, in der die Shuttles sauber aufgereiht zu beiden Seiten standen.
„Da oben...“ deutete Frank an die Decke, „...da ist der Durchgang, mit dem man die Shuttles nach oben in das Scoutschiff befördern kann. Dafür gibt es hier im Boden eine Hebevorrichtung.“
Rick war immer noch fasziniert von der Umsetzung des Schiffes. Inzwischen waren es über zwei Jahre her, dass er die Pläne an das Büro für Raumschiffdesign weitergeleitet hatte und ehrlichgesagt hatte er nie zu träumen gewagt, dass ein so kühner Entwurf tatsächlich den Weg in die Umsetzung gefunden hatte.
„Was hältst Du denn von Deinem Captainsshuttle?“ wollte er neugierig wie er war von Frank wissen.
„Ach, das ist wohl irgend eins von den vielen hier, ich habe zwar schon alles inspiziert, aber ich schätze mal, es wird hinten das große sein.“ Frank deutete auf ein Shuttle vom Typ 8 welches deutlich länger war als die übliche Ausführung dieses Types.
„Ehrlich gesagt, ich habe es noch gar nicht ausprobiert. Es gab so viel zu tun, dass ich leider nicht dazu gekommen bin, alles bis in die letzte Ecke anzusehen. Aber ich habe ja noch viel Zeit, das alles zu erforschen. Das hier ist schließlich mein erster richtiger Auftrag. Und mein Schiff ist noch nicht einmal offiziell vom Stapel gelaufen. Ein Kuriosum, wenn man so will.“ lächelte er und schob Rick wieder in den Gang um den Rest des Schiffes zu besichtigen.
Rick sollte vor dem Schlafengehen auch noch das Scoutchiff sehen.
Der nächste Tag war angefüllt mit geschäftiger Betriebsamkeit. Es hatte immer noch einige Schwierigkeiten gegeben, aber nach und nach hatte man auch auf die Frage der Antriebsbeschädigung eine Antwort und schließlich eine Lösung gefunden. Die Golden Gate war wieder in der Lage, den Warpantrieb zu verwenden. Wenn auch die Geschwindigkeit kaum mehr als Warp zwei betragen würde. Aber es war zumindest so, dass Sie aus eigener Kraft fliegen konnte. Die Scimitar hatte einen Grossteil der Geretteten aufgenommen und man hatte sich darauf geeinigt am frühen Morgen des nächsten Tages wieder in Richtung Sternenbasis 491 aufzubrechen.
Frank hatte Rick Sanders gebeten noch etwas länger auf der Scimitar zu bleiben, aber dieser hatte abgelehnt. Frank hatte nicht versucht ihn umzustimmen, er wusste, dass würde nicht funktionieren. Er selbst würde ebenso handeln. Für einen Captain galt als erste und oberste Pflicht immer dem Schiff und der Crew.
So verabschiedeten sich die beiden Freunde am späten Abend im Transporterraum der Scimitar.
„Wir werden an Euch dranbleiben, nur für den Fall dass...“ sagte Frank, wobei er den Satz offenließ, aber Rick wusste auch so, was er damit meinte. Letztendlich galt es ja auch die große Anzahl an Siedlern und Kolonisten wieder wohlbehalten auf der Sternenbasis abzusetzen.
„Ja, ich verstehe. Vielen Dank für Alles, Du hast was Gut bei mir!“ merkte Rick an.
Mit einem herzlichen und kräftigen Händedruck verabschiedeten sich die beiden, dann setzte der Transporterstrahl ein und ließ Rick in einem glitzernden blauen Licht verschwinden.
* * *
Die Golden Gate flog voraus. Mit knapp Warp 2,1 war man angesichts der Umstände sehr zufrieden. Rick hatte inzwischen mehrfach Kontakt mit der Scimitar gehalten und versuchte gute Laune zu verbreiten. Er lobte die Crew von Franks Schiff für die Reparatur, obwohl man das sicher alleine hinbekommen hätte, wenn die benötigten Teile vorhanden gewesen wären. Aber er wollte seinem Freund auch die Freude und Dankbarkeit über die gelungene Instandsetzung übermitteln. Auf seinem Schiff hatte er nun noch knapp zweitausendfünfhundert Personen, die anderen waren auf der Scimitar, die für entsprechende Evakuierungszahlen ausgelegt war. Ein weiterer Tag näherte sich dem Ende und Frank fragte erneut, ob nicht wenigstens Rick und sein erster Offizier noch einmal herüberbeamen wollten um den Erfolg bei ein paar rigelianischen Bieren in der Bar der Scimitar beschließen zu wollen. Aber Rick, der inzwischen wieder voll in seinem Element war, lehnte ab. Er war nur bestrebt, all die Leute sicher und möglichst schnell nach Hause zu bringen. Noch lag ein weiter Weg mit einer mindestens einwöchigen Reise vor Ihnen. Mit hoher Warpgeschwindigkeit wäre man sicherlich in weniger als zwei Tagen am Ziel, aber so dauerte es eben seine Zeit.
Frank saß in seinem Stuhl und blickte auf das Sternenpanorama, welches ihm entgegenflog. Bei Warp zwei waren die Warpstreifen noch nicht ganz so lang. Voraus sah man in einiger Entfernung die Golden Gate als kleinen Punkt auf dem Bildschirm.
Frank überlegte gerade, ob er sich gemeinsam mit Carl Rychek und seinem ersten Offizier einen gemeinsamen Kaffee genehmigen sollte. Schließlich flog man gemeinsam mit Warp in Richtung Sternenbasis, was sollte also schon passieren. Er stand auf und ging die wenigen Schritte in den Flur, durchschritt die Doppelschotten und bog auf die Brücke des Scoutschiffes ein. Im Stuhl des Captains saß Lt. Commander West und beobachtete ebenfalls aufmerksam den Bildschirm.
Gerade in dem Moment, in dem Frank sich entschieden hatte und seine Stimme erheben wollte, meldete plötzlich die Andorianerin Shiva York von der Wissenschaftskonsole eine wahre Katastrophe,
„Captain, wir erhalten Messungen von drei Schiffen, die sich mit hoher Warpgeschwindigkeit von Achtern nähern.“
Frank schreckte förmlich zusammen, vergessen waren plötzlich all die Pläne über einen ruhigen Nachmittag im Casino.
„Können Sie feststellen, welche Bauart?“ wollte er an die Andorianerin gerichtet wissen.
Ein Blick nach unten auf das Display genügte um Gewissheit zu erlangen.
„Ja Sir.... es sind Jem’Hadar Kampfschiffe, sie werden bei dieser Geschwindigkeit in spätestens fünfzehn Minuten hier sein!“
Für einen Augenblick waren alle wie gelähmt. Sicherlich, man hatte mit der Möglichkeit gerechnet, dass sie die Warpspuren auffinden würden. Aber insgeheim hatte man gehofft, dass sie keine Schiffe zur Verfolgung aussendeten. Doch nun sah das Ganze schon sehr bedrohlich aus. Frank wollte sich gar nicht erst vorstellen, warum man gleich drei dieser Kampfschiffe geschickt hatte. Es war nur allzu klar. Keiner sollte überleben um der Flotte eine Nachricht zu übermitteln. Vielleicht war es aber auch einfach nur der Ehrgeiz, dass man für die Gründer einen weiteren Erfolg verbuchen und gleichzeitig die Föderationsflotte demoralisieren wollte. Auch so etwas passte ins Bild der Jem’Hadar.
Frank hatte bisher vermieden eine Nachricht an die Flotte zu senden, in der Hoffnung, dass die Jem'Hadar bei entsprechender Funkstille auf eine Verfolgung verzichten würden. Allerdings hatte er diese Vorgehensweise lediglich sich selbst auferlegt, erst jetzt wurde ihm bewusst, dass es mit Sicherheit noch jemanden anderen gab, der dringend eine Nachricht ans Hauptquartier oder eine der Sternenbasen abgesandt haben könnte.
„Eine Verbindung zur Golden Gate!“, wies Frank die Bajoranerin Raal Dareen an, die an der Kommunikationskonsole saß.
„Verbindung steht!“ meldete die junge Frau und auf dem Schirm erschien die Brücke der Golden Gate.
„Wir haben Gesellschaft Rick!“ erklärte Captain Dekkers. Er brauchte nicht zu erwähnen, dass es sich um das Dominion handelte, das schien Captain Sanders sofort realisiert zu haben.
„Hast Du irgendwelche Vorschläge?“ fragte er Frank. Auch ihm sah man an, dass er sich plötzlich sehr unbehaglich fühlte.
„Was bleibt uns schon anderes übrig. Wir werden unser Schiff trennen, das Scoutschiff bleibt hier und Dir Feuerschutz geben. Ich werde alles nötige veranlassen, viel Glück und halt die Ohren steif. Dekkers Ende!“
Die Verbindung wurde getrennt und man sah wieder die Sterne und die Golden Gate auf dem Schirm.
