Kapitel 31
„So ein verdammter Mist, hier funktioniert aber wirklich bald gar nichts mehr“ fluchte der Cardassianer und drückte erneut auf den Auslöser des Schotts aber es reagierte natürlich genauso wenig, wie einige Minuten zuvor beim Außenteam.
„Jetzt weißt Du warum es offen ist, Die mußten manuell öffnen, weil die Hydraulik wieder mal ohne Energie ist. Anscheinend gibt es hier keine Verbindung zum Backup System oder die haben es von oben abgeschaltet. Laß uns hier verschwinden, sonst müssen wir es am Ende noch für diese wehleidigen Wissenschaftler reparieren.
Ein Wunder, daß sie uns nicht schon gerufen haben, als diese Tür sich nicht öffnen ließ. Wenigstens haben sie ihren Kram selbst rübergetragen.“ War die Stimme des Cardassianers zu hören.
„Willst Du wirklich versuchen ob Du das wieder hinbekommst?“ fragte der Cardassianer seinen Kollegen, der an der Türkonsole stand. Mit einigen wenigen Griffen hantierte dieser an dem Verschluß und dann war der Klang einer hydraulischen Pumpe zu hören. Sekundenbruchteile später fuhr das Schott zu Boden. Margret O’Reilly entspannte sich langsam. Das war knapp, aber es war noch einmal gut gegangen.
Zweifelsohne hatte man die beiden hierher geschickt, weil man das Beamsignal in dem Frachtraum aufgefangen hatte. Die anderen Teams waren in den Zwischenwänden materialisiert und dort fiel aufgrund der ohnehin vorhandenen Strahlung die Restenergie nicht so stark auf.
Das Schließen des Schotts, welches zum Flur hinaus führte, war als unterschwelliges Hydraulikgeräusch zu hören und Stille kehrte ein. Nur langsam erhoben sich die Mitglieder des Außenteams aus ihrer Deckung.
„Soviel zum Thema unbemerktes Beamen und seine Folgen!“ zischte J.J. und ging in immer noch gebeugter Haltung vor zum Hauptgang des Frachtbereichs.
„OK, ich möchte daß Sie jetzt die Nachhut bilden und nur auf eventuelle ungebetene Gäste achten.“ sagte sie zu Lt. Lewis und Lt. Watson. „Noch einmal will ich mir nicht so einen Schreck einjagen lassen. Wir schaffen das mit den Bauteilen schon.“
Damit ging J.J. noch einmal zurück, zu dem kleinen Modul und der Speichereinheit. Sie zog ihren Pulsemitter aus der Tasche und verpaßte beiden Bauteilen je zwei volle Ladungen und ergänzte um eine dritte um sicherzugehen, daß die Markierung auch lange genug hielt. Dann kam sie nach vorne und stieß zu der kleinen Gruppe, die sich im Hauptgang zusammengefunden hatte.
„OK, wie weit sind wir?“ fragte sie in die Runde.
„Wir haben fast alle Bauteile markiert, bis auf den Bereich vor dem nächsten Schott. Dafür brauchen wir aber bestimmt nicht länger als fünf Minuten. Dem Aufkommen an Bauteilen dieses Raumes zufolge können wir noch mal mit ein bis zwei weiteren Bereichen dieser Größe rechnen was bedeutet, daß wir noch mal so lange brauchen.“ antwortete Carter. „Gut, worauf warten wir dann noch, los geht’s.“
Erst jetzt fiel J.J. auf, daß Carah Pehl nicht bei ihnen stand. Ihr Blick fiel auf das geschlossene Schott an der gegenüberliegenden Wand und eine unbestimmte Angst beschlich sie. Sie hatte Carah schließlich den Auftrag gegeben den anderen Raum im Auge zu behalten. Suchend fuhren ihre Augen über die Paletten und an den Gängen vorbei, aber von Carah war nicht die geringste Spur zu sehen.
Die Chefingenieurin starrte noch immer auf das Schott und war sich unsicher was sie nun tun sollte. Die anderen hatten inzwischen auch das Fehlen des Lieutenants bemerkt und blickten Jaqueline Jefferson fragend an. In diesem Moment öffnete sich das Schott unter dem quälenden Geräusch einer defekten Pumpe.
Die Offiziere der Sternenflotte hatten gar keine Zeit zu reagieren und da sie mitten im Gang standen war auch nicht von einer halbwegs guten Deckung zu sprechen. Obwohl das Ganze nur Sekundenbruchteile dauerte kam es J.J. wie eine Ewigkeit vor.
Eine Gestalt trat durch das Schott, die im Dunkeln und dem geringen Licht der Handlampen, welches auf diese Entfernung nur noch einen schwachen Schein hatte, kaum zu erkennen war. Erst als sie näher kam, erkannten die Mitglieder der Gruppe ihre Teamgefährtin.
Ihre Uniform war total verschmutzt und sie machte einen allgemein eher mitgenommenen Eindruck.
„Was war los Carah?“ fragte J.J. besorgt und dem Klang ihrer Stimme war ein gewisses Maß an Schuldbewußtsein zu entnehmen. Carah antwortete nicht sofort, mußte sich erst ein wenig konzentrieren.
„Ich war im anderen Raum als die Cardassianer hereinkamen. Ich hatte keine andere Wahl und mußte mich in einen der Gänge flüchten, konnte nicht hierher zurück. Sonst hätte ich durch den Lichtkegel ihrer Lampen laufen müssen. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich in einem der Regale zu verstecken, um nicht aufzufallen und unser Team nicht zu verraten. Deshalb sehe ich jetzt auch ein wenig derangiert aus.“
J.J. blickte in die Augen von Carah und wusste, ohne weiter zu fragen, daß das nicht alles gewesen sein konnte. Sie verzichtete aber darauf Carah weitere Fragen zu stellen. Sie wußte auch so, daß die Cardassianer nicht gerade zu den Leuten gehörten, die eine Bajoranerin zu einem netten Dinner am Abend einladen würden.
„OK. Dann machen wir jetzt weiter wie besprochen. Melden Sie sich auf der Krankenstation, wenn wir zurück sind.“ erklärte Jefferson und wandte sich um zum nächsten Schott.
„Das wird nicht nötig sein Commander, es ist alles in Ordnung.“ antwortete Carah schnell.
Damit war für J.J. endgültig klar, daß es wohl nicht bei dem geblieben war, was die Bajoranerin erzählt hatte. Sie malte sich lieber nicht aus, in welchem Zustand sich die beiden Cardassianer jetzt befanden. Schnell verteilten sich Lt. Carter, O’Reilly, Carah Pehl und die Chefingenieurin um so schnell wie möglich die Markierung abzuschließen, während Lewis und Watson die Sicherung übernahmen.
Tatsächlich hatten sie die entsprechenden Bauteile innerhalb weniger Minuten so vorbereitet, daß ein späteres Beamen möglich war. Sie konnten ihre Aufmerksamkeit also dem nächsten Schott widmen, welches in den nächsten Frachtbereich führte.
J.J. hatte aus der Erfahrung mit den Cardassianern gelernt. Sie wies Carah Pehl, und Margret O’Reilly an sich mit Ihren Waffen bereit zu halten, um den Rücken zu sichern, während Sie Watson und Lewis nach vorne beorderte um auf eventuelle Gäste auf der anderen Seite vorbereitet zu sein.
Ein kurzer Scan zeigte zwar auf der gegenüberliegenden Seite keine Lebenszeichen an, aber Vorsicht war in jedem Falle besser. Diesmal hatten Sie auch Glück mit der Öffnungsautomatik des Schotts.
Problemlos fuhr die Türe nach oben und gab den Blick in die nächste Sektion frei. Was man halt aufgrund der Dunkelheit so einen ‘Blick’ nennen konnte. Auch hier war es total dunkel, nicht einmal eine Notbeleuchtung war wie auch in den zurückliegenden Räumen eingeschaltet.
Allerdings wurde ihre kleine Freude über die Tatsache, daß sich in dem Raum tatsächlich keine Cardassianer befanden sofort wieder gedämpft. Es gab keinen Gang, keinen Stellbereich für die Frachtgüter, keinen Platz im ganzen Raum, an dem man den Boden sehen konnte.
So wie es hier aussah, hatte man alle Teile einfach und in großer Hast in diesen Raum gebeamt und es war bislang keiner hier gewesen, der aufgeräumt hatte.
„Na super, so wie das hier aussieht brauchen wir einen ganzen Tag um unser Zeug zu markieren.“ sagte Margret O’Reilly und ließ die Schultern ein wenig hängen.
„Und wir können zusehen, wie wir auf die andere Seite kommen. Anscheinend geht es da ja auch noch weiter.“
Erwiderte Carah Pehl und deutete auf die gegenüberliegende Wand, die fast bis unter die Decke mit leeren Gitterboxen zugebaut war. Langsam kletterte J.J. über die ersten Konsolen und wies die anderen an ihr zu folgen.
Carter, der als letzter durch die Tür trat, betätigte noch den Sensor und das Schott schloß sich mit einem gequälten Stöhnen der Hydraulikpumpen. Lange würde es diese Tür auch nicht mehr machen.
Watson, Carter und Lewis folgten den drei Frauen, die sich in dem Gewühl der Bauteile zu orientieren versuchten. Aber das schien einfach unmöglich. Zu viele Bauteile waren hier übereinandergestapelt, boten kaum Halt, um darauf zu stehen oder zu sitzen und der Boden war tatsächlich nicht zu sehen. „Wie es scheint haben wir hier keine Wahl.“ sagte Jaqueline Jefferson, „Wir werden einfach alles markieren. Macht eine Reihe jeder nimmt sich auf einer Breite von fünf Metern alles das vor, was vor ihm liegt. Dann geht’s langsam bis auf die andere Seite. Seht zu daß ihr alles erwischt, macht zur Not doppelte Markierungen. Auf geht’s.“
J.J. kletterte nach rechts und bedeutete Margret O’Reilly Ihr zu folgen. In den nächsten Minuten war ständig das leise kurze Summen der Emitter zu hören, jedesmal wenn ein Impuls auf eines der Bauteile abgegeben wurde. Nur langsam ging es voran und ab und zu brach man durch, da man fast nicht erkennen konnte, wohin man trat und auf was man eigentlich stand.
Mit sorgenvoller Mine schaute die Chefingenieurin auf ihren Chronometer. Sie waren nun schon volle zwanzig Minuten unterwegs. Nur noch wenige Minuten bis zum Ende der Einsatzzeit.
Sie hatten zwar mit Problemen gerechnet, aber J.J. hatte wenigstens gehofft die entwendeten Bauteile sortiert und in größeren Einheiten in Transportboxen vorzufinden, was die Markierung deutlich erleichtert und beschleunigt hätte. So kam sie sich vor als würde sie auf einem überdimensionalen Schrottplatz herumklettern und nach der berühmten Nadel im Heuhaufen suchen.
Einen weiteren Frachtbereich würden Sie mit dieser Methode nicht abdecken können. Sie fragte sich ohnehin wie sie auf die wahnwitzige Idee gekommen waren, die Bauteile zurückzuholen. Sie hätten auch einfach die Crew befreien und dann die Station in Schutt und Asche legen können.
Langsam arbeitete Sie sich voran und markierte weiter die Bauteile, über die sie hinwegschritt. Nur noch wenige Meter trennten sie nun von der anderen Seite des Frachtbereichs. Und tatsächlich direkt vor den Gitterboxen, die an der Wand aufgestapelt waren sah man einen schmalen nur zwei Meter breiten Gang, der von vorne aufgrund der aufgestapelten Teile nicht erkennbar gewesen war. Jaqueline Jefferson markierte gerade noch einige Teil und sprang dann von der letzten Konsole hinunter auf den Boden.
„Au Mann, was für eine Schufterei.“ stöhnte sie leise, zog ihren Trikorder aus der Tasche und klappte ihn auf. Edison Carter, der ebenfalls den Boden erreicht hatte trat neben sie und sah den erschreckten Ausdruck in ihren Augen.
„Was ist denn los Commander?“ wollte Carter wissen, aber anstatt einer Antwort hielt ihm die Chefingenieurin einfach nur den Trikorder hin.
„Ohh nein, nicht jetzt und hier, verdammt.“ stöhnte auch Carter. Inzwischen waren alle in dem schmalen Gang zusammengekommen und standen vor den Gitterboxen, die auch zu allem Überfluß vor dem einzigen Schott in dieser Wand aufgestapelt waren.
„So ein elender Mist!“ machte sich J.J. Luft.
„Nachdem wir alle diese Teile markiert haben und uns bis hierher durchgekämpft haben, stelle ich jetzt fest, daß hinter dieser Türe eine starke Energiequelle ist.“
Carah Pehl schaute die Chefingenieurin an, die aschblonden Haare hingen ihr im Gesicht und man sah ihr deutlich an, daß ihr die Kletterei und die Mission hier im Dunkeln sehr zugesetzt hatten.
„Na und, da wird eine Maschine laufen oder sonst was, vielleicht war das hier der letzte Frachtbereich, auch wenn die Sektion hier noch einen weiteren Raum haben müßte. Was ist daran so schlimm?“ wollte die Bajoranerin wissen. Edison Carter hielt ihr den Trikorder vors Gesicht.
„Es ist eine eindeutige Föderations-Energiesignatur in schönster Reinheit, die da hinter der Tür strahlt.“
Carah blickte zu Boden, das war natürlich ein Tiefschlag und es blieb keine Zeit mehr um etwas zu tun. Der Chronometer zeigte gerade einmal noch vier Minuten Restzeit an. Zu wenig, um noch eine große Aktion anzugehen.
J.J. war innerlich total aufgebracht. Sie ärgerte sich, daß sie nicht zuerst alle Bereiche gecheckt hatte und dann mit der Markierung begonnen hatte. Vielleicht wäre sie dann früher auf dieses Ergebnis gestoßen und hätte eventuell auch dafür noch eine Lösung finden können.
Wütend trat Sie einen Meter zurück und schaute die fünf Reihen hoch gestapelten Gitterboxen an, die vor ihr standen und das Schott verdeckten. In einem Anflug von Wut hob sie die Arme und fluchte,
„Diese elenden Löffelköpfe, müssen die einem immer das Leben so schwer machen? Warum muß dieser Kram mir gerade jetzt den Weg versperren. Ich wünschte ich könnte ihn einfach so zur Seite wischen.“
Mit einer energischen Bewegung ihres rechten Arms vollführte die wütende Frau eine schwunghafte Geste von links nach rechts um damit anzudeuten, was sie mit diesen Gegenständen tun wollte.
Und wie von Geisterhand bewegt stürzte der Turm der Gitterboxen in sich zusammen, polterte nach rechts und gab den Weg auf das Schott frei. Die herunterfallenden Boxen machten einen Höllenlärm und Watson mußte schnell zur Seite springen, um nicht getroffen zu werden.
J.J. war total perplex und schaute auf Ihre Hand. So etwas hatte sie noch nie erlebt und es kam ihr überaus merkwürdig vor.
„Was war denn das? Man könnte ja direkt meinen Sie verfügten über telekinitische Kräfte!“ rief Carter zu Chefingenieurin hinüber. Aber bevor J.J. überlegen oder gar beantworten konnte was hier geschehen war, öffnete sich das Schott und zwei Cardassianer traten in den Frachtbereich, die Deckenbeleuchtung flammte auf und plötzlich stand das Föderationsteam im hellen Licht ungeschützt den Cardassianern gegenüber.
Ohne zu zögern zog Lt. Parker Lewis seinen Handphaser und eröffnete das Feuer auf die Cardassianer, die sich schnell durch die Tür zurückzogen und auf der zentralen Konsole einen Befehl eintippten. Eine Alarmsirene heulte auf und einer der Cardassianer im Raum schien eine Waffe gefunden zu haben. Ein Disruptorstrahl zuckte durch die Türe und schlug neben J.J. in einer Konsole ein.
Es war für Lt. Commander Jefferson und ihr Team gar nicht so leicht auf Anhieb eine Deckung zu finden, hier im Frachtraum lagen nur die Gitterboxen, die aber keinen Schutz boten. Zurück konnten sie ebenfalls nicht. Also gab es nur den Weg nach vorn.
Erst jetzt beim zweiten Blick registrierte die Chefingenieurin, was sich in dem Raum befand, aus dem die Cardassianer herausgekommen waren. Sie konnte eine der Phaserzellen sehen, die man wohl aus der Yokohama entwendet hatte und ein Generator, der sehr unförmig aus verschiedenen replizierten Teilen zusammengesetzt war.
Dennoch schien das Aggregat die benötigte Energiemenge aufzubringen, um die Phaserzelle zu laden. Watson, Lewis und Carter setzten die Cardassianer unter Sperrfeuer, woraufhin diese immer weiter in den Raum zurückwichen. Wie es schien waren Sie durch Zufall im Versuchslabor gelandet, in dem die Föderationstechnologie erforscht und an die cardassianische Technik angepaßt werden sollte.
Nur einer der Wissenschaftler hatte bisher eine Waffe, aber der Alarm würde sicher bald eine ganze Horde von Wachen hier erscheinen lassen. Jaqueline Jefferson feuerte in den Raum und traf einen der Wissenschaftler, der betäubt zu Boden sank. Auch Lewis und Carah Pehl erzielten Treffer und so dezimierte sich die Anzahl der Wissenschaftler immer weiter.
Nur der Cardassianer mit der Waffe war etwas geschickter und entzog sich dem Sperrfeuer erfolgreich. Seine Waffe schickte immer wieder neue Entladungen in den Frachtraum um die Eindringlinge abzuwehren. Bislang ohne meßbaren Erfolg landeten die Einschläge meist in irgendwelchen Geräten, die dort gelagert waren.
J.J. hatte sich inzwischen in der Nähe der Türe postieren können und immer, wenn ihre Kollegen einige Feuerstöße in das Labor abgaben, blickte sie kurz um die Ecke. Es war nicht auszumachen, wieviele Personen sich noch dort aufhielten, wenn es mehrere waren, dann hatten sie hinter den Geräten Deckung gesucht.
Nach zwei Minuten wurde es Jaqueline zu bunt. Sie gab Watson ein Zeichen und beide sprangen auf, stürmten in den Raum und suchten die nächste Deckung auf. Carah Pehl und Parker Lewis folgten.
Gerade als Margret O’Reilly und Edison Carter durch die Tür schlüpfen wollten, kam der Cardassianer aus seiner Deckung hoch. Er zielte und traf Margret direkt in die Brust, die mit einem erstickten Aufschrei in sich zusammensackte. Carter zog sie durch die Tür in Deckung und im selben Moment hatte J.J. den Cardassianer ausgeschaltet.
Jaqueline stand auf und rief in den Raum:
„Ergeben Sie sich!“ es erfolgte jedoch keine Reaktion, anscheinend war der Schütze der Letzte gewesen, der noch verblieben war. Schnell wandte sie sich um und eilte hinüber zu Ihrer Kollegin, die schwer verletzt am Boden lag und um Luft rang. Die Entladung der Energiewaffe hatte eine starke Verbrennung hinterlassen und die Lunge geschädigt wie ein schneller Scan mit dem Trikorder zeigte. Sie tippte auf O’Reillys Kommunikator, „Erfassen Sie das Signal. Nottransport, direkt in die Krankenstation!“ rief sie und im selben Moment löste sich der Körper der Kameradin im blauen Schimmern der Transporterenergie auf. J.J. sprang auf.
„OK. Wir haben keine Zeit mehr.“ sagte sie, holte einige Energieladungen aus ihrer Tasche und warf sie ihren Kollegen zu.
„Heftet sie an alles was in Eurer Nähe steht und dann nichts wie weg hier!“ Jaqueline selbst trat an die Steuerung der Phaserzelle und blockierte den Polarisator. Am Summen erkannte sie bereits, daß der Prozeß den sie in Gang gesetzt hatte in einigen Sekunden das gewünschte Ergebnis brachte.
„So, und jetzt ab nach Haus!“ rief Jaqueline, öffnete ihren Trikorder, tippte eine Sequenz von Befehlen ein und legte ihn auf den Boden.
„Fünf Personen zum Beamen!“ schrie sie in den anschwellenden Ton der Energiegeneratoren, nachdem Sie den Kommunikator gedrückt hatte.
