Prolog
Dunkel lag die Sternenbasis 491 im Schatten des nahen Planeten doch herrschte rund um die Andockringe reges Treiben.
Das Be- und Entladen der Frachtschiffe schien kein Ende zu nehmen und viele Föderationsschiffe, die sich in diesem Sektor befanden legten hier einen kleinen Stop ein, wenn es Ihr Dienstplan zuließ.
Die riesigen Hangartore waren allerdings zurzeit verschlossen und ließen keinen Blick auf die weite Halle erhaschen, die hinter ihnen lag.
Selbst aus der Besucherlounge, von der man durch weitläufige Fenster ins Innere des Hangars blicken konnte, waren nur schemenhafte Schatten zu erahnen. Alles war abgedunkelt. Es war klar, daß hier ein Schiff angedockt war, aber außer den Positionslichtern und einigen wenigen erleuchteten Fenstern war nichts auszumachen. Selbst der Rumpf und die Klasse waren nicht eindeutig zu identifizieren.
Ein hochgewachsener Mann kam aus dem Büro des Stations-Kommandanten und ging mit schnellen Schritten zum Turbolift. Seine Bewegungen waren hart, seine gesamte Gestik wirkte verbittert und ließ keinen Zweifel daran, daß die Befehle die auf dem Padd gespeichert waren, welches er in seiner rechten Hand trug, nicht seinen Geschmack trafen.
Der Lift hatte den Offizier schnell zu den Druckschleusen der Dockingkapseln gebracht. Er mußte nur wenige Meter bis zum Wartebereich zurücklegen. Ein junger Fähnrich nahm schnell Haltung an, als er den Offizier auf sich zukommen sah.
„Captain, die Fähre steht für Sie bereit. Sir.“
Der Captain nickte kurz und verschwand schnell und wortlos durch die Tür in die Fähre. Sofort legte die Kapsel ab und steuerte auf den dunklen Schatten zu, der wie eine drohende Gewitterwolke in dem riesigen Hangar hing. Hart war das Einschnappen der Verriegelungsklammern zu hören, als die Kapsel in die Andockschleuse der Außenhülle auf Deck neun einschnappte.
Bereits wenige Minuten später stand der Captain auf der Brücke seines stolzen Schiffes und gab die Befehle für die Startsequenz. Obwohl bereits alle Vorkehrungen für den Start getroffen waren, lag das Schiff noch immer im Dunkeln, nur die Warpgondeln füllten sich langsam mit Leben, als das leichte blaue Glühen in Ihrer Mitte aufleuchtete.
Das Schiff setzte sich langsam in Bewegung, noch bevor sich die Hangartore öffneten. Der Schatten, der durch die sanfte Blaustrahlung der Antriebsgondeln mehr und mehr Form annahm, drängte auf die kleine Öffnung zu, die sich jetzt im Bauch der Station bildete.
Fast schien es als wolle das Schiff die Wände einreißen, doch als es die sich öffnenden Tore erreichte, konnte der große tellerförmige Rumpf die Grenze zum freien Raum ungehindert passieren.
Der Captain stand vor seinem Stuhl und schüttelte den Kopf. Diesen Auftrag hatten das Schiff und diese Crew nicht verdient. Es war ein Schlag ins Gesicht seiner tapferen Mannschaft. Ein Schlag den er selbst provoziert hatte.
Die Sternenbasis befand sich bereits hinter ihnen, und noch lag das Schiff im Dunkel des Planeten, der die Wesalan-Sonne abschattete, aber schon wenige Sekunden später tauchten erste Sonnenstrahlen den Rumpf des kompakten Föderationsschiffes in ein weiches Licht. Die Insignien der Sternenflotte leuchteten auf und das Schiff der Nebula Klasse rüstete sich für den neuen Auftrag. Durch eine kleine Kurskorrektur neigte sich die Oberseite des Rumpfes zur Station und wenige Augenblicke bevor das Schiff beschleunigte und mit einem kleinen Warpblitz im All verschwand, erleuchteten die Scheinwerfer der Außenbeleuchtung die Registriernummer und den stolzen Namen der Alexandria.
Drei Monate war es her, daß die Alexandria von Sternenbasis 491 mit dieser neuen Aufgabe gestartet war und es gab so ziemlich keinen mehr auf dem Schiff, der sich nicht bei irgendeinem Essen oder abends in der Bar Lookout die aufregenden Erlebnisse von Chefingenieurin Jaqueline Jefferson erzählen lassen mußte, die sie mit dem Deltawing Jäger nach der letzten Mission erlebt hatte.
Roger van Dyke der neue erste Offizier, dem man zunächst mit großer Reserviertheit begegnete, war durch seine freundliche Art und auch durch seine unaufdringliche Hilfsbereitschaft schnell in die Crew der Alexandria aufgenommen und akzeptiert worden. Er hatte inzwischen bereits einige Freundschaften geknüpft, die aber allesamt noch recht frisch waren und Ihren wahren Wert erst noch unter Beweis stellen mußten.
Der Klingone K’Orak, der als Austauschoffizier seinen Dienst auf der Alexandria versah, war dem Captain noch immer ein Dorn im Auge. Er befand sich zurzeit auf dem Weg nach Q’onos um dort an einem Kampfwettbewerb teilzunehmen und wurde die nächsten Wochen nicht zurück erwartet.
Auch der Schiffsarzt Darian Wells der auf einem Symposium auf Deneb 8 einen Vortrag halten sollte, fehlte zur Zeit auf der Anwesenheitsliste.
Trotz alle dem, oder sollte man besser sagen gerade deshalb, blickte Jan Erik Wikland ruhig und gelassen auf die Berichte, die auf seinem Schreibtisch lagen. Die Temperatur in seinem Bereitschaftsraum hatte er wie gewohnt auf 17 Grad Celsius abgesenkt, denn nur so fühlte er sich richtig wohl. Die normalerweise auf annähernd 21 Grad Celsius temperierten Räume des Schiffs brachten ihn immer wieder schnell zum schwitzen. Auch wenn die Sternenflotte Ihm dieses Mal einen langweiligen Auftrag übertragen hatte, so war es doch die beste Mission seit langer Zeit, denn der Klingone war nicht an Bord seines Schiffes.
Eine Nachricht des Hauptquartiers war eingetroffen, in der die Bewertung der Vorgänge um den Verlust des Shuttles Fozzy enthalten war. Ran Byrell wurde von jeglicher Schuld freigesprochen, nachdem eindeutig feststand, daß eine Rettung nicht möglich war und eine weitere Annäherung des Shuttles eventuell sogar die Alexandria gefährdet hätte.
Carah Pehl die Bajoranerin, die an der Komunikationsstation ihren Dienst versah, hatte den Captain darüber informiert, daß auch eine Nachricht von seinem Onkel angekommen war und daß sich dieser per Subraumübertagung melden wollte.
Wikland freute sich darauf, endlich wieder seinen Onkel zu sehen, wenn auch nur per Subraumleitung. Der Captain wartete in seinem Bereitschaftsraum am Tisch auf das Eintreffen der Übertragung. Die Mitteilung, daß das Gespräch jetzt zur Verfügung stehe, durchbrach seine Gedanken erst nach dem dritten Summen.
Er reagierte daraufhin sofort und drückte die entsprechende Taste. Nach einem Moment wurde das Sternenflotten Symbol durch den Blick in ein großzügiges Büro ersetzt, in dem sein Onkel hinter einem ausladenden Schreibtisch saß.
Wikland dachte noch mit einem Lächeln auf den Lippen ‘Heute sieht er aber sehr wütend aus. Ich sollte die Lautstärke zurücknehmen.’
In diesem Moment, in dem der Admiral feststellte, dass die Übertragung zustandegekommen war fing er an zu schreien, als wäre er auf dem Truppenübungsplatz.
„Du glaubst ja nicht, was Du wieder angerichtet hast, da zitiert mich der Präsident der Föderation in sein Büro - in sein persönliches Büro! Das muß man sich mal vorstellen.
Ich meine, schon seit Monaten hat keiner einen so kurzfristigen Termin bekommen. Das war vor fünf Stunden, nach zwei Stunden und elf Minuten Präsidialfragen dachte ich es könnte nicht schlimmer kommen, doch ich hatte mich geirrt. Weißt Du wo ich hin durfte ? mmmh? zum Alten! Ich fasse es immer noch nicht, daß ich Dich sogar da noch verteidigt habe. Kannst Du mir gefälligst erklären warum Du bei Sakras 5 so aus der Rolle gefallen bist?“
Jan Erik war völlig überrascht, seit seiner Kindheit hatte ihn sein Onkel nicht mehr so angefahren. Sicher, er war ein impulsiver Mensch, aber so hatte er ihn schon lange nicht mehr erlebt.
„Jetzt mach aber einmal halblang ja, ich habe mich.....“ entrüstete sich Wikland.
„Einen feuchten Kehricht hast Du dich an die Regeln der Sternenflotte gehalten...“ fiel ihm sein Onkel wütend ins Wort, der genau wusste worauf Jan Erik sich berufen wollte,
„...kannst Du dir überhaupt vorstellen, was hier im Hauptquartier los ist? Man will eine offizielle Anhörung durchführen, es ist die Rede davon, daß Du einen Privatkrieg angezettelt hast.“
Schrie der Onkel und schlug mit der Faust auf den Tisch, so daß die darauf abgelegten Padds hochsprangen und mit einem deutlichen Klappern auf den Tisch zurückfielen.
„Der Alte hat sofort einen Ausschuß einberufen und die Disziplinar Abteilung informiert. Du mußt den Beweis antreten, daß die Fakten eine derart harte Entscheidung gerechtfertigt haben und keine anderen Optionen zur Verfügung standen. Das Flaggschiff der zwölften Flotte hat den Auftrag zu Dir zu stoßen und den Vorgang bis ins Detail zu klären.“
Wikland blickte auf die vielen Berichte auf seinem Tisch und wußte dennoch nicht, wie er diesen Beweis antreten sollte, auch wenn sein Schreibtisch vor Informationen überquoll, die er zur Erstellung seines Abschlußberichtes zusammengetragen hatte.
Er konnte einfach keinen roten Faden finden, um seine Entscheidung im rechten Licht zu präsentieren.
Die weitere Unterhaltung mit seinem Onkel nahm dann aber doch noch einen etwas ruhigeren Verlauf. Wikland erkundigte sich wie es auf dem Gut in Schweden lief, welches in seiner Abwesendheit von den Geschwistern bewirtschaftet wurde und letztendlich verabschiedete ihn sein Onkel mit den besten Wünschen für die bevorstehende Untersuchung und der Bitte, sich baldmöglichst wieder zu melden.
Kapitel 1
Die Brücke der Alexandria war abgedunkelt und der Flug durch die Wesgate Ausdehnung war bislang ohne besondere Vorkommnisse verlaufen. Plötzlich blinkten an der Wissenschaftsstation die Indikatoren auf und forderten ungeduldig die Aufmerksamkeit des jungen Offiziers, der die Sensorenfunktionen überwachte.
„Commander,...“ richtete er sich an Sermin,
„...vier korellische Schiffe sind soeben in den Sensorbereich eingeflogen und nähern sich schnell.“ Der Vulkanier richtete sich sofort an den Wissenschaftsoffizier,
„Prüfen Sie, ob sich Ihre Flugbahn mit der unseren kreuzt.“
„Bestätigt Sir, zusammentreffen in zehn Minuten.“ Sermin nickte,
„Halten Sie Kurs und Geschwindigkeit. Alarmstufe gelb für das gesamte Schiff.“Die Alexandria glitt weiter durchs All und näherte sich dem Rendevouzpunkt unaufhaltsam.
„Commander...“ meldete sich der Offizier erneut mit besorgtem Blick auf seine Sensoranzeige,
“...die Schiffe haben uns geortet und ihren Kurs geändert, sie halten jetzt direkt auf uns zu. Sie werden uns in zwei Minuten erreichen.“
Sermin überlegte nicht einmal eine Sekunde. Mit der ihm eigenen kalten Logik gab er ruhig seine Anweisungen, die von der jungen Crew sofort umgesetzt wurden.
„Alarmstufe rot, alle Mann auf die Gefechtsstationen, Phaser klar und Photonentorpedos in Bereitschaft. Runabouts klar machen zum Ausschleusen.“
Sermin wollte gerade weitere Anweisungen geben, als der junge Offizier an der Sensorenkonsole eine weitere Hiobsbotschaft zu ihm herüber rief,
„Ein fünftes Schiff enttarnt sich gerade hinter uns, es hat alle Waffensysteme aktiviert Sir.“ Sermin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
„Aktivieren Sie Ausweichmanöver Delta Gamma acht und gehen Sie danach auf Warp vier.“ wies er den Steuermann an, und im gleichen Atemzug und mit einer Ruhe als hätte er alle Zeit der Welt gab er dem Fähnrich an der taktischen Station die Anweisung zum Feuern.
„Setzen Sie die Phaser der hinteren Phalanx ein und bevor wir auf Warp gehen schießen Sie aus der hinteren Torpedorampe eine ganze Salve ab.“
Der Fähnrich nickte kurz und betätigte die Bedieneinheiten der Waffenkontrolle. Doch bevor die Energie in die Emitter fließen konnte wurde das Schiff durch einen kräftigen Ruck herumgerissen, der auf einen direkten Treffer von dem verfolgenden Schiff hindeutete.
„Feuern Sie endlich Fähnrich...“ sagte Sermin und drehte dabei seinen Oberkörper leicht in Richtung taktischer Station. In seiner Stimme schwang ein Unterton mit, der deutlich machte, daß der Vulkanier eine weitere Verzögerung des Waffeneinsatzes nicht dulden wollte.
Der Fähnrich hatte durch den plötzlichen harten Ruck des Schiffes das Gleichgewicht verloren und war mit dem Kopf an die Konsole geschlagen. Er lag betäubt am Boden. Mit stoischer Mine nahm der Vulkanier zur Kenntnis, daß die taktische Station und somit die Verteidigungseinrichtungen nunmehr völlig verwaist waren.
Ohne übertriebene Hast erhob sich Sermin aus dem Kommandostuhl und begab sich zur taktischen Station, die im hinteren Teil der Brücke lag. Allerdings hatten in der Zwischenzeit die anderen vier Schiffe ebenfalls Waffendistanz erreicht und richteten ihre Disruptoren auf die Alexandria.
Sermin entriegelte die Sperren der Torpedorampen und übergab die Zielerfassung der automatischen Computerkontrolle. Die Torpedos zischten davon und mit einem hellen roten Leuchten stürmten Sie den gegnerischen Schiffen entgegen, die jedoch im letzten Moment ihre Position änderten und die Torpedos wirkungslos vorbeiziehen ließen.
Sermin zog die Augenbrauen hoch und seine Augen weiteten sich, als die Angreifer in einer offenen Formation auf Ihn zuflogen und das Feuer eröffneten. Auf dem großen Hauptschirm wirkte ihr Angriff noch bedrohlicher, als die beunruhigenden Werte der Sensorenabtastung.
Mehrere Einschläge von Energiewaffen ließen den Rumpf der Alexandria erzittern und wiederholt wurde das Schiff durch die harten Treffer herumgerissen, so daß die Brückencrew Mühe hatte sich auf ihren Plätzen zu halten. Bereits nach wenigen Sekunden rief der Lieutenant von der Wissenschaftsstation zu Sermin hinüber,
„Sir, die Schilde sind unten auf 20 Prozent, das halten wir nicht mehr lange durch.“
Der Vulkanier stand auf der Brücke, als würde er einen Film betrachten. Regungslos und mit gleichgültigem Gesichtsausdruck.
„Maschinenraum, wir brauchen alle Energie auf den Schilden, variieren Sie die Feldmodulation, aber lassen Sie genug übrig für die Phaser und die Torpedoabschußvorrichtung!“
Das Echo, das Sermin auf seine Anweisung erhielt war jedoch anders als er es erwartet hatte. Die Stimme von Commander van Dyke war zu hören und die Worte die er sprach waren für Sermin Erleichterung und Erniedrigung gleichermaßen, wenn er in der Lage gewesen wäre diese Empfindungen neben seiner reinen Logik überhaupt zu dulden.
