Kapitel 5

„Guten Morgen Doktor. Sie sind schon auf?„ „Hallo Alissa. Ich habe nicht so gut geschlafen. Nicht mal mein warmer Schlaftrunk hat geholfen. Also dachte ich mir, im Bett liegen und Trübsal blasen bringt nichts. Statt dessen bin ich aufgestanden, hier her gegangen, sitze hier... und blase Trübsal.„ Schwester Ogawa musste lachen, obwohl sie nicht wollte. „Sie setzen sich also hier im Mannschaftsraum hin und blasen Trübsal. Würde ich auch bei dieser Aussicht.„ Beverly war einen Moment verwirrt. „Wovon reden Sie?„ „Den Briar Patch natürlich.„ Sie deutete auf das Aussichtsfenster. „Beim Anblick dieser scheußlichen Suppe kann man ja nur depressiv werden.„ Die Ärztin schaute nach draußen, kurz nur, und sah dann ihre Gesprächspartnerin an. „netter Versuch mich aufzumuntern. Ich glaube fast es wirkt sogar ein wenig. Sie sind ein Fels in der Brandung Alissa. In all den Jahren, die ich Sie kenne, haben wir so viele gefährliche Situationen erlebt. Sie gehörten immer zu denen, die nie die Hoffnung verloren, nie aufgaben und mit Ihrer positiven Einstellung es schafften, andere mitzureißen ohne sich dabei groß in den Vordergrund zu stellen.„ Die so gelobte schüttelte lachend den Kopf. „Noch so ein paar nette Sätze und ich hebe ab. Aber ganz ehrlich ich hatte auch viele Ängste durchzustehen, aber ich habe einfach versucht anderen ein bisschen Mut zu machen und wenn es Ihnen hilft, dann hilft es ja auch mir selbst. So versuche ich einen kleinen, positiven Beitrag zu leisten und ich denke gerade in unserem Beruf, ich als Schwester in der medizinischen Abteilung kann versuchen, etwas positives zu bewirken bei der Arbeit mit Patienten.„ „Und das tun Sie wirklich gut Alissa. Glauben Sie mir.„ Fügte Beverly hinzu. „Danke. Dr. Crusher...ich würde Sie gerne etwas fragen, ich hoffe es ist nicht zu persönlich. Seit wir von den Überfällen auf die Konvois erfahren haben und den Verlust der Hood natürlich ist an Bord die Stimmung natürlich alles andere als gut. Ich mag mich ja irren, aber ich hatte den Eindruck, dass Sie schon von Beginn unseres Abflugs an... sagen wir mal sehr nachdenklich wirkten. Beschäftigt Sie irgend etwas? Vielleicht möchten Sie darüber reden.„ Beverly schaute Schwester Ogawa überrascht an. Sie arbeiteten seit vielen Jahren zusammen, man verstand sich gut man sprach über vieles miteinander, auch privates, aber jetzt hatte die Ärztin das Gefühl, dass Alissa mit ihrer Frage wie ein Bohrer tief in ihre alles andere als gute Gemütsverfassung vorgedrungen war. Es war eine sehr persönliche, intime Angelegenheit für Beverly Crusher. Sollte sie einer Schwester ihres Mitarbeiterstabes von ihren Gefühlen erzählen? Sie schaute Alissa an und war sich irgend wie sicher, sich ihr anvertrauen zu können. „Ich werde dem Captain vorschlagen, Sie zum Councellor zu machen. Alissa, ich...ich mache mir Gedanken über mein Leben, meine Zukunft. Sehen Sie, ich bin jetzt eine ganze Weile als Ärztin in der Sternenflotte, knapp vierzehn Jahre in dieser Crew, unterwegs im All. Den Job als Ärztin verstand ich schon immer als eine Berufung, die Arbeit in der Sternenflotte sah ich als Möglichkeit, Neues und Unbekanntes kennen zu lernen und zu erforschen. In letzter Zeit spüre ich aber auch das Verlangen meinem Leben eine etwas andere Richtung zu geben. In all den Jahren ist das hier mein Zuhause gewesen ich habe Freunde, eine mich immer aufs neue herausfordernde Arbeit. Aber mir ist aufgefallen, dass jedes Mal, wenn wir in den letzten Jahren auf der Erde waren es mir schwerer fiel, sie wieder zu verlassen. Ich weiß nicht recht wie ich es sagen soll, ich... ich sehne mich nach der Erde. In meinem Kopf sehe ich Bilder, wie ich morgens aufstehe, frühstücke und dann an die Arbeit gehe. Ich benutze kein Shuttle, beame nicht irgendwohin und laufe nicht die Korridore eines Raumschiffes entlang zu meinem Ziel. Ich sehe mich auf Gehwegen durch Parks und durch die Stadt laufen. Und wenn ich hochschaue, sehe ich einen blauen Himmel, ein paar Wolken und atme diese herrlich frische Luft ein.„ „Soll ich den Captain um eine Kursänderung bitten, Doktor?„ „Alissa!„ Beverlys vorwurfsvoller Blick sah nicht allzu ernst aus, beide Frauen mussten lachen. „Dr. Crusher wenn Sie weiter so schwärmen, pack ich meine sieben Sachen, klaue ein Shuttle und bin schneller auf der Erde als Sie. Im Ernst, haben Sie vor die Sternenflotte zu verlassen?„ Beverly überlegte einen Moment. „Ich denke nicht, dass das die eigentliche Frage ist. Ich frage mich, was in Zukunft aus mir werden soll. Ich bin nicht mehr die allerjüngste. Und mir ist einfach bewusst geworden, dass ich nicht auf ewig durchs Weltall rasen möchte. Es geht mir um mein Privatleben. Ich möchte wieder festen Boden unter meinen Füssen haben. Ein richtiges Heim. Ich möchte meinen Sohn wiedersehen. Und ich... möchte dieses Leben mit jemandem teilen.„ „Und dieser Jemand ist ja nicht irgendwer.„ „Alissa Sie wissen...?„ „Doktor man muss doch fast schon blind sein, wenn man in all den Jahren nicht merkt, dass Sie und Captain Picard viel füreinander empfinden. Ich konnte das sowieso nie verstehen. Bei Will Riker und Deanna Troi konnte doch jeder sehen, dass die beiden zusammen-gehören. Und so viele Jahre machten Sie sich gegenseitig nur eine Freundschaft vor. Bei Ihnen und dem Captain ist es doch nicht anders. Und ich glaube fest daran, dass es irgendwann auch bei Ihnen klappt. Es ist noch nicht zu spät Doktor.„ Die beiden Frauen schauten nach draußen. Die Enterprise glitt aus dem Briar Patch heraus, in einiger Entfernung tauchte das Ziel auf, die Heimatwelt der Ba’ku. Mit zwiespältigem Gefühl betrachtete die Ärztin den näherkommenden Planeten mit seinen Ringen. „Ich hoffe Sie haben Recht Alissa.„

* * *
„Commander LaForge, wir sind in der Umlaufbahn des Planeten.„ „Danke Lieutenant. Brücke an Captain Picard. Haben die Umlaufbahn erreicht. Sie können sich herunter beamen.„ „Verstanden Nummer eins.„ Picard war auf dem Weg zum Transporterraum. Er freute sich auf das Wiedersehen mit den Ba’ku. Seit ihrer ersten Begegnung drei Jahre zuvor hatte er dieses hochentwickelte aber auch sehr einfach lebende Volk in sein Herz geschlossen. Er empfand tiefste Bewunderung und Respekt für diese Leute, die sich von der Technik abgewandt hatten und mit den Möglichkeiten die dieser Planet ihnen bot sich ihr eigenes kleines Paradies geschaffen hatten. Es gab hier keinen Krieg, keine Angst vor dem Anderen, keinen Neid, keine Missgunst. Hier war Frieden, man war füreinander da, half sich gegenseitig und lehrte sich auch gegenseitig sehr viel. Und zum Lernen und Unterrichten hatte dieses 600 Seelen starke Volk sehr viel Zeit. Zu der paradiesischen Schönheit des Planeten gesellte sich noch der Umstand, dass die Ihn umgebenden Ringe die Auswirkung hatten, dass es keine Krankheiten, kein Altern gab und man bis zu einem gewissen Punkt seine Jugend zurückerhielt.
Hier gab es kein Sterben, keinen Tod. Stattdessen, die Möglichkeit des ewigen Lebens. Mit Erstaunen erlebte die Crew der Enterprise damals mit, auf welch hohes Niveau körperlich und geistig, dieses Volk in den Jahrhunderten auf dieser Welt gelangt war. Die Kreativität, der Wille sich weiter zu entwickeln, neues zu lernen und nicht einfach auf einem erreichten Entwicklungsstand stehen zu bleiben und all das nur mit den natürlichen Ressourcen des Planeten hatten Picard begeistert. So war es für ihn auch keine Frage, sich schützend vor die Ba’ku zu stellen, als ihr weiteres Leben auf dieser Welt bedroht wurde. Picard setzte seine Karriere und sein Leben für sie aufs Spiel. Und Gewann. Dafür verlor er sein herz an eine Frau. Anij hatte ihm das Leben ihres Volkes nahegebracht, ihm gezeigt, mit welch schöpferischer Kraft ihr Volk den Zustand der Unsterblichkeit ausnutzte. Sie verliebten sich ineinander. Als man den Planeten verließ, hatte Picard Anij zugesagt bald wieder zu kommen. Nach dem Ende des Krieges gegen das Dominion hatte Picard tatsächlich Urlaub genommen und ihn mit Anij zusammen auf ihrer Welt verbracht. Als sie sich wieder voneinander verabschiedeten, hatte der Captain die Befürchtung für lange Zeit nicht wiederkommen zu können was sich auch bestätigte. In manchen Augenblicken hatte sich Jean Luc Picard gefragt ob es diese Frau wäre mit der er immer zusammenleben möchte. Doch die Sternenflotte hielt ihn auf Trab, es gab einfach zu viel Arbeit und Picard verlor die Beziehung zu Anij immer mehr aus den Augen. Trotz dieser Liebe, die er für Anij empfand war er sich in den letzten zwei Jahren mehr und mehr klar geworden, dass er für Sie seine Arbeit nicht aufgeben würde. Und irgendwie passte es für ihn ins Bild, dass es „berufliche Gründe„ waren, die ihn nach längerer Zeit wieder zu den Ba’ku führten. So groß die Vorfreude auf das Wiedersehen war, hatte er doch auch das Gefühl, dass einer gemeinsamen Zukunft mit Anij zu viele Hindernisse im Weg standen. Mit diesen Gedanken betrat Picard den Transporterraum, nickte dem Fähnrich der am Pult stand zu und wollte gerade die Transporterplattform betreten als er bemerkte, dass bereits jemand dort stand. „Doktor, was machen sie denn hier?„ fragte der Captain sichtlich erstaunt. „Ich würde Sie gerne begleiten, wenn sie nichts dagegen haben.„ „Hm.„ war alles, was sie als Antwort erhielt. Es war nicht auszumachen, ob ihre Anwesenheit ihn störte oder nicht, zu freuen schien er sich nicht unbedingt. Und Beverly musste sich eingestehen, selber keine klare Antwort darauf zu haben, was sie hier tat. Wollte sie nur dabei sein, sehen wie Picard und Anij sich verhalten würden wenn sie sich begegnen? Würde es für den Captain ein informatives Treffen werden, oder würde er auch versuchen, die Beziehung zu Anij fortzusetzen. Beverly biss sich leicht auf die Unterlippe, schüttelte leicht den Kopf. Mein Gott, bin ich denn so eifersüchtig? Dachte sie und kam endgültig zur Erkenntnis, dass sie sich wohl nicht allzu glücklich verhielt. Picard trat neben sie auf die Plattform.
