Die Scimitar lag wieder ruhig im Inneren der Pilz Station. Sie hatte ihren ersten Ausflug mit Bravour bestanden. Nicht ein Problem war auf dem ersten Flug aufgetreten und Captain Dekkers, der zufrieden mit der Leistung des Schiffes war, hatte sich gerade in sein Quartier zurückgezogen, als Admiral Winters ihn kontaktierte und auf ein gemeinsames Abendessen in sein Quartier einlud, bei dem man den ersten Erfolg entsprechend würdigen konnte.
Frank wollte diese Bitte selbstverständlich nicht ablehnen, also machte er sich auf den Weg zum Quartier des Admirals, welches in der Station auf Ebene Acht lag. Ganz so einfach war es jedoch nicht. Er hätte sich zwar beamen lassen können, aber er entschloss sich für einen eher bodenständigen Weg. Er forderte ein kleines Docking Shuttle an und genoss die Fahrt durch das erleuchtete Raumdock, wobei er ein weiteres Mal den Ausblick auf sein Schiff genießen konnte. Nach einem doch recht langen Weg durch Flure und Turbolifte war er endlich am Quartier des Admirals angekommen.
Der Türsensor gab ein kurzes Klingen von sich und die Türhälften glitten auseinander. Admiral Winters begrüßte Ihn freudig und bat ihn sogleich zu Tisch. Anscheinend hatte er sein Kommen bereits wesentlich früher erwartet.
Frank musste zugeben, dass der Admiral sich große Mühe gegeben hatte um dieses schon eher festliche Dinner zu gestalten und entsprechend zu würdigen.
Die erlesenen Speisen, die Frank gereicht wurden hatte er schon lange nicht mehr gekostet, obwohl es eigentlich gute alte Gerichte der Erde waren. Außerdem musste er feststellen, dass man sich für die Zubereitung sehr viel Zeit hatte nehmen müssen, alles war frisch zubereitet und nicht aus dem Replikator. Es war aufwendig verziert und hätte einem Bankett zur Ehre gereicht.
Während des Essens hatten die beiden Männer nur wenige Worte gewechselt, und sich völlig auf den Genuss der Speisen konzentriert.Nachdem sie dieses sehr schmackhafte Mahl verzehrt hatten, erhoben sich der Admiral und Frank und gingen durch das großzügig bemessene Quartier hinüber zur Sitzgruppe, die direkt gegenüber des großen Fensters stand, durch welches man einen wundervollen Blick auf die Dockanlagen sowie den Planeten hatte. Auch jetzt, nachdem eigentlich die Tagesschicht zu Ende sein sollte, schwirrten immer noch unablässig die kleinen gelben Workbees umher, die an der Außenhaut der Schiffe verschiedene Arbeiten erledigten. Frank blieb für einen kurzen Moment vor dem Fenster stehen und genoss die Aussicht. Dann folgte er dem Admiral zu einem Sessel, vor ihm auf dem Tisch stand ein erlesener Wein um dem Geschmack der Speisen die Krone aufzusetzen.
„Sagen Sie Captain, wie sind Sie eigentlich auf das Projekt mit der Avatar gekommen?“ wollte Peter Winters wissen.
„So etwas schüttelt man schließlich nicht aus dem Ärmel. Wissen Sie, die Ingenieure der Prometheus haben jahrelang daran herumgeknobelt, ein Schiff und seine Schlagkraft so zu konzipieren, dass es universell einsetzbar ist und trotzdem genug Feuerkraft hat um potentielle Angreifer abzuwehren. Es hat eine halbe Ewigkeit gedauert, bis man endlich einen Fuß auf den Boden bekommen hat und nun weiß eigentlich keiner so recht, was man mit einem Schiff anfangen soll, das sich in drei Teile zerlegen kann, mal abgesehen von dem Multivektor Waffenmodus.“
Frank war etwas peinlich berührt, er wollte dem Admiral nicht unbedingt erzählen, dass er und Rick diesen Entschluss bei einer feuchtfröhlichen Party nach reichlichem Konsum von echtem Alkohol gefasst hatten. Also entschloss er sich, dem Admiral zunächst die Grundlagen zu erklären.„Nun Admiral,...“ begann er langsam den Ball aufzunehmen, den der Admiral ihm zugespielt hatte,
„...ich habe mich schon während meiner Zeit auf der Akademie immer für Raumschiffarchitektur interessiert, und es zählte nebenbei auch zu meinen Hobbies, Missionsberichte zu studieren. Wissen Sie, nicht nur die fiktiven Missionen, die man an der Akademie büffeln musste, sondern echte Missionsberichte, in denen auch manchmal eine Fehlentscheidung getroffen wird. Sie verstehen sicherlich, was ich meine...“ gab Frank dem Admiral zurück der mit einem Lächeln und einem leichten Kopfnicken antwortete.
„...anfangs war es sehr schwer an solche Logbücher heranzukommen, man bekam nur wenige freigegebene Informationen, da mein Rang verständlicherweise der niedrigste war. Aber als ich dann in den aktiven Dienst versetzt wurde, erhielt ich natürlich auch mehr Informationen. Ich kletterte die Karriereleiter schnell nach oben, da man fähige Offiziere brauchte und da nach dem Angriff der Borg eine entsprechende Knappheit bestand konnte man mit ordentlicher Leistung gut vorankommen.“
Der Admiral nahm ein Glas Wein vom Tisch auf und nippte daran.
„Ja, ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Es war für die Flotte damals wirklich nicht sehr einfach. Und Heute ist es fast schon wieder genauso.“ Frank fuhr mit seinen Erklärungen fort.
„Ich habe diese Logbücher genau studiert, analysiert und mir auch überlegt, was und wie ich es in bestimmten Situationen anders machen würde, was zugegebener Maßen etwas einfältig klingen mag, da man in einer realen Situation immer etwas anders entscheiden würde.“
Der Admiral zog eine Augenbraue hoch und schaute Frank in die Augen.
„Das ist nicht unbedingt ganz richtig, wissen Sie. Wenn man nämlich ausreichende Informationen über die Hintergründe hat, dann fällt einem die Entscheidung möglicherweise leichter. Wenn man keine Wahlmöglichkeit hat, dann wird es erst richtig schwer.“ antwortete der Admiral.
„Oft bin ich auch in den Berichten auf unerwartete Wendungen gestoßen, welche die gesamten Missionsparameter über den Haufen geworfen haben, mal abgesehen von groben Fehlentscheidungen. Ich habe mir angesehen, wie die Missionen verlaufen sollten, wie sie tatsächlich abgeschlossen wurden, ob sie erfolgreich waren oder nicht. Dabei fiel mir eines zunehmend auf:
Es gibt viele Missionen, bei denen es nicht ausreicht ein oder mehrere Shuttles zu besitzen nur um zum oder vom Planeten weg zu gelangen. In vielen Situationen ist es einfach von Vorteil, wenn man über ein Schiff mit etwas mehr Potential verfügt. Wenn man zum Beispiel in eine gefährliche Raumanomalie gerät, kann dies bei einem einfachen Shuttle schon dazu führen, dass die Mission scheitert. Daher entstand nach und nach das Projekt Avatar. Zunächst war es nur ein großes und stark bewaffnetes Shuttle mit einer Größe von etwa zwei Runabouts So in etwa wie die Jenolan oder die Raven. Aber dann wurde mir klar, dass es etwas Besonderes sein musste. Die Technik hatte es schließlich vorgemacht, die Enterprise-D mit ihrer abtrennbaren Untertassensektion war bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Aber für mich war das noch nicht das richtige Konzept. Die abtrennbare Untertassensektion ergab noch keinen Vorteil im Kampf oder in brenzligen Situationen, sondern war nur dazu gedacht Zivilisten und Crew zu retten, was natürlich ein sehr löblicher Entschluss ist. Noch dazu war die Enterprise nicht landefähig, oder bestenfalls einmal, wie man ja gesehen hat. Meine Ziele aber waren weitaus höher gesteckt.“
Admiral Winters nickte erneut anerkennend mit dem Kopf und erwiderte:
„Ich glaube kaum dass sich die Ingenieure heutzutage noch eine solche Arbeit machen um das beste Design, die beste Anwendung und das Optimum für die Missionstauglichkeit herauszuholen. Viel zu oft wird auf die Modulbauweise zurückgegriffen, ein schnittiges und imposantes Design vorgeschlagen, was jeden noch so konservativen Kritiker überzeugt, dass Fortschritt beim Design anfängt. Aber das ist nur die halbe Miete, wie man so schön sagt. Auf die Tauglichkeit kommt es an und das was Sie hier abgeliefert haben, ist ein Muster an Bedienerfreundlichkeit, kompakter Bauweise und optimaler Raumausnutzung. Das ist mein voller Ernst!“ erwiderte der Admiral und unterstrich seine Meinung mit zahlreichen Gesten der Arme und Hände. Dann erhob er sein Glas auf diese Leistung und prostete Frank Dekkers zu.
Mit gemischten Gefühlen schaute Peter Winters aus dem Fenster, durch das man die nahezu fertiggestellte Prometheus im Dock liegen sehen konnte und dachte einen Augenblick lang über das neue Schiff nach, welches nun in der Pilzstation verborgen, gut behütet vor den Blicken der Frachter, und Sternenflottenschiffen lag, welche hier wie in einem Bienenkorb andockten und wieder weiterflogen. Ein kleines Geheimnis, welches die Flotte erst später lüften wollte. Derzeit waren die letzten Arbeiten an der Prometheus im Gange und man war zuversichtlich, dass man sie in weniger als vier Wochen auslaufen lassen konnte.
„Wie sind sie eigentlich auf diesen ungewöhnlichen Namen gekommen?“ fragte der Admiral nun, ohne seinen Blick vom Fenster abzuwenden.
„Nun, das war eigentlich reiner Zufall...“ gestand ihm Frank Dekkers,
„...nachdem ich meinen Entwurf auf den Risszeichnungen zu Papier gebracht hatte, war trotzdem noch viel Arbeit für die Gesamtzusammenstellung zu erledigen. So stapelten sich die Papiere in meinem ganzen Quartier.“ Er musste lachen bei dem Gedanken, wie es damals bei ihm ausgesehen hatte. Anstatt, wie üblich diese Dinge am Computer zu entwerfen, benutzte er tatsächlich große Papierbögen, die manchmal den ganzen Tisch bedeckten.