Aber er hatte auf Vulkan, wie fast alle seiner Spezies, allen weltlichen Gefühlen abgeschworen und so blieb nur der steinerne Gesichtsausdruck, als die Anweisung von Roger van Dyke ertönte:
„Computer, Simulation beenden und speichern.“
Die gesamte Einrichtung der Brücke verschwand und ebenso der betäubte Fähnrich der eben noch auf dem Boden gelegen hatte. Lediglich die schwarze Wand des Holodecks mit dem typischen Skalierungsgitter blieb zurück. Sermin und die fünf jungen Crewmitglieder standen verwirrt in dem großen Raum.
„So etwas Ähnliches hatte ich mir schon gedacht Sir. Es ist selbst für eine Nachtwache unüblich eine Crew aus derartig jungen Offizieren und Offiziersanwärtern zusammenzustellen. Allerdings ist mir eines unklar, ich bin mit dem Turbolift zur Brücke gefahren und es ist daher nicht logisch nachvollziehbar, daß ich mich hier im Holodeck befinde.“ Erklärte der Vulkanier
„Das mag sein Lt. Commander...“ erwiderte van Dyke, der gerade das Holodeck betreten hatte,
„...aber das ist eine zweitrangige Denksportaufgabe für Sie. Priorität sollte die Analyse Ihres schlechten Ergebnisses sein, wir treffen uns in zwei Stunden im Besprechungsraum acht auf Deck fünf. Das gilt auch für Sie meine Herren.“
Und damit meinte van Dyke die fünf jungen Männer die noch immer ungläubig und mit gesenkten Köpfen im Holodeck standen, wo eben noch die völlig realen Konsolen der Brücke den Platz vor ihnen eingenommen hatten.
Langsam verließen Sie den Raum, dessen Tür sich zischend öffnete und van Dyke blieb alleine im Holodeck zurück. Nachdem sich die Tür wieder geschlossen hatte trat van Dyke an die Hauptkonsole und sagte:
„Computer, Programm Roger van Dyke Alpha beenden.“
Das Gitter und die Konturen in der hinteren Ecke des Raumes verschwammen und zum Vorschein kam die Tür des Turbolifts, der die gesamte Ecke einnahm.
„Computer, bei jeder Aktivierung des Holodecks ist das Programm Roger van Dyke Alpha zu starten, bevor jemand eintritt. Autorisation van Dyke, Theta, Epsilon, Gamma vier.“ damit wandte er sich um und trat mit einem breiten Lächeln hinaus auf den Gang.
Der Umbau auf Sternenbasis 491 durch ein externes Technikerteam hatte sich gelohnt.
Kapitel 2
Als Roger van Dyke die Brücke betrat sah er das mißmutige
Gesicht von Jan Erik Wikland, dem Captain der Alexandria, der in seinem Sessel saß und gerade die Ergebnisse des im Holodeck absolvierten Tests überflog.
„Wie kann sich ein Lt. Commander in einer solchen Situation nur so dämlich verhalten, können Sie mir das einmal verraten Nummer eins?“ polterte er los und warf das Padd auf den leeren Stuhl neben sich. Er war sichtlich enttäuscht, daß einige Mitglieder seiner Crew hier einen Fehler gemacht hatten, auch wenn es sich nur um eine Simulation handelte.
„Nun Captain, Sie dürfen nicht vergessen, daß es sich dabei um einen Vulkanier handelt. Er kennt seine Fähigkeiten ganz genau, daher hielt er es sicher nicht für nötig Hilfe anzufordern.“
Wikland schaute grimmig zu van Dyke auf, der inzwischen direkt vor ihm stand.
„Das entbindet ihn jedoch nicht von der Pflicht, den Captain oder den ersten Offizier zu informieren, wenn eine Bedrohung durch Fremde erkannt wird.“
Roger van Dyke nickte kurz,
„Das werden wir ja bei der Besprechung nachher noch genauer klären können. Allerdings muß ich sagen, daß unsere kleine Modifikation doch hervorragend funktioniert hat. Die Testergebnisse weichen deutlich von den üblichen Prüfungen ab, in denen die Personen wissen, daß nur eine simulierte Situation vorliegt. Wir können diese Technik einsetzen, wann immer es die Situation erforderlich macht. Das gilt auch für andere Gelegenheiten. Aber ich denke mir, wir sollten jetzt unsere volle Aufmerksamkeit wieder der interessanten Aufgabe widmen, die uns die Sternenflotte aufgetragen hat.“
Wikland hatte eine Begabung dafür, einen bösartigen Gesichtsausdruck noch weiter zu verschlimmern. Die Augen bekamen einen Ausdruck als ob Sie durch alles hindurchsehen konnten, die Stirn legte sich in Falten und seine Augenbrauen schoben sich zusammen, so daß er selbst noch eine Mumie in den Grotten von Karanis IV mit diesem Anblick hätte erschrecken können.
„Ja, das Vermessen von Kometen und die Bestimmung deren Flugbahn ist eine überaus wichtige und erfüllende Aufgabe für ein so gut ausgestattetes Schiff wie die Alexandria.“ knurrte er mit einem nicht zu überhörenden ironischen Unterton.
Wikland war sich sicher, daß man ihn wegen seines Verhaltens bei Sakras 5 auf diese langweilige Tour geschickt hatte, obwohl die Alexandria sicher an anderen Stellen mehr gebraucht wurde als hier im Manegos Sektor, in dem einige Kometen herumtrudelten, welche die nächsten zehntausend Jahre an keinem bewohnten Sternensystem vorbeifliegen würden.
Wenn das Universum ein helles Zentrum hatte, so dachte sich Wikland, dann war er im Moment am weitesten davon entfernt.
Einziger Vorteil dieser Reise war die Tatsache, daß momentan Maxine Dent die Wissenschaftsstation überwachte, an der sonst der Klingone K’Orak diente. Dieser befand sich derzeit auf Q’onos um sich an den jährlichen Wettkämpen der Bat’leth Kunst zu beteiligen.
Im letzten Jahr war er dem Klingonen Worf nur knapp unterlegen, wobei ihn dieser zweite Rang um so mehr ärgerte, da Worf ein vollwertiges Mitglied der Sternenflotte war und somit in seinen Augen keine Ehre hatte. Worf war für ihn kein richtiger Klingone, denn er war von verweichlichten Menschen großgezogen worden, welche die Ideale der Klingonen weder kannten, noch je verstehen würden. In diesem Jahr wollte K’Orak einen neuen Versuch machen um die begehrte Trophäe zu erlangen.
Captain Wikland hatte nur zu gerne dem entsprechenden Urlaubsantrag stattgegeben und bei dieser Gelegenheit gleich eine positive Bewertung des Klingonen an seinen Flottenkommandanten weitergeleitet, in der Wikland die weiterentwickelten Fähigkeiten des Klingonen deutlich hervorhob und seinen Wert für die klingonische Flotte verdeutlichte. Insgeheim hoffte er natürlich, daß man daraufhin K’Orak behalten und wieder auf ein klingonisches Schiff versetzen würde.
Im Maschinenraum hatte sich in den letzten Tagen so gut wie nichts ereignet. Die Alexandria hatte weder einen Warpflug unternommen noch wurde eines der primären Verteidigungssysteme benötigt.
Das gab Lt. Commander Jefferson, der jungen und dynamischen Chefingenieurin die Zeit, einmal alle Systeme einer intensiven Überprüfung zu unterziehen und kleinere, schon lange geplante Modifikationen durchzuführen. Der Abschluß dieser Arbeiten lag nun schon zwei Tage zurück und wäre der Maschinenraum nicht gestern von dem Wartungsteam noch einmal generalgereinigt worden, dann hätte in dieser Woche überhaupt kein Techniker mehr einen Fuß in das Herzstück des stolzen Schiffes der Nebula Klasse gesetzt.
Jaqueline Jefferson stand an dem Diagnosetisch, der von der Mannschaft einer alten Tradition folgend liebevoll als ‘Billardtisch’ bezeichnet wurde und Ihre aschblonden Haare spiegelten sich auf der frisch polierten Sensorenfläche.
Jaqueline die ein quirliges Temperament besaß, hatte an dieser Stelle schon mehr als einmal über schweren Problemen gebrütet oder mit schnellen und geübten Handgriffen mittelschwere Katastrophen verhindert. Normalerweise war sie immer in Bewegung. Um so mehr ärgerte es sie, daß ihr heute nur die Überwachung der Energieanzeigen blieb und die Einteilung des Materie-/Antimaterievorrats für die nächsten Wochen vorzunehmen. Sie hatte das Gefühl, diese Schicht würde nie enden.
Roger van Dyke betrat gemeinsam mit dem Captain den Besprechungsraum in dem sich die Prüflinge der vergangenen Nacht eingefunden hatten. Captain Wikland war zusammen mit seinem ersten Offizier erschienen und nahm direkt am Kopfende des Konferenztisches Platz.
Der kräftige Körperbau des Captains, der auf seine nordische Herkunft hindeutete, wirkte in diesen Minuten irgendwie verkrampft. Die blonden, gelockten Haare verrieten, zusammen mit den normalerweise entspannt dreinschauenden blauen Augen, die schwedische Abstammung.
In diesem Moment hatten sich die Augen allerdings zu einem harten Blick verengt und seine Stirn ließ ein paar Falten erkennen. Ein klares Zeichen für seine Unzufriedenheit, die im Minenspiel des Captains leicht zu erkennen war. Wikland war davon überzeugt, daß seine Crew zu den Besten der Sternenflotte zählte, daher war er über das Ergebnis des zurückliegenden Tests um so mehr verstimmt.
Er drückte auf der im Tisch eingelassenen Sensorfläche einige Tasten und eine Aufzeichnung der Ereignisse aus dem Holodeck erschien auf dem großen Wanddisplay.
Nachdem die Szene mit dem Eintreten von Roger van Dyke endete, drehte sich der Captain zu den Mitgliedern seiner Crew um und blickte Sermin an.
„Von Ihnen Lt. Commander hätte ich eigentlich mehr erwartet. Wie konnten Sie die Vorschriften der Sternenflotte in einer solchen Situation einfach außer Acht lassen?“
Der Vulkanier, der die Wiederholung der Prüfungssequenz wie üblich mit unbewegtem Gesichtsausdruck zur Kenntnis genommen hatte, richtete sich in seinem Sessel etwas auf.
„Wenn Sie damit auf die Tatsache hinzuweisen versuchen, daß bei akuter Gefahr die Führungsoffiziere zu informieren sind, muß ich erwidern, daß unter logischen Aspekten zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Gefahr für das Schiff bestand. Der Befehl zum Verlassen des Sektors mittels Warpgeschwindigkeit war bereits erteilt und die Beschleunigung des Schiffes war nur noch eine reine Formsache.
Eine echte Bedrohung hätte also auch bei einer realen Situation mit dieser Konstellation nicht bestanden. Es lag daher nahe, den Dienst auf der Brücke nach eigenem Ermessen weiterzuführen und Ihnen somit die zustehende Nachtruhe nicht zu verwehren.“
Dem Captain stieg die Zornesröte ins Gesicht, aber er hatte sein nordisches Temperament unter Kontrolle. Wäre er so impulsiv, wie man es den südländischen Völkern nachsagt, so hätte er einen Satz über den Tisch gemacht, den Vulkanier mit seinen kräftigen Händen am Hals gepackt und solange geschüttelt, bis er um Gnade gewinselt hätte. Aber selbst in dieser Situation hatte sich Wikland in der Gewalt. Mit eisiger Stimme und einem unüberhörbaren Maß an Autorität stellte er die Fakten dar.
„Wie Sie anhand der Sensorenwerte sehen, steht keine Energie zur Verfügung um den Warpsprung zu schaffen, denn Sie haben den Maschinenraum selbst angewiesen alle Energie in den Schirm zu geben. Selbst mit intakten Schirmen hätten Sie gegen diese fünf Schiffe keine zehn Minuten überlebt. Logik hin oder her, Sie hätten zumindest den ersten Offizier konsultieren müssen oder mich wecken sollen. Das ist Ihre verdammte Pflicht. Wenn Sie sich nicht an die Regeln der Sternenflotte halten können, dann gehen Sie zurück auf diese glühende Kugel, die Sie Planet nennen und spielen Sie Tic-Tac-Toe.“
Sermin nahm die Standpauke des Captains wie immer ohne sichtbare Reaktion zur Kenntnis.
„Was die anderen von Ihnen betrifft...“
Wikland war richtig in Fahrt gekommen. Nacheinander hielt er jedem der Prüflinge einen Vortrag über die Fehler, die während der Simulation von ihm gemacht worden waren.
Von der späten Sensorenabtastung, über die Nichtbeachtung der Informationspflicht, bis hin zu der Tatsache, daß keine Kursänderung zur Vermeidung des Konfliktes eingegeben wurde.
Auch die Tatsache, daß die jungen Offiziere den diensthabenden Offizier Sermin nicht auf seine Fehler hingewiesen hatten, blieb nicht unerwähnt. Der Captain ließ keinen Punkt aus um den Prüflingen den Sinn und das Ziel der Übung nochmals genau vor Augen zu führen.
Nach annähernd einer Stunde war der Captain der Ansicht, er habe seinen Standpunkt ausführlich genug dargestellt. Er stand auf und verabschiedete die jungen Offiziere und den Vulkanier. Dann trat er an den Replikator und bestellte sich sein Lieblingsgetränk, einen Softdrink aus dem späten 20ten Jahrhundert, welches er in einem Zuge leerte.
„Captain, meinen Sie nicht, daß Sie etwas zu dick aufgetragen haben?“ fragte van Dyke, der die ganze Zeit ruhig dabeigesessen und sich über die teilweise recht deftigen Ausdrücke des Captains gewundert hatte.
„Nummer eins, ich will Männer auf meinem Schiff, keine Weicheier. Wenn es hier zu brenzligen Situationen kommt, dann muß ich mich auf meine Crew verlassen können.
Das heißt auch, daß sie die Befehle und Regeln einhalten und nicht so einen blöden Unfug treiben, wie diese ‘Herren’. Man sollte sie alle noch mal auf die Akademie schicken und einige Semester wiederholen lassen. Ich habe es schon immer gesagt.
Wir müssen viel häufiger den Ernstfall üben. Sie haben ja gesehen, was dabei heraus kommt, wenn man nicht ständig die Fäden in der Hand hält.“
Damit verließen sie den Besprechungsraum und gingen durch den Korridor zum Turbolift.
„Brücke.“ sagte der Captain, nachdem beide eingetreten waren und der Lift setzte sich sanft in Bewegung. Beim Öffnen der Türen ertönte das leise Zischen, welches zum Schiff gehörte wie die Sterne zum Weltall. Der Blick von Wikland fiel auf den Hauptschirm. Eine Bewegung war fast nicht auszumachen. Es kam ihm vor als habe man sein Schiff hier angenagelt.
Es war wie eine Strafexpedition und solange er nicht seine Reputation wiederherstellen konnte, mußte er sicher noch weitere Aufgaben dieser Art durchführen. Bei dem Gedanken daran wurde ihm fast schlecht. Diese Eindrücke erinnerten ihn eindringlich, daß er noch immer nicht festgelegt hatte, welche Argumente er zu seiner Verteidigung vorbringen wollte.
Mit schnellen Schritten durchquerte er die Brücke, die in Ihrem Aufbau denen ähnlich war, die in den Schiffen der Galaxy Klasse zum Einsatz kam, die aber im Gegensatz hierzu zwei Ebenen aufwies.
Der Stuhl des Captains war im unteren Bereich direkt vor der Kommunikations- und der Sicherheitsstation platziert und direkt daneben befanden sich wie üblich die Plätze für den ersten und zweiten Offizier.
An den Seiten war der erhöhte Bereich jedoch bis zu den Eingängen der Turbolifte vorgezogen und beherbergte auf der linken Seite die Haupt-Wissenschaftsstation, sowie einen Platz für den medizinischen Offizier, der bei Rotalarm immer auf der Brücke war.
Auf der rechten Seite befanden sich die Sensorenstation und die Konsolen der Engineering. Wikland kam vorbei an der Kommunikationsstation und warf Lieutenant Ymoota einen freundlichen Blick zu,
„Irgendwelche Neuigkeiten Lieutenant?“ Ihr Ohrring klimperte leise, als sich die junge Bajoranerin ihm zuwandte.
„Nichts was uns betrifft, Sir. Ein Föderationsschiff wurde mehrmals von der Sternenflotte gerufen, hat sich bislang aber noch nicht gemeldet und Admiral Leyton von der U.S.S. Lakota hat für morgen Mittag 15:00 Uhr seinen Abflug bekanntgegeben.“
Wiklands Gesichtsausdruck verzog sich zu einer Grimasse, als hätte er unvorsichtigerweise und ohne nachzudenken in eine Zitrone gebissen. Natürlich konnte Ymoota Aalia nicht auf Anhieb wissen, daß es sich bei der Lakota um das Flaggschiff der zwölften Flotte handelte, auf dem die Anhörung Wiklands stattfinden sollte.
