Kapitel 25

Admiral Henry ahnte schon was passieren würde, als sich die Türe zu seinem Büro ohne ein Klopfen öffnete.
Sven Jorgensen betrat den Raum. Thomas Henry blickte in ein besorgtes Gesicht.
„Es ist wie ich befürchtet habe Thomas, die Alexandria hat sich nicht gemeldet. Kein Funkspruch, keine Berichte. Die letzte bekannte Position war hier.“
Admiral Jorgensen war an den großen ausladenden Schreibtisch seines Kollegen getreten und hatte ein Padd darauf abgelegt. Mit seinem Zeigefinger wies er auf den Eintrag, den das Display zeigte. Thomas Henry griff nach dem Padd und las die Informationen die dort abgebildet waren.
„Das ist ja schon mehr als vier Tage alt!“ antwortete er bestürzt.
„Ian Hassard hatte mir doch fest versprochen ebenfalls einen Kontakt zur Alexandria herzustellen. Er hat mir versichert, er hätte bereits mit Jan Erik gesprochen und es sei alles in Ordnung.“
Sven Jorgensen verzog das Gesicht zu einem düsteren Blick.
„Mein Freund, ich glaube da stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Es kann nicht sein, daß ein solch großes Schiff der Nebula Klasse einfach so von der Bildfläche verschwindet, ohne daß jemand davon Wind bekommt oder das Flottenkommando einen solchen Auftrag nicht verfolgt. Schließlich ging es darum, ein verschollenes Schiff wieder ausfindig zu machen, da muß doch eine entsprechende Priorität vergeben worden sein.“ entrüstete sich Jorgensen.
Thomas Henry hob seine Hand zu einer beschwichtigenden Geste.
„Das werden wir gleich haben. Computer, bitte Anzeige der gegenwärtigen Aufgabe der U.S.S. Alexandria auf dem Hauptdisplay.“
Der große Schirm an der Wand wurde aktiviert und es erschien der Einsatzbefehl der Alexandria.
Wie erwartet fanden sich darin die Aufgabenbeschreibung und die Koordinaten für die Flugroute der Yokohama, die es zu finden galt. Ein Zeitplan sowie einige zusätzliche Anweisungen und Informationen über den Raumsektor, in dem die Yokohama verloren gegangen war waren ebenfalls vorhanden. Admiral Thomas Henry wies den Computer an auf die Berichtsseite zu wechseln.
Die Aufgabenbeschreibung wich der tabellarischen Übersicht der regelmäßigen Meldungen. Aber der Schirm blieb leer.
„Computer, Anzeige der Logbucheintragungen und Meldungen an das Hauptquartier der Sternenflotte.“ präzisierte Thomas Henry nocheinmal seine Anweisung.
„Es sind keinerlei Eintragungen für diese Mission vorhanden.“
Kam die Antwort aus dem Audiosystem. Sowohl Jorgensen als auch Admiral Henry blickten sich entgeistert an. Selbst der unzuverlässigste Captain der Sternenflotte würde zumindest die Bestätigung senden, daß der Auftrag angenommen worden war und sich das Schiff auf den Weg machte.
Und mindestens eine kurze Notiz war für jeden Tag abzustellen. Aber all diese Informationen fehlten in den Aufzeichnungen. „Computer, warum wurden keine Aufzeichnungen zu diesem Auftrag gespeichert?“ wollte Jorgensen wissen.
„Keine der empfangenen Transmissionen enthielt die Codierung dieses Auftrages.“ kam die prompte Antwort.
Die Sache wurde immer undurchsichtiger.
„Computer, warum wurden die üblichen Berichte nicht angemahnt?“ wollte es jetzt Admiral Henry genau wissen.
„Der Auftrag wurde mit einer entsprechenden Priorität versehen. Er wurde so gestaltet, daß Berichte während der Missionszeit nicht notwendig sind und erst zum Ende der Mission ein Abschlußbericht eingereicht wird.“ war die tonlose Antwort des Computers.
„Verdammt, wer macht denn so etwas?“ fluchte Admiral Henry leise vor sich hin.
„Computer, wer hat diesen Einsatzplan erstellt und zugeteilt?“ erkundigte sich Admiral Henry. Einige Verarbeitungstöne waren zu hören, dann kam die Antwort
„Admiral Carter Wellington vom Planungsstab der Sternenflotte hat diesen Auftrag genehmigt und zugeteilt.“
Das brachte die beiden hochrangigen Offiziere und alten Freunde natürlich nicht das geringste Stück weiter.
Carter Wellington, ein guter Freund von Jan Erik Wikland war den beiden gut bekannt. Er würde einen solchen Auftrag nicht mit derartiger Priorität und Nebenangaben versehen. Er war genauso wie Jorgensen an den Aufgaben von Captain Wikland interessiert und las sich jeden eingehenden Bericht mit Interesse durch.
„Sven, ich glaube es wird Zeit, daß wir einige Subraumgespräche führen.“ sagte Thomas Henry und löschte die Informationen auf dem Hauptschirm.
Mit gemischten Gefühlen aktivierte er sein Tischterminal und wies den Computer an, eine Verbindung mit Carter Wellington herzustellen.

Das Büro des Admirals erschien auf dem Tischdisplay und wenige Sekunden später tauchte auch das Gesicht des Admirals im Bereich der Kamera auf.
„Hallo Admiral Henry. Welcher Anlaß verschafft mir die Ehre ihres Anrufs?“ lächelte Carter, sah dann aber den ernsten Ausdruck in Admiral Henrys Mine und ließ sich langsam in seinen Stuhl sinken.
Das Lächeln auf seinen Lippen war der Spannung gewichen, die sich alleine durch das Bild der beiden Männer ergab, denn inzwischen war Sven Jorgensen neben Admiral Henry auf dem Bildschirm erschienen.
„Nun, um ehrlich zu sein, wir machen uns Sorgen um die Alexandria, wie Sie wissen eines unserer wertvollsten Schiffe. Nicht zuletzt wird sie vom Neffen meines Freundes hier befehligt und es gibt seit einigen Tagen keinen Kontakt zu dem Schiff. Zudem mußten wir feststellen, daß der derzeitige Auftrag etwas, sagen wir, ungewöhnlich aufgebaut ist und sehr abstrakte Auslegungen der Dienstanweisungen beinhaltet.“
Carter Wellington war wie vom Donner gerührt.
„Wie darf ich das verstehen, ich habe die Anweisung selbst an die Alexandria übermittelt. Jan Erik freute sich, daß er den langweiligen Auftrag mit der Katalogisierung endlich los war. Aber jetzt wo Sie es erwähnen, fällt es mir auf, daß auch ich schon lange keinen Bericht mehr von ihm in den Händen hielt. Ungewöhnlich, fürwahr.“
Carter Wellington aktivierte das Hauptdisplay in seinem Büro und ließ die Missionsdaten anzeigen. Aber genau wie bei Admiral Henry und Jorgensen blieb der Bildschirm leer.
„Das kann nicht sein, diese Sonderanweisungen habe ich niemals hier eingetragen, das ist nie und nimmer der Original-Missionsauftrag.“ bemerkte Wellington bereits leicht aufgebracht. „Ja, genauso sehen wir es auch Admiral. Aber das hat uns alles nicht weiter als bis zu Ihnen gebracht.“ erwiderte Jorgensen.

Der Admiral des Planungsstabes konnte es sich nicht erklären, wie diese eindeutig falsche Aufgabenbeschreibung in das Archiv der laufenden Missionen gelangt sein konnte, aber alle Verknüpfungen zur Mission erbrachten keine Angaben über Wikland, seine Position oder den Verlauf der Mission. Carter Wellington verdammte sich dafür, daß er sich nicht schon viel früher einmal an seinen alten Freund Wikland erinnert hatte und auf die Idee gekommen war nachzuhaken, warum er nichts von ihm hörte. Er startete einen weiteren verzweifelten Versuch.
„Computer alle Berichte, Notizen, Anmerkungen und Kommunikationsprotokolle die U.S.S. Alexandria betreffend aus den letzten zwei Wochen ohne Prüfung der Zielangabe oder Prioritätscodierung auflisten.“
Ein kurzer Verarbeitungston ertönte, dann füllte sich das Display mit Eintragungen. Carter Wellington überflog die Eintragungen, dann schickte er die Protokolle zu seinen Gesprächspartnern am anderen Ende.
„Tja meine Herren, ich glaube Sie machen sich zurecht ihre Sorgen. Unser Freund ist da wohl vom Regen in die Traufe gekommen. Die Frage ist jetzt, wie können wir ihm da wieder raushelfen? Oder besser noch: Weiß überhaupt jemand wo wir ihn suchen müssen?“
Admiral Henry und Sven Jorgensen lasen mit Bestürzung die wenigen und kurzen Eintragungen, die Jan Erik Wikland an die Sternenflotte gesandt hatte. Auch diese waren schon mehrere Tage alt. Es wurde immer klarer, daß hier etwas nicht stimmte. „Wie kann es sein, daß seine Aufzeichnungen nicht der Missionsdatei zugeordnet wurden?“ fragte Admiral Henry.
Carter Wellington warf noch einmal einen Blick auf die Daten. „Das ist ganz einfach. Er hat seine Berichte mit einem völlig falschen Missionscode gesendet. Daher konnte der Computer die Dateien nicht zuordnen und hat sie lediglich im Archiv ohne die entsprechende Verknüpfung gespeichert. Ich glaube kaum, daß Jan Erik hier einen Fehler gemacht hat. Wahrscheinlich wurde die Missionsdatei nach der Versendung in unseren Datenbanken verändert, so daß seine Berichte ins Leere laufen mußten. Das erklärt auch die ungewöhnliche Prioritätsstufe und Meldeanweisungen. Dieser Auftrag sollte anscheinend unsichtbar bleiben. Zumindest solange, bis ein bestimmtes Ziel erreicht sein würde.“ Jorgensen nickte.
„Ja, und wie dieses Ziel aussehen sollte, das kann ich mir inzwischen nur allzu gut ausmalen.“
Es war dringender Handlungsbedarf geboten, aber wem konnten sie trauen. Wenn schon falsche Dateien in den Missionsdatenbanken abgestellt waren, dann würde es sicher Helfer hier im Hauptquartier geben, die diesen wie auch immer gearteten Plan unterstützten, Schiffe der Sternenflotte verschwinden zu lassen.
Sven Jorgensen dachte angestrengt nach. Dann kam ihm eine Idee. Er bedankte sich bei Admiral Wellington für die Informationen und die Hilfe und versprach, ihn auf dem Laufenden zu halten. Dann beendete er die Kommunikation und wies den Computer an, einen seiner ehemaligen Kadetten zu kontaktieren. Er wußte, auf ihn konnte er sich verlassen. Er hatte damals schon immer ein großes Verantwortungsbewußtsein bewiesen.

Einige Sekunden verstrichen, dann tauchte auf dem kleinen Display des Tischterminals die geräumige Brücke eines Raumschiffes auf und der Captain blickte ungehalten auf den Hauptschirm.
„Hier spricht Captain Peter Thorndyke von der U.S.S. Atlantis. Was ist so dringend, daß uns die Sternenflotte heute schon zum siebten Mal kontaktiert...“
Thorndyke stoppte mitten im Satz als er seinen alten Ausbilder Admiral Jorgensen erkannte. Es war ihm sichtlich peinlich, daß er sich so hatte gehen lassen, aber obwohl er seinen Bericht über zurückliegende Mission bereits am Vortag an die Sternenflotte weitergegeben hatte, gingen fast stündlich neue Meldungen und Anfragen vom Hauptquartier ein und alle landeten auf der Brücke, anstatt sich gleich an die entsprechenden Fachabteilungen zu wenden. „Admiral Jorgensen? Sind Sie es wirklich? Das muß doch schon Jahre her sein, daß wir uns das letzte Mal gesehen haben oder?“
Jorgensen rang sich ein Lächeln ab. Eine Geste die ihm angesichts der neuesten Erkenntnisse besonders schwer fiel, aber er wollte auch nicht zu viele Emotionen preisgeben.
„Es sind mindestens zehn oder sogar zwölf Jahre Captain. Ich würde gerne ein paar Worte über die alten Zeiten mit ihnen wechseln, aber wir sollten das unter vier Augen tun, es würde Ihre Crew sicher langweilen.“
Thorndyke hatte schon verstanden.
„Admiral es wird mir eine Ehre sein, Sie an Ihre Niederlage beim Parises Square zu erinnern. Lieutenant legen Sie das Gespräch in meinen Bereitschaftsraum.“
Damit erhob sich Peter Thorndyke von seinem Kommandostuhl und ging die wenigen Schritte bis in seinen Raum. Schnell hatte er an seinem Schreibtisch Platz genommen und blickte auf das kleine Tischterminal, auf dem die beiden Admirals zu sehen waren.
„OK Admiral, raus damit, was kann ich für sie tun? Sie kontaktieren mich doch nicht nach zwölf Jahren um mit mir Ihre Erinnerungen an den Campus aufzufrischen.“
Jetzt mußte Jorgensen wirklich Lachen.
„Sie sind immer noch der selbe Blitzmerker wie damals, Ihnen kann man einfach nichts vormachen.“ bemerkte Jorgensen.

