Kapitel 38

Andy Duke kam mit dem Untersuchungsergebnis der Kommunikationsanlagen auf die Brücke zurück. Mehr als drei Stunden hatte die ganze Aktion in Anspruch genommen. Schließlich galt es sechsunddreißig Shuttles und vier Runabouts zu überprüfen und dazu noch die Einrichtungen in vierundzwanzig Labors und drei Privatquartieren zu untersuchen.
Zufrieden blickte der Captain auf die aufgelisteten Daten. Es waren auch hier keine Unregelmäßigkeiten feststellbar. Auch wenn Wikland darüber erfreut war, ärgerte es ihn, daß gerade der Klingone den entscheidenden Hinweis gegeben hatte, diese Einrichtungen zu prüfen.
Es hätte ja genausogut zutreffen können. Allerdings hatte Wikland nach seinem Gespräch mit Imasov nun einen deutlich besseren Kenntnisstand. Der Captain erhob sich aus seinem Kommandostuhl und blickte zu Carah Pehl, die an der Kommunikationskonsole saß.
„Lieutenant, stellen Sie eine Verbindung zu Starbase 491 her. Ich möchte mit Admiral Theo Parker vom technischen Stab sprechen. Verwenden Sie einen Kanal der Ferengi Handelsflotte und deaktivieren Sie unseren Transpondercode!“

Carah nickte und betätigte die Sensorflächen auf ihrer Konsole. Wikland war inzwischen an ihrem Platz vorbeigekommen und deutete mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand auf die Türe zu seinem Bereitschaftsraum um der Bajoranerin zu signalisieren, daß er das Gespräch gerne dort führen würde.
Carah nickte. Der Captain war kurz darauf hinter den sich schließenden Türen verschwunden. Als Wikland hinter seinem Schreibtisch Platz genommen hatte, tauchte auch schon das freundliche Gesicht von Admiral Parker im Display des Tischmonitors auf.
„Captain Wikland, mein Gott was ist denn los, die Sternenflotte ist in heller Aufregung wegen Ihnen. Man vermutete schon Sie seien von Piraten gekapert worden. So zumindest die inoffiziellen Vermutungen von Leuten, die Ihnen nahestehen und sich Sorgen machen.“ erklärte Parker, der wie fast immer, wenn er die Zeit und Ruhe dazu fand, an einer Pfeife zog und genüßlich den Rauch in sein Büro blies. Es gab ihm etwas gemütliches und verlieh ihm eine sympathische Note.
Wikland blickte den Admiral ernst an.
„Ich möchte das diese Unterhaltung unter uns bleibt Admiral, deshalb habe ich Sie auch auf dieser inoffiziellen Frequenz kontaktiert. Die Sorgen die man sich macht, sind leider nur allzu berechtigt. Ich kann jetzt noch nicht mehr erklären, denn zunächst benötige ich dazu ein paar Informationen.“
Theo Parker setzte seine Pfeife ab und beugte sich vor.
„Was brauchen Sie Captain?“
Wikland rang nach den richtigen Worten.
„Nun, ich würde gerne einen Blick in die Daten der Lakota werfen, speziell in die ihrer letzten Mission. Ist eigentlich der Stab noch an Bord der Lakota, der meine Untersuchung führte?“ warf Wikland eine zusätzliche Frage ein.
Parker dachte kurz nach. „Ja, soweit ich weiß, will die Lakota morgen wieder aufbrechen um die Admirals zur Erde zurückzubringen.“ Wikland überlegte kurz,
„Dann möchte ich Sie noch um einen kleinen Gefallen bitten...“
Admiral Parker lächelte. Wie konnte er diesem Mann einen Gefallen abschlagen, der ihm erst kürzlich seine Chefingenieurin für eine besondere Aufgabe freigestellt hatte.
Es war zwar nicht gerade eine einfache Sache, die Missionsdaten der Lakota zu erhalten aber als Admiral des technischen Stabes der Sternenbasis hatte er weitreichende Befugnisse. Und nicht zuletzt hatte die Lakota an der Sternenbasis angedockt und somit unterlag sie in gewisser Weise auch seinen Weisungen.
„Ich möchte, daß Sie ein Technikerteam auf die Lakota schicken und die Hauptplatine der Kommunikationskonsole austauschen. Lassen Sie es wie eine Routinewartung aussehen. In der Platine steckt eine kleine Speicherkarte, die der Konsole zu Kalibrierungszwecken dient, mir aber auch andere wertvolle Dienste erweisen wird. Ich benötige den Inhalt dieser Speicherkarte und zwar so schnell als irgend möglich. Zudem die Schiffskonfiguration mit der Quartierbelegung. Fragen Sie bitte nicht warum ich das alles brauche. Ich kann Ihnen nur soviel sagen, es ist immens wichtig. Nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen Schiffe der Sternenflotte.“
Admiral Parker staunte nicht schlecht.
„Aber der Hauptcomputer darf schon noch an Bord der Lakota bleiben oder?“ flachste er, was Wikland ein schmales Lächeln abrang, welches aber sofort wieder verflog.
„Behalten Sie die Speicherkarte bei sich Admiral, sie kann unter Umständen noch eine wichtige Rolle spielen.“ mahnte Wikland. Admiral Parker hatte sofort bemerkt, daß es dem Captain sehr ernst war, und daß er sich mit dieser Bitte sehr weit auf dünnes Eis begab. Was immer Wikland vorhatte, es war eine heiße Sache. Admiral Parker nickte.
„Geben Sie mir ein paar Stunden Zeit. Ich werde gleich ein Team losschicken. Sie bekommen Ihre Daten. Ich schicke Sie ihnen über die gleiche Frequenz.“
Wikland atmete auf. „Danke Admiral. Ich weiß das zu schätzen. Ach ja, diese Unterhaltung hat vorerst nicht stattgefunden. Sie haben nichts von mir und der Alexandria gehört. Das ist wichtig!“ erwiderte Wikland.
„Geht in Ordnung Captain...“ sagte Theo Parker mit einem Stirnrunzeln.
„...Sternenbasis 491, Ende.“

Das Bild des Admirals wich dem Logo der Sternenflotte. Wikland ließ sich in seinen Sessel zurücksinken, zog seine Uniformjacke nach unten und dachte über die vergangenen Tage nach. Er nahm ein Padd zur Hand, notierte alles was ihm aufgefallen war und übertrug die Daten und Ergebnisse die er und seine Crew im Laufe der Mission zusammengetragen hatten.
Fehlende Verbindungen füllte er mit Computerangaben und Sensorergebnissen, die das Bild abrundeten. Zum Schluß fügte er noch die Informationen an, die er Imasov entlockt hatte. Es war eine Ansammlung von Informationen aber es war zugegebenermaßen noch nicht einmal ein Indiz dafür, daß die Aktionen der Piraten von irgendjemandem aus der Sternenflotte unterstützt wurden.
Geschweige denn ein Beweis, der ausreichen würde, um einen Admiral hinter Schloß und Riegel zu bringen. Dann kam ihm die Idee, noch einmal in den Daten der Sternenflotte nach Schiffen zu suchen, deren derzeitiger Verbleib unbekannt war oder die als zerstört galten.
Diese Idee erwies sich als besonders ergiebig. Wikland sortierte die Eintragungen weiter, brachte sie in eine chronologische Abfolge und markierte wichtige Punkte, die er mit einer Stichwortangabe versah, so daß sich letztlich eine umfassende Liste ergab. Der Captain tastete nach seinem Kommunikator. „Nummer Eins, kommen Sie in meinen Raum.“
Wenige Sekunden später öffnete sich die Tür und Roger van Dyke trat ein.
„Captain?“ Wikland wies auf das Sofa.
„Nehmen Sie Platz. Lassen Sie uns ein wenig darüber nachdenken, wie wir die Verräter zu fassen bekommen können, die in der Sternenflotte sitzen und diese einträglichen Geschäfte machen.“
Roger setzte sich auf das Sofa und blickte Wikland erwartungsvoll an. Der Captain kam herüber, beugte sich über den Tisch und goß aus der bereitgestellten Karaffe Fruchtsaft in zwei Gläser. Eines reichte er van Dyke.

„Nehmen wir einmal an, einige hochrangige Admirale der Sternenflotte verbünden sich mit einem windigen Händler, der einen Bedarf an modernster Technik zu decken hat.
Das gelegentliche Verschwinden von Bauteilen aus Schiffen die zum Schrottplatz gebracht werden, fällt keinem auf und hinterläßt keine Spuren. Nur selten prüft jemand, ob da noch alles am rechten Platz ist.
Aber dann wird die Nachfrage größer und die Ansprüche höher. Das Neueste soll es sein und möglichst gleich einsetzbar. Also entschließt man sich, ganze Schiffe verschwinden zu lassen. Sie werden in einem Raumsektor abgefangen, der abgelegen genug ist, um jedweder Kontrolle zu entgehen. Die Untersuchungsberichte über das Verschwinden werden gefälscht und auf unerklärbare Phänomene oder Fehler der Crew geschoben.“
Roger van Dyke hörte gespannt zu.
„Nehmen wir weiter an, daß jemand all diese Indizien zu einem Bild zusammensetzt und sich nun einen Reim darauf machen kann, was da wirklich vor sich geht. Wie wären nach Ihrem Ermessen die Chancen daß man den Bösewichten das Handwerk legen könnte?“
Roger nahm einen großen Schluck von dem Fruchtsaft, stellte das Glas wieder auf den Tisch und ließ sich in die Lehne des Sofas sinken. Sein Blick fiel auf die deaktivierten Padds, die auf dem Tisch lagen.

„Also gut, Klartext Captain. Lassen wir die hypothetischen Spielchen. Sie haben alle Informationen in dieser Sache zusammengetragen, wissen daß einer oder gar mehrere Admirale in der Flotte gemeinsame Sache mit den Cardassianern und ihren Handlangern machen.
Sie sind sich ziemlich sicher, daß eine dieser Personen an Bord der Lakota zu finden ist. Selbst wenn Sie noch so schöne Indizien haben, wird man Ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen, bevor Sie auch nur das Büro der Inneren Sicherheit betreten haben.
Ganz gleich, ob Sie nun dort ihre Laufbahn begonnen haben und viele der dort beschäftigten Offiziere ihre Freunde nennen, oder nicht. Zu genau wird man sich erinnern, daß Sie erst vor kurzem vor einer Kommission standen und sich für Ihr eigenes Handeln verantworten mußten.
Sie könnten jeden Namen nennen, jedes Indiz Stück für Stück präsentieren, nichts würde helfen. Und über kurz oder lang würden Sie, ihre Crew und dieses stolze Schiff das Schicksal erleiden, welchem wir gerade erst mit Mühe entgangen sind.“
Wikland lächelte knapp.
„Sie analysieren sehr schnell und präzise Nummer Eins. Ja, zu diesem Schluß bin auch ich gekommen. Was uns fehlt, ist nicht nur noch ein weiterer handfester und unumstößlicher Beweis, nein, auch die Hintermänner müßten aufgedeckt werden, denn sonst wäre all das nichts wert.“

Wikland trank sein Glas leer und blickte ernst auf das Padd, welches auf dem Tisch lag und alle Informationen enthielt.
„Captain, wir haben eine Datenübermittlung von Sternenbasis 491 auf dem gleichen Kanal erhalten, den Sie vorhin verwendet haben.“ meldete sich Carah Pehl von der Brücke. Wiklands Gesichtszüge hellten sich etwas auf.
„Übertragen Sie die Daten in meinen Raum.“ wies er die Bajoranerin an. „Kommen Sie Nummer Eins, wir wollen sehen, ob ich mit meiner Theorie richtig liege.“
Gemeinsam gingen sie zu dem Wanddisplay und Wikland rief über die kleine Sensorschalttafel die Daten ab. Zunächst den Inhalt des Speicherchips aus der Kommunikationskonsole der U.S.S. Lakota.
„Computer projiziere die mit den Kommunikationsdaten gespeicherten Kursdaten, und zeige Sternzeit und Übertragungsprotokolle an. Grenze den Zeitraum auf die letzten beiden Wochen ein.“
Ein kurzer Verarbeitungston erklang und dann erschienen mehrere Sektoren, durch die eine Linie verlief und alle Punkte an denen eine Kommunikation auftrat, waren entsprechend markiert. Wikland deutete auf den Schirm
„Sehen Sie hier Nummer Eins. Da haben wir ihn. Es war tatsächlich jemand an Bord der Lakota. Diese beiden Transmissionen wurden auf der selben Frequenz und mit dem gleichen Protokoll durchgeführt, die ich von Imasov erfahren habe.
Er sagte er habe mit einem Admiral gesprochen. Nun, so viele Admirals waren nicht an Bord der Lakota. Das ist nämlich der Tag, an dem meine Anhörung war. Carter Wellington sagte mir damals, daß die Entscheidung über unsere neue Mission von dem Komitee getroffen werde. Dieser Mistkerl hat uns für diese Mission absichtlich ausgesucht und uns dabei in die Höhle des Löwen geschickt, um uns loszuwerden. Das wird ihm noch leid tun.“
Roger van Dyke blickte fassungslos auf die Daten, die der Computer auf dem Display darstellte. Der Captain hatte tatsächlich Recht behalten.
„Stellen Sie fest welches Terminal das war Nummer Eins. Ich will wissen wer es ist!“
Sofort verknüpfte Roger van Dyke die Daten aus der Darstellung mit der Schiffskonfiguration der Lakota.
„Hier, das Gespräch kam von diesem Terminal. Das Quartier war für diese Reise zugewiesen an....Admiral Ian Hassard. Er war ein Mitglied der Kommission. Oh mein Gott.“