„Lt. Cmdr. West, kommen Sie mit in den Bereitschaftsraum.“ Der erste Offizier gab Alan Brownfield, dem zweiten Offizier, der für das Scoutschiff zuständig war ein Zeichen seinen Stuhl zu besetzen und folgte dem Captain, der auf seinen Kommunikator tippte, „Commander Rychek, es gibt Probleme, kommen Sie bitte in meinen Raum auf dem Hauptschiff. Deckers, Ende!“ genau in dieser Situation zeigte sich wieder das sehr effiziente Design des Schiffes es waren nur wenige Meter bis zum Bereitschaftsraum und als sie die Türe erreichten, trat auch schon Carl Rychek aus dem Turbolift. Gemeinsam nahmen alle drei im Bereitschaftsraum des Captains Platz.
„Wir haben nicht mehr viel Zeit.“ kam Frank sofort zur Sache. „Commander Rychek, ich möchte, dass Sie gemeinsam mit Lt. Commander West das Scoutschiff übernehmen und der Golden Gate Feuerschutz geben. Wir werden uns umgehend trennen. Lassen Sie sich etwas einfallen, wie Sie den Schutz am effizientesten umsetzen. Wir werden wenden und versuchen den Jem’Hadar Einhalt zu gebieten. Ich hoffe, dass wir nicht das gleiche Schicksal teilen müssen wie die anderen Schiffe. Wie ich inzwischen erfahren habe, waren Sie allerdings zum Zeitpunkt des Angriffs ohne Schilde und nicht auf einen Angriff vorbereitet. Es wird schon schief gehen.“
West und Rychek nickten, obwohl sich Jonathan West in seiner Haut überhaupt nicht wohl fühlte. Der Captain schien noch immer Vorbehalte zu haben und ihm nicht vollständig zu Vertrauen. Warum sonst würde er ihm einen Aufpasser zuweisen. Aber er sagte nichts. Zumindest hatte er ja nun gemeinsam mit Cmdr. Rychek das Kommando über das Scoutschiff erhalten. Zwar völlig überraschend und auch ausgerechnet in einer so prekären Situation, aber er war zumindest auf sich gestellt und konnte dem Captain vielleicht beweisen, das er etwas drauf hatte. Das hoffte er jedenfalls, wenn Commander Rychek ihn nicht ebenfalls wie einen Lakaien behandeln würde. West empfand es als eine bodenlose Gemeinheit, dass der Captain ihn mit einer gewissen Ignoranz bestrafte. Anders konnte er es nicht ausdrücken, denn bei jeder Gelegenheit, die sich bot sprach der Captain ihn mit seinem tatsächlichen Rang eines Lt. Cmdr. an, obwohl ihm nun sicherlich die übliche Kurzform und die Nennung als ersten Offizier zustand. Die Ermahnung des Captains, die er bei seinem Dienstantritt erhalten hatte, fand er ohnehin als reine Schikane.
Mit grimmiger Mine trottete er Rychek hinterher in Richtung Scoutschiff, um die Trennung vom Hauptschiff vorzubereiten. Als sie direkt vor der Tür zur Brücke des Sekundärschiffes im Flur standen hielt Rychek ihn am Arm fest.
„So mein Freund, jetzt wollen wir einmal sehen, ob Sie es Wert sind, eine vollwertige Nummer Eins zu werden. Merken Sie sich eines: Sie sind die rechte Hand des Captains, ohne Sie ist er nur ein halber Mensch. Sie müssen auf seiner Wellenlänge denken, aber immer einen Schritt voraus sein. Sie müssen ahnen, welche Entscheidung er treffen muss, Sie müssen wissen was er als nächstes Tun wird. Sie müssen ihm Freund und Familie sein. Überwinden Sie Ihren eigenen Ehrgeiz. Es ist eine große Ehre die Nummer zwei auf dem neuesten Schiff der Flotte zu sein, also verhalten Sie sich auch so. Wissen Sie eigentlich, dass er das Schiff vom Kiel bis zu den oberen Positionslichtern ohne Hilfe entworfen und alle Berechnungen selbst zusammengestellt hat? Es ist sein Schiff, vergessen Sie das niemals, bringen Sie ihm den nötigen Respekt entgegen! Und jetzt machen Sie ihren Job, gehen Sie da rein und wenden Sie das an, was Sie bei der Sternenflotte gelernt haben. Denken Sie daran, es gibt nur eine oberste Priorität Das Schiff und die Mannschaft.“
Damit wandte sich Carl Rychek um und eilte in Richtung Turbolift.
„Wo wollen Sie hin!“ rief Jonathan ihm etwas entsetzt hinterher. Der Commander blieb stehen, und drehte sich noch einmal kurz zu Jonathan West um,
„Ich werde Sie verlassen. Sie sind ein ganz passabler Taktiker und das hier ist ein gutes Schiff, wahrscheinlich das Beste, welches ich in meiner Laufbahn beim Zusammenbau beaufsichtigt habe. Aber wenn es hart auf hart kommt, und darauf können Sie Gift nehmen, dann braucht unser Captain jede Hilfe, die er kriegen kann und da unten Im Schiffsrumpf, da schlummert noch eine Überraschung. Für den Captain, genauso wie für die Jem’Hadar. Und jetzt viel Glück!“
Damit nahm Rychek seinen ursprünglichen Kurs wieder auf und verschwand im nächsten Turbolift. Jonathan West hingegen betrat die Brücke und löste Lt. Brownfield wieder ab. Er setzte sich in den zentralen Stuhl und erklärte kurz die Situation,
„Wir werden uns vom Hauptschiff lösen und der Golden Gate unsere Aufmerksamkeit widmen für den Fall, dass tatsächlich jemand bis hierher kommen sollte. Es wird mit Sicherheit nicht leicht werden, aber wir müssen uns zusammenreißen. Es steht viel auf dem Spiel und ich denke, wir alle wollen unseren Captain nicht enttäuschen.“
Die Brückencrew gab ein einstimmiges „Aye Sir!“ von sich und wartete auf weitere Anweisungen.
Er konnte es fast nicht glauben was er da eben gesagt hatte, er hatte fast die gleichen Worte gewählt, wie es Captain Dekkers getan hätte.
„Na denn los, Fähnrich Miller, verschließen Sie alle Schotten und lösen Sie die Andockklammern. Fähnrich Raal, eine Verbindung mit dem Hauptschiff.
Auf dem Bildschirm erschien die Hauptbrücke der Scimitar.
„Captain, wir docken ab und beziehen Position bei der Golden Gate, wie befohlen!“
Frank Dekkers nickte zustimmend. Aber dann fiel ihm etwas auf.
„Lt. Cmdr. wo ist eigentlich Cmdr. Rychek?“ ohne zu zögern gab Jonathan West Antwort.
„Er ist noch im Maschinenraum um etwas am Warpantrieb zu überprüfen, aber er wird sicher bald wieder zurück sein, Sir!“ Das war eine glatte Lüge genaugenommen wusste er nicht einmal wo er sich auf dem Schiff befand, auch wenn er einen Verdacht hatte, aber dem Captain schien es zu genügen.
Frank schien beruhigt zu sein. Es war gut, wenn Rychek dem jungen Mann noch etwas Führung gab, alleine hätte er ihm sicherlich nicht einmal ein Shuttle anvertraut.„In Ordnung, halten Sie die Augen auf! Dekkers Ende!“
Die junge Frau an der OPS hatte inzwischen alle Vorbereitungen getroffen.
„Wir können ablegen Sir!“ meldete sie knapp.
„Gut, dann lassen Sie uns machen, das wir wegkommen, damit die Scimitar noch genug Zeit hat Ihren eventuellen Angriff vorzubereiten.“ Jonathan West formulierte es mit ‚eventuell’ sehr optimistisch, obwohl er mit ziemlicher Sicherheit wusste, dass ein Kampf unausweichlich war.
Das Geräusch der sich lösenden Andockklammern war deutlich zu hören und kurz darauf sah man, wie die Scimitar unter dem Scoutschiff davonzog und eine leichte Kurve einleitete, dann war sie auf dem Schirm nicht mehr zu sehen.
„Lt. Brownfield beschleunigen Sie ein wenig so dass wir zur Golden Gate aufschließen können. Schilde hoch und volle Waffenbereitschaft herstellen. Alarmstufe rot!“
* * *
Frank hatte die Scimitar gewendet und flog den Jem'Hadar entgegen, es würde nur noch wenige Minuten dauern, bis er sie erreichen würde.
„Schilde hoch, machen Sie die Torpedos scharf und lassen sie alle Phaser hochfahren. Die Jem’Hadar sind ziemlich konsequent, wenn wir sie nicht beim ersten Anflug richtig eindecken, dann könnte das ein Ticket ins Nirgendwo werden!“ wies er Lt. Gerald Quist an.