Der machtgierige Admiral Leyton, der hinter jedem Asteroiden eine Verschwörung roch, war genau der Untersuchungsbeamte, den Wikland für seine Anhörung erwartet hatte. Am besten wäre es, wenn er gleich seinen Abschied nehmen würde. Dann würde er wenigstens den Phrasen entgehen, die dieser selbsternannte Prophet der Finsternis wieder dreschen würde.
Kopfschüttelnd winkte er mit der Hand ab und gab Ymoota damit zu verstehen, daß er nicht noch mehr hören wollte. Einige Sekunden später war er durch die Tür seines Bereitschaftsraumes verschwunden.
Wikland hatte sich vorgenommen, endlich die Fakten für seine Entlastung zusammenzustellen und nahm am Tisch Platz. Beim sortieren der vielen Padds die auf dem Schreibtisch verstreut waren, überflog er kurz die Angaben.
Sie beinhalteten Computerdaten, Sensorauswertungen, Berichte der Außenteams und Angaben zur kulturellen Struktur auf Sakras 5. Eines der Padds hatte allerdings einen anderen Inhalt. Es war die persönliche Anfrage eines Crewmitglieds.
Captain Wikland hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, die Wünsche und Probleme seiner Mannschaft höchstpersönlich zu beobachten. Damit hatte er Gelegenheit, die Leistung seiner Leute zu überwachen und zu bewerten, sowie gleichzeitig einen Eindruck über die Zufriedenheit der Offiziere und niederen Dienstränge zu erhalten. Nicht zuletzt bezog er aus den Erkenntnissen die er hierbei gewann seine Ideen für die meist recht unkonventionelle Belohnung verschiedener Crewmitglieder, die sich besonders um das Schiff verdient gemacht hatten.
Er drückte die Sensorfläche auf dem Padd und las sich die Eingabe in aller Ruhe durch. Dann tastete Wikland auf seinen Kommunikator und sagte:
„Wikland an Lieutenant Ymoota, bitte kommen Sie in meinen Raum.“ Das Audiosystem ließ sofort die Antwort ertönen,
„Ymoota hier, ich bin auf dem Weg Sir.“ fast gleichzeitig ertönte das Türsignal und Wikland rief mit seiner gewohnt starken Stimme „Herein!“
Ymoota, die durch die Tür kam, fröstelte kurz, als sie den Bereitschaftsraum des Captains betrat, denn Wikland hatte noch immer seine Lieblingstemperatur von 17 Grad Celsius eingestellt. Sie trat vor bis sie direkt vor den Schreibtisch des Captains stand, nahm Haltung an und blickte geradeaus “Sir ?“ sagte sie fragend, und wartete auf Wiklands Reaktion.
„Stehen Sie bequem Lieutenant. Sagen Sie, diese Anfrage hier von Ihnen, ist das wirklich Ihr Ernst?“
Ymoota, die Bajoranerin war mit Ihren 168 cm nicht gerade eine der Größten. Sie hatte Glück, daß der Captain hinter dem Schreibtisch saß, denn neben der hochgewachsenen, nordischen Gestalt Wiklands würde sie wie eine zerbrechliche Porzellanpuppe aussehen. Ihre langen schwarzen Haare hatte sie im Dienst immer kunstvoll zu einem langen Zopf gebunden. Sie atmete noch einmal tief durch und antwortete dann in ruhigem Ton
„Ja, Captain. Ich beantrage, die bajoranische Uniform während des Dienstes tragen zu dürfen.
Wie Ihnen sicher bekannt ist, lege ich großen Wert auf die Kultur meines Volkes und als gebürtige Bajoranerin, die das ganze Leid dieser Welt miterleben mußte, ist es für mich eine Pflicht gegenüber Bajor, die Uniform auch als Zeichen der Zugehörigkeit zu tragen.
Aus diesem Grund habe ich den Antrag gestellt, von dem ich hoffe, daß Sie Ihn genehmigen werden, Sir.“
Wikland sah die junge Frau mit prüfendem Blick einige Sekunden an. Insgeheim dankte er den Schneidern der Sternenflotte für die elastischen Uniformteile, die durch ihren enganliegenden Sitz besonders bei den weiblichen Crewmitgliedern den wohlgeformten Körperbau betonten. In Ihrer Eigenschaft als Technikerin trug Ymoota die senfgelbe Farbe der Engineering, auch wenn Sie im Rahmen des Brückendienstes häufig die Kommunikationsstation übernahm.
„Lieutenant...“ begann Wikland,
„...darf ich fragen, welche Akademie Sie besucht haben?“
Ymoota wirkte für einen Moment verwirrt und antwortete dann langsam
„Die Akademie der Sternenflotte, Sir.“
Wikland nickte mit dem Kopf.
„Genau. Das bedeutet, Sie haben sich verpflichtet, die Regeln der Föderation und alle damit verbundenen Rechte und Pflichten zu achten.“
Ymoota erkannte, daß der Captain sie aus der Reserve locken wollte und konterte sofort,
„Das stimmt Sir, aber ich...“
„Ich bin noch nicht fertig Lieutenant...“
unterbrach sie der Captain,
„...Sie genießen hier an Bord bereits erweiterte Freiheiten, die ich nur aufgrund Ihrer Religion und der allgemeinen Zufriedenheit wegen gestatte.
Grundsätzlich ist jeglicher Schmuck in Verbindung mit der Uniform untersagt, deshalb sind die Ohrringe die Sie und Ihre bajoranischen Kollegen tragen schon ein großes Zugeständnis.“
Ymoota ließ sich nicht so schnell einschüchtern. Aus Ihrer Zeit im Widerstand auf Bajor hatte sie gelernt, daß nur ein harter Wille zum Ziel führt.
„Das ist mir bewußt Captain, dennoch habe ich den Wunsch diese Kleidung als Zeichen meiner Zugehörigkeit zu Bajor zu tragen. Ich hätte Ihre Zeit bestimmt nicht durch die Einreichung meiner Bitte in Anspruch genommen, wenn es mir nicht ein so dringendes Bedürfnis wäre.“
Der Captain musterte die Bajoranerin, die wie er erkannte bereits eine ausgeprägt abwehrende innere Einstellung angenommen hatte und die versuchte, mit Ihren Argumenten die Durchsetzung Ihrer Wünsche zu erreichen. Gelassen lehnte sich Wikland zurück und verschränkte die Hände vor dem unteren Rand seiner Uniformjacke.
„In Ordnung Lieutenant, haben Sie einen bajoranischen Militärabschluß, und eine Rangeinstufung von der bajoranischen Flottenführung?
Ymoota wurde langsam wütend und konnte ihr Temperament nur noch mit Mühe unter Kontrolle halten. Etwas heftiger als sie es gewollt hatte erwiderte sie:
„Captain, Sie wissen genau, daß Bajor zur Zeit unter cardassianischer Besatzung steht und die Militärakademie von den Cardis geschlossen wurde. Seit Jahren hat kein Kadett mehr seinen Abschluß dort abgelegt.“
Der Captain ließ sich noch tiefer in seinen Stuhl sinken,
„Aha. Nun wenn das so ist, dann kann ich Ihnen leider keine Genehmigung erteilen, denn wenn Sie keine offizielle Anerkennung dafür haben, haben Sie auch nicht das Recht, diese Uniform zu tragen und ich kann Ihnen diesen Wunsch daher nicht erfüllen. Das wäre das Gleiche, als würde ich einen Zivilisten in eine Captainsuniform der Sternenflotte stecken, nicht wahr?“Ymoota konnte sich diesem Argument nicht entziehen.
Ein wenig zerknirscht stand sie vor dem Captain und hatte im Moment keine Idee, wie sie die logischen Ausführungen des Captains widerlegen könnte. Sie nickte kurz und fragte:
„Ist das alles, Sir?“
Wikland, der großen Wert auf Disziplin legte, hätte nichts lieber getan, als der engagierten Bajoranerin ihren Wunsch zu erfüllen. Es wäre allerdings ein besonderes Zugeständnis gewesen und viele andere hätten sich mit ähnlichen, oder noch abwegigeren Wünschen und Forderungen im Nachhinein auf diese besondere Entscheidung gestützt, so daß er hier keinen Weg sah, etwas für die Zufriedenheit des Lieutenants zu tun. Er wollte sie aber auch nicht mit dieser vollständigen Ablehnung gehen lassen und so beschloß er Ymoota ein wenig Hoffnung zu machen.
„Im Moment ist das alles Lieutenant...“
Ymoota drehte sich um und ging zur Tür. Doch bevor sie in die Nähe der Öffnungssensoren kam fügte der Captain noch etwas hinzu:
„....Ich verspreche Ihnen, daß ich Ihren Antrag nicht vergessen werde. Wenn sich etwas an der Situation von Bajor ändert, oder sich eine Gelegenheit bietet, Ihrem Wunsch zu entsprechen, werde ich es berücksichtigen.“
Er untermauerte seine Worte mit einem ehrlichen Gesicht und erzeugte damit ein feines Lächeln um die Mundwinkel von Ymoota.
Sie vermutete, daß Sie sich auf das Wort des Captains verlassen konnte. Sie war zwar noch nicht lange auf der Alexandria und grundsätzlich war Vertrauen für sie als Bajoranerin so etwas wie ein Fremdwort.
Allerdings hatte Sie durch die Gespräche mit anderen Crewmitgliedern erfahren, daß der Captain zu seinem Wort stand und alles daran setzte seine Versprechen einzuhalten, oder Möglichkeiten für seine Crew zu nutzen, wenn sich solche boten. Wenn er tatsächlich einen Weg fand, dann würde er auch sein Versprechen einlösen.
Ymoota war froh, daß ihr Dienst auf der Brücke nur noch wenige Minuten dauerte. Sie machte Ihre Station für die Übergabe bereit und legte alle Protokolle der noch offenen Übertragungen in der entsprechenden Datei ab.
Carah Pehl, Ihre bajoranische Kollegin war schon auf der Brücke und begrüßte gerade Andy Duke, den zweiten Offizier, der auf seinem Platz saß und die Berichte der Sicherheitsabteilung prüfte. Außer ein paar Rangeleien im Fähnrichskasino und einer etwas heftigeren Auseinandersetzung im Frachtraum 17 war es heute ruhig geblieben.
Ymoota hatte die Übergabe so gut vorbereitet, daß der Schichtwechsel bereits nach zwei Minuten vollzogen war. Zufrieden verließ sie die Brücke und schon im Turbolift zog sie den kleinen Stift aus ihren Haaren, der den nach altem bajoranischen Brauch kunstvoll geflochtenen Haarzopf am unteren Ende zusammenhielt. Sie beugte sich leicht nach vorne und schüttelte ein paar Mal den Kopf. Die schwarzen, leicht gewellten, langen Haare legten sich über ihre Schultern und reichten fast bis zur Taille.
Auf Deck zehn hielt der Turbolift und die Türen zum Gang öffneten sich. Ymoota ging mit schnellen Schritten zu Ihrem Quartier, das nicht weit vom Turbolift auf der rechten Seite gelegen war. Sie betrat ihren Raum und ging schnurstracks zum Bad, um sich ein wenig frisch zu machen.
Wichtigster Grund war aber, daß sie ihre Uniform gegen die traditionelle Freizeitkleidung Ihrer Kaste tauschen wollte.
Überhaupt sah man ihrem Quartier die Verbundenheit zur bajoranischen Kultur deutlich an. Auf dem kleinen halbhohen Schrank stand ein Leuchter mit Kerzen, die ein fester Bestandteil der Religion auf Bajor waren. Einige kleine Kunstwerke, meist mit religiösem Hintergrund, hatte Ymoota während ihrer Zeit im Widerstand bei den Angriffen auf cardassianische Schiffe zurückerobert.
Die Cardassianer hatten alle verwertbaren Kunstobjekte auf Bajor einfach konfisziert und mit nach Cardassia Prime genommen, um sie dort an Händler oder andere Interessenten zu verschachern, oder nur um die wertvollen Metalle zu erhalten, aus denen sie gefertigt waren.
Einige kleine Objekte hatte sie mitgenommen, da sie nach wie vor in keinem Museum auf Bajor sicher gewesen wären. So glich das Quartier mit seinen Statuen, Bildern und Wandbehängen eher einem bajoranischen Tempel als einem Offiziersquartier der Sternenflotte. Das schönste Stück war ein großes Gemälde, welches über Ihrem Bett hing. Es zeigt ein sanduhrförmiges Objekt, das strahlend im Weltraum hing. Über ihm war eine runde blaue Wolke abgebildet, die in der Mitte wie der Fokus einer Linse geöffnet war. Das Gemälde war über 800 Jahre alt und stellte den Himmelstempel der Propheten dar, wobei das sanduhrförmige Gebilde eine Träne der Propheten interpretierte, die unter dem Volk von Bajor als Drehkörper bekannt waren.
Sie dienten der Offenbarung und es hieß, daß durch sie der Kontakt mit den Propheten möglich sei. Die meisten dieser Drehkörper waren ebenfalls von den Cardassianern geraubt worden, doch ging unter den Bajoranern das Gerücht um, daß einer dieser Drehkörper vor den Feinden versteckt werden konnte.
Ymoota überkam jedesmal wenn Sie das Bild sah ein etwas unsicheres Gefühl. Obwohl sie einen sehr starken Glauben hatte, war sie sich nicht sicher, ob es den häufig in alten Schriften erwähnten Himmelstempel tatsächlich gab. Nichts wies in der Nähe von Bajor darauf hin, daß dieses Objekt jemals dort gesehen worden war. Zudem hatte Sie natürlich wie alle Bajoraner den Wunsch, einmal einen dieser Drehkörper zu sehen, die dem Volk von Bajor von ihren Beschützern, den Propheten, geschenkt worden waren. Andererseits hatte sie eine unterschwellige Angst vor einer solchen Erfahrung, da sie der Ansicht war, sie könne mit einer solchen Offenbarung nicht umgehen.Mit Ihren achtundzwanzig Jahren hatte Ymoota schon ein bewegtes Leben hinter sich, welches bereits einige Spuren an ihr hinterlassen hatte. So fehlte ihr rechter Unterschenkel, der seit Jahren schon durch eine mechanische Prothese ersetzt worden war. In Ihrer Zeit in der Widerstandszelle von Na-Melisan hatte sie lange Jahre gegen die Cardassianer gekämpft, bevor sie sich entschloß, bei der Sternenflotte eine Karriere als Offizier zu beginnen.
Bei einem Anschlag auf ein cardassianisches Militärlager hatte sie diese und noch andere Verwundungen davongetragen. Dies hatte sie aber nicht daran gehindert Ihren weiteren Weg zu gehen. Im Gegenteil, es hatte sie bestärkt etwas gegen die Cardassianer zu unternehmen. So hatte sie sich bei der Sternenflotte eingeschrieben um sich weiteres Wissen anzueignen und dann mit neuer Kraft und besserer Taktik für ein freies Bajor zu kämpfen.
Für heute allerdings hatte sie beschlossen alle Widrigkeiten hinter sich zu lassen und eine ausgedehnte Meditation zur Entspannung durchzuführen. Sie entzündete die Kerzen und zwei Räucherstäbchen, die den Raum schnell mit einem würzigen Duft füllten und ließ sich in der traditionellen bajoranischen Meditations-stellung auf dem Boden nieder.
Den Computer wies sie an die entsprechenden Klänge einer bajoranischen Raal-Tir zu erzeugen und bereits kurz nachdem die leise Musik eingesetzt hatte war sie dem Alltag mit seinen vielen kleinen und großen Problemen entflohen.
Kapitel 3
Es war ein verregneter Tag auf Narkimo, dem sechsten Planeten im Nermas System. Die Dunkelheit, die hier in der nördlichen Hemisphäre schon früh einsetzte, hatte den verwahrlosten Bezirk am Rande der Stadt mit dem schützenden Mantel der Schatten versehen, so daß die verdreckten Ecken und die zerlumpten Gestalten kaum noch ins Auge fielen.
Toma Imasov stapfte durch den Schlamm und die großen Pfützen, die sich im Laufe des Tages auf den unbefestigten Straßen durch den anhaltenden Regen gebildet hatten.