„Energie!„ Auf diesen Befehl hin aktivierte der junge Fähnrich den Transporter. Vor den Augen der beiden verschwand der Transporterraum und wurde wenige Sekunden später durch den Anblick einer herrlich schönen Naturlandschaft ersetzt. In einiger Entfernung war das Dorf der Ba’ku zu sehen. „Warum denn so weit Außerhalb?„ fragte die Ärztin. „Wir haben zwar nicht allzu lange Zeit um hier zu bleiben aber um sich ein paar Minuten in dieser schönen Gegend die Beine zu vertreten, soviel darf es sein.„ Sprachs und machte sich ohne weitere Umschweife auf den knapp zehnminütigen Fußweg. Beverly trottete hinter ihm her. Von wegen schöne Natur. Der Captain lief nicht gerade langsam. Für Beverlys Geschmack ein etwas zu forsches Tempo, um auf dem Weg zum Dorf noch ein Auge für die Landschaft zu haben. Sie musste unwillkürlich an den Ausritt auf dem Holodeck der Enterprise denken. Schon wieder kein guter Start in den Tag dachte sie. Nach etwa der Hälfte des Weges hielt der Captain plötzlich an. Als Beverly neben ihn trat und fragen wollte was denn sei sah sie sein Lächeln. Sie folgte seinem Blick und sah in knapp hundert Metern Entfernung zwei Personen auf sie zukommen. Es waren Anij und Artim. Sowohl die Ärztin wie auch der Captain schauten den beiden sich nähernden Personen amüsiert zu. Aus dem kleinen zwölfjährigen Jungen war ein Bursche von fünfzehn geworden, der seine Begleiterin um etwas mehr als einen Kopf überragte. Als sie die beiden Sternenflottenoffiziere erreichten, stellte Picard bei der Begrüßung fest, dass auch er zu dem Jungen vor ihm etwas hochschauen musste. Der Captain sah Artim mit gespielt frustriertem Blick an was alle zum Lachen brachte. „Hallo Captain Picard, Doktor Crusher. Und machen Sie sich nicht so viel daraus, diesen Blick habe ich in letzter Zeit von vielen Erwachsenen zu sehen bekommen.„ „Das tröstet mich wirklich sehr Artim. Das hilft mir den kleinen Schock zu verdauen.„ Gab Picard lachend zur Antwort. „Wo haben Sie Data gelassen? Ich hatte gehofft ihn mal wieder zu sehen.„ „Tut mir leid Artim, Data ist nicht mehr auf der Enterprise. Vor eineinhalb Jahren wurde ihm eine Professur angeboten. Kurze Zeit danach erhielt er das Angebot die Arbeit seines Schöpfers an einem Forschungsinstitut fortzusetzen. In seinem Erbauer sah er letztendlich seinen Vater. Es war offensichtlich so reizvoll für ihn, dass er es annahm und sich sofort mit vollem Einsatz in die Arbeit stürzte. Er ist jetzt ein vielbeschäftigter Mann, so sehr, dass nicht einmal mir es gelang ihn für diese Mission an Bord zu holen. Und ich könnte ihn gerade jetzt wirklich gebrauchen.„ „Klingt ja nach einer ernsten Sache Jean Luc.„ Antwortete Anij. „Und ich bin gespannt sie zu hören, nachdem ich von Dir zur Begrüßung umarmt worden bin.„ „Oh, entschuldige bitte.„ Picard schaute sie verlegen an und umarmte sie dann, mit einem Kuss auf die Wange, was Anij erwiderte. Über Picards Schulter hinweg schaute sie lächelnd Artim an, dann die Ärztin. Sie erwiderte Anijs Lächeln doch die Ba’ku Frau merkte, dass etwas nicht stimmte. Es war ein merkwürdig aufgesetzt wirkendes Lächeln welches sie von Beverly sah. Als sich Anij und der Captain voneinander lösten schaute sie noch einmal kurz zur Ärztin, die ihren Blick jetzt etwas abgewendet hielt. Sie wollte die Arztin am liebsten Ansprechen was mit ihr sei. Andererseits hatte Anij schon eine Vermutung und hoffte auf einen ideelleren Zeitpunkt um mit Beverly vielleicht sprechen zu können. „Also Jean Luc. Es scheint ja so, als wenn Du diesmal wieder offiziell hier bist. Dann erzähl mal, was sich dort draußen im Weltall ereignet.„ Wandte sie sich Picard zu. „Nun Du weiß ja vom Krieg gegen das Dominion, der vor zwei Jahren zu Ende ging. Mit den Auswirkungen dieses Krieges haben wir noch heute zu tun. In letzter Zeit haben wir Überlebende in ihre alte Heimat gebracht und wo dies nicht mehr möglich war, ihnen eine neue Heimat gesucht. Gerade jetzt waren fünfzehn Konvois unterwegs. Fünf von Ihnen haben wir komplett verloren. In blitzschnellen Attacken vollkommen zerstört. Drei unserer Ehemaligen Kameraden haben wir verloren, Will Riker, Deanna Troi und Worf.„ „Oh mein Gott, wie entsetzlich. Ich erinnere mich an die drei. Weiß man schon wer es war?„ „Ja, es waren Jem Hadar. Aber ihre Schiffe waren mit Son’a-Technologie ausgestattet.„ „Die Son’a? Aber wie kann das sein? Ich denke, die gehören jetzt zu uns?„ Fragte Artim. „Weißt Du Artim, dass trifft nur auf jene zu, die damals vor drei Jahren bei Euch geblieben sind. Die anderen haben sich kurze Zeit später dem Dominion angeschlossen. Und nach dem Krieg ist es ihnen gelungen die zurückgebliebenen Jem Hadar auf ihre Seite zu ziehen.„ „Hätte die Föderation das nicht verhindern können?„, hakte der Junge nach. „Das habe ich meinen Vorgesetzten auch gefragt. Und zur Antwort erhalten, dass man durchaus die Son’a beobachtet hat aber zu keinem Zeitpunkt Aktivitäten in Beziehung mit den Jem Hadar registriert hat. Mir wurde zugesichert, dass der Föderationsrat schnellstmöglich über die weitere Vorgehensweise entscheiden wird. Wir brauchen aber noch weitere Informationen. Deswegen sind wir hier.„ „Du möchtest mit Galatin sprechen?„ „Ja. Wir vermuten, dass die Jem Hadar im Bereich des Son’a Sektors ihre Schiffswerftene errichtet haben. Seit längerem ist es verboten, die Grenze zu ihrem Gebiet zu überschreiten. Sie unterhalten zu niemandem Kontakt, sodass auch andere Völker uns nicht helfen konnten an Informationen heran zu kommen oder einen Agenten einzuschleusen. Mit ihrer modernen Technologie gelang es ihnen sogar ein getarbtes Klingonenschiff beim passieren ihrer Grenze aufzuspüren. Ich hoffe deswegen sehr, dass Galatin uns helfen kann.„ „Wir werden euch zu ihm führen, seine Hütte ist hier ganz in der Nähe.„ Sagte Anij und führte die kleine Gruppe etwas weiter weg vom Dorf, was Picard neugierig machte. „Er lebt nicht bei Euch im Dorf?„ „Nicht direkt.„ Antwortete Anij. „Er kann bei seiner Familie im Dorf leben wenn er will. Wir vermuten, dass er sich auf diese Weise selbst bestraft. Als er und die anderen Son’a damals zu uns zurückkehrten, gaben wir uns alle Mühe sie wieder in die Gemeinschaft zu integrieren. Wir, ihre Familien, haben ihnen vergeben. Wir zeigten ihnen, dass wir bereit waren, das Geschehene hinter uns zu lassen und einen Neuanfang zu machen. Doch Galatin gelang es offenbar nicht, das was war, abzuschütteln. Er kam wohl nicht damit klar, von uns mit offenen Armen empfangen zu werden. Er, der noch kurze Zeit vorher mitverantwortlich dafür gewesen wäre unseren Lebensraum zu zerstören, unsere besondere Lebensart zu beenden, uns alle von dieser Welt zu entführen, und beinahe sogar unseren Tod in Kauf zu nehmen. Das wir trotz alledem bereit waren, auch Ihn wieder aufzunehmen, belastete ihn wohl sehr. So hat er sich dann eines Tages hier in der Nähe eine kleine Hütte gebaut. Es ist nicht so, dass er sich völlig isoliert. Wir sehen ihn häufig, sprechen mit ihm. Aber wir drängen uns nicht auf, lassen ihm Zeit, mit sich ins Reine zu kommen. Wir haben ihm gesagt, er ist immer willkommen, aber er soll selbst entscheiden, wann er zurück will.„ „Erschrecken Sie nicht zu sehr wenn Sie ihn sehen Captain.„ Dann kam Artim plötzlich dazu. „Wieso, was ist denn mit ihm?„ fragte Picard. Anij wollte antworten, doch der Junge kam ihr zuvor. „Die Son’a haben um lange leben zu können ihrem Körper viel zugemutet. Die Regeneration funktioniert zwar, aber die körperliche Veränderung, die dabei stattfindet lässt sie nicht gerade toll aussehen. Vor allem die Haut macht allen Son’a schwer Probleme. Überall am Körper brechen alte verbrauchte Hautschichten auf, ohne dass darunter sich schon gleich die Neue gebildet hat. Muss ziemlich schmerzen. Aber wir haben prima Medizin und können helfen die Sache durchzustehen.„ Sagte Artim stolz, während Picard das Gesicht verzogen hatte, bei den für seinen Geschmack etwas zu ausführlichen Beschreibungen des Jungen über die Probleme der Son’a. Er wollte sich wieder Anij zuwenden, sah aber, dass sie sich hatte zurückfallen lassen und auf gleicher Höhe mit der Ärztin lief. Picard seufzte innerlich und schenkte dem Jungen wieder seine Beachtung In der Hoffnung, dass dieser auf weitere ausführliche Beschreibungen über eventuelle körperliche Gebrechen oder zumindest gesundheitliche Probleme der Son’a verzichten würde. Anij schaute den beiden amüsiert zu. Artim hatte den Captain erst mal für sich eingenommen. Sie nutzte diesen Augenblick um einer anderen Sache nachzugehen, für die sie eine Erklärung haben wollte. Sie blieb stehen. „Doktor Crusher?„ Beverly hielt an, sah die Ba’ku Frau auf sich zukommen. Sie blickte kurz in Richtung Picard und Artim, die ihren Weg fortsetzten. Sie schaute wieder zu Anij hin. „Ja was ist denn?„ „Das sollte ich wohl Sie fragen Doktor. Wissen Sie, im Laufe eines langen Lebens lernt man in den Gesichtern eines anderen zu lesen, wie es ihm geht, was er fühlt und denkt. Sie sehen einfach sofort, wie dem anderen zumute ist, auch wenn er es verbergen will. Bei Ihnen ist ja noch nicht einmal das der Fall. Sie gehören nicht gerade zu denen, die ihre Gefühle gut verbergen können.„ „Wovon reden Sie?„ fragte die Ärztin nervös. „Das wissen Sie doch Beverly. Es geht um Sie, um mich und um Jean Luc Picard.„ Es erschrak die Ärztin wie direkt Anij zum Thema kam, sie wollte darauf antworten, aber es fiel ihr einfach nichts ein. Anij fuhr fort. „Ich liebe diesen Mann. Das tue ich wirklich. Und ich weiß, er fühlt genauso. Ich würde es mir wünschen, dass er eines Tages nicht nur für einen Besuch hierher kommt, sondern sich dazu entschließt, ganz zu bleiben. Aber dazu wird es nicht kommen. So wie wir selbst, empfindet auch er diesen Ort als das, was dem Paradies am nächsten kommt. Die Verlockung hier zu bleiben, auch durch die Beziehung zu mir, ist zweifellos da. Aber er hat sein Leben nun mal einer Sache verschrieben, die für ihn allergrößte Bedeutung hat. Beverly, Sie selbst wissen am besten, was ihm seine Arbeit bedeutet. Er würde sie nicht aufgeben, auch nicht für das Paradies. Ich glaube er würde selber sagen: >Um das Paradies zu schützen muss ich auf meinem Platz bleiben<. Picard sieht in mir den Reiz, die Möglichkeit, ein anderes Leben zu führen als jenes, das er jetzt hat. Aber letzten Endes wird nur jemand dauerhaft an seiner Seite sein können, der ihn auch in seiner Arbeit unterstützt und auch Verständnis für ihn aufbringt. Dazu bin ich nicht in der Lage, Doktor. Als Sie vor drei Jahren bei uns erschienen, konnte ich schon erkennen, dass speziell sie beide neben ihrer gemeinsamen Arbeit auch gute Freunde sind. Aber Ihre Gefühle für Ihn, die haben Sie heute offenbart. Ihr Gesicht sprach Bände, als er und ich uns begrüßten. Und deswegen suchte ich nach einem passenden Moment um mit Ihnen zu sprechen. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich Ihnen nicht im Weg bin. Sehen Sie in mir bitte keine Kontrahentin, dass bin ich wirklich nicht. Glauben Sie mir.„ „Ich weiß nicht was ich sagen soll. Sie sind eine bemerkenswerte Frau Anij.„ Antwortete Beverly. Bei beiden Frauen löste sich sichtbar die Anspannung. Gemeinsam begaben sie sich wieder auf den Weg in Richtung Hütte.

