Kapitel 1
>Persönliches Logbuch William T. Riker: Rund zwei Jahre sind seit dem Ende des Krieges mit dem Dominion vergangen. Ich war froh und erleichtert, dass es vorbei war. Als erster Offizier an Bord der Enterprise erlebte ich den Krieg in eher begrenztem Ausmaß mit. Während woanders die Schlacht tobte, hatten wir den Auftrag, neue Verbündete zu suchen, die den Mut hatten, mit uns den Kampf um den Alpha Quadranten gegen das Dominion aufzunehmen. Nun, nach dem Ende der Kämpfe war klar, dass viel Arbeit auf uns warten würde. Durch die zahlreichen Verluste an Leben wie an Material kam es zu Veränderungen. Ich wurde zum Captain befördert. Als Kommandant der U.S.S. Hood erlebe ich nun, was der Krieg zurücklässt. Planeten, die zerstört wurden, Lebensräume, die auf Jahre hinaus oder auch gar nicht mehr von dort beheimateten Rassen genutzt werden können. Neben unserer Aufbauhilfe für viele dieser Welten verrichten wir, wie in diesem Moment, Konvoidienst. Unter der Obhut der Föderation geleiten wir Transportschiffe mit Überlebenden und Flüchtlingen zurück in ihre Heimat. Ich habe mich auf einigen dieser Schiffe umgesehen. Wenn man in die Gesichter dieser Leute schaut, ist es interessant, was man sieht. Das persönliche Schicksal, jedes einzelnen kommt zum Vorschein. Da sind die, welche nur einfach glücklich sind, nach Hause zu kommen. Die anderen, die Mehrheit von Ihnen, zeigen in ihren Gesichtern die durchlittenen Qualen des Krieges. Der Schmerz, der in ihren drangsalierten Körpern steckt. Der Schmerz, die Vernichtung der Heimatwelt erlebt zu haben und dieser Hölle nur knapp entkommen zu sein. Wenn man als Offizier auf einem Raumschiff im Kampf getroffen wird, erlebt, wie Kameraden verletzt oder getötet werden, geht einem das unglaublich nahe. Trotzdem machst du weiter deinen Job. Von den Personen, die an Bord dieser Transportschiffe sind, kenne ich niemanden. Aber ihre Gesichter, ihre Blicke, berühren mich zutiefst. Die ungewisse Zukunft, die Angst, was sie bei Ihrer Rückkehr erwartet, wie ihr Leben weitergehen soll, das alles spiegelt sich hier wider. Unsere Hilfe im materiellen Bereich, unsere Anstrengungen beim Wiederaufbau, all das funktioniert bestens. Aber was ist mit den seelischen Schäden dieser Leute? Ihre Heimatwelten sind Verbündete, Mitglieder der Föderation und doch waren wir nicht da, als sie unsere Hilfe brauchten. Wir schauten zu, als die Invasion begann; wir schauten zu, als eine Welt, ein Planet nach dem anderen Nichtangriffspakte mit dem Gegner schloss; vor allen dingen aber schauten wir zu, als diejenigen, die sich nicht auf diesen Vertrag einließen, mit grausamen Krankheiten, Mord und Vertreibung bestraft wurden. Erst auf Druck von Captain Sisko wurde reagiert. Zu spät. Der Krieg war verheerend. Und nach kurzer Zeit glaubten die meisten nicht mehr an einen Sieg. Eine Reihe von Umständen, vor allem der Wechsel der Romulaner auf unsere Seite wendeten schließlich doch noch das Blatt. Davongekommen. So nenne ich diesen Sieg. Aber hätte es erst überhaupt zu alledem kommen müssen? Hätten wir viel früher reagiert, hätten wir das verdammte Wurmloch versiegelt, es hätte keine Invasion, kein Bündnis mit Cardassia, keinen Krieg gegeben. Es hätte verhindert werden können. Und wenn ich jetzt an Bord dieser Transportschiffe mir die Gesichter von Vätern, Müttern, die Blicke der Kinder ansehe, fühle ich mich irgendwie mitschuldig.<
„Mitschuldig?„ Deanna sah von der Logbucheintragung hoch und schaute Will Riker verblüfft an. „Denkst Du tatsächlich so darüber?„ „Du hast meine Argumente gelesen, Deanna. Ist es so abwegig in deinen Augen, zu welchem Schluss ich komme?„ „Will, normalerweise ist es schon abwegig, dass dein erster Offizier einen von dir verfassten privaten Logbucheintrag zu sehen bekommt.„ „Er ist nicht nur mein erster Offizier„ konterte Will, „Ich bin mit ihm verheiratet. Ich denke, ich kann ihm vertrauen.„ Er lächelte sie süffisant an. Deanna senkte etwas den Kopf und konnte ebenfalls ein Lächeln nicht unterdrücken. Sie sah wieder zu ihm auf. „Also gut. Dann hast du die Wahl, ob du meine Meinung als meine Ehefrau, als dein erster Offizier, oder gar als ehemaliger Schiffscounsellor der Enterprise hören willst. Aber im Ernst, in all den Jahren, die wir uns kennen, habe ich dich in einigen Krisensituationen erlebt, beruflich wie privat. Du hast dich immer bemüht, das eine vom anderen zu trennen. Wenn ich deine Logbucheintragung analysiere, fällt auf, dass du eine persönliche Bilanz ziehst, die aber in eine immer tiefere depressive Stimmung abtaucht, mit dem Mitleid für die Leute auf den Transportschiffen auf der einen, und der unverhohlenen Kritik am Vorgehen der Föderation und der Sternenflotte auf der anderen Seite. Ich glaube, so mancher Admiral würde, gelinde gesagt, Bedenken bekommen, was dich betrifft. Kaum zum Captain befördert, schon reißt er die Klappe auf.„ Sie sah, wie nachdenklich und konzentriert er ihr zuhörte, und sprach in einem etwas sanfteren Tonfall: „Ich finde es wunderbar, wenn Du dich diesen Leuten auf den Transportschiffen persönlich zuwendest, Du ihnen zeigst, dass sie und ihr Schicksal einem Föderationsoffizier nicht gleichgültig sind. Mitgefühl zu zeigen ist auf jeden Fall nicht falsch. Wenn aber im selben Atemzug derartig deutliche Kritik an die Adresse von Föderation und Sternenflotte geht, dann hast du dich von deinen tiefen Emotionen gewaltig nach unten reißen lassen ... oder es steckt noch mehr dahinter. Und da ich zur Hälfte Betazoide bin, weißt Du ja, dass ich fühle wenn mehr dahintersteckt.„ Er wich ihrem Blick etwas aus. „Und es steckt mehr dahinter.„ Sie betonte diese Worte deutlicher. „Was soll ich sagen Imzahdi? Du hast natürlich recht. Ich ...„ Er hielt inne und holte tief Luft, wirkte etwas angespannt. „Da war ein kleines Mädchen, vier oder fünf Jahre alt. Blonder Wuschelkopf, blaue Augen. Ich sah sie auf einem meiner Streifzüge auf den Transportern. Ich schaute sie an, sie schaute mich an, Ich lächelte, sie verzog keine Mine. Sie schaute wieder weg, lehnte sich etwas mehr an den Mann, der wohl ihr Vater war. Ihr linker Ärmel war etwas hochgerutscht und ich sah auf dem Handgelenk die kleine Registriernummer. Ich sah erschrocken ihren Vater an, der mir nur einfach antwortete >Ihr linkes Bein ebenfalls.< beides waren Prothesen. Ich blieb einen Moment bei ihnen und als die Kleine eingeschlafen war erzählte er mir vom Überfall der Jem’Hadar auf ihre Welt. Seine Frau wurde getötet, seine Tochter überlebte die schlimmen Verlet-zungen wie durch ein Wunder. Er durfte sie medizinisch versorgen, aber sie wäre sicher gestorben, wenn nicht nach nur einem halben Tag eine Streitmacht der Klingonen aufgetaucht wäre, die die Überlebenden retten konnte. Kaum war die Befreiungsaktion beendet, kam eine neue Armada der Jem’Hadar und legte den Planeten in Schutt und Asche. Nachdem er mir seine Geschichte erzählt hatte, kehrte ich auf die Hood zurück. Ich kam hierher in meinen Bereitschaftsraum setzte mich hin dachte über den Mann, seine Geschichte und über seine kleine Tochter nach. Und dann musste ich an uns denken. Unsere Hochzeit, unsere Vorstellungen von unserem gemeinsamen Leben und das Gespräch, welches wir vor Kurzem über das mögliche Gründen einer Familie führten.„ „Oh.„ Deanna war im ersten Moment spachlos, suchte nach Worten. Sie stand auf, ging um den Tisch herum und stellte sich neben ihn. „Will. Diese ganze Geschichte, die enormen Veränderungen in unser beider Leben, beruflich wie privat, deine Erlebnisse mit Opfern eines grausamen Krieges und zugleich der Gedanke an eigene Kinder. Das dabei das kleine Mädchen und sein Schicksal dich betroffen gemacht hat, ist nicht verwunderlich. Aber du darfst dich von diesen Gefühlen nicht übermannen lassen. Es gab fast zwanzig Jahre lang in deinem Leben nur die Sternenflotte, kurze Beziehungen und die vielen Freundschaften mit deinen Kameraden inklusive. Aber jetzt hast Du eine Frau und ob Du mit dieser Frau auch Kinder haben wirst solltest Du nicht wegen einer solchen Erfahrung in Frage stellen. Schau dir unsere Erde an, erinnere dich an ihre Geschichte. Es gab immer wieder irgendwelche Krisen, ständig war irgendwo auf dem Planeten Krieg und trotzdem haben die Menschen weitergemacht, sich nicht aufgegeben. Sie legten ihre Hoffnung in die Zukunft.„ Sie nahm seine Hand. „Der Krieg ist vorbei. Wir alle bemühen uns um einen neuen Anfang. Die Uniform die Du trägst steht für eine gute Sache. Sie verkörpert die Hoffnung auf eine gute Zukunft. Eine Zukunft, in der Kinder wie dieses kleine Mädchen wieder lächeln werden.„ Deanna beugte sich ein wenig nach vorn und gab Will einen Kuß, den er nur zögernd annahm. Auch das Lächeln, welches sie ihm schenkte, fand keine Erwiderung. Deanna fühlte deutlich, dass in ihm noch immer Skepsis vorhanden war.
