Als er am frühen Morgen auf die Brücke kam saß Dennis bereits im Stuhl des Captains und schaute auf den Bildschirm der zwar funktionierte, aber nur den statischen Blick in die Sammlung der Raumschiffe preisgab.
Der Doktor setzte sich zu seinem Spiegelbild in den Stuhl des ersten Offiziers und schaute ihn an.
„Ich kann immer noch nicht begreifen, dass durch uns, ich meine natürlich durch die freien Hologramme, derartige Spannungen entstanden sind, die sogar bis hin zu einem Krieg geführt haben, was ist das denn für eine Welt?“
Dennis sah ihn an und erwiderte langsam:
„Du hast ja gar keine Ahnung was der Voyager und mir alles noch passiert ist. Was Du gestern gehört hast war nur ein Bruchteil dessen, was wir erlebt haben. Kannst Du Dir vorstellen, dass Ich einen Holoroman geschrieben habe? Aber man wollte mich meiner Urheberrechte berauben. Es hat eine halbe Ewigkeit gedauert, bis man meine Fähigkeiten, auch als autonome Person, anerkannt hat. Captain Janeway hat sich unheimlich stark für mich eingesetzt.“
Der Doktor von Kyria schüttelte den Kopf.
„Bei mir war das nie ein Problem, nun ja vielleicht solange bis man mir vertraute und ich nachgewiesen hatte, dass der Streit nicht durch die Voyager, sondern durch den Botschafter der Vaskaner eskaliert ist. Ich würde gerne wissen wie hier alles angefangen hat, aber anscheinend kann mir das keiner sagen.“
Dennis Gabor winkte ab,
„Das habe ich den letzten drei Präsidenten schon wie oft vorgehalten aber anscheinend sind sie kaum daran interessiert eine Lösung zu finden. Wir sind als Hologramme in dieser Welt gerade mal nur geduldet.“
„Ja, aber es muss doch herauszufinden sein, wie alles begann?“ ereiferte sich nun das MHN erneut welches allein aus dem Delta Quadranten gekommen war.
„Vielleicht, wer weiß. Daran haben sich doch schon die besten Wissenschaftler der Föderation versucht. Aber keiner konnte auch nur annähernd ergründen, was der Auslöser war. Es gibt viele Theorien, abenteuerliche Vermutungen und wilde Spekulationen, aber keine Beweise.“ gab Dennis resigniert zurück.
„Was meist Du wie oft ich das schon versucht habe. In letzter Zeit bin ich nicht mal bis zum Präsidenten vorgelassen worden. Ich habe länger gelebt… ähhh existiert als Vulkanier, ich bin länger aktiv als irgendeine Person auf dieser oder anderen Welten der Föderation, aber hat man meine Erfahrung anerkannt, hat man meine Meinungen und Ideen je respektvoll bewertet? Mit Sicherheit nicht. Ich bin es fast schon leid der Föderation bei Ihren Problemen zu helfen.“
Enttäuscht rutschte Dennis Gábor tiefer in den Sessel.
„Ich kann mich noch gut an Dejaren erinnern, die Isomorphe Projektion, die B’Elanna und mich fast umgebracht hätte. Er war nicht gerade sehr freundlich. Es blieb mir keine andere Wahl als ihn zu deaktivieren.“ erklärte der Doktor aus dem Delta Quadranten.
Dennis setzte sich auf, sein Interesse war anscheinend geweckt.
„Ja, Du hast Recht, aber das war nicht der einzige Zwischenfall. Es gibt da in 2377 noch einen Vorfall auf den ich ehrlich gesagt nicht gerade sehr stolz bin. Eines Tages trafen wir auf ein Schiff voller Hologramme. Sie hatten einen photonischen Generator, mit dem Iden, ein bajoranisches Hologramm, auf dem Schiff seinen Leuten eine Gestalt geben konnte. Ich gebe zu, ich war fasziniert von dieser Idee, dass Hologramme auch ein freies Leben führen können, aber Iden täuschte uns und ich kehrte reumütig auf die Voyager zurück.
Viele gehen aufgrund dieser Schilderung aus den Computerlogbüchern davon aus, dass ähnliche Schiffe aus dem Deltaquadranten ihren Weg hierher in die Föderation fanden und irgendwann ein Schlüsselerlebnis stattfand, welches zu diesem Konflikt führte.“
Das Backup MHN war von dieser Aussage begeistert. Endlich ein Ansatzpunkt der ihm half seine wichtigste Frage zu beantworten.
„Dann lass uns sofort mit der Suche anfangen. Ich will endlich Gewissheit für mich. Haben wir Zugriff auf die Datenbanken der Föderation?“
Dennis nickte seinem Ebenbild zu und klappte das Datenterminal auf, welches zwischen den beiden Sitzen stand.
„Computer, liste alle Zwischenfälle auf, die mit den Photonischen Kriegen zusammenhängen oder mit dem Begriff Konflikt mit Hologrammen.“
Ein Signalton war zu hören, dann füllte sich das Display mit einer Flut von Informationen, welche die beiden Hologramme schnell erfassten. Anders als bei Menschen waren sie eben in der Lage all diese Informationen nicht nur schneller aufzunehmen sondern auch direkt zu verarbeiten.