„Wo sind sie denn abgeblieben.„, fragte der Captain die näherkommenden Frauen. „Wir haben uns nur mal unterhalten.„ Antwortete Anij. Ihr Lächeln bei dieser Antwort nahm Picard als Zeichen, dass er nicht unbedingt nachhaken musste, worum es bei dieser Unterhaltung ging. Die vier hatten ihr Ziel erreicht, doch Artim, der vorausgegangen war, meldete, dass niemand in der Hütte war. „Hier in der Nähe ist ein See, da hält er sich häufig auf.„ Auf Anijs Vermutung hin gingen die vier einen Weg, der über eine kleine Anhöhe führte. Als sie diese überwanden, bot sich allen ein beeindruckendes Bild. Eine Gebirgskette mit einem großen runden See im Vordergrund, um ihn herum grünes Land. „Mein Gott, was für ein traumhaft schöner Ort das hier ist.„, konnte die Ärztin ihre Begeisterung nicht zurückhalten. Am Fuße des Sees erblickte Picard eine Person. Sie saß auf dem Boden, schaute immer wieder auf, um sich dann wieder in die handwerkliche Arbeit zu vertiefen. „Wenn er hier ist sitzt er entweder einfach nur still da, oder er malt.„, erklärte Anij. Picard beobachtete den Mann einen Moment still und ging dann den Hang hinunter. Als er nur noch wenige Meter entfernt war, wurde die ankommende Gruppe von dem Mann registriert. Er stand auf und ging dem Captain entgegen. „Ich grüße Sie, Captain Picard. Willkommen Dr. Crusher. Hallo Anij, hallo Artim. Captain, ich gestehe, ich bin etwas überrascht, dass ihr Aufenthalt hier auch einen Besuch bei mir beinhaltet. Ich freue mich sehr darüber.„ „Wie geht es Ihnen Galatin?„ „Tja, den Umständen entsprechend. Oder besser gesagt, so wie ich aussehe geht es mir auch. Nicht allzu gut. Die regenerative Phase, die bei uns allen nach unserer Rückkehr eingesetzt hat, schlägt zwar an. Aber in dieser Übergangsphase rächt sich eben was wir unseren Körpern abverlangt haben nur um dem natürlichen Tod zu entgehen. Während des ersten Jahres hier gab es genügend Augenblicke, wo ich dachte, ich schaffe es nicht. Mein Körper war eine einzige schmerzende Wunde. Inzwischen geht es einigermaßen. Rückblickend betrachtet, Captain, sehe ich die Qualen und Schmerzen, die ich auch jetzt noch habe, als gerechten Preis für das an, was ich bereit war meinem eigenen Volk, sogar meiner Familie anzutun. Ich vermute mal Anij und Artim haben Ihnen erzählt, warum ich hier lebe und nicht im Dorf. Mein Volk mag mir verziehen haben. Aber ich muss mir erst mal selbst verzeihen können. Hier draußen versuche ich eine neue Perspektive zu gewinnen, das Leben an sich neu zu erfahren. Ich möchte den Son’a, der ich war abstreifen und versuchen wieder ein Ba’ku zu werden. Und das hier...„, er deutete auf den Papierblock und die Malutensilien „...hilft mir dabei.„ Galatin reichte Picard einige seiner Zeichnungen. „Sie haben wirklich Talent.„ Das Lob des Captains war ehrlich gemeint, wie Galatin am Blick Picards feststellte. „Danke Captain. Jetzt erzählen Sie mal, was sich seit Ende des Krieges getan hat. Wie Sie wissen, leben wir hier hinter dem Priar Patch ziemlich abgeschieden.„ „Deswegen bin ich zu Ihnen gekommen. Es sind schlimme Dinge geschehen. Die Jem Hadar sind wieder aufgetaucht, Sie haben in kürzesten Abständen fünf Konvois mit Flüchtlingen vernichtet. Ihre Schiffe waren mit Son’a Technologie ausgerüstet. Um eine Eskalation zu verhindern muss die Föderation schnellstmöglich reagieren. Um aber gezielt vorgehen zu können, benötigen wir Informationen, vor allem über die politsche Führung der Son’a.„ „Wie schrecklich, ich kann es kaum fassen.„, antwortete Galatin geschockt. „Captain, wenn es den Son’a wirklich gelungen ist, die Jem Hadar Truppen für sich arbeiten zu lassen, dann sind auch wir hier in Gefahr. Ich sage Ihnen was ich weiß. Die politische Führung setzt sich ausnahmslos aus Gefolgsleuten Ru’afos zusammen. Sie alle waren an dem Plan beteiligt, die Ba’ku heimlich von hier wegzubringen, Um den „Jungbrunnen„ für sich alleine Nutzen zu können. Nach Ru’afos Tod und dem Scheitern dieses Planes schlossen sie sich wohl dem Dominion an, eine Entscheidung, die schon lange vorher als Alternative vorgesehen war. Um nach Kriegsende die Jem Hadar bei der Stange zu halten dürften unsere hochwertige Technik und natürlich das Ketracel White, welches wir selbst herstellen, ideal gewesen sein um sich die Loyalität der Jem Hadar zu sichern.„ „Wir gehen davon aus, da die Son´a ihre Grenzen für alle dicht gemacht haben, dass die Schiffswerften der Jem Hadar irgendwo auf ihrem Gebiet sind.„, erklärte Picard. Galatin nickte zustimmend. „Es gibt einen ganz guten Platz dafür. Nicht weit von der Son’a Heimatwelt entfernt, gibt es ein Asteroidenfeld. Ich vermute, dass in dessen Nähe die Schiffswerften sein könnten.„ „Es gibt bei all den Fakten nur zwei Dinge, die mich nachdenklich stimmen.„ Sagte Picard. „Zum einen hat unser Geheimdienst die Son’a die ganze Zeit im Blick gehabt, wie mir versichert wurde, und man hat zu keinem Zeitpunkt etwas über eine Zusammenarbeit mit den Jem Hadar erfahren.„ „Entschuldigen Sie, Captain, aber ich fürchte, was die Qualität der Arbeit Ihrer Agenten betrifft bin ich der Letzte der ein Urteil abgibt.„ Picard ging auf die Antwort nicht ein. „Der zweite Punkt ist der, dass die Überfälle auch deswegen so gut funktionierten, weil die Schiffe sich in riesigen Tarnfeldern annäherten. Die Tarnschilde waren zwar nicht so gut, aber die fünf Konvois passierten alle auf ihrem Kurs große Nebelfelder. Und die bildeten als Zusatz ein gutes Versteck bis zum Angriff.„ Jetzt war Galatin überrascht. „Ein Tarnschild? Ich weiß, dass dies einige Male ein Thema war, man sprach darüber, aber mir ist nicht bekannt, dass jemals ein technisches Vorhaben dieser Größenordnung angegangen worden wäre. Davon hätte ich Kenntnis haben müssen.„ „Sie sind jetzt aber auch schon drei Jahre lang fort Galatin.„ Entgegnete der Captain. „Und wenn die Son’a eine solch hochwertige Technologie zur Verfügung haben, dann ist die Entwicklung eines Tarnschirms in diesem Zeitraum absolut vorstellbar.„ „Mag sein Captain, Sie erwähnten aber auch, dass der Tarschild nicht gut entwickelt sei. Ich kann ihnen versichern, dass das, was unsere Ingenieure erschaffen in der Entwicklungsphase immer wieder Versuchen und Test unterzogen wird. Egal, um was es sich letztendlich handelt, ob riesige Raumschiffe oder technische Teile, die sie mit bloßem Auge nicht mal sehen können, es wird hundertprozentig funktionieren. Nachlässigkeiten in dieser Hinsicht gab es bei uns nie. Dieser Tarnschild würde nicht die zusätzliche Hilfe eines verdammten Nebels benötigen, wenn er von uns entwickelt worden wäre.„ Galatins Worte waren klar und eindeutig. Zweifel an ihnen würde er nicht zulassen, das war dem Captain klar. „Also Captain. Sie haben die Täter, die Jem Hadar. Sie haben den Waffenleiferanten, die Son’a. Aber von wem ist der Tarnschild, wer ist der Dritte im Bunde?„ „Ich weiß es nicht.„ Gab Picard offen zu. „Captain Picard, Sie kamen zu mir, weil Sie Informationen wollten. Was ich weiß, habe ich Ihnen gesagt. Nehmen Sie nun auch einen Rat von mir an. Sie sagten, Ihre Föderation will in dieser Sache schnell reagieren damit ein Krieg, wie der gegen das Dominion, von vornherein verhindert wird. Sie sollten lieber aufpassen, dass die Eile sie nicht blind werden lässt. Sie wissen, es gibt hier mit großer Wahrscheinlichkeit noch eine dritte Partei auf des Gegners Seite. Sie haben aber keine Ahnung wer es ist. Und Sie vermuten Schiffswerten der Jem Hadar auf Son’a Gebiet, aber es ist eben nur eine Vermutung. Der mögliche Standort, den ich Ihnen nannte. Nur eine Vermutung. Keine Beweise. Wie wollen Sie in einem solchen Fall schnell reagieren, wenn Ihnen die ganzen Zusammenhänge nicht vollständig bekannt sind?„ „Dem was Sie sagen kann ich nicht widersprechen Galatin. Ich glaube auch nicht, dass die Sternenflotte einfach blindlings nach vorne stoßen wird. Es ist nur so, dass der Krieg gegen das Dominion in den Köpfen der meisten Personen in der Föderation noch längst nicht verarbeitet wurde. Konflikte und auch Kriege hat es in der Geschichte der Sternenflotte schon viele gegeben, aber in keinem sind wir je so extrem aufgerieben worden wie in diesem, noch dazu in solch kurzem Zeitablauf. Es hat gar nicht mal so viel gefehlt, dass unsere Verteidigungsfähigkeit an ihre Grenzen gestoßen wäre. Nie zuvor hatten wir solch unglaublich große Verluste. Wir sind noch heute, zwei Jahre später, voll mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Um so tiefer ist der Schock über diese grausamen Überfälle. Schon wieder Unschuldige, die sterben mussten. Und die Angst dass es so weitergeht, wir können einfach nicht still dasitzen. Dass wir aber auch nicht übereilt vorgehen wollen, zeigt die Tatsache meines Anwesenheit. Was Sie mir gesagt haben, wird sich bestimmt in unserer Vorgehensweise niederschlagen. Wir werden unsere Augen aufhalten und versuchen herauszufinden, wer noch hinter diesen Massakern steckt.„ Picard reichte Galatin die Hand. „Ich wünsche Ihnen jeden denkbaren Erfolg Captain. Denn wenn Sie scheitern, werden Ihre Gegner vielleicht sogar die Oberhand im Alpha Quadranten gewinnen...und auch über diese wunderbare Welt hier.„ Galatin blickte in Richtung See. Picard tat es ebenso und hoffte sehr diesen Anblick nicht zum letzten Mal genießen zu können. Die beiden Männer verabschiedeten sich voneinander. Galatin schaute Picard und seinen Begleitern nach, bis sie hinter der Anhöhe wieder verschwunden waren und er allein war. Er ging zu seinem Platz zurück, nahm den Zeichenstift in die Hand und setzte an, den See zu zeichnen. Er zögerte, ließ den Stift wieder sinken und schaute sich um. „All das wolltest Du vernichten.„ Sprach er langsam in leisen Worten zu sich selbst. Er sah auf seine Bilder. Gemälde, Zeichnungen. Picard hatte wohl recht. Es waren durchaus ansehnliche Werke. Er hatte vielleicht wirklich etwas Talent. Ob sie den Leuten im Dorf gefallen würden? Er verspürte den Wunsch, es herausfinden zu wollen. Doch erst musste dieses eine Bild noch fertig werden. Er hob den Stift wieder an und begann weiter zu zeichnen.
