Kapitel 8
„Na es wird auch langsam Zeit.„ Die Stimme die Troi vernahm, als sie aufwachte, war ihr natürlich nur allzu gut bekannt. Sie blickte von der Decke weg nach links, wo ein lächelnder Jean Luc Picard zu ihr hinsah. „Willkommen auf der Enterprise, Commander.„ Begrüßte er sie mit sanfter Stimme. „Danke Captain.„ Trois freudiger Gesichtsausdruck wandelte sich zu einem sorgenvollen. „Was ist mit Will, wie viele von der Crew haben es geschafft?„ Man konnte sehen, dass Picard auf die zweite Frage ungern antwortete. „Hundertzweiundachtzig Ihrer Crew haben überlebt.„, begann er dann auch mit der schlechten Nachricht zuerst. Dann sah er zu Bashir, der neben ihm stand. „Ihr Mann wird wieder gesund Commander.„, antwortete Julian. „Er hat die Operation gut überstanden. Er ist noch auf der Melburne und erholt sich von dem Eingriff.„ Deanna war etwas erleichtert. „Konnten Sie die Toten bergen?„ Picard antwortete ihr: „Ja, Worf und T’Para haben bestätigt, dass zumindest von der Anzahl her, alle herausgebracht wurden. Allerdings...haben wir noch nicht alle identifiziert. Was die Hood selbst betrifft; sie wird geborgen werden und kommt dann nach Utopia Planitia zur Instandsetzung.„ Bei diesem Teil der Antwort war Troi sichtlich überrascht. „Instandsetzung? Lohn sich das noch? Das Schiff war am auseinanderbrechen. Man konnte jede Sekunde damit rechnen.„ „Was die Schiffshülle betrifft stimmt das auch. Die Chefingenieure der Melburne und der Defiant haben eine erste Untersuchung vorgenommen. Ihren Aussagen zufolge wäre dies auch ein erheblicher Aufwand, aber der Chefingenieur der Hood ist der Meinung, dass aufgrund der Tatsache, gerade, wie sie sich für die Crew eingesetzt haben, Commander, er alles daransetzen will, das Schiff wieder flott zu kriegen. Er hätte diesbezüglich einen Schwur geleistet, es innerhalb eines Jahres zu schaffen.„ Picards Blick ging für einige Sekunden durch Troi hindurch, während er im Gedanken die Bilder der schwer beschädigten Hood vorüberziehen ließ, die von der Defiant übermittelt worden waren. „Wo hat man uns überhaupt gefunden?„, wollte Troi wissen. „Nach allem, was ich erfuhr, waren wir nicht mehr beim Konvoi, nicht wahr?„ „Man hat Sie drei Lichtjahre von hier gefunden. Das haben Sie Ihrem alten Kameraden Data zu verdanken. Er wollte den Mutara Nebel untersuchen und entdeckte eine schwache Warpsignatur, die schließlich zu ihnen führte.„ „Data ist hier?„ „Ja, er hilft uns bei dieser Mission und ich denke seine Anwesenheit hat sich schon jetzt bezahlt gemacht.„, erklärte Picard stolz. Die Tür zur Krankenstation öffnete sich. Worf, LaForge und Dr. Crusher traten ein, Worf wandte sich an Troi und Picard. „Wir haben die Identifikation der Toten abgeschlossen. Captain Wikland meldete sich eben ab, er übernimmt die Bergung der Hood. Inzwischen ist das letzte Contingent an Schiffen eingetroffen.„ Picard überlegte einen Moment. „Nummer eins, Meldung an alle Schiffe, Abflug in zehn Minuten.„ „Aye, Sir. Ach Captain, wir haben Nachricht vom Oberkommando erhalten. Es sind noch vier Konvois unterwegs, bislang noch keine Zwischenfälle, die anderen sind mittlerweile an ihren Zielorten eingetroffen.„ „Danke Geordie. Tut gut das zu hören. Mr. Worf, ich würde mich freuen, wenn Sie sich uns anschließen könnten. Vorausgesetzt, Dr. Bashir möchte Sie nicht auf die Defiant entführen.„ Der Doktor wiegelte ab. „Keine Sorge Captain, dass hatte ich gewiss nicht vor. Falls er mir allerdings einfach hinterherläuft wenn ich auf die Defiant zurückkehre, bin ich gänzlich schuldlos.„ Bashir legte ein verschmitztes Grinsen auf, Worf schaute ihn mit grimmigem Blick an. „Was heißt hier hinterherlaufen? Sehe ich vielleicht aus wie ein Hund?„ „Oh, nein Worf, ich bitte Sie. So ein großer Krieger der Männchen macht, das geht über meinen Horizont.„ Bei diesen Worten riss Worf die Augen auf ballte die Fäuste und machte einen langsamen Schritt in Richtung des Doktors. Für Bashir ein deutliches Signal. „Bitte um Erlaubnis das Schiff zu verlassen, Captain.„ „Erlaubnis erteilt.„, konnte Picard gerade noch antworten, da flüchtete Julian auch schon. Worf sah zu Picard hin. „Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen hier zu bleiben, Captain.„ „Das freut mich Mr. Worf ... und den Doktor sicher auch.„ Allgemeines Ge-lächter brach aus. Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, gingen sie wieder auf ihre Posten. Picard half Troi vom Krankenbett herunter. „Alles in Ordnung?„ erkundigte sich der Captain. „Ich denke ja. Wenn Sie nichts dagegen haben, bleibe ich ebenfalls an Bord Captain.„ „Sie sind uns immer willkommen, Commander. Übrigens, nach den berichten einiger Crewmitglieder haben Sie in dieser Krise eine enorme Leistung vollbracht. Einige sagten, sie hätten Ihnen ihr Leben zu verdanken.„ Troi wirkte etwas überrascht. „Ich weiß nicht recht ... schon möglich. Ich hatte nur je mehr Zeit verstrich, das Gefühl an meine Grenze zu stoßen. Ich wusste irgendwann einfach nicht mehr weiter.„ „Sie haben alles in Ihrer Macht stehende getan. Mehr kann man nicht verlangen, schon gar nicht unter diesen Umständen. Sie haben sich als erster Offizier bewährt, sind eingesprungen, als der Captain nicht da sein konnte, obwohl Sie selbst nicht in Ordnung waren. Ich habe mit einigen aus Ihrer Mannschaft gesprochen. Sie waren wohl nicht mit allem einverstanden, was Sie sagten, aber es war wichtiger was am Ende herauskam. Und sie sagten, Sie hätten ihnen ihr Leben gerettet. Gibt es ein größeres Kompliment für einen Führungsoffizier?„ Picard nahm Deannas Hand. „Ich bin sehr stolz auf Sie.„ „Danke, Captain. Dann ... werde ich mal nach meinen Leuten schauen. Und dann möchte ich auf die Melbourne. Ich muss zu Will. Ich kann einfach nicht warten.„ „Aber natürlich. Gehen Sie nur.„ Picard schaute ihr nach. Wenn es so etwas wie eine Feuerprobe für einen Offizier gab, hatte Troi diese bestanden, ganz eindeutig.