Das blaue Schimmern hatte gerade eingesetzt, als sich die Tür zum Hauptflur öffnete und zehn Cardassianer in den Raum stürzten. Sie orientierten sich kurz und sahen gerade noch das Verglühen der Transporterenergie. Sie feuerten mit ihren Disruptorwaffen auf die verschwindenden Personen, erzielten aber keine Wirkung außer den Löchern in der Wand, die von den Energiestößen hinterlassen wurden.
„Was ist denn das hier für ein Ohrenbetäubender Lärm?“ schrie der Glinn, der die Soldaten befehligte, dann zog eine kurze Reihe von Signaltönen seine Aufmerksamkeit auf ein kleines Gerät auf dem Fußboden. Die Signalfolge beschleunigte sich bis sie zu einem konstanten hohen Ton geworden war, das Letzte was der Glinn und seine Kollegen bewußt wahrnahmen.
Die Detonation, die entstand als es die überladene Phaserzelle zerriß, erfolgte nur Sekundenbruchteile später.
Obwohl das Feuergefecht auf der Promenade einige Minuten angedauert hatte, war es wohl keinem der Cardassianer möglich gewesen, den Alarm auszulösen. Denn noch immer konnte Ran keine Anzeichen dafür erkennen, daß ihr Einsatz bemerkt worden war. Soviel Glück hatte er sich für diese besondere Aufgabe gar nicht vorstellen können.
Aus den Berichten des bajoranischen Widerstand wußte er, daß auf Terok Nor immer recht schnell die Wachen den Alarmzustand auslösten und die kleinen Splittergruppen ihre liebe Not hatten, den Cardassianern wieder zu entkommen, sei es nun nach der Befreiung einiger Mitglieder der Widerstandsgruppen, der Frauen, die zur Gefälligkeit der hohen Offiziere an Bord gebracht wurden oder aber auch nur bei kleinen Sabotageakten, die den Cardis das Leben schwer machen sollten.
Andy Duke kam langsam den Gang heruntergelaufen zu Ran, der sich an einen Pfosten lehnte. Oben auf dem Rundgang der Promenade hatten inzwischen einige Offiziere der Yokohama Stellung bezogen um sicherzustellen, daß keine Überraschungen durch neue Wachen entstanden. Auch Captain Griendling stieß zu den zwei Offizieren
„Das war gute Arbeit meine Herren, wir haben nur einige Verwundete, aber keine Verluste. Es wird Zeit zu gehen. Wie haben Sie sich den Rückweg denn nun detailliert vorgestellt?“
Andy blickte den Captain an. Nun da er im Licht der Promenade stand, sah sein Zustand noch schlimmer aus, als zu Beginn. Man sah ihm deutlich an, daß er mehrere Erfahrungen mit den Verhörpraktiken der Cardassianer gemacht haben mußte. Die Uniform war zerrissen, seine Haut wies zahlreiche Verletzungen und blaue Flecken auf.
„Theoretisch spricht nichts für den sofortigen Abmarsch, aber wir haben noch zwei weitere Teams in der Station. Spätestens wenn wir mit dem Beamen anfangen, werden wir Aufmerksamkeit erregen. Das ist auch der Grund für die Transponder, die wir für Sie und Ihre Crew mitgebracht haben, die können wir ohne aktive Scans orten und Beamen.
Wie wir richtig eingeschätzt haben waren wohl Ihre Kommunikatoren das Erste, was man Ihnen abgenommen hat. Damit wäre nur ein auffälliger und aufwendiger Bioscan geblieben, um Sie und Ihre Leute hier rauszuholen und dafür haben wir keine Zeit. Es muß schnell gehen. Wenn wir das Signal geben, sind wir alle innerhalb von einer Minute hier weg. Darauf können Sie sich verlassen.“
Captain Griendling nickte, machte aber immer noch ein sorgenvolles Gesicht. Er hatte sich schon überlegt, wie man selbst mit beiden Schiffen mehr als 200 Personen in so kurzer Zeit von der Station schaffen wollte. Auch bei schnellem Erfassen und flotter Räumung der Transporterplattformen war das eigentlich unmöglich.
Ein Zivilist trat zu der kleinen Gruppe und reichte Ran Byrell die Hand. Ran bemerkte gleich, daß es sich um einen Angehörigen seines eigenen Volkes handelte.
„Danke, daß Sie uns geholfen haben.“ sagte der Mann und blickte Ran mit großen Augen an. Es lag ein Flehen in seinem Blick, das all das Leid widerspiegelte, welches er in seiner Zeit hier auf der Station erlebt hatte.
„Werden Sie auch unsere Frauen suchen und befreien?“ fragte er mit bittendem Ton und drückte die Hand von Ran Byrell, die er noch immer festhielt, erneut kräftig.
Sein Blick hing an den Augen des bajoranischen Offiziers und wartete auf eine Antwort. Ran schaute Andy fragend an, damit hatte er nicht gerechnet. Bajoranische Frauen, hier auf der Station? Eigentlich war es fast logisch, daß die Cardassianer sich auch hier mit den sogenannten Trostfrauen versorgen ließen.
Er verdammte sich dafür, daß er diese Möglichkeit bei der Planung dieser Außenmission vergessen hatte. Der Zeitplan war schon jetzt knapp genug, wie sollten sie jetzt noch nach den Frauen suchen. Eine unmögliche Aufgabe. Im Gesichtsausdruck des Sicherheitschefs konnte Ran ablesen wie die Antwort lauten würde. Dennoch ließ er es zu, daß sein Mund die Frage formulierte
„Können wir nicht wenigstens den Versuch unternehmen sie zu finden? Wenn unsere Zeit um ist, können wir auch so aufs Schiff beamen, ob nun von hier oder von einer anderen Stelle der Station, das spielt doch keine Rolle, oder?“
Captain Griendling sah die sorgenvolle Mine des Bajoraners, der sich an Ran gewandt hatte.
„Nun Lt. Commander...“ wandte er sich an Andy Duke.
„...wir kommen hier wohl allein zurecht, und wenn Sie uns versprechen, daß wir rechtzeitig diesen trostlosen Ort verlassen, bevor die Cardassianer wild vor Zorn werden, dann versuchen Sie auch diese Seelen zu retten, die Propheten werden es Ihnen danken. Lassen Sie uns nur einen Kommunikator hier, damit wir uns melden können, wenn es brenzlig wird.“
Damit drehte er sich um und gab einige Handzeichen an seine Leute um zu signalisieren, daß es neue Aufgaben zu verteilen gab.
Ein hochgewachsener Mann kam auf die kleine Gruppe zu und blieb neben Captain Griendling stehen. Er sah noch verhältnismäßig fit aus, im Gegensatz zu vielen anderen der Crew, was jedoch eher daran lag, daß er einen durchtrainierten Körper besaß, der die besonders harten Bedingungen leichter verkraftete, als die anderen.
„Darf ich Ihnen meinen ersten Offizier vorstellen meine Herren, Commander Emanuel Rodriguez. Ein sehr fähiger und einfallsreicher Mann.“
Der Offizier trat etwas näher und grüßte Andy Duke und Ran Byrell mit einem kräftigen Händedruck. Ein etwas gequältes Lächeln auf seinen Lippen zeigte, daß ihm noch nicht so recht zur Freude zumute war.
Der Captain klärte seinen ersten Offizier kurz über die Situation auf und gab noch einige Anweisungen für die Sicherung der Promenade. Andy schaute derweil Ran Byrell an, der allein durch seine Körperhaltung signalisierte, daß er nichts lieber tun würde als sofort loszustürmen um diese gefangenen und zu Liebesdiensten gezwungenen Frauen zu retten.
Natürlich konnte Andy nachvollziehen, daß Ran Byrell als Bajoraner es nicht akzeptieren würde, auch nur eine Person seines Volkes in den Fängen der Cardassianer zurückzulassen, wenn er auch nur die leiseste Chance dazu bekäme, sich für ihre Rettung einsetzen zu können. Daß er dabei ihrer aller Leben und damit auch seine Karriere als Offizier der Sternenflotte aufs Spiel setzte, schien ihn wenig zu beeindrucken.
Andy wußte, daß er ihn, wenn überhaupt, nur mit Gewalt daran hindern konnte und so stimmte er mit einem kurzen Nicken zu, diesen weiteren gefährlichen Schritt zu wagen. Ein Risiko, daß man nicht berechnet hatte, das nicht einkalkuliert war und das Captain Wikland sicher nicht so leicht tolerieren würde.
Andy wußte, daß der Captain trotz seines eigenen nordischen Temperamentes solche Extratouren haßte.
„OK, wir machen es. Weiß wenigstens einer wo wir suchen müssen?“ Der Bajoraner, der die Frage an Ran gerichtet hatte meldete sich. „Ich weiß, wo sie sie hingeführt haben, es gibt einen Bereich, der extra dafür vorgesehen ist, die Frauen für die Offiziere vorzubereiten. Es ist im Habitat, zwei Ebenen tiefer.“
Ed Griendling winkte seinen ersten Offizier herbei, der verschwunden war, um die neuen Anweisungen weiterzugeben. Er wandte sich an Andy Duke,
„Sie nehmen Rodriguez und zwei weitere Männer mit. Ihren medizinischen Offizier lassen Sie hier, sie kann sich um die Verletzten kümmern.“
Ed Griendling drehte sich um und blickte zu Angela Leroi, die dichtgedrängt an einer der Verstrebungen kauerte und einer Offizierin die Wunden mit einem Dermalgenerator behandelte. Es waren weniger die Verletzungen, die zumeist von Mißhandlungen und dem groben Umgang mit den Gefangenen herrührten, als mehr die Schwächung durch die unzureichende Ernährung, den Schlafentzug und die psychologische Belastung die zusätzlich an den Kräften zehrte.
Ed Griendling wandte sich wieder um.
„Die Station ist eigentlich unterbesetzt, aber es patrouillieren ständig 2 Schichten von Wachen. Wir konnten sie hören, wenn sie mit Ihren schweren Stiefeln die Gänge entlang schlenderten. Nehmen sie sich also in Acht.“
Andy nickte Ran Byrell zu, der gerade den Ladezustand seines Phasers überprüfte, er war bereits mehr als zur Hälfte entladen, aber es mußte einfach reichen. Rodriguez hatte sich inzwischen mit einer Waffe der Cardassianer ausgestattet und auch die beiden Sicherheitsleute der Yokohama, Fähnrich Kawakami und Lieutenant Karlak, ein Benzite, hatten sich derartig bedient.
Andy zählte kurz durch, sie waren nun sieben Personen und ein reines Team aus Sicherheitsleuten.
Er lächelte in sich hinein. Eine etwas merkwürdige Anwandlung in einer solchen Situation, aber sein ewig andauernder Kampf, mehr Leute für die Sicherheitsabteilung zu bekommen und Wiklands Wunsch eine große Anzahl Marines an Bord zu nehmen, entsprangen wohl dem gleichen Sicherheitsbedürfnis und wurden auf eben die gleiche Weise von der Obrigkeit der Einsatzplanung mit regelmäßiger Vehemenz ignoriert.
Andy schüttelte den Kopf und hoffte damit auch sich von diesen Gedanken befreien zu können. Rodriguez und Ran hatten sich von dem Bajoraner genau erklären lassen wo die Frauen untergebracht waren. Die ebenfalls zu den Gefangenen gehörenden Köche, die für die Versorgung zuständig waren, hatten ihm bei der Übergabe der Mahlzeiten heimlich kurze Nachrichten zugesteckt.
„Sektion 27, Ebene 6, sagt das Ihnen was?“ fragte er in die kleine Runde. Ran nickte und ging los. Er bedeutete Andy dicht hinter ihm zu bleiben und auch den anderen, in einer langen Reihe zu folgen. Ran hatte direkt den Weg zum zentralen Bereich eingeschlagen, in dem sich die Turbolifte befanden. Insgesamt konnten sie zwei der vier vorhandenen Turboliftschächte erreichen, aber die Benutzung kam natürlich bei dieser Aufgabe nicht in Frage.
Ran ging zwei Sektionen weiter und kam zu einer Nische. Dort stoppte er und wartete bis alle aufgeschlossen hatten. Gemeinsam mit Dierk Peterson entfernte er eine Verkleidung hinter der ein schmaler Gang auftauchte.
„Ich liebe die Präzision der Cardassianer, selbst den falschen Treppenschacht haben sie genau wie auf Terok Nor auch hier eingebaut. Ursprünglich sollte hier ein Notausgang zur Treppe führen, aber die Transporter und die Turboliftsysteme wurden während der Planungsphase geändert, so wurde dieser Gang zu einer Sackgasse, die hinter der Verkleidung endet...“ flüsterte Ran zu Andy, der neben Ihn getreten war und in den schmalen Gang getreten war.
„...oder zu einem Fluchttunnel, wenn man die Verkleidung entfernt!“ lächelte der Bajoraner und trat in den dunklen Gang, der kaum breiter war als eine Person, dafür aber fast vier Meter hoch. Jedes Geräusch klang blechern, als würde man in einer Röhre stehen, da die Wände einfach mit blanken Duraniumplatten verkleidet waren. Nach wenigen Sekunden waren alle sieben in dem kleinen Gang und Rodriguez, der das Schlußlicht bildete, hakte die Verkleidungsplatte wieder ein, so daß der Einstieg verschlossen war.
Ran Byrell hatte seine Handlampe eingeschaltet und eilte voraus. Immer wieder machte der schmale Gang Windungen, manchmal eine Kehre um 180 Grad. Der Bajoraner bewegte sich geschmeidig wie eine Katze und drehte seinen Körper oft schon Sekundenbruchteile, bevor eine Biegung kam, in die richtige Richtung.
Fast konnte man meinen er sei diesen Weg einmal Tag für Tag gegangen und könne Ihn selbst mit verbundenen Augen zurücklegen, ohne auch nur eine Wand zu berühren. Nach annähernd drei Minuten waren sie am Treppenaufgang angelangt. Andy und Ran leuchteten die Treppen ab.
Nichts war zu sehen, außer, daß hier seit langer Zeit keiner mehr vorbeigekommen war. Eine dicke Staubschicht hatte die Stufen bedeckt und würde Ihren Weg verraten, sollten sie verfolgt werden.
Andy schwang sich um das Geländer und ging vorsichtig die Stufen hinunter. Alle anderen folgten dichtauf und so standen Sie kurz darauf zwei Ebenen tiefer an einer Luke. Ran blickte in die kleine Runde und erklärte: „Wenn wir hier öffnen, kommen wir direkt in einen Gang zu den Habitat Quartieren. Wenn wir Pech haben, dann ist der Bereich durch zahlreiche Wachen gesichert. Die Wohnräume der Frauen müßten sich linker Hand befinden.
Der Gang ist zirka vier Meter breit, meist nur schwach von oben beleuchtet und folgt der Biegung im Habitat. Man kann höchstens zehn Meter des Gangs einsehen.
Wenn uns Wachen begegnen ist die einzige Deckung die wir finden können die regelmäßigen Streben der Struktur. Wenn wir die Frauen tatsächlich in den Quartieren antreffen, dann werden wir Ihnen ebenfalls die Transponder injizieren.“
Ran hielt einen der Injektoren hoch und blickte auf seinen Chronometer
„Wir haben höchstens noch drei Minuten. Es muß also schnell gehen. Sofern wir niemanden finden leiten wir sofort den Transport ein, alles klar?“
Sowohl Commander Rodriguez als auch die beiden Sicherheitsleute der Yokohama blickten Andy Duke verwundert an.
„Lieutenant, sind Sie sicher daß der Mann zu Ihrer Crew gehört? Woher weiß er soviel über diese Station, hat er mal hier gewohnt?“ flachste der Commander und ein leises Lachen ging durch den Treppenaufgang bevor Ran Byrell seine Hände an die Luke legte um sie öffnen.
Fast geräuschlos gelang es dem jungen Lieutenant das Schott zu öffnen. Zuerst horchte er in den Gang hinaus, dann hielt er seinen bajoranischen Trikorder nahe an den schmalen Spalt der Lukenöffnung. Die Sensordaten gaben Entwarnung, der Flur war leer.
Ran öffnete die Luke vollständig und stieg hinaus. Sofort preßte er sich an die Wand um nicht übermäßig aufzufallen und mahnte die anderen mit einer kleinen Geste zu Eile. Der Flur war dunkel, die minimale Beleuchtung spendete ein nur fahles Licht. Ein Umstand, den man noch immer dem Kernwechsel im Reaktor zu verdanken hatte und der Tatsache, daß die ganze Station von der Notenergie gespeist wurde.
Schnell hatte sich die kleine Gruppe in dem Flur formiert und rückte nun langsam vor. Entgegen dem Uhrzeigersinn folgten sie der Rundung des Flurs, stets darauf bedacht eine halbwegs gute Deckung zu haben. Andy Duke folgte in kurzem Abstand dem taktischen Offizier Ran Byrell, der die Vorhut übernommen hatte. Den Abschluß der kleinen Gruppe bildete Commander Rodriguez, der nach Hinten absicherte. Ihnen blieb nicht mehr viel Zeit.
In spätestens zwei Minuten war die offizielle Einsatzzeit vorüber, dann würde automatisch der Transport eingeleitet. Zwar hatte man sich darauf verständigt das Personal der Alexandria als Letzte an Bord zu nehmen, und den Gefangenen den Vortritt zu lassen, da man mit vielen Verletzten und geschwächten Personen gerechnet hatte. Allerdings war auch ein Nottransport bei Aktivierung des Kommunikators möglich. Ran stoppte und die sechs anderen schlossen auf.
„Zwei Wachen zirka fünfzehn Meter vor uns.“ sagte er nach hinten wobei er mit seiner Hand nach vorne deutete.
„Beide auf der linken Seite...“ sein Satz wurde von dem Aufheulen eines Alarmtons unterbrochen.
Schlagartig flammte in dem dunklen Flur die volle Beleuchtung auf und machte damit eine vorsichtige Positionierung für einen Überraschungsangriff unmöglich. Stimmengewirr war zu hören und das Geräusch von mehreren Soldaten, die eilig an die ihnen zugewiesenen Stationen hasteten.
Eine Türe öffnete sich in unmittelbarer Nähe.
„Egal, ob so oder anders, los geht’s.“ rief Andy Duke in den Lärm der Alarmsirene hinein, warf einen prüfenden Blick auf seine Waffe und stürmte los. Ran Byrell und Rodriguez folgten dichtauf. Die beiden cardassianischen Wachen unterhielten sich gerade aufgeregt mit einem Glinn der offensichtlich aus dem Raum mit den gefangengehaltenen Frauen herausgetreten war.
Im Flur hallten jetzt schon deutlich die Schritte von mehreren Soldaten wider, die schnell näher kamen. Drei Phaserstrahlen schossen auf die Cardassianer zu und trafen fast gleichzeitig. Dennoch gelang es einem der Soldaten seine Waffe zu ziehen und in Richtung der kleinen Gruppe zu schießen. Sein Schuß verfehlte Rodriguez nur knapp und schlug oben in die Decke ein.
Ein weiterer Treffer aus dem Phaser von Walter Frames schaltete den Soldaten dann endgültig aus. Doch es war nur ein kleiner Sieg für den Moment.
Rufe hallten durch den Flur und plötzlich sah sich die kleine Gruppe im Kreuzfeuer gefangen. Von beiden Seiten rückten Cardassianer heran und schossen mit Ihren Disruptorwaffen auf die Föderationsmitglieder. Der Türrahmen bot dabei nur wenig Schutz, allerdings lag er auf der Innenseite der Rundung, so daß die heranrückenden Soldaten kein direktes Schußfeld hatten.
Die Türe hatte sich direkt nach den ersten Schüssen auf die Wachen geschlossen, anscheinend waren noch weitere cardassianische Offiziere in dem Raum.
Ran betete zu den Propheten daß sie wenigstens die richtige Ebene und das richtige Quartier aufgesucht hatten und versuchte, gemeinsam mit Dierk Peterson und Fähnrich Kawakami, ein Sperrfeuer nach rechts zu halten, damit die Cardassianer nicht aufschließen konnten.