„Irgendwann fiel dann mein Blick auf den Tisch, auf dem der Schattenriss des Schiffs lag. Einige zusätzliche Blätter hatte ich achtlos darüber gelegt und das Schiff damit teilweise abgedeckt. Das was zwischen den Bögen noch herausschaute sah wie ein Krummsäbel aus. Ursprünglich wollte ich die Klasse auch danach benennen, aber es gab inzwischen bereits eine Sabre Klasse, daher habe ich mich für Avatar entschieden, das bedeutet Manifestierung und das war es schließlich, was ich erreichen wollte, die Manifestierung meiner Wünsche.“ erklärte Frank dem Admiral.
„Aber ich habe da auch einmal eine Frage die mich schon die ganze Zeit beschäftigt, seit dem ich dieses Wunder erleben durfte, dass mein Schiffsentwurf tatsächlich gebaut wurde...“, Frank ertappte sich bei der Formulierung dass mein Schiff tatsächlich gebaut wurde, konnte es aber gerade noch abändern, so dass der Admiral es nicht bemerkte.„Nur zu, wenn ich es weiß werde ich frei heraus antworten.“ Gab ihm Peter Winters zu verstehen.
„...warum wurde eigentlich die Avatar nicht als erstes Schiff gebaut. Schließlich ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Klassenname auch der erste Schiffsname ist und damit die NX Nummer erhält. Aber mein Schiff ist die Scimitar und die Avatar befindet sich noch immer im Raumdock und scheint nicht in Betrieb zu sein.“ Admiral Winters hatte ein unergründliches Lächeln aufgesetzt, er schien mehr in sich hinein zu lächeln als es Frank zeigen zu wollen, aber es war unverkennbar vorhanden.
Er stand auf und trat hinter den Sessel, stützte sich mit den Fingerspitzen auf die Lehne und schaute Frank belustigt an.
„Ich habe mit dieser Frage gerechnet und eigentlich nur darauf gewartet wann Sie diese stellen würden.“ Winters machte eine bedeutsame Pause, richtete sich auf und schritt nun langsam durch den Raum.
„Ja, es stimmt. Die Avatar wurde tatsächlich als erstes in Auftrag gegeben und die Scimitar als zweites Schiff nur einen Monat danach. Das Ingenieurcorps der Sternenflotte hatte mit all Ihren Angaben ziemliche Probleme. Offen gesagt man misstraute Ihnen. Keiner hatte je etwas von Ihnen gehört oder hatte Arbeiten von Ihnen gesehen. Viele Dinge wichen von den üblichen Verfahrensweisen ab, und neben den einzelnen Computeranlagen und der ungewöhnlichen Ausstattung hatte man Probleme vor allem beim Design, den Maschinen und der Tatsache, dass man fast keine Modulbauteile verwenden konnte. Keiner kam auf die Idee, dass man mit diesem Projekt einen völlig neuen Standard schaffen könnte. Es kam wie es kommen musste. Noch bevor die Arbeiten an der Scimitar begonnen wurden spaltete sich das Ingenieurscorps in zwei Lager, die Befürworter der Originalpläne, die Sie erstellt hatten und die konservative Gruppe, die der Ansicht war, dass man dieses Konzept unmöglich in dieser Form umsetzen könne. Ich muss Ihnen sicher nicht sagen, dass von den Ingenieuren der Scimitar keiner älter als vierundzwanzig Jahre war, was bedeutet, dass die älteren und erfahreneren Männer der anderen Truppe angehörten.“ Erneut huschte ein Lächeln über Admiral Winters Gesicht, als wolle er damit ausdrücken das er es schon immer gewusst habe.
„Jedenfalls gingen die Arbeiten an der Avatar zunächst gut voran, kein Wunder bei den vorgefertigten Bauteilen, die man verwenden wollte. Aber dann kam der Einbruch. Vieles was zunächst große Fortschritte gemacht hatte, kam plötzlich ins stocken, funktionierte nicht oder nur schlecht und man musste zugeben, dass man das ganze Konzept völlig falsch verstanden hatte.
Inzwischen machte das zweite Schiff, Ihre Scimitar langsame Fortschritte. Um die Bauteile zu erstellen, mussten völlig neue Wege gegangen werden und man hatte seine liebe Not, so manche Dinge genau so zu bekommen, wie sie definiert worden waren. Die Ingenieure der Avatar wollten sich aber so leicht nicht geschlagen geben. Sie arbeiteten Tag und Nacht und man muss sagen mit Eifer und mit der großen Erfahrung brachten sie das Schiff tatsächlich zum funktionieren. Aber es hat das Raumdock nicht verlassen können. Immer wieder treten Probleme mit der Vernetzung der Energieleitungen auf, man sollte ein gut ausgeklügeltes System halt nicht verändern. Auf der Erde gab es damals dafür mal ein geflügeltes Wort...“
„...Never change a winning team! Verändere nie ein Team das gewinnt! Und das lässt sich ableiten auf - Verändere nie etwas das einwandfrei funktioniert!.“ warf Frank ein.
„Ich sehe, sie kennen sich aus Captain.“ sagte der Admiral.
„Sehen Sie, das beantwortet auch die Frage, warum auf der Scimitar alles genau so ist, wie Sie es sich vorgestellt haben. Da Sie wirklich alle Details angegeben haben, tauchten kaum noch Fragen auf. Aber nun, für die Tests und für die Umbauten der Avatar wird erneut Ihr Wissen gebraucht. Ich möchte Sie bitten, die Werftarbeiten zu begleiten um auch für das zweite Schiff möglichst bald Verwendung finden zu können.“
„Nun, wenn das so ist Admiral, dann kenne ich auch schon jemanden der darauf brennt einmal einen Probeflug mit diesem Schiff zu unternehmen und der möglicherweise auch das Kommando führen könnte.“
Peter Winters ließ sich Zeit mit seiner Reaktion, obwohl sie bereits festzustehen schien, er suchte nur noch nach den richtigen Worten. Frank war erstaunt, wie gut der Admiral ihn einzuschätzen wusste.
„Es ehrt Sie, dass Sie an Ihren alten Freund und Kommandanten Rick Sanders denken und nichts wäre mir lieber als das Kommando in solch sicherlich fähige junge Hände zu legen. Aber bitte verstehen Sie mich nicht falsch, die Liste der Kommandoanwärter ist lang. Nicht nur Captains die auf längst veralteten Schiffen Dienst tun, auch aufstrebende Commander, die sich beweisen wollen und dafür ein eigenes Schiff brauchen, stehen Schlange. Zwar werden weitere Schiffe dieses Typs sicher bewilligt werden, aber es wird seine Zeit brauchen sie zu bauen.
Ich fürchte, ich kann Ihren Wunsch jetzt nicht erfüllen, aber ich behalte ihn im Kopf, wer weiß, vielleicht irgendwann....“
Nachdem er Franks Vorschlag umfassend beantwortet hatte, kam er auf ein ganz anderes Thema zu sprechen.
„Haben Sie sich schon mit der Wahl ihrer Crew auseinandergesetzt?“ fragte der Admiral.
Frank war über diese Frage ziemlich überrascht, er hatte heute wirklich schon einige Überraschungen hinter sich, das Schiff war ihm gerade erst übergeben worden und er hatte sich noch nicht einmal an den Gedanken gewöhnt nun den Rang eines Captains innezuhaben. Völlig ehrlich und mit einer sehr ruhigen Stimme gab er Admiral Winters Antwort:
„Nun Admiral, ich muss zugeben, ich habe in den letzten zwei Tagen sehr viel erlebt. Meine Abmusterung von dem Schiff, das bisher meine zweite Heimat war, die Erfüllung meiner Träume, mein Schiffdesign wurde tatsächlich gebaut, ich wurde zum Captain befördert und durfte mit meinem Schiff tatsächlich das All durchqueren. Ich würde sagen das ist für eine so kurze Zeit recht viel und um nun Ihre Frage ehrlich zu beantworten Admiral, nein, ich habe noch nicht einen Gedanken daran verschwendet, wie ich mir meine Crew vorstelle, auch wenn Sie mich jetzt einen Narren schelten wollen. Ich bin immer noch überwältigt von all dem und hoffe, dass dieser Traum nicht enden wird.“
Der Admiral hatte sich wieder in den Sessel fallen lassen, nachdem er zwei Sektgläser und eine echte Flasche Champagner auf den Tisch gestellt hatte. Er beugte sich vor und goss die beiden Gläser ein.
„Nun, dann kann ich nur hoffen, dass Sie bald wieder von Wolke sieben runterkommen, denn die Sternenflotte verlangt Ergebnisse. Sie wissen ja auch, was ich von Ihnen erwarte.“ Er deutete mit seinem Glas in Richtung Dockanlage der Prometheus.
„Ja, ich weiß und ich werde Sie nicht enttäuschen.“
Frank nahm ebenfalls sein Glas auf und stieß mit dem Admiral an.
„Auf gutes Gelingen!“ sagte Peter Winters,
„Auf gutes Gelingen!“ wiederholte Frank und beide genossen den Champagner der den Abschluss des Abends bedeutete.* * *
Am nächsten Morgen war Frank schon recht früh auf den Beinen. Er saß in seinem Bereitschaftsraum und hatte sich in einer Datei die frei verfügbaren Offiziere auf den Bildschirm geladen. Er ließ den Computer die Personen nach Wissengebieten sortieren und überlegte, wen er noch zusätzlich auf seine Liste setzen konnte. Vielleicht war es ja sogar möglich einige erfahrene Offiziere, die er persönlich kannte, von anderen Schiffen oder Sternenbasen abzuziehen. Aber er machte sich keine großen Hoffnungen bezüglich dieser Idee. Schließlich waren gute und erfahrene Offiziere immer noch Mangelware, und nun nach dem Beginn des Dominionkrieges stellte sich diese Situation fast wieder aufs neue ein.
Frank klickte sich durch die einzelnen Profile und machte sich gelegentlich Notizen. Schließlich galt es eine gut fünfhundertköpfige Besatzung zusammenzustellen und wenigstens an den Schlüsselpositionen wollte er fähige Leute sitzen haben.
Das Türsignal ertönte.
„Herein“ rief Frank, während er weiterhin auf den Bildschirm schaute. Rychek, sein derzeitiger erster Offizier, der nur vorübergehend hier stationiert war, betrat den Raum.