„Wir sind einer ganz besonderen Sache auf der Spur. In den letzten Wochen und Monaten sind einige Schiffe der Sternenflotte wie auch von anderen Rassen und Vereinigungen einfach so verschwunden. Einige wurden mit fadenscheinigen Erklärungen als zerstört deklariert, aber einige Teile der Ausrüstung oder der Hüllenstruktur sind nun auf verschiedenen Märkten aufgetaucht, was uns zu einer anderen Schlußfolgerung bringt. Jemand scheint die hochwertige Technologie der Föderation zu verkaufen. Und es gibt womögliche Elemente in der Sternenflotte, der ihm dabei helfen, ihn decken und ihm womöglich noch die Schiffe zuspielen.“
Thorndyke blickte ungläubig auf den Schirm
„Das ist nicht ihr Ernst oder?“
Admiral Henry antwortete mit belegter Stimme
„Leider doch. Wir müssen damit rechnen, daß es die schreckliche Wahrheit ist. Wir konnten feststellen, daß Dateien gefälscht wurden, Missionen extra erstellt worden waren mit dem Ziel Raumschiffe in gewisse Gebiete zu entsenden um sie möglicherweise dort zu kapern. Nun stehen wir vor einem besonderen Problem. Eines unserer Schiffe, ein wichtiger Technologieträger, ausgestattet mit den neuesten Entwicklungen der Sternenflotte, wurde in diesen Sektor entsandt um ein verschollenes Schiff zu suchen.
Wir befürchten, daß hier ebenfalls die Gefahr besteht, daß wir dieses Schiff verlieren. Ich brauche wohl nicht zu betonen, was es bedeutet, wenn diese Technologie in die falschen Hände gerät oder?“
Thorndyke schüttelte langsam und ernüchtert den Kopf.
„Nein Admiral, das brauchen Sie nicht. Aber wie denken Sie, kann ich Ihnen helfen?“ fragte der Captain, ein wenig unsicher ob er in dieser Sache überhaupt eine Möglichkeit zur Hilfestellung hatte.
Jorgensen blickte auf den Schirm,
„Nun Captain, wir würden Sie gerne auf eine Expedition schicken, eine, sagen wir mal, Suche nach dem suchenden Schiff, wenn Sie verstehen was wir meinen.
Versuchen Sie, ob Sie mit Captain Wikland Kontakt aufnehmen können und informieren Sie uns mit persönlichen Nachrichten. Vermeiden Sie die üblichen Kommunikationswege. Ich sorge dafür, daß Sie auf unbürokratische Weise von Ihrem derzeitigen Auftrag befreit werden und Ihnen ein Systemtest zugewiesen wird.
Es wird dann Ihre Aufgabe sein alle Systeme auf Ihrem Schiff einer intensiven Prüfung zu unterziehen und keiner wird sich Ihren Kurs ansehen.“
Thorndyke war erschüttert. Es war ihm klar, daß es in der Sternenflotte einige egoistische Offiziere gab, die ihre persönlichen Interessen höher stellten als die Ziele der Föderation, aber daß es sich in solchen Ausmaßen bewegte, hätte auch er sich nicht träumen lassen.
„Selbstverständlich Admiral, Sie können auf mich zählen. Lassen Sie mir alle verfügbaren Daten zukommen, ich werde mich mit der Atlantis sofort auf den Weg machen. Ich informiere Sie, wenn ich etwas Neues habe. Bis die Tage meine Herren, Thorndyke Ende.“
Jorgensen und Thomas Henry nickten zufrieden. Bei Thorndyke wußten Sie ihre Sorgen in guten Händen. Sie hofften nur, daß er sich recht bald melden und gute Neuigkeiten berichten würde.



Kapitel 26

Das blaue Schimmern erhellte die Vertäfelung des schmalen Versorgungsschachtes im zentralen Kern der Station. Ein weiterer Lichteffekt bildete sich in unmittelbarer Nähe und begleitet von einem leichten Summen materialisierten sich fast zeitgleich zwei Personen in dem engen Schacht. Roger van Dyke orientierte sich kurz und blickte zu Ymoota, die mit einigen Ausrüstungsgegenständen und einem bajoranischen Trikorder von der Yokohama herübergebeamt worden war und nun neben ihm kauerte.
„Hallo Commander, schön Sie wieder zu sehen. Dann wollen wir diesen Löffelköpfen mal so richtig in den Allerwertesten treten oder?“ sagte sie mit spöttischem Unterton und lächelte.
Sie trat an Roger vorbei in Richtung Schott. Nach wenigen Schritten war sie an der Tür angekommen und scannte einen Bereich neben der Türe, der für Roger van Dyke keinen sichtbaren Grund für eine nähere Untersuchung zeigte.
Ymoota blickte auf den Trikorder und tippte einige kurze Tastenfolgen in das Gerät. Kurz darauf war das leise Klicken einer mechanischen Entriegelung zu hören und Ymoota preßte Ihre Hände auf die ovale Schiebetür.
Mit vollem Körpereinsatz stemmte sie sich dagegen und drückte das Schott in die Wand bis der Durchgang dazu ausreichte um hindurchzuschlüpfen. Wenig später standen Roger und die Bajoranerin in einer engen Nische, die den Einstieg in den Wartungsschacht zu beiden Seiten ermöglichte. Roger drückte das Schott hinter sich wieder zu um einer eventuell vorbeikommenden Streife keinen Anlaß zur Verwunderung zu geben.
Sie befanden sich im zentralen Bereich der Station, der die Energiezentrale und den Reaktorraum beherbergte. Sie hatten allerdings eine Stelle für Ihren Start gewählt, die etwas abgelegen oberhalb der Energiezentrale gelegen war, um nicht gleich eventuellen Cardassianern über den Weg zu laufen. Überhaupt war Ihre Mission mit diejenige, die den heikelsten Inhalt hatte.
Während die Befreiung der Yokohama Crew und das Sicherstellen der Föderationstechnik noch ganz klar in den Hauptdirektiven der Sternenflotte verankert waren, fiel das Sabotieren von fremden Energiesystemen eher in die Kategorie einer Offensive.
Ohne auf einen Plan oder den Trikorder zu schauen deutete Ymoota in einen der Gänge hinein.
„Das ist unser Weg Commander. Wir brauchen von hier aus ungefähr 15 Minuten bis in den Reaktorraum. Das ist die reine Zeit für den Weg, Komplikationen und Freundschaftstreffen nicht mitgerechnet.“
Roger griff nach seinem Handphaser und stellte Ihn auf volle Betäubung. Er kontrollierte die Einstellung sowie die Sicherung und behielt ihn in seiner rechten Hand.
„Verstehe Lieutenant. Dann mal los. Die Anderen werden auch keine Müdigkeit vorschützen.“
Ymoota lächelte und bedeutete Roger mit einer Geste ihres rechten Armes, daß er vorgehen solle.
„Nach Ihnen Commander, nicht weil Sie die Arbeit machen sollen, sondern weil ich niemandem in meinem Rücken vertraue.“
Roger lächelte, er hatte sich so etwas schon gedacht. Die Bajoranerin war durch ihre Jugend und die Erfahrungen in der Widerstandszelle gewohnt, nur sich selbst zu vertrauen.
Roger trat in den Flur, der dem ringförmigen Verlauf der Station folgte. Hier im zentralen Kern war die Rundung so stark, daß man nur wenige Meter weit sehen konnte. Sie befanden sich vier Ebenen über der Energiezentrale. Ein Bereich, der hauptsächlich für die Lagerung von Werkzeugen und Ersatzteilen benutzt wurde. So daß hier nicht mit allzuvielen Wachen zu rechnen war.

Langsam ging Roger voran, den Gang hinunter, darauf bedacht, keine Geräusche zu verursachen und keine unnötige Hast an den Tag zu legen. Roger stoppte jedoch schon nach wenigen Schritten.
Eine Türe öffnete sich mit einem Zischen und Stimmen waren zu hören, die sich jedoch schnell von ihnen entfernten.
Nachdem sie verklungen waren setzten sie Ihren Weg fort. Die Station machte einen verwahrlosten Eindruck auf diesem Deck. Erst jetzt registrierte Roger, daß viele der Wandverkleidungen Beschädigungen aufwiesen, die schon lange eine Erneuerung nötig gemacht hätten. Anscheinend hatten die Cardassianer keinen besonderen Sinn für ordentliche Instandhaltung. Auch wenn dies kein Bereich war, in dem die Schönheit eine wichtige Rolle gespielt hätte, so zeigte es doch ein gewisses Maß an Nachlässigkeit.
Die Beiden hatten inzwischen den Punkt erreicht, an dem sie in den nächsten Wartungsschacht einsteigen mußten. Ymoota öffnete gerade den Verschluß als sich erneut ein Geräusch näherte, welches schnell als der harte Schritt mehrerer Stiefelpaare und Stimmengewirr zu identifizieren war. Roger packte mit an und schob das Schott auf.
Mit einem schnellen Satz waren Ymoota und er im Wartungsschacht verschwunden. Das Zuschieben des Schotts gelang Ihnen, bevor die Gruppe von Cardassianern um die Biegung kam.
„Das war knapp Commander, aber ich denke mir, das ist nichts besonderes für Sie, oder?“ sagte die Bajoranerin und lächelte den ersten Offizier an. Roger schaute Ymoota mit einem Blick an, der eine Mischung aus Mitleid und Ungläubigkeit darstellte.

„Das war nicht mal nah dran an knapp Lieutenant, die haben uns ja noch nicht mal gesehen. Wenn die Ihnen die Handschellen anlegen und Sie dennoch entkommen können, dann können Sie sagen es war knapp!“ lächelte er um zu untermalen, daß er Ymootas Versuch ihn aufzuheitern verstanden hatte. Roger drehte sich um so gut es in dem engen Schacht ging und kroch voran, um den Abstieg zu erreichen. Ymoota folgte ihm in gebührendem Abstand.
Leise hörte der erste Offizier das gelegentliche Klimpern des bajoranischen Ohrrings den Ymoota trug. Roger überlegte, ob es nicht besser gewesen wäre bei dieser Mission auf dieses Privileg zu verzichten, bevor dieses simple Geräusch sie in einer prekären Lage verraten würde. Aber schon nach kurzer Zeit hatte er diesen Gedanken wieder verworfen. Es war mühsam. Die Wartungsschächte hatten anscheinend wirklich nur die absolut unterste Priorität. Fast überall waren die Leitungen und Verbindungen zu sehen, die das Daten- und Energienetz der Station bildeten. Roger mußte sich vorsehen, um in dem engen Schacht mit seiner Ausrüstung nicht irgendwo hängen zu bleiben.
Er war gerade an einem großen Verteilerkasten vorbeigekrochen, als Ymoota ihm bedeutete kurz zu warten. Sie holte ihren bajoranischen Trikorder hervor, scannte die Leitungen und gab dann einige Befehle über die Tasten in das kleine Gerät ein, daß von seiner Silhouette einer Sanduhr nicht unähnlich war. Ein kurzer Verarbeitungston ertönte und dann begann auf dem Display ein Programm zu laufen.
„Was machen Sie da?“ wollte der erste Offizier wissen.
Ymoota beobachtete konzentriert das Display ihres Trikorders.
„Sagen wir mal, ich möchte, daß alle Katastrophen die uns möglicherweise passieren könnten im kleinstmöglichen Kreis der Familie bleiben.“ Roger schüttelte unverständig den Kopf.
„Wie bitte?“ Ymoota schaute kurz von Ihrem Trikorder auf.
„Nun, ich lade gerade ein kleines Programm in die Datenleitung. Betrachten Sie es einfach als Virus. Es ist klein, schnell und effizient. Es macht im Prinzip nicht viel. Die meisten cardassianischen Programme sind sehr komplex geschrieben und mit vielen Sicherheitsstufen geschützt.
Das heißt, man muß schon die richtige Konsole, den passenden Zugriffscode und Ahnung von den Subroutinen haben, wenn man ein cardassianisches Programm lahmlegen will.
Diese kleine Subroutine läuft auf der unteren Wartungsebene ab. Sie simuliert einen einfachen Datentransfer mit Standardprotokoll. Aber an jeder Weiche die es durchläuft setzt es eine Sperre ein. Wenn jetzt irgendwer auf der Station einen Alarm auslösen sollte, dann bleibt der erst mal auf diese Sektion beschränkt. Das heißt keine Meldung an die OPS und keine Verstärkung.
Und es wird eine Weile dauern, bis sie es entdecken und unschädlich machen können. Erst dann können sie die Sektion feststellen aus der der Alarm kam. Laut meinen Freunden hat das auf Terok Nor mindestens 10 Minuten gedauert. Ausreichend Zeit um sich einen schnellen Abgang zu ermöglichen.“

Roger nickte mit dem Kopf,
„Gute Idee Lieutenant. Ich schätze das wird uns im Reaktorraum helfen. Aber jetzt weiter.“
Ymoota blickte auf ihr Display, der Vorgang war abgeschlossen. Sie deaktivierte den Trikorder und packte ihn wieder in ihre Tasche. Dann folgte sie Roger, der bereits vorausgekrochen war und den vertikalen Wartungsschacht erreicht hatte. Roger leuchtete mit seiner Handlampe in den Schacht. Er war eng und schmutzig. An einer Seite waren Sprossen eingelassen, die den Abstieg ermöglichten. Hier mußten Sie vier Ebenen hinuntersteigen. Roger begann ohne zu zögern mit dem Abstieg und Ymoota folgte ihm.
„Ymoota, waren Sie schon einmal auf Terok Nor?“ wollte van Dyke wissen. Ymoota wartete einen Moment mit ihrer Antwort. Sie war sich nicht sicher, ob sie Informationen aus ihrem Leben preisgeben wollte.
Aber letztenendes konnte er es sicher erfahren, wenn er in Ihrer Personalakte stöberte, deshalb entschloß sie sich zu antworten.
„Ja, ich war schon ein paarmal dort. Es ist ein Ort des Grauens und der Demütigung. Die Cardassianer halten dort eine Menge Bajoraner gefangen. Gelegentlich schmuggeln sich einige von uns an Bord um Mitglieder der Untergrundbewegung zu befreien, wenn sie nicht schon von den Cardassianern ermordet worden sind. Die Station wurde von bajoranischen Zwangsarbeitern errichtet.
Jeder einzelne hat Tagebuch geführt und seine Aufzeichnungen weitergegeben. Ich glaube wir haben bessere Pläne von der Station als die Cardassianer selbst. Diese hier scheint vor Terok Nor entstanden zu sein. Sie ist deutlich älter und macht einen sehr verwahrlosten Eindruck. Entweder kümmern sich die Cardassianer nicht darum, ob es hier ordentlich aussieht, oder sie haben keine Zeit, kein Material oder kein Personal.“