Andy Duke tat das gleiche mit Walter Frames und Lieutenant Karlak in die andere Richtung, während sich Commander Rodriguez an der Türsteuerung versuchte. Schon nach wenigen Sekunden öffnete sich die Türe und Rodriguez und der Rest der Gruppe sprang in den Raum.
Ohne daß sie die Chance hatten sich zu orientieren kamen Ihnen die ersten Energieentladungen entgegen und rissen Fähnrich Kawakami zu Boden. Ran rief einige Worte auf altbajoranisch und feuerte dann auf alles was danach noch stand, nun sprang er zur Seite hinter einen großen Sessel.
Rodriguez hatte die Türe gleich wieder geschlossen und wies Dierk Peterson an, sie im Auge zu behalten. Andy Duke verschaffte sich einen Überblick, während er weiter Sperrfeuer in den Raum abgab und immer nur kurz aus der Deckung kam. Vier Cardassianer und zwei Frauen lagen betäubt am Boden, weiter rechts hatten sich zwanzig oder mehr Frauen auf dem Boden zusammengekauert.
An einem Durchgang zu einem weiteren Raum an der linken Seite hatten sich ebenfalls zwei Cardassianer verschanzt und hielten die kleine Föderationsgruppe unter Feuer. Ran Byrell gab Andy Duke ein Zeichen. Dieser bestätigte kurz mit einem Nicken, daß er verstanden hatte und eröffnete erneut ein Dauerfeuer gemeinsam mit Walter Frames auf die vermeintliche Deckung der restlichen Cardassianer.
Ran Byrell atmete tief durch setzte an und mit einem riesigen Sprung nach vorn verbesserte er seine Position. Noch während dem Abrollen feuerte er auf die beiden Cardassianer, die im Durchgang zum Nebenraum kauerten und sie die ganze Zeit unter Druck gesetzt hatten.
Ran Byrell konnte noch die Überraschung in den Augen der Cardassianer erkennen, als diese begriffen, daß sie von einem Bajoraner überrumpelt worden waren. Dann sackten sie zusammen und fielen nach hinten um. Sofort sprangen Andy Duke und seine Leute auf und rannten auf die Frauen zu.
Andy injizierte den beiden betäubten Frauen, die er als Bajoranerinnen erkannte, einen Transponder und reichte die mitgebrachten Geräte an die inzwischen aufgestandenen Frauen weiter. Es waren Frauen verschiedener Rassen, hauptsächlich Bajoranerinnen und Bolianerinnen, einige wenige Menschen aus verschiedenen Außenkolonien und sogar eine Romulanerin war darunter.
Ran erklärte kurz in altbajoranisch, um was es ging, und kaum hatten die Frauen den Auslöser des Injektors betätigt begannen sie sich auch schon in einem blauen Schimmern aufzulösen. Andy blickte auf und drehte sich um, er wollte gerade Commander Rodriguez noch etwas zurufen, als dieser ebenfalls in einem Beamstrahl verschwand.
Walter Frames trat neben den Sicherheitschef der Alexandria, eine große Wunde prangte an seinem linken Arm und sein Gesichtsausdruck zeigte, dass sie sicherlich höllische Schmerzen verursachte. Aber es blieb keine Zeit für Sentimentalitäten.
Inzwischen waren nur noch die Offiziere der Alexandria und einige Frauen geblieben, der Rest war bereits zum Schiff gebeamt worden. Ein prüfender Blick in den Nebenraum blieb ergebnislos, er war leer.
Gerade als Andy sich umdrehen wollte hörte er den Ruf von Peterson:
„Verdammt, die kommen durch...“ im selben Moment öffnete sich die Türe und die Stimme von Peterson verstummte abrupt, als ein Soldat ihm mit voller Wucht die Faust ins Gesicht schlug. Wie ein Sack fiel der junge Lieutenant zu Boden. Eine ganze Horde von Cardassianern stürmte in den Raum.
Andy, Ran und Walter Frames schossen sofort, aber Frames wurde erneut getroffen und fiel ebenfalls mit schmerzverzerrtem Gesicht zur Seite. Andy und Ran warfen sich zu Boden, und feuerten auf die Cardassianer was das Zeug hielt, bis plötzlich statt Energiestrahlen nur noch ein knarzendes Geräusch aus den Handphasern kam.
‘Das war es dann wohl’, dachte Andy, der mit halbgeschlossenen Augen noch vier Cardassianer erkennen konnte, die sich im Eingangsbereich aufbauten und auf sie zielten. Eine starke Erschütterung lief in diesem Moment durch die Station und verwirrte die Cardassianer für einen Augenblick, brachte sie ins Schwanken.
Aus den Augenwinkeln heraus sah Andy Duke noch wie Ran Byrell nach hinten griff und unter seiner Uniformjacke einen unförmigen silbern glänzenden Gegenstand hervorholte und schreiend aufsprang.
Alle vier Cardassianer drehten Ihre Waffen und zielten auf den Bajoraner, aber anstatt der erwarteten Entladung ihrer Disruptorwaffen nahm Andy Duke ein mehrfaches explosionsartiges Knallen wahr und sah wie die cardassianischen Offiziere mit weit aufgerissenen Augen wie versteinert dastanden und langsam ohne Kontrolle ihre Waffen fallen ließen, bevor sie einfach nach hinten umkippten.
Ran Byrell stand mitten im Raum und zielte mit dem metallenen Gegenstand auf die Stelle wo gerade eben noch die Angreifer gestanden hatten. Rauch entstieg dem vorderen Ende der scheinbaren Waffe und Andy fragte mit erleichterter aber dennoch geschwächter Stimme
„Was ist denn das für ein Ding? Wo haben Sie das denn her?“
Ran blickte zu seinem Offizierskollegen und sagte mit einem Anflug von Selbstverständlichkeit
„Ach das hier? Das ist eine 45er Magnum, eine Projektilwaffe von der Erde, sollten Sie eigentlich kennen. Holt so ziemlich alles von den Füßen was sich einem in den Weg stellt, hinterläßt aber sehr große unansehnliche Löcher!“ und mit einem Anflug von Humor fügte er hinzu
„Außerdem gehe ich niemals nackt aus dem Haus.“
Damit steckte er die Waffe in seinen Hosenbund und half Andy beim Aufstehen. Sekundenbruchteile später verschwanden die beiden im blauen Schimmer des Transporterstrahls und hinterließen einen leeren Raum, wenn man von den zahlreichen betäubten und niedergestreckten cardassianischen Offizieren einmal absah.
Kapitel 32
„Status!“ rief van Dyke, als er die Brücke betreten hatte und mit großen Schritten auf den Kommandostuhl zueilte. Sermin erhob sich und erstattete kurz Bericht.
„Alle unsere Außenteams sind an Bord Sir. Zwei Verletzte, keine Verluste. Die Crew der Yokohama wurde in die Krankenstation gebeamt und die Frachtgüter werden in zirka 2 Minuten an Bord sein. Die Sensoren haben drei cardassianische Schiffe ausgemacht, die sich mit hoher Warpgeschwindigkeit nähern. Sie werden wohl noch vor unserem Abflug hier eintreffen.
Das Schiff liegt unter stillem rotem Alarm. Eine, wie ich zugeben muß, ungewöhnliche Art eine Kampfbereitschaft herzustellen Commander. Auch wenn wir alle Stationen entsprechend besetzt haben wird es mindestens fünf Minuten dauern um die Shuttles und die Energieversorgung herzustellen und uns auf die drohende Auseinandersetzung vorzubereiten.
Allerdings muß ich einräumen, daß es eine faszinierende Idee war, alle Shuttle- und Runabouttransporter bei der Evakuierung der Teams und Gefangenen einzusetzen, somit konnten wir alle 285 Personen in weniger als einer Minute herüberholen. Eine bemerkenswerte Strategie.“
Roger van Dyke lächelte, eine solche Bemerkung von einem Vulkanier zu erhalten, der alles nur an logischen Maßstäben orientierte, war schon etwas besonderes.
„Danke Commander, ich übernehme wieder.“ sagte Roger, der inzwischen auf dem Stuhl des Captains Platz genommen hatte und ließ seinen Blick über die Brücke wandern. Alisha die Bolianerin saß an der OPS, Esteban Ramirez hatte noch immer Dienst an der Conn.
Eine gute Kombination dachte sich van Dyke. Die beiden waren ein eingespieltes Team und Ramirez war ein geschickter Navigator und Steuermann, besonders wenn es zu Kampfhandlungen und taktischen Manövern kommen sollte. Lt. Commander Maxine Dent hatte die Wissenschaftsstation unter ihrer Kontrolle und prüfte gerade noch einmal die eingehenden Sensorenwerte der Transponder um sicherzustellen, daß man niemanden auf der Station vergessen hatte.
Carah Pehl, die mit dem Team der Chefingenieurin kurz vor van Dyke zurückgekommen war, hatte bereits ihren Platz an der Kommunikationsstation eingenommen. Van Dyke fiel auf, daß sie sehr mitgenommen aussah, was ihn darauf schließen ließ, daß auch dieses Team keine leichte Aufgabe hinter sich hatte.
In diesem Moment öffneten sich die Türen des Turbolifts und Andy Duke und Ran Byrell betraten die Brücke. Ran Byrell eilte an die taktische Station und übernahm sein Aufgabengebiet.
Sofort lud er seine persönlichen Daten in die Konsole und bereitete sich darauf vor, das gesamte Defensiv-Potential des Schiffes zu nutzen.
„Lieutenant, eine Verbindung zur Yokohama!“ wies Roger van Dyke seine Kollegin an. Carah zögerte keine Sekunde.
Noch ehe der Commander seinen Blick wieder nach vorne gerichtet hatte, erschien das Gesicht von Wikland auf dem Hauptschirm.
„Commander?“ Nur dieses eine Wort, der fragende Tonfall und die Besorgnis in Wiklands Gesicht sagten Roger van Dyke alles. Er versuchte trotz der ernsten Lage einen entspannten Eindruck zu vermitteln.
„Alles in Ordnung Captain, zwei Verletzte, keine Verluste, allesamt wohlbehalten an Bord. Der Transport der Föderationstechnik dürfte in diesen Sekunden ebenfalls abgeschlossen sein. Es wird aber sehr eng für unsere Abreise. Was immer wir versuchen werden, sie werden uns einholen, die Yokohama wird die hohe Fluchtgeschwindigkeit nicht aufrechterhalten können.“
Wikland nickte verstehend.
„Das sehe ich genauso. Wir sollten aber versuchen, wenigstens einen sicheren Abstand zur Station zu erreichen, damit wir außerhalb ihrer Waffenreichweite sind, für den Fall, daß die Energie früher als erwartet wieder zur Verfügung steht.“
Sermin, der an der zweiten Wissenschaftsstation im hinteren Bereich der Brücke stand wandte sich an Roger van Dyke. „Commander, der Transport ist abgeschlossen.“
Ein gewisses Gefühl der Erleichterung machte sich unter der Brückencrew breit. Zwar schien der schwerste Teil noch bevorzustehen, aber man war wenigstens nicht mehr gebunden oder ausgeliefert.
„Packen wir’s an! Lieutenant, setzen sie einen Fluchtkurs. Commander Dent, behalten Sie die ankommenden Schiffe im Blick. Voller roter Alarm, alles in Kampfbereitschaft.“ befahl Roger und drückte eine Tastenkombination auf dem kleinen Panel, welches in die Armlehne des Kommandostuhls eingelassen war.
Sofort war das Anlaufen mehrerer Generatoren zu hören und das sonst nur unterschwellige Vibrieren des Warpantriebs trat deutlich und mit viel schnellerem Ansteigen der Frequenz in den Vordergrund. Ein Zittern lief durch das Schiff, welches unter Aufbietung aller Reserven, sämtliche Systeme gleichzeitig in den vollen Gefechtszustand versetzte. Nach zehn Sekunden normalisierten sich die Geräusche und Roger wies den Steuermann an, loszufliegen.
„Ramirez, voller Impuls und achten Sie darauf, daß die Yokohama nicht verloren geht.“
Erst jetzt hatte der Vulkanier den Plan mit dem stillen Alarm vollends erfaßt, auch wenn er nicht nachvollziehen konnte, daß man Ihn nicht über die Einzelheiten informiert hatte.
Wie üblich bei Rot-Alarm, waren alle Mannschaften bereits auf ihren Posten, allerdings nach wie vor alles ohne Energie, es galt ja schließlich den Cardassianern glaubhaft zu vermitteln, die Alexandria sei gekapert worden.
Nun hatte man mit einer geschickten Schaltung alle Systeme so miteinander gekoppelt, daß aus dem Stand-by Betrieb innerhalb weniger Sekunden alles gefechtsklar gemacht werden konnte. Das Aufleuchten der Antriebsgondeln auf der Yokohama deutete auf eine ähnliche, wenn nicht gleiche Vorgehensweise hin.
„Verdammt, was geht da vor Gul Relkar?“ rief Legat Gelrath aufgebracht, als er durch die Tür seines Büros auf die OPS trat. Die Soldaten, die an den Konsolen standen waren überrascht, verwirrt und gleichzeitig ratlos. Alarmsysteme schlugen an, und die eingehenden Rufe von verletzten oder überwältigten Wachen überlagerten sich zu einem Gewirr aus Stimmen, so daß man nichts mehr verstehen konnte.
Das gesamte Kommunikationssystem schien aus den Fugen zu geraten. Gelrath war die Treppe herunter gekommen und stand vor dem Ovalen Tisch der Operationszentrale. Mit einem fragenden Blick und einer angespannten Körperhaltung sah er zu seinem leitenden Offizier in Erwartung einer Antwort.
„Es geht alles drunter und drüber Legat. Multiple Transporte auf der ganzen Station, Energieausfall, das Hauptsystem müßte schon seit mehreren Minuten wieder am Netz sein. Fehlalarm-Meldungen von diversen Abteilungen. Eingehende Meldungen über Kämpfe auf der Promenade. Anscheinend hat jemand versucht die Gefangenen zu befreien.“
Die Augen des Stationskommandanten waren schreckensgeweitet und seine Knorpelhöcker am Kopf schienen deutlicher hervorzutreten als sonst. Er wollte etwas sagen, fluchen, jemandem die Schuld geben, seine Wut und Enttäuschung herausschreien, aber er brachte keinen Ton heraus. Schließlich presste er hervor:
„Dieser windige Hund Imasov, wir hätten diesem Schleimer nie vertrauen sollen. Rufen Sie Gul Depat, er soll diesen elenden Hund erledigen. Ich will seinen Kopf!“ die Soldaten wurden der Fehlfunktionen nicht mehr Herr.
Die meisten Systeme versagten ihren Dienst, weil inzwischen auch die Notstromversorgung zur Neige ging.
„Legat, die Schiffe aktivieren ihren Antrieb...“ rief einer der Männer von der Wissenschaftsstation herüber. Ein tiefes Knurren war alles was Gelrath zu artikulieren in der Lage war. Sekundenlang stand er da wie versteinert, dann gehorchte ihm sein Körper und vor allem sein Kopf wieder.
„Aktivieren Sie die Waffen, zielen Sie auf ihren Antrieb, sie dürfen den Wirkungskreis der Station nicht verlassen, Informieren Sie Gul Malep, er soll sie mit dem Scoutschiff verfolgen und stellen. Und geben Sie diese Information auch an die drei anderen Schiffe weiter. Sehen Sie zu daß unsere Fighter so schnell wie möglich die Verfolgung aufnehmen können.“ fauchte er.
Der leitende Offizier gab einige Befehlssequenzen in die Konsole ein.
„Waffen negativ Legat...“ rief Gul Relkar,
„...Hauptenergie nach wie vor nicht am Netz.“
Der Legat fuhr verärgert herum.
„Dann schicken Sie ein Technikerteam dorthin, verdammt noch mal.“ Sofort tippte der Gul auf seinen Kommunikator und gab die Befehle weiter.
Die Alexandria setzte sich in Bewegung und beschleunigte.
Schnell blieb die Station Repok Nor hinter ihnen, und auch die Yokohama folgte in nur geringem Abstand.
„Captain, drei Schiffe der Galor Klasse gehen unter Warp, sie werden direkt in unserer Flugbahn auftauchen. Das Scoutschiff von der Station hat ebenfalls die Verfolgung aufgenommen.“
Roger hatte zwar damit gerechnet, daß so etwas passieren würde, aber auch zumindest gehofft, einen sicheren Abstand zur Station erreichen zu können.
„Gut, dann bleibt uns nichts anderes übrig. Alles klar zum Gefecht. Aber erst mal sehen, was die Herren wollen.“
Einige hundert Meter vor dem Schiff der Nebula Klasse tauchten drei Schiffe der Galor Klasse aus dem Warptransfer auf und verlangsamten, bis sie auf gleicher Geschwindigkeit mit den Föderationsschiffen waren. Das Scoutschiff hatte bereits aufgeschlossen und so waren die Schiffe der Föderation gezwungen zu stoppen.
Auf der Yokohama flammte der Hauptschirm auf und das wutentbrannte Gesicht von Legat Gelrath erschien formatfüllend direkt vor Jan Erik Wikland. Die Knorpelhöcker rund um seine Augen und auf seiner Stirn schienen unter der Anspannung fast zu platzen und wiesen eine deutliche Verfärbung auf. „Imasov, was fällt Ihnen ein, einfach die Station zu verlassen, kommen Sie...“
Erst jetzt bemerkte der Cardassianer in seiner blinden Wut, daß der Händler gar nicht auf der Brücke des erbeuteten Schiffes saß, sondern ein Captain in der Uniform der Sternenflotte den Kommandostuhl eingenommen hatte. Der Zorn im Blick des Legaten wurde durch blankes Entsetzen verdrängt.
Schlagartig deckten sich für ihn all die Rätsel auf, die sich in den vergangenen Stunden und Minuten ergeben hatten, die überfällige Rückkehr, das mißglückte Manöver der Ankopplung, das Ausbleiben der Hauptenergie, verwischte Sensorenwerte, mangelnde Kommunikation, Ausfall verschiedener Alarmsysteme.
Gerade eben hatte er durch das Reparaturteam von dem Überfall im Reaktorraum erfahren, die Tatsache daß seine Gefangenen nicht mehr an Bord der Station waren hatte er besonders verärgert zur Kenntnis genommen. Aber allein die Tatsache, in das Gesicht eines Repräsentanten der Sternenflotte zu blicken und einen eiskalten Blick zu ernten, ließ ihn eins und eins zusammenzählen und er konnte sich vorstellen, was passiert war.
Wikland sah den vor Entsetzen gelähmten Cardassianer mit geöffnetem Mund auf der OPS von Repok Nor stehen, der nicht in der Lage war, den Rest des Satzes zu formulieren.
„Nun, Legat Gelrath. Wie auch Immer Sie es sehen, wir haben eigentlich nur zurückgeholt was uns gehört, oder zu uns zählt, was natürlich bedeutet, daß Sie in ihren Erzanlagen nun vielleicht einmal selbst Hand anlegen müssen, da Ihnen möglicherweise das Personal ausgegangen ist.
Ich rate Ihnen dringend, uns den Rückweg nicht zu verstellen, denn sonst könnte ich meine Geduld verlieren, meine guten Manieren vergessen und es wäre möglich, daß mein nordisches Temperament mit mir durchgeht.
Das wiederum wäre eine Situation, die ich selbst meinem schlimmsten Feind nicht wünsche, denn wo ich hintrete, da wächst kein Gras mehr. Und jetzt pfeifen Sie ihre Wachhunde zurück.“
Der Legat ließ ein deutliches Knurren hören, das seine Verärgerung nur unangemessen darstellte. Nur mit allergrößter Mühe konnte er sich im Zaum halten. Auch wenn ihm nicht klar war, wie die Föderationsmitglieder dieses Schiff wieder in ihre Gewalt gebracht hatten, so war es doch eine nicht wieder gut zu machende Schlappe für ihn.
Ein Versagen, für das ihn das zentrale Komitee sicherlich zur Verantwortung ziehen würde. Gelrath überlegte nicht lange er gab Relkar ein Zeichen, woraufhin der Gul sofort einige Kontrollen betätigte
„Wenn Sie, wer auch immer Sie sein mögen, der da auf meinem Schiff herumläuft, glauben, Sie könnten fliehen, dann haben Sie sich gewaltig verrechnet.