Seine ganze Konzentration galt jetzt der Situation die er nun zu meistern hatte. Keinen Gedanken verschwendete er im Moment an die vielen Personen, die er auf sein Schiff übernommen hatte, um die Golden Gate zu entlasten.
„Captain, die Jem’Hadar gehen unter Warp!“ kam die Stimme von Caren Walters und Frank reagierte sofort.
„Lt. Sanchez, Wir gehen ebenfalls unter Warp. Bringen Sie mir die Schiffe des Dominion auf den Schirm!“
Die Scimitar verließ den Warptransfer und sah sich drei Schiffen gegenüber, die eng nebeneinander auf gleicher Ebene näher kamen.
„OK, sowie sie in Waffenreichweite sind, Feuer frei!“ gab Frank den Befehl zum Angriff.
Doch im selben Moment, in dem die Scimitar die ersten Torpedosalve aus den Rohren entließ passierte etwas unvorhergesehenes. Plötzlich tauchte direkt hinter den drei Schiffen ein weiteres viertes Schiff auf, stieg höher und beschleunigte auf Warp.
„Verdammt, warum haben wir das nicht erfasst!“ fluchte der Captain. Aber es war ohnehin zu spät, das Ziel dieses Schiffes war völlig klar. Die Golden Gate.
Noch während Frank überlegte, wie er sich nun verhalten sollte schlugen die ersten Torpedos breitgefächert auf die Schilde der Jem’Hadar Jäger auf, ohne größeren Schaden anzurichten. Als hätten die Jem’Hadar das als Kommando verstanden, brachen sie ihre Formation auf und flogen in unterschiedlichen Angriffslinien auf die Scimitar zu.
Frank blieb nur eins zu tun übrig. „Feuer nach eigenem Ermessen. Schicken Sie alles rüber was wir haben und was in unserer Waffenreichweite liegt.“ Frank hatte den Satz gerade beendet, als die wahrer Hagel an Einschlägen das Schiff erschütterte.
„Ausweichmanöver Delta acht! Taktische Ansicht!“ rief der Captain und die Scimitar tauchte nach links unten weg, beschrieb eine enge Aufwärtskurve mit einer halben Schraube und war nun in idealer Schussposition zu einem der Jäger.
Eine Reihe von Quantentorpedos und Photonentorpedos schoß dem Gegner entgegen, zudem zuckten die Phaserstrahlen durch das kalte All, gefolgt von einer Reihe Pulsphaserentladungen, die eine der Warpgondeln des Jem’Hadar Jägers beschädigte. Das Licht der Gondel flackerte kurz auf, stabilisierte sich aber dann und der Jäger flog mit unverminderter Geschwindigkeit weiter, nahm aber nun seinerseits die Scimitar unter Feuer. Auch die anderen Jäger hatten sich an das Fluchtmanöver der Scimitar schnell angepasst und stießen nun von oben auf das Schiff herab.
„Ausweichmanöver Gamma sieben!“ rief Frank dem Fähnrich an der Conn zu, während er auf den nun mehrfach geteilten Hauptschirm sah. In einem Bereich war die taktische dreidimensionale Darstellung der Schiffe zu sehen in den anderen Bereichen alle sechs Ansichten nach außen.
Plötzlich ließ Karen Walters von der OPS einen Angstschrei vernehmen. Sie hatte sich zu Tode erschrocken als plötzlich eine Anzeige auf Ihrem Display aufleuchtete.
Mit immer noch stockendem Atem rief sie:
„Captain, die vordere Frachtraumtür hat sich geöffnet und nicht nur das, direkt unter der Tür hat sich ein Loch im Schild gebildet!“
Frank schreckte hoch, das konnte nicht sein, das war nahezu unmöglich. Die Treffer, die sie erhalten hatten waren von einer ganz anderen Seite gekommen, die Schutzschilde hatten bislang noch gehalten. Wie konnte das nur passiert sein?
* * *
„Dritter, ist es das Schiff, welches wir bei unserer Rückkehr nicht mehr vorgefunden haben?“
Der Jem’Hadar der für die Sensorenabtastung zuständig war prüfte seine Ergebnisanzeige.
„Ja Erster, es ist das gleiche Schiff, erstaunlich, dass es noch immer Flugfähig ist.“ gab der Mann von der Konsole zurück. Der Kommandant, der als einziger über ein am Kopf angebrachtes Headset Interface in der Lage war auf einem Auge eine Außenansicht zu sehen, gab weitere Anweisungen.
„Fünfter, setzten Sie einen Kurs, der uns tausend Meter über das Schiff bringt, wir werden es von oben angreifen, das erhöht die Trefferfläche und bringt uns einen Vorteil, weil deren Sensoren nur in horizontaler Richtung arbeiten.“
Der Soldat führte umgehend die Kurskorrektur aus. Das Jem’Hadar Kampfschiff hatte seine Position erreicht.
„Setzen Sie den Antrieb außer Kraft!“ befahl der Erste und sofort wurde der Befehl in die Tat umgesetzt Ein gezielter Treffer auf den Antrieb ließ das Föderationsschiff unter Warp fallen. Sofort verlangsamte auch das Schiff des Dominion. Eine kurze Kurskorrektur und schon steuerte das Schiff auf die einsam dahinfliegende Golden Gate zu. Für die Jem’Hadar war dies keine Herausforderung mehr. Das Schiff war schwer angeschlagen und benötigte wahrscheinlich keinen großen Waffeneinsatz mehr. Einige wenige Pulsphasertreffer würden genügen um ihren Auftrag abzuschließen und diese Schlappe wieder auszubügeln. Der Gründer, welcher auf dem Führungsschiff in der dreier Formation verblieben war hatte den Befehl für die Zerstörung gegeben und die Jem’Hadar taten das was sie am besten konnten; Gehorchen und Kämpfen. Der Abstand schrumpfte auf ein Minimum. Der Erste wollte sichergehen, dass er das Schiff mit nur einem Schlag vernichten konnte. Erst als der Abstand unter fünfhundert Meter gefallen war gab er den Feuerbefehl.
Die Pulsphaser schossen dem Föderationsschiff in kurzen Intervallen ihre Energieladungen entgegen, aber zum Erstaunen der Soldaten prallten sie an einem sehr effektiven Schutzschirm ab. Der Schild schimmerte bläulich, als die Treffer aufschlugen, aber das Schiff schien keine Beschädigung aufzuweisen.
Erbost rief der Erste Anweisungen über die spartanische Brücke um einen Ausweichkurs zu generieren und einen neuen Anflug zu starten. Erneut stieß das Schiff von oben zu, ließ noch einen dauerhafteren Energieregen auf die Golden Gate niedergehen, aber auch diesmal bewirkte er nichts.
„Das kann nicht sein, das Schiff kann in diesem Zustand unmöglich derartig starke Schilde haben, einen neuen Angriffsvektor berechnen, sofort!“ Schrie der Erste durch den Raum.
„Alle Energie auf die Waffen, ich will dass dieses Schiff zerstört wird!“
Das Jem’Hadar Schiff zog einen großen Bogen um sich für den Angriff neu zu positionieren.
* * *
„Alles Bereit?“ wollte Jonathan West wissen. Er saß im Kommandosessel und blickte angespannt auf das Display. Das Schiff des Dominion entfernte sich gerade wieder von der Golden Gate. Genau jetzt wäre der optimale Zeitpunkt um anzugreifen.
„Lt. Bernard, reduzieren Sie unsere Schilde wieder auf unser eigenes Schiff und bereiten Sie alles für einen effektiven Beschuss vor. Wenn wir jetzt unter der Golden Gate hervorstoßen, dann wird sie dem Schiff des Dominion nahezu schutzlos ausgeliefert sein. Wir müssen es also beim ersten Anlauf schaffen. Volle Konzentration bitte. Lt. Brownfield setzen Sie einen Abfangkurs“ gab Lt. Cmdr West seine Anweisungen. Ohne zu fragen wurden sie in die Tat umgesetzt. Das Scoutschiff beschleunigte, es hatte sehr dicht unter der Golden Gate gelegen. Nur so war es möglich gewesen, die Schilde so weit und trotzdem so effektiv auszudehnen. Die Jem’Hadar hatten den Köder geschluckt und sich auf das vermeintlich schutzlose Schiff der Miranda Klasse gestürzt. Sie hatten sicherlich jede Menge Energie bei diesen Angriffen verbraucht und nun war der Zeitpunkt gekommen zurückzuschlagen.* * *
Captain Frank Dekkers auf dem Hauptschiff der Scimitar hatte noch immer den entsetzten Gesichtsausdruck, als er die Meldung erhielt, dass sich die Frachtraumtüre wieder geschlossen hatte und auch das Loch in den Schilden verschwunden war. Er grübelte länger darüber nach als ihm eigentlich Zeit blieb, denn schon setzten der Scimitar wieder zwei Kampfschiffe der Jem’Hadar zu. Die heftigen Erschütterungen waren nicht zu ignorieren.