Die Vierergruppe war an Galatins Hütte angekommen. „Ihr müsst wieder zurück, nicht wahr?„ fragte Anij. „Ja, wir haben leider nicht viel Zeit. Bis wir wieder an unserm Treffpunkt sind, hat das Oberkommando vielleicht schon Entscheidungen getroffen.„ Antwortete Picard. „Waren Galatins Auskünfte denn hilfreich?„ „Oh ja. Mir war durchaus klar, dass er aufgrund der Tatsache, dass er nicht mehr aktuell über die Son’a informiert ist mir nicht all zuviel erzählen konnte, aber jedes Detail ist in diesem Fall wertvoll. Der Sektor der Son’a ist nicht sehr groß und diese Schiffswerften zu finden ist besonders wichtig. Ich werde mit unserem Oberkommando noch einmal sprechen und dann sehen wie es weitergeht.„ „Glaubst Du, dass wir auch in Gefahr sind?„ „Nach dem derzeitigen Stand der Dinge scheinen die Son’a hinter allem zu stecken. Galatin kennt die Leute, die jetzt an der Macht sind. Er kann sie einschätzen. Das müssen wir ernst nehmen. Er hat aber auch recht, dass es noch offene Fragen gibt. Wenn es mir möglich ist, werde ich Euch auf dem Laufenden halten.„ Picard streckte ihr die Arme entgegen; sie umarmte ihn. „Viel Glück. Und komm bald wieder.„ Es lag Besorgnis in Ihrer Stimme. Sie schaute in Richtung der Ärztin. Die beiden Frauen nickten einander stumm zu. Picard und Dr. Crusher verabschiedeten sich auch von Artim. „Picard an Enterprise, zwei Personen hochbeamen!„ Vor Anijs und Artims Augen verschwanden die beiden in der nur wenige Sekunden aufflackernden Transporterenergie. „Schade, dass sie nicht länger bleiben konnten.„ Sagte Artim. Anij sah auf den Punkt wo Picard und Beverly eben noch waren. „Es wird schon bald wieder Besuch geben Artim. Ich bete, dass er uns auch dann wieder freundlich gesinnt sein wird.„ Nach einem Moment des Schweigens begaben sie
sich wieder auf den Weg zurück ins Dorf.


Kapitel 6

Die Enterprise ließ die friedliche Welt der Ba’ku zurück und durchquerte den Briar Patch. Als LaForge den Raum seines Captains betrat, stand dieser am Aussichtsfenster und betrachtete die rötlichen Energiemassen, die das Schiff durchquerte. „Wie ein Höllenmeer, nicht wahr Captain?„ Der Captain war sehr nachdenklich. „Einfach nur die Geschwindigkeit halten und wir haben es bald hinter uns. Aber was erwartet uns da draußen?„ Picard drehte sich zu Geordie um, der auf dem Sofa Platz genommen hatte. „Nummer eins, ich frage mich wohin uns der Weg führt. Die unglaubliche Intensität der Auseinandersetzung mit dem Dominion hat eine Wunde geschlagen, die so schnell nicht verheilen kann. Mein Gott, wenn ich daran denke, wie verlustreich damals unser Kampf gegen das eine Borgschiff war. Es dauerte ein Jahr, bis die Flotte wieder vollzählig war. Aber was ist das im Vergleich hierzu. Zwei Jahre nach Ende des Krieges, die Wunden sind noch lange nicht verheilt und schon haben wir wieder gewaltige Schwierigkeiten. Wenn die Situation wieder außer Kontrolle gerät, wie lange können wir diesmal durchhalten? Wie lange kann die Föderation dagegenhalten? Irgendwann sind unsere Möglichkeiten erschöpft, dann geht es einfach nicht mehr... Geordie, ich frage mich, erleben wir hier vielleicht den langsamen Beginn eines Wendepunktes in der Geschichte der Föderation? Wird all das, was in Jahrhunderten so mühselig geschaffen wurde in kurzer Zeit zerstört sein?„ LaForge sah seinen Captain an, selten hatte er ihn so niedergeschlagen erlebt. „Sir, dazu möchte ich Ihnen zwei Dinge sagen. Zum einen, dass vor langer Zeit ein kluger Mann einmal gesagt hat, man solle darauf vertrauen, dass das Universum sich so entwickelt wie es soll und das die Geschichte voll von Wendepunkten ist. Und wenn wir an solch einem Punkt sind, werden wir alles tun, um ihn zu unseren Gunsten zu gestalten.„ „Sie versprühen Optimismus Nummer eins. Hoffentlich stecken Sie mich damit noch an.„, antwortete der Captain mit einem eher müden Lächeln. „Und was ist der zweite Punkt?„ „Der zweite Punkt Captain betrifft einen Mann, der hier auf dem Sofa sitzt und seinem Captain ins Gesicht schaut, der einen müden abgespannten Eindruck macht.„ „Wie bitte?„, fragte Picard überrascht. „Sir, bei allem Respekt, Sie sind fertig. Sie brauchen dringend eine Mütze voll Schlaf. Sie können mir hier gerne zeigen, wie K.O. Sie sind und auch sagen, was für Gedanken Sie beschäftigen. Aber die Crew braucht einen Captain der ausgeruht ist, Zuversicht zeigt und allen hier an Bord Mut macht. Gerade jetzt. Also Captain, gönnen Sie Sich und Ihrem Nervenkostüm etwas Ruhe. Legen Sie sich schlafen!„ „Ja Mutti!„ Picard ließ aus seinem Mund ein etwas übertrieben klingendes Gähnen heraus welches sich abrupt in ein Lachen verwandelte. Geordie schüttelte den Kopf und lachte dann mit. „Gute Nacht Captain.„ „Gute Nacht und danke Nummer eins.„
Als sich Picard sich auf sein Bett legte überkam Ihn die Müdigkeit erst richtig. Geordie hatte wirklich recht gehabt dachte der Captain. Der schnell eintretende Schlaf verhinderte weitere wohlmeinende Gedanken Picards über seinen ersten Offizier.

Ein Lächeln. Also doch. Wenn auch nur ein kleiner Anflug, aber Doktor Crusher hatte gelächelt. Und Schwester Ogawa, die an diesem Morgen Ihre Schicht begonnen hatte war sowieso schon neugierig zu erfahren was der Captain und Dr. Crusher auf dem Planeten der Ba’ku erlebt hatten. Nach dem Gespräch, das beide Frauen miteinander geführt hatten und in dem die Ärztin der Schwester viele private Gedanken anvertraut hatte, war sie nicht überrascht gewesen, dass Beverly Crusher den Captain gerne begleiten wollte, als er zu den Ba’ku zurückkehrte. Jetzt an diesem Morgen saß die Ärztin in ihrem Büro und machte Eingaben in den Computer. Alissa Ogawa betrachtete die Ärztin etwas bei ihrer Arbeit. Ab und zu schaute Beverly vom Computer hoch, sah nachdenklich an die Wand und ... lächelte. Alissa freute sich. Irgend etwas positives hatte sich ereignet. Und es hatte bestimmt mit dem Captain zu tun. Sie wollte am liebsten zu Ihr hingehen und fragen. Doch die Schwester entschied sich dagegen. Sie wollte auch nicht aufdringlich wirken. Vielleicht sollte man der Geschichte jetzt einfach auch ihren Lauf lassen. In Alissas Augen gehörten der Captain und die Ärztin sowieso schon zusammen.