Das Schiff, welches Sie befehligen, ist eine leere Hülle, wir haben schon alle wichtigen und brauchbaren Techniken extrahiert, es ist ein Wunder, daß es überhaupt noch fliegt. Das dürfte wohl auch Ihnen klar geworden sein. Und ihr anderes ach so stolzes Föderationsschiff kann Sie nicht vor der Übernahme durch unsere Kriegsschiffe retten.
Wir haben alle Kommunikationsfrequenzen schon seit geraumer Zeit überwacht. Sie hatten keinen Kontakt zu Ihrer Flotte. Keiner weiß, daß Sie sich in diesem Sektor befinden, Sie haben keine Verstärkung, wir dagegen schon und sie wird nicht lange auf sich warten lassen.“ schwenkte Gelraths Laune in ein selbstgefälliges Grinsen um.
Er war zwar ernüchtert ob der Tatsache, daß Imasov wohl die Kontrolle über das Schiff verloren hatte, aber die Umstände sprachen doch weitgehend noch für ihn. Schließlich hatte er sich vor Abflug der Yokohama ein sehr detailliertes Bild vom Zustand dieses Schiffes gemacht und war sich sicher, daß ein eventueller Kampf nur mit einem Fiasko für die Föderation enden konnte.
Was konnte schon ein einzelnes funktionstüchtiges Schiff der Sternenflotte gegen drei Kreuzer der Galor Klasse ausrichten.
„Übergeben Sie die Yokohama an unsere Flotte und das empfehle ich auch Ihrem Kollegen auf dem anderen Schiff!“ schnaubte Gelrath und ließ Wikland merken, welche Verachtung er doch für die Föderation empfand.
Der Captain ließ sich durch derartige Wortmuskelspiele nicht beeindrucken.
„Zunächst muß ich mich für meine Unhöflichkeit entschuldigen, daß ich es versäumt habe mich vorzustellen. Schließlich haben Sie ein Recht darauf zu erfahren, wer ihnen gleich gewaltig in den Hintern treten wird.
Mein Name ist Jan Erik Wikland und ich bin Kommandant der U.S.S. Alexandria, dem Schiff der Nebula Klasse, das neben uns liegt. Und wenn Sie jetzt nicht augenblicklich den Weg freimachen lassen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als Sie mit Nachdruck darauf hinzuweisen, welch dringendes Anliegen es für uns bedeutet, den Heimweg antreten zu können.“
Der eisige Blick von Wiklands stahlblauen Augen irritierte den Cardassianer nicht eine Sekunde lang, zu sicher war er sich seiner Sache. Sein Kopf wandte sich zur Seite und blickte fragend zu Gul Relkar. Der Offizier nickte und drückte ein Feld auf dem Display.
Die Waffensysteme der oberen Pylone wurden aktiviert und die Emitter fuhren aus den schützenden Verblendungen ins Freie, erfaßten ihre Ziele.
„Nun Captain Wikland, dann wird es Zeit, daß Sie verstehen, daß wir Sie nicht gehen lassen werden. Feuer!“ erwiderte Legat Gelrath und im selben Moment schossen einige Phaserstrahlen aus den Waffenphalanxen der Station.
Sie durchzuckten die Entfernung zu den Schiffen im Bruchteil einer Sekunde und ein deutlicher Ruck ging durch die Yokohama, als die Energiewelle auf die Schilde traf.
Aber es blieb bei dieser einen Salve, weitere Energiestöße folgten nicht.
„Keine Schäden Captain, die Schilde halten.“ meldete der Lieutenant von der taktischen Station an Wikland.
„Wenn das Ihre Antwort ist, haben wir nichts mehr zu besprechen!“ sagte Wikland und bedachte seinen Gesprächspartner mit einem vernichtenden Blick.
Dann brach er die Verbindung ab. Was er nicht mehr sehen konnte war der Wutausbruch des Legaten, der feststellen mußte, daß die Hauptenergie noch immer nicht in der Lage war, genügend Energiepotential für die Waffen bereitzustellen. Er hatte einen viel stärkeren und vor allem andauernden Beschuß der Schiffe befohlen.
Auf Wiklands Signal hin erschien Roger van Dyke auf dem Display des Hauptschirmes.
„Nummer Eins, Sie haben es gehört, es wird uns nichts anderes übrigbleiben. Wir gehen vor wie besprochen. Viel Glück.“
Wikland unterbrach die Kommunikation und gab seine Befehle. Er erhob sich von seinem Platz und ging zum Steuerpult.
„Lieutenant, wenn wir uns später im Kampf befinden übernehmen Sie diese Daten für unsere Geschwindigkeit, wenn ich es Ihnen befehle.“ sagte er zu dem Mann an der Conn und drückte Ihm ein Padd in die Hand. Der Bolianer blickte verwirrt zu ihm auf.
„Ich will es so, also halten Sie sich dran.“ bekräftigte Wikland seinen Wunsch,
„Setzen Sie Ausweichkurs Alpha sieben und los!“
Ohne erkennbare Vorwarnung beschleunigten die beiden Schiffe der Föderation und gingen in eine offene Formation auseinander. Die Cardassianer hatten nicht damit gerechnet, daß die Föderationsschiffe aus dieser ausweglosen Situation heraus einen Fluchtversuch starten würden.
Nur langsam löste sich die Formation der vier Schiffe auf und teilte sich in zwei Gruppen, die den beiden Ausreißern nachsetzten. Während die drei Kreuzer der Galor Klasse dem Kurs der Alexandria folgten, machten sich das Scoutschiff daran, die Yokohama wieder in die Gewalt der Cardassianer zu bringen.
Gelrath hatte den Kommandanten der Schiffe die Weisung erteilt, so schnell wie möglich die Übernahme der Schiffe zu erzwingen und dabei so wenig Schaden wie nur irgend möglich anzurichten, da man die Schiffe natürlich am liebsten im funktionstüchtigen Zustand für sich vereinnahmen wollte. Die Entsendung des Scoutschiffs sollte wohl für die ausgeschlachtete und nurmehr wenig gefechtsstarke Miranda Klasse ausreichen.
„Runabout und Shuttles ausschleusen, lassen Sie die Northlander ihren Schild aktivieren. Die Shuttles sollen ausschwärmen um die Flanken zu sichern und die Cardassianer ein wenig zu beschäftigen.“ gab Roger van Dyke seine Befehle an Andy Duke weiter, der sich sofort darum kümmerte.
„Captain, die beiden Kreuzer haben Ihre Waffen geladen, sie werden uns sicher bald in die Mangel nehmen.“ bemerkte Maxine Dent von der Wissenschaftsstation aus.
„Das war zu Erwarten Commander, behalten Sie die Yokohama im Auge. Lt. Ran, machen Sie Ihre Schießbude klar für den Einsatz.“ wandte sich Roger an den taktischen Offizier, eine überflüssige Anweisung, denn der Bajoraner hatte bereits alles fest im Griff.
Auf der taktischen Anzeige sah er, wie sich die Kreuzer links, rechts und hinter die Alexandria setzten und erwartete den ersten Schuß.
Ein kräftiger Ruck ging durchs Schiff, als der Hauptphaser der Galor Klasse die hinter ihnen flog mit voller Kraft auf die Schilde traf.
„Das war Ihre Einladung Lieutenant, sie haben Erlaubnis, das Feuer zu erwidern. Denken Sie aber daran, wir wollen uns nur verteidigen und keinen Krieg anzetteln. Ramirez, Ausweichkurs nach eigenem Ermessen!“ Ran Byrell prüfte noch einmal Abstände und Geschwindigkeit und feuerte dann eine Mischung aus Hauptphaser, Pulsemitter und Photonentorpedos auf den Kreuzer links neben der Alexandria.
Die Energiestrahlen trafen das Schiff und hinterließen kaum eine sichtbare Wirkung, aber die Pulsphaser schwächten die Schilde doch enorm und der letzte Torpedo der kurzen Salve riß tatsächlich eine kleine Schwachstelle auf.
Klein, unbedeutend und von dem modulierenden Schildsystem sicher in wenigen Millisekunden wieder geschlossen, aber es reichte für Ran aus um einen gezielten Schuß auf den Kreuzer abzufeuern und die Navigation zu beschädigen. Das Schiff wurde schwerfällig wie ein alter Frachter und war nicht mehr in der Lage dem Kurs des Sternenflottenschiffs zu folgen.
„Captain, die Station Repok Nor hat Angriffsschiffe ausgeschleust. Sie werden in wenigen Minuten hier sein. Es sind kleine wendige Einmannjäger mit starker Bewaffnung.“ kam eine Meldung von Sermin an der hinteren Wissenschaftsstation.
Roger nickte kurz und schaute wieder nach vorn auf den Hauptschirm. „Wieviele sind es, Irgendwelche Schwachpunkte die für uns sprechen?“ fragte er den Vulkanier, ohne den Blick vom Hauptschirm zu nehmen.
„Insgesamt fünfzehn. Sie haben geringe Schilde und begrenzte Reichweite!“ kam die Antwort.
„Na also, das ist doch mal eine gute Nachricht.“
Auf dem Hauptschirm verfolgte Roger auf einem vierfach geteilten Bild die Situation.
Während oben links die Hecksicht die Verfolger der Alexandria zeigte, war darunter die taktische Darstellung zu sehen.
Oben rechts hatte man die Yokohama im Blick, die von dem Scoutschiff noch immer nicht eingeholt worden war. Unten rechts blieb der übliche Blick voraus erhalten, auch wenn er nur wenig Information bot.
„Roger van Dyke an Runaboutpiloten. Wir bekommen gleich Besuch von der Station. Ich möchte, daß Sie sich der Ankömmlinge annehmen. Die Schilde und die Reichweite sind die Schwachstellen der kleinen Jäger. Nutzen Sie Ihre Vorteile und kümmern Sie sich dann um die Station, ich möchte nicht noch mehr dieser Überraschungen erleben. Setzen Sie sich mit Lieutenant Ymoota in Verbindung, sie hat noch einige Extrainformationen für Sie. Van Dyke Ende!“
Trotz der geschickten Ausweichmanöver, die Ramirez immer wieder zur Täuschung der Cardassianer einsetzte kamen nun die beiden verbliebenen Kreuzer immer näher auf. Als hätten sie sich abgesprochen eröffneten Sie das Feuer gleichzeitig und nutzten dabei alle möglichen Ressourcen um zunächst die Schilde der Nebula Klasse so weit zu schwächen, daß ein Lahmlegen von einzelnen Systemen und späteres Entern möglich war.
Eine ganze Reihe von Erschütterungen durchzog das Schiff und auch die Trägheitsdämpfung konnte nicht alle Stöße abfedern. „Schilde runter auf 60 Prozent!“ rief Sermin von der hinteren Station.
„Wir müssen mindestens noch einen von den Kerlen loswerden.“ mahnte Andy Duke, während der Beschuß weiter ging und immer häufiger ein kurzes Flackern der Beleuchtung darauf hindeutete, daß bald kein Schutz mehr durch die Schilde vorhanden sein würde.
In diesem Moment konnte van Dyke sehen, daß die Yokohama vom Scoutschiff eingeholt worden war und dieses das Feuer eröffnet hatte.
Mit allen Mitteln setzte sich Wikland zur Wehr und überraschte die Angreifer mit einer Vielzahl von Systemen, die nach Meinung der Cardassianer auf diesem Schiff gar nicht mehr existent sein durften.
Funktionierende Schilde, Phaser, ja sogar eine Salve Photonentorpedos jagte dem Schiff der Cardassianer entgegen. Van Dyke ließ seine rechte Faust auf die Armlehne schlagen. Gerade jetzt hätte er Wikland gerne etwas Unterstützung gegeben, aber wenn er sich nun mit den beiden Kreuzern im Nacken zur Yokohama begab, würde er nur die Gefahr für die alte Miranda Klasse erhöhen.
Zumindest hatte Wikland das Überraschungsmoment noch auf seiner Seite.
„Captain, wir halten nicht mehr lange durch.“ mahnte nun auch Sermin, der besorgt die Anzeigen der Schildenergie beobachtete. „Maschinenraum, Antriebsstatus?“ fragte Roger nachdem er seinen Kommunikator angetippt hatte.
„Alles was Sie wollen Captain.“ kam die Stimme von J.J. durchs Interkom.
„Ramirez, bringen Sie uns hier raus. Einen Kurs, der von der Yokohama wegführt, die Shuttles sollen folgen!“ befahl Roger. „Aye Sir!“ kam die knappe Antwort von der Conn. Einige Köpfe flogen herum und blickten ihn entgeistert an.
Roger war sich nicht sicher was die Mitglieder der Crew in diesem Moment über seinen Befehl dachten, aber er wurde vorbehaltlos ausgeführt. Die Alexandria führte eine elegante Wende aus und schoß davon. Beide Schiffe der Cardassianer setzten ihr nach.
„Wie ist unser Status?“ rief Lt. Commander Newton seinem Kollegen Sven Carlson zu, der an der OPS der Northlander saß.
„Alles klar, der Schild ist aufgebaut, die anderen Runabouts sind innerhalb des Schutzradius. Entfernung zu den gegnerischen Jägern 10.000 Kilometer. Ich zähle insgesamt aber nur zwölf Stück!“
Die Northlander war eben erst mit den drei Schwesterschiffen aus dem Haupthangar der Alexandria gestartet und hatte sich unbehelligt von den Kampfkreuzern in Richtung Station abgesetzt. Anscheinend hielten die Cardassianer die Runabouts wie auch die bereits ausgeschleusten Shuttles nicht gerade für eine besondere Bedrohung, denn sie würdigten sie keines Blickes und setzten statt dessen den Beschuß der Alexandria fort.
„Zwölf? Die Alexandria hat uns doch von fünfzehn Schiffen berichtet, wo sind die anderen drei?“
Carlson checkte die Anzeigen.
„Keine Ahnung, ich habe hier nur zwölf Anzeigen.“
Commander Newton schaute durch die vorderen Fenster. Deutlich konnte man die Station sehen und auch die entgegenkommende Gruppe von Jägern war gegen die Schwärze des Alls als kleiner sich bewegender Punkt auszumachen.
„In Ordnung Carlson, der Captain will, daß wir uns diese Jungens vornehmen.“
Er öffnete einen Kanal zu den anderen Schiffen.
„Northlander an alle Runabouts: Wir werden zunächst versuchen mit unseren Mikrotorpedos so viele wie möglich lahmzulegen, den Rest erledigen wir dann im direkten Kampf.
Verlassen Sie die Formation erst, wenn wir den Schutzschild abschalten. Viel Glück.“
Die Northlander beschleunigte ein wenig und bereitete sich auf das Absetzen der Torpedos vor. Die Amazonas, die Lake Missouri und die Rio Oro nahmen ihre Angriffspositionen ein und so flogen sie den Jägern der Cardassianer entgegen.
„Noch 3.000 Meter, fertig zum Absetzen der Torpedos!“ rief Carlson dem Lt. Commander zu, der an der Steuerung saß.
„OK, feuern Sie zwei Salven von Mikrotorpedos auf jeweils eins der Schiffe ab. Koordinieren Sie mit den anderen Runabouts, damit wir keinen Doppelbeschuß machen. Wenn wir in Ihre Reihen vordringen gehen wir auf Phaserbeschuß über.“
Sein Blick huschte noch einmal durch das Cockpit.
„Sie eröffnen das Feuer!“ rief Harumi Miyaoka von seiner Station herüber.
Kaum hatte der Fähnrich darauf hingewiesen, trafen die ersten Pulsemitterladungen auf die Schilde der Northlander und schüttelten die Crew heftig durch.
„Das war heftig, jetzt weiß ich auch, warum deren Schilde weniger effektiv sind, die haben alle Energie im Waffensystem. Carlson, variieren Sie die Bahn der Torpedos, damit Sie sie nicht einfach wegpusten können!“ bemerkte Newton.
Die Anweisung kam gerade noch rechtzeitig, denn schon verließen zwei Reihen von Mikrotorpedos das Runabout und flogen auf die Angreifer zu.
Weitere Treffer erschütterten die Northlander und auch den anderen Runabouts erging es nicht besser. Allerdings hatten die Einschläge aufgrund der Streuung und der Entfernung noch eine großflächige Wirkung, die den Schilden kaum Schaden zufügte, aber dennoch ein eindrucksvolles Bild von der Waffenstärke hinterließ.
Commander Rodriguez der erste Offizier der Yokohama hatte sich im Gespräch mit Roger van Dyke dafür eingesetzt auch ein Kommando zu führen. Er wollte sich zumindest jetzt, wo er wieder der Föderation dienen konnte, für die gemeinsame Sache einsetzen. So hatte er die Leitung der Amazonas übernommen und gab nun seine Anweisungen an die Crew.
Die Mikrotorpedos verließen die Launcher. Mit einem Aufleuchten schlugen die ersten Torpedoreihen auf den Schiffen der Cardassianer ein. Die Jäger hatten sich in vier Gruppen zu je drei Schiffen formiert. Schnell waren die Schilde der Führungsschiffe durch diese Treffer geschwächt. Die Entfernung war geschmolzen auf wenige hundert Meter.
„OK, Formation auflösen, achtet auf Eure Flanken und keine Heldentaten. Ruft Euren Nachbarn wenn es eng wird. Zielt auf Antrieb, Navigation und Waffensysteme. Los geht’s!“ mit diesen Worten kippte die Northlander zur Seite und setzte Kurs auf zwei der Cardassianischen Fighter.
Einige gezielte Treffer ließen beim ersten Schiff die Energieversorgung zusammen-brechen, während das zweite die Flucht nach vorn versuchte. Carlson fackelte nicht lange. Eine weitere Reihe Torpedos verließ die Abschußvorrichtung und stürmte dem kleinen Schiff hinterher.
Vor dem Lenksystem der Torpedos gab es kaum ein Entrinnen. Auch den wilden Manövern der kleinen Maschine folgten die Torpedos automatisch.
Nachdem die Torpedos zunächst zweimal am Schiff vorbeigezogen waren hatten sie ihre Fluggeschwindigkeit angepaßt und verfolgten den Jäger jetzt mit nur noch geringem Geschwindigkeitsüberschuß. Mehrere Phaserschüsse nach hinten konnten nur zwei der Torpedos aufhalten die restlichen drei erreichten ihr Ziel und schlugen im Heck des Jägers ein. Die geschwächten Schilde waren keine Abwehr mehr.
In einer hellen Detonation explodierte der Fighter und verschwand vom Display.
Die Amazonas hatte inzwischen zwei weitere Jäger kampfunfähig gemacht und auch die Rio Oro und das Runabout Lake Missouri hatten Erfolge zu verzeichnen. Trotz intensivem Beschuß war es allerdings zwei der Fighter gelungen die Linie der Föderation zu durchbrechen und weiter auf die Alexandria zuzuhalten.
Lt. Commander Newton hatte schon mit so etwas gerechnet. Es war klar, daß man nicht alle direkt hier draußen aufhalten konnte, aber man konnte sie dezimieren. Zwei dieser Schiffe sollten aber für das Föderationsschiff keine so große Gefahr darstellen. Wichtiger war es außerdem, den Nachschub abzustellen.
Noch immer waren drei der Jäger in Kämpfe mit den Runabouts verwickelt. Immer wieder versuchten sie, durch geschickte Manöver und Ausbeschleunigen die etwas schwereren Runabouts auszumanövrieren. Doch die begrenzten Antriebsenergien zwangen die Jägerpiloten immer wieder zur Sparsamkeit, was die Ausbruchsversuche zu kurzen Ausweichmanövern reduzierte.
Allerdings war auch die Crew der Alexandria nicht untätig. Sie setzte voll auf die Vorteile der Runabouts, starke Schilde, wirkungsvoller und vor allem dauerhafter Waffeneinsatz. Die Jäger hatten starke Pulsphaser, aber das Wiederaufladeintervall betrug mehr als 1,5 Sekunden nach einer vollen sechsteiligen Salve. Eine Zeit, die man nutzen konnte um eigene Treffer zu platzieren.