Zweihundertfünfzig Schiffe, alle mit Warpgeschwindigkeit unterwegs. Ein fantastischer Anblick, gäbe es nur nicht diesen schrecklichen Grund dafür. Picard stand in seinem Arbeitsraum am Aussichtsfenster und sah den Schiffen nach, die neben und hinter der Enterprise herflogen. Er sinnierte darüber, mit welch hochgesteckten Zielen und Erwartungen er einst als junger Mann in die Sternenflotte eingetreten war. Picard lächelte. Denn dieser junge Jean Luc Picard war ein rauher ungestümer Bursche vom Land, der den Wunsch hatte, eines Tages Raumschiffkommandant zu werden für Ordnung im Weltall zu sorgen und jedem großmäuligen Außerirdischen zu zeigen, was Sache ist. Er schüttelte den Kopf. Wieviel von diesem jungen Burschen war noch übrig nach all den Jahren? Wie sehr hatte die Realität Ihn schon in der Akademie eingeholt. Nicht nur die harte Ausbildung, vor allem der beinahe tödliche Ausgang eines Streits mit Nausiakanern holten ihn allmählich in die harte Wirklichkeit. Das was sich jetzt hier und heute abspielte, das in die Schlacht ziehen mit vielen Raum-schiffen wäre so recht nach dem Geschmack des jungen Jean Luc gewesen. Jetzt stand er hier. Doch der Gedanke an den Kampf bedrückte ihn, statt Abenteuerlust verspürte er Sorgen und Ängste. >Mein Gott, wie naiv doch die Gedankenwelt eines Jungen sein kann, der den Boden der Heimat verlässt und erst dabei ist ein Universum zu entdecken.< Picard stieß einen Seufzer aus. Er verließ den Raum und ging auf die Brücke. Worf erhob sich vom Kommandostuhl. „Captain, wir haben eben eine Nachricht vom Klingonischen hohen Rat erhalten. Kanzler Martok stellt uns ein Geschwader von einhundertsiebzig Schiffen zur Verfügung.„ „Sehr gut Mr. Worf, Verstärkung ist immer willkommen.„ Picard betrachtete seinen ehemaligen Sicherheitsoffizier. „Ich hätte nicht geglaubt, Sie noch einmal so schnell in einer Sternenflottenuniform zu sehen. Fühlen Sie sich wirklich wohl auf diesem Botschafter-posten?„ „Das kann ich noch nicht sagen, Captain. Nach dem Ende des Krieges war ich sechs Monate auf unserer Heimatwelt. Als dann der hohe Rat beschloss beim Wiederaufbau mit der Föderation zusammenzuarbeiten, war ich der Meinung, so am besten helfen zu können. Außerdem habe ich in Absprache mit der Sternenflotte beschlossen, trotz meines neuen Postens mein Offiziers-patent zu behalten ... für alle Fälle.„ Picard schmunzelte. „Aha, das Hintertürchen wollten Sie sich offen halten, wenn es mit Ihrem Volk nicht klappen sollte.„ „So in etwa.„, bestätigte Worf. „Die Zeit, die ich auf Kithomer verbrachte war eine gute Erfahrung. Viele sagten mir, dass der Botschafterposten für mich der beste Weg sei, um dem Reich, wie auch der Föderation dienlich sein zu können. Diesbezüglich erhielt ich viel Zuspruch. Ich bin mir aber auch nur allzu bewusst, dass sehr viele Klingonen, auch im hohen Rat, weiterhin eine, nennen wir es einmal, kritische Haltung zu mir einnehmen. Im Rat sind immer noch Leute die von den Vorgängen um die Duras Familie wissen und auch in die Geschichte involviert waren, die zur Anklage des Hochverrats gegen meinen Vater führte, sowie zu meiner Entehrung, obwohl alle wussten, dass Duras selbst der Verräter war.„ Picard sah Worf besorgt an. „Befürchten Sie da immer noch Schwierigkeiten, ich dachte diese Geschichte wäre längst ausgestanden?„ „So etwas ist niemals ganz ausgestanden, Captain Picard. Aber zum einen steht Kanzler Martok voll und ganz hinter mir. Er hat mir diesen Posten angeboten. Er ist beim Volk sehr populär, seit Jahrzehnten schon. Und seit dem Dominionkrieg ist er ein Kriegsheld. Der hohe Rat steht loyal zu Martok, er kann gar nicht anders. Zum anderen hat Martok mich in sein Haus aufgenommen. Wer gegen mich angeht kämpft gegen die Familie, gegen ihn, den Kanzler. Ich habe so lange Jahre einen fast einsamen Kampf geführt, um meine Ehre, meinen Namen, dass ich fast vergaß wie es ist, einem Haus anzugehören.„ Worf lächelte den Captain an. „Aber es ist ein verdammt gutes Gefühl. Und selbst wenn es trotz alledem nicht klappen sollte ...„ Er deutete auf den Kom-munikator auf seiner Brust, der ja die Form des Födera-tionszeichens hatte. „... dann weiß ich wo ich hingehöre. Ich habe meinen Platz im Leben gefunden.„ Picard legte eine Hand auf die Schulter des Klingonen und nickte zu-stimmend. Hinter ihnen öffnete sich die Tür des Turboliftes. Worf und Picard sahen Troi auf die Brücke kommen ... mit Will Riker an ihrer Seite, den sie am Arm festhielt. Troi strahlte. „Mit besten Grüßen der Ärzteschaft. Beverly hat ihn gerade noch einmal untersucht. Noch ein paar Wochen und er ist wieder ganz der Alte.„ Riker wirkte noch sichtbar angeschlagen, lächelte den Captain und Worf an. „Hallo Captain Picard, ich dachte ich schaue mal auf einen Besuch vorbei.„ Picard und Worf sahen sich mit erstaunten Gesichtern an, dann ging Picard zu Riker. „Was muss eigentlich geschehen, damit Sie sich mal im Bett auskurieren?„ „Ich wollte zumindest nicht, dass die Jem Hadar einen totalen Triumph haben.„ Riker senkte den Kopf. „Auch wenn es der Großteil meiner Leute leider nicht geschafft hat. Aber als in diesem Gemetzel nichts mehr möglich war, habe ich die letzte Chance zur Rettung ergriffen.„ Picard führte Riker, Troi und Worf in den Besprechungsraum. Riker seufzte erleichtert, nachdem er Platz genommen hatte. „Ich dachte mir wir setzen das Gespräch lieber hier fort Will.„ „Danke, Captain. Im Sitzen fühle ich mich im Moment noch etwas wohler als im stehen.„ Antwortete Riker. „Gut. Zuerst einmal möchte ich Ihnen sagen, wie froh und glücklich wir hier darüber sind, dass doch nicht alle bei diesem feigen Attentat ihr Leben verloren. Und jetzt, da es Ihnen besser geht, gibt es natürlich die Frage, Wie sie es geschafft haben, da noch herauszukommen Will?