Die Enterprise näherte sich wieder dem Ausgangspunkt der Ereignisse. Für den Captain und seine Brückencrew war der neuerliche Anblick des zerstörten Konvois diesmal nicht im Mittelpunkt, dass Interesse galt dem was man neues entdeckte. „Ich registriere einhundertfünfzig Föderationsschiffe, kaum eine Schiffsklasse, die nicht vertreten ist. Und es nähern sich aus den umliegenden Sektoren weitere Schiffe.„ Meldete Sicherheitschef Daniels. Es war ein gewaltiger Anblick. Und immer mehr Schiffe die eintrafen. Picard atmete tief durch. So imposant der Anblick war, so eindeutig schien der Grund für diese Zusammenkunft zu sein. „Es sieht wohl so aus, dass das Oberkommando schon eine klare Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen hat Nummer eins.„ „Hoffentlich die Richtige.„ Antwortete LaForge und wechselte mit dem Captain besorgte Blicke. „Captain, ein Shuttle nähert sich der Enterprise und bittet um Landeerlaubnis.„ Meldete Daniels. „Wahrscheinlich Einsatzbesprechung Captain.„ Meinte Geordie. „Wenn es einer der Kommandanten ist, warum kommt er dann mit einem Shuttle hier hergeflogen?„ fragte Picard nur um ein Achselzucken seines ersten Offiziers als Antwort zu bekommen. „Na schön Geordie. Nehmen Sie unseren Gast in Empfang. Bringen Sie ihn bitte in den Besprechungsraum, ich werde in Kürze da sein. Mr. Daniels, eine Verbindung zum Oberkommando, Ich möchte mit Admiral Hayes sprechen!„ Picard verließ die Brücke und ging in seinen Arbeitsraum, wo er das Gespräch führen wollte. Einige Sekunden nachdem Picard an seinem Arbeitstisch Platz genommen hatte war die Verbindung hergestellt, das Gesicht des Admirals erschien auf der Computerkonsole. „Schön Sie zu sehen, Jean Luc. Was haben Sie an neuen Informationen bei den Ba’ku erhalten?„ „Admiral, ich habe mit Ru’afos engstem Vertrauten Galatin gesprochen. Er sieht genau wie ich noch einige ungeklärte Fragen. Er hat aber auch mit Nachdruck betont, dass die Son’a wohl nicht die einzigen Drahtzieher hinter dieser Sache sind. Er geht von zumindest einer weiteren Partei aus, die noch ihre Hände mit im Spiel hat. Ich habe ihn nach dem Standort möglicher Schiffswerften gefragt. Er konnte zwar einen Ort nennen, der in Frage käme, aber auch ich frage mich ob wir nicht zu vieles außer Acht lassen. Neben den Jem Hadar und den Son’a leistet hier noch jemand seinen Beitrag und es scheint so, als gelänge es ihm mit Erfolg, unerkannt zu bleiben. Ich mache mir Sorgen, dass wir in unserem jetzigen Zustand, noch immer geschwächt vom letzten Krieg, zu schnell vorgehen und wir in einem Rachefeldzug, ohne Wissen über alle Zusammen-hänge und Details, erneut aufgerieben werden und dann den Weg für jene ebnen, die sich im Hintergrund befinden und in aller Ruhe zuschauen. Es besteht die große Gefahr, Admiral, dass dann geschieht, was dem Dominion fast gelungen wäre. Und dann gnade uns Gott.„ „Jean Luc, wir wissen auf welch dünnem Eis wir wandeln. Aber wenn wir uns darauf konzentrieren herauszufinden, wer neben den Son’a noch die Jem Hadar unterstützt, haben wir sowieso nicht viele Möglichkeiten vorzugehen. Die Son’a sind und bleiben die erste Anlaufstelle. Das Ganze soll auch nicht als Rachefeldzug verstanden werden. Unter Ihrem Kommando Captain, wird die Sternenflotte den Son’a einen „Besuch„ abstatten. Und je nachdem wie man Sie willkommen heißt oder welches „Empfangskommittee„ Sie erwartet, werden Sie entsprechend reagieren.„ „Verstanden Admiral.„ „Captain wir sind angeschlagen, das ist richtig und deshalb hat das Oberkommando beschlossen schnell zu reagieren damit die Jem Hadar kaum Gelegenheit erhalten weiter aufzurüsten. Wir brauchen eben auch sehr viel Glück Jean Luc. Viel Erfolg Captain. Sternenflotte Ende.„ Picard lehnte sich mit einem Seufzer in seinem Stuhl zurück. Er ging im Gedanken noch einmal die Ereignisse durch, die in den letzten Tagen passiert waren. Die Massaker, die Untersuchungen, Ergebnisse und Informationen. Doch anstatt einer Antwort auf die offenen Fragen blieb letztendlich das ungute Gefühl einen Fehler zu begehen. Picard gestand sich ein, dass der Besuch bei Galatin nicht genügend Antworten erbracht hatte. Es gab offensichtlich keine Alternative zur Entscheidung des Oberkommandos, so sehr er auch danach suchte. Picard erhob sich von seinem Platz und starrte auf die Vitrine, in der die Modelle aller Raumschiffe mit dem Namen Enterprise zu sehen waren, vom ersten Schiff bis zum aktuellen. Picard schaute auf die ersten beiden Modelle und dachte an den Mann, der beide Schiffe kommandiert hatte. James T. Kirk, vielleicht der legendärste Captain der Sternenflotte, dabei aber auch durchaus umstritten, was eigensinnige Aktionen wie auch seine Ansichten über die politische Landschaft seiner Zeit betraf, vom Thema häufiger Befehlsverweigerungen gar nicht erst zu reden. In einem Punkt hatte er eine glasklare Vorstellung, was seine Arbeit betraf. Kommandant eines Raumschiffes zu sein, das war, wofür er lebte. Für ihn der Platz, wo er am besten, am wirkungsvollsten in den Ablauf der Geschichte eingreifen konnte. Vor Jahren, als er und Picard sich in einer Dimension, genannt Nexus begegneten hatte Kirk es ihm, Picard, gesagt: So lange er auf seinem Platz wäre, dem Kommandoplatz auf einem Raumschiff, könne er etwas bewirken. Kirk war ein Mann schneller Entschlüsse, der nach vorne preschte, wo andere zögerten. Er verließ sich häufig auf seinen Instinkt. Doch auch er kam an einem Punkt an, wo er sich auf seinen Instinkt nicht verlassen konnte. Picard erinnerte sich an den Beginn des Friedensprozesses mit den Klingonen. Mit all den gemachten Erfahrungen und seinen Gefühlen sträubte sich Kirk gegen diesen beginnenden Frieden. Aber ohne einen Moment zu zögern, trotz aller Zweifel, folgte er dem, was man ihm befahl und stellte dabei fest, dass ihn sein Instinkt im Stich gelassen hatte. Der Feind, den er sah, war keiner, wie er fast zu spät feststellte. Picard fragte sich, ob dieser Fall ähnlich war. Ein Feind, ein Gegner war da. Offensichtlich. Zu offensichtlich? Im Gegensatz zu Kirk war Picard sehr dafür, jedes Detail einer Geschichte zu kennen, bevor Aktionen begannen. Aber hier war es anders. Längst nicht alles in dieser Geschichte lag auf der Hand und doch traf das Oberkommando schon eine Entscheidung. Captain Kirk wäre diese Vorgehensweise nur recht gewesen, aber Jean Luc Picard hatte seine Probleme damit. Immer mehr trafen an diesem Ort ein, in wenigen Stunden würde man zu den Son’a aufbrechen. Picard hoffte zutiefst, dass es kein Fehler war, was hier geschah. Er verließ seinen Arbeitsraum und kehrte auf die Brücke zurück. Etwas verwundert stellte der Captain fest, dass neben LaForge auch Sicherheitschef Daniels die Brücke verlassen hatte. „Wo ist Lt. Daniels, Fähnrich?„ fragte er die junge Trill-Frau am Steuerpult. „Er wurde von Commander LaForge in den Besprechungsraum gerufen Sir.„ „Was macht er denn... ?„, ließ Picard die Frage unvollendet, stieß einen Seufzer aus und verließ die Brücke in Richtung Besprechungsraum. Als der Captain eintrat, wurde seine Verwunderung noch größer. Alle Führungs-offiziere waren anwesend und standen dicht zusammen vor dem großen Tisch. Sie schauten Picard schweigend an und, was in diesen Tagen kaum vorkam, strahlten den Captain mit geradezu fröhlichem Gesichtsausdruck an. „Würde mir bitte mal jemand erklären, was das zu bedeuten hat?„ Als Antwort schauten sich Geordie und Dr. Crusher an, nickten einander kurz zu und gingen dann auseinander gaben den Blick frei auf einen der Stühle am Tisch, wo ein Mann Platz genommen hatte. Der Anblick verfehlte beim Captain nicht im mindesten seine Wirkung. „Ich werde nicht... das gibt’s doch gar nicht...Data.„ Regelrecht fassungslos stürzte der Captain auf den Androiden zu, der sich erhob und seinen ehemaligen Vorgesetzten begrüßte. „Ich kann es gar nicht glauben, dass sie tatsächlich hier sind.„ Fuhr der Captain überschwänglich fort. Auch die anderen Offiziere reagierten begeistert. „Wie geht es Ihnen Data, oder muss ich sie mit „Herr Professor„ anreden?„, wollte ein strahlender Picard wissen. „Nein, Sie müssen mich nicht mit Herr Professor anreden. Im übrigen funktioniere ich gemäß normaler Parameter.„ Gab der Android in trockenem, völlig gefühlslosem Ton zur Antwort. Die Offiziere bogen sich vor Lachen. Der Android schaute nur ein wenig verwirrt aus. Picard legte eine Hand auf seine Schulter. „Nummer eins, geben Sie unserem Gast erst mal ein Quartier. Dann reden wir miteinander Data. Ich hoffe doch, dass Sie hierbleiben können um uns zu helfen?„ „Deswegen bin ich hergekommen Captain.„ „Wir haben Sie sehr vermisst, alter Freund, schön, dass Sie wieder da sind.„ „Danke Captain.„, antwortete Data wieder ohne jegliche Regung in der Stimme. Es fiel Picard zwar auf, aber er freute sich einfach viel zu sehr über die Ankunft des Androiden.
Auf dem ganzen Schiff verbreitete sich die Nachricht von Datas Ankunft in Windeseile. Überall sorgte es für Gesprächsstoff. Auf dem Weg zum Besprechungsraum konnte auch LaForge einen Eindruck davon bekommen. „Sehen Sie es Data?„ Sprach er seinen langjährigen Kameraden darauf an. „Wie alle auf sie reagieren, wenn sie an uns vorbeigehen. Sie sehen alle fast zu fröhlich aus. Wer will es ihnen aber auch verdenken? Die letzten Tage waren nicht gerade toll.„ „Aber was hat das mit mir zu tun, dass jetzt alle freundliche Gesichter machen?„ wollte Data wissen. „Mein Freund, jeder hier an Bord kennt Sie und Ihre Fähigkeiten. Wir brauchen in dieser Geschichte unbedingt noch ein paar Antworten auf einige Fragen, stecken aber bei unseren Untersuchungen fest, kommen nicht weiter. Und Ihre Ankunft hat bei allen die Hoffnung geweckt, dass wir in dieser Sache vorwärts kommen.„ „Dann werde ich im Rahmen meiner Fähigkeiten tun, was möglich ist.„, antwortete der Androide und betrat den Besprechungsraum. LaForge blieb einen Moment stehen und schaute Data nach. „Liebes Schicksal, bleib bitte ab jetzt auf unserer Seite, wir können es brauchen.„ Flüsterte der erste Offizier des Schiffes und trat ebenfalls in den Raum ein. „Nehmen Sie bitte Platz meine Herren.„, wurden beide vom Captain empfangen. „Data, ich nehme an, Sie haben sich inzwischen über die Geschehnisse informiert.„, fuhr Picard fort. „Die Situation stellt sich so dar, dass wir in knapp sechs Stunden mit einer großen Flotte von Schiffen in den Son’a Sektor eindringen werden. So lange haben wir noch Zeit Ermittlungen anzustellen. Ich muss aber zugeben, dass unsere Hoffnungen auf Ihnen ruhen. Wissen Sie schon wie Sie vorgehen wollen?„ „Ja Captain. Es geht bei den offenen Punkten primär um den Tarnschild, dessen Herkunft unbekannt ist. Ich bitte darum, ein Shuttle benutzen zu dürfen, um in dieser Richtung weiter forschen zu können. Der Mutara Nebel enthält noch Energie von dem Schild, die untersucht werden kann.„ „Sie kriegen natürlich ein Shuttle. Nummer eins, Sie begleiten ihn. Data, da wäre noch etwas, ... eines der Schiffe, die vernichtet wurden war die Hood.„ „Ich habe davon erfahren Captain.„ Antwortete Data ziemlich unterkühlt klingend. „Worf war auch an Bord.„ Erklärte LaForge. „Riker, Troi, Worf.„ „Drei gute Freunde. Und ein großer Verlust für die Sternenflotte.„ Die Worte des Androiden klangen so total emotionslos, wie man es sich von einer künstlichen Lebensform nur vorstellen konnte. Picard und LaForge schauten sich verwirrt an. „Wenn ich fragen darf, wieso war Botschafter Worf an Bord?„, zeigte der Androide wenigstens Neugierde. „Die Klingonen unterstützen uns beim Wiederaufbau in erheblichem Maße. Da die Sternenflotte personell noch nicht wieder volle Stärke besitzt, bot Worf seine Dienste an. Und Riker holte Ihn zu sich als zweiten Offizier. Vielleicht wäre er sogar wieder geblieben.„ Picard senkte den Blick. „Ich werde die Vorbereitungen zum Abflug treffen.„ Mit diesen Worten erhob sich Data und verließ den Raum. „Was ist nur mit ihm? Er benimmt sich, als hätte er nie einen Emotionschip besessen. Er hört sich fast an wie damals, als wir mit der Enterprise D zu unserer ersten Mission starteten.„ Stellte Picard verwundert fest. „Ich frage ihn mal.„, erhob sich Geordie und ging.