Wiklands Wut steigerte sich ins Unermeßliche. Nur allzu deutlich hatte er noch in Erinnerung, wie Admiral Hassard und Admiral Leyton versucht hatten, ihn in die Enge zu treiben. Schnell tippte Wikland eine Befehlsfolge in den Computer. Eine Personalakte erschien auf dem Schirm. Admiral Ian Hassard, Vorsitzender des Handelsausschußes für der Föderation nicht angeschlossene Welten.
Mitglied in verschiedenen Gremien, unter anderem dem Untersuchungsausschuß für Prüfung der Integrität von Sternenflottenpersonal. Die Akte las sich wie ein Märchen. Eine Bilderbuchkarriere, nur positive Einträge. Der Admiral hatte eine weiße Weste.
Eine etwas zu weiße Weste wie Wikland feststellte. Man wurde nicht Admiral, in dem man still in einer Ecke saß und auf seine Beförderung wartete. Es gab keinen Commander, keinen Captain oder Commodore, der nicht im Laufe seiner Laufbahn durch umstrittene Entscheidungen auf sich aufmerksam machte.
Admiral wurde man nicht durch Aussitzen, sondern durch Leistung. Aber genau solche Eintragungen fehlten in dieser Akte gänzlich.
Wikland deutete mit dem Finger auf den Schirm
„Das ist unser Mann, Nummer Eins. Die Akte ist entweder nicht vollständig oder wahrscheinlich viel eher noch, sauber überarbeitet worden.“
Roger van Dyke versuchte die zielgerichtete Wut des Captains etwas zu relativieren.
„Die Übertragung kam aus seinem Quartier Captain, aber das heißt nicht, daß er es auch war.“ gab er zu bedenken.
„Ach was Nummer Eins. Keiner spaziert auf einem Schiff der Sternenflotte so einfach in dem Quartier eines Admirals herum. Eine solche Verletzung der Privatsphäre wäre der Todesstoß für jedwede Karriere. Das hat der Admiral selbst erledigt.“

Dem hatte auch Roger van Dyke nichts mehr entgegenzusetzen.
„Dennoch sollten Sie vorsichtig sein. Ein direkter Angriff könnte leicht ins Gegenteil umschlagen, insbesondere da er Mitglied der Kommission war, die Ihre Vorgehensweise begutachten sollte. Ihre Vorwürfe könnten leicht als Rache oder blinde Wut ausgelegt werden.“
Wikland fuhr herum und sah seinem ersten Offizier in die Augen.
„Nein. Ich lasse nicht zu, daß die Grundfesten und Werte der Föderation durch solche kriminellen Elemente wie diesen Hassard untergraben und ausgehöhlt werden. Ich werde Ihn kriegen, und wenn ich ihn vor allen anderen bloßstellen muß.“
Roger van Dyke wich dem Blick des Captains nicht aus. Er stand zu dem was er gesagt hatte. Für sich selbst betrachtet, kam er zwar zu dem selben Schluß, aber er empfand es als seine Pflicht als erster Offizier, seinen Captain ein wenig einzubremsen, damit er nicht unverhofft in eine der vielen Fallen tappte, welche die Hierarchie der Komandokette für derartige Vorhaben bereithielt.
Der falsche Zeitpunkt etwas zu sagen, die falsche Person, die zuhörte, der falsche Ort oder gar der falsche Angeklagte. Alles Punkte, die es zu beachten galt.
„Nun, wenn Sie diesen Bastard wirklich ans Messer liefern wollen Captain, dann sollten Sie zunächst dringend ein positiv angelegtes Gespräch mit Admiral Hassard führen. Wir sollten folgendes tun....“ Wiklands Augen bekamen einen leuchtenden Glanz als er den Ausführungen seines ersten Offiziers zuhörte.

Es war schon spät am Abend. Theo Parker hatte gerade seine Tabakpfeifen in die Ledertasche gesteckt und seine Unterlagen in dem kleinen Koffer verstaut. Er freute sich auf einen entspannenden Abend und hatte sich vorgenommen, wieder einmal im Casino der Sternenbasis vorbeizuschauen.
Gerade als er das Büro verlassen wollte ertönte ein akustisches Signal, der Bildschirm auf Admiral Parkers Tisch flammte auf und zeigte das Eintreffen einer Transmission an.
Theo Parker runzelte die Stirn. Er hatte nicht erwartet, daß sich zu dieser späten Stunde noch jemand bei Ihm meldete. Schnell erkannte er, daß es sich nicht um eine gewöhnliche Übertragung handelte.
Die Kennung hatte er an diesem Tag schon einmal gesehen. Theo Parker aktivierte das Display und sah sich Captain Wikland und Roger van Dyke gegenüber, die auf der leeren Brücke der Alexandria standen und einen zufriedenen Eindruck machten.
„Guten Abend Captain, haben Sie meine Transmission erhalten?“
Wikland nickte lächelnd.
„Ja Admiral, vielen Dank, sie war sehr hilfreich.“
Der Admiral ahnte schon, daß dies nicht der einzige Grund für Wiklands Kontakt war, der sorgsam darauf bedacht war, daß niemand davon Kenntnis erhielt, wie es derzeit um die Alexandria bestellt war.
„Was gibt es zu so später Stunde noch? Ich wollte gerade in meinen wohlverdienten Feierabend gehen.“
Wikland lächelte verschmitzt.
„Na das trifft sich ja bestens. Wir haben da gerade das passende Unterhaltungsprogramm zur Hand, um Ihnen richtige Spannung und eine gute Show zu bieten.
Ich konnte mit Ihren Informationen die notwendigen Schlüsse ziehen und werde jetzt den Beweis dafür antreten, daß in der Sternenflotte Dinge vorgehen, die unsere gesamte Föderation aus den Angeln heben könnten. Wir haben vor zirka einer halben Stunde eine Nachricht an den, nach unserer Meinung, Hauptverdächtigen in dieser Sache geschickt und erwarten jede Minute seine Antwort.
Ich übermittle Ihnen nun einige Frequenzen auf einem Hyperband, sowie ein besonderes Übertragungsprotokoll. Lassen Sie Ihre Station auf Stand by im reinen Empfangsmodus. Ach und eine Bitte noch. Geben Sie diese Informationen an meinen Onkel Admiral Jorgensen bei der Sternenflotte und Admiral Henry weiter.
Ich bin sicher, die zwei werden sich sehr dafür interessieren. Sie sollten sich diese Show aufzeichnen, so etwas bekommen Sie so schnell nicht mehr geboten. Ich bin nämlich nicht für die Schauspielerei geboren.“ erklärte Wikland mit einem Augenzwinkern und drückte eine Sensorfläche auf der Armlehne seines Sitzes, was die Übertragung der Daten einleitete.
„Wie darf ich das verstehen Captain? Soll das etwa heißen...?“
Wikland lächelte immer noch. Es machte ihm ein höllisches Vergnügen diesen Showdown auszukosten. Er hatte sich perfekt vorbereitet und wartete nur darauf endlich loslegen zu können.

„Genau das Admiral. Sie werden uns ohnehin gleich wiedersehen, aber trauen sie weder Ihren Augen, noch Ihren Ohren. Und bevor ich es vergesse. Sie sollten der LAKOTA vorerst keine Starterlaubnis erteilen. Wenn Sie Ihren Vorgesetzten Admiral Jameson einweihen wollen, kann ich das verstehen. Aber machen Sie keine Jahresfeier daraus, dafür ist die Thematik zu brisant. Ich werde Sie über alles informieren, sobald das hier vorbei ist.“
Der Admiral wußte, daß Wikland nicht gerade ein Mann von vorschnellen Entschlüssen war, deshalb stellte er keine weiteren Fragen.
„Gut Captain, ich bleibe Stand by, ich hoffe es lohnt sich, denn ich werde meinen Skatabend im Casino verpassen!“ scherzte Parker. Wikland nickte und der Blick auf die Brücke der Alexandria verschwand vom Schirm.
Admiral Parker entschlüsselte die Datentransmission und tippte die notwendigen Informationen in das Tischterminal ein. Er aktivierte den reinen Anzeigemodus und sychronisierte eine Speichereinheit zur Aufzeichnung.
Der Wandschirm flimmerte kurz auf und zeigte dann nichts als feine horizontale Linien, die ständig unregelmäßig zwischen Grau und schwarzer Farbe wechselten. Ein Zeichen dafür, daß derzeit keine Übertragung auf diesem Band stattfand.
Dann tastete er auf seinen Kommunikator und bat seinen Kollegen, den Leiter der Einsatzplanung und Chef der Sernenbasis 491, Admiral Jameson, Ihn in einer dringenden Angelegenheit in seinem Büro aufzusuchen.



Mürrisch durchschritt Ian Hassard den Flur der Lakota auf dem Weg zu seinem Quartier. Eigentlich hatte er schon vor mehr als zwei Tagen mit einer Nachricht gerechnet, die Ihm Aufschluß darüber hätte geben sollen, wie die gegenwärtigen Geschäfte sich entwickelten.
Er war sogar so weit gegangen, daß er auf die mit Imasov vereinbarte Frequenz drei Nachrichten gesendet hatte, aber niemand hatte sich gemeldet. Er wußte, daß der Handelsvertreter ein schmieriger und aalglatter Zeitgenosse war, zu dessen besonderen Eigenschaften auf keinen Fall Pünktlichkeit zählte.
Deshalb machte er sich keine allzugroßen Sorgen. Es ärgerte ihn einfach nur. Seine Freunde hatten ihm berichtet, daß von der Alexandria seit Ihrem Abflug nur wenige Meldungen eingegangen waren, seit Tagen aber kein Kontakt mehr bestand. Dies alles stimmte ihn insgesamt doch zuversichtlich. Er betrat sein Quartier und öffnete seine Jacke. Ohne sich darum zu kümmern, zog er sie aus und warf sie achtlos auf die Sitzgruppe, die neben dem Bett stand. Dann fiel sein Blick auf den Monitor, der das Eingehen einer Nachricht bestätigt hatte. Sie bestand wie gewohnt nur aus einer Zahlenfolge. Ian Hassards Blick entspannte sich. Endlich.
„Computer, eine Verbindung mit dem Sender der eingegangenen Nachricht herstellen. Verwendung des Protokolls siebzehn.“
Ein Verarbeitungston erklang und auf dem Bildschirm des Tischcomputers erschien die Brücke der Alexandria. Gul Depat hatte im Stuhl des Captains Platz genommen und Imasov saß zu seiner Rechten auf dem Platz des ersten Offiziers. Die Stationen der Brücke waren mit cardassianischen Offizieren besetzt. Ein ungewohntes Bild, cardassianische Militäruniformen an den Konsolen der Föderation zu sehen.
Das Bild war irgendwie falsch. Die kantigen und auffallenden Uniformen wirkten in der harmonischen Einrichtung der Brücke irgendwie fehl am Platz.
„Guten Abend Admiral...“ begrüßte Imasov in seiner gewohnt unterwürfig aber auch gleichzeitig schleimigen Art und Weise seinen Gesprächspartner. „Verdammt Imasov, wie oft soll ich es Ihnen noch sagen, keine Namen und keine Titel! Und überhaupt, wo haben Sie gesteckt, ich habe Ihnen schon drei Rufe zukommen lassen.“ gab Ian Hassard verärgert zur Antwort. Imasov setzte eine beleidigte Mine auf.
„Nun Sir, ich wollte Ihnen nur den Ihnen gebührenden Respekt zollen. Es tut mir wirklich leid, daß ich mich so spät melde, aber die Feier, die meine cardassianischen Partner für die Übernahme dieses stolzen Schiffes abgehalten haben, hat etwas länger gedauert als eigentlich vorgesehen.
Es ist übrigens ein beeindruckendes Schiff mit vielen besonderen Extras und einer exzellenten Crew. Es war in hervorragendem Zustand und daher werden wir auch neben dem vereinbarten Preis den schon anfangs zugesicherten Bonus erhalten.“