Kapitel 2
„Neiiin!!!„ Der Sand spritzte auf, als Geordie LaForge mit seinem verzweifelten Aufschrei auf dem Boden landete und frustriert zur Kenntnis nehmen musste, dass dieser verflixte Ball wieder zu schnell war. Selbst sein kühner Hechtsprung zur Abwehr des gegnerischen Schmettersclages hatte nur zur Folge, dass er nicht wusste, ob mehr Sand am Trikot oder in seinem Mund war. „14 : 6 Ingenieurscrew!„ Geordie wünschte sich auf einem Holodeck zu sein, wo man so ein Volleyballspiel mit ein paar dezenten Manipulationen in der Programmierung zu seinen eigenen Gunsten gestalten konnte. So wie letztes Jahr. Bei der Abwehr fast jeden Ball erwischt. Das Spiel gewonnen. Wüste Verdächtigungen des Gegners ignoriert. „Ist doch nur ein Spiel.„ Hatte er der gegnerischen Brückencrew geantwortet. An einem Tag wie damals konnte man doch mal verrückte Ideen heimlich in die Tat umsetzen. Er hatte Geburtstag, einen Tag vorher war er zum Commander befördert und als Nachfolger von Riker zum ersten Offizier ernannt worden. Neben den üblichen Partys aus diesen Anlässen war das Spiel auf dem Holodeck zwischen den Ingenieurs- und der Brückencrew seine spezielle Idee gewesen. Und da LaForge dafür gesorgt hatte, dass der Computer mit dem Ende des Matches die komplette Programmierung des Spiels löschte, konnten ihn ausgeführte Nachuntersuchungen nicht überführen. Nun also, ein Jahr später, hatte die Enterprisecrew nach langer Zeit im All endlich einmal einen, wenn auch nur kurzen, Landurlaub antreten können. Captain Picard hatte, nachdem die Crew unverhofft noch ein paar zusätzliche Tage Urlaub bekam die beiden Volleyballteams des Vorjahres zur einer Revanche in Venice Beach aufgefordert und machte bei dieser Gelegenheit Geordie klar, da dieser nun zur Brückenmannschaft gehöre, dass sein Captain hofft, das er seinem neuen Team mit der gleichen sensationellen Leistung wie im Vorjahr zum Sieg verhelfen würde. Denkste!
Die ultimative Katastrophe war eingetreten. Armageddon, Apokalypse, das jüngste Gericht und was es sonst noch an Bezeichnungen für das gab, was ihm hier und jetzt widerfuhr. So schön auf dem Holodeck alles klappte (mit dessen Unterstützung), so sehr war er hier auf der erde im wortwörtlichen Sinne auf den Boden der Realität zurückgeholt worden. Zu allem Überfluss war Geordies Nachfolger als Chefingenieur, Barcley den er für eher unsportlich gehalten hatte, an diesem tag einfach absolut spitze. Und jetzt beim Matchball schlug Barcley selbst auf. LaForge wollte es noch einmal wissen, ging in Position um den Aufschlag anzunehmen. Der Ball kam, Geordie in Stellung, sieht plötzlich links neben sich Sicherheitschef Daniels auftauchen, ebenfalls bereit den Ball anzunehmen. Er sieht zu LaForge hin, beide sehen sich an, jeder in der Erwartung, dass der andere... Der Ball klatschte einen knappen Meter vor den beiden im Sand auf. Während die siegreiche Ingenieurscrew jubelte, die geschlagene Brückencrew vom Feld trottete, saß ein völlig demoralisierter erster Offizier auf dem Hosenboden im Sand. Captain Picard kam auf ihn zu, streckte ihm eine Hand entgegen Geordie ergriff sie und ließ sich hochziehen. Picards tadelnder Blick traf ihn. Doch mit einem Schmunzeln auf den Lippen sagte er: „Ist doch nur ein Spiel.„ Geordie blickte den Captain an und beide lachten. * * *
Tag der Abreise. Beverly Crusher saß an ihrem Computerterminal und vervollständigte die medizinischen Daten der aktuellen Schiffsbesatzung. Insbesondere die der neuen Crewmitglieder. Die medizinische Crew hatte sich nach und nach vollständig bei ihr gemeldet und richtete sich erst noch in ihren Quartieren ein. So saß Beverly in diesen Minuten ganz alleine in der medizinischen Abteilung und hing etwas ihren Gedanken nach. Sie dachte an den vorigen Tag und das Ereignis, welches der Grund für die zusätzlichen Urlaubstage der Enterprisecrew war. Sie und Captain Picard waren Teilnehmer einer Trauerfeier für einen Admiral. Die Zeremonie fand im kleinen Rahmen statt. Verwandte, wenige Freunde, Admiral Hayes, Picard und eben Beverly waren anwesend. Eine bescheidene Feier für einen bescheidenen Mann. Der den Rang als Admiral nur als Möglichkeit benutzte, wann immer er wollte, auf einem Raumschiff durch die unendlichen Weiten des Alls zu reisen und den nächsten Generationen von Raumfahrern bei der Bewältigung von Problemen des 24. Jahrhunderts ab und zu über die Schulter zu schauen. Bei ihrer Grabrede über den Verstorbenen Dr. Leonard McCoy hatte Beverly Crusher weniger seine medizinischen Leistungen erwähnt. Sie sprach mehr von dem Menschen McCoy. Wieviel mehr ihm die Freundschaft zur Brückencrew der legendären Enterprise Besatzung unter Captain Kirk bedeutete, als Orden, Auszeichnungen für seine Leistungen als Mediziner. An seinem einhundertvierzigsten Geburtstag, den er auf der Enterprise D gefeiert hatte, gab es ein langes Gespräch zwischen ihm und Dr. Crusher. Er gab einige Anekdoten zum Besten, vor allen aus der Zeit der berühmten Fünf-Jahres Mission, der ersten Enterprise im 23ten Jahrhundert. Er stellte Ihr gegenüber Mutmaßungen an, was der liebe Gott sich wohl dabei gedacht habe, ihn so lange am Leben zu lassen. Und er sprach über den Preis, den er für seine Entscheidung, Schiffsarzt zu werden, bezahlen musste. Wenn man als Arzt in der Sternenflotte arbeitet, ist man häufig Tage, Wochen, sogar Monate von zuhause fort. Lässt man dabei Frau und Tochter zurück, kann das eine Belastung sein. Kommt es zu einer Versetzung auf ein Raumschiff, Fünfjahresmission inklusive, war das beruflich eine Herausforderung ohne Gleichen. Für die Familie aber war es eine Belastung, eine Zerreißprobe. Sein Versprechen, nach dem Ende der Mission die Sternenflotte zu verlassen und dann nur noch für die Familie da zu sein, schien ein akzeptables Arrangement zu sein. Tatsächlich, nach Abschluss der fünf Jahre auf der Enterprise verließ er die Sternenflotte, kehrte zu seiner Familie zurück. Aber er musste erkennen, dass in diesen Jahren eine Kluft entstanden war, die er nicht mehr überbrücken konnte. Und als Jim Kirk ihn wieder auf die Enterprise zurückholte, fiel entgültig die Entscheidung, wo Leonhard McCoys Platz in Zukunft sein würde. Beverly Crusher erzählte den Trauergästen, wie sehr McCoy es bedauerte, dass er nicht beide Familien halten konnte. Er verlor die auf der Erde und gewann eine neue auf der Enterprise. Was Beverly in ihrer Rede verschwiegen hatte, war, nachdem Admiral McCoy ihr seine Geschichte erzählt hatte, schaute er Beverlys Sohn Wesley an und sagte: „Offenbar ist es gelungen, im 24. Jahrhundert manche Probleme zu lösen.„ Damals hatte Beverly diesem Satz zugestimmt. Moderne Schiffe, moderne Sicherheits-standards, Frieden mit den Klingonen, wenig Ärger mit den Romulanern. Die Familien konnten mit an Bord gehen. Doch das Auftauchen der Borg, der schlimme Krieg mit dem Dominion hatte ein Umdenken bewirkt. Bei den meisten neuen Schiffstypen, die gebaut wurden, waren Familien nicht mehr unbedingt eingeplant, meistens auch nicht mehr vorhanden. So auch auf der Enterprise E. Und mit McCoys Lebensgeschichte als Hintergedanken fragte sich Beverly, wie ihr eigenes Resümee aussehen würde. Witwe, kaum andere Beziehungen, von Wesley auch so gut wie nichts mehr gehört. Und dann gab es noch das offene Kapitel Jean Luc Picard.
Ihr Captain. Ihr Freund. Nur ein Freund?
Jahrelang stellte sich diese Frage nicht. Aber die Hochzeit von Will und Deanna ließ in letzter Zeit diese Frage wieder aufkommen. Von beiden Seiten hatte es mehr als nur berufliche Empfindungen für den anderen gegeben. Sie fragte sich, ob es noch immer so war. Sie ging in ihr Quartier, setzte sich ans Fenster und genoss die Aussicht, als die Enterprise das Raumdock verließ und eine neue Reise ins All ihren Anfang nahm. Für den Arzt dieses Schiffes hielten die Sterne genügend Herausforderungen bereit, dachte sie, hoffentlich war auch etwas gutes für eine Frau namens Beverly dabei.