Als er die kleine Kneipe an der Kreuzung erreichte, war sein langer, abgetragener schwarzer Mantel fast völlig durchnäßt. Er konnte seinen Geschäftspartner nicht verstehen, der sich zu einer so unchristlichen Zeit an einem so heruntergekommenen Ort mit ihm verabredet hatte.
Eigentlich wollte Toma den Abend in seiner gut ausgestatteten Wohnung mit einem hübschen jungen Mädchen verbringen, welches er erst gestern auf der Auktion für einen Spottpreis erstanden hatte und welches jetzt Zuhause in einen kleinen Raum eingesperrt und verschüchtert auf seine Rückkehr wartete. Er trat unter das Vordach der Kneipe über dem ein großes Schild mit verblaßten Buchstaben hing.
„Grindlers Whistler“ stand darauf in einer Schrift, die an die humanoiden Zeichen des Sol Sektors erinnerte.
Er betrat die Kneipe, die genauso heruntergekommen war wie das ganze Viertel. Imasov schüttelte sich wie ein nasser Hund, der aus einem Teich an Land gekrochen kommt und legte seinen nassen Mantel über eine Bank, die in der Nähe des Einganges stand.
Als der Mann mit den ungepflegten schwarzen Haaren auf die Theke zukam, musterte ihn der Wirt ausgiebig. Der fette Arasi hatte eine dreckige Schürze um den Leib gebunden und wischte mit einem schmutzigen Tuch an einem Glas herum. Nachdem er Imasov eingehend betrachtet hatte, war er sich sicher, daß der Neuankömmling nur zu dem mysteriösen Fremden gehören konnte, der seit einer Stunde allein in einer der Ecken saß, die nur spärlich ausgeleuchtet waren.
Der Wirt machte eine entsprechende Kopfbewegung und bedeutete damit dem eben eingetretenen Herrn, daß sein Gesprächspartner bereits auf ihn wartete.
Imasov trat an den Tisch und nahm Platz.
„Konnten Sie sich keinen besseren Platz aussuchen, hier kann man sich ja wer weiß was holen!“ zischte er seinen Gegenüber an, ohne ihn zu grüßen, oder sich vorzustellen.
Der große Mann, der auf dem anderen Stuhl saß hatte eine lange braune Kutte an und verbarg sein Gesicht unter einer großen Kapuze.
„Es ist noch immer zu gefährlich sich hier in der Öffentlichkeit zu zeigen“ bemerkte er.
Imasov verzog das Gesicht,
„Das ist ja auch kein Wunder, bei dem was Sie sich im Nachbarsystem geleistet haben. Der Handel ist fast vollständig zum Erliegen gekommen.“
Sein Gegenüber ließ ein gurgelndes Lachen hören.
„Sicher nicht für die Art von Geschäften, die Sie üblicherweise abwickeln, oder irre ich mich da?“
Toma Imasov rieb sich die Hände.
„Das steht hier gar nicht zur Debatte, aber wenn es Sie so brennend interessiert, ich komme zurecht, danke. Nun sagen Sie endlich was Sie wollen, ich habe heute noch andere wichtige Termine einzuhalten!“ dabei dachte Imasov instinktiv an die hübsche Kleine, die noch bei ihm Zuhause zur Verfügung stand.
„Wir werden die letzte Lieferung nicht bezahlen. Die Ware, die Sie geliefert haben war minderwertig. Zwei meiner Männer sind bei dem Versuch ums Leben gekommen, die technischen Geräte in Betrieb zu nehmen. Außerdem können wir die Technik nicht für unsere Zwecke einsetzen. Sie war nicht ausreichend um unsere Position in der Provinz zu sichern. Wir benötigen mehr Waffen, nach Möglichkeit die einer höher entwickelten Technologiestufe.“
Der Händler spürte die Unzufriedenheit, erkannte allerdings auch, daß sich hier ein weiteres Geschäft bot. Es war ihm zunächst einmal egal, ob die oberen Herren ihr Geld erhalten hatten, er war nur für die Beschaffung zuständig und vermittelte die Wünsche an die Leitung des Konsortiums, versah deren Angebote dann mit den entsprechenden Preisen, selbstverständlich unter Aufschlag seiner Provision.
„Das wird aber eine sehr teure Angelegenheit, und ich weiß nicht ob unsere Geschäftsleitung noch weitere Transaktionen mit Ihnen tätigen will, wenn Ihre Zahlungsmoral derartig schlecht ist.“ warf Toma dem Unbekannten vor.
Der große Mann beugte sich über den Tisch und blickte unter der Kapuze mit blitzenden schwarzen Augen auf Imasov. Die Bewegung hatte den Umhang ein wenig auseinander gleiten lassen und Imasov erkannte eine schwarze Militäruniform, die vor der Brust dreieckig zusammenlief.
„Nun, wie Sie wissen, besitzen wir einige Planetensysteme in diesem Sektor, auf denen unser Volk siedelt, und Ihre Freunde wollen sich doch ein so gutes Geschäft sicher nicht einfach durch die Lappen gehen lassen, oder ?“ sagte der mysteriöse Fremde.
„Sie meinen wohl eher besetzen, wenn ich mich an die Konstellationen noch recht erinnere!“ erwiderte Imasov und machte eine Handbewegung, welche die unterdrückende Herrschaft dieser Systeme symbolisieren sollte.
„Nun, nennen Sie es wie Sie wollen. Wir haben einige Probleme mit ein paar Oppositionellen, die der Meinung sind, unsere Regierung würde die Hoheitsgewalt auf ihrem Planeten zu weidlich ausnutzen. Keine ernsthaften Schwierigkeiten, nichts mit dem wir nicht fertig werden würden.
Aber wir möchten mehr Stärke zeigen und vor allen Dingen gerüstet sein, wenn weitere Ausschreitungen entstehen, um diese im Keim zu ersticken. Besorgen Sie uns ein entsprechendes Objekt und Sie werden eine angemessene Entlohnung erhalten.“
Dabei zog der Mann ein kleines Säckchen unter seiner Kutte hervor und schob es langsam über den Tisch.
Sogleich verschwand es in Imasovs Beutel, den er über seine linke Schulter gehängt hatte und dem er nun eine digitale Notizplatte entnahm, die er seinem Gesprächspartner über den Tisch schob. „Nun, ich hätte da sicher das Passende für Sie....“ antwortete Imasov mit seiner widerlichen aalglatten Stimme, die dem Interessenten schmeicheln und ihn beruhigen sollte.
„...es wird noch ungefähr drei Tage dauern bis es hier ist, aber Sie können es sich, sagen wir mal, am Wochenende ansehen. Sie erreichen mich über den üblichen Kontaktkanal.“
Damit erhob sich Imasov und ging langsam an der Theke vorbei zum Eingang, wo er seinen Mantel aufnahm. Er bedachte den Barkeeper mit einem herablassenden Blick und öffnete die Tür.
Es graute ihm vor dem Heimweg, der mindestens 10 Minuten durch den Regen führte, bevor er ein Flugtaxi erreichen würde. Nur die Vorfreude auf den restlichen Abend ließ ihn wieder in den Regen hinaustreten.
Der Mann in der dunklen Kutte saß noch immer in der Ecke am Tisch und drückte die Sensorflächen der Notizplatte. Er nickte anerkennend. Der Händler hatte Recht behalten, das war genau das Passende für ihn. Jetzt mußte er nur noch seinen Vorgesetzten davon überzeugen, daß der Preis, der auf der Notiztafel stand, bezahlt werden mußte. Der Preis war für diese Ware zwar überhöht, aber es war die einzige Quelle, aus der man diese besondere Art von Ware beziehen konnte.
Kapitel 4
Die U.S.S. Lakota, ein Schiff der modifizierten Excelsior Klasse, war vor zwei Tagen von der Sternenbasis 34 aufgebrochen, um die Alexandria im Sektor 453 zu treffen. Mit an Bord war ein Stab aus hochrangigen Admiralen, die in den Untersuchungsausschuß berufen worden waren, dessen Vorsitz Admiral Norah Satie hatte, eine hervorragende Ermittlerin, die dafür bekannt war, den Dingen auf den Grund zu gehen.
Admiral Leyton, der den ganzen Tag die Geschehnisse auf der Brücke verfolgte, hatte mit seinem Kollegen Ian Hassard, der ebenfalls dem Untersuchungsausschuß angehörte, einen gemütlichen Abend in der Bar verbracht und ihn anschließend bis zu seinem Quartier begleitet.
„Was schätzen Sie, wann werden wir mit der Alexandria zusammentreffen?“ fragte Hassard, während sie durch den gebogenen Flur schritten.
Leyton, der sich innerlich schon auf die Herabwürdigung von Wikland einstellte, kraulte sich seinen korrekt gestutzten Vollbart, der schon einige graue Strähnen aufwies.
„Wenn der Flug planmäßig verläuft, dann könnten wir bereits morgen Mittag am Rendevouzpunkt eintreffen. Ich bezweifle jedoch, daß Captain Wikland dort bereits auf uns wartet.
Ich habe gehört, er soll in gewissen Dingen recht eigensinnig sein. Und mal ganz ehrlich, wer würde schon freiwillig pünktlich zu seiner Hinrichtung kommen?“
Leyton setzte ein sarkastisches Grinsen auf, dem man die Freude entnehmen konnte, die er an der ganzen Sache empfand. Es war ihm immer wieder ein Vergnügen, nicht linientreue Offiziere zurechtzuweisen und sie einer, seiner Meinung nach, gerechten Strafe zuzuführen. Auch für Jan Erik Wikland hatte er sich schon etwas entsprechendes ausgedacht. „Ian, was halten Sie von diesem Captain Wikland, hatten Sie schon mal mit Ihm zu tun?“
Admiral Hassard schüttelte langsam den Kopf.
„Nein, nicht persönlich. Aber ich kenne einige seiner Anfragen, die in der Zentrale für Material- und Crewplanung eingereicht wurden. Er hat wiederholt einen Umbau seines Schiffes beantragt, um eine Großzahl von Marines unterzubringen.
Er ist ein Mann der gerne Taten und Waffen sprechen läßt. Das dürfte uns schon einige Punkte bei der bevorstehenden Befragung sichern.“
Leyton quittierte die Anmerkung mit einer warnenden Geste seiner rechten Hand.
„Wir dürfen nicht den Einfluß seiner Fürsprecher unterschätzen. Die Gäste von Sakras 5 werden ihn sicher in den Himmel heben. Schließlich hat er die derzeitige Regierung ganz klar bevorteilt. Eine solche Macht mit wirtschaftlichen Interessen und Kompetenzen darf man nicht so einfach ignorieren.“
Ian Hassard lächelte dünn, sie waren an seinem Quartier angekommen.
„Nun, wir sollten erst einmal ganz in Ruhe abwarten, ob er überhaupt in der Lage ist, seinen Standpunkt richtig zu erklären. Sie kennen ja Norah, sie läßt sich schon nichts durch die Finger gehen. Gute Nacht, wir sehen uns dann morgen.“
Leyton gab seinem Kollegen die Hand,
„Gute Nacht Ian, bis morgen.“ sagte er und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier.
Nachdem Leyton hinter der Biegung des Flures verschwunden war, betrat Admiral Hassard seine Räume. Auf dem Tischdisplay blinkte eine Nachricht, daß in seiner Abwesenheit drei persönliche Anrufe für ihn eingegangen waren. Einer davon erregte sein besonderes Interesse, denn er bestand nur aus einer Zahlenfolge, mehr nicht.
„Computer stelle eine abhörsichere Verbindung zu den unter Punkt zwei genannten Koordinaten her.“
Die Stimme des Schiffscomputers antwortete tonlos.
„Verbindung wird aufgebaut, bitte warten..........Verbindung steht.“
Mit diesen Worten erschien das Gesicht eines Mannes auf dem Bildschirm, der anscheinend schon mehrere Tage kein Badezimmer mehr gesehen hatte. Seine schwarzen Haare wirkten fettig und ungepflegt, seine Bartstoppeln waren bereits deutlich erkennbar.
Er setzte eine leidvolle Mine auf und berichtete seine Erfahrungen.
„Ah, schön daß Sie sich doch noch melden. Unser Kunde war mit der letzten Lieferung nicht zufrieden. Er benötigt mehr Waffen und vor allem eine hochwertigere Technologie um seine Wünsche durchzusetzen. Er hat sich überdies noch beschwert, daß bei dem Versuch die Geräte in Gang zu setzen einige seiner Leute ums Leben gekommen sind.“ erklärte der Händler vorwurfsvoll. Ian Hassard blickte auf den kleinen Bildschirm der Konsole,
„Imasov, Sie sehen immer noch so heruntergekommen aus wie vor vier Wochen. Gibt es bei Ihnen keine Duschen?“ erwiderte Admiral Hassard angewidert.
„Außerdem, was stellt sich dieser Kerl eigentlich vor? Die beiden Schiffe, die wir Ihm abgetreten haben waren alte Ferengifrachter, die haben zwar nicht den neuesten Stand der Technik, befördern aber in der Regel nur hochwertige Gerätschaften, damit der Profit stimmt. Leider können wir nicht immer alle Positionen auf den individuellen Wunschzetteln berücksichtigen, da wir über die Details der Ladung nicht informiert sind. Was glaubt der eigentlich was wir sind, ein Supermarkt?“
Der Händler spuckte einen Zigarillostummel in die Ecke seines noblen Büros.
„Ich habe ihm unser neuestes Fundstück angeboten. Ich glaube er hat daran Interesse, aber ich weiß schon jetzt, daß er sich auch damit nicht zufrieden geben wird. Lassen Sie sich etwas einfallen, womit wir ihn zufrieden stellen können. Er hat mir als Teil der Bezahlung zugesichert, daß wir alle einen feudalen persönlichen Landsitz auf Risa erhalten, wenn wir Ihm etwas Entsprechendes liefern. Wissen Sie was das bedeutet? Sonne und hübsche Mädchen das ganze Jahr und keine Arbeit mehr, solange man es aushält.“Ian Hassard lehnte sich auf den Schreibtisch und legte Autorität in seine Stimme:
„Hier entscheide immer noch ich, was wir tun und wer welche Ware erhält. Was Ihre Pläne auf Risa angeht, sollten Sie erst einmal die Ihnen übertragenen Aufgaben richtig beenden. Wir haben die Bezahlung für die letzte Lieferung noch immer nicht erhalten.“
Imasov machte ein überraschtes Gesicht. Er hatte wohlweislich vermieden dem Admiral von dieser kleinen Nebensächlichkeit des Geschäftspartners zu berichten. Ian Hassard war darüber nicht gerade sehr erbaut. Seine Partner hatten schon wiederholt bei ihm angefragt, wo die versprochene Vergütung blieb.
„Ich werde sehen was ich tun kann....“ sagte Hassard.
„...aber dafür erwarte ich auch, daß unser Kunde die alten Rechnungen begleicht, sonst werden wir ihm höchstpersönlich das Fell über die Ohren ziehen, ist das klar?“
Imasov machte eine beschwichtigende Handbewegung,
„Ja Sir, völlig klar. Ich werde ihn sofort informieren. Geben Sie mir Bescheid, wenn Sie etwas Bestimmtes ausgewählt haben. Bis dann.“
Damit verschwand das Gesicht von Imasov und das Föderationszeichen füllte wieder das Display des Terminals aus.
Kapitel 5
Roger van Dyke stand hinter dem roten Fahrzeug und beugte sich mit dem Oberkörper in den Teil des Gefährts, in dem die Antriebseinheit untergebracht war.
Die Ärmel seiner roten Arbeitskleidung waren bereits stark verschmutzt, teilweise bis über die Ellbogen. Mit Hilfe von primitiven Werkzeugen war er damit beschäftigt verschiedene Bauteile des Motoraggregats zu befestigen. Rund um das Fahrzeug waren diverse Ersatzteile verstreut, die Roger anscheinend ausgewechselt hatte.
Die kleine Halle, in der er sich befand besaß ein altertümliches Liftsystem aus zwei Säulen und vier Armen, die benutzt wurden, um diese Fahrzeuge anzuheben. An einer Wand standen lange blechbeschlagene Arbeitstische, auf denen weitere Bauteile abgelegt waren.
Zwei Wände waren mit großen Blechtafeln versehen, an denen mehrere mechanische Werkzeuge aufgehängt waren. Die dritte Wand hatte eine große Glasfront, durch welche die Mittagssonne in die Halle fiel.