Ian Hassard hatte sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt, für die bereitgestellten Objekte einen stolzen Preis zu fordern und zu kassieren, gelegentliche Extras inbegriffen. Aber dieser Widerling von Imasov ging ihm mehr und mehr auf die Nerven. Nicht nur, daß er sich ewig aufführte wie ein schleimiges Wiesel, nein er nahm sich auch immer wieder Dinge heraus, die Hassard gewaltig gegen den Strich gingen.
„Hauptsache die Bezahlung dieser und der vorhergehenden Lieferung liegt in der nächsten Woche an der üblichen Stelle zur Abholung bereit.“ bemerkte Hassard mit einem strafenden Blick in Richtung des Cardassianers, der den zentralen Stuhl eingenommen hatte.
„Sie brauchen mich nicht so anzusehen...“ knurrte Gul Depat,
„...Ich habe Ihre Wünsche fristgerecht und eindringlich an meine Vorgesetzten weitergeleitet und es wird keine Probleme mehr geben. Durch die Übernahme dieses Schiffes haben Sie gezeigt, daß Sie ein ehrenwerter Geschäftspartner sind, der seine Zusagen einzuhalten pflegt.“
Roger van Dyke blickte zu Wikland, der neben Ihm saß. Wikland ließ sich nichts anmerken, auch er hatte bemerkt, daß der Admiral auf die Täuschung hereingefallen war.
Er wollte allerdings nicht aus der Rolle fallen, auch wenn das Holodeck für die Übertragung ihre Körper mit der Simulation von Imasov und Gul Depat maskierte, so konnten doch allzu vertraute Gesten den Admiral mißtrauisch werden lassen. Wikland setzte zum alles entscheidenden Schlag an.
„Sagen Sie Admiral,...ähhh Entschuldigung....Sir, Sie könnten nicht eventuell noch eines dieser Objekte bereitstellen? Das Interesse hier ist sehr groß und man wäre bereit auch für ein weiteres Stück mit gleicher Güte einen entsprechenden Obolus zu gewähren.“ schmückte Imasov seine Frage mit wohlwollenden Worten aus.
„Ich schätze Ihre Partner werden sich ein wenig gedulden müssen. Es war schon schwer genug für mich, dieses Objekt unbemerkt freizustellen und es wird noch eine Heidenarbeit sein, das Ganze entsprechend zu vertuschen.
Außerdem würde ein weiterer Eintrag auf der Verlustliste sicher einige Leute mißtrauisch werden lassen. Wir werden uns zunächst auf kleinere Versorgungsgüter konzentrieren müssen, das ist weniger aufwendig und im Prinzip ebenso einträglich.
Sie machen sich anscheinend gar kein Bild davon, welcher logistischer Aufwand hinter einer solchen Abwicklung steckt, das macht man nicht so einfach aus dem Ärmel, immerhin geht es hier um ein ganzes Schiff mit mehreren hundert Personen.
Da gibt es viel zu bedenken. Aber mal was ganz anderes, was macht eigentlich mein alter ‘Freund’ Captain Wikland?“
Auf diese Frage hatte der Captain der Alexandria nur gewartet. Es war ihm ein Fest die Antwort weiterzureichen.
„Oh, ich glaube man hat ihn zur Erzgewinnung auf den Planeten hinuntergeschickt. Einige fähige Ingenieure werden wohl auf der erzverarbeitenden Station eine Hilfe sein. Sie wissen ja, gutes Fachpersonal ist heute schwer zu bekommen.“
Das Grinsen in Imasovs Gesicht schien schon fast krankhaft zu sein.
„Na wenn das so ist, dann bin ich ja zufrieden. Dieser Mann wäre durch seine Taten fast zum Helden aufgestiegen. Aber das konnte ich ja Gott sei Dank verhindern. Es freut mich, daß er gut untergebracht ist.“
Der Sarkasmus in Hassards Worten war unüberhörbar.
„Eine Frage noch Sir,...“ hakte Imasov nach,
„...Sie wissen doch, die nette Zugabe die man uns zugesagt hat. Für wen darf ich alles einen Landsitz auf Risa anlegen lassen? Die Cardassianer werden sich nicht lumpen lassen, sie haben uns die besten Plätze zugesichert. Ein Leben im Luxus auf Lebenszeit ist uns gesichert“ freute sich der ungepflegte Handelsagent.
Hassard schüttelte den Kopf,
„Imasov Sie werden es nie lernen. Glauben Sie wirklich, ich würde Ihnen hier irgendwelche Informationen über meine Geschäftspartner zukommen lassen? Womöglich würden Sie diese nutzen, um mich das nächste Mal zu umgehen und mich somit um meinen Anteil bringen.
Ich übermittle Ihnen eine Datei mit unseren Vorlieben. Sie finden darin die Lage, die sich meine Partner für einen solchen Alterssitz vorgestellt haben und ein Paßwort, mit dem Sie sich später bei der Regierung von Risa als rechtmäßige Besitzer legitimieren werden.
Sorgen Sie dafür, daß die Grundstücke von einer unabhängigen Handelsgilde erworben werden, damit keine Spuren zu den Cardassianern führen. Und jetzt entschuldigen Sie mich, es ist spät und ich möchte zu Bett gehen. Ich werde Sie kontaktieren, sobald ich wieder etwas für Sie habe.“
Damit erlosch der Bildschirm auf der Alexandria sowie in Admiral Parkers Büro. Kurz darauf flammte er erneut auf und zeigte Wikland und Roger van Dyke.
„Admiral Jameson, Admiral Parker, ich glaube dem ist nichts hinzuzufügen.“
Die beiden Admirals saßen, noch immer gebannt von der Unterhaltung, auf der Sitzecke in Parkers Büro und brachten keinen Ton heraus. Captain Wikland erschien formatfüllend auf dem Sichtschirm.
„Ich habe die Transmission der Daten erhalten und werde sehen ob sich ein Hinweis auf die Hintermänner ergibt. Wenn Sie Admiral Hassard arrestieren wollen, sollten Sie schnell, aber nicht überstürzt handeln. Er wird sicher seine Kollegen kontaktieren, aber er darf keinen Verdacht schöpfen. Sehen Sie sich vor meine Herren. Erwähnen Sie nicht, daß Sie mit uns Kontakt hatten, das könnte die Beteiligten verschrecken. Wir werden voraussichtlich morgen bei Ihnen eintreffen. Wikland Ende.“

Zufrieden streckte Wikland seinem ersten Offizier die Hand entgegen.
„Das war eine saubere Show Nummer Eins. Wir machen Feierabend für heute. Morgen früh in alter Frische.“
Wikland ging auf den Turbolift zu und stoppte kurz.
„Computer, Programm beenden.“ Die Brückeneinrichtung verschwand und hinterließ nur das gelbe Skalierungsgitter auf den schwarzen Wänden. Wikland und Roger van Dyke verließen das Holodeck. Während sich van Dyke entschied noch eine kleine Runde durchs Schiff zu machen und alle wichtigen Stationen noch einmal aufzusuchen, was eine seiner Gewohnheiten war, begab sich der Captain direkt in sein Quartier.
Sofort setzte er sich an sein Display und rief die Daten auf, die ihm von Ian Hassard überspielt worden waren. Die Angaben über die Lage der zugesagten Landsitze ließ er zunächst außenvor. Die Paßwörter mußten eine Bedeutung haben. Es war eine wahllose Ansammlung von Worten, Orte, Flüsse, Personen, aber nichts was sich irgendwie auf den ersten Blick zuordnen ließ.
„Computer vergleiche die sieben Paßwörter mit persönlichen Eintragungen in der Personalakte von Admiral Hassard.“ ein kurzes Verarbeitungssignal ertönte, dann kam die Antwort.
„Keine Gemeinsamkeiten mit Eintragungen in Admiral Hassards persönlicher Akte gefunden.“
Wikland wollte sich aber von diesem ersten Rückschlag nicht entmutigen lassen.
„Computer, vergleiche die Paßwörter mit den Dateien der Sternenflotte und suche nach Verbindungen zu Admiral Hassard oder gemeinsamen Nennungen der sieben Wörter, Eintragungen oder anderen Auffälligkeiten. Akustische Meldung aus. Signalton bei Auffinden solcher Ergebnisse.“

Wikland drehte sich um und begab sich ins Bad. Eine angenehme, entspannende Dusche würde ihm jetzt sicher gut tun. Er hatte sein Duschbad gerade beendet, und sich seinen Bademantel übergeworfen, als ein dreimaliges Piepen der Computerkonsole ihn aufhorchen ließ.
Mit einem Satz war Wikland an der Konsole. In dicken Buchstaben stand auf dem Bildschirm
„Verbindung der Wörter untereinander! Multiple Einträge.“
Wikland war gespannt, ob sich hier eine verwertbare Spur ergab. „Computer, Information anzeigen.“ wies er den Schiffscomputer an.
Was nun auf dem Bildschirm auftauchte, ernüchterte den Captain erst einmal. Zehn Schiffsnamen der Sternenflotte tauchten auf dem Bildschirm auf, die sieben Wörter waren alle darunter. Natürlich hatte der Schiffscomputer auch in diesen Dateien gesucht und es war kein Wunder, daß er fündig geworden war. Schließlich war es eine übliche Vorgehensweise, Schiffe nach Orten, Personen, Flüssen oder historischen Fakten zu benennen.
Wikland wollte die Eintagung schon löschen als ihm eine Frage durch den Kopf schoß. Wenn er nur sieben Wörter vorgegeben hatte, warum spuckte der Computer dann zehn Schiffsnamen aus. Eine Frage die immer stärker in seinem Kopf zu hämmern begann. Wikland betrachtete sich die Fakten näher, die der Computer zusammengestellt hatte. Alle zehn Schiffe gehörten zu einem Verband dessen Kommandeur einen bekannten Namen trug. Ein Verband, der nach einem Einsatz vor etwas mehr als drei Jahren aufgelöst worden war, als bei einer aufreibenden Schlacht drei Schiffe verloren gingen.
Wikland las weiter und mit jedem Satz, den er nahezu buchstabenweise erfaßte, wurde sein Gesicht sorgenvoller. Erst als er alle Fakten dazu gelesen hatte, ließ er sich nach hinten in seinen Stuhl sinken und dachte über all das nach, was er eben erfahren hatte. Nach allem was hier stand, mußte er nicht nur gegen einen Helden der Föderation antreten und war dabei, ihn von einem wirklich hohen Podest zu stürzen, auf das die Flotte diesen Mann gestellt hatte.
Nein sechs weitere Admirals bildeten das Fundament auf dem er stand. Erneut las Wikland den Bericht, der Aufschluß über die alles entscheidende Mission gab und dann fiel ihm ein weiterer Name auf, der eigentlich nur am Rande erwähnt worden war. Ein Name den er erst kürzlich gehört hatte.
Wikland war verblüfft. Er tastete an seinen Kommunikator. „Wikland an Commander Jefferson!“
Es dauerte eine Weile, bis die verschlafene Stimme von J.J. aus der Audioanlage kam.
„Jefferson hier, was kann ich für Sie tun Captain? Vielleicht eine Uhr in ihrem Quartier anbringen, die Auskunft über Tag und Nacht gibt?“ gab die Chefingenieurin zurück, auch als kleine Anspielung, daß Sie der Captain bereits zum wiederholten Male mitten aus dem Tiefschlaf gerissen hatt.
Wiklands Blick fiel auf die Uhr. Es war inzwischen mitten in der Nacht und Wikland schrak ein wenig zusammen. „Entschuldigen Sie, daß ich Sie geweckt habe Commander, aber ich habe eine dringende Frage. Haben wir bereits Zugriff auf die cardassianischen Daten, die Sie von Repok Nor mitgebracht haben?“ J.J. brauchte einen Augenblick, um Ihren Kopf auf das zu konzentrieren, was Wikland von ihr wollte.
„Ja Captain, ähh...weisen Sie den Computer an, die externe Datenbank aus Modul 473 zu laden. Dort ist alles drin was wir mitnehmen konnten.“
Wiklands Mine hellte sich auf.
„Danke, das war alles Commander, gute Nacht.“
Wikland trennte die Kommunikation und wies den Computer an, die entsprechende Verbindung herzustellen. Dann gab er seinen Suchbegriff ein und es dauerte keine zwei Minuten, bis er die gewünschte Datei gefunden hatte. Aber was Wikland zu hoffen gewagt hatte, wurde durch die Daten, die er nun las, bei weitem übertroffen.
Der Schrecken weitete seine Augen. Er stellte seine Ellbogen auf der Tischplatte auf und ließ seinen Kopf in die Hände sinken. Er konnte nicht fassen, was er dort las. So kalt und nüchtern, wie es dort aus den Fakten hervorging, so sicher war er sich nun, sein Ziel endgültig erreicht zu haben.

Wie nicht anders zu erwarten betrat Wikland die Brücke bereits am frühen Morgen, noch bevor der übliche Schichtwechsel stattfand.
Lt. Commander Maxine Dent erhob sich wortlos aus dem Sessel des Captains und machte Wikland seinen Platz frei. Doch bevor er sich zu seinem zentralen Stuhl begab, wandte er sich noch an die Kommunikationsstation und drückte dem Fähnrich ein Padd in die Hand, gefolgt von seinen Anweisungen, wie dies zu handhaben sei.
Der junge Mann nickte eifrig und begann sofort damit, die Daten in seine Konsole zu übertragen. Wikland beschloß eine vollständige Runde zu machen. So ging er in einem großen Bogen an allen Stationen vorüber und überzeugte sich davon, daß alles seinen gewohnten Gang nahm. Erst dann kam er zum Sessel des Captains zurück und nahm langsam darin Platz.
Die Augen des Captains ruhten auf dem großen Hauptschirm, auf dem ihm das Sternenpanorama mit Warpgeschwindigkeit entgegenflog. Die Yokohama lag noch immer dicht vor Ihnen. Ohne seinen Blick abzuwenden sagte Wikland
„Ihren Bericht Commander!“
Das war das Zeichen für Maxine Dent, den Captain über die Ereignisse der Delta Schicht zu informieren.
„Soweit alles in Ordnung Captain. Wir fliegen nach wie vor mit Warp sechs. Der Maschinenraum hat zwei weitere Notsysteme repariert und der Haupthangar meldet vier Shuttles wieder einsatzbereit. Die Reparatur der Northlander kann erst auf der Sternenbasis abgeschlossen werden, die wir bei gleichbleibender Geschwindigkeit in acht Stunden und zwanzig Minuten erreichen werden.
Es gab inzwischen zwölf Versuche mit unserem Schiff Kontakt aufzunehmen, wir haben nicht geantwortet, aber die entsprechenden Quellen überprüft und in einem Bericht zusammengefaßt. Das Padd mit den Informationen liegt in Ihrem Raum. Entsprechend Ihren Anweisungen haben wir auf die Rufe auch in keiner anderen Weise reagiert. Die Maskierung unserer Transpondersignale und Sternenflottensignatur, die Commander van Dyke etabliert hat, scheint hervorragend zu funktionieren, wir wurden bislang nicht erkannt.“ Wikland nickte anerkennend.
„Danke Commander.“
Eine gewisse Ruhe hatte sich in Wikland ausgebreitet. Um nicht Gefahr zu laufen, daß das Schiff von verschiedenen anderen Sternenbasen oder Schiffen gerufen und identifiziert wurde, hatte er absolute Funkstille angeordnet und bereits beim Abflug aus dem cardassianischen Sektor den ersten Offizier van Dyke beauftragt, die Schiffsidentifikation zu ändern.
Er wollte nicht, daß sein so gut ausgeklügelter Plan in Einzelteile zerfiel und wertlos wurde, wenn auch nur der geringste Hinweis bekannt wurde, daß man den Cardassianern entkommen war, obwohl noch heute eine Entscheidung in dieser Sache zu erwarten war.
Er hoffte, daß die Daten, die er vor wenigen Minuten an der Kommunikationsstation abgegeben hatte, die richtige Wirkung zeigten und zu kurzfristigen Ergebnissen führten. Der Captain blickte stumm und gedankenversunken auf den Hauptschirm. Seit dem kurzen Bericht von Lt. Commander Dent hatte ein Gedanke, eine Frage von seinem gesamten Kopf Besitz ergriffen und ließ ihn nicht mehr los. Immer wieder flammten seine Erfahrungswerte zu diesem Thema auf und ließen ihn im Kreis denken. Immer und immer wieder bis...
Hart knallte die rechte Faust des Captains auf die Armlehne.
„Jetzt reichts!“ rief er mitten in die Brücke hinein, auf der außer den Verarbeitungsgeräuschen nichts zu hören war.
Einige Köpfe flogen herum. Mehrere irritierte Augenpaare schauten ihn an, versuchten zu ergründen was der Grund dieses plötzlichen Ausbruches war, der nun auch von einem verärgerten Gesicht begleitet wurde. Jeder fragte sich, ob der Captain vielleicht an der Ausführung der Arbeit, der Effizienz oder den Personen auf der Brücke etwas auszusetzen hatte oder ob man eventuell einen Befehl mißachtet oder gar vergessen hatte, auszuführen.
Aber es war etwas ganz anderes. Wikland tastete auf seinen Kommunikator
„Computer, Verbindung herstellen zu den Offizieren Lt. Commander Jefferson, Sermin, Mor, Lock, Flintstone, Carter und Hawkins, sowie zu Commander van Dyke.“
Ein kurzes Zirpen bestätigte die Schaltung.
„Wikland hier. Ich erwarte Sie in einer halben Stunde im Besprechungsraum auf der Brücke. Seien Sie pünktlich. Wikland, Ende.“
Der Captain tastete erneut auf seinen Kommunikator und unterbrach die Verbindung. Seine Gesichtszüge glätteten sich ein wenig, aber die Verärgerung war immer noch deutlich erkennbar. Keiner der Anwesenden Offiziere auf der Brücke konnte sich darauf einen Reim machen, aber sie würden es sicher bald erfahren. Wikland war sich bewußt, daß der offizielle Schichtbeginn erst in zwei Stunden war und er somit seine Führungsoffizieren um mehr als eine Stunde ihrer Freizeit beraubte. Aber so war er nun einmal, es entsprach seinem Führungsstil, wichtige Fragen gleich und sofort zu klären. Auch wenn das mit Unbequemlichkeiten verbunden war.