* * *
„Seit zwei Stunden überfällig?„ wiederholte Captain Riker mit Besorgnis in der Stimme. „So ist es.„ bekam er von Captain Jan Erik Wikland dem Kommandanten der U.S.S. ALEXANDRIA zur Antwort. „Die Regierung von Miaplacedan verständigte uns, weil es ihnen auch nicht gelang, Kontakt mir dem Konvoi aufzunehmen. Auch unsere Versuche waren bislang vergeblich. Der Konvoi hat fünfunddreißig zivile Transportschiffe, von vier Föderationsschiffen eskortiert, ich kann mir nicht vorstellen, dass dort überall die Kommunikationsanlagen ausgefallen sind. Wir haben versucht, einen Föderationsaußenposten, der sich in der Nähe des Konvois befindet, zu erreichen. Ohne Erfolg. Ich habe Alarmstufe Rot gegeben, dem Oberkommando der Sternenflotte die Situation geschildert und gebe nun Warnmeldungen an alle im Einsatz befindlichen Raumschiffe und Stationen durch. Und natürlich an all anderen Konvois.„
„Fliegen Sie zu den vermissten Schiffen Wikland?„ „Ja, wir sind unterwegs zu den letzten bekannten Koordinaten. Ich hoffe wir finden sie. Und was Euch betrifft Will, haltet bitte die Augen auf. So wie wir etwas erfahren, melden wir uns. Wikland Ende.„ Will und Deanna wechselten besorgte Blicke. Der Captain wandte sich seiner Chefin der Sicherheit zu. „Lt. T’ Para, benachrichtigen Sie die anderen Schiffe. Gelber Alarm. Jede noch so unscheinbar Anomalie sollte untersucht werden. „Captain Riker, ich habe hier etwas Merkwürdiges entdeckt.„ Riker und Troi gingen zu dem Mann, der am Steuerpult saß. „Was gibt es denn Mr. Worf.?„ „Sir, ich analysiere schon seit einiger Zeit diese Nebelwand an Steuerbord. Sie gehört zur Mutara Klasse. Ich habe einen Tiefenscan vom Inneren des Nebels vorgenommen und bin dabei auf das hier gestoßen.„ Der zweite Offizier des Schiffes zeigte seinen beiden Vorgesetzten die von ihm aufgezeichneten Daten. Etwas war dort in dem Nebel. „ Taktik auf den Schirm.„ Befahl der Captain. Auf dem großen Hauptschirm wandelte der Computer Worfs Daten in Bilder um. Der Weltraum, mehrere kleine Punkte, die den Konvoi darstellten, der sich in die Länge ziehende Nebel an Steuerbord. Das Bild zeigte nun einen großen, dunklen Bereich innerhalb des Nebels. Er war ungefähr doppelt bis drei mal so groß wie der Konvoi. Und er bewegte sich. Mit zunehmender Unruhe, schauten die Brückenoffiziere zu, wie dieser dunkle Bereich innerhalb des Nebels mit größerer Geschwindigkeit als der Konvoi wanderte. Und in dem Augenblick, als er eine Position, exakt auf gleicher Höhe mit dem Konvoi einnahm, die Geschwindigkeit plötzlich reduzierte und sie genau dem Konvoi anpasste. „Ich gebe meine Rangabzeichen zurück, wenn das ein natürliches Phänomen sein soll. T’ Para, Meldung an alle Schiffe. Alarmstufe rot. Mr. Worf, Taktik aus und Blick auf den Nebel.„ Riker schaute Deanna fragend an, aber Sie antwortete mit einem Kopfschütteln. Sie konnte keinerlei Signale einer intelligenten Lebensform aus dem Nebel wahrnehmen. Lag es an dem Nebel oder an dieser unbekannten Energieform im Inneren? Fragen, auf deren Antwort Riker nicht lange warten musste. „Captain, die Energiemasse im Nebel...... Sie beginnt sich aufzulösen.„ Meldete Worf. „Die Sensoren registrieren Schiffe, die an gleicher Stelle sichtbar werden. Sie kommen aus dem Nebel heraus.„ Plötzlich reagierte auch Deanna. „Sir, ich kann deutliche Emotionen spüren. Es sind....„ Sie brach ab, in ihrem Gesicht zeigte sich blankes Entsetzen. „Oh Gott.„ Brachte sie nur noch hervor. Alle schauten auf den Schirm und sahen wie ein Schiff nach dem anderen den Nebel verließ und sich eine immer gewaltiger werdende Armada vor ihnen aufbaute. Jem Hadar. 125 Schiffe. Noch bevor sich die Brückencrew von dem Anblick dieser riesigen Flotte gefangen hatte stürmten die ersten Schiffe auf sie zu. „Schilde hoch, Phaser und Photonentorpedos Feuer frei. T’ Para, Notsignal absenden.„ Riker Befehle hallten über die Brücke, während das Schiff erste schwere Treffer hinnehmen musste. Und obwohl der Gegner nun auch erste Verluste erlitt, war die Übermacht einfach zu groß. Genau wie die anderen vier Föderationsschiffe positionierte sich die Hood zwischen die Konvoitransporter und die vehement angreifenden Schiffe. Sie veränderten ständig ihre Taktik. Versuchten zumindest, die Jem Hadar zu beschäftigen, Sie vom Konvoi abzulenken. Aussichtslos. Was auch immer sie dem Gegner entgegenhielten, kam von diesem in mehrfacher Weise zurück. Auf der Brücke der Hood musste die Crew mit ansehen, wie der Konvoi sich in ein Meer aus brennenden und explodierenden Schiffen verwandelte. Und die Angreifer setzten nach. Sie attackierten nun noch stärker die Föderationsschiffe. Wie in einem grausigen Alptaum erlebten Riker und seine Offiziere den Verlauf der brutalen Schlacht. Sie sahen wie die U.S.S. LUXOR, ein Schiff der Ambassador Klasse, von ungefähr zehn Jem Hadar Schiffen umgeben, unter massiven Beschuss geriet und sich verzweifelt wehrte. Nach wenigen Sekunden fiel der Schutzschild aus, weitere gezielte Treffer ließen es manövrierunfähig werden, es trieb hilflos im All. Doch anstatt es endgültig zu vernichten, stellten die Angreifer ihr Feuer ein und verschwanden sogar. Ein kurzer Augenblick der Ruhe, ein trügerischer Moment der Stille. Der beendet wurde, als ein einzelner Jem Hadar Fighter auf die LUXOR zuhielt eine Position über dem Schiff einnahm, um mit hoher Geschwindigkeit im Sturzflug schließlich zwischen den beiden Warpgondeln einzuschlagen und zu explodieren. Die Luxor brach in mehrere Teile auseinander und explodierte ebenfalls.
Die vier übrigen Schiffe kämpften mit aller Verzweiflung, doch der Gegner blieb gnadenlos. Von allen Seiten mit Phaserfeuer eingedeckt, fielen die Schilde, die Außenhüllen brachen, die Schiffe explodierten. Auf der Hood brannte es in vielen Sektionen, Tote und Verletzte überall. Auf der Brücke brüllte Riker seine Befehle in das Chaos aus zerstörten Computerkonsolen, Verwundeten, Bewusstlosen oder toten Besatzungsmitgliedern hinaus. Er kniete auf dem Boden und hielt Deanna im Arm. „Sir, Schutzschilde zusammengebrochen.„ Rief Sicherheitschefin T’ Pata dem Captain zu. Er schien es zu überhören. „Imzahdi.„ sagte er flüsternd und gab seiner bewusstlosen Frau einen Kuss. Er hatte seine Offiziersjacke ausgezogen und Deannas Kopf darauf gebettet. Worf schaute ihm zu. Ohne Schutzschilde prasselten die Treffer um so heftiger auf das Schiff, es wurde immer schlimmer durchgeschüttelt, immer mehr Systeme fielen aus. Doch Worf schaute nur zu Riker und Deanna. Trotz der Tatsache, dass er für einen kurzen Zeitraum auf der ENTERPRISE Will Rikers Rivale um die Gunst der schönen Betazoidin war, hatten Respekt und Freundschaft nie darunter gelitten. Er war sogar Trauzeuge bei ihrer Hochzeit gewesen und hatte nicht lange überlegen müssen, als Rikers zweiter Offizier an Bord zu kommen. Und sie waren für ihn da, als er Jadzia verlor. Jadzia. Im Stovokor hatte sie ihren Platz eingenommen und wartete auf ihn, auf Worf. Jetzt schien der Zeitpunkt gekommen, er, Sohn von Mogh war bereit. Er drehte sich dem großen Hauptschirm zu. Der Gegner hatte sein Feuer eingestellt. Zwei einzelne Fighter jagten mit hoher Geschwindigkeit auf die Hood zu. Keine Schutzschilde, keine Waffenkontrolle mehr, keine Möglichkeit zum Kämpfen. Mit grimmiger Mine betrachtete der Klingone die auf sie zustürzenden Schiffe. Er überhörte Rikers Ruf an den Maschinenraum und seinen anschließenden Befehl an den Schiffscomputer. Worf erhob sich von seinem Platz, schaute auf den Schirm und sprach, mit grimmigem Lachen „Heute ist ein guter Tag zum Sterben!„
Die gewaltige Explosion ließ nichts zurück. Die Jem Hadar rückten ab. Vom Konvoi war nur noch ein Trümmerfeld vernichteter Schiffe übrig. Es wurde wieder still an diesem Ort.
Kapitel 3
„Nun Frau Doktor, wo bleiben wir denn?„ Fragte ein sichtlich amüsierter Jean Luc Picard und schaute nach hinten. Er hielt sein Pferd an und beobachtete, wie in ungefähr siebzig Metern Entfernung eine weibliche Person verzweifelt versuchte, ihr Ross auf einem wenigstens einigermaßen geraden Kurs zu bewegen. Als Beverly sah, dass Picard angehalten hatte und sie beobachtete, setzte sie ein arg gekünsteltes Lächeln auf und hoffte Picard würde es ihr abkaufen. Und dabei hatte der Tag doch so normal begonnen. Seit den Tagen auf der Enterprise D war es für beide zur kleinen Gewohnheit geworden, wenn ihre jeweiligen Arbeits- beziehungsweise Schichtzeiten es zuließen, das Frühstück gemeinsam im Quartier des Captains einzunehmen. Als nach deren Zerstörung die Crew dann wieder auf der Enterprise E zusammenfand, wurden alte Gewohnheiten schnell wieder aufgenommen. Und so traf man sich auch an diesem Morgen. Doch Picard beeilte sich etwas, er wollte vor Dienstantritt noch eine Stunde auf dem Holodeck in einem englischen Waldgebiet reiten. Und Beverly, die an diesem Morgen etwas stiller war, wie Picard auffiel platzte geradezu mit der Idee heraus, sie könnte ihn doch begleiten. „Ich wusste gar nicht dass sie reiten können.„ Antwortete Picard erstaunt. „Ach das kriege ich schon irgendwie hin.„ Hatte sie ihm versichert. „Worauf warten wir dann noch?„ Mit dieser Frage hatte sich Picard erhoben, das Frühstück abrupt beendet und war mit forschem Schritt durch die Gänge zum Holodeck geeilt. Beverly war hinter ihm hergetrottet und je näher man dem Holodeck kam, desto mulmiger war ihr zumute. Auf dem Holdeck angekommen, machte sie Picard erst noch ein Kompliment über die schöne Landschaft, die er vom Computer hatte generieren lassen. Doch der Captain kam gleich zur Sache und stellte der Ärztin das edle Reittier vor auf dem sie Platz nehmen sollte. Als dies nach knapp drei Minuten geschehen war (mit freundlciher Unterstützung de Captains), sollte es nun losgehen. „Hüaaa, hopps, Brrrr!„ Bildete dabei einen Teil des Sprachgebrauchs, mit dem sie hoffte, den Vierbeiner zum Laufen zu bringen. Jetzt, eine Dreiviertelstunde später hatte Beverly nach immerhin fünf tapfer hinter sich gebrachten Kilometern, die Vermutung, das der Captain definitiv wusste, dass sie absolut blutige Anfängerin war. Picard hatte jedoch ein Einsehen. Er trabte zu ihr hin, nahm die Zügel ihres Pferdes und in leichtem Trab ging es einige hundert Meter weiter auf eine Lichtung, wo sie stoppten und von ihren Pferden abstiegen. Picard musterte Beverly, die sich kaum traute ihn anzusehen. „OK. Also gut, ich hab meine Lektion erhalten. Und es tut mir leid, dass ich Ihnen Ihren Ausritt vermasselt habe. Das ganze ist mir jetzt wirklich peinlich.„ Picard schaute sie mit ernsthafter Mine an. Urplötzlich fing er lauthals zu lachen an und konnte gar nicht mehr aufhören. Er steckte Beverly an und beide mussten sich vor lauter Lachen auf den Boden setzen. „Liebe Frau Doktor, diesen Ausritt haben sie mir nicht vermasselt, im Gegenteil, um nichts in der Welt wollte ich das verpassen. Sie waren eine Augenweide, wahrlich.