„ Riker überlegte einen Augenblick „Es ... war unglaublich. Die Heftigkeit, die Brutalität dieses Angriffes übertraf alles Vorstellbare. Wir hatten nicht den Hauch einer Chance. Sie sehen auf den Hauptschirm. Sie sehen Feuer, Zerstörung, Tod. Auf der Brücke dasselbe. Das Schiff wird durchgeschüttelt, um sie herum Verletzte, Sterbende, explodierende Konsolen. Ausfall der Waffen-kontrolle, keine Schilde mehr.„ Riker nahm Deannas Hand. „Sie war mit dem Kopf auf eine Konsole gestürzt, war bewusstlos. Ich ... konnte nicht viel für sie tun. Fast zu spät viel mir auf, dass die Jem Hadar nicht mehr auf uns feuerten. Ich sah auf dem Hauptschirm zwei Kampfschiffe auf uns zurasen. Mir kam eine letzte Möglichkeit zur Rettung in den Sinn. Ich rief den Maschinenraum, sie sagten Antriebsenergie wäre fast auf null. Ich gab dem Hauptcomputer den Notfallcode und befahl ihm sofort auf Warp zu gehen, ohne Kursangabe, mit aller noch zur Verfügung stehenden Energie. Die zwei Jem Hadar-Schiffe füllten den ganzen Hauptschirm aus. Dann weiß ich nur noch, dass ich weggeschleudert wurde. Alles ging so schnell, kaum zu fassen, dass es funktioniert hat. Anderer-seits ... wohl nicht erfolgreich genug wenn ich sehe, wie wenige nur überlebet haben.„ „Will, jeder Einzelne Ihrer Crew der es geschafft hat, verdankt Ihnen sein Leben. Das gilt auch für Ihre beiden Führungsoffiziere hier. Die Überlebt haben werden Ihnen das nicht vergessen, dessen können Sie alle Drei sicher sein. In zwei Tagen werden wir den Son’a Sektor erreichen. Heute Abend findet eine Messe statt, in der wir der Opfer gedenken wollen.„ „Danke Captain.„ stimmte Riker Picard zu. „Ich denke, dass alle Mitglieder meiner Crew, soweit sie dazu im Stande sind, daran teilnehmen werden. Es ist gut, wenn es stattfindet bevor wir in eine neue Schlacht ziehen.„ fügte er hinzu. Deanna pflichtete ihm bei. „Wenn es wirklich zum Kampf kommen sollte, sollen unsere Leute diese Möglichkeit erhalten. Es geht nicht nur um Kameraden und Freunde. Drei Offiziere haben Verwandte verloren. Für sie ist es besonders wichtig.„ Worf kam wieder auf das eigentliche Thema zu sprechen. „Sir, wenn wir bei den Son’a eintreffen, wie wird die Vorgehensweise sein?„ „Einen definitiven Plan gibt es nicht. Wir müssen abwarten, sehen was uns dort erwartet. Aber ob es zum Kampf kommt oder nicht, und ich hoffe sehr, dass wir ihn vermeiden können, ist es meine Vorstellung, dass es uns gelingt mit der Führung der Son’a in Kontakt zu kommen und einen Dialog aufzubauen. Es wäre ohne Zweifel der beste Weg die Chance auf eine friedliche Lösung zu erhalten.„ Riker sah Deanna und Worf an, dann Picard. „Ich will kein Pessimist sein, Captain. Aber...irgendwie glaube ich nicht, dass es dazu kommen wird.„
* * *
„Alles klar Professor, die Einstellung ist vorgenommen.„ Meldete Barclay Data. „Ich aktiviere die Deflektorschilde.„ erwiderte der Androide. Barcley wie auch Data und LaForge kontrollierten an ihren jeweiligen Konsolen der Verlauf des Tests. „OK, das sieht gut aus. Probleme mit der Schildharmonie, Reg?„, fragte LaForge. „Nein, alles in Ordnung, Commander. Und das mit zwanzig Prozent mehr Energie für die Schilde. Wir sind klar über dem bisherigen Limit und können es aufrechterhalten. Da müssen die Jem Hadar auch mit ihren weiterentwickelten Waffen erst mal durchkommen. Kompliment Professor, wir haben zwanzig Prozent Steigerung und mussten trotzdem von keinem anderen System Energie abzweigen.„ „Dann haben wir das Ziel erreicht.„ War Datas trockener Kommentar. „Das Schiff ist bestmöglich für den Einsatz vorbereitet. Ich werde mich nun in mein Quartier begeben. Commander LaForge, Sie sollten den Captain über den Erfolg unseres Versuchs informieren.„ Mit diesen Worten drehte sich der Androide um und verließ den Maschinenraum. Geordie blickte ihm nach. „Na klar, ... mach ich, Herr Professor.„ Geordie sprach die Worte im Flüsterton aus. Er sah zu Barcley hinüber, seufzte und schüttelte den Kopf. „Ist das noch Data? Ist das der Mann, der all die Jahre mit uns zusammen war?„ LaForge sah zu Barcley hinüber. „Ich kann einfach nicht glauben, was er da hat mit sich machen lassen. All die vergangenen Jahre, die Entwicklung die er durchgemacht hat ... nein, Reg, der Data, den ich kenne hätte niemals seine Zustimmung für so ein Experiment gegeben. Ich muss nur daran denken, wie dieser Maddox ihn damals in die Finger kriegen wollte. Data wehrte sich. Und Captain Picard half ihm die Sache vor Gericht durchzustehen und zu gewinnen. Und jetzt das.„ Wut lag in Geordies Stimme. „Entschul-digen Sie, Commander.„, antwortete Barcley. „Aber könnte es nicht sein, dass Sie Data etwas unterschätzen?„ „Unterschätzen? Was meinen Sie denn damit?„ fragte Geordie perplex. „Nun, ich bin ganz Ihrer Ansicht, was Datas Entwicklung betrifft und ich glaube auch nicht, dass er sich so ohne weiteres für so eine Sache hergibt. Aber er ist doch inzwischen mehr als der Androide Data von der Enterprise. Er ist ein hoch angesehener Professor. Er arbeitet am Daystrom Institut mit den besten Wissen-schaftlern zusammen. Er setzt die Arbeit seines Schöpfers Dr. Soong fort. Ich bin sicher, dass er, was dieses Experi-ment betrifft, Vorkehrungen getroffen hat, damit seine Persönlichkeit, alle gewonnenen Erfahrungswerte geschützt bleiben.„ Geordie dachte eine Weile über Barclays Worte nach. „Ich hoffe, Sie haben recht, Reg.„ Barclay trat neben LaForge. „Commander, Sie sind sein bester Freund. Sie kennen ihn vielleicht besser als jeder andere. Klar, dass Sie sich Sorgen machen. Aber vielleicht ist die ganze Geschichte nur halb so wild wie wir alle glauben.„ Nachdenklich schaute LaForge in die Richtung, wo Data verschwunden war. „Wie gesagt, ich hoffe Sie haben recht.„