Vor dem Fahrzeug befand sich ein großes Rolltor, welches ins Freie führte. Die Wände waren im unteren Bereich rot gestrichen und nach oben weiß getüncht. Eine große gelbe Fahne mit einem sich aufbäumenden schwarzen Pferd hing von der Decke.
In dem Moment in dem sich die kleine Türe zur Halle mit einem quietschenden Geräusch von klemmenden Scharnieren öffnete verlor der Schraubenschlüssel in Roger van Dykes Hand den Halt auf dem Schraubenkopf und rutschte ab.
Klappernd fiel er auf den gekachelten Hallenboden und Roger zog leise fluchend seine rechte Hand, die er sich kräftig gestoßen hatte, aus dem Motorraum. Er drehte sich um und sah Jaqueline Jefferson auf sich zukommen, die ein erstauntes Gesicht machte.
„Was ist denn das?“ fragte sie und machte eine ausladende Bewegung mit beiden Armen um zu beschreiben, daß sie damit nicht nur das Automobil, sondern auch die gesamte Kulisse meinte.
„Oh, das ist eine typische italienische Ferrari-Werkstatt, und das hier ist ein Ferrari F50, einer der besten Seriensportwagen, die je hergestellt wurden.“
Jaqueline setzte ein amüsiertes Grinsen auf und deutete auf Rogers verschmutzte Kleidung, sowie die vielen Bauteile, die am Boden lagen.
„Und was machen Sie hier jetzt, wenn ich mal fragen dürfte?“ fragte sie leicht spöttisch.
Roger hielt sich noch immer die rechte Hand, die an den Knöcheln ein wenig blutete.
„Ich versuche gerade die Leistung durch Einbau einer modifizierten Nockenwelle und polierter Ansaugwege noch weiter zu verbessern. Dann will ich den Ladedruck der Turbolader noch an die geänderten Steuerzeiten anpassen. Das dürfte so zirka 10 Prozent mehr Leistung bringen.“
J.J. blickte Roger verständnislos an.
„Wieso machen Sie das alles selbst? Das ist doch eine Heidenarbeit und außerdem ist es doch nur ein Hologramm. Sie können dem Computer einfach sagen welche Änderungen er an dem Objekt vornehmen soll.“
Roger winkte mit der linken Hand ab
„Nein J.J., das ist nicht das gleiche. Ich möchte das selbst erledigen, dann kann man sich über das Ergebnis viel mehr freuen, als wenn man es dem Computer überläßt.“
Ihre Unterhaltung wurde durch eine Nachricht aus dem Kommunikationssytem unterbrochen.
„Commander van Dyke und Lt. Commander Jefferson, bitte melden Sie sich umgehend in meinem Bereitschaftsraum, Wikland Ende.“
Roger tastete auf seinen Kommunikator.
„Hier van Dyke, verstanden. Wir sind auf dem Weg.“
Er legte die Werkzeuge beiseite, die noch in den Taschen seiner Kleidung steckten und trat zur Seite.
„Computer, Portal!“
Ein Teil der Wand in dem die Tür steckte verschwand und machte Platz für den Bogen mit den elektronischen Holodeckkontrollen.
„Computer, Programm van Dyke-F50 speichern und beenden.“
Der kurze Signalton bestätigte die korrekte Verarbeitung der Anweisungen und im selben Moment verschwand die Werkstatt in der die beiden noch eben gestanden hatten und wich dem schwarz-gelben Skalierungsgitter, welches die natürliche Wanddarstellung der Holodecks war.
Sie eilten hinaus zum nächsten Turbolift und gaben ihren Zielwunsch ein. Erst als der belustigte Blick von J.J. die Augen von Roger van Dyke traf, fiel ihm auf, daß er noch immer in den dreckigen Klamotten steckte und rabenschwarze Hände vom Öl und den Schmutzresten des Autos hatte.
„Computer, halte Turbolift auf Deck sieben an.“
Der Lift stoppte und van Dyke verließ die Kabine.
„J.J., sagen Sie dem Captain ich komme sofort nach, ich will mich nur noch schnell reinigen und umziehen.“
Sie nickte kurz und die Tür des Turbolifts schloß sich wieder.Als Roger van Dyke in seiner korrekt sitzenden Uniform den Raum des Captains betrat, waren weniger als fünf Minuten vergangen. Das einzige was noch an seine Tätigkeit im Holodeck erinnerte waren die Abschürfungen an den Knöcheln der rechten Hand. Roger hatte darauf verzichtet, sich in der Krankenstation mit dem Hautregenerator behandeln zu lassen, um nicht noch mehr Zeit zu vergeuden.
„Schön, daß Sie sich auch die Ehre geben Nummer Eins, ich hatte Sie eigentlich schon früher erwartet.“ erklärte der Captain und bedachte ihn mit einem verärgerten Gesichtsausdruck. Roger van Dyke sah hinüber zu J.J., die nur kurz mit der Schulter zuckte.
„Sir, meine Verspätung tut mir leid, aber ich war wirklich unangemessen gekleidet und total verschmutzt. So konnte ich doch nicht auf der Brücke erscheinen.“
Wikland trat hinter seinem Schreibtisch hervor und baute sich vor seinem ersten Offizier auf,
„Das ist mir egal, und wenn sie nackt gewesen wären. Wenn ich Ihnen die Weisung gebe sich umgehend auf der Brücke zu melden, dann erwarte ich, daß Sie meinen Befehl sofort ausführen, ist das klar?“
Roger van Dyke mußte erst einmal kräftig schlucken. So ungehalten hatte er den Captain in der letzten Zeit nicht erlebt,
„Ja Sir, völlig klar. Es wird nicht wieder vorkommen.“
Wikland nickte mit dem Kopf und fügte mit ärgerlicher Stimme hinzu,
“Das will ich auch hoffen, wie soll sich die Crew ein Beispiel an den Führungsoffizieren nehmen, wenn nicht einmal die einen Befehl des Captains ausführen.“
Damit hatte Wikland seinem Ärger zur Genüge Luft gemacht und die Sache war für Ihn erledigt. Er wandte sich dem eigentlichen Grund zu, wegen dem er seine Offiziere zu sich zitiert hatte.
„Ich habe Nachricht erhalten, daß wir die Lakota im Sektor 453 treffen sollen. Voraussichtlich wird sie dort morgen Mittag gegen 15:00 Uhr eintreffen.
Ich möchte, daß unser Schiff bereits da ist wenn die Lakota ankommt. Bitte treffen Sie die nötigen Vorbereitungen. Sagen Sie der Sensorengruppe, sie soll Ihre Berechnungen umgehend einstellen, damit wir sobald als möglich starten können. Wenn es Fragen dazu gibt erklären Sie, daß es sich um eine Anweisung der Flottenadmiralität handelt, die wir vorrangig behandeln müssen.“
Roger van Dyke nickte,
„Selbstverständlich Sir, wir werden rechtzeitig da sein um die LAKOTA zu empfangen. Ich werde alles Nötige veranlassen.“
Wikland schenkte seinen beiden Offizieren einen zufriedenen Blick und begleitete sie bis zur Tür. Während J.J. zur Konsole des Maschinenraums ging um den Start vorzubereiten, ließ sich van Dyke auf dem Platz in der Mitte der Brücke nieder.
„Brücke an Sensorengruppe. Lt. Commander Lock, bitte informieren Sie Ihr Team, daß wir unsere Zelte hier abbrechen. Wir haben einen terminierten Auftrag erhalten, der keinen Aufschub duldet. Sichern Sie ihre Daten und bereiten Sie die Sensorenphalanx auf die üblichen Routineaufgaben vor.“
Van Dyke ging keine Kompromisse ein und ließ keinen Platz für Vermutungen oder Halbwahrheiten. Er war ein offener und in jeder Beziehung gradliniger Mensch. Er bevorzugte es, seinen Kollegen alle notwendigen Informationen zu geben, um Rückfragen und Unzufriedenheit vorzubeugen. Diese Eigenschaft hatte sein Ansehen in der Crew schnell steigen lassen, zumal er außerdem darauf verzichtete, den Vorgesetzten bei jeder Gelegenheit raushängen zu lassen. Im Gegenzug erwartete er von der Crew ehrliche und fachlich fundierte Antworten, sowie Vorschläge zu Alternativen, sofern verschiedene Möglichkeiten offenstanden.
„Lock hier. Commander, wir hatten gehofft unsere Berechnungen noch beenden zu können. Wir sind unseren Abschlußergebnissen schon ziemlich nahegekommen. Uns fehlt nur noch der letzte Schliff. Wenn wir jetzt abbrechen, müssen wir später wieder ganz von vorne beginnen.“ war die leicht näselnde Stimme des Benziten zu vernehmen, die zusätzlich durch das Geräusch seines aktivierten Chlorgasverdunsters unterbrochen wurde. Roger drehte sich zur Chefingenieurin um, „J.J. ?“ fragte er und sah sie prüfend an.
„Ich brauche noch 5 Minuten für die Startsequenz und Lt. Commander Dent benötigt sicher auch noch ein paar Minuten für die Flugberechnungen. Sagen wir maximal eine Viertelstunde.“
Roger drehte sich um und sah die bestätigende Handbewegung von Maxine Dent, die an der Wissenschaftskonsole mit den Berechnungen beschäftigt war.
„O.K. Commander Lock, Sie haben 45 Minuten, aber dann erwarte ich, daß alle Systeme vollständig startklar sind.“ sagte van Dyke. J.J. die sich schon umgedreht hatte beschwichtigte er mit seiner linken Hand.
„Die zusätzliche Zeit holen wir auf, indem wir etwas schneller fliegen. Unser Schiff kann doch noch Warp 9,6 oder ?“ ergänzte er mit einem leicht ironisch-humoristischen Unterton.
Das fragende Gesicht des ersten Offiziers mit dem unschuldigen Hundeblick war Jefferson nicht neu und die Bemerkung war ein eindeutiger Seitenhieb auf das Herumschippern der letzten Tage, in denen man den Warpantrieb auch durch Paddel hätte ersetzten können.
J.J. zog eine Grimasse und schüttelte den Kopf, aber das Lächeln, welches über ihr Gesicht spielte war nicht zu übersehen. Natürlich war es möglich, das war vollkommen klar. Allerdings war es nicht gerade die Standardprozedur, verlorene Zeit durch Geschwindigkeit wettzumachen. Immerhin galten noch immer in weiten Teilen der Galaxie die Beschränkungen der Fluggeschwindigkeit auf Warp 5 zum Schutz vor Anomalien.
Aber anscheinend hatte Roger van Dyke wieder einmal schnell die Route im Gedanken durchflogen und festgestellt, daß keine dieser Beschränkungen ihren Weg behinderte.
„Gut, wenn dann alle zufrieden sind gehen wir an die Arbeit, Brücke Ende!“ sagte Roger und trennte die Verbindung durch einen leichten Druck auf seinen Kommunikator.
Admiral Leyton stand auf der Brücke der LAKOTA und schaute hinüber zur Statusanzeige. In wenigen Minuten würden Sie den Rendevouzpunkt erreichen und unter Warp gehen. Fähnrich Wester meldete sich von der Sensorenstation.
„Admiral, unsere Langstreckensensoren haben ein Schiff erfaßt, welches an den Zielkoordinaten in Warteposition gegangen ist.“ Leyton fuhr herum.
„Was? Das kann unmöglich sein, checken Sie Ihre Anzeige Fähnrich. Das muß ein Irrtum sein. Wir sind zwei Stunden vor der Zeit und Sie wollen mir erzählen, daß die Alexandria bereits auf uns wartet?“
Der Fähnrich war bei dem harschen Ton des Admirals kurz zusammengezuckt, war sich aber keiner Schuld bewußt. Auf seinem Display blinkte die Identifizierung der U.S.S. Alexandria neben der Angabe der Transpondersequenz.
„Aye Sir, unser Schiffscomputer hat eindeutig den Transpondercode der Alexandria identifiziert, Sir.“
Der Admiral machte eine säuerliche Mine. Er hatte gehofft daß Wikland, wie viele andere Mitglieder der Sternenflotte, die sich einer solchen Anhörung unterziehen mußten, zu spät zum Termin erschien und dadurch bereits einen negativen Eindruck hinterließ.
„Öffnen Sie einen Kanal!“ rief er über den Stuhl des Captains hinweg zur Kommunikationsstation.
Er scherte sich einen Dreck darum, daß der Captain hier das Vorrecht der Befehlsgewalt hatte. Er nahm sich einfach die Freiheit, aufgrund seines höheren Ranges die Befehle selbst zu erteilen.
Normalerweise war das ein klarer Verstoß gegen die Flottenvorschriften, denn auch ein Admiral konnte die Befehlsgewalt nur dann ausüben, wenn er den Captain zuvor seiner Verantwortung enthoben hatte, oder dieser Ihm das Weisungsrecht zuerkannt hatte. Aber im vorliegenden Fall saß ohnehin sein Ziehkind Commander Erica Benteen auf dem Captains Stuhl und hatte keine Einwände, daß ihr Gönner eigene Anweisungen gab.
„Aye Sir, Verbindung steht!“ antwortete Lieutenant Sybill Parker von ihrem Platz aus und drehte sich zum Hauptschirm auf dem die Brücke der Alexandria erschien.
Jan Erik Wikland saß entspannt in seinem Stuhl und neben ihm sein erster Offizier Roger van Dyke, sowie Andy Duke der zweite Offizier und Sicherheitschef.
„Ich grüße sie Admiral Leyton, und selbstverständlich auch die Crew der Lakota.
Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug. Hoffentlich haben Sie einen straffen Zeitplan für die Untersuchung angesetzt, wir haben wichtige Aufgaben zu erfüllen, die keinen Aufschub dulden.“ eröffnete Wikland das Gespräch, wohl wissend, daß sich Leyton darüber im Klaren war, daß die Alexandria zur Zeit einen der nutzlosesten Aufträge überhaupt auszuführen hatte.
„Wir werden in weniger als zwei Minuten Ihre Position erreichen Captain. Wenn Sie darauf Wert legen können wir noch heute mit der Anhörung beginnen. Ich hoffe Sie haben sich gut vorbereitet.“antwortete Leyton ganz unverfänglich.
Wikland zog seine Uniform zurecht. Ein etwas schwieriges Unterfangen im Sitzen, aber er wollte Leyton nicht die Genugtuung bieten, wegen ihm aufzustehen.
„Davon können Sie ausgehen Admiral. Ich gehe niemals unvorbereitet in ein Gefecht und ich bevorzuge es immer genau zu wissen, wie meine Chancen stehen, bevor ich eine Entscheidung treffe.“ erwiderte Wikland.
Admiral Leyton hatte ohnehin vorgehabt, Wikland durch einen schnellen Verhandlungsbeginn zu verunsichern und nervös zu machen. Allerdings konnte er mit dieser Idee jetzt keinen Blumentopf mehr gewinnen. Im Gegenteil, nun wurde er selbst unruhig. Wie konnte Wikland nur derartig ausgeglichen und sicher sein, daß er sich so routiniert präsentierte.
Leyton überlegte, ob Captain Wikland irgendwie an die Informationen des Untersuchungsausschusses gekommen sein konnte, die neben den zusammengetragenen Fakten auch die geladenen Zeugen beinhaltete, aber er verwarf diesen Gedanken gleich wieder.
Die Lakota hatte inzwischen die Warpgeschwindigkeit verlassen und steuerte langsam auf die Position der Alexandria zu, die wie ein lauernder Adler in der Tiefe des Alls hing.
„In Ordnung Captain. Wir erwarten Sie und ihr Komitee in einer Stunde in Transporterraum 4. Bis dann.“
Wikland nickte mit dem Kopf und erwiderte die Geste des Admirals mit dem Heben seiner rechten Hand. Dann wurde die Verbindung unterbrochen.Der Besprechungsraum der Lakota war schmucklos und nüchtern eingerichtet. Der halbrunde Tisch, der gegenüber des Eingangs aufgestellt war, bot an seiner runden Seite gerade Platz genug für die fünf Mitglieder der Untersuchungskommission.
Direkt davor befand sich eine Reihe von Stühlen, auf denen Wikland und sein Stab, in den dahinter stehenden Reihen weitere Zuhörer und die Zeugen Platz nehmen konnten.
Das Ganze erinnerte viel mehr an einen Prüfungsraum der Sternenflottenakademie, als an einen Gerichtssaal.