„ Er gab sich keine große Mühe, seine Schadenfreude zu verbergen. Beverly riss ein größeres Büschel Gras aus dem Boden und warf damit nach Picard. „Sie Mistkerl. Sie wussten doch von Anfang an, dass ich in meinem ganzen Leben noch nicht auf einem Pferd gesessen habe.„ Antwortete sie mit gespielt säuerlicher Mine. „Ich gebe zu, den Verdacht hatte ich schon, als sie vorhin darum baten, mich zu begleiten. Gewissheit bekam ich, als ich Ihnen Ihr Pferd brachte und dabei Ihren Gesichtsausdruck sah. Die folgende Dreiviertelstunde war trotz der Tatsache, dass wir alles andere als schnell vorankamen, nicht langweilig oder arm an Ereignissen. Ich denke dabei insbesondere an die Sache mit...„ „Hüten Sie sich ja, mir noch mal alles aufzuzählen was ich falsch gemacht habe.„ Unterbrach ihn die Ärztin lauthals. Was Picard unweigerlich wieder zum Lachen brachte, in das auch Beverly einstimmte. Als sich beide wieder beruhigt hatten blieben sie auf dem Boden der Lichtung sitzen und genossen die Aussicht. Es war ein lauwarmer Sommertag und eine leichte angenehme Brise konnte einen fast vergessen lassen wo man sich tatsächlich befand. „Es ist wunderschön hier. Die Ärztin wirkte entspannt. „ So gefallen Sie mir wesentlich besser Frau Doktor.„ „Besser als auf einem Reitpferd meinen Sie?„ „Beverly, Sie waren heute morgen ungewöhnlich still, wirkten auf mich etwas gedankenverloren und reagierten wie von der Tarantel gestochen, als ich vom Ausritt sprach. Was den sicheren Umgang mit Pferden angeht, das läßt sich mit einigen Stunden Unterricht sicher hinkriegen. Aber ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, dass sie nicht urplötzlich Ihre Liebe zur Reiterei entdeckt haben.„ „Nein sicher nicht. Dass war eindeutig ein Schuss in den Ofen. Und ob ich so schnell wieder auf ein Pferd steige, weiß ich nicht. Ich... ich dachte einfach, es wäre schön, wenn wir wieder einmal etwas gemeinsam unternehmen. Das gemeinsame Frühstück, schön und gut, aber das muß doch nicht schon alles sein. Ich dachte, es würde Ihnen gefallen, wenn wir mehr Zeit miteinander verbringen könnten.„ „ Sicher.„ Antwortete Picard. „Warum nicht? Großartige Idee.„ Der Captain nahm dem Pferd den Sattel ab und ging auf Beverly zu. Sie wollte etwas sagen, doch dann ertönte ein Ruf von der Brücke. „LaForge an Capatin Picard, Würden sie bitte auf die Brücke kommen, Sir?„ „ Ich bin auf dem Weg Nummer Eins.„ Er wandte sich der Schiffsärztin zu doch sie wiegelte ab. „Gehen Sie nur Jean Luc, ich bleibe noch einen Moment.„ Picard nickte ihr zu und verließ das Holodeck. Beverly saß noch immer auf dem Boden und schaute in Richtung Wald. Eines der Pferde kam auf sie zugetrabt, das des Captains. Sie stand auf, gab dem edlen Ross ein paar stücke Zucker und streichelte es „Na, wir zwei verstehen uns wohl etwas leichter. Zu deinem Herrn habe ich heute morgen irgendwie nicht den richtigen Draht gefunden. Und zum Thema spontaner Ideen und Unternehmungslust sag ich lieber auch nichts mehr. Wie wäre es, vielleicht hast Du ja eine clevere Idee, wie ich es besser machen soll.„ Genau wie ein echtes Pferd blieb auch dieses holographische Exemplar eine Antwort schuldig und begnügte scih damit, der Ärztin mit einem sachten Stupser an den Arm klar zu machen, dass sein Interesse an weiteren Zuckerstückchen deutlich größer war, als an einem einseitigen Gespräch. Weitere tiefsinnigere Gedanken sollten aber auch Beverly erspart bleiben. „Brücke an Dr. Crusher, bitte kommen Sie in den Besprechungsraum.„ Na denn, zurück an die Arbeit.
* * *
Die Führungsoffiziere der ENTERPRISE waren vollständig im Besprechungsraum erschienen und nahmen ihre Plätze ein. Sie schauten ihren Captain erwartungsvoll an, Picard wiederum blickte die ersten Sekunden zwischen den rechts und links von ihm sitzenden Personen hindurch ins Leere. Sein Gesichtsausdruck war sehr ernst. Seine Offiziere wussten, dass er in seinem Arbeitsraum gerade ein Gespräch mit dem Oberkommando der Sternenflotte hatte. „Ich habe soeben erfahren, dass von den fünfzehn Konvois, die derzeit unterwegs sind um Vertriebene des Dominionkrieges nach hause bzw. Auf neue Welten zu transportieren zu vier von ihnen jeglicher Kontakt abgebrochen ist. Die U.S.S. ALEXANDRIA hatte sich auf die Suche nach dem Konvoi gemacht, der nach Miaplacedan unterwegs war, Sie haben ihn gefunden. Restlos vernichtet, alle Transporter, alle Föderationsschiffe, keine Überlebenden. Die Suchaktion nach zwei weiteren Konvois ist angelaufen. Der Kommandant der ALEXANDRIA hatte sich unter anderem auch mit dem Konvoi, der von der Hood geführt wurde, in Verbindung gesetzt. Er hatte Captain Riker gesagt, dass er ihn, die Suchaktion betreffend, auf dem Laufenden halten wollte. Nachdem er den vernichteten Konvoi entdeckt und das Oberkommando verständigt hatte, versuchte er die Hood zu erreichen, ohne Erfolg.„ Picard zögerte einen Moment mit dem nächsten Satz. „Und soeben meldete Außenposten Epsilon vierzehn, dass sie einen Notruf aufgefangen haben. Er stammte von der Hood. Sie wurden angegriffen.„ Lähmendes Entsetzen spiegelte sich in den Gesichtern. Keine konnte oder wagte zu sprechen, so fassungslos waren alle ob des Gehörten. LaForge brach schließlich das Schweigen. „Weiß man denn überhaupt nichts über den Angreifer?.„ Picard schüttelte den Kopf. „nein bis jetzt zumindest nicht. Die Untersuchungen laufen erst noch an. Zwei Konvois werden immer noch vermisst und das Oberkommando berät im Augenblick, ob die anderen Konvois ihre Flüge fortsetzen sollen, oder die ganze Aktion für den Moment unterbrochen werden soll. Es wurde Kontakt mit den Bündnispartnern aufgenommen, sie schicken weitere Kampfschiffe zu den Konvois um wenigstens für mehr Sicherheit zu sorgen.„ „Die Borg?„ fragte Beverly in die Runde hinein. „Möglich.„ Antwortete Picard kurz und knapp. „Wenn das die Borg waren, sind sie diesmal mit mehreren Schiffen hier.„ Gab Geordie zu bedenken. „Wenn wir sehen, in welch kurzem Zeitraum die Vermisstenmeldungen gekommen sind, glaube ich nicht, dass es nur ein Schiff ist.„ „Ich habe da meine Zweifel Sir.„ wandte Sicherheitschef Daniels ein. „aufgrund unserer Erfahrungen mit den Borg wissen wir, dass sie sehr überlegt und geduldig vorgehen. Es klingt für mich merkwürdig, dass die Borg mit mehreren Schiffen in Föderationsgebiet eindringen und sich dann über ein paar Konvois hermachen, wo doch ihr gewaltiges Potential ihnen viel größere Möglichkeiten bieten würde.„ „Ein gutes Argument Mr. Daniels. Obwohl ich Ihnen aus eigener Erfahrung versichern kann, dass die Borg bei aller Überlegtheit und Geduld auch ihre unberechenbaren Seiten haben, klingt das auch für mich nicht wie das Vorgehen der Borg. Doch bevor hier jetzt allen möglichen Spekulationen nachgegangen wird, wenden wir uns dem augenblicklichen Geschehen zu. Ich habe dem Oberkommando gesagt, dass wir uns an den Suchaktionen, bzw. an den Untersuchungen beteiligen werden. Lt. Barcley, technischer Zustand des Schiffes?„ „Oh...ääh Sir, sämtliche Systeme wurden noch mal genauestens kontrolliert und getestet. Die ENTERPRISE ist einsatzbereit.„ „Gut. Nummer Eins ab sofort gilt Alarmstufe rot. Lassen Sie Kurs setzen auf die letzte bekannte Position der Hood, Maximum Warp. Alle Stationen melden Ihnen Einsatzbereitschaft. Das wäre im Moment alles, weggetreten.„ Die Offiziere erhoben sich von ihren Plätzen und verließen den Raum. Picard blieb auf seinem Stuhl sitzen, drehte ihn in Richtung der Aussichtsfenster und sah auf die Sterne hinaus. Seine Gedanken waren bei Will Riker, Deanna und Worf, er vergrub sein Gesicht in seinen Händen und hoffte inständig, dass nicht das Schlimmste geschehen war. Die Sterne veränderten ihre Form, aus kleinen Punkten wurden längliche Lichtstreifen, die schnell am Aussichtsfenster vorbeizogen. Picard verließ den Raum.
Kapitel 4
Mit Höchstgeschwindigkeit jagte das Raumschiff Enterprise durchs All. Tage und Stunden vergingen, die Crew tat ihre Arbeit, um so gut wie möglich vorbereitet zu sein, wenn man am Zielort eintreffen würde, was auch immer dort auf sie warten mochte. Je näher das Ende der Reise kam, desto größer wurde die Anspannung an Bord. Ganz automatisch machten nun Spekulationen die Runde, mit welchem Gegner man es hier zu tun habe. Ansichten, Meinungen über den möglichen Gegner allem voran die meistverbreitete Aussage, die Borg wären zurückgekehrt, standen diejenigen gegenüber, die zur Ruhe und Besonnenheit mahnten. Man solle abwarten, man kenne noch nicht alle Fakten und weitere Nachrichten seien noch nicht eingetroffen. Diese kamen und sie sollten für keine Beruhigung sorgen. Picard betrat die Brücke. „Was gibt es Nummer eins?„ Geordie erhob sich vom Kommandostuhl. „Sir, wir empfangen ein Signal von der U.S.S. Alexandria.„ „Auf den Schirm.„ befahl der Captain. Auf dem Hauptschirm erschien der Kommandant, Wikland. „Haben sie Neuigkeiten für uns Captain?„ Fragte Picard, der versuchte seine eigene Nervosität zu unterdrücken. „Die habe ich Captain Picard. Und leider keine guten. Wir sind im Gebiet der Tholians angekommen und haben den Konvoi, welcher unter der Führung der Hood stand gefunden. Er wurde restlos vernichtet.„ Auf der Brücke der Enterprise war es still geworden. Picard Gesicht wirkte versteinert. Er atmete heftiger, versuchte trotzdem ruhig und gefasst zu wirken. „Überlebende?„ „Es tut mir leid, nein. Zwei weitere Föderationsschiffe sind hier eingetroffen. Wir untersuchen alles genau und erstellen Analysen. Wir geben die Hoffnung zwar noch nicht auf, aber zum einen zeigen die Scanner kein Leben an, zum anderen, wenn man diesen Anblick hier sieht.....„ Der Captain der Alexandria hielt einen Moment inne. „Leider ist das noch nicht alles. Vor fünf Minuten meldete Epsilon Vierzehn, dass man die zwei anderen vermissten Konvois gefunden hat. Sie wurden ebenfalls vernichtet. Und auch hier wohl keine Überlebenden. So ist der Stand der Dinge. Wir setzen die Untersuchungen fort. Bis zu Ihrem Eintreffen haben wir dann bestimmt neue Erkenntnisse, die uns weiterhelfen.„ „Wir werden in zirka zwei Stunden auf Ihrer Position sein Captain Wikland. Danke für die Vorabinformationen. Picard, Ende.„ Das Bild von Captain Wikland verschwand, an seiner Stelle erschienen die Sterne. Die Blicke der Brückencrew wanderten vom Hauptschirm zu Captain Picard hin, der noch immer auf den Hauptschirm starrte. Er tat es weiter, während er LaForge ansprach. „Geordie. All diejenigen, die bei diesen brutalen Überfällen auf die Konvois ihr Leben verloren haben, Väter, Mütter, Kinder unsere Kameraden und Freunde haben es verdient, dass wir dieser Aufgabe die höchste Priorität beimessen.„ Picard machte eine kurze Pause und die Brückenbesatzung, die seine Worte verfolgt hatte fühlte sich insgesamt angesprochen, als er seinen weiteren Worten etwas mehr Ausdruck verlieh. „Wir werden all unsere Energie und Erfahrung einsetzen um herauszufinden, wer dies zu verantworten hat und ihn zur Rechenschaft ziehen.„
Geordie nickte zustimmend und verschluckte die übliche Meldung >Aye Sir!< die seiner Meinung nach, nach diesen Worten unangebracht war.