„Captain, wir sind bereit die Antriebsaggregate einzumessen und die Neutronenemissionen entsprechend zu kalibrieren. Das Dock hat uns bereits Erlaubnis erteilt auszulaufen.“
Frank sah von seinem Bildschirm auf. Den Offizier, der vor ihm stand kannte er eigentlich erst seit wenigen Tagen und dennoch hatte er ihn durch seine fachliche Kompetenz schnell überzeugt. Er war einige Jahre älter als Frank, schien aber kein Problem damit zu haben, dass Frank ihm als Captain Weisungen erteilte.
„Sagen Sie Mr. Rychek, was halten Sie von diesem Schiff?“ Rychek schien nicht überrascht zu sein von dieser Frage, wahrscheinlich hörte er sie von jedem kommandierenden Offizier, der ein neues Schiff übernahm.
„Nun, Captain, sie ist eine wirkliche Schönheit, sie hat Charakter, sie hat Flair und eine ganze Menge Potential. Sie wird Ihren Weg machen, da bin ich mir ganz sicher.“ erklärte er Frank
„Und ganz nebenbei bemerkt ist sie um Welten besser als die Prometheus, aber sagen Sie das bloß nicht weiter!“ grinste er.
Auch Frank musste über dieses Geständnis lächeln, immerhin machte ihn diese Aussage als Konstrukteur doch sehr stolz.
„Nein, jetzt mal ganz im Ernst, könnten Sie sich vorstellen mein erster Offizier zu werden? Schließlich haben Sie an der Entwicklung mitgewirkt. Auch Sie kennen das Schiff wie Ihre Westentasche. Ich brauche jemanden der sich gut auskennt und eventuell in kritischen Situationen weiß, wo er hinzugreifen hat, damit etwas funktioniert.“
Rychek druckste etwas herum und begann dann langsam damit dem Captain seine Situation zu erklären.
„Wissen Sie Captain, es freut mich, dass Sie mich ausgewählt haben um Ihr neuer erster Offizier zu werden. Ehrlich gestanden haben das bislang nicht viele neuen Captains getan, um es genau zu sagen, Sie sind der Erste. Aber wissen Sie, ich bin nicht der Typ für eine lange Beziehung, ich bin eher so wie die Matrosen von einst. In jedem Hafen eine andere und neue Liebe. Ich bin zufrieden mit meinem Job und er gefällt mir. Ich brauche die Herausforderung ein neues Schiff zu erstellen und es zu begleiten bis es quasi flügge geworden ist, um es dann hinaus zu schubsen in die große weite Welt. Ich würde mich gefangen fühlen, wie in einem Käfig und ich denke mir, das ist nichts für mich. Bitte verstehen Sie, es geht nicht gegen Sie, es ist nur so dass ich...“ er ließ den Satz unvollendet, aber Frank hatte schon verstanden. Ebenso, wie es Franks Traum war dieses Schiffsdesign zu entwickeln und es dann zu fliegen, so war Rycheks Platz hier in der Flottenwerft.„Ich respektiere Ihre Einstellung. Schade, Sie wären meine erste Wahl gewesen. Nun muss ich mich weiter umschauen. Ich hoffe, dass ich fündig werde.“ Der Commander entspannte sich etwas und sah den Captain weiterhin an.
„Ach ja, die Messflüge, können Sie das vorerst übernehmen, ich versuche wenigstens die wichtigsten Führungsoffiziere auszuwählen.“
Der Commander nickte, „Aber selbstverständlich, ich gebe Bescheid, wenn Ihre Anwesenheit erforderlich ist.“ gab er zurück, drehte sich langsam um und verließ den Bereitschaftsraum. Frank sah ihm noch eine Weile nach obwohl sich die Tür schon längst geschlossen hatte. Genau so einen Offizier brauchte er an seiner Seite.
Frank machte sich nun langsam daran die entsprechenden Dienstakten zu sichten. Als erstes rief er sich eine Liste aller verfügbaren Kommandooffiziere auf, die in dem ersten File gelistet waren.
Mit Ernüchterung und ein wenig Erschrecken stellte er fest, dass nahezu alle sehr jung waren, was natürlich auch bedeutete, dass sie relativ unerfahren waren, auch wenn einige bereits an Bord eines Schiffes gedient hatten. Er markierte einige der Einträge um sie sich später genauer anzusehen. Er hatte bislang gar nicht gewusst, wie schwer es war, bereits hier ein Auswahl zu treffen. Er konnte unmöglich alle Akten komplett studieren, das würde Tage dauern. Auch an diesem Beispiel bemerkte er, dass die Aufgaben eines Captains weit über das hinaus gingen, was von einem ersten Offizier erwartet wurde.
Selbstverständlich hatte auch er die Einteilung auf der Golden Gate vornehmen und die bestmöglichen Leute für den Dienst einteilen müssen, aber er konnte auf eine feste und bewährte Mannschaft zurückgreifen, die er im Laufe der Jahre mit all ihren Stärken und Schwächen kennen gelernt hatte. Das hier war eine völlig neue Situation, er musste aufgrund weniger Fakten und ohne die Leute näher zu kennen, nur aus der Dienstakte heraus eine Entscheidung treffen.
Frank hatte sich zunächst einmal auf die Brückenbesatzung konzentriert. Dabei achtete er darauf, dass er zwei Brücken zu besetzen hatte, die im Ernstfall zwei vollständige und schlagkräftige Schiffe kommandieren sollten.
Er fing mit dem möglichen ersten Offizier an, wobei er erneut bedauerte, dass Rychek nicht auf einem Schiff dienen wollte.
Es gab nur eine geringe Auswahl an Führungsoffizieren, die geeignet waren einen solchen Posten zu übernehmen. In seinem Quartier hatte er am Morgen bereits einige seiner Bekannten per Subraumfunk kontaktiert. Alle hatten Ihm zu seinem neuen Kommando gratuliert, aber keiner war dabei, der auf sein Schiff wechseln wollte. Obwohl Frank einerseits sehr enttäuscht war, konnte er das verstehen. Irgendwann wurde das Schiff zu einer zweiten Heimat und man wollte es nicht mehr verlassen.
Frank versuchte sich erneut zu konzentrieren und machte die erste Akte auf. Aber die Angaben überzeugten ihn nicht. Die taktischen Fähigkeiten des Lieutenants schienen ihm nicht auszureichen. Schließlich sollte er ja auch das Scoutschiff führen können und das setzte schon einen gewissen Grad an Erfahrung, Genialität und Kreativität voraus, nicht zu vergessen eine hohes Verantwortungsbewusstsein und eine gewisse Risikobereitschaft. All das wollte bedacht sein.
Frank verwarf nacheinander alle potentiellen Kandidaten, an jedem hatte er seiner Meinung nach etwas auszusetzen. Müde und resigniert stand er auf und ging zum Replikator.
„Bitte einen Orangenfruchstaft, kalt!“ wies er den Computer an und das Getränk materialisierte sich in einem einfachen Glas.
Er nahm den kühlen Saft und trank einen großen Schluck. Dabei erinnerte er sich wie er damals auf die Golden Gate gekommen war, als junger, noch unerfahrener Fähnrich hatte er seinen Dienst begonnen und war gleich mit wichtigen Aufgaben betraut worden, was ihn dazu anspornte gute Leistungen zu bringen.
Das wiederum hatte seine schnelle Beförderung begünstigt. Im Prinzip, so musste er sich eingestehen, war er nicht anders gewesen wie all diejenigen, die nun auf seiner Liste standen und darauf warteten ein erstes oder ein neues Kommando zu erhalten.
Frank setzte sich und rief erneut die Akten der bereits in die nähere Auswahl gezogenen Offiziere auf.
Jonathan West, ein Lt. Commander, der auf einem Schiff der Nebula Klasse diente schien mit seiner Karriere nicht zufrieden zu sein. Er hatte sich auf die Transferliste setzen lassen. Die Einträge in seiner Akte waren zwar technisch gesehen gut, aber er schien sich mit dem Captain und dem ersten Offizier nicht zu verstehen. Zwar hatte er keinen Verweis in seiner Dienstakte, aber die Missionsberichte und Logbucheintragungen, die Frank aus dem Datenarchiv ebenfalls beigefügt hatte um ein besseres Bild zu erhalten und die vom ersten Offizier sowie vom Captain stammten, ließen Lt. Cmdr. West in keinem guten Licht dastehen. Frank fragte sich, ob er nur auf dem falschen Schiff war, oder ob er sich tatsächlich so schlecht benahm, dass er solche Bewertungen erhielt.
Er würde Ihn Anfordern. Er wollte ihm eine Chance geben sich zu beweisen.
Langsam machte er weiter und beim zweiten Anlauf schien es deutlich besser zu klappen, vielleicht auch nur deshalb weil er sich bewusst war, dass diese jungen Leute noch nicht so perfekt sein konnten, wie man es erst nach vielen Jahren Dienst werden konnte. Aber vielleicht lag darin auch eine Möglichkeit, dass sich diese jungen Leute bewusst wurden, welche Chance sich ihnen hier bot.
Nach mehr als vier Stunden hatte der Captain einige wichtige Schlüsselpositionen besetzt, unter anderem auch einen Schiffsarzt, sowie taktische und wissenschaftliche Offiziere.
Ein Blick auf die bisherige Mannschaftsliste zeigte ihm, dass er nicht nur mit jungen Personen, sondern auch mit einer Vielzahl von fremden Spezies zurechtkommen musste. Bolianer, Benziten, Bajoraner, Trill und nicht zuletzt auch Vulkanier standen nun auf seiner Liste, die er zusammengestellt hatte.
Dann stellte er noch einige Informationen über das Schiff bereit und ergänzte sie mit einigen Worten, die das Interesse der Bewerber wecken sollten. Er lud die Liste auf ein Padd und verließ den Bereitschaftsraum in Richtung Brücke.
Rychek, der den Captain kommen sah machte sofort Platz in dem zentralen Stuhl, der dem Captain vorbehalten war und Frank nahm darin Platz.
„Mr. Rychek, bitte übertragen Sie die Liste in die Schiffsdatenbank und senden Sie diese an die Zentrale unserer Sternenbasis, sowie eine Kopie an Admiral Winters. Teilen Sie ihm bitte mit, dass ich die restliche Auswahl später treffen werde, vorerst kann man ja versuchen, inwieweit die genannten Personen bereit sind ein Kommando auf diesem Schiff zu übernehmen. Auf dem Padd gibt es eine Datei mit Informationen über unser Schiff, die jeweils mit angehängt werden soll, damit die Leute wissen, was auf sie zukommt.“ Rychek aktivierte das Padd und zog eine Augenbraue hoch, einen Kommentar dazu verkniff er sich allerdings.