Commander Newton gab seinen Kollegen die Anweisung die Fighter so unter Zugzwang zu setzen, daß allen nur ein und dieselbe Richtung zum Rückzug blieb, so daß man sie nun mit allen vier Runabouts gleichzeitig unter Beschuß nehmen konnte. Mehrere Salven von Phaserschüssen setzten den Jägern immer mehr zu und letztendlich konnten sie sich dem Dauerbeschuß nicht mehr entziehen. Nacheinander fielen die Energiesysteme aus und führten dazu, daß die Schiffe reglos im Raum trieben. Nachdem sich Commander Newton davon überzeugt hatte, daß von den Jägern keine Gefahr mehr drohte, rief er seine Gruppe zusammen.
„OK, hier sind wir fertig, auf zur Station. Achtet auf die Schilde und die Hauptphaser, Ihr wißt was Ihr zu tun habt!“ Die Runabouts schwenkten herum und beschleunigten in Richtung Repok Nor.
„Schadensberichte!“ hallte die feste Stimme von Wikland durch den Rauch, der die Brücke der Yokohama ausgefüllt hatte.
„Treffer auf Deck fünf, sieben und an einem der Hangars. Es hat einen der Antigravitationsgeneratoren erwischt. Schilde auf 45 Prozent. Einige Mikrofrakturen auf Deck zwei. Fünf Leute auf dem Maschinendeck wurden verletzt als eine Plasmaleitung explodiert ist. Ansonsten hält das Schiff mehr aus als wir dachten, Captain!“ kam die Stimme von Lieutenant Williams der an der Wissenschaftsstation stand.
„Lieutenant, geben Sie den Cardassianern noch eine Salve Torpedos und alles was die Phaserbanken hergeben! Und sorgen Sie für Luftaustausch.“ rief Captain Wikland durch den Nebel. Ein mahlendes Geräusch ertönte und ganz langsam klärte sich die Luft auf der Brücke wieder auf.
„Lieutenant, Ausweichmanöver Wikland Alpha 13. Bringen Sie etwas Abstand zwischen uns und diesen Cardassianer!“ gab Wikland den Befehl an den Steuermann.
„Aye Sir!“ und schon sah man auf dem Hauptschirm die Sterne wegdriften. Eine harte Wende und die Yokohama beschleunigte schnell auf maximalen Impuls.
„So, und jetzt werden wir uns diesen Kerl einmal vornehmen!“ polterte Wikland.
„Laden Sie die hinteren Torpedorampen und lassen Sie die Gastgeschenke der Alexandria in die Freiheit.“
Der Lieutenant an der taktischen Station konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Die Yokohama war in der Tat besser ausgestattet als vorher. Wikland hatte mit seinem Einfallsreichtum für viele kleine Überraschungen gesorgt.
„Bereit zum Feuern, auf Ihr Zeichen Captain!“ meldete der Offizier die Waffenbereitschaft.
„Gut, dann raus mit den Dingern, sobald das cardassianische Schiff dichtauf ist. Danach eine harter Kurswechsel nach oben.“
Wenige Sekunden dauerte es nur und der Verfolger hatte wieder aufgeschlossen. Diesmal wollte er sich mit einigen gezielten Treffern die Schildgeneratoren der Yokohama vornehmen, damit man das Schiff endlich entern konnte.
Die hintere Torpedorampe öffnete sich und eine Reihe von fünf Quantentorpedos steuerte auf das Scoutschiff zu. Der Abstand war bereits viel zu kurz für ein Ausweichmanöver, die Quantentorpedos schlugen mit voller Wucht auf dem Schiff ein. Es wurde herumgeworfen und verlor deutlich an Fahrt.
„Wir haben Ihre Schilde geschwächt und die Phaseremitter getroffen, Captain!“ bestätigte Williams.
Während die Yokohama erneut die Richtung änderte. Inzwischen hatte man wieder Kurs auf die Alexandria gesetzt, um den Abstand nicht zu groß werden zu lassen. Wikland war zufrieden. Zwar hatte man einige herbe Treffer einstecken müssen, aber man hatte auch ausgeteilt. So einfach wie sich die Cardassianer die Übernahme des Schiffes vorgestellt hatten, war es nicht gewesen. Sie hatten nicht mit Captain Wiklands Entschlossenheit und Vorbereitung gerechnet.
„Sie kommen wieder auf Captain, und diesmal wollen Sie es wohl genau wissen. Sie haben die vorderen Torpedolauncher aktiviert. Zwei Abschüsse!“ Wikland fuhr herum und sah Lieutenant Williams fragend an.
„Zielerfassung?“
Der junge Mann an der taktischen Station wollte die Anzeigen zuerst nicht glauben.
„Unsere Warpgondeln!“ antwortete er entsetzt. Wikland fragte, „Welche zuerst?“ Williams prüfte die Anzeigen und antwortete „Die Rechte, Abstand jetzt noch 50.000 Meter.“ Wikland wandte sich an den Steuermann
„Fähnrich, versetzen Sie die seitlichen Manövrierdüsen des Diskussegmentes in volle Bereitschaft, programmieren Sie vollen Schub für rechts unten und links oben. Setzen Sie einen automatischen Gegenschub genau 1,435 Sekunden später mit der gleichen Kraft. Warten Sie auf mein Zeichen.“
Wikland wandte sich wieder Williams an der taktischen Station zu:
„Lieutenant, sagen Sie mir wenn die Entfernung genau 5.000 Meter ist.“
Sekunden der Spannung dehnten sich zu einer Ewigkeit, während jeder auf der Brücke konzentriert seine Aufgabe ausführte. Dennoch beschlich viele langsam ein mulmiges Gefühl, da der Captain keine Anstalten einer Gegenwehr machte, um den drohenden Einschlag der Torpedos in die Warpgondeln zu verhindern. Ein Einschlag, der durch die entstehende Explosion das ganze Schiff zerreißen würde.
„Genau 5.000 Meter!“ rief der Lieutenant an der Taktik. Wikland zählte innerlich die Sekunden weiter und gab dann kurz darauf das Kommando
„Fähnrich, Manövrierdüsen......Jetzt!“
Die Yokohama kippte abrupt um die Längsachse nach links und der Gegenschub sorgte dafür daß sie bei 90 Grad zum Stillstand kam. Sie stand praktisch auf der Seite. Die beiden Torpedos rauschten vorbei.
„Lieutenant Torpedos erfassen, Phaser volle Energie, jetzt!“ rief Wikland und Sekundenbruchteile später wurden die Torpedos von einer starken Phaserentladung getroffen und detonierten weit genug entfernt vom Schiff.
„Dieses Spiel sollten wir ihn nicht wiederholen lassen, noch mal fällt er auf diesen Trick bestimmt nicht herein. Setzen Sie Kurs auf Repok Nor und versuchen Sie den Cardassianer auf Distanz zu halten.“ ordnete Wikland an
„Jetzt wollen wir diese Löffelköpfe mal ein wenig überraschen. Die haben eine Beule in mein schönes Schiff gerammt mit ihrem Andockmanöver, das werde ich nicht ungestraft lassen!“ fügte er mit einem humorvollen Unterton hinzu, damit auch jedem klar wurde, daß es nicht so ernst gemeint war, wie er es betonte.
Die Alexandria hatte einen guten Abstand zwischen sich und die Yokohama gelegt. Noch immer folgten ihr die beiden Kreuzer der Galor Klasse und deckten das Föderationsschiff mit immer neuen Phaserbeschüssen ein. Noch hielten die Schilde dem Beschuß stand, aber es war nur noch eine Frage der Zeit, wann man das Schiff so weit geschwächt hatte, daß eine Übernahme möglich wäre.
Langsam ließ van Dyke die Geschwindigkeit sinken, damit die Cardassianer noch näher herankommen konnten.
„Captain, die Schilde sinken immer weiter. Bei allem Respekt, aber wir sollten langsam etwas unternehmen.“
Van Dyke hörte die Stimme von Sermin, der besorgt die Anzeigen auf seinem Display betrachtete. Eine erneute Erschütterung lief durchs Schiff und ließ den Commander wissen, daß die Cardassianer nicht vorhatten, den Kampf so einfach aufzugeben, abgesehen davon, daß sie sich in der Überzahl und stärkeren Position sahen.
„Die Shuttles sollen die Flanken sichern und für etwas Verwirrung bei den Cardassianern sorgen.“ sagte Roger zu seinem Kollegen Andy Duke, der alle Hände voll damit zu tun hatte, sich an seinem Platz zu halten, denn das Feuer der Cardassianer hatte bereits wieder voll eingesetzt und schüttelte das Schiff hart durch.
„Ich glaube es wird Zeit für einen kleinen Gegenschlag. Wir werden einmal kurz auf Warp gehen. Lieutenant Ran, machen Sie eine Polaron Ladung im hinteren Torpedoschacht bereit. Ramirez, auf mein Kommando alle Sensoren und Bilderzeuger abschalten. Programmieren Sie Ausweichkurs Delta fünf. Commander Dent, alle Positionen, Kurse und Geschwindigkeiten in den Rechner eingeben, simultan weitererfassen und mögliche Flugbahn vorberechnen lassen.“
Ein mehrfaches „Aye, Captain.“ hallte über die Brücke.
Sermin schaute noch einmal sorgenvoll auf sein Display.
„Captain, ein Warpsprung könnte die Systeme völlig überlasten. Wir haben viel zuviel Energie in die Schilde geschickt um das Feuer der Cardassianer einstecken zu können, uns könnte die gesamte Navigation zusammenbrechen.“
Roger nickte kurz.
„Zur Kenntnis genommen, Lt. Commander. Ramirez, ein kurzer Warpsprung für 0,12 Sekunden, dann auf mein Kommando alles aus. Los geht’s
Mit einem Mal schoß die Alexandria in einem Blitz davon, nur um noch immer in Sichtweite der Cardassianer wieder aufzutauchen. Aber anstatt schnell wieder eine günstige Position einzunehmen, und sich auf den nächsten Angriff der Cardassianer vorzubereiten driftete das Schiff antriebslos herum, drehte sich unkoordiniert um alle drei Achsen.
„Gul Reganor, sehen Sie, Ihre Navigation und der Antrieb sind ausgefallen. Jetzt sind sie geliefert!“
Der Cardassianer stand aus dem Kommandostuhl auf und blickte zu dem Glinn an seiner Seite. Dieser stand an einer Konsole und starrte nach vorne auf den Bildschirm.
„Informieren Sie die Kalthor, wir werden ihn entern!“ befahl der Kommandant und trat zwei Schritte nach vorne.
Das Schiff der Nebula Klasse trudelte noch immer durchs All, die Lichter der Außenbeleuchtung flackerten in unregelmäßigem Rhythmus und auch die Energie im Schiff schien auszufallen, denn die Beleuchtung in den vielen Fenstern des Rumpfes schien auszugehen.
„Gul, sie sind geschlagen, sehen Sie, Ihre Energie fällt aus. Jetzt können wir sie übernehmen. Legat Gelrath wird zufrieden sein.“
Der Gul ließ ein gurgelndes Lachen hören,
„Ja, das wird er und er ist uns dann einen großen Gefallen schuldig.“
Das Lachen, das sich anschloß, steckte die ganze Brückencrew auf dem Kreuzer der Galor Klasse an. Immer näher kam man dem Föderationsschiff. Ohne Antrieb und unkoordiniert hing es im All und nun waren die beiden Kreuzer schon in Transporter- und Waffenreichweite.
Kritisch blickte Gul Reganor auf das Schiff der Föderation und wägte ab, ob dies nicht doch eine Falle sein könnte. Dann wiegelte er mit einer Geste seiner rechten Hand ab.
„Die sind fertig, wenn Sie noch kampffähig wären, hätten Sie sich bei dieser Entfernung schon längst gewehrt.“
Er öffnete einen Kanal.
„Föderationsschiff, senken Sie Ihre restlichen Schilde und bereiten Sie sich darauf vor geentert zu werden.“
Langsam glitten die beiden Kreuzer näher an das Schiff der Föderation, auf dem plötzlich auch alle restlichen Lichter ausgingen. Taumelnd und dunkel lag es für den Bruchteil einer Sekunde im All, dann erhellte ein gleißend weißer Blitz den Schirm auf der Brücke des cardassianischen Kreuzers. Der Bildschirm brannte aus, die Kontrollen der taktischen Station und der Sensorenüberwachung vergingen in einer ohrenbetäubenden Implosion.
„Verdammt, was war das denn?“ schrie Gul Reganor in das Gewirr aus sprühenden Funken, Schreien von Verletzten und wildem Fluchen seiner Brückenmannschaft.
„Die sind explodiert. Unsere Systeme sind ausgefallen, alles ist defekt.“
Der Gul schnaubte vor Wut.
„Quatsch explodiert! Wo ist dann die Druckwelle geblieben? Die haben einen Torpedo gezündet oder so was. Gehen Sie auf Reservesysteme. Schnell!“
Der Glinn führte den Befehl sofort aus, aber das Ergebnis blieb das Gleiche. Alle Anzeigen waren wie tot.
„Alle Bilderzeuger und Sensoren ausgefallen. Wir sind praktisch blind!“ rief der Glinn hinüber zum Kommandanten, der sich inzwischen wieder auf seinen Stuhl gesetzt hatte.
Kapitel 33
Die Runabouts hatten den Wirkungsradius von Repok Nor erreicht und mußten sich nun mit guter Taktik, überraschenden Manövern und schnellen Richtungswechseln dem Feuer der oberen Geschütztürme entziehen, die anscheinend wieder Energie hatten.
Trotz allem war das, was an Feuer von der Station kam, mehr als mäßig. Allerdings half dabei der Spezialschutzschild, den die Northlander so weit ausdehnen konnte, daß auch die anderen Runabouts davon umschlossen wurden. Es waren nur noch wenige hundert Meter bis zu den Schutzschilden der Station.
„Lt. Commander Newton an Runabout Gruppe.
Aktivieren Sie Ihre Individual-Schilde, gehen Sie auf eine Phasenvarianz von vier-vier-zwei und stellen Sie die Modulation auf eine Frequenz von 24.577.83. Und dann nichts wie durch!
Halten Sie die Cardassianer auf Trab. Lieutenant Ymoota hat uns wissen lassen, daß eine Sperre im Energiesystem sitzt. Wenn der Reaktor für Verteidigungszwecke oder Schildverstärkung unter Last gestellt wird, dann wird er kollabieren!“
Wenige Sekunden später stießen die Schiffe der Alexandria durch den Schutzschild von Repok Nor wie durch einen dünnen Schleier. Kaum im inneren Bereich angekommen, eröffneten Sie das Feuer auf die Startplattformen des inneren Habitats.
Die Cardassianer waren so überrascht, daß die Schiffe so einfach die Schutzschilde durchdrungen hatten, daß sie zunächst gar nicht in der Lage waren sofort zu reagieren. Die äußeren Geschütze waren nutzlos geworden und die Waffen innerhalb der Schutzschilde waren einfach zu langsam für die schnellen und wendigen Runabouts.
Innerhalb von einer Minute schafften es die Cardassianer dann aber doch, wenigstens noch drei der kleinen Kampfflieger auszuschleusen, die sich nun ihrerseits mit den Runabouts beschäftigten.
Die Vorteile der Föderationsschiffe waren hier im kleinen Radius der Station kaum nutzbar. Hier waren die wendigen Jäger der Cardassianer eindeutig im Vorteil, den sie auch umgehend nutzten.
Heftig schlugen die Treffer der Pulsemitter auf den Schilden der Runabouts ein. Lt. Commander Newton hatte allerhand zu tun. Nicht nur die Steuerung und die Zielauswahl, nein auch noch den Feind im Auge behalten und gleichzeitig zu wissen, wo die anderen Runabouts steckten.
„Hey Jungs seid Ihr noch alle da?“ rief Newton in seinen Kommunikator,
„Amazonas noch voll dabei, bisher nur geringe Schäden!“ meldete sich Commander Rodriguez beim Führungsschiff.
„Rio Oro hier, haben einige Treffer an der rechten Warpgondel einstecken müssen, nur noch Impulsantrieb möglich, Masters Ende!“
Newton warf einen besorgten Blick zu Svenson, der mit der Schulter zuckte.
„Hi Jungs, alles im Lot. Haben nur ein paar Schrammen abgekriegt. Lake Missouri Ende!“
Kam schließlich auch die Antwort von Lt. Commander Flintstone, der das vierte Runabout befehligte.
Eine Salve Mikrotorpedos traf auf zwei weitere Jäger, die gerade mit der Hebevorrichtung ausgeschleust wurden. Die Detonation zerriß beide Jäger und ließ auch die Plattform zusammenbrechen. Ein anderer Jäger schoß über die Köpfe der Crew in der Northlander hinweg und verfolgte die Amazonas, die gerade die nächste Rampe anvisierte.
Mehrere Treffer landeten im Heck des Runabouts und rissen sogar Teile der Außenbeplankung weg. Sofort erwiderte Lt. Commander Newton das Feuer. Einige starke Phasersalven reduzierten den Schutz des Jägers der immer noch die Amazonas verfolgte.
Ein gezielter Schuß riß dann einen Teil des kurzen linken Stummelflügels weg, der zwar keine aerodynamische Existenzgrundlage besaß, aber dennoch einige wichtige Systeme der Navigation beherbergte, die nun pulverisiert waren. Schnell um die Längsachse drehend und ohne Steuerung schoß der Jäger ungebremst weiter, nicht in der Lage seine Flugbahn zu beeinflussen und zerschellte am oberen Pylon.
Tausende von kleinen Teilen sprangen davon und flogen wie Schrapnells durch den luftleeren Raum. Einige davon trafen die Runabouts und auch einen der verbliebenen Jäger, der noch immer verzweifelt versuchte die Runabouts an ihrem Vorhaben zu hindern.
Nur noch eine der Startrampen war übrig geblieben, um weitere Jäger auszuschleusen. Aber der Beschuß mit Phasern hatte auf die gepanzerten Platten der geschlossenen Rampe keine Wirkung. „Hat noch jemand Torpedos übrig?“ kam die Frage von Lt. Commander Newton aus dem Audiosystem der Runabouts. Es dauerte einige Sekunden, bis eine Antwort kam.
„Hier Rio Oro, wir haben noch Torpedos für zwei Salven, wohin sollen wir liefern?“ war die Stimme von Crewman Baldwin zu hören.
Ein Lächeln zeigte sich auf Newtons Lippen. Daß die Crew nach all den Mühen, der Anspannung im Kampf und der Angst, gegen eine so mächtige Station zu kämpfen, den Humor noch nicht verloren hatten, war schon bewundernswert.
„Landeplattform vier! Das ist die Letzte. Dann können sie eigentlich nur noch mit Steinen werfen. Macht sie fertig und dann nichts wie weg hier.“ rief Newton und sah im selben Moment die Rio Oro neben sich auftauchen.
Eine gemeinsame Kurve und die Rampe vier lag vor ihnen. Die Torpedos zischten auf die Platten zu, die sich gerade in diesem Moment öffneten um weitere Jäger auszuschleusen. Die beiden Reihen der Torpedos zischten durch die Schutztore und schlugen tief unten im Hangar ein.
Die Explosion reichte aus, um ein gewaltiges Loch in das gesamte Habitat zu sprengen. Sofort wurde die beschädigte Sektion von starken Kraftfeldern umschlossen, die eine Dekompression verhindern sollten. Aber der Aufbau erfolgte nur langsam und wie es schien widerwillig. Die Technik schien nicht mehr den Eingaben der Ingenieure zu gehorchen. Immer wieder flackerte das Kraftfeld, zeigte schimmernde, durchlässige Stellen, bis es sich schließlich doch noch stabilisierte.
„Oops, wer hat schon damit gerechnet, daß die uns auch noch die Tür aufmachen.“ witzelte Carlson mit einem bedauernden Blick auf den Habitatring, in dem nun ein Loch von mehr als 50 Metern prangte.
„Jetzt aber weg hier!“ befahl Lt. Commander Newton und setzte einen Kurs Richtung Alexandria. Schnell hatten Sie den inneren Kreis von Repok Nor verlassen und setzten in einer engen Formation an zur Beschleunigung. Aber nun waren sie wieder im Wirkungsbereich der äußeren Abwehrwaffen und das alte Spiel des Ausweichens begann von neuem. Mit allem was sie mobilisieren konnten schossen die Cardassianer auf die vier Runabouts und der Treffer des großen Hauptphasers schlug im Heck der Northlander ein, nur Sekundenbruchteile bevor Sie den schützenden Spezialschild aufbauen konnte.