Zwei Stunden später traf die Enterprise am Zielpunkt ein. Der Anblick des zerstörten Konvois ließ bei den Offizieren und Crewmitgliedern Ängste und Befürchtungen zur Realität werden. „Mein Gott, das kann ja keiner überlebt haben.„ Entfuhr es LaForge. Captain Picard machte der Besatzung klar, dass im Moment keine Zeit zum Trauern wäre. „Nummer Eins, wir beginnen sofort mit der Untersuchung, teilen Sie die Teams ein. Mr. Daniels, eine Verbindung zur Alexandria.„ „Verbindung steht Captain.„ Picard schaute auf den Hauptschirm, auf dem Captain Wikland erschien. „Captain, haben Sie inzwischen schon etwas herausgefunden?„ „Haben wir Captain Picard. Mit einem Gerücht, das bei uns die ganze Zeit die Runde gemacht hat, vermutlich auch bei Ihnen haben wir uns in den ersten Analysen befasst. Das Ergebnis scheint eindeutig zu sein: Die Borg waren es nicht.„ „Ist das sicher?„ Hakte Picard nach. „Ich glaube ja. In den Trümmern haben unsere Sensoren jede Menge Leichen orten können. Und wenn wir sehen, wie die Zerstörung der Föderationsschiffe, wie auch der Transporter geschehen ist, die Borg hätten die Föderationsschiffe zerstört und die Besatzungen der Transporter assimiliert. Doch hier fand einfach gnadenlose Zerstörung statt. Hier sollte niemand assimiliert oder gefangen genommen werden. Es ging darum, dass niemand überleben sollte. Und was die mögliche Anzahl unserer Gegner betrifft, auch hier scheinen die Analysen zu belegen, dass die Angriffe auf die Konvois in allerkürzesten Abständen, beinahe gleichzeitig erfolgten. Das alles nimmt so langsam beängstigende Dimensionen an. Wir beseitigen gerade die letzten Spuren eines zu Ende gegangenen Krieges, da kommt vielleicht schon wieder ein Neuer auf uns zu. Was verdammt noch mal geschieht hier nur Picard. Wer sind diese feigen Mörder? Wem kann das Massaker an diesen Leuten irgendwie gelegen kommen? Das waren doch unschuldige Zivilisten, die niemandem etwas getan haben, das ergibt doch keinen Sinn.„ Picard und seine Offiziere sahen, wie der Kommandant der Alexandria von seinem nordischen Temperament getrieben etwas die Fassung verlor. „Wikland, beruhigen Sie sich. Wir alle sind geschockt und wütend über das Geschehene. Aber wir brauchen nun auch einen kühlen Kopf, damit wir unsere Arbeit verrichten können. Nur dann finden wir heraus, wer das war.„ „Sie haben natürlich recht Picard. Es ist nur einfach schrecklich frustrierend, das hier zu sehen und von den anderen Kampfschauplätzen das Gleiche zu hören und zu wissen, dass niemand überlebt hat von diesen Leuten und es einfach nichts zu geben scheint, was uns auf Anhieb etwas über die Identität des Gegners sagen könnte.„ „Tun wir unsere Arbeit, dann werden wir etwas herausfinden, da bin ich ganz sicher Captain Wikland. Picard Ende.„ Picard atmete tief durch. „Ich hoffe er fängt sich wieder. Zeit den Seelentröster zu spielen habe ich nicht gerade.„ LaForge trat auf ihn zu. „In einer Hinsicht hat er natürlich recht, Sinn machen diese Angriffe überhaupt nicht. Wer sollte denn davon profitieren? Was wissen wir andererseits? Die Angriffe auf die vier Konvois fanden beinahe gleichzeitig statt. Es war nicht eine Armada, es waren mehrere. Die Schnelligkeit des Überfalls und der Vernichtung sagen mir, dass jeder einzelnen Konvoi es mit einer gewaltigen Übermacht zu tun bekam. Sie hatten von Anfang an nicht den Hauch einer Chance. Der Gegner wusste genau, wo, wann und mit wie vielen Kampfschiffen er zuschlagen musste. Ehrlich gesagt Captain, ich fürchte wir brauchen hier nicht lange nach Motiven für diese Überfälle zu suchen. Ich denke diese vier Konvois sollten nur als beeindruckende Visitenkarte herhalten.„ Picard schaute seinen ersten Offizier mit ernster, nachdenklicher Mine an. „Klingt recht einfach, aber auch am plausibelsten.„ Der Captain wandte seinen Blick von LaForge ab und schien über etwas nachzudenken. „Mr. Daniels, eine Verbindung zum Daystrom Institut auf Galor 4 herstellen.„ „Data?„ fragte LaForge. „Ja bei dieser Geschichte könnten wir seine Hilfe gut brauchen. Wir müssen hier mit unserer Arbeit so schnell wie möglich vorankommen und es gibt wohl keine Zweifel, dass er eine enorme Unterstützung wäre.„ „Captain, da könnte es eventuell ein Problem geben. Raumbasis 73 hat dem Oberkommando mitgeteilt, dass es einen Unfall auf Galor 4 gab, es gab eine ganze Reihe Systemausfälle, darunter auch die Kommunikation. Die Nachricht kam an dem Tag unseres Abflugs es hat geheißen, die Reparaturen würden andauern und eine Verbindung könnte sich zumindest als schwierig erweisen.„ „Als wenn es nicht schon genug Probleme gäbe Nummer Eins. Mr. Daniels, von Ihnen würde ich jetzt gerne etwas positives hören.„ „Können Sie haben Sir. Ich habe Verbindung mit Galor 4.„ „Na, Geordie. Ein paar Sachen klappen ja doch noch.„ Die Gesichter der beiden Männer zeigten nun zum ersten Mal an diesem Tag gelöstere Züge. Alle schauten auf den Hauptschirm. Doch das Bild das man sah, hatte einige Störungen und der Ton war bruchstückhaft. Eine junge Frau scheinbar eine Wissenschaftlerin auf Galor 4 war zu erkennen. „Hier spricht Captain Jean Luc Picard von der Enterprise. Würden Sie bitte Professor Data Soong ausrichten, dass ich ihn dringend sprechen muss. Wir befinden uns im Tholian Sektor und möchten, dass er sich uns in einer wichtigen Mission anschließt. Es wäre wirklich sehr wichtig.„ Picard schaute seinen Sicherheitschef an. „Die Verbindung steht Sir, aber ich kann nicht sagen, ob die Nachricht durchgekommen ist.„ Picard wandte sich wieder dem Hauptschirm zu, die junge Frau schien mit jemandem zu sprechen. Nach ein paar Sekunden wurde das Bild etwas besser und auch der Ton etwas klarer. Als die Frau zu sprechen begann, konnte man jedoch nur vereinzelte Worte und einige Sätze mehr schlecht als recht verstehen. Die wichtigsten Teile waren die, dass Picards Anfrage wegen Data verstanden worden war. Mit den Worten „Tut mir sehr leid.„ und „leider nicht möglich.„, wurde Picard klar, dass er auf seinen ehemaligen Offizier wohl würde verzichten müssen. „Wahrscheinlich ist er auch unterwegs, bei Seminaren, hält Vorträge oder es geht um irgend ein Experiment. Wir könnten versuchen Ihn...„ „Nein, lassen Sie nur Nummer Eins, das hält uns nur auf. Wir müssen eben ohne ihn auskommen, es geht wohl nicht anders.„ „Dr. Crusher an Captain Picard, würden Sie bitte zu Frachtraum zwei kommen?„ „ich bin unterwegs Doktor. Geordie, Sie begleiten mich.„ Als die beiden Männer in Frachtraum zwei eintrafen, lagen vor ihren Augen weit verstreut kleine bis große Trümmerstücke auf dem Boden. Dr. Crusher kam auf sie zu. „Was Sie hier sehen, stammt zum größten Teil von den Transportschiffen, die wir mit den Shuttles untersucht und eingesammelt haben. Hier hinten haben wir, was von den Föderationsschiffen geborgen wurde.„ Alle drei schauten auf die deformierten Bruchstücke, die zu einem der großen Sternenflottenschiffe gehörten. Picard kniete nieder und nahm eines der Teile in die Hand. Es war ein schreckliches Gefühl. Der Gedanke, einen Teil der Hood möglicherweise in den Händen zu halten, die Gedanken an die Crew an Riker, Troi und Worf. „Die Untersuchung und Identifizierung läuft noch.„ Für Picard klang das wie der Versuch eines Trostes, unterschwellig fast sogar nach Hoffnung, dass das was passiert sein musste, doch nicht geschehen war. Er legte das Teil wieder zurück, erhob sich und ging, ohne Beverly oder Geordie anzuschauen. „Machen sie weiter Doktor!„ Beverly schaute Laforge an, schüttelte den Kopf mit einem Ausdruck des Bedauerns im Gesicht. Dem davoneilenden Captain merkte man die inner Anspannung und Nervosität deutlich an. Er strebte schnell dem Ausgang zu...... und rannte voll in Barcley hinein, der sich mit zwei großen Kisten auf den Armen den Blick nach vorn versperrte. Die Wucht des Aufpralls ließ Barcley neben dem Eingang an die Wand stürzen, die beiden Kisten krachten neben ihm auf den Boden, der Inhalt polterte auf den Boden. Barcley richtete sich auf, schaute sich um, sah die beiden Kisten und den herausgefallenen Inhalt. „Oh, naja, ääh, genau dort sollte es ja auch eigentlich hin.„ Er sah, mit wem er zusammengestossen war. „Oh, Captain Picard, das.... das tut mir furchtbar leid, ich... ich hatte wohl etwas viel aufgeladen und konnte nichts sehen.„ „Ist schon gut, Mr. Barcley es war ebenso meine Schuld, ich habe auch nicht aufgepasst.„ Picard war bei dem Zusammenprall zwar etwas aus dem Gleichgewicht geraten, hatte sich aber fangen können. Er ging zu Barcley und half ihm beim Aufräumen. Beverly und Geordie schauten aus einiger Entfernung zu. Als die beiden Männer mit dem Einsammeln fertig waren, erhoben sie sich. Picard sagte etwas zu seinem Chefingenieur und verschwand. Barcley ging zu Beverly und Geordie, er wirkte konsterniert. „Er will in einer Stunde einen Bericht haben.„ LaForge blickte in Richtung Ausgang, wo sich gerade die Tür hinter dem Captain geschlossen hatte. „Dann sollten wir lieber alles tun, damit er ihn erhält. Gehen wir es an.„
* * *