Plötzlich sah der Captain, dass ein Shuttle unter der Scimitar hervorgeschossen kam, aber halt... das war gar kein Shuttle, das war etwas ganz anderes. Es hatte fast die Größe eines Runabouts, war aber wesentlich bulliger und mit größeren Antriebsgondeln versehen. Frank glaubte seinen Augen nicht zu trauen, es war tatsächlich ein Kampfshuttle der Campaign Klasse, welches er damals als einen ersten Entwurf zusammengestellt hatte. Er hatte es verworfen, weil es eigentlich viel zu klein war, aber er wusste auch, dass es durch die austauschbaren Frontenden neben den Warpantrieben für vielerlei Missionen geeignet war. Eines davon hatte er einmal Spaßeshalber in der Schnittansicht seines Schiffes im vorderen Hangar verstaut. Aber all das war nun nebensächlich. Im Vorbeiflug konnte er kurz den Namen erkennen, Agedem!
All das dauerte nur wenige Sekunden. Die Agedem beschrieb einen engem Bogen und machte eine seitliche Rolle im selben Moment, als das erste Schiff des Dominion über die Scimitar hinwegfegte. Die Agedem heftete sich dicht wie eine Klette an das käferförmige Schiff, welches mehr als drei mal so lang war als das Shuttle. Aber es schien als könne das kleine Schiff locker mithalten. Das zweite Jem'Hadar Schiff schoss unter der Scimitar hindurch. Sofort folgte das Föderationsschiff dem Gegner.
„Lt. Quist, Feuer!“ Frank hätte den Befehl eigentlich nicht geben müssen, denn noch während er die Worte aussprach verließen zwei Quantentorpedoreihen die Scimitar und stürmten dem Jem’Hadar Schiff hinterher. Je vier Torpedos fanden zielgenau ihren vorausberechneten Einschlagpunkt und rissen das Schiff des Dominion hart herum. Anscheinend hatten sie die Steuerung oder eine Warpleitung getroffen, denn der Jem’Hadar Jäger verlor an Fahrt und schien ein unkontrollierte Drehung zu vollführen.
Während die Scimitar zu dem feindlichen Schiff aufschloss konnte die Brückencrew sehen, wie einer der anderen Jäger sich wand und drehte, als ob er ein lästiges Insekt abschütteln wollte.
Die Agedem flog mit weniger als zwei Metern Abstand oberhalb des Jem’Hadar Schiffes und folgte penibel genau jedem Manöver.
„Mein Gott, was macht er da, der sitzt doch da wie auf dem Präsentierteller!“ rief Sanchez von der Conn herüber und wie zur Bestätigung tauchte das dritte Schiff auf und eröffnete mit vollem Waffeneinsatz das Feuer auf die Agedem. Aber, wer immer auch in diesem kleinen Schiff saß, er wusste genau was er tat. Mit einigen schnellen Schwenks hatte das kleine Schiff seine Position seitlich um fast zwanzig Meter verändert und die Einschläge trafen genau den Punkt, an dem sich das Shuttle noch zuvor befunden hatte. Unglücklicherweise war das genau die Energiezentrale des Jem’Hadar Jägers, auf dem schlagartig die Lichter ausgingen, was auch bedeutete, dass keine Schutzschilde mehr existierten. Genau aus diesem Grund, war der abschließende Torpedo des Jem’Hadar Schiffes der Todesstoß für die Besatzung der Anderen Kampfgefährten. Mit einer hell aufleuchtenden Explosion zerbrach das Schiff in mehrere Teile und die Agedem hatte Mühe in der Druckwelle ihren Kurs zu halten.
Während die Brückencrew dieses Schauspiel von einem Logenplatz aus betrachtete, drückte Lieutenant Gerald Quist erneut den Auslösesensor für die Waffen. Mehrere Pulslaserstöße und Standardphaser zerissen das eben von der Scimitar schwer angeschlagene Schiff.
„Zwei hin, Eins im Sinn!“ scherzte der taktische Offizier und animierte die anderen Offiziere auf der Brücke zu einem befreienden „Jaaaa!!!!“
Dennoch wussten alle, dass die Schlacht noch nicht geschlagen war. Der dritte Jäger des Dominion der soeben seinen eigenen Kollegen ins Jenseits befördert hatte, schien aus dieser Situation gelernt zu haben. Er erhöhte seine Angriffsgeschwindigkeit und versuchte nun die Agedem, die sich auf einem Gegenkurs befand, mit einem Dauerfeuer der Pulsphaser zu treffen. Aber er hatte nicht mit der extremen Wendigkeit des kleinen Schiffes gerechnet. Immer wieder schien es Haken zu schlagen und Rollen zu machen, so dass eine Zielerfassung scheinbar unmöglich wurde. Die beiden Schiffe die sich entgegenflogen, schossen aneinander vorbei. Aber der Kommandant der Jem’Hadar schien sich nun wieder auf das Hauptziel zu konzentrieren, denn er verfolgte das Shuttle nicht weiter. Vor sich sah er die Scimitar, die er nun ins Visier nahm.
Frank erlebte, wie eine volle Breitseite sein Schiff traf, noch bevor er sein Wendemanöver beendet hatte, von der Agedem war plötzlich auf dem Schirm nichts mehr zu sehen, dafür wuchs der kleine käferförmige Punkt auf dem Bildschirm zu bedrohlicher Größe an. Erneut schlugen heftige Energieentladungen auf der Scimitar ein.
„Schilde runter auf siebzehn Prozent Captain, Noch so einen Angriff und es wird ernst!“ rief Fähnrich Walters von der OPS.
„Lt. Quist, unser Status?“ fragte Frank ungeduldig den taktischen Offizier, der alle Hände voll zu tun hatte um die Zielführung neu zu kalibrieren.
„Sie sind zu schnell vorbei, ich bekomme keine richtige Erfassung!“ In seiner Stimme klang Angst, Unsicherheit und die Furcht vor dem Versagen mit.
„Feuern sie von Hand, schießen sie wenn es sein muss über den Daumen, oder von mir aus auch aus der Hüfte, aber holen Sie verdammt noch mal diesen Jäger vom Himmel, sonst haben wir wirklich ein ernstes Problem!“
Die Hände des jungen Mannes flogen förmlich über die Konsole und auch ohne dass die junge Frau an der OPS den Captain informierte, wusste er, dass das Jem’Hadar Schiff wieder auf Abfangkurs war, es blieb nur noch wenig Zeit, bis er wieder in Waffenreichweite war. Schon eröffnete das Dominionschiff wieder das Feuer auf die Scimitar. Das gesamte Schiff wurde herumgeschleudert.
„Schilde zusammengebrochen!“ war eine Stimme zu hören, als gerade das Licht auf der Brücke kurzzeitig ausging.
„Mr. Quist!“ rief der Captain und konnte sehen, wie im selben Moment die Phaser und Pulsphaser dem gegnerischen Schiff entgegenstürmten, es aber knapp verfehlten.
‚Das war's dann wohl’, dachte Frank Dekkers, als er das Dominionschiff auf dem Bildschirm immer näher kommen sah, aber plötzlich sah er kleine Feuerbälle, die an der Unterseite des Schiffes zu explodieren schienen, dann setzte ein wahres Feuerwerk ein, dass die Unterseite des käferartigen Schiffes so stark penetrierte, dass es schließlich scheinbar ohne Grund auseinanderbrach. Es gab keine Explosion, keinen Feuerball. Das Schiff brach einfach in mehrere Teile.
Im selben Moment glitt die Agedem von unten nach oben durch den sichtbaren Bereich des Schirms und gab eine Erklärung für das plötzliche Ende des Jem’Hadar Schiffes.
„Fähnrich Kester, rufen Sie das Schiff!“ wies Captain Frank Dekkers den Mann an der Kommunikationskonsole an, der sofort eine Verbindung herstellte.
Auf dem Schirm erschien das zufriedene Gesicht von Carl Rychek, der gerade dabei war seine Waffen wieder zu deaktivieren.
Er blickte vor sich auf den Schirm und sah den Captain an, wobei er eine Augenbraue hochzog.
„Ich dachte Sie könnten hier ein wenig Hilfe gebrauchen!“ erklärte er mit einem Lächeln.
Frank war völlig verwirrt. Wie kam es, dass einer seiner ältesten Entwürfe hier plötzlich vor ihm im Raum schwebte.
„Commander Rychek?“ fragte Frank Dekkers ungläubig.
„Wie kommt es dass...... wer ist auf dem Scoutschiff....?“ er war sprachlos.
Carl Rychek wollte den Captain nicht ohne Antwort lassen
„Captain ich kenne dieses Shuttle in und auswendig. Ich habe jede Menge Testflüge damit absolviert, eigentlich viel mehr als vorgesehen, aber ich konnte es nicht lassen. Ich weiß, es steht nicht in meiner Dienstakte, aber ich habe einmal zum Nighthawk Squadron gehört und bin viele Einsätze geflogen!“
Er brauchte gar nicht weiterzureden, Frank war das Nighthawk Geschwader aus der Akademiezeit in guter Erinnerung. Es wurde erstmals in einem Konflikt an der Grenze der Kerelli Ausdehnung schnell und über die Grenzen der Sternenflotte hinaus berühmt. Man sagte, dieses Geschwader hätte weder einen Kampf, noch je einen Mann verloren.