„Sie wollen was?„ Beverly Crusher warf Will Riker einen entgeisterten Blick zu. „Ich möchte von Ihnen dienst-tauglich geschrieben werden.„ Wiederholte Riker seinen Wunsch. „Soll wohl ein Scherz sein.„, bekam er von der Ärztin zu hören. „Sie sind vor fünf Tagen operiert worden. Das heißt zwei Wochen Ruhe und Erholung für die Regeneration. Mindestens. Wenn es nach mir ginge, wären Sie gar nicht mehr an Bord, sondern zum nächstbesten Hospital geflogen worden, zur Beobachtung. Sie hatten einen schweren Schädelbruch. Und keine einfache Operation. Sie verschwinden in ihr Quartier und ruhen sich aus. Das ist ein Befehl. Von wegen diensttauglich schreiben.„ „Doktor, ich fühle mich schon wieder sehr gut. Außerdem wird es in Kürze zu Kämpfen kommen. Und da wird jeder Offizier gebraucht.„, wollte Riker nicht klein beigeben. „Jeder gesunde Offizier. Was sie nicht sind, Will. In Ihrem Zustand sind Sie für niemanden eine Hilfe. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie ein Captain ohne Schiff sind, im Moment jedenfalls. Ach übrigens, was sagt eigentlich Deanna dazu?„ Die Ärztin fuhr schweres Geschütz auf. „Nun, ... ich habe noch nicht mit ihr darüber gesprochen.„, fiel Riker keine gute Ausrede ein. „Oooh, möchten der Herr seiner Gattin keine Aufregung bereiten?„, antwortete Beverly um dann deutlich ernster zu werden. „Oder fürchten Sie, dass sich der erste Offizier der Hood sich meiner Meinung anschließt? Will, Sie wissen genau, sie würde es nicht zulassen. Sehen Sie es doch ein, dass Sie noch Zeit brauchen. Seien Sie bitte vernünftig.„ Riker zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich muss wirklich noch nicht ganz in Ordnung sein. Mir fallen nämlich keine Gegenargumente mehr ein. Es ist nur ... ich möchte nicht Tatenlos daneben sitzen, wenn es losgeht.„ „Das verstehe ich, Will. Und wenn es ungünstig laufen sollte, kann es sein, dass wir schneller auf Sie zurückgreifen müssen als wir denken. Aber noch sind alle Führungsoffiziere auf ihrem Posten. Noch haben wir die Hoffnung, dass es noch nicht einmal zu einem Kampf kommt. Also nutzen Sie lieber die Zeit aus und erholen sich. Einverstanden?„ Riker saß vor ihr, den Blick gesenkt. Er nickte zustimmend, etwas resignierend. Er stand auf und ging langsam zum Ausgang. „Gute Besserung Will.„ Die Worte kamen in sanftem Tonfall, genau wie der Blick den sie ihm zuwarf. Riker gestand sich ein, dass die Ärztin wohl recht hatte. Er erwiderte ihren Blick. „Danke Doktor.„ antwortete er im gleichen Tonfall.
„Bitte nehmen Sie Platz.„ Picard hatte LaForge, Troi, Worf, Dr. Crusher und Riker in den Besprechungsraum rufen lassen. „Ich habe mit den Kommandeuren der anderen Verbände unsere Taktik besprochen. Kommt es zum Kampf und es gelingt uns durchzubrechen, wird unter Führung der Defiant ein Teil der Verbände im umliegenden Sektor nach möglichen Schiffswerften suchen. Mit der Enterprise an der Spitze werden wir uns dann auf ihren Basisplaneten begeben. Jeder von Ihnen, ausgenommen Captain Riker, ist Leiter eines Außenteams. Je nach Lage werden Sie entsprechend eingesetzt.„ „Und was bedeutet je nach Lage?„ Wollte Riker wissen. „Wir müssen davon ausgehen, dass, wenn es im All zum Kampf kommt, der Empfang auf dem Planeten wohl nicht freundlicher sein wird. Ein Scannen des Planeten mag uns viele Informationen geben, aber die Jem Hadar sind trickreich und die Son’a sind niemals zu unterschätzen. Es muss uns, fast egal wie, gelingen, zur politischen Führung vorzudringen. Das ist das oberste Ziel. Gelingt uns das, sowie das Auffinden und zerstören der Schiffswerften, wäre mindestens der halbe Weg schon geschafft.„ „Vielleicht haben wir noch mehr Glück.„, meldete sich LaForge. „Wir sind nur noch eine Stunde von ihrer Grenze entfernt. Die Sensoren melden noch immer keine sich nähernden Schiffe. Das Ober-kommando hat uns benachrichtigt, dass die letzten Konvois fast am Ziel sind. Keine weiteren Zwischenfälle mehr. Sieht zumindest im Moment nicht schlecht aus.„ „Das hat nichts zu bedeuten.„, widersprach Worf. „Die Son’a sind Feiglinge ohne Ehre, sie verstecken sich nur hinter den Überresten des Dominion. Und über die Jem Hadar braucht man nicht reden. Sie kennen keine Skrupel. Sie kriegen ihre Droge und tun alles. Oh, doch Commander, sie können sicher sein, sie erwarten uns.„ „Wie steht es um die Schutzschilde? Funktionieren Datas Verbesserungen?„ „Sogar sehr gut Captain.„, antwortete LaForge. „Wir haben mit Datas Spezifikationen den Wirkungsgrad um satte zwanzig Prozent steigern können. Wir haben das Äußerste herausgeholt. Das Schiff ist einsatzbereit.„ „Sehr gut. Nummer eins, lassen Sie die Kampfstationen besetzen. Alle Stationen melden ihre Einsatzbereitschaft. Ab sofort gelber Alarm.„ „Aye, Sir.„ Geordie und die Anderen erhoben sich und verließen den Raum. Picard blieb auf seinem Platz sitzen. „Geordie!?„ rief er seinen ersten Offizier zurück, als dieser als Letzter gerade den Raum verlassen wollte. „Ja Captain?„ „Was ist mit Data? Klappt die Zusammen-arbeit?„ LaForge stieß einen Seufzer aus. „Ja. Was die Arbeit mit ihm betrifft, klappt alles großartig. Ich wüsste nur gerne mehr über dieses Experiment. Ich weiß einfach nicht, was ich davon halten soll. Irgendwie bin ich der Sache gegenüber misstrauisch eingestellt.„ „Geordie, ich mache mir auch Gedanken um Data. Wir alle kennen ihn seit Jahren, sind seine Freunde. Und deswegen habe ich beschlossen, dass wenn wir hier heil herauskommen, auf dem Rückweg dem Daystrom Institut einen Besuch abstatten werden. Nur dort können unsere Fragen beantwortet werden.„ „Auf diese Antworten bin ich wirklich neugierig, Captain.„ „Ich ebenso, Geordie.„ Die beiden Männer verließen den Raum und begaben sich auf die Brücke.