Während der nächsten Stunde herrschte Hochbetrieb. Die vielfältigen Untersuchungen der Bruchstücke und Wrackteile wurden unter dem Zeitdruck noch intensiviert. Nach zweieinhalb Stunden meldete LaForge dem Captain, dass ein erster Bericht vorgelegt werden konnte. Picard berief eine Mannschaftsbesprechung ein. Als die Offiziere im Konferenzraum eintrafen, saß Picard bereits an seinem Platz. Mit keinem Wort ging er auf die zeitliche Verspätung ein. Er machte einen ruhigen, konzentrierten Eindruck. „Ihren Bericht Nummer Eins!„ „Sir, die Ergebnisse, die wir bis jetzt erhalten haben beantworten wohl einige Fragen, werfen aber auch welche auf. Das Zusammensetzen dieses Puzzles hat es in sich. Also, die Untersuchung der Wrackteile sollte uns helfen, herauszufinden, was in etwa geschehen ist, welche Art Waffen dafür in Frage kommt. Ich bin mit einem der Teams in einem der nicht völlig zerstörten Transportschiffe gewesen. Ich habe die Beschädigung an der Außenhülle untersucht, den Wirkungsgrad der Treffer im Inneren. Die ohnehin bei diesen Transportern nicht sehr starken Schutzschilde waren praktisch nutzlos. Bereits mit dem ersten Treffer dürften die Schilde ausgefallen und das Schiff schwerstens getroffen worden sein. Die Außenhülle wies kaum Einschüsse auf, was mich zuerst wunderte, bedenkt man, wie gnadenlos die anderen Schiffe vernichtet wurden. Ich glaube, der Gegner wollte, dass wir die Qualität seines Waffenarsenals kennenlernen.„ „Die Visitenkarte, hm?„ fragte Picard. LaForge nickte „Die Waffentechnologie, mit der wir es hier zu tun haben, gehört zum besten, was ich je untersucht habe. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir unsere Analyse so weit hatten, dass wir tatsächlich mit fast hundertprozentiger Sicherheit sagen konnten, mit wem wir es im Bezug auf die Waffen zu tun haben.„ LaForge machte eine schöpferische Pause. „Captain, ich denke, das hier waren die Son’a.„ Picard hielt sein Erstaunen nicht zurück „Die Son’a?„ „Ja, Captain, die eingesetzten Waffen, das ist ihre Technik, hochmodern und leider auch sehr wirkungsvoll.„ „Commander, Sie betonen immer die Waffen, hat das einen Grund?„ „Nun Sir, ich sagte schon, wir haben Antworten erhalten aber auch Fragen. Mit den Son’a hatten wir noch nicht viel zu tun. Ich denke, jeder erinnert sich an die Geschichte. Sie haben sich nach der Abspaltung von den Ba’ku, ihrem Heimatvolk, technisch enorm weiterentwickelt. Sie haben zwei fremde Völker unterjocht, die ihnen seither zu diensten sind. Die Technik ihrer Schiffe ist der unseren ebenbürtig, in manchen Bereichen sind sie uns sogar voraus. Nach dem Tod ihres Anführers Ru’afo war das einzige, was wir hörten, dass sie sich in der Schlussphase des Krieges auf die Seite des Dominions schlugen, weil sie allem Anschein auch die Einzigen im Alphaquadranten waren, die das Ketracel White für die Jem Hadar herstellen konnten. Seit Kriegsende haben wir von den Son’a nichts mehr gehört, bis heute. Was dieses Massaker betrifft und wohl auch die anderen Überfälle, sind sie mit dabei. Ob dabei als großer Drahtzieher im Hintergrund oder nur als Waffenlieferant für andere ist offen.„ „Sie wollen also sagen, dass hier mehrere Parteien am Werk waren Nummer Eins?„ „Ja, Captain. Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass die Überfälle alle gleich abliefen. Der Gegner konnte sich relativ unbemerkt anschleichen der Überfall lief blitzschnell ab, soll heißen, die Schiffe waren nicht nur schnell, sondern auch von gewaltiger Zahl. Wir haben es mit kleineren Kampfschiffen zu tun. Und damit kommen wir zu den Fragen. Wir wissen, dass die Son’a über solche kleineren Kampfschiffe nicht verfügen, geschweige denn solch große Kampfverbände. Der andere Punkt betrifft die Tatsache, dass ihr Näherkommen offensichtlich von keinem der Konvois registriert wurde. Die Alexandria hat schwache Energiesignaturen in der Nähe des Konvois ausgemacht. Captain Wikland folgte einer schwachen Spur in den Mutara Nebel, wo man auf eine gewaltige Energierestmenge stieß. Trotz fortschreitender Auflösung waren die Werte hoch genug um sie gut analysieren zu können. Es wird vermutet, dass es sich um einen gewaltigen Energieschild handeln könnte innerhalb dessen sich die Kampfschiffe verstecken konnten. Von einem Schiff außerhalb des Nebels ist man nicht zu sehen, Sensorenberechnungen würden nur auf eine große Masse innerhalb des Nebels deuten, Energiewerte, die natürlichen Ursprungs sein könnten. Bestenfalls bei taktischer Sichtung auf einem Bildschirm könnte man misstrauisch werden. Das Ganze ist also eine Art Tarnfeld. Und auch hier die Frage: Beschäftigen sich die Son’a mit dieser Technologie? Wir wissen jedenfalls, dass diese Tarnvorrichtung nur im Zusammenspiel mit einem Phänomen wie diesem Nebel gut funktioniert. Im Gegensatz zur Waffentechnik hinkt die Qualität des Tarnschilds ein gutes Stück hinterher. Eine Frage scheint hierbei beantwortet zu werden. Alle Konvois führten durch Sektoren, wo sich zumindest bei denen, die überfallen wurden, größere Nebelbänke befanden. Ideal für einen Hinterhalt. Und die perfekte Zutat für den Tarnschild. Tja, und was die Kampfschiffe selbst betrifft, hat Lt. Barcley eine interessante Entdeckung gemacht.„ Picard blickte zu seinem Chefingenieur. „Sir, die Untersuchung der Wrackteile zerstörter Feindschiffe hat zur Bestätigung geführt, dass hier mehr als eine gegnerische Partei für die Überfälle verantwortlich ist. Während die verwendeten Materialien der Außenhülle auf die Son’a deuteten, konnten wir unter Mithilfe einer holographischen Simulation größere Teile der Kampfschiffe so einander zuordnen, dass wir schließlich zu diesem Ergebnis kamen.„ Barcley zeigte auf dem Bildschirm auf dem Boden liegende Teile, zerstörte Computer und Geräte, in einer bestimmten Anordnung aufgestellt. Der Computer ergänzte nun fehlende Bereiche und zeigte das Bild des kompletten Schiffes. „Jem Hadar. Verdammt noch mal.„ Entfuhr es Picard. „Also doch. Als die Rede aufkam von vielen kleinen Kampfschiffen, hatte ich schon einen Verdacht. Und das die Son’a nach den Ereignissen bei den Ba’ku wohl nicht mehr allzu gut auf die Föderation zu sprechen sind, ist wohl klar. Die Offiziere auf Ru’afos Schiff haben damals die Möglichkeit wahr-genommen, zu ihren Familien bei den Ba’ku zurück-zukehren, dass Ru’afos Einfluss über seinen Tod hinaus bestand hat, hat die politische Führung der Son’a mit der Unterstützung des Dominion im Krieg bewiesen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir uns seit dem Ende der Kämpfe um gewisse Dinge nicht intensiv genug gekümmert haben.„ „Es hielt sich doch lange Zeit die Vermutung, dass es ein paar versprengte Jem Hadar Truppen geben würde, einige hätten sich sogar vom Dominion abgesetzt.„, warf Beverly Crusher ein. „Hatte die Crew von Deep Space Nine nicht einmal was mit einer dieser Kampftruppen zu tun? Und hat man je erfahren, was aus ihnen geworden ist?„ „Ja, ich erinnere mich daran. Chief O’Brien erzählte mir davon, aber diese Geschichte fand vor Ausbruch des Krieges statt. Nichtsdestotrotz gab und gibt es Berichte, in denen von vereinzelten Trupps der Jem Hadar die Rede ist, die sich in verschienen Sektoren verstreut haben und verschwunden sind.„ Antwortete LaForge. „Man ging davon aus, dass sie sich auf abgelegenen Planeten niederließen. Soweit mir bekannt ist, gab es nach Kriegsende Suchaktionen, um sie aufzuspüren, mehr habe ich aber auch nicht gehört.„ „Und die Son’a?„ fragte Sicherheitschef Daniels. „Was für eine komische Geschichte ist das eigentlich mit denen? Wenn ich vom Zeitpunkt unseres Abenteuers mit ihnen bei den Ba’ku bis zum heutigen Tag schaue, frage ich mich allen Ernstes, was die Föderation und die Sternenflotte gemacht haben. Ich will ja nicht respektlos erscheinen, aber ich denke, dass wir unsere Hände in den Schoß gelegt haben, was unsere damaligen „Verbündeten„ betrifft. Verschwörung aufgedeckt, die Son’a aus dem Rennen geworfen, Ru’afo tot, die Ba’ku gerettet. Ein kleines Happy End inmitten eines großen schlimmen Krieges. Wir flogen wieder weg. Sie, Captain, legten dem Oberkommando einen Bericht vor, in dem neben der Beschreibung der Ereignisse auch vermerkt war, dass die Son’a in der Lage sind, Ketracel White zu produzieren. Da müssen doch die Alarmglocken geklingelt haben. Oberste Direktive hin oder her, man hätte doch ein Auge auf diese Typen werfen müssen, gerade wegen der Nachschubprobleme, die das Dominion wegen des White in dieser Zeit hatte.„ „Es war tatsächlich ein wenig respektlos, Mr. Daniels.„ „Entschuldigung Captain.„, seufzte der Sicherheitschef etwas verlegen. Picard fuhr fort „Aber diese Fragen verlangen tatsächlich nach Antworten und wir werden alle Quellen nutzen, die es gibt um welche zu erhalten. Mr. Daniels, kontaktieren Sie DS9, Sie können uns vielleicht am ehestens etwas über versprengte Jem Hadar Truppen sagen. Anschließend eine Verbindung zum Oberkommando der Sternenflotte, ich möchte mit Admiral Hayes sprechen. Und was die Son’a betrifft, möchte ich Antworten aus bestmöglicher Quelle haben. Nummer Eins, lassen Sie Kurs setzen auf die Heimatwelt der Ba’ku.„ „Aye Sir.„ „Das wäre im Moment alles. Weggetreten.„ Doch Picard und die anderen Offiziere kamen kaum dazu, sich von ihren Sitzen zu erheben. Barcley meldete sich zu Wort. „Entschuldigen Sie bitte Captain, aber ... da wäre noch etwas.„ Picard konnte am Gesichtsausdruck von Barcley sehen, dass es um nichts erfreuliches ging „Sprechen Sie Lieutenant!