„Captain, ich komme zurück an Bord!“ Frank gab der jungen Frau an der OPS ein Zeichen, dass sie die Frachtluke öffnete, aus der die Agedem gestartet war. Sein Kopf arbeitete auf Hochtouren und zumindest die zweite seiner Fragen, wer nun das Scoutschiff flog, konnte er sich selbst inzwischen beantworten: Jonathan West!
* * *
Das Scoutschiff jagte dem Jem’Hadar Fighter hinterher, voller Spannung erwartete die Crew den Moment, in dem der Angriff erfolgen würde. Das Schiff des Dominion schien das zweite Föderationsschiff jetzt bemerkt zu haben. Es zog plötzlich einen wesentlich engeren Kreis, um zur Golden Gate zurückzustoßen. Dies brachte es allerdings in eine günstige Position für das Scoutschiff der Scimitar, noch bevor die Jem’Hadar einen erneuten Angriff auf das schon schwer lädierte Schiff der Miranda Klasse fliegen konnten..
Eine volle Ladung von zwei mal vier Quantentorpedos, gefolgt von einem ebenso zahlreichen Ausstoß von Photonentorpedos, die von mehreren Pulsphaserstößen abgerundet wurden brachte das Schiff der Jem’Hadar dazu abrupt antriebslos zu werden. Einen so massiven Beschuss konnten selbst die Schiffe des Dominion nicht standhalten. Noch trieb das Schiff durch die Massenträgheit voran, aber sowohl der Antrieb, wie auch die Waffensysteme schienen vollständig lahmgelegt zu sein.
Lt. Commander West wies den Steuermann an, eine harte Wende zu fliegen und als das Schiff mit dem typischen Design eines Käfers wieder vor dem Bug auftauchte, reichten zwei einfache Photonentorpedos aus um es in alle Winde zu zerstreuen.
„Lieutenant Brownfield, setzen Sie sich wieder unter die Golden Gate und lassen Sie die Sensoren wieder auf volle Leistung gehen. Dehnen Sie die Schilde wieder über das andere Schiff aus. Ich hoffe, wir müssen uns nicht noch einmal mit diesen Jem’Hadar auseinandersetzen. Alarmstufe rot bleibt weiterhin bestehen. Ich brauche Berichte von allen Decks!“
Die Rückmeldungen waren wie erwartet nicht besorgniserregend. Einige Personen hatten leichte Blessuren, aber das lag nur an dem harten Wendemanöver, bei dem die Trägheitsdämpfer in einigen Sektionen für einige Momente außer Funktion waren.
Lieutenant Carlton Meyers, der Chefingenieur wurde mit seiner technischen Crew angewiesen sich sofort um das Problem zu kümmern.
Die U.S.S. Scimitar hatte inzwischen das Shuttle wieder an Bord genommen und Captain Dekkers ließ es sich nicht nehmen, persönlich anwesend zu sein, als Carl Rychek die Agedem verließ. In dem großen Raum, der eigentlich als Frachtraum deklariert war, befanden sich zahlreiche große Bauteile, die zwar alle die gleiche Form hatten, aber scheinbar unterschiedliche Funktionen ausüben konnten. Es waren die vorderen Teile die eine runden Rolle zwischen den Warpgondeln und dem Shuttle gleichkam. An der Decke befand sich ein Lastenkran, der mit einer Konsole an der Wand bedient werden konnte. So war es möglich, dass selbst eine Person allein, die gesamt Umrüstung vornehmen konnte.
Die Agedem hatte einige deutliche Blessuren davongetragen, die man erst jetzt sah, als sie wieder im sicheren Zusatzhangar stand. Mit einem leisen Schiebegeräusch öffnete sich die seitliche Tür und Commander Rychek kam aus dem Shuttle.
„Captain!“ grüßte er den kommandierenden Offizier, in dessen Gesicht sich eine Mischung aus Verärgerung und gleichzeitiger Erleichterung abzeichnete. Der Commander trat auf Frank zu und blieb direkt vor ihm stehen. Langsam zog er einen roten Schaal aus, den er sich um den Hals gewickelt hatte und auf dem Frank das Abzeichen des Nighthawk Geschwaders sehen konnte. Er hatte nicht im Traum daran gedacht einmal einem solchen Mitglied dieser sagenumwobenen Staffel ins Auge blicken zu dürfen.„Ich hatte Ihnen die klare Anweisung gegeben, das Scoutschiff gemeinsam mit Lt. Cmdr. West zu übernehmen. Warum haben Sie diesen Befehl missachtet?“ fragte der Captain.
Carl Rychek überlegte einen Moment. Aber dann brachte er es auf den Punkt:
„Captain, Sie hätten Mr. West niemals das Kommando über das Scoutschiff überlassen...“ Frank fühlte sich etwas überfahren „Damit haben Sie verdammt Recht, er ist noch lange nicht so weit, dass man ihm ein Kommando anvertraut!“ fiel er Rychek ins Wort,
„...aber auch Kinder wirft man ins kalte Wasser damit sie schwimmen lernen, wenn Sie wissen was ich meine.“
Franks, Gefühlswelt, die immer noch zwischen Missfallen und Dankbarkeit schwankte kippte in Richtung Ärger ab.
„Ja, das weiß ich auch, aber ich hätte es in einer Situation ausprobiert, bei der nicht das Überleben von mehr als fünftausend Personen abhängt.“ fuhr er den Commander jetzt deutlich schroff an.
„Captain, wir alle wachsen an und mit unseren Aufgaben. Sie brauchen einen fähigen und guten ersten Offizier. Ich werde bald von Bord gehen und alles was ich für meinen Nachfolger tun kann, ist ihn wachzurütteln. Er ist immerhin kein Neuling in diesem Metier, er hat alle Grundlagen erlernt und wartet darauf sie anzuwenden. Und wie das bei Kindern manchmal genauso ist, sie wollen einem nicht glauben und lernen es erst wenn sie es selbst tun müssen!“
Dieser Argumentation konnte Frank eine gewisse Logik nicht absprechen und sein aufwallender Zorn legte sich langsam.
„Ich hoffe nur, dass nicht nur Lt. Cmdr. West sondern auch das Scoutschiff alles gut überstanden hat. Kommen Sie, lassen Sie uns nachsehen.“ Damit wandte Frank sich um und ging in Richtung Ausgang, um mit dem Turbolift wieder auf die Brücke zu gelangen.
Die Scimitar hatte die Golden Gate und das Scoutschiff relativ schnell eingeholt, auch wenn die beiden Schiffe inzwischen wieder auf Warp gegangen waren.
Captain Frank Dekkers saß in seinem Stuhl und sah auf den Hauptschirm, der die beiden Föderationsschiffe zeigte.
„Fähnrich Kester, eine Verbindung zum Scoutschiff!“ wies Frank den jungen Mann an der Kommunikationsstation an.
„Verbindung steht Sir!“ antwortete dieser umgehend und schon war die Brücke des Scoutschiffes zu sehen.
„Lt. Cmdr. West, gehen Sie unter Warp und bereiten Sie das Andocken vor.“ Wies er den jungen Offizier an, der im zentralen Stuhl saß.
„Aye Sir, gehen unter Warp!“ bestätigte er und gab seinem Steuermann den Befehl, die Geschwindigkeit zu drosseln. Sofort verschwand das Bild des Scoutschiffes vom Schirm, die Golden Gate folgte der Anweisung ebenfalls und nun wies auch Frank Lieutenant Emilio Sanchez an den Warptransfer zu verlassen.
Schon nach wenigen Minuten schwebte das Scoutschiff über der Scimitar und senkte sich immer weiter ab, bis die Andockklammern in die entsprechenden Öffnungen des Scoutschiffes einfuhren und das Schiff auf dem Hauptrumpf fixierten. Als letztes wurden die Warptriebwerke abgesenkt und in den Hauptgondeln verankert. Nun war es wieder ein Schiff und sah aus, als wäre es nie anders gewesen. Eine harmonische Einheit und gleichzeitig eine nicht zu unterschätzende Schlagkraft die sich in den letzten Stunden unzweifelhaft bewährt hatte.
Frank hörte, wie sich die Doppelschotten mit einem deutlich zischenden Laut wieder öffneten. Der Druckausgleich zwischen den beiden Schotten, die natürlich nach dem Andocken ebenfalls luftleer waren verstärkte das übliche Geräusch der Türmechanismen.
Jonathan West kam durch die Tür zur Brücke und machte eine ordentliche Meldung
„Captain, das Scoutschiff der Scimitar ist wieder verankert. Alle Systeme sind einsatzfähig.