Inzwischen hatten Sie das erste Zwischenschott erreicht. Roger machte Platz und Ymoota Aalia entriegelte den Sicherheitsmechanismus des Schotts. Danach ließ es sich von Hand öffnen. Roger und die Bajoranerin schlüpften hindurch und schlossen es wieder hinter sich. Langsam stieg Roger über die Sprossen weiter nach unten.
„Wie lange haben Sie das gemacht Ymoota?“ wollte Roger wissen „Mehr als zehn Jahre Commander. Ich wurde 2351 im Alter von 10 Jahren von Talis Kejan von der Widerstandsbewegung Na-Melisan aus dem cardassianischen Arbeitslager in der Ganeram Provinz befreit. Es ist ein Tag an den ich mich nicht erinnern will, der mir aber nur allzugut immer vor Augen bleiben wird.“
Roger wartete einige Sekunden, bevor er ihr die nächste Frage stellte.
„Warum das?“
Er verharrte kurz auf der Sprosse, die er gerade betreten hatte. Ymoota rang mit sich selbst, ob sie auch diese sehr persönliche Information preisgeben wollte, aber es schien ihr auch an der Zeit Ihre ablehnende Haltung gegenüber anderen zu verdeutlichen. Deshalb fuhr sie nach einer Weile fort.
„Nun, es war ein schrecklicher Tag. Talis Kejan hatte sich unbemerkt in das Lager eingeschmuggelt und hatte einige Kinder zusammengesucht von den Familien, aus denen die Eltern bereits im Lager gestorben waren wie auch meine. Im Morgengrauen wollten wir dann durch einen Tunnel fliehen. Insgesamt 24 Kinder und Jugendliche hatten sich zusammengefunden und Talis gab uns mit seinen vier Begleitern Deckung. Aber...“
Sie unterbrach sich einen Moment. Roger hatte bereits bemerkt, daß ihre Stimme etwas belegt klang. Er fragte nicht weiter, aber Ymoota führte ihre Erzählung fort,
„...unter den Bajoranern war ein Kollaborateur. Er verriet unseren Plan an die Wachen, so kamen wir zwar noch unbehelligt bis zu den Höhlen, die in das Erzbergwerk führten. Als wir aber in den Stollen abbiegen wollten, in den der Tunnel zur Freiheit mündete, waren wir plötzlich von Cardassianern umringt. Es kam zu einem Gefecht.
Talis schickte uns in den Stollen, einen nach dem anderen, zuletzt mich und meine Schwester Jalika. Irgendwie konnten Sie nicht alle Cardassianer in Schach halten. Ich mußte mit ansehen, wie sie meine Schwester die vorauslief vor meinen Augen mit einem Disruptor erschossen haben. Sie löste sich einfach in einem roten Glühen auf und war fort.
Ich war wie erstarrt, ich weiß nur noch wie mich jemand von hinten kommend schnappte und mitriß. Dann erinnere ich mich wieder daran, daß ich im Unterschlupf der Widerstandsgruppe aufwachte. Ab da wollte ich nur noch eins. Rache an den Cardassianern. Talis Kejan hat mich dann ausgebildet. Ich war zehn Jahre in seiner Gruppe.“
Sie hatten das nächste Schott erreicht. Ymoota kam wieder herunter und versuchte den Mechanismus zu entriegeln. Aber obwohl sich ein leises Klicken hatte hören lassen reagierte das Schott nicht auf den Öffnungshebel. Ymoota versuchte es erneut, aber das Ergebnis war das gleiche.
„Tja, wir müssen uns wohl einen anderen Weg suchen.“ sagte Sie resignierend.
„Hier ist wohl eine Sackgasse.“

Kapitel 27

Andy Duke versuchte sich in dem schmalen Raum umzudrehen, der hinter den Wandverkleidungen des Hauptgangs im Habitatring lag.
Er war kaum breiter als vierzig Zentimeter und ließ fast keine Bewegungsfreiheit zu. Immerhin war er genauso hoch wie der Hauptgang und somit konnte man wenigstens darin stehen.
Andy’s kleine Gruppe hatte sich gerade eben materialisiert und überprüfte die Ausrüstung. Obwohl die Offiziere sich in einem Vorgespräch auf eine Vorgehensweise geeinigt hatten, wurde noch einmal kurz rekapituliert. Andy wandte sich an Ran Byrell, der neben ihm stand.
„Also Lieutenant, hier sind wir nun. Können wir unsere geplante Vorgehensweise einhalten?“
Ran Byrell hatte bereits seinen Trikorder in die Hand genommen und scannte die Umgebung. Er zog aus dem Speicher die Kopie von Terok Nor und verglich die baulichen Gegebenheiten. Dann nickte er kurz mit dem Kopf.
„Ja Commander, der Aufbau ist mit Terok Nor identisch. Wir können also davon ausgehen, daß die Gefangenen, wenn sie denn hier sind, im zentralen Bereich der Promenade sind. Ein sehr offener Bereich, der von oben eingesehen werden kann. Es wird nicht leicht werden für uns.“
Ran blickte noch einmal auf den Trikorder, klappte das Gerät wieder zu und steckte es in seine Tasche.
„Ich hoffe Sie haben noch ein paar Zielübungen gemacht.“ fügte er mit einem Lächeln hinzu.
Dann wiederholte er noch einmal die Vorgehensweise.
„Gut, wir sind jetzt in der äußeren Wand des Habitatrings auf Ebene vier. Wir werden uns jetzt langsam vorarbeiten in Richtung Promenade. Dafür folgen wir dem Verlauf des Flures, bis zum nächsten Abzweig. Wir werden nach rechts gehen, denn dort führt der Zentraltunnel nur in Richtung Promenade, während der nächste Hauptgang zu unserer Linken direkt von den äußeren Andockringen zur Promenade führt. Der Gang ist doppelt so breit und wir müßten unseren Rücken stärker decken. Außerdem wird er wesentlich stärker frequentiert, da er direkt zu den Luftschleusen führt.“
Ran machte eine kurze Pause und Andy nutzte diese zur Einteilung der Gruppe.
„Gut. Ran Sie gehen mit mir voraus. Angela, Sie bleiben in der Mitte. Peterson und Frames, Sie sichern unsere hintere Flanke. Haben Sie alle Ihre Ausrüstung parat? Stellen Sie Ihre Phaser auf maximale Betäubung, wir müssen nicht gleich einen Krieg anzetteln.“
Ran blickte den Sicherheitschef an und nickte mit dem Kopf.
„In Ordnung. Die Flure sind aus Segmenten zusammengesetzt, die jeweils an einem Vertärkungsrahmen enden. Wir werden uns im Schutz der Verstärkungsbögen vorarbeiten. Aber denken Sie daran, wir müssen so gut als möglich unentdeckt bleiben. Also dicht zusammenbleiben und keine Extratouren. Die Cardassianer verstehen keinen Spaß.“
Damit trat Ran Byrell an die Türe und öffnete das Schott. Vorsichtig trat er in den Flur, den Phaser hatte er schußbereit in seiner rechten Hand. Der Flur war leer, niemand zu sehen.
Ein leises Gewirr aus Maschinengeräuschen, Stimmen und Schritten war zu hören, wurde aber durch die Gänge so verzerrt, daß eine Richtung nicht auszumachen war. Der Flur war trotz der Beleuchtung dunkel. Die Farben der Wandtäfelungen in dunklem Grau und Braun reflektierten kaum die Deckenbeleuchtung und auch der Bodenbelag schluckte einiges. Das konnte Ihnen nur zugute kommen, denn so war zumindest aus optischer Sicht eine gewisse Deckung vorhanden. Langsam befreiten sich auch die anderen aus dem engen Raum und traten in den Flur. Andy machte mit einigen Handzeichen klar, wo sich die Leute positionieren sollten. Er zog seinen Trikorder aus der Halterung und klappte ihn auf. Er scannte noch einmal den gesamten Bereich, auch um die Position der anderen Crew auszumachen. Im Zentrum der Station, der Promenade waren viele Lebenszeichen auszumachen.
Andy steckte den Trikorder weg und gab ein Zeichen zum Abmarsch. Zumindest hatte sich bis jetzt alles nach Plan entwickelt. Auch wenn man von den eigenen Schiffen nicht mit aktiven Scans nach den Crewmitgliedern der Yokohama hatte suchen können, waren sie mit den Informationen von Ran Byrell recht gut gefahren.
Ein aktiver Scan der Alexandria hätte mit Sicherheit das Mißtrauen der Cardassianer geweckt, zumal man ihnen aufgetischt hatte, die Systeme des Schiffes seien derzeit nicht aktivierbar. So konnten sie die Suche erst innerhalb der Station beginnen und mußten darauf hoffen, daß die Cardassianer an ihren alten lieben Gewohnheiten festhielten und Repok Nor ebenso organisierten, wie sie es in der Nähe von Bajor auf Terok Nor taten.
Die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung und näherte sich vorsichtig dem Gang, der zur Promenade führte. Frames und Peterson, die die Nachhut bildeten bewegten sich rückwärts, damit sie den Bereich hinter der Gruppe besser im Auge behalten konnten. Nur gelegentlich drehten sie sich nach vorne um, um den Anschluß nicht zu verlieren.
Bereits nach wenigen Minuten hatten sie den Abzweig erreicht. Andy Duke streckte den Kopf um die Ecke. Was er sah freute und ärgerte ihn zugleich. Der Flur führte direkt zur Promenade und endete an einem Gitter, daß den Zugang zu dem dahinter liegenden Raum verschloß. Der Gang war anscheinend von der Promenade nicht einsehbar, da sie wie ein Balkon oberhalb und hinter dem Gitter verlief.
Allerdings hatten die Cardassianer, aus welchem Grund auch immer, diesen Flur mit einer Menge von Versorgungscontainern, alten Bauteilen, halb zerlegten Maschinen, Fässern und Unrat angefüllt. Dadurch war es nur mit größter Vorsicht möglich unbemerkt bis nach vorne zu gelangen, ohne bei der Kletterpartie über den Unrat Geräusche zu verursachen oder gar von Wachen überrascht zu werden.
Auch die Rückendeckung wurde dadurch für Peterson und Frames deutlich schwerer. Andy tippte Ran Byrell an, der neben ihm stand. Der taktische Offizier blickte um die Ecke und beobachtete für einige Sekunden das Szenario. Dann richtete er sich wieder auf und blickte Andy an.
„Ok, wir sind leider an einer ungünstigen Stelle rausgekommen. Die Crew der Station ist sicherlich unterbesetzt. Sie lagern den ganzen Müll und die defekten Bauteile in der Nähe der Promenade, damit sie keine weiten Wege haben. Möglicherweise werden sie auch von unseren Jungens so auf Trab gehalten, daß sie nicht die Zeit haben, Ihren organisatorischen Pflichten nachzukommen.“
Die beiden Sicherheitsoffiziere Peterson und Frames hatten inzwischen aufgeschlossen und die Gruppe stand dichtgedrängt an dem nach oben gebogenen Rahmen, der die Flure miteinander verband.
„Was halten Sie davon Ran? Sind die Leute der Yokohama direkt hinter diesem Gitter, oder müssen wir einen Umweg laufen?“
Der Bajoraner schüttelte den Kopf.
„Nein, es hat keinen Wert jetzt nach einem anderen Weg zu suchen. Dieser hier ist vielleicht sogar noch der Beste. Um zum nächsten Mittelgang zu kommen müßten wir einen Hauptgang überqueren und dabei laufen wir Gefahr von den Cardis entdeckt zu werden. Außerdem ist uns da der Zeitplan im Weg.
Wir haben auch so höchstens noch 15 Minuten, bis die Hauptenergie wieder kommt, oder Commander van Dyke und Ymoota den Hauptreaktor lahmlegen.
Spätestens dann fliegen wir alle auf und können nur noch den Heimweg antreten. Wie auch immer, wir müssen durch diesen Flur.“