* * *
„Captain, soeben passieren wir die Grenze zum Son’a Sektor.„, meldete LaForge dem nachdenklich wirkenden Picard. „Und wo bleibt das Empfangskommitee?„, fragte er kopfschüttelnd. „Müssen wohl erst noch ein paar Unterkünfte mehr herrichten, weil sie nicht mit soviel liebem Besuch gerechnet haben.„ Gab Daniels zur Antwort. Alle sahen ihn an, bis auf Picard, der, den Blick auf den Hauptschirm gerichtet, antwortete: „Schön wärs.„ Mit der Enterprise an der Spitze jagte die Flotte mit höchster Impulskraft durch den Sektor. Die Zeit verstrich, die Anspannung auf der Brücke wurde immer spürbarer. Um sich von der aufkommenden inneren Unruhe abzulenken, erhob sich Picard von seinem Platz und schickte sich an jeder Station auf der Brücke einen kurzen Besuch abzustatten, nur um dort festzustellen, dass alles seinen gewohnten Lauf nahm. „Captain, der Planet kommt in Sichtweite.„, meldete Worf, welchem Picard das Steuerpult übergeben hatte. „Auf den Schirm!„, befahl der Captain und begab sich wieder auf seinen Platz. Er wandte sich an Deanna, die wie früher links von ihm saß. „Registrieren Sie irgendwelche Empfindungen Commander?„ Troi blickte auf den Hauptschirm, auf dem das Ziel der Flotte, die Son´a Heimatwelt sichtbar wurde. Sie sah auf den Planeten, konzentrierte sich und verzog plötzlich das Gesicht. „Was ist?„, fragte der Captain besorgt. Troi sah den Captain an; sie atmete heftiger. „Captain, die Gefühle, die ich verspüre. Es sind Schmerzen, unglaubliche Qualen, Verzweiflung.„ Picard sah sie irritiert an „Und diese Empfindungen kommen vom Planeten?„ Troi bejahte es mit einem Kopfnicken. „Captain, die Sensoren registrieren Schiffe, die vom Planeten kommend in unsere Richtung fliegen...es sind Jem Hadar Sir.„ Meldete Daniels. „Wie viele Schiffe Lieutenant?„ „Einhundertsiebenundachzig.„ „Das wird die Vorhut sein.„, meinte Worf. „Enterprise an alle Schiffe, Alarmstufe rot. Picard an Defiant.„ „Hier Colonel Kira, sprechen Sie, Captain!„ „Colonel, Sie gehen mit Ihrem Geschwader nach vorne. Versuchen Sie eine Passage freizumachen, damit wir zum Planeten durchkommen.„ „Verstanden Enterprise.„ Aus der Flotte lösten sich mit der Defiant an der Spitze zweiunddreißig Schiffe gleichen Typs und jagten dem herannahenden Gegner entgegen. „Schilde hoch, Waffen in Bereitschaft.„, rief Kira. Sie starrte auf den Hauptschirm, wartete, dass der Gegner das Gefecht eröffnete. „Ich hatte eigentlich geglaubt, diesen Anblick nie wieder sehen zu müssen.„, flüsterte sie. Und wie als Beweis des absoluten Gegenteils, begannen die Jem Hadar die Schiffe der Defiant Klasse mit einem gewaltigen Regen aus Phasersalven einzudecken. „Schilde bei achtzig Prozent. Die modifizierten Schilde halten, Colonel. Aber lange können wir uns hier nicht aufhalten.„ Bekam Kira von ihrem Steuermann zu hören. „Kira an Enterprise. Captain Picard es wird Zeit für Sie.„ Die Schiffe der Defiant Klasse erwiderten das Feuer. Mit ihrem hohen Tempo und den Torpedosalven verhinderten sie, dass der Gegner mit Kamikazeattacken ihnen schaden konnte, zum anderen gelang es tatsächlich die Reihen der Jem Hadar etwas zu lichten. Unter Führung der Enterprise stieß die Flotte in eine kleine Lücke der Jem Hadar vor. Diese ließen von den Defiant Schiffen ab und konzentrierten ihren Angriff voll und ganz auf die Flotte. Die Enterprise wurde durch die ersten Treffer durchgeschüttelt. „Wahnsinn, diese Waffen.„, entfuhr es LaForge. Picard umfasste die Lehnen seines Sitzes etwas fester. „Picard an die Flotte, Feuer frei.„ Die Schiffe der Flotte gingen etwas auseinander, die hinteren Reihen kamen nach vorne und eröffneten ebenfalls das Feuer. Einige Jem Hadar Schiffe begannen nun auch ihre gefürchteten Kamikazeattacken. Die Schiffe der Defiant Klasse versuchten alles um sie auszumachen. Es gelang nicht ganz. Ein Schiff der Excelsior-Klasse wurde ein Opfer. Ein Jem Hadar Jäger raste von unterhalb in die Untertassensektion des Schiffes. Das gegnerische Schiff explodierte, danach das Föderationsschiff. „Blick nach achtern.„ Befahl Picard auf der Enterprise. Alle auf der Brücke sahen, wie die Flotte sich verzweifelt der Angriffe des Gegners erwehrte. Die Situation spitzte sich zu. Waren zahlenmäßige Überlegenheit und der Überraschungseffekt eben noch auftrumpfende Mittel für die Föderationsflotte, wurde es zunehmend schwieriger. Mit Schrecken registrierte man auf der Enterprise, wie trotz der modifizierten Schilde, der Gegner mit seinen Waffen zunehmend erfolgreicher wurde. Mehr und mehr lichteten sich auch in der Föderationsflotte die Reihen. Kamikaze- aktionen gab es keine mehr, die Jem Hadar verließen sich auf ihre Waffen. Picard sah zu LaForge hin. „Hoffentlich haben die vielen Pokerrunden etwas gebracht, Nummer eins. Denn jetzt müssen wir ein richtig gutes Ass aus dem Ärmel ziehen.„ Geordie nickte zustimmend. „Jetzt heißt es Daumen drücken. Enterprise an Galaxy Geschwader. Plan Alpha tritt in Aktion.„ In der Flotte befanden sich dreiundzwanzig Schiffe der Galaxy Klasse. Doch keines davon war bis jetzt in den Kampf verwickelt gewesen. Auf LaForges Befehl hin tauchten sie in einiger Entfernung auf und stießen mit voller Impulsgeschwindigkeit in das Gefecht hinein. Die Jem Hadar hatten nun ein weiteres Problem, dass sich schnell vergrößern sollte. Denn sie wurden nur von Untertassensektionen angegriffen. Kaum dass die Jem Hadar sich auf die neu aufgetauchten Gegner einstellen konnten, kamen die Rumpfsektionen aus ganz anderer Richtung heran und begannen sich auf die feindlichen Schiffe zu stürzen. Die Jem Hadar, denen es fast gelungen war, die Föderationsflotte aufzuhalten, wurden durch diesen Angriff überrascht. Gemeinsam mit den Defiant-Class-Schiffen gelang es dem Galaxy-Class-Ge-schwader die Jem Hadar in Schach zu halten. Die Flotte kam wieder besser vorwärts und ging ihrerseits mit gezielten Salven von Quantentorpedos gegen den Gegner vor. Die Jem Hadar-Schiffe wurden immer stärker dezimiert. „Wir schaffen es Colonel.