An der Wand hinter dem Tisch strahlte das Föderationssymbol auf einem großen Display, welches in der Regel als Sichtschirm für jedwede Art von Computerdaten diente. Admiral Norah Satie, die Chefermittlerin der Sternenflotte, hatte bereits auf dem Stuhl in der Mitte des Tisches Platz genommen und blätterte in den Unterlagen. Admiral Leyton und Ian Hassard sowie die beiden Commodores Peter Senger und Rachel Wilkens standen am Eingang und unterhielten sich angeregt über die Anekdoten, die am vergangenen Abend zum Besten gegeben worden waren. Eine Geschichte mit scheinbar humoristischen Elementen wurde von Admiral Hassard durch Mimik und Gestik so plastisch dargestellt, daß sich Commodore Wilkens ein spontanes Lachen nicht verkneifen konnte.
Gerade in diesem Moment betrat Jan Erik Wikland gefolgt von Commander Roger van Dyke, Lt. Commander Jadzia Lansu und Lieutenant Sinclair den Raum.
„Schön, daß Sie alle so gute Laune haben. Darf ich mitlachen?“ warf Wikland in die Runde während er zu seinem Platz ging, und unterstrich seine unerwartete Frage mit einem breiten Grinsen.
Schlagartig trat Stille ein und die Mitglieder des Ausschusses traten langsam hinter den Tisch um ihre Plätze einzunehmen. Norah Satie stand auf und eröffnete die Sitzung.
„Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zu diesem Hearing.
Captain Wikland, zunächst möchte ich betonen, daß dies hier eine Anhörung und keine Militärgerichtsverhandlung ist. Ihr Bericht über die Ereignisse bei Sakras 5 sowie die Eintragungen in Ihrem Logbuch haben beim Flottenkommando zunächst viele Fragen und im Anschluß daran herbe Kritik an Ihrer Führungsqualität aufkommen lassen.
Aufgabe dieses Gremiums ist es nun, zu prüfen, ob die Vorgehensweise mit den Statuten der Sternenflotte vereinbar ist oder ob ein Verstoß vorliegt, der nach den Flottenregeln geahndet werden muß.
Die Kommission wird nach Sichtung aller Fakten darüber befinden, ob eine Empfehlung zur Militärgerichtsverhandlung an das Flottenkommando ergeht oder nicht. Ich erkläre die Anhörung hiermit für eröffnet.“
Admiral Satie ließ Ihren Blick über die Anwesenden streifen. Sie hatte damit gerechnet, daß einige Offiziere Interesse an dieser Anhörung hatten, dennoch waren die Sitzreihen nur spärlich besetzt.
„Captain Wikland, Ihre Crewmitglieder können draußen warten, bis Sie gerufen werden. Sie brauchen bei der Verlesung der Verstöße nicht anwesend zu sein.“
Wikland nahm ein wenig Haltung an, soweit ihm das auf seinem Platz möglich war.
„Bei allem nötigen Respekt Admiral, ich habe keine Geheimnisse vor meiner Crew. Im Gegenteil, ich bin ich mir sicher, daß es eine gute Lektion für das weitere Leben und für spätere Entscheidungsfindungen ist, wenn man die Konsequenzen einmal aus unbetroffener Sicht und so direkt miterleben und bewerten kann. Ich bitte Sie daher, meinen Crewmitgliedern die Teilnahme nicht zu verwehren.“
Wikland tauschte einen kurzen Blick mit van Dyke aus und zwinkerte ihm unbemerkt zu.
„Gut, wie Sie wünschen. Die Crewmitglieder der Alexandria können der gesamten Anhörung beiwohnen.“
Admiral Satie gab ein Handzeichen und bedeutete damit allen Anwesenden sich zu setzen.
„Captain...“ fuhr Norah Satie fort,
„...ich möchte Ihnen nicht verheimlichen, daß sich diese Kommission bereits an anderer Stelle über die Vorfälle informiert hat. Zugegebenermaßen sprechen einige Fakten für Sie. Dieses Gremium soll jedoch einzig und allein die Frage klären, ob Sie nach den Regeln der Föderation gehandelt haben. Wir gehen davon aus, daß Sie nichts dagegen haben, wenn die bereits befragten Zeugen an dieser Anhörung teilnehmen.“
Wikland versicherte mit einer kleinen Geste daß er keine Einwände hatte und Admiral Satie bedeutete dem Sicherheitsoffizier an der Tür mit einem leichten Nicken ihres Kopfes, daß die anderen Personen nun eintreten könnten.
Die Tür öffnete sich und eine Delegation von Sakras 5 betrat den Raum. Allen voran ging Nicolai Graves, der Commander der Station Merlin, gefolgt von den sakranianischen Würdenträgern Erek Kanor dem Präsidenten, Holat Samas dem neuen Beisitzer und ehemaligen Rebellenführer sowie Timor Ballat, dem Vizepräsidenten und Simas der Regierungsrätin.
Doch hinter Ihnen folgte eine weitere Person, die Jan Erik Wikland bereits am leichten Gang und dem langen Gewand aus blauem seidigem Stoff erkannte. Es war Avallia Sen, die Kanzlerin der südlichen Hemisphäre, die mit Wikland eine ganz besondere Beziehung verband.
Wikland war freudig überrascht sie wiederzusehen, war sie doch die einzige Frau, zu der er seit dem Tod seiner Ehefrau eine etwas innigere Bindung empfinden konnte. Er war sich nicht ganz sicher, aber diese Leute waren allesamt eher Entlastungszeugen, als daß sie dem Gremium bei der negativen Auslegung seiner Handlungen hätten helfen können.
Nachdem alle einen Platz gefunden hatten und wieder Ruhe eingekehrt war schickte sich Ian Hassard an, die Vorwürfe vorzubringen. Er nahm ein Padd vom Tisch, stand auf und postierte sich am linken Flügel des Tisches.
„Captain Wikland, ich gehe davon aus, daß man Ihnen bislang lediglich gesagt hat, daß Sie sich für Ihr Verhalten verantworten müssen....“
Wikland nickte zustimmend mit dem Kopf, während er entspannt auf seinem Stuhl saß und die Atmosphäre dieses Szenarios in sich aufnahm.
„...lassen Sie mich daher kurz erklären, warum diese Anhörung einberufen wurde. Ihnen wird vorgeworfen, bei Sakras 5 eigenmächtig, ohne Rücksprache mit dem Hauptquartier der Sternenflotte und ohne provoziert worden zu sein, einen Konvoi von.....lassen Sie mich sehen.... ah ja, von 48 Schiffen angegriffen und völlig handlungsunfähig gemacht zu haben.
Dieses Vorgehen verstößt gegen die Hauptdirektive von Starfleet, da Sie mit dieser Handlungsweise unter anderem eine politische Gruppe auf einer Nicht-Föderationswelt unterstützt haben, was eindeutig eine Einmischung in die Angelegenheiten einer fremden Kultur bedeutet. Ersparen Sie mir die Aufzählung Ihrer einzelnen Aktionen.
Fakt ist, daß lediglich zwei Schiffe dieses Massaker flugfähig überstanden haben. Die Anzahl der Toten beläuft sich auf annähernd sechstausendvierhundert Personen.
Des Weiteren haben Sie grob fahrlässig Föderationseigentum, nämlich die U.S.S. Alexandria, einem unberechenbaren Risiko und somit akuter Gefahr ausgesetzt. Es ist mir bis heute schleierhaft, wie Sie gegen 48 Schiffe dennoch so unbeschadet bestehen konnten.“ schloß Ian Hassard seine kurze Übersicht.
Admiral Leyton straffte sich ein wenig auf seinem Stuhl und beugte sich nach vorn.
„Captain, ist es Ihnen bewußt, daß die Sternenflotte einen Antrag auf Reparation für die zerstörten Schiffe erhalten könnte?
Das Flottenkommando wüßte gar nicht, wie es reagieren soll. Die Planeten und Kolonien von Sakras sind nach wie vor keine Mitglieder der Föderation und die Verhandlungen könnten einige schwerwiegende Probleme aufwerfen.“
Wikland, der neben seinem nordischen Temperament auch die typische Abgeklärtheit der Polarkreisvölker im Blut hatte, nahm zunächst einmal mit aller Ruhe die Vorwürfe entgegen, wohl wissend, daß hier einige Admirals liebend gerne seinen Kopf auf einem Tablett nach Hause tragen würden.
Roger van Dyke, der zur Rechten von Wikland Platz genommen hatte, schaute mit einem Lächeln auf die Padds in seiner Hand, die einige wichtige und hoffentlich entlastende Fakten aufzeigen würden. Jadzia und Lt. Sinclair, die bislang noch nicht an einer Anhörung der Flotte teilgenommen hatten, rutschten etwas unruhig auf ihren Plätzen herum, verzichteten aber darauf, sich gegenseitig etwas zuzuflüstern. Lediglich ein reger Augenkontakt und ein unverkennbares Minenspiel in Ihren Gesichtern verriet, daß Sie sich auf die eine oder andere Art und Weise verständigten.
Wikland schaute das Komitee unbefangen an. Ian Hassard hatte inzwischen wieder Platz genommen und auch Admiral Leyton hatte sich wieder zurückgelehnt und eine entspanntere Position in seinem Stuhl eingenommen.
„Ist das alles Gentlemen, oder haben Sie noch weitere Punkte hinzuzufügen?“ fragte Wikland die Komitteemitglieder.
Admiral Norah Satie die Leiterin dieser Kommission schaute auf das vor ihr im Tisch eingelassene Display und drückte die Sensorschaltfläche.
„Nun Captain, hier sind noch 27 weitere Verstöße gegen die Flottenregeln vermerkt, die alle mit Ihren Handlungen zusammenhängen. Für die Sternenflotte ist es einfach nicht nachvollziehbar, warum Sie eine solch harte Vorgehensweise gewählt haben. Die einzelnen Entscheidungen widersprechen allen Verhaltensregeln, die auf der Akademie gelehrt werden.“
Sie blickte von dem Display auf, um Wiklands Reaktion zu sehen, konnte jedoch nur die Entschlossenheit im Blick des Captains erkennen.
Wikland erhob sich von seinem Platz und nahm eines der Padds, welches van Dyke ihm reichte.
„Werte Mitglieder des Komitees, werte Anwesenden. Anscheinend haben im Flottenhauptquartier einige Leute ihre Hausaufgaben nicht gemacht.“
Ein Raunen ging durch den Saal und die Mitglieder der Kommission wechselten verständnislose Blicke. Bevor jedoch jemand etwas sagen konnte, fuhr Wikland fort.
„Wie Sie dem Logbucheintrag bei Sternzeit 45942,5 entnehmen können erhielten wir einen Notruf der Station Merlin. Nachdem wir die Sternenflotte gebeten hatten, unseren aktuellen Auftrag an die U.S.S. Exeter weiterzuleiten und die Genehmigung zum Abflug erhielten, sind wir umgehend zur Station im sakranianischen Raum geflogen. Bei unserer Ankunft stand unsere Station bereits unter Beschuß.
Ich bin sicher Sie alle kennen die Direktive Nummer 5: >> Ein Offizier soll seine gesamte Kraft einsetzen, um die Sicherheit der Vereinten Föderation der Planeten, dessen Mitgliedsplaneten, deren Vertreter und die Raumflotte zu beschützen, außer wenn solche Handlung gegen die Direktiven 1 bis 4 verstoßen. << Ein Hinderungsgrund, der auf die Paragraphen 1 bis 4 zutrifft, war hingegen nicht erkennbar. Das Potential der angreifenden Schiffe war mit aktueller Technik gleichzusetzen, auch wenn es uns durch geschickte Manöver gelungen ist, einige dieser Schiffe zu neutralisieren. Bereits zu diesem Zeitpunkt, zu dem wir nur das Eigentum der Föderation geschützt haben, wurde uns von Seiten der Angreifer mit weiteren Kämpfen gedroht.“
Admiral Leyton fingerte nervös an seinem Display herum und scrollte durch die Föderationsregeln auf und ab.
„Das gibt Ihnen noch lange nicht das Recht einen Privatkrieg anzuzetteln Captain.“ konterte er in rüdem Ton.
Jan Erik Wikland stand wie ein Fels in der rauhen See. Man hatte den Eindruck, nichts könne Ihm etwas anhaben und er würde noch dort stehen, wenn alle Zivilisation auf der Erde längst erloschen war. Dieser Eindruck beunruhigte den Admiral zutiefst. Benötigte er doch ein Opferlamm, welches er den Verantwortlichen der Sternenflotte präsentieren konnte, um auf der Karriereleiter weiter nach oben steigen zu können.
Wikland machte jedoch unbeirrt weiter.
„Unseren Unterlagen können Sie des Weiteren entnehmen, daß die Angreifer eine militante Splittergruppe waren, die gegen die rechtmäßige Regierung opponiert hatten.
Es waren sogar Mitglieder der amtierenden Regierung an Bord der Station Merlin, die durch unser Eingreifen der klaren Vernichtung entgangen sind.
Wie uns der Rebellenführer kurz vor seiner Flucht wissen ließ, galt dieser Angriff nämlich zunächst nicht der Station, sondern den Repräsentanten des Regierungsrates.
Sie können Holat Samas gerne dazu befragen, er sitzt ja hier in der Delegation der Sakranianer.“
Die Mitglieder des Ausschusses wechselten einige Blicke und nickten mehrmals. Offensichtlich deckten sich die Beschreibungen von Wikland mit den Aussagen der bereits vernommenen Zeugen.
Norah Satie ergriff wieder das Wort
„Immerhin haben Sie sich wiederholt über die erste Direktive hinweggesetzt, die eindeutig die Einmischung in die Angelegenheiten anderer Völker untersagt, auch wenn man Sie um ein Eingreifen gebeten hat.
Erek Kanor, Präsident der sakranianischen Kolonien meldete sich zu Wort,
„Wertes Komitee, ich muß hinzufügen, daß wir Captain Wikland bedrängt haben sich für uns einzusetzen, da wir weder die Mittel noch die nötigen ausgebildeten Truppen besaßen, um den Aufständischen Paroli bieten zu können. Captain Wikland hat dieser Bitte jedoch nicht entsprochen, sondern lediglich den Schutz der Station sowie der beiden Außenposten sichergestellt.“
Norah Satie wollte sich die Karten nicht aus der Hand nehmen lassen.
„Das technische Know-how und das Potential unserer Schiffe darf nicht eingesetzt werden, um die Machtstruktur auf einem Planeten zu erhalten oder zu verändern. Das lernt man im ersten Semester an der Akademie Captain.“ bemerkte sie mit einem tadelnden Blick in Richtung des Captains.
Aber an Wikland schien einfach alles abzuprallen. Jedenfalls war seinem Minenspiel nicht die geringste Veränderung zu entnehmen. In aller Ruhe zog er einen spontanen Trumpf aus dem Ärmel.
„Das ist richtig Admiral, aber wenn Sie sich einmal zurückerinnern an Ihre Zeit an der Akademie, wird Ihnen sicher einfallen, daß nach der ersten und obersten Direktive der Sternenflotte noch mindestens weitere 200 wichtige Regeln folgen, die ebenfalls zu beachten sind und deren Wertigkeit sich an den vorgefundenen Situation orientieren muß.
Ich darf ihnen bei dieser Gelegenheit die Leiterin unseres Rescue und Recovery Teams, Lt. Commander Jadzia Lansu und Lieutenant Sinclair vorstellen, die bei den Außenmissionen die Teams und die Missonskameras geführt haben. Sie werden Ihnen die Umstände vor Augen führen, die wir vor Ort vorgefunden haben und miterleben mußten.“
Wikland machte eine kurze Geste und Jadzia und Jeremy Sinclair standen auf. Lieutenant Sinclair brachte einige isolineare Speichermodule an den Tisch des Komitees und steckte sie in den Erweiterungsport des Tischcomputers.
Auf dem Wandschirm wie auch auf den Tischdisplays der einzelnen Ausschußmitglieder flammten die Bilder von Sakras 5 auf, die teilweise von externen Kameras, und teilweise von der mitgeführten Ausrüstung des Außenteams aufgenommen worden waren.
Es begann mit einer ohrenbetäubenden Explosion, die einen großen Gebäudekomplex auf einer Insel total wegriß. Das Jugendheim von Tironis, welches auf dieser Insel inmitten des Flusses untergebracht war, lag in Schutt und Asche.
An mehreren Stellen flammten Feuer auf und es hing eine riesige Rauchwolke über der Stadt. Eine Umblende wechselte von dieser Einstellung auf die Missionskamera des medizinischen Stabes, der die Unglücksstelle aus der bedrückenden Ich-Perspektive zeigte.