Als der Captain die Tür zum Besprechungsraum im hinteren Teil der Brücke durchschritt, waren bereits alle acht Offiziere anwesend. Er war absichtlich fünf Minuten eher eingetreten, aber mit dieser alten Nummer konnte er sein professionelles Team schon lange nicht mehr hinters Licht führen.
Dieser Punkt ging eindeutig an seine Mannschaft. Ein Lächeln umspielte seine Mundwinkel, nur um gleich wieder der steinernen Mine zu weichen, die Wikland schon den ganzen Morgen zur Schau trug.
Ein vielstimmiges „Guten Morgen Captain.“ erreichte ihn, welches er mit einem kurzen Kopfnicken erwiderte. Wikland nahm am Kopfende des Tisches Platz und blickte in die erwartungsvollen Augen seiner Führungsoffiziere.
„Nun, ich will Sie nicht lange auf die Folter spannen. Der Grund warum ich Sie so kurzfristig und zahlreich hierher berufen habe, ist ein ganz besonderer. Wie ihnen sicher nicht entgangen ist, haben wir in dem zurückliegenden Kampf wieder einmal ganz schön einstecken müssen.
Zwar haben unsere Waffen und vereinte Kräfte dazu geführt, daß wir nicht zuletzt durch geschickte Taktik und Täuschungsmanöver nahezu unbeschadet aus dieser Situation herauskommen konnten. Aber genau das ist es, wir sind eben nur entkommen, wir haben uns nicht behauptet.
Im Wesentlichen hat mich gestört, daß wir diesen kleinen feuerkräftigen Fightern der Cardassianer nichts entgegenzusetzen hatten, außer unserem Hauptphaserfeuer und den Photonentorpedos, was schon bedeutet mit Kanonen auf Spatzen zu schießen und eine unnötige Verschwendung von Material ist.
Ich verrate sicher kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, daß ich zu diesem Punkt eine ganz besondere Haltung einnehme. Schon mehrmals habe ich das Oberkommando der Sternenflotte gebeten, uns eine gewisse Anzahl an Marines auf unser Schiff abzustellen, damit wir in Kampfsituationen, wenn auch nur zur Verteidigung, unser Schiff sichern können.
Leider wurden meine Anträge immer wieder abgelehnt. Ich habe mir daher überlegt, welchen Schritt ich auch ohne die Zustimmung der Sternenflotte unternehmen kann, um uns hier einen Vorteil zu verschaffen und wenigstens einen Teil meiner Wünsche umzusetzen. Ich habe schon vor geraumer Zeit eine, sagen wir einmal, Lücke in den Paragraphen der Sternenflotte gefunden, die es uns ermöglichen sollte selbst Hand anzulegen.
Zwar ist für uns vom Oberkommando keinerlei Hilfe in dieser Sache zu erwarten, aber andererseits auch keine Behinderung. Es gibt keine Anweisung, die es uns verbietet, neue Technologien zu erforschen und zu erproben. Daher habe ich Sie als Leiter der technischen Abteilung und der Sonderarbeitsgruppen für Sonden-, Transporter-, Sensoren-, Waffen- und Computertechnik hierher gebeten, um Ihnen eine weitere, gemeinsame Aufgabe zu übertragen.“ Der Captain machte absichtlich eine kurze Pause und schaute seine Offiziere prüfend an. Es war kein Einwand zu erkennen, eher noch die Neugier, was nun folgen sollte.
„Ich möchte, daß Sie eine Arbeitsgruppe bilden um einen kleinen innovativen und schlagkräftigen Einmannjäger zu entwickeln.
Er soll schnell sein, stabile Schilde aufweisen, besonders wendig sein und ein kurzes Warppotential besitzen. Ich bin sicher Ihnen fallen dazu ausreichende Ideen ein.
Achten Sie darauf, daß das Potential mehr auf Verteidigung als auf Angriff ausgerichtet ist.“
Roger van Dyke mußte lächeln. Diesen Wunsch hatte er schon oft hinter Wiklands Worten vermutet, wenn dieser über die zurückliegenden Tage gesprochen hatte. Er hatte sich schon gefragt, ob er mit dieser Vermutung richtig lag.
„Das ist zwar alles schön und gut Captain, aber selbst wenn wir unsere Ideen zusammenbringen und uns eine innovative Lösung einfällt, haben wir immer noch ein Problem. Nicht alle Teile, die wir für so eine aufwendige Sache eventuell benötigen, lassen sich replizieren.“ gab Jaqueline Jefferson zu bedenken.

„Das ist der Grund, warum ich Sie heute so früh zusammengerufen habe. Machen Sie eine erste Bestandsaufnahme und prüfen Sie, was nicht zur Verfügung steht.
Kommen wir zur Aufgabenverteilung:
Lt. Commander Jefferson, arbeiten Sie einen Entwurf für den Antrieb aus.
Lt. Commander Sermin, von Ihnen erwarte ich eine besondere Lösung für die Computertechnologie in diesen Schiffen.
Lt. Commander Mor, Sie werden Ihre Fähigkeiten im Sondenbau auf eine etwas ungewöhnliche Weise umsetzen. Lassen Sie sich etwas cleveres einfallen, um anfliegende Sprengkörper wie Photonentorpedos abzulenken oder zu täuschen.
Lt. Commander Lock. Als Leiter der Sensorengruppe sollten Sie die Vorschläge für geeignete Navigations und Zielerfassungssysteme beisteuern.
Lt. Commander Hawkins, Flintstone und Carter, Ihnen brauche ich wohl nicht zu sagen, was ich erwarte, es dürfte klar sein oder?
Nummer Eins, Sie kümmern sich darum, die entsprechenden Teile auf der Sternenbasis 491 zu bekommen. Lassen Sie sich etwas einfallen, warum wir sie brauchen. Sagen wir für eine Anzahl von 15 Schiffen.“

Nachdem Wikland nun bislang fast alleine geredet hatte, war er auf die Kommentare seiner Crew gespannt.
Hawkins, die das Projekt der neuen Surapht Torpedos betreute tauschte Blicke mit Lt. Commander Flintstone aus, der auf der U.S.S. Alexandria für die Verbesserung der Transportertechnologie zuständig war.
Lt. Commander Carter, das war ein offenes Buch, sollte sich als Chef der Arbeitsgruppe Phaser mit der Bewaffnung auseinandersetzen.
„Bei allen nötigen Respekt Captain...“ ergriff der Benzite Lock das Wort und aktivierte sein Atemgerät, welches einen kleinen Schwall Chlorgas freisetzte.
„...Das ist keine Aufgabe, die man zwischen Frühstück und Abendessen erledigt. Wir werden Wochen, vielleicht Monate brauchen, um ein Konzept zu erstellen.“
Wikland ließ sich in seinen Stuhl zurücksinken und zog seine Uniform zurecht.
„Wenn Sie meine Mindestanforderungen einhalten, soll mir das recht sein. Aber ich will einen ausdauernden, kampfkräftigen Jäger haben, der uns die kleinen Angreifer vom Schiff fernhalten kann, ohne daß man ihn schützen muß, wie es zur Zeit mit den Shuttles der Fall ist.“
Jaqueline Jefferson blickte in die Runde.
„Nun, sind wir doch mal ehrlich, jeder von uns hat in seiner Arbeitsgruppe doch sein Steckenpferd, und jeder hat doch für sich eine ganz besonders innovative Lösung, an der er herumlaboriert, das ist bei mir so, und bei Ihnen sicherlich ähnlich. Lassen Sie uns diese Ansätze zusammenführen und zu einem funktionierenden Ganzen machen.“ sagte sie, womit sie natürlich recht hatte.
Roger van Dyke konnte ein weiteres Lächeln nicht vermeiden. J.J. hatte damit einen wichtigen Nerv getroffen. Es stimmte, auch er hatte einige Ideen, die er immer schon einmal umsetzen wollte. „Das sehe ich genauso. Also, ich denke wir sollten es angehen. Fehlt nur noch ein Name für die Arbeitsgruppe.“ warf Roger van Dyke ein.
Wiklands Gesichtszüge entspannten sich.
„Nun, wie wäre es mit Arbeitsgruppe ‘TYR’, das ist der nordische Kriegsgott, und er sollte bei uns sein, wenn wir uns einem Gefecht nicht entziehen können.“ schlug der Captain vor und machte dabei ein unschuldiges Gesicht als hätte man ihn gerade bezichtigt ein besonders gehütetes Geheimnis verraten zu haben. „Nummer Eins, sammeln Sie die Ideen von Ihren Kollegen, meine Anforderungen für das Schiff finden Sie im Computer, ich bin auf der Brücke. Ich erwarte bis heute Abend eine erste Zusammenfassung.“
Damit stand der Captain auf und verließ den Besprechungsraum.
Erst als sich die Türen vollständig hinter Wikland geschlossen hatten, traute sich Corbal Mor etwas zu sagen.
„Ich finde diese Idee absolut überflüssig, wir haben auch so schon genug zu tun und sind mit unseren Aufgaben ausgelastet.“
warf er in die Runde
„Nun, aus logischer Sicht scheint eine zusätzliche Sicherung des Schiffes durch eigenständige Einmannjäger durchaus angebracht, insbesondere wenn man die Schäden berücksichtigt, die durch den letzten Angriff an unserem Schiff entstanden sind.“ erwiderte Sermin, der die Ansprache und die Anweisungen des Captains wie gewohnt, ohne jede Regung zu zeigen, verfolgt hatte.
„Ja, aber es ist etwas anderes, ob die Sternenflotte Ihnen Kampfjäger zuteilt oder zur Verfügung stellt, oder ob Sie sie selber bauen.“ beklagte sich Corbal Mor.
„Sie haben doch gehört, keiner hindert uns daran, diese Entwicklungsarbeit durchzuführen. Wenn es dann an den Einsatz geht, dann muß ohnehin die Flotte zustimmen. Aber ich bin sicher, wenn wir uns anstrengen, wird dabei etwas besonderes herauskommen, das man uns nur schwer wieder wegnehmen kann.“ gab Roger van Dyke zu bedenken.
„Ja, stellen Sie sich vor, ein Jäger mit vier starken Impulstriebwerken, Steuerdüsen, einer zusätzlichen Panzerung, Ablenkwaffen, einer zur Rettungskapsel ausgebauten Pilotenkanzel und einer manuellen Steuerung...“ ereiferte sich J.J.
Sie war bereits Feuer und Flamme bei dem Gedanken einen eigenen Jäger bauen zu können. War es doch eine ihrer Leidenschaften, alles was es gab, zu fliegen, zu reparieren oder einfach nur zu bewundern.
„Richtig, sicher könnte man auch bioneurale Gelpacks zur Computersteuerung verwenden. Auch eine doppelwandige Hülle zu konstruieren wäre hilfreich. Sie könnte mit einer Isolationsschicht versehen sein, so daß Energiewaffen die inneren Schaltkreise nicht mehr beschädigen können...“ ergänzte Sermin.

„Ich sehe schon, wir haben ein gewaltiges Potenzial. Ich schlage vor, wir machen einmal eine Liste von all den Dingen die wir uns als Lösung vorstellen können. Notieren Sie alles was Ihnen einfällt, auch wenn es andere Bereiche betrifft.
Wir werden nachher alles zusammenstellen und beraten, was wir davon umsetzen können. Teilen Sie Ihre Auflistung in Gruppen auf: Antrieb, Hülle, Computer, Waffen, Sensorik, Sicherheitssysteme und besondere Einrichtungen. Wir treffen uns heute Nachmittag um achtzehn Uhr im technischen Labor auf Deck fünf.“ erklärte der erste Offizier. Damit erhob sich Roger van Dyke und auch die anderen Offiziere verließen den Raum.