„, rief Bashir Kira zu. Die Bajoranerin verfolgte trotzdem mit sorgenvoller Mine den Kampf auf dem Hauptschirm der Defiant. „Wie viele Schiffe auf beiden Sei, wollte sie vom Steuermann wissen. „Dreiundvierzig Schiffe sind noch auf Seiten des Gegners, alle unter schwerem Beschuß. Verluste auf unserer Seite ... achtunddreißig Schiffe.„ „Achtund-dreißig!„, wiederholte Kira. Sie sah kurz zu Julian hin, der ihren Blick schweigend erwiderte. Sie schaute wieder auf den Schirm, lehnte sich in ihrem Sitz zurück und schaute zu, wie die Jem Hadar immer mehr zurückgedrängt wurden. Die Übermacht der Sternenflotte war nun eindeutig. „Hier spricht Colonel Kira. An das Kampfgeschwader, wir schließen zur Spitze auf.„ Die Schiffe der Defiant-Klasse jagten zwischen den großen Raumschiffen hindurch nach vorne. „Nähern uns der Enterprise. Colonel ... sehen Sie!„, meldete der Steuermann. Kira und ihre Crew sahen wie das Flaggschiff der Sternenflotte von vier Jem Hadar Schiffen unter Beschuß genommen wurde. Kira biss die Zähne zusammen. „Vergesst das mal schön Ihr Mistkerle ... auf Kampfge-schwindigkeit gehen. Photonentorpedos in Bereitschaft.„ Die Defiant jagte auf die gegnerischen Schiffe zu. Ein gegnerisches Schiff wurde von der Enterprise vernichtet. Die Defiant verfolgte zwei Schiffe, die auf das Heck des großen Souvereign-Class-Schiffes feuerten. Nacheinander konnte die Defiant beide Schiffe zerstören. „Wo ist das vierte Schiff?„, rief Kira. Auf dem Schirm war nichts zu sehen. War es auch vernichtet worden? Plötzlich zuckten Energieblitze am Rumpf der Enterprise hoch, das Schiff geriet aus der Flugbahn. „Bei den Propheten, sie greifen von unten an.„ Kira sah entsetzt auf den Monitor. Das Jem Hadar-Schiff stellte sein Feuer ein, erhöhte seine Geschwindigkeit und raste auf die Enterprise zu. Die Defiant ging auf Abfangkurs und ließ ein Trommelfeuer auf das feindliche Schiff niedergehen. Es hatte die Enterprise fast erreicht, als der Beschuß der beiden Föderationschiffe im allerletzten Moment sein Ziel erreichte. Das Jem Hadar Schiff brach auseinander. Erschrocken beobachteten alle auf der Defiant wie ein großes Trümmerteil sich weiter auf die Enterprise zubewegte und aufschlug. Im Licht der Explosion sah man einige Sekunden lang nur die Untertassensektion herausragen. Als die Sicht wieder frei wurde trieb die Enterprise hilflos im All. „Bei allen Propheten.„ Kira war gleichermaßen überrascht wie entsetzt. Überrascht, dass das Flaggschiff der Föderation trotz des starken Einschlags nicht explodiert war. Entsetzt, als sie die aufgerissene Hülle am linken Schiffsrumpf erblickte. „Zustand des Schiffes?„, wollte sie wissen. „Schutzschild zusammengebrochen, Warpantrieb beschä-digt, Lebenserhaltung intakt ...„ „Wir müssen ihnen helfen.„ Wurde der Steuermann in seiner Antwort von Colonel Kira unterbrochen. „Wir werden mit ...„ „Colonel, sehen Sie!„, wurde Kira wiederum von ihrem Steuermann unterbrochen. Sie starrte auf den Schirm. Wie ein Verwundeter, der sich wieder aufrappelt wurde die Enterprise wieder aktiv. Sie drehte sich auf die andere Seite und die Untertassensektion wurde auf die Defiant ausgerichtet, bis beide Schiffe sich ‘Auge in Auge’ gegenüberlagen. An Bord der Defiant brach Jubel aus. Kira schüttelte fassungslos vor Erstaunen den Kopf. „Verrückt, einfach unglaublich.„, seufzte sie erleichtert. „Defiant an Enterprise, Captain Picard, melden Sie sich.„ Kira war froh, als das Gesicht des Captains auf dem Bildschirm erschien. „Wie geht es Ihnen Captain? Brauchen Sie Hilfe?„ „Sehe ich nicht ramponiert genug für Sie aus?„, antwortete Picard mit trotzigem Humor und hielt seine rechte Hand an eine blutende Stelle am Kopf. „Aber im Ernst, wir haben, denke ich, wieder alles unter Kontrolle. Der modifizierte Schild hat uns vor dem Schlimmsten bewahrt. Aber Colonel, wenn Sie nicht gewesen wären, hätte uns auch der Schild nicht mehr retten können. Sie haben uns das Leben gerettet. Danke.„ Ein Signal ertönte beim Steuermann. „Colonel, die Flotte schließt soeben zu uns auf. Die Jem Hadar wurden vernichtet.„ Kira wandte sich an Picard. „Haben Sie gehört Captain?„ „Ja, Colonel. Ich schlage vor, dass wir keine Zeit verlieren. Nehmen Sie Ihr Geschwader, sowie den Verband der Galaxy-Schiffe. Machen Sie sich auf die Suche nach den vermuteten Schiffswerften. Wir begeben uns auf den Planeten.„ „Verstanden, Captain. Viel Glück, Defiant Ende.„ Auf der Brücke der Enterprise verfolgten die Offiziere, wie die beiden Schiffsverbände sich zusammen schlossen und gemeinsam auf Warp gingen. Picard drehte sich vom Schirm weg und sah sich auf der Brücke um. Ein paar Leichtverletzte, keine Toten. Der Captain hoffte, dass die Verluste an Leben sich in Grenzen halten würden. Er sah zu seinem Sicherheitschef hinüber. Lieutenant Daniels schaute auf seine Konsole, wo die Meldungen von allen Decks eingingen. Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis Daniels von seiner Konsole aufsah. „Sir, wir haben Meldungen von allen Decks. Wir haben zweihundert-sechsundfünfzig Verletzte, zweiundvierzig Tote.„ Lähmendes Entsetzen auf der Brücke, alle blickten zum Captain, der mit versteinerter Mine dastand. Schließlich betätigte er seinen Kommunikator. „Picard an Dr. Crusher, Bericht.„ „Wir haben alle Hände voll zu tun. Wir haben bis jetzt fast sechzig Schwerverletzte, ich vermute es werden noch mehr. Wir könnten wirklich Hilfe gebrauchen.„ „Verstanden, Doktor. Ich kontaktiere die Flotte.„ Picard presste die Lippen zusammen. „Ich war dem Colonel gegenüber wohl etwas zu optimistisch.„ Der Turbolift öffnete sich und LaForge betrat die Brücke. Picard ging ihm entgegen. „Wie sieht es aus Geordie?„ „Es hat uns böse erwischt Captain. Ein Wunder, dass wir noch da sind. Unter normalen Umständen würde ich sagen, nichts wie weg hier. Die Hüllenrisse sind enorm, die automatisch aktivierten Notkraftfelder haben noch schlimmeres verhindern können.