Der Einschlag war hart und brachte die normalen Schilde fast zum Erliegen. Der nächste Treffer führte zum Ausfall der Hauptenergie auf der Northlander.
Das Heck des Schiffes war bereits schwer beschädigt. Decksplanken waren durch die starken Disruptoren weggesprengt worden und mußten durch Kraftfelder geschloßen werden, Eine Situation, die mit der Notenergie nur schwer aufrecht zu erhalten war. Kurz darauf erfaßte ein starker Traktorstrahl das Runabout und machte es ihm endgültig unmöglich zu entkommen.
„Seht zu, daß Ihr Land gewinnt!“ rief Newton, nachdem er einen Kommunikationskanal zu den anderen Runabouts aufgebaut hatte. Aber die Kollegen dachten gar nicht daran, ein Schiff des Teams zurückzulassen. Sie wendeten und schossen mit den Phasern und den letzten verbliebenen Mikrotorpedos auf die Traktorstrahlemitter der Station Repok Nor, es war ein Kampf wie David gegen Goliath.
Doch plötzlich waren Einschläge zu sehen, die den Schild der Station und auch die Pylonen trafen. Mehrere Photonentorpedos und Phaserschüsse trafen den äußeren Ring der Station. Und dann versagte das Phaserfeuer von Repok Nor, auch der Traktorstrahl fiel einfach aus.
Die Schilde von Repok Nor zuckten noch einmal kurz auf, und brachen dann in sich zusammen. In einer gewaltigen Detonation explodierte der Reaktorkern am unteren Ende der Station und riß dabei daß über ihm angebrachte Habitat mit ins Nirwana.
Die dabei freiwerdende Druckwelle erschütterte sowohl die Station, als auch die Runabouts und versetzte die Struktur von Tepok Nor in Rotation.
„So, das war’s meine Herren. Sehen Sie zu, daß Sie zur Alexandria kommen. Und wenn Sie das nächste Mal spielen gehen, suchen Sie sich einen ungefährlicheren Spielplatz!“ kam die Stimme von Jan Erik Wikland aus dem Audiosystem und kurz darauf tauchte die Yokohama von unten auf und vollführte über der Station eine harte Wende. Erste Fluchtkapseln schossen aus den Habitaten, die Cardassianer gaben die Station auf.
Alle drei verbliebenen Runabouts nahmen die Northlander in ihre Mitte und aktivierten einen Traktorstrahl, dann beschleunigten sie und entfernten sich schnell von der Station, gefolgt von der Yokohama, der immer noch das Scoutschiff im Nacken saß.
* * *
Die Brücke der Alexandria lag im völligen Dunkel, nur die Streifen der Notbeleuchtung spendeten ein fahles Licht. Roger van Dyke hatte die Augen geschlossen und zählte langsam die Sekunden >einundzwanzig, zweiundzwanzig...< Mit der rechten Hand drückte er die blaue Schaltfläche auf dem Bedienteil in der rechten Armlehne des Kommandostuhls. Schlagartig flammte das Licht, alle Kontrollen und Displays wieder auf.
„Ramirez, Stabilisierung und dann Kurs null, null, neunzig. Bringen Sie uns hinter die Cardassianer. Commander Dent, die Kursprojektion, schnell! Mr. Byrell, jetzt kommt Ihr Einsatz, warten Sie bis wir in einer günstigen Position sind!“
Die Alexandria füllte sich in Sekundenbruchteilen mit Leben und beschleunigte steil nach oben. In einer engen Kurve zog sie herum, drehte dabei ein klein wenig zur Seite und tauchte direkt hinter den beiden Kreuzern der Galor Klasse wieder auf.
Ran Byrells Hände flogen über die Sensorflächen der taktischen Station, einige kräftige Puls- Phaserstöße und mehrere Reihen Quantentorpedos verließen das Schiff und schlugen in das Heck der beiden cardassianischen Schiffe.
Ran Byrell wollte gerade den alles entscheidenden Treffer erzielen, als Sermin von seiner Station herüberrief „Cardassianische Jäger, von achtern.“ Im selben Moment sah man auf dem Hauptbildschirm, wie zwei der Jäger sich anschickten die Shuttles anzugreifen, die bislang nur mit wenig Feuer eingedeckt worden waren, während drei weitere sich auf die Alexandria stürzten und wichtige Stellen wie die Traktoremitter, die Torpedoabschußrampen und die Phaserbänke unter Beschuß nahmen.
Die Cardassianer hatten die Shuttles bislang eher als einen lästigen Mückenschwarm, denn als einen ernstzunehmenden Gegner eingeschätzt, zumal man sich der Übernahme des Schiffes so sicher war und dann die Shuttles einfach hätte einfangen können. Wohin sollten sie denn schon entkommen, mit einer Geschwindigkeit von maximal Warp zwei.
Ran Byrell hatte sich von Sermins Meldung kurz ablenken lassen und nun war die besonders günstige Schußposition zunächst einmal vergeben. Er mußte warten, bis Ramirez einen neuen Anflug machte. Die Cardassianer feuerten wild um sich, ohne Sinn und Ziel. Anscheinend waren Ihre Systeme immer noch von der Polaron Entladung geblendet, so daß ihnen nur die manuelle Steuerung blieb.
Sie hatten das Manöver der Alexandria nicht realisiert. Wie auch ohne Sensoren, sie waren total überrumpelt als das Föderationsschiff anfing, sie mit Feuer zu belegen.
„Captain, unsere Shuttles können den cardassianischen Jägern kaum etwas entgegensetzen.“ rief Maxine Dent von der Sensorenstation herüber.
„Mr. Byrell, Ihr Job! Schalten Sie die Jäger aus und versuchen Sie alles, um unsere Shuttles zu schützen.“
Im selben Augenblick war zu erkennen, wie einer der Jäger mit seinen Pulsephasern eines der Shuttles unter Beschuß nahm, dessen Schilde versagten und schlagartig verschwand das kleine Schiff in einer Explosion. Der Jäger flog mitten durch den Feuerball hindurch und wendete geschickt um das nächste Shuttle ins Visier zu nehmen.
Gemeinsam kamen sie auf die Alexandria zugeflogen. Ran Byrell tippte einige Sequenzen in seine Konsole und der fremde Jäger wurde von einem Traktorstrahl erfaßt. Das Shuttle konnte unbehelligt weiterfliegen. Allerdings war es nicht gerade einfach den schnellen Flug des Fighters mittels Traktorstrahl zu bremsen. Die Generatoren heulten auf unter der Belastung, die der Jäger auf den Traktorstrahl ausübte.
Der Pilot war clever. Er setzte vollen Schub ein und zerrte damit immer weiter an dem Kraftfeld, dessen Scherkräfte immer weiter anstiegen. Aber Ran Byrell wollte den Jäger nicht freigeben. Immerhin hatte er ihn so wenigstens für einen Moment unter Kontrolle. Er kompensierte die hohen Kräfte mit einer neuen Modulation des Strahls.
Die Alexandria hatte in der Zwischenzeit einen neuen Anflug gemacht und steuerte auf die beiden Kreuzer der Gegner zu. Ein weiterer Jäger tauchte vor ihnen auf und nahm eines der Shuttles unter Beschuß. Ran aktivierte die Zielerfassung und schoß.
Eine kraftvolle Salve aus den Pulsphasern traf das kleine Schiff und riß es herum. Außer Kontrolle stürzte es auf die Alexandria zu, durchstieß die mittlerweile geschwächten Schilde und schlug hart auf dem Diskussegment nur knapp neben der Brücke ein. Mit einem ohrenbetäubenden Schlag explodierte die medizinische Station auf der linken Seite der Brücke und Lieutenant Sinclair wurde von der Druckwelle mitten in den Raum geschleudert.
Feuer loderte auf und von der medizinischen Station war nichts mehr übrig außer einem großen Loch in der Wand.
„Medizinischer Notfall auf der Brücke, Nottransport von Lt. Sinclair in die Krankenstation!“ rief van Dyke in seinen Kommunikator und Sekundebruchteile später verschwand der Körper von Lieutenant Sinclair, der noch eben vor Schmerzen gekrümmt am Boden der Brücke gelegen hatte.
Einer der Wachoffiziere sprang auf und unterstützte das automatische Feuerlöschsystem indem er die Flammen, die aus der medizinischen Station züngelten, mit einem Handlöscher erstickte.
Ran Byrell feuerte weiter Salven von Phasern und Pulsphasern auf die Cardassianer ab, aber als sie den ersten der beiden Kreuzer überflogen, erfaßte ein grünleuchtender Traktorstrahl den kleinen Fighter, den die Alexandria festgesetzt hatte.
Nun zerrten beide Schiffe an dem Jäger, jeder bestrebt ihn für sich zu gewinnen. Das Aufheulen der Traktorstrahlgeneratoren war auf der Brücke überdeutlich zu hören, als die Scherkräfte zwischen den Schiffen das Maximum erreichten.
Nicht überall im Schiff war die Anspannung so wie auf Deck eins zu spüren. Im Deck zehn kam der Bajoraner Tigon Rahlad vom Dienst in der technischen Abteilung zurück. Zwar hasteten einige Crewmitglieder durch den Gang und die Leuchtbänder wiesen auf roten Alarm hin, von den Auswirkungen der Kämpfe und den häufigen Richtungswechseln war jedoch dank des Trägheits-Dämpfungsfeldes nicht viel zu spüren.
Ein gelegentlicher heftiger Ruckler erinnerte daran, daß nicht alles, was auf die Schilde traf, absorbiert werden konnte. Im Gegensatz zur Schiffscrew hatten die Zivilisten nach wie vor einen ziemlich geregelten Tagesablauf. Die verschiedenen Schiffs- und Alarmzustände gehörten zum Leben wie das Atmen.
Jeder wußte, wie er sich zu verhalten hatte und was unter welchen Alarmzuständen verboten war. So vertraute man auf die Fähigkeiten der Crew, die bislang immer für die nötige Sicherheit gesorgt hatte. Was blieb den Zivilisten auch anderes übrig, Sie hatten keinen Einfluß auf die Schiffsoperationen.
Rahlad war einer dieser vielen Zivilisten, die an Bord von größeren Raumschiffen stationiert waren. Zusammen mit seiner Frau Kihee hatte er lange in der Kolonie Andorne gelebt und war dann zur Sternenflotte gekommen. Seit die Alexandria in Dienst gestellt worden war arbeitete er im Freizeitbereich des Schiffes im Reparatur Shop, wo die auf dem Schiff stationierten Leute alle defekten Gegenstände reparieren lassen konnten.
Gemeinsam mit vielen Spezialisten wurde hier vom Kommunikator bis zur Uniform alles repariert, was im Laufe der Zeit Schaden genommen hatte. Zwar war es ein Leichtes mittels Replikator jedwedes Teil neu herzustellen, aber Captain Wikland legte großen Wert auf Recycling und Rohstoffschonung. So wurden grundsätzlich nur die notwendigen kleinsten Baugruppen repliziert, die zur Wiederherstellung der ursprünglichen Funktion benötigt wurden.
Das kleine Büro war meist vollständig ausgelastet, denn nicht nur private Gegenstände landeten hier, auch viele standardisierte Geräte oder Bauteile der Schiffs- und Crewausrüstung lagen häufig auf den Tischen des Büros. Allein die Tatsache, daß hierdurch die technische Abteilung gegenüber anderen Schiffen um nahezu 20 Prozent entlastet wurde, rechtfertigte in Wiklands Augen diesen Aufwand.
Rahlad war ziemlich schlecht gelaunt. im Wesentlichen lag das daran, daß seine Frau ihn wieder einmal sehr verärgert hatte. Noch während des Frühstücks war es zu einer hitzigen Diskussion gekommen, in der beide nicht nachgeben wollten. Das hatte Ihn den ganzen Tag unterschwellig in Rage gehalten. So konnte es einfach nicht weitergehen.
Schon als Rahlad die Tür zu seinem Quartier öffnete, schlug ihm erneut die Unzufriedenheit seiner Ehefrau entgegen
„Wo kommst Du denn jetzt erst her?“ wollte seine Frau wissen, die auf dem Sofa lag und auf dem Wanddisplay einen Holofilm ansah.
Zwischen Tigon Kihee und Ihrem Gatten bahnte sich erneut eine zünftige Meinungsverschiedenheit an. Obwohl sie beide schon seit Jahren im Dienst der Flotte standen und sogar in dem gleichen Projekt an Bord der Alexandria arbeiteten, gab es kaum noch Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen.
„Guten Abend. Ja, ich freue mich auch Dich zu sehen.“ erwiderte Rahlad die freundliche Begrüßung.
„Das nennst Du also Eheleben, ja? Seit mehr als sechs Monaten hast Du mich links liegen gelassen. Wenn ich nach dem Dienst hier ankomme muß ich mich anmeckern lassen und soll mich wohl noch dafür entschuldigen, daß ich nach der Anstrengung des Tages wenigstens für ein Paar Minuten meine Ruhe haben will. Aber nein...“
Rahlad war erneut richtig in Rage gekommen. Er hatte sich eigentlich darauf gefreut nach Dienstschluß einige Minuten auszuspannen und dann, nach einem gemeinsamen guten Abendessen, seinem Hobby nachzugehen.
Die Frau, mit den schulterlangen Haaren, welche die Vierzig schon überschritten hatte drehte sich zu ihm um.
„Ja, aber Du machst alles richtig nicht wahr? Wenn ich mal was brauche, dann kann ich warten bis der Herr sich bequemt und mal Hand anlegt.“
Rahlad winkte ab, diese Phrasen kannte er alle schon.
„Laß mich doch in Ruhe...“
Früher war das mal anders gewesen. Seine Frau war gertenschlank und er hatte sich immer dafür eingesetzt, Ihre Wünsche zu erfüllen.
Doch schon bald nach der Eheschließung zogen die ersten Gewitterwolken auf. Immer seltener sah er seine Frau an seiner Seite, die stattdessen lieber die Unterhaltungsangebote des Schiffes nutzte.
Bis tief in die Nacht saß sie vor dem Display und konsumierte Holofilme oder unterhielt sich stundenlang per Subraumfunk mit Ihren Freundinnen oder Ihrer Mutter. Sicher, sie hatte auch heute noch Ihre Qualitäten und Stärken. Zwischenmenschliche Beziehungen, zumindest zu ihrem Mann, gehörten aber nicht dazu.
„Wenn es nach Dir ginge, dann könnte ich mich ja in Luft auflösen, das würde Dir nicht mal auffallen!“ giftete Sie ihn weiter an, während sie sich noch einmal aus der flachen Schüssel bediente und rigelianische Chips in Ihren Mund stopfte.
Nun wurde es Rahlad zu bunt. Seit mehr als vierzehn Jahren mußte er sich dieses immer schlimmer werdende Gemotze anhören. Er beschloß sich einen ruhigeren Platz zu suchen, an dem er seinen Abend verbringen konnte. Als er die Tür zum Gang öffnete, rief Sie Ihm noch etwas hinterher, was er nicht verstand, weil die akustischen Warnsignale alles übertönten. Die Leuchtbänder in den Wänden blinkten noch immer in rot und zeigten damit den höchsten Alarmzustand des Schiffes an.
Offiziere und Crewmans hasteten durch die Gänge, bemüht Ihre Aufgaben zu erfüllen oder Ihre Posten einzunehmen, für die Sie eingeteilt waren. Rahlad drehte sich um und sah seine Frau, die noch weitere anscheinend abfällige Bemerkungen für Ihn fand, sich aber gegen die Rufe und die Geräusche im Gang nicht durchsetzen konnte.
Rahlad wandte sich ab, „Ach lass mich doch in Ruhe...“ sagte er mehr zu sich selbst als in Richtung seiner Frau und setzte sich in Bewegung. Sekunden später, er war noch keine zehn Meter von seinem Quartier entfernt, erschütterte eine heftige Detonation das Deck.
Der Generator der Traktorstrahlemitter, welcher im Inneren Bereich untergebracht war, hatte der Belastung nicht mehr standhalten können. Gemeinsam mit der Überspannung hatte auch das Dämpfungsfeld versagt und somit konnte sich die Druckwelle ungehindert ausbreiten.
Rahlad, den die Druckwelle von hinten erfaßt und zu Boden geworfen hatte dreht sich um und sah in die Reste seines Quartiers. Die doppelten Schotten hinter dem Quartier, die den Generator isolierten, waren zerfetzt und die Wand zum Flur war einfach weggedrückt worden.
Die Versiegelung zum nächsten Deck war geborsten und im darunterliegenden Quartier, in das man nun hineinsehen konnte brannte es.
Von Kihee fehlte jede Spur. Auch sein Quartier war nicht mehr existent. Selbst wenn man davon ausgehen konnte, das es persönliche Dinge enthielt, jetzt waren Sie einfach pulverisiert. Nur die glühenden Reste des Generators konnte man weit hinten in dem rußgeschwärzten Loch ausmachen. Ein Stück der Wand hatte einen vorbeikommenden Fähnrich getroffen, ihn an die gegenüberliegende Vertäfelung des Ganges geschleudert und unter sich begraben.
Rahlad rappelte sich auf und rannte noch leicht benommen zu ihm. Ein weiterer Offizier half ihm dabei, das schwere Teil zu entfernen. Langsam kam der Fähnrich wieder auf die Beine. Er blutete am Kopf sowie an der linken Hand, die er wohl instinktiv hochgerissen hatte und humpelte etwas.
„Kommen Sie, ich bringe Sie zur Krankenstation. Das wird schon wieder!“ Schnell führte er den Fähnrich den Gang entlang und beruhigte den Offizier, der ebenfalls helfen wollte.
„Gehen Sie auf Ihre Station, es ist OK, wenn ich das mache. Sie werden woanders dringender gebraucht!“
Der Offizier nickte kurz, drehte sich um und verschwand um die Biegung des Ganges.
„Schadensberichte!“ hallte die Stimme von Roger van Dyke über die Brücke.
„Wir haben die Generatoren der Traktorstrahlemitter auf Deck neun und zehn verloren. Hüllenbruch auf Deck eins und zwei, mit Kraftfeldern versiegelt.
Einige schwere Treffer im Modulsegment, zwölf Verletzte, eine tote Zivilistin bisher. Weitere Meldungen kommen noch herein. Die Stationen wurden von der Reservecrew übernommen! Den Jäger hat es kurz vor dem Ausfall unserer Generatoren zerrissen.“ gab der zweite Offizier Andy Duke zurück.
„Was macht die Yokohama?“ wollte van Dyke wissen.
„Ist im Anflug auf uns, gemeinsam mit den Runabouts, das Scoutschiff immer noch im Rücken.“
Roger nahm die Meldungen mit betretener Mine zur Kenntnis. „Die Runabouts sollen kurz längsseits gehen, damit wir ihnen frische Torpedos herüberbeamen können, dann kümmern wir uns um dieses Scoutschiff. Was machen unsere beiden Freunde vor uns?“ damit waren die cardassianischen Kreuzer gemeint.
„Schwere Schäden an Antrieb, Navigation, Energieversorgung und Waffen bei dem einen. Schildversagen bei dem anderen. Der könnte uns noch mal beschäftigen, Captain.“
Roger blickte auf den Hauptschirm.
„Rufen Sie die Shuttles zurück und dann versuchen wir, ihn kampfunfähig zu machen!“ sofort drückte Andy seinen Kommunikator:
„Alexandria an alle Shuttles, lösen Sie sich vom Gegner und kehren Sie zurück, Runabouts längsseits gehen um neue Torpedos aufzunehmen. Alexandria Ende!“
Sofort konnte man sehen, wie sich die Shuttles zurückzogen und sich hinter dem Schiff der Nebula Klasse sammelten um in die Hangars einzufliegen. Obwohl Die Cardassianer den Shuttles keine allzugroße Bedeutung beigemessen hatten, waren doch deutliche Kampfspuren hauptsächlich von den Auseinandersetzungen mit den kleinen Einmannjägern der Cardassianer zu sehen, die den Shuttles zugesetzt hatten. Einer solchen Belastung waren die Shuttles nicht gewachsen.