„Wird sofort erledigt Captain!“ Damit drehte sich Rychek um und ging an das Kommunikationsterminal um die Dateien zu überspielen.
Frank war sichtlich erleichtert, dass diese erste Hürde genommen war und er sich nun bei nächstbester Gelegenheit um die weiteren Besatzungsmitglieder kümmern konnte. Langsam fand er wieder zur Normalität zurück, obwohl seine Gedanken noch eine ganze Weile um die Frage kreisten, ob und wie viele Offiziere sich für seinen Vorschlag interessierten und wer letzten Endes auf sein Schiff kommen würde.
* * *
Die Tage vergingen mit Routineaufgaben, die das neue Schiff zu erledigen hatte. Einmessflüge, Sensorenprüfungen und nicht enden wollende Triebwerktests. Frank machte neben all seinen Aufgaben damit weiter seine Crew auszuwählen. Inzwischen war er bereits dabei, diejenigen Posten zu besetzen, die man üblicherweise einfach von der Sternenbasis besetzen ließ, weil es keine hochrangigen Offiziersposten waren, aber Frank hatte sich zum Ziel gesetzt, jeden der auf sein Schiff kam persönlich auszuwählen. Er wollte sich selbst und auch dem ankommenden Sternenflottenabsolventen geradeaus in die Augen blicken können und sagen können: ‚Ich habe Sie persönlich angefordert, Sie genießen mein Vertrauen, enttäuschen Sie es nicht.’
Es war ein langwieriger Prozess, aber Frank hatte sich mit viel Einsatz und einigen langen Tagen bis tief in die Nacht hinein damit beschäftigt. Schließlich konnte er nicht jeden Tag nur in seinem Bereitschaftsraum verbringen und Offiziere aussuchen.
Admiral Winters schien zufrieden zu sein, auch wenn er mitunter einmal den Kopf schüttelte über die Auswahl die Frank getroffen hatte. Aber Frank legte wesentlich mehr wert auf Teamarbeit, Kreativität und Leistungsbereitschaft, als auf akademische Grade, langjährige Erfahrung und sogenannte „Ja“-Sager.
Der Admiral hatte zwar den ein oder anderen Vorbehalt, aber er behelligte Frank nicht damit. Er ließ ihn gewähren, denn noch waren nur wenige Rückantworten gekommen. Es würde sicher noch ein ganze Weile dauern, bis auf dem Schiff jeder eingeteilt war und seinen Platz gefunden hatte. Aber das war ein anderes Kapitel. Jetzt galt es erst einmal die Führungsoffiziere zu verpflichten und einzusetzen. Frank hatte gebeten, dass er zunächst nur den Kandidaten für den Posten des ersten Offiziers auswählen wolle, um vor den restlichen Führungsoffizieren nicht alleine dastehen zu müssen. Im Übrigen könnte der neue „Erste Offizier“ dann schon direkt seine Crew kennen lernen und eine Einteilung vornehmen.
So traf es sich hervorragend, dass derjenige Kandidat, den Frank als seinen ersten Offizier ausgewählt hatte, als erster seine Bereitschaft signalisierte auf die Scimitar zu wechseln.
Es dauerte gerade einmal zwei Tage, da traf er bereits auf der Sternenbasis ein. Das Schiff der Nebula Klasse hatte extra einen kleinen Umweg geflogen um ihn hier abzusetzen und so hatte Frank die Gelegenheit in aller Ruhe mit ihm zu sprechen, bevor die Hauptmannschaft an Bord kam.
Frank war ein wenig aufgeregt und er bemerkte, dass seine Hände feucht waren. Eine ungewöhnliche Reaktion, die ihm in den letzten Jahren so noch nie bewusst aufgefallen war. Während er wartete, dass der junge Mann an Bord kam, überlegte er, warum dieser sich so kurzfristig entschieden hatte und das gegenwärtige Schiff so schnell verlassen wollte. Oder war er es vielleicht gar nicht gewesen? Hatten vielleicht der Captain und die Crew des letzten Schiffes alles nur erdenkliche getan um ihn loszuwerden? Diese und viele weitere Fragen überfluteten seinen Kopf und führten dazu, dass er sich nun in seiner Haut nicht mehr ganz so wohl fühlte. Das Shuttlepod, welches Jonathan West an Bord seines Schiffes bringen sollte war bereits einige Minuten überfällig. Frank hatte die Crew der Sternenbasis angewiesen am seitlichen Andockring festzumachen. Das Quartier des ersten Offiziers lag hier am nächsten. Er spähte durch das kleine runde Fenster direkt neben der Luftschleuse und konnte sehen, wie sich zwei Scheinwerfer direkt auf ihn zu bewegten. Das musste er sein. Das Shuttlepod hielt direkten Kurs auf ihn zu und hinter dem Seinen lagen keine weiteren Schiffe. Langsam drehte sich das Shuttle um, damit es mit der Rückseite andocken konnte.
Frank hörte, wie die Verriegelungsklammern einrasteten und vernahm das leise Zischen, als der Raum zwischen den beiden Schotts mit Luft geflutet wurde. Er richtete sich auf und straffte sich ein wenig, auch ein kurzer Blick an seiner Uniform hinab ergab, dass alles in Ordnung war.
Dann öffneten sich die Türen. Ein junger Mann mit einer Tragetasche der Sternenflotte stand in dem Shuttle auf und trat bis an den Rand zwischen Shuttle und Schiff.
„Lt. Commander Jonathan West meldet sich zum Dienst Sir. Erlaubnis an Bord zu kommen?“ fragte er höflich.
Frank schaute ihn kurz und prüfend von oben bis unten an. Er war ein drahtiger junger Mann von knapp 1,70 Meter, hatte dunkelblondes kurzes Haar und machte einen gepflegten Eindruck, aber so wie Frank wusste, bedeutete das nicht unbedingt viel. Doch zunächst wollte er den jungen Mann erst einmal auf seinem Schiff willkommen heißen. Also sprach er die Worte, die seit vielen Jahren Tradition waren und die auch er einmal von seinem damaligen Kommandanten gehört hatte, als er an Bord der Golden Gate gekommen war.
„Erlaubnis an Bord zu kommen erteilt Mr. West. Ich freue mich Sie an Bord zu begrüßen!“
Jonathan trat über die Schwelle zum Schiff und gab dem Captain die Hand.
„Ich freue mich, dass Sie mich ausgewählt haben Sir. Das ist ein sehr schönes und beeindruckendes neues Schiff.“ gestand er und es schien tatsächlich ehrlich gemeint zu sein.
„Kommen Sie, ich bin mir sicher, sie möchten das Schiff sehen, Ihre Kabine liegt ganz in der Nähe, da können Sie ihre Sachen ablegen und dann starten wir einen großen Rundgang.“ gab Frank fröhlich zurück und setzte sich in Bewegung.
Es waren tatsächlich nur wenige Schritte bis zum Quartier, welches der Captain für den ersten Offizier hatte herrichten lassen. Es war geräumig, geschmackvoll eingerichtet, wenn es so etwas bei der Sternenflotte überhaupt gab, und es besaß alles was zum Entspannen nach einem langen Arbeitstag notwendig war. Aber auch eine kleine Ecke, in welcher der erste Offizier den Dingen nachgehen konnte, die man nicht mehr im Laufe des Arbeitstages erledigen konnte, oder bei denen man ungestört sein wollte.
„Das ist Ihr Reich!“ sagte Frank stolz. So hatte er sich immer ein Quartier für den ersten Offizier vorgestellt. Es war wesentlich größer, als er es auf der Golden Gate gehabt hatte, auch wenn das kein Vergleich zu diesem neuen Schiff war. Aber nicht jeder hatte einen so wohl ausgewählten Raum. Der Turbolift war genau gegenüber und in wenigen Sekunden konnte er damit an allen Stellen sein, an denen er eventuell gebraucht wurde.
Der Lt. Commander antwortete nicht sofort, er ließ seinen Blick nahezu unbeeindruckt durch den Raum wandern. Seine Mine schien auch keine Begeisterung für dieses Quartier auszudrücken, das einem Captain zur Ehre gereicht hätte. Auch wenn Frank das nicht unbedingt erwartet hatte, so hoffte er innerlich dennoch auf eine Bestätigung. West zögerte möglicherweise eine Sekunde zu lange, so dass Frank der Gedanke beschlich, das Quartier könne dem jungen Mann nicht zusagen. Daher ergänzte er
„Nun, Sie können ja einige Veränderungen vornehmen, um es vielleicht Ihren Wünschen besser anzupassen!“
Aber der Gesichtsausdruck von Jonathan West schien sich weiterhin nicht zu erhellen.
„Danke Sir, es ist ein wirklich schönes Quartier, in meinem letzten hatte ich nicht einmal ein Fenster.“ Antwortete er tonlos.
Das war immerhin ein Anfang, auch wenn sich in den Worten des Lt. Commanders nach wie vor keinerlei Freude darüber erkennen ließ. Erneut kam Frank ins Grübeln. Ein Lt. Commander der sein Quartier im Inneren des Schiffes hatte? Das hörte sich aus seinem Munde fast wie eine Bestrafung an, auch wenn es andere Offiziere in dieser Position gab, die dieses ‚Schicksal’ teilten. Eigentlich recht ungewöhnlich, aber er schrieb dies der allgemeinen Situation zu, die der junge Mann auf seinem letzten Kommando zu ertragen hatte. Anscheinend hatte er keine oder nur wenige Befürworter, die sich für Ihn einsetzten, wenn es um etwas ging, was dieser Lt. Commander wollte, und sei es nur ein besseres Quartier.
„Nun, hier haben Sie jedenfalls den freien Blick nach draußen, genießen Sie es! Kommen Sie, wir werden uns ein wenig im Schiff umsehen, ich bin sicher, Sie brennen darauf zu sehen, wie Ihr neues Aufgabengebiet aussieht!“.
Mit wenigen Schritten war Frank am Turbolift, der sich auch sofort öffnete. Er und Jonathan traten ein und innerhalb von wenigen Sekunden hatte sie der Lift an den Ausgangspunkt gebracht, den der Captain für die Tour durch das Schiff geplant hatte. Die Lifttüren öffneten sich und vor Ihnen lag eine weite Halle, die zu beiden Seiten mit Shuttles gefüllt war.