Andy nickte leidvoll. Es schmeckte ihm gar nicht seine kleine Gruppe durch diesen Hindernisparcours zu schicken. Sie waren unbeweglich, es gab keine Fluchtmöglichkeiten wenn sie entdeckt wurden und die Chance aufzufallen war ziemlich groß. Der Sicherheitsoffizier hob seine rechte Hand mit dem Phaser und gab seiner Mannschaft ein Zeichen.
Langsam gingen sie um die Ecke in den Flur und bahnten sich Ihren Weg durch die Bauteile, Fässer, Kisten und Rohre, die sorglos einfach dort abgelegt worden waren. Bereits nach 10 Metern kamen sie ins Stocken eine ganze Palette von leeren Transportkisten versperrte den Weg und auch daneben war nur wenig Platz um sich vorbeizuzwängen und über mehrere Fässer weiterzukriechen.
Nur langsam ging es voran. Gottlob hatten Peterson und Frames ein wachsames Auge nach hinten und hielten der kleinen Gruppe den Rücken frei. Stimmen und Schritte waren nun immer deutlicher von vorne zu hören, sicherlich von den Wachen, die auf der Empore des Promenadendecks Streife liefen.
Das Gitter war noch zirka 20 Meter entfernt aber eine Reihe von Kisten verhinderte den direkten Blick ins Promenadendeck, so daß Andy nicht mit Gewißheit sagen konnte, ob sich dahinter tatsächlich die Offiziere der Sternenflotte oder nur ein gesicherter Bereich der Cardassianer befand. Es war ein gewagtes Spiel. Vorsichtig arbeiteten sie sich weiter. Erneut standen Fässer im Weg, die man nicht umgehen konnte, aber es gab nur diese eine Stelle um weiterzukommen.
Alle mußten darüber klettern. Andy machte mit seinen Händen eine warnende Geste und deutete auf die vielen Kleinteile, die überall herumlagen. Hoffentlich ging das gut. Sie durften keinen Krach machen. Auch schon ein kleines Geräusch könnte sie trotz der Schritte und Stimmen verraten, wenn nicht ohnehin schon die internen Scanner der Station ihre Anwesenheit erkannt hatten.
Andy hatte die Fässer als Erster überwunden und sicherte den Bereich in Richtung Gitter. Er bedeutete allen noch einmal gleich nach dem Überwinden des Hindernisses in Deckung zu gehen. Ran Byrell tauchte neben ihm auf und zeigte mit seiner rechten Hand an, in welche Richtung sie weitergehen sollten.
Andy nickte verständig und hob den Kopf. Noch etwa zehn Meter trennten sie jetzt von dem abgeschotteten Bereich und Walter Frames war der Letzte, der sich zu ihnen hinunterschwang. Er bemerkte es bereits als er sich von der oberen Ebene der Fässer hinabgleiten lassen wollte, daß sich der Gurt seiner Ausrüstungstasche in etwas verfangen hatte, aber es war zu spät um noch zu reagieren. Eine halbzerlegte Energiespule wurde mitgerissen und fiel polternd inmitten der kleinen Gruppe zu Boden.
Andy, der noch immer überlegte, was sich wohl hinter dem Gitter befand bekam wider seinen Willen eine Antwort. Er hatte zwar das Geräusch hinter sich wahrgenommen und auch das leise Fluchen des Lieutenants, hatte sich aber nicht sofort in seine Deckung zurückbegeben. So sah er direkt hinter dem Gitter ein cardassianisches Gesicht und eine Militäruniform auftauchen. Der Cardassianer schaute ihn ebenso verwirrt wie erstaunt an. ‘So ein Mist’, dachte sich Andy Duke,
„Jetzt sind wir so weit gekommen und dann diese Panne.“
Im Gedanken hörte er schon die Rufe der aufgebrachten Wachen und den Eindringlingsalarm losheulen.
Andy duckte sich hinter einen der Container, bedeutete den anderen ebenfalls unten zu bleiben und erwartete jede Sekunde das Aufheulen der Alarmsirenen. Als nach einigen Sekunden nichts passiert war blickte er vorsichtig über den Rand des Containers in Richtung des schweren Gitters. Der Cardassianer war verschwunden, aber es geschah nichts. War es keine Wache gewesen? Hatte er ihn vielleicht nicht gesehen?
Das war eher unwahrscheinlich, sie hatten sich für einige Sekunden direkt in die Augen geblickt. Also mußte es etwas anderes sein. Andy zog sich in seine Deckung zurück und überlegte.
Gerade wollte er Ran Byrell fragen ob es noch andere Möglichkeiten gab die Promenade zu erreichen, als sich hinter dem Gitter ein Stimmengewirr entfaltete. Wüste Beschimpfungen wurden laut, eindeutig irdischer Natur und als Ran und Andy über die Deckung schauten konnten sie schemenhaft erkennen, wie sich eine große Gruppe von Leuten erhob, sich den ersten Wortführern anschloß und sich langsam in Bewegung setzte auf die gegenüberliegende Seite des großen Innenbereichs.
Eine zweite Gruppe hielt sich zurück und drängte sich gegen das Gitter, versperrte den Offizieren nun die Sicht in den Raum. Jetzt waren die lauten Stimmen der Aufpasser zu hören, die die Gefangenen anherrschten ruhig zu sein und sich wieder hinzusetzen.
Der Bereich hinter dem Gitter war erleuchtet mit dem Licht einiger blauer Lampen, die nur ein fahles Licht spendeten. Plötzlich tauchte am Gitter erneut ein Gesicht auf aber die Person trug eine Föderationsuniform.
„Hey ihr da. Seid ihr gekommen um uns hier rauszuholen?“ kam die leise aber feste Stimme zu Andy Duke herüber.
„Ja, was geht da drinnen vor?“ fragte Andy leise und kam ein wenig aus der Deckung hoch.
„Ed Griendling, Captain der YOKOHAMA, freut mich euch zu sehen Jungs.“ sagte der Mann hinter dem Gitter mit einem gequälten Lächeln.
„Meine Leute versuchen die Aufmerksamkeit der Wärter auf die andere Seite zu ziehen, kommt näher.“
Mit einem Satz waren Andy und seine Leute über die letzten Container gesprungen und standen nun vor dem Gitter, welches fest verschlossen war.
„Andy Duke, Sicherheitschef der U.S.S. Alexandria, freut mich auch Sie lebend zu sehen Captain. Wir dachten schon wir wären aufgeflogen, als wir den Cardassianer sahen. Wieviele von Ihrer Crew werden hier festgehalten?“
Andy blickte den Captain fest an, er wußte sie hatten nicht viel Zeit und auch der kleine Aufstand würde schnell ein Ende finden wenn in Kürze mehr Wachen kommen würden.
„Zur Zeit sind alle hier. Am Anfang haben sie uns in Vierergruppen zu Verhören abgeholt und kleine Gruppen isoliert, aber wir haben nichts gesagt. Sie haben zu den üblichen Foltern gegriffen, deshalb geht es uns nicht gerade sehr gut.
Die meisten Leute meiner Crew würden zu Fuß wohl nicht mal die Luftschleuse des nächsten Andockringes erreichen. Der Cardassianer der Sie zuerst bemerkt hat, ist wegen einer Nichtigkeit bei seinem Chef in Ungnade gefallen und daher nicht sehr gut auf ihn zu sprechen. Er ist wohl eher auf unserer Seite und hat uns informiert, als Sie in dem Flur aufgetaucht sind. Ich hoffe Sie haben eine geniale Idee, wie Sie uns hier wegbringen, sonst wird es ein kurzer Spaß.“ Andy sah in das Gesicht des Captains und konnte sich die Qualen vorstellen, die er erlitten haben mußte. Das Gesicht war eingefallen und auch seine Hände machten einen ausgemergelten Eindruck. Dabei mußte er eigentlich ein gutaussehender Mittdreißiger sein.
„Nun ich bin nur ausführendes Organ, unsere Nummer Eins hat diese Show hier inszeniert, mit ein wenig Hilfe von unsern bajoranischen Crewmitgliedern, aber wir hatten schon mit so etwas gerechnet.“
Andy öffnete seine Tasche und reichte einige Injektoren durch das Gitter. Auch Angela, die im Team für die medizinische Betreuung zuständig war reichte noch einmal eine ganze Reihe dieser Injektoren durch das Gitter.
„Lassen Sie die rumgehen. Jeder soll sich einen Transponder in den rechten Unterarm injizieren. Die können wir ohne aktive Scans von der Alexandria aus lokalisieren und Sie, egal wo Sie sind, hochbeamen.“
Der Captain lächelte, setzte das Gerät an den Arm, drückte ab und reichte es gleich weiter.
„Wir müssen aber die Wachen ausschalten, die werden feststellen, wenn Sie hier plötzlich mit der Beamerei anfangen.“
Ran Byrell nickte. Er zog eine kleine Schnur aus seiner Tasche riß einige kleine Stücke ab und umwickelte damit sechs nebeneinanderliegende Gitterstäbe. Das gleiche tat er noch einmal ungefähr achtzig Zentimeter tiefer. Dann aktivierte er seinen bajoranischen Trikorder und tippte eine Befehlsfolge ein. Die akustischen Bestätigungen und Verarbeitungstöne des kleinen Gerätes gingen in dem immer noch anhaltenden Tumult unter. Wenige Sekunden später hatten die Schnüre die dicken Stangen durchtrennt.
Völlig glatt waren die Stäbe aus Duranium ganz lautlos und ohne Rauch oder Blitz durchtrennt worden. Ran griff nach den Stäben und legte sie vorsichtig zur Seite. Schnell waren die fünf durch das kleine Loch in den Arrestbereich gekrochen. Erst jetzt fiel es Andy auf, daß die Luft hier stickig war und es nach Schweiß roch.
Die Wärter waren noch immer damit beschäftigt, die unzufriedenen Gefangenen ruhigzustellen. Von der Empore gossen sie kübelweise Eiswasser auf die herummaulende Menge, die sich daraufhin ein wenig dezimierte. Nicht alle hatten noch die Kraft diese Tortouren mitzumachen.
„Wieviele Wachen Captain?“ fragte Andy und gab Peterson und Frames ein Zeichen sich zu verteilen.
„Es sind meist nur fünf. Wenn wir so wie jetzt Krawall schlagen kommen meist nicht mehr als fünf oder sechs weitere. Wenn sie die Gefangenen nicht beruhigen können kommen sie herunter an die Tür auf der gegenüberliegenden Seite und holen drei oder vier Personen wahllos zur Bestrafung ab.“
Der Captain wirkte kraftlos. Er hatte anscheinend auch all seine Kräfte zusammengenommen um Andy und seinen Leuten den Einstieg in die Gefängniszelle zu ermöglichen.
„OK, Captain. Ruhen Sie ein wenig, wir werden uns der Sache annehmen.“
Andy deutete auf die beiden Haupttüren die Ihnen gegenüberlagen und Frames und Peterson nickten ihm zu. Schnell verteilten sie sich in dem Raum, huschten zwischen den Gefangenen hindurch, die sie teilweise gar nicht wahrnahmen. Andy suchte sich eine gute Position und hob seinen Phaser. Er prüfte noch einmal die Einstellung und hoffte inständig, daß Roger van Dyke mit Ymoota inzwischen den Energiekern erreicht hatten um ihn lahmzulegen.
Andy wollte gerade die erste Wache ins Visier nehmen, als eine Gruppe von Cardassianern die Tür zum Gefangenenbereich aufstieß und mit langen Stöcken bewaffnet, auf die rebellierenden Föderationsmitglieder losging. Die Stäbe waren mit Elektroschockern ausgestattet und sie schlugen und stachen nach jedem den sie erreichen konnten.
Andy blickte zu Ran Byrell, der unter dem Balkon Stellung bezogen hatte. Ran deutete mit dem Daumen nach oben und sprang auf. Mit zwei Sätzen war er bei der Menge und mischte sich darunter. Seine Uniform fiel kaum auf, auch der erste Phaserschuß, der einen der Cardassianer niederstreckte wurde von den übrigen Wachen noch nicht bewußt wahrgenommen.
Dann streckte Andy Duke seinen rechten Arm hoch, zielte und drückte ab. Der Phaserstrahl traf den Cardassianer auf der Empore direkt in die Brust, er sackte nach hinten zusammen und fiel um. Jetzt hatten die Wachen bemerkt, daß außer dem kleinen Aufstand im Arrestbereich der Promenade noch etwas anderes nicht stimmte.
Schnell liefen sie zusammen, sammelten sich an der Brücke, die den Äußeren mit dem inneren Kontrollgang verband. Aber Andy Duke und auch Dierk Peterson waren auf der Hut. Zwei drei gezielte Phaserstöße ließen weitere Wachen zusammenklappen, dann erreichten die ersten Disruptorstrahlen den Boden. Die Cardassianer fackelten nicht lange. Sie hatten ihre Waffen auf volle Wirkung gestellt und diese hinterließen einige deutliche Löcher im Boden und in der Wand. Andy wich etwas zurück und suchte Schutz hinter einem der Träger.
Er mußte sich beeilen, bevor die Cardassianer vor Wut wild und wahllos in die Menge schossen. Ran hatte sich unterdessen zwei weitere Wärter in dem Handgemenge vorgenommen und mit einem Schuß aus dem kleinen Handphaser betäubt. Sofort griffen zwei Offiziere der Yokohama nach den Elektroschockstäben und setzten sie gegen die drei verbliebenen Wachen ein, die nun deutlich in Bedrängnis geraten waren. Einer der Soldaten blickte nach oben, weil er sich Hoffnung von seinen Kollegen auf der Empore versprach, aber diese hatten genug mit dem Sperrfeuer von Andy und seinem Kollegen zu tun. Der kurze Blick hatte ausgereicht. Sofort hatten mehrere Leute aus Ed Griendlings Crew die Unachtsamkeit ausgenutzt, den hochgewachsenen Cardassianer überwältigt und ihn entwaffnet.
Mehrere Fußtritte und Schläge mußte er über sich ergehen lassen, offensichtlich eine Rückzahlung aus den sicherlich unangenehmen Verhören, die die Offiziere durch ihn zu ertragen hatten.

Walter Frames hatte die ganze Zeit darauf geachtet, daß auf dem oberen Gang über den Gefangenen keiner aus einer unübersichtlichen Ecke oder einer Tür herausgekommen war. Drei Wachen hatte er ausgeschaltet, aber es waren noch immer drei Cardassianer im oberen Bereich aktiv.
Ran Byrell sah, daß die Offiziere mit den Wachen an der Tür nun klar kamen, die eigentlich keine Gegenwehr mehr bieten konnten. Die Zahl der auf sie einstürmenden und prügelnden Personen war einfach zu groß, so wurden sie durch die Tür hindurch in den zentralen Raum gedrückt, überrannt und niedergekämpft.
Andy hatte sich an einem der Cardassianer festgebissen. Er hatte sich hinter einem Träger positioniert und war einfach nicht zu fassen. Die Einschläge vor, hinter und neben Andy summierten sich bedenklich und er hatte fast den Eindruck, daß die Station an dieser Stelle gleich ihre strukturelle Integrität verlieren mußte. Dennoch war er bislang nicht getroffen worden. Wieder schaute Andy nach oben, sah die Uniform des Cardassianers hinter der Wand hervorragen.
Aber alle Schüsse konnten den Soldaten nicht aus seiner Deckung locken oder ausschalten. Ran Byrell blickte hoch und begriff sofort. Er rannte dicht an der Wand entlang immer unter dem Balkonähnlichen äußeren Gang entlang, bis er den Cardassianer hinter sich hatte.
Er ging noch einige Meter weiter und gab zwei Offizieren der Yokohama, die an der Wand Deckung gesucht hatten, ein Zeichen. Die beiden traten unter dem Balkon hervor, reichten sich die Hände und festigten Ihren Griff. Mit einem Satz war Ran auf die Hände gestiegen und wurde emporgehoben.
Ran konnte den Cardassianer nicht sehen, aber er wußte genau wo er stand. Er hoffte daß sein Plan funktionierte. Ein gezielter Schuß der direkt über dem Kopf des Cardassianers in die Wand einschlug verwirrte diesen so, daß er aufsprang und hinter sich sah. Das war die Chance für Andy. Er zielte und drückte ab. Der Cardassianer bäumte sich kurz auf und fiel dann schwer zu Boden.
Noch zwei weitere Soldaten versuchten mit letzter Kraft sich zu halten, aber inzwischen waren auch die Offiziere der Yokohama auf die obere Galerie gelangt. Sie stürmten aus dem Aufgang und schossen einfach quer durch den Raum. Die beiden Soldaten hatten keine Chance, zu groß war die Wut der Gefangenen. Sie hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, die erbeuteten Waffen umzustellen, so daß sich die Körper der Cardassianer sofort in einem roten Glühen der Disruptorstrahlen auflösten.