Es dauerte nur kurze Zeit, bis alle in die Hangars eingeflogen waren. Einige beschädigte Schiffe wurden mittels des Traktorstrahlgenerators der Shuttlerampe stabilisiert und dann in die Halle gezogen.
„Alles bereit, wir können los.“ meldete Andy Duke. Und schon setzte Ramirez einen Kurs mit entsprechenden Anflugvektoren. Die Alexandria beschleunigte und wenig später tauchten die beiden cardassianischen Schiffe wieder in der Flugbahn des Föderationsschiffes auf.
Ran Byrell mobilisierte die letzten Reserven der Waffensysteme. Nur noch zwei Torpedosalven standen zur Verfügung und die Schilde zur Versiegelung des Hüllenbruchs benötigten einen Großteil der noch zur Verfügung stehenden Energiemenge.
Ran lud ein Angriffsmuster, welches vor allem die Waffen- und Antriebssysteme unschädlich machen sollte.
„Wir sind in Reichweite.“ meldete Maxine Dent von ihrer Station aus, während die ersten Phaserentladungen der Cardassianer die Alexandria erschütterten. Ran Byrell betätigte die Sensorfläche auf seinem Display und feuerte zurück. Einige Pulsphaserstöße und mehrere Strahlvorgänge aus der oberen Phaserphalanx gingen auf das Schiff der Cardassianer nieder.
Ran feuerte in so kurzen Schußfolgen mit den verschiedenen Systemen, benutzte für jeden Feuerstoß eine andere Phaserbank, daß ein Überhitzen der Energiezellen gar nicht erst entstehen konnte. Der Bajoraner hatte eine ganze Sequenz an Schußmustern programmiert.
Gerade erzielte er einen erneuten Treffer bei dem cardassianischen Kreuzer. Ein Einschlag in der Hülle beschädigte offensichtlich einige Energieleitungen, wodurch endlich die Waffensysteme außer Kraft gesetzt wurden. Die plötzliche Dekompression an der Bruchstelle ließ das Schiff allerdings schnell zur Seite drifteten und hinter ihm kam der schon kampfunfähig gemachte zweite Kreuzer zum Vorschein.
Aber die Sequenz die Ran Byrell programmiert hatte war noch nicht zu Ende. Eine kräftige Phaserladung erzeugt von allen nach vorn gerichteten Emittern des Schiffes und gebündelt zu einem einzigen Strahl stach nach vorne und sollte eigentlich die Schilde des ersten Schiffes endgültig schwächen.
Aber nun traf der Strahl auf den bereits kampfunfähigen zweiten Kreuzer bohrte sich durch die kaum existenten Schilde und zertrennte den Kreuzer der Länge nach in zwei Teile. Nur wenige Rettungskapseln konnten sich aus den verbleibenden Bruchstücken lösen, bevor viele kleine Explosionen verschiedener Systeme die Bruchstücke in einem Flammenmeer verschlangen.
Das war nicht Sinn des Beschusses gewesen, das wußte jeder, aber es war passiert. Mit solchen Ergebnissen mußte man rechnen, wenn man sich in einen bewaffneten Konflikt begab.
„Überlebende?“ fragte Roger van Dyke.
„Vierzehn Fluchtkapseln, und die Cardassianer haben aus den Trümmern weggebeamt was immer ihre Sensoren erfassen konnten.“ war die Antwort von Maxine Dent.
„Gut dann kümmern wir uns jetzt um das Scoutschiff. Ramirez, Abfangkurs.
Roger van Dyke an Runabouts: sichern Sie unsere Flanken und koordinieren Sie Ihre Angriffe mit unserer taktischen Station. Aber übertreiben Sie es nicht, es reicht, wenn wir sie kampfunfähig machen.“
Die Bestätigung der drei verbliebenen Runabouts kam umgehend. Die Northlander war in den Haupthangar geschleppt worden, die schweren Schäden an Antrieb, Schilden und der Hülle machten einen weiteren Einsatz unmöglich.
Fast im gleichen Moment flog die Yokohama über die Alexandria hinweg und drehte zur Seite ab, dicht gefolgt von dem Scoutschiff, das sofort auch die Alexandria im Vorbeiflug unter Beschuß nahm.
„Der Kerl ist zäh, wenn ich mir vorstelle, daß Captain Wikland ihn so lange beschäftigen konnte...Dann los!“ rief van Dyke und das Schiff der Nebula Klasse setzte dem Cardassianer nach.
Sowohl Ran Byrell als auch die drei Runabouts jagten nun das Schiff, welches bislang die Rolle des Jägers ausgeübt hatte und nun selbst zum Gejagten wurde.
Die letzten zwei Reihen von Photonentorpedos verließen die Launcher im Modulsegment der Alexandria und stürmten dem Gegner hinterher. Hart schlugen Sie in den hinteren Schilden der Cardassianer ein. Dann scherten die Runabouts zum Angriff aus und deckten das Schiff mit weiteren Salven von Mikrotorpedos ein.
Sie hatten bei weitem nicht die gleiche Sprengkraft, aber es reichte um die scheinbar unermüdlichen Schilde doch noch mürbe zu machen. Schon nach weniger als zwei Minuten brachen sie endgültig zusammen. Zwei weitere Treffer legten die Waffen und Antriebssysteme lahm.
„Lieutenant eine Verbindung zu den cardassianischen Schiffen.“ sagte van Dyke zu Carah Pehl, die sofort einen entsprechenden Kanal öffnete.
„Verbindung steht, alle cardassianischen Schiffe können Sie hören Commander.“ Roger erhob sich aus seinem Stuhl und trat einige Schritte nach vorn. Auf dem Hauptschirm leuchteten drei Sektionen auf, auf denen die Brücken der jeweiligen Schiffe zu sehen waren. Auf allen schienen schwere Schäden entstanden zu sein.
„Sie sehen, es ist nicht gut, wenn man versucht, uns auf dem Heimweg aufzuhalten. Wir haben nicht die Absicht Sie zu zerstören, wir wollen einfach nur diesen Sektor verlassen.“ sagte van Dyke und sah die drei Kommandanten ernst an.
Gul Reganor auf dem Führungsschiff der Cardassianer schaute mit blitzenden Augen auf die Projektion von van Dyke.
„Sie werden diesen Sektor nie verlassen, Sie haben nämlich etwas vergessen. Wir haben Verstärkung angefordert und die ist jeden Moment da. Sie haben keine Chance. Am besten Sie ergeben sich gleich.
Ihr Schiff ist ebenso beschädigt wie die unseren, aber einen weiteren Kampf gegen zwei voll einsatzfähige Kreuzer der Galor Klasse werden auch Sie nicht überstehen. Das können Sie nicht im Ernst glauben.“
Roger blickte zu Maxine Dent, die langsam und resignierend mit dem Kopf nickte.
„Zwei Schiffe fallen unter Warp, Sir!“
Ran Byrell meldete sich von seiner Station,
„Soll ich die Surapth’s klar machen Captain?“
Aber van Dyke wiegelte mit der rechten Hand ab. Er hatte sich mit Wikland darauf geeinigt die Subraumtorpedos nur im allerschlimmsten Notfall einzusetzen. Und noch war weder etwas verloren, noch war klar, wer letztendlich unterliegen würde.
Die Alexandria hatte sich inzwischen zu dem Schiff der Miranda Klasse begeben und die Runabouts eingeschleust.
Der Führungskreuzer der Cardassianer wie auch das schon zu Anfang des Gefechts beschädigte Schiff der Galor Klasse waren längsseits gegangen und nun kamen zwei weitere cardassianische Schiffe auf die beiden Föderationsschiffe zu und stoppten direkt gegenüber der Alexandria.
Gul Reganor ließ ein tiefes gurgelndes Lachen hören und blickte auf den Bildschirm der den unbeugsamen Blick in Roger van Dykes Augen zeigte.
„Geben Sie auf! Sie haben nur zwei schwer lädierte Schiffe und können uns keinen Widerstand mehr leisten, aber Ihre Technik wird uns sehr hilfreich sein.
Sie sind allein, begreifen Sie das endlich. Wir werden nun Ihre Schiffe entern und wer immer sich zur Wehr setzt, den werden wir aus dem Weg räumen oder zum Schweigen bringen!“, lachte der Gul mit schadenfrohem Blick auf dem Bildschirm.
Roger van Dyke überlegte, ob es nicht doch vielleicht ratsam wäre, die Subraumtorpedos wenigstens in Bereitschaft zu versetzen, um sie letzten Endes doch noch einsetzen zu können, als plötzlich ein weiteres Mitglied an der Kommunikation teilnahm.
„Ich hätte da aber noch eine Frage...“ tönte plötzlich eine völlig andere Stimme aus dem Audiosystem der cardassianischen Brücke.
Der Gul fuhr herum und sah seinen Kollegen an der Kommunkiationsstation fragend an, aber dieser konnte auch nur mit den Schultern zucken. Dann wurde das Bild auf dem Hauptschirm durch den Blick auf die geräumige Brücke eines Schiffes der Sternenflotte ersetzt, die einen sehr einsatzbereiten Eindruck machte.
„...kann es sein, daß Sie sich bei Ihrer Analyse etwas verzählt haben?“ fragte Captain William Peter Thorndyke schnippisch und im selben Moment tauchte die U.S.S. Atlantis direkt hinter den Schiffen der Sternenflotte aus dem Warptransfer auf.
Die Unsicherheit im Blick des Cardassianers dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, aber es reichte aus um es zu erkennen.
„Pah, ein Schiff der Föderation mehr oder weniger, glauben Sie wirklich wir Cardassianer würden es nicht auch noch mit Ihnen aufnehmen? Ein weiteres Schiff mit hochwertiger Technologie kann uns nur recht sein!“ schnaubte der Gul.
„Entschuldigen Sie, aber ich glaube Sie haben sich nicht richtig angestrengt. Zur Zeit stehen die Chancen eher gegen Sie, wenn ich das richtig sehe!“ antwortete Thorndyke mit einem schelmischen Grinsen auf dem Gesicht.
„Ich überlasse es Ihnen, sich jetzt schnell zurückzuziehen, solange es noch geht.“ fügte er hinzu.
Ein lautes Lachen hallte über die Brücke des cardassianischen Kreuzers und die Brückencrew stimmte mit ihrem Captain ein in dieses verhöhnende Spiel.
„Wie kommen Sie auf diese Weisheit, Captain. Ich sehe nur drei Schiffe der Föderation und die machen nicht gerade einen sehr einschüchternden Eindruck auf mich!“ antwortete der Gul.
„Ich muß sagen, Ihr Lachen geht mir gewaltig auf die Nerven. Ich schätze, ich sollte es einfach mal schnell abstellen!“ erwiderte Thorndyke.
Gul Reganor bog sich vor Lachen
„...ach ja? und wie wollen Sie das machen?“ prustete der Gul, der sich bereits im Siegestaumel sah und seinen Erfolg nun in vollen Zügen auskosten wollte.
„Na einfach so!“ sagte Thorndyke und schnippte mit den Fingern seiner rechten Hand.
Ernüchtert und mit Entsetzen im Gesicht blickte der Glinn auf sein Display. Er wollte nicht glauben was er da sah, aber die Anzeige änderte sich nicht.
Die Kommunikation auf dem Hauptschirm der Brücke wich dem Blick nach draußen und dann konnte es Gul Reganor ebenfalls erkennen. Rund um die Schiffe der Föderation enttarnten sich fünf klingonische Raumschiffe und aktivierten ihre Waffensysteme. Ein Kampfkreuzer der Vor’cha Klasse und vier Bird of Prey.
„Ich habe lieben Besuch mitgebracht, sie haben doch nichts gegen klingonische Gäste auf Ihrer Siegesfeier, oder?“ flachste Captain Thorndyke und setzte ein gewinnendes Lächeln auf.
Der Gul machte eine abfällige Handbewegung und kappte die Kommunikation. Einige Sekunden standen sich die unterschiedlichen Kreuzer im Raum still und bedrohlich gegenüber.
Dann begannen sich die Schiffe der Cardassianer in Bewegung zu setzen, zunächst waren die beschädigten Kreuzer etwas schwerfällig, aufgrund der defekten Navigation, aber nachdem sie Ihren Kurs erreicht hatten, beschleunigten sie und ließen die Gruppe von Föderationsschiffen mit den Klingonen allein an diesem Punkt des Alls zurück.
Captain Wikland hatte mit Bestürzung die äußeren Schäden an seinem Schiff zur Kenntnis genommen. Gut, es war ein harter Kampf gewesen, aber dennoch sah die Alexandria im Moment wie ein waidwunder Tiger aus, dem man zudem die Krallen gestutzt hatte. Die Kampfspuren hatten deutliche Zeichen auf dem eleganten und kompakten Schiffsrumpf hinterlassen. Er winkte einen der Offiziere zu sich heran
„Lieutenant, übernehmen Sie die Brücke, lassen Sie alles für den umgehenden Abflug bereit machen. Die Technikerteams sollen sich schnellstmöglich um die Schäden kümmern. Ich melde mich, wenn ich auf der Alexandria mit dem Captain dieses Schiffes hier geredet habe. Da sind noch einige Fragen offen.“
Der junge Lieutenant blickte den Captain fest an und ließ ein kräftiges „Aye Sir!“ hören, was angesichts der Lage etwas zu optimistisch klang, aber Wikland hatte im Moment ganz andere Dinge im Kopf. Schnell begab er sich zum Transporterraum um sich auf die Alexandria zu begeben.
Er materialisierte in Transporterraum drei auf Deck sechs und begab sich sofort auf den Weg. Ihm war eingefallen, daß er sich durch die Übernahme der Yokohama einer sehr unangenehmen Situation entzogen hatte, die er noch zu klären hatte.
Er hatte sich gehenlassen, er war wütend und enttäuscht gewesen und hatte einen Menschen, der ihm nahestand, ohne Wort und Gruß verlassen. Er war ins Feld gezogen, hatte sich der Klärung, einer Auseinandersetzung entzogen.
Eine Vorgehensweise, die eigentlich gar nicht seinem Naturell entsprach. Wikland betrat den Turbolift und nannte sein Ziel. Nur wenige Sekunden brauchte der Lift und schon öffneten sich die Türen wieder.
Sofort stieg Wikland der unangenehme Geruch in die Nase, der trotz Luftaustausch noch immer im Flur hing. Er trat in den Gang und durcheilte ihn mit schnellen Schritten, bis er an der entsprechenden Türe ankam. Aber weder der Näherungssensor reagierte, noch seine Aufforderung an den Computer, die Tür zu öffnen wurde ausgeführt. Wikland stemmte sich in einem ersten Anflug von Ärger gegen die Türhälften, aber es rührte sich nichts.
Dann wurde ihm bewußt, daß die manuelle Öffnung nur nach einer Entriegelung möglich war. Er ging ein Stück zur Seite und entnahm aus dem Technikschrank im Gang einen Decodierer. Er gab mit schnellen Tastendrücken seinen Autorisationscode ein und setzte dann das Gerät an die rechte Türhälfte.
Ein leises Klicken war zu hören, dann gaben die Türen dem Schieben nach und öffneten sich. Wikland blickte in einen Raum, in dem ein Inferno getobt hatte. Nur verkohlte Überreste waren von dem Botschafterquartier übriggeblieben. Viele der Einrichtungsgegenstände waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Die automatische Feuereindämmung hatte wohl nicht ausreichend funktioniert. Von Avallia Sen gab es keine Spur. Wikland war bestürzt und erregt zugleich. Mit Grauen dachte er daran, daß er möglicherweise den einzigen Menschen verloren haben könnte, der ihm in den letzten Jahren mehr bedeutet hatte als nur ein Partner, ein Kollege, ein weiteres Gesicht in den Reihen derer die er kannte.
Der Captain tastete auf seinen Kommunikator.
„Computer, lokalisiere Botschafterin Avallia Sen!“ gab er mit festem Ton seine Anweisung, in der Hoffnung eine gute Nachricht zu erhalten. Ein kurzes Verarbeitungssignal ertönte dann tönte die Stimme des Computers aus dem Kommunikator: „Die Botschafterin ist nicht an Bord dieses Schiffes.“
Die Beunruhigung in Wikland stieg weiter an. Er hatte es gewußt. Er hatte es nicht gewollt. Er hatte ihr versucht klar zu machen, daß dies ein gefährlicher Ort war. Aber wie so oft, gaben die Frauen nicht viel auf die berechtigten Sorgen der Männer.
Der Captain machte einen weiteren Versuch.
„Wikland an Brücke, was war denn hier los. Das Quartier der sakranianischen Botschafterin ist verwüstet, der Computer kann sie nicht lokalisieren. Ist sie verletzt? Wissen Sie wo sich die Botschafterin Avallia Sen aufhält?“
Roger van Dykes angespannte Stimme kam umgehend aus der Audioanlage.
„Tut mir leid Captain, ich hatte noch keine Gelegenheit Sie darüber zu informieren. Wir wissen es ehrlich gesagt auch nicht. Zwei der Generatoren für den Traktoremitter sind explodiert. Im Quartier haben wir keine Hinweise auf die Botschafterin gefunden und auch der Computer hat sie nicht lokalisieren können. Wir hatten aber bis eben leider viel zu viel zu tun, um nach Ihr zu suchen. Soll ich ein Sicherheitsteam losschicken?“
Wikland überlegte kurz.
„Verstehe Nummer Eins. Nein, lassen Sie die Sicherheitsteams an ihren Posten, ich werde selbst nachsehen. Sorgen Sie dafür, daß die Captains unserer Schiffe in einer Stunde im Besprechungsraum sind. Wir müssen die weitere Vorgehensweise abstimmen. Und laden Sie auch die Klingonen ein. Wikland Ende.“
Mit diesen Worten wandte er sich ab und machte sich auf den Weg zum zwei Decks höher liegenden Arboretum. Doch auch hier hatte Wikland wenig Glück.
Zunächst hatte er gehofft, die Botschafterin auf der kleinen Bank gegenüber dem Wasserfall zu finden, wo sie schon mehrfach gemeinsam gesessen und Gedanken ausgetauscht oder die Stille genossen hatten. Aber weder dort noch auf den anderen Pfaden, die durch das dicht bepflanzte Arboretum führten war die junge Frau zu finden. Erst als die Müdigkeit seine Glieder schwer werden ließ, bemerkte Wikland, daß er schon viel zu lange auf den Beinen war. Ernüchtert blickte er auf den Chronographen und entschloß sich erst einmal frisch zu machen. Er würde wohl doch die Idee von van Dyke aufnehmen und ein Sicherheitsteam mit der Suche beauftragen. So kam er ohnehin nicht weiter.
Langsam und antriebslos trottete er vom Arboretum zum Turbolift und überbrückte mit ihm die beiden Decks, die sein Quartier entfernt lag. Die Türen öffneten sich mit einem leisen Zischen und Wikland ging zielstrebig in Richtung Bad, als eine leise und sanfte Stimme aus dem Raum kam,
„Na, wieder zurück?“ Wikland fuhr herum. Avallia Sen, die Botschafterin lag auf dem Sofa und ließ das Buch sinken, in dem sie gelesen hatte. Ein Stein fiel Wikland vom Herzen.
„Es freut mich Sie unversehrt zu sehen, aber was machen Sie denn hier?“ fragte er mit einer Mischung aus Erstaunen, Erleichterung und Fassungslosigkeit.
„Nun, ich wollte Ihnen in diesen schweren Stunden nahe sein, und da Sie es vorgezogen haben, das Kommando auf dem anderen Schiff zu übernehmen, habe ich mich entschlossen hierher zu kommen, das ist wenigstens ein kleiner Trost. Hier fühle ich Ihre Nähe immer noch am besten und kann wenigstens mit den Gedanken in Ihrer Nähe sein.“
Wikland wollte etwas sagen, dachte aber an die Worte von Ymoota Aalia, die ihn ein wenig über das sonderbare Verhalten der Frauen aufgeklärt hatte.
„Ich verstehe. Es war also nicht der Kampf, oder die Sorge um Ihre Sicherheit?“ Avallia Sen schüttelte den Kopf.
„Nein, das war es nicht.“ flüsterte sie.