„Wie Sie sehen, haben wir bereits unsere Shuttles erhalten, es gibt noch mehr davon im Haupthangar der hinter dem Wartungshangar liegt und im zweiten Hangar, aber dazu kommen wir später. Insgesamt finden hier mehr als zehn Shuttles mit fünf verschiedenen Versionen Platz. Wir haben auch einige Workbees an Bord, aber wir hoffen, dass wir sie vorerst nicht brauchen werden.“ scherzte Frank.
Er und Jonathan gingen quer durch den Hangar und kamen an der Hangarzentrale vorbei, die sich genau zwischen dem Wartungshangar und dem Haupthangar befand.
„Hier laufen alle Fäden der Hangars zusammen. An diesem Ort werden Starts und Landungen koordiniert, die Hebe- und Senkvorrichtungen bedient und natürlich die Haupttüren und die nach oben bedient.“
Lt. Commander West blickte an die Hallendecke, die ein ungewöhnliches Muster aufwies, Ähnlich einer Verzahnung, aber er dachte sich in diesem Moment nicht viel dabei. Es war üblich, dass man die Hangartüren im Notfall aufsprengen konnte. Eine solche Vorrichtung gab es auch bei der Nebula Klasse.
Der Captain und der neue erste Offizier machten sich nun auf den Weg zum Maschinenraum, durchquerten noch einmal den großen Hangar um wieder zum Turbolift zu gelangen.
„Hauptmaschinenraum, Deck 17!“ wies Frank den Computer an und der Lift setzte sich sofort sanft in Bewegung.
„Wissen Sie, obwohl ich auch erst seit einigen Tagen an Bord bin weiß ich doch genau, wo jede Schraube sitzt. Ich kenne mein Schiff genau und bin sehr stolz darauf.“ Der junge Mann nickte versonnen, schien aber den wahren Hintergrund nicht zu begreifen.
Sie waren inzwischen angelangt und Frank marschierte zielstrebig zum Hauptmaschinenraum. Nur wenige Schritte später machte der Flur einen engen halbkreisförmigen Bogen.
„Hier befindet sich der Primäre Computerkern, in dem alle Informationen gespeichert werden. Es ist das zentrale Speichersystem des Schiffes, von dem auch der Hauptcomputerkern gespeist wird.“ Weiter ging der Weg durch den Flur, bis Frank und Jonathan im Hauptmaschinenraum standen.
„Wie Sie sehen ist hier alles neu angeordnet, eine neue Konzeption, an die Sie sich aber bestimmt schnell gewöhnen werden. Erst als Frank sich umdrehte, sah er die missmutige Miene des jungen Mannes, der sich hier überhaupt nicht wohl zu fühlen schien.
Obwohl er es zu verbergen versuchte, hatte Frank noch aus dem Augenwinkel gesehen, dass er scheinbar die Nase rümpfte.
Frank kamen wirklich langsam Zweifel, ob sich der Mann für den Job eignete, für den er ihn vorgesehen hatte.
Die nächste Station war die Brücke und Frank war besonders Stolz auf die Zentrale, das Gehirn seines Schiffes, wenn man es so nennen wollte.. Die ergonomische Anordnung der einzelnen Stationen, die alle direkt auf den Hauptschirm sehen konnten und somit ebenso die Gleichen Informationen mitbekamen, die auch der Captain sehen konnte.
Auch hier zeigte sich relativ wenig Interesse bei Jonathan West, aber das würde sich sicherlich ändern, wenn er nur erst einmal die direkt dahinter liegende Brücke des Scoutschiffes sehen würde, dachte Frank.
Nur wenige Schritte durch die doppelt gesicherten Druckschotten und schon standen Sie auf der angrenzenden Brücke des Scoutschiffes.
„Und, was sagen Sie dazu?“ fragte Frank voller Neugierde den bislang ruhigen Mann, der allerdings nicht den Anschein machte, als habe ihm das Staunen die Sprache verschlagen.
„Meinen Sie nicht, dass die Notfallbrücke an einem weiter im Schiff liegenden Punkt wesentlich besser aufgehoben wäre, als hier, direkt hinter der Hauptbrücke?“ wollte Jonathan West wissen und brach damit sein längeres Schweigen.
An genau diesem Punkt begriff Frank mit aller Deutlichkeit, dass er sich leider nicht geirrt hatte, all die Anzeichen, die er während der Tour durch das Schiff festgestellt hatte. All die wenig begeisterten Blicke, die er im Gesicht des jungen Mannes gesehen hatte, all das war nur auf eines zurückzuführen. Dieser Mann hatte keine Ahnung um was es hier überhaupt ging. Er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht sich über dieses Schiff zu informieren, er hatte nicht einmal in die Datei gesehen, aus der er hätte ersehen können, dass es sich hier eigentlich um zwei Schiffe handelte.
Frank ließ sich in den Stuhl des Kommandanten sinken und bedeutete dem Lt. Commander sich ebenfalls zu setzen, der aber blieb stehen.
„Sie haben die Datei nicht einmal geöffnet, die ich an die Anforderung angefügt habe, nicht wahr? Sie haben sich weder ein Bild von der kommenden Aufgabe gemacht, noch haben Sie sich darüber informiert, wer Ihr Captain sein wird.“
Jonathan West war über den plötzlichen Themenwechsel ein wenig erstaunt. Zum ersten mal konnte Frank so etwas wie Überraschung in seinem Gesicht erkennen.
„Was hätte das schon für eine Rolle gespielt, jede Aufgabe in der Sternenflotte ist genau festgelegt, in jedem Bereich hat man klar umrissene Aufgabengebiete. Es ist sicher nichts neues für Sie, wenn ich Ihnen sage, dass ich bei der Crew auf meinem letzten Schiff nicht weiter kam. Ich habe alle notwendigen Prüfungen abgelegt, einschließlich der Kommandoprüfung, aber dennoch wurde ich nicht zum Commander ernannt. Man hat mich mehr als doppelt so lang auf dem Schiff dienen lassen wie es für eine Beförderung notwendig ist und nicht einmal nachdem man wusste, dass ich zum ersten Offizier werden würde, hat man mich in den Stand eines Commanders erhoben. Ob nun dieses Schiff, oder ein anderes, das tut doch nichts zur Sache, die Aufgaben sind und bleiben gleich!“
Frank begriff nun, dass er hier einen schwierigen Fall vor sich hatte, jemanden, der verbittert war, der mit allem und jedem unzufrieden sein würde und der den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah. Dem jungen Mann fehlte etwas ganz entscheidendes und es war nur zu klar was das war.
„Eigentlich war ich mir sicher, dass ich nun, wo ich zum ersten Offizier eines Schiffes ernannt werde, auch den Rang eines Commanders innehaben würde, aber weder meine ehemaligen Vorgesetzten, noch die Sternenbasis hier, mit der ich ein längeres Gespräch hatte, wollten sich dazu bereit erklären. Man sagte mir, Sie würden diese Aufgabe übernehmen.
Ich hatte auch gehofft, dass es sich hierbei um die üblichen Standardkonsolen handeln würde, aber so wie das hier aussieht bedeutet das doch, dass sich jeder umgewöhnen muss, die gesamten Prozeduren werden anders laufen. Kann man denn wenigstens die Bedienflächen frei programmieren und gibt es Setups, welche die üblichen Standards unterstützen?“ ließ Jonathan seiner Enttäuschung über die Neuanordnung an Bord nun freien Lauf.
Jetzt reichte es Frank. Er war eigentlich eher der ruhige Typ, aber inzwischen war er richtig sauer geworden. Der junge Mann schien nicht zu begreifen, dass er Ihm ein neue Chance geben wollte sich zu beweisen, aber nur mit reiner Polemik kam er nicht voran. Er wollte ihm reinen Wein einschenken und ihn dann vor die Wahl stellen. Das hatte er sich vorgenommen. Er war gespannt wie er darauf reagieren würde. Aber zunächst wollte er seine bittere Enttäuschung in der Messe herunterspülen.
„Nun, ich denke es ist besser, wenn wir die Führung hier abbrechen und uns morgen früh wieder treffen, dann haben Sie auch Zeit ein wenig über alles nachzudenken und vielleicht sieht dann morgen alles viel besser aus. Am besten Sie gehen auf Ihr Quartier, aber wenn Sie wollen, können Sie natürlich auch das Schiff auf eigene Faust erkunden. Bis morgen also.“
Frank erhob sich aus seinem Sessel und hoffte, dass man ihm seine Enttäuschung nicht allzu sehr ansehen würde. Aber letztendlich war es ihm auch egal, sollte der junge Lt. Commander ruhig merken, dass er nicht sonderlich begeistert war. Möglicherweise brachte ihn dass ja auch endlich einmal dazu über seine Probleme nachzudenken, speziell darüber, wo denn die Ursache zu alledem zu finden war. Vielleicht fand er ja heraus, dass nicht unbedingt immer die anderen der Auslöser oder die Verursacher seiner Probleme waren.
Frank ließ den jungen Mann auf der Brücke des Scoutschiffes zurück und begab sich in die Offiziersmesse, in der sich Rychek zusammen mit einigen Crewmitgliedern der temporären Besatzung an einem Tisch angeregt unterhielt. Frank ging zum Replikator, bestellte ein Glas Wasser und setzte sich dazu. Sicher, das war vielleicht nicht das richtige Getränk um Ärger wegzuspülen, aber er hatte auch keine Lust seinen eigenen Vorrat an echtem rigelianischen Bier für diese Sache zu dezimieren.
In diesem Moment fehlte ihm Rick ganz besonders, er hätte sicherlich eine Idee gehabt, wie man mit diesem Frust umzugehen hatte.
Anscheinend hatte Commander Rychek sofort den richtigen Riecher gehabt, denn er fragte den Captain als er sich zu ihnen an den Tisch gesellte leise und beiläufig, als wenn es nichts besonderes wäre:
„Und mit dem neuen ersten Offizier nicht zufrieden?“
Frank, schaute tief in sein Glas und antwortete ebenso leise,
„Das scheint ziemlich offensichtlich zu sein, nicht wahr?“ aber zu seiner Überraschung antwortete Rychek:
„Ganz im Gegenteil, Sie machen eigentlich einen ganz ausgeglichenen Eindruck, aber Ihr neuer Offizier schien sich nicht sonderlich gut auf dem Schiff auszukennen, wie ich bemerkt habe. Ein Zeichen dafür, dass er seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, nicht wahr?“
Der Captain war erstaunt,
„Wie haben Sie das...?“ ließ Frank seinen Satz unvollendet aber Rychek setzte nur ein warmes Lächeln auf und schaute den Captain wissend an.