Das Shuttle verließ die Enterprise und steuerte die Trümmer des Konvois an. „Furchtbar dieser Anblick nicht wahr?„ Der Android antwortete nicht. „Hey Data, ich rede mit Ihnen.„ „Nahbereichsabtastung aktiviert. Ich beginne mit der Untersuchung.„ Data reagierte einfach nicht. „Verdammt noch mal, Data würden Sie mal Ihre eigene Nahbereichsabtastung aktivieren und auf mich reagieren?„ Geordie war wütend, der Android sah ihn ungerührt an. „Ist etwas nicht in Ordnung Geordie?„ „Das können Sie laut sagen, mein Lieber. Seit Sie an Bord sind, versprühen Sie den Charme eines Eisblocks. Man könnte meinen, die letzten fünfzehn Jahre an Erfahrungen und der Umgang mit Ihren Emotionen, seit Sie den Chip haben, wären wie weggewischt. Sie haben soeben erfahren, dass drei langjährige Kameraden, Freunde von Ihnen, ums Leben gekommen sind und Sie tun gerade so, als wenn es Sie nicht berühren würde. Auch ohne den Chip haben Sie auf solche Situationen schon angemessener reagiert. Es ist gerade so, als wüssten Sie von alledem nichts mehr.„, fuhr Geordie ihn an. „Das ist exakt der Zustand in dem ich mich befinde.„, antwortete Data. „Wie bitte?„ Geordie war total perplex. „Ich befinde mich seit zwei Monaten in einer experimentellen Phase. Ich erlerne von Grund auf alles neu. Alles, was es im Bezug auf das Leben im allgemeinen zu erforschen gibt, vom ersten Moment meiner Inbetriebnahme, soll aufgezeichnet werden. Ebenso werden meine Reaktionen auf Situationen des alltäglichen Lebens ausgewertet. Die Leiter dieses Projektes haben keinerlei Vorgaben gemacht, mein positronisches Gehirn erhielt keinerlei Dateien mit Vorinformationen. Beim Start des Experiments wusste ich nicht, wer ich war, was ich bin, konnte nicht sprechen, auch keine Sprache verstehen. Die Tatsache, dass ich mich an Sie erinnere und an die Enterprise, wenn auch nicht an all die Dinge, die in all den Jahren geschehen sind. Dies liegt daran, dass die Projektleiter mir entsprechende Dateien zur Verfügung stellten. Es ist vorgesehen, dass nach Abschluss dieser Mission die Dateien wieder entfernt werden.„ Geordie reagierte fassungslos, entsetzt. „Diese verdammten Mistkerle. Was haben die Ihnen angetan? Data, Ihnen wurde doch Ihre ganze Persönlichkeit geraubt. Alles was Sie je erlebt haben, ist weg. Wie konnten Sie nur das mit sich machen lassen?„ LaForge war völlig geschockt. Ein Signal des Computers unterbrach die beiden. „Der Abtaster hat eine Energiesignatur ausgemacht.„ „Wir sind noch nicht im Nebel, was ist es denn?„, fragte LaForge. „Geordie, diese Signatur ... es handelt sich um Warpantriebsenergie von einem Föderationsschiff.„


Kapitel 7

Dunkelheit ... öffne die Augen ... nichts klar zu erkennen ... starker Druck im Kopf ... kann mich kaum bewegen ... drehe Kopf langsam nach links ... da bewegt sich jemand ... kommt auf mich zu ... „Deanna ... Commander Troi, hören sie mich?„ Die Betazoidin brauchte einen Augenblick. „Was ... was ist los? Worf... sind Sie es?„ „Ja, Commander, Sie waren eine Weile bewusstlos. Ich hoffe, dass es ein gutes Zeichen ist und Sie erwacht sind. Soweit ich es beurteilen kann, haben Sie eine Gehirnerschütterung erlitten.„ „Was ... ist passiert? Wo sind wir? Wo ... ist Will?„ Trois Gesicht verzog sich, ihr wurde schlecht, als sie versuchte sich aufzurichten. „Lassen Sie es langsam angehen, Deanna. Wir sind auf der Brücke der Hood. Captain Riker liegt bewusstlos hinter dem Kommandosessel. Ihn scheint es böse erwischt zu haben, möglicherweise Schädelbruch, ich kann es nicht genau sagen. Was genau geschehen ist, weiß ich nicht. Ich erinnere mich, dass wir praktisch fast totalen Systemausfall hatten, wir konnten uns nicht mehr wehren. Zwei Schiffe der Jem Hadar stürzten auf uns zu, ich ... sah den Tod vor mir. Ich weiß noch, dass es einen Ohrenbetäubenden Knall gab, nur ganz kurz, ich wurde weggeschleudert und verlor das Bewusstsein. Ich kam erst vor einigen Minuten zu mir. Vier Brückenoffiziere sind tot, drei Schwerverletzte neben dem Captain. Kommunikation zu den anderen Decks ist ausgefallen. Im Moment sieht es nicht allzu gut aus.„ Troi richtete sich langsam auf und erschrak, als sie ein quietschendes, kreischendes Geräusch wahrnahm. „Was war das?„ „Das ist das Schiff. Ich vermute, es bricht auseinander. Die verdammten Jem Hadar haben uns wohl eine Galgenfrist gelassen.„ Der Blick des Klingonen wanderte über die Brücke, blieb bei Deanna haften, die sich an ihren Kommandosessel lehnte und den Kopf hielt. „Na großartig. Wenn schon Probleme, dann eine richtige Ladung.„ Meinte sie trotzig. „Worf, bringen Sie mich zu Will, bitte.„ Der Klingone nahm Deanna am Arm und half ihr langsam auf. Sie gingen zum Stuhl des Captains, hinter dem Will Riker lag. Deanna kniete sich vor ihm hin, fühlte seinen Puls. „Er muss dringend medizinisch versorgt werden. Aber durch den Ausfall des Hauptcomputers funktionieren die Türen nicht, die Turbolifte ebenso wenig.„ Erklärte ihr Worf. „Was ist mit den Transportern?„, fragte Deanna „Ohne den Computer kann man keinen Ort zu Ort Transport vornehmen. Und die Verletzten irgendwie durch die Schächte zu befördern, halte ich für aussichtslos, abgesehen davon, dass es in ihrem Zustand wohl keiner überleben würde.„ Deanna hielt Rikers Hand, das Gesicht ihres Mannes wies schlimme Verletzungen auf, viel Zeit würde er nicht haben. Sie schaute sich auf der Brücke um. Zwei junge Crewmitglieder legten die toten Offiziere vor dem Hauptschirm nebeneinander hin. Sicherheitschefin T’Para kümmerte sich um den schwerverletzten Navigator, Deanna sah, dass er bei Bewusstsein war und vor Schmerzen stöhnte. Es war nicht hell genug auf der Brücke, so dass Troi nicht erkennen konnte, was er für eine Verletzung hatte. Sie sah dass zwei Fähnriche sich Teile der Uniform abrissen und diese als provisorische Verbände den beiden anderen Verletzten anlegten. Die beiden Verletzten bewegten sich etwas, waren also auch bei Bewusstsein. Troi umklammerte Rikers Hand mit ihren Händen, legte dann seine wieder auf seinen Oberkörper. Sie stand langsam auf, wandte sich Worf zu. „Wir müssen sie auf die medizinische Station kriegen. Irgendwie muss es gehen.„ Sie griff sich an den Kopf, verzog das Gesicht, doch dann wurde ihr Ausdruck wieder klarer. „Worf, den Befehl für einen Ort zu Ort Transport kann ich nur über den Computer machen.„ „Das ist richtig. Ohne Computer geht es nicht.„ bestätigte es Worf. „Aber den Transport an sich kann ich durchführen, Worf. Die Transporter sind nicht an den Hauptcomputer angeschlossen. Wir müssen nur in einen Transporterraum gelangen, die Koordinaten eingeben und alles manuell durchführen. Dann könnten wir alle auf die Krankenstation beamen.„ „Wenn diese noch existiert.„ Gab Worf zu bedenken. „Wir wissen nicht, wie es auf dem restlichen Schiff aussieht.„ Deanna stieß einen Seufzer aus und dachte einen Moment lang nach. „Also gut Worf. Dann hat jeder von uns eine Kletterpartie vor sich. Sie suchen die Krankenstation auf und schauen, ob sie funktionstüchtig ist und wie es um das Personal steht. Ich versuche einen Transporterraum zu erreichen und warte auf Nachricht von Ihnen.„ Der Klingone wollte protestieren, aber so angeschlagen Troi auch war, so entschlossen wirkte sie in diesem Moment. Auch Worf schaute sich noch einmal auf der Brücke um. Es gab wohl keine Möglichkeit für andere Optionen. Er nickte Troi zu. „Also gut.„ Er winkte einen der Fähnriche zu sich und bedeutete ihm sich um den Captain zu kümmern. Dann standen er und Deanna auf und begaben sich an eine der Ausgangstüren. „Dann also los.„ Auf Trois Ausspruch hin zog der Klingone mit allem Einsatz seiner Kräfte die Turbolifttüren auf. Beide betraten die unbeleuchtete Kabine des Lifts. „So weit, so gut.„, brummte der Klingone. „Der nächste erreichbare Transporterraum ist zwei Decks unter uns. Keine allzugroße Strecke und Sie müssen nicht hochklettern. Die Krankenstation ist zwar vier Sektionen weiter, aber das ist kein Problem.„ Worf musterte Deanna. „Wie geht es Ihnen Commander?„ „Gut genug um mir eine kleine Kletterpartie zu gönnen.„ Bekam er zur Antwort. Worf öffnete eine Luke im Boden. „Lassen Sie sich beim Hinabsteigen Zeit. Wenn Ihnen schlecht wird, hören Sie...„ Doch Troi fiel ihm ins Wort. „Würden Sie endlich mal Platz machen, damit ich runtersteigen kann. Ich habe noch was vor, wenns recht ist.„ Sprachs und war schon durch die Öffnung verschwunden. „Schließen Sie die Luke.„, wies sie Worf an, der Ihr einen Moment nachschaute und dann die Bodenluke zumachte. Deanna war froh, so sah er nicht, wie sie sich zitternd festhielt, weil ihr schwindelig war. Sie schloss ihre Augen und atmete einige Male tief durch. Sie schaute nach unten. Keine große Strecke hatte Worf gesagt. In ihrem Schädel pochte es heftig. Am liebsten wollte Sie die Augen schließen und einschlafen. Statt dessen begann sie zitternd und unsicher die ersten Sprossen auf dem Weg nach unten zu besteigen. Worf hatte auch was von Zeit lassen gesagt. So wie sie sich fühlte, hoffte sie nicht zu langsam zu werden. Sie sah nach oben und hörte wie Worf die Bodenplatte auf der Brücke anhob um über eine der Jeffries Röhren in den anderen Bereich zu gelangen. Er würde die vier Sektionen sicher schneller überwinden als sie die zwei Decks herunterzuklettern in der Lage wäre. Sie schaute auf die Sprossen vor sich. Tränen rollten über ihr Gesicht. >Verdammt wäre ich vernünftig gewesen, hätte ich entschieden, dass jemand der nicht so angeschlagen ist wie ich diese Klettertour macht. Aber nein. Es musste ja sein. Verdammter Dickschädel. Toller erster Offizier. Na denn zusammenreißen und weiter geht’s.< Sie versuchte nicht weiter nachzudenken, biss die Zähne zusammen und begann den Abstieg. Worf schaute kurz nach hinten, als er das zweite Deck auf seiner Strecke erreicht hatte. Er hatte ein ungutes Gefühl, weil er Deanna hatte allein gehen lassen. Aber sie war andererseits nicht mehr der Schiffscounsellor, der beschützt werden musste. Sie war jetzt erster Offizier. Jetzt war sie es, die andere beschützte und für diese Crew setzte sie sich trotz Verletzung voll ein. Sie tat, was getan werden musste. Trotz Sorge um sie, empfand Worf auch große Bewunderung.