Kapitel 39

Es war bereits später Nachmittag und die Sternenbasis 491 war schon lange auf den Scannern der Alexandria erschienen, als Roger van Dyke auf der Brücke erschien. Wikland hatte sich in seinen Bereitschaftsraum zurückgezogen und die Brücke an Andy Duke übergeben. Roger ließ sich geschafft in seinen Stuhl fallen. Es war ein sehr anstrengender Tag gewesen.
Fast die ganze Zeit hatte er mit seinen Kollegen im technischen Labor verbracht, um die Spezifikationen für das neue Projekt zusammenzustellen. Die Ideen, die zusammengetragen wurden, hatten in vielen Punkten das derzeit technisch Machbare überschritten. Aber es gab ein Potential, welches man nutzen konnte und eventuell ließen sich einige der verrückten Dinge doch umsetzen.
Ymoota, die derzeit Dienst an der Kommunikationsanlage hatte, war nicht ausgelastet, denn noch immer galt Captain Wiklands Anweisung, keine Rufe der Sternenflotte mit dem üblichen Transpondersignal zu bestätigen oder gar zu beantworten. Daher stand Ymoota an der taktischen Station von Ran Byrell und schaute ihrem bajoranischen Kollegen bei seinen Eingaben über die Schulter. Ihr Ohrring klimperte leise, wenn sie ihren Kopf bewegte und manchmal fiel der kunstvoll geflochtene Zopf ihrer langen schwarzen Haare über ihre Schulter nach vorne.
Obwohl Ran ein Profi war, irritierte es ihn ein wenig und er bat Ymoota wieder auf Ihren Platz zu gehen, was die junge Frau aber mit einem Schmunzeln ablehnte. Im Gegenteil, sie zwängte sich zwischen Ran und die Konsole, verschränkte die Hände hinter dem Rücken und setzte sich auf den Rand der Konsole. Sie lächelte Ihren Kollegen an,
„So leicht bekommen Sie mich hier nicht weg.“ erklärte sie gerade, als an ihrer Station einige Lichter aufleuchteten und ein kurzer Signalton ertönte.
„Lieutenant!“ mahnte Roger van Dyke, der das Treiben hinter sich schon zur Kenntnis genommen hatte. Aber er tat es in einem freundlichen Ton, der Ymoota daran erinnern sollte, sich ihrer eigentlichen Aufgabe wieder zu widmen.
Schnell rutschte sie von der Konsole und eilte zu ihrer Station. Ran Byrell, der nun endlich wieder seinen Arbeitsplatz einsehen konnte blickte auf die Sensorfläche. Einige Tropfen klarer Flüssigkeit standen auf der Oberfläche, er konnte sich nicht erklären wie sie dort hingekommen sein sollten. Seine rechte Hand sank hinab und wischte in einem Zug über das Display.
Die Tropfen waren verschwunden. Aber schon im nächsten Moment färbten sich seine Handballen und Finger tiefblau. „Ymoota, was soll das?“ rief er verärgert.
Die Flüssigkeit war wohl wieder einer von Ymootas Scherzen, die sie in regelmäßigen Abständen mit ihren Kollegen trieb und heute war wohl Ran Byrell der Auserwählte.
„Keine Sorge, es läßt sich zwar nicht abwaschen, aber es verblaßt innerhalb von vier Wochen.“ lachte sie von Ihrer Station herüber und kümmerte sich um den eingegangenen Ruf. „Captain, eine Übertragung von der Sternenbasis auf dem von Ihnen freigegebenen Kanal.“ informierte Ymoota über ihren Kommunikator den Kommandanten.
„Auf den Schirm.“ rief Wikland, der gerade durch die Türen seines Raumes auf die Brücke getreten war. Der Hauptschirm wechselte und zeigte ein geräumiges Büro. Admiral Wilbur Jameson trat ins Bild.
„Hallo Captain Wikland. Wir haben Ihre Transmission erhalten und die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet. Ich schätze es besteht nun keine Notwendigkeit mehr für Sie, Ihre Rückkehr weiter zu verzögern. Machen Sie sich auf den Weg, wir haben viel zu besprechen.“
Wiklands Blick fiel auf den Chronometer.
„Gut daß Sie sich melden Admiral, wir werden in knapp fünfzehn Minuten bei Ihnen sein. Ich hatte schon Sorge, es könnte länger dauern und wir müßten stoppen.“
Der Admiral blickte etwas verwirrt, „Unmöglich Captain, wenn Sie so nah wären, hätten wir Sie längst mit unseren Langreichweiten-Sensoren erfaßt.“
Wikland nickte Roger van Dyke zu, der einige Befehlssequenzen in die Konsole an seinem Platz eingab. Kurz darauf blinkte auf Admiral Jamesons Kontrollpult das Sternenflottensymbol mit der Kennung der Alexandria auf, wo noch kurz zuvor die Kennung eines Erzfrachters aufgeleuchtet hatte.
„Oh das haben Sie längst. Ist es so besser Admiral?“ fragte Wikland mit einem Lächeln im Gesicht. Ein verständnisloses Kopfschütteln zeigte, daß der Admiral immer noch zu überraschen war.
„In Ordnung Captain Wikland, ich verstehe.
Melden Sie sich bei der Stationsleitung und lassen Sie sich einen Andockplatz zuweisen. Ich erwarte Sie spätesten Morgen in meinem Büro und bringen Sie einen ausführlichen Bericht mit. Jameson Ende!“
Damit erlosch die Anzeige und wurde ansatzlos vom Blick in den Weltraum ersetzt, der die Sicht voraus anzeigte und nun schon die Station als kleinen Punkt erkennen ließ. Wikland trat vor zu seinem Platz und ließ sich in seinen Stuhl sinken.
„Nun, dann wollen wir mal. Lieutenant, aktivieren Sie alle Sternenflottenfrequenzen und Kommunikationsprotokolle wieder und stellen Sie eine Verbindung zur Sternenbasis 491 her, nur Audio.“
Ymoota drehte sich schnell zu ihrem Display und gab die entsprechenden Anweisungen ein. Ein kurzer Ton erklang und die Verbindung stand.
„Hier spricht Captain Erik Wikland. Die U.S.S. Alexandria bittet um Zuweisung eines Andockplatzes an der Sternenbasis, wir werden voraussichtlich in fünfzehn Minuten eintreffen, bitte erteilen Sie Anfluggenehmigung.“

Es dauerte einige Sekunden, bis eine Antwort kam, anscheinend mußte sich das Personal auch erst einen Reim darauf machen, warum zwei Schiffe der Sternenflotte plötzlich und unvermittelt im Nahbereich der Sternenbasis auf den Überwachungsschirmen aufgetaucht waren.
„Hier Sternenbasis 491, Willkommen Zuhause Alexandria. Gehen Sie in einen engen Orbit über dem Habitat, wir werden baldmöglichst eine Andockstelle im Hangar freimachen. Anflugerlaubnis erteilt. Sternenbasis 491 Ende.“
Wikland lächelte. Sein Plan war wohl aufgegangen.
„Lieutenant Ramirez, Sie haben es gehört, korrigieren Sie unseren Kurs auf direkten Anflug zur Station, es geht nach Hause.“ Die Hände des jungen Lieutenants flogen über das Display und schon bald konnte man sehen, wie der kleine Punkt der Station immer mehr ins Zentrum des großen Hauptschirmes rückte, größer wurde und das Schiff schließlich unter Warp fiel. Mit Impulsgeschwindigkeit näherten sich die beiden Schiffe der Station und schwenkten in einen engen Orbit ein. Sie waren entgegen aller Erwartungen zurückgekehrt.







Kapitel 40

Der große Konferenzraum im Hauptquartier der Sternenflotte lag in gedämpftem Licht. Für die heute angesetzte Besprechung war alles vorbereitet. Insgesamt waren an dem langen Tisch zwanzig Plätze vorhanden und am Kopfende zwei weitere Stühle für die beiden Führer der Besprechung.
Admiral Sven Jorgensen und Admiral Thomas Henry betraten leise miteinander sprechend den ausladenden Raum, der von dem großen schwarzen Tisch und dem Symbol der Sternenflotte an der Wand geprägt wurde.
Admiral Jorgensen legte zwei Padds auf seinen Platz am Tisch und ging kurz zum Rednerpult. Die Eintragungen auf dem interaktiven Display, welches in das Pult eingelassen war, zeigten ihm, daß alles seinen Wünschen entsprechend vorbereitet war.
Sein Blick fiel zunächst auf seinen Kollegen Admiral Henry, der inzwischen Platz genommen hatte und dann auf die lange Tafel, an der in wenigen Minuten viele hochrangige Admiräle sitzen würden.
Der hochgewachsene nordländische Admiral mit den blonden Haaren trat zur Seite und gab dem jungen Fähnrich am Haupteingang ein Zeichen, daß er die Türen öffnen könne.
Nach und nach betraten die hochrangigen Offiziere, allesamt im Range eines Admirals der Sternenflotte, den Raum und nahmen direkt an dem langen Tisch Platz, der auf jeder Seite zehn Personen Platz bot.
Binnen von wenigen Minuten hatten alle Ihren Stuhl gefunden. Entgegen der üblichen Vorgehensweise waren bei dieser Besprechung keine Unterlagen für die einzelnen Mitglieder bereitgelegt worden. Aus diesem Grund traf der schmale Lichtkegel, der vor jedem Platz von den in die Decke eingelassenen Strahlern erzeugt wurde, nur die blanke schwarze Tischplatte vor jedem Sitzplatz.
Admiral Jorgensen, der sich kurz gesetzt hatte, um mit Admiral Henry noch ein paar Worte zu wechseln, stand auf und begab sich mit gemächlichen Schritten zum Rednerpult.
Er räusperte sich kurz und blickte in die Runde.
"Meine Damen und Herren Admirals... ich bedaure überaus diese sehr kurzfristige Einberufung und ungewöhnliche Zusammensetzung dieses Meetings. Aber es geht um die Frage der inneren Sicherheit der Sternenflotte und ich bin der festen Überzeugung, daß hier schnellster und dringender Handlungsbedarf besteht."
Ein Raunen ging durch den Raum und verschiedene Admirals schüttelten verständnislos den Kopf.

„Ich hoffe für Sie, daß es auch tatsächlich wichtig ist Herr Kollege, ich war gerade dabei mit meiner Familie in die Berge zu reisen. Ein Urlaub, den ich meiner Frau und den Kindern schon seit mehr als drei Jahren versprochen hatte.“ beklagte sich Admiral Henson.
Jorgensen blickte auf die Informationen auf seinem Pult.
„Admiral Henson, ich kann Ihnen versichern, daß es von allerhöchster Dringlichkeit ist. Sie werden mir sicherlich zustimmen, sobald Sie die Einzelheiten gehört haben.“
Admiral Henson nickte beruhigt und ließ sich in seinen Stuhl sinken. Jorgensen holte noch einmal tief Luft und wandte sich dann an die Anwesenden.

„Werte Kolleginnen und Kollegen, es haben sich Fakten ergeben, die ein sofortiges Einschreiten erfordern. Ich bestätige das nur ungerne, aber es ist zu einem Sicherheitsloch in unserer Flotte gekommen, so daß wir wertvolle Schiffe verloren und den Verlust der entsprechenden Mannschaften zu beklagen haben.“
Erneut brandete leises Gemurmel unter den Anwesenden auf. „Ladies und Gentlemen, bitte!" mahnte Jorgensen zur Disziplin.
„Hat die Sternenflotte erneut ein Schiff verloren? Es gehen Gerüchte um, nach einem Schiff der Miranda Klasse sei nun auch noch ein Schiff der Nebula Klasse spurlos verschwunden. Wenn das so ist, wo bleibt die Kontrolle der Flotte und die der internen Sicherheit?
Wie kann man solch offensichtlich unzuverlässigen Captains ein Schiff anvertrauen. Mir wurde gesagt es seien bis heute keine Missionsberichte von dem von den Gerüchten betroffenen Schiff eingegangen.“ meldete sich Admiral Albright zu Wort.

Admiral Henry der am Kopfende des Tisches saß bemühte sich, in Kenntnis der Fakten, Ruhe zu bewahren und wartete auf den Moment an dem sein Freund Admiral Jorgensen die Katze aus dem Sack lassen würde. Dieser sah sich durch diese letzte Bemerkung, neben seiner dienstlichen Ehre, auch in seinem familiären Stolz verletzt, denn diese Anspielung galt eindeutig seinen Neffen Jan Erik Wikland und der Untersuchung seiner Führungsqualitäten vor dem Ausschuß. Deshalb beschloß er, nun ohne weiteres Vorspiel zur Sache zu kommen.
„Bevor wir nun in Medias Res gehen, darf ich Ihnen aus gegebenem Anlaß zunächst die Personen vorstellen, die neben Ihnen an der heutigen Sitzung teilnehmen werden.“
Unverständnis breitete sich unter den Admirälen aus. Diese Vorgehensweise widersprach allen Gepflogenheiten der üblichen von Disziplin und klaren Fakten geleiteten Meetings, die das Sicherheitskomitee abhielt.
Ein kurzes Kopfnicken reichte und der Fähnrich an der Türe öffnete die Flügel des Haupteingangs erneut. Vierundzwanzig Sicherheitsoffiziere bewaffnet mit Phasergewehren des Typs vier betraten den Raum und postierten sich hinter den Stühlen der Admirals Henson, Albright, Webbers, Sandlinger, Caldman und Shikraz.