„Nun, wenn ich auf ein neues Schiff komme auf das ich versetzt werden will, dann habe ich mir alle Sachen genau eingeprägt. Natürlich kann man mal einen Fehlgriff machen, aber meistens läuft es gut. Aber Ihr neuer Mann hat sich immer hinter Ihnen gehalten, wahrscheinlich weil er den Weg gar nicht wusste den man nehmen kann oder muss?“
Captain Dekkers war verblüfft, genau so hatte er sich einen guten ersten Offizier vorgestellt, mit guter Beobachtungsgabe und der Fähigkeit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Erneut bedauerte er Rychek zu verlieren.
„Geben Sie ihm Zeit, Captain, er wird schon noch ein guter Commander werden, er muss nur erst noch aufwachen und einige schlechte Angewohnheiten ablegen. Das wird schon werden. Sie wollten ihm doch eine Chance geben. Nun, dann sollten auch Sie nicht so ungeduldig sein.“ Frank nickte mit dem Kopf,
„Ja, es scheint ich habe mir den perfekten Offizier gewünscht und bin nun enttäuscht, dass er gar nicht so perfekt ist, wie ich gehofft hatte. Ich werde ihm morgen früh einfach sagen, wie ich mir seine Aufgaben hier an Bord vorstelle. Dann werden wir ja sehen.“
Frank blieb noch eine ganze Weile, fachsimpelte mit der Crew, die einige Anecktoden von der Scimitar und der Avatar zu berichten wusste, was Frank mehrmals ungewollt auflachen ließ. So etwas hatte der Admiral nicht zu berichten gewusst, damit besserte sich die Stimmung des Captains dann doch noch deutlich. Frank fragte selbstverständlich was ihre nächste Aufgabe sein würde. Die Avatar natürlich, hatten sie geantwortet.
Frank hatte sich spät am Abend noch einmal die Akte von Mr. West vorgenommen. Abgesehen von einer nicht ganz so beispielhaften Laufbahn waren die Leistungen des Lt. Commanders nicht schlecht. Er lag mit seinen Bewertungen knapp über dem Durchschnitt, war also kein Musterschüler. Es schien ihm aber leicht zu fallen zu lernen, aber genau da lag auch die Krux begraben. Er erschien ihm in steigendem Maße selbstgefällig, schien nicht viel auf vollständige Ausbildung zu geben, war gelegentlich anmaßend und sehr von sich selbst überzeugt.
Frank fragte sich, warum er gerade ihm den Job als ersten Offizier zubilligen wollte. Es gab bestimmt bessere Kandidaten auf seiner Liste, aber dann erinnerte er sich wieder daran, was er in der Akte gelesen hatte. Jonathan West hatte schon mehrmals Ärger bekommen, weil er seinen Standpunkt bis zum bitteren Ende nicht aufgeben wollte, obwohl er falsch war.
Er hatte Rückgrat. Man musste Ihn nur ein wenig an seine Pflicht erinnern und an den Eid, den er auf die Sternenflotte geschworen hatte.* * *
Am frühen Morgen kurz vor Beginn der Frühschicht saß der Captain bereits wieder im Bereitschaftsraum und sichtete die eingegangenen Bestätigungen. Zu seiner Freude fand er darauf die Namen einiger Absolventen seines Jahrganges, was ihn sehr erfreute. Wenigstens einige bekannte Gesichter würde er auf seinem Schiff wiedersehen.
„Lt. Commander West, bitte melden Sie sich in meinem Raum!“ beorderte er seinen künftigen ersten Offizier zu sich. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die etwas verschlafene Stimme am anderen Ende meldete.
„Ich bin unterwegs Sir!“ Frank hatte ein ungutes Gefühl, aber er war entschlossen sich diesem Problem zu stellen. Es dauerte gute fünf Minuten, bis der Türsensor erklang um den vor der Tür stehenden Offizier zu melden.
„Kommen Sie rein!“ die Türen glitten auseinander und Jonathan West betrat den Raum. Wenigstens war er korrekt gekleidet, dachte Frank, als er den jungen Mann nun vor sich sah.
„Nun, Mr. West, Sie kommen spät. Ich bevorzuge es, dass Sie nicht all zu nachlässig mit Ihrer Zeit umgehen. Es hätte Ihnen schon bewusst sein dürfen, dass ich Sie zum Dienstbeginn zu mir rufe, es wäre also angebracht gewesen entsprechend früh aufzustehen. Aber nun sind Sie ja da.
Ich habe noch einmal Ihre Dienstakte durchgesehen und festgestellt, dass Sie die Erfordernisse für unsere Schiffe mitbringen. Sie haben eine lange Zeit im Maschinenraum gearbeitet, haben ein Jahr lang die wissenschaftlichen Bereiche mitbetreut und ein weiteres Jahr im Sicherheitsdienst verbracht. Seit zwei Jahren sind Sie Brückenoffizier mit abgelegter Kommadoprüfung. Ich will Ihnen nichts vormachen, auch ich hätte am liebsten einen Eliteoffizier als Nummer Eins, wie er auf der Enterprise Dienst tut, aber momentan ist gutes Personal knapp. Das heißt für Sie, sie müssen endlich erwachsen werden, damit Sie unsere Schiffe erfolgreich führen können.“
Der junge Mann schien durch Franks Vortrag etwas empört und gleichzeitig verwirrt zu sein.
„Captain, bei allem Respekt, Sie sprechen von diesem Schiff, als wären es mehrere, aber ich zähle die Shuttles nicht dazu, für mich sind es nur Zubringer, kleine Beiboote, die den Namen Schiff wohl kaum verdient haben, Sir!“ Frank zeigte dies genau das, was er schon gestern befürchtet hatte. Er hatte diese Formulierung absichtlich gewählt und war sich sicher dass der Lt. Commander in diese Falle tappen würde.
„Mr. West, sehen Sie, das ist genau der Punkt, der mir an Ihnen missfällt. Obwohl ich Ihnen gestern noch den freundlichen, wenn auch versteckten, Hinweis gegeben habe, sich mit unserer Schiffsakte zu befassen, haben Sie dies nicht getan, denn sonst würden Sie wissen, dass dies hier zwei Schiffe sind und nicht nur das, es sind zwei warpfähige Schiffe. Wenn Sie erst einmal einen nicht wieder gutzumachenden Fehler gemacht haben und ein Kernbruch bevorsteht, dann werden Sie vielleicht auch ein kleines Shuttle und sei es nur ein Zweipersonenshuttle oder eine Fluchtkapsel als vollwertiges Schiff ansehen, denn schließlich schützt es Sie vor dem sicheren Erstickungstod da draußen. Was Ihnen fehlt Mr. West, und das meine ich völlig erst, ist Leidenschaft.
Leidenschaft für Ihren Beruf, Leidenschaft für das Schiff und Leidenschaft für die Mannschaft mit der Sie dienen. Denn wenn Sie hier ganz alleine wären, dann würden Sie mit Ihrer großspurigen Art nicht weit kommen. Sie haben weder gestern noch heute eine einzige Frage zum Schiff gestellt. Einmal abgesehen von dieser unnötigen Bemerkung über die Notfallbrücke.“
Der junge Mann, der noch immer vor dem Schreibtisch des Captains stand, schien allmählich ein wenig nervös zu werden. Frank kam es vor als ob er schwitzte, auch wenn äußerlich nichts davon zu erkennen war.„Was ist los Mr. West? Fühlen Sie sich nicht wohl?” West schien nicht zu wissen ob er etwas sagen oder lieber ruhig bleiben sollte, aber dann platzte es doch aus ihm heraus.
„Sir, wenn es hier tatsächlich alles doppelt gibt, dann müsste ich ja für beide Schiffe die Aufgaben und die Verantwortung übernehmen. Das war mir so nicht bewusst!“
Frank zeigte ein gespieltes mitleidiges Lächeln.
„Nun dann haben wir ja ein Unentschieden nicht wahr? Mir war auch nicht bewusst, dass Sie sich auf eine Stelle bewerben, von der Sie nicht wissen wie Sie aussieht. Hätte ich das gewusst, hätte ich mich sicher anders entschieden.“ Er nahm ein Padd vom Schreibtisch auf und drückte es dem Lt. Commander in die Hand.
„Hier finden Sie die gesamte Crewauflistung. Ich erwarte von Ihnen eine vollständige Zuordnung, wie Sie die einzelnen Leute besetzen würden. Die vollständigen Akten finden Sie im Schiffscomputer. Ich habe des weiteren Commander Rychek meinen bisherigen ersten Offizier gebeten mit Ihnen einen neuen Rundgang zu machen. Prägen Sie sich alles ein, zur Not lesen Sie es in Ihren Akten nach, aber ich will, dass Sie spätestens morgen alle Fakten zu diesem Schiff kennen und wenn es die ganze Nacht dauert. Wegtreten!“
West verzog keine Mine, er schien sich innerlich vor Wut zu zerfressen, zumindest deutete seine verkrampfte Körperhaltung sehr stark darauf hin, als er den Raum verließ. Aber das war Frank momentan egal, vielleicht hatte es ja wenigstens etwas bewirkt.
Der Captain hatte noch eine ganz andere Aufgabe zu erledigen, die es erforderte von Bord zu gehen. Am frühen Morgen hatte Admiral Winters ihn kontaktiert, um ihm, wie er sagte, eine wichtige Nachricht zu übermitteln. Was immer das sein sollte, es war etwas ungewöhnliches. Normalerweise konnte der Admiral auch die Kommunikationskanäle verwenden, und in seinem Bereitschaftsraum oder seinem Quartier wäre er sicherlich auch ungestört gewesen. Aber Frank fragte nicht nach, er bestellte ein Shuttlepod um zur Basis überzusetzen und stand rechtzeitig vor dem entsprechenden Büro.
Admiral Winters erwartete ihn bereits und so trat er ohne zögern ein. Der Admiral erhob sich aus seinem Stuhl und begrüßte Frank, während ein zweiter Mann in grau melierter Uniform ohne Rangabzeichen noch am Tisch sitzen geblieben war.