Kapitel 28

Es war Dunkel und ruhig in dem Frachtbereich als das blaue Schimmern einsetzte, begleitet von einem leichten Vibrieren. Sechs Gestalten materialisierten sich in einer der Ecken.
Jaqueline Jefferson schaute sich um. Es war so dunkel, daß man die Hand vor Augen nicht mehr sah. Vorsichtig schaltete sie Ihre Lampe am Handrücken ein und leuchtete in den Raum. Kopfschüttelnd griff sie nach ihrem Trikorder und scannte den Frachtbereich.
„Verdammt, wir sind im falschen Bereich. Hier ist nicht ein einziges Stück Föderationstechnologie gelagert. Irgendwas muß schiefgegangen sein.“ flüsterte Sie zu Edison Carter, der neben ihr stand und seine Ausrüstung checkte. Carah Pehl trat zu den beiden und aktivierte ihren bajoranischen Trikorder, in dem die Daten der Station gespeichert waren.
„Nach all den Informationen, die wir über die Passivscans erlangen konnten und den Basisdaten, die wir von Terok Nor übernommen haben, müßten wir hier aber auf jeden Fall richtig sein. Der Frachtbereich erstreckt sich von hier aus über mindestens vier Sektionen.“ bemerkte sie mit sicherer Stimme.
Die kleine Gruppe war inzwischen aus der Ecke hervorgetreten und hatte sich zur Orientierung erst einmal in einer lockeren Formation in die Mitte des Raumes begeben. Lieutenant Parker Lewis und Lieutenant Mark Watson von der Sicherheitsabteilung sicherten die Flanken während sich der Rest umschaute. Der Frachtbereich war groß.
Auf einer Länge von über fünfzig mal dreißig Metern und acht Metern Höhe waren zahlreiche Kisten gelagert, die meisten mit cardassianischen Symbolen und einige wenige mit Ferengi Kennung. Es schien als sei dies eher der Versorgungstrakt als ein Lagerort für entwendete Technologie.
Der Raum war bis auf die schmalen Lichtkegel der Handscheinwerfer dunkel. Anscheinend hatten die Cardassianer ungenutzte Bereiche der Station während des Reaktorwechsels vollständig abgeschaltet. Damit war auch klar, daß man eventuelle Türen nur mit Hilfe von Muskelkraft und kleineren technischen Kniffen öffnen konnte. J.J. wischte sich einige Strähnen ihrer blonden Haare aus dem Gesicht.
Der Strahl ihrer Handlampe leuchtete auf eine große Türe zur angrenzenden Sektion und sie schaute Carah Pehl fragend an
„Da lang?“ Die Bajoranerin blickte noch einmal kurz auf ihren Trikorder und antwortete dann:
„Ja, da lang, in die andere Richtung geht es nur zum Andockpylon. Ich glaube kaum, daß da das ist, was wir suchen. Wenn Sie fremde Technik hier lagern, dann in diesen Sektionen, denn in der Nähe sind die Labors und Versuchseinrichtungen.“
J.J. setzte sich in Bewegung. Sie hielt sich nicht lange mit Vorreden und Begrüßungsritualen auf, auch wenn Ihre kleine Gruppe von zwei verschiedenen Positionen aus gestartet war. Denn die Lieutenants O’Reilly, Lewis, Watson und Carah Pehl waren von der Alexandria herübergebeamt, der Rest von der Yokohama.
Sie hatten schnell das erste Tor erreicht, welches zur nächsten Sektion und damit in den angrenzenden Frachtbereich führte. Wie erwartet waren die Kontrollen der Türen energielos. Edison Carter scannte kurz mit dem Trikorder die Wand neben der Türe ab, bis er gefunden hatte, was er suchte. Er entfernte eine Vertäfelung hinter der eine komplexe Mechanik aus Rädchen, Klauen, Schiebern und elektrischen Motoren zum Vorschein kam. Carter löste einige mechanische Verriegelungen, die mit der Öffnungsautomatik verbunden waren.
Ohne Energie war jedoch nicht damit zu rechen, daß Sie die Türe auf herkömmliche Weise öffnen konnten. Obwohl er vorsichtig vorging war es kaum zu vermeiden, daß bei dem Bewegen der Greifer und Sperren Geräusche entstanden. Der große Raum verzerrte jedes Klacken, Schaben und aufeinanderstoßen der metallenen Teile. Ein letztes ‘Klack’ dann trat Edison zurück.
„Jetzt müßte es gehen.“ sagte er und versuchte sich an der Tür, die jedoch seinem kräftigen Schieben nicht im Geringsten nachgab. Auch Lewis und Watson halfen nun mit, aber das Tor bewegte sich keinen Millimeter zur Seite. Alle Anstrengung und auch massiver Körpereinsatz half nicht. Carter war schon jetzt ziemlich sauer.
„So ein Mist, die Verriegelung ist gelöst, aber dieses blöde Ding will sich einfach nicht rühren.“ schnaubte er.
Erneut versuchten sich die drei Männer an dem Schott aber soviel sie auch schoben und drückten, versuchten mit gleichmäßigen Schüben eine Bewegung zu erzwingen, das Schott glitt nicht in den seitlichen Rahmen. Sie saßen fest.
Carah, die den Männern bei dem Versuch die Tür zu öffnen amüsiert zugesehen hatte, blickte zu J.J.
„Wollen wir?“ fragte sie die Chefingenieurin und Margret O’Reilly die momentan allerdings auch noch ein wenig auf dem Schlauch standen und mit der Bemerkung nichts anfangen konnte. Trotzdem folgten sie Carah zu der Frachttüre, positionierten sich links und rechts von der Bajoranerin, wie diese es Ihnen angedeutet hatte und griffen nun genau wie Carah an den unteren Rand der Türverstärkung, die etwas vorstand. Carah Pehl blickte J.J. und Margret kurz an und dann nach oben, da hatten die beiden verstanden.
Mit einem kräftigen Schwung fuhr das Schott nach oben in die Decke.
„Bitte sehr die Herren!“ sagte Carah mit übertriebener Freundlichkeit und wies mit einer ausladenden Bewegung ihres rechten Armes in den nächste Frachtraum.
„Haha. Sehr witzig...“ frotzelte Carter.
„Warum haben Sie nichts gesagt?“ Carah blickte ihn belustigt an.
„Sie haben nicht gefragt!“ antwortete sie schnippisch, lächelte und trat unter dem Schott durch in den nächsten Frachtbereich.
Auch hier war es stockdunkel. J.J. leuchtete mit ihrer Lampe in den Raum. Das sah vielversprechend aus. Direkt vor ihr lag ein Haufen von Bauteilen, die ihr sehr bekannt vorkamen.
Energiespulen, EPS-Verteiler, ODN-Leitungen und vieles mehr, was eindeutig der Sternenflotten-Technologie zugerechnet werden konnte. Auch die anderen richteten Ihre Handlampen in den Raum und nun trafen die Lichtkegel Konsolen, Computerteile, einen Container angefüllt mit Isolinearen Chips und weitere Teile bis hin zu einer vier Meter langen Hauptphaser-Enerigiezelle, zweifelsohne aus der Yokohama.
Das Gesicht von Jaqueline Jefferson hellte sich auf. Schnell zog Sie aus ihrer Tasche einige Pulsemitter und verteilte sie.
„Hier, die habe ich mit polarisierten Neutronenladungen gespeist. Zwei Impulse pro Bauteil und dann weiter. Vergeßt nichts, auch wenn wir aus Versehen das eine oder andere Teil nicht gerade Sternenflotte ist, nehmt einfach alles mit. Und ruft mich wenn Ihr eine funktionierende Kommunikationskonsole findet.“
Edison Carter wandte sich an J.J. während die anderen sich im Raum verteilten und von überall das leise Summen der Pulsemitter zu hören war.
„Haben Sie schon einen Plan, wie Sie die programmtechnischen Daten über die Sternenflotte wieder aus den Rechnern der Cardassianer herauskriegen?“
J.J. blickte auf ihren Chronometer nur noch 15 Minuten blieben Ihr um mit Ihrem Team die gestellte Aufgabe zu erfüllen.
„Nein, aber ich arbeite daran. Ich habe zwar schon zwei Ideen mitgebracht, aber ich brauche auch die richtige Hardware dafür.“
Edison warf einen prüfenden Blick in den Frachtbereich. Hoch aufgetürmt lagen die verschiedenen Bauteile übereinander, manchmal ließ sich nicht einmal unterscheiden was es war. Ähnlich wie auf der Yokohama, so waren auch hier die Anschlüsse teilweise abgeschnitten und die Verbindungsstücke einfach herausgerissen. Dies ließ einerseits auf einen hastigen Ausbau schließen, brachte aber auch den Nachteil, daß eine schnelle Verwendung ohne detaillierte Kenntnisse nicht möglich war. Wenn sie Glück hatten, dann war es den Cardassianer noch nicht gelungen viele von diesen Geräten überhaupt zum Einsatz zu bringen, denn es gab natürlich auch noch ein weiteres Problem, welches J.J. und Edison Carter wohlbekannt war.
Die cardassianische Energie mit ihrer völlig andersartigen Erzeugung, Polarisierung und Plasmaaufbau harmonierte nicht ohne Weiteres mit den Bauteile der Föderation. Ein Nachteil, den man nur durch Forschung und intensive Prüfung der Bauteile überwinden konnte.
Im Gegenzug hatte die Chefingenieurin der Alexandria aber Bekanntschaft mit den Bauteilen der Cardassianer machen können, die einige Kontrollmodule an Bord der Yokohama installiert hatten. Daher wußte Sie auch, wie man Föderationsenergie an die Bauteile der Cardassianer anpassen mußte.
Da aber die Yokohama keine Cardassianische Energieerzeugung hatte, konnte man sich mit dem Umkehrschluß noch nicht auseinandergesetzt haben.
Es war ein unwahrscheinlicher Aufwand, alle Bauteile auszumachen und sie einzeln zu markieren. Oft lagen viele Dinge zu einem großen Haufen aufgetürmt und machten es dem Außenteam schwer. Mark Watson kam mit einer noch halbwegs brauchbaren Konsole auf Jaqueline Jefferson zu und reichte sie Ihr.
„Hier, scheint ein Wissenschaftsmodul aus der Yokohama zu sein, reicht das für Ihre Zwecke?“ J.J. drehte das Modul ein paar mal herum, während Carter es beleuchtete.
„Ja, das könnte gehen, aber wir brauchen noch ein Speicherelement, schauen Sie ob sie was finden. Carah behalten Sie auch den ersten Frachtbereich im Auge, ich will keine Überraschungen erleben.“ wandte sich J.J. an die Bajoranerin, die an einer Palette mit Geräten neben ihr stand.
Carah nickte kurz und setzte sich in Richtung des ersten Frachtraumes in Bewegung. Die Chefingenieurin zog ihren Trikorder aus der Tasche, klappte das Gerät auf und startete eine Analyse. Langsam ging sie voran, nahm im vorbeigehen einige umherliegende ODN-Leitungen auf, bog dann ab zur Seite und verschwand hinter mehreren Transportkisten.
„Lt. Edison, kommen Sie her und bringen Sie das Modul und Werkzeug mit.“ kam ihre Stimme hinter den Kisten hervor.
Als Edison bei ihr eintraf, hatte Sie bereits eine Verkleidung abgenommen und überprüfte die Leitungen nach Signalen des Datennetzwerkes.
Sie hatten Glück. An dieser Stelle befand sich ein Datenknoten, der die Verzweigung zu den Sektionen dieser Ebene sicherstellen sollte. Vorsichtig prüfte Edison Carter die einzelnen signalführenden Kabel.
„Ich weiß, daß die Cardassianer gerade andere Sorgen haben, als das anzapfen ihrer Datenbanken, aber wir sollten trotzdem sehr vorsichtig sein.“ bemerkte er.
Jaqueline Jefferson nickte zustimmend und nahm die Energiezelle aus ihrem Handphaser, drückte sie an dem Wissenschaftsmodul in eine kleine Ecke und verband die Energieversorgung mit dem Modul, an dem umgehend das Display aufleuchtete.
„Na also. Jetzt brauchen wir nur noch einen angemessenen Datenspeicher.“
J.J. öffnete erneut ihren Trikorder und übertrug ein kleines Programm in das Modul, welches sie einfach am Boden plaziert hatte.
„So, wenn wir jetzt das Datennetzwerk anschließen, wird dieses Programm nach Daten der Föderation suchen, das ist recht einfach, denn alle Dateien sind mit Kopfdaten ausgestattet, die eine Sternenflottensignatur haben. Egal welche Daten es sind, und sei es auch nur ein Datum von irgendeinem Eintrag, es wird gefunden und eliminiert. Weitaus schwieriger wird es sein, die selbst gesammelten Werke über die Sternenflotte in den cardassianischen Speicherelementen zu finden. Aber auch das dürfte uns wohl gelingen.“
J.J. stellte die Verbindung mit dem Datennetzwerk der Station her und tippte einige Befehle in die kleine Konsole. Inzwischen war Lt. Lewis eingetroffen und hatte ein funktionierendes Speichermodul gebracht. Zugegeben, er hatte es aus einer größeren Einheit entnommen, aber die war ohnehin viel zu schwer und unförmig um sie an diesen engen Platz zu bringen. Die Speicherzelle hatte auch so die Ausmaße eines mittleren Fasses und sollte genügen, um die Daten temporär zu speichern.
J.J. zog einen Universalverbinder aus Ihrer Tasche und steckte ihn in das serielle Port des Moduls und des Datenspeichers. Genormte Anschlüsse waren doch etwas Feines.
Sie wollte gerade aufstehen, als sie das typische Öffnen einer Türe wahrnahm, die durch hydraulische Systeme bewegt wurde. Für das Außenteam bedeutete es die Gefahr einer Entdeckung. Schnell duckten sich alle hinter die am nächsten liegenden Teile und schalteten Ihre Lampen aus. Die Stimmen zweier Männer drangen aus dem ersten Frachtraum zu ihnen, in den die beiden Cardassianer eingetreten waren. Deutlich waren die Schritte ihrer schweren Stiefel zu hören, als sie sich der Mitte des Raumes und damit auch dem Hauptgang zwischen den gelagerten Gütern näherten. Sowohl die Stimmen als auch die Schritte hallten durch die größe des Raumes und wurden unnatürlich verzerrt. Gesprächsfetzen waren zu verstehen, aber nicht die gesamte Unterhaltung.
Anscheinend waren sie sehr verärgert über die Tatsache, daß sie hier heruntergeschickt worden waren. Sie schienen etwas zu suchen, denn sie durchschritten mit schnellen und gezielten Schritten die einzelnen Gänge zwischen den Frachtgutstücken, bis sie letztendlich wieder im mittleren Hauptgang angelangt waren.
Margret O’Reilly, die dem Flur am nächsten war konnte sehen, wie die Lichtkegel der Cardassianer durch den benachbarten Frachtraum wanderten, dann traf einer der Lichtstrahlen durch das geöffnete Schott direkt in ihren Gang. Sie hörte die Stimmen der Cardassianer.
„Hey schau mal hier, das Tor ist nicht verschlossen.“
Die beiden Cardassianer näherten sich dem offenen Tor und leuchteten den Rahmen ab. Es ließ sich aber nichts offensichtliches daran erkennen. Plötzlich hörte Margret ein schabendes Geräusch und dann einen der Cardassianer.
„Hier ist die Verkleidung von der Mechanik abmontiert worden. Das Schott wurde manuell geöffnet.“

Das war dann wohl der Anfang vom Ende dachte Margret, die sind uns auf die Schliche gekommen, jetzt wird es ernst. Sie griff nach unten zu ihrer Ausrüstungstasche und holte ihren Handphaser heraus, stellte die Energie auf volle Betäubung und entsicherte das Gerät.
Bereit, sich mit den beiden Wachen anzulegen, wartete Sie hinter der Palette auf der wahllos medizinische Baugruppen gestapelt waren auf einen günstigen Moment oder ein Zeichen ihrer Kollegen.