„ „Es geht um die Untersuchung der Wrackteile Sir. Die Identifizierung der Schiffe geht voran, auch die der Föderationsschiffe. Wir konnten Teile ausmachen von der Wellington, der Akira, ... und leider auch der Hood Sir.„ „Verstanden Mr. Barcley.„ Die Antwort des Captains kam langsam, gedehnt. Die anderen Offiziere sagten nichts, ihre Gesichter sprachen Bände. Barcley blickte in die Runde, er fühlte sich schrecklich, weil er mit seinen Worten wieder für einen Tiefschlag gesorgt hatte. Die Hoffnung, dass vielleicht doch jemand irgendwie diesem Inferno entkommen sein mochte, war durch ihn nun praktisch zunichte gemacht worden. Und natürlich kreisten die Gedanken aller im Raum um jene drei Personen, die in all den Jahren nicht nur Kameraden, sondern Freunde geworden waren. Barcley dachte ebenfalls an Riker und Worf, aber mehr noch an Deanna, die ihm in so vielen Situationen geholfen hatte, wenn seine große Schüchternheit und sein mangelndes Selbstvertrauen auch seine Arbeit als Offizier beeinträchtigte. Seine Angst vor der Realität, dem Umgang mit anderen private Kontakte und Freundschaften zu knüpfen, beruflich das Zusammenarbeiten mit anderen Offizieren, eigene Meinungen zu haben und sie selbstbewusst zu vertreten, dass schien ihm einfach nicht gegeben. Er flüchtete in die Phantasiewelten der Holodecks, holte sich dort, was ihm in der realen Welt verwehrt wurde, wie er glaubte. Hier gab es keine Angst, keine Unsicherheit. Hier war er stark, selbstbewusst, wurde respektiert. Ein Trugbild. Ein Selbstbetrug. Natürlich. Aber er war so tief hereingeschlittert, dass er nicht wieder herausfand. Sich der Wirklichkeit zu stellen, war eine Herausforderung, die für ihn zu einem harten Prozess wurde. Doch mit der Zeit spürte er, dass sich seine Kameraden ehrlich um ihn bemühten. Und allen voran Deanna Troi. Klar, sie war der Schiffscouncellor. Aber ihr Engagement ging über ihre Arbeit hinaus. Sie suchte seine Freundschaft. Er spürte das und schenkte ihr sein Vertrauen. Es dauerte eine Weile, aber mit ihrer Unterstützung fand er sich in seinem Leben besser zurecht. Es gelang ihm auch mehr Kontakte mit anderen an Bord einzugehen. Auch seine Arbeit als Offizier wurde positiv beeinflusst. Er wurde zugänglicher, sicherer, und obwohl seine leichte Nervosität und Schüchternheit er würde wohl nie ganz ablegen können, erarbeitete er sich nun auch spürbar den Respekt seiner Vorgesetzten. Als die Enterprise E in Dienst gestellt wurde, war er stolz, als er erfuhr, dass Captain Picard wieder im Team haben wollte. Er hatte sich deswegen auch persönlich beim Captain bedankt, dass Händeschüttelen war wohl etwas heftig übertrieben ausgefallen, aber naja. Und Geordie hatte nach seiner Beförderung zum ersten Offizier dem Captain ihn, Barcley, als neuen Chefingenieur vorgeschlagen. Nun war er hier. Und fragte sich, wo er jetzt wohl wäre, wenn Deanna sich damals seiner nicht angenommen hätte. Das alte Wunden aufbrechen können, hatte er vor zwei Jahren erfahren. Die Sternenflotte hatte ihn zur Erde zurückbeordert, um das Projekt Pathfinder anzugehen, man wollte zu der im Deltaquadranten verschollenen U.S.S. Voyager Kontakt herstellen und ihr einen möglichen Weg nach Hause zeigen. Um die Reaktion der Crew darauf herauszufinden kreierte Barcley ein holographisches Bild der Voyager und deren Besatzung. Er vertiefte sich jedoch wieder so sehr in diese Holoprojektion, dass er erneut Schwierigkeiten hatte herauszukommen. Und wieder half ihm Deanna. Seine Wertschätzung, seine tiefe Zuneigung und Freundschaft für diese Frau waren noch gestiegen. Brauchte er Hilfe, war sie für ihn da. Jetzt saß er hier, sah ihr Bild vor seinem geistigen Auge, mit ihrem ansteckenden Lachen. All das sollte es nicht mehr geben. Der Gedanke daran setzte ihm sichtlich zu. „Kommen Sie, Reg!„ sprach LaForge ihn an und erhob sich. Auch die anderen Offiziere verließen nun den Besprechungsraum, bis auf Captain Picard und Dr. Crusher. Er bemerkte erst nach ein paar Sekunden, dass sie noch da war. Auch er war in Gedanken wegen Barcleys Nachricht gewesen. Er sah die Ärztin an, Tränen rollten über ihr Gesicht, Sie schaute nach draußen, wo der vernichtete Konvoi langsam aus dem Blickfeld verschwand, als das Schiff Fahrt aufnahm und schließlich auf Warpgeschwindigkeit ging. Picard stand auf, ging an das Aussichtsfenster. „Also, das war es dann wohl, aus und vorbei.„ sagte sie in einem trotzig klingenden Ton. Picrad ging zu ihr hin, drehte den Stuhl mit ihr zu sich und ging vor ihr in die Knie. Diese Verzweiflung, diese Traurigkeit, hatte er erst einmal im Gesicht von Beverly gesehen. Und genau wie damals, als er ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbrachte, suchte er nach passenden, vielleicht tröstenden Worten und fand keine. Er erwiderte hilflos ihren Blick, sie glitt vom Stuhl langsam herunter auf ihre Knie beide umarmten sich fest und nicht nur die Ärztin ließ jetzt ihren Tränen freien Lauf.
* * *
„Verbindung steht, Commander.„ „Auf den Schirm Mr. Daniels.„ Auf dem Hauptschirm erschien das Bild einer Frau in Bajoranischer Uniform. „Hallo Colonel Kira. Ist eine Ewigkeit her.„ Begrüßte sie LaForge. „Das kann man wohl sagen, Commander. Als ich Sie das letzte mal sah, trugen Sie noch ihren Visor. Und ich versichere Ihnen, ohne das Ding sehen Sie wesentlich besser aus.„ „Und ich versichere Ihnen, dass ich das Ding nicht auch nur eine Sekunde vermisse. Wie geht es Ihnen auf Bajor?„ „Das richtige Wort wäre Normalzustand, obwohl diese Bezeichnung für die meisten Bajoraner angesichts von sechzig Jahren Besatzung und dem, was die letzten Jahre geschah fremd klingt. Wir haben vor einem Jahr ein neues Parlament geschaffen, in dem sich drei Parteien kräftigst mit Argumenten dahingehend beharken, wie Bajors Zukunft nach dem Ende des Krieges aussehen soll. Eine Partei besteht aus ehemaligen Widerstandskämpfern, eine aus Teilen der alten provisorischen Regierung, die Dritte aus einer Abordnung der Vedeks. Ich dachte als Kommandant von Deep Space Nine würde ich nicht so viel mit der Politik zu tun haben, aber weit gefehlt. Seit unserem Beitritt zur Föderation bin ich hier der Ansprechpartner für alle Parteien Bajors geworden, wenn es um Bereiche geht die beide Seiten betrifft, und das sind nicht wenige. Und neben der Arbeit hier auf der Station sind wir auch viel draußen unterwegs und untersuchen in angrenzenden Sektoren, was vom Krieg übriggeblieben ist. Sie sehen also, Langeweile kommt hier garantiert nicht auf. Aber jetzt mal zu Ihnen Commander Wir erhalten hier Meldungen über Angriffe auf mehrere Konvois, was ist denn da los?„ „Colonel von der Normalität von der Sie eben gesprochen haben, sind wir seit heute leider wieder so weit entfernt, wie man es sich überhaupt nur vorstellen kann. Fast gleichzeitig sind fünf Konvois angegriffen und restlos vernichtet worden. Soweit wir das bisher überblicken können, gab es keine Überlebenden. Wir sind gerade bei einem der Konvois gewesen. Ein schlimmer Anblick. Für unsere Besatzung war es besonders schrecklich, weil dieser von der U.S.S. Hood geführt wurde. Captain Riker und Commander Troi waren unsere Freunde, wie sie vielleicht noch wissen.„ „Und Worf war doch auch an Bord.„ ergänzte Kira Nerys erschrocken, LaForge bestätigte ihre Worte mit einem Kopfnicken. „Bei den Propheten, wer... wer war das?„ „Wir wissen, dass die eingesetzten Waffen den Son’a gehören. Aber die Schiffe, die die Angriffe ausführten, das waren Jem Hadar.„ „Wie bitte? Jem Hadar...aber wie...?„ Sie unterbrach sich und schaute etwas zur Seite. Der entsetzte Gesichtsausdruck verwandelte sich in einen nachdenklichen. „Genau wegen dieser Frage haben wir Sie kontaktiert. Captain Picard braucht Informationen bezüglich Jem Hadar Kampftruppen, die sich eventuell vom Dominion gelöst haben.„ „Sie haben den richtigen gedanklichen Faden aufgenommen. Es kam tatsächlich zu Ereignissen dieser Art. Wir hatten sogar einmal mit einer solchen Gruppe zu tun. Sie töteten ihren Vorta, behielten das Ketracel White und blieben auf dem Planeten zurück. Aber diese Sache war vor Kriegsbeginn, der Vorrat an White hält so lange nicht. Aber ich habe eine Idee, woher diese Jem Hadar kommen. Als das Dominion damals mit der Invasion begann, brachten sie natürlich auch die Jem Hadar mit, die sie im Gamma Quadranten gezüchtet haben. Auf cardassianischem Boden begannen sie neue zu züchten. So gab es zwei Gruppen, die „Gammas„ und die „Alphas„. Als die Defiant überfallen wurde, Captain Sisko und die Crew versuchte sich zu befreien, haben Aufzeichnungen der Jem Hadar auf der Brücke gezeigt, dass es Rivalitäten zwischen beiden Gruppen gab, Sisko selbst hat einiges davon mitbekommen. Die hier im Alphaquadranten gezüchteten Krieger des Dominion sollten die neue Garde sein und das gefiel den „Gammas„ nicht. Im Verlauf des Krieges gab es Gerüchte über abtrünnige „Gammas„ Überlebende aus Gefangenenlagern berichteten ebenfalls von Kontroversen zwischen den beiden Jem Hadar Gruppen. Nach Kriegsende haben wir tatsächlich auf einigen Planeten Jem Hadar Truppen gefunden. Die meisten waren Tot, sie hatten sich gegenseitig umgebracht, nach dem ihnen das Ketracel White ausgegangen war. Man fand aber auch viele zurückgelassene Bereiche mit technischer Ausrüstung, aber keine Spur von den Jem Hadar. Keine Leichen, nichts. Nach dem was Sie jetzt berichten, hat jemand anderes Sie wohl vor uns gefunden.