Beide gingen zum Schreibtisch und erst als Frank fast schon am Stuhl angekommen war, erhob sich der Mann und drehte sich zu Frank. Die Frisur hätte er eigentlich schon von hinten erkennen müssen, auch wenn sich die Ohren unter dem dichten Haar verbargen, so wusste er sofort an den überaus zurückhaltenden Gesten und der Körperhaltung, dass es ein Vulkanier sein musste.
Das Alter war schwer zu schätzen aber der Mann hatte bereits graue Strähnen im Haar was auf ein hohes Alter hindeutete. Er machte gar nicht erst den Versuch ihm die Hand zu geben, während Peter Winters den Mann vorstellte:
„Captain, das ist Commander Kelor, vom Föderationsstab für neue Schiffsentwicklungen. Er hat die Aufgabe Ihnen bei der Berichtserstattung zu helfen und soll die Stärken und Schwächen des Schiffes beurteilen, damit man möglichst schnell mögliche Änderungen in bestehende Systeme einfließen lassen kann. Man möchte nicht erst warten, bis sich ein Design in jahrelangem Einsatz bewährt hat, sondern bereits früher damit beginnen fortschrittliche Techniken umzusetzen.“
Der Admiral war sich nicht sicher, ob Frank ihm das abkaufen würde, aber er wollte dem Captain den wahren Grund auch nicht gerade preisgeben. In Wahrheit hatte ein Anderer diese Fäden gezogen und diese durchaus nicht übliche Vorgehensweise eingefädelt. Jemand, der ein Interesse daran hatte, dass dieses Schiff, die Scimitar, möglicherweise nicht den Erwartungen entsprechen würde. Jemand, der sicherstellen wollte, dass die Prometheus die bessere Abschlussbewertung erhielt. Winters konnte nur hoffen, dass Frank so clever war wie er ihn einschätzte. Aber gegen einen Vulkanier zu bestehen war schon eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.
„Admiral, bei allem Respekt, Sie können sicher sein, dass ich auch die weniger guten Seiten mit der gleichen Objektivität betrachten werde, wie die positiven Eigenschaften. Ein anderes Vorgehen wäre unehrenhaft!“ gab Frank ein wenig beleidigt zurück. Der Admiral schien sich aber damit nicht zufrieden geben zu wollen. „Sehen Sie es mal so Captain, Kelor verfügt über eine sehr lange und weitreichende Erfahrung, Sie wissen ja, dass die Vulkanier bereits viele Jahrhunderte vor uns mit der Raumfahrt begonnen haben. Er kann Sie bei den Berichten unterstützen und Ihnen diese Aufgabe weitestgehend abnehmen. Zudem entfällt dadurch auch der Verdacht, dass Sie Ihr selbst designtes Schiff über Gebühr aus der Masse hervorheben. Wir wollen doch alle eine faire Beurteilung dieser Angelegenheit, nicht wahr? Sorgen Sie bitte dafür, dass der Commander ein entsprechendes Quartier erhält.“
Frank wollte gerade zu einem Gegenschlag ausholen, aber der Admiral stoppte ihn mit seinem Blick. Statt dessen stellte der Captain nur eine Frage.
„Wird der Commander in meine Crew Integriert werden und soll ich Ihm entsprechende Rechte und Pflichten zuweisen, Sir?“ Peter Winters überlegte nur eine Sekunde lang,
„Nein, er ist zwar dem Stab unterstellt, wird aber auf Ihrem Schiff keinen Rang der Flotte einnehmen. Alles andere können Sie unter sich ausmachen meine Herren. Ich wünsche noch einen guten Tag und viel Erfolg!“ damit komplimentierte er die beiden aus seinem Büro und Frank sowie der Vulkanier standen ehe sie es sich versahen im Vorzimmer.
„Nun denn, ähh...Commander?, darf ich Sie zu unserem Schiff begleiten?“
Kelor nickte kurz und folgte Frank zwei Schritte hinter ihm zum Andockring, wo sie auf das Shuttlepod warteten. Das hatte Frank gerade noch gefehlt, einen Aufpasser, so als wäre er nicht in der Lage, die Ihm gestellten Aufgaben vollständig zu erfüllen. Schon jetzt, noch bevor er an Bord kam arbeitete sein Gehirn bereits daran, ihn wieder loszuwerden.
* * *
Die nächsten Tage waren angefüllt mit Hektik. Während immer mehr Männer und Frauen der nun kommenden Stammcrew eintrafen, verabschiedeten sich immer mehr Leute, die bislang auf dem Schiff gedient hatten. Frank begrüßte jeden Offizier der auf sein Schiff kam mit Handschlag und einigen passenden Worten. Gleichzeitig verabschiedete er die Anderen in kleinen Grüppchen bei einem gemeinsamen Abendessen. Er bedankte sich für Ihren Einsatz und sprach die Hoffnung aus, dass der ein oder andere vielleicht doch einmal als offizielles Crewmitglied zu Ihm stoßen würde.
Immer wieder kam es zu Situationen in denen sich Frank sehr beherrschen musste um nicht seinem Drang nachzugeben, laut loszulachen. So zum Beispiel als er Fähnrich Raal Dareen an Bord willkommen hieß, die neben einer üblichen Reisetasche mindestens noch weitere sechs Koffer und Kästchen mit an Bord brachte. Frank verglich es innerlich mit einem ganzen Hausstand. Sie erklärte dem Captain, dass sie wie alle Bajoraner eine sehr enge Bindung zu ihrer Religion habe und dass die Dinge, die sie für Ihre Rituale brauche eben ein wenig sperrig seien.
Ebenso wunderte Frank sich darüber, dass Erin Pan, eine Trill ihn fast eine Stunde lang mit wissenschaftlichen Abhandlungen überschüttete, immerhin konnte er neben diesen Informationen herausbekommen, dass sie trotz ihrer Jugend bereits mit drei Symbionten vereinigt worden war, zwei davon hatte sie nur kurze Zeit, da es sich um einen Notfall handelte. Sie diente in diesen Fällen nur vorrübergehend als Wirt, bevor die Symbionten mit einem anderen Wirtskörper vereinigt wurden. Dennoch hatte sie viele Erinnerungen auch an diese Symbionten, die ihr ebenfalls eine Menge an Erfahrung geschenkt hatten.
Schließlich war da noch Lt. Cmdr. Edward L. Williams, der den Captain noch auf dem Flur darum bat ihn doch Eddi zu nennen, da ihn ohnehin alle wegen seines zweiten Namens hänselten, den er dem Captain auch nicht preisgeben wollte. Was natürlich ausgemachter Unsinn war, denn der Captain wusste ohnehin, dass sein zweiter Name, warum auch immer, Longhorn war. Wobei er sich nur zu gut vorstellen konnte zu welchen Stilblüten das führen konnte.
Der erste Offizier Mr. West schien seine Arbeit derweil zumindest ordentlich zu machen. Er war stets dabei, wenn Frank neue Leute begrüßte und wies Ihnen Quartiere zu. Morgens und abends erstattete er dem Captain Bericht über die Zuordnung der Quartiere für die neu Angekommenen und die entsprechenden Aufgaben die sie übernehmen sollten. Frank hatte nur wenige Einwände, gab aber öfter den ein oder anderen Tipp oder Hinweis, speziell was die Quartierbelegung betraf.
Als letztes kamen die Bekannten von Frank, die er auf den Crewlisten einiger Sternenbasen entdeckt hatte und an die er sich noch einmal persönlich gewandt hatte, nachdem er sie auf der Bestätigungsliste gesehen hatte. Sie begrüßte er besonders herzlich, tauschte Erinnerungen an die Akademiezeit aus und fragte, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen war.
Damit war die Crew des Schiffes vollständig. Frank war nun für fünfhundertsechsundzwanzig Männer und Frauen der Besatzung verantwortlich. Personen, Offiziere und einige Zivilisten, die ohne ihn zu kennen vollstes Vertrauen in Ihn setzten, in seine taktischen Fähigkeiten und in seine Fähigkeiten ein Schiff als Captain zu führen, die er erst selbst noch erlernen musste, auch wenn er eigentlich wusste worauf es ankam. Es war immer etwas anderes, den zentralen Stuhl nur warm zu halten oder wirklich darin zu sitzen.
Dann endlich war alles geschafft. Die Crew war vollständig an Bord und der erste Offizier erschien mit dem ersten Einsatzplan auf der Brücke, die außer dem Captain völlig leer war.
„Ab morgen früh, werden die Dienstpläne gültig werden. Die erste Wache beginnt um sechs Uhr morgens. Ich habe mir die Freiheit genommen, die Crew bis dahin freizustellen, die Nachtwache werden diejenigen übernehmen, die schon länger an Bord sind, da sie sich bereits eingerichtet haben. Ich habe das im Dienstplan berücksichtigt.“
Frank nahm das Padd entgegen und überflog es schnell mit den Augen. Es war in Ordnung.„Gut Mr. West. Lassen Sie allen, die gerade erst eingetroffen sind ein wenig Zeit zum Auspacken. Sorgen Sie dann dafür, dass der Wartungshangar leer ist, lassen Sie die Schiffe in den Haupthangar oder ins Zwischendeck verschwinden. Ich will, dass die gesamte Crew anwesend ist. Ich möchte Sie auf die kommenden Aufgaben vorbereiten und mir sicher sein, dass jeder, der auf diesem Schiff dient weiß, mit was und mit wem er es zu tun hat. Sagen wir zwanzig Uhr.“
Der Lt. Commander straffte sich kurz und wandte sich zum Gehen um, verharrte dann aber in seiner Bewegung und schaute dann den Captain erneut an.
„Da ist noch etwas, Captain...“ Frank, der sich schon überlegte, was er sagen wollte und wie er die Mannschaft auf sich einschwören wollte brauchte einen Augenblick um sich wieder zu konzentrieren.
„Ja, was gibt es?“ Jonathan West druckste etwas herum, aber dann sagte er:
„Sir, wann beabsichtigen Sie meine Beförderung vorzunehmen? Soweit ich weiß ist ein erster Offizier im Dienst grundsätzlich im Rang eines Commanders, Sir!“ das „Sir“ war fast kaum zu hören und Frank hätte fast laut angefangen zu lachen, wäre es nicht eine so peinliche und überaus ernste Situation gewesen. Er fragte sich ob der erste Offizier diese Frage auch gestellt hätte, wäre jemand auf der Brücke anwesend gewesen, aber nun lag es an Frank eine passende Antwort auf diese Frage zu finden.