„ „Was ist mit dem Antrieb?„, wollte der Captain wissen. „Da haben wir Glück. Der Warpantrieb ist zwar ausgefallen, aber Barcley sagte mir zu, ihn in spätestens einer halben Stunde wieder zur Verfügung zu haben. Aber Captain, ich rate in jedem Fall nur noch auf Warp zu gehen, um von hier zu verschwinden. Einen weiteren Kampf können wir uns nicht leisten.„ Picard nickte zustimmen, drehte sich zu seinem Sicherheitschef um. „Mr. Daniels, Nachricht an die Flotte, einige Schiffe sollen in verschiedener Richtung zur grenze zurückfliegen und die Augen offen halten, falls wir Besuch bekommen sollten. An alle anderen Schiffe, wir dringen zum Planeten vor.„ Picard setzte sich auf seine Stuhl. Er sah auf den Schirm, auf den immer größer werdenden Planeten. Er erlebte diesen Moment nicht zum ersten Mal. Krieg, eine Schlacht, Tote, Verwundete. Und keine Zeit sich um alles zu kümmern. Keine Zeit zu trauern, keine Zeit die Verletzten zu trösten und Ihnen Mut zuzusprechen. Es geht weiter. Es muss. Soviel Befriedigung er in seinem Job erfuhr, hier trat die Kehrseite zu Tage. Und er verdammte diese Seite seiner Arbeit. Er hasste es zutiefst. Und fühlte eine gewisse Ohnmacht, weil er es nicht verhindern konnte. Je näher der Planet der Son’a ins Blickfeld rückte, um so unwohler fühlte sich Picard. Waren die Jem Hadar Schiffe schon das Haupthindernis gewesen? Oder würde auf dem Planeten selbst das größte Problem auf Sie warten? „Captain, wir treten in die Umlaufbahn des Planeten ein.„, meldete Worf. Picard erhob sich von seinem Platz. „Nachricht an die Flotte. Wir beziehen hier eine feste Position. Vier Schiffe setzen die Umlaufbahn fort. Mr. Daniels Oberflächenab-tastung!„ Der Sicherheitschef der Enterprise arbeitete an seiner Konsole, wartete auf Daten. „Siebzig Prozent des Planeten sind mit Wasser bedeckt. Zwei große Landmassen. In der südlichen Hemisphäre registrieren die Abtaster künstliche Bauten. Eine nicht sehr große Stadt, das andere scheint ein industrieller Komplex zu sein. Er ist von einem Kraftfeld umgeben. Außerdem wird der ganze Bereich von Einhundertfünfzig Jem Hadar Soldaten bewacht.„ „Was ist mit der Stadt?„ Wollte Picard wissen. „Sir, die Stadt ist ... einen Moment ...„, stockte Daniels plötzlich. „Was ist los Lieutenant?„, erkundigte sich LaForge. Daniels schaute etwas verwundert auf seine Konsole, schien die eingehenden Daten nochmals zu überprüfen. „Sir, die Abtaster zeigen zum Teil enorme Schäden an praktisch allen Gebäuden. Ich registriere jede Menge Tote und Verletzte, sowohl in den Häusern, wie auch auf den Straßen. Alles Son’a, Captain. Und überall patroullierende Jem Hadar. In der Stadt herrscht totale Verwüstung.„ Picard und alle anderen auf der Brücke blickten Daniels verwundert an. „Registrieren Sie militärische Anlagen, Depots oder Raumschiffe, Waffenplattformen?„ Daniels schüttelte den Kopf. „Nein, Captain. Da scheint nichts zu sein ... Sir, ich erhalte Meldungen anderer Schiffe. Auch hier dieselben Ergebnisse.„ Picard sah Troi an. „Das war es also was Sie fühlten.„ Troi nickte. „Die Son’a sind offensichtlich in der Gewalt der Jem Hadar. Nicht andersherum. Dann stecken sie letztendlich doch hinter allem.„ Mutmaßte die Betazoidin. „Irgendetwas stimmt da nicht. Ich dachte immer die Jem Hadar verhalten sich Loyal zu Jenen, die sie mit dem White versorgen.„ Warf Daniels ein. „Nicht unbedingt.„, entgegnete Worf. „Ihre Loyalität galt nur den Gründern, sonst niemandem. Selbst die Vorta, von denen sie das White erhielten, konnten sich nie hundertprozentig Sicher sein. Ich habe es einmal erlebt. Die Gründer waren für sie Götter. Die Son’a haben diesen Status nicht.„ „Was nicht mehr zu leugnen ist.„, fuhr Picard fort. „Die Situation stellt sich anders dar als gedacht. Möglich, dass die Jem Hadar tatsächlich alleine hinter allem stecken. Möglich ist aber auch, dass noch jemand mit im Spiel ist. Wir hatten schon diese Vermutung. Galatin hat uns ebenfalls gewarnt. So wie sich die Situation jetzt darstellt hat sich diese Wahrscheinlichkeit stark erhöht.„ „Eines ist doch klar. Die Jem Hadar sind Soldaten. Sie machen Ihre Arbeit für andere. Sie haben keine eigenen Machtansprüche. Es muss also jemand anderes dahinter stecken.„ Meinte LaForge. „Dann sollten wir hier und jetzt versuchen herauszufinden, wer das ist.„, antwortete der Captain mit Blick auf den Planeten. „Und wie sollen wir vorgehen? Zumindest sieht es so aus, als könnten die Son’a Hilfe gebrauchen. Wir sind den Jem Hadar personell so eindeutig überlegen, wenn die Flotte ein große Zahl an Truppen an die wichtigen Punkte herunterbeamt, müsste es möglich sein, einem weiterne Kampf zu entgehen.„, schlug LaForge vor. Picard sah zu seinem ersten Offizier, überlegte kurz und trat neben das Steuerpult. „Mr. Worf, was tut sich auf dem Planeten? Irgend eine Reaktion auf die Ankunft unserer Flotte?„ „Nein, Captain. Keine Veränderung in der Stadt. Auch keine Reaktion der Wachen bei dem Gebäudekomplex außerhalb der Stadt.„ „Was für eine Anlage ist das überhaupt?„, wollte der Captain wissen. Worf schüttelte den Kopf. „Unsere Scanner dringen nicht durch den Schutzschild durch. Von hier aus finden wir nicht heraus, was im Inneren vor sich geht.„ „Zehn zu eins, dass sie dort das Ketracel White herstellen.„ Meldete sich eine Stimme aus Richtund des Turbolifts. Alle drehten sich um. Picard lächelte „Hundertfünfzig Jem Hadar Wachtposten. Ein Schutzschild der kaum zu durchdringen ist. Ich glaube nicht, dass jemand gegen sie wetten möchte Will ... wie geht es Ihnen, Captain?„ „Nun ich lag in meinem Quartier auf dem Bett, weil mir geraten wurde mir noch etwas Ruhe zu gönnen. Auf einmal gab es einen Riesenschlag gegen das Schiff. Anstatt auf meinem Bett, fand ich mich innerhalb einer Sekunde an der gegenüberliegenden Wand auf dem Boden liegend vor. Nachdem ich mich aufgerappelt hatte und feststellte, dass es mir nicht schlechter ging als vorher, ging ich nach draußen und half den Teams von Dr. Crusher. Da sie nichts gegen meine Hilfe einzuwenden hatte, beschloss ich, nachdem ich mit dem Doktor das Verteilen der Verletzten auf andere Schiffe koordiniert habe, dass ich auch hier auf der Brücke von Nutzen sein könnte. Ich gehe mal davon aus, Captain, dass sie dem Planeten einen Besuch abstatten wollen. Ich stehe zur Verfügung.