Keine Probleme, außer ein paar Prellungen durch einige ausgefallene Trägheitsdämpfer, aber das werden Sie alles in meinem Bericht finden, Sir!“ Lt. Commander West hielt dem Captain ein Padd entgegen, welches dieser langsam entgegennahm.
„Danke sehr!“ sagte Frank und wandte sich wieder dem Hauptschirm zu.
„Lt. Sanchez, stimmen Sie sich mit der Golden Gate ab, wir gehen wieder auf Warp zwei!“
Der restliche Flug verlief nun ohne Probleme.
Captain Dekkers hatte inzwischen Sternenbasis 491 informiert, dass sie das Schiff der Miranda Klasse erreicht hatten welches eine Großzahl an Überlebenden an Bord hatte. Auch den Angriff der Jem’Hadar ließ er nicht außer Acht und gab die gewonnenen Informationen an die Sternenbasis weiter. Vor ungefähr einer halben Stunde hatten sie den Sektor erreicht, in dem die Basis lag und man hatte zugesichert, sich um die Kolonisten zu kümmern. Zwar war das ohnehin die Basis, die man angeflogen hätte, aber inzwischen hatten sich einige Dinge ereignet, nur ein Bruchteil der ehemaligen Kolonisten waren noch am Leben und neben der Tatsache eine sichere neue Existenz zu beginnen, waren zunächst die Councelor gefragt, um das Erlebte zu verarbeiten und die Leute bei der Bewältigung der persönlichen Verluste zu unterstützen.
Nichtsdestotrotz hatte sich Frank in den Kopf gesetzt nun noch eine wichtige Sache nachzuholen.
„Fähnrich Kester, stellen Sie eine Verbindung mit der Golden Gate her, ich möchte mit Captain Sanders sprechen.!“ Sofort bediente der junge Mann das Schaltpult. Auf dem Schirm erschien das grinsende Gesicht von Rick Sanders, der scheinbar bester Laune war.
„Captain, ich möchte Sie zu einen Umtrunk auf mein Schiff einladen. Ich muss gestehen, ich hatte leider kaum Gelegenheit meine Mannschaft vor dem Einsatz persönlicher kennen zu lernen, und es wäre mir auch ein willkommener Anlass mit Ihnen auf die bewältigte Krise anzustoßen.“
Rick hatte sich schon so etwas gedacht und eigentlich schon darauf gewartet, wann Frank denn nun anfragen würde. Deshalb fiel es ihm auch leicht die Einladung anzunehmen.
„Captain, ich nehme das Angebot an, darf ich meinen ersten Offizier mitbringen?“ Captain Dekkers musste lachen.
„Von mir aus bringen Sie ihre ganze Crew mit, sie ist uns herzlich willkommen!“ erklärte Frank. Rick zeigte ein zustimmendes Nicken und beendete die Kommunikation.
„An alle Besatzungsmitglieder, hier spricht der Captain. Aufgrund unseres ersten erfolgreichen Einsatzes werden wir unsere Bar, das ‚Starlight Casino’ einweihen. Das wollte ich zwar schon zu Beginn des Dienstes tun, aber wie sie wissen, wurden uns eilige Pflichten auferlegt. Aber nun, da wir diese Pflichten hinter uns haben, dürfen wir uns auch für einen Moment entspannten. Unser erster Offizier wird für die aktuelle Wache eine Ablösung vornehmen, so dass jeder Gelegenheit erhält teilzunehmen. Dekkers, Ende!“
Die allgemeine Bar, in der sich alle Besatzungsmitglieder aufhalten konnten, auch diejenigen, die zivile Aufgaben zu verrichten hatten lag nicht in den Bereichen, in denen sich das Offiziers Kasino oder die Mannschaftsräume befanden. Sie lag unterhalb der Brücke auf Deck sieben mit großen Fenstern, die einen fantastischen Blick voraus boten. Besonders das Sternenpanorama welches bei Warp erzeugt wurde und sich durch längliche Striche auszeichnete war immer wieder eine eindrucksvoller Blickfang.
Als Frank Dekkers in der Bar erschien, waren bereits einige Offiziere und Zivilisten anwesend. Eigentlich wollte Frank vermeiden, dass Zivilisten an Bord wichtige Aufgaben übernahmen, aber bei der Knappheit an Personal blieb ihm keine andere Wahl, als besonders für den wissenschaftlichen, als auch für den technischen Bereich einige Personen zur Unterstützung seiner Crew auszuwählen. Durch den Krieg mit dem Dominion lichteten sich die Reihen schneller, als sie durch die Sternenflottenakademie wieder aufgefüllt werden konnten.
Frank hatte das Kommando an seinen ersten Offizier übergeben, der von der Brücke aus den Flug überwachte und die stundenweisen Freischichten einteilte. Noch war sein Freund Rick Sanders nicht aufgetaucht und so bot sich ihm die Gelegenheit erste Kontakte zur Crew zu suchen. Die meisten wollten wissen, wie sich der Kampf mit den Jem’Hadar abgespielt hatte, denn da alle auf ihrem Posten bleiben mussten, hatte keiner Gelegenheit diesen Angriff an irgendeinem Display mitzuerleben. Frank gab auch nach der vierzigsten Wiederholung noch immer bereitwillig Auskunft und versuchte durch große Offenheit das Vertrauen seiner Offiziere zu gewinnen.
Der Captain schüttelte viele Hände, stellte viele Fragen und versuchte, soweit er sich spontan erinnern konnte, die Offiziere mit Namen anzusprechen. Irgendwann gegen zehn Uhr abends flaute dann der Andrang ab und Frank saß nur noch mit ein paar Zivilisten an einem Tisch direkt vor den großen Fenstern. Plötzlich schwang die steuerbordseitige Tür auf und herein kam die gesamte Brückencrew der Golden Gate.
Frank freute sich ehrlich über den, wenn auch späten, Besuch.
„Wir hatten ausgemacht, dass wir alle zusammen gehen wollten, also haben wir den Schichtwechsel abgewartet und uns dann auf den Weg gemacht.“ Erklärte Rick Sanders. Es wäre ihm als Captain sicher ein leichtes gewesen, schnell einmal die Schichtpläne zu ändern, aber so war er nun einmal. Immer Fair und immer geradeaus.
Bewundernd schaute er auf das Panorama welches die großen Fenster boten und sagte an Frank gerichtet,
„So eine schöne Bar hätte ich auch gerne, aber in unserem kleinen Offizierskasino, Du weißt ja...“ er brauchte den Satz nicht zu Ende zu bringen, Frank hatte auch so schon verstanden. Urplötzlich war da wieder die Erinnerung an die alten Zeiten, Die vielen kleinen und großen Gelegenheiten, bei denen sie sich den ein oder anderen Drink hinter die Binde gegossen hatten, manchmal auch mit echtem Bier, welches nicht aus dem Replikator stammte.
„Nun ja, ich habe dem Admiral auf meiner Basis schon vorgeschlagen, dir das zweite Schiff dieser Bauart zu geben, aber er hat Angst, dass Du es auch zu Bruch fliegst!“ feixte Frank und ließ ein breites Grinsen sehen.
Neben dem Captain waren auch Christoph Kyler, Lisa Perkins, Kelmar der Benzite, alle im Rang eines Lieutenants, sowie 'Spike' der Chefingenieur und der neue erste Offizier Commander Peter Brown gekommen.
Alle bis auf diesen ersten Offizier, der seine Nachfolge angetreten hatte, kannte Frank schon viele Jahre lang. Es war ein herzliches Wiedersehen, immerhin war inzwischen ein guter Monat, wenn auch wie im Flug, vergangen und in solch unsicheren Zeiten wie diesen, in denen der Krieg mit dem Dominion bereits vielen Schiffsbesatzungen das Leben gekostet hatte, war es um so schöner alle Freunde wohlbehalten wiederzusehen. Bei dem kurzen Treffen bei Auffinden des Schiffes hatte man sich zwar kurz gesehen, aber es gab keine Möglichkeit für ein solches gemütliches Zusammentreffen.
Frank und Rick stellten einige Tische zusammen, so dass sich eine größere Tafel ergab und alle nahmen gemeinsam Platz. Eine Bedienung nahm die Getränkewünsche entgegen und während Frank für die Gäste die ersten Fragen zum neuen Schiff beantwortete, hatte sich auch Commander Rychek im Starlight Casino eingefunden.
Frank stand auf und begrüßte den Commander und bat ihn neben sich an seinen Tisch.
„Das ist Commander Carl Rychek, ein sehr fähiger und gut ausgebildeter Mann, den ich gerne in meinem Team gehabt hätte, aber er bevorzugt leider eine andere Weise der Pflichterfüllung. Er wird nach Abschluß der Mission wieder zur Sternenbasis auf Antares IV zurückkehren. Er hat genau diese Art von Überraschungen auf Lager, die Du auch immer so geliebt hast!“ Frank sah nicht das leichte Augenzwinkern von Rick, als Rychek sich ihm gegenübersetzte.