Die Gebäude waren völlig zerstört und auf dem Hof, auf dem zum Zeitpunkt der Explosion die Kinder gespielt hatten, waren nur noch zerschmetterte Körper zu sehen, die teilweise in grotesken Positionen am Boden lagen. Viele von ihnen waren von den umherfliegenden Trümmern erschlagen worden. Einige wenige wimmernde Stimmen zeugten von Überlebenden, die vom ärztlichen Team sofort stabilisiert und in die Krankenstation der Alexandria gebeamt wurden.
In den Trümmern der Gebäude war nicht mehr mit Überlebenden zu rechnen. Zu gewaltig war die Detonation, die selbst die achtstöckige Zentrale bis auf die Grundmauern weggefegt hatte. Jadzia stand auf und blätterte auf ihrem Padd zur richtigen Seite.
„Nach zuverlässigen Aussagen der Kulturbehörde lebten zur Zeit des Anschlages 5145 Kinder und Jugendliche sowie 489 Lehrer in diesem Ausbildungszentrum. Von all diesen Personen konnten wir 143 Individuen lebend bergen, 23 davon sind trotz der sofortigen und guten ärztlichen Versorgung an der Schwere ihrer Verletzung verstorben.“
Commodore Senger notierte einige Punkte auf seinem Padd.
„Sie drücken ja gewaltig auf die Tränendrüsen Captain. Meinen Sie wirklich, Sie könnten dieses Komitee damit von der Richtigkeit Ihrer Handlungsweise überzeugen?“
Wikland, der noch immer vor seinem Stuhl stand drehte sich zu Commodore Senger und antwortete
„Ich will hier die Fakten und die Motivation der Rebellen verdeutlichen, damit Sie erkennen, daß in dieser Situation nicht nur die oberste Direktive das Maß aller Dinge sein kann. Dieser Anschlag war ein hinterhältiger Racheakt der Rebellen, der nicht einmal direkt gegen die Regierung gerichtet war, sondern unschuldige Opfer getroffen hat, die Ihr Leben noch vor sich hatten. Aber besser Sie sehen sich die Aufnahmen weiter an, vielleicht verstehen Sie dann was ich meine.“Als nächstes folgten die Aufnahmen der Mondstation, die vom Team der Alexandria besucht worden war, um nach dem Rechten zu sehen. Auch hier bot sich den Zuschauern ein bedrückender und verabscheuungswürdiger Anblick. Die Personen waren auf unterschiedliche Weise getötet worden, vom klingonischen Messer über Wunden, die von Sternenflotten Phasern stammten, bis hin zu den Überresten eines Mannes, auf den man mit einem romulanischen Disruptor gefeuert hatte.
Alle waren, ohne eine Chance auf Verteidigung, einfach abgeschlachtet worden. Die Motivation der Zerstörung und der Verwüstung war nicht zu erkennen, es fehlte kaum ein Einrichtungsgegenstand, aber es war alles zerstört worden.
Die Aufnahmen endeten mit der mißhandelten schwangeren Frau, die in einem der Quartiere auf dem Boden gefunden wurde. Bis heute hatte sich Wikland von diesem Anblick nicht erholt.
Wahrscheinlich deshalb, weil der Vorfall den Umständen sehr ähnlich war, unter denen seine hochschwangere Ehefrau damals zu Tode gekommen war.
Direkt im Anschluß folgten wieder Aufnahmen von Tironis, welche die Ereignisse beim Eskalieren der Terroranschläge aufzeigten. Die Sprengung des Krankenhauses, sowie die Angriffe auf den Regierungspalast.
„Genug, schalten Sie das ab.“ rief Norah Satie, und im selben Moment verblaßten die Bilder auf dem Wandschirm.
„All das wird Ihnen nicht weiterhelfen Captain Wikland. Auch wenn das Verhalten und die Motivation der Rebellen keine klare Linie erkennen läßt, so bleibt es doch Fakt, daß Sie sich über die erste und oberste Direktive von Starfleet hinweggesetzt haben.“
Wikland verlieh seiner Stimme einen autoritären Klang:
„Das sehe ich nicht so, Admiral. Die oberste Direktive sagt ganz klar: >> Die Hauptdirektive verbietet allen Raumschiffen und Angehörigen der Sternenflotte jegliche Einmischung in die normale Entwicklung fremder Kulturen und Gesellschaften. Die Einhaltung dieser Richtlinie steht über dem Schutz von Raumschiffen und Angehörigen der Sternenflotte. Verluste werden toleriert, soweit sie zur Einhaltung dieser Direktive erforderlich sind. Mit Einmischung ist bei einem Planeten, der in seiner Entwicklung zu einer technologischen Zivilisation Fortschritte macht, insbesondere gemeint, Hinweise über den Weltraum, andere Planeten oder Zivilisationen zu geben. << Wie unschwer zu erkennen ist, hat Sakras 5 diesen Entwicklungsstand schon lange überschritten und hat mit seinem aktuellen Regierungssystem eine beeindruckende Form der Harmonie erreicht. Außerdem pflegt die Sternenflotte durch Positionierung der Raumstation und den Austausch kulturellen Wissens bereits einen engen Kontakt, der auch einen Handel mit dem Volk von Sakras 5 beinhaltet.“
Admiral Ian Hassard sprang hinter dem Tisch auf und deutete mit seiner rechten Hand auf Wikland. Wütend rief er
„Das ist eine fadenscheinige Ausrede! Sie wissen ganz genau, daß die oberste Direktive auch die politischen Strukturen und Handlungsweisen mit einschließt. Sie können sich nicht so einfach aus der Verantwortung stehlen, so nicht!“„Meine Herren bitte !...“ rief Norah Satie die Beteiligten zur Ruhe, woraufhin sich Ian Hassard wieder setzte,
„....Wir werden diese Anhörung in aller Ruhe und mit dem gebührenden Niveau führen, wie es sich für Angehörige der Sternenflotte gehört. Lassen Sie uns also weitermachen. Captain Wikland, wieso haben Sie bei der Außenmission den Schildgenerator außer Gefecht setzen lassen?“
Das war einer der wunden Punkte, mit denen Wikland gerechnet hatte. Hier mußte er improvisieren, denn David Robinson, sein ehemaliger erster Offizier, hatte hier eigenmächtig und ohne Anweisung gehandelt. Wikland hatte darauf verzichtet diese Handlungsweise in seinen Berichten zu vermerken. Es wäre sicher noch zusätzlich als Führungsschwäche ausgelegt worden. So hatte er, nach seiner Meinung, immer noch das kleinere Übel gezogen.
„Das läßt sich leicht erklären. Zu diesem Zeitpunkt war klar, daß die Rebellen durch fortschrittliche Technik die Kommunikation unterbanden. Eine weitere, Ihnen sicherlich bekannte, Sternenflottenregel besagt, daß in Krisensituationen ständig eine Kommunikation zwischen Schiffen und Stationen der Sternenflotte sichergestellt sein muß, um das gemeinsame Vorgehen koordinieren zu können. Wir haben daher eine Erkundung der Störanlage vorgenommen. Die dabei gewonnenen Daten ließen erkennen, daß ein Ausschalten der Energieversorgung dieses Problem lösen könnte. Der ausführende Offizier hat daher die Gelegenheit genutzt, diesen Vorteil für uns zu erringen. Bedauerlicherweise wurde er mit seinem Landeteam kurz darauf von den Aufständischen gefangengenommen.“
Admiral Leyton hieb mit der Faust auf den Tisch.
„Genau! Und Sie hatten nichts besseres zu tun, als Ihn und diese beiden Trottel wieder zu befreien!“
Wikland lächelte leicht säuerlich.
„Aber Admiral, wir wollen doch unseren Gästen und Crewmitgliedern ein Vorbild sein. Solche Metaphern scheinen mir ungeeignet die Integrität des Führungsstabes zu wahren.“
Leyton schnaubte kurz, wurde aber durch einen strafenden Blick von Norah Satie zur Räson gebracht. Wiklands Mine verhärtete sich.
„In meiner Crew wird kein Mitglied in einer solchen Situation zurückgelassen, solange es einen Lösungsweg gibt. So wie meine Crew für mich da ist, um alle Aufgaben auf dem Schiff zu erledigen, so bin ich für jedes einzelne Crewmitglied verantwortlich, welches unter mir dient. Sie wissen ganz genau, daß kaum ein Sternenflottencaptain eines seiner Crewmitglieder zurückläßt, Sie vielleicht ausgeschlossen Admiral.“
Dieser Seitenhieb hatte gesessen und Admiral Norah Satie nahm die aufgekommene Unruhe als ein Zeichen um eine Pause einzulegen.„Ich denke, die Gemüter sind inzwischen so erhitzt, wir sollten eine Pause einlegen und uns in einer halben Stunde wieder treffen.“
Damit stand sie auf und ging wortlos zur Tür. Gefolgt von Admiral Leyton, Ian Hassard und den Commodores Senger und Wilkens schlug sie den Weg zur Offiziersmesse ein, um sich eine kleine Kaffeepause zu gönnen.
Wikland stand auf und drehte sich um.
Hinter Ihm stand Avallia Sen und lächelte sanft.
„Hallo Jan Erik, ich habe Sie sehr vermißt.“
Der Captain nahm die Hand, die sie ihm entgegenstreckte und blickte ihr in die Augen. Sie war atemberaubend schön, das fiel Wikland schlagartig wieder auf, als er in ihr feingezeichnetes Gesicht blickte. Ihre langen Haare trug sie offen und es hatte den Anschein, als würden sie wie ein Wasserfall in Kaskaden von Ihrem Haupt über die Schultern bis in die Tiefen hinunterfallen.
„Mir ging es ebenso. Kommen Sie, wir machen einen kleinen Spaziergang im Arboretum.“ erwiderte Wikland. Mit wenigen Schritten verließen sie den Raum und gingen zum Turbolift.
Nachdem Wikland das Ziel genannt hatte schlossen sich die Türen mit einem leisen Zischen und der Lift setzte sich kaum merklich in Bewegung. Schon nach wenigen Sekunden hatten sie das entsprechende Deck erreicht und konnten in den Garten eintreten. Er war bei weitem nicht so schön und liebevoll angelegt, wie der auf der Alexandria, aber es reichte um ein wenig auszuspannen.
„Ich dachte, Sie seien immer noch auf SAKRAS 5 mit der Regierungsumbildung beschäftigt und sorgen dafür, daß wieder Ruhe und Ordnung auf den Straßen der südlichen Hemisphäre herrschen.“ sagte Wikland und Avallia mußte unwillkürlich ächeln.
„Nun ja, eine Delegation der Sternenflotte, die derzeit auf unserem Planeten das Regierungssystem studiert, hat uns recht tatkräftig unterstützt und so war unserem Volk schnell klar, daß nun eine neue und endlich wieder ruhigere Zeit für unsere Kultur angebrochen ist. Es haben sich nur noch wenige Sympathisanten der damaligen extremistischen Rebellen unter der Bevölkerung befunden.“
Wikland räusperte sich,
„Soviel zum Thema Nichteinmischung der Sternenflotte in fremde Kulturen, daß ich nicht lache.“
Avallia drückte seine Hand und schenkte ihm ein herzliches Lächeln. Wikland fühlte wieder dieses wohlige warme Gefühl in sich aufsteigen, das er schon damals bei ihrer ersten Begegnung auf der Alexandria empfunden hatte.
Irgendwie verband ihn etwas ganz besonderes mit dieser Frau. Sie wirkte beruhigend und zugleich anspornend auf ihn und verlieh ihm ein besonderes Gefühl von Geborgenheit.
„Wir haben dem Ausschuß bereits vor einer Woche unsere Aufwartung gemacht...“ begann Avallia
„...man hat uns jede Menge Fragen gestellt, wie Sie vorgegangen sind und welche Optionen Sie bei der Wahl Ihrer Vorgehensweise geprüft haben. Wir konnten dazu nur wenig sagen, haben jedoch Ihren selbstlosen Einsatz und die Hilfe, die Sie unserem Volk zuteil werden ließen, in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht. Ich hoffe das dies kein Fehler war?“ fragte sie besorgt.
Wikland beschwichtigte sie.
„Nein nein, eine gerechte Sache kann man auch nicht durch noch so abwegige Auslegung zu einem Verbrechen machen. Wir haben uns an die Regeln unserer Flotte gehalten und haben der Situation angemessen gehandelt. Die Frage ist nur, welche Regel den Vorrang hat. Und hier ist die Sternenflotte ihren alten Idealen sehr verbunden, wie Sie ja bereits feststellen konnten.“
Der Captain und die Kanzlerin schritten weiter auf dem kleinen Pfad, der durch die Anpflanzungen führte und erzählten von den Erlebnissen der letzten Monate, die, wenn man es rückblickend betrachtete, wie im Flug vergangen waren.
Die halbe Stunde war inzwischen vergangen und man versammelte sich wieder in dem Raum, in dem das Hearing stattfand. Nachdem alle Teilnehmer erneut Platz genommen hatten, eröffnete Norah Satie die Anhörung wieder. „Wir waren an dem Punkt angelangt, an dem Ihre Offiziere gefangengenommen worden waren Captain.
Wie haben Sie die Befreiung Ihrer Crewmitglieder geplant?“
Wikland stand auf und trat einige Schritte vor. Er stand nun nahe vor dem halbrunden Tisch. Seine große Gestalt und der feste Blick seiner blauen Augen strahlten eine natürliche Autorität aus.
„Zunächst möchte ich klarstellen, daß die Rettung der Crewmitglieder zwar eines meiner Ziele war, jedoch nicht unsere Hauptaufgabe. Der Rebellenführer Holat Samas hatte sowohl uns, als auch der Sternenbasis Merlin mit weiteren Angriffen gedroht und uns durch seine Anschläge auf dem Planeten nicht darüber im Unklaren gelassen, daß es seiner Gruppe völlig egal war, wen er zur Durchsetzung seiner Forderungen aus dem Weg räumen mußte.
Die Aufgabe der Lokalisierung unserer Leute hatte ich, wie Sie dem Logbucheintrag entnehmen können, an unsere Chefingenieurin weitergeleitet, die auch einen Weg gefunden hat, unsere Leute ohne Gewalteinsatz zurückzuholen.
Um weitere Vergeltungsmaßnahmen auf dem Planeten auszuschließen, blieb uns somit nur die Möglichkeit, uns dem Ultimatum von Samas zu beugen und das System so schnell wie möglich zu verlassen.
Wir haben jedoch mit Glück und Professionalität herausgefunden, wo sich die Flotte der Rebellen befand, die bereits die Station Merlin angegriffen hatte und es war abzusehen, daß nun weitere Opfer zu erwarten waren, wenn dieser Angriff der Rebellen nicht vereitelt würde. Die Station war bereits durch den ersten Angriff stark beschädigt und geschwächt worden, einen weiteren hätte sie sicher nicht überstanden. Eine Evakuierung kam angesichts des Ultimatums für uns nicht in Betracht.“
Ian Hassard hatte auch die Kaffeepause nicht zur Ruhe gebracht. „Genau, und jetzt sagen Sie bloß nicht, die anderen hätten Sie angegriffen.“
Wikland drehte sich zu Hassard,
„Das habe ich nie behauptet. Wir konnten das Überraschungsmoment unseres Auftauchens nutzen, um einige Schiffe manövrierunfähig zu machen.
Wir hatten jedoch nicht damit gerechnet, daß die Aufständischen bis zum letzten Atemzug kämpfen wollten. Ihr Fanatismus trieb Sie dazu immer neue Angriffswellen zu fliegen, obwohl ihre Schiffe kaum noch handlungsfähig waren. Es blieb uns nichts anderes übrig als die Sakranianer und uns mit dem gebotenen Einsatz von Waffen zu schützen. Ich darf Ihre Aufmerksamkeit an diesem Punkt auf eine weitere Direktive der Sternenflotte lenken, die allseits bekannte Direktive Nummer 3:>> Es ist die Pflicht eines Offiziers, sich mit allen Hilfsmitteln seines Kommandos zu bemühen, um die Leben intelligenter Lebensformen zu beschützen, auch wenn er dabei sich selbst oder sein Schiff in Gefahr bringt. Tätigkeit oder Untätigkeit, die indirekt einer intelligenten Lebensform Schaden zufügt, ist eine gleichwertige Verletzung wie der Verstoß gegen die Direktiven 2 bis 12.<<
Ich glaube dem ist nichts hinzuzufügen.“ ergänzte Wikland seinen Vortrag und wartete auf die Reaktionen.