Kapitel 29

Wikland ging unruhig auf der Brücke auf und ab. Die drei Teams waren nun seit mehr als 15 Minuten unterwegs und somit auf sich alleine gestellt. Natürlich war es Wikland bewußt, daß er sich auf seine Offiziere verlassen konnte, insbesondere auf seinen ersten Offizier van Dyke, den er noch vor wenigen Monaten mit großer Skepsis auf seinem Schiff willkommen heißen mußte.
Aber auch die anderen Offiziere waren schon lange genug unter seinem Kommando, daß er ihnen sein volles Vertrauen entgegenbrachte. Er wußte, sie gehörten zu den Besten, die die Sternenflotte zu bieten hatte, aber nicht für alle Spitzenkräfte war Platz auf dem Flaggschiff der Föderation.
So hatte sich Wikland damals vor der Übernahme der U.S.S. Alexandria noch viele der Offiziere und Mannschaftsmitglieder persönlich ausgesucht und ihren Aufgabengebieten entsprechend eingesetzt. Er hoffte, daß all die Erfahrung, seine hohen Erwartungen, die er im Alltag an seine Crew stellte und die Disziplin die er forderte, nun dazu führten, daß seine Leute die wichtige und zugegebener Maßen heikle Situation meistern konnten.
Zudem hoffte er, daß, neben dem erfolgreichen Ausgang der Mission, alle gesund und munter zurückkehren würden. Der Captain haßte es untätig sein zu müssen. Dazu verdammt, die Stellung zu halten und zu warten. Es entsprach weder seinem Naturell, noch seinem nordischen Temperament hier wie angekettet herumzuliegen, während die anderen ihr Leben aufs Spiel setzten.
Wikland kehrte zu seinem Kommandostuhl zurück und ließ sich hineinfallen. Er aktivierte die kleine Anzeigentafel an seiner Seite. Ein Display mit der Darstellung der Station flammte auf. Kleine weiße Punkte waren darin zu sehen. Wikland sah, wie sie sich langsam bewegten. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Die Chefingenieurin hatte noch kurz vor dem Verlassen der Yokohama ein kleines Monitorprogramm gestrickt, welches die Transpondersignale der Außenteams, sowie der mitgeführten Zusatztransponder zeigte, die an die Crew der Yokohama gegeben werden sollten, um diese schnell und ohne aufwendigen Bioscan aus der Station zu beamen.
Wiklands Unruhe wurde immer stärker, obwohl er sich nach außen nichts ansehen ließ. Die kühle und abgeklärte nordische Eleganz ließ ihn trotz seiner Besorgnis und Unrast ganz entspannt in seinem Sessel wirken.
Die Yokohama hatte einen engen Orbit um die Station Repok Nor eingenommen, nachdem man die Alexandria mittels Traktorstrahl wieder vom Andockpylon weggezogen hatte. Wikland hatte dabei darauf geachtet, daß die Front des Schiffes bereits in Richtung Förderationsraum zeigte, damit später ein schneller Abgang gewährleistet war.
Sermin, der das Kommando über die Brücke hatte, war damit beschäftigt, all die Anweisungen weiterzugeben, die der Captain ihm hatte zukommen lassen. Einige davon waren für den Vulkanier gänzlich unlogisch, aber er gab die Informationen weiter und verfolgte gespannt die Fortschritte der Außenteams.
Es war eine unheimliche Stimmung an Bord. Die eigens für diese Mission entwickelte Alarmstufe des passiven roten Alarms machte einen gespenstischen Eindruck. Alle Stationen waren mit den entsprechenden Offizieren besetzt, auch die redundanten Konsolen, die nur im Falle eines Defektes benutzt wurden. Aber alle Displays standen nur auf Standby, ohne Hauptenergieversorgung, ohne programmtechnische Routineaufgaben. Es sah aus wie der eingefrorene Moment auf einer statischen Fotografie.
Sermin konnte sich die dahinterstehende Logik des Captains nicht erklären. Noch einmal prüfte der Vulkanier die Liste der offenen Punkte, dann nickte er dem Lieutenant an der Kommunikationsstation zu.
„Stellen Sie eine Verbindung zum Captain her.“ sagte er fast tonlos. „Aye Sir.“ Kam die Rückmeldung von dem jungen Mann „Verbindung steht!“ Sermin blickte auf und begann dann mit seinem Bericht.
„Captain, hier Sermin. Wir haben alle Punkte auf der Liste abgearbeitet und die neue Alarmvorschrift umgesetzt. Ich darf an dieser Stelle bemerken, daß es nicht logisch ist einen stillen Alarm Rot zu etablieren. Die Alarmstufe Rot ist die wichtigste Stufe und bedeutet allerhöchste Bereitschaft, die wir durch die energielosen Systeme nicht annähernd erreichen.“
Wikland atmete kurz durch.
„Lt. Commander, ich verstehe ihre Besorgnis und ihren Einwand, aber ich versichere Ihnen, das es der derzeitigen Situation angemessen ist und dem Schutz unserer Außenteams dient, wenn speziell die Systeme der Alexandria auf geringem Niveau bleiben. Schließlich wollen wir den Cardassianern so lange wie möglich den toten Mann vorspielen und somit jeden erdenklichen Vorteil daraus mitnehmen.“

Wikland konnte sich lebhaft vorstellen, daß der Vulkanier mit derlei farbigen Metaphern total überfordert war und wartete schon auf die Frage des Offiziers, was denn mit dem toten Mann wohl gemeint war, aber der Vulkanier beendete die Kommunikation und Wikland wandte sich wieder dem Hauptschirm zu, auf dem die Station zu sehen war. Noch immer fragte er sich, ob die Cardassianer schon einen Verdacht hatten, oder ob seine Leute noch unentdeckt geblieben waren. Er konnte einfach nicht länger warten, er wollte sich nicht länger der Ungewißheit hingeben.
„Lieutenant. Starten Sie das Programm von Commander van Dyke und stellen Sie eine Verbindung zur Station her.“ wies er den jungen Mann an der Kommunikation an. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis der Lieutenant antwortete:
„Verbindung steht Captain, Programm läuft.“
Im selben Moment wechselte auf dem Hauptschirm die Ansicht und zeigte die Operationszentrale von Repok Nor, auf der noch immer hektisches Treiben herrschte. Wikland hatte sich kurz überlegt was er tun wollte. Eine Hinhaltetaktik und eine kleine Provokation sollten wohl genügen, um die Aufmerksamkeit des Legaten auf die Yokohama zu lenken. Zumindest so lange, bis Wikland anhand von einigen Fragen und Blicken erkennen konnte, wie es um seine Teams stand. Auf dem Schirm der Station erschien das Gesicht von Toma Imasov, der auf dem Kommandostuhl der Yokohama saß.
„Ich muß Legat Gelrath sprechen. Stellen Sie mich durch,“ forderte er und setzte eine ungeduldige Mine auf. Der Cardassianer, der an dem großen ovalen Tisch stand und auf den Schirm starrte, der soeben aktiviert worden war, wollte gerade antworten,
„Das wird nicht nötig sein...“
kam eine feste Stimme aus dem Hintergrund. Der Soldat drehte sich um und sah Gelrath, der gerade aus seinem Kommandoraum getreten war. Der Legat hatte sich demonstrativ auf dem breiten Podest vor seinem Raum aufgebaut, welches die oberste Stufe der Treppen bildete, die nach beiden Seiten und nach vorn in den tiefergelegenen Bereich der Operationszentrale führte.
„Was wollen Sie Imasov. Ich habe genug Probleme mit den Beschädigungen unseres Andockpylons. Ihre Leute sind absolut unfähig. Nicht einmal das Andocken eines Schiffes an eine Station bringen sie zustande.“ fauchte der Cardassianer verächtlich.
„Nun...“ kam die aalglatte Stimme des Unterhändlers aus dem Audiosystem
„...soweit ich mich erinnere war es Ihre Crew, die das Manöver eingeleitet und verpatzt hat. Meine Leute haben ja gar keinen Einfluß auf die Transporterstrahlen Ihrer Station gehabt. Da muß wohl ein Mißverständnis vorliegen. Haben Sie denn die Dekompression unter Kontrolle?“
Der Legat war wütend. Nicht nur daß seine Beschuldigungen ins Leere gelaufen waren, nein auch der Zustand seiner Station machte ihm Sorgen. Inzwischen hatte er durch dieses Manöver schon siebzehn seiner Leute verloren, da die Dekompression durch mangelhafte und nicht geschlossene Schotts noch weitere Bereiche des Pylons dem Vakuum des Raumes ausgesetzt hatte.
Mit Mühe hatten sie erreicht, daß wenigstens das Hauptschott, welches den Pylon mit dem äußeren Habitat und Frachtbereich verband, manuell geschlossen werden konnte. Dieser Vorfall hatte sich zur ungünstigsten Zeit ereignet.
Gerade während des Kernwechsels, der am kritischsten war, mußte das passieren. Er hatte nicht einmal genug Zeit seinen Autorisationscode einzugeben, um wenigstens einen Teil der Station mit zusätzlicher Energie zu versorgen.
„Wir haben die Schotten geschlossen, aber es wird eine Weile dauern, bis wir den Pylon wieder freigeben können. Zudem hat die Dekompression die Druckverhältnisse so stark und plötzlich verändert, daß es an allen möglichen und unmöglichen Stellen der Station zu Mikrofrakturen in der Hülle gekommen ist. Ich habe Reparaturteams und Sicherheitsteams in alle Bereiche entsandt, die möglicherweise betroffen sein könnten. Überall elektromagnetische Störungen. Sie hätten unser Team einfach an Bord beamen lassen sollen, wir hätten das Schiff schon in Gang gesetzt. Dann wäre das alles nicht passiert.“ Der Legat hatte sich während der Konversation langsam in Bewegung gesetzt, er war hinter die Kontrollstation getreten und warf einen flüchtigen Blick auf die Displays.
Dutzende von Warnmeldungen scrollten über den Kontrollbereich und zeigten Störungen, Ausfälle und Unregelmäßigkeiten, wobei man die Letzteren erst mal als niedrigste Priorität einstufte. Wen störte es schon, wenn sich Interferenzen im Frachtbereich bildeten, Schlimmer war es, daß im zentralen Bereich anscheinend die Kommunikation ausgefallen war, von dort schien keinerlei Rückmeldung auf die Anfragen der OPS zu kommen.
Imasov schenkte dem Cardassianer einen mitleidigen Blick.
„Auch wenn ich Ihre Probleme und ihre derzeitige Lage sehr bedaure Legat, muß ich Sie doch daran erinnern, daß wir eine Abmachung haben. Meine Vertrauenspersonen erwarten die Begleichung der Lieferung, die Sie ja nunmehr eindeutig und voll funktionsfähig erhalten haben. Zudem möchte ich mich mit meinen Partnern baldmöglichst zurückziehen, damit ich mich meinen weiteren Geschäften widmen kann.“
Mit diesen Aussagen begab sich Wikland auf gewagtes Terrain. Er wußte nicht, ob die Cardassianer ihren Preis bereits bezahlt hatten, aber er pokerte einfach einmal und hoffte den Legat mit diesem Bluff aus der Reserve zu locken.
Er hatte den Cardassianer richtig eingeschätzt, denn die Antwort kam postwendend.
„Sie haben Das Schiff noch gar nicht übergeben. Außerdem ist der geforderte Preis zwar schon bereitgestellt, aber wohl bei weitem Überzogen. Sie werden Ihren Anteil schon noch bekommen. Und nun räumen Sie unser Schiff, denn das gehört ebenfalls der cardassianischen Union. Sie waren lediglich ein geduldeter Gast. Sehen Sie zu, daß Sie vom Schiff kommen, wir haben bereits Pläne für dessen Einsatz. Ich habe bereits drei Schiffe der Galor Klasse angefordert, welche die Föderationsschiffe nach Cardassia Prime bringen werden. Sie müßten in Kürze eintreffen.“ erklärte Gelrath mit einem Anflug von Überheblichkeit.
Schließlich wollte er sich von diesem unwürdigen Individuum nicht in die Enge treiben lassen und sich schon gar nicht irgendwelchen Forderungen zur Zahlung gegenüber diesem Händler zu unterwerfen.
Wikland war mit dieser Information klar geworden, daß der Rückzug nicht so problemlos ablaufen würde. Mit einem entsprechenden Widerstand hatte er gerechnet. Aber nun mußte er auch noch drei kampfstarke Schiffe der Galor Klasse in seine Kalkulation mit einbeziehen.
Sie waren der Alexandria an Feuerkraft ebenbürtig, wenn auch nicht ganz so wendig und geschickt zu manövrieren. Dafür hatten sie sehr gute Schutzschilde, die nur schwer mürbe zu machen waren. Dazu kam, daß man sich aufgrund der nur notdürftig reparierten Yokohama allerhöchstens mit Warp 6,5 entfernen konnte, was sicherlich bald dazu führte, daß man eingeholt wurde. Wikland versuchte einen weiteren Bluff.
„Ich werde dieses Schiff und auch die Alexandria erst übergeben, wenn meine Kollegen gekommen sind um mich abzuholen. Erst, wenn ich sicher den Bereich dieser Station verlassen habe, werden Sie über die Schiffe der Föderation verfügen können. Versuchen Sie keine linke Tour mit mir, oder ich liefere Sie und ihre verdammte Regierung an die Föderation aus.
Die werden bestimmt daran interessiert sein zu erfahren, wer hinter all den verschwundenen Schiffen steckt, die hier in diesem und den Nachbarquadranten verschwunden sind. Imasov Ende.“

Der Bildschirm verblaßte. Erneut hatte der Captain den Kommandanten der Station gedemütigt, indem er ihn einfach abgehängt hatte. Es war ihm klar, daß der Cardassianer nun vor Wut kochen würde und er sicherlich bald mit eventuellen Reaktionen rechnen mußte, aber er wußte auch, daß die Wut und der Haß über diese Erniedrigung nun die Oberhand in den Gedanken des Cardassianers übernommen hatten.
Er würde sich mehr damit beschäftigen, wie er den vermeintlichen Händler Imasov von der Yokohama bekommen würde, als auf der Station irgendwelchen Meldungen nachzugehen, die ihn zu einem der Außenteams führen würde. Die Holoprojektion mit der Stimmenanpassung schien hervorragend zu funktionieren. Noch immer hatte der Legat keinen Verdacht geschöpft. Wikland hoffte, daß das noch mindestens so lange anhalten würde, bis die Teams wieder sicher an Bord der beiden Schiffe waren.
Der Captain blickte auf den Chronometer. Zwanzig Minuten waren bereits vergangen, wenn alles glatt gegangen war, müßten die Teams in wenigen Minuten wieder an Bord beamen, Je eher, desto besser. Der Captain dachte an die cardassianischen Schiffe, die bald eintreffen würden. Hoffentlich nicht zu früh, dachte er und blickte noch einmal besorgt auf den Monitor, auf dem die Punkte zu sehen waren, die von den Transpondern stammten. Hoffentlich nicht zu früh!