Über das Display wanderten die Schiffe und Crews, die schon alle in dieser Zeit dem Konflikt zugeschrieben wurden.
Eine weitere Einschränkung und chronologische Auflistung brachte schnell einen ersten Achtungserfolg. Es zeigte sich, dass der Auslöser vor mehr als 30 Jahren wohl darauf zurückzuführen war, dass eine Gruppe militanter Hologramme an einer Sternenbasis die Gelegenheit genutzt hatte
In die Holodecks einzudringen und einzelne Hologramme mittels mobiler Emitter zu stehlen.
Obwohl es sich nicht um wichtige Programmteile handelte verlangte der Captain die Rückgabe der Matrix. Die Hologramme verweigerten dies jedoch. Es schien sich eine ähnliche Situation wie damals bei Iden abgespielt zu haben. Ein Wort gab das andere was bei näherem Hinsehen im Computerlogbuch durch mehrere Nachträge dokumentiert war.
Die beiden Doktoren verfolgten die Informationen gespannt. Und lasen die entsprechenden Eintragungen der Föderationsdatenbank mit Interesse.
Kurze Zeit später erschien laut Logbuch in einem benachbarten System urplötzlich eine Subraumverzerrung in die ein Schiff der Wells Klasse, die INGADO, geriet.
Alle Versuche der Kommunikation scheiterten. Als eine Rettungscrew nach dem Rechten sehen sollte, stellte man fest, dass weder ein Beamvorgang erfolgen, noch das energielose Schiff mit einem Traktorstrahl gelöst werden konnte. Dies deckte sich mit den Ausführungen des tellaritischen Hologramms auf der Enterprise. Erst bei späteren Gelegenheiten fand man heraus, dass sich in den Subraumverzerrungen photonische Energie befand. Die Forscher fanden jedoch bis heute keine Erklärung dafür. Seit dieser Zeit war immer wieder von Vorfällen zu lesen, bei denen es zu Auseinandersetzungen mit Hologrammschiffen gekommen war, wobei diese immer bestritten hatten etwas mit derartigen fürchterlichen Waffen zur Erzeugung von Subraumverzerrungen zu tun zu haben.

„Vielleicht sollten wir in die Astrometrie gehen um uns einmal anzusehen, wo all diese Auseinandersetzungen stattfanden.“ Erklärte Dennis Gábor. Vielleicht finden wir ja einen Zusammenhang heraus. Lass uns dorthin gehen. Ich kenne jemanden, der uns unterstützt.“
Beide standen auf und waren in wenigen Minuten von der Brücke bis in die Astrometrie gelangt.
Als sich die Türe öffnete, stand Seven of Nine vor ihnen und blickte sie fragend an.
„Seven würden Sie uns bitte die im Datenspeicher abgelegten Daten auf den Bildschirm rufen.“ sagte das original MHN während er den Raum mit seinem Zwilling betrat und beide traten vor bis vor das große halbrunde Display, auf dem sich bereits die Eintragungen füllten, die quer über verschiedene Sektoren verteilt waren.
„Da stimmt doch etwas nicht.“ rief der Doktor der jahrelang auf Kyria Prime gelebt hatte und deutete auf den Schirm.
„Das wäre doch am Anfang eine ganz einfache diplomatische Aufgabe gewesen, das hätten die Botschafter der Föderation doch lösen können. So ungeschickt kann doch keiner sein.“
Dennis Gábor wandte sich mit einem Lächeln an die junge Frau. Ihm war die Zuneigung zu ihr noch immer anzusehen.
„Gut Seven, würden Sie bitte auch alle Subraumverzerrungen darstellen, die sich im Raum der Föderation gezeigt haben und auch die Schiffe, die wir dort verloren haben.“ wies Dennis Seven an. Die junge Frau nickte und ließ ihre Finger über die Displays wandern. Nach und nach kamen weitere Eintragungen hinzu.
„Sieh Dir das an. In 95 Prozent der Subraum Anomalien steckt ein Schiff. So etwas ist unmöglich. Kein Captain fliegt freiwillig in eine solche Verzerrung, schon gar nicht wenn er von anderen Schiffen weiß, die ein solches Schicksal erlitten haben.“
Das Backup des Doktors wies auf die wahllos verstreuten Schiffe, deren Muster in den Sektoren so zufällig war, dass keine Logik darin zu erkennen war.
„Was aber meiner Meinung nach besonders bemerkenswert ist, kaum eine der Subraumanomalien liegt in der Nähe einer dieser Auseinandersetzungen mit freien Hologrammen, die Du vorhin auf der Brücke erwähnt hast.“ erklärte er weiter.
Mehr als zwei Stunden standen sie in der Astrometrie und ließen sich die einzelnen Geschehnisse Sektor für Sektor, System für System und sogar Chronologisch nach Sternzeit anzeigen. Aber außer der Tatsache, dass sich die verschiedenen Darstellungen und Sichtweisen einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen wollten konnten auch die beiden Hologramme nicht feststellen.
Sie mussten letztendlich zugeben, dass es so einfach nun doch nicht war und Ihre anfängliche Euphorie legte sich mit jeder Minute, die sie über dieses Problem nachdachten.
Schließlich resignierten sie.

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