„Zunächst einmal, habe ich Ihnen nicht erlaubt frei zu sprechen Lt. Commander. Eine solche Frage ist unpassend und wäre völlig überflüssig gewesen, hätten Sie sich in dieser Hinsicht richtig informiert und die Zeichen verstanden, die man Ihnen in der letzten Zeit gegeben hat. Aber um das deutlich zu machen, ich beabsichtige Sie nicht zu befördern, die Position des ersten Offiziers ist nicht Rangabhängig sondern kann vom Captain an denjenigen vergeben werden, der diese Aufgabe mit größter Wahrscheinlichkeit am besten erfüllen kann. Ich muss Ihnen sicherlich nicht sagen, dass ich so eine Frage nicht einmal von Ihnen erwartet habe.
Eine solche Beförderung wird nicht nach Ablauf einer bestimmten Zeit gewährt, sie muss durch vorbildliche Leistung verdient werden. Wenn Sie es schaffen, sich den Respekt und die Anerkennung von mir und der Mannschaft zu verdienen, dann wird es mir ein Vergnügen sein, Sie zum Commander zu ernennen, aber bis dahin werden Sie ihren Rang behalten. Wenn Ihnen das nicht passt, dann suche ich mir einen anderen Kandidaten aus und Sie können dann als Lt. Commander gerne auch noch Ihren fünfzigsten Geburtstag feiern. Geben Sie mir also bitte bald Bescheid, wie Sie sich entschieden haben. Und nun führen Sie meine Anweisungen aus. Wegtreten.“
Frank war zwar innerlich die Ruhe selbst, aber dieser junge Mann mit seiner Überheblichkeit und Selbstüberschätzung zehrte an seinen Nerven. ‚Immer ruhig bleiben’ sagte er sich, ‚das wird schon’.
Es waren nur noch fünf Minuten bis zur Ansprache vor der Mannschaft. Wenn jemand ein neues Schiff übernahm, gab es meistens einen solchen feierlichen Moment, der entsprechend gewürdigt wurde. Üblicherweise lud man dazu nur die Offiziere ein, manchmal sogar nur die Führungsoffiziere. Aber Frank hatte es immer gehasst, wenn einem plötzlich neue Leute entgegenkamen, die er vorher nie gesehen hatte. Zugegeben, seit er erster Offizier an Bord der Golden Gate geworden war, war ihm dies natürlich nicht mehr passiert, aber er konnte sich trotz allem gut an solche Situationen erinnern. Er hatte Admiral Winters gefragt, ob er die Zeremonie durchführen wolle, aber dieser lehnte freundlich ab, also würde er gemeinsam mit seinem ersten Offizier vor die Mannschaft treten. Sorgfältig kontrollierte er noch einmal die Galauniform, die diesem Anlass angemessen war, dann machte er sich auf den Weg.
Schnell hatte er mit dem Turbolift das entsprechende Deck erreicht. Als sich die Türen öffneten, trat er direkt hinaus in die Halle, in der die mit Spannung erwartete Antrittsrede stattfinden sollte. Er versuchte ruhig und gelassen zu wirken, aber seine innere Anspannung war extrem hoch. Immer wieder versuchte er sich zu sagen ‚Ich bin der Captain, es wird sich schon keiner wagen etwas gegen mich zu sagen’. Was sollte auch passieren, es war nur ein kurzes Willkommen und die üblichen Floskeln für die Übernahme herunterzupredigen, aber auch einige Worte, die sich Frank lange überlegt hatte und die er der Mannschaft ans Herz legen wollte. Frank trat vor das Rednerpult und sein erster Offizier Jonathan West stellte sich neben ihn, aber einen Schritt weiter zurück. Frank sah in die erwartungsvollen Gesichter der Offiziere. Lt. Commander West hatte es so eingerichtet, das die Brückenoffiziere in der ersten Reihe standen, Frank sah einige bekannte Gesichter. Dann begann er.
„Hiermit übergebe ich das Kommndo der U.S.S. Scimitar, Sternenflottenregistrierung NX-59474, an Captain Frank Dekkers. Sternzeit 50978,9. gezeichnet, Flottenadmiral Mark Peterson.“
Sagte Frank laut und deutlich. Seine Stimme hallte in dem großen Hangar wider und schien die Worte noch gewaltiger wirken zu lassen.
„Ladies und Gentleman, ich bin der Kommandierende Offizier und Ihr Captain auf diesem Schiff. Aber ich möchte auch dass Sie mich als Ihren Freund betrachten, jemand den man fragen kann, bei dem man sich einen Rat holen kann oder dem man Vorschläge unterbreitet. Ich sage dies nicht ohne Stolz, denn ich habe jeden Einzelnen von Ihnen persönlich ausgewählt und damit mein persönliches Vertrauen ausgesprochen. Es war sicher keine leichte Aufgabe, dass kann ich Ihnen sagen.“ Ein leises Raunen ging durch die Menge, aber es erstarb genauso schnell wie es entstanden war, als Frank weitersprach.
„Ich erwarte von Ihnen, dass sie Ihre Aufgabe mit Hingabe erfüllen und den Namen unseres Schiffes mit Ehre erfüllen. Ich weiß, die Meisten unter Ihnen sind noch jung, aber lassen Sie es sich gesagt sein von jemandem, der nicht viel älter ist als Sie: Machen Sie Ihren Beruf, Ihre Aufgabe zur Leidenschaft und glauben Sie an das Schiff, behandeln Sie es immer gut und mit Respekt, dann wird das Schiff auch an Sie glauben und Sie sicher überall dahin bringen, wo auch immer unser Kurs es führen mag....“
Frank wollte gerade Luft holen, um seinen abschließenden Satz zu sagen, als er durch einen schrillen Alarmton unterbrochen wurde, von dem er nie erwartet hatte ihn jemals zu hören.
Der Alarmton gehörte zur Sternenbasis, der direkt an alle Schiffe weitergegeben wurde, die im Raumdock und deren Umbebung lagen, was sich zur Zeit allerdings auf die Scimitar beschränkte, das sie das einzige verfügbare und flugfähige Schiff war.
Frank hielt es anscheinend im ersten Moment für einen schlechten Scherz oder eine unpassende Aktion seines ersten Offiziers, schaute ihn an, dieser allerdings zuckte nur mit den Schultern.
Sofort machte sich Unruhe breit. Frank rief laut um das plötzlich aufwallende Gemurmel zu übertönen:
„Nun denn, dass wird unsere erste Bewährungsprobe wie mir scheint. Alles auf die Stationen, das ist ein Notfall, keine Übung!“ Sofort setzte sich die gesamte Crew in Bewegung, um schnell an die Ihnen zugewiesene Stelle zu gelangen, egal ob jemand Dienst hatte oder nicht, er versuchte so schnell wie möglich sein Einsatzgebiet zu erreichen.
Frank brauchte nur zwei Minuten um auf die Brücke zu kommen, zu seiner Überraschung war er nicht der Erste. Der Steuermann und auch der Kommunikationsoffizier saßen bereits auf ihrem Posten, als hätten Sie den ganzen Abend nichts anderes getan. Dabei war klar, dass auch sie die Ansprache im Wartungshangar verfolgt hatten, aber sie schienen einen schnelleren Weg durchs Schiff gefunden zu haben.
„Fähnrich Kester, eine Verbindung zur Leitung der Sternenbasis, schnell!“
Die Finger des jungen Fähnrichs schienen über das Display zu fliegen. Schon tauchte das sorgenvolle Gesicht von Admiral Winters auf dem Bildschirm auf, der in der Zentrale stand und sich zur Kamera umdrehte.
„Was ist passiert Admiral?“ wollte Frank wissen.
„Wir haben gerade eine sehr stark verstümmelte Subraumnachricht erhalten Captain. Einer unserer Hilfskonvois der einen größeren Außenposten evakuieren sollte ist aus einem Hinterhalt vom Dominion angegriffen worden, es steht schlecht um die kleine Flotte.“ Der Admiral war kein Freund von beschönigenden Worten. Eine Eigenschaft die auch Frank zu schätzen wusste.
Der Captain blieb souverän und professionell.
„Wie weit ist die Kolonie entfernt, gibt es Schiffe in der Nähe?“ Während die anderen Brückenoffiziere eintrafen und ihren Platz einnahmen schüttelte der Admiral mit Bedauern den Kopf.
„Nein, wir sind noch diejenigen die am Nächsten liegen.“ antwortete Peter Winters.
„Aber das ist noch nicht alles Captain, Ihr Freund...“ der Admiral rang nach Worten um es Frank so schonend wie möglich beizubringen, aber er hatte bereits verstanden.
„Rick gehörte zu diesem Flottenverband? Dann wird es Zeit dass wir losfliegen. Ich habe das schnellste Schiff und meine Crew ist einsatzbereit!“ Erneut schüttelte der Admiral den Kopf.
„Nein Captain, Ihr Schiff hat noch nicht alle Tests abgeschlossen und Ihre Crew ist gerade erst an Bord gekommen, sie sind noch nicht mit den Systemen vertraut, wir werden einige andere Schiffe schicken!“
Frank verdrängte einfach den Gedanken, dass sein alter Freund und Captain möglicherweise einem solchen Hinterhalt zum Opfer gefallen sein könnte.
„Bei allem nötigen Respekt Admiral, wir sind Offiziere der Sternenflotte und ich werde nicht tatenlos zusehen, wie andere zu Schaden kommen, nur weil ich hier herumsitze und meinen Hintern nicht hochkriege. Mag sein, dass einige Leute meiner Crew dann eben etwas schneller erwachsen werden müssen, aber wir werden unseren Kameraden helfen! Geben Sie mir Starterlaubnis, wir können die restlichen Tests auch unterwegs machen.“
Gegen soviel Einsatzwillen hatte der Admiral nur wenig entgegenzuhalten, zumal er auch keinen besseren Vorschlag hatte. Natürlich hatte er insgeheim gehofft, dass Frank sich bereit erklären würde, aber er hatte nicht erwartet, dass er solchen Eifer an den Tag legen würde, noch dazu wo seine Crew gerade erst an Bord gekommen war.„Ich hoffe, Sie wissen was Sie tun Captain... Starterlaubnis erteilt.“
Frank rückte sich in seinem Stuhl zurecht, „Lieutenant Sanchez, Sie haben es gehört. Lassen Sie die Raumtore öffnen und fliegen Sie uns raus.“