„ Picard musterte Riker kurz. „Also gut Will. Sie haben Recht, wir werden runtergehen. Aber ich möchte die Sache mit größter Vorsicht angehen. Es ist doch sehr merkwürdig, dass die Jem Hadar im Grunde nur mit einem Mindest-aufwand an Material über die Son’a siegten aber kaum etwas zum Schutz des neu gewonnenen Terrains tun. Nummer Eins, Sie gehen mit Ihrem Trupp außerhalb der Stadt in Stellung. Will, Sie und Deanna werden mit Ihren Leuten in die Stadt hinunter beamen. Aber ich möchte eine Konfrontation mit den Jem Hadar vermeiden. Verteidi-gungsanlagen scheinen auf den ersten Blick nicht vor-handen zu sein. Für mich sieht das alles eine Spur zu einfach aus. Mr. Daniels, befinden sich die Jem Hadar auch in den Gebäuden?„ „Ich registriere in vier Gebäuden Jem Hadar. Die übrigen werden nur von Son’a benutzt, zumindest ist dort sonst niemand.„ Antwortete der Sicherheitschef. Picard wandte sich an Riker. „Will, wir werden Sie direkt in einige der Häuser beamen. Sehen Sie zu, dass Sie mit den Son’a dort sprechen können, versuchen Sie an Informationen zu kommen, bieten Sie unsere Hilfe an.„ Der Captain drehte sich zu LaForge um. „Geordie, Sie gehen als erster nach unten. Finden sie heraus, ob dort unten irgendwelche unliebsamen Überraschungen zu erwarten sind. Anschleißend werden Sie sich mit ihrer Truppe der Anlage nähern. Vielleicht entdecken Sie eine Möglichkeit, was das für ein Schild ist und wie wir ihn ausschalten können.„ „Verstanden Captain.„ LaForge, Riker, Troi Daniels und Worf verließen die Brücke. Picard betätigte seinen Kommunikator. „Picard an Dr. Crusher. Melden Sie sich im Transporterraum zwei. Schließen Sie sich dem Team von Captain Riker an.„ „Ich bin unterwegs.„, hörte er als Antwort. Picard sprach die junge Frau an, die den Platz des Sicherheitschefs eingenommen hatte. „Fähnrich, verbinden Sie mich mit der Flotte, ich will sie über unsere Aktion informieren.„
„Zwischen der Siedlung und der Anlage befindet sich ein ausgetrocknetes Flußbett, ideal zum Absetzen.„ Riker stimmte Deannas Vorschlag zu. „Stimmt. Und zu beiden Seiten befinden sich knapp drei Meter hohe Wälle. Guter Schutz um nicht schon bei der Ankunft entdeckt zu werden. Geordie, beamen Sie zuerst allein hinunter. Checken Sie den Landeplatz. Ist alles in Ordnung folgen wir nach.„ Geordie stieß einen tiefen Seufzer aus. „Na denn... Auf in die Höhle des Löwen.„ LaForge betrat die Transporterplattform. Wenige Sekunden später materiali-sierte er in dem Flussbett auf dem Planeten. Er lag an einem der Wälle, umgeben von dichtem Gestrüpp. Langsam und vorsichtig hob er den Kopf, schaute sich nach allen Seiten um. Nichts und niemand war zu sehen. Er erhob sich und sah über den Wall an dem er war. In einiger Entfernung erblickte er die Anlage, inmitten eines kleinen Wald-gebietes. Seine künstlichen Augen ließen das Waldstück scheinbar näher herankommen. Er untersuchte das ganze Gebiet um den Komplex. Immer wieder um sich schauend stand er auf und lief auf die gegenüberliegende Seite. Dort angekommen begann Geordie wieder den Bereich hinter dem Wall zu untersuchen. Die Siedlung war etwas zu weit entfernt, auch für seine Augen. Er konzentrierte sich auf die Umgebung, schaute sich genau um. Nach einigen Augenblicken betätigte er seinen Kommunikator. „LaForge an Enterprise. Landeplatz und Umgebung sehen sauber aus.„ Er sah zu, wie innerhalb der nächsten Minuten zweihundert bewaffnete Personen nach und nach im Flußbett ankamen. Daniels und Worf kamen auf Geordie zu. „Wie gehen wir vor, Commander?„, wollte der Klingone wissen. LaForge deutete in Richtung Wald. „Es sind keine Jem Hadar im Wald. Ich habe auch auf ihre Tarnung geachtet. Nichts. Bis zur Anlage hin, haben wir anscheinend freie Bahn.„ Worf schüttelte den Kopf. „Das will mir einfach nicht in den Sinn. Die Jem Hadar sind gewöhnlich stärker präsent, wenn es um die Bewachung von etwas geht, dass sie in ihrer Gewalt haben. Wir haben ihre Flotte geschlagen. Unsere Schiffe umkreisen den Planeten. Aber hier tut sich gar nichts. Als hätten sie von allem nichts mitbekommen. So ist das Ganze wie eine Einladung für uns.„ LaForge sah sich wieder um. „Meine Herren, wir können noch lange spekulieren. Ich fürchte es gibt nur einen Weg um herauszufinden, ob die Jem Hadar ein Kaninchen aus dem Hut zaubern können.„ „Ein Kaninchen aus dem Hut zaubern?„, fragte Worf irritiert. „Worf, so lange auf der Erde gelebt und sie kennen diesen Spruch nicht?„ Blickte Geordie den Klingonen mit großen fragenden Augen an. Worfs Mine verfinsterte sich. „NEIN!„, antwortete er grimmig und trottete davon. LaForge und Daniels grinsten sich an. „OK, die Truppen sollen sich formieren Daniels. Wir machen uns auf den Weg zur Anlage. LaForge an Enterprise.„ „Hier Picard, wie sieht es aus Nummer eins?„ „Die Truppen sind vollzählig, Sir. Wir machen uns jetzt auf den Weg. Außer den Wachen an der Anlage und den Jem Hadar in der Siedlung konnte ich nichts weiter ausmachen, Captain.„ „Verstanden, ich gebe Riker Bescheid. Viel Glück, Geordie.„ „Danke, Captain, LaForge Ende.„ Geordie drehte sich um und ging an die Spitze seiner Leute. Die zweihundert Mann starke Truppe hatte sich in drei Gruppen aufgeteilt, jeweils angeführt von Daniels, Worf und LaForge, der den Oberbefehl hatte. Die drei Gruppen hatten fünfzig Meter Abstand voneinander. Auf ein Zeichen von Geordie setzen sich alle in Bewegung und stiegen über den Wall. Dahinter begannen sie, tiefgebückt und meistens auf allen vieren den Weg zur Anlage. Es war ein knapper Kilometer dorthin und sie gingen langsam vorwärts, was Absicht war.