„Was soll diese Unverfrorenheit, ich protestiere gegen diese....“ empörte sich Admiral Sandlinger. Aber Jorgensen schnitt ihm das Wort ab.
„Das ist Ihr gutes Recht Admiral, aber es wird Ihnen nicht helfen. Werte Kollegen ich bitte Sie zunächst einmal diese Kommunikation anzusehen, die gestern von uns empfangen und aufgezeichnet wurde."
Jorgensen aktivierte die beiden großen Wandschirme und startete die Sequenz. Während auf einem der Bildschirme die Brücke der Alexandria, besetzt mit Cardassianern und einem Zivilisten erschien, zeigte der andere das Quartier und Admiral Ian Hassard auf der Lakota. Dann begann die Konversation, die Ian Hassard meinte, mit Imasov geführt zu haben. Die Bilder ernüchterten die anwesenden Offiziere zutiefst und auch als die Übertragung schon längst geendet hatte und die Bildschirme erloschen, herrschte betroffenes Schweigen im Raum.
„Diese Übertragung ist eine Fälschung. Sie sind einem gut aufgezogenem Schwindel aufgesessen. Ich kenne Admiral Hassard. Ich habe Seite an Seite mit ihm gekämpft, wie viele andere hier im Raum.“ gab Admiral Webbers überaus verärgert zu bedenken.
„Ja, Admiral. Sie haben Recht. Mit allem. Und das ist genau der Grund warum Sie heute hier sind und vier Sicherheitsbeamte hinter Ihnen stehen.
Die Übertragung war gefälscht. Die Gesprächspartner, die Sie sahen waren künstlich erzeugt, allerdings nicht Admiral Ian Hassard. Er wurde bereits auf der Sternenbasis 491 in Gewahrsam genommen, man konnte ihm sogar noch nachweisen, daß er die entsprechende Löschung dieser Unterhaltung aus den Kommunikationslogbüchern der Lakota veranlaßt hatte. Allerdings konnte man vorher seine Berechtigungen sperren, so daß dies nicht gelang. Und was Sie im Besonderen betrifft Admiral Webbers, Sie sind eine Schande für die Flotte. Dank meines Neffen Jan Erik Wikland, der sich übrigens bester Gesundheit und Freiheit erfreut, konnte nicht nur die U.S.S. Yokohama wiedergefunden und die Crew befreit werden, sondern auch die Hintergründe für die unerklärlichen Verluste an Schiffen und Material in den letzten Jahren aufgedeckt werden." Admiral Webbers wies dies vehement von sich
„Sie wollen mir allen Ernstes einreden, daß Sie Hinweise haben, die diese abenteuerliche Theorie bestätigen?“
Jorgensen fand trotz der Unfaßbarkeit dieser Situation die Muße dazu, ein Lächeln zu zeigen.
„Ich habe nicht nur Hinweise Admiral, ich habe Beweise. Und dies nicht zu knapp. Meine Herren...“ und in diesem Moment änderte sich der Tonfall von Admiral Sven Jorgensen von dem eines vortragenden Referenten zu dem offiziellen Ton, in dem üblicherweise militärische Anweisungen erteilt wurden,
„...auf direkte Anweisung der obersten Sicherheitsbehörde der Sternenflotte habe ich die Befugnis Sie unter Arrest zu stellen. Sie sind ab sofort jeglicher dienstlichen Pflicht enthoben und ihre Immunität wird für die Zeit der Untersuchung ausgesetzt. Eine erste Anhörung in dieser Sache ist vor dem Rat der Föderation bereits für die nächste Woche angesetzt. Das ist alles. Commander Peters, Sie können die Herren Admiräle in die Sicherheitsabteilung bringen.“ beendete Jorgensen seine knappe Erklärung.
Der junge Commander gab seinen Kollegen ein Zeichen, die daraufhin einen Schritt zurücktraten und den sechs Admirälen das Aufstehen aus den Sesseln ermöglichten. Dann führten sie die Personen ab, indem jeder Admiral von vier Wachleuten umrahmt wurde. Die Tür des Konferenzraumes schloß sich hinter ihnen und man konnte sogar das leise Einrasten der Verriegelung hören, so still war es geworden.

„So, nun da dies erledigt ist, möchte ich Ihnen meine werten Kolleginnen und Kollegen die kompletten Informationen nicht vorenthalten, die Ihnen aufzeigen werden, wie es zu diesen unehrenhaften Tätigkeiten kam und wie es möglich war, all dies so lange zu vertuschen. Im Anschluß daran möchten wir mit Ihnen ein Programm ausarbeiten, das es künftig unmöglich macht, solche Lücken in unseren Systemen zu nutzen.“
Admiral Jorgensen aktivierte erneut die Bildschirme und projizierte einige Daten.
„Alles begann mit sporadischen Angriffen der Cardassianer auf den Außenposten der Föderation im Sektor 453. Eine Flotte von 10 Schiffen unter der Leitung von Captain Ian Hassard wurde damals entsandt um.....“

Die U.S.S. Alexandria lag seit einem Tag bei Sternenbasis 491 und hatte erste Rohstoffe von der Station bezogen, auch der Wartungsplan war von den Ingenieuren ausgearbeitet worden.
Eine lange Reihe von Arbeiten wartete auf die Crew und das Serviceteam der Station. Aber Wikland hatte verfügt, daß nachdem alle abschließenden Aufgaben der letzten Mission erfüllt waren, zunächst eine doppelte Freischicht einzuteilen war.
Hierfür hatte er dem ersten Offizier Roger van Dyke einige spezielle Anweisungen hinterlassen. Alle Offiziere hatten ihre letzte Schicht mit klaren Anweisungen begonnen und waren dann gehalten, sich nach erfolgreicher Beendigung, beim ersten Offizier zu melden, um neue Befehle zu erhalten. Das war eine übliche Vorgehensweise, wenn an Sternenbasen angedockt wurde.
Durch die damit notwendige Anpassung an die Stationsroutinen und den Wegfall der ständigen Arbeiten im Flugmodus war eine Neueinteilung erforderlich. So konnte Roger van Dyke nach den Meldungen der einzelnen Abteilungen einer Gruppe nach der anderen die freudige Mitteilung machen, daß zunächst eine doppelte Freischicht folgte, was Zeit genug gab, um auf der Station einen ausgiebigen Einkaufsbummel zu machen, die weitläufigen und umfangreicheren Sportangebote zu nutzen und nicht zuletzt dem Casino einen Besuch abzustatten.
Viele Besatzungsmitglieder wollten auch die Gelegenheit nutzen, die während der Mission verhängte Funkstille nun zu beenden und sich bei Freunden und Familien melden. Das Nachrichtenterminal war fast zusammengebrochen unter der Flut der eingegangenen Nachrichten für die immerhin 1209 Personen an Bord, dem zusätzlichen Daten- und Berichtsaustausch der Labors und technischen Einrichtungen an Bord.
Viele Nachrichten waren schon alt und mittlerweile überholt, aber eine Menge privater Nachrichten, die aufgrund der Unterdrückung der Kommunikation nicht zugestellt werden konnten, war nun aufgelaufen und wollten abgerufen und beantwortet sein.
Roger van Dyke schaute auf sein Display. Gerade hatte er der Crew im Hauptshuttlehangar den Bericht abgenommen und als letzter Abteilung die frohe Botschaft der Freischicht mitgeteilt, was natürlich keine Überraschung mehr hervorrief, denn die Kollegen, die Ihre Freischichten bereits antreten konnten, hatten natürlich diese Information schon an Freunde und Kollegen weitergegeben. Nun saß Roger van Dyke mit Andy Duke und Alisha der Bolianerin auf der Brücke und wartete auf das Team der Sicherheitsabteilung, die mit einer kleinen Crew die Wache übernehmen würde.
Andy Duke drehte sich zu Roger um
„So, das waren wohl die Letzten. Was werden Sie machen, wenn Sie jetzt abgelöst werden?“
Roger ließ sich nach hinten in die Lehne des Captain Stuhls sinken und kraulte seinen Bart.
„Ich weiß noch nicht genau. Ich schätze mal, auf meinem Terminal warten so zwischen einhundert und dreihundert Berichte und Anfragen, vielleicht werde ich erst mal den ganzen „Papierkrieg“ erledigen, wie man früher so schön sagte.“
Andy lächelte und hob mahnend den Zeigefinger seiner rechten Hand.
„Zwei Freischichten für alle Offiziere, die Ihren Dienst beendet haben. Anweisung vom Captain. Das gilt auch für Sie Roger. Also ziehen wir los ins Casino der Sternenbasis?“
Der erste Offizier zog eine Grimasse, die Erschöpfung, Ungläubigkeit und Ironie in einem darstellte.
„Ja, fragt sich nur wann mein Dienst zu Ende geht, wenn ich auf der Brücke abgelöst werde, oder wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin.“
Mit dieser rhetorischen Frage blickte Roger van Dyke auf den Sichtschirm, der den Blick voraus präsentierte und an dessen linkem Rand die Konturen der Sternenbasis zu erkennen waren. „Mit Ihrer Arbeit werden Sie nie fertig werden, die wird immer da sein. Aber Ihr Schichtende ist jetzt.“ fügte Andy Duke an, der die sich öffnenden Türen der Turbolifte sah.
Vier Sicherheitsleute seiner Abteilung betraten die Brücke und besetzten die wichtigsten Stationen.
„Na denn...“ erwiderte Roger van Dyke und erhob sich aus dem zentralen Stuhl.
„Mal sehen, vielleicht schaue ich doch mal auf der Sternenbasis vorbei.“ sagte er zu Andy Duke, als die beiden den Turbolift betraten.
„Na das will ich doch hoffen. Sie können sich ja wohl denken, wo Sie mich und den Rest der Führungsoffiziere finden können, oder?“
Roger nickte und ein Lächeln huschte über seine Lippen. Sicher, das war wohl keine Frage. Im Casino, wo sonst.
„Also, bis dann...“ verabschiedete er seinen Kollegen, als sich die Türen des Lifts auf Deck sieben öffneten und Roger auf den Gang hinaustrat.
Er war sichtlich geschafft. Obwohl das Schiff seit nahezu einem Tag im Orbit um die Station kreiste und keine Mission zu erfüllen hatte, war sein Tag angefüllt mit Meetings, Anfragen, Überprüfungen und Berichten aus den einzelnen Abteilungen, die Ihre Anforderungen weitergaben, die man bei diesem Besuch auf der Sternenbasis berücksichtigt sehen wollte.
Roger betrat sein Quartier, ging zum Replikator um sich ein Erfrischungsgetränk zu replizieren und ließ sich dann einfach auf das Sofa fallen. Er wies den Computer an, seine Lieblingsmusik wiederzugeben, wohlgemerkt mit einem Lautstärkepegel von nur zehn Prozent und entspannte erst einmal für eine dreiviertel Stunde. Nachdem die Musik verklungen war, begab er sich unter die Dusche und ließ das Wasser ausgiebig über seinen Körper prasseln.
Die harten, feinen Wasserstrahlen vitalisierten seine Kräfte und er fühlte sich wieder fit. Roger schlüpfte in eine legere Freizeitkleidung. Obwohl er sich vorgenommen hatte, nicht mehr zu arbeiten, konnte er es sich nicht verkneifen einen Blick auf den Monitor an seinem Schreibtisch zu werfen.
Einhundertzweiundzwanzig Einträge zählte sein Display. Und das, obwohl er heute morgen zu Schichtbeginn alles abgearbeitet hatte. Unwillig, aber trotzdem mit einer gewissen Neugier, scrollte er durch die Betreffzeilen und blieb an einer Mitteilung hängen, die mit der Prioritätssperre und persönlichem Zugangscode versehen war. Der Absender erregte aber viel mehr das Interesse des ersten Offiziers, als die Verschlüßelung der Nachricht.
Er öffnete die Datei durch Bestätigung seines persönlichen Codes und fing an zu lesen. Ein breites Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht. Das war eine gute Nachricht und ein guter Grund, doch noch einmal das Casino aufzusuchen. Er nahm ein Padd und lud die ganzen Daten herunter. Dann schaltete er das Display ab und machte sich auf den Weg.
Der Fähnrich in Transporterraum drei führte die gute Laune des ersten Offiziers einfach auf die nun beginnende Freischicht zurück, als dieser fröhlich pfeifend die Transporterfläche betrat. Sekunden später materialisierte Roger van Dyke im Habitat eins der Sternenbasis, wo selbst um diese Uhrzeit noch ein geschäftiges Treiben herrschte. Zielsicher steuerte er das Casino an, das hier im Habitat der Publikumsmagnet war.
Es war bei weitem nicht so liebevoll eingerichtet wie die Bar Lookout auf der Alexandria, es verbreitete auch nicht gerade den selben heimeligen Flair, der einen zu einem gemütlichen Abend einlud.
Seine Größe setzte hier eindeutige Maßstäbe. Mehr als fünfhundert Personen konnten sich hier aufhalten und es war schon eine besondere Leistung, einen Tisch ausfindig zu machen, an dem Crewmitglieder des eigenen Schiffes saßen.
Dafür war die Aussicht um so spektakulärer. Die großen Fenster boten einen Blick in das Innere des Hangars, in dem zur Zeit acht schwere Kreuzer angedockt waren und mit Materialien, Proviant und Wartungsarbeiten versorgt wurden. Das unablässige Treiben der Shuttles, Workbees und Frachttransporter bot ein unvergleichliches Schauspiel. Und es war schon ein imposanter Anblick ein Raumschiff der Galaxy, Excelsior oder der Akira Klasse so nah und doch von außen zu betrachten.
Roger brauchte nicht lange zu suchen. Der fröhliche Haufen, nah bei den großen Fenstern zum Hangar, war kaum zu übersehen. An einem ovalen Tisch hatten sich die meisten Senioroffiziere der Alexandria und auch einige Crewmitglieder der Yokohama eingefunden und unterhielten sich angeregt.
Immer wieder hoben sich die Gläser und es wurde einander zugeprostet. Roger ging auf den Tisch zu und winkte mit erhobener rechter Hand, in der er das Padd hielt.
„Die nächste Runde geht auf mich!“ rief er über den Tisch, an den sofort ein weiterer Stuhl herangeschoben wurde. Ein spontaner Applaus erklang, gefolgt von einem einstimmigen Grölen. Erst dann kam die zögerliche Frage von Jaqueline Jefferson, die zwischen Ran Byrell und Corbal Mor saß.
„Warum denn das Commander, was verschafft uns die Ehre?“
Roger nahm erst einmal Platz und blickte in die fröhliche Runde. „Na das hier, was sonst?“ erwiderte er und ließ das mitgebrachte Padd über den Tisch zu J.J. schlittern.
„Die Sternenflotte hat geantwortet...und...wir haben gewonnen!“
Ein triumphierendes Lächeln stand in seinem Gesicht. J.J. hatte inzwischen das Padd aufgenommen, aktiviert und stieß einen Freudenschrei aus.
„Leute,...Leute, seid doch mal ruhig. Wißt Ihr was hier steht?“
Alle blickte die Chefingenieurin an und hingen an ihren Lippen um die Neuigkeiten möglichst als Erster zu erfahren.
„Hier steht geschrieben und vom Hauptquartier der Sternenflotte bestätigt und besiegelt...“
Die Spannung stieg ins Unermeßliche. Jadzia Lansu konnte sich nicht mehr zurückhalten.
„Nun sag schon, spann uns nicht so lange auf die Folter, Erzähl!!!“
Jaqueline Jefferson machte eine kleine Pause und schaute Roger van Dyke amüsiert an. Solche Spielchen gefielen ihr. Sie lagen in ihrem Naturell. Sie war immer für einen Spaß zu haben und wenn Sie die Möglichkeit bekam, ließ Sie auch die anderen gerne einmal zappeln, auch wenn Sie schon lange eine Antwort oder Lösung hatte. Daher gefiel es ihr, hier die tragende Rolle zu spielen.
„...hier steht, daß unser Commander es geschafft hat, die zuständige Stelle davon zu überzeugen...unseren Shuttles sinnvollere Namen, auch unter Berücksichtigung fremder Kulturen zu verleihen...“ ein lautes Grölen hob an und die Gläser krachten über dem Tisch zusammen. Erneut brandete Applaus auf.
„Er lebe hoch, der Mann, der uns von Fossie, Kermit und Piggi befreit!“ riefen die Offiziere und ließen den Sythehol durch ihre Kehlen rinnen.
„Ja, er lebe hoch!“ rief auch J.J. und hob Ihr Glas an. Ymoota, die ihr gegenüber saß stieß mit ihr an und blickte Alisha die Bolianerin und Sermin den Vulkanier an. Letzterer war nur auf Bitten und Drängen der Damen mitgekommen, die versucht hatten, ihm glaubhaft zu versichern, daß das Casino ein Ort des kulturellen Austausches sei und er sich sicher nicht langweilen würde.
Für Vulkanier unterschied sich allerdings die Definition von kulturellem Austausch ganz massiv von dem hier vorgefundenen fröhlichen Beisammensein, was Sermin mit einer wenig erbaulichen Mine quittierte.
„Wie haben Sie das geschafft Commander?“ wollte Jadzia wissen, die sich plötzlich richtig ereiferte. Sie erinnerte sich noch gut an das Gespräch zu Beginn der zurückliegenden Mission, in der Sie sich über dieses Thema unterhalten hatten. Roger lächelte verlegen.
„Nun, es war eigentlich Ihre spontane Art, die den Stein ins rollen brachte. Sie sagten mir, daß Ihnen hunderte andere Namen für unsere Shuttles einfallen würden und sicher erinnern Sie sich auch an die Vorschläge, die Sie danach eingereicht haben.
Wir hatten festgestellt, daß viele Offiziere anderer Rassen ihre heimatlichen Werte in der Föderation nur ungenügend berücksichtigt sehen. Sofern die Schiffe der Sternenflotte angehören und nicht gerade der heimischen Flotte, besitzen alle Schiffe ausnahmslos Namen von Orten, Flüssen, Ländern, Persönlichkeiten und so weiter, die auf der Erde anzutreffen sind. Also habe ich recherchiert, ob diese Unzufriedenheit zu Abwanderungen geführt hat.
Und tatsächlich habe ich eine ganze lange Reihe von Offizieren gefunden, die anderen in der Föderation vertretenen Rassen angehören, die ihren Abschied von der Flotte genommen haben, weil sie Ihre heimatlichen Grundwerte in der Sternenflotte nicht mitgetragen sahen.
Die Liste war wirklich lang und ich habe jeden Bericht, jede Logbucheintragung und jedes Abschiedsgesuch angehängt, welches diese Theorie untermauert. Ich habe verdeutlicht, welches Potential an fähigen Offizieren der Sternenflotte auf Grund dieser Engstirnigkeit verloren ging. Natürlich kann man mit einer solchen Maßnahme nicht alles abfedern, aber man kann ein Zeichen setzen, das sich verbreitet und dazu führt, daß das vielgepriesene Verständnis und die Toleranz wieder einen höheren Stellenwert erhält.
Man hat uns nicht nur gewährt eine Umbenennung durchzuführen, sondern auch die Namen selbst festzulegen und die Zeremonie der Schiffstaufen offiziell an Bord der Alexandria durchzuführen. Das heißt, man hat uns praktisch freie Hand gelassen.“ freute sich der Commander.
Inzwischen hatte die Bedienung alle Gläser frisch gefüllt und ein tosender Applaus brandete Roger van Dyke über den Tisch entgegen.
„Auf unseren Commander!“ rief Andy Duke und hob sein Glas.
„Auf unseren Commander...“ stimmten die anderen mit ein und ließen die Gläser klirren.
Ein feuchtfröhlicher Abend nahm seinen Anfang, der ausgeschmückt wurde mit der Verlesung der gestelzten Ausdrucksweise des zentralen Amtes für Schiffsregistrierung, denn das Padd machte die Runde am Tisch und jeder gab einige Zitate der Amtsstelle zum Besten, was immer wieder mit spontanem Gelächter quittiert wurde, etwa als die Antwort auf van Dykes Frage zu lesen war, um welche hochgestellten kulturellen Persönlichkeiten es sich bei Piggy und Kermit, den bisherigen Namensgebern für zwei der Shuttles, handelte.
Bis in den frühen Morgen hinein nutzten die Offiziere die Möglichkeit sich, befreit von Dienst und Hierarchie, einmal von Mensch zu Mensch, oder besser gesagt, von Föderationsmitglied zu Föderationsmitglied zu unterhalten. Schon bald würden die Shuttles mit Namen versehen werden, die wohlklingender waren und einen sicherlich besseren Bezug zu den angeschlossenen Welten boten als bisher.