Geschafft. Deanna war selbst erstaunt. Sie war wesentlich besser vorangekommen, als sie gedacht hatte. Schwierig-keiten, die Lifttüre zu öffnen gab es keine. Die Tür war zerstört, nur ein kleiner Sprung zur Tür hin musste absolviert werden. „Den Typ kauf ich mir, der die Sprossen so dämlich platziert hat.„ Mit diesem Satz, sowie etwas Wut im Bauch, machte Deanna den zwei Metersprung ohne Probleme. Dafür pochte ihr Kopf nach der Landung wieder um so heftiger. Als Sie sich aufrappelte, bot sich ihr ein Bild totaler Verwüstung. Rauchschwaden durchzogen die Gänge, irgendwo brannte Feuer. Man konnte nicht viel sehen, Deanna ging langsam in Richtung Transporterraum. Die Luft war kaum atembar, die Betazoidin ging an der Wand entlang, immer stärker hustend, bis sie nach fünfzig Metern ihr Ziel erreicht hatte. Mit aller Kraft zog sie die Tür auf und stolperte in den Transporterraum hinein, fiel auf den Boden. „Commander Troi!.„ Chief Hansen kam auf sie zu, half ihr auf die Füße. Sie schaute sich um und war überrascht. Ungefähr 20 Personen mit zum Teil schweren Verletzungen hielten sich hier auf. „Während der Kämpfe hat es hier auf dem Deck ziemlich böse gekracht, Sir.„ Einige haben sich hierher gerettet, obwohl zu dem Zeitpunkt hier auch kein sicherer Platz war. Wir blieben verschont. Als die Kämpfe vorbei waren, haben wir die Verletzten von den Gängen hierher gebracht, da wir keinen Kontakt zur medizinischen Station oder der Brücke be-kamen. Einige Leute müssen dringend ärztlich versorgt werden Commander.„, erstattete der Chief Bericht. „Ich sehe es Chief. Deswegen bin ich hier. Auf der Brücke sieht es sogar noch schlimmer aus. Da ein Großteil der Verletzten kaum bewegt werden kann, wollen wir sie auf die Krankenstation beamen. Ich hoffe sehr, dass die Transporter in Ordnung sind.„ „Sie müssten eigentlich funktionieren.„ Troi und Hansen gingen an die Transporterkonsole. „Verdammt ... die Energie des Trans-porters ist bei Null. Wie ist das nur möglich?„ „Keine Ahnung, Chief. Ich war der Meinung, dass sie funktionieren, weil sie nicht am Hauptcomputer angeschlossen sind.„ Troi schaute sich um, sah zu den Verletzten. „Sind das alle hier auf dem Deck?„ Chief Hansen blickte zu den Leuten die auf dem Boden lagen. „Ja Sir. Ich habe mich mit zwei anderen Offizieren vor wenigen Minuten noch einmal umgesehen. Wegen des Feuers konnten wir nicht überall hin, ansonsten fanden wir nur Tote. Ich fürchte, das hier sind alle, die es geschaft haben.„ „Oh, verdammt.„ entfuhr es Troi. Sie überlegte einen Augenblick, betätigte dann ihren Kommunikator. „Troi an Worf.„ Keine Antwort. „Troi an Worf, melden Sie sich!„ „Entschuldigen Sie Commander.„, unterbrach sie der Chief. „Wir haben schon versucht mit jemandem Kontakt aufzunehmen. Es klappt nicht. Ich glaube, dass die schweren Treffer zu Strahlungslecks geführt haben. Die Strahlung könnte auch das Beamen unmöglich machen. Es wäre nicht möglich, jemanden exakt zu erfassen.„ „Aber sie beeinflusst doch nicht den Kommunikator.„ Antwortete Troi. „Tut mir leid, aber hier endet mein Latein Commander.„ Hob Hansen hilflos die Arme. „Also, keine Kommunikation, kein Beamen auf die Krankenstation. Chief, glauben Sie, die Verwundeten können transportiert werden?„ „Drei von ihnen müssten getragen werden. Die anderen schaffen es wohl mit etwas gegenseitiger Hilfe. Was haben Sie denn vor Sir?„ „Wer sich zutraut klettern zu können soll nach draußen gehen und versuchen den Turboliftschacht hochzusteigen. Wer es nicht bis zur Krankenstation schafft, soll auf der Brücke bleiben und dort ausruhen. Für den Transport der Schwerverletzten brauche ich ein paar starke Hände. Wenn ich mich nicht täusche ist hier draußen gleich rechts der Eingang in eine Jeffries Röhre. Sie müsste genau wie die Verbindungstunnel die nach oben führen breit genug sein um die Schwerverletzten nach oben zu tragen.„ Chief Hansen schaute Troi entgeistert an. „Commander, wissen Sie was Sie da verlangen? Das ist unmöglich zu schaffen. Es sind zwei Decks nach oben und hinter der Brücke noch mal 4 Sektionen durch die Jeffries Röhren. Ausgeschlossen. Das kann nicht ihr Ernst sein.„ „Doch. Wir sind genug Leute, die die Verletzten abwechselnd tragen können. Die Luft wird hier drinnen auch immer schlechter. Wir müssen etwas tun. Wir haben nicht viele Möglichkeiten, und noch weniger Zeit. Also nicht weiter drüber nachdenken, gehen wirs einfach an Chief.„ Troi ging zu einem der am Boden liegenden Schwerverletzten, umfasste mit Ihren Armen die Schultern und hob den Oberkörper vorsichtig an. Sie schaute die anderen Offiziere fast wütend an. „Vielleicht kann mir hier mal jemand helfen? Das wäre überaus freundlich.„ Die Härte in ihrer Stimme schien die anderen erst wachzurütteln. Chief Hansen ging auf Troi zu. „Ist schon in Ordnung, Commander. Wells und ich übernehmen das hier. Wilson, Carter, Mason, Kitama, Sie kümmern sich um die beiden andern. Achtet auf ihre Verletzungen.„ Chief Hansen verteilte die stärksten Offiziere und nahm selbst Trois Platz ein. Die Betazoidin war froh, obwohl es ihr etwas besser ging, hätte sie beim Tragen nicht helfen können. Als die Gruppe den Transporterraum verließ, teilten sie sich auf. Acht Personen gingen in Richtung Turbolift, der Rest mit den Verletzten begann den Weg mit dem Öffnen der nahegelegenen Jeffries Röhre. Erwartungsgemäß gestaltete sich der Einstieg schwierig. Die Verletzungen der drei sorgten dafür, dass sie ihren Trägern kaum oder gar nicht helfen konnten zum anderen sorgte der immer dichter werdende Rauch dafür, dass diese erste schwere Aktion nicht leichter wurde. Schließlich waren alle in der Jeffries Röhre angelangt. Troi schaute sich um. Sowohl die Träger, wie auch die bemitleidenswerten Patienten stöhnten und schwitzten. Chief Hansen schaute Troi keuchend an. „Und das war erst der Anfang. Jetzt geht es noch knapp zwanzig Meter weiter und dann beginnt der Aufstieg. Zwei Decks.„ „Ganz recht Chief. Zwei Decks. Entweder das, oder wir bleiben hier und erticken innerhalb der nächsten Stunde. Gegenüber dem Turbolift haben wir hier beim hochklettern die Zwischendecks, wo wir Pause machen können. Unsere Patienten sind zum Glück nicht übergewichtig. Da alle drei bei Bewusstsein sind, schlage ich vor, dass sie die Kräftigsten Huckepack nehmen und dann geht es weiter. Einverstanden?" „ Alle nickten zustimmend, obwohl ihnen die Skepsis anzusehen war. Drei Offiziere legten sich bäuchlings hin, die Verletzten wurden Ihnen in gleicher Stellung auf den Rücken gelegt. Trois Einschätzung war richtig. Mit Erleichterung sahen alle zu, wie sich die Dreiergruppe in Bewegung setzte. Ihre Passagiere waren Glücklicherweise wirklich nicht allzu schwer, man kam verhältnismäßig gut voran. Als man das erste Ziel, den Aufstiegspunkt erreicht hatte, fingen Wände und Boden an zu erzittern. Metallisches Kreischen war zu hören, ein ohrenbetäubender Lärm. Nach einigen Sekunden hörte es wieder auf. In der Gruppe schauten sich alle zutiefst geschockt an. „Es ist aus. Das Schiff bricht auseinander.„, resignierte einer der Schwerverletzten. Troi sah zu ihm hin. „Schon möglich. Vielleicht sterben wir in wenigen Sekunden, Minuten oder Stunden. Aber noch sind wir da. Und so lange wir noch Leben, bin ich dafür, alles zu tun, um es auch noch lange zu bleiben.„ Einer der Träger begann sich mit seinem Passagier auf dem Rücken aufzurichten und ging an die Leiter. „Na bist Du stark genug dich festzuhalten.?„, fragte der Träger seinen Passagier. „Ich glaube schon.„ Bekam er eine etwas unsichere Antwort. „Einen Moment.„ meldete sich Deanna. Ich habe eine Idee. „Anstatt ihn um die Schulter zu halten, solltest Du etwas tiefer gehen und deine Arme um die Hüften legen. Eine zweite Person klettert dann direkt hinter Euch hoch und nimmt deine Beine auf seine Schulter. Dann müssen die Helfer jeweils nur das halbe Gewicht tragen und wir kommen mit etwas Glück noch besser vorwärts.„ Alle schauten sich gegenseitig an. Chief Hansen dachte Trois Vorschlag noch einmal durch. „Also ich glaube, dass könnte wirklich funktionieren. Versuchen wir es einfach.„ „Schön, dass Sie meinem Vorschlag zustimmen Chief.„ Deanna und der deutsche Ingenieur schauten sich an, nickten einander zu. „Also dann; es geht los.„ Zuerst kletterte einer der Träger mit seinem Patienten die Leiter ein paar Sprossen hoch. Dann kam ein weiterer dazu, schloss auf und nahm die Oberschenkel des Verletzten auf seine Schultern, während dieser seine Arme um die Hüften des Mannes über ihm legte. „Alles klar? Dann auf drei, aber langsam.„, rief der oberste Träger dem Unteren zu. „Eins... zwei... drei.„ Zeitgleich begannen die beiden Männer nach oben zu steigen. Deanna und die anderen schauten dem Klettertrio gebannt nach. „Scheint zu klappen.„ Deanna lächelte, sie kamen gut voran. „OK, dann die Nächsten.„, rief sie den anderen zu. Das Spiel wiederholte sich noch zweimal dann begannen auch alle anderen die Klettertour. Nachdem sie alle vorgelassen hatte, begann auch Troi den Aufstieg. Es ging voran. Langsam aber konstant. Troi überkamen ein paar Zweifel, aber als sie schließlich merkte, dass alle das erste Zwischendeck passierten ohne zu pausieren, schöpfte sie Hoffnung. Als man das Erste der zwei zu bewältigende Decks erreicht hatte, legten alle eine Rast ein. Den kleinen Bereich, der rund um die Leiter Platz bot überließ man den drei Klettertrios. Die anderen blieben auf den Sprossen stehen und ruhten sich etwas aus. Nach einigen Minuten begann der Aufstieg zum nächsten Deck. Diesmal gingen die Einzelkletterer voraus. Als Troi zu den drei Gruppen mit den Schwerverletzten kam, blieb sie bei ihnen. „Wie geht es Ihnen?