„Wo ist eigentlich Dein erster Offizier, dieser Commander.... wie heißt er doch gleich, ahhja, West, nicht wahr?“ wollte Captain Sanders wissen.
„Nun, ich denke er wird seinen Pflichten nachgehen und wenn er damit fertig ist, wird er wohl zu uns stoßen!“ sagte Frank etwas kühl. Er hatte nicht vergessen, dass West ihn im Bezug auf Cmdr. Rycheks Verbleib eindeutig angelogen hatte.
„Was mich betrifft, muss ich sagen, dass er ein pfiffiges Kerlchen ist. Gut, er ist etwas jung, aber er hat Potential. Nachdem er eingetroffen war, setzte er sich direkt unter die Golden Gate und hat mit einer ähnlichen Methode wie Du entsprechende Morsezeichen gegeben, um nicht auf den Funk ausweichen zu müssen. Als dann tatsächlich eines dieser Jem'Hadar Schiffe aufgetaucht ist, hat er es mehrmals anfliegen lassen und die Schilde seines Schiffes über uns ausgedehnt und mit voller Schildleistung den Aufschlag abgefangen. Anfangs haben wir mitgespielt und haben den Jem'Hadar weismachen wollen, sie hätten uns schon heftig getroffen, aber sie sind anscheinend nicht darauf hereingefallen. Sie wollten es wirklich wissen. Nach dem dritten Angriff sah Commander West dann wohl den besten Zeitpunkt für gekommen und hat in einen einzigen Angriff alles hineingesteckt, was er hatte. Meine Herren war das ein Feuerwerk. Hätte er nur eine Sekunde länger gewartet, dann säßen wir wohl jetzt nicht hier!“ berichtete Peter Brown und alle am Tisch sitzenden stimmten mit ein.
„Nun ich hatte auch nicht gerade ein leichtes Spiel mit den drei anderen Jägern. Sie waren verdammt schnell und hätte nicht Commander Rychek hier....“ Frank klopfte dem neben ihm sitzenden Mann auf die Schulter,
„...die Agedem aus Ihrem Versteck gezaubert, dann wäre es durchaus möglich gewesen, das auch wir diesen Kampf verloren hätten.“ erklärte Frank und hob sein Glas um mit den anderen Anzustoßen. Während alle anderen mit ihren Gläsern möglichst viele zu erreichen suchten, um anzustoßen und Trinksprüche zitierten, war es für Frank nicht zu überhören, wie sich zwei der Männer am Tisch leise unterhielten.
Es war mehr ein flüstern, aber er verstand jedes Wort.
„Die U.S.S. Agedem, ja? Er hat sie gar nicht gefunden, nicht wahr? Und wie liegt Sie in der Hand, macht sie sich gut?“ das war eindeutig die Stimme von Rick.
„Sie ist phantastisch. Ich muss sagen ich habe bislang noch kein solches Shuttle geflogen, was so harmlos aussieht und doch eine so gewaltige Durchschlagskraft hat. Sie fliegt sich so leicht wie eine Feder!“ flüsterte eine andere Stimme, die Captain Dekkers eindeutig Cmdr. Rychek zuordnete.
„Was, Du hast davon gewusst?“ rief Frank plötzlich vorwurfsvoll seinem alten Freund entgegen. Aber es war wohl mehr Ausdruck seiner Überraschung als echter Ärger.
„Wie bist Du darauf gekommen, woher hast Du die Pläne, wie.....“ Rick grinste breit über das ganze Gesicht.
„Du bist selbst Schuld. Wer hatte denn die geniale Idee auf der Decksübersicht ein Captainsshuttle im vorderen Frachthangar abzubilden? Hmmm?“
Dieser Punkt ging eindeutig an Rick. Schließlich hatte Frank neben den offiziellen Plänen der Scimitar auch noch andere Entwürfe beigefügt, welche die Entwicklungsgeschichte dokumentieren sollten.
„Und ich bin Euch auf den Leim gegangen. Na vielen Dank! Dann kennt Ihr Euch also?“ wollte Frank wissen, während die beiden seinem leicht verwirrten Blick standhielten. Ein kurzes Nicken von Carl Rychek und Rick Sanders war die Antwort.
„Ihr seid ganz gemeine elende....“ aber Frank brachte den Satz nicht zu Ende, denn inzwischen waren die Gläser wieder gefüllt und alle stießen erneut auf den Erfolg an.
Genussvoll ließen sie sich die Drinks durch die Kehle laufen, auch wenn es nur Synthehol war, denn schließlich war man ja im Einsatz oder zumindest in einer teilweise offiziellen Umgebung und da ziemte es sich nicht realen Alkohol zu sich zu nehmen.
„Aber eigentlich ist die Agedem ja kein Captainsshuttle, sie ist ein Multifunktionsschiff, im Prinzip der Urvater und eine recht kleine Variante der Vision die ich hatte und die nun mit der Scimitar Wirklichkeit geworden ist.“ erklärte Frank und hob sein Glas um einen kräftigen Schluck zu nehmen.
„Stimmt!“ bestätigte Commander Rychek in ruhigem und fast gelangweiltem Tonfall,
„Das Captainsshuttle ist die Marua, aber sie wird erst dann an Bord kommen, wenn ich sie getestet und für gut befunden habe!“ Frank Dekkers verschluckte fast das ganze Glas.
Hustend und keuchend versuchte er etwas zu erwidern, aber es war nur ein Gestammel aus einzelnen Buchstaben, mehr brachte er nicht heraus. Erst nachdem er sich beruhigt und ein paar mal kräftig durchgeatmet hatte, war er in der Lage wieder zu sprechen.
„Habt ihr meinen ganzen Schreibtischinhalt durchwühlt oder was? Was wisst ihr denn eigentlich noch über mich?“ Inzwischen war er schon ein wenig entsetzt. Aber der Commander beruhigte ihn.
„Aber Captain, Sie müssten doch Admiral Winters inzwischen recht gut kennen. Sie müssten eigentlich wissen, dass er sich nicht mit halben Sachen zufrieden gibt oder?“ erklärte Rychek
Nach diesem Wortwechsel konnte Rick nicht mehr an sich halten und lachte laut und aus vollem Halse los. Das dumme Gesicht, welches Frank bei diesen Offenbarungen gemacht hatte war mehr als er aushalten konnte und sofort stimmten alle in das immer größer werdende Gelächter mit ein. In diesem Moment betrat auch Jonathan West das Starlight Casino.
Frank bemerkte ihn als ersten und rief zu ihm herüber:
„Hierher Commander!“ und als West an den Tisch herangetreten war wies er ihm den letzten freien Stuhl zu und erklärte,
„Das ist meine Nummer Eins, Commander West. Er ist zwar noch recht jung, aber ich denke, er wird schon noch ein erstklassiger erster Offizier.“ Jonathan West nahm mit Genugtuung zur Kenntnis, dass der Captain ihn scheinbar akzeptiert hatte. Seiner Meinung nach war das auch längst überfällig.
* * *
Vier Tage später hatten die Scimitar und die Golden Gate die Sternenbasis 491 erreicht. Während das angeschlagene Schiff der Miranda Klasse im Inneren der Sternenbasis verschwand, kreiste die Scimitar in einem weiten Radius um die Station. Nach und nach beamte man die Kolonisten von Peranos 4 hinüber.
Als die letzten von der Transporter Plattform verschwunden waren, hatte sich Frank aufgemacht um seinem Freund Lebwohl zu sagen. Er war zur Zeit im Administrationstrakt um neue Befehle zu erhalten und seinen Bericht abzugeben. Die beiden hatten sich im Freizeitbereich der Station verabredet, von wo man einen spektakulären Blick in die Dockanlagen hatte. Aber dieses mal war der Ausblick weniger imposant als mehr beklemmend. In aller Deutlichkeit sah man hier den fürchterlichen Schrecken des Dominionkrieges direkt ins Auge. Mehr als zwanzig Schiffe, die mehr oder weniger schwere Treffer erhalten hatten lagen hier im Dock. Viele waren nicht einmal in der Lage ihre eigene Stabilisierung zu bewerkstelligen. Sie hingen in grotesken Positionen in der riesigen Halle und warteten auf die Verschrottung oder den Wiederaufbau.
Das Gespräch der beiden Männer verlief kurz und prägnant. Rick schilderte, dass man zunächst hier festsitzen würde, bis eine Entscheidung für oder gegen die Golden Gate getroffen war. Das Ingenieurkorps machte sich bereits ein Bild von dem Ausmaß der Schäden und bewertete ob eine Wiederindienststellung in Frage kommen würde.
Frank hatte noch den Rückflug zur Basis auf Antares IV zurückzulegen.