Admiral Leyton lehnte sich auf den Tisch und hob eines der Padds auf, das vor ihm lag.
„Commander van Dyke, ist es Ihnen nie in den Sinn gekommen, daß Ihr Captain bei der ‘Verteidigung’ der Alexandria und der Station Merlin womöglich ein wenig zu weit gegangen ist und daß Sie ihn eventuell seines Kommandos hätten entheben müssen?“
Van Dyke stand auf und trat zwei Schritte in Richtung Tisch vor, „Nein Admiral, der Captain wußte stets genau was zu tun war. Wie Sie gerade gehört haben, ging es nicht nur um das Wohl unseres Schiffes, sondern auch darum, weitere Massaker unter der Bevölkerung zu vermeiden und die Bestatzung der Station MERLIN zu unterstützen. Nachdem sich die Gegner nicht ergeben wollten, bat Captain Wikland mich weitere Taktiken zu prüfen, um diesem Kampf ein schnelles Ende zu setzen.“
Ian Hassard nickte wissend,
„Dabei hatte er sicher an einen wirkungsvollen Einsatz der neuen Technologie gedacht, die auf Ihrem Schiff getestet werden nicht wahr?“ Roger van Dyke schüttelte den Kopf.
„Nein Sir, dem Captain ging es darum eine möglichst unblutige und schnelle Lösung herbeizuführen. Im Laufe der Auswertung der von uns gesammelten Informationen stellte sich heraus, daß es den Sternenflotten Offizieren der Mondstation gelungen war, die getarnte Basis der Rebellen auf Sakras 5 aufzuspüren. Ein Wissen, das diese Crew mit dem Leben bezahlt hat, wie uns allen bekannt ist.“
Admiral Leyton knallte das Padd auf den Tisch. Seine Verärgerung war ihm deutlich anzusehen.
„Dennoch war es letztlich Ihre Taktik, die diese Widerstandsgruppe zur Aufgabe gezwungen hat. Das hätte auch Ihrem Captain einfallen können, verdammt noch mal. Er legt die Taktik fest und er entscheidet über die Vorgehensweise.“
Die Stimme von Leyton war so laut, daß sie sich fast überschlug, aber van Dyke hielt ruhig dagegen. „Das mag sein Admiral, aber zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung waren diese Optionen noch nicht bekannt. Erst ein wiederholtes Studium der Daten und eine kräftige Portion Glück haben uns diesen Weg ermöglicht. Außerdem möchte ich hinzufügen, daß es der üblichen Vorgehensweise der Sternenflotte entspricht, daß sich ein Captain von seinen Führungsoffizieren Vorschläge zu Problemlösungen unterbreiten läßt.“
Leyton machte den Eindruck als wolle er über den Tisch springen und schrie,
„Das tut überhaupt nichts zur Sache! Ein Captain der Sternenflotte beginnt keinen Krieg aus eigener Entscheidung und sei es nur, um einen seiner Männer aus einer unbequemen Situation zu befreien! Er hat sich über die Regeln hinweggesetzt und dafür muß er sich nun verantworten!“
„Meine Herren bitte....“ mahnte Norah Satie wiederholt zur Ordnung,
„...wir wollen nun zu einem Ergebnis kommen. Captain Wikland, bislang konnten wir Ihren Ausführungen noch keinen ausreichenden Grund entnehmen, warum Sie sich über die oberste Direktive hinweggesetzt haben. Haben Sie noch weitere Informationen hinzuzufügen?“
Wikland, der noch immer vor dem Tisch der Ausschußmitglieder stand, machte eine ausladende Geste,
„Admiral, ich habe Ihnen alle Unterlagen zukommen lassen. Die Entscheidungsgründe konnten Sie meinem Bericht entnehmen und die vorgetragenen Fakten können sicher von den Mitgliedern der sakranianischen Delegation bestätigt werden. Weitere Erklärungen sind aus meiner Sicht nicht erforderlich. Wenn das nicht ausreicht um Ihnen ein klares Bild zu vermitteln, nach dem Sie entscheiden können, dann tut es mir leid. Zudem sehe ich nach wie vor keine Verletzung der obersten Direktive. Vielleicht sollte dieses Gremium die Frage über Schuld oder Unschuld einmal aus einer anderen Perspektive betrachten.“
Die Ermittlerin blickte ihre Kollegen des Gremiums an, die alle mit einem leichten Kopfschütteln antworteten. Lediglich Commodore Wilkens, die ihren Rang im langen Einsatz auf Raumschiffen erworben hatte, zeigte eine positive Meinung.
„Nun Captain, die Mehrheit dieses Ausschusses ist nicht von Ihren Argumenten überzeugt. Selbst wenn man Ihnen die Wiederherstellung der Regierungsgewalt und somit die Stabilisierung von Sakras 5 zugute halten kann, so bleibt doch nach unserer Bewertung immer noch die eindeutige Verletzung der Hauptdirektive, und wir sehen uns dazu veranlaßt, die Entscheidung über Ihr Verhalten von einem Militärgericht treffen zu lassen.“ erklärte Admiral Satie abschließend.
In Wiklands Gesicht war keine Regung zu erkennen. Norah Satie wollte gerade die offizielle Anhörung beenden, als sich aus dem Raum die Stimme einer jungen Frau erhob
„Ich habe eine Frage.“ sagte Avallia Sen und stand auf.
„Aber selbstverständlich Regierungsrätin, bitte treten sie vor.“ erwiderte Admiral Satie, die sich mit dem Abschluß der Anhörung auch noch einen Moment gedulden konnte, da Ihre Entscheidung ja ohnehin feststand. Avallia trat vor und kam neben Captain Wikland zum Stehen, der vor dem halbrunden Tisch stand.
„Sie bestehen immer wieder auf der Einhaltung der obersten Direktive. Immer wieder zitieren Sie diese oberste Regel, die für Sie einen so hohen Stellenwert zu haben scheint.“
Norah Satie war sich bewußt, daß sie mit einem künftigen Mitglied der Föderation sprach und wählte ihre Worte dementsprechend sorgfältig.
„Nun Regierungsrätin, diese Regel soll andere Kulturen in ihrer normalen Entwicklung vor Einmischungen durch die hochentwickelten Welten der Föderation schützen.“
Avallia reagierte ungewohnt lebhaft,
„Das weiß ich selbst, uns liegen Ihre Statuten bereits vor, da wir den Beitritt zur Föderation beantragt haben. Was ich von Ihnen wissen will ist nur eines:
Wie viele andere Regeln darf ich brechen, um die oberste Direktive einzuhalten, eine? zwei? fünf? oder gar zwanzig?
Wollen Sie mir wirklich glaubhaft machen, Ihre schöne Föderation würde Notleidenden humanitäre Hilfe, Notrettung bei Schiffbruch, technische Hilfe bei planetaren Verseuchungen verweigern, nur um die oberste Direktive zu schützen? Ist es Ihr Standpunkt, daß die Föderation auf einem Planeten, auf dem eine Rasse in friedlichem Einvernehmen lebt und nur von einer Minderheit terrorisert wird eine Vielzahl an Opfern in der zivilen und friedlichen Bevölkerung in Kauf nimmt, nur um der obersten Direktive Willen?
Wenn das so ist, dann können Sie Ihre Technologie behalten und Ihre Station aus unserem Sektor wieder abziehen, eine solche Partnerschaft brauchen wir nämlich nicht.
Was dieser Mann gemacht hat...“ damit deutete sie auf Wikland „...ist das was man von einer hochentwickelten Kultur erwartet. Hilfestellung bei Problemen und anschließende Schadensbegrenzung. Unser Planet ist ohnehin weit entwickelt und ich glaube kaum, daß diese Direktive überhaupt anwendbar ist.
Captain Wikland hat das, in der vorgefundenen Situation, Beste getan um weitere Menschenleben zu schützen und die Regierungsform zu stabilisieren. Und wie Sie sehen, haben beide Seiten bekommen was sie wollten. Die Regierung den Frieden und die Opportunisten das Mitspracherecht. Was also wollen Sie diesem Mann vorwerfen?
Daß er situativ gehandelt hat und nicht nach dem Lehrbuch? Ich glaube kaum, daß Sie Ihr Lehrbuch in dieser Situation überhaupt weitergebracht hätte.“
Norah Satie war wie vor den Kopf geschlagen. In den Vorgesprächen hatte sie Avallia Sen immer als integere Person kennengelernt, die den Sachverhalt zurückhaltend und ohne Ausschweifungen geschildert hatte. Dieses flammende Plädoyer für den Captain hatte sie jedoch nicht erwartet. Sie war völlig sprachlos und auch die anderen Mitglieder des Komitees schauten sich verständnislos an.
Avallia setzte nach,
„Nun Admiral, wie viel Regeln darf ich brechen? Sagen Sie es mir, los doch, keine falsche Bescheidenheit.“
Admiral Satie schüttelte langsam den Kopf.
„Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Aus dieser Sicht hatte ich die Sache noch nie betrachtet.“ gestand die Ermittlerin und machte eine bestürzte Mine.
„Aber ich danke Ihnen für Ihren Beitrag Kanzlerin. Wir schließen die Anhörung, unsere Entscheidung werden wir Ihnen später mitteilen. Ich danke Ihnen meine Damen und Herren.“ verkündete Norah Satie und legte die Padds mit den Informationen zu einem Stapel vor sich zusammen.
Damit verließen die Mitglieder des Komitees den Raum und nur die Crew der Alexandria und die Mitglieder der sakranianischen Regierung blieben zurück. Avallia Sen blickte zu Wikland auf und lächelte,
„Sie wird sich Ihre Antwort gründlich überlegen, denn dieser Argumentation wird sie sich schwer entziehen können, oder sie muß damit rechnen, daß ich vor dem Militärgericht auftauche und dieselbe Frage stelle.“
Der Captain der ebenso verblüfft war wie die Mitglieder der Kommission nickte kurz mit dem Kopf und damit verließen sie den Raum um auf die Alexandria zurückzukehren.Admiral Leyton und Ian Hassard eilten der Chefermittlerin der Sternenflotte hinterher. Mit schnellen Schritten überbrückte sie die kurze Entfernung zwischen dem Turbolift und der Kommunikationsstation auf der Brücke der Lakota.
„Das können Sie nicht tun Admiral. Das werden wir nicht zulassen! Ich werde mich beim Oberkommando der Sternenflotte über Ihre Entscheidung beschweren...“ rief Admiral Leyton hinter ihr her.
Norah Satie drehte sich abrupt um und Ihr Gesicht zeigte einen harten und entschlossenen Ausdruck.
„So, meinen Sie? Sie wollen also weiterhin an dem Militärgerichtsprozeß festhalten?
Wissen Sie eigentlich was Wikland jetzt tun wird?
Ich kann Ihnen das genau sagen. Er wird jede Sternenflottenregel zitieren, die mit humanitärer Hilfe oder den Notrettungsmaßnahmen zusammenhängt und glauben Sie mir, das sind nicht wenige. Er wird es so aussehen lassen, daß wir die oberste Direktive über all diese Regeln gehängt haben und uns einen Dreck um Verletzte und Bedürftige kümmern. Die Regierungsrätin Avallia Sen, die zugegebenermaßen ein ganz besonderes Band mit Wikland zu verbinden scheint, wird erneut ein flammendes Plädoyer halten und es möglicherweise noch intensiver ausschmücken.
Und nun raten Sie einmal was die Föderation in einer solchen Zwickmühle machen wird. Sie wird uns die Schuld zuschieben für die daraus entstehende negative Publicity und Wikland steigt ungewollt noch weiter in den Himmel der Helden.
Nein Admiral Leyton, weder Sie noch Ihr Freund Hassard können mich umstimmen. Von mir aus beschweren Sie sich beim Kommando der Sternenflotte, aber ich werde Captain Wikland jetzt darüber informieren, daß diese Sache hier und heute beendet wurde und keine weiteren Schritte unternommen werden.
Ich möchte nicht noch einmal den Sündenbock spielen müssen, wie nach dem Verfahren gegen Jean Luc Picard. Das ist alles und jetzt entschuldigen Sie mich, ich möchte das schnell hinter mich bringen.“
Damit drehte sie sich zur Kommunikationskonsole und wies den diensthabenden Offizier an eine Verbindung zur Alexandria herzustellen.
Es dauerte einige Sekunden, aber dann erschien das Quartier des Captains auf dem Hauptschirm. Wikland saß in seinem Stuhl hinter dem großen Schreibtisch und blickte auf das Display.
„Captain Wikland, hier ist Admiral Norah Satie. Ich möchte Sie darüber informieren, daß ich entschieden habe, den Vorgang hier und heute zu beenden. Ich werde dem Oberkommando empfehlen, keine weiteren Schritte zu unternehmen. Sie können davon ausgehen, daß diese Angelegenheit nicht weiter verfolgt wird.“
Wikland beugte sich leicht nach vorne, sein blondes Haar wurde von der Deckenlampe deutlicher erfaßt und leuchtete richtig auf.
„Ich weiß das sehr zu schätzen Admiral.“ antwortete er und zeigte ein erleichtertes Lächeln.
„Oh, danken Sie nicht mir. Danken Sie der Vertreterin von Sakras 5. Sie hat mir klargemacht, daß die oberste Direktive nicht immer den ersten Platz einnehmen kann. Nun, da Sie rehabilitiert sind, können Sie auch damit rechnen, daß Ihnen wieder eine angemessene Mission zugeteilt wird. Die Vermessungsarbeiten hat ohnehin die U.S.S. Darlington übernommen.
Admiral Leyton und Admiral Hassard berichten gerade an die Sternenflotte und Sie werden spätestens morgen früh Ihren neuen Auftrag erhalten. Viel Glück! Lakota Ende.“
Wikland blickte über seinen Schreibtisch und sah in Avallia Sen’s glänzende Augen,
„Ich freue mich, daß diese Last endlich von Ihnen genommen ist.“ sagte sie mit ihrer weichen Stimme und beugte sich ein wenig über den Tisch, wobei sie sich mit den Händen auf der Tischkante abstützte.
„Was meinen Sie, ehrenwerter Captain dieses stolzen Schiffes. Das sollten wir doch gebührend feiern, oder etwa nicht?“ fügte sie an und lächelte dabei spitzbübisch.
Dabei war ein Ausdruck in Ihrem Gesicht, der Wikland bislang noch gar nicht an ihr aufgefallen war. Sie sprühte geradezu vor Unternehmungslust und Ihr sonst so gut verborgenes Temperament brach ungeduldig hervor. Sie kam um den Tisch herum, packte Wiklands rechte Hand und zog ihn von seinem Sessel hoch.
„Sie wollten mir schon lange mal Ihre Heimat zeigen Captain. Sie haben so viel davon erzählt, daß ich es kaum erwarten kann hinzukommen. Können Sie das mit Ihrer Technik, wie heißt dieses Ding doch gleich wieder.... ah ja, mit diesem Holodeck generieren ?“
Wikland, der inzwischen schon fast an der Türe von seinem Quartier stand konnte nicht anders, als diesem zauberhaften Wesen beizupflichten.
„Ja, ich glaube Sie haben recht. Wir haben ein wenig Entspannung verdient, und in Anbetracht der Tatsache, daß Sie an dem Ergebnis maßgeblich beteiligt waren, spendiere ich eine Floßfahrt auf dem großen Fluß, an dem unser Anwesen liegt. Außerdem haben Sie ja gehört was der Admiral gesagt hat. Ich soll mich bei Ihnen bedanken.“ fügte Wikland mit einem breiten Lächeln hinzu.
Mit wenigen Schritten hatten Sie das Quartier verlassen und waren zum Eingang von Holodeck 5 geeilt.
„Computer, generiere Programm Wikland 001-A, aktuelle Zeit Sommersonnenwende, Uhrzeit: drei Uhr Nachmittags.“ einige Signaltöne erklangen aus der Wandkonsole und der Computer meldete kurz darauf.
„Programm vollständig, Sie können eintreten.“ Die große Tür zum Holodeck öffnete sich und gab den atemberaubenden Blick auf die Landschaft Schwedens preis, das im hellen Licht der Junisonne erstrahlte. Sie traten ein und hinter Ihnen blieb die reale Welt mit all Ihren Freuden und Problemen, wie auch mit Loyalität und Verrat zurück.