Kapitel 41

„Das alles hört sich an wie die Programmvorlage für ein aufwendiges Holodeck-Actionabenteuer.“ sagte Admiral Wilbur Jameson, nachdem Wikland mit seinem Bericht geendet hatte.
„Aber eine Frage interessiert mich doch noch brennend Captain. Wie sind Sie letztendlich hinter die Namen der Mittäter gekommen?“
Wikland lächelte und beugte sich vor, um noch einen Schluck von dem hervorragenden saurianischen Brandy zu nehmen und um die Spannung noch ein wenig zu erhöhen, bevor er dem Admiral nun seine Schlüsse aus den Informationen erklärte. Er stand auf und trat ein wenig vor, stellte sich ans Fenster und blickte hinaus auf die Alexandria, die sich im Orbit um die Station befand.

„Das war gar nicht so einfach. Nachdem wir unsere kleine Show mit Admiral Hassard abgezogen hatten, gab er uns wie Sie wissen sieben Codeworte, unter denen die Landsitze auf Risa angelegt werden sollten. Zunächst konnte ich mir keinen Reim darauf machen, denn es war nur eine Ansammlung von Worten, ohne einen Zusammenhang.
Aber dann nahm ich mir die Datenbank der Sternenflotte vor und fand tatsächlich einen gemeinsamen Nenner. Ehrlich gesagt, ich hätte die Verbindung beinahe übersehen. Alle sieben Worte waren Schiffsnamen, noch dazu alle in demselben Kampfverband, der ursprünglich aus zehn Schiffen unter der Leitung von Captain Ian Hassard bestand.“
Wikland machte eine schöpferische Pause und strapazierte damit die Geduld des Admirals noch weiter.
„Genau diese zehn Schiffe wurden vor etwas mehr als drei Jahren abkommandiert um einen Stützpunkt der Föderation an der Grenze zum cardassianischen Reich zu schützen. Die Basis hatte zunächst von sporadischen Attacken, später von regelmäßigen Angriffen der Cardassianer berichtet, die, wenn möglich versuchten, technische Einrichtungen der Basis zu entwenden, nachdem sie die Schilde geschwächt hatten.
Der Kampfverband mußte nicht lange warten bis die Cardassianer mit einem großen Geschwader erneut auftauchten, um die Station endgültig dem Erdboden gleichzumachen.
In einer aufreibenden Schlacht konnten die Cardassianer schließlich vernichtend geschlagen werden. Die Sternenflotte verlor dabei drei Schiffe, nur sieben kehrten zurück.
Obwohl die Kampftaktik von Captain Hassard als unzureichend bezeichnet wurde, gab ihm das Ergebnis letztendlich Recht, auch wenn drei Schiffe einen nicht unerheblichen Verlust darstellten. Captain Hassard und die sechs anderen Captains wurden für ihre Verdienste geehrt und in den Rang eines Admirals erhoben. Die Station am Rand des cardassianischen Sektors wurde nie wieder angegriffen.“
Admiral Jameson nickte zustimmend.
„Ich kann mich noch gut daran erinnern, einer meiner Freunde Peter Sandford war damals der Captain der U.S.S. Yukon, eines der Schiffe, die nicht zurückkamen. Es war ein schwerer Kampf und Ian Hassard hat sich damals sehr verdient gemacht.“
Wiklands Gesichtszüge zeigten Bedauern.
„Ja Admiral, wenn man die Geschichte nur bis hierhin betrachtet schon. Aber es gibt da auch noch eine andere Seite. Wissen Sie, es machte mich schon stutzig, daß die Sternenbasis nach diesem Vorfall nie wieder belästigt wurde. Jeder geschlagene Gegner würde die abgelegene Position des Außenpostens bei nächster Gelegenheit für einen weiteren Angriff nutzen. Also suchte ich in den erbeuteten Daten von Repok Nor ebenfalls nach Hinweisen. Und was ich da fand, hat mich zutiefst schockiert und wird auch Sie mit Sicherheit betroffen machen.“
Wikland legte erneut eine Pause ein und nahm den letzten Schluck Brandy aus seinem Glas, bevor er die grausame Wahrheit offenbarte. „In den Daten der Cardassianer fand ich ebenfalls einen Eintrag über diese Schlacht. Aber hier war verzeichnet, daß die Schiffe der Föderation in einen gut vorbereiteten Hinterhalt gerieten und sich nur mit Mühe ihren zahlenmäßig überlegenen Gegnern zur Wehr setzen konnten.
Der gesamte Kampfverband wurde schwer getroffen und es herrschte Uneinigkeit unter den einzelnen Kommandanten über die weitere Vorgehensweise. Während drei der Captains, darunter Ihr Freund Sandford sich für eine weitere Angriffswelle, eine andere Taktik und eventuelle Selbstzerstörung entschieden, um den Cardassianern die Technologie der Föderation vorzuenthalten, hatten sich die restlichen Sieben für einen Deal mit dem Führer der cardassianischen Flotte Gul Gelrath entschlossen.
Sie überließen die drei Schiffe der kampfwilligen Captains mit deren Mannschaft den Cardassianern, indem sie die Schiffe per Transpondercode sperrten und so den Captains die Möglichkeit der Verteidigung und Selbstvernichtung nahmen. Im Gegenzug forderten sie von den Cardassianern ihren freien Rückzug und Verzicht auf den Außenposten der Föderation, um die Aktion als glorreichen Sieg hinstellen zu können. Durch die Übernahme der drei Schiffe hatten die Cardassianer mehr gewonnen, als sie durch gewaltvolle Einnahme der Station hätten erreichen können.
Wertvolle Informationen der Sternenflotte, neueste Technik und zahlreiche Ressourcen, die ihnen bei ihren weiteren Angriffen gelegen kamen. Aus dem ersten Deal wurde mit der Zeit ein schwunghafter Handel, der den Admirälen ein fettes Zubrot brachte und unsere Flotte auf Dauer geschwächt hat. Der Gul von damals fiel durch diesen Vorfall ebenfalls die Treppe nach oben und wurde Legat. Er befehligte die Station Repok Nor, von der wir die Crew der Yokohama befreit haben.“