„Nun, dann hat Sie ihr Instinkt, Ihr Schutzengel, oder wie immer Sie es nennen möchten vor einer Katastrophe bewahrt.“ Avallia Sen richtete sich abrupt auf.
„Wie meinen Sie das Captain?“
Wikland, der die ganze Zeit noch unschlüssig zwischen Tür und Bad gestanden hatte, kam auf die Botschafterin zu, setzte sich neben sie und blickte ihr in die fragenden Augen.
„Es gab einen Unfall. Einige der Generatoren sind explodiert und haben große Verwüstung angerichtet. Ihr Quartier existiert nicht mehr. Alle waren in großer Sorge, weil man Sie nicht finden konnte. Ich ebenfalls.“ Erschrecken machte sich in Avallias Augen breit. Das Wissen, nur knapp einer solchen Gefahr entgangen zu sein schockierte sie. Wikland nahm ihre rechte Hand und sagte:
„Ich habe mich in letzter Zeit auch nicht gerade wie ein Gentleman verhalten, ich war ziemlich aufbrausend und verletzend.
Aber es hat auch bislang noch niemand versucht mein Innerstes zu erreichen. Bis auf Sie.
In all den Jahren stand mein Herz und mein Verstand immer nur auf Abwehr. Ich muß erst wieder lernen damit umzugehen....“ Avallia Sen legte ihren Zeigefinger auf Wiklands Lippen, um ihm klar zu machen, daß er nicht weitersprechen mußte.
Der Captain betrat den Besprechungsraum der Alexandria als Letzter und blickte in die Runde. Roger van Dyke, sein erster Offizier befand sich gerade im Gespräch mit Emanuel Rodriguez, dem ersten Offizier der Yokohama und erklärte ihm die taktischen Ausweichmanöver mit ausladenden Handbewegungen.
Captain William Thorndyke saß entspannt in einem der Stühle und plauderte mit Ed Griendling, dem Captain der Yokohama, der sich inzwischen von den Strapazen der Gefangenschaft ein wenig erholt hatte.
Wikland machte die Runde und begrüßte alle Anwesenden mit einem kräftigen Handschlag. Ganz besonders seine beiden Captains-Kollegen Griendling und Thorndyke.
„Sie haben viel für uns riskiert Wikland.“ eröffnete Ed Griendling das Gespräch.
„Da war nichts, was Sie nicht auch für mich oder meine Crew getan hätten Captain.“ wiegelte Wikland mit einem Schmunzeln ab.
„Es war das Mindeste was man für einen Kollegen, ein Mitglied der Sternenflotte, einen Freund tun würde.“
Ed Griendling lachte kurz auf,
„Ja, einen Freund mehr haben Sie ab heute auf jeden Fall gewonnen, soviel steht fest. Wir werden Ihnen auf ewig verbunden sein und wann immer Sie etwas brauchen, lassen Sie es mich wissen.“
Wikland setzte ein süffisantes Grinsen auf und erwiderte
„Da können Sie sicher sein. Irgendwann stehe ich bei Ihnen auf der Matte und werde einen Gefallen einfordern.“
Ein gemeinsames Lachen ging durch den Raum, das abrupt von dem Öffnungsgeräusch der Tür unterbrochen wurde. Das leise Zischen ließ die Köpfe der Anwesenden zur Tür blicken.
Die beiden Hälften glitten auseinander und es traten zwei Klingonen ein, die direkt vor dem Tisch stehen blieben und ihren finsteren Blick durch den Raum wandern ließen. Einer der beiden hatte eine Skulptur in der Hand, die er mit der rechten Hand kräftig auf den Tisch aufsetzte.
Die Trophäe bestand aus einer goldenen Kugel, aus der drei Spitzen herausragten, eine dreidimensionale Interpretation des klingonischen Symbols. K’Orak ließ die Trophäe los, ballte seine rechte Hand zur Faust und schlug sich auf die Brust.
„Der Sieg war mein!“ rief er und blickte Wikland triumphierend an.
Das Lächeln war aus Wiklands Gesichtszügen gewichen. Der Klingone hatte sein Schiff wieder betreten.
„Aber es war einfach die anderen Teilnehmer zu besiegen, denn mein härtester Konkurrent, Lieutenant Worf, der letztjährige Gewinner, hat dieses Jahr nicht teilgenommen. So fehlt mir nun der Beweis, daß ich auch in der Lage bin, ihn zu besiegen. Die Trophäe ist ohne Wert! Es ist keine Ehre sie zu besitzen.“ knurrte der Klingone. K’Orak wies nach links zu dem zweiten Klingonen, der neben ihm stand.
„Das ist Captain Mek’Korh. Er befehligt die Rakuun, den Schlachtkreuzer der Vor’cha Klasse.“ stellte er den zweiten Krieger vor.
Wikland bedachte den Klingonen mit einem ernsten, respektvollen Blick und bedeutete allen am Tisch Platz zu nehmen.
„Nun meine Herren, zunächst möchte ich unseren überraschenden Gästen für ihren, wie soll ich sagen, wohlterminierten Besuch danken.“ Ein Lächeln huschte über Wiklands Gesicht und füllte die Minen der Anwesenden mit Entspannung.
„Wir hatten zwar noch einen weiteren Trumpf im Ärmel, aber wir wollten uns für die Cardassianer nicht unbedingt noch interessanter machen, als wir es ohnehin schon waren. Daher sind wir sehr dankbar für Ihr Erscheinen. Aber ehrlich gesagt würde es mich schon interessieren, wie Sie darauf kamen, uns hier zu suchen, Captain Thorndyke.“ fuhr Wikland mit neugierigem Ton fort.
„Vielleicht sollten wir erst einmal hören, wie es zu alledem gekommen ist Captain.“
Erwiderte William Peter Thorndyke und unterstrich seinen Wunsch mit einer Geste seiner linken Hand. Wikland nahm diesen Hinweis sofort auf und wandte sich an Captain Griendling.
„Das ist ein guter Vorschlag. Wie sieht es aus Captain, wie konnte man Sie überwältigen?“ wandte sich Wikland an den Captain der Yokohama.
„Nun, Überwältigt ist wohl das falsche Wort. Eher übers Ohr gehauen, würde ich sagen...“ begann Ed Griendling seinen Bericht.
„...wir waren einige Wochen zuvor auf der Sternenbasis gestartet und sollten mehrere Wissenschaftler auf Harbat absetzen, einem Klasse M-Planeten im Randgebiet der Föderation, die Gründe hierfür kennen Sie ja aus unserem Missionsauftrag.
Nicht weit von einem Asteroidenfeld trafen wir auf einen alten Ferengifrachter, dessen Antriebsreaktor scheinbar außer Kontrolle geraten war. Man bat uns um Hilfestellung, eine Kommunikation war nur über Audioverbindung möglich, ein Umstand, der uns viel früher hätte hellhörig machen müssen.
Nun, wie auch immer, wir senkten nach einigen Diskussionen unsere Schilde und beamten ein Technikerteam auf den Frachter, niemand dachte daran, daß im Gegenzug ein Enterkommando auf unser Schiff gebeamt werden könne.
Man überlagerte einfach unseren Beamstrahl mit dem anderen, der nur einige Millisekunden später einsetzte. Offenbar hatten die Söldner genaue Kenntnisse von unserem Schiff. Sie materialisierten in einem wenig frequentierten Bereich auf Deck zwei.
Minuten später war die Brücke von ihnen besetzt und wir hatten keine Möglichkeit der Gegenwehr mehr. Glauben Sie mir, meine Herren, ich habe gute Leute und eine gut funktionierende Sicherheitsabteilung. Aber dieser Überfall war minutiös geplant und perfekt ausgeführt. Man könnte meinen, einer der Söldner hätte bei der Föderation gedient...“
Wikland räusperte sich deutlich hörbar und fragte mit nachdrücklicher Stimme,
„Und was ist dann passiert Captain?“
Ed Griendling war etwas irritiert, ob der Unterbrechung durch den Captain der Alexandria, fuhr aber nach einer kleinen Pause in seinen Ausführungen fort.
„...Nun, die Mannschaft, die uns überfallen hatte, riß die Kontrolle über das Schiff an sich. Sie decodierten die Kommandocodes, und versiegelten alle Bereiche und Räume. Dann gingen Sie Raum für Raum vor und verlegten jede Person die sie fanden in Frachtraum zwei.
Nach weniger als einer Stunde hatten Sie die gesamte Crew dort zusammengepfercht. Später dockten sie an der cardassianischen Station an und wir wurden in die Arrestzellen überstellt, um den Cardassianern als Zwangsarbeiter zu dienen. Ich muß sagen, wir sind Ihnen für die Rettung sehr dankbar. Meine Crew hätte diese Tortour nicht mehr viel länger ausgehalten.“
Wikland nickte zustimmend.
„Ja, ich kenne die Methoden der Cardassianer nur zu gut. Und was die Tricks des Enterkommandos betrifft, da ging es uns ziemlich ähnlich. Wie ich schon immer sage, die Sicherheitsbestimmungen werden viel zu lasch gehandhabt. Wir verdanken es auch nur einem tiefen Griff in die Trickkiste, daß unser Schiff nicht in die Hände dieser Verbrecher gefallen ist.
Noch vor gar nicht langer Zeit hätte ich keinen Pfifferling auf die raffinierten Blendwerke eines Zauberers gegeben, und mich schon gar nicht auf ein solches Vorgehen als Taktik gegen einen ernst zu nehmenden Gegner eingelassen, aber die Zeiten haben sich geändert und es reicht anscheinend nicht mehr aus, einfach nur Stärke zu zeigen und ein guter Kämpfer zu sein.
Man muß gewitzt sein und cleverer als der Gegenüber. Ihm das zeigen, was er sehen will und selbst das tun was nötig ist.“
Der zufriedene Blick Wiklands fiel auf Roger van Dyke, auch wenn sein Schiff die Auseinandersetzung nicht so unbeschadet überstanden hatte, wie er es dem ersten Offizier bei Übergabe des Kommandos abverlangt hatte.
„Sagen Sie Captain Mek’Korh, wie kam es eigentlich zu Ihrem überaus überraschenden Besuch hier?“ wollte Wikland wissen.
Der Klingone beugte sich nach vorn und ballte seine Fäuste, die er auf den Tisch gelegt hatte. Ein tiefes Knurren war zu hören und der Klingone sah Thorndyke mit einem strafenden, diskriminierenden Blick an. Nur zäh kamen die Worte aus seinem Mund, die an seinem Stolz nagten.
„Dieser Mann hier...“ er deutete auf Thorndyke,
„... hat einmal meine Ehre gerettet, ich war ihm einen Dienst schuldig. Er bat mich um diesen Geleitschutz und stellte mir als Ausgleich eine Möglichkeit in Aussicht, die geeignet sei, viel Ehre zu erlangen. Leider kamen wir etwas zu spät um unseren Mut unter Beweis zu stellen.“ Wikland blickte dem klingonischen Captain fest in die Augen.
„Nach meinem Empfinden war Ihr Auftauchen zeitlich absolut perfekt. Sie waren keine Sekunde zu früh oder zu spät. Ehre erwirbt man nicht nur durch Taten auf dem Schlachtfeld Captain, sondern auch durch Respekt durch den Feind. Ein Gegner der sich allein Ihrer Anwesenheit beugt, ehrt Sie ebenso, wie ein Gegner, der Ihnen im Kampf die Stirn bietet.“
Der Klingone senkte kurz den Kopf und antwortete dann, mit immer noch knurriger Stimme.
„Die Cardassianer sind nichts als Feiglinge, wenn sie sich einem Kampf entziehen.“
Wikland seufzte tief. Sein Versuch den Klingonen aufzuwerten, war wohl fehlgeschlagen.
„Sehen Sie es als Anerkennung ihrer Stärke und Kapitulation des Gegners.“ hakte er nochmals nach.
„Meine Herren, ich denke es ist besser, wenn wir jetzt den Heimweg antreten, bevor wir hier mit weiteren, ungebetenen Gästen rechnen müssen. Ich möchte allerdings die Gelegenheit nutzen, bei einer kleinen Feier unseren Erfolg zu würdigen. Die Crew aller Schiffe hat sich eine Entspannung verdient, für die Mühen und Entbehrungen der letzten Zeit. Sie sind alle recht herzlich eingeladen heute Abend daran teilzunehmen.“ sagte Wikland und blickte in die Runde.
„Das wird nicht gehen Captain, ich werde auf Qo’noS zurückerwartet. Aber danke für das Angebot. Commander K’Orak wird hierbleiben, er wäre ohnehin in wenigen Tagen auf Ihr Schiff zurückgekommen, da seine Freistellung zu Ende war. Sie erhalten einen umfassenden Bericht über seine Leistungen an Bord der Rakuun.“
Damit stand der Klingone auf und verließ den Raum. Auch Ed Griendling und sein erster Offizier hatten sich von ihren Plätzen erhoben und kamen zu Wikland.
„Captain wir werden alle gerne kommen...“ bedankte sich der Kommandant der Yokohama bei Wikland.
„...Ich hoffe, Sie geben mir dann auch mein Schiff zurück.“ fügte er mit einem Lächeln hinzu. Wikland setzte einen verblüfften Gesichtsausdruck auf.
„Wieso das denn? Ich habe sie treibend und verlassen im Raum gefunden, sie gehört mir. Aber vielleicht gebe ich Ihnen Gelegenheit sie bei einer Pokerpartie zurückzugewinnen.“ scherzte er und geleitete die Herren aus dem Raum.
Nur Roger van Dyke und Captain Thorndyke waren zurückgeblieben und blickten den Captain an, der nun an der verschlossenen Türe stand.
„So, Sie waren also an der Akademie auch beim alten Hennesy, Thorndyke?“ kam die ernste Stimme von Wikland. William Peter Thorndyke setzte ein Grinsen auf.
„Stimmt, Sie haben es also sofort verstanden, ja?“ Ein Nicken bestätigte, was Thorndyke sich bereits gedacht hatte.
„Das alte Symbol für ‘das muß unter uns bleiben’ ist ja wohl fast jedem bekannt. Nun, dann lassen Sie mal die Katze aus dem Sack.“ forderte Wikland und nahm gemeinsam mit den beiden anderen wieder am Tisch Platz.
„Vor einigen Tagen erreichte mich an einem chaotischen Tag ein Ruf der Sternenflotte. Einer meiner alten Ausbilder, Admiral Jorgensen war in heller Aufregung wegen des Verschwindens der Alexandria.
Man hatte versucht, über normale Kommunikation der Flotte Kontakt mit Ihnen aufzunehmen, was anscheinend nicht gelang. Es ist eigentlich nur Ihren Freunden aufgefallen, daß von Ihnen keine regelmäßigen Berichte mehr kamen.
So baten mich Admiral Jorgensen und Admiral Henry Sie zu suchen und Ihnen die beunruhigenden Fakten mitzuteilen, deren Ursprung Sie wohl wesentlich eher festgestellt hatten. Die Tatsache daß, und die Frage warum so viele Schiffe in letzter Zeit verschwinden.
Als uns klar wurde, daß wir uns auf die Kollegen der Föderation nicht blind verlassen konnten und um die möglichen Mittäter nicht aufzuschrecken, kam mir die Idee, Mek’Korh an seinen Schwur zu erinnern, was Ihm, wie Sie sehen konnten, sichtlich Magenschmerzen bereitet hat.
Aber er hielt Wort, besorgte vier Bird of Prey und nahm seinen Schlachtkreuzer, die Rakuun mit.“
Wikland der sich während der Erzählung in seinen Stuhl hatte sinken lassen schüttelte langsam den Kopf.
„Ich kann es noch immer nicht glauben, daß es solche kriminellen Elemente bei der Sternenflotte geben könnte, aber die Yokohama und der Angriff auf uns sind der stichhaltige Beweis dafür. Ich wüßte zu gerne wer da auf Seiten der Föderation dahintersteckt. Und ich versichere Ihnen, ich werde es herausbekommen. Soviel ist sicher.“
Deutlich war die Enttäuschung in Wiklands Gesichtszügen darüber zu erkennen, daß Ehre und Zusammenhalt in der Föderation anscheinend nur noch leere Worthülsen waren.
„Wer weiß davon, daß Sie hier sind, Captain Thorndyke?“ wollte Wikland wissen.
„Nur Sie, Admiral Jorgensen, Admiral Henry und ich. Selbst meine Crew kennt den Hintergrund unseres Picknickausfluges nicht. Ich sollte auch besser nicht an Ihrer Party teilnehmen, zu viel Erklärungsaufwand, Sie verstehen? Wir wissen, daß Sie wohlauf sind und machen uns nun auf den Rückweg.“
Wikland stand auf und ging zum Captain der Atlantis.
„Vielen Dank für Ihre Hilfe. Es ist schön zu wissen, daß es noch ehrliche Offiziere in der Sternenflotte gibt, denen die Werte für die wir einstehen, etwas bedeuten. Geben Sie mir noch einige Tage Zeit, bevor Sie Bericht erstatten. Ich möchte das Risiko ausschließen, daß einer oder mehrere der Verräter mitbekommen, daß ihr Plan fehlgeschlagen ist. Man weiß nie, wo die alle stecken. Ich kontaktiere Sie, wenn ich soweit bin.“
Er unterstrich seinen festen Händedruck mit einem freundlichen Lächeln.
„Selbstverständlich Captain Wikland. Dann mal viel Glück und gute Jagd!“ sagte Thorndyke. Gemeinsam verließen die drei den Konferenzraum.
Wikland hatte gerade die Brücke betreten, als sich auch schon Captain Thorndyke meldete, der inzwischen wieder auf sein Schiff zurückgekehrt war.
„Captain Wikland, wir wünschen Ihnen einen guten Rückflug. Und viel Erfolg bei Ihren weiteren Aktivitäten.“
Das schelmische Grinsen bei diesem Satz war Wikland nicht entgangen, ebensowenig wie der etwas wehmütige Blick von Thorndyke, bei der Aufdeckung dieser Verschwörung nicht mitmachen zu können. Wikland erwiderte den Gruß,
„Nochmals danke Captain, einen guten Rückflug auch Ihnen.“
Damit endete die Kommunikation. Kurz darauf konnte man sehen, wie die Atlantis beschleunigte und in einem kleinen Blitz die Warpbarriere durchbrach. Wikland nahm auf dem Sessel des Captains Platz.
„So, nun wird es auch Zeit für uns, Ramirez, setzen Sie einen Kurs auf Raumbasis 491. Stimmen Sie sich mit unseren Leuten auf der Yokohama ab und gehen Sie auf die höchstmögliche Warpgeschwindigkeit. Ich will so schnell wie möglich Zuhause sein.“ gab Wikland seine Anweisungen.
„Lt. Commander Duke, ich möchte einen umfassenden Bericht über die Schäden und die Verluste auf unserem Schiff, wie auch auf der Yokohama, veranlassen Sie alles nötige.
Nummer Eins, Ich erwarte von Ihnen einen Bericht über die Außenmission aller Teams. Benachrichtigen Sie die Chefingenieurin, sie soll zu dem Schadensbericht Stellung nehmen und die Reparaturteams einteilen.
Ich will wissen wie lange das dauert. Kommen Sie in zwei Stunden in meinen Raum, das gilt für alle.“
Damit lehnte sich Wikland zurück und betrachtete das Szenario auf dem Hauptschirm. Die Schiffe der Klingonen verschwanden in den Tarnschilden und dann setzten sich auch die Alexandria und die Yokohama in Bewegung. Schon wenige Sekunden später war das gewohnte Bild der durch die Warpgeschwindigkeit verzerrten Sterne auf dem Hauptschirm zu sehen.
Roger van Dyke machte sich sofort daran, die benötigten Informationen zusammenzustellen. Keine leichte Aufgabe, hatte man doch nach dem Abflug von der Station keine Zeit für irgendwelche Niederschriften gehabt, da man mit dem Rückweg und der nachfolgenden Kampfhandlung alle Hände voll zu tun hatte.
So beschloß van Dyke schnell die Runde zu machen, und die Beteiligten der Außenmissionen zu befragen, um die wichtigsten Infos zusammenzustellen. Zunächst aber setzte er sich auf seinen Platz neben den Captain und begann, mit knappen aber präzisen Angaben seinen eigenen Einsatz mit Ymoota zu protokollieren.