Kapitel 30

Roger schaute sich um. Es führten zwei horizontale Schächte von dem Schott weg.
„Dann gehen wir eben außen herum. Wir müssen uns sputen, die Zeit läuft uns davon.“
Er drehte sich nach links und bedeutete Ymoota das Schott zu öffnen. Inzwischen hatte sie schon richtig Routine darin und es dauerte nur wenige Sekunden, bis die Schiebetür seitlich in der Wand verschwand. Roger kroch in den engen und flachen Schacht und versuchte so schnell wie eben auf allen Vieren möglich, voran zu kommen.
Die vielen Meter, die sie jetzt schon in dem schmalen Wartungsschächten hinter sich gebracht hatten, hatten sich in irgendeiner Weise gelohnt. Entweder hatten sie sich an das Kriechen gewöhnt oder es machte ihnen nichts mehr aus.
Roger empfand den Weg bis zum nächsten Wartungseinstieg wesentlich kürzer als einige Ebenen weiter oben. Ymoota hatte zu ihm aufgeschlossen und setzte erneut ihren Trikorder an der Wand an. Das inzwischen schon vertraut gewordene Klicken ertönte und Ymoota drückte gegen das Schott um es zu öffnen.
Die Metallplatte hatte sich gerade in Bewegung gesetzt, da zog Roger ihre Hand von dem Schott und hielt den Zeigefinger warnend an seine geschlossenen Lippen. Jetzt hörte es Ymoota auch. Zwei Cardassianer schienen sich zu unterhalten.
Die Stimmen waren deutlich zu hören, was bedeutete, daß sie recht nahe am Eingang zu diesem Wartungsschacht standen. Roger van Dyke aktivierte seinen Trikorder, schaltete auf lautlos und hielt ihn an die um einen Spalt geöffnete Türe.
„Drei Wachen, fünf Meter neben dem Eingang. Laut Trikorder bewaffnet mit Disruptoren. Das hat uns gerade noch gefehlt.“ flüsterte er Ymoota zu, nachdem er die Anzeigen des kleinen Gerätes abgelesen hatte.
Resignierend ließ er sich an die Wand sinken, klappte den Trikorder zu und überlegte.
„Und was jetzt?“ wollte Ymoota wissen.
Roger wirkte abwesend. Er überschlug im Kopf die Zeit, die sie bereits unterwegs waren, die Zeit, die noch zur Verfügung stand und das Risiko, welches sich jetzt ergeben würde.
„Ich weiß noch nicht genau. Warten wir einen Moment, vielleicht verziehen sie sich ja gleich wieder. Wenn nicht müssen wir eine Entscheidung treffen.“
Wie er es auch drehte, es kam nichts dabei heraus. Der Weg zurück und in die andere Richtung würde noch einmal mindestens neun Minuten dauern und er war sich nicht sicher, was dort auf sie warten würde. Sie kamen ja im Prinzip auch wieder im selben Flur heraus und es bestand auch da die Gefahr von den Cardassianern entdeckt zu werden. Also konnten Sie auch hier einen Moment warten. Dann wußten sie wenigstens in welche Richtung die Wachen weggehen würden.
Aber es tat sich nichts. Noch immer waren die gelegentlichen Gesprächsfetzen der Cardassianer zu hören, ab und zu auch die Schritte der schweren Stiefel, die dumpf auf dem Teppichboden klangen. Roger blickte auf seinen Chronometer und schaute dann Ymoota an.
„Ich glaube wir haben keine Wahl. Wir müssen wohl eine kleine Party einläuten.“
Noch einmal aktivierte er seinen Trikorder und scannte den Gang. Es waren keine weiteren Wachen im Umkreis zu erkennen. Warum diese Drei hier standen ließ sich nicht sagen. Ob man schon bemerkt hatte, daß die Station infiltriert worden war, oder hatte man gar eines der Teams gestellt und gefangengenommen?
Roger wußte es nicht und wollte auch gar nicht daran denken. Jetzt ging es primär darum seinen Teil der Aufgabe zu erfüllen.
Er steckte den Trikorder wieder weg, holte seinen Phaser aus der Halterung und stellte ihn auf volle Betäubung. Ymoota tat das Gleiche und verstaute den Rest der Ausrüstung in ihrer Tasche, die sie mit einem Gurt so fixierte, daß sie auf ihrem Rücken lag und sie in ihrer Bewegungsfreiheit nicht beeinträchtigte.
Roger legte seine Hände auf das Schott und Ymoota half ihm dabei die dicke Metalltüre ganz langsam, vorsichtig und geräuschlos in die Wand zu drücken. Der Weg war frei. Nacheinander schlüpften Sie aus dem Wartungsschacht in die kleine Nische im Flur, die den Zugang bildete.
Jetzt konnten sie auch die Stimmen deutlich hören und die Position genau bestimmen. Die Cardassianer standen rechts von ihnen knappe fünf Meter entfernt. Roger gab Ymoota ein Zeichen sich bereitzumachen und zählte mit den Fingern seiner linken Hand zurück. Drei... zwei... eins... sein Zeigefinger deutete in Richtung der Cardassianer.
Roger und Ymoota kamen gleichzeitig aus der Nische hervor und sahen daß die drei Wachen von Ihnen abgewandt standen. Roger hob seinen Phaser und sagte:
„Entschuldigen Sie bitte...“ Abrupt drehten sich die drei Cardassianer fast gleichzeitig um. Ein erstauntes
„Was...?“ war das einzige Wort das Ymoota noch verstehen konnte, bevor die Strahlen der Energiewaffen durch den Gang zuckten.
Roger der mit Ymoota aus der Nische hervorgetreten war hatte sich nicht die Mühe gemacht auf einen der Cardassianer zu zielen, die sich nahezu synchron zu ihm umgedreht hatten. Er ließ einfach seinen Phaserstrahl von links nach rechts durch den Flur wandern und traf damit alle drei kurz hintereinander, ohne daß eine der Wachen die Chance gehabt hätte ihre Waffe zu ziehen. Genauso wie Ymoota, die zwar ihren Phaser in der Hand hielt, aber keinen Grund mehr für dessen Benutzung hatte. „Komisch, ich wollte doch nur fragen wo es hier zum Reaktorkern geht.“ witzelte Roger leise und Ymoota verzog ihr Gesicht zu einem Schmunzeln. „Gut. Mit etwas Glück sind die auch bei guter körperlicher Verfassung für mindestens zwanzig Minuten außer Gefecht. Helfen Sie mir, wir verstauen sie in dem Wartungsschacht. Merkwürdig ist für mich nur warum die hier überhaupt postiert waren. Hier sind keine Quartiere, keine wichtigen Einrichtungen und es konnte eigentlich keiner wissen daß wir hier rauskommen würden, oder?“
fragte Roger und schnappte den ersten Cardassianer an den Füßen.
„Wenn sie nicht mit internen Scans angefangen haben, dann können sie noch nicht wissen, daß wir hier unterwegs sind. Und auch wenn sie eines der anderen Teams erwischt hätten, ich habe niemandem erzählt, welchen Weg wir wählen, es wäre wohl reiner Zufall gewesen, wenn Ran in einem Verhör unsere Route erraten hätte. Aber ich denke es hat nichts mit alledem zu tun. Vielleicht haben sie auch nur eine Pause eingelegt, sich ein wenig von ihrer Arbeit abgesetzt, wer weiß das schon?“ erwiderte Ymoota.
Nach wenigen Minuten hatten sie die drei sorgfältig hinter dem Schott plaziert und dieses wieder geschlossen.
„So, und jetzt nichts wie weg hier.“ meinte Ymoota, nachdem die Verriegelung eingeschnappt war. Sie deutete nach vorn und setzte sich schnell in Bewegung. Sie folgten dem Flur bis zu einer schmalen Türe, die auf der zur Stationsmitte liegenden Seite in die Wand eingelassen war. Ein leichter Druck auf den Sensor aktivierte die Tür, die sich nur unter quälenden Geräuschen öffnete.
Ein Zeichen dafür, daß sie bislang nur selten benutzt worden war. Ymoota schloß das Schott sofort nachdem sie es durchschritten hatten. Sie legte keinen gesteigerten Wert auf weiteren Besuch. Nur wenige Meter vor ihnen erschien ein Treppenschacht.
„Hätten wir den nicht auch schon von oben nehmen können...“ fragte der erste Offizier gequält und dachte an die Strapazen, die hinter ihm lagen.
„...die Tür hat es doch schon oben gegeben.“ bemerkte er.
„Ja...“ sagte Ymoota und leuchtete mit der Taschenlampe an ihrem Handgelenk nach oben,
„...Wenn Sie da so einfach durchkommen...“ Der Lichtkegel fiel auf eine dicke Duraniumplatte, die direkt über der nach oben führenden Treppe den Schacht verschloß.
„...Die haben beim Bau der Station viel Mist gebaut. Manche Schächte und Wege wurden einfach verschlossen, ohne ersichtlichen Grund.“
Roger seufzte kurz und begab sich auf den Abstieg. Nur noch eine Ebene tiefer und sie waren in der Nähe des Reaktorraums. Nur noch wenige Minuten, dann würden Sie dem Team von Ingenieuren und Technikern gegenüberstehen, die damit beschäftigt waren, den Energieabtaster umzusetzen. Auch wenn das eine Tätigkeit war, die einer gewissen Routine unterlag, so barg sie doch gewisse Risiken, und die Cardassianer waren in dieser Beziehung sehr penibel. Meist wurde die Crew in der Energiezentrale zu dieser Zeit verdoppelt um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen und alle Kontrollen unter Beobachtung zu behalten.
Das bedeutete aber auch, daß sie mit mindestens acht Cardassianern rechnen mußten, davon mindestens vier bis fünf schon im Energiekontrollraum, den sie auf ihrem Weg zuerst betreten mußten. Roger war ein wenig nervös.
Er hatte sich alle Details seiner Aufgabe eingeprägt, aber es war schwer sich die Übernahme der Energiezentrale vorzustellen, denn er wußte nicht, inwieweit ihnen das Überraschungsmoment zugute kommen würde. Es mußte einfach klappen. Sie hatten inzwischen die Treppe verlassen und waren bis zu der Türe vorgestoßen, die in der nächsten Ebene wieder auf den Gang führte.
„Ok, von hier aus sind es ungefähr dreißig Meter bis zu einem Gang, der ins Stationsinnere zur Energiezentrale führt. Wenn wir Glück haben, ist dort jetzt kein großer Publikumsverkehr. Normalerweise ist dieser Bereich in der Zeit des Kernwechsels auch für das normale Personal gesperrt. Aber in der Zentrale wird es schwierig.“ sagte Ymoota und blieb kurz vor der Tür stehen. Roger scannte den Bereich hinter der Türe.
„Gut, da ist niemand, wir können raus.“
Die Bajoranerin aktivierte die Mechanik und trat durch die geöffnete Türe in den Flur, der nur mäßig beleuchtet war. Selbst hier in der Nähe der Energiezentrale hatte man den Energieverbrauch drastisch eingeschränkt. Ymoota hatte sofort die Richtung zu den Fusionsreaktoren eingeschlagen und Roger folgte ihr dichtauf, sicherte nach hinten ab.
Schnell hatten sie den Weg zu dem Gang zurückgelegt, der direkt zum Energie- Kontrollraum führte. Obwohl niemand zu sehen und zu hören war nutzte Ymoota auf ihrem Weg jegliche natürliche Deckung aus um sich voranzubewegen, immer auf der Hut, ständig auf dem Sprung.
Bereit sofort zu reagieren, wenn sich eine der Türen öffnen sollte, die links und rechts von ihnen lagen. Große dicke Zahnradtüren, wie sie auch in den Luftschleusen zum Einsatz kamen sicherten den Zugang zu den dahinter liegenden Räumen. Der erste Offizier warf einen schnellen Blick durch die Verglasung in den Raum zu seiner Linken. Eine kleine Treppe führte über drei Stufen in einen tiefer gelegenen Bereich, der von einer großen Anlage dominiert wurde. Mehrere Rohre mündeten von oben in der Anlage und eine große Energieleitung sorgte für die notwendige Versorgung. Ein aufwendiges Schaltpult war an der Seite in die Anlage eingelassen, zeigte aber nur wenig Aktivität. „Wissen Sie was das ist Lieutenant?“ fragte Roger seine Kollegin, die gerade in der nächsten Türöffnung Deckung nahm.
„Ja, daß sind die Konverter der Erzanlage. Hier wird das Erz umgewandelt, in einem sehr aufwendigen elektrochemischen Prozeß. Da der Energieaufwand sehr hoch ist, hat man diese Anlagen direkt in der Nähe der Energieerzeugung platziert, auch um die notwendigen Hochleistungs-Energieleitungen so kurz wie möglich zu halten. Sie sind nur selten in Betrieb. Nur wenn genügend Erz zur Umwandlung bereit steht werden sie in Betrieb genommen, da der Energiebedarf so immens hoch ist. Die meiste Zeit stehen sie nur im Bereitschaftsmodus, damit eine Aktivierung nicht zu lange dauert.“
Roger hatte zu Ymoota aufgeschlossen, die nach vorne deutete. Knapp zehn Meter vor Ihnen endete der Flur an einem großen Schott. Ymoota holte ihren Trikorder hervor und scannte.
„Keine Chance, die Abschirmung ist zu stark, da kommen wir mit diesen Sensoren nicht durch. Es wird wohl eine Überraschung bleiben, was uns hinter dieser Türe erwartet.“
Roger blickte noch einmal kurz auf seine Waffe und prüfte die Einstellung.
„Na denn los.“ flüsterte er und wechselte auf die andere Seite des Flures.
Mit schnellen Schritten waren sie vorgestürmt und standen vor dem Schott. Ymoota links, und Roger rechts. Beide drückten sich neben dem Schott an die Wand. Der erste Offizier nickte Ymoota zu und diese hob die Hand um den Öffnungsmechanismus zu betätigen. Doch noch bevor Ihre Hand den Schalter erreicht hatte ertönte der durchdringende Alarmton der Sicherheitsanlage durch den Flur.
Erschrocken blickte die Bajoranerin den Commander an. Laut heulte der Alarm durch den Flur in dem Roger und Ymoota standen.
„Egal!“ rief der Commander durch den Lärm des Alarms hindurch.
„Jetzt...“ Ymoota öffnete das Schott, welches unter dem Geräusch einer hydraulischen Pumpe mit einer schnellen Bewegung nach oben in die Decke fuhr. Roger blickte in den Raum und sah auf den ersten Blick drei Cardassianer, die an den Kontrollkonsolen standen und aufgrund des Alarms und der sich plötzlich öffnenden Türe einen etwas verwirrten Eindruck machten.