„Also halt die Ohren steif und mach mir keine Schande!“ sagte Rick und gab Frank die Hand. Ein kräftiger langer Händedruck folgte und Frank antwortete:
„Ich werd mich schon nicht unterkriegen lassen und Du solltest Dich nicht wieder auf so gefährliche Spielchen mit deinem alten Schiff einlassen! Ich kann schließlich nicht immer die Feuerwehr und den Rettungsanker spielen!“ entgegnete Frank. Die beiden Männer klopften sich noch einmal kurz und herzlich gegenseitig auf die Schulter und dann machte sich Frank auf den Weg zum Turbolift um in den Transporterraum zu gelangen. Als er sich noch einmal kurz umsah, konnte er Rick sehen der mit seinem roten Haarschopf direkt vor dem Fenster stand und auf die ziemlich lädierten Reste seines Schiffes schaute. Frank war sich ziemlich sicher, dass dieses Schiff nicht mehr fliegen würde. Eine lange Dienstzeit die er mit vielen Erinnerungen verband und ein Stück seines Zuhauses würde wohl damit verloren gehen.
Die Scimitar verließ die Umlaufbahn um die Station und begab sich auf den Weg zur Heimatbasis. Frank hatte den Start übernommen und nachdem das Schiff auf Kurs war, hatte er an seinen ersten Offizier abgegeben, der nun die Aufgabe hatte, das Schiff auf kürzestem Wege zurückzubringen. Captain Dekkers verfasste gerade seinen Bericht über die Vorgänge der letzten Tage und vermerkte auch die bis dahin perfekt verlaufene Mission. Außer ein paar kleinen Problemen hatte sich selbst im Kampf nichts wesentlich negatives ereignet. Frank war stolz auf das Schiff, die Crew und ein wenig auch auf sich selbst, dass er so genau die Bedürfnisse für dieses Schiff hatte definieren können.Er machte eine kurze Pause um sich ein wenig zu entspannen und seine Muskeln etwas zu strecken. Plötzlich hörte er ein Geräusch. Obwohl der Captain dieses ganz spezielle Geräusch erst zweimal gehört hatte, wusste er dennoch sofort um was es sich handelte. Sofort tippte er auf seinen Kommunikator,
„Nummer Eins, was ist da los, wieso koppeln Sie das Scoutschiff ab?“ fragte Frank Dekkers.
„Kein Grund zur Beunruhigung Captain, Commander Rychek und ich haben beschlossen unserer Crew ein wenig Flugunterricht zu geben und das An und Abdocken ein paar mal zu üben. Mit den restlichen Tests sind wir bereits fertig, Sie können Sie in der Datenbank abrufen und Ihrem Bericht hinzufügen. West, Ende!“
Frank nickte zufrieden. Es schien ja doch noch ein guter erster Offizier aus Mr. West zu werden. Womöglich würde er ihn bald zum Commander befördern.
* * *
Nur wenige Stunden später lag die Scimitar wieder im Dock auf Antares und Frank war auf dem Weg zu Admiral Winters um Bericht zu erstatten. Ein flaues Gefühl hatte sich in seiner Magengegend breit gemacht. Wie sollte er dem Admiral erklären, dass der Vulkanier ihn mehr behindert hatte, als sich um seine eigentliche Aufgabe zu kümmern. Er hatte gerade die Tür zum Flur durchschritten, der ihn in das Büro zum Admiral führen sollte, als er eine laute Stimme hörte, er konnte nicht den Wortlaut verstehen, aber er erkannte die Stimme des Admirals, die sichtlich erregt schien. Frank überlegte gerade ob der Admiral einen Untergebenen per Intercom herabkanzelte, aber als plötzlich die Tür aufschwang verstand er. Kelor, der Vulkanier war soeben beim Admiral gewesen. Eigentlich dachte Frank dass er der erste sein würde, der beim Admiral vorsprach aber da hatte er sich anscheinend geirrt. Er fragte sich, wie der Vulkanier es geschafft hatte so schnell in das Büro des Admirals zu gelangen. Kelor ging vorbei ohne Frank auch nur eines Blickes zu würdigen und verschwand im Turbolift.
Captain Dekkers hatte ein mulmiges Gefühl. So aufgebracht wie der Admiral war, war es bestimmt nicht gut ihn jetzt zu sprechen, aber dann überlegte er, dass er sich eigentlich nichts hatte zu Schulden kommen lassen. Er hatte sich jederzeit korrekt verhalten, auch wenn der Vulkanier das gelegentlich nicht einsehen wollte.
Also gab er sich einen Stoß und klopfte an die dicke hölzerne Bürotür. Der Admiral war immer noch in Rage, viel zu laut rief er „Herein!“
Frank trat durch die große Tür und ging bis zum Schreibtisch des Admiral.
„Sir, mein Bericht! Die Golden Gate konnte mitsamt ihrer Besatzung gerettet werden. Zudem hat Captain Sanders noch mehr als achttausend andere Personen retten können. Die Scimitar und ihre Crew haben hervorragend funktioniert!“ Frank ließ das Padd leise auf den Schreibtisch sinken und schob es dann über die auf Hochglanz polierte Ahorn Tischplatte in Richtung Admiral.
Ohne den Bericht anzusehen sprang Peter Winters auf und ging durch den Raum, als würde er angestrengt überlegen.
„Das ist eine verfluchte Impertinenz...“ polterte Admiral Winters los und Frank war schon geneigt in Deckung zu gehen und alles zuzugeben, was man ihm möglicherweise vorwerfen würde, aber dann erlebte er eine Überraschung. Ursprünglich dachte er, dieser ganze Krach wäre wegen ihm entstanden weil er sich über die Anweisungen und Empfehlungen von Kelor hinweggesetzt hatte. Aber zu seiner Überraschung schien die geballte Wut von Peter Winters in eine andere Richtung loszugehen.
„...Vulkanier! Sie haben sich seit Jahrhunderten nicht geändert. Sie sind immer noch so arrogant und ignorant wie damals zu den Zeiten der alten NX-Enterprise.
Dieser Kelor hat sich darüber aufgeregt, dass Sie mit Ihrer Crew die alten Werte zu würdigen wissen. Ehre, Aufrichtigkeit und erst dann aufzugeben wenn nichts mehr geht. Wissen Sie was er gesagt hat? Er sagte, das wäre der ungezogenste Kindergarten, den er je erlebt hätte. Sie seien Unfähig, inkompetent und viel zu Entschlussfreudig, womit er wohl meinte, dass Sie jede Gelegenheit wahrnehmen um sich profilieren zu wollen. Unmöglich dieser Mann.“ wetterte der Admiral weiter.
„Ich habe ihm gesagt, dass er sich in alle Winde zerstreut wiedergefunden hätte, wenn Sie nicht den beherzten Angriff gegen drei Jem’Hadar Schiffe aufgenommen hätten und dass dieser ‚Kindergarten’ wie er es nannte gerade mal seinen hoheitlichen Hintern gerettet habe.
Der Bericht ist eine einzige Katastrophe. Ein Trauerspiel, nichtssagend und völlig am Thema vorbei.“ erklärte Peter Winters und im selben Moment schien sein Ärger plötzlich verflogen zu sein. Der Admiral blieb vor dem Fenster stehen und schaute hinaus auf die Dockanlagen, wo die Prometheus gerade aus dem Dock entlassen wurde um erste Tests aufzunehmen.
„Ich schätze mal ich habe eine Wette gewonnen.“ Ließ er mit einem Lächeln verlauten, wandte sich um und schaute Frank an.
„Sie und Ihr Schiff haben sich gut bewährt. Ich gratuliere Ihnen zu diesem Einstandserfolg als Captain. Machen Sie weiter so. Gute Männer sind Mangelware, ich bin froh, dass ich einen weiteren gefunden habe! Spannen Sie mal aus, der nächste Einsatz wird sicherlich auch nicht einfach werden. Ich informiere Sie, sobald ich näheres weiß.“
In Franks Körper machte sich langsam Ruhe breit und die Muskeln gaben ihre Anspannung auf. Seine Befürchtungen hatten sich nicht bewahrheitet. Er konnte nun in Ruhe wieder auf sein Schiff gehen. Langsam durchschritt er die langen Flure der Basis und fuhr mit dem Turbolift zur Luftschleuse.
Ein Kadett wartete auf ihn um ihn wieder aufs Schiff zu bringen. Kaum hatten sie abgelegt, sah Frank ein Shuttle, welches das Dock durchquerte und durch einen Spalt in den großen Raumtoren ins freie All entschwand. Er brauchte nicht zu rätseln, welches Schiff es war, das Design trug unverkennbar seine eigene Handschrift. Er kannte sowohl den Piloten als auch den Namen dieses Schiffs, obwohl er ihn auf diese Entfernung unmöglich hatte erkennen können. Das Schiff trug den Namen Marua.
Während Frank mit dem kleinen Shuttlepod auf die Scimitar zuflog überkam ihn ein Gefühl der tiefen Zufriedenheit. Auch wenn die Golden Gate vielleicht nie mehr fliegen würde, hier hatte er ein neues Zuhause und eine erste Liebe gefunden.
Ende