Die Bestürzung in den Augen des Admirals war deutlich zu sehen. Die plötzliche Kenntnis über das Schicksal seines Freundes und dieses sinnlose Opfer ließen sein Gesicht blaß und blutleer werden.
„Wenn das so ist Captain, dann haben die Cardassianer mit all dem Wissen, das in den Datenbanken dieser Schiffe war, einen entscheidenden Vorteil bei jedem Konflikt, der sich in der nächsten Zeit bei Kämpfen mit der Sternenflotte ereignen wird.“ erwiderte der Admiral kraftlos.
Wikland ging zum Tisch und holte die Flasche mit dem Brandy. Er goß dem Admiral und sich jeweils einen großen Schluck ein. „Nun Admiral, da muß ich Sie leider korrigieren. Mit jedem Tag der vergeht, dürfte dieser Vorteil rapide schwinden.
Meine Chefingenieurin war so frei, bei der letzten Mission einen elektronischen Wurm im Datennetzwerk der Cardassianer zu plazieren. Er diente eigentlich nur dazu, die Daten der Yokohama in den Computernetzwerken von Repok Nor auszulöschen. Wissen Sie, dieses kleine überaus schlaue Programm sucht und erkennt jedwede Datenstruktur, die von der Föderation stammt an einem, sagen wir mal elektronischen Wasserzeichen, und löscht diese Information zuverlässig.
Es hat allerdings einen kleinen Nachteil, es verbreitet sich in fremdartiger Umgebung schon allein durch Kommunikation in andere Netzwerke und verursacht dann dort den gleichen Schaden. Ich würde mal schätzen, die Föderationsdaten, die sich im Besitz der Cardassianer befinden sind spätestens in einem Monat Geschichte. Und das Schönste daran ist, sie werden es nicht einmal merken.“
Wikland hob sein Glas und stieß mit Admiral Jameson an, dessen Laune sich wieder ein klein wenig gebessert hatte und der bei dieser letzten Information bereits wieder ein Lächeln über die Lippen brachte.
„Sie sind ein gerissener Hund Wikland. Ich bedaure jeden der sich nicht zu Ihren Freunden zählen darf.“
Wikland schaute den Admiral mit ernster Mine an.
„Nun, das muß man heute wohl sein, um in dieser korrupten Zeit und den geschickt geplanten Übergriffen zu bestehen Admiral. Die Zeiten in denen es allein auf Entschlossenheit und Kampfkraft ankam, in denen die reine Taktik über Erfolg oder Mißerfolg eines Gefechtes entschieden hat sind wohl endgültig vorbei. Heute ist Kreativität mehr denn je gefragt und ich tue mich, ehrlich gesagt, schwer damit, mich an diese neuen ‘Regeln’ zu gewöhnen.“
Der Admiral trat an seinen Schreibtisch.
„Ich verstehe Sie nur zu gut.“ bestätigte er dem Captain, der sein leeres Glas auf dem Tisch abgestellt hatte.
„Eine Frage noch Admiral. Hat man sich denn schon um die anderen Abtrünnigen gekümmert? Ich mache mir ehrlich Sorgen, daß uns eventuell einer dieser Übeltäter durch die Lappen gehen könnte.“
Wilbur Jameson horchte auf und blickte Wikland fragend an.
„Ach, das hat man Ihnen noch gar nicht gesagt? Nun die Kreativität und die Durchsetzungskraft scheint in Ihrem Familienstammbaum verwurzelt zu sein. Wenn ich es recht erinnere war es Ihr Onkel, Admiral Sven Jorgensen, der gestern eine überaus dringende Sondersitzung der Admiralität einberufen hat. Eine sehr ungewöhnliche Zusammensetzung für eine Sicherheitskonferenz. Unglücklicherweise konnten wohl nicht alle Teilnehmer die Ausführungen Ihres Onkels bis zum Schluß verfolgen, da sechs von Ihnen anderen Verpflichtungen nachkommen mußten.“

Ein breites Grinsen untermalte die Worte des Admirals. Auch Jan Erik Wikland entspannte sich ein wenig und ließ seinen Blick durch das Büro wandern. Seine Augen blieben am Fenster hängen, durch das man gerade wieder die Alexandria sehen konnte, die im engen Orbit um die Station kreiste.
„Das beruhigt mich. Dann kann ich meiner Mannschaft wenigstens berichten, daß unsere Bemühungen auch mit dem entsprechenden Ergebnis abgeschlossen wurden. Bliebe nur noch die Frage der noch durchzuführenden Instandsetzungsarbeiten. Wann können wir im Hangar andocken, um unsere Hüllenschäden zu reparieren?“
Admiral Jameson ließ sich in seinen Stuhl hinter dem Schreibtisch gleiten.
„Sie sind immer noch der Alte, Captain Wikland. Immer gerade aufs Ziel zu. Kommen Sie her, wir schauen in den Belegungsplan, eventuell muß Admiral Parker ein paar Verschiebungen vornehmen, aber lassen Sie uns erst einmal sehen...“



Die Flure an Bord der Alexandria waren Menschenleer. Nur eine Stammcrew war eingeteilt, die Funktionen des Schiffes und die Sicherheit an Bord sicherzustellen. Ymoota Aalia kam aus Ihrem Quartier und drückte einige Tasten auf dem Display, welches in der Wand eingelassen war.
Sie überprüfte die Angaben, die der Computer anzeigte und machte sich auf den Weg. Ihr rechtes Bein schmerzte stark und sie wollte sich auf der Krankenstation behandeln lassen. Mühsam schleppte sie sich zum Turbolift und gab ihr Ziel an. Schon nach wenigen Sekunden war sie auf dem gewünschten Deck angekommen und trat aus dem Lift.
Die Tür zur Krankenstation lag genau gegenüber. Ymoota ging darauf zu und betrat durch die sich öffnende Tür die Krankenstation, die in völligem Dunkel lag.
„Computer, Licht.“ sofort flammte die Beleuchtung auf und tauchte den medizinischen Bereich in ein angenehmes, nicht zu helles Licht.
Ymoota begab sich in den Hauptuntersuchungsraum und setzte sich auf den Diagnosetisch.
„Computer, aktiviere das medizinisch holografische Notfallprogramm.“
Ein kurzes Geräusch ertönte, dann entstand das Computerhologramm eines Mannes, der mit dem Rücken zu Ymoota stand. Er war nicht gerade das, was man eine Schönheit nannte, aber es war auch nur die Beta Version eines möglicherweise künftigen Programms, welches in Notfällen den Arzt ersetzen oder ihm helfen sollte.
„Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls!“ sagte das Hologramm und blickte verwundert in den leeren Raum.
„Hier bin ich, und ich bin der medizinische Notfall.“ sagte Ymoota mit leiser Stimme. Abrupt drehte sich das Hologramm um und blickte den jungen Lieutenant an.
„Warum haben Sie mich aktiviert? Meine Verbindung zum Hauptrechner zeigt mir, daß auf diesem Schiff insgesamt drei Krankenstationen Einsatzbereitschaft gemeldet haben.“
Der verwunderte und fragende Blick des MHN traf die junge Bajoranerin.
„Nun, sagen wir mal, ich traue nicht unbedingt jedem, den ich sehe, und noch weniger denjenigen, die sich an mir zu schaffen machen wollen.“ antwortete Ymoota zynisch.
„Trotzdem verstehe ich Sie nicht, es bestand keine Notwendigkeit, mich zu aktivieren.“ kam die etwas hochnäsige Antwort des Hologrammes, so als hätte man es aus seinem wohl verdienten Schlaf aufgeschreckt.
„Hören Sie, ich bin nicht hier um mich mit einem Hologramm zu streiten, sondern weil ich Schmerzen in meinem Bein habe, wollen Sie mich jetzt untersuchen ja oder nein?“ erwiderte Aalia in gereiztem Tonfall.
„Ist ja schon gut...“ sagte der holographische Doktor und griff nach einem medizinischen Trikorder.
„...wo tut es denn weh?“ fügte er mit väterlicher Stimme an. Ymoota griff an ihrer Uniform hinunter und öffnete den Reißverschluß der Hose am rechten Schuh. Dann zog sie das Hosenbein bis über das Knie nach oben und legte den Unterschenkel mit der elektromechanischen Prothese frei.
„Hier tut es weh. Ich mußte einige Bauteile austauschen und nun scheint die Anpassung an die neurale Steuerung nicht mehr zu funktionieren.“ In den Augen des holografischen Arztes breitete sich Schrecken aus.
„Was ist denn das?“ rief er empört aus. Ymoota blickte das MHN mit einem strafenden Blick an
„Das ist eine Prothese, mir fehlt ein Fuß. Ich dachte Sie verfügen über umfangreiche medizinische Dateien. Wenn das so ist, dann gehe ich wohl besser wieder.“ Das Hologramm beschwichtigte die Frau wieder,
„Das stimmt, aber ich habe so etwas noch nie gesehen. Das sind ja Heilungsmethoden wie in der Steinzeit.“ Ymoota blickte auf Ihre elektromechanische Prothese,
„Können Sie mir jetzt helfen oder nicht?“ fragte Sie ungeduldig.
„Nun ja, ich bin Arzt und kein Uhrmacher!“ erwiderte das Hologramm unsicher.
„Sie sollen ja auch nicht die Technik reparieren sondern die Anbindung an meinen Körper untersuchen.“
Das Hologramm trat an den Tisch und führte den medizinischen Scanner über das Bein der Bajoranerin. Mehrmals hob er eine Augenbraue, als er die Werte der Analyse auf dem Trikorder ablas.
„Und, was ist?“ fragte Ymoota Aalia. „Die Schmerzen, die Sie empfinden stammen von den Verbindungen der Prothese zu ihren Nervenbahnen. Ihre Nervenenden sind stark gereizt. Es scheint auf eine zu starke elektrochemische Stimulanz hinzudeuten. Sie sagten, sie haben in letzter Zeit Veränderungen an der Mechanik der Prothese vorgenommen?“
Die junge Frau druckste ein wenig herum
„Nun ja,... ich... da war.... ich habe einige Bauteile....auf der letzten Mission benötigt.“
Der einzige Ausdruck mit dem man die Mimik des Hologramms beschreiben konnte war wohl Fassungslosigkeit.
„Sie haben Bauteile benötigt? Das ist eine Prothese, kein Ersatzteillager. Sie dient ihrer uneingeschränkten Beweglichkeit und nicht dazu irgendwelche....Technik zu reparieren.“ rief das MHN entsetzt.
„Nicht repariert, sondern sabotiert.“ korrigierte Ymoota ihn
„Um so schlimmer.“ empörte sich der Doktor.
Inzwischen hatte er aus einem der Behandlungsschränke eine Neurostimulator genommen und hielt ihn über Ymootas schmerzendes Bein. Sie verspürte ein sanftes Kitzeln und der Schmerz ließ nach. Wenige Sekunden später war er völlig verschwunden.
„Meinen Untersuchungen zufolge haben Sie einen Impulsgenerator verwendet, der eine viel zu hohe Spannung verwendet. Das ganze befindet sich zwar noch im Milliwattbereich, aber die Nervenbahnen eines Humanoiden sind eben etwas sensibler, als so manche Technik.
Sie sollten das Teil schnellstens austauschen lassen, damit Sie auf Dauer schmerzfrei bleiben. Ich habe Ihre Nervenbahnen beruhigt, das wird ungefähr zwei Tage anhalten. In dieser Zeit sollte aber dringend etwas passieren.“
Ymoota ließ sich vom Behandlungstisch gleiten und setzte die Prothese auf den Boden. Die Funktionen waren wieder gegeben, seit Sie die entnommenen Bauteile durch Neue ersetzt hatte, aber mit der Zeit war ein unangenehmer Schmerz entstanden, der nun wieder völlig verschwunden war, dank der Behandlung durch das Hologramm.
Der Holodoktor drückte dem jungen Lieutenant ein Padd mit den Analysen in die Hand, die auch die notwendigen Änderungen der elektronischen Steuerungen beinhalteten.
„Haben Sie schon einmal über eine Reimplantation nachgedacht Lieutenant?“ fragte das MHN.
„Sie meinen die Einpflanzung eines anderen Fußes?“
Der holografische Doktor schüttelte den Kopf
„Nein, die Wiederherstellung Ihres eigenen Fußes aus Ihrer eigenen DNA mittels des holographischen Replikators.“
Ymoota blickte den Doktor mißbilligend an.
„Sie wollen mich wohl auch noch auf den Arm nehmen, oder wie?“
Der Gesichtsausdruck des Hologramms wechselte zu einer beleidigten Mine.
„Es liegt mir fern, Ihnen zu nahe zu treten oder Sie mit Scherzen zu belegen Lieutenant. Es ist eine sehr neue Behandlungsmethode, mittels der eigenen DNA können alle Körperteile repliziert werden. Mit Hilfe der Holotechnologie wird das neue Gewebe an Ort und Stelle gehalten, bis es mit der bestehenden Materie verwachsen ist.“
Ymootas Augen glänzten für eine Sekunde.
„Kann ich damit wieder laufen wie früher, fühle ich meine Zehen wieder und wird mein Körper das Gewebe nicht abstoßen?“
Der Holodoktor zuckte mit der Schulter,
„Ich habe nur die Fakten gespeichert, die notwendig sind um diese Art Eingriffe zu tätigen. Ich bin mir nicht sicher.
Es ist wie gesagt eine sehr neue Technologie, Sie wurde bisher nur an Lieutenant Worf angewendet, der als Klingone aber über eine deutlich stärkere Physiologie verfügt. Dafür war es wohl aber auch einer der schwersten Eingriffe überhaupt, seine Wirbelsäule wurde wieder hergestellt, und damit auch die ganzen Nervenbahnen, die dazu nötig sind, den Körper zu steuern. Er erfreut sich bester Gesundheit, da wird ein Fuß und ein Unterschenkel wohl gute Aussichten auf einen vollständigen Heilungserfolg haben.“
Ymoota blickte das MHN immer noch fragend an. In Ihren Augen stand nur eine Frage, nämlich die nach den Erfolgschancen
„Werde ich wieder so laufen und fühlen können, wie in meiner Kindheit und Jugend?“ wiederholte die junge Frau ihre wichtige Frage.
Das Hologramm sah die junge Frau an.
„Ich bin Arzt und kein Hellseher, was erwarten Sie von mir. Ich bin noch nicht einmal offiziell im Dienst wenn man so will, denn schließlich ist dies ja das Schiff, auf dem ich einem umfangreichen Test unterzogen werden soll. Unter der Bedeutung umfangreich, hatte ich mir allerdings etwas anderes vorgestellt. Seit meiner Installation in die Betriebsroutinen dieses Schiffes bin ich heute das erste Mal aktiviert worden und dies noch dazu wegen dieser selbstfabrizierten Nervenreizung.“
Ymoota war inzwischen einige Schritte gegangen und hatte mit Zufriedenheit festgestellt, daß sie sich wieder völlig frei bewegen konnte und keine Schmerzen mehr zu ertragen hatte.
„Schon gut Doktor, Sie können sich wieder entspannen und ich werde Ihren Wunsch nach mehr Arbeit an den Captain weiterleiten. Danke.
Computer medizinisch holografisches Notfallprogramm deaktivieren.“ Ein kurzer Verarbeitungston erklang und das Hologramm verschwand. Ymoota war wieder allein im Raum.
Sie wies den Computer an, das Licht zu löschen und machte sich auf den Rückweg in ihr Quartier.

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