Der Commander zögerte keine Sekunde und feuerte sofort auf den ersten Ingenieur, der ihm am nächsten stand. Dann suchte er gleich wieder Deckung neben der Türe. Auch Ymoota hatte sich sofort auf einen der Cardassianer eingeschossen, der kraftlos in sich zusammensackte. Aber ein weiterer, der in einer Nische gestanden hatte konnte seine Waffe ziehen und richtete sie auf die Türe. Erste Strahlen des Disruptors jagten durch die Türöffnung und schlugen in der gegenüberliegenden Wand des Flures ein, wo sie große Löcher hinterließen.
Kein Zweifel, die Waffe war auf volle Energie eingestellt. Rufe der Cardassianer waren zu hören, Anweisungen und hektische Antworten. Roger blickte erneut in den Raum, konnte auf den ersten Blick nichts erkennen, die restlichen Soldaten mußten wohl in Deckung gegangen sein, auch konnte er anhand der Stimmen nicht feststellen um wieviele Gegner es sich handelte. Ihm lief die Zeit davon. Je länger er zögerte um so eher hatten die Ingenieure in der Energiezentrale Zeit sich auf den Angriff einzustellen. Er traf eine Entscheidung.
Roger van Dyke warf Ymoota einen ernsten Blick zu und nickte mit dem Kopf in Richtung des Kontrollraumes, in dem sich die Cardassianer befanden. Seine linke Hand machte eine Bewegung, die den nun kommenden Vorstoß verdeutlichen sollte. Seine Hoffnung war, daß es sich doch nur um Ingenieure handelte und nicht um gut ausgebildete Wachen oder Soldaten.
Ymoota gab zu verstehen, daß sie wußte was er vorhatte. Beide traten einen Schritt zurück nahmen einen kurzen Anlauf und sprangen in den Kontrollraum hinein, rollten auf dem Boden ab und gingen hinter einer Konsole in Deckung. Sofort prasselte ein Regen von Energieblitzen auf sie ein. So wie Roger es ausmachen konnte aus drei Richtungen.
Er sprang auf und feuerte auf eine Konsole, hinter der sich einer der Cardassianer zu verbergen schien. Sofort kamen ihm Disruptorstrahlen entgegen, die ihn nur knapp verfehlten. Roger wich mit einer Rolle vorwärts aus, und feuerte dabei in die Richtung, aus der die Energiewaffe abgefeuert worden war. Der dumpfe Laut eines auf den Boden aufschlagenden Körpers verriet ihm, daß er getroffen hatte.
Noch immer heulte der Alarm und inzwischen hatten auch die Ingenieure in der Energiezentrale den Angriff vergegenwärtigt. Sie hatten die Türe gesperrt und waren fieberhaft damit beschäftigt, den Abtaster wieder auf den Energiering abzusetzen. Die Position über dem Schleifring war bereits erreicht und sie hatten mit dem Absenken des Abtasters begonnen.
Es fehlten nur noch wenige Zentimeter, bis die Verbindung wieder hergestellt war und somit die Station wieder über die volle Energie verfügen würde, was natürlich jetzt, wo ihre Absichten offensichtlich geworden waren, auch für die beiden Schiffe sehr schnell zu einer erstzunehmenden Gefahr führen würde. Immer wieder gab Roger kurze Feuerstöße ab, um die Cardassianer aus ihrer Deckung zu locken aber die beiden anderen entzogen sich ebenso geschickt wie wirkungsvoll dem Beschuß. Roger mußte handeln. Er stellte seine Waffe auf volle Energie und schoß damit mehrere Male auf die Konsole hinter der sich einer der Cardassianer verbarg. Seine Aktion hatte Erfolg, schon nach drei Schüssen hatte er die Verkleidung durchdrungen und die energieversorgenden Leitungen angeschmolzen.
Die Folge war, daß der Cardassianer hinter der Konsole durch den entstandenen Kurzschluß einen Energiestoß versetzt bekam und zu Boden sank. Blieb noch einer. Roger blickte zu Ymoota. Verzweifelt versuchte sie noch immer hinter einer Strebe Deckung zu finden und trotzdem dem letzten Cardassianer Paroli zu bieten, der sich in der Nische versteckt hielt, in der sich das Steuersystem der Energieabtaster befand. Immer wieder feuerte er auf Ymootas Standort und hielt sie damit ebenso in Schach.
Roger robbte sich auf dem Boden weiter voran um seine Position zu verbessern. Er hatte die Hauptkonsole umrundet, welche die Mitte des Raumes ausfüllte und war nun gegenüber der Eingangstüre. Er konnte jetzt fast in die Nische schauen, in der sich der Cardassianer verbarg. Er stellte seinen Phaser auf maximale Streuung hielt ihn um die Ecke der Konsole und drückte ab. Ein Aufstöhnen war das Letzte was der Cardassianer von sich gab. Ymoota kam aus ihrer Deckung hoch und auch Roger van Dyke erhob sich vom Boden. Ein Geräusch das irgendwie nicht sein durfte drang an seine Ohren, vermischt mit der Sirene des Alarms klang es merkwürdig verzerrt, dennoch wußte er was es bedeutete.
Er sah hinüber zu Ymoota, die ihn erleichtert anblickte und tief durchatmete. Mit Schrecken sah sie, wie Roger van Dyke seine Waffe hob und auf sie zielte. Es ging so schnell, daß sie nicht zu reagieren vermochte, sie konnte nicht fassen, daß er tatsächlich auf sie ansetzte. Wie gelähmt sah sie die Energieladung fast wie in Zeitlupe auf sich zukommen. Der Phaserstrahl ging nur knapp an ihrem Kopf vorbei.
Erst das Klappern eines zu Boden fallenden Gegenstandes ließ sie in die Wirklichkeit zurückkommen und herumfahren. Keine zwei Meter hinter ihr stand ein Cardassianer, der nun getroffen von der Phaserentladung betäubt zu Boden fiel, wo sein Disruptor bereits angekommen war.
Er war aus einem Büro getreten, dessen Türe sich hinter ihr befand.
„Sie haben nicht auf Ihren Rücken geachtet Ymoota.“ rief van Dyke und setzte ein Grinsen auf. Ymoota schnaubte vor Wut. Der Schreck saß ihr noch immer in den Knochen, aber der Commander hatte recht. Sie hatte sich so sehr auf den einen Soldaten konzentriert, daß sie ihre Umgebung und nicht zuletzt ihre Deckung vernachlässigt hatte. Dennoch war sie erleichtert, daß Roger van Dyke auch auf sie geachtet und ihr wohl mit dieser Aktion das Leben gerettet hatte.
Er hatte etwas gut bei ihr. Sie ging zur Tür, schloß sie und änderte den Verriegelungscode, damit sie von außen nicht geöffnet werden konnte. Roger wandte sich der Energiezentrale zu. Durch dicke Platten transparenten Aluminiums war sie von dem Kontrollraum getrennt. Die fünf Cardassianer im Innenraum arbeiteten hastig aber konzentriert an der Wiederherstellung der Energieversorgung.
Da sie keine Anstalten machten, sich auf eine Auseinandersetzung vorzubereiten, ging Roger davon aus, daß er die Türe wohl nicht aufbekommen würde. Ymoota war neben ihn getreten und schaute in den Raum.
„Auf zum Endspurt,.“ sagte sie und ging an die Kontrollen der Station vor sich.
„Ja...“ erwiderte Roger,
„...nur wie können wir Sie außer Gefecht setzen, Sie haben den Raum anscheinend versiegelt. Können Sie die Sicherungsprotokolle umgehen und die Tür von hier aus öffnen?“ fragte er die Bajoranerin. Ymoota hatte bereits ihren Trikorder auf das Pult gelegt und übertrug einige kleine Routinen in die Konsole.
„Nein Commander, ich schätze, das wird nicht nötig sein. Das werden die selbst für uns erledigen...“ Roger blickte Ymoota verwundert an, als diese mit einem Gefühl der Genugtuung eine Tastenfolge in die Konsole tippte.
„...es gibt nichts was Cardassianer mehr hassen, als das!“ sagte sie und im selben Moment wurde der Raum der Energiezentrale aus vielen Düsen mit einem hellen Nebel geflutet, der schnell den Boden bedeckte und immer höher stieg.
Wie von der Tarantel gestochen fuhren die Cardassianer zusammen, schrien, fluchten und gestikulierten wild umher. Es war ein grotesker Anblick wie in einem der Stummfilme, wie man die Anfänge der heutigen dreidimensionalen Unterhaltungsprogramme nannte.
Ohne die dazugehörenden Stimmen wirkte das Ganze eher komisch als bedrohlich. Roger schaute zwischen den Cardassianern und Ymoota hin und her. Ihm fiel auf, daß die Bajoranerin an dieser Szene Gefallen fand.
„Ymoota, Sie sollen sie nicht vergiften, wir wollen nur die Energieversorgung lahmlegen!“ ermahnte er sie.
Inzwischen hatten sich die Cardassianer an der Türe gesammelt und mit einem Mal öffnete sich das Schott und die fünf Ingenieure platzen in den Raum, zitternd und bebend am ganzen Körper. Roger hielt sie mit seiner Waffe in Schach, was aber angesichts ihres physischen Zustands auch eher unnötig war.
„Oh, Commander nichts anderes hatte ich im Sinn. Ich habe nur ihren Enthusiasmus ein wenig abgekühlt. So auf etwa 76 Kelvin um genau zu sein, was nicht mal ganz 200 Grad minus entspricht. Wahrscheinlich hätten es auch 10 Grad über Null getan, aber ich wollte, daß Sie sich schnell entscheiden.“ lächelte Ymoota.
„Sie hassen die Kälte mehr als ihren schlimmsten Feind, wie Sie sehen.“
Roger winkte mit seiner Waffe auf das kleine Büro, aus dem vorher der letzte Cardassianer gekommen war. Die Ingenieure folgten seiner Aufforderung und begaben sich nacheinander in den kleinen Raum den Roger verschloß und die Kombination noch einmal veränderte. Als er zurück kam war Ymoota verschwunden. Roger umrundete die Konsole und sah durch die Scheiben in den Raum des Energieabtasters, aus dem Ymoota inzwischen die Kaltluft abgesaugt hatte.
Die Bajoranerin war auf den Schleifring gestiegen und hantierte an dem Abtaster herum, der an einem Schwenkarm aufgehängt war. Mit geschickten Händen arbeitete sie an der Gelenkmechanik herum, um den Mechanismus außer Funktion zu setzen. Plötzlich ging sie in die Hocke, zog daß rechte Hosenbein hoch, wodurch ihre Unterschenkelprothese zum Vorschein kam.
Sie öffnete eine kleine Klappe an dem wenig kunstvoll gearbeiteten Beinersatz und holte mit einigen Mühen drei kleine Bauteile hervor. Nachdem sie sich wieder aufgerichtet hatte setzte Sie die Bauteile in den Gelenkmechanismus ein, verschloß die Klappe und sprang von der knapp einen Meter hohen Konstruktion herunter.
Das Abfedern des Sprunges bereitete ihr einige Probleme, da durch die Manipulation ihrer Prothese nicht mehr alle Funktionen des rechten Fußes aufrecht erhalten wurden. Roger schaute sie fragend an.
„Was...?“ fragte Ymoota schnippisch und blickte den ersten Offizier provokativ an
„...mein Bein oder was ich an der Anlage gemacht habe?“
„Eigentlich beides...“ antwortete der erste Offizier
„...aber der Auftrag zuerst.“ Ymoota war schon auf dem Weg nach draußen.
„Ich habe verhindert daß der Abtaster abgesetzt werden kann. Und jetzt werde ich dafür sorgen, daß bestimmt keine Energie mehr erzeugt wird.“
Mit diesen Worten warf sie sich auf den Boden und riß eine Verkleidung von der Konsole. Sie holte Ihren Trikorder hervor und schaute noch einmal kurz auf das Schaltschema. Dann entnahm sie der Prothese einige weitere Kleinteile und ihr Kopf und ihre Schultern verschwanden in der Konsole.
„Lieutenant, was soll das, wir müssen weg.“ mahnte Roger sie zur Eile.
„Unsere Zeit ist längst abgelaufen.“ fügte er hinzu um seinen Worten mehr Gewicht zu geben.
„Ich weiß...“ kam die Stimme aus der Konsole,
„...ich bin sofort fertig.“ Wenige Sekunden später erschien zunächst die Schultern, dann der lange schwarze Zopf und zuletzt auch ihr Kopf wieder vor van Dykes Augen.
„So, jetzt können wir los.“ antwortete sie, während sie die Abdeckung wieder montierte. Roger winkte ihr zu.
„Wir müssen hier raus, sonst können wir nicht beamen. Die Abschirmung ist viel zu stark. Also weg hier.“
Mit diesen Worten setzte er sich schnell in Richtung Tür in Bewegung und sah nicht, daß Ymoota nur noch schwer humpelnd hinter ihm her kam. Die Entnahme von Widerständen und Transistoren und einiger Subprozessoren hatten weitere Funktionen ihrer Prothese lahmgelegt. Dies machte sich auch durch quälende Schmerzen bemerkbar, da die Verbindungen zu den Nervenbahnen nunmehr unterbrochen waren, doch die junge Frau ignorierte diesen Schmerz.
Zu oft hatte sie ihn schon gespürt, seit dem Tag an dem sie einen Teil ihres Beines bei einem Anschlag verloren hatte. Schnell hatte sie den Entriegelungscode für die Türe eingegeben und das Schott fuhr nach oben. Gott sei dank war der Flur leer, aber man hörte durch das Heulen des Alarms das Getrampel schwerer Stiefel näherkommen.
Roger stützte Ymoota und trat schnell in den Flur, wo er weitere zehn Meter zurücklegte. Dann tastete er nach seinem Kommunikator und rief:
„Alexandria, zwei zum Beamen!“ gerade noch rechtzeitig, denn in diesem Moment bogen zwei Wachen vom Hauptgang in den Flur ein und standen ihnen in etwa dreißig Metern Entfernung gegenüber. Roger sah noch, wie einer der beiden seine Waffe zog, aber eine gewaltige Vibration lief in diesem Moment durch die Station und brachte die Cardassianer aus dem Gleichgewicht. Im selben Moment setzte das hellblaue Schimmern ein und vor den Augen des Commanders formte sich das Bild des Transporterraums der Alexandria.
Er erblickte Keros, der das Transporterpult bedient hatte.
„Danke Lieutenant, perfektes Timing.“
Er half Ymoota von der Plattform auf der sie sich materialisiert hatten.
„Gehen Sie in die Krankenstation und lassen Sie das in Ordnung bringen...“ Er deutete auf ihr rechtes Bein,
„...und dann brauche ich Sie auf der Brücke, ich will genau wissen, was Sie dort unten gemacht haben.“ Damit wandte er sich ab und ging mit schnellen Schritten durch die Tür zum nächsten Turbolift.

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