„ „Sieht ganz so aus.„ Antwortete ihr LaForge. „Die Son’a stellen das White für sie her und ich denke, sie dürften wohl auch in der Lage sein, das Züchten der Jem Hadar voranzubringen.„ Kira schüttelte nachdenklich den Kopf. „Haben wir das alles zu schnell abgehakt vor zwei Jahren? Haben wir in der Zeit danach so schlecht aufgepasst? Haben wir so viel übersehen?„ „Colonel lassen Sie uns hoffen, dass dieses grausame Massaker keine Fortsetzung findet. Wir werden alles in unseren Kräften stehende tun um das zu verhindern.„ „Dann viel Glück, Commander. Die Defiant befindet sich seit zwei Tagen an der cardassianischen Grenze, wir erwarten sie hier in zwei Stunden. Wir werden uns auf alle Fälle Einsatzbereit halten. Und für Ihre Freunde werde ich ein gebet zu den Propheten sprechen.„ „Danke Colonel, auch für die Informationen. Wir bleiben in Kontakt. LaForge Ende.„ Geordie erhob sich vom Kommandosessel und ging zum Raum des Captains. Geordie trat ein, Picard saß an seinem Tisch und studierte an der Computerkonsole Daten über die Son’a. „Lt. Daniels hatte recht. Wir flogen weg, die Föderation kümmerte sich um die Ba’ku, aber die weiteren Aktivitäten der Son’a fanden offensichtlich keine Beachtung beim Oberkommando.„ „Und unsere Vermutungen über die Jem Hadar scheinen auch zuzutreffen.„ Ergänzte LaForge. „Zumindest denkt man auf DS9 ähnlich. Colonel Kira erzählte von Rivalitäten zwischen den Jem Hadar, die aus dem Gamma Quadranten mit hierher kamen und jenen, die hier neu gezüchtet wurden. Ich denke mal, als die Son’a sich dem Dominion anschlossen, haben sie auch etwas davon mitbekommen und versucht einige „Gammas„ auf ihre Seite zu ziehen, wie es scheint, mit großem Erfolg.„ „Und als Produzenten von Ketracel White hatten sie eine perfekte Trumpfkarte in der Hand.„ Fügte Picard hinzu. Ein Signal ertönte. „Brücke an Captain Picard. Wir haben Verbindung zum Sternenflottenkommando.„ „Legen Sie das Gespräch hier in meinen Raum. Danke Nummer eins.„ „Aye Sir. Ich bin auf der Brücke.„ LaForge verließ den Raum. Picard betätigte eine Taste, auf dem kleinen Schirm erschien das Gesicht von Admiral Hayes. „Captain Picard, haben sie Fortschritte gemacht?„ „Ja Admiral, das haben wir. Erstens die fünf Konvois wurden in allerkürzesten Zeitabständen vernichtet, man kann also sagen, die Angriffe erfolgten fast gleichzeitig. Zweitens, die angreifenden Schiffe konnten als Jem Hadar identifiziert werden. Und dann fanden wir heraus, dass die eingesetzten Waffen von unseren „Alten Partnern„ den Son’a stammen. Es scheint erwiesen, dass die Son’a abtrünnige Jem Hadar auf ihre Seite gezogen haben.„ „Allmächtiger.„ Picard sah seinen Vorgesetzten nicht allzu häufig so erschrocken. „Admiral, was wir bis jetzt erlebt haben, hat in uns allen einen tiefen Schock verursacht. Neben den zivilen Opfern waren auch sämtliche Sternenflottenschiffe vernichtet worden. Keine Überlebenden. Hier an Bord betrauern wir ganz besonders den Verlust der U.S.S. Hood. Captain Riker, Commander Troi und Commander Worf dienten Lange auf der Enterprise unter meinem Kommando. Ich zählte sie zu meinen Freunden. Jetzt sind sie tot und ich frage mich, hätte es nicht verhindert werden können?„ „Jean Luc, es tut mir für Ihre Kameraden sehr sehr leid. Aber es ist und bleibt nun einmal eine Tatsache, dass der Dienst in der Sternenflotte neben der Möglichkeit vieler positiver Erfahrungen auch das Risiko beinhaltet, in kritische Situationen zu geraten und dabei sein Leben zu gefährden oder gar zu verlieren. Ich dachte eigentlich, dass wir beide lange genug diese Uniform tragen um zu wissen, was uns dort draußen zwischen den Sternen erwartet. Sie sollten es doch gerade aus eigener leidvoller Erfahrung wissen Captain.„ „Admiral, ich fürchte Sie haben mich falsch verstanden. Ich sprach nicht so sehr von unseren Möglichkeit als Raumschiffscrew einzugreifen, sondern mehr von der Rolle, die die Sternenflotte und die Föderation als Ganzes in dieser Geschichte spielt.„ „Captain, ich weiß nicht, was Sie andeuten wollen.„ Die Mine des Admirals wurde sehr ernst. „Sir, mit allem Respekt, wenn wir das, was hier geschehen ist als vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung sehen, die ihren Anfang nahm, als die Föderation und die Son’a zu Partnern in einer Sache wurden, die elementarste Grundprinzipien, allen voran die oberste Direktive, verstieß und nur durch das Eingreifen der Enterprise aufgedeckt wurde; wenn wir sehen, dass nach dem Ende dieses Bündnisses sich unsere ehemaligen „Partner„ dem Dominion anschließen, weil sie so ganz nebenbei das dringend benötigte Ketracel White herstellen können; und wenn wir sehen, dass sie offensichtlich abtrünnige Jem Hadar auf ihre Seite bringen konnten, sie versorgte und sie technisch neu ausrüsteten mit diesen Überfällen als Ergebnis, dann, Admiral, kommen sehr wohl Fragen auf zum Verhalten der Sternenflotte in den letzten Jahren. Was ist passiert, seit wir bei den Ba’ku waren? Die Son’a leben im Gebiet der Föderation, es ist für mich einfach unvorstellbar, dass niemand von dieser Entwicklung etwas gemerkt haben soll.„ Der Admiral schien tatsächlich etwas verlegen zu sein. „Jean Luc, ich verstehe Ihre Aufregung. Aber Sie können mir glauben, seit der Geschichte bei den Ba’ku waren wir bestimmt nicht untätig. Allerdings hat dieser Vorfall damals hier beim Oberkommando für helle Aufregung gesorgt. Admiral Dougherty überzeugte damals eine Mehrheit der Admiralität mit dem Argument, dass der Planet nicht die ursprüngliche Heimatwelt wäre und eine Erforschung der Lebensumstände der Ba’ku die Möglichkeit bieten würde, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, eine neue Heimat für sie zu finden. Mit keinem Wort wurde damals dieser „Jungbrunnen„ erwähnt, von einer heimlichen Zwangs-umsiedlung mit diesem Holoschiff gar nicht erst zu sprechen. Und von der verbotenen Tarnvorrichtung hatten wir ebenfalls keine Kenntnis. Als Sie Ihren Bericht damals ablieferten, haben Sie hier alle aufgeschreckt. Dafür, dass es, wie Dougherty damals sagte, sich nur um sechshundert Personen handelte, hat dieser Vorfall enorme Aus-wirkungen gezeigt. Bei unseren Verbündeten schlug die Geschichte ein wie eine Bombe. Sie hielten uns vor, zu einem Zeitpunkt, wo die Föderation in einem schlimmen Krieg am Abgrund stand und sie halfen all das, wofür die Föderation steht, mit zu verteidigen, wir einfach unsere eigenen Prinzipien verrieten, wenn es uns in den Kram passte. Viele unserer Verbündeten fragten sich, ob es sich noch lohnen würde, für eine solche Föderation sein leben zu riskieren und man nicht doch lieber über einen Nichtangriffspakt mit dem Dominion nachdenken sollte. Und einige sprachen davon, aus der Föderation auszutreten. Diejenigen, welche mit Admiral Dougherty bei dieser Sache zusammengearbeitet hatten und eingeweiht waren, traten zurück. Als Oberkommandierender übernahm ich die volle Verantwortung für den Vorfall und wollte meinen Posten zur Verfügung stellen. Wie Sie sehen Captain, wurde das abgelehnt. Offensichtlich vertraut man mir und meiner Arbeit noch. Nun möchten Sie wissen, ob wir der Entwicklung die danach folgte zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben. Unsere sehr Kritisch gewordenen Verbündeten schauen uns jetzt viel stärker über die Schultern. Allein schon deswegen können wir uns Nachlässigkeiten nicht leisten. Trotz des Krieges haben wir die Son’a nicht vergessen. Gerade aufgrund der Tatsache, dass sie das Ketracel White herstellen konnten, blieben sie nicht unbeobachtet. Ihr Anschluss an das Dominion konnte nicht verhindert werden. Aber ich muss zugeben, dass das Auftauchen der Breen als neuer starker Partner des Dominion sowie der beginnende Widerstand der Cardassianer unsere Aufmerksamkeit mehr in diese Richtung lenkte. Trotzdem blieb der Geheimdienst nach Kriegsende an ihnen dran. Zur politischen Führung der Son’a gibt es keinen Kontakt, sie haben uns auch das Überschreiten der Grenze zu ihrem Territorium verboten. Die Berichte des Geheimdienstes weisen bis jetzt auch nichts darüber auf, dass die Son’a in solch gewaltigem Umfang aktiv geworden wären.„ „Admiral, das hört sich aber sehr stark dach an, dass hier etwas übersehen wurde. Um eine solche Flotte an Kampfschiffen aufbauen zu können, müssen Schiffswerften errichtet worden sein. Diese müssen gefunden und vernichtet werden. Sonst erleben wir in kürzester Zeit eine Fortsetzung des Krieges, wenn er nicht schon begonnen hat. Wir sind unterwegs zu den Ba’ku um Informationen von Ru’afos engstem Vertrauten Galatin zu bekommen. Er kennt garantiert die neuen Machthaber seines Volkes und vielleicht weiß er auch, wo die So’na möglicherweise diese Schiffswerften haben.„ „Gut Captain. Ich meinerseits werde sofort den Föderationsrat einberufen. Und ich werde auf eine schnellstmögliche Entscheidung drängen, um ein Eskalieren der Situation möglichst zu vermeiden. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg Jean Luc, Sternenflotte Ende.„