„ erkundigte sie sich. „Es klappt ganz gut.„, antwortete einer der Träger. „Kräftemäßig schaffen wir es wohl, auch wenn die Bewältigung des nächsten Decks ganz fürchterlich auf die Knochen gehen wird. Ich mache mir aber Sorgen um unsere drei Patienten. Ihre Verletzungen machen ihnen schwer zu schaffen. Die letzten Meter hierher waren schwierig. Offen Gestanden Commander, ich glaube nicht, dass wir auf diesem Weg sehr weit kommen.„ „Ich wünschte mir würde ein besserer Weg einfallen, aber wir...„ Troi brach im Satz ab, als sie plötzlich hörte, wie jemand von oben zu ihnen herunterkam. „Commander Troi, hören Sie mich?„ Es war Worf. „Wir sind hier.„ Deanna war froh, als der Klingone vor Ihnen auftauchte. „Wir können hier jede starke Hand gebrauchen.„ „Ich habe die anderen, die hochgeklettert sind auf die Brücke geschickt. Ich habe leider keine guten Neuigkeiten. Alle Decks und Sektionen in denen die Wissenschaftsbereiche untergebracht waren sind restlos vernichtet. Es gab keine Überlebenden. Die medizinische Station existiert nicht mehr. Es ist nichts mehr da.„ Worfs Worte waren wie ein brutaler Schlag. Alle waren entsetzt, verzweifelt, auch Troi. Ihre Verzweiflung verwandelte sich in Wut, sie begann auf die Wand zu hämmern. „Verdammt, es muss irgend einen Ausweg geben, es muss.„ Worf ging zu ihr und legte seine Hand auf ihre Schulter. „Sie haben getan was sie konnten Commander. Aber wir können jetzt nichts anderes tun als diese Leute auf die Brücke und die umliegenden Quartiere zu verteilen. Wir müssen uns so gut es geht um die Verletzten kümmern und hoffen, dass uns jemand findet.„ „Ja...natürlich.„ Deannas Antwort klang resignierend. Mit einem der Verletzten, den er sich vorsichtig über die Schultern legte, begann Worf nach oben zu klettern. Alle anderen folgten ihm. Als sie schließlich das zweite Deck erreicht hatten, schaute Deanna vom Eingang zur Brücke weg in die Richtung die man auf dem Weg zur medizinischen Station eingeschlagen hätte. „Gab es denn keine Möglichkeit an medizinische Geräte heranzu-kommen, so dass wir zumindest hier den Leuten auf dem Brückendeck helfen können?„, fragte Troi den Klingonen. „Ich nehme Ihnen ungern jede Hoffnung Commander. Ich kam bis zur übernächsten Sektion, dann war Schluss. Ein Großteil der sich anschließenden Bereiche ist zerstört. Wir müssen auf Rettung von außen hoffen.„ Deanna schaute immer noch zu der Jeffriesröhre vor sich. Nachdem man den Aufstieg geschafft hatte wäre dieser Weg zwar der längere aber nicht so kraftraubend gewesen. Sie war sicher, dass es alle geschafft hätten. Es war bitter, nicht weiterä-gehen zu können. Die Betazoidin betrat zusammen mit Worf die Brücke. Sie war überfüllt mit Personen, die auf den Stühlen saßen oder was die Meisten taten sich eine freie Stelle auf dem Boden suchten. „Worf, die Hälfte aller die hier sind muss raus. Wo in den Quartieren noch Platz ist sollen sie untergebracht werden !„ ich kümmere mich darum Commander.„ Während Worf sich an die Arbeit machte ging Deanna zu Will Riker, setzte sich zu ihm auf den Boden. „Wie geht es ihm?„, fragte Sie den Fähnrich, der bei ihm war. „Schwer zu sagen. Ich habe ab und zu den Puls gefühlt, kontrolliert ob sich was verändert. Es scheint sich zumindest nicht verschlechtert zu haben. Ich weiß nur nicht, wie lange es ohne medizinische Versorgung geht.„ „Ich weiß.„, antwortete Deanna mit leisem Tonfall, streichelte sanft mit Ihrer Hand über Rikers Wange, während sie mit der anderen Tränen wegwischte, die über ihr Gesicht liefen. Sie schaute sich um. Die Brücke war nicht mehr so voll. Deanna hörte, wie Worf draußen auf dem Gang die Leute auf die Quartiere verteilte. Sie suchte und überlegte nach Möglichkeiten etwas zu tun, aber es wollte ihr einfach nichts einfallen. Worf kehrte auf die Brücke zurück. „Was ist mit dem Maschinenraum?„ fragte Deanna. Der Klingone schüttelte den Kopf. „Ohne den Zentralcomputer können wir nichts machen. Auch nicht vom Maschinenraum aus. Viele Leitungen sind zerstört. Und der Transporter-Chief hat mir gesagt, dass das Beamen wegen der vermuteten Strahlung nicht funktioniert. Ich glaube die Jem Hadar haben eine Breen Technologie weiterentwickelt, die damals zum Verlust der Defiant führte. Da setzte auch ein Schuss unsere Computer matt wir mussten fliehen, das Schiff wurde zerstört. Ich fürchte, dass wir jetzt auch nicht besser dran sind. Wir müssen runter vom Schiff, unbedingt.„ Deanna dachte nach, biss sich auf die Unterlippe. „Was ist mit den Shuttle Hangars? Kommen wir dahin?„ „Hinkommen vielleicht„ antwortete ein weiblicher Fähnrich. „Aber erst einmal ist es fraglich, ob es alle von uns schaffen würden. Und zweitens ist nicht klar, ob überhaupt noch Shuttles in genügender Zahl verwendbar sind. Die Hangare wurden auch getroffen. Ich konnte gerade noch mit ein paar anderen von dort fliehen, als alles um uns herum explodierte.„ Mit steinerner Mine hörte Troi sich die Worte des Fähnrichs an. Sie sah zu Worf hin. Der Klingone konnte am Gesicht der Betazoidin sehen, wie krampfhaft sie sich bemühte einen Ausweg zu finden. „Dann versuchen wir den etwas einfacheren Weg. Worf, Sie und Lieutenant T’Para sehen zu, dass sie es zu einem der Shuttelhangars hinschaffen. Entweder mit einem noch funktionstüchtigen oder mit einem reparierten, egal wie, Hauptsache sie schaffen es vom Schiff herunter zu kommen und Hilfe zu holen.„ Troi hielt sich den Kopf. Worf beobachtete sie mit Sorge, Sie wirkte ausgelaugt, erschöpft, war mit Ihrer Kraft sichtbar am Ende. Sie saß auf dem Boden, mit dem Rücken an die Computerkonsole des Sicherheitschefs gelehnt. Worf zögerte einen Moment, Deanna setzte ein gequältes Lächeln auf. „Machen Sie’s so!„ befahl sie. Die Worte kamen müde und langsam aus ihr heraus, erreichten aber ihr Ziel. Worf war amüsiert, Captain Picards bekannte Formulierung von ihr zu hören. Er nickte Troi zustimmen zu. Er rief T’Para zu sich, dann verließ er mit der Vulkanierin die Brücke. Deanna sah in Richtung Hauptschirm, dann zu dem vor ihr liegenden Will Riker. Sie sah sich langsam um, beobachtete wie Besatzungsmitglieder sich um die Verletzten kümmerten. Sie bemerkte fast nicht, wie die Müdigkeit sie zu übermannen begann. Ihr Atem wurde ruhiger. Sie senkte etwas den Kopf, bemerkte nicht wie der Fähnrich, der sich um Captain Riker kümmerte, aufstand und in die Mitte der Brücke schaute. Und sie bemerkte fast nicht mehr, dass helle Lichtflackern, welches plötzlich auftrat. Fast. Sie hob den Kopf und schaute zu den Lichtsäulen hin, welche sich gerade auflösten und eine Gruppe uniformierter Personen zurückließ, die sich umsahen und dann verteilten um sich um die Verletzten zu kümmern. Einer der Ankömmlinge kam auf Deanna zu blieb dann bei Riker und begann ihn zu untersuchen. „Schön, dass Sie mal vorbeischauen, Doktor.„ „Aber gerne Commander.„, antwortete Julien Bashir auf die Begrüßung. „Und da sie sich ja nicht melden, dachte ich mir, dass ein Hausbesuch angebracht wäre. Wir sind mit der DEFIANT und der MELBOURNE hier. Wir sind schon seit ein paar Minuten da, mussten aber erst einen Weg finden, wie wir durch die Strahlung ohne Probleme an Bord beamen können.„ „Wie geht es ihm?„,fragte Deanna. „Nicht allzu gut, er muss sofort operiert werden. Ich lasse ihn direkt auf die Melbourne beamen.„ Bashir nahm Kontakt zum Schiff auf, gab die medizinischen Details durch. Einige Sekunden später wurde Will Riker auf das Schiff gebeamt. „Wir wussten schon fast nicht mehr was wir tun sollten Doktor. Das Schiff ist zerstört, nichts funktioniert, ich habe versucht, irgendwie die Verletzten auf die medizinische Station zu bringen, aber es sollte einfach nicht sein. Ich hatte Worf und Lt. T’Para los-geschickt. Sie sollten versuchen mit einem Shuttle Hilfe zu holen, Sie sind gerade eben erst von der Brücke gegangen, da kamen sie hereingeschneit.„ „Und so wie es aussieht, gerade noch zur rechten Zeit. Wie gesagt, wir brauchten einen Moment, bis wir mit den Transportern durch diese verflixte Strahlung dringen konnten. Wir stellten fest, dass sich ein größerer Teil der Crew um die Brücke herum aufhielt. Deshalb entschieden wir uns mit einem Team hierher zu kommen. Leider haben offensichtlich nur wenige von Ihrer Mannschaft überlebt. Nachdem man uns hier abgesetzt hat, haben die Defiant und die Melbourne begonnen, aus dem übrigen Schiff alle herauszubeamen, die man nach und nach entdeckt hat. Ich schätze es werden ungefähr ...„ Doktor Bashir brauchte nicht weiter zu sprechen. Die Betazoidin war eingeschlafen. Julian lächelte, außer der Gehirnerschütterung war sie nicht weiter verletzt. Das Medikament, welches er ihr verabreicht hatte, würde seine Wirkung tun und der Schlaf ebenso. Und diesen hatte sie sich auch redlich verdient. Da hatte Bashir keinen Zweifel.

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